1894 / 43 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

eben. Seine Majestät der Kaiser ließ nach der ersten N Is am Sonnabend durch den General-Intendanten Grafen von Hochberg sämmtlichen Mitwirkenden Allerhöchstseine besondere Anerkennung und Befriedigung ausdrücken. Im Laufe der gestrigen ¿weiten Aufführung war der anwesende Komvonist, Herr Leoncavallo, Gegenftand lebhaftester Beifallsbezeugungen von Seiten des vollen Hauses und erschien zehnmal vor der Rampe.

Im Königlihen Schauspielhause wird morgen Shake- speare’s „Sommernachtstraum mit Mendelsfohn's Musik gegeben.

Die Direktion des Deutschen Theaters hat, wiederholten Anreaungen aus dem Publikum folgend, beshlossen, die Anfangszeit der Vorstellungen eine halbe Stunte später als bisher anzuseten. Es werden somit von morgen ab sämmtliche Vorstellungen um 7 Uhr beginnen. Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Friedrib Leopold wohnte am Sonnabend der Aufführung des Lustspiels „Der Herr Senator* bei. | f

In dem Kammermusik-Konzert des Berliner Ton- künftler- Vereins (dem dritten Theil des Musikfestes), welches am 24. d. M. im Saal Bechstein stattfindet, werden Fräulein Adeline Herms, Fräulein Gertrud Heinrih fowie die Herren Hermann Stae- ding und Severin Lieder singen, welhe von den Vereinsmitgliedern Wilh. Tappert, Rich. Wustandt, Ad. Stemler und Otto Schmidt komponiert sind. Billets sind zu haben in den Musikalienhandlungen von P. Thelen, Friedrichstraße 223, und Rich. Rühle, am Mo ißplay.

Frau Clara Meyer und Herr Max Grube gaftierten am Freitag am Herzoglihen Hof-Theater zu Dessau zum Besten der Deutschen Bühnengenossen\haft in dem Lustspiel „Was ihr wollt“. Beide Künstler wurden von Seiner Hoheit dem Herzog durch Ver-

leibung des Verdienst-Ordens für Kunft und Wissenschaft ausgezeichnet.

Mannigfaltiges.

Der Stadthaushalts-Etat für Berlin auf das Ver- waltungsjalr 1894/95, welcher nunmehr gemäß § 66 der Städte- ordnung auf dem Berlinischen Rathhause im Finanz- und Nechnungs- Bureau, Zimmer 35s, in den Vormittagsftunden von 11 bis 1 Uhr zur Einsicht für die biesigen Einwohner auslicgt, {ließt in der Ginnahme und Ausgabe mit 85 043 745 #46 Die größte Einnahme «weist die Steuerverwaltung mit 43 409 247 A auf, der nur eine Ausgabe von 385500 .& gegenübersteht. Die Ueberschüsse der städtishen Werke, soweit sie der Stadt-Hauptkasse ¿u gute kommen, sind in Kapitel 11 enthalten. Die Ausgaben dieses Kapitels betreffen den Zuschuß, welcher aus Mitteln des Stadthauéthalts- Etats zur Deckung der Mindereinnahmen der Kanalifationsverwaltung zu leisten ist, Der Etat für 1893/94 {ließt mit 83 124534 M, also 1894/95 gegen 1893/94 höher um 1919 211 «4 An der Ein- nabme der Steuern partizipieren : die Miethsfteuer mit 13 000 000 46, dic Hausfteuer mit 6 200900 M, die Hundesteuer mit 473 900 A, die Gemeindeeinkommensteuer mit 23 154 847 e, der Braumalzsteuer- zuschlag mit 580 000 / und die Wanderlagersteuer mit 500 16

Anläßlich verschiedener, von der Firma Siemens u. Halske ein- gereihten Prcejekte zum Bau von Straßenbahnlinien mit elettrischem Bet1icb erachtet, der „Nat.-Ztg.“ zufolge, der Magistrat, bei der Verschiedenheit der Ansichten und Wünsche, welche bisher in Bezug auf den Umfang der der Unternehmerin ein- zuräumenden Rechte fowie ter ihr aufzuerlegenden Leistungen zu Tage getreten sind, es im Interesse des Zustandekommens der Berträge für unerläßlih, daß von vornherein beide s\tädtischen Körperschaften zu- fammenwirken, um die Grundsäße zu vereinbaren, welhe bei den späteren Verhandlungen mit der Firma bezw. deren Auftraggebern als Richtschnur dienen follen. Er hat daher die Stadtverordneten- Versammlung ersucht, sie möge sih damit einverstanden erklären, daß eine aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung bestehende Deputation eingeseßt werde, welche den Auf- tiag crhâlt, mit der Firma Siemens u. Haléke bezw. deren Ausftrag-

gebern über die Bedingungen für die Genehmigung zum Bau und Betrieb der von ihr projektierten elektrishen Straßenbahnen zu ver- handeln und die betreffenden Verträge vorzubereiten. Was die Zu- sammensezung der Deputation betrifft, so s{lägt der Magistrat vor, daß dazu 7 Mitglieder des Magistrats und 15 Stadtverordnete be-

stimmt werden. E

Der Ballon „Phönix, welher unter Führung des Premier- Lieutenants t am Sonnabend früh 8 Uhr in (Tharlottenburg auf- gestiegen war, ist laut Meldung des ,W. T. B.“ um 4 Uhr Na- mittags nördlich von Budweis in Böhmen glatt gelandet. Der Ballon hat über 4000 m Höhe erreiht: der tieffte Stand des Thertnometers war 30 Grad Kälte.

Im Zirkus Nenz wird seit Sonnabend, als Nachfolger der seit November v. J. mit vielem Erfolg aufgeführten Ausstattungs- Pantomime -„Huldigungögruß an Berlin“ und des {hon von der vor- jährigen Spielzeit ber in guter Erinnerung stehenden „Künstlerfestes*“, ein von Herrn Direktor Franz Nenz arrangiertes „Original- Sports-Schaustück* mit dem Titel „Auf, auf zur fröhlichen Jagd” gegeben. In drei Abtheilungen wird den Zuschauern cine regelrechte Parforcejagd mit allen ihren lustigen Ueberrashungen und aufregenden Gefahren vorgeführt, und es werden dabei Leistungen auf dem Gebiet der Dressur gezeigt, wie sie wohl besser bisher noch an keiner Stelle gesehen worden sind. Nachdem man in früher Morgenstunde in einer Wildrestauration das Zusammensftrömen der Jagdgäfste, die auf den verschiedensten Fuhrwerken herbeikommen, unter denen elegante Viererzüge, Droschken erster und zweiter Klasse, sowie Omnibusse nicht fehlen, und das muntere Treiben nah der Ankunft becbachtet hat, verwandelt sich mit zauberhafter Schnelligkeit die Scene. Die Zuschauer werden Zeugen zuerst des Aufbruhs zur Jagd, —- voran der Piqueur mit einer Meute von vierzig Hunden und dann der wilden Jagd selbst, bei welcher die s{chwierigsten Hindernisse anscheinend mit spielender Leichtigkeit von allen berittenen männlichen und weiblihen Jagdtheilnehmern überwunden werden. Nah Be- endigung der Jagd folgt ein großes Festbanguct sämmtlicher Jagd- theilnehmer, wobei zur Unterhaltung der Schmausenden fröhlihe Tänze von den Kellnerinnen sowie zwanzig Damen als Jäger und zwanzig anderen Damen als Spocrtsmen, ausgeführt werden. Nah Dar- stellung der Heimkehr auf denselben Wagen, welhe die Gäste zur Jagd zusammengeführt haben, wird zum Schluß von dem Piqueur mit der Meute und den Jägern cin Hubertus - Tableau gestellt, das in magischer Beleuchtung von wunderbarer Schönheit ist.

Kiel, 17. Februar. Ueber das Unglück auf dem Panzerschiff „Brandenburg“ wird der „Kiel. Z.“ noch berichtet: Gleich, nach- dem das Unglück geschehen, wurde es nah Kiel gemeldet und um ärzt- lihe Hilfe gebcten. Ven den im Hafen und in der Werft liegenden Kricasschiffen batte nur das Wachtschiff „Peclikan“, das am Montag in See gehen fol, Dampf auf. An Bord desselben wurden daher fehz Aerzte der Marine eingeschifft, um an die Unglücksstätte befördert zu werten, wo das monövrierunfähig gewordene Schiff lag. Ein Werft- dampfer folgte. Auch Seine Königliche Hoheit der Prinz Heinrich begab sich mit Pinasse in See und an Bord der „Brandenburg“. Dort hatte man inzwischen die Todten an Deck gebracht, während etuige befon- ders fchwer Verwuntete mittels cines draußen befindliden Schul- Torpedoboots nah Kiel geschafft worden waren: ¿wei davon konnten nur als ichen ins Lazareth geschaft werden. Wahrend die an Bord des Panzerschiffs gebliebenen Verwundeten von den Aerzten aufs sorgsamste untersuht und verbunden wurden, begann man auf Bakbordseite die Leichen auf den Werftdampfer hinüberzushaffen, wo sie auf Deck ausgebreitet lagen. Der Dampfer traf gegen 6 Uhr an der Blücherbrücke ein, von wo die Leichen in die Leichenhalle des Lazareths befördert wurden. Die Verwundeten blieben auf dem Panzerschiff, das nunmehr vom ,„Pelikan“ ins Schlepptau genommen und nah Kiel bugsiert wurde. Dic Fahrt

ging nur langsam von statten, denù für den leihten Transportdampfer war es ein chweres Stück Arbeit, den gewichtigen, jeßt {wer steuer- baren Panzer vorwärtszubringen. Erst gegen 10 Uhr trafen die beiden Schiffe im biesigen Hafen “ein. „Brandenburg“ ging in der Wiker Bucht vor Anker und wurde von einem kleineren Dampfer in die Werfteinfahßrt bugsiert. Von den Verwundeten ift ‘über Naht ncch ein Wersftarbeiter gestorben, der heute früh von Bord zum Lazareth gebracht wurde. Die übrigen Verwundeten befanden ih beute Morgen noch an Bord und wurden Mittags 12 Uhr mit dem Wasserfahrzeug T an die Barbarossabrücke und von - dort auf einzelnen Bahren zum Lazareth befördert. Der „Nord-Ofsisee-Ztg.“ entnehmen wir noch folgende Mittheilungen: Der gestrige Transport der Todten von Bord der „Brandenburg“ an Land erfolgte hinter der Mearine-Akademie. Die Verwundeten wurden dagegen zweck3 Ak- kürzung des Lazareth-Transports an der Barbarossabrüde gelandet. Die Mehrzahl der Getödteten hatte im Unglücksraume eine liegende Stellung, die Arme vor dem Gesicht. Die Köche sind in der Küche vom Dampf ereilt worden. Ein Mann hatte bereits den Ausgang erreiht, als er am Lungenschlag verschied. Mehrere der Todten wiesen kaum nennenéwerthe Verleßungen auf, da sie infolge Verbrennung der Lungen am Lungenschlage verschieden sind. Bei anderen dagegen war infolge der entscßlihen Verleßungen eine Identifizierung der Per- fönlihkeiten faum möglich. - In einzelnen Kabinen mußten die Jn- fassen, um dem eindringenden Dampf zu entgehen und frische Luft zu gewinnen, die Nundscheiben der Kabiney einschlagen. Von den an Bord verblicbenen Verwundeten litt namentli ein an den Händen schrwer verbrannter Mann unter entsctzlihen Schmerzen.

Helsingfors, 17. Februar. Das Eisfeld, welches sich im Finnishen Meerbusen los1öste (vgl. Nrn. 41, 42 d: Bl), hat fich nah dem Bericht des „W. T. B.“ în zwei Theile getheilt, desen größerer mit mehreren hundert Perfonen sich nah Hogland zu bewegt, während der kleinere sechs Kilometer vom Festlande sid Lefindet. Die auf letzterem Theil befindlihen 75 Personen und 18 Pferdé find durch Ingermanländer gerettet worden. Ein finländisher Eiebrecher ist zur Rettung der Verungllückten abgegangen. Die Militärbehöuden von Kronstadt haben gleichfalls Hilfe gesandt.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Kiel, 19. Februar. (W. T. B.) Die Beerdigung der bei der Katastrophe auf der „Brandenburg“ Verunglüten findet am Dienstag Nachmittag vom Marine-Lazareth aus auf dem Garnison-Kirchhofe statt. Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers werden alle Verunglückten mit Ehrenbezeugungen, wie ste vor dem Feinde gebliebenen Kombattanten erwiesen werden, bestattet werden. Seine Majestät beauftragte den Admiral Knorr mit Allerhöchstseiner Vertretung bei der Beisezung und mit der Niederlegung des aus Berlin einge- tröffenen . Kranzes. Seiner. Maseltät: au gor Gruft. Die Trauerparade wird von den Panzerschiffen „Baden“, „Bayern“, „Sachsen“ und „Württemberg“ gestellt werden, alle übrigen Truppen und Marinetheile werden Deputationen entsenden. Viele Kriegervereine und Korpora- tionen haben um die Erlaubniß gebeten, sich an der Beerdi- gungsfeier bethciligen zu dürfen. Jm Zustande der Ver- wundeten ist keine Verschlehterung eingetreten,

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zioe:tez Beilage.)

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Wetterbericht vom 19. Februar, Graeb.

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7x Uhr.

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Bar. auf 0 Gr.

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Die Medici.

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Die Witterung von ganz Eurcpa \teht urter dem

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Firfluß eines Hochdruckgebiets, desen Kern mit 780mm über dem Sfagerrafk lagert. Bei \{wocher, vor- wiegend nördlider und nordöstliher Luftbewegung ist das Wetter in Deuts{land kalt, im Westen meiît heiter, im Often, wo vielfah Schnee gefallen ift, vorwiegend trübe. In Deutschland, Westrußland, dem arößten Theil von Frankrei, sowie in Oester- reih-Ungarn herrscht Frostwetter, im Innern Nuß- lands strenge Kälte. z

Gêne.

blümchen. Deutsche Seewarte.

Theater- Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern- baus. 44. Vorstellung. Die Medici. Historische Handlung in 4 Akten, Dichtung und Musik von R. Leoncavallo. Uebersezung von Emil Taubert. Tanz von Emil Graeb. In Scene geseßt vom Ober-RNegisseur Teplaff. Dirigent: Kapellmeister Sucher. Anfang 7# Uhr.

Schauspielhaus. 51. Borstellung. Ein Sommer- nachtêtraum vcn William Shakespeare, überseßt von Auguft Wilhelm von Schlegel. Mußk von

(VYeglione),

Mendelsfohn-Bartholty. In Scene g-seßt vem Ober-Regisseur Max = Grube. Dirigent: Musikdirektor Wegener. Anfang

Mittwoch: Opernhaus. garethe. Oper in 5 Akten von Gounod. Text nah Goethe'’s Faust, von Jules Barbier und Michel Ballet von Emil Graeb. Emil Gôêye, Königliher Kammersänger, als Gast.) Anfang 7# Ubr.

Schauspielhaus. 52. Vorstellung. Prinz Fricd- rih von Homburg. [zü von Heinrich von Kleist. Donnerstag: tag: Der Freischüg. Königlicher Kammersönger, als Gast.) Mara. Slavische Brautwerbung. Bajazzi. Lohengrin. 5 Göye, Königlicher Kammersänger, als Gast.) tag, auf Allerhöchsten Befehl: 3. Gesellschaftä-Abend.

Schauspielhaus. fönigin. Verbotene Früchte. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Zum ersten Mal: Der Jour- fix. Sonntag: Dir Jourfix.

Deutsches Theater.

Bon heute ab beginnen sämmtliche Vorstellungen

Mittwoch: Der Herr Senator. Donnerstag: Faust.

Berliner Theater. Anfang 7 Uhr. Pittwoch: Nora.

Donnerêtag: Aus eignem Necht.

Lessing-Theater. Dienstag: Madamc Sans-

MittwoG: Madame Sans:GèSne. Donnerstag: Ohne Geläut.

Wallner-Theater.

Dennerstag: Heimath.

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. Chausseestraße 25. i Dienstag: Brautjagd. Operette in 3 Akten von Hermann Pirschel. In Scene gesest von Julius Frißzsche. Herr Kapellmeister Federmaun. Mittwoch: Vrautjagd.

Refsidenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Dienétag: Zun 1. Male. Schwank in 3 Akten von Alexandre Bisson und Albert Car.

Jacobson. Regie: Hermann Haa. 1, Male. Um 5 Uhr. Schwank Mea Reichardt. Anfang 7# Uhr. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. 45. Borstellung. Mar- L

Tanz von Emil

(Faust: Herr

Goffredo Cognetii.

Schauspiel in 5 Aufzügen Anfang 74 Uhr. ; _Diec_ Medici. Frei- (Max: Herr Emil & ögce, Sonnabend:

Im Negligé. Veirfels, Anfang 7E Uhr. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Herr Emil

(Lohengrin: Mon-

Kinder des Kapitäu Grant. mit großem Ballet in 12 Bildern.

Die Muünne- C

Donnerstag:

Zum 25. Male. Der Dbersteiger.

Dienêt2g: Der Herr

Charley’s Taate. Brandon Thomas. -— Vorher: Jacobson ur.d Benno Jacobson. Roth. ne Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Dienttaz: Timon von

Bentral-Theater. Alte Dienstag: Zum 20. Male.

1 Akt von Angely. Mittwoch: Zum 1. Male.

Neues Theater. Direktion: Sigmund Lauten- burg. Dienstag: Zum 6. Male. A Bass0 Porto. Scenen aus den neapolitan. Volksleben in 3 Akten von Deutsch von Emil Dürer. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. Plauderei in 1 Aft von Hans von

Viktoria-Theater. Belle - Aliancestrafe 7/8. Dienstag: Nur noch wenige Aufführungen von Die Ausfstatiungs\tück Anfang 7k Uhr. In Borbereitung: Der Südstern.

Thegier Unter den Linden. Dienstag:

Adolph Ernst-Theatec. Dicnstaz, 74 Uhr:

S@{&roavk în

QAtop tige Posse mit Gesang in 1 Aki yon Ed. d Mußik von Franz In Scene gesegt von Ad. Frust.

Jakobstraße Nr. 30. : Herr Couliffet. Schwank in 3 Akten von E. Blum und N. Toché. Hierauf: Das Fest der Haudtwerker.

Cin Blitzmädel.

Vorher: Zum

5 Di ; / in 1 Aft von Konzeri Haus. Dienstag: Karl Meydcer

Konzert. Ouv. „Die Stumme von Portici" ven Auber. „La gazza ladra“ von Rostini. ,„Zaar und Zimmermann“ von Lorßing. Prolog aus „Die Bajazzi“ von Leoncavallo. „Mondnacht auf der Alster“, Walzer von Fetras. Tntroduction ob Rond- capriccioso für die Violine von Gaint-Saens (Herr Neurnann). „Edelweiß vom Semmering“ für Piftor von Hoch (Herr Werner). :

Borher:

Birkus Renz (Karlstraße). Dienstag, Abends 74 Uhr: Anf auf zur fröhlichen Jagd. Großes Sport-Schauslück mit Parforce- und Kaskadenritt vom Direktor Fr. Nenz. Glänzende Ausftattunç. Wagen u. Nequisfiten vollständig neu. Ballet von 190 Damen. Meute vor 40 Hunden; dressierter Fuchs. Außerdem: Grande Quadrille de la hgutè ¿équitation; 4 «rab. SBimmelhengste, vorgef. vom Dir. Fr. Renz: Mr. Wosiliams, der beste Jockrr- reiter der Gegenwart; der urkomis{2e Imitator- Clown Mr. Ybbs 2c.: die Akrobaten Gebr. Fredia? ie

Mittzgcsz+ L f agf 2128 hit - J Anfang 72 Ubr, _AOReG: zt au fröhlichen Sg):

Farètilien- Nachrichten.

Verlobt: Frl. Marie von Bismarck mit Hrn. Deuthold- von Gaudecker (Briest—Rabußn.) Gräfin“ Anna von Nittberg mit Hra. Hauptmann Ernst von Arnim (Charlottenburg—Berlin). &rl. Martha Kaweran mit Hrn. Pastor Ernft cIohanßen (Kiel Hokenfriedebäg, Deuts(-

3 Afkrea von Die Bajazzi.

Ober-Landesgerichts-Refer ndar Hans Warfentin (Liegniß-—WMarienburg W.. P.) Frl. Elise Welf mit Hrn. Stabéarzt Pr. Fedor Schoengartl (Frankenstein—-AUenustein). Verehelicht: Käthe Arndt (Oppeln). Geboren: Eine Tochter:

Posse in

Hen. Rittmeister

Konzerte.

Mittwoh: Maucr-

Mußk von Franz von ERRO,

irigent : Anfang 7 Uhr. z Derr

Kurth (Flöôte). Matien: 0, 49221 M

Der Maskenball # Plothow, Potsdamerstr. 7a.,

Deutsh von Benno

Albani-Tournée Dicnôtag, 29. Februar, Abends §8 Uhr. In der Sing Afadcmie

Einziges Konzert der Königl. Preuß. Kammersängerin

Madame Albani.

Mitw.: Herr Franz Schörg (Violine), Wilhelm Ammermanu die Kgl. Kammermusiker E. Prill und A, bei Maaße u.

Französischestr. 23, und Abendkasje.

Grafen Bredew (Schwedt). H Gestorben: Verw. Fr. Geh. Kanzkei Nath Emilie Zielke, geb. Bergmann, (Berlin). Hr. Kandidat jur. Otto von Keudell (Berlin). Fr. Louise von Lindequift, gob. Freiin von Barnekow (Putbus auf Rügen). —- Hr. Major a. D. Franz von Warnstedt (Oldenburg i. Gr.). -—-- Hin. Nittmeister Kurt von Prinz Sobn Hans Kurt (Königsberg i. Pr.). -—— Hr. Pastor emer. Gustav Reichenbac) (Breslau). Verw. Fr. Anna vou Siegrotb- geb. von Montbach (Breélau).

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Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz). Druck der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlags-

2

Anstalt Berlin Sw. Wilbelmstraße Nr. 32. Acht Beilagen 2 (einshlicfilich Börsen-Beilage). (224)

(Klavier),

Schlesinger, [67427]

Ostafrika). Frl. Gertrud Schranke mit Hrn.

Hr. Hauptmann Hasse mit Frl-

zl V 43.

Deutscher Reichstag.

52. Sißung vom Sonnabend, 17. Februar, 1 Uhr.

Ueber den Beginn der Sißung ist bereits in der Nummer vom Sonnabend berichtet worden. Die Rede, mit welcher der Abg. Richtec (fr. Volksp.) die Fortseßung der zweiten Be- rathung des Reichshaushalts für 1894/95 beim Etat der Schußgebiete, und zwar bei den Ausgaben für Ost-Afrika eröffnete, hat folgenden Jnhalt:

Abg. Richter: Man konnte gestern aus der Debatte den Ein- druck gewinnen, als ob die Sozialdemokratie auch in Ost-Afrika Beobachtungsstationen hätte. Das ift aber niht der Fall; denn alles, mit Ausnahme des Briefes des Abg. Klemm, ist in der Budget- fommission hon vorgebraht worden, und zwar von Freunden der Kolonialpolitik. Der Reichskanzler meinte, durch die Ausdehnung der parlamentarischen Kritik werde die Neigung vermindert, nach den Kolonien zu gehen. Die Kritik {ließt aber nur an die Kritik der Presse, namentlih auch der ausländischen Presse an. In England ist man nicht zurückhaltend gegenüber den Kolonialbeamten. Diesen Beamten gegenüber is die öffentlihe Kritik noch viel nothwendiger als gegenüber den einheimishen Beamten, weil dort in den Kolonien feine Presse besteht und weil die Kolonialbeamten eine viel größere diékretionáre Gewalt haben. Der Reichskanzler hat viel Wichtigeres zu thun, daß man ihm nur danken kann, daß er sih au noch um diese Dinge kümmert. Um die Person der Beamten handelt es sich garnicht, sondern um das ganze System. Auch der Abg. Graf Arnim, ein so enthusiasmierter Anhänger der Kolonialpolitik, war niht mit allem einverstanden. Ob die einzelnen Verordnungen an si zu ver- theidigen, lasse ih dahingestellt. Für uns ist charakteristisch, daß ein Herr, von dem man sonst in Bezug auf seine Kenntniß Afrikas nichts wußte, sih bekannt maht durch sfsolhe Verordnungen. Es sind {hon vorher Gouverneure da gewesen, ohne daß sie sih mit solchen rein äußerlichen Dingen beschäftigt hätten. Ein Zollbeamter soll in eine Ordnungsstrafe genommen sein, weil er ein Schreiben des Gouverneurs als einen Brief bezeihnet hat. Das erinnert daran, daß man min Pascha auhch vorwarf, daß er in seinen Berichten nicht die Kurialien genügend beobachtet habe; das hat ihn vielleiht dazu getrieben, der ganzen deutshen Kolonialwirthshaft den Rücken zu febren. Aber der Affsessorismus is} nicht besser als der Militarismus. Die Eisenbahn von Tanga darf nicht über den Schießplaßz gehen, obgleih man in Afrika Schießpläge genug hat; ganz Afrika ist ja eigentlih nihts als* ein E Die Verfügung foll erlassen sein, um das s{chöone Aussehen von Tanga nicht zu vershlechtern. Die Gouverneure sind doch nicht für die besonderen militärishen Dinge nah Afrika ges{chickt; dazu sind doch die Unterführer vorhanden. Wenn die militärishea Dinge so in den Vordergrund gestellt werden, dann müssen die jungen Offiziere ja annehmen, daß sie hauptsächlich ¡u Kriegszügen nach Afrika geschickt sind. Die jungen Offiziere mit ihrer abenteuerlihen Lust haben ja nah den Klagen der Kolonial- freunde manche Unbequemlichkeiten erbèlueübet: Zum Schutz der Stationen für den Karawanenhandel will man mehr Militär haben. Fürst Bismark hat einmal gesagt, in den Kolonien könne man nicht solhen Schuß gewähren, wte für den Verkehr in der Friedrichstraße. Da muß man fragen, ob das wirthschaftlihe Interesse groß genug ist für solhe Ausgaben. Der Abg. Graf Arnim wollte an die Stelle der Militärs und Affsessoren die Kaufleute seßen. Nicht der Ausfluß der Leitung der Kolonialpolitik zeigt sih in der Verwaltung, sondern das liegt an der ganzen falschen Kolonialpolitik, die auh dadur nicht verbessert werden kann, daß man Kauf- lle Mb Der Lclting Der Kolonien. betraut. Das” zeigt sich besonders an der Neu - Guinea - Kompagnie. Der Abg. Dr. Hammacher stellte in der Kommission fest, daß von zehn ausgesendeten Leuten acht zu Grunde gehen. Aus den H, der Deutschen, welle in den Kolonien schon Handel getrieben haben, müßte man die leitenden Kräfte nehmen. Aber ein solcher deutscher Handel be- teht ja gar nicht in'Ost- Afrika; dort können keine Millionäre gezüchtet werden, im Gegentheil, sie können dort eher ihre Millionen ver- lieren. Jn Sansibar gab es deutshe Firmen, auf dem Festlande nit, und was sich jeyt angesiedelt hat, is lediglih infolge dec Be- amten und Soldaten gekommen und lebt von ihnen. Der naturgemäße Andel ist in den Händen der JIndier, wie Indien überhaupt das Hinterland für Ost- Afrika ist. Der Verkehr mit Deutschland be- rift fast nur Waaren für die deutshen Offiziere und Beamten. Meines Erachtens hat im deutschen Besiß Ost-Afrika gar keine Zu- unft. Je früher man sih zurüczieht, desto besser für das Deutsche Reich. Namentlich sollte man den Süden aufgeben, der noch weniger

Aussicht bietet.

Abg. Dr. Hasse (nl.): Der Reichskanzler hat alle Kolonial- unternehmungen wie mit einer kalten Douche übergossen, indem er aus- ]prah, daß ihm kein {chlimmeres Geschenk gemacht werden könne, als ganz Afrika. Auch meine Freunde sind nicht mit allem einverstanden, was in den Kolonien geschehen ist. Ich hätte gewünscht, daß der Keihstanzler die Wi lebhafter mißbilligt hätte. Die Beamten !ind ja mit guten Instruktionen versehen worden. Man spricht von Militarièmus und Affsessorismus; beiden Dingen gegenüber müssen wir uns in der Kolonialpolitik ablehnend verhalten. Sie werfen ein Licht auf die Verhältnisse, aus welchen die jungen Leute hervor- gegangen find. Hier sigen die Instanzen den jungen Leuten mehr auf dem Nacken; sie müssen Rücksicht nehmen. Davon sind sie in Afrika [rel, Man follte doch einmal prüfen, ob es nicht nothwendig ist, die Vorbildung unserer Beamten, auc der im Lande bleibenden, anders ¡u gestalten. Die Kritik würde vielleicht nicht so {limm fein, wenn wir niht auf allen kolonialen Gebieten im leßten Winter Mißerfolge gehabt hâtten. Die Denkschriften, welhe dem Reichstag bei seinem vllammentreten vorgelegt wurden, lauteten noch ziemlih günstig; namentlich wurde eine so warme Sprache gesprochen, wie wir fe don amtlihen Stellen noch nicht gehört hatten. In der Denk- \hrift wird zum ersten Mal ausgesprochen, daß wir auch die inneren Grenzen wirklih besißen müssen, um unsere Herrschaft vom Papier v die Wirklichkeit zu versegen. Es wäre nur zu wünschen, daß der Reichskanzler noch etwas mehr die Jnitiative ergreift, namentli m den Verhandlungen mir dem Auslande. Die Systeme der Ver- altung an sih sind niht der Fehler, sondern der rashe Wechsel Zivil eiteme schadet. Man ist zu {nell vom militärischen zum Hvilreglement übergegangen; hätte man die Militärdiktatur länger uern lassen, so brauhten wir niht so viel Geld aufzuwenden, ide die Autorität wiederherzustellen. Die militärischen Perfön- A eiten können nit ganz entbehrt werden, aber ihre Wirksamkeit tßte etwas beshnitten werden. Bei Man für die Sicherheit C Kolonien 2c. müssen sie selbständig sein. Aber bei wirthschaftlichen D ¿. B. bei der Ausfuhr von Arbeitern aus Ost-Afrika nach Verte migogebiet, sollte doch in Berlin ers angefragt werden. Die bof, arkung des kaufmännisch gebildeten Elements, und zwar nicht drivge, den unteren, fondern auch in den leitenden Stellen ist Bliien nothwendig. Deutschland verfügt über gutes Material für bolläntie Thätigkeit. Deutsche Pflanzer stehen jeßt vielfah in s ndischen und englischen Diensten; sie müßten in deutsche Dienste Baan werden. Wir befinden uns im Stadium der Lehrjahre in Kolos; uf die Kolonialpolitik, denn was sind 10 Jahre in der werth[5g (ctbshaft! Das Kapland wurde von allen Seiten als große Wi betrachtet; man that nihts dafür und jeßt hat es eine

ihtigkeit erlangt. Wir wollen in unseren Kolonien nicht

Erste Beilage

Berlin, Montag, den 19. Februar

nur europäis{che Kultur verbreiten, sondern dort cin deutshes Wirth- \chaftsgebiet einrihten, um dort Produkte anzubauen, die wir sonst aus den fremden Ländern beziehen müssen. In Zukunft werden sich verschiedene Wirthschaftsgebiete anschließen: das russishe, das romanishe und zwei angelsähsishe. Wir müssen rehtzeitig dafür

sorgen, daß wir auf einem Kontinent ein Herrschaftsgebiet für uns.

errichten; daß der Süden von Afrika keine Aussicht bietet, ist nicht rihtig. Man hat zuerst seine Aufmerksamkeit auf das Kilimandscharo- gebiet gerihtet. Es hat sih aber herausgestellt, daß die südlichen Küsten unseres Gebiets sich zum Baumwollen- und Zuckerbau eignen. Ost-Afrika wird eine der wichtigsten tropishen Plantagenkolonien werden. Dadurch wird es seines Werthes als Absatgebiet beraubt. Mar wir Wonen hoffen, daß es ein wichtiges deut|ches Besißzthum werden wird.

Reichskanzler Graf von Caprivi:

Der Herr Vorredner hat die Güte gehabt, sich auch mit meiner Person zu beschäftigen, und den Wunsch auszusprechen, daß ich nicht falt gegen die Kolonien sein möchte, und er hat zum Beweise meiner Kälte eine frühere Aeußerung zitiert, etwa dahin gehend, daß wir Gott danken könnten, wenn uns nicht jemand“ ganz Afrifa schenkte. Ih glaube, daß ih die Wärme für die Kolonien habe, die mir mein Amt zur Pflicht macht, und die im Interesse Deutschlands ein Ge- deihen unserer Kolonien mir wünschenswerth erscheinen läßt. Bis zu dem Grade von Wärme aber, fürhte ih, werde ih es nie bringen, daß ih den Wunsch haben könnte, ganz Afrika in deutschen Besitz zu bringen, selbst wenn ich mich im Zustande der Fieberhiße befände. Denn ih glaube \{chwerlich, daß uns irgend eine größere Last auf- gebürdet werden könnte als die Last, die jeßt Franzosen, Engländer, Italiener und Deutsche zusammen tragen. (Sehr richtig!) Jch glaube nicht, daß unser Rücken dafür stark genug sein würde. Jch kann aber dem Herrn Vorredner versichern, daß ih mich im übrigen lebhaft für die Kolonien interessiere und zu thun glaube, was meines Amts nach dieser Nichtung ist.

“Der Herr Vorredner hat der Regierung vorgeworfen, sie leide an einer gewissen Programmlosigkeit ; noch s{ärfer ist der Vorwurf gestern gemaht worden. Jch halte den Vorwurf für unberechtigt. Was kann denn in diesen Kolonien unser Programm sein? Zuerst sie festhalten ; denn wenn wir sie los sind, dann sind wir auch über die Skrupel eines Programms hinweg. (Heiterkeit) Gehalten müssen sie werden. Gehalten können sie aber nur durch militärishe Kraft werden. Wir find noch nicht in dem Zustand, daß die Kolonien durch ihr eigenes Gleichgewicht sich selbst hielten, sie müssen von uns gehalten werden. Dazu gehört militärishe Kraft, dazu gehört also ein gewisses Quan- tum Militarismus.

Demnächst, wenn wir sie halten, habe ich den Wunsch, daß Deutschland Vortheil aus ihnen zieht, daß sie also so verwaltet werden, folhe Kräfte anziehen, daß da Kapitalien gewonnen werden, daß steuerfähige Menschen aufwachsen, die dem Vaterlande, wenn sie zurück- kehren, Nuzen bringen. Auch in dieser Beziehung geschieht, glaube ich, was geschehen kann, und da können wir eines gewissen Beisaßes von Afffsessorismus nicht entbehren; wir müssen also hier {hon eine gewisse Mischung von Militariémus und Assessorièmus vornehmen. Daß der Assessorièmus mit dem Bureaukratismus wieder Hand in Hand geht, ist selbstverständlich, ist aber auch unbedingt nothwendig.

Der Herr Vorredner kat Herrn von Wissmann ein gewiß ver- dientes glänzendes Zeugniß ausgestellt, aber unter Herrn von Wissmann fam der Bureaukratismus etwas zu kurz, der Militarismus blühte : unter Herrn von Wissmann haben mehr Offiziere im Kaiserlichen Dienste gestanden, als heute in Afrika sind. An dem fehlenden Beisatz von Bureaukratismus bei Herrn von Wissmann werden wir noch einige Jahre laborieren, und ih vermuthe, die Nehnungskommission dieses Hauses wird noch später ernstlich damit zu thun bekommen. (Hört, hört! links.)

Die Verhältnisse, wie sie damals lagen, gaben zu einer geordneten Verwaltung gar keine Möglichkeit, und es ist denn auch ziemlich leicht mit den Geldmitteln umgegangen worden. (Hört, hört! links.)

Vor wenigen Tagen lag mir ein Antrag vor, das Kalkulatur- perfonal in Ost-Afrika zu vermehren, weil mit den Wissmann’schen Rechnungen nicht fertig zu werden sei, weil kein Mensch weder ein nohch aus wisse. Also diese Elemente müssen miteinander gemischt werden.

Nun wäre es mir ja ganz recht, auch einen merkantilen Mann zu haben. Jch möchte niht glauben, daß bei - den gegenwärtigen Zu- ständen unsere Kolonien in der Lage sind, ganz merkantil geleitet zu werden, Die einzige, die auf merkantiler Basis erbaut ist, ist Kamerun ; von der könnte man, wenn man die Dinge in ein Schema bringen will, sagen: das war eine Handelskolonie. Indessen auch da haben sich die Verhältnisse anders gestaltet. Es ift ja bekannt, daß, als die deutschen Firmen, die dort ansässig waren, {ließli nicht mehr weiter kamen, es auch dort einer militärischen Eroberung bedurfte.

Nebenbei, wenn die Herren von kaufmännischer Hilfe sprechen, so seßen sie voraus, daß wir kaufmännische Genies nicht bloß nach der kaufmännishen Richtung, sondern auch Verwaltungsgenies für diese Stellen bekommen. Da bitte ih Sie zu berücksichtigen, daß ein Mann von einiger Begabung und von einigen Mitteln wahrscheinlich einen vortbeilhafteren Gebrauch von sciner Begabung und von seinen Mitteln machen wird als in diesen Kolonien. (Sehr gut! links. Heiterkeit.)

Es bleibt nichts übrig, als wir trachten, diese verschiedenen Elemente mit einander zu verbinden und solchen Nutzen daraus zu ziehen, daß die Kolonien im ganzen gedeihen.

Der Herr Vorredner empfahl uns nun, aus anderen, holländischen Kolonien, im Plantagenbau erfahrene Leute, wenn ih -rihtig verstan- den habe, herüberzunehmen. Mein Gott, das wäre doch zunächst die Sache derjenigen Gesellschaften, denen die Plantagen gehören. Der Staat treibt keine eigene Plantagenwirthschaft, und nebenbei glaube ich, daß diese Plantagen noch keinen solchen Umfang angenommen haben, daß niht etwa mit einem halben Dußend erfahrener Leute aus Java auh dem weitesten Bedürfniß abgeholfen werden kann. (Sehr richtig! und Heiterkeit.)

Die Regierung kann sih damit noch nicht befassen; bei allem

1m Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

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Wunsche, die Plantagen zu heben, muß sie es doch in erster Linie den Plantagengesellschaften selbs überlassen.

Alfo wir suchen die Kolonien zu balten und suchen mit den ver- schiedenen Mitteln den Koloniek aufzuhelfen. Daß diese Mit nicht nah einem Schema gewählt werden können, liegt ja auf der Hand. Was in den fonnigen, vertrockneten Steppen von Süd-Afrika möglich ist, paßt niht unter den Palmen von Ost-Afrika. Das sind ganz verschiedene Dinge, und darin liegt ja eine große Schwierigkeit in der Regierung unserer Kolonien. Man stellt fih das oft, wie mir scheint, bei uns fo vor, daß, wenn eine Regierung nur einen festen Gedanken, ein bestimmtes Programm hätte, die Sache gehen mükte. Ja, das ift niht der Fall. Wir müssen für jede Kolonie ein anderes Programm machen, und so wie Sie mehr von mir verlangen, als daß ih sage: die Kolonien müssen gehalten werden und es muß aus ihnen das Mögliche zu Nußen Deutschlands gemaht werden, dann bin ih niht im stande, ein Programm aufzustellen; ein solhes müßte für jede dieser Kolonien spezifiziert werden, würde im Laufe der Zeit aber Abänderungen unterworfen werden müssen und das könnte fest, petrefakt, überhaupt gar niht werden, weil ja unsere eigenen Er- fahrungen und Eindrücke sich ändern. Vergessen Sie doch niht, daß wir alle noch jung im Kolonialbesiß, in unseren Ideen über Kolonien find, daß auch Leute, die hinübergehen, noch keineswegs feste Ideen haben. Fortwährend wechseln die Gedanken, und wir würden unsere Schuldigkeit nicht thun, wenn wir diesen Gedanken nicht nachgingen und versuchten, welher von ihnen fruchtbar zu machen ist. Daß nun unter zehn solcher Gedanken, die an uns berantreten, neun unfruhtbar sind, das liegt in der Natur der Sache. Das schadet aber auch ni&ts, wenn wir nur mit dem zehnten Gedanken weiterkommen. (Heiterkeit.) Es ist davon die Rede gewesen, daß Herr von Scheele in Ost-Afrika zuviel herumzöge, er sollte mehr regieren und mehr s\ißen bleiben. Sehen Sie, meine Herren, das ist auch wieder eine von den An- forderungen, denen gegenüber ich darauf hinweisen könnte, daß ge- legentlih genau die entgegengeseßten in diesem Hause erhoben worden sind. (Sehr richtig!) Wie oft is uns vorgeworfen worden: Ihr regiert vom grünen Tis. Jeßt haben wir endlich; Gott sei Dank, einen unternehmenden Mann, der damit anfängt, daß er auf die Löwen-' jagd geht, der nachber eine Expedition nah dem Kilimandscharo macht und nun auf Monate in das Innere des Landes gegangen ist. Es kann uns gar nichts Besseres passieren. Der Gouverneur lernt auf diese Weise Land und Leute-Sennen, und wenn er wiederkommt, wird er die erworbenen Kenntnisse zu verwerthen in der Lage sein. Es ift doch nicht möglich, praktischer zu verfahren. Bei alledem wird der Mann und sein Verfahren angegriffen.

Nun heißt es: Millionäre zühten! Ja, versteht sch, wenn es irgend angeht, mit dem größten Vergnügen! (Heiterkeit.)

Gerade Herr von Scheele ist der Meinung, daß das in Ost- Afrika möglich ist. Seine Differenz nit der ostafrikanishen Kolonial- gesellshaft hat großentheils ihren Grund darin, daß er sagt: diese Gesellschaft wird ganz von selber, wenn au eine Reibe von Jahren vergeht, Millionäre zühten. Er ist der Meinung: Die Gesellschaft hat viel zu viel Vortheile bekommen, sie muß auch mit weniger aus- kommen und wird doch reich. Er vertritt aber auch den Standpunkt, daß es erforderlich ist, sobald wie möglih den Beweis zu führen, daß in unseren Kolonien Geld gewonnen werden kann. Dieser Beweis muß einmal geführt werden, wenn wir die Hoffnung haben wollten, daß noch mehr Geld in den Kolonien angelegt wird; sofern Sie nicht geneigt fein sollten, aus Reichs8mitteln mehr Geld zu geben, bleibt uns doch nichts Anderes übrig, als daß die Privaten ihre Geldbeutel aufmachen (sehr gut! links) und Anlagen, die sie sonst in zweifel- haften Werthen gemaht haben, künftig in den deutschen Kolonien machen. Ich werde mich des ersten Millionärs, den wir gezüchtet haben, herzlih freuen. (Heiterkeit.) Nun ist uns weiter vorgeworfen worden von dem Herrn Vorredner, die Kolonialpolitik des leßten Jahres habe auf allen Gebieten Mißerfolge zur Folge gehabt. Erstens bestreite ih das. Zweitens, wenn man über diese Sache urtheilen will, so muß man sich die Frage stellen: Welche Mittel stehen uns zur Verfügung? Man kann doch nicht Erfolge m die Wand malen und nun erwarten, daß die Regierung sie herunterholt, wenn sie nicht die Mittel hat, beranzukommen. Wir \find in den Geldmitteln und in den persönlichen Mitteln beschränkt. Der Gou- verneur von Ost-Afrika hat mehr als einmal hierher geschrieben : Gebt mir den doppelten Etat, und ih garantiere Euch, in fünf Jahren habe ih die Sache in Ordnung. Wir haben die Geldmittel niht, und die Finanzlage gestattet auch nicht, sie zu verlangen. Also wir müssen mit weniger auskommen, selbst auf die Gefahr hin, daß die Sache langsamer geht. Das mag ja auch sein Gutes haben. Und was nun die Menschen angeht, so sagt man uns: Wählt er- fahrenere Leute, namentlih nicht fo junge Leute. Ja, wie könnte ih wohl einen erfahreneren Menschen für Südwest-Afrika finden, als den Herrn von François! Fünf Jahre ist er da, anfangs ist er allein herumgeritten von einem Ende bis zum anderen, dann hat er eine Schußttruppe gehabt, die, wenn fie komplett war, sfich auf 50 Mann belief. Er ist die Thâtigkeit selber gewesen. Wenn ich ihm etwas vorwerfen sollte, fo ist es das, daß seine Berichte zu spärlih waren. Das aber kommt daher, daß er mehr im Sattel {fich befindet als am Schreibtish. Der Mann ist also so bewährt in Bezug auf Afrika, wie nur einer sein kann. Ih wüßte nicht, wo ih einen besseren her- nehmen sollte.

Ja, meine Herren, andere find Ihnen zu jung; indeß, in die Tropen kann kein Alter gehen, da er die Wahrscheinlichkeit für fich hat, daß sein Körper dem Klima und der Witterung dort nicht ge- wachsen ist. Dann liegt auch der Wagemuth einmal mehr in den jungen Leuten als in den alten; wer hier einen Hausstand gegründet hat, ist nicht mehr geneigt, in irgend einer ostafrikanischen Tamba zu wohnen, oder in einem alten verlassenen Hause von Steinen, was vor Jahren vielleicht von irgend einem Kalifen oder Häuptling ge- baut ift.

Ich erkenne es deshalb sehr an, wenn troßdem verheirathete Leute hinübergehen, und auch das möchte ih zu Gunsten der hier viel-