1892 / 300 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ried>e zugegangen. Danach wird der Staatsbedarf auf jähr- li<h 68 Millionen Mark, d. h. auf 21/4 Millionen mehr als im vorigen Etat, veranschlagt. Veranlaßt wird dieser Mehrbetrag durch den höheren Zinsertrag der Staatëschulden, durch die Steigerung der Naturalpreise, dur<h die Erhöhung der Matrifularbeiträge sowie dur< einen Mehrbedarf der De- partements des Jnnern und des Cultus. Die Einnahmen aus dem Kammergut sind wegen des geringeren Ertrags der Eisen- bahnen um 2 Millionen niedriger angeseßt. Andererseits sollen mittels Wiedereinführung der früheren Steuersäße die Ein- nahmen aus den directen Steuern um 3 Millionen erhöht werden. Ferner sollen aus den Restmitteln jährli<h 2 Millionen zur Deckung des Fehlbetrages verwendet werden. Für außer- ordentlihe Verwendungen erübrigen außerdem no<h Restmittel in Höhe von 2,7 Millionen. Am Schlusse des Berichts heißt es, für die nächste Finanzperiode sei cine Beihilfe dur<h Ueber- schüsse früherer Jahre niht zu gewärtigen: denno<h hoffe die Regierung, daß die Ordnung im Staatshaushalt Dank der hergebrahten Sparsamkeit . und dem vorsihtigen Zusammen- halten der Einnahmequellen bei gleichzeitiger zeitgemäßer Weiterbildung derselben dem Land erhalten bleibe. Sach®en-Meiningen.

Das Befinden Seiner Hoheit des Herzogs ist, wie dem „Reg.-Bl.“ aus Cannes gemeldet wird, re<ht gut. Die Be- wegungsfähigkeit Höchstdes)elben macht Fortschritte, wenn auch in den erkrankt gewesenen Körpertheilen no<h eine gewisse Spannung zurü>geblieben ist.

Walde> und Pyrmont.

Seine Majestät der König von Preußen hat, wie der „Reg.-Anz.“ meldet, den Staatshaushalts-Etat für die nächsten drei Finanzjahre (1893, 1894, 1895) genehmigt. Der Etat ist für 1893 auf 1312272 4, {ür 1894 auf 1262112 M und für 1895 auf 1 261 952 M in Einnahmen und Ausgaben festgeseßt.

Reuß: ä. L.

+ Jn der vorgestrigen Sißung des Landtags erfolgte zunächst die Bureauwahl. Zum Präsidenten des Landtags wurde der Wirkliche Geheime Rath von Geldern-Crispen- dorf, zum Vice-Präsidenten der Geheime-Hofrath von Dietel gewählt. Sodann erklärte das Haus die inzwischen erfolgten Neu- wahlen für gültig und überwies den von der Regierung überreichten Einkommenjteuergeseßzentwurf einer Commission von sieben Mit- gliedern zur Vorberathung, während die weitere Regierungs- vorlage über Theuerungszulagen für Subalternbeamte auf die Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung gestellt wurde.

Oesterreich - Ungarn.

Der Kaiser hat sih gestern, na<h einer Meldung des „W. T. B.“, in Begleitung des Großherzogs von Toskana und des Prinzen Leopold von Bayern auf +1 C - (4 j ; Ms 55 I einige Tage zur Hochwildjagd nah Neuberg begeben.

Das óösterreichishe Herrenhaus wird morgen eine Sißung abhalten. Auf der Tagesordnung stehen außer dem Budgetprovisorium und dem Rekruten-Contingentsgeseße die in der leßten Sizung des Abgeordnetenhauses beschlossenen Vorlagen.

Die ungarishe Bischofs-Conferenz is vorgestern durch den Fürst-Primas Vaszary geschlossen worden.

Großbritannien und Frland.

Am Sonnabend is in London ein Cabinetsrath ab- gehalten worden, dem nah der „A. C.“ sämmtliche Mitglieder beiwohnten.

Der Premier -: Minister der Capcolonie Sir Cecil Rhodes begiebt sich, wie „W. T. B.“ meldet, heute nah Egypten, um die Unterstüßung der egyptishen Regierung zu dem Plane, betreffend die Herstellung einer Land- telegraphen-Linie von Mashonaland na<h Egypten über Uganda, zu erlangen.

Frankreich.

In dem am Sonnabend abgehaltenen Ministerrath erstattete dem „W. T. B.“ zufolge der Justiz-Minister Bour- geois über seinen Beschluß, gegen die Administratoren der Panamakanal-Gesellshaft und gegen andcre betheiligte Per- fonen das gerichtlihe Verfahren einzuleiten, sowie über die vorgenommenen Verhaftungen und Hausfuchungen Bericht. Der Marine-Minister Burdeau bestätigte die Meldung, daß die dahomeyschen Häuptlinge, die Alladah beseßt hielten, sich unterworfen hätten. Die Blockade der Küste von Dahomey werde unverzüglich aufgehoben und der Dienst der Zollämter wieder aufgenommen werden.

Wie verlautet, beabsichtigt die Regierung, nah Ge- nehmigung der beiden provisorishen Budget-Zwölftel Und des französis<h-s<weizeris<hen Handelsvertrags, über den der Kammer ein Bericht vorgelegt worden ist, die parlamentarische Session am nächsten Sonnabend zu schließen.

Wie der „Jour“ meldet, wird der General-Procu- rator von den Präsidenten des Senats und der Kammer die Ermächtigung zur Verfolgung zener politischen Persönlichkeiten verlangen, die angeblich als Theilnehmer des Garantiesyndicats der Panama-Gesellshaft Ches er- hielten; es sind dies die Senatoren Grévy und Rénault, sowie die Abgg. Proust und Dugué. Betreffs der Parlamentarier, die zugleich Journalleiter sind , würde die Untersuchung si darauf zu erstre>den haben, ob die ausgewiejenen Beträge behufs Zeitungsreclame oder zur Beeinflu}]sung eines Votums gezahlt seien. Wie das genannte Blatt weiter meldet, soll au die Ermächtigung zur gerichtlichen Verfolgung gegen den Senator Devès und die Deputirten Cafsagnac, Maret und Baron de Soubeyran verlangt werden. Cassagnac erklärt, sein Journal „L’Autorité“ habe für An- fündigungen 45 000 Fr. erhalten, er persönlih jedo<h nichts. Baron de Soubeyran, der als Mitglied des Garantiesyndicats 40 000 Fr. erhalten hat, wird heute von der Panama- Untersuhungscommission vernommen werden. Das Journal „La Cocarde“ erklärt, wenn in die Panama-Angelegenheit volles Licht gebraht werden solle, so müßten die Bücher Eiffel’s und der anderen Unternehmer beshlagnahmt werden, in deren Taschen der größte Theil der verschwundenen Millionen geflossen sei. Diese Persönlichkeiten hätten die Ministerbestehung im allergrößten Maßstabe betrieben: des- halb sei Eiffel au<h nicht verhaftet worden.

Der Deputirte Mêge hat -angesihts der angeordneten Untersuhung darauf verzichtet, die bereits angekündigte Interpellation über Cornelius Herz einzubringen.

Die verhafteten Administratoren der Panama- Gesellschaft haben um ihre provisorische Freilassung gegen Caution nahgesuht, do< dürfte das Gesuch nicht be- willigt werden. Der flüchtige Administrator der Panamga- Gesellshaft Cottu hat Wien, wie von dort gemeldet wird, am Sonnabend Abend verlassen, angebli<h, um nah Paris zurü>zufkehren und sih der Behörde zu stellen.

Rußland.

In der für die deutsh-russishen Verhandlungen über den Abschluß einer Zollconvention niedergeseßten Commission ist an Stelle des bisherigen Vorsizenden Bunge wiederum Abasa zum Vorsißenden ernannt worden.

Der Reichsrath hat dem „W. T. B.“ zufolge die Wohnungssteuer im Princip angenommen; über die Details wird bis Neujahr eine Entscheidung getroffen und daher die Wohnungssteuer in das nächste Budget aufgenommen werden.

Der „Rußki Invalid“ veröffentliht die Kaiserlichen Cabinetsordres, wona<h im transkaspishen Gebiet aus den dort bestehenden Localtruppentheilen zwei neue Reserve-Bataillone, und zwar dasjenige von Kushk und daszenige von Geok:tepe, sowie eine Compagnie Festungs- Artillerie in Kuschk gebildet werden sollen.

Ftalien.

Der König empfing gestern, wie „W. T. B.“ berichtet, die Adreß-Deputationen des Senats undder Kammer. Zu der Deputation des Senats sagte der König, er beschäftige nh ebenso und vielleicht no< mehr als alle Anderen mit den lezten Zwischenfällen im Senat“: er habe jedo< das volle Ver- trauen, sie würden keinerlei Spuren zurü>lassen und durch weises und patriotishes Verhalten in befriedigender Weise gelöst werden.

In der Deputirtenkammer brachte der Justiz- Minister einen Gescßentwurf ein, wonach der kirchlichen Trauung die Civiltrauung vorhergehen soll.

Die „Agenzia Stefani“ wendet fich gegen eine Meldung des „Daily Chronicle“, nah welcher der Minister Brin eine Anfrage der bulgarishen Regierung bezügli<h der An- erkennung des Prinzen Ferdinand mit dem Wunsche beantwortet habe, daß eine europäishe Conferenz eine end- gültige Basis für die bulgarishen Angelegenheiten ausfstelle. Die „Agenzia Stefani“ bezeichnet diese Meldung als müßige Erfindung.

Spanien.

Die Regierung soll gutem Vernehmen nah beschlossen haben, die allgemeinen Wahlen im kommenden März statt- finden zu lassen.

Niederlande.

Die Zweite Kammer hat der „Frkf. Ztg.“ zufolge vor- gestern nach lebhafter Debaite das Marinebudget mit 58 gegen 35 Stimmen und damit den auf die Kosten von 60 Millionen Mark geschäßten, jedo<h über zehn Jahre zu vertheilenden ministeriellen Reorganisationsplan sowie den Bau von drei neuen Panzerschiffen, für die zusammen zehn Millionen bereits gesichert sind, angenommen.

Belgien.

Am Sonnabend Vormittag fand, wie „W. T. B.“ be: richtet, in Brüssel in der Kaserne der Grenadiere die Ein- stellung des Prinzen Albert, Sohnes des Grafen von Flandern, als Unter-Lieutenant in das Grenadier-Regiment fall. Der Konia, Oie Fontgin,. dle PLtuzesitn Clementine, der Graf und die Gräfin von Flandern mit den Prinzessinnen Henriette und Josephine sowie die gesammte Generalität wohnten der Feier bei. Der König hielt eine Ansprache, worin er den Prinzen zu seinem Eintritt in die Armee beglü>wünschte, mit warmen Worten der belgischen Armee sowie deren Offizieren Anerkennung zollte, die wesentli<h zur Gründung und Entwickelung des Congo- staats beigetragen hätten, und schließli<h den Prinzen auf seine der Fahne gegenüber übernommenen Pflichten verwies. Der Kriegs-Minister dankte dem König im Namen der Armee.

Die internationale Münzconferenz nahm am Sonnabend * auf Antrag des italienis<hen Delegirten Barons de Nenzis, der von Montefiore-Levi unterstüßt wurde, nachfolgende Resolution an: Die internationale Münz- conferenz erkennt den hohen Werth der Ae an, welche sowohl in den der Conferenz vorgelegten Berichten enthalten wie auch bei den Berathungen der Conferenz zu Tage ge- treten sind: fie behält si<h jedo< ihr weiteres Urtheil über die ihrer Prüfung unterbreiteten Materien vor und spriht der Regierung der Vereinigten Staaten von Nord- Amerika ihren Dank dafür aus, daß dieselbe zu der Conferenz Anlaß gegeben hat. Die Conferenz vertagt ihre Arbeiten nunmehr und beshließt unter dem Vor- behalte der Zustimmung der betheiligten Regierungen, am 30 Mai l J wieder zusäutménzutretcen. Die Conferenz \priht den Wunsch aus, daß man während dieses Zeitraums die Frage von Grund aus studire, damit man zu einem Einvernehmen gelange, welches den Grund- principien der Münzpolitik der verschiedenen Länder keinen Eintrag thut.

Bulgarien.

Die „Agence Balcanique“ ist ermächtigt, die von auslän- dischen Blättern verbreiteten Gerüchte über eine angeblich be- vorstehende Vermählung des Prinzen Ferdinand als jeder Begründung entbehrend zu bezeichnen. )

Amerika.

Jn Paris eingetroffener Meldung aus Rio de Janeiro zufolge ist Olympiso Mbreu zum Minister für Handel und Ackerbau und Pauma Souza zum Minister des Auswärtigen ernannt worden.

Afrika.

Der Conflict zwishen dem Congostaat und der Gesellschaft des Obern Congo isst, wie „W. T. B.“ meldet, durch einen Vergleich beigelegt worden.

Parlamentarische Nachrichten.

__ Bei der am 15. d. M. vorgenommenen Stichwahl im 1. Marienwerdershen Reichstags - Wahlkreise (Stuhm-Marienwerder) ist von Donimirski (Pole) gegen Wessel (Reichspartei) mit 1090 Stimmen Majorität zum Mitgliede des Reichstags gewählt worden.

__— Dem Hause der Abgeordneten sind vom Finanz- Minister die communal-finanzstatistishen Tabellen, betreffend die Umwandlung von Staatsrealsteuern in Com- munalsteuern und deren Einwirkung auf den Haushalt der Stadt- und Landgemeinden, vorgelegt worden.

Nr. 51 des „Centralblatts der Bauverwaltung“, herausgegeben im Minifterium der öffentlihen Ar- beiten, vom 17. Dezember, hat folgenden Inhalt: Rund-Erlaß vom 28. Nov. 1892, betreffend die Bauart der von der Staats-Bau- verwaltung auszuführenden Gebäude, unter besonderer Berü- sichtigung der Verkehrssicherheit. Nichtamtliches : Verstellbare Lagerung der Tragebretter an Büchergerüsten. Vorri<htung zum Messen von Grundwasserständen. Vermischtes: Preisausschreiben für ein Geschäftshaus der Versicherungsanstalt für das Königrei>- Sachsen in Dreêden. Elektrishe Aufzüge. Regenerativ-Gasofen.

Entscheidungen des Reichs8gerichts.

Wird bebufs Erzielung eines Zwangsverglei<s8 zwischen einem Konftursgläubiger und einer anderen Person die Cession der Forderung von jenem an diefen zu einem über die Accordate hinauê- gehenden Preise vereinbart, so ist, na< einem Urtheil des Reichs- geri<ts, I. Civilsenats, vom 29. Oktober 1892, diese Cession rehts- unwirksam, felbst wenn der Cesfionsvertrag das Zustandekommen des Zwangsvergleihs nicht ausdrü>li< als Bedingung formulirt hat und auch thatfähli<h der Zwangsvergleich nicht zu stande gekommen ift.

Das vertraglihe Abkommen mit einem Mitgliede des Gläubigeraus\<husses in einem Konkursverfahren, um dadur< die Stimme des betreffenden Mitgliedes des Gläubiger- ausshuîses zu Gunsten des Gemeinschuldners zu gewinnen, ist nah einem Urtheil des Reichsgerichts, T. Civilsenats, vom 29. Oktober 1892 unverbindlid<h.

Kunst und Wissenschaft.

Phyfikalische Gesellschaft.

In der Sißung vom Freitag, 16. Dezember, berichtete Herr Dr. Lummer von der Technishen Reichsanstalt über Versuche, welche er in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Guml ih angestellt hat, um eine bestimmte Art von Polarisationsapparaten, den Lippich- schen Halbschatten - Apparat zu verbessern. Dieser Apparat spielt bekanntli in der Saccharimetrie, also bei der Bestimmung des Zuckergehalts einer Lösung auf optishem Wege, eine große Nolle. Die Bestimmung erfolgt in der Weise, daß zwei neben einander liegende Felder, welhe gleihe Helligkeit besißen, dur< das optische Verhalten einer auf den Gang der Lichtstrahlen ge- brachten Zuckerlösung aus nicht näher zu erörternden Gründen ver- schieden beeinflußt werden, alfo eine verschiedene Helligkeit annehmen, und daß man nun diejenige Stellung des Apparats aufsucht, bet welcher beide Felder wieder gleiche Helligkeit haben. Die Genauigkeit dieser Bestimmung ist also in leßter Linie abhängig von der Sicher- heit, mit welher man ein Urtbeil über die gleihe oder verschiedene Helligkeit der beiden benahbarten Felder ausfpre<en fann. In diesem Punkte wird nun von Herrn Dr. L. eine Verbesserung angestrebt, in- dem er das Princip des von ihm ausgearbeiteten und bereits in mancher anderen Beziehung verwertheten Photometers zur Anwendung bringt und dadurch eine genauere Vergleihung ermögliht. Hieraus ergiebt sih dann eine Reihe von anderweitigen Erleichterungen in der Benutzung des Apparats.

Herr Professor Goldstein spra< zunächst über eine Eigen- thümlichkeit der Anode in Geißlershen Röhren. Die meisten Untersuchungen über die eleftris<e Entladung in luftleeren Räumen beziehen sih auf den Pol, welcher die negative Elektricität eintreten läßt, die sogenannte Kathode. Hier zeigt sich die wunderbare Er- scheinung, daß eine ihrem Wesen nah unbekannte Wirkung von der Kathode aus sich strablenförmig ausbreitet, um da, wo sie auf cinen festen Körper, z. B. die Glaswand der Röhre trifft, diesen je nah den Umständen zu erhißen oder in ein eigen- thümliches Leuchten oder wohl gar, wenn der Körper leicht bewegli<h it, in Bewegung zu wversezen. Unter andern Eigenschaften dieser Kathodenstrahlen hat man auch beobachtet, daß dieselben ni<ht aus allen Metallen mit gleicher Leichtigkeit heraus- treten; am leichtesten entstehen sie an einer Kathode aus Aluminium, schwerer an einer solhen aus Silber. Professor Goldstein hat nun die merkwürdige Thatsache gefunden, daß die verschiedenen Metalle sih an dem positiven Pol, der Anode, gerade entgegengesett verhalten, wie an dem negativen. Besteht beispielsweise die Anode zur Hälfte aus einem Silberble, zur Hälfte aus Aluminium, so sieht man bier den silbernen Theil mit dem der Anode eigenthümlihen Glimmlicht bede>t, den aus Aluminium bestehenden Theil dagegen dunkel. Eine Erklärung dieses Verhaltens der Metalle läßt sich um so weniger geben, als die eleftrishen Erscheinungen in solchen stark evacuirten Räumen überhaupt no< sehr wenig aufgeklärt sind. Eine auffallende Erscheinung bildet auch das von Croofes als Abstoßung zweier Kathoden- strahlen bezeihnete Phänomen. Es zeigt sih dann, wenn man die negative Elektricität dur< zwei Pole eintreten läßt ; die beiden cnt- ebUben Strahlenbündel nehmen einen anderen Weg, als jedes für ih bestehend ihn einshlägt. Sie weichen einander aus. Goldstein fand, daß dies seine Urfache nicht in einer Einwirkung der beiden Strahlen auf einander hat, sondern daß die beiden Kathoden felbst sich gegenseitig beeinflufsen. Der Nachweis hierfür is von ihm dadur geliefert worden, daß er die beiden Strahlenguellen dur einen fleinen Schirm von einander trennte ; die Strahlen stießen f dann ni<t mehr ab. Sp.

4+ Die neu arrangirte Ausstellung des Vereins Berliner Künstler im Architektenhause bietet ein abreHselungsreiches Bild der verschiedenen Richtungen ter gegenwärtigen Kunstproduction. Besonders reich ist die Landschaftsmalerei vertreten. Neben einer derben, aber ungemein plastishen Dorfvedute Berkemeyer?s finden wir zartgestimmte Viehweiden von Pedersen, fonnige bolländische Marschenbilder von H Baisch, einen Seestrand im Stile Mesdag’s von Le Maye ur, Strandscenen von Wentscher und Schmitgen, einen fstimmungsvollen Sommerabend von Flad und breit und ficher gemalte Waldinterieurs von Uth. Ziem- li ertrem impressionistish sind die Veduten von Hummel, die von glü>liher Beobachtung der Farben-- und Lichtwerthe in der Natur Zeugniß ablegen. u< P. Meyer-Mainz arbeitet in einem Kircheninterieur auf impressionistishe Farbenwirkung hin, vermag mit dieser aber ni<t bildmäßige Geschlossenheit und Ruhe des Gesammteindru>s zu vereinen. Denselben Mangel weist Boris Pruß? spißzige Feinmalerei eines Rococoboudoirs auf. Der Eifer im Durchführen des Einzelnen beeinträchtigt den Bli>k für das Ganze. Daß freili<h au< das entgegengeseßte Ertrem an dem eigentlichen Ziel tünstlerisWer Wirkung vorbeischießt, beweist Dudley Hardy?'s „Flucht aus Egypten“, wo in der weihli< vers{<wommenen Däâmmec- rung des Gesammttons die Gestalten des Elternpaares Christi kaum noch erkennbar werden. Gerade im religiösen Historienbilde verlangt das Auge aber einen Ausglei<h zwishen der landschaftlichen Stimmung und der Staffage, der hier niht erzielt ist. Hochbedeutend sind die holländishen Dorfscenen von F- van Leemputen, der mit gesundem Farbenfinn überzeugende Charakteristik im Ausdru> der Köpfe und der Haltung seiner Ge- stalten zu vereinen weiß. Saftige Farbengebung und gelungene Licht- führung fommt auch in einem Genrebilde von Marie von Kalk- reuth zur Geltung, das die Künstlerin selbst bei ihren malerischen

Studien im Freien beschäftigt zeigt. Von FIktalienern sind in der gegenwärtigen Ausstellung Ettore Tito mit einer in warmes Sonnenliht getau<hten Vedute des Marcusplates in Venedig und Pompeo Mariani mit einem italienis<hen Dorfbilde besonders vor- theilhaft vertreten.

Seine Königliche Hoheit der Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern, Dr. med., Neffe Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten, hat neuerdings eine wissenschaftlihe Arbeit über die Ursachen und Erscheinungen der Rippenfellentzündung erscheinen lassen. In der Münchener ,„Aerztlihen Rundschau“ wird sie als eine der für die Behandlung fruchtbarsten und für die Leser anregendften Arbeiten über diesen wihtigen Gegenstand bezeichnet.

In der Univerität zu Nom wurde, wie man den Münch. „N. Nachr.“ berichtet, am 16. d. M. eine Büste des bekannten Phyvsiologen Professors Jakob Moleschott im Beisein des Gelehrten selbs sowie des Unterrihts-Ministers enthüllt. Die Studenten bereiteten Moleschott großartige Ovationen.

Der bekannte englishe Naturforsher Sir Richard Owen ist na<h einer Meldung des „W. T. B.“ gestern in London ge- storben. Der Dahbingeschiedene, der ein Alter von 8 Jahren erreichte, hat sih dur< seine anatomischen und ofteologishen Untersuchungen der fossilen und Wirbelthiere einen Namen gemaht. Er war aus- wärtiges ordentliches Mitglied der Königlichen Akademie der Wissen- schaften zu Berlin.

Land- und Forstwirthschaft.

Ernte und Saatenstand.

Im Negierungsbezirk Posen haben die Kartoffeln im wesentlichen einen guten Ertrag geliefert. Die Getreideernte ift mit Ausnahme der Gerste als eine gute Mittelernte zu bezeihnen. Die fühle und tro>ene Witterung während des Monats Oktober d. J. wax für die Herbstbestellung günstig, sodaß die Einsaat der Winterung ras< von statten ging. Die Saaten stehen durhweg gut und bere<htigen zu Hoffnungen.

Saatenstand in der Türkei. (Confer. „R.-Anz.* Nr. 274 vom 18. November.)

Die Tro>enheit der Witterung hält in einem großen Theile der Türkei no<h immer an und wirkt auf den Stand der Saaten ungünstig ein. Im Unterlande bis zu 150 m Seeböhe is nach einer längeren regenlosen Zeit während der leßten Tage des vorigen Monats in den Küöstengebieten Regen gefallen, und die Bauern fonnten dort die Bestellung der Felder fördern. Sehr fühlbar dagegen macht fich der Regenmangel in den böber gelegenen Ländereien. Die 150 bis 400 m hoch gelegenen Felder er]heinen dermaßen ausgetro>net, daß die Bearbeitung des Bodens nur langsam vor si<h geht. Es wird nah Thunlichkeit weiter gepflügt, auch find ungefähr 50 bis 69 9/9 einer normalen Aussaat bereits ged Der Boden wird daselbst zur Zeit gewalzt, um die großen Erdklöße zu brehen. Auf diese Weile hofft man, fobald Regen eintritt oder Schneefall mit na<folgendem Thauwetter, die Aussaat später ver- vollständigen zu können. Auf den 400 bis 750 m hoch gelegenen Feldern aljo in den Gebirgsgegenden ist Schneefall mit nah- folgendem Thauwetter eingetreten, fodaß die Aussaat erheblich gefördert werden fonnte. Doch fallen diese Gegenden bei der Gesammternte weniger ins Gewicht. Auf den Hochebenen, d. h. in einer Höhe von über 750m, ist der Boden ganz ausgetro>net. Die bierdur< erzeugten Mißstände sind dur den theilweite eingetretenen Frost mit Reifbildung keines- weg gebessert worden. Eine Ausnahme bilden die über Sümpfen belegenen Grundstü>e. Dieselben haben immerhin no< Feuchtigkeit genug, um die Ausfaat zu ermöglichen. Auf diesen Grund- itü>en fann sfogar in diesem Jahre mehr als gewöhnlich an Wintergetreide ausgesät werden. Hierzu gehören ins- besondere die in den Flußgebieten der Hochebene be- legenen Felder. Vorbereitung für die Ausfaat is auch auf den un- günstiger belegenen Grundstü>ken der Hochebene nah Thunlichkeit ge- troffen worden; doch steht zu befürchten, daß auf diesen Grundstü>en <ließli< do< weniger als im vorigen Jahre zur Ausfaat gelangen wird. Sollte im Frühjahre die Trockenheit nicht anhalten, so könnte der Ausfall dur< eine Mehraussaat an Sommergetreide ausgeglichen werden.

Ernteaussichten in Chile. Infolge außergewöhnlihen Mangels an Regen während der Wintermonate sind, wie wir aus einer von Anfang November hber- rührenden Mittheilung aus Valparaiso erfahren, dic Aussichten für die im Dezember und Januar erfolgende Getreideernte in den Mittel- provinzen Chiles sehr beeinträchtigt, sodaß dort nur auf 2/3 oder 3/5 des Ertrags eines normalen Jahres zu renen is. Bessere Aus- sichten bieten sich in den Provinzen südli<h vom Maule-Flufse, wo reichlih und rehtzeitig Regen gefallen ift. Ernte-Ergebnisse in Egypten.

Angestellten Schäßungen zufolge stellt s< das Ergebniß der diesjährigen Ernte in Egypten in Weizen auf 60, in Gerste auf 30, in Dari auf 25, in Bohnen auf 110 und in Linsen auf 75 9/6 einer Mittelernte. Amtliche Berichte werden in Egypten über den Ernte- ausfall nit veröffentlicht.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Verbreitung der Rotkrankheit im Deutschen Reich im Jahre 1891. *) __ Nag dem schon mebrfa< erwähnten 6. Jahresberiht über die Verbreitung von Thierseuhen im Deutschen Reich, bearbeitet im Kaiserlichen Gesundheitsamt (Verlag von Julius Springer in Berlin) war die Robkrankheit im Berichtsjahre zwar räumlich etwas weniger verbreitet als im Jahre 1890, dagegen sind mehr Erkrankungéfälle und Verluste an Pferden gemeldet worden. Auch die Gesammtzahl der piere in den neu betroffenen Gehöften war größer als im Vorjahre. Als erfrankt sind 981 Pferde gemeldet gegen 866 im Vorjahre. Die Fälle vertheilen sih auf 12 Staaten (12 im Vorjahre), 50 Negierungs- 2c. Bezirke (57), 204 Kreise 2c. (203). Gefallen sind 55 Pferde (47), getödtet 1296 (1234), davon auf polizeilihe Anordnung 1244 (1119). Von den zu- leßt genannten Pferden wurden 359 = 28,9 9/9 (381 = 34,0 9/0) bei der Section frei von Roß befunden. Jn den 426 (414) während des Berichtsjahres neu betroffenen Gehöften waren 2933 Pferde (2582) vor- handen. Gänzlichv er \< ont geblieben sind wie im Vorjahre Melenburg- Streliß, Oldenburg, Braunschweig, Sachsen-Altenburg, Schwarzburg- Rudolstadt, Walde>, beide Reuß, Schaumburg-Lippe; außerdem Baden, Veffen, Sachsen-Meinigen, Lippe, Lübe>. Ferner sind innerhalb der verseuchten Staaten Rob (Wurm-) Fälle niht vorgekommen in 13 Regierungs- 2c. Bezirken, wovon 10 în Preußen (5 im Vorjahre), je 1 in Bayern. Sachsen und Sachsen-Coburg-Gotha, sowie in 695 Kreisen 2c. Von der Seucheb etr offen wurden 204 = 19,8 9/6 (19,7 9/5) sämmtlicher Kreise 2c. Nach der dem Jahresbericht beigegebenen kartographishen Dar- stellung waren wie in den vorhergegangenen Jahren hauptsächlich östliche und südliche Gebiete des Reichs verseuht. Gegenüber dem Vorjahre ergiebt sih indeß eine stärkere Verseu<hung im Osten und in den NReichslanden, eine geringere südlih vom Main, am Mittelrhein und im mittleren und nordwestlihen Deutschland. Von Osten her ilt die Seuhe in nordwestliher Richtung vorgedrungen und hat eimge Dee stärker betroffen. Jn Oberschlesien find großere zusammenhängende Seuchenherde an der rufsishen Grenze

entstanden ; E ist der Grad der Verseuhung dort stärker geworden.

Die höchsten rkrankungsziffern wiesen na< die Regierungsbezirke Königsberg, demnähst Gumbinnen, Marienwerder, Potsdam, Köslin, Posen, Bromberg, Oppeln, Merseburg, Schleswig und Ober-Bayern, ferner Me>lenburg-Schwerin. Von Kreisen lind in dieser Hinsicht zu nennen: Lten, Karthaus, e R:

*) Vergl. Veröff, 1891 S, 747.

Briesen, Löbau, Teltow, Wreschen, Kosel, Kreuzburg. Auf je 10 000 Pferde ergeben #< im Durchschnitt für das Reich 2,78 roß- kranke Pferde gegen 2,46 im Vorjahre, deëgleichen 3,84 gefallene und getödtete roßkranke und verdächtige gegen 3,64 im Jahre 1890. In zwei Fällen wurde der Not aus Oefsterreih-Ungarn, in drei aus Belgien und in einer größeren Zahl von Fällen aus Rußland nahh- weislih eingeshleppt. In verschiedenen weiteren Fällen sind die Pferde bereits erfrankt oder angefte>t gewesen, als sie in den Besitz desjenigen Eigenthümers gelangten, bei welhem die Seuche an ibnen festgestellt wurde. Durch die thierärztliche Beaufsichtigung der Pferdemärkte und Pferdeshlächtereien auf offener Straße und in Ab- de>ereien wurden mehrere Roßbfälle ermittelt, ferner sind 24 roßver- dâchtige Pferde in 15 Beständen des Kreises Neidenburg und je ein Fall in den Kreisen 2c. Briesen, Oldenburg i. Holst. und Ohrdruf bei der polizeilih angeordneten Untersuchung alter gefährdeter Pferde- bestände am Seuchenorte entde>t worden. Griechenland.

Die 24 stündige Beobachtungsquarantäne, welcher die aus" den italienishen Häfen kommenden Provenienzen bisher no< unterworfen waren, ift dur< Königliches Decret vom 7. Dezember 1892 auf- gehoben und an deren Stelle nur eine strenge ärztlihe Untersuchung geseßt worden.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien.

An der Nuhr sind am 17. d. M. gestellt 11 594, niht re<tzeitig gestellt feine Wagen.

In Oberschlesien sind am 16. d. M. gestellt 4801, nicht rehtzeitig geftellt feine Wagen.

Zwangs8-Versteigerungen.

Beim Königlichen Amtsgeriht T Berlin stand am 17. Dezember das Grundstü> Wöhlertstraße 20, dem Maurer- meister Johannes Gerbsc< hier gehörig, zur Versteigerung; Nußungswerth 25 070 #4, Mindestgebot 247 000 4: für das Meist- gebot von 313 200 A wurde die Dorotheenstädtishe Credit- Pan Mittelstraße 14, Ersteherin.

__ Beim Königlichen Amtsgeriht T1 Berlin stand am 17. Dezember das im Grundbuhe von Teltow Band 11 Blatt Nr. 411 auf den Namen des Baumeisters Udo Shüler-Bau- desson eingetragene, in Teltow belegene Grundstü> zur Ver- steigerung; dasselbe ist mit 0,65 Thaler Reinertrag und einer Fläche von 18 a 31 qm zur Grundsteuer, mit 2400 Nußtungs- werth zur Gebäudefteuer veranlagt; Mindestgebot 5189 A; für denselben Betraa wurde “der Schlossermeister Aug. Binge in Trebbin Ersteher. Aufgehoben wurde das Ver- f der Zwangéversteigerung wegen des im Grundbuche von

Band 30 Blatt Nr. 1207 eingetragenen, zu Schöne- dem Kaufmann Carl Friedri<h Hermann en Grundstü>s.

Berlin, 17. Dezember. (Wochenbericht für Stärke, Stärkefabrikate und Hülsenfrüchte von Marx Sabers ky). [a. Kartoffelmehl 182—197 Æ, Ia. Kartoffelstärke 1823—191 M ITa. Kartoffelstärke und -Mebl 16—175 Æ, feuhte Kartoffelstärke Frachtparität Berlin 9,90 , Franffurter Syrupfabriken zahlen na< Werkmeisterss Bericht franco Fabrik 9,50 A, gelber Syrup 213—22 #, Cap. - Syrup 221—23 Æ, Cap. - Erport 24— 247 4. Kartoffelzu>er gelber 21}—22 “M, do. Cap. 23—24 M, Rum-Couleur 36—37 #, Bier-Couleur 35—36 F, Derrtrin, gelb und weiß, Ia. 277—287 Æ, do. fecunnda 25—26 5, MWeizenstärke (fleinst.) 34—35 Æ, Weizenstärke (großit.) 41—42 A, Halleshe und S{hlesishe 41—42 #, Reisstärke (Strahlen) 48 bis 49 Æ, do. (Stüden) 46—47 MÆ, Maisftärfe 32 K, Schabe- stärke 30 A4 nom., Victoria-Erbsen 19—22 4, Kocherbsen 16—21 M, grüne Erbsen 18—22 #, Futtererbsen 14—15 #Æ#, Leinsaat 23—25 Æ, Linsen, große, neue 40—54 Æ, do. mittel 34—40 Æ, do. fleine 20—32 Æ, gelber Senf 32—42 Æ, Kümmel 44—50 #, Mais loco 123—13 Æ, Pferdebohnen 16—18 #, Buchweizen 141 bis 157 Æ,- inländishe weiße Bohnen 16—18 M, weiße Flahbohnen 20—-22 Æ, ungarische Bohnen 151—164 Æ, galizishe und russische Bohnen 14—15 Æ, Wi>en 125—13 Æ, Hanfkörner 19—20 A, Leinkuchen 16—17 #Æ, Weizenschale 93—10 #Æ, Roggenkleie 9}— 93 M, Napskuchen 14}3—157 Æ, Mohn, blauer 58—66 A, do. weißer 86—92 #Æ, Hirse, weiße, 18—20 A Alles per 100 kg ab Bahn Berlin bei Partien von mindestens 10 000 kg.

Die Generalversammlung der Märkischen Maschinen- bau-Anstalt, vorm. Kamp u. Co. in Wetter beschloß die Herabminderung des Actienkapitals dur< Nücfzablung von 400 000 # in Baar und zwar bundert Mark auf jede Actie.

Verdingungen im Auslande.

Egypten. 8. Januar. Präsident des Verwaltungsraths der Eisenbahn- Administration in Kairo : Lieferung von Stahl. 15. Januar. Ebenda: Lieferung von Eifen. Bedingungen im Bureau des Magazin - Inspectors in Gabbary (Alexandrien). Offerten müssen auf Stempelbogen zu 3 Piastern recommandirt eingereicht werden. i

Verkehrs-Anftalten.

Bremen, 18. Dezember. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Elbe“, am 6. Dezember von Bremen und am 7. Dezember von Southampton abgegangen, ist am 16. Dezember Abends in New-York angekommen. Der Schnelldampfer „Fulda“ hat am 16. Dezember Nachmittags die Reise von Gibraltar nah New- Vork fortgeseßt. Der NReichs-Postdampfer „Hohenstaufen“, na< Australien bestimmt, ist am 16. Dezember Vormittags in Aden angekommen. Der Postdampfer „Köln“, von Brasilien fommend, und der Postdampfer „Hannover“, vom La Plata fommend, baben am 17. Dezember Vormittags Ouessant pasfirt.

Hamburg, 18. Dezember. (W. T. B.) Hamburg - Ame- rikanis<he Pad>etfahrt-Actien-Gesellshaft. Der Post- dampfer „Scandia“ hat, von New-York kommend, heute Morgen Scilly passirt.

Triest, 17. Dezember. (W. T. B.) Der Lloyddampfer „Poseidon“ ist heute Nachmittag hier eingetroffen.

18. Dezember. (W. T. B) Der Lloyddampfer „Medusa“ ift, von Konstantinopel kommend, heute Nachmittag hier eingetroffen.

Theater und Mufik,

Königliches Opernhaus,

Der Königliche Kammersänger Herr Emil Goetze sang gestern als dritte Gastrolle den „Alesfandro Stradella“. Diese lyrische Partie entspriht ni<ht mehr ganz den Charaktereigenshaften der Stimme des Künstlers, der mehr und mehr Heldentenor geworden ift. Gleichwohl gelangen ihm die Lieder und Arien gut, da er neben der Kraft au< den weicheren Schmelz, wenigstens stellenweise, hervorzukehren vermohte; in der Schlußarie waren leider einige Tonshwankungen bemerkbar, im ganzen aber war die Leistung eine sehr E wovon auch ihre Aufnahme von Seiten des ausverkauften Hauses Zeugniß ablegte. Die Vor- stellung ging in den übrigen Theilen ebenfalls gut von statten. Haupt- fahlih zeihneten sih die beiden Banditen (Herr Krolop und Herr Lieban) dur< ihren guten Humor, charakteristisches Spiel und frishen Gesang aus. Fräulein Leisinger (Leonore) sang namentlich ihre Arie zu Beginn des zweiten Acts mit herzerfreuender Wärme. Das Maskenfest am Schluß des ersten Acts

s

war vortrefflih arrangirt; hier war cs namentli der Harlekin, der Aller Aufmerksamkeit auf fi< zog und das Publikum in die heiterste Laune verseßte.

Königliches Schauspielhaus.

Am Sonnabend erschienen die ersten Stücke der Wallenstein- Trilogie „Wallenstein’s Lager“ und „Die Piccolomini“ in neuer Einstudirung auf der Scene. Das Kriegélager bot in deco- rativer Hinsicht ein prächtiges Bild; die sneebede>ten Thürme von Pilsen ragten über ‘hohen Wällen im Hintergrande auf, seitwärts im Bordergrunde auf einer leihten Anhöhe erboben ih Zelte, vor denen bunte Gruppen lagerten; die Lagerfeuer sandten ibren Rauch zu defi helfen Winterhimmel emvor und vor den Marketenderzelten wogte ein lebhaftes Gedränge hin und her. Ein Masßenbild in großen, bewegten Zügen enthüllte fh vor dem Zuschauer ; die einzelnen Glieder diefer großen Menge griffen natürlich in einander ; die Erregung und der Gedanke des einzelnen übertrug f< wie dur< unsihtbhare Mächte auf die Allgemeinbeit und lobte in einer gemeinsamen Empfifi{ung empor. Der wilde ungezügelte Geist des Lagers, der einzig und allein Respect vor dem Namen des Friedländers hat, trat in den einzelnen Personen fräftig bervor. Der Holfishe Jäger des Herrn Purschian kündecte den forglosen Muth, die stroßende Lebenëfülle des Soldaten, der feine Sache auf nichts gestellt hat; Herr Herter als Rekrut sang und trommelte in seligerWeinlaune mit naiver Freude über seinen neuen Beruf, der ihm bis jeßt nur die Ungebundenheit und die lustige Seite des Kriegslebens zeigte ; eine derbe, rundlihe Marketenderin mit freiem Behagen an dem wilden Leben führte Frau Schramm, vor und Herr Vollmer gab seiner Kapuzinerpredigt eine®stark satirishe Fär- bung. Herr Oberländer als gravitätisher Wachtmeister und Herr Siegrist als Trompeter vervollständigten das Bild, von dem nur Herr von Hochenburger als zweiter Holkisher Jäger dur die Kraftlofigkeit seines Vortrags unvortheilhaft abf

In den „Piccolomini“ waren einige $ ( nommen worden, die dem Schauspiel aber früheren Aufführungen gegenüber fein wesentlih verändertes Ansehen gaben. Wallenstein, von Herrn Klein dargestellt, tritt nur im zweiten Act im Rath mit den Generalen auf; dem Darsteller genügte es jedo< hon, um in engem Nahmen eine treffliche Charakteristik des allmächtigen Feld- berrn zu geben: der unbeugsame, starke Wille leuhtete aus d beobachtenden Augen, die fih nur beim Wiedersehen mit de warm belebten und in mystis<em Glanze leu<hteten, als di Allgewaltigen von der geheimnißvollen Macht der Sterne Herrn Vischer’s Questenberg litt unter der Dünnheit un Sprödigkeit des Organs, das der diplomatischen Rede nicht die Kraf

digen Nachdru> zu verleihen vermochte, auch mate die Gestalt im ganzen einen mehr höfishen als würdes- vollen Eindru>. Frau Kahle als Herzogin von Friedland über- raschte dur< den natürli<en Auêëdru> demüthiger Ergebung, durh< die Milde des Tons, die gutmütbigen, aber swachberzigen Fürstin wohl ansteben. übrigen Rollen hatten die treffliche [rühere Beseßung behalten.

__ Gestern Abend wurde die Tri l beschlossen. Die sorgfältig vorbereitete Darstellung entsprach in jede Beziehung den Erwartungen und allgemeinen Beifall. dem Streben, die Schiller schen Vetse in natürlicher zu betonen ohne Vernachlässigung 3 erforderlichen Be von Pathos sind weitere e und erfreulide Fort- schritte zu verzeichnen. Besonders gi iese Anerkennung - Herrn Klein, der mit würdevoller Ruhe den Wallenstein gab, Frau Kahle als seiner Gemahlin, Frau von Hochenburger als Thekla, Herrn Arndt als Octavio Piccolimini und Herrn Ludwig als \hwedishem Hauptmann, während Herr Matkowsky durh elung seiner Leidens(aftlichkeit in einzelnen Scenen natür-

ubefezungen vorge-

N L E logie mit „Wallenstein?s T:

a

[t von Thekla und vom Herzog, wobei der Darsteller sein {6s Organ in maßvollerer Weise zur Geltung brachte, von tiefergreifende Wirkung. In der Rolle der Gräfin Terzky zeigte sich Fräulein Popp ibrem Schwager dem Herzog, gegenüber von überzeuge Außerdem feien von den auênahmsélos tüchtigen Leistungen die Herren Purschian als Graf Terzky, Keßler als Illo Buttler, Vollmer als Fsolani erwähnt. Sing-Akademie.

Die Weihnachtsfeier der Sing-Akademie, zu welcher sih am Sonn- abend, wie alljährli<, ein außerordentlih zabhlreihes Publikum ein- gefunden hatte, brahte zum zehnten Male Bah's Weihnachts- Oratorium zur Aufführung. Wiederum waren es die Leistungen des Chors, der dur< Klangschönheit, Präcision und tiefem Eindringen in den Inhalt der Bah’schen Werke alle anderen hier bestehenden Vereinigungen überragen : ein Vorzug, der in erster Linie dem Ver- dienste des Dirigenten Herrn Professor Blumner zuzuschreiben ift, welcher seinen Vorgängern nicht bloß nacheifert, sondern sie in mand>en Puntten no< übertrifft. Einen erhebenden andahterwe>enden Ein- dru> machten au bei dieser Feier die Chorâle, an denen gerade dieses Werk so reih ist. Die Sopransoli befanden si< wieder in den bewährten Händen des Fräulein . Helene Oberbe>: au<h Fräulein Selma Thomas aus Breslau sang ihre Altpartie vortrefli<h. Herr Hauptstein (Tenor) wirkte nfhr durh verständnifvolle Ausdru>k2weise als dur< Schönheit des Stimmen- kflangs, während der Bassist Herr Rolle beides vereinigte. Daß das Philharmonische Orchester die zwischen die Chöre eingeshobenen wundervollen Symphoniesäße des Oratoriums in vollendeter Weise ausführte, bedarf kaum no< der Bestätigung; în der Begleitung des Chors und der Solisten wäre vielleiht ein geringeres Maß von Kraft- aufrwand wünschhenêwerth gewesen. Am Freitag, 23. Januar, gelangt Bach's zweiter Cantatencyclus zur Aufführung.

Saal Bechstein.

Die junge Altistin Fräulein Bertha Nagel (aus* Prag) gab am Sonnabend einen Liederabend, in wel<hem sie mehrere Leder von Schubert, Schumann, A. von Golds{hmidt, Rubinstein, Brahms und anderen vortrug. Die begabte Künstlerin ist im Besiße einer wohl- kflingenden und fräftigen Stimme, die nur in der Höhe niht immer leiht genug anspriht. Ihre warm empfindende Ausdru>êweise kam besonders in den ersten Liedern, Schubert's „Doppelgänger* und „Der Tod und das Mädchen“, im „Schlaflied“ von Moszkowski, „Immer leiser wird mein Schlummer“ von Brahms und in Gold- marfk’s „Herzeleid“, welches fie wiederholte, zur Geltung, während ihr die Lieder heitern und naiven Inhalts weniger gelangen. Ein zu bäufiges Tremoliren beeinträhtigte au< mitunter die Reinheit der Intonation. Der Pianist Herr G. Krüger, der si< vor kurzem bereits hier bören ließ, trug einige Piècen von Schumann, Henfelt, Leschetizky (seinem Lehrer) und Chopin vor, in denen er eine weit ent- widelte technische Fertigkeit und ges<ma>volle Ausdru>sweise erkennen ließ. Ihm sowobl als der Concertgeberin wurde lebhafter Beifall des niht zahlrei ershienenen Publikums zu theil.

Am Mittwoh gelangt im Königlichen Opernhause „Cavalleria rusticana“ mit den Damen Sucher, Lammert und Deppe, den Herren Rothmühl und Fränkel zur Darstellung. Darauf folgt die mythologishe Tanzdichtung „Prometheus“ mit Beethoven's Musik. Der Donnerstag bringt. die Oper „Bajazzi* mit Frau Herzog, den Herren Sylva, Bulß, Fränkel, Philipp, und das Tanz- poem „Die Iabreszeiten“.

Im Berliner Theater is wegen Unpäßlichkeit der Frau Agnes Sorma der Spielplan der nächsten Tage einigen Veränderungen unterzogen: Heute Abend (ausnahmsweise Anfang 7# Uhr) kommt Moser und Schönthan's Lustspiel „Krieg im Frieden" zur Aufführung, morgen (Anfang 7 Uhr) „Julius Cäsar“ und am Mittwoch (Anfang 7 Uhr) mit Agnes Sorma, Ludwig Barnay u. \. w. das Sardou’sche Schauspiel „Dora.“

Zu den im Berliner Theater an den drei Weihnachtsfeier- tagen stattfindenden Nachmittagévorstellungen hat der Billetverkauf heute an der Vormittagskasse des Theaters begonnen.

Im Friedrich - Wilhelmstädtishen Theater werden in der am Donnerstag zur ersten Aufführung kommenden Operette „Der Millionenonkel“ in den Hauptrollen die Damen Collin, Cor- nelli, E. Schmidt, Navarra, Csendes und die Herren Steiner, Well-

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