1892 / 301 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Das „Marine-Verordnungsblatt“ veröffentliht nachstehende Allerhöchste Ordres über Uniformsabzeichen und Kriegsdienstzeit:

Ich bestimme, daß Admirale in der Stellung Meiner General- Adjutanten und Meine Admirale à la suite sowie See-Offiziere in der Stellung Meiner Flügel-Adjutanten nachfolgende Abzeichen an- zulegen baben: 1) In den Epauletten unter dem Anker und auf den Achselstü>en Meinen Namenszug mit der Königskrone und zwar Admirale in der Stellung von General-Adjutanten von Gold, Admirale à la suite und Flügel-Adjutanten von Silber. 2) Das Achselband der General-Adjutanten oder Generale à la suits oder Flügel - Adjutanten. 3) Der in Meinem persönlichen Dienst zu tragende Galarc> ist von dunkelblauem Tuch mit e>igem, ausgeschnittenem Stehkragen, weißen, breit aufgeshlagenen Revers, weißen Schoßtaschenleisten und KAermelplatten mit den der Charge entspretenden Rangabzeichen auf den Aermeln. Der Stehkragen ist von weißem Tuch mit einer 1,5 cm breiten, goldenen Trefse und dar- unter den General-Adjutanten- bezw. Flügel-Adjutanten-Litzen beseßt. Die Einfassung des Saumes des Brustrevers. der Schcßtascheuleisten, ter Siß und die Zahl der Ankerknöpfe, die Länge und Futterung dés Ros sind dieselben, wie bei dem Galarc> der See-Offiziere. Neues Palais, den 21. November 1892. Wilhelm. An den Reichskanzler (Reichs-Marineamt).

Ich bestimme: Die von der Shußtruppe für Deutsh-Ostafrika in der Zeit vom 22. Juni bis 17. September 1891 gegen die Wahehbe und vom 16. August bis 12. September 1891 gegen die Mafiti aus- geführten Expeditionen gelten im Sinne des $ 23 des Geseßes, betreffend die Pensionirung und Versorgung der Militärpersonen des Reichsheeres und der Kaiferlihen Marine, vom 27. Juni 1871, als ein Feldzug, für welhen den daran betheiligt gewesenen Deutschen ein Kriegsjahr insoweit zur Anrechnung zu bringen ift, als dies nicht bereits auf Grund anderweitiger Bestimmungen für das Jahr 1891 zu erfolgen hat. Neues Palais, den 5. Dezember 1892. Wilhelm. In Vertretung des Reichskanzlers: Hollmann. An den Reichs- kanzler (Reihs-Marineamt).

Die vereinigten Ausshüsse des Bundesraths Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen, sowie vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und Handel und Verkehr hielten heute Sißzungen.

Das „Dresdner Journal“ bringt folgende Be- trahtungen über unsere Landwehr aus Anlaß der Militärvorlage:

In der Presse ist von den Vertheidigern der Militärvorlage, wele gegenwärtig den Reichstag beschäftigt, angeführt worden, daß den Landwebrtruppen nicht dasselbe zugemuthet werden tönnte, wie Linientruvppen und man deshalb darauf Bedaht nehmen müsse, die Feldarmee zu verjüngen. S :

Diese Ansicht hat in den Kreisen der alten Soldaten eine le hafte Verstimmung hervorgerufen, zum theil deshalb, weil man sie für cine Undanfkbarkeit gegenüber den Leistungen der Landwehr in dem leßten großen Kriege bezw. in früheren Kriegen hielt, zum anderen Theile deswegen, weil man sie dahin auélegte, daß der Landwehr weniger Opfermuth und weniger Tapferkeit zugetraut werde, als der

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Hier liegt ein sehr großes Mißverständniß vor. Rüefhaltlos wird von jedem Berufenen, welcher - die Leistungen der Landwehr prüft, anerfannt werden : à / 1) die Landwehr hat dem Vaterland im Kriege die allergrößten Dienste erwiesen und :

9) die Landwehr bat sih bei jeder Gelegenheit mit ausgezeichneter Tapferkeit geshlagen und alle ihr zugemutheten Anstrengungen mit größter Bereitwilligkeit überwunden. i

Die Gründe, welche die verbündeten Regierungen veranlaßt baben, eine Aenderung der Webreinrichtung vorzusc{lagen, liegen auf einem ganz anderen Gebiet. Man hält es nämlich 2 |

I. für unrichtig, wenn man sofort bei Ausbruch des Krieges die Landwebr mit in die erste Linie gegen den Feind stellen muß, während fehr viele junge, fast dur<gängig no< unverheirathete Männer zu Haus bleiben, welche entweder nc< nit ausgebildet sind oder bei der gegenwärtigen Friedenspräsenzstärke ni<ht ausgehoben und aus- gebildet werden fönnen. Vermehrt man die Friedenépräfenzstärke, wie das die Militärvorlage bezwe>t, so können viel mehr zum Militär- dienst Taugliche in die Armee eingestellt werden, und man braucht die Landwehr nicht sofort in erster Linie zu verwenden. Damit erreicht man aber einen weiteren Vortheil, indem

II. die Landwehr erft dann an den Feind geführt wird, nachdem man den Landwehrleuten Zeit und Gelegenheit gegeben hat, sich mit den Formen des Dienstes wieder vertraut zu machen und sih an Strapazen zu gewöhnen. Ieder alte Soldat weiß, daß wirkliche militärishe Leistungen, wie sie der Krieg fordert, nur erreicht werden, wenn der Soldat sich in voller Uebung befindet. Das gerade ist aber bei dem Landwehrmann ni<ht der Fall, er ist nicht gewöhnt, die Uniform, das Gepä> und Gewehr sowie Munition zu tragen: sehr viele Landwebrleute sind infolge ihrer Thätigkeit im bürgerlichen Leben nit mehr daran gewöhnt, stundenlang bei jeder Temperatur im Freien zu sein, Kälte oder Hiße fowie Vurst zu er- tragen, große Märsche zu machen, unregelmäßig zu essen und bei allen dielen Entbehrungen und Schwierigkeiten do<h ihre militärischen Auf- gaben zu erfüllen. : Î Läßt man den Landwehrleuten Zeit, den Körper wieder abzu- bärten, si an die Strapazen erneut zu gewöhnen, die militärishen Formen nah allen Richtungen bin sih wieder einzuprägen, fo besteht garkfein Zweifel darüber, daß sie dann wertbvollere Soldaten sind, als gleid nah ihrer Einberufung bei einer Mobilmachung. /

Der Landwehrmann selbst muß also ebenso wie die Heeresleitung wünschen, daß von der Landwehr erst dann ein Gebrau< vor dem Feinde aema<t werde, wenn sie wieder den Anforderungen gewachsen t, welche der Krieg stellt. A

Dieser Zeitpunkt wird bei dem guten Willen diefer al*zn, voll- fommen auserercirten Soldaten fehr bald eintreten und dann wird die Heeresleitung diese Trupyen mit Vertrauen und Zuversiht ver- weiden fönnen. j

Und ist es denn niht rihtig, zuerst den unverhei- ratheten Mann an den Feind zu bringen und erti in zweiter Linie den verheiratheten, den Vater von Kin- dern?! Die Maßregel der Regierung in der Vorlage zur Heeres- verstärkung ift daher ein Aci ter Gerechtigkeit.

In früheren Zeiten, als man nur mit der Möglichkeit zu re<nen brauhte, nah einer Seite bin Krieg führen zu müssen, konnte man die Landwehrtruppen zunächst in zweite Linie stellen und ihnen Zeit geben, die vollständige Kriegëtüchtigkeit fich anzueignen ; rechnet man aber mit der Möglichkeit eines Krieges nah verschiedenen Seiten, wie das immerhin jeßt niht ganz ausges<lossen ist, so müßten, falls der jezige Zustand in unserer Militärorganifsation weiter bestehen bliebe, die Landwehriruppen sofort in erster Linie mit verwendet werden.

So steht die Sache! Es ist bei dieser Sachlage do gar nicht einzusehen, wie die jeßige Militärvorlage eine Beleidigung der Landwehrleute bedeuten kann im Gegentheil, man will dur< die in Ausficht genommenen Maßregeln den vollen Werth der alten Sol- daten’ zur Geltung fommen laffen.

Am 17. d. M. ist der Königliche Wirkliche Geheime Rath und Unter-Staatssecretär im Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten , Seine Excellenz Dr. von Marcard verstorben. -

Justus Georg Eduard Marcard, geboren am 14. Dezember 1826 zu Hannover als Sohn des Hofraths Dr. Wilhelm Marcard, besuhte das Gymnasium seiner Vaterstadt und dem- nächst die Universität Göttingen. Jm Jahre 1851 trat er in den Königlih hannovershen Staatsdienst und gehörte darin bis zum zurügelegten Richterexramen dem Zustiz-, dann dem Verwaltungsdienst an. Jm leßteren war er bis 1859 bei den Aemtern zu Linden und Winsen, bei der Landdrostei und dem Consistoruium zu Aurich, von 1859 bis 1866 im Ministerum des Jnnern als Referent und stimmführendes Mitglied angestellt, in welcher Eigenschaft er im April 1866 zum Regierungs-Rath ernannt wurde. Gegen Ende des Jahres 1866 als Hilfsarbeiter in das preußische Ministerium für landwirthschaftliche Angelegen- heiten berufen, gehörte er diesem ‘Ministerium seit dem 923. März 1868 als Geheimer Regierungs- und vortragender Nath, seit dem 14. Januar 1873 als Geheimer Ober- Negierungs-Rath und seit dem 7. Dezember 1874 als Ministerial- Director und Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath an. Seit dem Jahre 1877 war er neben seiner Stellung im Mi- nisterium stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrath und Mitglied des Staatsraths, sowie des Gerichtshofes zur Ent- scheidung der Kompetenzkonflikte. Auch war ihm viele Jahre hindur< der Vorsiz im Landes-Oeconomiecollegium, in der tehnishen Deputation für das Veterinärwejen und in der Central-Moorcommission übertragen. Am 2. April 1882 erfolgte seine Ernennung zum Unter-Staats- secretär im Ministerium für Landwirthschaft , Domänen und Forsten, am 26. März 1884 zum Wirklichen Geheimen Nath. An 5. Mai 1888 wurde er in den erblichen Adelstand erhoben. Sein König, wie mehrere Fürsten anderer deutscher Bundesstaaten ehrten ihn mit hohen Ordensauszeichnungen.

Mit seltener Begabung und tiefster Bildung des Ver- standes und des Herzens einigten sich in dem Verblichenen unermüdliche Pflichttreue und umfassendstes Wissen. Der Ruf als hervorragender Arbeiter ging ihm aus der Thâtigkeit in seiner hannoverschen Heimath voran. Unmittelbar nah der Uebernahme in den preußischen Staatsdienst zunächst vorzugsweise zur Be- arbeitung der hannoverschen Angelegenheiten in das Mi- nisterium berufen, erstre>te er seine Wirksamkeit alsbald auf die landwirthschaftlichen Verhältnisse der ganzen Monarchie. Seine Thâätigkeit ist seitdem von der weittragendsten Be- deutung und dem segensreihsten Erfolge für die Angelegenheiten des Ressorts des Ministeriums für Landwirthschaft, Domänen und Forsten gewesen. An den wichtigen, während jeiner Amtszeit von diesem Ministerium ausgegangenen ge}eß- geberi)<hen Materien hatte er einen hervorragenden und be- stimmenden Antheil: hierdur<, sowie dur die erfolgreiche Umgestaltung des Veterinärwesens und der damit verbundenen Verwaltung hat er sih bleibendes Verdienst um die Landwirth- schaft und das ganze Vaterland erworben. Nicht minder wichtig sind seine Verdienste um die Cultivirung der Moore, und die erste, dur seine Bemühungen in seiner Heimathprovinz in das Leben gerufene Moorcolonie führt zu seinem Andenken den Namen Marcardmoor. N

Der Entshlafene war ein Beamter im besten Sinne des Worts, voller Hingebung an König und Vaterland, von unermüdliher Arbeitskraft und Arbeitslujt, ausgejtattet mit hervorragenden Eigenschaften des Geistes, ein Mann von wahrhaft edler Gesinnung. Was ihn auszeichnete und ihm die Neigung und Verehrung aller, die ihm näher getreten sind, gewann, war die Treue seines Wesens, die perjönliche Anhänglichkeit an die Vorgeseßten, die seinen Werth erkannt hatten, die Gerechtigkeit und Milde im Ver- kehr mit seinen Untergebenen. Leider machte si<h seit Jahren ein Lungenlciden bemerkbar, dessen Verlauf die ärzt- liche Kunst zwar hemmen, aber nicht aufzuhalten vermochte und dem er nunmehr erlegen ist. Trotz dieses Leidens erfüllte der Verblichene mit unermüdlihem Fleiß und aufopfernder Hingebung sein Amt, bis in den leßten Tagen die Kräfte versagten ein leuhtendes Beispiel der Pflichttreue bis in den Tod!

Dem Kaiserlihen Gesundheitsamt vom 19. bis 20. Dezember Mittags gemeldete Cholerafälle : Jn Hamburg eine Neuerkrankung.

Seitens des Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten ist die Einfuhr von lebenden Shweinen aus Steinbruch, Bieliy - Biala und Wiener - Neustadt über Oder- berg, Dziediß und Bodenbach in das demnächst zu eröffnende städtishe Schlachthaus zu Halle a. S. vom Tage der Er- offnung ab widerruflih gettiattet worden.

Der Jnspecteur der 1. Cavallerie - Jnspection, General- Lieutenant von Krosigk ist von Urlaub hierher zurü>- aeftehrt.

Me>lenburg.

Die Stände haben die Negierungsvorlagen in der Haupt- sache erledigt. Jnsbesondere ist über die drei Capita propo- nenda des Landtags - Ausschreibens eine Einigung erzielt. Cap. I, die fogenannte ordentlihe Contribution , betrifft die in ihren Beträgen feststehenden, aber alljährli<h neu zu bewilligenden ordentlihen Grundsteuern. Ad cap. II, dem Etat der Allgemeinen Landes-Recepturkasse pro 1893/94, war ursprünglich, wie bereits erwähnt, die Erhebung von ?/10 der außerordentlichen Contribution proponirt. Dabei waren als Ueberschuß des Jahres 1892/93 200000 # in Ein- nahme gestellt. Da aber na<h den neueren Mit- theilungen des Reichéschazamts die Einnahmen aus den Reichssteucrn und Zöllen nicht unerheblich (lg: A ern sind und daher auf diesen Uebershuß im laufenden Jahre nicht zu rehnen ist, fo haben die Stände im Einvernehmen mit der Regierung für Me>lenburg-Schwerin die Erhebung von ®/io beschlossen, während es für Me>lenburg-Strelig bei 7/19 ver- bleibt. Cap: IIT betrifft den Etat der Großherzoglichen Friedrih-Franz-Eisenbahn pro 1. April 1893/94. Darin ist die Betriebseinnahme mit 7054300 Æ, die Be-

triebsausgabe mit 4511750 Æ eingestellt, sodaß ein Ueber- chuß von 2542559 Æ zu dem Haupt - Etat ver- einnahmt ist. Dazu fommen außer dem Betriebsfonds von 757 556 t. 24 S, sonstige- Nebeneinnahmen von 250326 4 sodaß in Summa im ordentlihen Etat 3350432 # 24 z zur Verfügung stehen. Dem steht gegenüber eine Ausgabe in gleichem Betrage zur Verzinsung des Anlagekapitals, Ver- infsung und Amortisation weiterer Anleihen, Zahlung er Annuität von 9600090 # an den Landesherrn auf das Kaufgeld, sowie zwe>s Abführung von 48246 M an den Sicherheitsfonds und den Betriebs- fonds in die näcstjährige Rehnung. Außerordentlih find aus Anleihe 600 000 # in Einnahme und zu Bauten und zur Vermehrung der Betriebsmittel in Fus gestellt. Die ständische Erklärung stimmt dieser Vorlage in der Hauptsache zu. Zum Bau normal}jpuriger Nebenbahnen von Rofiok nah Süße: Landesgrenze mit Abzweigung nah Tessin, von Schwerin nah Gadebush und Rehna, sowie von Kriviß nah Parchim waren aus der Landes-Necepturkasse zahlbare, verzinsbare und amortifirbare Landeshilfen von 25000 F pro Kilometer beantragt. Für die beiden ersteren Linien sind 20000 # pro Kilometer bewilligt. Die Landeshilfe für Kriviß-Parhim ist abgelehnt. Die Beschlußfassung über die den Ständen vorgelegten Normativbestimmungen für die Be- willigung von Landeshilfen zum Bau von Kleinbahnen ist bis zum nächsten Jahre ausgeseßt und demgemäß die be- antragte Landeshilfe für eine Tertiärbahn von Stavenhagen na< Marin vorläufig abgelehnt. Erneut haben die Stände von der zum Bau einer Landes-Jrrenanstalt bei Rosto> be- antragten Beihilfe von 1 000 000 / nur 600 000 #6 bewilligt, und die Regierung hat erklärt," daß sie diesen Betrag annehme und nunmehr mit dem Bau beginnen werde.

Gestern um 3 Uhr ist der Landtag geschlossen worden, nahdem die no<h bestehenden Differenzen, betreffend den Eisenbahn-Etat, erledigt bezw. zu weiterer Verhandlung mit dem engeren Ausschuß verwiesen sind. Die in dem ab- geminderten Betrage von 20000 6 bewilligten Landeshilfen für die neu zu erbauenden Eisenbahnlinien hatte die Regierung unter der Bedingung angenommen, daß von den Kosten der dur< den Bau der neuen Linien nothwendig werdenden Er- weiterung einzelner Bahnhöfe ein Betrag von 212 000 # auf die Landes-Recepturkasse übernommen würde. Diefe Bedingung hat die Ritterschaft abgelehnt, die Landschaft angenommen.

Braunschweig.

Seine Königliche Hoheit der Prinz Albrecht von Preußen, Regent des Herzogthums Braunschweig, ist Sonn- abend Nachts von den Hofjagden in Leziingen mittels Sonder- zugs nah Braunschweig zurückgekehrt. Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzen Friedrich Heinrih und Joachim Albrecht sind in Begleitung des Majors von Kaßler zu einem mehrwöchigen Aufenthalt daselbst eingetroffen.

Sachsen-Altenburg.

Der Landtag hat der „Magd. Ztg.“ zufolge seine Zu- stimmung zu der Verlegung des Bußtags auf den Mittwoch vor dem leßten Trinitatis-Sonntag unter der Vor- ausseßzung gegeben, daß die erstrebte Einigung mit den nord- deutschen Landeskirchen über die Feier eines cinheitlihen Buß- und Betitags im wesentlichen erreiht wird.

Anhalt.

Jhre Durchlauchten der Fürst und die Fürstin von Schwarzburg-Sondershausen find zum Besu<h des Herzoglichen Hofes in Dessau eingetroffen und gedenken wäh- rend des Weihnachtsfestes daselbst zu verweilen.

Schaumburg-Lippe. _ Jhre Durchlauchten der Fürst und die Fürstin haben Kirchdorf gestern verlassen und die Rü>reise na< Bü>eburg angetreten.

Oesterreich - Ungarn.

Die böhmische Abgrenzungs-Commission hat, wie das „Prager Abdbl.“ berichtet, in ihrer gestrigen Sißung die vorliegenden Anträge der Referenten, darunter den Antrag auf Errichtung eines Kreisgerichts in Trautenau, das 156 810 Einwohner mit deutscher und 3147 Einwohner mit böhmischer >Umgangssprache umfassen würde, angenommen.

Frankrei.

Das „Journal officiel“ von heute publicirt eine Ver- fügung, wonach die Blockade der Küste von Dahomey aufgehoben ist. i i E

Die Deputirtenkammer hat gestern, wie W. 2. B. berihtet, mit 261 gegen 246 Stimmen die Erhöhung der Alkoholsteuer auf 254 Fr. sowie die Erhöhung der Erbschafts- steuer angenommen. E : L,

Die Budgetcommission hat gestern die Vorschläge ein- gebracht, mittels deren der Ausfall, der dur den Wegfall einer Erhöhung der Licenzsteuer, sowie dur<h Nichteinführung einer Börsensteuer entstehen würde, compensirt werden soll.

Der Deputirte Jumel hat auf Wunsch des Kriegs-Ministers de Freycinet darauf verzichtet, die Regierung wegen der Veröffentlihung des Briefes von Löwe an Boulanger zu interpelliren. : S

Die Panama-Untersuchhungscommi]j}jtion vernahm gestern den Deputirten de .Soubeyran, der zugab, 97 000 Fr. als Syndikatsgewinn erhalten zu haben, jowie den Liquidator der PanamacGesellschaft Monchicourt, der mehrere wenn au< wenig genaue Auskünfte über die für Veröffentlihungs- und Emissionszwe>e namentlih an Reinach geflossenen Geldbeträge ertheilte. Monchicourt fügte hinzu, die Administratoren der Panama-Gesellschaft hätten zu wieder- holten Malen über die Forderungen Reinach's Klage geführt. Morgen wird der ehemalige Polizei-Präfect Andrieurx ver- nommen werden. : : N /

Dem „Figaro“ zufolge sollen bei der gestern in den Bureaus der „Banque franco-égyptienne vor enommenen Haussuhung sichere Anzeichen für die Bestech ung mehrerer Parlaments-Mitglieder in die Hand des Untersuchungsrichters gelangt fein. Unter den beschlag- nahmten Papieren follen i diejenigen des verstorbenen Lévy Crémieur befinden, der als Agent für die Panama-Gesellschaft thätig war. ‘Es verlautet von neuen, für den heutigen Vor-

mittag beabsichtigten Hausfuchungen und Verhaftungen.

: Jtalien.

In der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer brate die Regierung, wie „W. T. B.“ meldet, einen Geseß- entwurf ein, dur<h den die provisoris<hé Handhabung der- jenigen Budgetvoranschläge für 1892/93 bis zum 28. Fe- bruar 1893 “verlängert wird, die seitens des Parlaments bis zum 31. d. M. niht genehmigt sein sollten. Der Deputirte Roux legte den Bericht der Com- mission jur Vorberathung des Geseßentwurfs über die Emissionsbanken vor. Der Handels-Minister brate darauf einen Gesezentwurf ein, wona den Emissionshäusern gestattet wird, bis zum 31. März 1893 Bankbillets zu dem geseßlichen Curse auszugeben, und beantragte die Dringlichkeit fur die

. Berathung. Der Minister-Präsident Giolitti erklärte unter

lebhaftem Beifall, die Regierung halte die in dem Geseg über die Emissionsbanken aufgestellten Vorschläge aufrecht, acceptire indeß einige von der Commissioy vorgenommene Amendements. Da es dem Parlament an Zeit fehle, die Vorlage gründlich zu prüfen, so schlage er (Giolitti) die furze Verlängerung von drei Monaten vor, während welcher Zeit die Regierung die Emissionshäuser sorgsam überwachen lassen werde, um alsdann vor der Berathung des Geseßentwurfs der Kammer die Resultate der Beobachtung vorzulegen.

Spanien.

__ Nach einer dem „Heraldo“ zugegangenen Depesche wäre die Kaiserin von ODesterreih incognito an Bord des Dampfers „Miramar“ in Palma auf der Jnfel Majorca eingetroffen. i :

Der Ministerrath soll dem „W. T. B.“ zufolge be- schlossen haben, die Verlängerung der Concession für den Ebrokanal zurü>zunehmen. Von dem „Jmparcial“ wird die Angelegenheit des Ebrokanals als cin Panamakanal im kleinen bezeidinet

Numänien.

Die „Times“ meldet aus Bukarest, der Vertrag, nah welhem die Prinzessin Marie von Edinburg infolge ihrer bevorstehenden Vermählung mit einem fatholishen Prinzen auf ihre Thronfolgerehte in Großbritannien ver- zichte, sei bereits unterzeihnet. Die Kinder des Thronfolgers und der Prinzessin Marie von Edinburg würden im Glauben der orthodoxen Kirche erzogen werden. Der König beabsichtige, am 1. Januar zu den Vermählungsfeierlichkeiten na<h Sigmaringen abzureisen.

Bulgarien.

Jn der gestrigen Sißung der Sobranje wurde, wie „W. T. B.“ „meldet, der Commissionsberiht über den Geseß- entwurf, wegen Aenderung der Verfassung vor- gelegt. Er enthält eine geringfügige Aenderung des Art. 38. Jn diesem Artikel, der von der Religion des Fürsten handelt, sollen die Worte: „der ersie gewählte Fürst“ erseßt werden dur<h die Worte: „der Fürst, welcher infolge jeiner Wahl den bulgarishen Thron besteigt“. Die übrigen Artikel bleiben unverändert. Bei der zweiten Lesung bekämpfte besonders der ehemalige Minister Tontscheff die Aenderung des Artikels 38, da sie unnöthig und gefährlih sei, auch die Position des Fürsten ershüttern könne. Auch die Blätter der Bulgarien freundli< gesinnten “Staaten hätten si<h gegen diese Modification_ ausgesprochen: ebenso bestehe eine Oppo- ition feitens der Geistlichkeit. Der Minister-Präsident Stam- rer hervor, nicht die Gleichheit der Religion, sondern die rühmenswerthen persönlihen Eigenschaften des Fürsten hätten ihn beliebt gemaht. Der Minister verwics ferner auf Rumänien und hob hervor, wenn die orthodore Religion die Entwi>elung Bulgariens verbürge, so bätte Bulgarien {on längit den Kaiser von Rußland zum Fürsten wählen müssen. Der bulgarishe Exarh habe niht gegen die Abänderung der Verfassung protestirt, sondern nur die Beräthung der Aenderung des Artikels der Verfassung dur die Synode verlangt. Endlich wolle die Nationdie Verehelihung des Fürsten, und dies sei der Zwe> des Geseßentwurss. Auf die Bemerkung des ehe- maligen Ministers des Auswärtigen Siransky, daß bei der Proclamirung der Unabhängigkeit der Titel des Fürsten neuecr- E geändert werden müsse, antwortete Stambuloff, er hoffe auch, daß die Proclamirung der Unabhängigkeit Bulgariens eines Tages erfolgen werde. Allein er denke nicht an die Proclamirung der Unabhängigkeit, er vertheidige die Jntegrität des türkischen Reichs, weil jede Verlegung der bulgarischen Grenzen ein Angriff gegen die Türkei sein würde. Der2Geseß- entwurf wurde von der Sobranje mit allen gegen dreizehn Stmmen in zweiter und dritter Lesung unter lebhaftem Beifall angenommen.

Schweden und Norwegen.

(F) Der neu ernannte Marine-Minister Christerson, der gleichzeitig zum Contre-Admiral befördert wurde, ist nah der „Post- d Znr. Tidn.“ am 2. Oktober 1833 in Carls- ¿rona geboren und wurde im Jahre 1853 Second-Lieutenant in der Marine. Vom Jahre 1866 an diente er in der Scheeren- Artillerie, trat aber am 1. Oktober 1873 wieder Mt Flotte über. Er diente in der franzöfischen Marine und war im Jahre 1868 nah Frankreich commandirt, um die Verbesserungen im Seekriegsmaterial kennen zu lernen. Vor zehn Jahren hatte. er den Schieß- verjuhen in Spezia beizuwohnen und si< in Deutschland, ezranfreih und England mit Detailfragen, betreffend das Ar- tilleriematerial, befannt zu machen. Jm Jahre 1889 wurde er zum Commandeur befördert.

Der Contre-Admiral F. W. von Otter, ein Bruder des

zurücgetretenen Marine-Ministers, ist zum Vice-Admiral der

|hwedischen Flotte befördert worden.

Das „Svenska Telegrambyran“ bezeichnet die Meldung von einer bevorstehenden größeren Anleihe für militä- rie Zwe>e als völlig unbegründet.

Dänemark: L _În der Sißung des Folkethings vom 17. d. M. brachte er Finanz-Minister einen Nachtrag zu dem diesjährigen ‘tat in Höhe von 131/, Millionen Kronen ein. Etwa 10 Millionen hiervon betreffen, wie den „Hamb. Nachr.“ Po teill wird, dieselben Posten, die bereits in früheren reihstagssessionen bewilligt, aber nicht verbraucht worden find.

Afrika. G Der „Times“ wird aus Kairo gemeldet, daß die wienvelsrouten von Suakin nah Berber und Tokar ea Nel g “an L y Diqmá i soll E 3 n nah der Richtung auf Kassala verlegt haben Und daselbst Verstärkungen etibatien.

Ueber den in E Blättern neuerdings wiederum todtgesagten Emin asha wird der „Nat.-Ztg.“ aus Sansi ar vom 20. November geschrieben:

Soeben hier eingegangenen sicheren Nachrichten zufolge ist die von englischer Seite gemeldete Ermordung Emin Pascha’s am Jturi- fluß, einige Lagemürie von Mozamboniland, auf einen Irrthum zurüczuführen. Nicht Emin Pascha ift daselbst ermordet worden, sondern ein Mitglied der belgishenFrpedition unter Delcommune's Führung. Emin pup befindet sich (wie vorauszusehen war) auf dem Marsche nah dem

ongofluß, und zwar hat er die Stanley’she Route von 1888 und 89 ein- ges<lagen. Vom Albert Njanza ift er nah Jbwiri (nördlich vom oberen JIturifluß), westwärts über den Iturifluß nah Ugarrowwa gegangen. Emin Pascha, der ja von jeher niht nur mit den Einaeborenen jedes Landestheils gut auskfam, fondern auh fast durhgängig mit den Arabern auf sehr gutem Fuße stand, hat mit dem arabischen Sklavenjäger Rumaliza „Blutsfreundschaft* geschlossen, resp. aus Selbsterhaltungstrieb {liegen müssen. Rumaliza, oder Mobamed - ben - Alfau, war früher- der . von Deutschland bestätigte Wali von Udschidshi und ma<hte von Anfang an fein Hebl daraus, wie er über Sfavenhandel dachte. Dieser Rumaliza nun ist Derjenige, dem wir obige erfreulihe Meldung zu verdanken haben; und daß er gut unterrichtet sein muß, geht daraus hervor, daß er es nämli selbst war, unter dessen und seiner großen Bande Schuß Emin Pascha mit seinem Häuflein bis nah Ugarrowwa glüd>lich fam. Rumaliza, der bekanntli< im leßten Frühjahr feine Naubzüge na@ dem oberen Congo ausgedehnt batie, benußte das Zufammentreffen mit Emin und den Anschluß seiner Horde an dessen Expedition, um als ein friedliher Karawanenführer, ohne Furcht bei den Eingeborenen zu erregen, mögli<st genaue Umsicht nah Opfern zu halten. Das that er von Ibwiri bis Ugarrowwa. Hier gab er dem Pascha sichere Führer, und diefer bra< Ende April auf, um über Mupe, Bonalya, Jambuya (am Aruwimi) den Congo zu erreichen. Rumaliza foll im Besiße mehrerer Briefe 2c. Emin's sein, um diese nah der deutschen Küste befördern zu lassen. Ob in diesen die Bestätigung der angebli<h Rumaliza anvertrauten Aeuße- rung Emin's: „Emin beabsichtige, seine Dienste dem Congostaat an- zubieten", enthalten ift, bleibt abzuwarten; jedenfalls minüßte man von der Vertrauensfeligkeit Emin's überrascht sein. :

Parlamentarische Nachrichten.

Im 4. Aaqhener Landtagswahlbezirk (Geilen- kirchen, Heinsberg, Erkelenz) ist an Stelle des Gutsbesißets, Hauptmanns a. D. von Monschaw, der sein Mandat nieder- gelegt hat, Amtsgerichts-Nath Schmit zu Erkelenz (Centrum) mit 269 Stimmen zum Mitgliede des Hauses der Ab- geordneten gewählt worden. Landrath Dr. Gehle zu Erkelenz hat 1 Stimme erhalten. O

Der Stadtrath Lange in Liegniy, Mitglied des Rei <s- tags und des Hauses der Abgeordneten für den Wahl- kreis Liegniz-Goldberg-Haynau, ist am 15. d. M. in Breslau gestorben. : _ Beiden Häusern des Landtags sind ‘von dem Minister sür Handel und Gewerbe „Nachrichten von der Ver- waltung der preußishen Staats-Bergwerke, Hütten und Salinen währsend des Etatsjahres 1891/92“ zugegangen. :

__— Die communal-finanzstatistishen Tabellen, welche, wie gestern erwähnt, dem Hause der Abgeordneten vorgelegt worden sind, beziehen sib a. auf die preußishen Stadtgemeinden mit mehr als 10009 Einwohnern, deren Zahl 205 beträgt, b. auf 421 Stadtgemeinden unter 10 000 Einwohnern und c. auf 967 Land- gemeinden.

_ De zu a. genannten 205 Stadtgemeinden mit mehr als 10 090 Einwohnern enthalten eine Seelenzahl von $8 297 000: es kommen in ibnen auf: an directen Staats-Realsteuern, und zwar an Grundsteuer: 1 053 333 Æ, an Gebäudesteuer: 23 6384530 Æ, an Gewerbesteuer : 12 309 384 Æ, zusammen an Staats-Realsteuern über- baupt 37 047 247 ; dagegeu an Gemeinde-Realsteuern theils dur< Zuschläge, theils dur< besondere Realsteuern —. 31463272 Æ = 8493% der Staats - Realsteuern.

_Staats-Einkommensteuer kommen in diesen Ge- meinden auf: 79595567 Æ, an Gemeinde-Einkommensteuer theils dur< Zuschläge, theils dur< besondere Einkommensteuer 99 958 220 Æ = 125,58 9% der Staats-EGinkommensteuer. Bei Ueber- weisung der Staatës-Realsteuern an die Gemeinden könnte sih alfo die Gemeinde-Einkommensteuer vermindern (99958220 # 37 047 247 6) auf 52910 973 f, sodaß diescr Restbetrag an Ge- meinde-Einkommensteucr sih auf 79,94% der Staats:Einkomtnen- steuer berechnen würde.

In den zu b genannten 421 Stadtgemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnern, die 1782939 Einwohner haben, kommen an directen Staats-Nealsteuern 4565 063,35 , an Gemeinde- Realsteuern 2561 406,74 Æ = 56,11 9% der Staats-Realsieuern auf; ferner an Staats-Einkommensteuer 6 702.169,32 4, an Gemeinde-Einkommensteuer 11039957,31 A = 164,72 %/ der Staats-Einkommensteuer. Bei Ueberweisung der Staats- Realsteuern könnte die Genteinde-Einkommensteuer sih vermindern (11 039 957,31 M 4565 063,35 M) auf 6 474 893,96 Æ, d. h. auf 96,61 9%, der Staats-Einkomtnensteuer.

In den zu c. genannten 967 Landgemeinden, deren Einwohnerzahl 1 200000 beträgt, ftommen an directen Staats-Realsteuern 3 233 967,05 Æ#, an Gemeinde-Realsteuern 2616 234,34 M4 = 30,90 9% der Staatsrealsteuern auf; ferner an Staats-Ein- fommensteuer 3210579,28 an Gemeinde-Einkommen- fteuer 5069517,27 Æ_ = 157,90 % der Staats-Eintommensteuer. Bei Ueberweisung der Staats-Realsteuern könnte sih_ also die Ge- meinde-Einkommiteuer auf 1 $35 550,22 4, d. h. auf 5717 9% der Staats-Einkommensteuer vermindern.

Für die in Betracht kommenden Städte und Landgemeinden des ganzen Staates, die zusammen 11 230 139 Einwohner zählen, ergiebt ih ein Aufkommen anStaats-Realsteuern von 44 846 277,40 M, an Gemeinde-Realsteuern 36640913,08 A = 81,70%, an Staats-Einkommensteuer 89 508315,60 , an Gemeinde- Einkommensteuer 11606769458 M = 129,67%,. Bei Ueberweisung der Staats-Nealsteuern könnte sih die Gemeinde- Einkommensteuer auf 71 221 417,18 4, d. h. auf 79,57 2/9 der Staats- Einkommensteuer vermindern.

Kunst und Wissenschaft.

__ Im Verein für deutsches Kunstgewerbe wird am nächsten Mittwo<h Herr Baumeister Wolffen|stein die ausgestellten Wettarbeiten der Monatsconcurrenz (Entwurf für ein Briefschränkchen) besprehen. Gleichzeitig foll eine Ausstellung von Originalskizzen für Möbel staitfinden. Die Sitzung beginnt um, 8 Uhr Abends im großen Saale des Architektenhauses. Gäste sind willkommen.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln,

; Cholera. Der Neihs3-Comm ifsar für die gesundheitlihe Ueberwachung des Elbe-Stromgebiets Freiherr von Richthofen hat folgendes Schreiben an den Berliner Magistrat gerichtet: „Nachdem in-

folge des Erloschenseins der Cholera-Gpidemie im Stromge:iet der

s” Elbe die zur gesundheitspolizeilihen Ueberwahung des Schiffa5rt3- verkehrs auf der Elbe und sämmtlichen __ Verselben in Ver- bindung stehenden Fluß- und Kanalwegen errichteten ärztlichen Controlstationen nunmehr aufgehoben worden find, möchte ich es nicht unterlassen, dem Magistrat meinen aufrihtigen und verbind- lichsten Dank für das bereitwillige wohlwollende Entgegenkommen und die wirksame Unterstüßung, wel<he Wohblderselbe meiner Amts- thâtigkeit fowie derjenigen der betreffenden mir zugetheilt gewesene Sanitats-Dffiziere gewährt hat, bierdur< ganz ergebenst auszu- sprechen. Zugleich bitte i< den Magistrat, den Ausdru> diefes Dænk2s auch den fämmtlihen Wohldemselben unterstellten, vorliegen- den Falls in Betracht kommenden Behörden und Beamten gewog-nt- lichst übermitteln zu wollen.“ E

Thegter und Musik.

Lessing-Theater. _ Gestern Abend wurde von der italienischen Gesellschaft Victorien Sardou'’s „Odette“ mit Frau Eleonora Duse in der Titel- rolle gegeben. Die Tragödie der untreuen Gattin, die s{ließlih das Glü> ihres Kindes mit dem Opfer ibres unreinen Lebens erfauft und dadur zugleih ihre Schuld sühnt, erschien dur die Darstellung der Frau Dufe von allen frafsen äußerlichen Effecten gereinigt und gleichsam in eine reinere Atmosphäre erhoben. Die große Seele, die in der Künstlerin lebt, überträgt \si< auf ihre Bühnengestalten: sz leudtet dur< das dunkle Gewöltk sittliher Gesunfenbeit als der göttliche Funke der Menschenwürde. Trotzig, Auge in Auge, gesteht sie der Gatten ihre Schuld ein; aber noch, als der Gatte sie zum Hause hin jagt, flammt es stolz in ihrem Antliß auf. Im dritten Act erwuch: das Wiederseben dieser zwei im Haß auseinander gegangenen Menschen zu einer ganz üngewöhnlih großen Kunstleistung, dur< welche di Darsteller, Frau Duse und Herr Ando, in die allererste Reibe unter ibren Fachgenofsen aufrü>en. Die trotige, stolze Abwehr aller An- erbietungen des Gatten, um der Tochter willen auf den Namen d-r Gräfin von Clermont zu verzichten, verhärtete die Züge ihres Ge- sichts und stählte die ges<hmeidigen Bewegungen ihres Körpers; H35 \prüht auf den Mann, der der Mutter ihr Kind versagt, die Mutter liebe in ihr getödtet hat; wie ersterbend brit sie zusammen, als de Vater ihr erklärt, das Kind betrauere seine Mutter al eine Todte; mit bebenden Lippen und sehnsüchtigen Auge: fleht sie um eine Stunde des Mutterglü>s; unerkann will sie der Tochter nahen, und ein FJauchzen

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L Glü der Tochter trat auch die ungewöhnliche, ebenso starke wiz ein- fad;e Gestaltungéfraft des Herrn Ando ergreifend hervor. Ber legte Act bringt die große Scene, in der Odette ihre Tochter wiedersieht. Zuerst spricht lautlofes Staunen aus den dunklen Augen der Mutter, das erst langsam und allmählich in liebevolles zärtliches Verlangen b‘ns<hmilzt; das unterdrü>te Aufjubeln und das zurü>gehaltene Schluchzen bebt dur den zarten Körper, offenbart sh in dem ge- waltsam gefesselten Spiel der Hände, die sih niht nah der Tochter auszustre>en wagen: das unbewußt ausgesprochene Urtheil der Tochter über eine sündige Mutter läßt ihre Züge auf Augenbli>ke in Furcht und Entseßen erstarren, um darauf um fo sehnsüchtiger auf die nun erst ganz für sie verlorene Tochter zu bli>en. Der endliche Abschied, das rührende Hingleiten der Mutterhände über d:e liebe Gestalt der Tochter, der fehnsühtige Jammer der gl Augen bannte die Zuschauer gleihsam zauberisch. N solchen Leistungen ist es dem Kunstfreund doppelt s{merzli<, daß diz gentale Darstellerin sih in_keiner großen Rolle einer e<hten Tragödie gezeigt hat, von der das französishe Sittendrama do<h immer nur eine defecte Abart bildet.

ibren Lippen, als es ihr zugesagt wird. In diesem Kamvf um das

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lezten Vorstellungen des & tatt, am Donnerstag gebt zum

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„Familie Pont-Biquet“ in Scene.

Die Direction des Kroll’schen Theaters theilt mit, daß in dein Zustande des Sgr. Stagno die Aerzte wider Erwarten et schnellere Heilung in Aussicht gestellt haben, sodaß man hofen fann, dea Künstler no<h im Laufe dieses Monats wieder auf der Bühnz erscheinen zu sehen.

Im Thomas - Theater werden von den „Münchenern“ an beiden Weihnachts - Feiertagen Nachmittags - Vorstellungen zu halben Preisen veranstaltet, und zwar wird am ersten Feiertag „Der Herr- gottshnißzer von Ammergau* und am zweiten Feiertag „Almenraufch und Edelweiß“ gegeben. Die für die Feiertage in Aussicht g nommene Neuheit „Die Wildkaß’“ muß no<h zurü>gestellt werden ; dafür bereitet Director Hofpauer die Bauernvosse „Der Nothhelfer“ vor, die beim leßten Gastspiel troß ihrer beifälligen Aufnahme nur zwölf Mal aufgeführt werden konnte. Director Hofvauer wird, wie früher, die Hauptrolle geben. :

Im Theater Unter den Linden wird mit der Durhführung es neuen Spielplans bereits an den Weihnachtsfeiertagen be- gonnen, an denen die neue einactige Operette „Das Modell*, Tert von Kahlenberg, Musik von Fall, gleizeitig mit dem großen Haß- reiter-Regel’shen Ausftattungs-Ballet „Die Sirenen-Insel“ zur ersten Aufführung gelangt. Der Vorverkauf von Karten zu diefen Vor- stellungen hat bereits beute an der Tagesfasse des Theaters begonnen. Für die Haupirolle in der gleichfalls für dieses Theater erworbenen neuen Operette „Lachende Erben“ ist ¿zu einem Gastspiel, vom 15. Ja- nuar 1893 ab, die Operettensängerin Fräulein Pohlner vom Stadt Théater in Brünn verpflichtet worden.

Für die Weihnachtsfeiertage hat das Neue Theatéêr folgenden Spielplan festgestellt: Sonntag, 25. Dezember, findet die erste Auf- führung von „Der verlorene Sohn“, Schausviel in vier Aufzügen von Felix Philippi, statt: Montag und Dienstag: „Der verloreae Sohn“. Als Nachmittags - Vorstellung zu halben Preisen geht am Sonntag „Die Liebeshändlerin“, am Montag „Durch die In- tendanz* in Scene.

In dem morgen im Concerthause stattfindenden Fest-Concert wird Hof-Musikdirector Bilse mebrere eigene Compositionen wie die « Zubiläums-Fanfare“ (neu), „Schlesische Lieder“ für zwei Solo- Violinen und Orchester und „Die Fürstensteiner“, Tongemälde in Form eines Walzers, unter versönliher Leitung zur Aufführung bringen. Herr Kapellmeister Meyder hat eigens zu diesem Fest einen Jubiläums-Marsch componirt, mit welhem das Fest: Concert eröffnet wird. Das Programm wird ferner Werke von Lorßing, Liszt, Weber, Nossini, Wagner und Soli für Violine (Herr Carnier), Cello (Herr Smidt) und Cornct à Piston (Herr Steffens) enthalten.

An dem großen, „zur Linderung der Nothstände in NRir- dorf” stattfindenden Wohblthätigkeits. Concert in der Philharmonie am 26. Januar 1893 wird außer dem Königlichen Hof-Kapellmeister Herrn Sucher fowie seiner Gattin Frau Rosa Sucher und dem Kaminersänger Herrn Paul Bulß auch Frau Emilie Herzog von der Königlichen Hofoper sich be:heiligen.

Jagd, Officieller Stre>en-Rapport der am 16. und 17. d. M. in der Kolbiß-Leßlinger- Haide abgehaltenen Königlichen Hofjagden.

Zwei am 16. in den Oberförstereien Kolbiß (Forstmeister Zinnius) und Planken (Forstmeister Bekuhrs) verrichtete Lapp- jagen mit Abstellung im hohen Zeuge, ersteres mit cin-, legteres mit zweiseitigem Lauf für die Allerhöchsten und Höchsten Herr- schaften, hatten das Ergebniß von 89 Schauflern, 151 Stück Damwild und 5 Sauen; die beiden am 17. in der Ober- försterei Leßlingen (Forstmeister Axt) vorgesehenen Triebe, cine Suche mit der Findermeute auf Sauen im abgestellten District und ein Lapptreiben auf Damwild mit Abstellung in Tüchern