1894 / 26 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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gesammelt werden muß, die Art der Ausgeftaltung des Baues be- weisen zur Genüge, daß es fiŸ bier nit um die Errichtung einer öhnli und die Beseitigung eines kirchlihen Nothstandes delt, tondern um ein Denkmal n Ranges, welches späteren hrhunderten den Ruhm des alten Kaisers und die Lebe seiner Berliner zu ihm verkünden sowie eine der größten Zierden der an schöônen Bauten armen Reichshauptstadt bilden foll.

So sind troß mancher enlgegra een Gründe doch auß Gründe gend vorhanden, welche für die Betheiligung der Stadt an diesem Denkmal \sprehen ganz davon abgeschen, daß eine solche Betheiligung der mit großen Verpflichtungen beladenen Stadt verbältnißmäßig geringe Opfer auferlegen, und daß vielen Künstlern und Hunderten von Handwerkern und Arbeitern ein erwünschter Verdienst geschaffen würde. Das Schönste aber und das hon nah einem Menscenalter einzig Verständliche wäre, wenn sich bei diesem herrlichen Denkmal die Stadt ihren zahlreichen Bürgern, welche {hon so viele Spenden dargebracht haben und noch bringen follen, anschließen würde.

Im Januar 1894.

Theater und Musik.

Neues Theater.

_ Wenn cin modernes Schauspiel sih die Aufgabe ftellt, die Zu- stände der Gegenwart widerzuspiegeln, so darf man mit Recht, auch ohne Anhänger der naturalistischen Schule zu fein, Wahrheit und Natürlihkeit als oberftes Prinzip von ihm erwarten und fordern. Auf diesem Gebiet aber liegen in erster Linie die Mängek, diè Else von Srhabelsky’s8 Schauspiel „Gisela“, das gestern seine erste Aufführung erlebte, aufweist. Der äußere Erfolg des gestrigen Abends wird die Verfasserin befriedigt haben; vom zweiten Akt an fand ihr Stück lauten Beifall sodaß sie wieder- holt dankend auf der Bühne erscheinen konnte; die Wider- strebenden waren taktvoll genug, ihre entgegengeseßzte Meinung mit Zurückhaltung zu äußern. Seiner ganzen Gestaltung nah weist das Schauspiel auf deutsche Verhältnisse hin; diese Verhältnisse aber kennen wir genau genug, um den ganzen Gang der Handlung als Höchst unwahrscheinlich, fast uninS6lid zu charakterisieren, ganz ab- gesehen davon, daß die Verfasserin in Einzelheiten das Gefühlsleben der Menschen falsch und s{hlecht beurtheilt und ihre Charaktere lückenhaft entwidelt. Die Hauptperfonen der Handlung sind geshickt gruppiert und in natürliche Beziehungen zu einander gebracht; auch die Ein- fädelung und Lösung des Konflikts sind mit dramatischem Geschick erfonnen, aber der scenishe Aufbau stellt doch in Einzelheiten den uten Willen, die Vorgänge glaubhaft zu finden, auf eine harte Probe. Die Stimmung, die in der Handlung vor- berrsht, is oft undelikat und, was von öffentlichen Zuständen in die Handlung hineinspielt, zeugt von völliger Verkennung des Thatsächlihen und Möglichen. Was dem Schauspiel seine Wirkenskraft verleiht, ist die geshickte Dialogführung, eine gewisse Entschiedenheit in der Charakterzeihnung und a geeigneten Stellen eine starke Leidenschaftlihkeit der Sprache. Die Hauptpersonen der Handlung sind ein Baumeister, man weiß nit, ob mehr Heuchler oder mehr Shwächling, von Charakter keine Spur —, dem die Chrlosigkeit seiner Frau zu Rang und Ansehen wverholfen hat; ein liberaler Abgeordneter Waldau und die Schwester des Baumeisters, eine jugendliche Naive, die Waldau’s Liebe gewinnt und von ihm heimgeführt wird. Die Darstellung half über manche Shwädhen des Stücks binweg. Die Titelheldin gab Fräulein Alma Renier mit künst- lerischem Maß in dem Augenblicke höchster Lcidenshaft und mit Veberlegenheit im ernsten Gespräh. Den Baumeister gab Dr Josef Jarno sehr gelhidt und versfuhte durch

Spiel die Unnatur des arafters auszugleihen. Herr Rudolf Nittner stelle den Dr. Waldau mit e rückhaltung und doch wirkungsvoll dar, und Fräulein Hilda Hofer

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t vom 30. Januar, Delmar.

Morgens.

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Bajazzi.

im.

von Ludwi

Stationen. Wind. Ober - Regisseur

Temperatur in ? Celfius

In Scene gefeßt vom e

Teßlaff. Dirigent: Kapellmeister Dr. Mud.

Oper in 2 Akten und einem Prolog.

Musik und “olen von N. Leoncavallo, deuts rtmann. L Dirigent: Kapellmeister

Sucher. Slav

bild von Emil Gra

ab die Naive mit gewinnender Aunuth und natürliem en. In benrollen machten fich die Herren Werner und S und

Fräulein Nina Sandow vortheilhaft bemerklich.

Konzerte.

Das VII. Philharmonische Konzert, welches gestérn unter zahlreicher Betheiligung des Publikums im Saale der Philharm-o- nie stattfand und von dem Hof-Kapellmeister Herrn Richard Strauß aus Weimar geleitet wurde, brachte zunächst ein Werk des Dirigenten zur Aufführung , betitelt: „Don Juan“ , eine Tondichtung für Orchester nah dem Gedicht Lenau's. Die Anfangsworte: „Den Zauberkreis, den unermeßlih weiten, von vielfah reizend s{önen Weiblichkeiten möcht? ih durchzieh!/n im Sturme des Genusses“ charafterisieren das Werk zur Genüge. Die leidenshaftliche Erregung des Schwelgenden wird in den anstürmenden Kontrabässen und Posaunen fühlbar, während die fanfte Hingebung der Schönen durch lieblihe Motive von Flôten und Geigen ausgedrückt wird; heitere, kurze Tanzweisen klingen dazwischen hinein, bis endli der in léifem Diminuendo si verlierende Schluß die Erschöpfung schildert. Die Komposition, die, dem Vorbilde Wagner's folgend, glänzend instru- mentiert ift, wurde mit fehr lebhaftem Beifall aufgenommen. Ein anderes an diesem Abend zum ersten Mal gehörtes Werk, eine „dramatische Orcesterphantasie in Ouvertürenform* von Wilhelm Berger machte durch den tieferen Gehalt seines Sujets einen noh nachhaltigeren Eindruck. Das Ringen und Kämpfen nach einem hohen Ideal, das dem Menschen bald vors{chwebt, bald unerreiht ver- s{windet und durch neues _unermüdliches Kämpfen endli erreicht wird, ist musikalisch aufs trefflihste geschildert. Zwischen beiden Ton- dichtungen trug der vielgefeierte Virtuos Herr Moriß Rosenthal das Klavierkonzert in Es-dur von Liszt vor, das beliebteste des Meisters. Seine fstaunenêwerthe Bravour, die alle Schwierigkeiten spielend über- windet, sowie seine feinfühlige Ausdrucksweise kamen trefflich zur Geltung. Bei dem eminenten Kraftaufwand seines Anschlags war auch die Ausdauer des Blüthner’schen Flügels zu bewundern. Rauschender Beifall und Hervorruf folgten seinem Vortrag. Den Beschluß des Abends bildete Beéthoven's Pastoral-Symphonkte, die unter der um- sichtigen Leitung des Herrn Strauß von dem Orchester ganz vor- züglih ausgeführt wurde.

Nach der Festvorstellung im Königlichen Opernhause am Abend des 27. Januar lies Seine Majestät der Kaiser durch den General-Intendanten Grafen von Hochberg sämmtlihen Mit- wirkenden Allerhöchstseine große Befriedigung und Anerkennung aus- sprehen. Morgen gelangen „Mara“, die „Bajazzi*® und das Ballet „Slavishe Brautwerbung“ zur Aufführung. Die Kapellmeister erren Muck und Sucher dirigieren. Bis jeßt haben zwanzig

ufführungen der Oper „Mara“ von Ferd. Hummel stattgefunden. Neuerdings hat sie ihren Lauf über die anderen . deutschen Opernbühnen begonnen und ist in Breslau, Prag, Chemniß mit glänzendem Erfolge gegeben worden; an dem Königlichen Theater zu Wiesbaden und an der Stuttgarter Hosbühne ist sie in Vorbereitung.

Im Königlihen Schauspielhause geht morgen Goethe?s „Fausl“ (T. Theil) mif Frau von Hochenburger, den Herren Ludwig und Klein in den Hauptrollen in Scene.

Die bereits wiederholt erwähnte WohlTthätigkeits-Vor- stellun g zum Besten der Hinterbliebenen des verstorbenen Schau- spielers Carl Meißner if auf den 9. Februar festgeseßt worden und wird im Deutschen Theater stattfinden. Das Programm wird alle diejenigen Künstler vereinigen, die in der Glanzzeit des Wallner-Theaters zusammengewirkt haben und heute noch in Berlin künftlerisch wirksam find. Die Herren Georg Engels, Schiffbauer- damm 29a, Oscar Blenke, Neue Jakobstr. 1—3, Direktor Richard Schult, Zentral-Theater, und Dr. L. Leipziger, Lüßzow-Ufer 38, nehmen hon jeßt Billetbestellungen entgegen.

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Neues Theater. In Scene geséßt vom

4 Akten von Else v. Schabelsky.

\ Donnerstag : Gisela.

E Brautwerbung. Tanz eh. Musik komponiert und

Donnerstag und folgende Tage: Diefelbe Vor-

Schiffbauerdamm 3—5.

Direktion: Sigmund Lautenburg. 2 ; Mittwoch: Zum 3. Male: Gisela. S: auspiel in° Ausstattung. Ueberrashende Wasser- und Ähhteffekte.

Anfang 7ck Ukr.

Das Wallner -Theater bleibt am Donnerstag und Frei gefGloffen, während morgen, am- Sonnabend und Sonntag , E blümchen“ zur Aufführung g . Der Vorverkauf, für welchen im Wallner-Theater ein Aufgeld. nicht berehnet wird, findet für alte Cas Ein Vorstellungen an der Tageskasse statt, die täglich ge- s ift.

__ Herr Direktor Frißsche bereitet für das Friedrich-Wilbelm- städtishe Theater eine neue Nate A Franz von. Supps vor. Das Buch zu dieser Neuheit hat Herr Hermann Hirschel ver- faßt. Suppé matte die Zusage, der ersten Aufführung feines Werkes in s i

_Im Viktoria-Theater gelangt morgen Nachmittag 3 Uhr bei crmäßigten Preisen die Nestroy’\he Zauberposse L A bundus oder das licderlihe Kleeblatt“ zur Aufführung.

Das Frankfurter Vokal-Ouartett, bestehend aus den Damen Frau Julia Uzielli und Jenny Hahn sowie den eren Franz Naval und Anton Sistermans hat für fein nächstes

onzert (Mittweh, Abends 74 Uhr, im Saal Bechstein) ein Programm zusammengestellt, welches eine Reibe werthvoller Bokal- Ouartett- und Duettkomvositionen neuerer und älterer Meister aufweist ; unter anderen find darin enthalten drei Quartette mit Klavierbeglei- tung von Haydn, die Zigeunerlieder für vier Singstimmen von Brahms und drei Quartette von Schumann, Duette von Cornelius, Henschel x. Das Programm des Klavierabends von Professor Dr. Ernst Jedliczka an demselben Abend 8 Uhr in der Sing-Akademie enthält die 24 räludien von Chopin und die F-moll - Sonate von Brahms, das Nocturne in Cis-moll von Chopin, Serenade op. 93 und Lesghinka aus dem „Dämon“ von Rubinstein, ein Nocturne in Cis-moll, op. -19, von tIschaikowsky und Liszt’'s 1X. Rhapsfodie. Zum Besten des St. Michael -Vereins findet am Donnerstag, Abends 7¿ Uhr, im Saal Bechstein ein Konzert statt, für welches die Damen g Marie Berg, Clara von Senfft-

ilfah, Frau Rosa Kahlig, Fräulein Dora Trabert und Hedwig eritsch, sowie die Herren von Dulong, Dr. Rudolf Meyer und Woldemar Sas ihre Mitwirkung zugesagt haben ; der Kartenverkauf findet bei Bote u. Bock statt. Die Sängerin Fräulein Helene Frank wird in ihrem Konzert mit der Pianistin As Magda- lene Voigt an demselben Abend, 8 Uhr, in der Sing-Akademie eine Arie aus „Figaro's Hochzeit“ sowie Lieder von Schubert, Weber, W. Taubert, H. Sommer, Giehrl, Bungert, O. Eichberg u. a. zu Gehör bringen.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Wien, 30. Januar. (W. T. B. Am heutigen Todestag des Kronprinzen Rudolph ließ Seine Majestät der Deutsche Kaiser einen Kranz mit der Jns rift am Sarge niederlegen : „În treuer Freundschaft, Kaiser Wilhelm T1.“

Die ee Wittwe Erzherzogin S tephanic begab sih heute früh nah Mayerling und wohnte dem Trauer- gottesdienste in dem Carmeliterinnenkloster bei.

St. Petersburg, 30. Januar. (W. T. B.) Ueber das Befinden des Kaisers wird heute folgende Meldung verbreitet: Der Husten störte dic Nachtruhe des Kaisers, die erren war 38 Grad. Das Allgemeinbefinden ist bedeutend effser.

Sofia, 30. Januar. (W. T. B.) Die Prinzessin Ferdinand von Sachsen-Coburg ist s früh iv einem Prinzen entbunden worden.

(Fortsehung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

BPirkus Renz (Karlstraße). Mittwoch: Abends

74 Uhr: E Ein Künstlerfest. “uz Vollständig neue Einlagen. Neue und prachtvoll-

Außerdem: 6 englisde Springpferde, vorgeführt von Hexrn R: Renz: das Salven Behn Seilewe-0

Bar. auf 0 Gr , d. Meeresfp. red. in Milli

59G. =40°R.

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Ds Schnee. 2?) Reif. 2) Nachts - Reif. 4) Reif.

Uebersicht der Witterung.

Ein tiefes barometrishes Minimum i} nördlich von Schottland erschienen, auf den Britischen Inseln und im Nordfeecgebicte stürmische südlihe und süd- westliche Winde hervorrufend, deren Ausbreitung ostwärts über die Ostsee wahrscheinlih if. Auf ZFrland ist das Barometer wieder ftark gefallen. In Deutschland is das Wetter durhshnittlich etwas fälter, im Nordwesten trübe und unruhig, im Süden und Osten ruhig und theilweise heiter; in den nord- westlichen Gebietstheilen ist meistens Schnee gefallen. In Osft- und Zentral-Deutschland, sowie am Nord- fuße der Alpen herrsht meist leihter Frost, dem aber rasch wieder Thauwetter folgen dürfte.

Deutsche Seewarte.

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Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern- haus. 28. Vorstellung, Mara. Oper in 1 Aft von Ferdinand Hummel. Text von Axel

arrangiert von P. Hertel. (Mit Einlagen von Jo- hannes Brahms.) Dirigent: Musikdirektor Stein- mann. Anfang 7 Uhr.

e La 31. Vorstellung. Faust von Goethe. Der Tragödie erster Theil. Die zur Handlung gehörende Musik von Antón Fürsten Radziwill und e b Peter Joseph von Lindpaintner. Anfang

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Donnerstag : Opernhaus. Geschlossen.

Schauspielhaus. 32. Vorstellung. Die gelehrten Frauen. Lustspiel in 5 Aufzügen von Jean Baptiste Molière. Jn deutshen Versen von Ludwig Fulda. Der eingebildete Kranke. Listspiel in 3 Aufzügen von Jean Baptiste Molière, mit Sanivang der A Graf Baudisfin’shen Ueber- seßung. Anfang 7 Uhr.

Deuishes Theater. Mittwoch: Don Carlos.

Donnerstag: Der Herr Senator. Freitag: Der Talisman.

Berliner Theater. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Das Recht auf Glü.

Donnerstag: Aus eignem Recht. Freitag: 23. Abonnements - Vorstellung. Acofta. (Ludwig. Barnay.)

Uriel

Lessing-Theater. Mittwoch u. folgende Tage: Madame Sauns-Gêne. (Zweites Parquet 3 46)

Wallner -Theater. blümchen.

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. i Chaufseeftraße 25. , Mittwoch: Der Lieutenaut zur See. Operette in 3 Akten (nach einer älteren Idee) von E. S(lack und L. Herrmann. Musik von Louis Roth. In Scene gefeßt von Julius Fritzshe. Dirigent : Herr Kapellmeister Federmann. 0-7 Uhr. Donnerstag: Der Lieutenant zur See.

Refidenz-Theater. Dircktion : Sigmund Lauten- burg. Mittwoh: Zum 38. Male: Der Muster-

atte. (Le premier mariî de France.)

chwank in 3 Aktèn von Albin Valabrègue. Vorher: Lolotte. Lustsviel in 1 Akt ‘von Meilhac u. Halévy. Anfang 74 Uhr.

Mittwcch: Mauer-

In Vorbereitung : Der Amerikafahrer. Scherz- spiel in 3 Akten von Mar Halbe.

Viktoria-Theater. Belle - Alliancestraße 7/8. Mittwoch, Nachmittags 3- Uhr, ermäßigte Preise: Lumpaci vagabundus, oder: Das liecder- liche Kleeblatt. Zauberposse mit Gesang und großem Ballet.

bends 7F Uhr: Die Kiuver des Kapitän Grant. Ausftattungs\tück mit großem Ballet in 12 Bildern.

Theater Unter den Linden. Mittwoh: Der Obersteiger. Operette in 3 Aktien von M. L Ube L. Held. Musik von C. Zeller. Anfang

r.

Adolph Ernst-Theater. Mittwoch, 74 Uhr. GCharley’s Tante. S{chwank in 3 Akten von Brandon Thomas. -— Vorher: Die Bajazzi. Datodzltisde Posse mit Gesang in 1 Akt von R Jacobfon und Benno Jacobson. Musik von Franz

oth. In Scene gesegt von Adolph Ernst.

Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30.

Mittwoch : Zum 4. Male. Herr Coulisset. Shwank in 3 Akten von Blum und Toché. Hierauf: Zum 39. Male. Berlin 1893, Nevue in 2 Abtheilungen von L. Leipziger. Anfang der Vorstellung 74 Uhr.

Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Konzerte.

Sing-Akademie. Mittwoch, Abends 8 Uhr: Klavier-Abend von Ernst Jedliczka.

Konzert-Haus. Mittwoh, Abends 74 Uhr: Konzert des S GeN Vereins für gemischten Chor. (Dirigent: Kgl. Musikdirektor G. Gaebler.) Novität : Shwedische Lieder.

Dienstag, 6. Februar (Fasinaht): Gr. Fafst- nachts - Feier unter Leitung des Kgl. Hofschau- spielers Herrn Paul Dehnike.

Billets im Bureau des Hauses.

Saal Bechstein. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Konzert des Frankfurter Vokal-Quartetts.

-

Herrn R. Renz; Colmar, in der hohen Schule ge- ritten von Frl. Oceana Renz; Pas de E E von Miß Rofe und Mr. Franconi; die welt- berühmten Akrobaten Gebr. Frediani; Geschw. Hoff- mann am s{chwebenden Trapez; der musikal. Glown Hermann mit seinem Sohn, dem kleinsten Clewn der Welt 2c. D wie gewöhnlich. onnerstag: Ein Künustlerfest.

G E E E E E L A B O D R E S E I E L ‘61 D T Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Dlga Voelkel mit Hrn. Puy tinann Sylvius von Debfchiß (Berlin). Frl. Else Don Elpons mit Hrn. Prem.-Lieut. Heinrich von Strenge (Schlettstadt).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Hofprediger von Smet (Athen). Hru. Prem.-Lieut. von Kalckreuth (Schwedt a. O.). Eine Tochter: Hrn. Regierungs-Rath Haupt (Posen).

Gestorben: Hr. Otto Bonaventura von Kameke- Biziker (Kösiin). Hr. Oberst-Lieut. a. D. Alexander von der Oelsniß (Schadewalde bei Marklissa). Hr. Fideikommißbe Frhr. Arthur von Knobelsdorff (Buchelsdorf). Verw. Fr. Agnes Wilhelmine Luise von Krosigk, geb. von Alvensleben (Stendal). Hr. Mieral- Major z. D. Herrmann Frits{ deg Fr Fosessor Fr. Ulrih (Hannover). Verw. #Fr.

ajor Therese Sineck, ae Grunow (Berlin). r. Geh. Rechnungs-Rath ‘a. D. Constantin ugen Worgißky (Berlin). Felisecas Henriette von Stengel, geb. Meindk (Berlin). Verw.

G Geh. Rechnungs - Rath Marie Buske, geb-

alfenstein (Berlin).

Redakteur: Dr. H: Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (S{olz).

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Berlagb&- Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nx. 32.

_ Sieben Beilagen (einschließlich Börsen-Beilage),

sowie die Funhaltsangabe zu Nr. 6 des öffeut-

lichen Gee (Kommanditgesellschaften auf

Aktien und Äktiengesellschaften) für die Woche vom 22, bis 27. Januar 1894,

‘zum Deutschen Reichs-Anz

M 26. :

Erfte Beilage

Berlin, Dienstag, den 30. Januar

Deutscher Reichstag. 37. Sißung vom Montag, 29. Januar, 1 Uhr.

Ueber den Beginn der Sizung is bereits in der Nummer

vom Montag berichtet worden. Die gestern hon erwähnte

Rede, mit welcher der Staatssekretär Dr. Graf von Posa-

dowsky die auf der Tagesordnung stehende erste Berathung

des Ge}eßentwurfs über die anderweite Ordnung des

M ARIMEIFAS des Neichs einleitete, hat folgenden ortlaut :

Meine Herren! Als die verbündeten Regierungen den Gesetz- entwurf, betreffend die Finanzreform im Reich, einbrahten, deren integrierender Theil drei Spezial-Steuergeseßentwürfe sind, hatten die verbündeten Regierungen den dringenden Wunsch, daß diese Finanzvorlagen von dem hohen Reichstag als ein Ganzes betrahtet würden, und zwar zunächst die Finanzreform zur Be- rathung gelangte, deren nothwendiges Korrelat die drei einzelnen Steuer- geseßvorlagen sind. Als der hohe Reichstag beliebte," einen anderen ges{häftsordnungsmäßigen Beschluß zu fassen, derart, daß zunächst die Einzelvorlagen zur Berathung gestellt würden, und erst am Ende der Berathung die Finanzreformvorlage zur Berathung gelangen sollte, so war damals dieser Entschluß den verbündeten Regie- rungen höchst unerwünsht. Jeßt aber, nahdem einmal die Sache sich so gestaltet hat, glauben die verbündeten Regierungen den Parteien, die niht aus sachlihen, sondern zunächst wohl aus taktishen Gründen für diesen Beschluß gestimmt haben, dankbar sein zu müssen.

Meine Herren, das Finanzreformgeseß is eine außerordentlih fomplizierte Materie, die eine eingehende Kenntniß unseres ganzen Finanzwesens erfordert, und es ist klar, daß weiten Kreisen der Be- völkerung, die von einem solchen Projekt nur durch die Zeitungen Kenntniß erhalten haben, das Verständniß für eine derartige groß- artige organisatorische Maßregel fern liegt und s{hwierig ist. Dadurch indessen, daß infolge des Beschlusses des hohen Hauses die Finanzreform- vorlage zunächst abgeseßt ist von der Tagesordnung des hohen Hauses, ist den*Einzellandtagen Gelegenheit gegeben, über die Vorlage ein- gehend zu diskutieren, und wir glauben, daß dadurch das Verständniß für die politishe und finanzwirthshaftliche Wichtigkeit dieser Vorlage in weiten Kreisen der Bevölkerung gewachsen ift. Wir haben gehört, daß in einer Reihe von Einzellandtagen die Finanzreformvorlage der verbündeten Regierungen den größten Sym- pathien begegnet ist, und ih habe persönlih den Eindruck, als ob diejenigen, die aus rein taktischen Gründen, weil fie überhaupt eine Finanzreform. nth . wollen im Reith, die Vorlage zurückgestellt haben, es zwar sehr böse mit uns gemeint haben, daß aber der Erfolg für uns ein guter gewesen ist. Meine Herren, ih wiederhole, die verbündeten Regierungen gehen von der Ansicht aus, daß eine feste Regelung der Finanzen zwishen Neih und Einzel- staaten eine politische und finanzielle Nothwendigkeit ist und daß mit dieser Vorlage, durch welche das Reich auf seine eigenen Einnahmen angewiesen werden soll derart, daß die Finanzen des Reichs keinen Rückshlag mehr, keine Schwankungen mehr auf die Finanzen der Einzelstaaten ausüben, vem Gedanken der Reichsverfassung Rechnung getragen ift, inhalts deren die Matrikularbeiträge nur ein Noth- behelf sein sollen, bis das Neih von seinen eigenen Einnahmen leben kann. Es haben sich in der Oeffentlichkeit und auch wohl in diesem Hause gegenüber der Vorlage der Regierungen drei Gruppen gebildet. Zunächst die Gruppe derjenigen, die das Geseß pures ab- lehnen wollen mit der Begründung, daß, wenn man selbst zu einer Re- form der Finanzen käme, man diese Neform niht durch Erhöhung der indirekten Steuern durchführen könne, sondern nur mit Hilfe einer Reichs-Einkommensteuer. Mit dieser Begründung brauche i, glaube ih, mich nicht weiter zu beshäftigen, weil das Problem der Reichs- Einkommensteuer als ein unlösbares erscheint. Die zweite Gruppe ist die Gruppe derjenigen, die die sachlihe Berehtigung und Noth- wendigkeit der Reichs-Finanzreform pure anerkennen und besonders auch bei den Debatten im preußishen Abgeordnetenhause ihr Zeugniß hierfür abgelegt haben, die aber die Reihs-Finanzreform im gegen- wärtigen Augenblick als eine Art pluspetitio temporis betraten : als eine Forderung, die zu früh gestellt ist, weil der gegenwärtige Augenblick aus wirthschaftlihen Gründen kein geeigneter ift. Ueber diese Frage werden wir . uns im Laufe der Debatte und namentlich inmitten der Kommission, in welher die Finanzlage des Reichs und der Einzelstaaten eingehend besprochen werden wird, des näheren unterhalten. Eine dritte Gruppe sind diejenigen, die offen einer Finanzreform freundlich gegenüberstehen und die theils pure für die als Korrelat derselben dienenden Einzelsteuern sind, theils diese nur wünschen mit entsprehenden Modifikationen, oder Gegen- vorshläge gemaht haben. Mit den Gegenvorschlägen dieser Herren möchte ih mich einen Augenblick näher beschäftigen. Es sind uns im Laufe der Debatte und auch in der Presse eine große Anzahl Steuervorschläge entgegengetreten, die ziemlich dahin lauten: ja, wir wollen dem Reich neue Reichsmittel bewilligen, aber nur nit gerade auf dem Wege, den die verbündeten Regierungen vorschlagen. Eine ziemlich große Majorität besteht dafür, die Börsensteuer wesentlih zu erhöhen, wesentlich erhöhte Einnahmen aus der Börsen- steuer herauszushlagen. Au die verbündeten Regierungen stehen auf dem Standpunkt, daß dieBörse mehr bringen kann, wie gegen- wärtig. Aber wir machen den Vorbehalt, daß wir auch mit der Börse, die ein wirthschaftlich nothwendiges Institut ist, niht verfahren dürfen wie jener, der den Baum umschlägt, um die Früchte zu pflücken. Die Bedeutung der Börse, namentlich der Berliner Börse, liegt zum theil auch darin, daß derselben in erheblichem Umfange fremde Kapitalien anvertraut sind. Würde man aber die Umsaysteuern an der Börse, um noch höhere Erträge herauszushlagen, noch weiter, wie die verbündeten Regierungen vorgeshlagen haben, und ¿war derart erhöhen, daß die fremden Kapitalien, die an der Berliner Börse und an einer Anzahl anderer deutsher Börsen arbeiten, das Geschäft hier -nicht mehr lohnend "{ finden: fo

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würde die natürlihe Konsequenz sein, daß die Anforderungen an die Bestände der Reichsbank stärker werden, daß die Reichsbank voraussihtlich ihren Diskont erhöhen würde, und daß eine derartige ins ungemessene gesteigerte Besteuerung der Börse in ihren Folgen auch ungünstig zurückwirken würde auf Handel, Industrie und Landwirthschaft. Also die Beträge, die man aus der Börse durch eine erhöhte Besteuerung heraus\shlagen kann, sind immerhin begrenzt, wenn wir nicht die Geschäfte an der Börse und die Bedeutung der Börse in Deutschland paralysieren wollen.

Es ist auch hier von der Wehrsteuer gesprochen worden, und ih habe eine Aeußerung in der Presse gelesen, die sich darüber sehr abfällig äußert, daß die verbündeten Regierungen sich dem Projekt einer Wehrsteuer gegenüber an Stelle der vorgeshlagenen Steuern ziemlich kühl verhalten haben. Es is darauf hingewiesen worden namentlich mit Nüksiht auf eine Aeußerung, die ih bei der Etats- debatte gemacht habe —: es würden ja jeßt noch jährlich eine fo große Anzahl Leute vom Militärdienst frei gemacht, daß es durhaus rentabel und berechtigt wäre, diese Leute zu einer Wehrsteuer heranzuziehen. Es ist in dem Artikel, det mir vorliegt, darauf hingewiesen worden, daß dies ja nur kleine Fehler wären, die diese Leute in ihrer Erwerbsfähigkeit garnicht beschränken. Ich bedauere auch jeßt, meine Ansicht zur Sache niht ändern zu können. Ich frage die Herren zunächst: wird die Erwerbsfähigkeit der Leute nicht beschränkt, die hielen, sammeln, {chwerhörig oder taub sind auf einem Ohre, einen \teifen Finger haben? Wer wird einen Kellner nehmen, der auf einem Ohre taub ift, einen Jäger, der hielt, einen Bedienten, dex \stammelt, einen Gesellen, der steife Finger hat? Das ift aber die Konsequenz dieser Fehler, daß diese Leute in ihrer Erwerbsfähigkeit wesentlih beschränkt sind und in der Regel nur brauchbar zu den untergeordnetsten, einfachsten Arbeiten sind. Nun follen wir von diesen Leuten au} noch eine Steuer erheben. Wir könnten von diesen Leuten eine Steuer nur dadur erheben, daß wir für ganz Deutschland eine gleihmäßige Einkommensteuer ein- führen und von denjenigen Leuten, die ein selbständiges Ein- fommen haben, oder deren Eltern ein selbständiges Einkommen haben, einen Prozentsaß ihres Einkommens als Wehrsteuer erheben. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß die überwiegende Anzahl aller dieser Leute den ärmsten Ständen der Bevölkerung angehören, auf ihrer Hände Arbeit angewiesen sind, so folgt {hon daraus, daß eine solhe Steuer nur minimale Erträge bringen kann. Ferner aber vergegenwärtigen Sie ih: bekanntktich wurde die unterste Stufe der alten preußischen Klassensteuer von ‘1851 deshalb aufgehoben, weil die Schreibereien, um die kleinen Steuerbeträge von einer zum theil vagierenden Bevölferung zu erheben, in gar keinem Verhältniß \tanden zu dem Ertrag der Steuern und zu den Erekutionschikanen, die damit verbunden find. Ganz dasselbe Verhältniß wird mit dem überwiegenden Theil der Wehrsteuerpflichtigen eintreten. Wollte man eine Wehr- steuer einführen, fo könnte man sie nur von folchen Leuten erheben, die vom Militärdienst freigelassen sind und ein gewisses Mindest- einkommen haben, also nur von denjenigen etwa, die jeßt zur preußischen Einkommensteuer herangezogen werden. Dann würde aber der Ertrag der Steuer ein fo minimaler fein, daß sie für die Frage der Beschaffung neuer Mittel für das Reich absolut keine Nolle spielen könnte. Wir haben auch wieder einen alten Bekannten bei der ganzen Debatte gefunden: das ist-die Liebesgabe, und da diese uns immer wieder vorgerückt wird, sind die verbündeten Regierungen in der ihnen durhaus nicht sympathischen Zwangslage, auch immer wieder diesen Gedanken zu bekämpfen. Der preußische landwirthschaft- lihe Herr Minister hat im Abgeordnetenhause bei der Etatsdebatte bereits darauf hingewiesen, wie es für den Stand des landwirth- \chaftlihen Gewerbes ein bedeutungsvolles Zeichen sei, daß die Pacht für die Domänen zurückgegangen sei, und man hat ihm darauf entgegnet: Das is ja gar kein Wunder, wenn die Landwirthe immerfort selbst sagen: „Das is ein Gewerbe, bei dem man zu Grunde geht, da kann fein Mensh mehr daran denken, Domänen zu pachten." Deshalb wären angebli die Pachten aus den Domänen zurückgegangen. Nun, es is mir recht erwünscht, daß ih hier ein anderes Dokument für die Lage der Landwirthschaft beibringen kann, was nicht amtlich if, meine Herren, was aber vielleicht noch viel drastisher i und von einem Mann ausgeht, dessen persönliche Zuverlässigkeit mir bekannt is, und der, wenn er hier in diesem Hause säße, auf der linken Seite des Hauses sißen würde. Dieser Herr hat in dem Kreise, in dem er lebt, zusammen- gestellt das Schicksal der 126 selbständigen Grundbesitzer, die in seinem Kreise leben, und zwar seit dem Jahre 1881 es ift ein östlicher Kreis der Monarchie. Er stellt fes, daß von diesen 126 Besißern seit dem Jahre 1881, also seit 12 Jahren, 42 durch Zwangsverkauf vom Grunde getrieben sind, 9 stehen kurz vor diesem Ereigniß, 27 haben sih der Entscheidung durch Verkauf entzogen. Auf diesen Passus weise ih namentlich hin, weil man sehr häufig auf die niedrige Subhastationsf\tatistik verweist, während so viele Leute verkaufen, ehe sie zur Subhastation kommen, weil sih Banken finden, die thr Kapital retten wollen und Stroh- männer auf das Gut seßen. 39 ferner haben das Gut der Familie bisher erhalten, sechs fommen als Standesherren oder Majorats- besißer niht in Frage, drei sind vorwärts gekommen. In Prozenten ausgedrückt: 349%/9 sind gefallen, 7 \tehen dicht vor dem Fall, 21 blieben unentschieden, 30,5 haben \sich erhalten und kommen nit in Frage, 2,5 kamen vorwärts. (Hört, hört! rehts.) Meine Herren, ih glaube, das ist ein Dokument, das doch einmal ein flassishes Beispiel von der Lage der Landwirthschaft im Reich giebt, und ih glaube, meine Herren, unter solchen Verhältnissen kann man nit die Forderung erheben, daß ein landwirthschaftlichßes Produkt, das bereits über 2009/9 seines Werthes als Steuer trägt, noch weiter besteuert werden soll, während man andere Luxusartikel, wie Taba ck, die 16% vom Werthe als Steuer tragen, nicht höher besteuern will. Das scheint mir eine ausgleihende Gerechtigkeit nit zu sein. Meine Herren, es ist uns ja auch eine Inseraten steuer vorgehalten worden. Die verbündeten Regierungen, meine Herren, würden ja

eiger und Königlich Preußischen Siaals-Anzeiger.

1894,

eitftem solchen Gedanken niht unsympathisch gegenüber stehen; aber ih bemerke doch, daß, wie im Herbst des vorigen Jahres nach der Frankfurter Konferenz auch nur der Gedanke einer Inseratensteuer durchsickerte, eigentlich die gesammte Presse von rets bis links ein- stimmig Front gegen diesen Gedanken gemacht hä& Ich habe bei. dieser Gelegenheit in einer Zeitung, die sich „Die Reklame" nennt, für die Berechtigung der Inseratensteuer ein ganz inter- effsantes Belegmaterial gefunden. Es is nämlih nachgewiesen worden, daß eine Firma 1206 Mal inferiert hat und jedes Inserat von dieser großen Reklamefirma durhschnittlich nur 96 „Z gekostet hat. Jch glaube, meine Herren, wenn man diese große Firma zu einer mäßigen Inseratensteuer heranzöge, so wäre das eine Steuer, die sie sehr wohl tragen könnte und s auf die Geschäftsunkosten legte und wieder abwälzte. Aber wenn wir mit der Inseratensteuer wirklih kämen, dann würde man uns einwenden und entgegenhalten : die arme Wittwe, die ein Zimmer vermiethen will, das Dienst- mädchen, das eine Stellung fuht, und damit würde man auch die Inseratensteuer unmöglich machen. Jch glaube also, meine Herren, auf die Annahme einer Inseratensteuer würde in diefem Hause nicht zu rechnen sein.

Es ist uns auch ganz in der Ferne bei Gelegenheit der Debatte eine B iersteuer wieder gezeigt worden, und ich habe erklärt : wenn aus dem Haus folche Anträge kommen, würden die verbündeten Re- gierungen gewiß auch ein folhes Projekt in Erwägung ziehen. Ich glaube nur, mcine Herren, wir würden auch da wieder einen fehr heftigen Gegner haben, das wären die Herren aus Bayern, und dieselben würden, wenn sie sich überhaupt sagen: das Reich kann gar nit umhin, sich neue Einnahmequellen zu schaffen, „ob wir ein Finanzreformgeseß machen oder nicht, bei ruhiger Erwägung zu dem Kalkül kommen, daß die Tabafabrikatsteuer für sie doch noch günstiger ist wie die Biersteuer; denn die Biersteuer würde für die Herren doch nur den Erfolg haben, daß sie nichts von der erhöhten Biersteuer bekommen, daß sie vielmehr prozentual ihre Matrikular - beiträge erhöhen müssen, und, was besonders ins Gewicht fällt, daß sie für das masfsenhafte Bier, was aus Bayern zu uns nah Norddeutschland fließt, die erhöhte Uebergangsabgabe entrichten müßten. Ich glaube, die Herren aus Bayern würden doch mit der Fabrikatsteuer ein besseres Geshäft mahen. Meine Herren, ih möchte noch auf einige psychologische Erscheinungen eingehen, die bei unserem Steuervorshlag hervorgetreten find in der Oeffentlichkeit und auch in diesem,Hause. Es ist uns bei einer Neihe von Steuern gesagt worden: die Leute, die von diesen Steuern getroffen werden- find sehr gute, sehr patriotishe Leute; aber wenn ihnen diefe Steuer auferlegt wird, wird die Unzufriedenbeit ins un- gemessene steigen, sie werden Sozialdemokraten werden. Ih habe das Gefühl, als ob die Parteien, die der Sozialdemokratie feindlich gegenüberstehen , mit derartigen Drohungen ein recht -gefährlihes Spiel treiben. Ich glaube, den Sozialdemokraten muß bei solchen Drohungen innerlich das Herz im Leibe lachen; sie brauchen den Baum garnicht mehr zu \hütteln, die Früchte fallen ihnen schon durch den Sturm der Parteien in den Schoß. (Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Die übrigen Parteien aber, glaube ih, haben allen Grund, in dieser Weise niht mit dem Feuer zu spielen. Sowohl der preußishe Herr Finanz-Minister als auch der Schaß- sekretär haben ja auf s\teuerlißhem Gebiet eine ungeheure Zahl von freiwilligen Mitarbeitern. Ich glaube, es vergeht nicht ein Tag, wo nicht der preußisWe Herr Finanz-Minister und der Schaßsekretär eine ganze Anzahl freiwillige, - zum theil bis ins Detail ausgearbeitete Steuerprojekte bekommen, und zwar au von Leuten, die ernsthaft genommen fein wollen und auch ernst- haft zu nehmen sind. Jch glaube aber, wenn die Verfasser aller dieser Steuerprojekte hier in diesem Saale versammelt wären, dann würden. wir die überrashende Feststellung machen, daß jeder mit seinen Projekten die Einnahmen des lieben Nächsten besteuert hat, die er für zu hoch hält gegenüber seinen eigenen. (Heiterkeit und Sehr richtig!) Also, meine Herren, mit solhen billigen Borschlägen gegen- über den reiflih erwogenen Vorschlägen der verbündeten Regierungen fommen wir niht weiter. 3

Was will nun das Finanzreformgeseß ? Das Finanzreformgesetz * will herstellen eine feste Relation zwishen Matrikularbeiträgen und Ueberweisungen. Es will die einzelnen Staaten {üßen gegen die \{wankenden Einnahmen und Ausgaben des Reichs, es will ferner einen Reservefonds bilden, in den die Ueberschüsse der einzelnen guten Jahre fließen, die niht mehr als Einnahmen in den Etat des über- nächsten Jahres eingestellt werden sollen. Es foll ferner dieser Reservefonds dazu dienen, um die Fehlbeträge der mageren Jahre aus den fetten Jahren zu ergänzen, und es will endliß bewegliche Zuschläge zu den Verbrauchssteuern und auch eventuell zu den Zöllen das ist nach dem Inhalt des Geseßes nicht ausgeschlossen erheben, aus denen Fehlbeträge, die niht aus dem Reservefonds zu decken sind, gedeckt werden können. Wir haben nun gegenüber dem Finanzreformplan vor allem den Einwand gehört, die clausula Franckenstein werde alteriert, und mit der größten Schärfe ist von denjenigen, die seinerzeit gegen die clausula Franckenstein gestimmt haben, jeßt gerade für die Erhaltung der clausula Franckenstein eingetreten worden während die Redner der Parteien im Abgeordnetenhause, aus deren Reihen der Antrag Franckenstein hervorgegangen is, diese Bedenken nicht geäußert haben. Das eine ist doch klar, meine Herren: fobald ih Ueberweisungen und Matrikularbeiträge decken, oder sobald, wie es jeßt der Fall ift, die Matrikularbeiträge die Summe der Ueber- weisungen übersteigen, hat die clausula Frandenstein gar keinen . Werth mehr, sie is paralysiert und ihr Werth beschränkt \fich auf ein Buchmanöver bei der Reichs - Hauptkasse. Der Gedanke der clausula Frandenstein war doh der, daß, nahdem den Einzelstaaten dur die Gesezgebung des Reichs die Einnahmen aus indirekten Steuern und aus Zöllen verschränkt sind, sie aus den erhöhten Einnahmen des Reichs an Zöllen und Verbrauchsabgaben auch einen