1893 / 31 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

U rc zie ‘4 E RÉE A Wade: ‘va:

: Buenos- Aires, 3. Februar. Jm hiesigen Hafer sind, laut Meldung des „W. T. B.*,“ wiederum mehrere Fälle von gelbem Fieber vorgekommen.

Theater und Musik. Lessing-Theater.

Ein jugendlicher Dichter, Rihard Skowronnefk, trat vorgestern Ubend mit einem Lustspiel, das den geheimnißvollen Titel „Eine Ama st-Nevolution. führt, vor das Publikum. Die Palast- MNevolution entpuppt sich “bei näherer Besichtigung als eine ziemlich harmlos ins Werk geseßte Empörung eines verliebten jungen Mädchens und eines lernunlustigen jungen Juristen gegen die bis dahin unangetastete Autorität der Mutter; um das Herz der Gestrengen den Wünschen der Kinder willfährig zu machen, werden der gelehrte Papa und

Jugendfreund der Mama zur Unterstüßung herangezogen ; Jugenderinnerungen wandeln endli<h den festen Willen der Wider- strebenden in milde, beglü>ende Nachsicht. Zur Unterhaltung und Erbeiterung während einiger Abendstunden reiht dieser Stoff aus und erfüllte au in diesem Fall seinen Zwe>, da der Verfasser Dialog und Scenenfolge aeschidt zu gestalten wußte; nebenbei ging von der Arbeit ein leiser Hauh froher Natürlichkeit aus, der die Stimmung der Zuschauer merkbar günstig beeinflußte. No<h mischen sich bei dem jungen Dichter in das Neue und Selbsterdachte Er- innerungen an ältere studirte und bewunderte Muster, aber es machen sih manche Anzeichen eines fris<en Talents bemerkbar. Mit Bedacht gcht der Verfasser ausgeklügelten Wortwiygen und erzwungenen Antithesen aus dem Wege und sucht den Humor in der freien, ungekünstelten Entfaltung einer Gemüthéstimmung: dieses Streben na< Einfachheit und Natürlichkeit unterscheidet die Arbeit vortheilhaft von anderen Novitäten der gleihen Gattung aus leßter Zeit. Die moderne Schule scheint namentli auf die Ge- staltung der weiblihen Charaktere ni<t ohne Einfluß gewesen zu fein; die Frauen gehen insgesammt mit großer Erergie vor und nöthigen den Männern ihre Leitung auf. Die beiden ersten Acte ent- wi>elten sih glatt und im leiten Flusse angenehmer Unterhaltung : etwas sto>ender geriethen die beiden Schlußacte, die der Verfasser dur< manche abgenußte Lustspieleffecte wie die jenensishen Jugend- erinnerungen zweier alter Herren und die irrthümlihen Annäherungen einer verliebten alten Jungfer mit dem Taschentuh als Erkennungs- zeichen in der Hand zu ergänzen suchte.

Als aufrührerishes Professorétöchhterlein trat Fräulein Wagen auf; ihr zierlihes und anmuthiges Wesen zeigt mehr Kindlichkeit als wahre erblühende Mädchenhaftigkeit; aber an dieser Stelle als energischer, niht übermäßig empfindsamer Bakfish kam ihre Art si zu geben zu ihrem Re<ht. Mit vollendeter Liebenswürdigkeit und fröhliher Schelmerei gab Fräulein Groß eine junge, gar niht s<ü<hterne Amerikanerin; die Darstellerin hat hon

früher bewiesen, daß sie reizend mit fremdländischem Accent zu Pplaudern versteht, und diese Eigenart fkam ihr hier wieder sehr zu statten. Frau Walther-T r ost befand sich als Berliner Zimmervermietherin in ihrem Element und erzielte be- sontere Anerkennung. Herr Sauer spielte den jungen Juristen mit der ihm zukommenden Eleganz: er gestand mit nachlässiger Gut- müthigkeit, daß er zum Studium zu bequem sei und eigentli den Beruf zum Lieutenant in sih fühle ; mit geduldiger, beinahe rührender Niedergeschlagenheit, ohne jede Spur von Bitterkeit ließ er das Urtheil über ih ergehen, daß er zum Journalisten nicht tas Zeug habe, wie denn dieser Künstler überhaupt mit bemerkenswertber Feinheit den s{wächlihen und lächerlichen Seiten eines Charakters Empfindung

und Vorzehmheit anzueignen versteht. Herr Brandt spielte den glü>lichen Liebhaber und gewandten Journalisten sebr verständig. In der Nolle eines stets zerstreuten Professors, den die Haimonskinder mehr inter- essiren als seine eigenen, that sih Herr Waldow durch eine kräftige Dosis Humor hervor. Die Figur des prächtigen alten Redacteurs Findeisen fand in Herrn Höcker einen amnnunggereWen T ier, der die Mischung von Grämlichkeit und Gut jerzigkeit, die das Ge- müth des Mannes birgt, in charakteristis{her Färbung wiedergab.

In der Vorstellung der Oper „Die Hexe" am Montag im Kön1glichen Opernhause sind die Damen Pierson, Dietrich und Deppe, die Herren Rothmühl, Sylva, Mödlinger und Krasa beschäftigt. Am Dienstag ist das Opernhaus geschlossen. Am Mittwoch findet der Subscriptionsball, am Donnerstag das siebente Symphonie-Concert der Königlichen Kapelle statt. Wegen Pei der Frau Pierson hat für heute Abend eine Umbeseßzung der „,Walküre“ bestimmt werden müssen. Frau Sucher singt die Siezlinde, Frau Göte die Brunhilde und Fräulein NRothauser die Fri>a.

Der Spielplan der Königlihen Oper für die Zeit vom 9. bis 11. Februar lautet: Sonntag: „Bastien und Bastienne“. „Bajazzi“. „Die Puppenfee". Montag: „Die Here“. Dienstag : Geschlossen. Mittwoch: Subscriptions-Ball. Donnerstag : 7. Sym- phonie der Königlichen Kapelle. Anfang 74 Ubr. Freitag: „Djamileh“. „Bajazzi“. Sonnabend: „Die Here“. „Slavische Brautwerbung“.

„Vasfantasena“, das von Emil Pohl bearbeitete altindische Drama, foll am Sonnabend im Königlichen Schauspielha use über die Bretter gehen. Am Sountag findet die erste Wiederholung dieses Schauspiels statt. Mittwoch bringt das Schauspielhaus einen Molière - Abend, indem es die bisher getrennt ge- gebenen Lustspiele „Die gelehrten Frauen“ und „Der eingebildete Kranke" vereinigt. Dienêtag erscheint „Romeo und Julia“ nah längerer Pause wieder auf dem Spielplan. Grillparzer scheint mit „Hero und Leander“ dieselbe Anziehungskraft auf das Publikum auszuüben wie mit der Argonautentrilogie. „Des Meeres und der Liebe Wellen“ fehlen aud diesmal niht auf dem Spielplan, das Trauerspiel is auf Donnerstag festgeseßt. Montag findet eine Wiederholung „Der bezähmten Widerfpenstigen“ in der Bearbeitung von Kohlrausch statt, Freitag wird „Donna Diana“ gegeben. Morgen ist Schiller's kfürzlih neu cinstudirter „Fiesco* in der bekannten Besetzung.

Im Deutschen Theater findet morgen die erste Wiederholung des dramatishen Märchens „Der Taliéman" von Ludwig Fulda statt. Dieselbe Vorstellung wird außerdem no< am Dienstag, Donnerstag und Sonnabend gegeben. Am Montag, Mittwoch und Freitag bleibt der Schwank „Zwei glückliche Tage“ auf dem Spielplan.

Im Berliner Theater werden zwei Neuheiten „Der Tugend beld*“, ein dreiactiger Schwank von Ludwig Sltein, und das einactige Lustspiel von Theodor Heyl „Der Flüchtling“ am Donnerstag zum ersten Male gegeben und am Freitag (24. Abonnements-Vorstellung) wiederholt. Am Dienstag kommt das Freytag’\he Lustspiel „Die Journalisten“ zur Darstellung und morgen Abend, am Montag, Mittwoch und am Sonnabend wird Paul Lindau's Schauspiel „Der Komödiant" aufgeführt. Agnes Sorma, Ludwig Barnay und Ernst Formes werden auch ferner die Darsteller der Hauptrollen fein. Morgen Nachmittag geht Shakespeare's „Kaufmann von Venedig“ in Scene.

Im Lessing-Theater wird morgen, am Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend „Heimath“, am Montag und Donnerêtag „Eine Palast-Nevolution“ zur Aufführung gelangen.

Wetterberi vom 4. Februar, 8 Morgens.

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Wind. Wetter.

Mullaghmore | 764. |WSW 2Regen Aberdeen .. | 768 |S 4 beded>t Christiansund | 769 | 2\wolkig Kopenhagen . sl |ONO 1 [wolkig Stockholm . 9 | still|wolkenlos

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l 5) r l wolkenlos | —6 Anfang 7 Uhr. de 7

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und Gaul. Musik von I. Bayer. In Scene gesetzt ) vom Balletmeister Emil Graeb. Dirigent : Musik- | Drama in 1 Act von Sarah Bernhardt. Anfang 7 Uhr. frei Schauspielhaus. j Die Verschwörung zu Genua. Ein republi- | Gastspiel der französishen Operngesellschaft. Zum fanishes Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich | 1, Male: Mireille. Oper in 3 Acten von Gounod. von Schiller. In Scene geseßzt vom Ober-Regisseur Anfang 72 Uhr. Max Grube. Anfang 7 Ühr. 1

8 überseßt von Mary von Borh. Jn Scene gesetßt (4 1 Vber - Regisseur Teßlaff. Dirigent: Kapell- (24 meister Dr. Mu>. | Schauspielhaus. ung. } 1 wolkenlos |—27 | spenstigen Zähmung. Lustspiel in 4 Aufzügen | die Welt in achtzig Tagen. L N 1 00M SUULONE Shakespeare, _nah der Ueberseßung stattungs\tü> mit Ballet in 5 Acten (15 Bildern) | pon Wolf Graf Baudissin C ege-Tted), für die von A. d’Ennery und Jules erne. obert Kohlrausch. girt vom Balletmeister C. Severini. Musik von ebillemont und C. A. Raida. Anfang 7{ Uhr. Montag und folgende Tage: Die Reise um die

702 Se / c deutshe Bühne bearbeitet von 9 768 |DSD 1|bede>t | S In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Gruke.

779 |DSO Z3\wolkenlos | —4 Dienstag: Opernhaus. Keine Vorstellung. Schauspielhaus. 38. un o f Julia. Trauerspiel in 5 Aufzügen von _Shafke- 3 speare, überseßt von Aug. Wilh. von Schlegel. | In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube M In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. 4 Acten von Robert Mis.

0 Deutsches Theater.

9 Berliner Theater. Sonntag: Nachmittags

Kroll's Theater.

36. Vorstellung. Fiesco, oder:

In Vorbereitung: Das Geständniß (L'avreu).

Sonntag :

Im Friedrich - Wilhelmstädtishen Theater wird. bis eins{ließli<h Sonnabend, 11. Februar, „Der Garde-Husar* egeben.

Im Wallner-Theater ist der Spielplan der L 3ohe folgender: mann festgestellt: Montag „Der Probepfeil“, Dienstag und Mittwoch „Die große Glocke“, Donnerstag „Der Probepfeil*, Freitag „Die “dana du Sonnabend „Die große Glo>ke". Sonntag „Der Probepfeil*“, Neu vorbereitet wird „Der Fall Clémeneceau“ mit

enny Groß in der Rolle der Jza.

Im Neuen Theater wird Sardou's ,Tosca" mit Fräulein

Barkany am Sonnabend, 11. Februar, zum ersten Male aufgeführt. Der Billetverkauf zu den ersten drei Tosca- Vorstellungen findet von morgen ab ftatt. _…_ Der Spielplan des Kroll’ schen Theaters für die laufende Woche ist in folgender Weise zusammengestellt : Sonntag „Mireille“ (erstes Gastspiel der französischen Operngesellschafr), Montag „Die Nachtwandlerin"“ (Amine: Fräulein Heymann als Gast), vorber: „Der Schwur", Dienstag „Mireille“, Mittwoh „Die Zauberflöte“ (Königin der Nacht : Kammersängerin Merina als Gast), Donnerstag „Die Favoritin" (Gastspiel der französischern Operngesellschaft: Leonore, Fräulein Consuelo Domene>, Primadonna der Großen Oper zu Paris), Freitag „Mireille", Sonnabend bleibt das Theater einer Privatfestlichkeit wegen ges{lossen.

Im Thomas-Theater werden die Wiener Gäste unter Director Graselli dem ihm ausgedrückten Wunsche nach einem Nestroy- Cyklus entsprechen. Der Nestroy-Cyklus wird bereits am Dienstag mit „Lumpacivagabundus“ beginnen und deshalb morgen die lebte Sonntagsvorstellung des „Distanzritt" stattfinden.

Fräulein Jettka Finkenstein wird an ihrem lelzten populären Liederabend im Saal Bechstein am Dienötag, Abeuds 74 Uhr, wiederum eine Reihe neuer Leder neben alten und Hlaffis<hen vor- tragen. Das Programm bringt von fremdländischen Composttionen eine Arie aus Rossini’ss „Semiramis", Tosti's „TLungi, Lungi“ und Chopin'’s „Coquott@“, Der Kartenverkauf (3, 2, 1 1) ist bei Bote und Bock eröffnet. Für das zweite Coucert von Frau Lieban-Globig und Herrn Ernst Wolff in der Sing-Akademie am 7. d. M., Abends 8 Uhr, hat Herr Julius Lieban von der König- lichen Hofoper seine Mitwirkung zugesagt.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen

London, 4, Februar. Das „Reuter’sche Bureau“ meldet aus Alexandria von heute: Der Transportdampfer „Hima laya“ ist mit einem Bataillon des schottischen Regiments „Bla Watch“ außerhalb des hiesigen Hafens eingetroffen. Morgen früh wird das Bataillon ausgeschift werden und direct nah Kairo abgehen. Ein Eisenbahnzug wird zu seiner Auf nahme am Quai bereitstehen. Jn der Stadt herrsht Nuhe, wiewohl in dem Viertel der Eingéborenen eine gewisse Er regung wahrzunehmen ist.

Das „Reuter'she Bureau“ meldet ferner aus Kairo Der Khedive ist heute Morgen in Begleitung der Minister nach Assiu t abgereist.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.) S g

Urania, Anstalt für volksthümlihe Naturkunde.

Am Landes - Ausf\tellungs - Park (Lehrter Bahnhof), L Geöffnet von 12—11 Uhr. 1. Ensemble-

Concerte. Philharmonie. Montag: Anfang 7# Uhr präc

| s i L i Montag: _Auf vielfeitiges Verlangen no<h ein- | YIL, Philharmonischen Concert. 48 Montag: Opernhaus. 34. Vorstellung. Die | maliges Gastspiel von Fräulein Louise Heymann. | Dirx.: Dr. Hans Richter aus Wien. Sol : in

3 Acten von August Enna. | Die Nachtwandlerin. (Amine: Fräulein Louise Jean Gérardy (Cello) aus Brüssel.

) Tert na< Arthur Fitger's Drama „Die Here“, } Heymann.) Vorher: Der Schwur. Anfang 7 Uhr.

Dienstag: Mireille.

Anfang 7 Uhr.

97. Vorstellung. Der Wider- | Sonntag: Mit neuer Ausstattung: Die Neise um

Welt in achtzig Tagen. 38, Vorstellung. Romeo uud ?

Sonntag: Barouin Nuth.

Sonntag : Zum

gee Tage. _S alisman. Sardou.

Theater Unter den Linden.

Concert-Haus, Leipzigerstraße 48. Sonntag:

Victoria-Theater. Belle - Alliancestraße 7/8. | Karl Meyder-Concert. Anfang 6 Uhr.

Tun. Beethoven-Abend. Montag: Karl Meyder-Concert. Anfang 7 Uhr. Dienstag, 14. Februar (Fastnacht) : Lettes Familien-Ball-Fest. Billets à 3 K im Bureau des Hauses.

Großes Aus-

Vallet arran-

Saal Bechstein, Liukstraße 42. Sonntag, Anfang 74 Uhr: Ux. (lehte) Soirée des Wiener

Neues Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). | Strehquarietts Arnold Rosé. Herren Arnold Schauspiel in ( Kleine Hände, Lustspiel in 3 Aufzügen von Labiche. Frans von S, And ott id Montag: Durch die Jutendanz. Preislustspiel | Fest Bo ungen, Nachmittags 4 Uhr (ein Ki 2. Male: Der Talisman. Dramatisches Märchen in 9 Aufzügen von E. Henle. Hierauf: Kleine G G Große Komiker-Vorstelluns [—14 | in 4 Aufzügen von Ludwig Fulda. Anfang 7 Uhr. | Hände. ; j Montag: Zwei Dienstag: Der

INosé, August Siebert, Siegmund Bachrihh, Rein- hold Hummer.

Deutsch von : Circus Renz (Carlstraße.) Sonntag: 2 große

mit den drastishsten Nummern des Nepertoirs, Zum

Sonnabend: Zum 1. Male. Tosca von Victorien | Shluß: Die lustigen Heidelberger. Abends

74 Uhr:

Ein Künstlerfest, “uy S otntan Große Ausstattungs - Pantomime vom Hofballet- e 40 meister A. Siems. Mit liberrashenden Licht- und

ja f ry (9 R, e 9 s S Di 5) )G L 1 . Triest 74 767 - D 5 2 Uhr: Der Kaufmann von Venedig. Abends Zum 22. Male: Lacheude Erben. Operette in Wassereffecten und auf das Glänzendste inscenirt

1) Reif, Vormittags Schnee. Uebersicht der Witterung.

E Posdrucgebiet Des 780 mm liegt über dem südlichen Ostseegebiet, während Depressionen unter ‘an Übr. 760 mm über Süd- und Nordwest-Europa lagern. fang 1500 In Mittel-Europa hat die Bewölkung abgenommen und ift meistens ruhiges, sonniges Wetter eingetreten wobei überall starke Abküblung stattgefunden hat und die Frostgrenze westwärts bis nah Westfrank-

herrsht leiter Frost, tesfsen Zunahme wahrscheinlich ist, in Ostdeutschland, wo vielfah etwas Schnee ge- fallen ist, strenge Kälte: Breslau meldet 15, Königs- berg 19, Memel 23 Grad unter Null. Jn RNuß- land dauert die strenge Kälte fort und hat si< auch

sdwärts ausgebreitet. Deutsche Seewarte.

Theater - Auzeigeu. Anfang 7 Uhr.

Königliche Schauspiele. Sonntag: Opern-

aus. 33, Vorstelluig. Bastien uud Bastieune.

ingspiel in 1 Act von Wolfgang Amadeus burg. Sountag:

Mozart. Bajazzi (Pagliacci). Oper in 2 Acten und einem Vorspiel. Musik und Dichtung von N. Leon- <cayallo, deuts< von Ludwi geseßt vom Kapellmeister Sue, Die

Pantomimisches Ballet-Divertissement von Haßreiter - Pout-Biquet.

Dienstag : Heimath.

Wallner-Theater, Sountag: rei vorged n ist. An der westdeutshen Gre ftadtluft. Anfang 74 Uhr.

< vorgedrungen i n der westdeutshen Grenze D, Dae d Dienstag: Die große Glocte.

M __ Chausseestraße 25. i Sonntag: Zum 2. Male: Der Garde-Husar. Operette in 3 Acten von Oscar Walther. Musik

E | v0n Max Gabriel. Ju Scene geseßzt vom Negisseur —_———— | Gpstein. Dirigent: Herr Kapellmeister Federmann. Montag: Der Garde-Husar.

Residenz-Theater « Direction : Sigmund Lauten-

lerauf: Zum 45, Male: iquet. Shwank ín 3 Acten von Alexandre 'ig Hartmann. In Scene | Deuts von Ma Ober - Regisseur Teßlaff. Dirigent: | Sigmund Lauten Puppenufee, tontag: Gläubiger.

urg. Anfang 7 Uhr.

; Uhr: Der Komödiant. jz : us e Montag: Der Komödiant. Anfang 7 Ubr. 3 Acten von Horst und Stein, Musik von Carl vom Director Franz Renz. Großer L Dienstag: Die Journalisten.

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reiter. ÎInsfcenirt dur< den

Adolph Erunst-Theater.

Anfang 7# Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung.

fson. | 5. Bild: Germania und Austria.

Schönau. Jn Scene gesegt von Montag: Dieselbe Vorstellung.

vagabumdus,

Zountag: Zum 43. S ¿ D e f x REEA E ¡ L ¡ L : 3 Acien bon Ep Sacobson a M iangspolle | Verlobt: Frl. Litha von Bellersheim mit Hrn. Friedrich - Wilhelmstödtishes Theater. | Couplets theilweise von G. Görß.

G. Steffens. In Scene geseßt von Adolph Ernst,

Thomas-Thegter. Alte Zakobstraße Nr, 30; Sonntag: Gesammt - Gastspiel des Wiener Eu- semble unter Leitung des Directors S, ie 10, Es E Der A ritt, Novität! Original-Gesangóyosse in 5 Bildern B O T O i Lt S wad, t Bolfgang Gläubiger: Tragikombdie in | von Carl Costa und Franz Müller. Drué eie gpvdeutscheu Buhpruerei 1nd Verlags Dirigent: Kapellmeister Sucher. 1 Act von August Strindberg. Regie: Hans Meery. Wffiziers-CGasino, 2. Bilo: Unterwegs. 3. Bild;

j Familie Bis Fiaker und Droschkenkutscber, 4. Bild: Am Ziele, Bi Anfang 74 Uhr.

lumencorso.

Weinberger. Juscenirt dur< den artist. Leiter Ed, Costume, Requisiten, Wagen vollständig neu. Unte El 2 i , : C 5 “4 3 l g neu, Unter S A A De Soda: HeL meer A. Berron, Sue Mitwirkung des aua Personals, Ballet von > A mttar, Wbolutlonen 1m 3. Act arrangirt von L. | 100 Damen. Au zerdem in beiden Vorstellungen : A Sonntaa Un- : 2 t ; L vie E

Lessing Theater. Sonntag: Heimath. An Gundlach. R 9 neue Ausstattung an Deco- Auftreten der Künstlerspecialitäteu ersten MNanges, S / rationen und Kostümen. Hierauf: Die Sirenen- | y. a,: Me, James Fillis mit dem Schulpferde

Montaa: Eine Palastrevolution. Jusel. Ballet in 1 Act von H. Regel. Musik | Germínal* 2c. von R. Mader. Der Poren Theil ia Fos. Haß- »alletmeister Herrn L. | mi! neuem Pro; ramm und Ein Künstlerfest, Die Grof- | Gundlah. (Sensationeller Erfolg.) Anfang 74 Uhr. | Pro ran N Li f L bi i

Montag, Atends 74 Uhr: (Große Vorstellung

Familien-Nachrichteu. annstädt. Hau i j N G 1 h Pauptmanu Karl von Gerlah (Darmstadt). Musik ven Geboren: Ein Sohn: Hrn, Prem.-Lieut. (Kurk Morgen (Berlin), / Gestorben: Hr, Lieut, Curt von Zastrow (Halber-

stadt). Verw. Fr. General-Lieut, Hermine vou L009, geb, Ehrenberg (Berlin),

Redacteur: Dr. H, Klee, Director.

Frauz Josef | Berlin: Berlag der Expedition (S<olz).

1, Bild: Jm Anstalt, Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 52.

Sechs Beilagen (eins<ließli< Börsen-Beilage),

/ _Dieustag-: 1, Vorstellung im Nestroy Cyclus, | sowie das Sachregister des Deutscheu Nel<h@- Hierauf: Familie | Zum 1. Male: Der böse Geist Lumpaci Anzeigers und Königlich Preußischen Staats:

Avuzeigers für 1892,

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M 31.

Deutscher Reichstag.

35. Sitzung vom Freitag, 83. Februar, 11/4 Uhr. Ueber den Beginn der Verhandlung haben wir bereits in

der Freitag-Nummer berichtet. :

V Bin Gegenstand steht auf der Tagesordnung die ‘ortsegung der zweiten Berathung des Reichshaushalts- Sia für 1893/94: Etat des Neichsamts des Jnnern,

Gehalt des Staatssecretärs. j j

"Ueber den ersten Theil der Rede des Abg. Bebel, der unächst das Wort hatte, haben wir gleichfalls in der Freitag- tummer schon bérihtet. Wir fahren in der Berichterstattung ort, indem wir nachstehend über den Schluß der Rede des- Pin Abgeordneten berichten.

Abg. Bebel (Soc.): Die Arbeiter begreifen ni<ht nur unsere Bestrebungen, sondern vergleichen au zwischen dem, was wir erreicht haben, und was Sie kraft Jhrer Macht im Reichstage durchgeführt haben. Der Abg. Dr. Bachem meint, wir könnten den soctalistifcen Staat nicht aufre<t erhalten, weil wir ni<ht einmal die focialistische Bäkereigenossenschaft richtig leiten könnten. Die Bäckereigenossenschaft war keine socialistis<e Genossenschaft. Eine solche kann heute garnicht cristiren. Die Genossenschaften innerhalb unserer Partei stehen alle auf dem Boden der Schulze-Delißsch’s{hen Selbsthilfe. Wir unterstützen sie von Partei wegen nit, und der letzte Parteitag hat dafür keine Mittel vcr- wenden wollen, Wir können productive Genossenschaften nur gut heißen, wenn sie socialistische Literatur herstellen, um sie zu ver- breiten, oder wenn sie gemaßregelte Arbeiter dadurch unterstützen, daß sie ihnen Arbeit liefern. Lassalle ist in s{ärsster Weise gegen alle solhe productiven Genossenschaften als Palliativmittelchen auf- getreten, und hat deshalb die Fortschrittspartei und Schulze-Delißz\h angegriffen, die si<h als Beshüßer des Arbeiterstandes aufspielten. Gin Mittel zur Besserung der socialen Lage der Arbeiter sind folche Genossenschaften niht. Aus der Bäkereigenossenshaft können Sie nicht auf die Gewandtheit der Socialdemokrateu in folchen Dingen überhaupt s<ließen. Dußende von Genofsenschaften in unserer Partei werden ausgezeichnet geleitet. Die Hamburger Bäereigenossenschaft {<i>t in zwölf bespannten Wagen ihre Waare jeden Morgen in die Stadt. Dann haben wir Schuhmacher-, Cigarrenarbeiter-Genossen- schaften u. a., die vorzügli prosperiren. Wir stehen ihnen aber als Partei gerade so neutral und gleihgültig gegenüber, wie den Confums-

* vereinen. Auf die Gehaltsfrage des Abg. Liebkneht einzugehen, ist

mir widerlih. Aber nahdem man diese Sache vor das Forum des MNeichstags gebracht hat, muß ich es thun. Nicht 10 000, fondern 7200 M hat der Parteivorstand dem Abg. Liebknecht bewilligt, nach- dem er ein ganzes Menschenalter in der Partei gestanden und zu geringem Lohn gearbeitet hatte. Dieses Gehalt ist das niedrigste, das einem Ersten Nedacteur in Berlin gezahlt worden. Abg. Dr. Bachem hat nach unseren Autoritäten gefragt. Das ist eben unser ungeheurer Borzug, daß wir keine Autoritäten haben. Wenn eine Autorität bei ns besteht, so ist es die selbsterworbene Autorität der einzelnen Perfon auf Grund ihrer Fähigkeit, ihrer Thätigkeit, Opferwilligkeit, Hingabe an unsere Sahe. Solchen Männern übertragen unsere Genossen Vertrauensstellungen; wie wenig diese Stellung aber von Bedeutung ist, sehen Sie auf jedem Parteitag. Da müssen wir es uns gefallen lassen, von dem leßten unserer Genossen in einer Weise vorgenommen zu werden, wie es in keiner anderen Partei annähernd vorkommt. Wir empfinden das nicht einmal unangenehm, wir finden es ganz in der Ordnung. Sie sprehen uns die Autorität ab und sprechen doch immer von der Tyrannei, die wir in der Partei ausüben. Wir sollten es uns nur einmal beikommen lassen, eine sol<e Tyrannei auszuüben ! Nirgends wird in energischerer Weise gegen folhe Bestrebungen ausgetreten, wie gerade in der Soctaldemokratie, die ihrer ganzen Natur nah eine durchaus demokratische Partei fein muß. Hâtte der Abg. Dr. Bachem wirkli die focialistishe Literatur studirt, so hâtte er die Frage nah dem Zukunfts\taat gar nicht stellen können, und zwar aus dem ungeheuer einfachen Grunde, weil wir überhaupt einen sfocialistishen Zukunfts\taat gar niht wollen. Vor etwa l5 Jahren wäre eine solhe Frage verständlich gewesen, weil die Socialdemokratie damals in ihrer theoretischen Entwickelung no< weit hinter dem ‘heutigen Standpunkt zurü>stand. Wir sind nicht nur eine revolutionâre Partei, wir sind au<h eine vorwärts strebende Partei, die beständig lernt. Die Staatswerkstätten Lasfalle’s haben annähernd 20 Jahre in dem socialdemokratishen Programm ge- standen, sind dann aber beseitigt, nahem verschiedene fort- geschrittene Mitglieder der Partei wie Marx und Engels feit langem über diese Dinge hinausgegangen waren. In feinem Briefe an Rodbertus hat Lassalle übrigens eingestanden, daß es ihm nur darum zu thun war, einen praktisch möglich erscheinenden BVor- {hlag zu machen, um die Massen zu gewinnen. 1868 entwarf die Arbeiterverejnigung, an deren Spitze ich stand, ein neues Programm. 1869 erschien das Programm der focialdemokratischen Arbeiterpartei im Neichstage. 1875 bekamen wir wieder ein neues Programm, als si< die Lassalleaner und Eisenacher in Gotha vereinigten, und 1891 hat das Erfurter gänzlih neue Programm für die Gesammtpartei diejenige HNichtung geschaffen, die theoretis<h seit langem die vorgeschrittenen Männer in unserer Partei eingenommen hatten. Die Literatur, welche den Zukunftsftaat verwirft, ist vorhanden, der Abg. Dr. Bachem kennt sie nur nicht. Ich verweise ihn. auf ein kleines Broshürhen von Friedrih Engels „Die Entwickelung des Sozialismus von der UÜtopie. zur Wissenschaft.“ Engels bekämpft dort die Vorstellung _eines sozialistishen Volksstaats, indem er auseinanderseßt, daß es sich in leßter Entwickelung für den Socialismus ni<ht mehr um den Staat, sondern die Aufhebung des Staats handele, um eine Gesellschaftsorganisation, die von dem, was heute den Staat ausmacht, nichts ihr eigen nennt. Ich verweise serner auf den ersten Band des „Kapitals“ von Marx und auf cine 1877 erschienene Schrift von Engels „Herrn Eugen Dühring's Um- wälzung der Wissenschaft" und andere Schriften, darunter auch mein Buch „Die M In allen diesen Schriften is enthalten, daß es sich bei der Lösung des socialistischen Problems niht mehr um den focialistis{en Zukunftsftaat handelt, fondern um etwas ganz Anderes. Die „Zukunftöbilder“ des Abg. Richter waren gegen die Socialdemokratie geschrieben. Aber kein Arbeiter ift durh diese Broschüre der Socialdemokratie abwendig zemacht, feiner “verhindert, der Socialdemokratie näher zu treten, eher das Gegentheil, Seit Plato und Aristoteles hat man sih ohne Erfolg bemüht, Sen, und Wesen des Staats festzustellen, Erst seitdem man dazu überging, die Gesellschaft in ihrer socialen und ökonomischen Cg zu studiren, hat man erkannt, was der Staat ist und bedeutet, Der Staat entstand in dem Momente, wo die alte communistische Urgesellschaft \ih zur Bildung von Privyateigenthum entwickelte, wo die Interessengegensäße, der Streit um Mein und Dein zum Vorschein kamen. Als die gentos si das Fevatelgenthum, angemaßt hatten, benupten sie die gewonnene Macht, ihre sociale Brie zu befestigen, und diesem Zwecke diente denn Wt sofort die Priesterschaît. Mit der Entwickelung des Aker- baues und der Viehzucht, des Handwerks und des Handels wurden natürlich die Functionen des Staats immer vielgestaltiger, sle bes guemien sich den veränderten Verhältnissen zum <uße der Be- | een an, Als aus dem Feudalstaate \\< die bürgerliche Gesell«

aft entwidelte, mußte sh au die taatsgewalt ändern. Das

Erste Beilage

Berlin, Sonnabend, den 4. Februar

Bestreben, die Herrschaft der kleinen Feudalherren zu brechen und an deren Stelle die großen Centralstaaten zu seßen, is dem materiellen Interesse unserer Bourgeoisie zu verdanken. Sie bedurfte cines mäch- tigen Schußes, um auf dem Weltmarkte einen Absatz für ihre Producte zu finden. Die jeweilige Staatsgewalt ist also der Ausdru> der Interessengemeinshaft der herrs{henden Klassen. Auch mir hat cs früher nicht eingeleu<htet, daß der Staat cines Tages aufhören könne. Jch erbli>te mit Lassalle im Staat den Schußzherrn des Nechts. Wir sehen aber, wie der Staat der (Sleihbere<tigung Aller entgegenstrebt. Das allgemeine Stimmreht wurde auch nur unter dem Zwange äußerer Verhältnisse gegeben, und man wäre beute sehr froh, wenn man es wieder abschaffen könnte, denn das all- gemeine Stimmreht als demokratische Anerkennung der Gleichheit aller Staatsbürger ohne Unterschied des Besitzes, Standes und derx religiöfen Auffassung steht allerdings im directen Gegensatz mit un- seren ungleihen Besißverhältnissen. Eine Gestaltung, die auf dem Klassengegensaz beruht, kann eine allgemeine Nechtsgleichheit und ein allgemeines Stimmreht nicht gut gewähren, und damit ist cin Moment gegeben, welches auf die eigene Zerstörung hinweist, auf die Demokratisirung des Staats und die Um- gestaltung der focialen Verhältnisse. Jh sage das ganz offen, auf die Gefahr hin, daß aus diesen Ausführungen nächstens bei einem Antrag auf Aufhebung des allgemeinen Stimmrechts Kapital ge- {lagen wird. Nicht wir Socialdemokraten , sondern die Vertreter der bürgerlichen Gesellshaft haben si< Bilder von dem Zukunfts- staat gemaht. Jch will gar nicht von Plato reden. Denken Sie nur an Männer wie Thomas Morus, Campanella, Saint-Simon, Fourier, Owen, Cabet. Sie alle haben prächtige Staats- und Ge! llschafts- gemälde gemacht bis in das Einzelne, und mir sc{eint, daß Sie etwas von diesen Staats- und Gesellschaftsgemälden haben läuten hören, sie sogar gelesen haben, unt daß Sie annehmen, daß wir es genau so wie jene großen Ütopisten machen ‘müssen; das i aber ni<ht der Fall. Die |bürgerlihe Gesellschaft ist nicht entstanden, weil man von der Nothwendigkeit und Gerechtigkeit derselben überzeugt war, sondern weil die ökonomische Entwickelung der Gesellschaft di ige Staats- und Gesellshaftsordnung nothwendig machte, we ir gegenwärtig haben. Die bürgerlihe Gesellschaft ist die beste aller bióherigen Ge- sells<haftsordnungen; fie ist aber auch die leßte. Hinter ihr kommt eine neue Gesellschaft. Die bürgerlihe Gesellschaft ist ein verbält- nißmäßig neues Product, sie stammt bei uns aus der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts, in Frankreih aus do vorigen, in Eng- land aus dem 17. Jahrhundert. Wir bekä i fie nue in ihren Auswüchsen, um zu zeigen, daß an ihre telle

Gesellschaft treten muß. Die heutige Gesellschaft ist gezeichnetste, die je bestanden hat. Denn sie hat cine so vollständige revolutio- nâre Umgestaltung der alten Zustände herbeigeführt, wie vorber feine andere Gesellshaft. Dies haben au< Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem bekannten Manifest vom Jahre 1843 bef

Die bürgerliche Gesellschaft war erst möglih na der Feudalberrfd

eine beffere

«und die focialistishe Gesellschaft ift erst mögli nach dex bit

Gesellschaft. Nun begreifen Sie wohl auch, daß wir den lungsprozeß nicht fünstlih bes{<leunigen fönnen und nich beshleunigen wollen. Daß es vor bundert J noch k demokratie gab, liegt daran, daß damals eit gungen für sie bestanden, die moderne bürgerliche Gesellsd vorhanden war. Ohne die heutige bürgerlihe Gefells können Sie wiederum auh nicht die cialdet

Welt hafen. Wir haben weiter nichts zu

sorgen, daß die Massen über das Wesen der

aufgeklärt werden, ihnen klar zu machen,

gere<ter Weise ausgebeutet werden, w

Nutzen aus ihrer Arbeit ziehen und sich die aufspielen. Was nun das Verlangen betrifft, daß wir entwi>eln sollen, so verweise i< auf ‘efor „Preußischen Jahrbüchern“ welcher s\agt:

Irrthum, wenn man meine, es ließe i

Programm aufftellen. Was hatten

rihtung des deutshnationalen

Programm? Niemand von jenen Er iaften wou!

einen gangbaren Weg zur Errichtung des deuicen

geben. Praktis< ausführbare Programme bedürfen Staatsmänner erst in dem Augenbli>, wenn Verwirklichung ihrer Ideen herantreten. Sind Sie den

Lage, zu wissen, was Sie in den nächsten fünf Fahren

Nein! Weil Sie ni<ht wissen, was für Verhältniss werden. Wir haben ein Programm, das die Grundzüge dessen was wir wollen, Wir erstreben die Umwandlung des [tf Privateigenthums an Grund und Boden, Werkzeugen, L Berkehrsmitteln in gesellshaftlihes Eigenthum. Das Ertragsfähigkeit erhöhen. Die Erxvropriation der Arbeitsmittel wird vor si<h gehen im Augenbli>ke, wo die Socialdemokratte die Macht dazu hat. Es ist sehr leiht, die großen Betriebe, wie Krupp, Stumm u. st. w., zu eéxpropriiren. Je

die großen Geschäfte in die Hände der Actionäre, der Nichtarbeiter übergehen, desto leichter ift das Erxpropriationsgeshäft, und daher sind wir in gewissem Sinne mit dem Staat einverstanden, wenn er die Eisenbahnen, die Bergwerke u. \. w. in seine Hand bringt weil wir im gegebenen Augefbli>k diese Staatsbetriebe mit Leichtigkeit in focialiftishe Betriebe umwandeln köunen, ol Einzelnen expropriiren zu müssen. Je mehr sich die Gesellshaft in diesem Sinn entwi>elt, desto leichter it di priation. Ihre Techniker und Ingenieure stellen wir alle an. diese Schritte dur<führen zu können, müssen wir auch die politische Macht haben. Wir fordern eine ganze Reihe von Freibeitcn: das allgemeine gleiche, directe geheime Wahlre<ht vom zwanziasten Jahre an für Männer und Frauen, directe Gesezgebung durch das Volk Erziehung zur allgemeinen Wehrhaftigkeit durh Schaffung eines Volfksheeres, Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Metnungs- äußerung und das era miEiogi unterdrü>en , Erklärung der Religion als Privatsahe, Abschaffung aller Aufwendungen für Ltre lihe und religiöse Zwe>ke, unentzeltlichen Unterricht in öffentlichen Eulen, fostenlosen Rechtsbeistand u. |. w. Stimmen Sie dem bei? Nein! Nicht einer einzigen Forderung. Alfo warum darüber discutiren? Mit den Maßregeln der Erxpropriation geht Hand in Hand die Aufhebung der öffentlihen Schulden und Hypotheken. Wenn wir das allgemeine Bildungsniveau der Massen auf etne Höße erhoben haben, von der wir heute: no< keine Ahnung haben, dann wollen wir einmal sehen, was ein Volk mit einer lolhen Masse von Bildung au< in Bezug auf die Besferstellung feiner materiellen Lage schaffen kann. Das ift ja der Vorzug der bürger» lichen GeieiGast, daß dieselbe mit ihrer großartigen Entwickelung der te<nishen Anwendung der Wissenschaft die Gesellschaft in einen Stand gebracht hat, wo fie, wenn sie einmal nur nag und will, die Comfumartikel in einer Masse und Vollkommenheit erzeugen kann, daß alle a zu leben haben. Heute leiden wix von der Ueber production. Auf der einen Seite alle Läden voll aufgeslapelter Waaren, auf der anderen Seite große Bevölkerungskreise, die üm Elend dahin leben, die bereit wären, mit dem ardiiten Bergnügen zu arbeiten, aber nicht arbeiten dürfen und können, Sollte es nit eine Gesellschaft geben können, wo jeder heilntmmt an der Pyuy- duction und auch jeder seinen Antheil an Producte zum Lebens unterhalt erbält? NRodbertus hat viele Forderungen verireten, welche

1893.

die E heute ni<ht mehr anerkennen. Wird ni<t die Verstaatlihung des Grund und Bodens von den Bodenbesitz- reformern verlangt? Wenn wir ers den Boden expropriiren, dann machen wir vor den Fabrifen ni<t Halt. Je \{neller die Zeiten der Prosperikät und dêr Krisen fich auf einander folgen, desto mehr werden sih die Menschen von der Nothwendigkeit der soctalen Reform überzeugen. Die paar Unternehmer können diesen Lauf der Dinge nicht aufhalte. „le nationalökonomishe Wissenschaft geht mehr und mehr zu focialistis<hen Anschauungen über. Sogar das officiósfe Drgan des Papstes hat den Socialismus als die Parole der Zukunft bezeichnet. Alles arbeitet der Soctaldemokratie in die Hände. Daß die Bourgeoisie ihre eigenen Kinder nit mehr in den Beamtenstellen, als Lehrer, als Aerzte u. \. w. unterbringen fann, daß überall ein großes Ueberangebot herrs<t, beweist, daß die Pro- ductionskräfte der Gesellschaft über den Kopf wachsen, sodaß sie untergehen muß. Wenn es dabin fommt, daß Sie mit Jhrer außeren Politik über kurz oder lang inm einen euroyäis<en Krieg verwi>elt werden wenn Millionen von Menfchen ins Nichts geschleudert werden, Massenbanukerotte entstehen, rvenn durh Hindernisse der Zufußr eine fur{tbare Theuerung der Lebens- mittel eintritt, wenn auf Sc({lachtfeldern ein Massenschlachten das Entseßen von ganz Earopa hervorrufen wird : dann haben Sie etwas geschaffen, was den Untergang der bürgerlichen Gesellschaft nah fi zieht. Die bürgerliche Gesellschaft erzeugt aus dem Ueberfluß die Noth und den Mangel. Das if unfer Programm. Die Zukunft gehört uns, Zie werden bei den nähften Wahlen eine noc größere Zahl auf unserer Seite sehen als bisher.

Abg. Freiherr von Stumm (NRp.): Der Abg. Bebel hat beute auf die Frage, wie er si den Zukunfts\aat denkt, in den bekannten Jebewendungen geantwortet, die wir feit Fahren gewohnt sind von ihm zu hören. Er hat uns eine Vorlefung aus feinem: Buche Die Frau“ gehalten und kein Wort Neues gebraht. Die Aus-

i {on wissen, was wir zu thun baben, wenn wir

t sehr {<wa<h. Wie denkt si der Abe: Bebel

Production und Consumtion > Darllber hat

ie die Ernährung der flinfzig Millionen

sein foll, wenn die Ueberyroduction

mebr abgewälzt werden kann. Wenn

der Gesammtproduction glei{müäßtg vertbeilen

dadur dem Mangel nit abgeßolfenr werden Der betrahtet dem Großbetrieb als eine Vorstufe flir: die Y f Eine Genoffenschaft; die si< über das

das if ein Unding:; eine solche Genossen

j leiten laffen. Wir können uns nur an das

vas Dellamy uns vorgeführt hat; aber Bellamy's Staat! ist

| einenr idealen Gebiet der Zufriedenbeit, während: die

die Zufriedenheit als etm Laster betrachten: aus

nen Menschen kanr aber etn dauerhafter Staat mit

pi n. Mit Unrecht hat der Vorredner das Mißgllickèn Jenoffenschaften zurü>gewtefen. Allerdings find: die Genoffenz r m{t identisch mit dem Zuklunftöstaat. Aber wenn ein: vaar rt Menschen nicht einmal in Ordnung: gehalten und geleitet fönnen, fo ift ; eam Beweis vaflir, daß hnen

: zur Organifation. Zie wollen die Unter Schiffe pac>en und na< Afrika \{Gîiekén:

iten foctaldemofratifchen Abgeordneten mit:

achtzehn Unternehmer und: Fabrikänten; zwölf

» Redacteure und nur ganze zwet! Arbeiter; und das

feine Arbeiter im gewöhnlichen Sinne: Selb: in

ommt der Egoismus weiter als der: Collectiviémus.

unter den Arbeitern gar ni{<ts erretBen: obne: einen Terrorismus, und Sie baben au bisber hne denselben

18 etwas errei<ht. Sie haben: ja selbst zugegeben; daf: die Diss m au< bei Ihnen nothwendig und: nüßlich it. Die Jungen“ unterwerfen fi Ihrem: Terrorismus nicht. hre VByycottirunga wundertew von Localen ftebt in feinen Verhältniß zu: den

trr ot M Y OTTTITUNGCUW: Cer

V

: durch die Arbettgeber:. Welcher Térrortss ? nm<t im Amerika, England, Frankreich von: den \trikénden [egen die nichtstrikenden geübt! Eine wirklich flare Borftellung „hrem Zukunftsstaat haben: Sie entweder nicht; oder: Siè wagen t vorzutragen, weil Jhr Staat si: als eine Spielérci erweifen die jedem zeigen würde, daß sie vollständig undur<führbar Sie wollen den Arbeitern nur Sand in die Augen treuen; und ist Ihnen bis jeßt au fehr gut gelungen: Ibx Zutunftéftaat mfa<h ein großes Zuchthaus, weiter nichts, Dex Zukunftsftaat Abg. Richter gefällt mir aber au m<t. Das Buc von rovius „Das Hümmelreich auf Erden“ hat: die- Consequenzen Jes ogen und f{ildert den Zuküunftästaat am besten: Die Fathedertoctaliften haben allerdings mit dazu beigetragen, in gewissen Kreisen Stimmung für die Socialdemokratie zu machen. Die Thaten, weltbe- die Svzial- demokraten für tte Arbeiter verrichtet haben wollen; sind nit vorbanden- Sie haben bei den Wohlfabrtsgesezen: Anträge ecingebrat, aber [{ließli<h immer gegen tie ganzen Gefeße gefttmmt: ganz naturgerntäß; denn fie wollen ja ketne Wohlfahrt, fondern die Unzufrtiedenbeit. Jede Wohlfabrtseinrichtung wird ja: als eine Schandthat; als eine neue Fessel für die Arbeiter bezeichnet; sogar in die Wohnungen, dié: der Arbeitgeber zur Verfügung tellt, sollen die Arbetter: nicht: etùziében; angeblich weil fie dadur nod: abHängiger vom Fabrtkberrn wtkden;, in Wahrheit aber, weil fie dadur: zufriedener- werden: Ste wollen der Arbetitslosigkeit steuern durch Vornahme öffentlicher Arbeiten, Sie haben aber no< kêinen Gefetzenttourf etngebtat; der die Regierung dazu auffordert, Wenn die- Regierung Arbeitsgele- genhbet schafft, wie z B. bet der Corvette i"; \o- ftitumen Sie dagegen. Ebenso ist es bei der Militärvorlage: Es ist m<t wahr, daß ih ein perfönlides Fnteresse an dem Zustandekommen dexr Militärvorlage habe: i würde dur die Ablebnung: derselben nicht: cinen: rothen Fus einbühen, Wenn déx Abg. Bebel z, Bi Myormelltorattonen vorgefdlagen bâtte, darüber ließe sid) raden, aber nichts dergleichen haben die Spcialdemokraten gethan. Daß durch die Abkürzung der: Arbeitszeit mehr- Arbeiter bes{âaftigt werden: önnten; if ein großer Jrrthum, Die Arbeits lofigleit ist doch hauptfächli< dadurch entstanden, daß unjer Gxport zurüdegangen ilt, weil wir zu theuer- axbeiten. Die Arbeitszeit vou aht Stunden: bet gleihem Lohn würde die Arbeit nod) edr Vet theuern, Die Socialdemokraten wünschen die Aufhebung der Lebens« mittelzölle, Als die Zölle aber nods höher waxen als jet, wurde nt{<t über Arbeitsnoth. geklagt. Heben: wir die olle auf, 0 wird-die Avbeitslosigleit niht vermindert, foudern no< vermehrt werden. Die: Vevsuche der. Socialdemokraten, die Lage dex Arbeiter. zu vevbessorn, sind vollkommen m<tg, fle baben. den. Arbeitern nuv falsche Vorstellungen gemacht über die Zustände und- über die Hilfe, die ihuen gebracht werden tau, Bei uns in Saarbrücken giebb cs 60/000 Arbeiter, davon: 30000 in der Industrie, 30000 Berge. leute, Die exstexen werden: na meinem Princip behandel) d. streng; aber mit warmem: Herzen, und- diese wollen vou deu Si damotealan nichts wissen, Alle: Hepereien baben dort ni Et Die Aeußerung des Staatssecrelärs Freiheren vou * Militärcommissiva über: den Ttespunkt der wirthschaftl nisse. ist hier, ganz falsch. citirt worden, Er hat gi sei noch: nicht erreicht; natürlids tônne nicm punkt heute [cou erreicht: fei, aber ex gli evreiht sel, Fanaliómus, Neid: und. Bodheit der Socialdemokratie, darum belämpfeu wir