1892 / 303 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

“pflichtet, zunächst zu dem geltend gemachten, Rentenanspruche selbst Stellung zu nehmen, sie darf si< niht darauf be- schränken, in dem Bescheide die NRentenzahlung einstweilen abzulehnen.

Die Berufsgenossenschaft ist zur Abfindung eines ver- leßten Ausländers auch dann berechtigt, wenn diesem zu- vor cine Rente Is zugesprochen war.

Für die Höhe der Kapitalabfindung, welche einem Ausländer nach $ 67 des UnfaUversicherungsgeseßes gewährt werden kann, gilt das im $ 39 Absaÿ 2 dcs Bau- unfallversicherungsgeseßes (auch zu vergleichen S 75 Zalok 2 des Seeunfallversicherungsgesches) vorgeschene geseßlihe Maß des dreifachen Betrages der Jahresrente nicht. :

Eine Abfindung gemäß $ 67 des Unfallversicherungs- gesezes ist niht statthaft, wenn der verlezte Ausländer zwar seinen Wohnsiß im Auslande hat oder nimmt, aber auch nah dem Unfall die Beschäftigung im Jnlande nicht aufgegeben hat.

Die dreizehnwöchige Wartezeit des $ 5 Absatz 2 des Unfallversiherungsgeseßes beginnt mit dem Ein- ritt des shädigenden Betriebsereignisses selbst, niht erst mit dem Hervortreten der nachtheiligen Folgen dieses Ereignisses.

Die Sonderaus gabe der „Amtlichen Nachrichten des Reichs-Versicherung8amts, IÎInvaliditäts- und Altersversiherung“ Nr. 24 vom 15. Dezember d. J. enthält ein Rundschreiben an die Vorstände der Jnvalidi- täts- und Altersversicherungsanstalten, betreffend die Berechnung der Wartezeit für die Altersrente von Personen des Geburts-Jahrgangs 1823 nebst zuge- höriger Tabelle sowic folgende Revisionsentscheidungen.

Ein Förster, welcher auf der in einer preußischen Provinz belegenen Besizung eines außerhalb Preußens regierenden deutshen Bundesfürsten angestellt war, ist zu den dur Bundesrathsbeshluß vom 18. Dezember 1890 von der Versicherungspflicht bec- freiten „mit Pensionsberehtigung angestellten Beamten der landesherrlihen Hof-, Domanial-, Cameral-, Forst- und ähn- lichen Verwaltungen“ ni<t gerehnet worden.

Ein auf der Oder als Lootse verkehrender „Ritt- mann“ ist als ein selbsiändiger Gewerbctreibender erachtet worden.

Ein Schmied auf dem Lande, der mit seinem Grund- stüde die auf demselben eingetragene Verpflichtung über- nommen hatte, gegen ein von den einzelnen Gemeindemit- gliedern je nah der Größe ihres Besißes ihm jährlich ein für allemal zu lieferndes Maß an Naturalien sämmtliche in sein Fach shlagende Reparatnren für sie auszuführen, während er Für Neuankfertigungen besonders bezahlt wurde, ist nicht als Lohnarbeiter der Gemein demitglieder, sondern als selbständiger Unternehmer angesehen worden.

Dem Directionsmitgliede einer in Schleswig-Holstein bestehenden Privatsparkasse, dessen Jahres-Arbeitsverdienst die Summe von 2000 # nit übersticg, ist die Eigenschaft cincs versicherungspflichtigen Betriebsbeamten im Sinne des S 1 Ziffer 2 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- geseßes zugesprochen und eine Rente bewilligt worden.

Kleine Baarbeträge, die dem Arbeitnehmer neben freier Wohnung und Beköjstigung gezahlt werden, fallen auch dann no< unter den Begriff des „freien Unterhalts“ im Sinne des 8 3 Absaz 2 des Jnvaliditäts- und Alters- versicherungsge}eßes, wenn ihre Gewährung behufs jeweiliger Beschaffung von Klcidung erfolgt.

Der Aa ibEaE Ta ten rut cines Klägers, der bereits vor dem Jnkrafttreten des Geseßes erfranfkt und während des im S 156 a. a. O. bezeichneten ersten Bei- tragsjahres ununterbrochen krank gewesen, demnach überhaupt no<h ni<ht „Versicherter“ geworden war, ist un- geachtet des fehlenden Nachweises der „dauernden“ Erwerbs- unfähigkeit als unbegründet zurü>gewiejen worden.

Unter Umständen kann auch eine Krankheit, welche in dauernde Erwerbsunfähigkeit übergegangen ist, auf die Pflichtzeit des 8 156 des Jnvaliditäts- und Alters- versiherunsgeseßzes zur Anre<hnung gelangen, so- fern und so lange fie no< die Hoffnung auf Besserung zuläßt und infolge dessen fih als vorübergehend darstellt.

Bei der Anwendung sowohl des S8 4 Absatz 2, wie auch des S 9 Absatz 3 des Jnvaliditäts- und Alters- versiherungsgeseyes fommt cs grundsäßlich nicht darauf an, ob jemand thatsähli<h no< einen bestimmten Lohn verdient oder nit, sondern darauf, ob cr zu einem solhen Verdienste dauernd no< fähig oder ob er dauernd ni<ht mehr im stande ift, sich jenen Betrag dur< Arbeit zu erwerben, und ob ferner leßterenfalls die Erwerbsunfähigkeit eine Folge der Beschaffen- heit seines Körpers oder seines Geistes ift.

Der bereits erwerbsunfähig Gewordene kann eine freiwillige Fortseßung der Versicherung gemäß S 117 des Invaliditäts- und Altersversicherungsgeseßzes nicht bewirken.

Aus der obengedachten Nr. 24 der Sonderausgabe is noch Folgendes hervorzuheben:

Der Königlich preußische Finanz-Minister hat auf Anfrage unter dem 27. September 1892 erklärt, daß seincr- seits nihts dagegen zu erinnern sei, wenn zu den Verträgen, welche im öffentlichen Jnteresse von den Verständen der Jn- raliditäts- und Altersverficherungsanstalten mit Privat- personen über den Verbauf von Beitragsmarken abgeschlossen werden, ein Stempel nicht erhoben wer de.

Um den Wünschen der Arbeitgeber auf Zulassung des cal Gs und der Baareinlösung von Ep, ph Ph demnächst aber niht verwendbaren Beitragsmarfken thunlichst zu entsprechen, andererseits aber um dem Handel mit Marken im Publikum moglichst entgegenzutreten, hat das Reichs - Verjsicherungsamt mittels Rundschreibens vom 31. Oktober 1892 die seiner Aufficht unterstellten Versice- rungsanstalten ersucht, ihrerseits die Nückgabe nicht verwendbarer Beitrags- und Doppelmarken unter näher vor-

geschriebenen Bedingungen zuzula#}sen.

Dem Kaiserlichen Gesundheitsamt vom 20. bis 22. Dezember Mittags gemeldete Cholerafälle :

In Hamburg sind zwei Erkrankungen festgestellt. Todes- fälle infolge von Cholera haben seit dem 12. d. M. nicht stattgefunden.

S. M. Kbti. „Wolf“, Commandant Corvetten-Capitän Hellhoff, beabsichtigt, am 22. Dezember cr. von Hankow nah Kiukiang in See zu gehen.

Sachsen-Meiningen. Der Landtag hat sih vorgestern bis zum 9. Januar vertagt. Anhalt.

Jhre Königlihe Hoheit die Prinzessin Friedrich

zurückgekehrt. Reuß ä L. + Seine Durchlaucht der Fürst ist von den Nachoder Jagden am 19. d. M. hier wieder eingetroffen. In der Geseßgebungscommission des Landtags wird

zur Zeit der vorgelegte Entwurf cines neuen Einkommen- iteuergefetßes vorberathen.

Oesterreich - Ungarn. Der Kaiser ist, na< ciner Meldung des „W. T. B.“,

Bayern und der anderen |Fagdgäste von den Hochwildjaaden in Neuburg na< Wien zurü>gekehrt.

Frankreich,

In der gestrigen Sizung des Senats wurde der Be- riht der Commission über den Antrag auf gerichtlihe Ver- folgung der in die Panama-Angelegenheit verwi>elten Se- natoren vorgelegt. Thévenet, der mit zu den gerichtli<h Ver- folgten gehört, betheuerte, wie „W. T. B.“ berichtet, seine Unschuld und versicherte, er habe niemals etwas von der Panama-Gefellschaft erhalten. Die Berathung des Berichts wird morgen erfolgen. Jm weiteren Verlaufe der Sißung wurde der Gesetzentwurf wegen Einrichtung von Schieds- gerihien angenommen und die nächste Sißung auf Freitag festgeseßt.

In der Deputirtenkammer {loß si< gestern Jules Roche, der der vorgestrigen Sißzung nicht beigewohnt hatte, in sehr erregter Weise den Protesten der gerichtlih verfolgten Deputirten an, erklärte seine Unshuld und sprah sih miß- billigend über das gegen die betreffenden Deputirten beobachtete Verfahren aus. Als er die Tribüne verließ, reihten ihm mehrerè Deputirten die Hand. Hicrauf nahm die Kammer die Berathung des Getränkesteuer-Entwurfs wieder auf. Das Amendement wegen Besteuerung der Börsen- operationen wurde mit 281 gegen 232 Stimmen abgelehnt. Der Finanz-Minister Tiràrd hatic das Amendement bekämpft. Sodann wurde die neue Alkohol-Zuschlagsteuer von 9 Fr. ebenfalls abgelehnt. Die Alkoholsteuer bleibt also end: gültig auf 240 Fr. festgeseßt. Demnächst wurde der ganze Ge- Laon tecuet E t0ao mit 301 gegen 237 Stimmen an- genommen,vbwohl der Finanz-Minister Tirard erklärt hatte, daß die Ablehnung der Alkohol-Zuschlagsteuer von 9 Fr. in Deficit im Budget zur Folge haben werde. Schließlich ge- nehmigte die Kammer die zwei provisorishen Budget- zwölftel.

Die Armee-Commission der Deputirtenkammer hörte heute den Kricgs-Minister de Freycinet und den Chef des Generalsiabs der Armee, General de Miribel, die aus- führlihe Erklärungen bezüglih des Geseßentwurfs über die Armec-Cadres abgaben. Die Commission wird den Geseß- entwurf so s<hnell wie möglich prüfen.

Der General-Procurator conferirte gestern bis zu später Stunde mit dem Justiz-Minister Bourgeois. Das Gerücht erhält sich, daß auch gegen die Boulangisten Naqu et, Saint-Martin, Laguerre und Laur gerichtlih vorge- gangen werden soll.

Die Panama-Untersuhungscommission beschloß mit 12 gegen 7 Stimmen, den Deputirten Yves Guyot zur Vernehmung darüber vorzuladen, ob er gejagt habe, daß die Liste der in die Panama- Angelegenheit verwi>elten Parlaments- mitglieder dem Präsidenten der Republik zur Einsicht vorgelegt worden sei.

Den Mittheilungen cines Mitgliedes der PanamaUnter- suhungscommission zufolge find im Nachlasse des Barons Reinach hundert Che>talons vorgefunden worden, auf denen die Namen von fünfzehn Parlamentariern verzeichnet waren. Da die Talons nicht datirt sind, so läßt sih nicht feststellen, ob dieselben mit der Panama-Angelegenheit zu- sammenhängen. Das Journal „Cocarde“ behauptet, der wirk- lihe Empfänger des mit dem Namen Aigouin quittirten Che>s im Betrage von 20000 Fr. sei Floquet gewesen, der diesen Betrag ebenso wie die bereits erwähnten 300 000 Fr. für Wahlzwe>e verwendct habe. Gerüchtweise verlautet, die Che>s des Agenten Reinah's, Arton, seien aufgefunden und befänden fi<h in den Händen des Justiz- Ministers Bourgeois. Es sei zu gewärtigen, daß neuerlich Parkamentarier verhaftet und gerichtlich verfolgt werden würden. Das Journal „Bouche de fer“ will wissen, der Marquis de Morès lasse gegenwärtig die Documente des Reinach’- schen Agenten Arton über die Panama-Angelegenheit photo- graphiren; er habe sie für ein reactionäres Syndikat um 2 Millionen Francs erworben.

Spanien. Die Neubesezung der diplomatishen Posten an- läßlih des fürzli<h erfolgten Cabinetswechsels ist nah einer Meldung des „W. T. B.“ vertagt worden bis zur Er- theilung der Zustimmung des Papstes zu dem für den Vatican in Vorschlag gebrachten Botschafter.

Portugal. Der amtlihe „Diario“ veröffentliht ein Decret über eine Neform im diplomatischen und Konsulardienste. Damit ist eine Verminderung der betreffenden Stellen sowie der Bezüge verbunden. Wie es na< einem Lissaboner Telegramm des „W. T. B.“ heißt, hätte diese Reform den Rü>tritt des Ministers des Auswärtigen verursacht.

Rumänien. In der gestrigen Sizung des Senats wurde dem „W. T. B.“ zufolge der Geseßentwurf wegen Regelung des Avancements und des Armecdienstes für die Mit- glieder der Königlichen Familie mit 71 gegen 9 Stimmen

angenommen.

Karl ist vorgestern Nachmittag von Dessau na< Berlin

gestern Abend in N, des Prinzen Leopold von

Vorgestern war bei dem Minisier des Auswärtigen Lahovary Diner und Empfang, denen das dipleumatilhe Corps beiwohnte.

Serbien.

Bei den gestrigen Wahlen zur Belgrader Stadt- vertirctung wurden, wic „W. T. B.“ berichtet, die liberalen Candidaten gewählt. Der Advocat Tatic wurde zum Bürgermeister gewählt.

Bulgarien.

Der „Politischen Pélipiees: 6 wird aus Sofia gegen- über anderweitigen Nachrichten gemeldet, die bulgarischeRegierung habe auf der Werft in Livorno nicht zwei Kriegsschiffe sondern zwei zur Ergänzung der Donauflottille beliimuie Kanonenboote in Bau gegeben. Da deren A noch geraume Zeit in Anspru<h nehmen werde, fo habe der bulgarishe Agent in Konstantinopel Dimitrow bisher auch kcinerlei Veranlassung gehabt, die Pforte um die Erlaubniß zur Durchfahrt der Boote durch die Meerengen zu ersuhen. Ebensowenig habe die türkishe Regierung von der bulgarishen Aufklärungen in dieser Angelegenheit verlangt.

Amerika.

Der Bericht der Commission über die Vorlage, dur welche die Regierung ermächtigt werden soll, behufs Her- stellung eines beide Oceane verbindenden Nicaragua-Kanals die Aufnahme einer Anleihe von Obligationen in der Höhe von 100 Millionen Dollars zu garantiren, wurde gestern, wie „W. T. B.“ aus Washington meldet, im Senat von Sherman vorgelegt. Der Bericht bêfürwortet durchaus die Regierungsvorlage.

Nr. 35 dcs „Eisenbahn-Verordnungsblatts*" (heraus- gegeben im Königlichen Ministerium der öffentlichen Arbeiten) vom 19. Dezember 1892 hat folgenden Inhalt: Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten vom 14. Dezember 1892, betreffend Prüfungê- ordnung für die mittleren und unteren Beamten. Nachrichten.

Nr. 51A des „Centralblatts der Bauverwaltung“, berau8gegeben im Ministerium der öffentlichen E: beiten, vom 21. Dezember, hat folgenden Inhalt: Stoßyver- bindung der Breitfußschienen. Berechnung ven Durchbiegungen. Vermischtes: Preisbewerbung um eine Turnhalle in Bozen. Wett- bewerb für Pläne zu einer katholis<hen Kirche in Essegg. Adi>es? Gefeßentwurf zur Erleichterung von Stadterweiterungen. Brü>e über den Ohiofluß bei Cairo (Illinois).

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Nach $ 18 der Civilprozeßordnung wird der allgemeine Gerichts- stand einer Person, welhe keinen Wohnsiß hat, dur< den Aufenthaltsort im Deutschen Reich bestimmt. In Bezug auf diese Bestiinmung hat das Neichsgericht, IV. Civilsenat, dur Urtheil vom 26. September 1892 ausge!prochen, daß der Aufenthalt an einem Orte genügt, gleichviel ob die Anwesenheit von der Perfon gewollt ist und diese sich der Anwesenheit bewußt ist, oder ob das Ver- weilen ein augenbli>li<es und vorübergehendes oder ein soldes von längerer Dauer ist.

Die E intragungen in das Quittungsb u einer Spar- bant über Spareinlagen zu ciner vereinbarten Verzinsung unter den im Quittungébuche vorgedru>ten allgemeinen Bedingungen sind, nah einem Urtheil des Reich8gerichts, 11. Civilsenats, vom 1. Oktober 1892, in Preußen regelmäßig dem Shuldvershreibungsstempel unterworfen.

Statiftik und Volkswirthschaft.

Knappschafts-Berufsgenossenschaft.

Die außerordentliche Genossenschaftëversammlung der Knavr- schafts-Berufsgenossenschaft, welhe am 10. d. M. unter dem Vorsitz des Berg-Assesfors a. D., Bergwerks-Directors Krabler aus Altenessen in Berlin statisand und von 72 Delegirten besuht war, genehmigte die Errichtung eines Unfallkranfen- und Genesungshauses für Section 1V (Halle a. S.) und den dafür erforderlihen Betrag bis zu 750 000 e, ferner die Erbauung eines Dienstgebäudes für die Verwaltung der Section Il (Be<um) und den hierfür erforderlidhen Betrag bis zu 200 000 .(, sowie für den Erweiterungëbau cines Neconvalescentenhauses in Bonn 26 000

Zur Arbeiterbewegung.

Der Vorstand des Unterstüßungsvereins deutscher Buchdrucer veröffentliht eine Bekanntmachung, welcher zufolge der Tarifstreit, der den Hauptgrund des vorjährigen Ausstandes bildete, mit dem bevorstehenden 1. Januar vorläufig als beendet angesehen werden darf. Es heißt in der im „Vorwärts“ mitgetheilten Bekanntmachung:

Der Vorstand und der Tarifaus\{<uß des Deutshen Buchdru>er- vercins haben sih mit einer Nevision des bisher gültigen Tarifs bc- \{äftigt und demnächst. die Principale Deutschlands aufgefordert, diefen repidirten Tarif vom 1. Januar 1893 ab zur Einführung zu bringen und einzuhalten. Wenn wir auch einseitige Abände- rungen des Tarifs na< den zwishen den beiderseitigen Vertretern getroffenen Abmachungen für anfe<tbar halten, so foll do< andererfeits berü>sihtigt werden, daß -die geplanten Reducirungen zurügezogen wurden, außerdem dur die Amtsnieder- lcgung der Tarifoertreter feiner Zeit Vereinbarungen erschwert waren. Da es der Gehilfenschaft freisteht, jeder Zeit Abänderungen dieses Tarifs zu beantragen, glaubt der Vorstand zur Herbeiführung geregelter Zustände die Hand bieken und im Interesse des gewerblichen Friedens mit den augenbli>li<en Verhältnissen renen zu ollen. Wir ersuchen daber die Mitglieder, gleihfalls den gegebenen Thatsachen Nu zu tragen und dadur<h das Bestreben des Vorstandes, die Nachwehen des Kampfes zu beseitigen und Ordnung in tarifliher Bc- Rogg herbeizuführen, zu unterstüßen. :

Aus Frankfurt a. M. wird dem „Vorwärts* berichtet, daß sich die dortigen Gewerkschaften nun au<h zu einem Cartell ver- einigt haben; als Zwe> wird angegeben: die ns der beruflichen und gewerkschaftlichen Interessen, sowohl der ganzen Arbeiterschaft als folder, wie auch derjenigen der einzelnen Gewerks<haft gegenüber dem Staat und dem Arbeitgeber. S

Aus München wird der „Frkf. Ztg.“ geschrieben: Die hiesigen Socialdemokraten hatten auf den Montag ins Orpheum eine „Versammlung von Arbeitslofen*" einberufen, die von ungefähr 1600 Perfonen besucht war. Der Referent Schmid stellte den ließli genehmigten Antrag, eine Commission von drei Mitgliedern zu wählen, die fih mit dem Fabrikinspector und mit der Stadt ins Vernehmen zu setzen habe, auf welche Art dem Nothstand abzuhelfen sei. Die Commission soll zugleich an den Magistrat die Forderung stellen, bei städtischen Arbeiten die 8stündige Arbeitszeit einzuführen. In Fürth hat, wie der „Vorwärts“ mittheilt, eine Volké-

rersammlung die Aufrechterhaltung des über die Brauerei Evora U-

Meyer verhängten Boycotts beshlossen, da Herr Evera sih bis jeßt zu keinem Entgegenkommen bereit gezeigt, sondern die ihm ge- machten Vermittelungsvorshläge zurü>gewiesen habe.

Ueber den Ausstand der Buchdru>er Neuhätels (vgl. Nr. 299 d. Bl.) berichtet die „Frkf. Ztg.“ : Der Ausstand dauert fort, ist jede< seit Sonnabend in eine andere Phase getreten. Die Buchdruereibesißer, die im Anfang sih weigerten, in Unterhandlungen zu treten, erklärten fi bereit, eventuell cinen ganz neuen Tarif anzu- nehmen. Dieses Angebot wurde jedo< von den Gehilfen abgelehnt, weil es keine Bürgschaft dafür enthalte, daß die neunstündige Arbeits- zeit angenommen würde. Zwei Gehilfen sind in Arbeit geblieben, vier wurden infolge Contractes gezwungen, die Arbeit wieder auf- zunehmen. Die .Imprimerie du Neuchütelois“ in Cermier be- willigte den Gehilfentarif. Der Verwaltungsrath der „Société tvpograpbique* erklärte s< bereit, auf Grund der neunstündigen Arbeitszeit einen Tarif innerhalb Viert ljahrsfrist mit ihren Gehilfen zu vereinbaren. Infolge dessen nahmen die Gehilfen beider Geschäfte die Arbeit wieder auf. Das Centralcomité des Vereins shweizerisdher Ser war gestern in Bern versammelt. Die Arbeitgeber von Neuchâtel waren auh eingeladen. Eine befrie- digende Lösung ist jedo< nicht gefunden worden, da die Gehilfen von der Unna der Arbeitszeit niht abgehen wollen.

Aus Lille wird der „Köln. Ztg.“ unter dem 19. d. M. berichtet : Die Geschäftsräume der Koblenwerke von Commentry und Fourchambault wurden theilweise dur< Dynamit zerstört. Der Sprengstoff war an den Raum gelegt worden, wo sich die Gruben- fasse befindet. Der frühere Gendarmerie-Wachtmeister Dembot, der die Kasse bewacht, wurde unter den Trümmern vershüttet, jedo< un- versehrt wieder hervorgeholt. Man vermuthet, daß es sich um eine NRachethat gegen ihn handele. O

In Havre haben nah einem Telegramm des „H. T. B.* vom beutigen Tage die Do>-Werft-Arbeiter einen allgemeinen A u s- stand beschlossen.

__ Aus Pittsburg meldet ein Wolff s{hes Telegramm vom gestrigen Tage: Unter den niht dem Gewerkverein angehörigen Arbeitern der Carnegie’ {hen Werke in Homestead, wo türzlih mehrere Fälle von Vergiftung entde> wurden, sind heute wiederum drei Todesfälle vorgekommen. Wie es heißt, find von 4000 Arbeitern, die si< niht am Strike betheiligten, gegen 2000 erfrankt und inétgesammt 32 unter Symptomen von Bergiftun gestorben. Das Gericht hat die Untersuchung der Leichen aller kürzlich verstorbenen Angestellten der Gesellschaft angeordnet.

Kunst und Wissenschaft.

Unter dem Namen „Deutscher Kunstverein in Berlin“ bat sih, wie die „Nat.-Ztg." berichtet, vorgestern hier ein neuer Verein gebildet. Zu der constituirenden Versammlung, die im Archi- teftenhause stattfand, hatte das vorbereitende Comité diejenigen Per- sonen geladen, wel<e als begründende Mitglieder des Vereins si unterzeichnet hatten. Der Geheime Regierungs-Rath Dr. Dohme, ständiger Secretär der Akademie der Künste, begrüßte als Vorsitzender des Comités die Versammlung, zu der von den 640 Mitgliedern zahl- reibe Damen und Herren der verschiedensten Berufsarten sich einge- funden batten. Den Bericht über die bisherige Thätigkeit der vorbereitcnden Commission erstattete der Banquier Willy Molenaarx. Er theilte mit, daß am 8. April be- reits von einer vorberathenden Persammlüag ein Comité gewählt worden sei, um ähnli den in München, Dresden, Westfalen und am Niederrhein blühenden Corporationen einen Verein zu gründen, der, aus Künfilern und Kunfstfreunden bestehend, Kunstwerke kaufen und jährli unter seinen Mitgliedern verloosen, sowie ferner dur Vervtielfältigungen in Kupfer- Und Stahlstih-Nadirungen, plastische Arbeiten 2c. ut die Hebung des Geshma>s im Volke cinwirken will. Bisher scien für diese Zwe>e in Berlin nur zwei Vereine thätig, der „Verein der Kunstfreunde*“ und der „Verein Berliner Künstler“: in dem einen fehlten fast ganz die Künstler, in dem anderen die Kunstfreunde; der neue Verein, mit dem eine Vershinelzung des alten Vereins der Kunstfreunde zu hoffen sei, folle für Künstler und Kunstfreunde einen gemeinsamen Boden s{<afffen. Der Verein wolle jungen Künstlern die Bahn ebnen und werde jede Kunstrihtung be- rü>fichtigen; so hoffe er der Kunst wie den Künstlern förderlih zu sein. Auf Antrag des Vorsißenden bes{<loß die Versammlung: 1) bie Saßbungen so anzunehmen, wie sie in dem Entwurf des vor- bercitenden Comités gedru>t vorliegen und etwa noth- wendig erscheinende Abänderungsanträge der nächsten Haupt- versammlung im Oktober zu unterbreiten; 2) daß der jeßt ge- wählte Vorstand au< für das ganze Geschäftsjahr 1893/94 im Amte verbleibe, sodaß die saßzungsmäßige Neuwahl der ausscheidenden Vorstandsmitglieder ers im Februar 1894 stattfinden wird. Dem Vorschlage der Commission entsprehend, wurde zum Ersten Vor- fißenden der Ober-Präsident, Staats-Minister Dr. von Achenbach und zu Vorstandsmitgliedern die Herren : Geheimer Ober-Re ierungs- Rath Dr. Jordan, Geheimer Regierungs-Rath Dr. Dohme, Profesor Hans Müller, Kaufmann Mieliß, Bankier Willy Molenaar, Bankier C. O. Kretschmar, Justiz-Rath von Simson, die Maler Conrad Fehr, Lans Fechner, J. Wentscher, der Bildhauer Otto Niesch, der Präsident der Akademie Professor C. Be>er, Professor F. Schaper. Redacteur G. Schweitzer, Verlagsbuchhändler P. Parey, Verlagsbuchhändler R. Mosse und Geheimer Regierungs-Rath Lippmann gewählt.

Dem verstorbenen Unter-Staatsfecretär, Wirklihen Geheimen Rath Dr. von Marcard wollen, wie hiesige Blätter mittheilen, die beamteten Thierärzte Preußens ein dauerndes Denkmal er- richten. Sie haben den Bildhauer Professor Herter mit der An- fertigung der Büste des nunmehr Heim egangenen beauftragt, die in is n der Thiecrärztlihen Hochschule hierselbst Aufstellung finden foll.

__— Bei den Renovirungsarbeiten in der St. Nicolai- Kirche zu Stralsund ist, wie man der „N. A. Z.* schreibt, ein (G TTYainer Fund gemacht worden. An drei Thüren in den Chor- <ränken fand man unter dem Holzanstrih Heiligenbilder, deren Farben noch völlig fris< find und die den heiligen Augustinus, den heiligen Gregorius u. a. in ganzer Figur darstellen. Auch die Zuschriften find zumeist no< gut erhalten. Der fkunstgeschichtliche ens e Bilder is na< dem Urtheil vcn/ Sachverständigen ganz edeutend.

___ Dem „Schwäbischen Merkur* wird aus Marbach ge- rieben: Schon wieder ist von einer Stiftung für unfer Schiller haus zu berihten. Frau Dr. Karoline Notter (Friedri Notter?s O in Stuttgart und Frau Finanz-Rath Märklin auf dem Berkheimerhof haben aus dem Nachlaß der bekannten Freundin der Christofine Schiller-Reinwald, Frau Dr. Notter, sieben eigen- bandige ei<hnungen der genannten Schwester Schiller's zu ihres Bruders Gedicht „Vas Lied von der Glote* übersendet. Die Zeich- nungen bekunden das schöne Zeichentalent Christofine’s, und die Schenkung ist um so werthvoller, als dadur die hier {hon angesam- melten Andenken an Christofine eine durchaus glü>lihe Ergänzung erfahren baben. Die beiden Damen haben sofort vom Schillerverein herzliche Danksagungen erhalten. Die sieben Bilder stellen dar : die Taufe, Heimkehr des Jünglings zu Eltern und Braut, der Hausfrau Wa ten, den Abschied der abgebrannten Familie vom Grabe ihrer Vabe, die Beerdigung, Ernte, das Emporziehen der Gloe.

Literatur.

Unterhaltung. : / . Aus dem Sagenschat der Harzlande. Von Friedrich Günther. Mit vielen Textbildern von H. Mittag. Hannover-Linden Q Leipzig, Verlag von Manz u. Lange. (Pr. 5 #4) Diese ammlung von Harzsagen, die wir beim Erscheinen der ersten Liefe- Dns bereits angeTündigt haben, ift zuvörderst für die Schule bestimmt. î êr Verfasser wollte damit jedem Lehrer in den Harzlanden ein Buch in die F g dem er die Sagen entnehmen kann, deren er für E nterriht in der Heimathkunde bedarf, und das er auch seinen ülern für die häusliche Unterhaltung und Belehrung unbedenklich

empfehlen kann. Dann aber soll es für die Harzbewohner ein Haus- buch sein, in dem sie das Schönste und Beste, was an Erzählungen aus dem Heimatblande ibnen von den Vorfahren überliefert ist, in einfacher, verständliher Sprache zusammengestellt finden. Bei der Auswahl ist durchaus diese Rü>ksicht auf Schule und Haus maßgebend gewesen und hat der Verfaffer daber alle anftößigen oder minder- werthigen Erzählungen ausges{hlofsen. Da die alten Sagen im Volks- munde mehr und mehr verklingen, so ift diese schriftliße Sammlung gewiß verdienftlih und erscheint zur Erbaltung und Wiedereinführung \ der s{önsten Perlen diefes finnreihen Schaßes woblgeeignet. Aud über die cigentlihe Heimath der Sagen binaus dürfte das Buch bei den vielen Freunden des Harzes und seiner romantishen Stätten Beifakl und Anklang finden, zumal die Verlagësbuchhandlung ibm ein gefälliges Gewand gegeben hat. Verschiedenes.

„Frauen - Erwerb“, von - Many Dobert. Leipzig, Adalbert Fischer's Verlag. Preis 2 4 kart. Das beachtenswerthe Buch verfolgt den praktishen Zwe>, den Eltern und den jungen Mädchen genaue Antwcrt auf die Fragen zu geben: „Was können unfere Töchter werden ?“ und „Wo und wie erwerben sie die noth- wendigen Kenntnisse?" Es giebt über Lehranstalten, Lehrzeit, Kosten des Unterrichts, Bedingungen zum Eintritt 2c. genaue Ausk1nft. Alle wichtigen Berufe, die der Frau offen stehen, mit Ausnahme der Fabrik- arbeit, find vertreten, alîo von der gelehrten Universitätsbildung, dem Kunstftudium 2c. an bis zur Auébildung in den Handarbeiten, im Kochen u. f.w. Den Nachwcisen über die Lebranstalten 2c. cines jeden Berufs ist eine Einleitung vorau82ges<i>t, die über das betr. Gebiet orientirt. Die Auëstattung des Handbuchs ist eine gute.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Máßregeln.

; Cholera.

Oesterreih-Ungarn. Vom 7. bis 14. Dezember sind, wie in den „Veröffentlihungen des Deutschen Kaiserlichen Gesundheitsamts“ mitgetheilt wird, in Galizien und zwar nur im Bezirke Husiatyn zwei Neuerkrankungen an Cholera aus der Gemeinde Husiatyn, sowie ein tödtlih verlaufener Fall aus Konciîiu binczyki gemeldet worden. Von den früher mitgetheilten Fällen hat no< einer aus Olchowczyk cinen tödtlichen Ausgang gehabt. Die Gesammtzahl der bisherigen Cholerafälle im Bezirke Husiatyn beträgt 38, darunter achtzehn Sterbefälle. Aus B udawest sind vom 3. bis 9. Dezember nah- stehende Cholera-Erkrankungen und Todesfälle (tageweise geordnet) amtlih gemeldet worden: 0: 0, 1:1, 1:1, 4:0, 1:0, 2:1, 0:0, insgesammt 9: 3. In Kroatien-Slavonien kamen zwischen dem 19. und 27. November in Dv or (Bezirk Kostajnica) vierzehn (davon ses mit tödtlihem Ausgang), in Essek zehn Erkrankungen vor. Ueber das Vorkommen der Cholera im ungaris<Gen Heere wird Folgendes mitgetheilt: Am 26. September traten die ersten Cholerafälle in der Civilbevölkerung auf, die am 1. Oktober zweifellos als Cholera asíatica erfannt wurden. Beim Militär ist der erste Cholerafranke am 5. Oktober eingebra<t worden. Vom 5. Oktober bis einschließli 30. November erkrankten in der Garnison Budapest zwei Personen, die dem gemeinsamen Heere, und fieben Personen, die der Königlihh ungarischen Landwehr angehörten, im ganzen daher“ neun Personen. Hiervon sind genesen ses, starben drei Personen.

Frankreich. In Dünkirchen sind vom 21. November bis 10, Dezember vier „choleraartige“ Erkrankungen und ein Todes- [a felgesleltt worden, in se<s Ortfchaften der Umgegend dreizehn ezw. aht.

Rußland. In der Stadt Moskau erkrankten und starben vom 27. November bis 4. Dezèmber 31 bezw. sicbzehn Personen, im Gou- vernement eine bezw. feine. In Rufsis{-Polen haben im Gouvernement Plo> vom 2. bis 10. Dezember 24 Neu- erkrankungen und se<8 Todesfälle stattgefunden, in den übrigen Bezirken {eint die Seuche im Abnehmen zu sein. Die Stadt Warschau hatte vom 6. bis 8. Dezember zwei Erkran- kungen, vom 9. bis 12. Dezember weder Erkrankungen no< Todes- fälle, die Gouvernements Rado m vom 5. bis 7. desselben Monats 4:5, Lublin vom 7. bis 10. desfelben Monats 11 : 4, Siedlec in der gleichen Zeit 0: 1, Lomza vom 4. bis 6. desselben Monats 2: 2. Im Gouvernement Grodno ift zufolge einer amtlichen Mittheilung die Seuche erloschen. *

Belgien. Nach einer neueren amtlihen Zusammenstellun waren in der Stadt Antwerpen vom 15. August bis einshließli@ 21. Oktober d. J. insgesammt 258 Erkrankungen und 98 Todesfälle infolge von Cholera vorgekommen ; seitdem haben Neu-Erkrankungen und Todesfälle ni<ht mehr ftattgefunden. In der Provinz Antwerpen haben s< die ersten Krankheitsfälle am 26. August, und zwar în zwei Ortschaften gezeigt. Bis ein- shließlidh 15. November sind in 30 Ortschaften insgesammt 540 Er- krankungen und 302 Sterbefälle festgestellt. Die Stadt und Provinz zusammen hatten demnah 798 bezw. 400. Die Höhe der Epidemie in der gesammten Provinz fiel mit 32 Erkrankungen in 24 Stunden auf den 16. September; die meisten Todesfälle (dreizehn) hatten der 19. und 20. September, sowie der 1. Oktober d. I.

Niederlande. In den Niederlanden scheint, wie in den „Veröff. d. D. Kais. Ges.-Amts*“ geschrieben wird, die Cholera im Erlöschen begriffen zu sein. Nach einer amtlihen Bekanntmachung sind in der Woche vom- 4. bis 10. Dezember nur zwei Personen der Seuche erlegen. Spanien.

Zufolge einer unter dem 19. Dezember 1892 ergangenen, in ter „Gaceta de Madrid“ vom 21. desselben Monats veröffentlichten Königlich spanischen Verordnung, sind Provenienzen aus Hamburg, welche nah dem 6. Dezember 1892 abgegangen find, ausnahmslos als „unrein“ erklärt worden.

Schiffe, welche nah jenem Tage aus cinem innerhalb einer Ent- fernung von 165 km von Hamburg gelegenen Hafen abgefahren sind, werden als „verdächtig“ angesehen.

Türkei.

Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsraths in Konstantinovel vom 13. Dezember 1892 if die Quarantäne gegen aan gere 3s in Mustapha Pascha auf fünf Tage ermäßigt worden.

Gegen Frachtschiffe aus den bulgarif{en und den oftrumelischen Hâfen ist die bisherige Quarantäne auf 24 Stunden, gegen Passagier- schiffe dieser Provenienz auf fünf Tage herabgeseßt worden.

Herkünfte aus Odessa mit Passagieren unterliegen nur noch einer fünftägigen, ohne Passagiere einer 48 stündigen Quarantäne.

Herkünste aus sterrei@ishen äfen sind ausnahmslos nur no<h einer dreitägigen Quarantäne, solhe aus den französischen Mittelmeerpläßen und aus Montenegro ledigli< einer ärztlichen Untersuchung unterworfen.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhr und in Dberschlesien. n An der Ruhr sind am 21. d. M. gestellt 11 324, niht re<tzeitig gestellt keine Wagen. / n Oberschlesien sind am 20. d.-M. gestellt 4760, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Zwangs-Versteigerungen. 5

Beim Königlichen Amtsgericht 1 Berlin standen am 21. Dezember die nahzerzeihneten Grundftü>ke zur Versteigerung: Schulze ndorfer straße 18, dem Tischlermeister Aug. Behrendt gehörig; Nußungswerth 14 300 ; M 164 500 A; für das Meistgebot von 204 000 A wurde der e Gustav S<midt, Gartenstraße 81, Ersteher. Mor terstraße 36, dem D O 90 W. B randt gehörig; Nußungswerth 16 420 A; Mindestgebot 209 200 #4; für das Meistgebot von 247 000 M

p.” S *

ftraße 127, Ersteher. Adolf ftraße 14, dem Schankwirth 4 Di b nel gehörig; Nuzungswerth 7540 4: für das festgeseßte

indestgebot von 500 4 wurde die Preußishe Hypothbeken- Actien-Bank Ersteberin.

Leipzig, 21. Dezember.

M B} A L E handel. La Plata. ( B.) Kammzug-Termin

J Grundmuster B. per Dezember 3,65 M, per Januar 3,65 Æ, per Februar 3,67: A, per März 3,70 4, per April 3,70 #4, per Mai 3,725 4, per Juni 3,75 #4, per Juli 3,775 #4, per August 3,80 4, per September 3,825 Æ, per Oktober 3,823 4, per November 3,824. Umfîayz 60 000 kg.

_ Wien, 21. Dezember. (W. T. B.) Bei den 298 km langen Localbahnen der Oesterreihishen Local-Eisenbahn-Gesell- schaft, die bereits im Vorjahre im Betriebe wärts, betrugen die provisoris< ermittelten Einnahmen im Monat Revember d: Je 217 010 Fl. und in der Zeit vom 1. Januar bis Ende November 1892 1758910 Fl., während die definitiven Einnahmen in der gleichen Petiobe des Vorjahres 208 179 bezw. 1 792 391 Fl. be- tragen habcn. Die proviforish ermittelten, oben nit inbegriffenen Einnahmen der Localbahn Budweis—Salnau betrugen im Monat November 1892 16 341 Fl., und in der Zeit vom 1. Januar bis Ende November 1892 bei einer dur<\{nittli<en Betriebslänge von 53 km 125 693 F[. :

London, 21. Dezember. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizen- ladung angeboten.

New-York, 21. Dezember. (W. T. B.) Die Börse eröffnete fest, befestigte si< im Verlaufe weiter, {loß jedo< matt. Der Umsay der Actien betrug 312000 Stü>. Der Silber- vorrath wird auf 860 000 Unzer geshäßt. Die Silberverkäufe betrugen 45 000 Unzen, die Silberanfäufe für den Staatsshaßz 461 009 Unzen zu $2,45 à 82,80. i

_ Weizen. Nachdem Preise gewicen, befestigten f< dieselben wieder auf De>ungen. Schluß fest. Mats vorübergehend weicnd, dann wieder befestigt auf bessere Nachfrage. Schluß itetig.

__ Chicago, 21. Dezember. (W. T. B.) Weizen anfangs niedriger, dann höher auf größere Kaufordres. Schluß fest. Mais fortgejeßt weichend den ganzen Tag auf Realisirungen. Schluß stetig.

Verdingungen im Auslande.

Niederlande.

29. Dezember. 14 Uhr. Het gemeente bestuur im Haag, im Rathhause: Lieferung der nöthigen Magazingüter für die Gemeinde- Gasfabrifk im Dienstjahre 1893 in 20 Abtheilungen, karunter vers schiedene Arten Röhren, Fittings 2c. Lieferungsbedingungen einzuseben und erbältlih in der genannten Fabrif, sowie im Gemeindesecretariat (3. Abtheilung).

31. Dezember. de Landbouwers Vereeniging Eigen Hulp te Hontenisse bei Herrn P. Verbist in Kloostergaude (Provinz See- land), Lieferung von 162 000 kg Superphosphat, enthaltend 14% in Waffer löslihe Phosphorsäure. Augebotsformulare und Lieferungs- bedingungen erhältli< bei dem Secretär und Kafssenführer Herrn I. Buvsrogge. ö

5. Januar 1893. de Vereeniging landbouw belang in Nocrd- Beveland im Local des Herrn Jac. de Keyzer zu Cortgent (Provinz Seeland), Lieferung von 283500 kg und mehr Supervhosphat. Angebote einzusenden an den Secretär der Gesells<aft Herrn Witte Hage in Wiffenkerke.

Wcerkehrs-Anstalten.

Laut Telegramm aus Köln hat die zweite englische Post über Ostende vom 21. d. M. in Köln den Anschluß an Zug 31 nah Berlin über Hildesheim nicht erreiht; Grund: verspätete Landung des Schiffes in Ostende wegen Nebels auf See.

In Bulgarien sind die Einfuhrbeshränkungen für Postsendungen aus Deutschland nunmehr gänzlich aufgehoben worden. Derartige Sendungen erhalten demna<h allgemein wieder Beförderung, soweit sie niht die unten bezeichneten Gegenstände ent- halten, deren Dur<hfuhr dur< Oesterreih-Ungarn zur Zeit no< ver- boten ift: Hadern, ungereinigte Trennwolle, alte, getragene Kleidungs- stü>e (eins{hließlih alten, getragenen Schuhwerks) als Handelsartifel, gebrauchte und nicht gereinigte Leib- und Bettwäfche.

Theater und Musik,

Sing-Akademie.

Das Künstlerinnenpaar Frau Anna Schulzen .von Asten und Fräulein Julie von Asten gab unter Mitwirkung der Herren Professoren Joachim und Hausmann gestern ein Concert, das sehr zablreih besu<ht war. Die wohlklingende und gut gesculte Stimme der erstgenannten Sängerin kam in Liedern von Brahms, Godard, Pauline Viardot-Garcia, Tosti, Randegger, Eckert, Levy, O. Schmidt, Viol, Gichrl, Max Stange und in einer ÁArie von Mozart aufs wirksamste zur Geltung. Ihre ver- ftändnißvolle und feinsinnige Schattirungsweise trug thr so lebhaften Beifall ein, sodaß sie das „Ständen“ von Brahms und die „Chanson de Florian“ von P. Viardot wiederholte. Die Herren Professoren Joachim und Hausmann spielten zu Anfang des Concerts in Gemein- schaft mit der Pianistin Fräulein von Asten Schumann's Trio (D-mo1l) mit vollendeter Präcision und sehr \{wunävollem Vortrag. Leßtere begleitete auch sämmtliche Gesänge mit lobenswerther Discretion.

Concerthaus. :

Das gestrige Fest-Concert zur Feier des 25 jährigen Be- stehens des Hauses wurde mit einem von dem Kapellmeister M eyder componirten Jubiläums-Marsch eröffnet, der sih dur<h rhythmische Lebendigkeit und geshi>te Instrumentirung auszeichnete. Dieser dem Medding’s{<en Ehepaar gewidmete Marsch, sowie eine ebenfalls neue B Haare von Bilse wurden von dem zahlrei ershienenen Publikum mit rauschendem Beifall aufgenommen. Das Programm, dessen zweiten Theil Hof - Musikdirector Bilse selbst dirigirte, enthielt außerdem meist bekannte und beliebte Compositionen. Ein Prolog, der die Verdienste der Herren Bilse und Meyder, fowie des Besitzers des Hauses Herrn Medding hervorhob und auch der mehrmaligen Anwesenheit des hochseligen Kaisers Wilhelm I. im Concerthause gedahte, wurde von dem früheren Königlichen Hofschauspieler Herrn P. Dehni>e sehr ausdru>svoll vorgetragen. Am Tage zuvor hatte aus demselben Anlaß ein pas stattgefunden, an welchem gegen 300 Damen und Herren theilnahmen. Den Vorträgen der Frau Waib L, des Füllen, Nitts<aälk, der Dehbni>ke, Mörs (Tenor), Wes enberg, Wittma der : eine die Verdienste des Hof-Musikdirectors Bilse um die Fopularisieung der Werke Richard Wagner's betonende Rede von W. Tappert an. Auch einige Solisten der Hs erfreuten durch fünstlerishe Leiftungen, während die Tafelmusik von einer be- sonderen Kapelle gespielt wurde. Saal und Logen waren zu der Feier aufs glänzendste decorirt.

Herren Hungar

U (vom Residenz-Theater) Lichtenstein, Wittmann und anderer {loß fich

Das Gastspiel der Frau Gemma Bellincioni im Kroll’ schen T heater findet neueren Anordnungen zufolge niht {on morgen, sondern an in den Feiertagen feine Fortseßung und den dem- nächstigen Abschluß. |

Die Direction des Victoria - Theaters (Belle - Alliance- Theater) theilt mit, daß die für morgen angekündigte Vorstellung der „Reise um die Welt“ wegen decorativer Schwierigkeiten erst - am Sonntag stattfinden kann. : ;

Das Thomas-Theater bleibt heute, morgen und am Weih- nachtsabend eimoften und wird am ersten Feiertag mit der Bauern- posse „Der Nothhelfer“ wieder cröffnet, die dann am zweiten Feiertag und dem darauf folgenden Tage wiederholt wird. Die Nachmittags-

wurden die Kaufleute Otto Reymer u. Otto Masch, Leipziger-

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Vorstellungen der Volks\ftüï>ke „Der Herrgottschnißzer von Ammergau“