1892 / 306 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Boden, theils in der ft operiren und zu farbenreihen Bildern, Tänzen und allerhand anderen ges<ma>vollen Arrangements vereinigt werden. Die malerishen Gruppirungen und farbenpräctigen Costüme gewähren einen imposanten Eindru>, dec dur die wahrhaft hervorragenden Kunstleistungen der Signora Elia und des Signor Poggiolesi no< gehoben und würdig gekrönt wird. Die kurze Dauer des Ballets is eine Annehm- lichkeit: an feiner Stelle wird man von Langerweile geplagt, die Aus- stattung ist dur<weg glänzend und alles Sehenswerthe concentrirt sich auf den Zeitraum von einer Stunde, die hinreiht, um uns cinen ge- nügenden Einbli>k in das Reich der Traum- und Märchenwelt zu ver- schaffen. Die Musik freili< har keine besonderen Reize, der choreographishe Theil wirkt für fich allein. Neben dem Ballet wird der schon feit einiger Zeit auf dem Repertoire stehende Shwank „Das Baby“ gegeben, der zwar nicht viel Geist verräth, aber doch zum Lachen stimmt, und außerdem präsentirt ih der amerikanische Prestidigitateur Mr. Imro Fox mit seinen in der That außer- gewöhnlichen und fiaunentwerthen Taschenspieler- Kunststücken. y Neues Theater.

Das Neue Theater brachte als Weihnachtëgabe ein vieractiges Schauspiel von Felir Philippi „Der verlorene Sohn“. Das Stü, das unter diesem dem Bibelgleichniß entlehnten Titel das selbstbercitete Schi>ksal eines jungen bürgerlichen Cavallerie-Offiziers behandelt, der sih dur< Spielschulden ruinirt, dann reuig dem Vater Beichte ablegt und seinen Abschied nimmt, um in der väterli{en Fabrik die Schuldea abzuarbeiten, ist innerliß unwahr, halb morali- firendes, rührseliges Volksstück, halb grobkörnige Posse. Es würde si taum verlohnen, fritis<h auf das Stü> einzugehen, wenn die verzerrte Zeichnung des Charakters der Hauptperson und seiner Kameraden nit deshalb bedenklich erschiene, weil sie darauf angelegt ist, den Offiziers- stand im allgemeinen herabzuseßen und als einen Stand von Nichts- thuern zu dem Arbeiterstande in Gegensatz zu bringen. Der Ver- fasser muß sehr veraltete Vorstellungen haben über das Maß von Thâätig- keit, die heute von einem Offizier verlangt wird. Das Feiertagê- Publikum schien die Absicht des Verfassers zu dur<shauen, wollte fich aber ofenbar die Stimmung nit verderben lassen. Es er- fannte die zum theil ret woblgelungene Darstellung bereitwillig an, blieb aber den ganzen Abend über lau und behandelte den Autor fo kühl, daß es nicht zu cinem einzigen Hervorruf kam. Die vorzüglihe Inscenirung, welhe der als früherer Leiter des Victoria-Theaters hier no< wohlbekannte Regisseur Herr Emil Hahn besorgt hatte, wäre einer besseren Aufgabe angemessener ge- wesen; der zweite Act mit der Spiel-Scene war im Ensemble wie im einzelnen musterhaft arrangirt und wurde au, von der Karikirung einzelner Figuren abgesehen, vorzüglih und äußerst spannend gespielt. Herr Hahn erntete denn auch verdientermaßen die Hauptehren des Abends, die ihm überdem als vortrefflihem Darsteller der Rolle des Vaters, des shwergeprüften Geheimen Commerzien-Naths und Clavier- fabrikanten Engelhard zukamen. Neben ihm gebührt no< dem Dar- steller der s{wierigen, undanfkfkaren Nolle des verlorenen Sohns, Kurt Engelhard, Herrn Seldene>, sowie der seines Kameraden von Kirchbach, Herrn Vorwerk, ferner den Damen Fräulein Wert - heim (Schwester Kurt's) und Fräulein Shweighof er (Martha, Tochter des Procuristen Oppermann) Anerkennung.

Oscar Blumenthal hat den Gastspielvertrag mit dem Wallner- Theater, der ursprünglih nur bis zum 31. d. M. währen sollte, no< auf einige Wochen verlängert. Icdo< wird in Zukunft der Spielplan der beiden Bühnen streng von cinander gesondert fein. Nur zwei Stü>ke aus dem Besiß des Lessing-Theaters werden auch im Wallner-Theater zur Aufführung kommen, nämlih der Schwank „Die Orientreise“ und das Schauspiel „Der Fall. Clémenceau“. Im übrigen wird das Wallner-Theater seinen Ueberlieferungen gemäß der Aufführung von heiteren Neuheiten gewidmet sein, mit deren scenischer Vorbereitung {hon heute begonnen wird.

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1) Vbends und Nachts Schnee. 2?) Nachts Schnee. | GloeÆe.

3) Reif. #4) Reif. 5) Nachts Schnee. Uebersicht der Witterung.

Der Luftdru> if über Europa ho< und sehr gleihmäßig vertheilt, daher die Luftbewegung allent- halben s{wa< und vielfa< aus variabler Richtung. In Deutschland is das Wetter im Norden trübe, im Süden vorwiegend heiter. Der Frost hat in Norddeutschland, insbesondere in den nordwestlichen Gebietstheilen, zwar erheblih nachgelassen, indessen dürfte demnächst wieder Abkühlung eintreten: in

Mittwoch :

Oper in 3 Acten von R. Wagner. Ballet von Emil Graeb. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur LEMAIE. Dirigent: Kapellmeister Sucher. Anfang i t:

Schauspielhaus. 291. Vorstellung. Wallenstein's Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedri von Anfang 7 Uhr.

Opern%aus. 281. antishe Oper in 1 Act von G. Bizet. Text von L. Gallet, deuts< von L. Hartmann. Tanz von E. Graeb. In Scene geseßt vom Ober- Regisseur Dirigent: Kapellmeister Dr. Mu>.

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Cavalleria rusticana. Oper in 1 Aufzug von Pietro Mascagni. Text na< dem gleihnamigen Vclksstü> von Verga. In Scene gefeßt vom Ober-Negifseur Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Dr. Mu>.

Schauspielhaus. Stuart. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Schiller.

Deutsches Theater. Mittwoh: Romeo | Logierbefuch. Anfang 7 Uhr. Web Donnerstag: Zwei glückliche Tage. Freitag: Die Jüdin von Toledo.

Berliner Theater. Mittwo<: Dora. An-

Donnerstag: Neu cinstudirt: Kabale und Liebe. 18. Abonnements - Vorstellung. Gold-

Lessing-Theater. Mittwoh: Schulden. An-

Donnerêtag: Schulden.

Wallner-Theater. Mittwc<: Die große Anfang 7F Ubr.

Donnerstag: Die große Glocke.

Freitag: Die große Glo>e.

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. Chausseestraße 25.

z Zum 6. Male:

stattung. Der Millionenonkel. Operette in 3 Acten

von F. Zell und R. Genée. Musik von Adolf

Müller jun. In Scene geseßt von Julius Fritsche.

Dirigent: Herr Kapellmeister Federmann. Anfang f

Im Thomas- Theater“ wird im -Januar die kurze Zeit zwischen dem Schluß des Gastspiels der Münchener Gesellschaft und dem Beginn des Wiener Possen-Ensembles von Graselli durch ein Gastspiel der hier bereits bekannten“ Künstlerin Fräulein Preciosa Grigolatis ausgefüllt werden. Sie bringt als Neuheit ein fliegendes Ballet „Das Märchen der blauen Grotte“ mit, das bereits am 11. Dezember im Königlichen Schauspielhaus in Potsdam mit Erfolg aufgeführt worden ift. L

Die Direction des Concerthauses veranstaltet morgen einen „Schubert-Beethoven-Mozart- Abend“. Das Programm wird Schubert?s Ouverture zu „Rosamunde“, die unvollendete Symphonie Nr. 8, Beethoven's Symphonie Nr. 6 (Pastorale), Mozart's Türkischen Marsch, die Ouverturen zur „Zauberflöte“, zu „Figaro's Hochzeit“ u. st. w. enthalten. Wie alljährlich, so findet au< diesmal im Con- certhause am 31. Dezember (Sylvester) ein Familien-Ballfest statt. Deio werden im Bureau des Hauses und an der Abendkasse aus- gegeben. :

Das Programm des nächsten vierten Quartettabends der Herren rofessor Jof. Joachim u. Genossen am Donnerstag bringt Beethoven?s Quartett Es-dur op. 127, Mozart's Quartett D-dur Nr. 7 und ein Quartett in F-dur von dem Prinzen Reuß. Für den IT. Cyklus der Philharmonischen Concerte (9. Januar, 23. Januar, 6. Februar, 27. Februar, 13. März) werden Abonne- ments-Anmeldungen tägli in der Hof-Musikhandlung von Ed. Bote u. G. Bot, Leipzigerstr. 37, sowie bei der Concert-Direction Hermann Wolff, W. „Am Carlsbad“ 191. entgegengenommen. Jm ersten Concert des I1. Cyklus (9. Januar) tritt Frau Teresa d’Albert- Carreño als Sclistin auf.

Die Pianistin Fräulein S ophie Olf en aus Kopenhagen giebt am 30. d. M. im Saal Bechstein ein Concert.

Mannigfaltiges.

Nach ‘dem dem Magistrat erstatteten Geschäftsberiht der Städtischen Feuer - Societät für das Verwaltungsjahr 1. Of- tober 1891 bis Ende September 1892 is die Zahl der erfeßten Gebäudeschäden von 1212 auf 1304, die dafür bewilligten Entschädi- gung8gelder von 619 609,41 4 auf 621 094 30 4 gestiegen, während die 138 380 300 e betragende Versicherungssumme der neu hinzu- gekommenen Baulichkeiten gegen die des- vergangenen Jahres von 143 065 300 f um 1484,89 M zurüd>gegangen ist. Gemeldet wurden dem Feuecr-Societäts-Bureau 1349 Feuer, darunter 16 Schorn- steinbräânde, 17 Leuchtgas-, 23 Ofengas- und 2 Benzinerplo- sionen, sowie 13 Beschädigungen dur< Blitstrahl. Für 1304 dieser Brände sind indessen nur Entschädigungen zu zablen gewesen , die einen Betrag von 621 094,30 # erforderten. Zur De>ung der Nebenkosten bei Feststellung der Brandschäden sowie der fonstigen Verwaltungskosten war der Betrag von 1 314 466,71 4 er- forderli<h. Auf Antrag der Deputation für die städtishe Feuer- Societät hat nun das Magistrats-Collegium beschlossen, der Stadt- verordneten-Versammlung zu empfehlen, einen Feuerkassen beitrag von 4 K für jede 100 e der Versicherungssumme einzuziehen. Es sind Ende September 1892 versicherte Grundstü>ke vorhanden gewesen 22171 mit einem Gefammtversicherungéwerth von 3 218 428 $00 M gegen 21 783 versicherte Grundstü>ke mit 3 080 048 500 s im ver- flossenen Jahre; es sind demgemäß mebr versichert 388 Grundstücke mit einem Gefammtversicherungswerth. von 138 380 300

Am Freitag ist in Friedenau der Professor D. Paulus Cassel gestorben. Im Jahre 1821 in Großglogau von jüdischen Eltern ge- boren, wurde er, nachdem er in Berlin studirt batte, Rabbiner, trat jedo< im Jahre 1855 in Erfurt, wo er mit literarishen Arbeiten beshâftigt war und sväter zuglei< als Bibliothekar im Dienste der Erfurter Akademie stand, zum Christenthum über. 1859 nahm Caffel, na<hdem er zuvor no< in Erfurt den Professortitel

Victoria-Theater.

Vorstellung.

Debillemont und C. A. Raida.

(Vauern - Ehre.) | Welt in a<tzig Tagen.

Anfang 7 Uhr.

292. Vorstellung. Maria | :

fang 74 Uhr.

Sohn.

er und Mar Löwenfelv.

Ballet in 1 R. Mader. Inscenirt dur< den Ba

Couplets von A. Braun.

74 Uhr.

Sonnabend: Male:

Zum 1.

berg. Musik von Moriy Fall. C. A. Friese.

Adolph Ernst-Theater.

Mit neuer Aus- Anfang 74 Uhr.

, Donnerstag: Zum 1. Male: Der Schwur. Oper in 1 Aufzug von Marimilian Singer. Musik von Wilh. Reich. Darauf: Die Regimentstochter.

Belle - Alliancestraße 7/8. Mittwoch : Mit neuer Ausstattung: Die Reife um die Welt in achtzig Tagen. stattungs\tü> mit Ballet in 5 Acten (15 Bildern) von A. d’Ennery und Jules Verne.

girt vom Balletmeister C. Severini. Abends 7x Uhr.

Donnerstag u. folgende Tage: Die Reise um die

Neues Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). Mi E . Male: ‘eue Sohn. h: I PEE L E R A L dluftae v S E oun. mar“, der Strispringer, vorgeführt von Frl. Oceana

Donnerstag und folgende Tage: Der verlorene

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, zu halben Preisen : Schwank in 4 Aufzügen von R.

Theater Unter den Linden. Zum 4. Male: Novität! Die Sireneu - Jnsel. Ut von H. Megel. i Der Voregs: Theil von 2e

letmeister Herrn L. C Nepcrtoirestü> der Wiener Hofoper. Das Baby. Schwank in 1 Act von H. F. Musik von A. Ferron. Inscenirt dur< C. A. Friese sen. Mr. Imro Fox, amerikanischer Presti- digitateur, mit ganz neuen Experimenten. Anfang

/ Das Modell. Operette in 1 Act (2 Bildern) von Mar Kahlen- Inscenirt dur

Mittwoch: Zum 4. Male: Modernes Babylon. Gesangêposse in 3 Acten von Ed. Jacobson und W. Couplets theilweise von G. Görß. ) G. Steffens. In Scene geseßt von Adolph Ernst.

Donnerstag: Dieselbe Borstellung.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30.

erhalten hatte, scinen Wohnsiß in Berlin und wandte si sier nachdem er die theologischen Prüfungen abgelegt hatte, dem Beruf als Seelsorger zu. Er bethätigte sich unit lebhaft im Sinne der Judenmissiou. Im Jahre 1868 wurde er Geistlicher an der Christus- Kirche. 1866 und 1867 vertrat er den Wahlkreis Teltow-Beesfow. Storkow im preußischen Abgeordnetenhause, wo er der conservativen i fre angehörte. Der Verstorbene hinterläßt zahlreihe Schriften istorischen, culturgeshihtlihen und literaturgeschichtlichen Inhalts. Die Beerdigung hat heute Nachmittag 2 Uhr von der Christus-Kirce n E Königgräterstraße aus auf dem Jerufalemer Kirhhof statt. gefunden.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen.

Duisburg, 27. Dezember. (W. T. B.) Der Landtags- Abgeordnete für Duisburg, Mülheim, Ruhrort und Essen, Fabrikbesißer Commerzien-Rath Vygen is der „Rhein- und Ruhrzeitung“ zufolge heute hier gestorben.

Paris, 27. Dezember. (W. T. B.) Wie der „Gaulois“ meldet, hat Freycinet dem Präsidenten Carnot über seine Zusammenkunft mit Andricux Aufklärungen gegeben. Er habe Andrieux gefragt, auf wel<he Docu- mente gestüßt man den Namen des Kriegs - Ministers in die Enthüllungen über die Panama - Affaire ein- beziehe. Andrieux habe erwidert, er sei den Angriffen gegen Freycinet völlig fremd und besige keinerlei diesen betreffende Documente. Freycinet erklärte \{ließli< dem Präsidenten Carnot, er habe den Schritt unternommen, weil vor allem die Persönlichkeit des Kriegs-Ministers unberührt bleiben müsse.

Dasselbe Blatt verzeichnet als Gründe für- die gestrige Börsenflauheit das von neuem aufgetauhte Gerücht, Neinach sei vergiftet worden, sowie die Befürchtung, in dem vor dem Schwurgeriht anhängigen Prozeß gegen den Director der „Société Centrale de Dynamite“ Legany und den Agenten Arton werde es zu Aufsehen erregenden Ent- hüllungen kommen.

Das Journal „Libre Parole“ meldet aus Nantes, die Deputirten Guillemet und Sibille wurden in einer Wüählerversammlung dur die Zurufe „Gebt das Panamageld heraus“, „Kammcrauflösung“ verhöhnt. Nah Schluß der Versammlung segten sich die Demonstrationen gegen die De- putirten auf der Straße fort.

Bern, 27. Dezember. (W. T. B) Der Bundesrath beschloß, von Neujahr ab gegenüber Frankreich den Generaltarif, mit Erhöhung einer Anzahl Tarifsäße in Anwendung zu bringen: die Eedbuntiè werden morgen fest- gestellt werden. -

__ Aden, 27. Dezember. (W. T. B.) Der Rammkreuzer „Kaiserin Elisabeth“, mit den Erzherzogen Franz Ferdinand und Leopold Ferdinand an Bord, ist gestern hier ein- gelaufen und dampft morgen ab. Die Erzherzoge befinden sich vollfommen wohlauf.

(Fortsczung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Am Landes - Ausftellungs - Park (Lehrter Bahnhof), Gesfnet von 12—11 Ubr.

Concerte.

Concert-Ÿaus. Carl Meyder - Concert. Mittwoh: Schubert-Becthoveu-Mozart-Abend. Anfang-7 Uhr 7 -

Sonnabend (Sylvester): Familien - Ball - Fest. Billets im Buzeau des Hauses.

Großes Aus-

Ballet arran- Musik von

Circus Renz (Carlstraße.) Mittwoh, Abends 74 Uhr: Große Ectra-Vorstellung. Aus dem reih- haltigen Programm besonders hervorzuheben: „Eli-

Renz. Mr. James Filles mit dem Schulpferde „Germinal“. Concurrenzs<hule, geritten von den Damen Frls. Clotilde Hager und Oceana Renz. Dic Reitkünstler Mr. Leopold Renz und Mr. Arnaud. Zum Schluß: S“ Auf Helgoland “Sz oder: Ebbe und Fluth. Großes Land-, Wasser- und Feuer-Schauspiel. Nationaltänze von 82 Damen. Neue Einlagen, u. a.: „Aufzug der Leib-Garde- Artillerie“. Großes Brillant-Feuerwerk.

Dounerstag, Abends 74 Uhr: Große Vorstellung mit neuem Programm und „Auf Helgoland“.

Billet-Verkauf beim „Invalidendank“, Markgrafen- ftraße 51 a.

E E T i D E D S Be (0E I S E E E E A R E Familien-Nachrichten,

Verlobt: Frl. Marie Weißhun mit Hrn. Haupt- mann Mar von Poser (Berlin). Frl. Gertrud Huebner mit Hrn. Landwirth Kurt von Wulffen (Halle). Frl. Elin Dietrich mit Hrn. Regierungé- Assessor Paul Wagner (Thorn-Bromberg). Frl. Margarethe von Johnston mit Hrn. Hilmar Frhrn. von Münchhausen (Rathen——Nieder-Schwedeldorf).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Rittmeister Konrad von Dechend (Schleswig). Cine Tochter: Hrn. Rittmeister a. D. und Stiftshauptmann Ernst von Wedel (Kannenberg). Hrn. Nitt- meister Dietrih von Trotha (Potsdam). 2

Gestorben: Hr. Kammerherr, Oberst-Lieut. a. V- Gustav Gra? von Voß-Buh (Buch). Hr. Landgerichté-Präsident a. D. Franz Gustav Magnu® Pe>k (Görliß).

Mittwoch : Musik von undla<h.

cannstädt. Musik von

Uranig, Anstalt für volksthümlihe Naturkunde.-

Süddeutschland dagegen dauert die strenge Kälte fast unverändert fort, München, Bamberg und Karlsruhe melden 12, Kaiserslautern 13 Grad unter Null. An der deutschen Küste fanden stellenweise Nieder-

schläge statt. : L Deutsche Seewarte.

Bi E E S E B S S R E E iC L R E I E B E Theater - Anzeigen. Königliche Schauspiele. Mittwo<: Opern-

baus. 289. Vorstellung. Tanuhäuser uud der Sängecrkrieg auf der Wartburg. Romantische

7 Uhr. Donnerstag und folgende Tage: Der Millionen- onfel. «

Residenz-Theater. Direction : Sigmund Lauten-

burg. Mittwoch : Zum 6. Male: Familie Pout-

Viquet. Schwank in 3 Acten von Alexandre Bisson.

Deuts< von Max Schönau. Jn Scene geseßt von

Sigmund Lautenburg. Anfang 7$ Uhr. ; Vonnerêtag: Dieselbe Vorstellung.

Kroll's Theater. Mittwe<: Zar uud Zimmermann. Anfang 7 Uhr.

Mittwoch: Ensemble-Gastspiel der Münchener unter Direction des Königlih Bayerischen Hof- shauspielers Max Hofpauer. Zum 4. Male: Der Nothhelfer. Ländlicher Schwank mit Gesang und Tanz in 4 Acten von Amand Kolbe. Musik von Josef Kraegel. Anfang 72 Uhr:

Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

[#621] Hohenzollern-Galerie Lehrter Babuhof. L # Sonntags 50 y. Gr. bistor. Rundgemälde 1640—1890. Geöffnet 9 Uhr bis Dunkelh., Sonnt. 9I—D,

Nedacteur: Dr. H. Klee, Director. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>kerei und Verlag® Anstalt, Berlin a4 Wilhelmstraße Nr. 32. Sieben. Beilagen

(einshließlih Börsen-Beilage), (2034i) owie dic Inhaltsangabe zu Nr. 6 des öffen-- Titvea Anzeigers (Commanditgefellschaften

auf Actien und Actiengesellschaften) für die Woche vom X98, bis 22, Dezember 1892-

Erste Beilage

zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

4 306.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die preußischen Sparkassen im Nehnungsjahre 1891 bezw. 1891/2.

. Die preußischen Sparkassen haben seit etwa 20 Jahren einen fo überaus großen, fortwährend steigenden Zuwachs an Einlagen erfahren, daß in den leßten Jahren die Möglichkeit, sichere und etwas Gewinn lassende Anlagen aufzufinden, immer mehr {wand und fortgeseßt zu Herabseßungen des Einlagezinsfußes geschritten werden mußte. Gleichwohl macht si< ein Nachlassen der Einlagebewegung erst in den beiden leßten Jahren bemerkbar, namentlich in dem abgelaufenen. Während der Gesammtzuwahs an Ein lagen 1888 und 1889 rund 217 bezw. 214 Millionen Mark betrug,- ging er 1890 auf 180,86 Millionen, 1891 bezw. 1891/92 nah den vorläufigen Ermittelungen sogar auf 124,87 Millionen Mark zurü. Die Einzahlungen betrugen 827,70, die Nükzahlung-n 789,09 Millionen Mark; jene waren um 5,15 Millionen geringer, diese um 56,24 Millionen höher als im Vorjahre. In Westpreußen waren die Nük- zahlungen bereits größer als die Einlagen. Der ÜUebershuß an Neueinlagen (nah Abzug des durch Zuschreibung von Zinsen erreihten Zuwachses von 86,26 Millionen) betrug im ganzen Staat überhaupt nur 38,61 Mil- lionen Mark. Seit den Jahren 1877 und 1878/79, in welchen jener Ueberschuß 37,10 bezw. 22,19 Millionen betragen hatte, ist ein fo ungünstiges Ergebniß nicht dagewesen. Im ganzen erreihte der Einlagebestand am Schluß des Berichtsjahres die Summe von 3406,57 Millionen Mark gegen 3281 70 Millionen Mark am Schluß des Vorjahres.

An Sparkassenbüchern wurden im Berichtéjahre 867 501 aus- gegeben und 685 365 zurü>genommen; ihre Gesammtziffer stieg auf 5 772 603 und war um 179 941 Stück höher als im Vorjahre, welcbes seinerseits ein Mehr von 280 425 Stü> gegen das Vorjahr aufwies. Es hat also die Zunahme an Sparkassenbüchern si in ähnlihem Maße verlangfamt wie diejenige der Einlagebeträge. Am meisten haben sich die Éleinen Conten von höch.tens 60 (A Cinlage vermehrt, nämli) um 4,40%, die von mehr als 609 A um 4,24, die von 3—600 4 um 2,86, die von 60—150 um 1,80, die von 150 bis 300 um nur 1,500/0, die Gesammtzahl der Bücher um 3229/0, also immerhin no< bedeutend s{neller als die Bevölkerung. So sehr hiernah die Ergebnisse des Berichtsjahres hinter den aus- gezeihneten der Borjahre zurü>bleiben, so sind sie immerhin im großen Ganzen nicht bedenklich, um fo weniger, als zweifellos ein großer Theil der Abnahme des Einlagezuwachses auf die hon erwähnten Herabseßunzen des Einlagezinsfußes zurü>zuführen ist. Ziffermäßig spricht dterfür {on die Thatsache, daß die Sparkassen im Berichts- jahre 32,67 Millionen Mark an Zinsübershüssen = 0,92 9% der zinsbar angelegten Beträge zu erzielen vermochten, während es im Vorjahre nur 30,53 Mill. = 0,89% gewesen waren. Die Sparkassen wären also in der Lage gewesen, ihren Einlegern höhere Zinsen zu zahlen, ohne ihre Ueberscbüsse gegen die vorjährigen {winden zu sehen. Eine leise Hinaufsezung des Einlagezinéfußzes würde hierna< die Sparkasseneinlagen wohl bald wieder in weit höherem Maß steigen lassen, als im Berichtsjahr der Fall gewesen ift.

Zeitschrift des Königlich preußishen Statistischen Bureaus 1892, 1./I1. Vierteljahrsheft.

In der leßten Woche des Jahres erscheint die erste Hälfte des Jahrganges 1892 der vom Director des preußischen Statistischen Bu- reaus, Geheimen Ober-Regierungs-Nath E. Blen> herausgegebenen Zeitschrift. Sie enthält eingangs eine Darstellung über die Thâtig- keit und Lage der „preußischen Sparkassen im Rechnungsjahre 1891 bezw. 1891/92". Hieran s<hließt si<h na< einem Nachtrage zu der im vorigen Jahrgange der Zeitschrift gebrachten Untersuchung über die „ebelihe Fruchtbarkeit bei den verschie- denen MNeligionégcmeinschaften in Preußen, 1875—90" eine größere Arbeit von H. Brämer über die „Lebens- und Feuerversicherung in Preußen sowie die Ergebnisse der größeren deutschen Feuerversicherungs- Anstalten in den Jahren 1889 und 1890, mit Nückblicken auf frühere Jahre“. Einem längeren „Berichte über den VII. internationalen Congreß für Hygiene und Demographie in London“ aus der Feder des f. Z. dorthin entsandten Dr. G. Lange, damaligen außerordentlichen I'itgliedes des Königlich preußischen Statistischen Bureaus, folgt als „ein Beitrag zur Theorie und Technik der Arbeits- und Lohnstatistik“ eine wissenschaftliche Besprechung der amerikanischen großen Arbeits- und Lohn- statistik für die Jahre 1889 bis 1891 von dem Geheimen Regierungs- Rath K. Brämer. Bücherbesprehungen und sc<s Bogen der viel- seitigen „Statistischen Correspendenz“ machen den Schluß dieses Doppelheftes. Als besondere Beilage enthält es no<h die „wirklichen und Mittelpreise der wichtigsten Lebensmittel für Menschen und Thiere während des Kalenderjahrcs 1891 bezw. des Erntejahres 1890/91.*

Das T1. Halbjahrsheft des laufenden XXX11. Jahrganges der Zeitschrift wird bis Ostern nachfolgen.

Schlesische Provinzial-Land-Feuersocietät.

Obwohl auch im laufenden Jahre die Schlesische Provinzial- Land-Feuersocietät von zahlreihen und umfangreichen Bränden be- troffen worden ist, so wird do<, wie die Schweidnitzer „Tägliche Nundschau“ berichtet, infolge der Beschlüsse des Provinzial- und des Societäts- Ausschusses den Societäts-Theilnehmern mit Rücksicht auf die Uebcrschüsse der Vorjahre von den Gebäudeversicherungs-Bei- trägen für das zweite Halbjahr 1892 ein Betrag von 2090/6 erlassen. An diesem Erlasse haben jedoch die zu festen Beiträgen abgeschlossenen fowie die am 1. Oktober d. J. neu zugetretenen Versicherungen feinen Theil, für welche der vereinbarte Beitrag zu leisten ist. Ferner werden von den am 1. Januar 1893 fälligen Jahresbeiträgen für die zu Ende des laufenden Jahres schon bestehenden Mobiltarversicherungen nur 90 9/6 erhoben und 10 %/ erlassen.

Zur Arkeiterbewegung.

Die Delegirten der Berliner Strife-Control-Com- mission beschlossen in einer Versammlung am 22. d. M, von einer Resolution über die auf dem socialdemokratischen Parteitag angenom- menen, die Genossenschaften, Boycotts und Controlmarken be- treffenden Anträge Abstand zu nehmen und verpflichteten sich, nah wie vor , mit allen den Gewerkschaften zustehenden Mitteln für alle Maßnahmen, die sie zu treffen beab- fichtigten, einzutreten. Ferner wurde beschlossen, die Gewerkschaften dazu zu bestimmen, den Ausschank der Berliner Bo>kbrauerei, dessen Oekonom Herr Tiedemann ijt, so lange zu meiden, bis er die For- derungen der organisirten Gastwirthsgehilfen bewilligt hat.

In Leipzig befinden sih einer Mittheilung desselben Blattes zufolge die Steinbildhauer mit den Arbeitgebêrn in Streit.

Aus Wien wird der „Voss. Ztg.* unter dem 24. d. M. ge- schrieben: Infolge des Zwiespaltes unter den österreihischen Socialisten beschloß eine Anzahl Socialisten in Wien und Böhmen eine neue, streng internationale und interconfessionelle Arbeitergruppe unter dem Namen SocialistisheVolkspartei zu bilden. Die neue

artei foll in Nordböhmen, besonders in den Städten Bodenbach, Teplitz, Dux, Brüx, Aussig und Komotau, bereits großen Anhang besißen. Wie

der „Köln. Ztg.“ telegraphis< gemeldet wird, - trafea die Behörden j

Berlin, Dienstag, den 27. Dezember

12

im JIsergebirge Vorsihtsmaßregeln gegen die drohende Bewegung unter den dortigen Glasarbeitern.

In Oberndorf bei Komotau sind, wie der „Vorwärts“ be- richtet, 40 Schuhmacher der Karl Schlögel?\ chen Fabrik wegen Lohnkürzung im Ausstande.

Aus Zwolle (Niederlande) meldet ein Wolff’shes Telegramm vom Sonntag, daß auf dem “dort [tagenden Socialisten- congreß ein Antrag van Kols, der die zwishen Domela Nieuwenhuis und Liebfnecht bestehenden Meinungsverschieden- heiten beseitigen sollte, nah den Ausführungen Domela Nieuwenhuis? zurückgezogen wurde. Ferner wird aus Brüssel vom gestrigen Tage berichtet: Die Delegirten zum socialistishen Congreß be- {lossen heute, den allgemeinen Ausstand zu veranstalten, wenn die Negterung die Einführung des allgemeinen Stimmrechts verweigern sollte. Die Delegirten sind viel mehr gewillt, eine revolutionäre Bewegung zu unterstützen als eine friedliche.

In dem großen Fairfield Schiffsbauhof in Glasgow begann am Freitag Abend der Ausstand. Als Ursache wird angegeben, daß die Arbeiter sih der Herabseßung ihrer Löhne um 1 Farthing per Stunde widersetzen.

Kunft umd Wissenschaft.

Verein für Geschichte der Mark Brandenburg. Sißung vom 14. Dezember 1892.

Entsprechend den von der leßten Generalversammlung des Ge- sammtvereins der deutschen Geschichts- und Alterthumsvereine ges faßten Beschlüssen und geäußerten Wünschen, wird der Verein sih an der Herstellung der h istorish-statistis<hen Grunkkarten des Deutschen Neichs nah Kräften betheiligen; er wählte auf Antrag des Herrn Geheimen Archiv-Naths Neuter zu den Vorarbeiten für die nah dieser Nichtung zu entwicelnde Thätigkeit eine Com - mission, bestehend aus ben Herren Archiv-Rath Dr. Hegert, Archivar Dr. Meineke und Professor Dr. Naudé.

Herr Amtsrichter Dr. Holze erzählte nah Acten des Geheimen Staats-Archivs Einiges aus der Geschichte des Dorfes Neu- dörfchen bei Biesenthal. Dieses Dorf gehörte am Ende des 17. Jahrhunderts als wüste Feldmark „Dreißig Hufen“ zum kurfürst- lichen Amte Mühlenbe>. Am 24, Juli 1694 tauschte cs der bekannte Alchymist und shwedische Bergrath Kunkel von Löwenfstern gegen das ihm gehörig gewesene Schulzengeriht zu Cladow sammt der Pfauen- infel ein und siedelte einige Colonisten an. Seine Bitte, dem neu angelegten Dörfhen ven Namen Lilienthal verleihen zu dürfen, ward im Jahre 1700 abgeschlagen. Nah Kunkel's am 20. März 1703 erfolgten Tode folgten ihm seine Wittwe aus zweiter Ebe und seine vier Kinder im Besiße, das Gut Mak indeß bald darauf zur s{uldenhalber nothwendigen Subhastation, in der es die Wittwe für 6300 Thaler erstand, um es kurz darauf (1706) an den Kammergerihts-Präsidenten Johann Sigismund von Sturnt zu ver- kaufen. Dieser erhielt die Genehmigung, den Ort Neudörfcen nennen zu türfen und verwandte bis zu scinem im Jahre 1719 erfolgten Tode große Sorgfalt auf diesen Besiz. Fr er- hielt für ihn die Kruggerehtsame und 1713 die Erlaubniß, König Friedri< Wilhelm's 1. zur Anlage der no< heute dort vorhandenen Wassermühle, freili<h mit dem bedreblihen Zusage, „wofern Er besser Justiz an die Leute thun wird.“ Nach dem Tode von Sturm's erbten es seine drei Töchter, von denen es dic jüngste Charlotte Luise, die Gattin des bekannten Generals und Verfrauten Friedri<h Wilhelm's I. in Berliner Bausachen Christian Reinhold von Derschau im Jahre 1742 an den Commissar Greinert für 11 090 Thaler und 100 Dukaten verkaufte.

Herr Professor Dr. S<hmoller spra über die Entstehung des Im 18. Jahrhundert so wichtigen Amts des Steuercom- missars, der die Städte controlirte und das ganze wirthschaftliche Leben in tbnen beeinflußte. Er glaubt den Ursprung des Amts in $ 17 der Accise-Instruction vom 23. März 1680 zu finden, der festseßt, der Kurfürst werde für jeden Kreis einen capablen Mann er- nennen, um die Accisere{nungen abzuhören, zu revidiren 2. Der Vortragende kam damit auf die Bedeutung einer fest geordneten NRNechnungsabnahme, -wie sie zuerst das eng- lische Schaßamt (Exchegquer) und die französishe chambre de comptes, in Deutschland seit dem 16. Jahrhundert die collegia- lis<hen Amtekammern anstrebten und durchsührten, und suchte in furzen Zügen die Fortschritte der preußischen Verwaltung im 17. und 18. Jahrhundert auf diesem Gebiete zu s{ildern. Er hob hervor, daß au< die Gründung der General-Rechenkammer 1714 und der ostpreußishen und der magdeburgishen Provinzial - Nechen- kammer 1721 und 1722 nit dic Folge gehabt habe, die unteren Jn- stanzen von der Prüfung und Abnahme aller localen Nechnungen zu ent- binden, wie vor allcin die Prüfung der Accise- und Kämmeret- re<nungen Sache der Steuecrcommisjare geblieber sei ; erst nach, 1768 sei das anders geworden, erst von da an seien auch die Special- re<nungen an die Ober-Nechenkammer gegangen. Redner suchte dann noch das ganze Verfahren der damaligen YNechnungéprüfung und -Ab-

nabme zu schildern und felgerte daraus, daß dieses Geschäft wobl dice halbe Arbeitszeit der prüfenden Behörde in Anspru nahm, aber auh, daß die Durchführung einer geordneten Nechnungs- abnahme dur< Berufsbeamte na< festen Vorschriften der eigentlich springende Punkt in der Schaffung einer intregren leistungs- fähigen Staatsverwaltung und Bureaukratie sei. Es knüpfte fh daran eine längere Debatte, an der die Herren Staats-Archivar Dr. Meinardus, Dr. Breysig, Arhio-Nath Dr. Hegert, Prof. Dr. Delbrück und andere theilnahmen. Hauptsächlich die zwei erstgenannten Herren brachten mancherlei Interessantes über den damaligen Stand der noch re<t unvollklommenen Rechnungéabnahme bei.

Herr Professor Dr. Brecher handelte von dem Prozeß, welchen der Kurfürst Joachim 1. gegen den „gewesenen Frauen- zimmer-Thürfne<ht Joachim von Goe Be“ anstrengte, «welcher „die Ghurfürstin (Elisabeth) aus dem Lande geführet, darüber diese Sache ans Kurf. Kammergericht gedichen; nahmals Näthe nieder- geseßt und ad privationem feudi wider ihn agiret, von seinem Anwalte aber fori declinatoria eingewandt worden.“ Bei den Acten befindet si< au< ein interessantes Schrei- ben von „Niclas Czerer, Secretair“, gerichtet an „Fohann Kautz, Joachim von Goeten Anwalt“, in welchem cer ihn vor den Märkischen Richtern und deren Schlihen warnt; „werden sie aber vielleicht ein merkishe unhopflichkeit brauchen als woll mugli<“, um ihre Absichten zu verschleiern, so solle er sih soglei an den Kanzler Dr. Kethwish wenden. Das Verfahren gegen Goetze kam übrigens zu Lebzeiten Joachim?'s I. niht mehr zum Austrag. Unter seinem Nachfolger wurde Goetze unbeschadet scines Lebens und seiner Güter wieder in der Mark zugelassen.

Auf Beschluß des ges{äftsführendetk Auéschusscs der Neichs- Limes-Commission erscheint seit dem 15. Dezember d. J. im Verlage der Fr. Linß’shen Buchhandlung in Trier ein „Limes- blatt“. Dieses Vlatt wird über die vom Deutschen Reich auf die Dauer von fünf Jahren in Aussicht genommene wissenschaftliche Er- forshung der' römischen Grenzsperre die offiziellen vorläufigen Berichte der die Ausgrabungen leitenden Stre>en-Commissare veröffentlichen. In jedem Jahre werden 5 bis 6 Nummern in der Stärke von je einem halben bis zu einem ganzen Bogen ausgegeben, welhe während der Herbst- und Frühjahrs-

‘vom 1. Oktober bis 30. September.

1892.

campagne in etwa monatlichen Fristen thunlichst ras< über den Fort- gang der Arbeiten berihten. Das Abonnement (jährlih 3 6) läuft c 1 Die Hcrausgabe des „Limes- blattes“ hat der ar&äologische Dirigent bei der Rej«Limes-Commis- sion, Professor Dr. Hettner in Trier übernommen. It der vorliegenden eriten Nummer beginnen die Berichte über die nunmehr abgeschlossene erste Herbstcampagne; in zwei demnächst folgenden Nummern follen die weiteren Berichte folgen. :

_ Dem Herausgeber und Redacteur der „Zeitschrift für In- \trumentenbau“, Herrn Paul de Wit in Leipzig ist von Seiner Majestät dem Kaiser Franz Joseph die mit dem Kaiser- lihen Bildniß und Wahlspru<ß gezierte große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen worden. Die Uebergabe erfolgte am 19. d. M. durch den K. u. K österreichis{ - ungarischen General-Konsul Schober in Leivzig. Diese hobe und seltene Aus- zeichnung ist auf die Thätigkeit des Herrn de Wit auf der inter- nationalen Ausftellunz für Musik und Theaterwesen in Wien zurü- zuführen.

Die Stadt Budapest hatte ein Prcisaus\chreiben für eine Markthalle mit Eisenbahnanshluß erlassen. Zu den Preisrihtern gehörten der Stadt-Baurath Blankenstein und der städtishe Ver- taufsvermittler Schünemann hierselbst. Wie die „N. A. Z.* erfährt, hat die Jury si<h dieser Tage für da3 Project des Regierungs-Baus- meisters Jost hierselbst, welcher den Erweiterungsbau der Central- Markthalle leitet, entschieden.

Land- und Forstwirthschaft,

Ernte in Spanien.

In Spanien ist am 6. d. M. eine amtliche Zusammenstellung des Ertrags der diesjährigen Ernte veröffentlicht worden. Danach stellt sih das Ergebniß wie folgt:

Weizen E Gerste .

Baer Noggen Kichererbsen Won. Futterbohnen . 1 438 C67 M a O8

In den spanischen Handelskreisen ist man geneigt, das Ergebniß der diesjährigen Ernte niedriger zu shäßen. Wie dem aber auc sein mag, jedenfalls wird au) nah den vorstehenden officiellen Angaben in Weizen ein größeres Quantum eingeführt werden müssen, da der Ver- brauch Spaniens sih auf etwa 43 Millionen Hektoliter im Iahre beläuft.

In Barcelona sind seit dem Monat August aus Nußland, von der Donau und den Vereinigten Staaten rund 700 000 metrische Ouintale Weizen eingeführt worden, und man glaubt, daß in den Monaten Dezember, Januar und Februar eine no< ebenso große Quantität aus den genannten Ländern dort eingeführt werden wird. Sicher ist es, daß der Consum bis zur nächsten Ernte sebr beträchtlich auf Einfubren vom Auslande angewiesen ist. i

Der Bedarf der Mühlenindustrie Barcelonas beläuft ih auf 6000 —7000 metr. Quintale täglih. An dieser Quantität ift der im Lande producirte Weizen nur für 1/5, höchstens für L betheiligt, 2 bis #/5 des Consums dec>t der ausländis<he Weizen. Die Hauptklasse der Einfuhr ift der harte Weizen, weil durch die Mißernte in Andalusien die andalusis<hen Provinzen in großer Quantität mit dem Mehl ver- schen werden müssen, das speciell aus dem Hartweizen gewonnen wird.

Gerste wird wenig aus dem Ausland eingeführt, weil genügender Vorrath im Lande ift, und daher Preise herrschen, die eine Concur- renz nicht auffommen lassen.

Bon Mais, welcher fast nur als Viehfutter verbrau<ht wird, wurden in den leßten fe<s Monaten nicht mebr als 100090 metr. Quintale nah Spanien vom Ausland eingeführt.

Der Umstand, daß in den letzten Jahren die spanisden Aer- bauer dur die Production von Wein, der nah dem Ausland abh- geseßt- wurde, große Vorthrile errangen, hat veranlaßt, daß eine er- heblihe Menge früher Weizen vroducirender Felder in Weinland verwandelt worden ist, sodaß Sachkundige annehmen, daß Spanien augenbli>li<h au<h bei günstiger Ernte wegen der Einschränkung des Areals nicht in der Lage ist, seinen Getreidebedarf selbst zu de>en.

Die diesjährige Herbstauésaat hat sich in allen Theilen Spaniens unter den günstigsten Verhältnissen vollzogen. Recbtzeitig eingetretener Hegen und für die Jahreszeit mildes Wetter haben das Keimen der Saat in erwünschter Weise beeinflußt.

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Gesundheit8wesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Cholera.

Krakau, 24. Dezember. In Zalucze (Bezitk Borszcow) ist die Cholera neuerdings ausgebrochen ; es sind in den leßten Tagen drei Personen in Folge der Cholera gestorben und eine Person erkrankt; auh in S iekierzynce (Bezirk Husiatyn) ift eine Cholera- Erkrankung vorgekommen.

St. Petersburg, 25. Dezember. Der Congreß der Aerzte aus den Cholera-Districten ist heute dur< den Minister des Innern Durnowo eröffnet worden.

Belgien.

Die Königlich belgishe Ministerial. Verordnung vom 11. November 1892, wonach die Ein- und Durchfuhr von Lumpen, Hadern und alten Kleidern in Ballen aus Deutschland, Frankreih und den Niederlanden in und durch belgishes Gebiet nur gestattet war, sofern die betreffenden Sendungen cin Konsulatszeugniß darüber begleitete, daß am Herkunftsorte die Cholera weder epidemish herrschte, no<h im Laufe des Jahres 1892 geherrs<ht hat, vergl. „Reichs-Anzeiger“ Nr. 270 vom 14. 11. 92 ist dur< Verfügung voin 21. Dezember 1892 wieder aufgehoben worden.

Die Sanitätscommission der Schelde in Antwerpen hat unter dem 24. Dezember 1892 gegen die Herkünfte aus den Elbhäfen von neuem eine 24stündige Beobachtung angeordnet.

Columbien. /

Die columbishe Regierung hat die Zulassung der Hamburger Herkünfte, welhe aus Anlaß von sporad!schen Cholerafällen in Hamburg vorübergehend verboten war, von neuem wieder angeordnet.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks : e Bee D ube und in Oberschlesien. An der Nuhr sind am 24. d. M. gestellt 9524, nit re<htzeitig gestellt keine Wagen. j : In Oberschlesien sind am 23. d. M. geftellt 4223, nit rehtzeitig gestellt keine Wagen; am 24. d. M. sind gestellt 1282, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.