1913 / 59 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

po als Selbstzwe> aufspielt und andere selbständige Jastitute zu eitigen sut, - entstanden ist. Jn den Genofsenschaftskreiten macht si eine gzwisse Besorgnis um ihre Selbständigkeit bemerkbar. Die G S aiaeet Genossenschaften liegt in dem Organismus und ihrem Geist, der sie beseelt. Zers{lagen Sie diese Organisation in pro- vinzielle Glieder und gelingt es, die einzelnen Genossenschaften der Preußenkasse anzugliedein, dann ist au< der Geist vernichtet. Es bleiben den Genossenschaften alle diejenigen Männer fern, die bisher cifrig in ihnen mitgearbeitet haben. Das ist sehr zu bedauern. Wenn die Sparkassen ihre Generalversammlungen abhalten, dann t'effen die verschiedensten deutshen Stämme zusammen zu gemetin- samer Arbeit, und nun wollen Ste unsere Genossenschaften unter staatlide Bevormundung bringen. Das ist heute {hon ein unerträg- licher Gedanke. Wir müssen das arößte Bedenken haben, das Heer der Unzufriedenen zu vermehren. Es handelt fih um hunderttaufende selbständige Eristenzen, die auf dem Boden monarchisher und rist- licher Gesinnung stehen. Das Bedürfnis nah Frieden ist gewiß auf allen Seiten des Hauses vorhanden. Tragen wir dazu bei, daß er endlich herbeigeführt wird. : ;

Abg. Dr. Crüger-Hagen (forts{hr. Volksp.): Im Anschluß an eine Warnung der „Deutshen Bankbeamtenzeitung“ vor der Zentral- genossenschaftskasse bitte ih, den Beamten der Kasse do< ein größeres Wohlwollen entgegen zu bringen. Wir haben das größte Bedenken aegen die Bevormundung der Genossenschaften seitens der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse. Die Preußenkasse duldet keine fremden Götter neben sih, weder die kleinen no<h die großen. Wer fi ihr entgegenstemmt, wird mit allen zur Verfügung |tehenden Mitteln unterdrü>t. Von etaer Seite wurde hervorgehoben, daß die Preußische P Manon ga tale aus der Initiative des Abgeordnetenhauses »ervorgegangea fei. Nah den Aussührungen der Vertreter der ver- schiedenen Parteten glaube ih aber entnehmen zu können, daß die Zentralgenossenschaftskasse in ihrer gegenwärtigen Gestalt keineswegs den Intentionen des Abgeordnetenhauses entspricht. Der Krets der Freunde der Preußenkasse ist erhebli<h kleiner geworden. Die Unzufriedenheit über sie ist zweifeilos ganz allgemein. Die Zentralgenossenschaftskasse sollte einem Ini1titut, das _si< auf eigene Füße telt, ni<hts in den Weg legen. Sie jollte sich in der Verfolgung ihrer Ziele etwas mehr Beschränkung auferlegen. Ihr Ziel ist gewesen, das preußische Genossenschaftswesen einheitlih zu gestalten mit staatliher Unterjüßung. Zur Erreichung dieses Zieles i1t es aber niht notwendig, die Genossenschaften staatlich zu bevormunden. Diese sind stark genug, um liebec auf gewisse klein- liche Vorteile zu verzichten, als der staatlichen Bevormundung unterstellt zu werden. Ein \{reiender Mißstand im Genossenschaftsgeseßz ist die automatis<he Beleihung ter Haftsummen ; die Gefahrea, die daraus entstehen, werden immer größer. Auch die Bestimmung, daß die Haftsumme veröffentliht werden müsse, halte i< für sehr bedenklich. Von verschiedenen Seiten wird au darüber Klage geführt, daß die Preußenkasse die Bankpolitik der Reichsbank durchkreuzt. Ich bitte um eine Erklärung der Regieruna, wie weit dies zutresfend ist. Ih bedaure den Kampf zwishen Sparkassen und Genossenschaften. Beide sollten etgentli<h Hand in Hand arbeiten. Jch hoffe aber, daß hier vielleicht auf fricdlihem Wege die Angelegenheit geregelt wird. Bezüglich der Frage der Liquidität itelle ih mich vollkommen auf den Standpunkt der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse. Aber sie ver- folgt in der Praxis andere Grundsäße als in der Theorie. Es müssen Mittel und Wege gefunden werden, die Liquidität aller Kreditinstitute weitgehend zu fördern. Andererseits muß der ernsthafte Versuch gemacht werden, in unserer Bevölkerung Aufklärung zu schaffen über die Wirkung und Bedeutuna der Kriegégefahr. Ih, glaube nicht, daß noch heute jemand den Saß aufstellen wind: Liquidität ist nur Dekoration. Nein, es ist ein wirtschaftlihes Mittel. Das Genossenschaftéwesen hat si in ausgezeihneter Weise entwi>elt auf dem Boden der Selbst- hilfe. Es besteht aber die Gefahr, daß da, wo si< Mißstände zetgen, der Gesetzgeber versuht wird, einzugreifen. Wenn durch dieses geseß- geberishe Einareifen nur die Auswüchse beseitigt werden würden, dann wäre es ja zu begrüßen. Aber aus der Praxis wissen wir, daß auch dabei ge\unde Verhaltnisse in Mitleidenschast gezogen werden. Wir wollen keine Revision des Genossenschaftsgeseßes. Die ge- nossenshaftli<hen Organisationen haben das - lebhafteste Intere}se, von si<h aus allen Auswüchsen gewissenhaft entgegenzutreten. Die Differenzen im Genossenschaftswesen beistehen heute niht mehr inder früheren Weite, weil man das anerkennt, was geworden ist, sowohl die Schulze-Delißshen Kassen wie die Naiffeisenihen Kassen. Veber eine große Menge von Grundsäßen ist heute {hon leiht eine Einigkeit mögli, wenn man sih nur eine gewisse Beschränkung auf- erlegen will. Die Preußische Zentralgenossenschaitskasse muß sich die Beschränkung auferlegen, daß sie die Genossenschaften sich frei ent- wi>eln läßt, fie müßte si uneigennüßig über jede Genossenschaft freuen, die sich frei entwidelt, denn shueßlih ist do< die Staats- hilfe nur ein notwendiges Uebel. e /

Unterstaatssekretär des Finanzministeriums Dr. Michaelis: Die Kenner des Genossenscha\tswesens, die mit der Geschäftsgebarung der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse einverstanden sind, sind nit so in der Minderzahl, wie man<he Redner anzunehmen seinen. Ich bin dem Abg. v. Kries dankbar für die Worte der Anerkennung für den Etat der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse. “Wenn der Abg. Stull fragt, ob die Preußenkasse si< allmähli<h zu einem NReichsinstitut ausgestalten will, so kann i< ihn beruhigen: die N soll na< der Meinung der Regierung Preußenkasse leiben. Das Direktorium der Preußenkasse ist au<h niht seinerseits an die außerpreußishen Verbandékassen herangetreten, sondern es ist umgekehrt gewesen, und der Finanzminister hat , in allen diesen Fällen der befreundeten Regierung des betreffenden Staats mitgeteilt, wenn eine Verbandskasse das Ersuchen hierher erihtet hatte, der Preußenkasse angeshlossen zu werden.

s scheidet also alles aus, was etwa das Bedenken erwe>en könnte, als wenn das preußische Institut sh über den Rahmen des preußi- hen Staates hinaus ausdehnen wollte. Die befreundeten Negierungen baben immer darauf geantwortet, daß sie es nur mit Freude begrüßen fönnten, wenn das Direktorium der Preußenkasse bereit fei, den nun- mehr anges{<lossenen außerpreüßishen Kassen den Verkehr auf dem Geldmarkt zu vermitteln. Um etwas anderes handelt es si nicht. Bezüglich des Verhältnisses der Preußenkasse zu der Zentraldarlehns- kasse bitte i< Sie dringend, niht von einem Kampf zu sprechen, namentli<h was den Finanzminister felbst betrifft, der als Aufsichtsinstanz über per Tre aNe steht. Für ihn handelt es si lediglich darum, daß er selbstverständlich die Entwicklung eines Zentralinstituts für 5000 Genossen- schaften mit etwa # Million von Genossen, und zwar lauter Eristenzen, auf die wir als die wertvollsten in volfswirtshaftliher Beziehung den größten Wert legen, genau verfolt und steht, welhe Richtung das Geschäftsgebaren einer sol<hen Zentralfasse für das Genossen- \haftswesen nehmen kann. Wir können nit damit einverstanden fein, daß ein solches Zentralinstitut mit einer privatkapitalistischen Großbank \i< einläßt, denn das halten wir im Interesse eines gesunden Geldverkehrs niht für richtig. Ferner halten wir die Organisation der Zentraldarlehnskasse, die ein unbedingt zentraliitisches Institut ist, niht für heilsam. Die größten Kenner auf diesem Gebiete sagen, daß wir {on in der Provinz etnen, wie der RNeichs- bankpräsident Havenstein \i< ausdrückte, Puffer, einen Aus- glei brauchen. Die Dinge entwi>keln si< ja \o, wie die Leitung der BZentraldarlehnskasse es für richtig hält, es ist ni<ht Aufgabe der Zentralinstanz, darin einzugreifen. Wenn nun die Regierung jeßt in Ostpreußen geprüft hat, ob die an die Zentraldarlehnskasse angeschlossenen Genossenschaften die Gewähr bieten, um als Bürgen für das Besigfestigungsve:fabren anerkannt zu werden, so hat das seinen Grund darin, daß wir für dieses Ver- fahren einen Bürgschaftöträger brauen. Die Bedenken des Abg. Crüger gegen eine sol<he Bürgschaft bei der Besißfestigung ershienen uns au durchaus beachtli<h, und wenn die Möglichkeit bestände, einen anderen Bürgs(aftsträger zu finden, so hätten wir ihn gern enommen. Wir brauchen jedenfalls bei dem Besißfestigungsverfahren ür die zweiten Hypotheken, die sehr hoh bemessen werden müssen, wenn der Besißer wirkli< entlastet werden soll, einen Bürgen. Und dafür gibt es s<ließli< keinen besseren, als die örtliche

Genossenschaft, die den Besißer in seiner ganzen wirtschaft- lichen Entwicklung genau kennt. Die Gefahren bei ee: Belastung der Genessenschaften mit der Bürgschaft haben wir durch wirksame Nücklagefonds vermindert oder ganz ausgeschaltet. Es wird von vornberein die erste Iahreszahlung 3!/» proz. Rentenkapitals in den Rüklagefonds gelegt. Dieser Rücklagefonds ist {on auf 2'/» Millionen angewa<hsen. Die Mittelstandskasse in Posen dient {on seit 8 Jahren als Bürge für dieses Verfahren, und es ist nicht ein Fall des Verlustes eingetreten. Vebrigens ist die Nevision in Ostpreußen nicht von dem Finanzminister eingeleitet worden, fondern der Oberpräsident von Ostpreußen bat sie selbst beantragt, und der zuständige Minister, der Handelsminister, hat sie angeordnet. Die Revision wird selbstverständliß für das Haus und die Negierung fehr \{häßenswertes Material bieten. Die Naiffeisens<hen Organisationen werden selb ein dringendes Interesse daxan habén, daß diese Revision gründlich vorgenommen wird. (Nuf re<ts: Nur in Osipreußen!) Ste ist vorläufig nur von tem Oberpräsidenten für Ostpreußen beantragt. Daß die Liquidität im Genossenscha)tswesen im allgemeinen den Anforderungen nicht entspricht, ist bekannt, und ih verweise auf das völlig objektive amtlihe Material. Darum wollen wir aber die Naiffeisenshen Organisationen nicht be- fämpfen, sondern wir wollen nur im Interesse des Genosseushaftswesens die Liquidität fördern. Der Leiter der Zentraldarlehnékasse hat in der Kommission erklärt, daß es dort nicht so auf die Liquidität, wie auf das Vertrauen ankomme. Die Abgeordneten in der Kommisfion werden mir bestätigen, daß der Abg. Dietrich das Wort gesprochen hat. Es kommt sehr wohl auf die Liquidität an, das Vertrauen ist eine herrliche Sache, aber wenn es ernst wird, fommt es darauf allein ni<ht an. Wir würden nicht pflicht- gemäß handeln, wenn wir ni<ht auf Verbesserung der Liquidität hinwirken würden. Gerade die Mitglieder der ländlihen Genossen- schaften sind es ja, die, wenn es einmal ernft wird, Peitsche und Zügel fortlegen und den Säbel umschnallen müssen, und sie brauchen dann Geld Wenn dann die Kassen nicht dazu in der Lage wären, so wäre das ein sehr bedauerlißes Moment. Es handelt sih also ni<t um einen Kampf zwischen der Preußenkasse und der Zentraldarlehnskasse, sondern darum, ob die Regierung das ihrige dazu tun will, daß in einem gewihtigen Teil unseres Genossenshaftswesens nach der gefennzeichneten Richtung eine Besserung angestrebt wird. Abg. Dr. Wagner - Breslau (freikons.): Als ab}joluter Laie

in Genossenschaftsdingen würde i< niht wagen, das Wort zu

nehmen, wenn ih niht aus \{lesis<hen Interessentenkreisen dringend ersucht wäre, ein moderiertes Loblicd auf der Friedens\chalmei für die Preußenkasse anzustimmen. In meinem Fall hat si<h das Direktorium der Preußenkasse genau innerhalb der Grenzen ge- halten, die der Abg. Crüger als angemessen bezei<hnet hat, daß nämli<h die Preußenkasse überall da eingreifen solle, wo ihre Hilfe von Genossenschaften verlangt wird, wo sie tatsächlich Hilfe bringen kann, wo die Genossenschaften aus eigenen Mitteln nicht das leisten fönnen, was ihr Wunsch ist. Im Jahre 1911 mußte die {lesis<e Zentralbank, die dur Untreue eines Vorstands- mitgliedes stark ges{ädigt war, in Liquidation treten. Von den zu ihr gehörigen Genossenschaften wurde gewünscht, mit der Preußenkaije in Verbindung zu bleiben, und das ist auch gelungen. Vor allem ist es ge- lungen, die Liquidation vollkommen ruhig, mit absoluter Schonung aller Interessenten, durchzuführen, und die Preußenkasse hat von sich aus darauf hingewirkt, daß eine neue Organisation geschaffen wurde, in die mit sehr mäßigen Haftsummen die Genossenschaften eintreten konnten; durch diese shäßenswerte Mitwirkung der Preußenkasse ist eine neue Organisation unter dem Namen der Sclesishen Zentral- kasse zustande gekommen. Sie hat es au<h vermocht, eine andere Vereinigung von Genossenschafften, die aus anderen Ursachen sih aufiösen wollte, zu sih heranzuziehen. An deren Spitze stand die Innungsbank, und sie ist ebenfalls dieser neuen Zentral- kasse Veigetreten, das hat si< auf ganz Schlesien ausgedehnt. Die Oberschlesishe Genossen\schaftsbank Beuthen, die im vorigen Herbst in s{<wterige Situation geriet, ist ebenfalls in Liquidation getreten und hat den Anshluß an die {<lesishe Zentralkasse gefunden. In allen diesen Fällen hat die Preußentkasse in dankenswerter Weise ihre Aufgabe erfüllt; sie ist belfend eingetreten, und mit ihrer Mit- wirkung sind leistungsfähige Organisationen geshaffen, die den Vorzug haben, daß die Haftsummen sehr mäßig find, und daß das Miß- verhâltnis, das hier mit Net von dem Vorredner gerügt it, nicht eintreten wird. Dieser Fall beweist woh", daß die Preußenkasse segensreih wirkt, und daß in diesem Fall Angriffe gegen sie nicht zu erheben find.

Präsident der Zentralgenossenschastskasse Dr. Heiligenstadt: Was die Wechselgeschäfte der Preußenkasse mit den deutshen Ge- nossenshaften betrifft, so genügt es niht, daß die Preußenkasse hin und wieder am Wechselmarkt Wechsel kauft, sondern es ist im Interesse aller geordneten Dispositionen angebraht, daß sie ein ständines Wechselportefeuille hat. Daß der Ausschuß der Preußischen Zentralgenossenshaftskasse willkürlih und nicht unparteis< it, muß i< auf das entschiedenste bestreiten. Der Aus\{<uß beruht auf “Geseß und Allerhöchster Verordnung, und die Zusammenseßung wird in der denkbar unparteiishsten Weise und mit denkbar größter Rücksicht auf die mit der Preußen- kasse in Geschäftsverbindung stehenden Verbandsfkassen vor- genommen. Es wird eine sehr genaue Aufstellung gemacht, wie viele Berbandskassen der verschiedenen Organisationen beteiligt find, und wie fie si< örtli<h auf die Provinzen verteilen. Die verschtedenen Organisationen, wie die ve!shiedenen Landes- teile find in dem Ausschuß vertreten ; gerade die Beteiligung der ver- schiedenen Landesteile ist wichtig, wetl die landwirtscaftlihen Verhältnisse in den verschiedenen Gegenden grundverschieden find. Außerdem sind in dem Aus\{uß Herren, die mehr theoretish- wissensha1tlih s< mit dem Genossenschaftswesen beschäftigen. Allerdings hat jährl< nur eine Auéeschußsißzung statt-

. gefunden, aber i< bin sehr gern bereit, den Aus Muß au

öfter zusammenzuberufen und alle Fragen mit ihm perhandeln, wenn si< Herren finden, die cin Referat übernehmen, Dann hat der Abg. Stull erwähnt, daß den Handwerkern nit ge, nügend Kredit gewährt und den bedrängten Genofsenschaftea nit genügend zu Hilfe gekommen würde. Das ist unrihttg. Jch könnte mich beziehen auf die Ausführungen des Abg. Crüger. Natürlich können wir nur solchen Kassen Kredit geben, die cine genügende Unterlage in Gestalt von mündelsiheren Wertpapieren haben. Bei dem Fall, den der Abg. Crüger vorgetragen hat, handelt es si< um ein Papier, das erheblih über das Maß der Mündelsicherheit hinausgeht. - Bei der jeßigen Situation myß man mit außerordentli<her Vorsidht vorgehen. Wir können ni<t Kredit gewähren, wo nur eine erste Hypothek als De>kung vorhanden ist. Eine erste Hypothek, hinter dec keine andere steht, bringt jede Genossenshaft in Verlegenheit. Aber wo irgendetwas zu retten war, haben wir bereitwillig ein: egriffen und haben uns selbs vielfah über gewisse Sicher heitsgruadsäte hinweggesezt. Der Abg. Oertel hat wiederum avf cine Rede Bezug genommen, die ih über Neuwted gehalten babe. Ich bitte den Abg. Oertel, diese Nede genau durchzulefen, Ich habe wörtli<h gesagt, daß man in Neuwied mit gutem Herzen und gutem Willen die Geschäfte ma<ht. Was die Kündigung unserer Beamten betrifft, so bemerke ih, daß die vereinzelt vorgekommene Kündigungen zum großen Teil zurü>genommen worden sind. Die Preußishe Zentralgenossenscaftskasse is ni<ht in der ge, das Selbstbestimmungsre<ht in den Verbandskassen einzuführen. Sn bezug uf dle Qa summe müssen wir verlangen, daß ein richtiges Verhältnis zwischen dem eigenen Vermögen und der Haftsumme besteht. Dann hat der Abga. Crüger crklärt, daß die Preußenkasse die Bankpolitik der Reichs. bank durhfreuzt. Der fcühere Reichsbankpräsident Koch wie der jeßige Präsident haben mir gerade das Gegenteil mitgeteilt. Mit der Relch8genossenschaftsbank hat die Preußenkasse nihts zu tun. Den Beweis für die Bevormundung der Genosjenschaften dur die Zentra], genossenschaftskasse ist der Abg. Crüger bis jeßt schuldig geblieben. __ Abg. Dr. Liebknecht (Soz): Die Gewährung von Staats: hilfe für die Genossenschaften ist ja eine alte Forderung der Sozial: demoftratie. Alle-dings wird die Staatshilfe von einem anderen Gesichtspunkt aus gewährt, als sie na< dem Verlangen der Sozialdemokratie gewährt werden sollte. Wir rechnen deshalh au ni<ht mehr auf irgendwel{<e staatlihe Unterstüßung. Der Charakter der Preußenkasse zeigt si< am deutlihsten darin, daß mit diefer Kasse eine große Zahl von ländlichen und gewerblichen, aber nicht eine einzige Arbeiterzenossenshaft in Verbindung stehen. Der Umfang der landwirtschaftlihen Genossenschaften hat einen erfreu- lihen Grad angenommen. Auch die Zwecke, zu denen die Genossen- schaften gegründet werden, mehren si< immer mehr. Wir begrüßen das, und wir sind überzeugt, daß die Genossenschatten auf dem Lande viel gutes im Interesse der Bevöikerung tun, Es wäre aber erwünscht, daß uns eine ausführlihe Denkschrift vor- gelegt würde, aus der fh ergeben könnte, welhe Großbetriebe an den Genossenschaften beteiligt sind. An dem Konflikt zwishen der Neichs- genossenshaftsbank und der Preußenkasse ist die Neuwieder Organisation mit \<uld. Die Art des Verhaltens der Preußenkasse zu der Reichs. genossenschaftsbank ift sehr eigentümlih. Es hat sih um nichts anderes gehandelt, als um einen Konkurrenzkampf. Daß die Kreditgewährung und Förderung als eine allgemeine Staateaufgabe anerkannt worden ist, ist ein volfkswirtshaftli< interessanter Vorgang. Bedauerlih ist die Zurü>kseßung der Konsumgenossenschaften; anstatt sie zu fördern, |<ifaniert und verfolgt man sie mit allen Mitteln, Dringend erwünscht s{heint mir eine Statistik über das Genossen shaftswesen und die soziale Zusammenseßung der Konsumvereine, Aus diesem Material würde man s{li:-ßen können, daß die Ge: nossenschaften einen solchen Charakter baben, daß ein Zusammen: gehen mit den Konsumvereinen unmözli<h fei. Die Preußenk«sse tfommt schon aus allgemeinen politis<en Giesicht- punkten für die Konsumgenossenshafsten niht wesentliß in Betracht. .Wir freuen uns über das Wohlwollen, das von allen Seitea des Hauses den Ge- nossen]/<aften entgegengebraht wird, aber wir wünschen, dieses Wohlwollen au<h auf die Konsumgenossenschaften und Arbeiter organisationen übertragen zu sehen. Der Abg. Oertel hat dar: gelegt, wie die Genossenschaften auch ein gutes Mittel darstellen, un staatstreue Elemente heranzubilden und den Staat im Kampfe gegen die unzufriedenen Elemente zu stärken. Das beweist, daß die privat: fapitalistishe Wirtschaft am Ende ist. Die Entwi>lung der landwirtshaftlihen Konsumgenossenshaften hat gezeigt, daß shließli<h auch der landwirtschaftlihe Kapitalismus nur am Sozialismus gedeihen kann. Von diesem Gesichtépunkt aus betrahten wir diese Entwi>klung mit außerordentlichem Interesse. So sehr au< die landwirtschaftlihen Genossenschaften gewissermaßen als Kampfmittel gegen die Ausbreitung der Sozial- demokratie von Ihnen gefördert werden, so beshüßzcn wir troydem gern diefe Gebilde, weil wir wissen, daß die Bedeutung des Genossen- \chaftswesens darin heruht, daß sie die heutige Gesellshaftéordnung innerlih organish umgestaltet und damit diejenigen Organe erzeugt, die shließli< Ihre politische Herrschaft umstürzen müssen. / Abg. Brors (Zentr.): Wir erkennen an, daß die Preußische Zntralgenossenschaftskasse vorzüglih geleitet wird. Das kann uns natürli nicht hindern, eine 9teihe von Wünschen vorzutragen, deren Berücksichtigung wir dringend erbiiten. Besonders möchten wir anregen, daß die Zentralgenossenschaftsfasse ihre verfügbaren Mittel ni<t nur in Ultimospekulationen anlegt, sondern auch in erststelligen Hypotheken.

Darauf oertagt sich das Haus.

Schluß A Uhr. Nächste Sißzung Sonnabend, 12 Uhr. (Etat der Zentralgenossenschaftskasse; Ausgrabungsgeseß; Wesergeseß.)

Statiftik und Volkswirtschafr,

Ein- und Ausfuhr einiger wichtiger Waren im Spezialhandel in der Zeit vom 21. bis 28, Februar 1913 und im Monat Februar der beiden leßten Jahre. E d‘

dz = 100 kg. Einfuhr Ausfuhr

Warengattung

Monat Februar

Monat Februar

21.—28. 1913

1913 1912 E 1913 1912

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Bao C 107 359 L gebrochen, ges{wungen usw... 39 359 anf, roh, gebrochen, ges<wungen usw. . . 15 840 Jute und Jutewerg - .+ - « E 44 970 Merinowolle im Schweiße . - . « 98 857 Kreuzzuhtwolle im Schweiße . «6 40 388 C C C s 3 040 266 Ci a 5 2 584 235 Dab E S 1 687 968 Erbol, aeretitigt (Lubt o 246 474 C a 990 353 R A 9 146 Rohluppen, Rohschienen, Rohblö>ke usw... . 883 TYader, eee é a6 P 493 Eisenbahn-, Straßenbahnschienen. - . . . « h e Eisenbähnschwellen aus Eisen. „««.«« C Le 44 625 Feingold, legtertes Gold, Barren aus Bruchgold . . 5,65 Deutsche Goldmünzen e «ee o oe e 8

Fremde Goldmünzen . « - «

or 970)

467 497 646 503 11 641 43 956 37772 101 142 112 359 8 918 38 281 91 161 40 137 26 865 9 796 7 589 9 045 167 347 153 386 970 9 385 993 194 353 196 196 999 3471 l 526 96 931 69 672 930 9 916 1 289

10 103 328 8 010 280 835 808 1 949 415 9 078 144 8 052 952 6420866 | 10429062 | 32583954 | 97216126 5 647 073 5 709 907 23 587 67 541 54 068 913 056 874 175 7 1 392 367 797 422 1 202 163 13 628 37 979 97 143 67 023 44 433 9283 096 759 790 880 236

8 995 5 164 161 530 618 867 612 149

910 1259 35 810 396 169 991 718 385 439

: ; 132 223 414 938 ') 299 |) 3848 30 347 87 663 133 694

161 349 152 227 1 082 4512 6 429 24,34 30 36 9,50 4,89 3,9 8,21 3,46 16,47 90 51 37,66 9,47 1,05 0,69 2 09 6,11

1) eins<ließli< ter Eisenbahnlashen und -unterlagé platten aus Eisen.

Berlin, ‘den 7, März 1913.

Kaiserlihes Statistishes Amt. “Delbrü.

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Marktverkehr mit Vieh") auf den 40 bedeutend

/ Dritte Ve hen Neihsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

Berlin, Sonnaben

lage

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sten Schlachtviehmärkten Deutschlands im Monat Februar 1913.

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Summe Februar 1913 , 12 518 Dagegen im Jänuar 1913 113 09% é eézjbr. 1912 110 839 V « Novbr. 113 284

7 014] 88 905 9174/96464 9 042-96 069 10 474/81 817 6 0781104397

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- Februar , 6.120

1) Außer S{lachtvieh gegebenenfalls auh Nußvieh. *) Halbe und viertel Tiere sind, in ganze Tiere umgerehnet, in den na<stehenden Zahlen mit enthalten.

Käiserlihes Statistishes Amt. Delbrü >.

Berlin, den 8. März 1913.

82 06 7 993 8 145 4 824

1688

77 327 84 209 84 118 71814 92 303

81 360 81 914 76 212 92 083 81 028

auch aus Seequarantäneanstalten) :

93 129 132 220

|

ie S E

E

E E Ee A E E

61 1'770 48 288

16 1528 423 155

145

639

E E E E E M

12 591 20 441 21 389 18118

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Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und. Absperrungs- maßregeln.

Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. (Nah den „VeröffentliGungen dés Kaiserlichen Gesunbheitsamts", Nr. 10 vom 5. März 1913.)

Pest. f Aegypten. Vom 8. bis 14, Fébruar 1 Erkrankung und 1 Todes- all in Fayum, 1 r in Port Said; ferner vom 15. bis 1. Februar 10 Erkrankungen (und 8 Todesfälle), davon 9 (1) in Fayum, 1 f in aga ig, (5) in Manfalut und (1) in Beba. b British Ostindien. Jn dén beiden Wochen vom 19. Januar is 1, Februar erkrankten 3949 4 4364 und starben 3227 -- 3578

und aus T nähträgli

Personen an der Pest. Von den 6805 Tödesfällen kamen 3537 auf

die vereinigten räsidentschäft

ây (dabon 26 auf dié ie Präsidentschaft Mädras, 284 auf den das Pünjabgebtet, 207 auf Burma (davon d Moulmein 55 und 2), 189 auf den Stä jputana und len (dâvon 3 auf Zentralindien.

er Merivara, 42 auf die ZéntralpÞrovinz auf Kalkutta), 8 auf den Landbézirk

ore,

ä erabad

inzen, 989 auf Bihar und Orissa, 763 auf die Stadt Bombay), 306 auf 272 auf dte Rangan ;, 188 ’aút

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hit und

‘tedérländis<h Indien. Vom 29. Januar bis 11, Februar

tvurden auf Jäbà

hgen (und 183 4 (31), fernèr aus Madio oeloergagoëng 1.

oivie aus

sfälle), aus Pat d 16 T

e, äus Für die Zeit

ldet: Aus dem Bezitke Malang 188 Er- ée 42 (32), aus Kediri ada A 8

. Janudár ree no< 15 Erkrankungen und 11 Todesfäll ‘Todesfall mitgeteilt wbiden. E

Mauritius. und 64 Todesfälle. Brasilien.

trandin

1 Tödesfáll,

In Pernambuco vom 1 3 Todesfälle, in Nio de Satiéiro vótir 29. 1 Erkrankung und 1 Todesfall.

Chile. 2 Todesfälle. 4 Etkrankungen, in Libertad) 25 wb 26, E

Im Dezemb atung, in Milagro 8

Iquique am 8, Januar :

Vóm 2. bis 22. Dezember v. J. in Molle San Pedro und Trujillo in den Bezirken Jca 6, Latmnbaheque 7,

di vab 1 Aben

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In Kükuihaele am 11. Januar 1 Erkränkung und *

Vom 6. Dezember bis 2. Januar 97 Erkrankungen

. bis 16. Dezember v. F. Dezember bis 4. Januar

Erkränkungen und

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yaquil je