1894 / 39 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Abg. Auer (Soz.): Der Antrag Bassermann is eine Ver- ihlechterung des bisherigen Zustandes und daber unannehmbar. Will man den Vorschlag nicht, îo muß die Sache überhaupt anders angefaßt werden.

(Schluß des Blattes.)

Das Herrenhaus trat heute um 2 Uhr zu seiner 4. Plenarfizung zusammen, welher der Minister der geist lichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse heiwohnte. : :

Der Prâäsident Fürst zu Stolberg-Wernigerode theilte zunähst mit, daß Seine Majestät der Kaiser und König bei der Gratulationscour zu Allerhöchstseinem Geburtstage die Glückwünshe des Präsidiums des Herren- hauses huldvollst entgegengenommen und den Präsidenten be- auftragt habe, dem Herrenhause Allerhöchstseinen Dank dafür auszusprechen. L / : S

Sodann machte der Präsident S RUGe Mittheilungen.

Zu Ehren des verstorbenen Mitglieds, des Gencrals der Kavauerie z. D. Grafen von der Gröben -Neudörfchen erhob fih das Haus von den Sizen. :

In die ftatistishe Zentralkommission wurden die Herren Dr. Hinschius, von Alvensleben und Fttenbach gewählt.

(Schluß des Blattes.)

Auf der Tagesordnung der heutigen 15. Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Justiz - Minister Dr. von Schelling und der Finanz-Minister Dr. Miquel beiwohnten, ftand die Fortsezung der zweiten Berathung des Staatshaushalts - Etats für 1894/95.

Bei dem Etat des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, und zwar bei den Ausgaben für nicht aversionierte Pofstporto- und Gebührenbeträge c. be- spricht .

Abg. Mobr-Altona (nl.) das preußishe Konsulatswesen und meint, die Konsulatsberihte seien zu eingehend und verrietben durch die Bekannimachung von Einzelheiten sogar Geschäftsgeheimnisse vor aller Welt. Besser wäre es, die Berichte nit im Handelsarchiv zu veröffentlihen, sondern fie an einer Zentralstelle zu sammeln, wo fie eingesehen werden fönnten. Die Berichte follten ferner alle nach einem einbeitliben Svyftem aufgestellt werden.

Wirklicher Geheimer Legations - Rath Reichardt: Der Vor- redner bat nicht Dinge besprochen, die zum Geschäftsbereih des Aus- wärtigen Ministeriums gehören, fondern solche, die zum Auswärtigen Amt des Reichs gehören. Die Konsuln erstatten Jahresberichte mit allem möglichen ftatiftisden Material. Nebenher gehen besondere Berichte über wirthshaftlihe Verbältniffe. Diese wurden im Handels- archiv veröffentliht. Die Berichte boten zu viel oder, wenn sie zu- sammengeftrihen wurden, "zu wenig. Jett werden nur thatsächliche Mittheilungen veröffentliht : Berichte, wie die deutsben Interefsenten beffere Geschäfte mahen und neue Beziehungen anknüpfen können, werden den Interessenten zugänglich gemacht, den Handelskammern u. f. w. Bei diesem Verfahren liegt die Gefahr, daß das Ausland aus den Berichten Vortbeil zieht, sehr fern; namentlich ift die Gefahr bezüglich der Jahresberihte fehr gering. Jedenfalls baben wir mebr Vortheile von den englishen oder französishen Berichten. Von dem Handelsarchiv hat man im Ausland wobl kaum Kenntniß.

Der Titel wird bewilligt.

(Schluß des Blattes.)

In der Reich3tagsfkommission zur Berathung der vom Zentrum beantragten Novelle zur Konkursordnung wurde geftern Abend auf Antrag der Abgg. Dr. Rintelen und Schwarze (Zentr.) in § 54 der Konkursordnung (bevorrechtigte Forde- rungen) folgender neue Absatz eingeschaltet: „DieForderungen der Werkmeister, Handwerker und Arbeiter für die von ibnen zur Herstellung oder Wiederberstellung eines Gebäudes gelieferten Arbeiten und gemahten Lieferungen ; das Vorretht gilt nur für die Forderungen

aus den leßten sechs Monaten vor der Eröffaung des Konkurs- verfahrens, sowie für solche Forderungen aus der Zeit vor Eröffnung des Konkursverfabrens, welche innerhalb sechs Monaten nah der Fälligfeit rechtshängig geworden und bis zur Eröffnung des Ver- fabrens gerihtlich verfolgt find, und beshränkt fih auf den F S ararnasse fließenden Erlös aus den betreffenden unbewegli

Der Abg. Hirschel (d. Refp.) hat im Reichstage in Form eines Gefeßentwurfs folgenden Antrag zur Abänderung des Zoltarifs eingebraht : Der durch Bekanntmahung vom 24. Mai 1885 (Reichs- Gesebl. S. 111) veröffentlihte Zolltarif wird in nachstehender Weise abgeändert : In Nr. 13 (Holz und andere vegetabilische und animalische Schnibstoffe, sowie Waaren daraus) wird hinter Position b (Holz- borte und Gerberlobhe) eingeschaltet: bb. Quebrachoholz für 100 kg 10 M

Kunft und Wissenschaft.

Der französishe Schriftsteller Marime Du Camv ist, wie die M. „Allg. Ztg.“ meldet, am 8. d. M., an seinem 72. Geburts- tage, in Baden-Baden verstorben. Er war Mitglied der fran- zöfischen Akademie, Dichter, Historiker, Politiker und Reiseschriftsteller. Bon feinen zahlreihen Werken seien angeführt: „Le Nil ou lettres sur l’Egypte et la Nubie“, „Paris, ses organes,. ses fonctions ei 8a vie“. „Les convulsions de Paris“ (Geschichte des Rommune- Aufstandes), La charité privée à Paris“. „La croix rouge en France“.

Mannigfaltiges.

Ueber die Verheerungen durch den orkanartigen Sturm, dessen Heftigkeit seit dem gestrigen Tage in ganz Europa endlich na- gelaffen zu baben scheint, liegen heute folgende Nachrichten vor :

Luckenwalde, 12. Februar. Heute Nachmittag wurden durch den Sturm mehrere Fabrikschornsteine" umgestürzt. Der Schornstein der Hutfabrik von D. Cohn u. Amendt fiel auf das Fabrikgebäude und durchs{chlug Dach und Mauern. Von den in der Fabrit beschäftigten Arbeitern, Männern, Frauen und Mädchen, wurden der „Voss. Ztg." zufolge zehn getödtet und drei {wer verleßt. Beim Zufammensturz tes Schornsteins der Karl Steinber’schen Fa- brik wurden drei Personen verwundet. Auch in der Neumann’schen Fabrik wurde der Schornstein umgeworfen.

Königsberg i. Pr., 13. Februar. „W. T. B.* meldet : Durch den gestrigen orfanartigen Südweststurm, welcher, wie bereits ge- meldet, den Pregel anstaute, wurden Haffeis und Hölzer von Kosse aus in dei Pregel getrieben, welher gestern den böchsten Wasserstand seit dem Jahre 1801 erreichte. Außer der Grünen Brücke sind auch die übrigen Brücken theilweise selbft für Fußgänger gesperrt. Bei dem Versuch, ihre Keller zu verstopfen, verloren drei Hausbesizer das Leben; dreizehn Hinterhäuser mußten vollständig geräumt werden. Der an Bäumen angerihtete Schaden ist sehr groß. Heute Mittag trat beftiger Schneefall ein, Nachmittags war langfames Fallen des Wassers bemerkbar.

Neustreliß, 13. Februar. Der gestern tobende Weststurm hat überall im Lande an Gebäuden, in Gärten 2. großen Schaden ange- richtet. Auf dem biésigen Marftplaß wurde eine Frau vom Sturme zu Boden geschleudert und im Gesicht erheblich verletzt.

Neubrandenburg, 13. Februar. Der neue Thurm der Johbanniskirche wurde laut Meldung des „W. T. B.* gestern vom Sturm bis auf die Höbe des Kirhdaches binabgestürzt. Derselbe {lug im Fallen auf die neuerbaute Ostgiebelwand der Kirhe und zerbrach in zwei Theile, die auf vershiedenen Seiten der Kirche nieder- gingen. Das Kirchdach ift erheblich beschädigt : Menschen wurden nicht verleßt. 5

Schwerin, 12. Februar. Den „Meckl. Nachr.“ wird geschrie- ben : Am Sonnabend Abend entlud fih zwischen 6 und 8 Ubr ein so starkes Gewitter über unsere Stadt, wie es bei jeßiger Jahreszeit zu den Seltenbeiten gehört. Grell leuchtende Bliße fuhren hernieder, gewaltige Donnershläge ertöônten und dabei tobte der Sturm und jagte Hagel- und Schneeshauer vor sh her. Paffanten der Straße

. Naht noch an Stärke zugenommen.

waren von den Blizen auf Augenblicke ganz geblendet und meinten, ves Ee G ine ORRLE E. lis e egangen fein. müßten. n werin nicht ite, aber es d durh die Leitung des Domthurms Blige herabgeführt. sab, wie zwei in furzen Zwischenräumen erscheinende Blite in die Spiße des Domthurms fuhren. Beide Male fiel von der Spiße des Thurms ein Funkenregen, \fih langfam bis zur Mitte des Thurms in s\üdöstliher Richtung berabsenkend, wo alsdann die Funken erloshen. Unweit Lankow wurde ein Landbriefträger vom Bliyz derart geblendet und betäubt, daß er eine Zeit lang ohne Be. finnung blieb und fi auf seinem Rückgang etwa 14Stunde verspätete. Der Sturm, wel sich ¿Fitern Vormittag ein wenig gelegt haite, segzte am Nachmittag von Neuem ein und hat namentlich in leßter Der holländishen Windmühle zu Tannenbhof wurde am Sonnabend Nachmittag ein Flügel ab- gedrückt. Im Scloßgarten wurden mehrere Bäume entwurzelt ; am Kreuzkanal is eine mächtige Linde niedergebrohen, der Baum ift in unmittelbarer Näbe einer Statue. Das Dach des Doms ist auf vershiedenen Stellen abgedeckt, auch sind Fenster niedergefallen. Heute Mittag wütbete der Sturm mit besonderer Heftigkeit. Die Leute vermocten sfih kaum auf der Straße zu halten. Jn der Fris Reuterstraße hob der Sturm das Pappdah von einem Hause und warf es krahend auf die Straße. Bei dem gewaltigen Sturze zer- trümmerte dasselbe an den gegenüberliegenden Häusern viele Fenfter und riß stellenweise den Puß von der Wand. Die Straße wurde gesperrt. An dem Gebäude des Realgymnasiums sind von den aus Mauersteinen unterhalb des Daches als Verzierungen aufgemauerten Figürden einige beruntergerissen worden. Von dem Bootshause des Nuderklubs „Obotrit“ ist der eine Thurm, welcher beim Erweite- rungêbau in diesen Tagen nah dem Ende des Anbaues verseyt war, umgeweht und zerbrohen. Am Nachmittag flaute der Wind etwas ab und es trat ein wenig besseres Wetter ein. _

Curhaven, 13. Februar. Die Mannschaft des gestrandeten dänishen Shooners „Ellida® wurde heute früh durch ein Rettungsboot hier gelandet; ein Schiffsjunge ift geftorben. Diz Mannschaft der gestrandeten englishen Bark „Lake Simcoe“ wurde wohlbehalten durch den Sch lepper „Goliath“ gelandet. Es wird versucht, die Ladung der beiden Schiffe zu bergen. :

Kopenhagen, 13. Februar. Die . Barke „Elisabeth Rickmers", Kapitän Lubes, aus Bremerhaven, ist wie „W. T. B.“ meldet, geftern Nachmittag bei Haverviig (Westjütland) gescheitert. Die aus neunzehn Mann bestehende Besatzung wurde durch den Rafketen- aoparat gerettet. : :

Stockholm, 14. Februar. Der seit Sonntag Abend herrschendz Sturm verursachte in mehreren Ortschaften bedeutenden Schaden und sogar Ueberschwemmungen. Eine Ortschaft Walduzh- Waldemarsvik ist zum theil unter Waßer, bisher wurde jedo kein Unfall von Perfonen gemeldet.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Paris, 14. Februar. (W. T. B.) Wie in parlamen- tarishen Kreisen verlautet, beabsichtige eine Anzahl Deputirter einen Antrag auf Geheimhaltung der Verhandlungen in Anarchistenprozessen einzubringen, da die Oeffentlich- keit eine gefährlihe Reklame bilde.

Madrid, 14. Februar. (W. T. B.) Nach hier ein- getroffenen Meldungen aus Tanger habe bei der am 9. d. M. veranstalteten dritten Konferenz zwischen dem Marshall Martinez Campos und dem Groß- vezir der leßtere sich geweigert, die Zahlung der Ent- shädigungssumme durch die Zolleinnahmen, die unter spanische Kontrole gestellt werden sollten, zu garantieren. Der Großvezir werde über diese Frage zunächst dem Sultan Be- richt erstatten.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

cht vom 14. Februar, r Morgens.

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1) Geftern und Nachts Schneeshauer. 2?) Nach- mittags und Abends Grauveln. ?) Gestern Gewitter und Schneefturm. t) Gestern Regen und Sbnee. E Nachts Schnee. 6) Nebel. 7) Reif, geftern Schnee und Hagelschauer.

Uebersicht der Wikterung.

Das barometrishe Minimum, welhes geftern am AFinishen Busen lag, ift ostwärts nah dem Innern Rußlands verschwunden, während über Weft-Europa ein Hochdruckgebiet lagert, welches oftwärts fort- zuschreiten scheint. Die Winde sind faft überall ihwah geworden und weben in Zentral-Eurcya aus vorwiegend westliher und nordwestliher Richtung. In Deutschland, wo fast überall Regen oder Schnee gefallen ift, bat bei an der Küste vielfah beiterer, im Binnenland meist trüber Witterung, weitere Abkühlung ftattgefunden, sodaß die Temperatur viel- fah etwas unter den Mittelwerth gesunken ift, in Süd- vad Ostdeutshland berrscht faft allenthalben [leichter Frost. Friedridébafen und Karlêrube batten Nachmittags Gercitter. Deutsche Seewarte.

4 Nebel 3'wolkig 5\wolkig 3'beiter

4'balb bed.1) 3'halb bed.2)

1 wolkenlos 4 balb bed. 2 wolkig

2 Schnee 3'wolkig?) 2ibalb bed.4)— 6'wolfigs) |— 3|Schnee®s) |— 4'bedeckt?) 4 Schnee 4 Schnee

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Sans-(Gêne.

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Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Donnerstag: Opern- baus. 40. Vorstellung. Die Hochzeit des Figaro. Komische Oper in 4 Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Text nah Beaumarchais, von Lorenzo da Uebersegung von Knigge - Vulpius. Jn Scene geseßzt vom Ober-Regifseur Teßlaff. gent: Kavellmeister Dr. Muck. Anfang 7 Ubr.

Schauspielhaus. 46. Vorstellung. Ein Sommer- uachtstraum von William Shakespeare, überseßt von August Wilhelm von S{hlegel. Mendelsfohn-Bartholdy. 0

In Scene geseßt vom Ober-Regifseur Mar

Dirigent: Musikdirektor Wegener. Anfang

3Shne 3 Freitag: Opernhaus. Oper in 1 Aft von Ferdinand Hummel. von Arel Delmar. Slavische Brautwerbung. Tanzbild von Gmil Graeb. arrangiert von P. Hertel. Johannes Brahms.) cana (Bauern - Shre). von Pietro Mascagni. namigen Volksftück von G. Verga. Schauspielhaus. Drama in 9 Aufzügen von Emil Pohl, mit freier Benußung der Dichtung des altindishen Königs Sudraka. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Donnerstag: Das erfte Mittagefsen. Jn Zivil. Das Fest der Sandwerfker. Berlin 1893, Anfang 7 Uhr.

Freitag: Der Herr Senator.

Sonnabend: Der Herr Senator.

Die nächste Aufführuug von Der Talisman findet am Montag, 19. Februar, ftatt. T

Berliner Theater. Donnerstag: Zum 1. Male.

Timon von Atheu.

F _25. Abonnements - Vorstellung. (Ludwig Barnay.)

Sonnabend: Aus eiguem Recht,

Lessing-Theater.

Freitag: Ohne Geläut. Sonnabend, Sonntag:

Wallner-Theater.

Freitag: Heimath. Sonnabend,Sonntag : Der ungläubige Thomas, Unter vier Augen.

E. Schlack und L. Herrmann. Roth. In Scene Dirigent : Diri- | 7 Uhr

1. Male: Brautjagd. H. Hirschel. Musik von E a

Tanz von Emil

gatte.

Mara.

41. Verstellung. Tert

Vorber: Lolotte. Meilhac und Ludw. Halévy.

Freitag: Der Mustergatte. ersten Male. Um 5 Uhr. von N. N.

Musik komponiert und

(Mit Einlagen von Cavallería rusti-

Oper in 1 Aufzug Tert nad dem agleich- Anfang 7 Uhr. 47. Vorstellung. Vasautasena.

ball).

burg. Dounerstag: Porto.

Lautenburg. Anfang 74 Uhr. Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Viktoria-Theater.

is Ubr.

Anfang 7 Uhr. Der Oberfteiger.

Uriel

Donner Zum 50, Male. Vonnerstag: Madame 1 [e arodistische

Die Bajazzi. i acobson un

1 Aft von Ed. Madame Sans-Gêne, S hig L Dieselbe Vorstellung.

Donnerstag: Maner-

Donnerstag :

| N L z Friedrich - Wilhelmfstädtisches Theater.

Chaufseestraße 25. Donnerstag: Der Lieutenant zur See. rette in 3 Akten (nach einer älteren Idee) von T Musik von Louis eseßt von Julius Fritzsche. Herr Kapellmeister Krones. f

Freitag: Mit vollständig neuer Ausstattung. Zum Operette in 3 Akten von Mußk von Franz von Suppé.

Refsidenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten-

burg. Donnerstag: Zum 53. Male. Der Mufter- (Le premier mari de France.) Schwank in 3 Akten von Albin Valabrègue. Schwank in 1 Akt von H. Anfang 7# Uhr.

Schwank in 1 At

In Vorbereitung: Veglione (Der Maskfen- Schwank in 3 Akten von Bisson.

Ueues Theater. Direktion: Zum 2. Male. Scenen aus dem neapolitanishen Volks-

Sigmund Lauten-

leben in 3 Akten von Goffredo Cognetti. von Emil Dürer. In Scene geseßt von Sigmund

Belle - Allianceftraße 7/8. Donnerstag: Nur noch wenige Aufführungen von Die Kinder des Kapitän Graut. Ausstattungs- stück mit großem Ballet in 12 Bildern.

Theater Unter den Linden. Donnerstag: Operette in 3 Akten von M. eld. Musik von C. Zeller. Anfang

Adolph Ernfst-Theater. Donnerêtaa, 74 Uhr: Charley’s Tante. a in 3 Akten von Brandon Thomas. offe mit Gesang in f Benno Jacobfon. E D von Franz Roth. In Scene gesetzt von Ad.

Seder Besucher der heute stattfindenden Aufführung erhält ein Souvenir-Eremplar gratis.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Wegen Wiederholung der Meißner- | Vorftellung im Deutschen Theater ges{chlofsen. |

_ Freitag: Zum 18. Male. Herr Conlisset. Hierauf: Zum 55. Male. Berlin 1893. Revu:

Oys. [in 2 Abtheilungen von L. Leipziger. Anfang ckPe- } 71 hr.

Sonnabend : Dieselbe Vorstellung. Konzerte.

Konzert-Haus. Donnerêtag: Karl Meyder- Konzert. Gefellshafts-Abend. Hotel Kölnischer Hof Krau?enstraße 48. Hotel-Gäste baben freien Eintritt.

Anfang

Sing-Akademie. Donnerstag, Abends 8 Ubr: Wobhlthätigkeits - Konzert mit eigenen Kompositionen von Alessandro Costa mit dem Berliner Philharmæ. Orchester, fowie unter gütiger Mitwirkung der Konzertsängerin Frau Helene Lieban-Globig und des Königl. Hof-Opernfängers Herrn Julius Lieban.

Saal Bechstein. Donnerstag, Abends 73 Ubr: Klavier-Abend von Heinrich Lutter.

Vorher: Zum

Birkus Renz (Karlstraße). Donnerstag, Abendé 74 Ubr: Zum vorleßten Male: Ein Künstlerfest. Außerdem: Musterung der Neuerwerbungen für den Marstall; 4 arab. de als Fabnen- pferde, vorgef. vom Direktor Fr. Renz; das Shul- pferd Prinz, geritten von Herrn R. Renz; Frl Agnes, Jongleurin zu Pferde; die Reckkünstlerinnen Geschw. Hoffmann; die Akrobaten auf dem Draht- seil Zalva, Espana u. Alvar; Mr. Lavater Lee :-

Freitag: Zum leßten Male: Ein Küustlerfeft.

C E O P R K R E E S E Es M F E E M A Familien-Nachrichten.

Verehbeli cht: Hr. Henning von Bülow-Roder- walde mit Madeleine Gräfin Bassewiß (Mer tone). Hr. Hans K. von Tasch mit Frl. Gertru? Wermann (Altenburg S.-A.). :

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Prem.-Lieut. Frbrr- von Schoenaih (Neuhaus bei Paderborn). Hr

i : 1 e Mi. von Schotten (Mugustenvon. Sil

Tochter: Hrn. Franz von Gladiß (Kl.-Oßnig). Gestorben: Frl. Margarethe von Bose (Hassero®

bei Wernigerode a. H.). Hr. Landgerichts-Ra! D. Hugo Wegner (Stolp). Hr. Malt a. D. Philipp von Bernocth (Hannover). 8“ Ida von Bernuth (Berlin).

A Bass0

Deutsch

Anfang

-— Vorher:

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: ———— - Verlag der Expedition (Schol). i Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlagb Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Ne. 32 Sechs Beilagen (ein’chlie5lid Börsen-Beilage}.

2 BD,

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich

Berlin, Mittwoch, den 14. Februar

Preußischen Staats-Anzeiger.

#894,

Personal-Veränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Dffiziere, Portepee-Fähnriche x. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im aktiven Heere. Berlin, 8. Februar. Jer schke, Pr. Lt. vom Inf. Regt. Herzog von Holstein (Holstein.) Nr. 85, vom 1. März d. I. ab auf ses Monate zur Dienstleistung bei der Schloßgarde-Kompagnie fkom- mandiert. Frhr. v. Echardtstein L, See. Lt. à 1a suite des Kür. Regts. Kaiser Nikolaus I. von Rußland (Brandenburg.) Nr. 6, dessen Kommando zur Dienstleistung bei dem Auswärtigen Amt bis zum 1. Oktober d. J. verlängert.

Potsdam, 9. Februar. Frhrn. v. Hornstein-Biethingen, Hauptm. à 1a suite des 1. Garde - Regts. z. F. und Direktions- mitglied der Kriegs-Akfademiez, der Charakter als Major verliehen. Frhr. Treusch v. Buttlar-Brandenfels, Hauptm. und Komp. Chef vom 1. Garde-Regt. z F., unter Uéberweifung zum Großen Generalitab, in den Geúeralstab der Armee verseßt... v. L’Estocg, Hauptm. von demselben Negt., v. Kleist, Hauptm. von demselben Regt. dieser unter vorläufiger Belassung in dem Kommando Zur Dienstleistung bei dem Großen Generalstab, zu Komv. Chefs, ernannt. Prinz Joachim Albrecht von Preußen Königliche Hoheit, Frhr. v. Wöllwarth-Lauterburg, von Unruh, Sec. Lts. von demselben Regt., zu Pr. Lts. befördert.

Nacgenannte Ober-Primaner der Hauvt - Kadettenanstalt als Portepeefähnride in der Armee angestellt, und zwar die Portepee- Unteroffiziere: von Bonin Il. beim Garde-Füs. Ngt., v. Platen Il. beim 3. Garde - Regt. zu Fuß, v. Lu ck 11. beim 4. Garde-Regt. zu Fuß, v. Oppen beim Königin Augusta Garde - Gren. Regt. Nr. 4, v. d. Osten beim Garde-Schüßen-Bat., Weber I. beim Gren. Regt. König Friedrich Wilhelm I. (2. Oftpreuß.) Nr. 3, von

Brandenstein IIl. beim Gren. Regt. König Wilhelm I. (2. West- preuß.) Nr. 7, Kasten I. beim Gren. Regt. Prinz Carl von Preußen (2. Brandenburg.) Nr. 12, Weniger beim Inf. Regt. Freiberr von Sparr (3. Westfäl.) Nr. 16, Fahrenkamp beim Inf. Regt. Fürst Leopold von Ankhalt-Deffau (1. Magdeburg.) Nr. 26, Korn beim Füs. Regt. Prinz Heinrich von Preußen (Brandenburg.) Nr:135; Coster beim 7. Rhein. Inf. Regt. Nr. 69, Ott o beim 3. Thür. Jnf. Regt. Nr. 71, Wyneken beim Inf. Negt. von Voigts-Rhet (3. Hannov.) Nr.79, Lange I. beim Inf. Negt. von Manstein (Schleswig.) Nr. 84, v. Westb oven beim Braunschweig. Inf. Regt. Nr. 92, Frhr. v. Notberg beim 1. Bad. Leib-Gren. Regt. Nr. 109, Ritter u. Edler v. Detinger beim 1. Leib-Hus. Regt. Nr. 1, Baron von Kottwiß T. beim Ulan. Negt. Prinz August von Württemberg (Pofen.) Nr. 10, Woelki 1, Niessen beim Westpreuß. Feld-Ark. HNegt. Nr. 2:6, Rosenbaum beim Feld-Art. Regt. von Clausewitz (Oberfscles.) Nr. 21, Krahmer-Möllenberg I. beim 2. Hannov. Feld-Art. Regt. Nr. 26, v. Besser I. beim Feld-Art. Regt. Nr. 36, Kayfer Il. beim Westfäl. Fuß-Art. Regt. Nr. 7.

Berlin, 10. Februar. v. Krell. Gen. Major und Kom- mandeur der 27. Kav. Brig. (2. Königl. Württemberg.), unter Ent- hebung von dem Kommando nah Württemberg, zu den Offizieren von der Armee verseßt.

In der Gendarmerie. Berlin, 8. Februar. v. Arnim, Rittm. a. D., zuleßt Eskadr. Chef im 1. Brandenburg. Drag. Regt. Nr. 2, als Hauptm. in der 2. Gend. Brig. angestellt.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Berlin, 10. Februar. v. Heister, Gen. Lt. und Kommandeur der 36. Div., Frhr. v. Gayl, Gen. Major und Abtheil. Chef vom Neben-Etat des Großen Generalstabs, in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche

it Pension zur Disp. gestellt. n der Gendarmerie. Berlin, 8. Februar. Rücheim,

j von der 2. Gend. Brig., mit Pension und der Uniform des Feld-Art. Regts. von Scharnhorst (1. Hannov.) Nr. 10, der

Abschied bewilligt. Königlich Bayerische Armee.

Offiziere, Portepee -Fähnrihe x. Ernennungen, Beförderungen und Versezungen. Im aktiven Heere. 6. Februar. Schulze, Port. Fähnr. des 6. Inf. Negts. Kaiser Wilbelm, König von Preußen, zum Sec. Lt. in diesem Negt. befördert. __ 8. Februar. Röôck, Pr. Lt. des 2. Feld-Art. Regts. Horn, unter Stellung à la suits bieses Truppentheils vom 1. April d. J. ab auf die Dauer eines Jahres beurlaubt. Bergmann, Major und Komp. Chef vom s. Inf. Regt. Kaiser Wilbelm , König von Preußen, zum Bats. Kommandeur im 14. Inf. Negt. Herzog Karl Theodor, Jochum, Hauptm. des 6. Inf. Regis. Kaiser Wiibelm, König von Preußen, zum Komp. Chef in diesem Regt., ernannt. Kurz, Sec. Lt. des 6. Inf. Neats. Kaiser Wilhelm, König von Preußen, zum Pr. Lk. in diesem Megt.; die Sec. Lts.: Berr, kommandiert zum Topographbifchen Bureau des Generalstabs, im 2. Inf. Regt. Kren- prinz, Karl Strelin, Adjutant beim Bezirs-Kommando Augs- burg, Gustav Strelin, beide im 3. Inf. Regt. Prinz Karl von Bayern, Feistle, kommandiert zum Topographischen Bureau des Generalstabs, im 5. Inf. Regt. Großberzog Ernit Ludwig von Vessen, Tünnermann im 6. Inf. Regt. Kaiser Wilbelm, König von Preußen, Schmidt im 7. Inf. Regt. Prinz Leopold, Boehe, Beutel im 8. Inf. Regt. vakant Pranckh, Pro singer im 11. Inf. Negt. von der Tann, v. Grundherr: zu Alten - than u. Weyerh.aus im 14. Inf. Regt. Herzog Karl Theodor, Lanz, Adjutant beim Bezirks-Kommando Vilshofen, im 16. Inf. Regt. Großherzog Ferdinand von Toskana, Hauser, Brugger im 19. Inf. Regt, Schöttl im 2. Jäger-Bat, Gramich im 1. Feld- Art. Regt. Prinz-Regent Luiipold, Gra dinger, Durfy im De geld-Art. Regt., zu überzähl. Pr: Lts., befördert. Döring, #2. Lt. im. 7. Inf. Negt. Prinz. - Leopold, ein - Patent feiner Charge vom 15. Februar 1889; den Pr. Lts. : Dberniedermayer im 5. Inf. Regt. Großberzog Ernst Ludwig von Hessen, Mahler, Leitl, Büttner im s. Inf. Negt. Kaiser Wilhelm, - König von Preußen, Frhr. v. Boutteville im 7. Inf. Regt. Prinz Leopold, Sämmer, Lettenmayer, Braun im 9. Inf. Regt. Wrede, Eden hofer, Adjutant beim Bezirks- ommando Regensburg, im 11. Inf. Regt. von der Tann, Steinl…e, Srzieher am- Kadettenkorps, à la suite des 13. Inf. Negts. Kaser Franz Joseph von Oesterreich, Jung, Beyexlein, Erter im 15. Inf. Regt. König Albert von Sachsen, Deboi, Brißel- mayr im 16. Inf. Regt. “Großberzog Ferdinand von Tosfana, d’Alleux im 17. Inf. Regt. Orff, Wittenbauer, Erzieher am RKadettenkorps, à la suite des 19. Inf. Regts., Auer im 2. Sager-Bat., Patente ihrer Charge, verliehen. L Gc ENTUAT Y, Tanunstein, „gen. Fleischmann, Sec. Tk. des Z. Chev. Regts. vakant Herzog Marimilian, unter Stellung 4 la suits dieses Regts. , auf die Dauer eines Jahres beurlaubt.

b bschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 8. Fe- ua Stümmler, Major und. Bats. Kommandeur im 14. Inf. egt. Herzog Karl Theodor, mit Pension zur Dip. gestellt. (Ste, Sanitäts-Korps. 7. Februar. Dr. Pfeilschifter E raubing), Assist. Arzt 2. Kl. der Res, in den Friedensstand des : Inf. Regts, Kaiser Wilhelm, König von Preußen, mit einem en vom 18, Februar 1892 verseßt. Dr. Hartmann (1 München), (Lans oeldel (Zweibrücken), F leischmann (1 München), Moser (Wes au), Dr. Palm (1. München), Dr. Blaß, Dr. Schloß 5 ¿riburg), B ayer (Kempten), Unterärzte der Res, zu Assist. Aerzten

©. Kl. der Res befördert.

Beamte der Militär-Verwaltung.

7. Februar. Görß (Bamberg), Fellerer (Landshut), Egger (Paffau), Unter-Avotheker der Ref, zu Ober - Apothekern der Ref, befördert.

X17. (Söniglih Württembergishes) Armce-Korps.

Offiziere, Portepee-Fähnrihe c. Ernennungen Beförderungen und Verfsegungen. J aktiven Heere. 10. Februar. v. Krell, Königl. preuß. Gen. Major, behufs Rüt- fehr nah Preußen von dem Kommando der 27. Kav. Brig. (2. Königl. Württemberg.) enthoben.

Im Sanitäts-Korps. Durch Verfügung des Korps- Generalarztes. 3. Februar. Dr. Klett, Studierender der militärärztlicen Bikdungëanstalten zu Berlin, vom 15. Februar d. F. ab zum Unterarzt des aftiven Dienststandes ernannt und beim Gren. Regt. Königin Olga Nr. 119 angestellt.

Deutscher Reichstag. 48. Sißung vom Dienstag, 13. Februar, 1 Uhr.

_ Die zweite Berathung des Reichshaushalts-Etats wird fortgesest, und zwar beim Etat der Post- und Telegraphenverwaltung, Tit. 22: 4619 Ober-Post- aj\istenten, 5334 Pofstassistenten und Telegraphen-Assistenten.

Ueber den Beginn der Berathung is bereits in der Nummer vom Dienstag berichtet worden. Dem Abg. Gröber (Zentr.), der zunächst das Wort hatte, um seinen Antrag auf Verbesserung der dienstlihen Stellung der Postassistenten insbesondere auf Gleichstellung mit den Militärantvärtern in der Zulassung zum Sekretariatsexamen und auf Beschleunigung in der definitiven Anstellung zu begrümden, antwortet der

Negierungskommifsar Direktor im Neichs-Pcftamt, Wirklice Geheime Rath Dr. Fischer: Der Postasiiftent Funk ist in der That wegen Ungehorsams enilafsen worden. Obwohl ihm dur Tesle- gramm die Absendung eines Flugblattes als unzulässig verboten worden war, batte er dennech erflärt, daß er zur Ausführung diefer Absendung schreiten werde. Daß der Pottassistent Funk feine Hand- lung8weise selbsi als cffenen Ungehor}am angesehen, hat er persönli anertannt, als es sih cin Jahr später darum bandelte, über seine Ein- gabe. zu befinden, wieder in den Postdienst zugelassen zu werden. Gefragt, ob er zu der Einsicht seiner damaligen Handlung gekommen sei, bat er erflârt, daß er si allerdings zu offenem Ungehorsam gegen die Behörde habe verleiten lassen. Das sollte, denke ih, gus- reihen, um nachzuweisen, was ich am Montag dargethan babe. DenBeweis, daß die Postbeamten ad nutum amovibiles seien, ift uns der Vorredner \chuldig geblieben. Die nah Ablegung des Post- assistenteneramens diätarish beschäftigten Beamten können gegen sech8- wöchentlihe Kündigung entlaffen werden. Es sind dies junge Leute von 21—22 Jahren mit einem Einkommen von 3,25—3,50 pro Tag. In keiner anderen Reihs- oder Staatsverwaltung werden fo junge Leute so reichlih befoldet. Jn dieser Stellung als nicht angeîtellte Assistenten verbleiben die Beamten in der Regel 4+ oder 42 Jaßre, also viel kürzere Zeit als andere Diätare, worauf sie angestellt werden. Dann können sie nur entlassen werden nah dreimonatlicher Kündigung. Sie rücken dann in die Stellung als Ober-Assisteaten ein und als folche haben sie lebenëlängliche Anstellung. Diese Kategorie ist erst 1870 dant der Sozialpolitik, mit welcher der Staatssekretär Dr. von Stephan seine Geschäfte leitet, für die Assistenten eingeführt worden. Wie nun diefe Beamten „ad nutum amovibiles“ sein sollen, ist mir unerfindlih. Die Entlassung der niht angestellten Beamten erfolgt nur aus denselben \{werwiegenden Gründen, aus denen au angestellte Beamte im Disziplinarverfahren ent- lassen werden dürfen. Jeder einzelne Fall wird rom Justitiarius geprüft und außerdem {teht dem betreffenden Beamten der Rekurs an das Reichs-Postamt zu, wo mit absoluter Unbefangenheit ent- schieden wird. Das Reglement von 1871 zu ändern, ist obne eine Verschiebung in den Verhältniffen der anderen Beamtenklassen niht möglich. Die Zeit von 23 Jahren, vor welchen das Reglement erlassen wurde, ist doch feine so lange, daß man deêwegen eine A änderung eintreten [assen müßte. Auch baben wir im Laufe Iahre wirklih nicht ftillgestanden. Wir haben die Stellung der Beamten zu einer solhen gemacht, daß selbst nichts daran auszuseßen bat. Die allgemeine Gehaltäaufbe| rung von 1830 brach gerade bei der Postverwaltung in der Mi ab, weil der Reichstag nicht weiter gehen wollte. Dadurch sind verdiente Klassen unserer Beaniten in eine üble Lage gebrat. Ober: Pofisekretäre z..B., die früher um 600 # besser standen als Sefretäre, beziehen gegenwärtig im Marimalgehalt nur 100 M mehr. Die Aufgabe der Gehaltzaufbesserung liegt uns dringend am Herzen. Jeßt sind wir mit der Einführung der Dienstaltersftufen befaßt, die recht s{wierig ist, wenn man die Beamten in ihrem Ein- fommen- niht schädigen will. Weshalb sollen wir gerade jeßt das Reglement ändern, das fich bisher -durhaus bewährt und zu berechtigten Klagen Fkeinen Anlaß gegeben hat? Die Militär- anwärter treten auf Grund einer langjährigen Dienstzeit in den Post- dienst, und {hon unter der vreußishen Verwaltung stand ibnen dieses Recht des Aufrückens zu. Wir können es ihnen nit entziehen, ohne uns in Widerspru- zu seßen mit dem berechtigten Bestreben, den Militäranwärtern annehmbare Zivilstellen zu verschaffen, die sie veranlaffen, fo lange im Heeresdienste zu bleiben. Von der Befugniß zur“ Ablegung des Éxamens wird übrigens nur in sehr -geringent Umfange Gebrauch - gemacht. Wenn wir die Postassistenten zum Examen zuließen, würden wir sie auch nicht zufriedenstellen. Es würde dann ein Drängen der ganzen Beamtenschaft in die oberen Stellen entstehen, wie wir es s{on früher erlebt baben, sodaß wir 1871 mit dem Reichstag dieses Reglement zu vereinbaren veranlaßt waren. Jch tann nach alledem “nicht anerkennen, daß es zur Berubigung und Befriedigung. der Beamtenschaft beitragen würde, wenn das Reglement geändert würde, muß vielmehr besorgen, daß dann ein Element der Aufregung und Agitation unter die Beamten geworfen würde, das “man besser vermeidet, und möhte aus diesem Grunde das Haus bitten, der Resolution Gröber nicht zuzustimmen. J

Abg. Gröber (Zentr.): Daß der Funk beim Gesuch um Mioderanfstellina alles AnTie orFlärt hat tft boarotflim - og Tol D S v s * -- a. »1% Df L 4h Ertlärung kann man aber nit als freie Willensmeinung auffassen. Ob vier- oder sechswöchentlihe Kündigung, .ist vollständig gleichgültig. Das kommt nur bei den Terminen der Gehaltszahlung zum Ausdruck. Daß das Reglement fo lange bestebt, ist gar kein Grund. Auf militärishem Gebiet hat man alle möglichen, fehr kostspieligen Organisationen durchgeführt. Daß ein Unterschied zwischen den Zivil- und Militäranwärtern ‘nicht besteht, kann auch die glänzendste Bered- samkeit nicht beweisen. Es ist die allgemeix übliche . Bevorzugung des Militärs. Machen Sie das Examen, so {wer Sie wollen, aber- gleich für alle. Machen Sie doch keine folche angeblichen Shwierigkeiten. Je schneller die Verschiedenartigkeit beseitigt wird, desto besser ift es.

Abg. v. Leipziger Cieul erflârt, daß die Konservativen jeßt nit für die Resolution stimmen fköunten ; sie würden fie aber, wenn die Abstimmung bis zur dritten Lefung ausgeseßt würde, wohlwollend vrüfen. Die Postasfistenten werden ziemlich früh fest angestellt und

- . sie wissen, wie weit ihre Karrière geht. Die Bedingungen für die Anstellung der Beamten festzustellen, ist Sache der Behörden.

Regierungskommifar Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Geheimer Rath Dr. Fischer verweist darauf, daß die Stellung. der Militäranwärter auf der alten vreußishen Wehrverfaîsung bt, welche anzutaften kein Anlaß vorhanden ist. : A

Der Titel wird genehmigt; die Abstimmung über die Re- solution wird bis zur dritten Lesung zurückgestellt.

Beim Titel 23: 3001 Vorsteher von Postämtern IT1. Klasse (Postverwalter) bemängelt der ;

Abg. Schwarze (Zentr.) das niedrige Anfangs Beamten, welches nur 1000 Æ beträgt, während Beamten ein höheres Anfangsgebalt haben: sogar die gehbilfinnen beziehen 1100 e als Anfangsgehalt. V

Abg. Graf Oriola (nl.) führt aus, daß die Klagen der P verwalter dieselben, ja vielleiht noch eine größere Berechtigung haben als die der Postassistenten:; die Postverwalter wünshten nur den Ober-Postassistenten gleichgestellt zu werden. Sie sind selbständige Beamte und tragen die volle «Verantwortung für den Postbetrieb in ibrem Bezirk; sie stehen aber s{lechter als die Ober - Postassistenten. Die Postverwaltung erklärt, daß fie in den leßten zebn Fahren sehr viel für die Postverwalter gethan habe, indem ihr Durhschnittsgehalt von 1200 auf 1850 Æ erhöht wurde. Früher waren die \; verwalter niht gelernte Postbeamten, jeßt baben f Vorbildung wie andere Postbeamte. Redner bofft, daß di der Dienstaltersftufen auch die Beschwerden der Poftver seitigen werde.

Negierungskommiffsar, Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Beheimer Rath Dr. Fischer: Die Postverwalkung macht in Verbindung mit der Finanzverwaltung die Gebakltsverhält- isse der ehrenwerthen Beamtenklasse der Postverwalter zum Begenfstand ihrer unausgeseßten Fürforge. 58s ist vielleiht für

5 Haus interessant zu böôren, daß das Meisteinkommety

Postverwalter 1870 sih auf 1200 ( belief und ih jeßt auf

00 M beläuft. SJhr Durchschnitiseinkommen betrug damals 775 4, jeßt 1850 Æ, das ist în 22 en eine Aufbesserung von nicht weniger als 1384%. Das g vobl, um darzuthun, daß die Reichsverwaltung wohl darauf cht gewesen ist, diese Beamten zu berüdsichtigen. Keine Beamtenklafse ift bei der Gehaltsaufbesserung im

re 1890 fo nahdrüdcklih bedacht n als diefe... Das Mari-

gehalt erhöhte fih damals von 2200 auf 2700 A Jm Bezirk Pofen hat ein Postverwalter, der plößlih von 2000 auf 2700 M verbessert wurde, diese Verfügung an die Ober-Postdirektion zu- ücfgeshidt mit dem Bemerken, das müsse ein Schreibfehler in, es würde wohl nur 70 Æ heißen. (Heiterkeit.) Wenn ie Miethe der Postverwalter über ihren Wohnungsgeldzuschuß binausgeht, fo entspricht das durchaus der Bestimmung des Wohnungs- geldzus{usses, denn er soll ja nur ein Zuschuß zum Wohnungsgelde sein und nicht das ganze Wohnungsgeld. In Berlin konmt kein Bes- amter mit dem Wohnungsgeldzuschttz für die ganze Miethe aus. Sie können fih darauf verlafien, daß diese Verhältnisse von uns mit vollstem Wohlwollen behandelt werden und wir darauf bedacht sind, den Beamten alle Vortheile, die mit ihrer Stellung: vereinbar sind, zuzuwenden.

Abg. Schwarze (Zentr.) bebt nochmals hervor, daß die Klagen der Postverwalter sich hauptsählich auf das zu niedrige Mindestgehalt beziehen.

Abg. Graf Oriola (nl.) fragt ,- wie viel Postverwalter mit 1000 angestellt sind.

Negierungskommissar, Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Geheimer Rath Dr. Fischer: Vollbeshäftigte Postverwalter zu 1000 Æ find nit vorhanden; es handelt si dabei meist um Post- ämter, die nicht während des ganzen Jahres im Betriebe sind.

Der Titel wird bewilligt.

Beim Titel 24 (167 Telegraphengehilfinnen) weist der

Abg. Bebel (Soz.) darauf hin, daß dieser Titel die einzige Ausgabe für weibliche Beamte enthält. Der Dienst derselben ift sehr anftrengend, zumal beim Televhondienst, wo der Dienst ers{wert wird dur die Unkenntniß der Privatpersonen, welche die Apparate nic zu verwenden verstehen. Der Dienst wirkt sehr nervenzerrüttend. Die Gebilfinnen befommen nicht dasselbe Gehalt wie ihre männlichen Kollegen, und fie erhalten auch niht den gewöhnlihen Urlaub. Wodurch ift dieser Unterschied begründet ?

Regierungskommifsar, Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Geheimer Rath Dr. Fischer: Die Telegraphengehilfinnen, von denen in diesem Titel die Rede ift, sind angestellte und pensionsberc(tigte Beamte. Ihr Gehalt ist innerhalb weniger Jahre von 300 auf 1500 Æ gesteigert worden. ‘Telephonistinnen werden erst seit etwa drei Jahren beschäftigt und zwar mit sehr gutem Erfolge, einmal weil wegen der höheren Stimmlage des weiblihen Organs die Schallwellen leichter verständlich sind und weil selbst die mürris{s\ten und ungeduldigîten Korrespondenten immerhin {hon etwas freuyd- liher werden, wenn ihnen aus dem Telephon eine weibliche Stimme entgegenschallt. (Große Heiterkeit.) Die jungen Mädchen haben gewiß teinen leichten Dienst; ih kann aber versichern, daß wir uns für diefe Beamtenkategorie lebhaft interessieren. Es ist nidst richtig, daß sie anders behandelt werden wie die männlichen Be- amten. wie die Anfänger im

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Sie stehen in derselben Kategorie Postdienst, die Eleven. Damit ist aber niht gesagt, daß das alle Beit fo bleiben wird, für den Fall, daß sie sich bewähren. Bei Tit. 25 (Briefträger u. f. w.) bemängelt der

_ Abg. Dr. Shoenlank (Soz.), daß für den Nachtdienst und für die Ueberstunden der Post-Unterbeamten keine besondere Ent- schädigung gewährt wird, troßdem diese Ueberstunden und Nachtarbeit sehr gefundheitss{ädigend für die Beamten sind. Diese Unterbeamten haben auch feinen freien Sonntag, meist geht dem Sonntag eine Nachtarbeit von 8 Uhr Abends bis 8 Uhr Morgens voraus, sfo- daß die Leute nicht in die Kirche gehen können.

_ Abg. Singer (Soz.) weist darauf hin, daß die Unterbeamten bei den Postämtern erster und dritter Klasse verschieden bezahlt werden; die einen müssen in die Kleiderkasse abgeben, die andern niht. Der Dienst ist derselbe. Weshalb sind die Beamten bei den Postämtern dritter Klasse s{lechter gestellt? Redner wünscht ferner, daß der Unterschied, der in Bezug auf die Anstellung zwischen den Zivil- und Militäranwärtern besteht, beseitigt wird. Durch die Bevorzugung der Militäraüwärter werden die Zivilanwüitec um fo länger in der diätarishen Stellung festgehalten.

Regierungskommissar, Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Geheimer Rath Dr. Fischer: Der Abg. Dr. Schoenlank über- sieht, daß der Nachtdienst den Unterbeamten mit dem Anderthalbfachen in die Dienststunden eingerehnet wird. Dadurch wird sowobl den festangestellten wie den nihtangestellten “Beamten eine Entschädigung p die sih viel höher beziffert als eine Ertravergütung. So

ereit wir au sind, von andéren Poftverwaltungen zu lernen, \o können wir uns doch în Bezug auf das Diensteinkommen der Beamten z. B. die österreihishe Postverwaltung nit zum Vorbild nehmen. Keine Postverwaltung verwendet einen so hohen Prozentsaß ihrer Ausgaben für die Personalausgaben wie die Reichs-Postverwaltung. Bei Krankheiten der Unterbeamten von längerer Dauer als wei, drei Tagen wird fofort ein Stellvertreter auf Kosten der asse eingestellt. Unsere Post-Inspektoren kennen genau die Ziele der Zentralvèrwaltung und der Ober - Postdirektionen in Bezug auf