1894 / 28 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Im Königlihen Schauspielhause

verwendet. Die Preise der und Orchesterloge 20 , T.

rollen wieder zur Aufführung.

Herr Direktor Fritsche hat für das Friedrih-Wilhelm- städtische Theater Fräulein Marianne Rhöden _vom Berliner Theater engagiert. Die Künstlerin wird als Operettensängerin in der

neuen Suppé’schen Operette debütieren.

Im Viktoria-Theater findet am _Sonntag Nachmittag 3 Uhr eine Aufführung von Raimund?s , Verschwender“ statt. Frau Direktor Jenny Litashy-Heese wird darin die Partie der Nofa über-

nehmen.

Im Neuen Theater wird morgen Max Halbe's neues Scherz- spiel „Der Amerikafahrer* zum ersten Male gegeben.

Mannigfaltiges.

Seine Majestät der Kaiser hat auf die Glüc>wünsche, die Friedrich zur

Ihm die Große Freimaurerloge „Kaiser Bundestreue“ zum Geburtstage gesandt hatte,

meister, Geheimen Regierungs - Rath Dr. Settegast na<folgendes Dankschreiben ergehen lassen: „Berlin, den 29. Januar 1894. Seine Majeftät der Kaiser und König haben Allerh öh\t\sich gefreut, zu Aller- böchstihrem Geburtstag au< die Glü>wünsche der Großen Loge von Preußen entgegennehmen zu können, und lassen für diesen Ausdru> | sichtigkeit ermittelt hat, ist do bereits seit dem Jahre 1839 bekannt,

h bee Urfache in dem Langbau des Auges liegt, das im normalen Zuftande rund ist, und daß von den drei Häuten, der Nezhaut, Aderhaut und Lederhaut, die Aderhaut am meisten dadur leidet, daß sie lang- gezogen und verdünnt wird. Ueber die Verbreitung der Kurz-

treuer Gefinnung bestens danken. Auf Aller

die Große Loge hiervon ergebenst in Kenntniß. Der Geheime Kabinets-

Rath, Wirklihe Geheime Rath von Lucanus.“ Die von den f putation für Kunstzwe>e trat am Mittwoch

kanntlih beim Einzug des Königs von Italien in Potsdamerplaß errichtet war, näher zu besprechen. foll nunmehr auf dem ean: wo am gestrig Springbrunnen ein Modell errichte

Das Magistrats-Bureau für Kirchen und höhere Lehranstalten ist aus seinen bisberigen Näumen im Köllnischen Rathhause na< dem Berlinishen Rathhause, Il. Stockwerk, Zim- mer 60 bis inkl. 62, übergesiedelt. Au das Bureau der städtischen | stellte, daß

ht vom Köllnischen Rathhause na< dem Berlinischen Rathhause um. Der Umzug foll anfangs nächster Woche beendet fein. Für die Sculdeputation sind die im Il. Sto>werk be-

Schuldeputation zie

findlihen Zimmer 65 bis inkl. 76 eingerichtet.

Mit den aus Arbeiterkreisen gestellten Anträgen wegen der Ein-

PhmNipeare's „Sommernachtstraum“ mit Mendelssohn's Musik

egeben. Die Billetausgabe zu der Wohlthätigkeits - Vorstellung für die Hinterbliebenen des verstorbenen Schauspielers Meißner im Deut\{hen Theater am 9. d. M. erfolgt vom heutigen Tage ab an denjenigen Stellen, wo die Billets vorgemerkt sind. Villets, die bis Sonntag Abend 6 Uhr nicht abgeholt find, werden anderweitig D läße ftellen si, wie folgt: Fremdenloge

ang Balkon, 1. Rangloge, 15 4, Parquet 10 4, Stehparquet 6 4, 11. Rang Balkon, I1. Rang Proscenium 6 Æ, I1. Tribüne, IT. Sperrsiß 4 Æ, Galerie 2 M t „Romeo und Julia“ kommt nah Ablauf des Urlaubs des Herrn | in Josef Kainz im Deutschen Theater am Montag nach längerer Paufe mit dem Genannten und Frau Teresina Geßner in den Titel-

öchsten Befehl seße ih | daß i

tädtishen Behörden niedergeseßte gemischte De - s unter dem Vorsiß des Ober-Bürgermeisters Zelle im Magiftrats-Sißzungsfaale zusammen, um die Plabfrage für die aufzustellende „Berolina“, welche be- Berlin auf dem

en Tage bei dem i war, ihren Platz finden. Ueber | sitiger Schüler befand, und daß ihre Zahl je na das Postament ist ein definitiver Entshluß no< nicht gefaßt worden. | Schule sih steigerte bis zum Gymnafium, wo der Prozentsaß im

R E TETME H L Durchschnitt son 26 betrug, aber von Serxta bis Prima eine erfuhr. Die spâter

wird j unter V des Stadtraths Friedel die Gewerbe-De utation _theili r all ohn's Musik | orts ‘ree Pleversibuna aa Mith L f i

des Magistrats in ihrer Pl

Fee

eit gegen die

im Anschluß an diesen nahweises nah den in dem arquetloge Einrichtung soll der Magistrat

angenommen werden.

deren Uebereinftimmung mit dem an den Groß- gläfer. fichtigkeit hat der Vortragende Das Standbild

Kurzsichtigkeit angesehen werden

teigerung von 9 bis 44%

am erathung spra sih die Deputation mit sèhr großer Mehr- rrihtung eines Bien Arbeltón Im übrigen wurden die Dr. Freund’'shen Ann eiRen. Hierna<h wird dem Magistrat empfohlen, die fteller an den Zentralverein für Arbeitsnahweis zu verweisen, um Verein die Zentralisierung des Arbeits-

Organisationsvorschlägen durzuführen. Zu den / i i bis zur Höhe von 20 000 A bei- | die : tragen und die weiter laufende Subventionierung des Unternehmens | hat, fowie dur< die ungeheuren Fortschritte usficht stellen. Der Magistrat soll ferner in den aus Arbeit- H

gern und Arbeitnehmern zu bildenden Verwaltungs-Aus\huß einen sei, ommisfar entsenden und darauf hinwirken, da

Stadt unmittelbar, als auch die von \tädtis<en Unternehmern be-

s{äftigten Arbeiter durh Vermittelung des Zentral-Arbeitsnahweises

Der bekannte Augenarzt Professor Dr. Hermann Cohn aus Breslau hielt gestern Abend im Wifssens aftlihen Theater der Urania einen sehr anregenden Vortrag über «Kurzsichtigkeit und fünstlihe Beleuchtung“, worin er nah jahrzehntelangen zahllosen | dur Untersuhungen über die Ursachen der unter den Schülern unserer Gymnasien in ershre>ender Weise zunehmenden Kurzfichtigkeit und über die Mittel zur Bekämpfung dieser bedenklichen Krankheit sprach. Zunächst erklärte er den Bau des Auges an der Camera obscura,

da Vinci im Jahre 1500 nahgewiesen hat, und stellte fest, daß es drei Arten von Augen giebt: normalsichtige, übersichtige (hyperopishe) und kurz- sichtige (myopische). Die Weitsichtigkeit Sih 1d er als ein Leiden des Alters, das sti< bei jeder Art von Augen

deshalb niht in das von ibm zu behandelnde Thema gehöre. Ein- gehend beschäftigte er si<h dann mit den verschiedenen Graden der Kurzsichtigkeit und ihrer Milderung dur konkave und fonvexe Brillen- | könne. hne daß man Genaueres über die Entstehung der Kurz-

allen Arten von Schulen s{hon im Jahre 1864 Tabellen angefertigt, die mit vollständiger Sicherheit erkennen lassen, daß die anhaltende Anstrengung des Auges in der Schule beim Lesen und Schreiben, das Arbeiten in zu großer Nähe als Hauptgrund für die Entstehung der muß. Aus diesen Tabellen geht nämlich bervor, daß fih in der Dorfschule nur s über 19% furz-

Staats-Minister Dr. von Goßler in 24 Erhebungen lieferten ein ähnliches Ergebniß, indem si<h heraus- die Zahl der kurzsihtigen Schüler sih bis zur rima an manchen Stellen bis felbft hat dánn noh gefunden, daß die Kurzsichtigkeit bei Studenten bis nah Ablegung des Examens so zugenommen b v der daran leidenden von 52 auf 649% gestiegen war. Mit Recht be- | alle Anlagen wurden zerstört. tonte der Redner, daß diese Krankheit, besonders, wenn fie pro- gressiv auftrete, zu den ernstesten Besorgnissen Veranlassung gebe, und

Er erinnerte rige: wig E a nträge mit zwei ätzen

Yale zu ihrer

Freund’shen Referat gemachten

der künstlichen

Berathung über di

hält der Vortragende es, daß hauptsächlih Beleuchtung in den Schulräumen und zunehmenden Kurzsichtigkeit anzusehen sei. Er glaubt, daß man durch osten der ersten | die geistvollen Untersuhungen des Professors

F enannde Meterkerze konstruiert und den Phonometer erfunden

diese Ursahe zu

sowohl die von der fejunden, daß ein normales Auge auf die Entfernung von 1 m ei einer Beleuchtung von fün zig Meterkerzen, in der Minute

fe<zehn Zeilen der gewöhnlichen eitungsschrift les

für die Gesundheit des Auges schon die Lichtstärke von zehn

e ng e vorzunehmenden Schulreformen im Fahre 1890, worin

die Gefahren der Kurzsichtigkeit und die Nothwendigkeit, auf Mittel bhilfe zu finnen, hervorgehoben s Für ganz zweifellos

ie ungenügende künstliche Hörsälen als die Ursache der

eonhard Weber, der in der Technik

Beleuchtungsapparate jeßt vollständig im stande beseitigen. Professor * Diebe hat

en fann, N O eter-

E S kerzen ausreichend ist. Es fomme nun darauf an, die künstliche Be-

leu<tung in den

Meterkerzen 1 zu>endes Diesen

Ingenieur Dr. Cohn zuerst des Theaters in

mens<li<hen Auge {on Leonardo | er den Beweis,

inzugesellen könne und

na< feinen Untersuchungen an

welches Kataloge

Anforderungen Rabcwsky

Schulen fo herzustellen, daß felbst die der Lichtquelle

entfernt sißzenden Schüler mindestens eine Lihtmenge von zehn erhielten, ohne daß sie dabei

geblendet oder oder stark erhißendes Licht gestört würden. genüge eine von einem Berliner » neuerdings fkonstruierte Lampe, die am Bilde genau erklärte, dann aber auf dec Bühne ihrer natürlihen Gestalt vorführte; damit lieferte daß diese mit einem Oberlichtreflektor versehene

mächtige Lampe allerdings ein \taunenswerth belles und mildes Licht über einen großen Raum verbreitet. Zum Schluß spra aus, daß es mit Hilfe des elektrishen Lichts voraus ihtli< binnen kurzer Zeit gelingen werde, Beleuchtungsmittel zu hafen, welche die Hoffnung gewährten, daß der weiteren Zunahme der Kurzsichtigkeit unter den Schülern der höheren Lehranstalten Einhalt gethan werden

er die Ansicht

Im Zirkus Renz findet morgen auf allseitiges Verlangen eine Wiederholung der mit so großem Beifall aufgenommenen Parade- Galavorstellung am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers statt. Auch das prächtige Feuerwerk am Schluß des „Künstlerfestes" ist vom Direktor Nenz für diesen Tag wieder angeordnet worden.

Leipzig. Die reichhaltige Bibliothek des jüngst verstorbenen Professors der Chemie an der Universität Gießen S von dem Antiquariat von Gustav Fo>

ellmann ift in Leipzig erworben worden, darüber auf Wunsch an die Interessenten versendet.

,

dem Grade der

von dem

Gymnasien veranlaßten Breslau

auf 589% ethob. Dr. Cohn vermuthet.

atte, daß die Zahl

Nacht brannten in dem Dorf Preiland bei Neisse ab. Eine Frau und ein Kind kamen in den Flammen ums Leben. Viel Getreide und Vieh ist vernichtet. Es wird Brandstiftung

Nach Schluß der Redaktion eingegangene

Depeschen.

, 1. Februar. (W. T. B.) Jn der vergangenen

Stellen

Auf der Galmei-Grube „Victoria

bei Beuthen in Oberschlesien brannte der alte Förderschacht ab :

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Erften und Zweiten

Beilage.)

richtung eines städtis<hen Arbeitsnahweises beschäftigte sih | daß fie wegen ihrer weiteren Ausbreitung und ihrer Erblichkeit nach- S E S Dienstag, 6. Februar (Fastnacht): Gr. Familien-

Wetter . Februar, 8.

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[wolkig beiter wolkig bede>t1) wolkig bede>t?) bede>t3) Schnee 4) | bede>t | wolkig | 3\beiter | 2|bede>ts) 6/bede>t 1¡Regen NW 4sbede>ts) SS 2bede>t S 6|Regen 766 |NNW 3'halb bed. 6 7598 |[NO 3'Regen 5 758 ftilliwolkenlos 3

1) Nahts Schneefall. 2) Abends, Nachts Regen. 3) Nachts Regen. #4) Nachts Schnee. $#) Vorm., Nachts Regen. #) Nachm. bis Nachts Regen.

Uebersicht der Witterung.

Eine breite Zone niedrigen Luftdru>s erstre>t fih vom norwegischen Meere südwärts über Zentral- Europa und die Alpengegend nah dem Mittelmeere hin, während über Südwest- und Oft. Europa Hoch- dru>gebiete lagern. Bei dur<s{<nittli< mäßiger südlicher bis westlicher Luftftrömung ift das Wetter in Deutschland mild und trübe; allenthalben ist Niederschlag gefallen. Die Temperatur is} über dem ganzen Gebiete sehr gleihmäßig vertheilt: die Froftgrenze verläuft der deutsch-rufsishen Grenze entlang, au< Oesterreich is meist frostfreiï.

Deutsche Seewarte.

L L E i E L i Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. haus. Subskriptions-Ball. Am Balltage, ‘dem 2. Februar, ist der Eingang in das Königliche Opernhaus für sämmtliche Zu- aner dur< Thür Nr. 8, gegenüber dem Prinzessinnen- ais

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Freitag: Opern-

Die Auffahrt ist für sämmtliche Wagen nur von den Linden aus, und zwar am Haupt-Eingang Thür

Nr. 1 (dem Universitäts-Gebäude gegenüber) und an der Thür Nr. 3 (am Opernplatz).

Die Abfahrt findet statt:

1) Von der Thür Nr. 1 nach der Scloßbrücke und nach den Linden zu (die Wagen stellen i vor dem Opernhause, Front nah demselben, auf).

2) Von der Thür Nr. 3 ebenfalls nah den Linden zu (die Wagen stellen sih auf dem gepflaîterten Theil des Dpernylates bis an die Behrenstraße hin auf). G eung des Hauses 74 Uhr. Beginn des Balles

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Schauspielhaus. 33. Vorstellung. Ein Sommer- na<tstraum von William Shakespeare, überseßt von Su Wilhelm von Schlegel. Musik von e cendelsfohn-Bartholdy. Tanz von Emil

raeb. In Scene gesetzt von Ober-Regifseur Marx E Dirigent : Musikdirektor Wegener. Anfang ( L.

Sonnabend: Opernhaus. 29. Vorstellung. Cavalleria rusticana (Bauern- Ehre). Oper in 1 Aufzug von Piétro Mascagni. Text nah dem glei<aamigen Volksftü> von G. Verga. Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in 2 Aufzügen von G. Rossini. Dichtung nach Beaumarchaïs, von Cesar Sterbini, überseßt von Ignaz Kollmann. Anfang 7 Uhr. g

Schauspielhaus. 34. Vorstellung. Zum ersten Mal: Die Minneköuigin. Komödie in 1 Aufzug von Hans von Gumppenberg. In Scene gefeßt vom Ober-Regisseur Mar Grube. Verbotene Früchte. Lustspiel in 3 Aufzügen, na< einem Zwischenspiel des Cervantes, von Emil Gött. Fn Scene gefeßt vom Ober - Regisseur Mar Grube. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater.

lis8man. Sonnabend: Der Herr Senator. Sonntag: Der Herr Senator. Montag: Romeo und Julia.

Freitag: Der Ta-

Berliner Theater. Freitag, Abends 7 Ubr: 23. Abonnements-Vorstellung. Die Journalisten.

Sonnabend, Abends 74 Uhr: Das Recht auf Glücf.

Sonntag, Nahm. 25 Uhr: Hamlet. (Ludwig Barnay.)

Abends 73 Uhr: Aus eignem Recht.

Lessing-Theater. Freitag u. folgende Tage: Madame Sans-Gêne. (Zweites Parquet 3 A6)

Wallner -Theater.

bliimchen. Sonntag: Mauerblümchen.

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. Chausseestraße 25.

Freitag: Der Lientenaut zur See, Ovyerette in 3 Akten (nach einer älteren Idee) von E. S<la> und L. Herrmann. Musik von Louis Roth. In Scene geseßt von Julius Frißsche. / Dirigent : Herr Kapellmeister Federmann. Anfang 7 Uhr.

Sonnabend: Der Lientenant zur See.

Sonnabend: Mauer-

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Freitag: Zum 40. Male: Der Muster- gatte. (Le premier mari de France.) Schwank in 3 Akten von Albin Valabrògue. Vorher: Jm Mng: Lustspiel in 1 Akt von Hans von Reinfels. Anfang 74 Uhr. ;

Sonnabend und folgende Tage: Dieselbe Vor- stellung.

Neues Theater. Siffbauerdamm 3—5. Direktion : Sigmund Lautenburg.

Freitag : Jugend. Ein Liebesdrama von Mar Halbe. Anfang 7+ Uhr. :

Sonnabend: Zum 1. Male. Der Amerika- fahrer. Scerzspiel in 3 Akten von Mar Halbe. s n gefeßt von Sigmund Lautenburg. Anfang

k.

Sonntag, Montag, Dienstag: Der Amerikga- fahrer.

Viktoria-Theater. Belle - Alliancestraße 7/8. Freitag: Mit vollständig neuer Ausstattung. Die Kinder des Kapitän Grant. Ausstattungs\tü> mit großem Ballet in 12 Bildern. Anfang 7 Uhr.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, ermäßigte Preise: Lumpaci vagabundus, oder: Das lieder- E MIEevinE, Zauberposse mit Gesang und

allet.

Theater Unter den Linden. Freitag: Der Oberfteiger. Operette in 3 Akten von M. regu L. Held. Musik von C. Zeller. Anfang (5 Ti

Adolph Ernft-Theater. Freitag, 74 Uhr. Charley’s Taute. Schwank in 3 Akten von Brandon Thomas. -— Vorher: Die Bajazzi, Parodistise Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobson. Musik von Franz Roth. In Scene geseßt von Adolph Ernft.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. E: Zum 6. Male. Herr Coulifset. Schwank in 3 Akten von Blum und Tos. Hierauf: Zum 41. Male. Berlin 1893, Revue in 2 Abtheilungen von L. Leipziger. Anfang der Vorstellung 74 Uhr. ä

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Konzerte.

Sing-Akademie. Freitag, Abends 8 Uhr: Lieder-Abend von R. von Zur-Mühlen.

Konzert-Haus. Freitag: Karl Meyder- Konzert. Ouv. „Die diebische Elster“ von Rossini. „König von Yvetot* von Adam. Ung. Tänze Nr. 5 u. 6 von Brahms. „Klänge ans Schlesien“, Walzer von Vilse. 1. Ung. Rhapsodie für Violine von

Haufer (Herr Neumann). The lost shord für Piston von Sullivan (Herr Werner).

F Fier unter Leitung des Hofschauspielers Herrn Dehnike. : Villets im Bureau des Hauses.

Saal Bechstein. Freitag, Abends 7&4 Uhr: Konzert der Sängerin Maria Antonietta Palloni aus Rom, unter gütiger Mitwirkung der Herren Ruggiero Leoncavallo und Augustin Rubio (Cello).

Zirkus Renz (Karlstraße). 74 Ubr: N

D Auf vielseitiges Verlangen. “Fg Wieder- holung der Ge Keltporsietuna von Kaisers Ge- burtstag. ala-Festaufzug, arrangiert und insceniert vom Direktor Fr. Renz, ausgeführt vom gesammten Fels, erner der ostpr.. Hengst Blondel und

onstre-Tableau von 60 Pferden, vorgeführt vom Direktor Fr. Renz; Pas de deux, geritten von Miß Rose und Mr. Franconi; Auftreten der Schul- reiterin Frl. Oceana Renz; die Akrobaten auf dem Telephondraht Zalva, Espana und Alvar x. Zum Schluß:

Ein Künstlerfeft. mit festli<hem Pracht, Feuerwerk. Sonnabend : Ein Künstlerfest. Sonntag: Zwei Vorstellungen, Nachm. 4 Uhr (1 Kind frei) und Abends 74 Uhr.

P E R E S R E E E D E v2 B A E E 2 E O T

rFamilien-Nachrichteu.

Geboren: Ein Sohn: B Major a. D. Caspar Grafen von Korff, gen. Schmising- Kerssenbro| (Schurgast). Hrn. Frhrn. von Langermann und Erlencamp (Zaschendorf). —- Hrn. Prem.-Lieut. von Conta (Kiel). Hrn. Real-Schullehrer Dr. Richard Borges (Leipzig). Hrn. Regierungs-Rath von Haugwiß (Breslau). Eine Tochter: Hrn. Kammerherrn und Geh. Ober-Regierungs-Rath Andreas Grafen von Bernstorff (Berlin). Hrn. von Schult (Vashwiß auf Rügen).

S E aria von Fabe> (Weimar). Hr. Frhr. Bruno von Alten (Osnabrü>k). Hr. Steuer-Rath Friß Pape (Beetendorf i. d. À.). Hr. Oberst Ernst von Scholten (Schwerin). Or. Hauptmann a. D. Leopold Diener (Thorn). Hr. Prem.-Lieut. Eberhard von Stutterheim (Oldenburg). NReichsgräfin Wilhelmine von und zu Westerholt u. Gysenberg (Köln). Hr. Geb. Ministerial-Rath Adolph Schröder (Schwerin). Frl. Emilie von Wulffen (Hirschberg).

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: ———— n Verlag der Expedition (Scholz).

Dru der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlags- Anstalt Berlin SW., Wilbelmstraße Nr. 32,

Sechs Beilagen (einshließlih Börsen-Beilage),

und das Verzeichuiß gekündigter Schlesischer Pfandbriefe.

Freitag: Abends

zun Deutschen Reichs-Anz

M 28.

Deutscher Reichstag. 39. Sißung vom Mittwoch, 31. Januar, 1 Uhr.

Ueber die Rede des Abg. Dr. von Frege (dkons.), der bei der Fortseßung der Berathung des Geseßentwurfs über die anderweite Ordnung des Finanzwesens des Reichs zunächst das Wort hatte, ist bereits in der Nummer vom Mittwoch berichtet worden. Nah dem Abg. Dr. von Frege nimmt das Wort der

Präsident von Leveßow: Der Vorredner hat sih im Verlauf seiner Rede eines Vergleihs mit Bezug auf ein anderes Mitglied des Hauses bedient, den ih für parlamentaris< nicht halte.

Staatssekretär Dr. Graf von Posadowsky:

Meine Herren! Als vorgestern der Herr Abg. Lieber namens des Zentrums seine Erklärung abgab, begann er sie damit, daß er im vollsten Gegensaß zu meiner Auffassung stehe, inhalts deren die Matrikularbeiträge reihsverfassungsmäßig nur einen Nothbehelf dar- stellen sollten, bis das Reih von seinen eigenen Einhahmen leben könnte. Meine Herren, ih kann für meine Auffassung einen klassischen Zeugen anführen, den Fürsten Bismar>, und ih glaube, Sie werden anertennen, daß, wenn es si< um die Interpretation von Bestim- mungen der Reichsverfassung handelt, wenn es sich darum handelt, festzustellen, was man sih< bei Erlaß der einzelnen Bestimmungen der Reichsverfassung gedaht hat, so wird sein Urtheil au< heute no< {wer ins Gewicht fallen. Fürst Biêmar>k hat am 10. Mai 1877 gesagt:

Ich erstrebe nur die Verminderung der Matrikularbeiträge wenn es sein kann, die gänzlihe Aufhebung derselben.

Die Meinungsverschiedenheit zwishen Herrn Dr. Lieber und mir ist indeß nur eine rein akademische. Nach der Vorlage follen die Matrikularumlagen bestehen bleiben, es soll au<h die clausula Frandenstein bestehen bleiben, und das Zentrum hat ausdrü>lih erklärt, daß es die clausula Frandenstein erhalten wissen will ‘in ihrer staatsrehtlichen und wirthschaftlihen Bedeutung. Das if ganz der Gedanke des Reichs-Finanzgeseßes und der Auffassung, der auch, nah der „feierlihen Erklärung des Herrn Dr. Lieber, das Zentrum huldigt. Ich gebe daher au heute noh nicht die Hoffnung auf, daß wir Mittel und Wege finden werden, uns mit dem Zentrum zu einigen in unserer Auffassung, um zu einer gedeihlichen Lösung der Finanzreform in Deutschland zu gelangen.

Meine Herren, nun wende ih mi< zu dem Herrn Abg. Nichter, und es thut mir wirkli in der Seele weh, daß ih ihn nicht auf seinem Playe sehe. (Heiterkeit.) Herr Richter hat gesagt, ich hätte mich do getäusht in der Vorausseßung, daß wir durch Ablagerung dieser ganzen Reformvorlage in der öffentlichen Meinung gewinnen würden, und er sagte wörtlich:

Mir if keine Versammlung, kein Verein, kein Parlament bekannt, wo auch nur die kleinste Resolution zu dieser Vorlage an- genommen wurde.

Nun, meine Herren, ih behaupte dem gegenüber, daß ein erheh- liher Theil der angeschensten deutshen Presse sih für diese Finanz- vorlage ausgesprochen hat. Ih weise ferner darauf hin, daß dret angesehene Parteien des preußischen Abgeordnetenhauses \ich einftimmig auf den Boden der Finanzreform gestellt haben, und daß auch der Redner des Zentrums, sowohl im Abgeordnetenhause, als hier im Reichstag, erklärt hat, das Zentrum ftehe der Finanzvorlage nit prinzipiell feindlih entgegen.

Wie Resolutionen zu stande kommen und wie öffentliche Meinung gemacht wird, das wissen wir. Dafür will i< Ihnen jeßt einmal einen kleinen interessanten Beweis erbringen. Zuerst hieß es, es müßten 100 000 Zigarrenarbeiter bei Erlaß des Fabrikatsteuergeseßes entlassen werden, angebli fast soviel, als es überhaupt versiherungs- pflichtige Zigarrenarbeiter giebt. Es ershien nun später im „Casseler Tageblatt“ ein Eingesandt, das Folgendes sagte :

So sind von seiten eines der größten deutschen Fabrikanten, Biermann, im Hinbli> auf die drohende Steuervorlage 2000 Roller und ebensoviel Hilfsarbeiter entlassen worden.

Ich muß sagen, als i< das las, fuhr mir ein gelinder Schre>en durch die Glieder, also 4000 Arbeiter von einer Fabrik auf einmal entlassen. Ich las es nämli in der „Freisinnigen Zeitung“, die sofort triuumphierte und den Finger darauf legte und sagte: „da sieht man, wiè {hon das drohende Geseß wirkt auf die Tabatindustrie“. Man hatte von Cassel aus aber zwei Tage darauf die Güte, mir eine förmliche öffentlihe Erklärung derselben Firma zu übersenden, in welcher es wörtlih heißt:

Es ift von uns nicht ein einziger Arbeiter wegen Mangels an Beschäftigung ‘in jetziger Zeit entlassen oder in seiner Arbeit beschränkt worden.

Meine Herren, dieser Wildente folgte also der Iäger auf dem Fuße. (Heiterkeit.) Der Herr Abg. Bachem hat ferner gesagt, es wäre unrihtig, was der Herr Finanz-Minister vorgebracht hat , daß breite Volksklassen für die Besteuerung des Weins als Luxusgetränk

eingenommen seien; das seien Volkskreise, die Florians-Politik trieben,

die breiten Volksklassen, die weder Wein bauen noch trinken. Ich bin in der glü>lihen Lage, den Gegenbeweis gegen Herrn Bachem führen zu können. In der „Frankfurter Zeitung“ klagt ein Korre- spondent von der Mofel, es sei eine bedauerlihe Thatsache, daß in dem Kampfe gegen die gemeingefährliche Weinsteuer Winzer in Piesport und Monzel eine Sonderstellung einnehmen ; sie sendeten eine gedru>te Petition im Lande herum, in der nah Möglichkeit gegen den Weingroßhandel geheßt, eine Steuer auf verbesserte Weine und Schaumweine geradezu gefor- dert und zuglei<h das Verlangen gestellt wird, den Deklarationszwang für Weine wieder einzuführen. Alfo die Winzer, die angeblih so geshädigt werden dur die Weinsteuer, haben \i< erlaubt, für die Weinsteuer zu agitieren. Ferner die Handelskammer in Köln erklärt in einer dem Reichstag eingereihten Petition : Was die grundfäßliche Beurtheilung der gegenwärtig seitens der Reichsregierung in Vorschlag gebrahten Steuern anbetrifft, so

Erste Beilage

Berlin, Donnerstag, den 1. Februar

stehen wir nit an, sowohl den Wein als au<h den Taba> als geeignete Steuerobjekte anzuerkennen, weil Auf-

wandsteuern folher Art nit nur den nothwendigen Lebensbedarf

der unbemittelten Klassen s{onen und von diesen verhältnißmäßig leiht getragen werden, sondern auch bei zwe>tentspre<hender Ein- rihtung große Erträge in Aussicht stellen.

Daß die Handelskammer in Stuttgart si< für die Weinsteuer ausgesprochen hat, hatte ih bereits mitgetheilt. Wenn aber einmal eine Handelskammer zu Gunsten der Regierung eintritt, dann heißt es gleich: ja, das “hat nicht viel Werth; und so ist denn auch sofort gegen die Handelskammer in Stuttgart angeführt worden, sie habe nur die Lizenzsteuer gefürhtet und, um die zu vermeiden, habe sie sih ge- sagt, es sei besser, die Weinsteuer einzuführen, wie sie die Regierung vorgeshlagen hat. Ich glaube, Sie thun mit solhen Erklärungen der Autorität der Handelskammern und dem Glauben, den Sie den Gutachten der Handelskammern sonst beizumessen pflegen , keinen re<ten Gefallen. Daß die Herren Mitglieder der Handelskammern Wein trinken, dürfte wohl “nit zweifelhaft sein.

Weiter ist gesagt worden von dem Herrn Abg. Bachem: au die Leute, die Wein bauen, werden nit eintreten für die Wein- steuer, die haben eine ganz andere Ansicht über diese Steuer. Da habe i< ein Dokument vor mir, eine Petition von Winzern und Interessenten aus dem Saale- und Unstrutthal, die dem Reichstag vorliegt, dort heißt es wörtlich:

Auf den ersten Bli> erscheint der Plan der Besteuerung des Weins, eines Luxusgetränks, als ein wirklihes Bedürfniß; von dem größten Theil der NReichsbevölkerung ist es auf das lebhafteste begrüßt worden. (Zuruf.)

Ja wohl, meine Herren, das ist eine Weingegend; die Wein- produktion an der Unstrut ist beträchtlich. (Sehr ridhtig! re<ts. Zuruf links.) Sie spielt in der That eine erhebliche Rolle in diefer Gegend für die Champagnerfabrikation. (Sehr richtig! re<ts.)

Meine Herren, der Herr Abg. Nichter hat ferner gesagt: wenn Fürst Bismar> neue Steuergeseße gema<ht hätte, dann hätte er sie au in den Mantel der großen Steuerreform gehüllt, er hätte sie aber au<h s\tets mit Ueberweisungen zum Erlaß von Landesfteuern verbunden. Nun frage i< Sie: is denn dieses Finanzreformgeseßt nit ganz dieselbe Sahe? Liegt denn in der Ueberweisung eines pauschalierten Betrags von 40 Millionen niht eine Ueberweisung an die Einzelstaaten und indirekt ein Steuererlaß vor? Wo sollen, wenn die Ueberweisungen aus der clausula Fran>enstein fortfallen, die Beträge für die Einzelstaaten herkommen, aus denen fie bisher die Lasten gede>t haben, die sie auf Grund der Ueberweisungen neu übernommen haben? Die natürlihe Konsequenz ist doch, daß die Einzelstaaten neue Steuern werden erheben müssen; und daß sie das thun werden, habe ih bereits in Prozenten für die einzelnen Staaten nachgewiesen, das haben Sie auh heute von Herrn von Frege gehört.

Es ist dann wieder gesagt sowohl vom Herrn Abg. Richter wie vom Herrn Abg. Bachem, die Hauptausgaben im Reich sind folhe für Militär und Marine. (Sehr rihtig! links.) Es wäre Zeit, Halt zu machen auf dem Gebiete des Militär- und Marine-Etats. Ja, meine Herren, glauben Sie ‘denn, daß die verbündeten Regierungen es ni<t au< vorziehen würden, die ungeheuern Summen, die die Erhaltung unserer Wehrkraft erfordert, zu verwenden zur Förderung der Landeskultur, für Kunst und Wissenschaft, für humanitäre Zwe>ke? Wir sind zu steigenden Militärausgaben gezwungen worden dur<h den fortgeseßten Konkurrenzkampf der militäris<hen Macht- entwi>elung in Europa. (Sehr richtig! re<ts; Zurufe links.) Das sind niht willkürli<he Maßregeln. Sollen wir in Deutschland zuerst etwa unsere Rüstungen ablegen und auf den Edelmuth der anderen Völker spekulieren ?! “(Sehr gut! rets.) Das werden Sie uns niht zumuthen wollen. Es is in der That kein zu- fälliger Umstand, daß seit den Zeiten der alten Deutschen Kaiser Deutschland bei weitem die größten militärishen Auf- wendungen hat machen müssen gegenüber den übrigen Staaten Europas. Das liegt eben in der unglü>lichen geographischen Lage Deutschlands (sehr richtig! re<ts), und das können wir ni<ht ändern. Geben Sie uns die glü>lihe Lage Frankreichs, die isolierte Englands, und der Militär-Etat wird sofort zusammens<rumpfen.

Meine Herren, es wird ferner gesagt: man hat immer im Namen der Einzelstaaten die neuen Reichs\teuern eingeführt; nahher hat man den Ertrag den Einzelstaaten entzogen und dem Neich zugeführt in der Form einer Erhöhung der Matrikularbeiträge; und es ist ferner von dem Herrn Abg. Dr. Bachem die Frage gestellt worden :

Die Finanzreform foll auf fünf Jahre erfolgen, die neuen Steuern follten dauernd sein. Denkt man etwa die neuen Steuern nach fünf Jahren wieder abzuschaffen?

Meine Herren, schaffen Sie doh dagegen im Geseß Kautelen- die verbündeten Negierungen werden Ihnen darin sehr gern entgegen- kommen. Wir wollen bet dem Finanzreformgesez keinen geheimen Segen haben. Wir wollen ganz loyal nihts Anderes, als die De>ung der Kosten der Militärvorlage und die Stabilisierung des gegenseitigen Finanzverhältnisses zwischen Reih und Einzelstaaten. Also Sie haben nicht [zu befürchten, daß wir etwa einen geheimen Fonds für künftige Ausgaben sammeln wollen. Seten Sie, ih wiederhole es, die nöthigen Kautelen in das Geseß hinein, die verbündeten Regierungen dürften keinen Einwand dagegen haben.

Es ist ferner von dem Herrn Abg. Dr. Bachem gesagt, der Aus- gleihsfonds würde sehr bäld seiner eigentlichen Bedeutung entzogen werden. Da muß der Herr Abg. Dr. Bachem von der Ansicht aus- gehen, daß die verbündeten Regierungen etwas thun würden, was absolut ungeseßli<h wäre. Denn im Gefeß steht ausdrüdlih drin, daß dieser Reservefonds nur verwendet werden darf einestheils zur De>kung von Fehlbeträgen aus den Vorjahren, und andererseits eventuell, wenn er einen bestimmten Betrag überschreitet, zur Schuldentilgung. Es is mir von dem Herrn Abg. Nichter sowohl wie von Herrn Dr. Bachem wieder eine Tabelle vorgerü>t worden über die Einnahmen, die das Deutsche Reich in den nähsten fünf Fahren

eiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

1894,

vorauss\i<tli< erwarten kann; fo lautet die Veberschrift dieser Tabelle. Ich glaubte, diese Sahe wäre dur die Erörterungen bei Gelegenheit der Etatsberathung bereits abgethan- gewesen. Diese unglüd>lihe Tabelle * wird mir immer wieder “&Horgeführt, wie Banquo's Geist. Es if ceigenthümli®, meine Herren, daß diese Tabelle zweifellos in Ihren Augen den Charakter eines Dogmas hat, und ih wünshte wirkli<h, Sie würden den anderen Erklärungen der verbündeten Regierungen mit dem gleichen Autoritätsglauben gegen- übertreten. Aber die Finanzreform, die auf ‘einem einstimmigen Be- {luß der verbündeten Regierungen beruht, hat der Herr Abg. Richter gestern ein Stü>k Löschpapier genannt. Also der Herr Abg. Richter wiederholt jeßt, was er bereits bei der Etatsdebatte gesagt hat: „Die Einzelstaaten follten verzihten auf alle natürlihen Mehreinnahmen aus Zöllen und Verbrauchssteuern, die ih sonst für sie -aus ‘der Fran>enstein’s{hey Klausel ergeben würden. Diese Vermehrung der Zölle und Steuern is also” auf 114 Millionen von Herrn von Malyahn geshäßt worden, und es gehen bloß 38 Millionen ab, welhe auf die vermehrten Ausgaben kommen, es bleiben alfo 76 Millionen übrig“; und Herr Dr. Bachem sagt: „Wir wissen ferner, daß die zukünftige Gestaltung der Reichs- einnahmen erhebli< günstiger sein wird. Herr von Malgzahn berechnete, daß das Mehr der eigenen Ein- nahme des Reichs in der fünfjährigen Periode bis 1899 um 24 Millionen

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| steigen wird.“ Nun, meine Herren, es ist richtig, es ist eine Tabelle

der Militärkommission vorgelegt worden, in der gesagt ist: es könnten in den nähsten fünf Jahren vielleiht erwartet werden 24 Millionen eigene Einnahmen und 89 Millionen Neberweisungs- steuern, macht 114 Millionen. Zunächst muß ih doch darauf ein- wenden, daß diese 114 Millionen nicht da sind, daß sie nur sih allmähli< verbreiternd eingehen könnten bis zum Schlusse des OQuinquenniums dur die natürliche Steigerung der Einnahmen über- haupt. Dem gegenüber aber stehen, wie der Herr Abg. Richter sagt, 385 Millionen auf gesetzlicher Verpflichtung beruhender Ausgaben, das ist die Steigerung des Pensionsfonds, Schuldenzinsen und Zuschüsse zur Alters- und Inbaliditätsversicherung. Ih habe bereits bei Gelegenheit der Etatsdebatte hervorgehoben, daß das niht mehr 38 Millionen sind, sondern hon, na< dem Ihnen vor- liegenden Etat, 41 Millionen, und ih mache ferner darauf auf- merksam, daß die Steigerung aus den Reichszushüssen für die Invaliditäts- und Alte#versicherung allein auf 30 Millionen in der Militärkommission bezeichnet ist. Ich glaube aber , meine Herren, diese Steigerung wird größer sein; denn Sie wissen, daß erfahrungs- mäßig die Kenntniß eines Gesetzes erst sehr allmähli<h in das Be- wußtsein der Bevölkerung heruntersi>ert, und in der That ist die Kenntniß von den Segnungen des Alters- und Invaliditätsgesetzes in weiten Kreisen der Bevölkerung noh nicht fo bekannt, und ih glaube deshalb, der Anspru, nämentlih auf Invalidenrente, wird \ih in Zukunft sehr erheblih steigern.

Meine Herren, wie steht nun das Nechenerxempel, das hier zu machen ist? Es sind no< 10 Millionen auf die Militärvorlage rü>- ständig ; 41 Millionen betragen die festen Ausgaben, die die Herren Abgg. Nichter und Bachem auf 38 Millionen taxieren. Das macht alfo thatfählih jeßt 41 Millionen + 10 Millionen, also 51 Millionen. Würdeng wir also am Schluß des Quinquenniums wirkli<h eine Steigerung der Einnahmen aus Zöllen und Steuern bis auf 114 Millionen bekommen, fo blieben no< 63 Millionen verfügbar, mit anderen Worten 12 bis 13 Millionen Steigerung für alle neuen Ausgaben pro Jahr, wenn man die Ausgabesteigerung zu gleihen Theilen auf die 5 Jahre vertheilt; alfo 12 bis 13 Millionen jährli< für neue Ausgaben, die dur< das Anwachsen der Bevölkerung entstehen, durh die Steigerung der Preise und durch die do< immer von Zeit zu Zeit eintretenden Besfoldungsverbefserungen der Beamten. Wie. liegt es aber thatsächlich gegenüber diesen Konjunkturen, die damals in der Militärkommission aufgestellt sind? Wir stehen in diesem Jahre {hon vor einem Defizit von 534 Millionen. Hierzu kommen 10 Millionen Rückstand aus der Militärvorlage; das macht 631/3 Millionen. Es würden also von den 114 Millionen nicht 63 Millionen verfügbar; bleiben, sondern nur 502/z Millionen, oder pro Jahr ein verfügbarer Betrag von 10 Millionen, um den si die Ausgaben steigern würden. Gegenüber dieser Tabelle aber, die immer von neuem hier ins Gefe<t geführt wird, muß i< wiederholt auf die Erklärung zurü>kommen, die seitens des Vertreters des NReichs-Schaßamts thatsähli< in der Militärkommission abgegeben worden ist. Der Vertreter des Reichs-Schazamts hat in der Militär- kommisfion erklärt :

Es komme demgegenüber in Betracht, daß bis zu dem Etatsjahr 1898/99, au< abgesehen von den eben erwähnten be- kannten Mehreinnahmen, si< auf einen erheblihen Zugang von De>ungsmitteln mit Sicherheit re<hnen läßt. Derselbe dürfte, unter Zugrundelegung der bisherigen Erfahrungen, mit 70 Millionen Mark über die Etatsansätze für 1893/94 hinaus keineswegs hoh ge- {äßt sein.

Also hier schon niht 114 Millionen, fondern nur no< 70 Mil- lionen, und diese 70 Millionen Steigerung erst allmählih im Laufe von fünf Jahren. Stellt man dieser Erklärung des Reichs-Schazamts gegenüber die Ausgaberehnung auf, so ergiebt fi< 531/z Millionen Defizit in diesem Etat, 10 Millionen Rückstand für die Militärvorlage und meine Herren, hier das amtliche Maáterial liegt mir vor und steht Ihnen jeden Augenbli> zur Ver- fügung die hohe Wahrscheinlichkeit, daß in diesem Rechnungs- jahre die Ueberweisungen von Zöllen und Steuern an die Einzelstaaten um 10 Millionen zurüd>tbleiben werden hinter dem Etatsanschlag. Rechnet man diesen Ausfall no< hinzu, so ist ein Defizit vorhanden von 734 Millionen, also {on 34 Millionen mehr, wie vom Reihs-Schakamt in der Mislitär- kommission als mögliche Steigerung der eigenen Einnahmen des Reichs und der Ueberweisungssteuern im Laufe von fünf Jahren geshägßt ift, mit anderen Worten: keine Latitüde mehr für irgend welche neue Ausgaben.