1893 / 46 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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“1. Garde-Regiment zu Fuß ter Marsh des Königlichen Negiments Grenadiers 1713 bis 1740; dem 2. Garde-Regiment ¿u Fuß der Marsch, componirt von Prinz August Wilhelm von Preußen, König- liche Hoheit, 1751; dem Kaifer Franz Garde - Grenadier - Regiment Nr. 2 der Marsch des Infanterie-Regiments von Thile, um 1795; dem Garde-Füsilier: Reg!ment der Marsh des Infanterie-Regiments Prinz Ferdinand, um 1790; dem 3. Garde-Regiment zu Fuß der Mar}, componirt von Prinz August Wilhelm von Preußen, König- liche Hoheit, 1750; dem 4. Garde-Regiment zu Fuß der Marsch, componirt von der Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig, Königliche Hoheit, für den Prinzen August Wilhelm von* Preußen, Königlihe Hobeit, 1751; dem Grenadier - Regiment Graf Kleist von Nolléndorf (1. Westpréußishes) Nr. 6 dex Marsch des Infanterie - Negiments von Möllendorf, um 1796; dem Grenadier-Regiment König Friedri<h Wilhelm 11, (1. Schle- sisches) Nr. 10 der Marsh des Infanterie: Regiments von Treskow, um 1800; dem Infanterie-Regiment Prinz Louis Ferdinand von Preußen (2. Magdeburgisches) Nr. 27 der Marsch des Infanterie- Regiments Jung-Bornstedt, um 1792; dem Kürassier-Negiment Kaiser Nikolaus 1, von Rußland (Brandenburgisches) Nr. 6, der Marsch, componirt von Prinz August Wilßelm von Preußen, König- liche Hoheit, 1749.

Ferner veröffentliht das „Armce-Verordnungsblatt“ fol- gende Allerhöchste Cabinects - Ordre, betreffend die Ein- stellung von Offizier- Aspiranten bei den Train- Bataillonen:

Auf den Mir gehaltenen Vortrag bestimme Ich unter Aufhebung der Ordre vom 12. Februar 1885, daß bei den Train-Bataillonen Offizier-Aspiranten eingestellt werden dürfen. Das Kriegs-Ministerium hat hiernah das weitere zu veranlassen. Berlin, den 27. Januar 1893. Wilhelm. von Kaltenborn.

Bezüglich der größeren Truppcnübungen im Jahre 1893 i} dur< Allerhöchste Cabinetsordre best:mmt worden:

1) Das VI1I1I., XIV. und XVI1. Armee-Corps halten Manöver vor Seiner Majestät dem Kaiser und König ab. Jedes Armce: Corps hat für ih große Parade.

a. Bei dem VIII. Armee-Corps fällt das in der Felddienst- Ordnung 2. Theil Ziffer 12 vorgesehene Corpsmanövcr gegen markirten Feind aus. Bei dem XVI1. Armee-Corps findet an Stclledes Corps- manövers gegen markirten Feind ein Corpsmanöver in zwet Parteien gegeneinander statt. Demnächst haben die beiden Armce-Corps vier- tägige Manöver gegeneinander.

b. Bei dem XI1V. Armee-Corps fällt das in der Felddienst- Ordnung 2. Theil Ziffer 12 vorgesehene Corps-Manöver gegen 1nar- kfirten Feind ebenfalls aus. Demnächst hat das X1V. Armee-Corps dreitägige Manöver gegen das XI111. (Königli<h Württembergische) Armee-(Lorps.

2) Hinsichtli<h der Bildung von befonderen Formationen bleibt weitere Bestimmung vorbehalten.

3) a. Beim VII1I. und XVI. sowie beim IITl. und X. Armee- Corps bei ersteren jedo< nur für die Dauer der von Seiner Majestät dem Kaiser und Köñig oabzuhaltenden Manöver wird je eine Cavallerie-Division aufgestellt, deren Ordre de bataille im „Armee-Verordnungsblatt“ mitgetheilt ist. Die Bestimmung der Divisionéführer sowie der Führer derjénigen Brigaden, welche für diefe Uebungen besóönders zusammengeseßt werden, behalten Sich Seine Majestät vor. Soweit der Kaiser bei dieser Gelegenheit nicht über die Bildung der Divisions- und Brigadestäbe Anordnung trifft, ver- anlafsen die Gcneral-Commandos dieselbe.

b. Bei den beim V111, und XVI. Armee-Corps aufzustellenden en finden vorhergehende besondere Cavallerie-Uebungen nicht statt.

Bei vorgenannten Corps wird für die Dauer der vor Seiner Majcstät abzuhaltenden Manöver die erforderliche Divisions-Cavallerie aus den fünften Escadrons der dauernd zum Armcecorps-BVerband ge- hörigen Cavallerie-Negimenter gebildet.

c. Die beim TIT. und X. Armee-Corps aufzustellenden Cavallerie- Divisionen halten nah Beendigung der um drei Ucebungstage zu kürzenden besonderen Cavallerie, Uebungen (F. O. 2, D) dreitägige Manöver der Cavallerie-Divisionen gegcneinander, unter Leitung des öInspecteurs der 1. Cavallerie-Inspection, ab. Unmittelbar vor und nach diesen dreitägigen Uebungen ist ein Nuhetag anzuordnen. Außer- dem crhäâlt der Leiter dieser Uebungen die Berechtigung, vor Beginn derselben zur Versammlung der beiten Divisionen an den von ihm gewünschten Punkten ein bis zwei Marschtage einzuschieben. Die zu diesen Uebungen herangezogenen Stäbe und Truppentheile nehmen nah Beendvdigung derselben an den Divisions- und gegebenenfalls auch ün den Corps-Manövern derjenigen Armee-Corps theil, denen sie an- gehören. Etwaige, eventuell dur< weite Märsche begründete Ab- weichungen von dieser Anordnung auf besonderen Antrag zu genehmigen, ist das Kriegs-Ministerium ermächtigt. Die Brigade- und Negiments- stäbe der betreffenden Truppentheile können unmittelbar nah Beendi- gung der dreitägigen Uebungen der Cavallerie-Divisionen gegeneinander durch Eisenbahntransport bereits zu den Brigade - Manövern ihrer Armee-Corp&berangezogen werden.

4) Dem XV1. Armee-Corps wird cin Luftschiffer-Detachement zugetheilt.

5) Die Herbstübungen derjenigen Armee-Corps, welche nicht vor Seiner Majestät Manöver abhalten, finden in Gemäßheit der Be- stimmungen der Felddienstordnung und unter, möglichster Berücksichti- gung der Ernteverhältnisse statt.

6) Das Königin Augusta Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 nimmt an den Herbstübungen des V111. Armee-Corps theil.

7) Bei der Auswahl des Uebungsgeländes sowohl, als der Aus- führung aller Uebungen is auf Verringerung der Flurshäden Bedacht zu nehmen. In denjenigen Fällen, in denen die Flurentschädigungen als besonders he< sih herauéstellen, hat das Kriegs: Ministerium Seiner Majestät Berichte der Divisions-Commandeure darüber vor- zulegen, welchen besonderen Umständen dies zuzuschreiben if und welche Anordnungen zur Verringerung der Flurschäden getroffen waren.

Se e Ae L V L V, XI,/ XIV., XV. nd XVI. Armee-Corps finden Generalstabsreisen, bei dem X V11, Armee-Corps eine Festungs-Generalstabsreise na< Maßgabe der Bestimmungen über die jährlihen Generalstabsreisen vom 29. No- vember 1888 ftatt.

9) Im Laufe des Sommers findet unter Leitung der beiden Cavallerie-Inspecteure je eine größere Cavallerie-Uebungsreise von Generalen und Stabsoffizieren der Cavallerie und Commandeuren reitender Abtheilungen der Feld-Artillerie statt. Nähere Anordnungen hierüber hat das Kriegs-Ministerium zu treffen.

I Da U V, V VIL, XIV. und XVI. Armee-Corps finden Cavallerie-Uebungsreisen nah Maßgabe der Jn- struction vom 23. Januar 1879 statt. |

11) Ueber die Abhaltung einer Befestigungs- bcz. Angriffsübung unter Betheiligung aller Wäffen, sowie größerer Pionierübungen haben Sih Seine Majestät weitere Bestimmungen vorbehalten.

12) Die Rückkehr der Fußtruppen in ihre Standorte muß bis zum 30, September 1893, welcher als der späteste Entlafsungstag gilt, erfolgt scin. t

Heute traten die vereinigten Ausschüsse des Bundesraths für 2oll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr zu einer Sizung zusammen.

Der XVI. Provinzial-Land- tag der Provinz Westpreußen wurde gestern Mittag im Landeshausc dur<h den Ober-Präsidenten der Provinz, Staats- Minister Dr. von Goßler mit folgender Ansprache eröffnet :

D 8 d, 21. Februar. ç

Hochgeehrte Herren!

Dcn Landtag der Provinz Westpreußen bei feiner 16. Versamm- lung als Königlicher Commissarius zu begrüßen, gereiht mir zur Ehre und zur Freude.

Mit leuchtenden Buchstaben ist das abgelaufene Jahr in das Buch der Geschichte Westpreußens eingetragen. Zum ersten Mal bat die Vertretung unsercr Provinz das Glück gehabt, im cigenen Hcim ihren Kaiser und König zu begrüßen, und am 16. Mai 1892 haben diese herrlichen Räume ihre {hönste Weihe empfangen. Unver- gessen, wie oie Treue und Hingebung, welche Sie dur< den Mund Ihres Herrn Vorsitzenden vor Jhrem Landesherrn ablegten, leben in uns vie Worte fort, welche Seine Majestät hier an das „kernige Volk der Westpreußen“ richteten. Von seinem Volk und seiner Arbeitskraft er- wartet unser König, daß unter Gottes Beistand und im Vertrauen auf die landesväterlihe Fürsorge die Schwierigkeiten Üüberrounden Po wclhe auf den wichtigsten Gebieten unseres Erwerbslebens vestehen.

Lassen Sie diese Königlihe Ansprache die Losung sein, unter welcher wir in Vertrauen, Einigkeit und Treue an dem Wohl unserer S4 dde Dann wird auch unseren Anstrengungen der Erfolg nicht fehlen.

Die Hoffnung, der auf dem leßten Landtag Ausdru>k gegeben wurde, daß die Mittel, welche im laufenden Staatóhaushalts-Etat zum ersten Mal zur Förderung der Land- und Forstwirthschaft in den östlichen Provinzen ausgeworfen sind, bald eine Steigerung erfahren würden, ift er- freulicherweise in Erfüllung gegangen. Um unserer Provinz die Theilnahme an der erhöhten Summe zu sihern und das verständnißvolle Wohl- wollen, welches bei der Vertretung und Verwaltung der Provinz für die Landwirthschaft besteht, zu bethätigen, wird Ihnen von dem Provinzialauéschusse die Bewilligung von 10 000 ( empfohlen. Kann auch durh diese Aufwendungen des Staats und der Provinz der landwirthschaftlihen Nothlage der einzelnen Grundbesißer Abhilfe nicht zu theil werden, so gestatten sie do, im allgemeinen Interesse nüy- liche und erfolgversprehende Einrichtungen zu treffen, welche auf andere Weise nicht ins Leben gerufen werden würden.

Den Bedürfnissen des Erwerbslebens und des Culturfortschritts hat Westpreußen von altersher dur< die Anlegung von Kunststraßen MNechnung getragen und die hierfür von Provinz und Kreifen gebrachten Opfer erreichen cine beträchtlihe Höhe. Auch auf dem Gebiet des Gemeindewegebaucs ift in einzelnen Gegenden Ersprießliches geleistet ; aber einer planmäßigen und berechtigten Ansprüchen entsprechenden Entwickelung haben bisher die Nechtsunsicherheit und die Ungerechtig- keit in der Vertheilung der Wegelast wvielfa<h entgegen- gestanden. Diésem oft E Mängel {oll jét dur) cine Wegeordnung für Weslpreußen und einige andere, in gleiher Lage befindlihe Provinzen des Ostens Abhilfe zu theil werden. Bei der Erörterung der Grundzüge sind außer dem Herrn Landes - Director no<h verschiedene Herren Provinzial - Landtags- Abgeordnete betheiligt gewesen, und es steht zu hoffen, daß im Hin- blik auf das Bedürfniß einer anderweitigen Regelung und bei der zahlreihen Mitgliedern dieser hohen Versammlung innewohnenden Sachkenntniß das seitens der Staatêregierung gewünshte Gutachten ungeachtet der Kürze der Zeit abgegeben werden kann.

Eine in unserer Provinz no< wenig bekannte Gattung von Kunststraßen die Kunststraßen mit Schienenunterlage und mit einem an thierishe Kräfte niht gebundenen Betriebe hat durch das Geseß über die Kleinbahnen eine sihere Grundlage gewonnen.

Große Hoffnungen knüpfen sih auch für Westpreußen an diese neuen Verkehrswege, wel<he in Verbindung mit“ Chausseen oder an Stelle derselben angelegt werden können und schon aus diesen Nück- sichten in das Interessengebiet des Provinzialverbandes eingreifen. Die abwartende Haltung, welhe der Provinzialausshuß dem Provinzial-Landtag empfiehlt, wird nicht zum geringsten Theil durch finanzielle Nücksichten bedingt, namentlih dur< den Hinweis auf die erheblichen Lasten, welche die Ausführung des Geseßes vom 11. Juli 1891 den Provinzialverbänden auferlegt.

In dem Mittelpunkt dieser Erwägungen steht das Project der Errichtung ciner dritten Irrenanstalt, wie überhaupt die Regelung der Fürforge für Geisteskranke, Jdioten, Epileptische, Taubstumme und Blinde. Sorgfältige Abwägung verlangen hierbei die Interessen unserer unglü>lihen Provinzialgenossen, welhe der Hilfe und der Ansftaltépflege bedürftig sind, der Gemeinden und Kreise, wie des Provinzialverbandes selbst.

Möge és an der Hand der eingehenden Borarbeiten des Pro- vinzialaus\{husses gelingen, auf diesem wichtigen Gebiete die wohl- wollende Absicht des bereits mit dem 1. April d. F. in Kraft tretenden Gesetzes zu erreichen; mögen diese, wie alle Ihre weiteren Beschlüsse, das Gedeihen unsercr Provinz fördern.

Mit diesem Wunsche erkläre ih auf Allerhöchsten Befehl den X V1. Provinzial-Landtag für eröffnet.

Der Alters-Präsident Geheime Regierungs-Rath Engler- Berent brachte sodann ein Hoh auf Seine Majestät den Kaiser und König aus, in das die Versammlung lebhaft einstimmte. Hierauf wurden der Abg. von Gra ß- Klanin zum Ersten und der Geheime Regierungs-Rath von Grama t ki- Danzig zum Zweiten Vorsißenden des Provinzial - Landtags durch Acclamation gewählt. Alsdann erfolgte die Wahl der Commissionen für die Berathung der einzelnen Vorlagen.

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Oesterreich-Ungaru.

Bei der gestern in Wels vorgenommenen Taufe des Sohnes des Erzherzogs Franz Salvator und der Erzherzogin Maria Valeria fungirte der Kaiser als Pathe. Der Täufling erhielt, wie „W. T.“ meldet, die Namen Franz Carl Salvator Maria Joseph Jgnaz.

Bei der gestern im österreihishen Abgeordneten- hause fortgeseßten Berathung des Budgets erklärte der Finanz-Minister Dr. Steinbach, er schließe sih der Theorie von der Unproductivität der Ausgaben des Militär-Etats nicht an, und führte aus, nah den bisherigen Ergebnissen der Börsensteuer sei die Furcht, daß diese Steuer au die kleinen Leute übergewälzt werden würde, ungerechtfertigt; die Er- örterung der Frage der Vermögenssteuer halte er jeßt, wo es sih um die Einführung der Personal: Einkommensteuer handle, niht für angezeigt.

Großbritannien und Frland.

Jn der gestrigen Sißung des Unterhauses erklärte dem „W. T. B.“ zufolge der Parlaments-Secretär der Admiralität Sir U. Kay-Shuttleworth, dic italienische Negierung habe nicht die Absicht, ein Geschwader zum Besuche nah England zu entsenden. Gelegentlih des internationalen Flottenfestes der Vereinigten Staaten werde der Ober-Befehlshaber der nord- amerikanischen Station mit einigen Schiffen scines Geschwaders der Flottenrevue in New-York Gen. Die Admiralität erwäge, ob noch ‘einige weitere Schiffe dahin enlsandt werden sollen. Der Parlaments-Secretär des Auswärtigen

Amts Sir E. Grey bezeichnete es als richtig, daß die Afghanen

im lezten Frühjahre die Chinesen aus Somatasch vertrieben hätten. Der Emir von Afghanistan habe erklärt, er habe keine Kenntniß davon gehabt, da die Afghanen hierauf die Kirgisen- häuptlinge von Vazilla Jai und Ash-Gumbay sowie mehrere Familien fortgeshleppt hätten. Hinsichtlih beider Vorfälle habe- ein freundliher Meinungsaustaush zwischen der eng- lischen und chinesishen Regierung stattgefunden. Der Präsident der Localverwaltung Fowler kündigte, wie der „Magd. Ztg.“

gemeldet wird, an, die Regierung sei zu der Schlußfolgerung gelangt, daß dic Verwaltung. Londons als unvollkommen und abnorm betrachtet werden müsse, bis Vorkehrungen ge- troffen sein würden, um die City in das allgemeine System der Verwaltung Londons einzuschließen. Die Regierung habe beschlossen, cine aus fünf Mitgliedern bestehende Commission niederzuseßen, die prafktishe Vorschläge für die Durchführung der geplanten Verschmelzung machen solle. ?

Als Neichsangelegenheiten sind nah der „A. C.“ in der Homerule-Bill, außer den die Krone, die auswärtigen Angelegenheiten, Krieg und Frieden, die Post, die Armee und die Marine betreffenden Sachen, noh bezeichnet: Titel oder Würden ehrenhalber, Hochverrath, Naturalisation, der Handel mit fremden Staaten, Quarantäneangelegenheiten, Schiffahrt Leuchtthürme, Feuerschiffe und Schiffahrtszeichen, Prägung von Münzen, Maßen und Gewichten, Handelsmarken und Waarenzeichen, Verlagsrecht, Patentrecht.

‘Die Große Orangisten-Loge hat eine Kundgebung veröffentlicht, worin verlangt wird, daß Irland entweder voll: ständig mit England vereint oder vollständig unabhängig sei. Der von Gladstone vorgeschlagenen Bill. hingegen müsse ent- schiedener Widerstand entgegengeseßt werden.

„Daily Chronicle“ meldet, es solle während der Ausschuß- berathungen über die Homerule-Bill seitens der \<hotti- schen und wallisishen Mitglieder der Versuh gemacht werden, die Homerule auh für Schottland und Wales einzuführen. Alles deute auf eine Umformung der Regierung des vereinigten Königreichs auf föderativer Basis hin, zumal es durch die Beibehaltung der irischen Mitglieder im Reichsparlament unmöglich sei, den übrigen Theilen Großbritanniens die Home- rule-Vorlage zu verweigern. Auch habe der Executiv-Aus\huß des liberalen Vereins von Midlothian, des Wahlkreises Gladstone's, den Beschluß gefaßt, daß keine Homerule-Vor- lage billig und praktisch sei, die nicht auf Schottland cine besondere Legislatur mit einer Vertretung im Neichsparlament ausdehne.

Frankreich.

In der gestrigen Sizung des Senats führte, nach einer Meldung des „W. T. B.“ der Dritte Vice - Präsident Bardoux den Vorsiß und verlas ein Schreiben Leroyer's, worin dieser aus Gesundheitsrücksihten seine Demission als Präsident giebt. Bardoux hielt unter lebhaftem Beifall cine Lobrede auf Leroyer ‘und gab dem einmüthigen Bedauern des Senats Ausdruck. Die Präsidentenwahl wurde auf Freitag anberaumt. Als Candidaten werden, außer den gestern ge- nannten Senatoren, Challemel-Lacour, Magnin und Jules Ferry, au<h Jules Simon, Bardoux, Loubet und Tirard ge nannt. Die republikanischen Gruppen des Senats werden heute zusammentreten, um ihre Candidaten zu designiren.

Die Regierung hat der Deputirtenkammer eincn Gesehentwurf wegen Genehmigung des zwischen Frankreich und Canada abgeschlossenen Handels übereinkommens. wonach Canada namentlih den französishen Weinen eine Herabscyzung des Generaltarifss um 30 Proc. zugesteht, während Frankreich für canadishe Hölzer den Minmaltarif einräumt, zugehen lassen.

In der vorgestrigen Sißung der Deputirtenkammer

wurde der „Köln. Ztg.“ zufolge bei der weiteren Berathung über die Neform der Gewerbesteuer der Artikel, der als Maßstab der Besteuerung die Zahl der Angestellten einführt, genehmigt: ebenso die Festseßung der Steuer auf 200, 150 und 100 Fr. je nah der Einwohnerzahl der Stadt, für die Verkaufshäuser, die weniger als 51 Angestellte beschäftigen. Hierauf wurde die Eintheilung in se<hzechn Klassen angc- nommen. Die von der Regierung bekämpfte progressive Stufen- folge wurde mit 281 gegen 197 Stimmen nah der .Com- missionsfassung angenommen, ebenso alle anderen Vorschläge der Commission und Artikel 4 des Finanzgeseßes. « Den amtlichen Angaben zufolge überstiegen die Nü>- nahmen aus den Staatssparkassen die Einlagen in der Zeit vom 11. bis 20. Februar um 26 Millionen, seit Jahresbeginn um 78 Millionen. Die „Liberté“ schreibt diese M S weniger der Agitation einzelner Blätter zu als der dur<h das Finanzgesehß vom 20. Dezember v. J. decretirten Herabsetzung des Zinsfußes.

Ftalien.

In dex Deputirtenkammer! erklärte gestern, wie „W. T. B.“ meldet, der Minister des Auswärtigen Brin, er habe scinen am Sonnabend gemachten Ausführungen auf die Anfrage Barzilai’s über die Vorgänge bei der Gencral- versammlung der Wiener Michaelsbruderschaft (siche die vor- gestrige Nummer des „R.- u. St.-A:“) nichts hinzuzufügen ; er könne die bezüglihe Jnterpellation Barzilai's nicht annehmen. Barzilai drückte sein Bedauern über diesc Erklärung des Ministers aus, betonte jedo<h, daß er augen- bli>lih nicht an die Kammer appelliren werde. Damit war der Zwischenfall geschlossen.

Der Papst empfing gestern den Patriarhen Azarian, der ein Schreiben und Geschenke des Sultans überbrachte.

Portugal.

Nibeiro, der gestern zum König berufen wurde, hak dem „W. T. B.“ zufolge die Bildung des Cabinets über- nommen und wird dem König morgen das Ergebniß seiner Schritte unterbrèiten. Wie verlautet, würden ih die Cortes auf einige Tage vertagen, um dem neuen Cabinet Zeit zu lassen, neue Budgetvorlagen vorzubereiten.

Türkei.

Die „Agence de Constantinople“ ist von competenter Seite ermächtigt worden, die Blättermeldung, wonah das amerikanishe Collegium von Mersivan im Vilajet Sivas (Kleinasien) dur<h Muselmanen in Brand geste>t sein sollte, für durhaus fals< zu erklären. Ebenso un- richtig sei die Meldung über eine blutige Schlägerel zwishen Christen und Muselmanen in Cäsarea. Die Behauptung, daß die dortigen Lokalbehörden an die Musel- manen Waffen vertheilt hätten, sei eine absurde Verleumdung.

i Bulgarien. /

Der Ministerrath hat, wie der „Frkf. Ztg.“ aus Sofia berichtet wird, beschlossen, die Wahlen zur Großen Sobranje anfangs März stattfinden zu lassen und leßtere für Mitte März alten Stils nah Tirnova einzuberufen. Gleichzeitig wurde im Ministerrath die Frage besprochen, ob der zukünftigen Gemahlin des Prinzen Fer dinand eine besondere jährlihe Apanage dur<h die Große Sobranje be: d oder ob die jeßige Apanage entsprechend erhöht werden olle,

Afrika.

Das „Reutersche Bureau“ meldet aus Kairo: * Sefki Pascha, bisher Minister der öffentlihen Arbeiten und des Unterrichts, habe als Unterrichts-Minister demissionirt, werde aber Arbeits-Minister bleiben. Der Minister-Präsident Riaz Pascha, der zur Zeit das Portefeuille des Jnnern verwaltet, werde auh das Unterrichts-Ministerium übernehmen.

Australien.

__ Die Prinzessin Kilauani, die Nichte der bisherigen Königin Liliuokalani hat, wie dem „W. T. B.“ aus New- York berichtet wird, eine Petition an das amerikanische Volk gerichtet, worin sie gegen die Beraubung ihres Nechts auf die Thronfolge in Hamwaii protestirt.

Parlamentarische Nachrichten.

Deutscher Reichstag.

_Der Bericht über die 48. Sizung vom 21. befindet sih in der Ersten Beilage.

49. Sigung vom Mittwoch, 22. Februar, 1 Uhr.

Der Sigung wohnt der Staatssecretär Dr. von Boetticher bei.

Bor der Tagesordnung bemerkt __ Präsident von Levêéßow: Gestern hat ein Mitglied des Hauses einen Neich8angehöriggn, der die bürgerlichen Ehrenrechte besiyt, jeden- falls wegen Mordes nicht vorbestraft ist, cinen Massenmörder genannt. Ich bestreite den Mitgliedern des Hauses niht das Recht, That- sachen vorzubringen, welche außerhalb des Hauses stehende Personen belasten, zumal wenn diese Thatsachen auf Beweismaterial gestützt sind. Der gebrauchte Ausdruck i} aber eine Beschimpfung und cnt- pricht niht der Würde des Hauses, sondern erscheint mir als ein Mißbrauch der Redefreiheit. Ich bemerke dies für die Zukunft, damit aus meinem geîtrigen Schweigen niht cin Präjudiz hergeleitet wird. (Beifall) E

Das Haus tritt darauf in die Tagesordnung ein und genehmigt zunächst ohne Debatte in dritter Lesung definitiv den Geseßentwurf, betreffend die Einführung einer einheitlichen Zeitbestimmung.

Sodann wird die zweite Berathung des Etats des RNeichsamts des Jnnern fortgeseßt. Zur Debatte steht das Ausgabekapitel „Statistishes Amt“ 866535 M

Abg. Dr. Hirs (dfc.) bemängelt, daß die Statistik, welche das Amt über die Krankenversicherung der Arbeiter aufgestellt hat, lücken- haft ist. Es fehle an Angaben über die Verfassung und den Stand der einzelnen Krankenkassen; nur über die finanzielle Seite der Sache werde Uuskunft gegeben. Man könne aus den Zahlen auch nicht erfahren, wie es mit derStetigkeit der Mitglieder bei den einzelnen Kassen sih verhalte. Von den Ortskrankenkassen erfährt man nicht, wie viele sich that- fählih auf einen Ort, wie viele si< auf mehrere Orte erstre>en. Bei den Innungskrankenkassen war der Eintritt 154%/4, der Austritt 1420/9, es waren also 17 mal fo viel Mitglieder ausgeschieden und eingetreten, als überhaupt vorhanden . waren. Diese Dinge dürfen nicht mit Stillschweigen übergangen werden. Ebenso müsse die wichtige Frage der ärztlihen Behandlung der Mitglieder hier wieder berührt werden. Das Princip der freien Aerztewahl gewinne immer mehr Anklang, eine tiefgehende Be- wegung im Lande habe dieses Princip für das beste erklärt. Dann flagt Nedner über die Benachtheiligung der freien Hilfskassen, welche diese fortgesczt den Zwangskassen gegenüber erfahren, obwohl Licht und Schatten für beide Kategorien glei vertheilt scin sollen. In einer Berliner Ortskrankenkasse sci den geseßlichen Bestimmungen entgegen fein Reservefonds angesammelt worden, jeßt brauche die Kasse cine Anleihe und der Magistrat beantrage ohne weiteres die Genehmigung dieser Anleihe. Was würde wohl geschehen sein, wenn eine freie Kasse feinen Reservefonds angesammelt und die Genehmigung einer Anleihe nachgesu<t hätte ?

(Bei Schluß des Blattes nimmt der Staatssecretär Dr. von Boetticher das Wort.)

Februar

Prevnßischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

Der Bericht über die gestrige Sißung befindet sich in

der Ersten Beilage. L 36. Sißung vom 22. Februar.

Der Sißung wohnt der Minister der geistlichen 2c. An- gelegenheiten Dr. Bosse bei.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Antrag des Grafen zu Limburg-Stirum, „die Staatsregierung zu er- suchen, zu veranlassen, daß die gegen den Abg. von Hammer- stein wegen öffentlicher Beleidigung beim Landgericht l, Straf- kammer I, s{hwebenden Strafverfahren Actenzeihen J. 11. F. 206. 92 und J. II. F. 412. 91, für die Dauer der laufenden Session eingestellt werden“.

Der Antrag wird, ohne daß eine Begründung oder eine Debatte stattgefunden hätte, angenommen.

Darauf wird die zweite Berathung des Staats- haushalts-Etats für 1893/94 fortgeseßt, und zwar im Etat des Cultus-Ministeriums beim Kapitel „Höhere Lehr- anstalten“: Zuschüsse für die vom Staat zu unter- haltenden Anstalten. Auf den Staat übernommen sind die Anstalten in Trier und Mörs.

Abg. Christen (freicons.) empfiehlt die Uebernahme des Pro- gymnasiums in Eschwege, Regierungsbezirk Cassel, auf den Staat. Die Anstalt sei ursprünglich eine staatliche gewescn und nur durch einen Zufall in die Verwaltung der Stadt übergegangen. : : j Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse: Ein Antrag auf Uebernahme der Anstalt auf den Staat ist bisher über- haupt ni<t an mi gelangt; ih werde, sobald das geschehen ist, die Sache in Erwägung ziehen.

…_ Abg. Hasse (Centr.) weist darauf hin, daß 1891 cine Ver- fügung des Cultus-Ministers ergangen sei, wonach in den Klassen des Gymnasiums zu Koniß nicht mehr als 50 Schüler sein dürften. Es hätten infolge dessen viele Kinder von der Aufnahme zurückgewiesen werden müssen. Das habe große Veunruhigung verursa<ht, weil namentlich katholische Kinder zurü>gewiesen worden seien und man befürchte, daß das Gymnasium seinen katholishen Charakter verlieren werde.

_ Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse: Die Tendenz, den katholischen Charakter des Gymnasiums zu Konitz zu ändern, besteht ni<t. Im übrigen kann ih die Verhältnisse nicht überschen ; ihwill aber prüfen, ob die Näume ausreichen, Parallel- fassen einzurichten.

, Abg. Brandenburg (Centr.) dankt dem Minister dafür, daß scine früheren Beschwerden über die Verhältnisse des Gymnasium arglanun in Lingen abgestellt worden seien,

bg. Dr. Haniel (freicons.) dankt dem Minister für die Ver- pealiung des Gymnasiums in Mörs und spricht die Hoffnung aus, daß das Gymnasium in seiner jetzigen Gestalt erhalten bleiben möge.

Minister der geistlichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse erklärt, daß cine Absicht, das Gymnasium zu verkleinern, nicht bestehe.

Abg. Dasbach (Centr.) greift auf die gestrige Verhandlun zurü und führt aus, daß, au< wenn man die Schülerzahl, nicht die Bevölkerungszahl, zu Grunde lege, in der Provinz Posen die Zahl der katholischen Lehrer nicht genügend fei, um eine Parität herzustellen. Redner verweist auf Tremessen, Nakel, Fraustadt, Kempen u. \. w. und spricht die Hoffnung aus, daß der Minister sein Versprechen, die Parität einzuführen, überall einlöfen werde.

Minister der_geistlihen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse: Ich bin d oial-Shulcollegium in Posen das Zeugniß schuldig, daß es sich bemüht hat, die Parität möglichst aufre<t zu erhalten. Aber so weit kann man nit gehen, daß man die Schülerzahlen bis auf die Vecimalstellen berücksichtigt. Die Zahl der Kinder der verschiedenen Confessionen we<selt sehr oft und manhmal findet man auch für die Stellen, die gerade vacant sind, keinen Bewerber der betreffenden t voile Soweit dies der Fall is, wird die Parität gewahrt

leiben.

aba: Im Walle (Centr.) beantragt, die Uebernahme des Gym- nasiums in Trier auf den Staat abzulehnen.

Abg. Christen (freicons.) widerspriht diesem Antrage.

Wirklicher Geheimer Ober-Regierungs-Rath Dr. Schneider weist nah, daß in Volksschulen die katholischen Kinder zum größten

Theile von katholischen Lehrern unterrihtet würden.

Abg. Vopelius (freicons.) spricht sih gegen den Antrag Im Walle aus, weil der Staat, wenn er jeßt die Schule nit übernehme, später cine neue Anstalt werde gründen müssen; denn die Stadt Trier sei nit mehr im ftande, die Schule zu halten.

__ Abg. Schmelzer (nl.): Jh bestehe nicht darauf, daß an pari- tâtischen Anstalten die Zahl der Lehrer der verschiedenen Confessionen im Verhältniß zur Zahl der Kinder dieser Confessiouen steht. Aber wohin soll es erst führen, wenn man dabei au no< auf die Con- fession der Frau des Lehrers Nücksiht nehmen soll! Nebrigens be- finden sih an vorwiegend evangelischen Anstalten ebenfalls vorwiegend fatholishe Lehrer; in Wiesbaden sind z. B. der Director und die A e Lehrer katholis, während die Kinder vorwiegend evan- gelish sind.

E IOLDS von Jazdzewski (Pole) bedauert, daß Gymnasien, die bestimmungsmäßig katholis seien, von Evangelischen so stark be- suht würden, daß dadurch der Charakter der Anstalt verändert werde ; auffallend sei es, daß auf evangelishen Gymnasien die Zahl der katho- lishen Schüler cine schr viel geringere sei.

_ Abg. Im Walle (Centr.) begründet scinen Antrag damit, daß er nicht annehmen könne, daß das Gymnasium in Trier cinen Zuwachs an N finden werde, während überall cine Abnahme festgestellt Werde.

Wirkliher Geheimer Ober-Regierungs-Rath Dr. \pri ht sih gegen den Antrag aus.

Der Titel wird unverändert gegen die Stimmen der Polen und des Centrums bewilligt.

Va Diel 8! Uu U De o Stgat und von anderen gemeinschaftli<h zu unterhältenden Anstalten, spricht __ Abg. Sombart (nl.) den Wünsch aus, daß für die Gewerbe- schulen etwas mehr geschehen möge ; er erkenne dankbar an, daß für die Ober-Nealschulen vermehrte Staatsmittel aufgewendet würden. Ein Fehler sei es aber, daß für die Schüler, die einen te<nishen Beruf ergreifen wollten, feine gewerblihe Mittelshule vorhanden sei. Die Schüler müssen jeßt als Hospitanten auf die Technische Hoch- schule gehen, deren Besuch cine größere wissenschaftliche Vorbildung erfordert, oder die Schüler gehen nah Mittweida in Sachsen, wo über tausend Schüler vorhanden sind. Auch über einen Mangel an Baugewerkshulen wird geklagt ; über 1600 Schüler sind zurü>gewiesen worden. In diefer Beziehung wird wohl niht eher Wandel ge- schaffen werden, als bis die Gewerbeshulen auf das Handels- Ministerium übertragen sind.

Geheimer Ober-Regierungs-Nath Dr. Wehrenpfennig: Die Unterrichtsverwaltung ist jeder Zeit bereit gewesen, die Schulen auf das Handels-Ministerium zu übertragen; wenn der Handels-Minister etwas mehr Mittel zur besseren Gestaltung der Dinge in die Hand bekommen kann, wird er sih auch der Uebertragung nicht widerseßen.

Der Titel wird genehmigt. (Schluß des Blattes.)

Stauder

Bei der Neichstags-Ersaßwahl im Wahlkreise Liegniß-Haynau-Goldberg sind nah ciner Meldung des „W. T. B.“ bis heute Vormittag gezählt: für Jungfer (freisinnig) 10355 Stimmen, für Hertwig (Antisemit) 5999 St1mmen, für Kühn (Socialdemokrat) 4931 Stimmen, für Graf RNothkirch (conservativ) 1302 Stimmen. “Eine Stichwahl zwischen Jungfer und Hertwig gilt als sicher.

In der Neichstagscommission zur Berathung des Geseßes gegen den Verrath militärisher Geheimnisse wurden heute die $$ 2 und 3 der Vorlage erledigt. In $ 2, welcher Gefängniß nicht unter drei Monaten dem androht, der re<tswidrig Gegenstände oder Nachrichten, deren Geheimhaltung im Intkcr- esse der Landesvertheidigung erforderli<h ist, in den Besiy oder zur Kenntniß eines anderen bringt, wurde das Nequisit des Vorsaßes noch als erforderlich eingefügt und auch der Versuch als strafbar hingestellt. $ 3, der die Beschaffung der in den $8 1 und 2 bezeihneten Gegenstände u. #. w. zum Zwecke der Gefährdung der Sicherheit des Deutschen Reichs mit Zuchthaus bis zehn Jahren bedroht, blieb unverändert.

Ne des CCentralbratis ber Bauv erwaltinas, herausgegeben imMinisteriumderöffentlichen Arbeiten, vom 18 Februar, hat folgenden Inhalt: Landhaus Gbeling in Wannsee. MRaumbere<hnuna für Bibliotheken. Das Cylinderwehr. Vereinfachter Schnebel’sher Weichenvershluß. Vermischtes: Hoch- wasser-Auss{<uß in Preußen. Preisbewerbung für ein Grabdenkmal in Darmstadt. Chrenbezeigung. Technische Hochschule in Berlin. Technische Hochschule in Dresden. Aenderung der deutschen Maß- und Gewichts-Ordnung. Versuche über Feuerbeständigkeit von Constructionen. Brü>kenverstärkungen. Uebelriehende Schornsteine. Kollergang-Mörtel. Ein Denkmal für William Penn. Ueber eine Versuhs\hiene von 335 m Länge.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Ein kaufmännischer Agent, welcher ciner Handlung Kunden zuführt und dafür eine Provision von den mit diesen Kunden ab- ges{lossenen Geschäften bezieht, ist, nah einem Urtheil des Reichs-

erihts, 1, Civilsenats, vom 9. November 1892, verpflichtet, die

reditwürdigkeit dieser Kunden zu prüfen, und der Handlung darüber wahrheitsgemäßen Bericht zu erstatten, gleichviel, ob der Agent die Handlung an einem auswärtigen Play förmlich vertritt oder an einem großen Handelsplaß, dem Wet ber Niederlassung der Handlung, ohne ausdrü>klihe Be- stellung zum Agenten, * also ohne vorhergehenden Auftrag, der Handlung Kunden zuführt. Dieser Verpflihtung genügt der Agent dadur nicht, daß er bei der ersten Zuführung des Kunden wahrheitsgemäßen Bericht über dessen Creditwürdigkeit erstattet, fondern er hat bei Vermittelung späterer Geschäfte mit dem Kunden, sobald er über die Creditwürdigfkeit desselben anderer Meinung wird, dics sofort seiner Handlung zu berichten, widrigenfalls er für die aus den fortgeseßten Geschäftsabschlüssen erwachsenden Verluste der Handlung so lange haftet, bis die Handlung nahweislih von anderer Seite über die Creditwürdigkeit des Kunden Bedenken erregende Mit- theilungen erhalten hat.

Die Verpachtung eines bes<hlagnahmten Anwesens unter Vershweigung der Beschlagnahme is, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, T. Strafsenats, vom 24. November 1892, niht als Betrug zu bestrafen, wenn demnächst die Beschlagnahme wieder aufgehoben wird" und so dem Pächter der Genuß des Pacht- gegenstandes thatsähli<h ni<t verkürzt worden ift.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln. j

Der Gesundheitsstand in Berlin war in der Woche vom 9. bis 11. Febyuar cin guter und die Sterblichkeit eine niedrige (von je 1000 Einwohnern starben, ‘aufs Jahr berehnet, 17,5). Unter den Todesursachen kamen zwar acute Entzündungen der Athmungsorgane in großer Zahl zur ärztlichen Beobachtung, der Verlauf war aber in der“ übertvötegenden Mehrzahl der Fälle ein milder. Auch Erkrankungen an epidemisher Grippe gelangten mehrfa<h zur Behandlung, desgleichen wurde aus der der Berichtswoche vorhergegangenen Woche 1 Todesfall an Grippe gemeldet. In mäßiger Zahl zeigten sih acute Darmkrankheiten unter kleinen Kindern und führten in fast gleiher Zahl wie in der Vorwoche zum Tode, Die Betheiligung des Säuglingsalters an der Gesammtsterblichkeit blieb eine fleine. Von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, 50 Säuglinge. Von den Infectionskrankheiten kamen Erkrankungen an Masern, Scharlah und Diphtherie in wenig gegen die Vorwoche gesteigerter Zahl zur Anzeige, und zwar gelangten leßtere aus dem Stralauer Viertel, der Rosenthaler Vorstadt und aus Moabit am häufigsten zur Meldung. Erkrankungen an Unter- leibstyphus blieben vereinzelt; weitere Erkrankungen an c O nit gemeldet worden. Etwas abgenommen haben rosenartige Ent- zündungen des Zellgewebes der Haut, sowie Erkrankungen an Kindbett- fieber. Zahlreih waren dagegen Erkrankungen an Keuchhusten, die auch in ansehnlich gesteigerter Zahl (in 20 Fällen) tödtlih endeten. Das Vorkommen von rheumatishen Beschwerden aller Art zeigte gegen die Vorwoche keine wesentlihe Veränderung.

Theater und Musik.

; Königliches Opernhaus.

Die g>\strige Vorstellung im Königlichen Opernhause war auf Allerhöchsten Befehl zum Besten des unter dem Protectorät Jhrer Majestät der Kaiserin \tehenden Vereins „Frauenhilfe für Armen- Krankenpflege“ veranstaltet. Einen besonderen Neiz übte sie durh das erste Auftreten Mascagni’s als Dirigenten in der von ihm com- ponirten Oper „Cavalleria rusticana“ aus. Dieser Umstand im Verein mit dem Zwe>, für welchen die Majestäten Allerhöchstselbst die Wohlthätigkeit angerufen hatten, hatte troß doppelt erhöhter Preise das Haus bis auf den legten Platz gefüllt. Fhro Majestäten der Kaiser und die Kdiserin „clféten die Vorstellung dur Ihre Gegenwart aus und hatten in der mittleren A A CLTE Plaß genommen; außerdem wohnten in der Königlichen Prosceniums- Loge Ihre Königlichen Hoheiten der Erbgroßherzog und die Erbgroß- herzogin von Baden sowie Seine Hoheit der Erbprinz von Sachsen- Meiningen der Vorstellung bei. Nah Mozart's Schäferspiel „Bastien und Bastienne“, in dem Herr Krolop, Herr Philipp und Fräulein Weiß mitwirkten, betrat Herr Mascagni, von dem Publikum sym- pathis<h begrüßt, das Dirigentenpult, um die „Cavalleria rusticana“ zu dirigiren. Seine Einwirkung besonders auf das Orchester und den Chor war unverkennbar. Oft nahm er die Tempi langsamer, als wir es bisher gewohnt waren, so insbesondere im „Intermezzo“, das auf Verlangen wiederholt wurde; au sonst trat cine gewisse Mäßigung und Dämpfung in der Orchester- führung hervor, während manche bedeutenderen und für den Gang der Handlung wichtigeren Momente si< s{ärfer hervorhoben. Der erste Chor der Frauen -wurde in der ersten Strophe hinter den Coulissen gesungen; der Kirchenchor erhielt eine zwe>mäßige Theilung, indem der erste Theil allein hinter den Coulissen, d. h. in der Kirche, gefungen wurde, während der auf der Bühne stehende Chor zuhörte und erst im zweiten Theil den Gesang aufnahm. Die mitwirkenden Künstler scßten ihre ganze Kraft ein, um das eigenartige Werk zu vollendeter Darstellung zu bringen. Herr Sylva (Turiddu) war vorzügli<h bei Stimme und trug insbesondere die „Siziliana“ bei ges{hlossenem Vorhang wahrhaft unübertreffli< vor; au<h Herr Bulß (Alfio), Fräulein Dietrich (Lola), Frau Pierson (Santuzza) und Frau Lammert (Lucia) entledigten sih ihrer Aufgaben aufs wirksamste. Nachdem der Vor- hang gefallen war, entstand min>tenlanges Beifallsklatschenz das den Dirigenten-Componisten, der erst von seinem Plate aus gedankt hatte, - veranlaßte, fih auf die Bühne zu begeben, und ihn dort \e<smal vor den Borhang führte. Den Schluß der Vorstellung bildete die Aufführung des Tanzbildes „Slavische Brautwerbung“.

K L Sing-Akademie.

Zivei Concertsängerinnen: Frau Mathilde von Barnekow (Alt) und Fräulein Lilli Marsala (Sopran), . deren fünstlerishe Leistungen bereits vortheilhaft bekannt sind, hatten sich gestwen zu einem Concert vereinigt, welches zahlreih besu<ht war. Die Altistin gebietet über eine sehr wohlklingende und gut geschulte Stimme. Deutliche Aussprache und Neinheit der Intonation lassen ni<ts zu wünschen, auch ist die Vortragsweise cine verständnißvolle und lebendige. Diese Vorzüge traten in dem Lede „Abendreih!n“ von Neine>de und in dem us se<s Gesängen bestehenden Cyklus von Jenfen „Dolorosa“ ganz besonders wirksam hervor. Allen thren Liedervorträgen fowie den mit Fräulein Marsala gesungenen Duetten wurde reicher Beifall zu theil. Die Sopranistin sang mehrere Lieder von Wagner, Schubert, Schumann, Brahms und andern. Ihre gut ausgebildete und lieblihe Stimme sowie die anmuthige Art des Vortrags kamen vortreffli< zur Geltung. Der Hofpianist Herr G. Liebling, der das Concert unterstützte, erfreute dur den gleich- falls mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag einiger Klavier- \tü>e von Chopin und Liszt.

l Saal Bechstein.

_ Die Concertsängerin Fräulein Leopoldine von Spira, ünte Leitung der Frau Jachmann ausgebildet, gab gestern in Gemeinschaft mit der Pianistin Fräulein Minette Wegmann ein Concert, das die leßtere mit Beethoven's großer Sonate (appassionata) eröffnete. Der völlig unmusikalis<he Vortrag und die mangelhafte Te nik, die sie au<h in Stücken von Chopin und Liszt erkennen ieß, be- ih dts niht zu einem öffentlichen Auftreten. Eines glänzenden Erfo s hatte sih “dagegen die Se) zu erfreuen, die mit schr fklangyvoller wohlgeshulter Stimme und mit warm empfindender Ausdru>ksweise Lieder von Beethoven, Cornelius, Haydn, Gounod und anderen zu Gehör brachte. Das „Erlhlingslied" von Gounod wurde wiederholt, au< fügte die Künstlerin nah dem Vor- trag des „Winterliedes" von H. von Koß no< Schumann's „Widmung“ hinzu. Das zahlreich erschienene Publikum spendete allen ihren Vorträgen reihe Beifallsbezeugungen.

Pietro Mascagni wurde gestern nah Beendigung der yCavalleria rusticana“ im Königlihen Opernhause vom General-Intendanten Grafen PoGperg Seiner Majestät dem Kaiser vorgestellt, I eibettame cher dem gefeierten Componisteu unter Ausdrücken \<mei<elhaftester Orden dritter Klasse E Alôdann hatte Mascagni auch no<h die Ehre, Ihrer Majestät der Kaiserin vor- bkm zu werden. Seine Majestät der Kaiser ließ durch den

rafen Hochberg auch Sr virkenden Seine besondere An- erkennung ausdrücken. In der Freitagsvorstellung des , Wa ens<hmied“ singt E Deppe zum ersten Mal die Rokle der Marie.

Neben frau Nevada, die als Lucia am Freitag im Kroll! chen Theater ihre zweite Gastrolle giebt, if die Beseßung der Oper „Lucia von Lammermoor“ in den Hauptrollen die folgende : Edgardo Herr Pandolfini, Bidebend Herr Mayan; alle anderen Partien werden von einheimischen Mitgliedern in ita ienisher Sprache gesungen.

Anerkennung den KFKronen-