1894 / 41 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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von Nordfkandinavien südwärts über Zentral-Europa

binaus nach dem Mittelmeer, carakterisiert dur“

ruhige, theils heitere, theils MerTge E ì

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liegen westlich von Irland und über dem südlichen Rußland. In Deutschland, wo stellenweise etwas

Offtfrankreih, Deutschland Oesterreich berr: Libie Froft.

amburg, 15. Februar. (W. T. B. burg-A t- kani)che Be L iat - Atti - Gesel ht “Der oft

dampfer „Europa“ hat gestern Abend Lizard passiert.

Theater und Musik.

Berliner Theater. Gestern Abend wurde die von Heinrih Bulthaupt gänzlich umgestaliete Shakespeare ’sche Tragödie ,Timon von Athen" zum ersten Male, mit einem ftarken und wohlverdienten Erfolge, auf- geführt. Jn der neuen Bearbeitung, die sich durch die poetische Schönheit der Sprache, die Klarheit und Folgerichtigkeit der Hand- Tung und die sorgsame Charakterisierung des Timon auszeichnet, sieht man zunächst, wie der edle Athener mit vershwen- derisher Freigebigkeit seine zablreihen Freunde bewirthet und Hilfsbedürftige über seine Kräfte unterstüßt, wie er dann sein ganzes Vermögen verliert und, von den bis- herigen Freunden fowie dem Bräutigam seiner Tochter verlassen, an diesem zum Mörder, und als nun auch sein einziges Kind sich shaudernd von ihm wendet, zum Menschenfeinde wird, der einsam im Walde fih kümmerlih von Wurzeln nährt und, angestiftet von Alkibiades, auf Rache brütet gegen feine Vaterstadt Athen. Weiter sehen wir Timon mit Alkibiades als Sieger vor den Mauern von Athen, von wo die Senatoren die beiden Verbannten vergeblißh um Gnade anflehen, bis sie als Friedensboten dem Timon die eigene Tochter senden, der es dann auch endlih gelingt, durch die von dem Vater selbst gesäete Liebe seinen Haß zu besiegen und ihn mit der Vaterstadt zu versöhnen. Der von Bulthaupt hinzugedichtete Theil, der größere Antheil des Alkibiades an der Handlung und die dem Glaukon verlobte Tochter Klytia, fügt sih durch die geschickt nachgeahmte A e Sprache der Verse unmerklich in das ur- sprünglihe Werk hinein und ist befonders am Schluß, den Bulthaupt E, Sen a zu Shakespeare versshnlih gestaltet, von tief ergreifender rung. …_ Die Darstellung war eine durhaus würdige. Herr Kraußneck konnte als Timon von seinen s{hönen schauspielerishen Gaben den G enbien Gebrau machen. Ueber die Maßen vertrauensfelig im Glüdck, fand er gewandt den Uebergang zur Verzweiflung an der Menschheit und war ershütternd in seinem fkraftvoll hervortretenden Zorn als Bettler im einsamen Walde. Meisterhaft aber spielte er die Versöhnungs- und Abschiedsscene mit der wiedergewonnenen Tochter. „Großartig war die Leistung des Herrn Barnay als Alkibiades. Die jugendlihe Geschmeidigkeit, der leitsinnige Uebermuth, und fein heldenmüthiges und großmüthiges Verhalten gegen Timon und feine Tochter kamen in natürlichster Weise bei dieser Darstellung zur Geltung. Auch Fräulein Boch konnte als Klytia wohl befriedigen. Namentlich brachte sie ihren Shmerz über das hartnäckige Rachegefühl des Vaters, ihre Freude über die Versöhnung, sowie den jähen Schreck bei der Nachriht vom Tode des Vaters gut zum Ausdruck. Die Ausstattung des Werks war sehr glänzend und wohl geeignet, den guten Eindruck des Stücks noch zu M Mit den Hauptdarstellern mußte nach jedem Akt auch der Dichter Gelegen- heit nehmen, fi für den reihgespendeten Beifall zu bedanken. Der Vorstellung wohnte Ibre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrich Leopold bis zum Schluß bei.

Konzerte.

Der noch jugendliche Komponist Herr Max Reger, der scine Studien bei dem als Theoretiker und musikalischer Schriftsteller wohlbekannten Dr. H. Riemann gemaht hat und zuglei eine be- deutende Schaffensgabe besißt, gab am Mittwoh im Saal der Sing- Akademie ein Konzert mit eigenen Kompositionen. Eine Sonate für Violine und Pianoforte, op. 1, ein Trio für Violine, Viola und

tanoforte, und eine Sonate für Cello und Klavier waren die ervorragenderen Werke. In allen zeigt \sich ein ernstes Streben und ein jugendlihes Feuer, das sowohl in der Erfindung der Motive, wie in der s{wungvollen Art der De Enno zu erkennen ist. Die meist etwas s{wermüthig gehaltenen Lieder machten nicht einen so vortheilhaften Gindruck wie die Instrumental-Kompositionen. Fräulein S. Schröter (Gesang), sowie die Herren Waldemar Meyer

(Violine), A. Gülzow (Viola) und E. Sandow (Cello) trugen ¿um Gelingen der Aufführung sehr wesentli bei. S

Am Donnerstag brachte in demselben Saal der hier nicht mehr unbekannte Komponist Herr Alessandro Costa unter Mitwirkung des P Ra em oatiGen Orchesters mehrere seiner neuen Werke zur Ausführung. In einer Symphonie (C-moll) wird dem fehr energischen Hauptthema des ersten Satzes ein melodiöses Motiv ent- gegengestellt, das in sehr geshickter kontrapunktisher Durchführung sih mit dem erfteren vereinigt. Dieser, wie die anderen Säße lassen eine loben8werthe Erfindung8gabe und gewandte Formbehandlung erkennen. Weniger tritt dies in der zweiten Symphonte (G-dur) hervor, deren Andantesaß wohl das beste ist. Von den beiden Gefangkompositionen war die nah Goethe’s Ballade „Todtentanz“ von vortreffliher Wir- fung, während der „Nixentanz“ etwas monoton ersien. Herr und Frau Lieban hatten sih mit warmer Hingebung an der Ausführung betheiligt. Das von dem Komponisten geleitete Orchester bewährte wiederum seine anerkannte Tüchtigkeit. ;

__ Im Königlichen Opernhause findet morgen die erste Auf- führung der Oper „Die Medici*, Dichtung und Musik von Leon- cavallo, deutsch von Emil Taubert, statt. (Lorenzo de? Medici: Herr Bulß; Giuliano de’ Medici: Herr Sylva; Monte- fecco: Herr Mödlinger; Pazzi: Herr Krolop; Bandini: Herr Sommer ; Poliziani : Herr Fränkel ; Simoneta : Frau Herzog; deren Mutter: Frau Lammert; Fioretta: Frau Sucher; zwei Volkssänger : Herren Lieban, Schmidt). Das Werk ist in Scene gesetzt vom Ober-Regifseur Teßlaff. Kapellmeister Sucher wird dic Oper dirigieren. Die dekorative Einrichtung hat Ober-Inspektor Brandt beforgt. Die neuen Dekorationen sind von den Herren Wagner und Bucaz Hartwig und Quaglio gemalt. Am zweiten Gefellschafts- Ann Montag, den 19. Februar, wird Wagner's „Tannhäuser“ ge- geben.

Im Kön iglichenSchauspiel hause werden morgen Freytag?s „Journalisten“ (Adelheid: Frau Clara Meyer als Gast: Bolz: Herr Keßler) gegeben. f ___Herr Direktor Frißsche hat den langjährigen Kapellmeister seiner Bühne, Herrn Mar Federmann, neuerdings für das Friedrich- Wilhelmstädtische Theater auf eine Reihe von Jahren ver- vflichtet. j È i Brau Ern effftine Epstein hat für ihren morgigen Liederabend im Saal Bechstein ein Programm zusammengestellt, das außer Liedern von Schubert, Mendelssohn, Schumann, Brahms, Rubinstein die Proch’schen Variationen, Bizet's „Pastorale“ und eine „Mazurka“ von Chopin-Viardot bringt. —Das Programm des Konzerts, welhes dieSopra- nistin Fräulein Bertha Schröder und der Tenorifst Herr Dr. Erich Freund unter Mitwirkung der Cellistin Fräulein Adeline Met- dorff am 19. d. M. im Saal Bechstein veranstalten, bringt unter anderem: „Agnus dei“ für Sopran von Mozart, eine Arie für Tenor aus der Oper „Gioconda", Duette von Mendelssohn und Volkmann, „Psyche“, eine musikalisGße Scene für Sopran, Cello und Klavier von O. Bie ch.

Mannigfaltiges.

In der gestrigen Sißung der Stadtverordneten berichrete, wie wir der „N. A. Z.“ entnehmen, Stadtverordneter Scheiding über die Berathungen des Ausschusses, dem der Antrag des Stadtverordneten Deter, betreffend die Herabseßung der Gaspreife, zur Vor- berathung überwiesen worden war. Der Ausschuß ift zu keinem end- gültigen Ergebniß gekommen. Es wurden im Ausschusse Mitthei- lungen darüber gegeben, welche glänzenden Erfolge man in mittleren Städten mit der Verbilligung des Gases gemaht habe, und der Ausschuß war deshalb der Meinung, daß von den betreffenden Kommunen die einshlägigen Materialien in Bezug auf Preise, Steigerung des Konsums, Ausbau der Anstalten 2c. zunächst beschafft werden müßten. Der vom Ausschuß cinstimmig gefaßte Beschluß drückt sich in folgendem Antrag aus: „Die, Versammlung vertagt die Angelegenheit bis zur ersten Hälfte des April und ersuht den Magistrat, von den Städten, in welchen in neuerer Zeit eine Ver- billigung des Gases für Licht-, Kraft-, Heiz- und Kochzwecke statt-

Wetterbericht vom 16. Februar, 8 Uhr Morgens.

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Wind. Wetter. |

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eratur fius = 49 R.

4 Akten, Veberseßzung von Graeb. laff. Dirigent: 7x Ubr.

Bar. auf0 Gr. u. d. Meeressp Temp

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von Emil Taubert. 7 Ube. Schauspielhaus.

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Recht.

1) Dunft. ?) Nachm. und Nachts neeschauer. eif. #) Nachts Reif. 5) Gestern Schneeschauer.

Uebersicht der Witterung. Eine breite Zone hohen Luftdrucks erftreckt sich

Saus-Gênue.

nnenêwerthe Niedershläge. Flahe Depressionen

vier Augen.

nee gefallen ist, is die Temperatur nicht herab- angen, fodaß dieselbe jeßt allenthalben unter dem ittelwerth liegt, am Bodensce um 6 Grad. In sowie im nördlichen

jagd. Operette

Deutsche Seewarte.

Theater - Anzeigen. Königliche Schauspiele. Sonnabend: Opern-

. Mit aufgehobenem Abonnement und unter Fortfall der permanent reservierten ersten Mal: Die Medici. Historische Handlung in Da und Musik von R. Leoncavallo.

In Scene gesetzt vom Ober-Regisseur Tetz-

Lustspiel in 4 Aufzügen von Gustav 8 Regie: Herr Keßler. on Clara Meyer, Ghrenmitglied des Königlichen Schauspiels.) Anfang 7 Uhr. E R Opernhaus. E : Medici. Historishe Handlung in 4 Akten, Dich- Heues Theater. Direktion: Sigmund Lauten- tung und Musik von R. Leoncavallo.

kfönigin. Komödie in 1 Aufzua von Hans von Gumppenberg. Verbotene Früchte. Lustsviel in 3 Aufzügen, nah einem Zwischenspiel des Cer- vantes, von Emil Gött.

Deutsches Theater. Sonnabend: Der Herr

Sonntag: Der Herr Senator. Montag: Der Talisman.

Berliner Theater. Sonnabend: Ans eignem

Sonntag, Nachm. Abends 7} Uhr: Timon von Athen. Montag: Ans eignem Recht.

Lessing-Theater.

Sonntag: Madame Sans:Gêne.

Wallner-Theater. Sonnabend: Der ungläu- bige Thomas. Unter vier Augen. Sonntag: Der ungläubige Thomas. Unter

Friedrich - Wilhelmfstädtishes Theater. Sausoetirate 25.

Sonnabend : Mit Er

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Sonntag: Dic Brautjagd.

gefunden hat, die betreffenden Materialien in Bezug au isfet, seßung, Steigerung des Konsums, Ausbau der Anitalten G abs{chlüfse 2c. einzufordern und ihr dieselben mit den Angaben und Berechnungen darüber Borlegen, welche Kosten event. für Erweite- rung der städtishen Gasanstalten erforderli sind, um den infolge der beantragten Herablettng der Gaspreise gesteigerten Konsum befrie- L s fönnen.* Die Verfammlung stimmte diesem Antrag obne

ebatte zu. °

Mittwoch, den 21. Februar, wird der Geheime NRegierungs- Rath, Professor Dr. Wilhelm Förster im Saale des Kaiserhofs, Abends 8 Uhr, den bereits angekündigten Vortrag vor Herren und Damen halten. Das Thema lautet: Die naturwissenshaftlihe Be. handlung der fozialen Schwierigkeiten.

Der Verein ehemaliger Kameraden vom Kaiser

Alexander-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 begeht am 11. März in den Gesammträumen des Kroll’schen Etablissements sein 20 jähriges Stiftungsfest. Alle ehemaligen Angehörigen des Regiments sind hierzu eingeladen und werden erfucht, si in der am 17. d. M. stattfindenden Generalversammlung im Café Belvédère (Jannowigtz- brücke) zu melden. . In aller Stille beging gestern das Kroll’ scheEtablissement scin S0jähriges Jubiläum. Die Angestellten des Hauses, welhe diesem durch Jahrzehnte angehörten, überreihten ihrem Chef Herrn Direktor Jofeph Engel cine kostbare Adresse, welche von dem Herzog- lich anhaltisGen Hof-Kalligraphen J. Sack ausgeführt if Der Vormittag vereinte Freunde und Bekannte des Hauses, welche zur Gratulation ershienen waren. Zahlreiße Blumensvendcn, Depeschen und Glückwunschschreiben trafen cin.

Die Jury der Aegintha- Ausstellun g hat mit goldenen Medaillen ausgezeichnet die Händler G. Reiß - Berlin und I. Schulze-Königsberg für ausländische und einheimishe Vögel, den Nestaurateur Raush-Berlin für Kanarien, den Fischzühter Matte- Lankwißz für Zierfishe und den Bogelbaucr-Fabrikanten Schindker- Berlin für Geräthe.

__ London, 15. Februar. „W. T. B.“ meldet: Heute Nachmittag hörte ein Parkwächter in Greenwich fand in der Nähe des Observatoriums Erplosion schrecklich verstümmelten Menschen, welher indessen noch lebte, aber innerhalb einer halben Stunde starb, nac- dem er nur verlangt hatte, ihn nah use zu bringen. Neben ihm fanden fich Bruchstücke einer Flashe, in seiner Tasche eine Karte mit dem Worte „Bourbon“. Der Mann hatte das Aussehen cines Ausländers ; man vermuthet, daß er beim Fall eine Flasche zerbrah, welche Erplosivftoff enthielt; möglicherweise handelt es fih um ein gegen das Observatorium beabsichtigtes Attentat.

einen dur die

Helsingfors, 15. Februar. In der vergangenen Nacht hat fi nah Meldung des ,W. T. B.“ das Eis zwischen dem südlichen Theil des Finnischen Meerbusens und dem Aland-Meer in Bewegung geseßt. Ueber das Schicksal von ungefähr hundert Fischern, die sh mit ihren Negen und ragt dort befanden, ift nichts bekannt; Maßregeln zu ihrer Rettung sind getroffen.

Genua, 15. Februar. Der Schnelldampfer der „Hamburg- Amerikanischen Paetfahrt-Aktien esellshaft“ „Fürst Bismarck*“, welher mit 300 amerikanischen Fahrgästen von New-York aus eine dreimonatige Vergnügungsfahrt nah den Häfen des Orients und Italiens angetreten hat, is, wie „W. T. B.* berihtet, heute früb, von Gibraltar und Algier kommend, wohlbehalten bei sehr \{chönem Wetter im hiesigen Hafen eingetroffen. Hier werden sih noch dreißig weitere Theilnehmer an der Vergnügungsfahrt cinsciffen.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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burg. gatte.

Sonnabend: Zum 55. Male.

Pläße, Zum | Vorher: Lolotte. Schwank in 1 Meilhac und Ludw. Halévy. Anfang

Sonntag, Nachm. 2x Uhr: mil Taubert. Tanz von Emil Kapellmeister Sucher. Anfang Verfehlter Bernf. Lustspiel in

48. Vorstellung. Die Jour- | Frdr. Dernburg und Eugen Zabel.

(Adelheid Runeck: | Der Mustergatte. Lolotte.

42. Vorstelung. Die Uebersetzung

Y | burg. Sonnabend: Gisela. Schausp Zanz von Emil Graeb. Anfang

von Elfe von Schabelsky. Sonntag: A Bass0 Porto. Negligé.

49. Vorstellung. Die Miune-

Viktoria-Theater. Bele - Allia

Anfang 7 Uhr. Die Kinder des Kapitän Grant.

6 7 Ubr. 7} Ubr.

liche Kleeblatt. Zauberposse mit Ballet.

Theater Unter den Linden. Der Obersteiger. West und L. Held. 74 Uhr.

23 Uhr: Dorf und Stadt. Musik von C. Ze

Adolph Ernsi-Theater. Sonna Charley’s Tarte.

Brändon Thomas.

Sonnabend: Madame

Borhex :

acobson und Benno Jacobson. Roth. In Scene gesetzt von Ad. Ern Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Hierauf: Zum 55. Male.

s\ftattung. atung in 2 Abtheilungen von L. Leipziger. 7# Uhr

Akten von

Braut- Hermann

Sonntag: Ætte Sonntags - Vorstell Coulifset. Berlin 1893.

| Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten-

(Le premier mari de France.) Schwank in 3 Akten von Albin Valabrègue.

Wohlthätigkeits- Vorstellung zum Besten der Deutschen Schriftsteller- Genossenschast. Gastspiel des K. K. Hofschauspielers Friedrich Mitterwurzer. Einmalige Aufführung von

Abends 73 Uhr: Leßte Sonntags-Vorstellung von

Anfang 7ck Uhr.

Sonnabend: Nur noch wenige Aufführungen ück mit großem Ballet in 12 Bildern.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, ermäßigte Preise: Lumpaeci vagabundus, oder: Das lieder-

Operette in 3 Akten von M.

Schwank in 3 Akten von G i 5 Die Bajazzi. Fe Pofse mit Gesang in 1 Akt von [9

Zuli von Franz

Pentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Sonnabend: Zum 18. Male. Herr Conlisset. Schwank in 3 Akten von E. Blum und R. Tos. Berlin 1893, Revue

Konzerte.

Konzert-Haus. Sonnabend geschlossen.

Sonntag, Abends 6 Uhr: Karl Meyder-Konzert. Hotel Kölnischer Hof, Krausenstraße 48. Hotel-Gästc haben freien Eintritt.

Der Muster-

Akt von H. 7&4 Uhr. Saal Bechstein. Sonnabend, Abends 72 Ubr:

Lieder-Abend von Ernestine Epstein aus Frantfurt A @. M: 3 Akten von

Birkus Renz (Karlstraße). Sonnabend, Abends 74 Uhr: Z. 1. M. Novität! Sensatignell ! Auf auf zur fröhlichen Jagd. Großes Original-Sport-Schau- itück mit Parforce-Ritt vom Direktor Fr. Renz. Prachtvolle Ausftattung. Wagen u. Requisiten neu. Ballet von 100 Damen. Dressierte Fuhs-Vteutce von 40 Hunden. In keinem anderen Zirkus aus- führbar! Außerdem : der oftpreußishe Hengst Blondel und Monítre-Tableau von 60 Pferden, vorgef. v. Dir. Fr. Renz; Grande Quadrille de la hanuté équitation, geritten von 6 Damen und 6 Herren ; Geschw. Hoffmann ; Mr. Lavater Lee 2.

Sonntag: Zwei Vorstellungen, Nahm. 4 Ukr (1 Kind frei). Komiker-Vorstellung. Abends 74 Uhr: Auf auf zur fröhlichen Jagd.

G E E L T Fe E I D O R F R Es E P E S A 1 Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Franziska von dem Knesebeck mit Hrn. Richard von Stralendorff-Kohlhaus (Schwe- rin—Necheln). : Geboren: Ein Sohn: Hrn. Regierungs-Rath Delbrück (Danzig). Eine Tochter: Hrn. Arthur von der Heyde (Angerburger Wafsermühle). Gestorben: Verw. Fr. Major Groß, geb. Freiin von Sternfeldt (Berlin). Hr. Rittmeister a. D. Richard von Engelcken (Potsdam). Hr. Anmté- rihter Meydam (Berlin). Hr. Hauptmann

D. und Rittergutsbesißer Edmund von Mah (Gaffert bei Wundishow t. P.). Hr. Eisenbahn- Direktions-Präsident a. D. Siegmund von Schmer- feld E A Fr. Geh. Rath Pauline Strahl, geb. Gruß (Görliß). Hrn. Professor Oberst Sohn Dietrih (Halle a. S.). Verw. Fr. Major Louise Krieg, geb. Köppe (Berlin). Hr. Amtsgerihts-Rath Carl Neukirchner (Brieg).

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Sonnabend:

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bend, 74 Uhr :

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlagë- Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Acht Beilagen (einshließli*z Börsen-Beilage).

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eine heftige Explosion und

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Erste Beilage E : zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Slaais-Anzeiger.

Berlin, Freitag, den 16. Februar

894.

Deutscher Reichstag. 50. Sihung vom Donnerstag, 15. Februar, 1 Uhr.

Die Spezialberathung des Post-Etats wird fortgeseßt. Ueber den Beginn der Berathung is bereits in der Nummer vom Donnerstag berichtet worden. Dem ersten Redner, Abg. Sch midt-Warburg (Zentr.), welcher dîe geforderte erste Rate für ein E Raue in Deutsch:Krone be-

nstandet, antwortet der a E

A Regieruñgskommissar, Direktor im Reichs - Postamt, Wirkliche Geheime Rath Dr. Fischer: Der Spruch des Derrn von Meyer paßt hier niht; es geht wirklich nicht mehr fo. Niemand fann pa garantieren, daß das jeßige Posthaus niht über Jahr und Tag den Beamten über dem Kopf zusammenstürzt. Deutsch-Krone ist namentlih bezüglih des Transitverkehrs ein sehr wihtiger Postort ; die Einwohnerzahl kommt dabei garniht in Betracht, es haben fogar Orte mit noch geringerer Einwohnerzahl noch größere reidteigene Postgebäude erhalten. A M Abg. Gamp (Np.) tritt gleichfalls für die Bewilligung ‘kin, die in der Budgetkommission einstimmig erfolgt sei. Es fomme die Unterbringung einer relativ sehr bedeutenden Zahl von Beamten in Betracht. Man solle doch_uiht am unrechten Orte sparen. : Abg. Dr. Müller -Sagan (Fr. Volksp.) weist darauf hin, daß vielfah Gebäude der Justizverwaltung mit viel geringerem Prunk und Schnörkeleien hergestellt sind, als die Postbauten. In jedem Fall hätten die ästhetishen Interessen bei den Postbauten den Verkehrs- interessen nachzustehen. Die prunkende Manier der Posftgebäude ent- \sprehe niht dem Charakter und der Würde von Staatsbauten. „In dieser Beziehung sollte man sich bei der Post von dem bisherigen opfitil emanzipieren. S E i L Aba. S Gmidt -Warburg (Zentr): Jh. habe mich über die Stimmung der Kommission zu informieren gefucht, habe bei einem Fraktionsgenosfsen, der der Kommission angehört, nachgefragt, und der hat den Referenten (Abg. Möller) gefragt, von diejem aber zur Antwort erhalten: Die Postbauten find in der Kommission an dem Tage vorgekommen, wo der Fürst Bismarck® in Berlin einzog, da lasse sih keine genaue Auskunft ertheilen. (Heiterteit.) In der preußischen Justizverwaltung wird bei den Bauten durch den Finanz- Minister viel zu viel gestrichen; aber wir könnten nur wünschen, daß der Staatssekretär Dr. Graf von Posadowsky wenigstens einigermaßen dem Staatsfefretär Dr. von Stephan auf die Finger sähe. Be-

denklich bleibt “mir die hohe Summe von 1500 s für die Interims- j

ä Der Bau ließe sich für die Hälfte herstellen. E a 1s De S L enr) pált den ganzen Streit für sehr überflüssig. Das Bedürfniß sei allgemein anerkannt ; die beabsichtigte Art der Ausführung finde eigentlich nur wegen des projektierten Thurmes Widerspru. Der Thurm solle ja aber in seinem untern Theile Dienstwohnungen erhalten, außerdem s{ließe sih das Dat projekt in glückliher Weise dem architektonishen Charakter der Dert- ea Gamp (Ry.) kann nicht finden, daß bei den Justiz- gebäuden allzu sehr gespart wird; manche Schwurgerichtssäle fönnten weniger geräumig und weniger luxuriös gebaut sein; es wäre d gerade ersprießliher, den Zudrang solcher Elemente zu beschränken, für welGhe die Verhandlungen nur die Schule des Verbrechens find. Abg. Gröber (Zentr.) begreift zwar die Erregung des Abg. Gamp, der für einen Postbau in seinem Wahlkreise fämpfe, fann aber nicht gelten laffen, daß das Kommissionsvotum den einzelnen Abgeordneten verhindern foll, seine entgegengeseßte Meinung zur Gel- tung zu bringen. Der vorgelegte Bauplan lasse viel Lhêr auf eine Kirche, als auf einen Postbau schließen. Ohne den Thurmaufpuß könne man thatsächlich g Boas: A Preis ein genügendes Gebäude ir einen fo abgelegenen Ort herstellen. ; S s Die Bo pderana wird mit geringer Mehrheit bewilligt. Zur Erwerbung eines Bauplaßes und zur Herstellung eines Dienstgebäudes in Greifswald sind rot. 430 000 erforderlih, wovon 266 785 F als erste Rate in den Etat eingestelli sind. Auch dieses Postgebäude ist mit einem der Architektonik der Ostscestadt und speziell der Bauten am Markt angepaßten Giebel und Thurmbau projektiert. 2 i Nach einer kurzen Bemerkung des Abg. Schmidt- Warburg (Zentr.:), der die Position bewilligen will, weil sch{ch eine Abjezung der Kosten für Giebel und Thurm doch nicht ermöglichen lassen würde, genehmigt das Haus die Forderung. Als erste Rate zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Potsdam werden 220 000 M gefordert. Geplant ist ein Sandsteinbau, der im ganzen 2200 000 kosten soll; in ihm soll die Ober-Postdirektion und das Post: und Telegraphen- amt untergebracht werden. Die Kommission hat zwar die ge- forderte erste Nate wegen der Dringlichkeit des Baues be- willigt, und zwar „zu Fundamentierungsarbeiten , gleichzeitig aber éine Resolution beschlossen, wona der Reichskanzler er- sucht wird, den Plan des in Potsdam herzustellenden neuen Dienstgebäudes unter Zugrundelegung cines Ztegelsteinbaues entwerfen zu lassen. N A E Ohne Debatte wird der Titel mii der Resolution ange- nommen. L ¡ Für das Postgebäude in Schwerin sind als erste Rate 120 000 4 ausgeworfen. Die Gesammikosten belaufen sih 2 5 Át / F i L E midt - Warburg (Zentr.) beantragt, da in dem Kosten- anshlag ein Posten von 70000 A allein für Steinmetarbeiten sich finde, die a pre auf die Me weiterer Ersparungen noch- mals i ommifsion zu prüfen. ; ; E “Unte Ablebmná dieses Antrags wird der Titel bewilligt. Die Forderung von 108760 6 für Erwerbung eines

: inem neuen Dienstgebäude in Hamm beantragt ; A ao ; Nach dem Etat soll das i

Abg. Schmidt-:Elberfeld zu streichen. ) der biete, Gebäude für das Ober-Landesgeriht und Amts- geriht in Hamm vom preußischen Justizfiskus „für den genannten Preis erworben werden. Jnzwischen find aud) Petitionen aus Hamm eingegangen, welche theils das Ver- bleiben des Postgebäudes auf dem Bahnhof befürworten, theils das neue Projekt damit empfehlen, daß das neue Ge- bäude im Mittelpunkt der Stadt gelegen 1E L

Abg. Schmidt- Elberfeld (fr. Volksp.): Daß das Gerichts- ebäude im Mittelpunkt der Stadt gelegen sei, ist ein_ Irrthum. s liegt im Zentrum der Altstadt. Die Verkehrsinteressen weisen jedenfalls auf den Bahnhof hin, wo sich_ jeßt die Post befindet. Wird die Position heute abgelehnt, so s{ädigt das niemand; die Verwaltung könnte aber in eine nohmalige gründliche Prüfung der Lokalfrage eintreten. Fs der Umbau am Bahnhof unmögli, fo wird zu erforschen sein, ob nit ein- anderer Fn als das Ge- G den Verkehrs- und den postalischen Interessen mehr entspräche. ,

Abg. Lenzmann (fr. Volksp.) steht _in dieser Frage auf der Seite der Postyerwaltung. Inmitten der Stadt müsse das neue Ge-

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bäude auf jeden Fall errihtet werten. Für den Bau am Bahnhof träten nur zwei, freilih sehr mähtige Drahtwerke in seiner unmittel- baren Nähe ein; die ganze übrige Cinwohnerschaft wolle die Post in der Mitte der Stadt haben. Die Altstadt sei der Siß des soliden Bürgerthums und keineswegs im Absterben begriffen. Die Neustadt am Bahnhof sei vorwiegend Arbeiterviertel. Gerade daß die Posi. den Wünschen der kapitalmächtigen Werke nit nachgekommen sei, be- weise, daß diefe Wünsche „unhaltbar sein müssen. Man müsse in diefem Punkte der Autorität D ere enE doch etwas mehr Werth beilegen als den Petitionen der Intere}senten. S D erie cat, Direktor im MNeichs-Postamt, WVirklicßer Geheimer Rath Dr. Fis ch er: Die Postverwaltung verfährt nicht mit Bevorzugung der großen oder der kleinen Industrie, sondern sie sucht beiden nah Maßgabe ihrer Kräfte gereht zu werden. In der Sache selbst freut sie ih, von einem fo guten Kenner der Verhältnisse in diesem Falle unterstüßt zu werden. Für den Bau auf dem Platze des Justizfiskus haben sih in neuesten Petitionen der Stadtverordneten- Vorsteher, Justiz-Rath Windthorst und zahlreiche hervorragende Bürger ausgesprochen, ebenso hat der Ober-Bürgermeister den Bauplaß für sehr geeignet erflärt. Am Bahnhof soU übrigens unter allen Um- ständen eine vollberechtigte Annahmestelle verbleiben , sodaß die „Westfälische Drahtindustrie“ niht den mindesten Nachtheil von der Verlegung haben fann und wird. E O | Abg. Dr.- Hammacher (nl.) tritt für die Etatsforderung ein. Zu einer wirklihen Abwägung dec in Betracht kommenden lokalen Interessen sei der Reichstag nit befähigt; er habe in diefer Beziehung zu vertrauen, daß die Verwaltung ihrer Aufgabe, diefelben gerecht gegen einander abzuwägen, nagefoinmen sei. Bon den sonstigen Be- denken abgesehen, würde ein Neubau am Bahnhof ganz unverßhältniß- mäßig theuer zu stehen kommen. : f Abg. Schmidt- Elberfeld (fr. Volksp.) verwahrt sih gegen die in den Worten des Abg. Lenzmann möglicherweise [liegende În- sinuation, als ob er die Interessen des Gropkapitals vertreten habe. Die eine der gegen das Projeït_ eingelaufenen Petitionen trage 2091 Unterschriften. Hätte Hamm so viel Großkapitalisten, es könnte ich gratulieren. E s Vba, Lenzmann (fr. Volksp.): Diese 2091 Mann sind die Ar- | beiter der erwähnten großen Werke. E N Abg. von Leipziger (dkons.) spriht si für den Antrag Schmidt, Abg. v. Kardorff (Np.) für die Bewilligung aus. t Geheimer Rath Dr. Fischer weist gegenüber dem Abg. yon Leipziger nohmals auf die Stellungnahme des Ober-Bürgermeisters und des Stadtverordneten-Vorstehers von Hamm hin. H Die Position wird bewilligt. Die Forderung-für Liffa wird, entsprechend dem Kommissionsantrag, ohne Debatte ab- gelehnt. Der Rest des Extraordinariums wird ohne Dis- fussion genehmigt. : | Das Haus wendet sich nunmehr zu den Einnahmen. Den Ansaß für Porto- und Telegraphengebühren hat die Kommission von 2451/2 Millionen auf 248 970 000 erhöht, und zwar, wie der Referent mittheilt, auf Grund einer Acußerung des Staatssekretärs Dr. von Stephan auf dem Bankett des Deutschen Handelstags über die Zunahme des Vezkehrs. Abg. von S (dkons.) beantragt die Rück- ängigmachung dieser Erhöhung. E S 9 aa ueg E Direktor im NReichs-Schaßamt, Wirklicher Geheimec Rath Ashenborn: Der von der Kommission empfohlene Weg ist ein schr ungewöhnlicher, die leßte Analogie ist aus dem Jahre 1883 nachzuweisen. Gegen die Grhöhung der Einnahme- anschläge spriht die Ctatspraris und die Rückwirkung auf die Etats der Einzelstaaten. Der Anschlag für die Poft erfolgt seit zehn Jahren in genau derselben Weise; er ist berechnet mit allen den Garantien, welche für zutreffende Veranschlagung überhaupt gewonnen werden fönnen. Er ist sogar noch optimistisch beeinflußt. Die Kommisston i will aber diesmal die Abrehnung des wahrscheinlihen Ausfalles an dem rechnungsmäßigen Plus nicht eintreten lassen, sondern den frak- tionsmäßigen Zuschlag voll in den Etat einstellen. Für die beiden abgelaufenen Jahre is der Anschlag nicht erreicht, im laufenden Jahre ist allerdings für die ersien neun Monate ein Yebers{uß von 770 600 Æ vorhanden. Mit diefer Summe kann der Mehranfaß nit begründet werden; noch weniger aber kann er begründet werden auf bloße Hoffnungen einer wirthschaftlißen Besserung hne jede rechnerishe Unterlage. Die Isteinnahme des laufenden Jahres ge- stattet auch keinen höheren Ansaß als 2495 Millionen. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß besondere Verhältnisse besonders stimulierend auf die Zunahme des Verkehrs und somit auch des Post- verkehrs wirken werden. , i E Abg. Schmidt-Elberfeld (fr. Volksp.): Ich hatte neulich_ die Erhöhung des Maximalgewichts der einfachen Briefe von 15 auf 20 Gramm verlangt und mich auf Zahlen gestützt, die „der Direktor im Reichs-Postamt Sachse als unrichtig bezeichnete. Der Direktor Sachse hat später zugegeben, daß feine und meine Statistik sich nicht decken. Ist das der Fall, so muß eine der beiden Statistilen falsch sein. Lege ih seine Zahlen zu Grunde, fo haben wir 696 „Mil lionen Briefe, wovon 605, 45 und 47 Millionen auf die Briefe von unter 15 Gramm, zwischen 15 und 20 Gramm und über 20 bis 250 Gramm kommen. Diefe Zahlen find nicht rihtig, man müßte denn den gesammten Verkehr nah Bayern und Württemberg zu den Doypel- | briefen renen. &s gab über 15 Gramm nur 62s, nicht 92 Miil- lionen Briefe. Entsprechend korrigieren si die Prozentzahlen, die Direktor Sachse angegeben hat. Ebenso wenig ist nachweisbar, daß die Uebertragung der Verbilligung der einfachen Briefe auf das Aus- land 14 Millionen Mark Ausfall bringen würde. Ich empfehle der Verwaltung wiederholt dringend das Eingehen auf unsere orderung ; es handelt fih nur um einen geringen Ausfall, denn die Zahl der Briefe von 15—20 Gramm ist eine schr mäßige im Vergleich zu

sämmtlichen Doppelbriefen. Auch der Staatssekretär Dr. von Stephan j felbst hat im Pedaitier 1889 nur von einem Ausfall von 2 Mil- lionen gesprochen. (Staatssekretair Dr. von Stephan: Vor vier Jahren!) Die Statistik von 1891, auf welche die Post sih beruft, ist offenbar nur theilweise in Deutshland aufgenommen worden ; von den Beamten, E ih befragt habe, ist fkeiner- an dieser | Statistik betheiligt gewesen. : i, L E E Direktor im Reichs-Postamt, Wirklicher Geheimer Nath Sachse: Der Vorredner beharrt bis zur Stunde auf seiner Behauptung, daß der Ausfall nur 5—600 000 A. betragen würde. Jch habe die richtigen Zahlen gegeben, der Abg. Schmidt zweifelt auch diese an. Die Statistiken find nicht etwa falsch, weil sie sich nit decken. Der Abg. Schmidt scheint zu bezweifeln, ob diefe Statistik von 1891 überhaupt aufgenommen iss. Ihre Aufnahme ist damals dur die Ober-Postdirektionen erfolgt; ihre Ergebnisse habe ih hier amtlich vorgetragen. Aber selbst nah der Statistik „des Abg. Schmidt betrüge der Ausfall noch 3 200 000 4 Seine Be- rechnung stüßt sih auf unrichtige Pr ungen, die er für wenigstens wahrscheinlih gehalten hat; er glaubt einfach an das Verhältniß von 109% der Briefe von 15—20 g zu der Gesammtzahl aller Doppel- briefe, während diese 10% das Verhältniß der Doppelbriefe zur Gesammtzahl aller Briefe überhaupt darstellen ! : | Abg. Schmidt - Elberfeld (fr. Volksp.) beharrt dabei, daß die Zahlen des Direktors fals sind, weil sie mit der allgemeinen amt-

A f r Dirof ; ) tel 5 #4 M rft or Negierungskommissar, Direktor im Meichs- Postamt, Wirkiicher

lien Statistik niht übereinstimmen. Die Statistik von 1891 könne iht richtig sein. Ó 2 s

t Tbe Pr: Hammacher (nl.) tritt dem Kommissionsbeschluß ent- gegen, dessen Ünhaltbarkeit der Direktor Aschenborn uy iderleglich dargethan habe. Gerade beîï den Einnahmen müsse man - Berant- wortung für die eingestellten Summen der Regierung überlassen. Bei den allgemeinen Ken über Notbstände sei eine plößlihe Zunahme es Verkehrs ausgeschlossen. : E

s Abe Ribtee (fr Voltsp.): Direktor Aschenborn hat hier nichts vorgebracht, was er nit {hon in der Budgetkommission vorgebracht hat; troßdem ist der Beschluß in der Kommission mit zwei Drittel Mehrheit gefaßt worden. Wer es {wer nimmt mit der Deli

neuer Steuern, muß auch die Etatseinnahmen rihtig bemeffen. dürfen in der Veranschlagung der Einnahmen „an keine Schablone gebunden sein. Es existiert hier weder eine konftante Praxis, noch eine grundsäßliche Frage bei dem Regierungsansaß. Wir gehen viel- mehr grundsäßlih zu Werke, indem wir den dreijährigen Durchschnitt zu Grunde legen; die Regierung macht einen willkürlihen Abstrich davon. Man mahnt zur Vorsicht, diese Vorsicht ist aber für uns da geboten, wo es sich darum handelt, den Einzelstaaten niht zu viel Matrikularbeiträge aufzulegen. Eine Verkehrssteigerung ist auch für die nächste Zeit zu erwarten und auf die Cholera, auf welche der Staatssekretär Dr. von Stephan hingewiesen, können wir doch nit den ganzen Etat einrichten.

Staatssekretär Dr. von Stephan:

Meine Herren! Ich möchte zunälhst der Anführung des Herrn Abg. Nichter widersprechen, die dahin ging, daß die Regierung wegen der neuen Steuern ein besonderes Interesse daran hätte, die Etats- ansäße in den Einnahmen möglich\ nieduig, ersheinen zu lassen, und daß sie die Etats unter diesem Gesichtspunkt entworfen hätte. Dies ist in feiner Weise richtig, cs läßt sich vielmehr bei jeder einzelnen Position in unserem Etat ausdrücklich nachweisen, daß diese Absicht nirgends vorge- valtet hat.

Wenn dann der Herr Abgeordnete gesagt hat, der Herr Staats- selretär des Reichs-Schazamts habe bei seiner ersten einleitenden Nede ausgeführt, die Abschlüsse der Post und Telegraphie ständen sehr günstig, es wäre mit einem Plus von 24 Millionen zu rechnen : fo war das da- mals i glaube, es war im November, als die Rede gehalten wurde vollständig richtig. Es war damals auch das .rihtig, was i auf dem Handelstage gesagt habe. Seither haben sih aber die Verhältnisse wesentlich in pejus verändert. Nach den Abschlüssen für Dezember befanntlich immer einer der besten und ergiebigsten Monate der Post wegen des Weihnachtsdienstes, (Zuruf, links) FE ja, Sie wollen die zwei Feiertag mitrechnen; diese spielen aber dabei gar feine Rolle, weil diesmal der Sonntag dazwischen lag E also na dem Abschluß pro Dezember 1893 hat sich bei der Post und Telegraphie ein reiner Ueberschuß von 5 Millionen ich nenne runde Zahlen ergeben; im Dezember des vorhergehenden Jahres ein solcher von 7 Millionen, das ist mithin in diesem Jahre für einen einzigen Monat ein Ausfall an Uebershuß von 2 Millionen Mark. Hierauf muß doch auch sehr wesentlih gerücksihtigt werden, ehe man hier eine solhe Erhöhung dzs Etatsfaßes vornimmt.

Nun hat der Herr Abgeordnete gesagt, wir hätten nur 24 Millionen Mark Mehransaß machen können ; wir haben aber, wie Sie aus dem Etat ersehen, einen MehrübersGchuß von 4570000 M ausgebracht. Wir haben also diesen Momenten einer möglichen oder auch wahr- \cheinlichen Steigerung {hon im vollsten Maße Rechnung getragen. Nach dem Beschluß in der Budgetkommission soviel ich mich übrigens erinnere, war es nicht eine Mehrheit von zwei Drittel Stimmen, sondern eine geringere; ih lege darauf indeß weiter keinen Werth find bei der Porto-Einnahme 3 470000 6 zugeseßt worden. Dadurch is unser Ueberschuß, der im Etatsentwurf auf 15 983 000 4 angegeben ist, auf 19453 000 #., also um etwa 22 9/0 erhöht. Wie können Sie nun wohl erwarten, meine Herren, daß es einer Betriebsverwaltung möglich sein wird, ihren Uebershuß, den sie ge- wissenhaft und unter Beobachtung aller darauf Einfluß habenden Momente veranschlagt hat, in einem einzigen Jahre um 22 9/9 zu er- höhen? Es ist das in der Etatsgeshihte ich muß mich wirkli dieses Ausdrucks bedienen ein ganz unerhörtes Vorkommniß, das noch niemals dagewesen ist. Wir haben in den leßten 25 Jahren ein einziges Mal eine Erhöhung in den Einnahmen, der Post- verwaltung vorgenommen und zwar im Jahre* 1880/81 Herr Richter war ja damals Mitglied der Budgetkommission. Das geschah aber und ih bitte Sie, den Unterschied wohl zu bemerken mit Zustimmung der Postverwaltung. Wir konnten dies damals thun mit NRüksicht auf eine ganze Anzahl günstiger Momente, die {hon im voraus wit Sicherheit eine entsprechende Entwickelung des Verkehrs erwarten ließen. Hier aber liegt die Sache in so fern ganz anders, als die Regicrungen sich durch ihre Vertreter entschieden gegen die Er- höhung des Einnahme-Etats erklärt haben, entiprehend der alten Praxis, die immer bei der Etatsberathung geherrscht hat, und dur die wir uns vor Entiäushungen und Erschütterungen be- wahrt haben, wie sie am Schluß des Jahres eintreten werden, wenn diese hochgespannten Hoffnungen und Erwartungen nicht in Erfüllung gegangen sind. Mit einer Verkehrsverwaltung das weiß ja der geehrte Herr Abgeordnete, der eben gesprochen hat, mindestens eben so gut wie ih ist es ein ganz anderes Ding, als mit den Steuerquellen. Bei der direkten Steuer {öpfen Sie aus einem vorhandenen Bassin. Die Post und Telegraphie find aber wie ein großer Strom abhängig von den Zuflüssen, von den atmo- sphärischen Niederschlägen u. \. w., kurz von allerhand Vorkommnissen, die die Verwaltung gar nicht in der Hand hat; sie befindet {ih bei der heutigen Weltwirthschaft in vollständiger Abhängigkeit vom gesammten Verkehrsleben nicht allein des Vaterlandes, sondern der ganzen Welt. Unsere Korrespondenz umfaßt jeßt etwa 2000 Millionen Sendungen, von denen 500 Millionen, alfo der vierte Theil, auf die ausländische Korrespondenz entfallen, und das sind wahrscheinlich die gewihtigeren Briefe, weil sie die großen Nhederei- und Kolonial- geshäfte in der Ferne betreffen. Sie sehen schon hieraus, daß die Post in ihren Einnahmen von der Entwickelung des Verkehrs und von der Wohlfahrt auf der ganzen Erde abhängig ist. i

Nun nehmen Sie solche Ereignisse, wie sie die Welt augenblicklich

bewegen! Amerika ist ja eigentlich für den Verkehr zum theil ausgefallen.