1893 / 19 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

die Behauptung des Abg. Grafen Arnim über die S ati der Frankfurter Handelskammer. Dieselbe giebt eine ganze Reihe Details und Auszüge, worin eine Reihe von Banken ihre einzelnen Sees bis ins fleinste darlegt, um Material zur Beurtheilung der Wirkung der Vorlage zu bieten. :

Abg. Graf Arnim: Die Börse is nicht nur ein Ort wie die Leipzigerstraße, sondern eine mit sehr großen Privilegien ausgestattete Corporation, die z. B. ein Schiedsgericht hat. Alle Kunden eines Banquiers müssen einen Schein unterschreiben, worin es heißt: Wir unterwerfen uns der Börsenufance an dem oder dem Ort. Die Börse ist also eine sehr E e Organisation und niht ein ganz zufälliges Zusfammenkommen der esellschaft. Der Abg. Dr. Siemens erinnert mich nur an das Wort: „Grau ist alle Theorie, grün ist nur des Lebens goldener Baum“. Wenn jedes Land die Börse haben foll, die es verdient, so würshe ih, daß unser Land auf einem höheren Niveau steht. Was die Emissionen betrifft, so ist z. B. in den Prospecten nur mitgetheilt : Der Finanz-Minister von Peru, Chile u, f. w. versichert, daß die Einnahmen des Staats so und so sind und das nächste Budget sih fo oder fo hoh beziffert. Darunter steht dann ein mehr oder minder verständliher Name und dann folgt die Auf- forderung zur Zeichnung. Die Herren an der Börse übernehmen also feine Garantie. Man hat fogar behauptet, daß ein folcher Prospect niht einmal als Empfehlung anzusehen sei. Die Ziffern in der Frankfurter Petition habe ih niht bezweifelt, sondern nur ihre Unvollständigkeit behauptet, und das ist richtig; denn es ist z. B. der Verdienst der Maklerbank agegen nicht gleichzeitig der Ver- dienst der Agenten, die die Maklerbank bilden.

Abg. Dr. Siemens (dfr.): Die Börse ist thatsächlih keine Corporation, sondern nur ein Haus, das einer Corporation gehört, zu der jedermann Zutritt hat, der sich darum bewirbt. Als ein Privi- legium kann man das Schiedsgericht niht betrachten, das ledigli eine baldige Entscheidung der Prozesse garantirt. Bei den Börfen- usancen handelt es sich darum, nah einem einheitlichen Contractéformular gehandelt wird, und fich alle der Entscheidung des Schiedsgerichts unterwerfen. Die Prospecte unterzeihnet eben der, der am genauesten über die zu handelnden Werthe unter- richtet ift. Bei Staatsanleihen wird das Geseß verzeichnet. Giebt eine Regierung eine Anleihe aus, so is die das be- treffende Land vertretende Staatsgewalt verpflichtet, niht nur berechtigt anzugeben: so ‘sieht die Anleihe aus. Mehr kann man vom Berliner Aeltesten-Collegium nicht verlangen, als daß es darauf hält, daß alle diese Dinge offen bekannt werden. Dem ÜrWeil des einzelnen is es überlassen, welhen Glauben er solchen Versiche- rungen {enken will. O ] A

Dic Debatte wird geschlossen und die Vorlage der Militär- commission überwiesen. / i '

Darauf genehmigt das Haus in erster und zweiter Be- rathung den Entwurf eines Geseßes wegen Ergänzung des Geseßes vom 2. Juni 1869, betreffend die Cautionen der Bundesbeamten, ohne Debatte.

Schluß 33, Uhr.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Der Ausstand in dem Ober-Bergamtsbezirk Dortmund kann nunmehr, wie gestern {hon nah der „Rh.- Westf. Ztg.“ angedeutet wurde, gleichfalls als beendet betrachtet werden. Nach dem Strikejournal des bergbaulichen Vereins fehlten in der Zeit vom Donnerstag, bis Freitag Mittag auf 16 noch vom Ausstande betroffenen Zechen 4644 Mann von der Belegschaft. Diese Fehlenden sind aber nicht mehr Ausständige, sondern von den Zechen für einige Tage ausgesperrte Bergarbeiter. Das sogenannte Comité der strikenden Bergleute Rheinland-Westfalens ver- öffentliht einen Aufruf mit der Bitte um Unterstüßung. Aus dem Saarrevier meldet ein Telegramm des „D. B. H.“, daß die Lieferungen wieder vollständig aufgenommen seien. Die O Ser des Nechts\hußvereins mit Ausnahme von Warken und Berwanger wurden aus der Haft ent- lassen. Wir shließen hieran folgende mit dem Ausstande in Zusammenhang befindlichen Nachrichten:

In der „Frankf. Ztg." wird die Zahl der im Saarrevier aus der Grubenarbeit entlassenen Bergleute im ganzen auf nid Mann angegeben; davon sind 491 dauernd und 1966 zeitweilig entlaffen.

Auf den Werken der Gebrüder Van der Zypen in Deutz ist nach der „Köln. Ztg.“ der volle Betrieb wieder aufgenommen worden. (Val. Nr. 14 d. Bl.)

Das Hamburger (socialdemokratishe) Gewerkschafts cartell hat, wie der „Voss. Ztg.“ telegraphirt wird, eine Petition an den Senat gerichtet, in der für die Arbeitslosen, deren Zahl auf rund 5000 angegeben wird, Beschäftigung und nöthigenfalls Staats- hilfe verlangt wird. Gestern Äbend sollten in Hamburg 12 focialistische Bolksversammlungen stattfinden, um sich mit dieser Petition zu be- schäftigen.

Fn Magdeburg fand am Freitag eine schwach besuchte Ver-

sammlung von Arbeitslosen statt, in der, wie die „Mgdb. Ztg.“ be- richtet, die socialdemotratishen Resolutionen der Berliner Bersamm- lungen von Arbeitslosen (vgl. Nr. 17. d. Bl.) zur Annahme ge- langten. In Amsterdam fanden gestern Abend wieder an mehreren Stellen der Stadt Ansammlungen von Arbeitslosen und So- cialisten statt, die durch die in den Straßen patrouillirende Polizei mit der blanken Waffe auseinandergetrieben wurden. Einige Personen wurden verhaftet; zu ernsteren Zwischenfällen kam es jedoch nicht. Das Comité der Arbeitslosen forderte durch kleine Zettel, die es vertheilen ließ, die Arbeitslosen auf, sich heute früh zu ver- fammeln, sodann die Hauptstraßen zu durhziehen und vor den Häusern der Wohlhabenden Geld und Brot zu verlangen. Dieser Auf- forderung entsprehend, durhzogen, wie „W. T. B." meldet, heute auch zahlreihe Schaaren Arbeitsloser und Socialisten, focialistishe Lieder singend, die Straßen der Stadt. Vor einer Brotfabrik an- gelangt, machten einzelne Gruppen den Versuch, in diese einzudringen, wurden jedoch durh die Polizei an diesem Vorhaben verhindert. Zwei Anführer der Manifestanten, die sich dennoch Eintritt in die Fabrik verschafft hatten, verlangten Brot, welches Verlangen jedoch zurück- gewiesen wurde. Die Manifestanten durhzogen hierauf von neuem die Straßen. Nachmittags kam es zwischen thnen und 200 Polizei- agenten zu cinem Zusammenstoß, wobei mehrere F SeR durch Steinwürfe getroffen wurden. Hierauf ging die Polizei mit blanker Waffe vor und verwundete einige Personen. Die Menge zerstreute sich vorübergehend, um us alsdann abermals in Gruppen zusammen- zurotten. Mehrere Personen wurden verhaftet.

Nach Mittheilung des Statistishen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 8. Januar bis incl. 14. Januar 1893 zur Anmeldung gekommen: 203 Ehe- schließungen, 1028 Lebendgeborene, 38 Todtgeborene, 607 Sterbefälle.

Literatur.

Militärisches. L ;

m Verlage von E. S. Mittler u. Sohn, Königliche Hof- Buchhandlung in Berlin SW., Kochskraße 68, ist ein s ugblatt er- schienen, welhes die Frage behandelt: Wieviel ostet uns Deutsche die Vertheidigung des Vaterlandes? Es wird berechnet, daß von den Steuerbeträgen für Landesvertheidigung und Sqhuldenzinsen zusammen 1892/93 pro Kopf der Bevölkerung bezahlt werden in Frankreih 32,1 (, in England 25,3 #, in Italien

21,4 Æ, in ODesterreih-Ungarn 13,2 4 und in Deutschland (Preußen) 6,9 ; nah Annahme der Militärvorlage würde der einzelne Deutsche nur 8,1 4 bezahlen, also immer noch bedeutend weniger, als in den übrigen Staaten auf den Kopf der Bevölkerung fällt. 1000 Exemplare dieses lesenswerthen Flugblattes liefert die Verlags- handlung für 6 M

Land- und Forstwirthschaft.

Weizenernte in Indien.

Berar. Nach dem von dem Director des landwirthschaftlichen Departements für Berar veröffentlihten Bericht vom 21. v. M. hat sich infolge späten und heftigen Regens die Weizenausfaat verzögert. Der Stand der Saaten ist ein guter außer in Akola und Akot. Jn der Bombay-Präsidentschaft war nah einem amtlichen Bericht vom 24. v. M. die Aussaat bis dahin noch nicht beendigt.

Ernte-Aussichten in Australien.

Nach den von dem Regierungs-Statistiker in Sydney veröffent- lihten Angaben stellen sih die Aussichten für die diesjährige Weizen- ernte in der Colonie Neu-Südwales folgendermaßen :

Die im Jahre 1892 mit Weizen bestellte Fläche wird auf 509 570 Aker, glei 206 223 ha geschäßt. Data bätte sich die Fläche gegen das Vorjahr um 86469 Aer, gleih 34 994 ha, oder um etwa 20 9/9 vergrößert. Dieser verstärkte Anbau Wi M gepiien Oie mi bem l eann des Jahres 1892 in Kraft getretenen Einfuhrzoll auf Weizen in Zu- sammenhang gebracht.

__Man nimmt an, daß von der mit Weizen bestellten Gesammt- flähe von 509 570 Aer 429 570 Acker, gleih 173 847 ha zur Ab- erntung kommen werden, während das Product der noch übrigen in R Acker, gleih 32 376 ha zur Heubereitung verwendet werden würde.

Die Witterungsverhältnisse sind der Entwickelung der Saat ganz besonders günstig gewesen und wird ein Durchschnittsertrag von 16,70 Buschel auf den Aker, gleih 15,03 h1 auf den Hektar in Aussicht gestellt, wobei zu bemerken ist, daß der Ertrag einer Mittelernte etwa 13,10 Buschel per Aer, gleih 11,79 h1 per Hektar beträgt.

Der Gesammtertrag der kommenden Weizenernte würde hiernach auf 7 176 000 Buschel, gleich 2 608 404 h1 zu veranschlagen sein.

Verglichen mit den Ergebnissen des Borjahres \tellen sich die obigen Schäßungen folgendermaßen :

Gesammt- ertrag Buschel 3 963 668 7 176 000

ronerzzn | Abgeerntete | Ertrag Anbaufläche | Fläche | per Aer |

| ç É | Mr Var | Bus 423 101 356 666 I 16,70 mehr in |

1 DOO 780 429 570 1892/93 86 469 2904 059 | 3212 332

Berechnet man den Bedarf für Saatzwecke auf 620 000 Buschel, den Verbrauch in der Colonie selbst, bei einer auf 1 220 000 Köpfe ange- nommenen Bevölkerungsziffer, auf 7 808 000 Buschel, so würden im Jahre 1893 nur etwa 1 252 000 Buschel, gleih 455 089 h1 eingeführt zu werden brauchen, während für das Jahr 1892 der Fehlbetrag auf 4 312 000 Buschel oder 1 567 412 h1 geshäßt wurde.

Úin den eigenen Bedarf vollständig decken zu können, müßten in der Colonie Neu - Südwales bei einem Durchschnitts8ertrage von 13,10 Buschel für den Aer, statt der jeßt zur Aberntung kommenden Fläche von 429 570 Aer, eine folhe von 690 000 Ader, ‘gleich 279 243 ha, oder etwa 290 000 Acker mehr als bisher mit Weizen bebaut twerden.

Jahr

1891/92 1892/93

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks

an der Nuhr und in Oberschlesien.

An der Ruhr sind am 20. d, M. gestellt 10 432, niht rechtzeitig gestellt 36 Wagen.

In Oberschlesien sind am 19. d. M. gestellt 45380, nicht rechtzeitig gestellt eine Wagen.

Zwangs-Versteigerungen.,

Beim Königlichen Amtsgeriht 1 Berlin standen am 20. Januar die nachbezeihneten Grundstücke zur Versteigerung: Holzmarktstraße 14, dem Maurermeister Paul Herrmann gehörig; Nugungswerth 32 000 4; Mindestgebot 1200 4; für das Meistgebot von 412 100 M. wurde der Kaufmann Siegfried Sachs, Hindersinstr. 4, Ersteher. Buttmannstraße 13, dem Maurer- polier Georg Melzer gehörig; Nutßungswerth 14 530 44; Mindest- gebot 1800 1; für das Meistgebot von 170 000 wurde der Kauf- mann Adolf Loewy, Kochstraße, Ersteher. Choriner}- straße 58, dem Bauunternehmer Auguß Reßler gehörig; Nußtungswerth 14300 46; Mindestgebot 1600 ; für das Meist- gebot von 211000 A wurde der Kaufmann Max Stein, Gertraudtenstr. 18, Ersteher.

Berlin, 20. Januar (Amtliche Preisfeststellung für Butter, Käse und Schmalz.) Butter. (Im Großhandel franco Berlin an Producenten bezahlte Abrehnungspreise.) Hof- und Ge- nossenschafts - Butter Ta. 95—98 #4, Ila. 91—94 M, Ila, —,—, do. abfallende 85—90 Æ, Land-, Preußishe 82—835 A, Nebbrücher 82—85 #4, Pommershe 82—85 #4, Polnishe M, Bayerishe Sennbutter FÆ, do. Landbutter 80—82 K, Schlesishe 82—85 F, Galizishe 75—80 Æ, Margarine 40— 70 M se: Schweizer, Emmenthaler 80—87 4, Bayerischer 55—65 M, Ost- und Westpreußischer 1a. 60—695 Æ, do. Ila. 50— 60 MÆ, Holländer 77—85 A, Umburger 36—42 4, Quadrat-Mager- fäse Ia. 18—22 M, do. Ila. 10—l14 A Schmalz: Prima Western 17 %/, Tara 61,00 4, reines, in Deutschland raffinirt 62,00—63,00 4, Berliner Bratenshmalz 63,00—65,00 4 Fet t, in Amerika raffinirt 51,00 (, in Deutschland raffinirt 49,00 A (Alles pr. 50 kg). Tendenz: Butter: Bei dem dieswöchentlichen oen Geschäftsgang mußten Preise etwas nachgeben. Schmalz:

eigend. Vom oberschlesischen Eisen- und Métallmart berichtet die „Schl. Ztg.“ : Auf dem oberschlesishen Eisenmarkte sieht es im allgemeinen recht unerfreulich aus, da die Geschäftslosigkeit mit jeder Woche zunimmt. Die Werke sind wegen zu geringen Eingangs an Specificationen zum größten Theile ungenügend beseßt und unregelmäßig beschäftigt. Nur der augenblickliche Bedarf wird in Auftrag gegeben, und da die Werke die gangbarsten Eisensorten auf Lager haben, erfolgt die Ablieferung auch sofort, sodaß weder Consumenten noch Händler nöthig haben, Eisenvorräthe anzuschaffen oder größere Be- stellungen aufzugeben. Im Roheisengeschäft ist bei den gegen- wärtigen Verhältnissen eine baldige Besserung nicht zu erwarten. Die Werke bemühen sih, die Anzahl der im Betriebe stehenden Oefen noch weiter im Feuer zu halten, da ein Ausblasen und Wiederinbetrieb- seßen mit bedeutenden Kosten verknüpft ist. Die Walzwerke haben ihren Betrieb in leyter Zeit ebenfalls abs{chwächen müssen, va sie für die Dauer auf Vorrath nicht arbeiten können und die gegenwärtigen Eingänge an Aufträgen zur Erhaltung des vollen und regelmäßigen Betriebes unzulänglich sind. Nur diejenigen Walzstrecken find noch am besten beschäftigt, welhe die gangbarsten Eisensorten, als Stab-, Rund- und Flacheisen, liefern. ie Blehwalzwerke sind zum theil engt wegen Mangel an las Feierschihten ein- zulegen; Grobblech is immer noh sehr vernah äs t. Für Fein- blech is mehr Nachfrage vorhanden, es wird jedoh bei den gegen- wärtigen Preisen nichts verdient. Die Stahlwerke ruhen fast ganz. Die Eisengießereien sind sehr schwach beschäf- tigt und haben theilweise das Arbeiterpersonal vermindert. Die Lage der Maschinen- und Kesselfabriken sowie

der Constructionswerkstätten hat sich gegen die Vorwoche

®

niht verändert, ebenso ist über die Geschäftslage der Höhrenwalz- werke, Draht- und Nägelwerke neues nicht zu berihten. Jm Zinkgeschäft ist die Tendenz - immer noch weichend; Walzzink wurde um 90 H per 100 kg billiger, daher mit 43,40 46 notirt. Nohzink wurde von zweiter Hand à 35,50—35,25 M. per 100 kg frei hier angeboten; jedoch sind Umsäße nicht bekannt geworden. Die erste Hand verhält sich weiter abwartend. Das Geschäft in Blei und Bleifabrikaten ist sehr ruhig, besonders sind die leßteren in dieser Jahreszeit nur sehr s{chwach gefragt.

Die Einnahmen der Königlich württembergischen Staats-Eisenbahnen vcirugen im Dezember 1892 2 464807 M (gegen die endgültige Einnahme des Vorjahres +4 78 762 M); vom 1. April bis Ende Dezember 1892 27 491 375 M. (+ 660516 M).

Auf den Eisenbahnen Elsaß-Lothringens wurden im Dezember 1892 befördert 1 069 778 Personen und 831 973 t Güter, um 24648 Personen und 14067 t Güter mehr als im gleichen Monat 1891. Die Betriebseinnahme belief sich auf 3 898 000 A, um 18038 M höher als im Dezember des Vorjahres. Jun der Zeit vom 1. April bis Ende Dezember 1892 sind 39 097 000 A ein- genommen. worden, um 751 040 A mehr als im gleichen Zeitraum 1891, dagegen für den Tag und das Kilometer 2,65 A weniger, da seitdem die durdhschnittlihe Betriebslänge um 65,47 km ge- wachsen ist.

Bei den 298 km langen Localbahnen der Dest erreichischen Local-Eisenbahn-Gesellschaft, die bereits im Vorjahre im Betriebe standen, betrugen die provisorish ermittelten Einnahmen im Monat Dezember v. J. 205 858 Fl. und in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Dezember 1892 1 973 540 Fl., während die definitiven Ein- nahmen in der gleihen Periode des Jahres 1891 202 130 bezw. 1 994 519 Fl. betragen haben. Die provisorisch ermittelten, oben niht inbegriffenen Einnahmen der Localbahn Budweis-Salnau be- trugen im Monat Dezember 1892 15 990 Fl., und in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Dezember 1892 bei einer durchschnittlichen Betriebslänge von 55 km 141 956 Fl.

Magdeburg, 20. Januar, (W. D. B) ZUcCerber1Mt. Kornzucker excl., von 929% 14,85, Kornzucker excl., 88 9%/9 Rendement 14,25, Nachproducte excl., 75 9/0 Rendement 11,80. Schwach. Brod- raffinade I. 27,75. Brodraffinade 11. 27,50. Gem. Raffinade mit Faß 28,00. Gem. Melis 1. mit Faß 26,25. Ruhig. Rohzuter I. Product Transito f. a. B. Hambürg pr. Januar 14,223 Gd., 14,274 Br., pr. Februar 14,224 Gd., 14,274 Br., pr. März 14,25 Gd., 14,30 Br., pr. April 14,30 Gd., 14,35 Br. Unthätig. Wochenumsaß im NRohzucktergeshäft 307 000 Ctr.

Frankfurt a. M., 20. Januar. (W. T. B.) Nach hier vor- liegenden Meldungen aus London hat die „Société chimique de Liverpool“ mit der „Rio-Tinto-Compagnie“ einen fünfjährigen Vertrag auf Lieferung von jährli 500 000 Tons Pyrits abgeschlossen.

Leipzig, 20. Januar. (W. T. B.) Kamnazug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B. per Januar 3,625 M, per Februar 3,65 #4, per März 3,67} #4, per April 3,67$ 4, per Mai 3,70 4, per Juni 3,70 4, per Juli 3,725 , per “August 3,75 M, ver September 3,774 4, ver Oktober 3,80 M, ver No- ra 3,774 4, per Dezember 3,777 4A Kein Umsay, Verkäufer reylen.

Pest, 20; Januar. (W. T.B,) Productenmartt. Weizen fest, pr Srubiahe (49 Go, (90 Dv, pr. Qeroit (o! Gd, 763 Bri Hafer p. Frühjahr 047 Od, 949 Dr. Mais pri Mai-Juni 4,72 Gd., 4,73 Br. Kohlraps pr. August-September 11,30 Gd, 1140 Br. i

London, 20. Januar. (W. T. B.) An der Küste 2 Weizen- ladungen angeboten. : :

96% TJavazucker loco 163 ruhig, Nüben-Rohzucker loco 14} ruhig. Chile-Kupfer 452, pr. drei Monat 46°/16.

Liverpool, 20. Januar. (W.T.B.) (Baumwollen-Wochen- bericht.) Wochenumsatz gegenwärtige Woche 31 000 (vorige Woche 51 000), do. von amerikanischen 27 000 (39 000), do. für Spekulation 1000 (3000), do. für Erport 3000 (5000), do. für wirklichen Consum 23 000 (31 000), do. unmittelb. ex. Schiff 46 000 (54 000), wirklicher Export 8000 (6000), Import der Woche 77 000 (72 000), davon amerikanische 67 000 (49 000), Vorrath 1 637 000 (1 613 000), davon amerifanishe 1 420 000 (1 397 000), s{chwimmend nach Großbritannien 140 000 (151 000), davon amerifanishe 130 000 (145 000).

Getreidemarkt. Weizen ‘—1 d., neuer gemischter Mais $ d. niedriger, alter Mais knapp, Mehl unverändert.

Manchester, 20. Januar. (W. T. B.) 12r Water Taylor bè, 30r Water Taylor 8, 20r Water Leigh 7}, 30r Watec Clayton 383, 32r Mock Brooke 82, 40r Mayoll 84, 40x Medio Wilkinson 94, 32r Warpcops Lees 75, 366r Warpcops Rowland 8#, 36r Warp- cops Wellington 94, 40r Double Weston 83, 60r Double courante Qualität 112, 32" 116 yards 16 X 16 grey Printers aus 32r/4br 170. Stetig. j

Glasgow 20. Januar. (W. T. D) Vie Vorrathe von Roheisen in den Stores belaufen sih auf 336 833 Tons gegen 504 054 Tons im vorigen Jahre. Die Zahl der im Betriebe befind lien Hochöfen beträgt 69 gegen 76 im vorigen Jahre. :

St Petersbura, 20 Januar, (Wel D) Pvooucrelb markt. Talg loco 55,00, per August —. Weizen loco 11,29. Roggen loco 9,25. Hafer loco 5,00. Hanf loco 43,00. Leinsaal

loco 19/00, | Antwerpen, 20. Januar. (W. T. B.) Getreidemarkt. Weizen F niedriger. Roggen behauptet. Hafer fest. Gerste begehrt. Petroleummarkt. (Schlußbericht.) NRaffinirtes Type welß loco 13 bez. u. Br., pr. Januar 13 Br., pr. Februar-März 134 Br, pr. September-Dezember 13 Br. Ruhig. N Amsterdam, 20. Januar. (W. T. B,) Java-Ka]][ee good ordinary 564. Bancazinn 955. : New- Vork, 20. Januar. : (W. T. B.) Die Börse er öffnete besser, befestigte sich im weiteren Verlaufe und {loß sehr [e]t zu den höchsten Tagescursen. Der Umsay der Actien betrug 590 000 Stúck. Der Silbervorrath wird auf 690 000 Unzen geshäßt. Die Silberverkäufe betrugen 200 000 Unzen. 2 nats 000 Dollars G old werden morgen von hier nach Europa abgehen. e : Weizen anfangs niedriger, dann höher auf große Kauflust.

S: fest. Mais fester den ganzen Tag auf kleine Ankünfte. Schluß stramm. / : Baumwollen-Wochenbericht. Zufuhren in allen Unions häfen 98000 Ballen, Ausfuhr nah Großbritannien 38 000 Ballen. Que nach dem Continent 33 000 Ballen. Vorrath 1 047 000 allen. A Chicago, 20. Januar. (W. T. B.) Weizen anjang® niedriger, dann besser auf Deckungen der Baissiers. Schluß fest. Mais besserte sih im Verlaufe auf große Nachfrage. Schluß stramm.

Verkehrs-Anstalten.

Bremen, 21, Januar. (W. D, B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Aller“ am 10. Januar von Bremen abgegangen, is am 19. Januar Nane in New-Yox angekontinen. Der Reichs - Postdampfer „Danzig“ ist Poft 19. Januar Abends mit der für Ost-Asien bestimmten pol von Brindisi nach Port Said abgegangen. Der Pol dampfer „Frankfurt“, nah dem La Plata bestimmt, _hat S 90, Januar Vormittags OQOuessant passirt. Der PostdanE „Graf Bismarck“, hat am. 20. Januar ia die Reise fer Antwerpen nah Bremen fortgeseßt. Der MReichs-Postdamp Z „Habsburg“ ist am 20. Januar Mittags in Antwerpen ln fommen. Der Reichs-Postdampfer „Karlsruhe“, von Au fommend, ift am 20. Januar Vormittags in Antwerpen ang

kommen.

Zweite Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 19.

Nichtamtliches.

Frankreich.

Der neu ernannte Botschafter Spaniens Castillo über- reichte gestern dem Präsidenten Carnot sein Beglaubi- gung e Mreien. Ju den bei diesem Anlaß ausgetauschten Ansprachen wurde dem „W. T. B.“ zufolge der Wunsch betont, daß die Beziehungen beider Länder în gegenseitigem Interesse eine weitere freundliche Entwickelung nehmen möchten.

Im Zahre 1892 betrug die Einfuhr Frankreichs 355 Millionen, die Ausfuhr 7 Millionen weniger als im Vorjahre.

Der Senat nahm in seiner gestrigen Sißung mit 195 gegen 11 Stimmen den Geseßentwurf an, wonach die Auf- reizungen der Presse zy Mord, Raub und Brand- stiftung bestraft werden sollen. Hierauf wurde die Berathung des Gesehentwurfs über die Beleidigungen gegen fremde Souveräne begonnen. Dazu wurde vonDemöôdle ein Amen- dement eingebracht, wonach Beleidigungen, die sih gegen den Präsidenten der Republik richten, gleicherweise dem Zucht-Polizeigeriht zur Aburtheilung zu überweisen wären. Der Minister-Präsident Ribot erklärte, daß es eines besonderen Gesetzes nicht bedürfe, um über die ungqualificirbaren Angriffe, deren Zielpunkt neuerdings Präsident Carnot sei, nah Gebühr abzuurtheilen. Nachdem hierauf Demôle das Amendement zurückgezogen hatte, wurde der Gesehentwurf selbst an- genommen.

Die Deputirtenkammer nahm gestern das Budget des Ministeriums für öffentliche Arbeiten an und be- gann mit der Berathung des Cultusbudgets. Msgr. d’ Hulst tadelte die Haltung der Behörden gegenüber dem Klerus und erklärte, die Einbehaltung der Bezüge der Geistlichkeit sei eine Verleßung des Concordats. Der Cultus-Minister Dupuy erwiderte darauf, die Absicht, der Geistlichkeit unnüße Be- lästigungen zu bereiten, liege ihm fern, er werde jedoch das Gescß zur Ausführung bringen und die Mitglieder des Klerus auf gleihem Fuße wie die anderen Bürger behandeln.

Die O A an vernahm gestern A ndrieux, der erklärte, er könne die 104 in dem Check- buch Arton’s vorkommenden Namen nicht mittheilen; Arton allein besiße entscheidende Beweismittel. Rouvier habe im Jahre 1887 100 000 Fr. an die „Lanterne“ gezahlt, damit deren Angriffen gegen ihn, Nouvier, Einhalt gethan werde. 80000 Fr. von dieser Summe seien Rouvier zu diejem Zweck vom Ministerrath aus den gcheimen Fonds bewilligt worden. Arton stehe in Briefwechsel mit den Deputirten Laguerre und Mermeix. Ob Reinach dif mehrfach erwähnte Liste Clémenceau habe übergeben lassen, wisse er niht. Die Commission wird heute Clémenceau, Laguerre und Mermeix vernehmen.

Dem Vernehmen nah wird die Angelegenheit des Cor- nelius Herz den Gegenstand einer besonderen Unter- suchung bilden, um den {webenden Panama-Prozeß mög- lichst wenig zu verzögern.

Schweiz.

Die Zolleknnahmen betrugen im Jahre 1892 36 032 733 Frs., also 5 532 733 Frs. mehr, als im Budget angescht waren, und 4 489 409 Frs. mehr, als im Jahre 1891.

Belgien.

In einer gestern in Brüssel abgehaltenen Versamm- lung der Rechten wurde dem „W. T. B.“ zufolge über die Anträge der Regierung bezüglih der Verfassungs- revision in allen Punkten vollständige Einigung erzielt. Heute wird die Nevisionscommission die Anträge der Regierung noch einmal berathen. Sollte dann die Linke jedes Entgegen- kommen ablehnen, so würde die Regierungsvorlage unverzüglich vor die Kammer gebracht werden.

Serbien.

Zwischen der Königin Natalie und dem König Milan hat nah Meldung des „W. T. B.“ eine Aussöhnung stattgefunden. Der „Köln. Ztg.“ wird berichtet, der König Alexander habe vorgestern Abend folgende Depesche aus Paris erhalten: Habe mich mit deiner Mutter versöhnt. Milan. Der König habe sofort geantwortet: Deine Depesche hat mich tief gerührt. Der heutige Tag is der freudigste meines Lebens. Jch umarme dich und bitte, meine Mutter statt meiner zu umarmen. Alexander.

Jn dem Kreise von Negotin haben bei den Gemeinde- wahlen in zwei Gemeinden ernste Ausschreitungen statt- gefunden; cin aus Zaicar dorthin beordertes Bataillon stellte die Nuhe wieder her.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Cholera.

Halle a. S., 21. Januar. Der „Hallischen Zeitung“ zufolge hätte die von dem Geheimen Medizinal-Rath, Professor Dr. Ko angestellte Untersuchung ergeben, daß das Wasser der Saale unterhalb Nietleben als verdächtig anzusehen sei. Es stehe der Erlaß einer Verordnung bevor, et welche der Gebrau dieses Wassers zu Koch- und Trinkzwecken verboten würde. Im übrigen werde die Verordnung, wonach alle von auswärts zureisenden Personen sih innerhalb zwölf Stunden bei der Polizeibehörde zu melden haben, Jeßt wieder in Anwendung gebraht. Weitere fieben schwere Erkran- kungen sind im Laufe des gestrigen Tages erfolgt. Anfangs waren nur Pfleglinge der Anstalt erkrankt. Gestern sind auch die Frau eines Beamten der Anstalt und zwei Kinder erkrankt. Heute sind siebzehn Neuerkrankungen und zwei Todesfälle festgestellt.

Theater und Musik.

: Sing-Akademie. : i i: Der junge Violinist Herr Henry Such, ein Engländer, der feine Studien auf der Königlichen Hochschule gemacht hat, E gestern hier sein erstes eigenes Concert mit dem von Herrn Herfurth geleiteten philharmonischen Orchester. Die Wahl des Beethoven'shen Violin- concerts, des größten und s{chwierigsten Werkes, kann beim ersten Vervortreten nit als eine glücklihe betrahtet werden,

Berlin, Sonnabend, den 21. Januar

zumal die Beherrschung der tehnishen Schwierigkeiten und die Tiefe der Auffassung dem Spieler fehlten. Das Concert von Ernst, sowie die Legende von Wieniawski und das Perpetuum mobile von Paganini entsprahen mehr dem Maß seines Könnens. Besonders lobenswerth war der zarte Vortrag des An- dantesaßes im ersten Concert, sowie der der Legende. Die vortheil- haft bekannte Concertsängerin Fräulein Helene Jordan unterstüßte das Concert durch die vortreffliche Ausführung der Romanze „Kennst du das Land“ aus der Oper „Mignon“ von Thomas und einiger Lieder von Franz und Mendelssohn, in denen sie ihre klangvolle und gut ges{hulte Stimme sowie ihre zarte und innige Aus- drucksweise aufs wirksamste zur Geltung brachte. - Das zahlrei er- \chienene Publikum spendete der Künstlerin lebhafte Beifallsbezeu- gungen, die auch dem Violinisten zur Aufmunterung zu theil wurden. Die Orchesterbegleitung stand nicht auf der Höhe der sonst an dieser Kapelle gerühmten Leistungen.

Am Feeitag fand in der Sing-Akademie unter Leitung des Pro- fessors Blumner die dritte Aufführung des Cantaten-Cyklus von Bach statt, der, den Inhalt mehrerer Cantaten in zwei Hauptstüke zusammenfassend, von der Liebe des Heilands handelt. Der Anfangschhor „Du Hirte Israel“ hat einen lieblihen pastoralen Charakter und ist zugleih durch seinen großartigen, kunstvollen Bau von höchst ergreifender Wirkung. Unter den folgenden Ge- sängen sind auch besonders die Baß-Arie „Beglückte Heerde“, die a cappella vorgetragenen Choräle „Der Herr ist mein Hirte“ und „Ich rief den Herrn in meiner Noth", die tief ergreifende Baß-Arie „Wahrlich, ih sage euch", das Duett „Er denket der Barmherzigkcit“ sowie der herrliche, in fugirtem Stil ausgeführte Schlußchor „Lobe den Herrn“ hervorzuheben. Der zweite Theil, der mit dem gleichfalls fugirten Chor „Es ift dir gesagt, Mensch“ beginnt, enthielt auch den tief rührenden, tin mol - Tonarten sih bewegenden Chor „Vrich dem Hungrigen dein Brod“, zwei wundervolle Alt - Arien, eine Sopran-Arie, ein Duett aus dem in jubelnden Klängen sich empor- s{wingenden Scblußchor „Freue dich, erlöste Schaar“, der sih an dén Choral (a cappella) „Nun du, Herr, mir bist erschienen“ anschließt. Die Ausführung durch den Chor der Sing-Akademie, dessen Kraft und Klangshönheit in den drei Choräâlen, die a cappella vorgetragen wurden, ganz besonders zur Geltung kam, war auch in allen übrigen Gesängen eine in jeder Beziehung vollendete. Auch die Solisten Fräulein Oberbeck (Sopran) Fräulein Schacht (Alt), Herr Hauptstein (Tenor) und Herr Rolle (Baß) leisteten vorzügliches, und es war sehr erfreulih, die Altsoli wieder in den bewährten Händen des Fräulein Schacht zu sehen, die mit ihrer metallreihen wohlgeshulten Stimme zugleich eine sehr warme Vortragsweise verbindet. Das Philharmonische Orchester, dessen trefflihec Kapellmeister Herr Bleuer (Violine) auch als Solist mitwirkte, verdient noch&besonders lobende Aner- kennung. Vor allem aber gebührt dem Hekïn Professor- Blumner der Dank für den hohen künstlerishen Genuß. Das Publikum war ungemein zahlreich ersienen.

Die Aufführungen von Enna's Oper „Die Hexe“ im König- ihen Opernhause haben . durch Beurlaubung einiger Miit- wirkender nach Amsterdam eine Unterbrehung erleiden müssen. Die nächste Aufführung des Werkes findet am Donners- tag ftatt. Am Montag geht „Der Wildshüß“ mit den Damen Leisinger, Herzog, Lammert und Hellmuth-Bräm, den Herren Bey, Philipp, Krolop, Lieban und Krasa in Scene. In der Vor- stellung des „Lohengrin“ am Dienstag sind die Damen Sucher und Hiedler, die Herren Nothmühl, Stammer, Bulß und Fränkel beschäftigt.

Der Spielplan der Königlichen Oper für die Zeit vom 92, bis 28. Januar lautet: Sonntag: „Djiamileh“. „Bajazzi“. „Slavishe Brautwerbung“. Montag: Der Wildshügz“. Dienstag: „Lohengrin“. Mittwoch: „Die Jahreszeiten“. „Bajazzi“. Donnkts- tag: Die Hexe“. Freitag: Fest-Vorstellung. „Die Meistersinger von Nürnberg“. (Verwandlung 3. Act.) Bild. „Die Puppenfee“". Anfang 8 Uhr. Sonnabend: „Die Meistersinger von Nürnberg“. Das Königlihe Schauspielhaus bringt morgen Schiller?s „Wilhelm Tell“. Am Dienstag findet eine Wiederholung des neu einstudirten Grillparzer’shen Trauerspiels „Des Meeres und der Liebe Wellen“ statt. Sonnabend kommt nah längerer Pause Shakespeare’s „JImogen“ in der Bulthaupt'schen Bearbeitung zur Aufführung. Der Donnerstag wird Fräulein Poppe und Herrn Matkowsky Gelegenheit geben, die kürzlich in Wien gespielten Rollen der Iphigenie und des Orest vor dem Berliner Publik um zu wiederholen. Die übrigen Tage der Woche zeigen fol- gende Vorstellungen an: Montag „Das Stiftungsfest“, Mittwoch „Kolberg“ und Freitag „Minna von Barnhelm“. Das neue Schau- e „Krimhilde“ von Wilhelm Meyer wird für nähste Woche vor- ereitet.

Im Deutschen Theater kommt morgen „Lolo?s Vater“ zur Aufführung; am Montag sowie Mittwoch und Freitag finden Wieder- holungen des Schwanks „Zwei glückliche Tage“ statt. Der Auf- führung am Freitag geht zur Feier von Kaisers Geburtstag ein von Marie Frauendorfer gesprochener Prolog voraus. Am Dienstag wird „Der Sohn der Wildniß“ gegeben. Außerdem bringt der Spielplan dieser Woche wieder eine Zusammenstellung der beiden Theile Faust und zwar am Donnerstag Faust, 1. Theil, und am Sonnabend Faust's Tod. i / f

Im Berliner Theater findet am Montag eine Aufführung von „Iphigenie“ statt mit Ludwig Barnay in der Rolle des Orest, Anna Haverland in der Titelrolle und Emanuel Stockhausen als Pylades. Neu einstudirt und in theilweise neuer Beseßung geht am Mittwoch Gubkow’'s „Uriel Acosta“ in Scene mit Ludwig Bgrnay in der Titelrolle; Anna Haverland wird die Rolle der Esther, Sidonie Hönig die dec Judith darstellen, Für morgen Abend und für Donnerstag ist Sardou's Schauspiel „Dora“ angeseßt, und am Dienstag kommt Otto Vischer's Volksstück „Schlimme Saat“ zur Aufführung. Zur Feier des Allerhöchsten Geburtstags Seiner Majestät des Kaisers und Königs wird am Freitag (22. Abonnements- Vorstellung) nah dem die Vorstellung einleitenden prolog, Kleist's „Käthchen von Heilbronn“ gegeben. Für Sonnabend Abend ist „Dorf und Stadt" bestimmt mit Agnes Sorma als Lorle. Am Freitag und Sonnabend Nachmittag finden aus Anlaß des Kaiferlihen Geburts- tags Festaufführungen statt (Prolog, Minna von Barnhelm); über sämmtliche Eintrittskarten hierzu, aussließlih der Stehpläße, ist im Ee der hiesigen höheren Lehranstalten bereits verfügt. Die Vorstellungen am {Freitag und Sonnabend beginnen ausnahmsweise erst um 74 Uhr. Für morgen Nachmittag wird „Die Jungfrau von Orleans“angekündigt. : ( :

Im Lessing-Theater wird Henrik Jbsen's Schauspiel „Bau- meister b atel am Dienstag wiederholt werden. An allen übrigen Tagen der ohe gelangt Hermann Sudermann’'s Schauspiel „Heimath“ zur Aufführung.

Im Wallner - Theater wird „Paragraph 330" von Albert Millaud und E. de Najac am Mittwoh in Begleitung des Lust- es „Der sechste Sinn“ e ersten Aufführung gelangen. A Montag wird der „Probepfeil“, am Dienstag „Die Großstadtluft“ wiederholt werden, während an allen übrigen Tagen der Woche „Paragraph 330“ und „Der sechste Sinn" gegeben werden.

Im Friedrih-Wilhelmstädtishen Theater wird bis eins{hließlih Sonnabend, 28. Januar, „Fürstin Ninetta“, Operette in

1893.

3 Acten von Hugo Wittmann und Julius Bauer, Musik von Johann Strauß, gegeben.

Im Nesidenz-Theater wird zu dem Schwank „Familie Pont-Biquet“ am Mittwoch der Einacter ,Das Geständniß“ (L’aveu) von Sarah Bernhardt, in deutsher Bearbeitung von Franz Koppel- Cllfeld, hinzugegeben.

Im Kroll’shen Theater ist der Wochenspielplan in folgender Weise zusammengestellt: Sonntag: „Loreley-Finale“ mit Frau Moran- Olden als „Loreley“, darauf: „Mala Vita“ ; Montag: „Die Zauber- flôte“: Dienstag: „Die weiße Dame“; Mittwoch: „Die Regiments- tohter“ (Marie: Fräulein Louise Heymann, als Gast); Donnerstag : Unbestimmt; Freitag: Zur Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers: Jubel-Ouvertüre, Prolog, darauf: „D:r Freishüg“ : Sonnabend: Wegen Privatfestlihkeit ge\{chloffen.

Der Wochenspielplan des Neuen Theaters bringt 1 das Preisélustspiel „Durh die Intendanz“, den Abend beschli Schwank „Kleine Hände“. Montag und Mittwoch finden W holungen dieser Vorstellung ftatt. Am Dienstag geht zum Mal „Baronin Rüth“, Schauspiel in vier Acten von Robe in Scene. Die Titelrolle wird Frau Kastner als Gast dar

Das für Montag Abend angesezte Phi Concert sowie die für morgen bestimmte öffentliche P da Herrn Motte der dazu nöthige Urlaub nicht bewillig

Im nächsten Quartett-Abend der Herren *

Joachim und Genossen am 28. d. M. gelangen Ouartett, Divertissements von Mozart un Ausführung. Die Kammersängerin Frä

wird in ihrem am Dienstag im Saal Bet

Populären Lieder-Abend u. a. Compositionen von Gli Schubert, Rubinstein, Franz, Mar Löwengard und E Gehör bringen. Fräulein Valerie Karfsted giebt am 24. d. M. in der Sing-A emie ein (

C C Ci M Ir zarecth _LALQATEIT

wirkung zugesagt hat.

Die ungewöhnlihe Theilnahme, die Waldemar Meyers vopulärer Beethoven-Abend im (Loncerthaufse É anlaßt ihn, ein zweites populäâres C B Orchester unter Direction des Ho (Schwerin) und unter Mitwirkung der Conc Müller am Freitag, 3. Februar, wiederun anstalten.

Mittwoch, den 25. Januar, Abends 74 Ukr, findet Parochialkirche, Klosterstraße , ein Concert ftatt, zum seit mehreren Jahren erblindeten Familienvaters Herma unter gütiger Mitwirkung der Concertsängerin Fr des Königlichen Kammervirtuosen Herrn Felix Mer Kapellmeisters Herrn Finsterbush (Piston), de Adolf Friedrih und des Liturgischen Chors d seines Dirigenten Herrn Cantors 2

er J unter Leitung

Bo, Leipziger Straße 37, der Kirche.

Mannigfaltiges. Das Ballfest des Vereins „F diesmal den litteraris&en Charafter t bringen, indem nicht ein Bl Damenspen de darge vorbereitet wird. Zur Da ng Drama in einem Acte von A die eine Tanzpause zu machen gewillt gegen ein fkleines Ertra-Entree in dem „Theate ine eigenartige Ueberrashung geboten

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Philharmonie ei gehen die Meldungen zum Ballfest fo zablreidck Anmelden bei der Centralstelle des Vergnügung 1eSs G. Schweißer, Stehbahn 3/4, Ill Tr., Nachmittags 3 geboten erscheint.

Ueber Kälte und Schneeverwehungen sow geführte Verkehrsstörungen bezw. Wiederherstellung folgende Nachrichten eingegangen :

Swinemünde, 21. Januar. Der St

dolph" (vergl. Nr. 17 d. BLl) ist, wie

Eise befreit worden und heute ostwärts wei

lih dürfte es ihm gelingen, den eisfreien Ha on Kolberg reihen. Der hiesige Hafen ist noch vom Eïfe blokirt Rendsburg, 20. Januar, 1,55 N. Der telegraphirt : Wegen starker Schneeverwehungen

Norden ausgeblieben.

Vom Rhein, 19. Januar. Heute N einer Mittheilung der „Frkft. Ztg.“ das 9 l ningen gestellt, ein Fall, der seit dem s{hwerea Eiëögang 1823 nicht mehr eingetreten ist.

Bayreuth, 19. Januar. Seit aht Tagen Thermometer zwishen 16 und 8 Grad. wurde, wie der „Frkft. Ztg." mitgetheilt wird, für die unteren Klassen ausgeseßt; ein Kind auf dem Wege zur Schule das Gehirn gestorben. Eine für gestern angesagte nit stattfinden, da erst mit Anwendu pulver ein Grab hergestellt werden

mußte. Fünf leuten sind die Ohren erfroren, einer mußte ins städtische Kr

gebraht werden. Aus dem Fichtelgebirge wird mitgethe bis jeßt fünf Personen erfroren aufgefunden wurden: im Frankenwal starb ein Täufling auf dem Wege zur Kirhe. *

Zürich, 19. Januar. Der Ober see (oberer Theil des Züri Sces) is gänzli zugefroren; der untere Theil ist zwischen Rapveräwzl und Meilen ebenfalls mit einer Eisschiht bedeckt, die aber vor Dampfern noch durchbrochen werden fann. Der Hallwyler See u der Alpnacher See sind ebenfalls zugefroren. Wie der „Allg. Schweizer-Ztg.“ aus Zermatt gemeldet wird, hat geftern eir g länder, troy der außerordentlihen Kälte, mit den zwei Führern Gabriel und Josef Taugwalder das 4200 m hohe Rimvfischborn glücklih bestiegen. -

Reval, 20. Januar. Der hiesige Hafen ist, laut Meldung des „W. T. B.", für- die Schiffahrt wieder offen.

Kopenhagen, 20. Januar. Eismassen und Nebel verhinderten heute die Ueberfahrt nach Nyborg. Gegen 5 Uhr Nachmittag wurde deshalb der Versuh gemacht, von Halskow aus mit fünf Eisbooten die Ueberfahrt zu bewerkstelligen. Vom Leucht- seuerthurm auf Gjedser wird dem „D. B. H.* gemeldet, daß [were Eismassen die Ostsee bedecken, soweit däs Auge seben kann. Aus Dragör wird berichtet, daß der große englishe Dampfer „C o- lombo“, der wiederholt um Hilfe signalisirte, mit dem ihn in- schließenden Eise südwärts nach der Ostsee fortgetrieben ift.

Detmold, 20. Januar. „W. T. B.“ meldet: Jm biesigen Residenzschloß ist ein Feuer ausgebrochen, das im Arbeitszimmer Bus Durchlaucht der Fürstin entstanden und Abends, nachdem vier

immer ausgebrannt sind, wieder gelös{t worden ist.