1913 / 80 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

R. Schumanns Fis-Moll-Sonate; herzhaft war das Gefühl, das darin Un Ausdruck kam, und energish die rhythmishe Betonung. Der nzertgeber erwies sich überhaupt in feinen Vorträgen als siher gestaltender Künstler, der dem En ee ebenso gerecht wird wie der äußeren Form. Ein Ueder- abend, den Clara Arnim. gleichzeitig im Klindworth- i arwenkasaal gab, fand bei dem sehr fceundlih gesinnten Publikum kräftigen Beifall. Dieser galt in der Hauptsache vielleicht den guten Stimmitteln, über elbe die Sängerin verfügt; sie besißt einen frishen, angenehm klingenden Sopran, dem jedoch eine sorgsame Pflege noch nicht zuteil geworden ist. Das heftige Shwanken der Stimme veranlaßt eine Unsicherheit der Intonation, die den l e (Gen Aen der temperamentvollen Dame naturgemäß im ege stehen muß.

Der Klavierabend einer jungen Pianistin, Florence Trum- bull, im Bechsteinsaal ging am Dienstag ziemlich eindruckslos vorüber. Eine anerkennenswerte technishe Gewandtheit war wohl erkennbar, aber das Gefühl blieb nühtern und wenig belebt. -

Die Klavierborträge von Benno Moiseiwitsch am Mitt- woch im Bechstein saal E den Künstler von einer ungewöhn- lich günstigen Seite. Ein lebhafter musikalisher Sinn, ein kraft- volles gesundes Empfinden kamen in dem Spiel zum Ausdruck; die Wiedetgabe von Brahms’ Vartationen über ein Thema von Händel pee großzügig und charaktervoll ; die verschiedenen Variationen traten charf uintifen, mit Plastisher Klarheit in die Erscheinung. Die Vorträge regten die Hörer während des ganzen Abends lebhaft an.

Mannigfaltiges.

Hamburg, 3. April. (W. T. B.) Auf der festlich geschmüdckten Werft von Blohm u. Voß lief heute nahmittag das für die Hamburg-Amerika-Linie erbaute Schwester\chiff des „Imperator“ glückli%ch vom Stapel. Das Schif, welches den Namen „Vaterland® erhtelt, ist wie der „Jmperator“ ein Turbinen- \chnelldampfer, aber noch 5000 Registertons größer als jener. Bei hg Wetter hatten sich zu dem Stapellauf überaus zahlreiche

äste und Zuschauer auf der Werft eingefunden. Auf den Tribünen hatten die Mitglieder des Senats und der Bürgerschaft, Beamte und Offiziere, Vertreter der Neederet und der Kaufmannschaft und sonstige Geladene aus allen Kreisen der Bevölkerung Plaß genommen. Als Seine Königlihe Hoheit der Prinz Rupprecht von Bayern, der als Vertreter Seiner Königlichen Hoheit des Prinz- Negenten Ludwig den Taufakt vollzog, erschienen war, hielt der Bürger- metster Dr. Schröder die Festrede, in der er auf die gewaltige Ent- wicklung der Hamburg-Amerika-Linie und der deutschen Schiffsbautechnik hinwies und zuglei des bedeutsamen Wandels gedachte, den Deutsch- land in den leßten hundert Jahren durhgemacht hat. Das neue stolze Schif solle, dem Vaterlande geweiht, zugleih die Bande der Freund- schaft zwishen den Völkern der Erde stets fester und enger knüpfen. Im Anschluß an diese Nede taufte S-:ine Königliche Hohett der Prinz Nuppreht das Schiff auf den Namen „Vaterland“, indem er dem Wunsche Ausdrack gab, daß das neue Schif seine Aufgabe, zwei Weltteile zu verbinden, glücklich [lösen und ih stets seines Namens würdig zeigen möge. Brausende Hurras ertönten, die Musik spielte „Heil Dir im Siegerkranz“. Dann gab ein Böllershuß das Zeichen zum Lösen der leßten Stüßen, worauf das Schiff unter brausenden Hochrufen in die Wogen glitt, während die Musik „Deutschland, Deutschland über alles" spielte.

Zu Ehren Seiner Königlihen Hoheit des Prinzen Rupprecht von Bayern gab der Senat im Nathause ein größeres Festmahl, zu dem außer ten Senat und Mitgliedern der Bürgerschaft geladen waren: der preußishe Gesandte von Bülow, der bayerische Gesandte in Berlin Graf von Lercheafeld-Köfering, der Vorsigende des Vereins der Bayern, der Aufsichtsrat der Hamburg- Amerika-Linie, die Leiter der Werft von Blohm u. Voß und vkele andere. Der Bürgermeister Dr. Schr öder feierte in warmen Worten das allen Deutschen liebe Bayernland, gedachte des verewigten Prinz-Regenten Luitpold und dankte Seiner Königlichen Hoheit dem Prinz- Regenten Ludwig, der in einem herz;lihen Glückwunsch- telegramm an die Hamburg-Amerika-Linie sein hohes Interesse an den in Hamburg gepflegten Bestrebungen kundgegeben habe. Der Redner |\chloß mit einem Hoh auf den Prinzen Nuppreht. Fn seiner Erwiderung betonte Setne Königlihe Hoheit dèr Prinz Rupprecht das lebhafte Interesse, das Seine Königliche Hoheit der aen von jeher den deutshen Handelsbeziehungen und der Frage des Anschlusses des deutschen Binnenlandes an die See dur Wasserstraßen entgegengebracht habe, und feierte in herz-

London, 3. April. (W. T. B) Frau Pankhurft, die Urheberin des Anschlags gegen das Haus des Schatzkanzlers Lloyd George, ist deêwegen sowie wegen anderer Eigentums- vergehen zu drei Jahren Zuchthaus verurtetlt worden.

Paris, 3. April. (W. T. B.) Der Marinepräfekt von Toulon teilte dem Marineminister mit, daß auf dem nah Biserta fahrenden Unterseeboot „Turquoise“ sieben Mann durch eine Woge über Bord gespült worden seien, von. denen nur zwei ge- rettet werden konnten. Unter den Ertrunkenen befinden sich ein Leutnant und ein Fähnrich zur See.

Lunéville, 4. April. (W. T. B.) Gestern mittag landete infolge eines Motorschadens auf dem hiesigen Marsfelde das eppelin - Luft\chiff „2. 4", das mit drei deutschen DeLEN in Uniform in t rir e aufgestiegen war. Das Luftschiff wurde von dem Kapitän Glund geführt, einem An- estellten des Luftschiffbaues Zeppelin, dem das Luft- f iff gehört. Die an Bord befindlihen Offiziere gehören der bnahmekommisston an. Dies sind der Hauptmann George, der Oberleutnant Jacobi und der Oberleutnant Brandeis. Als das Luftschiff auf dem Manöverfelde landete, hielt dort (grade eine berittene Jägerbrigade Uebungen ab. Der eneral Lescot verhörte die deutschen Offiziere. Sie erklärten, heute früh 6 Uhr in Friedrihshafen aufgestiegen zu sein. Sie hätten einen größeren Flug ausführen wollen und seien durch die Wolken über thre Richtung getäusht worden. Aus Versehen seien sie nah Lunóville gelangt. Der Ballon wird vom Militär bewacht. Der Unterpräfekt und der Staatsanwalt sind an Ort und Stelle eingetroffen. Die Insassen des Luftschisfes find einer Durhsuhung unterworfen worden. Das Luft\chiff ist E und teilweise der Gasfüllung entleert. Es wird die Weiterreise nit vor der Ankunft neuer Gasvorräâte antreten können. Die Insassen wurden nah verschiedenen Vernehmungen im Automobil des Maire von Lunéville in ihr Hotel gebracht. Der Maire und 60 Arbeiter, die von den Insassen je fünf Francs für ihre Dienstleistung erhalten haben, halten während der Nacht die Wache bei ® dem Luftschiff. Ueber die Landung meldet die ene Havas* folgendes: Gegen 123 Uhr sahen hiesige Einwohner zu threm Erstaunen in der nebeligen Luft über der Stadt ein großes elbbraunes Luftschiff, ‘das aus der Richtung von Nancy zu kommen {bien: Es war ein \starres, lenkbares Luft\chiff; es flog in großer Höhe, vershwand dann wieder, kam um- 1 Uhr 20 Minuten zurück und um- kreiste mehrmals die Kirhe Saint-Jacq1es. Sthließlih landete das Luftshif} auf dem Manöverfelde, wo Jäger zu Pferde exerzierten. Die Offiziere ließen sofort eine Absperrungskette um das Lusft- \chiff bilden, das leiht und unversehrt landete. Es war ein Zeppelin- luftschif} neuen Modells. Dolmetscher befragten die Offiziere, einen pen en Hauptmann, einen preußishen Leutnant, zwei württem- bergishe Leutnants und sechs andere Insassen. Die Offiziere erklärten: sie hâtten im Großherzogtum Baden larden sollen, aber infolge starken Ostwoindes wären sle ab getrieben worden. Sie hätten mehrere Forts überflogen; als fie s{ließlich über dem Fort Manonvilliers gewe sen wären und Reiterei gesehen hätten, hätten fie geglaubt, in der Gegend von Saarburg zu sein, und wären gelandet. Uebrigens wäre ihr Benzinvorrat erschöpft gewesen. Das Luftsiff wäre auf einer seiner drei Probefahrten gewesen und von der Militär- behörde noch nicht abgenommen; die an Bord befindlihen Offiztere hâtten die Aufgabe, die Probefahrt abzunehmen. Das Litschiffff wurde durch Wegnehmen der Magnete bewegungslos gemaht und an eisernen Pikettpfäh!en verankert. Die deutschen Offiziere ‘ppa an, außer mit dem starken Ostwind hätten sie auch mit einem Motorschaden zu tun gehabt. Die Volksmenge habe offenbar thr Luftschiff zuerst für ein französisches gehalten, sie selbst hätten aus den Zurufen bald ge- \{lossen, daß se si in Frankreich befänden. Die Offiziere haben n ein Hotel begeben, vor dessen Tür mehrere Posten aufgezogen sind. Weiter wird gemeldet, daß sie um Wasserstoffgas tele- graphiert hätten, woraus man {ließt, daß sie bald die Nückfahrt nah Deut\chland anzutreten hoffen. Einer offiziósen Meldung aus Paris zufolge ist von der franzosischen Militärbehörde eine ÜatersuGung eingeleitet worden. Falls dur sie der Beweis erbracht wird, daß das Luftschiff ledigli infolge eines Irrtums über französisches Gebiet geflogen und auf französischem Boden nieder- gegangen ist und daß die das Luftschiff führenden deutschen Offiziere in gutem Glauben waren und \sich keinerlei der französischen nationalen Verteidigung abträglihen Handlung schuldig gemacht haben, wird man ihnen die Nückkehr gestatten. Im anderen Falle würde eine gerichtliche Untersuchung eingelettet werden. Der Generalinspekteur der

lichen Worten die Stadt Hamburg, der sein Hoch galt.

Theater. Königliche Schauspiele. Sonn-

abend: Opernhaus. 85. Abonnementsvor- stellung. Dienst- und Freipläße sind auf- ehoben. Neu einstudiert: Die Walküre n drei Akten von Richard Wagner. ae os: Herr Kapellmeister Blech. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 79. Abonnementsvor- Pas Julius Caesar. Trauerspiel in 5 Aufzügen von William Shakespeare. Veberseßt von A. W. von Schlegel. 7E Herr Regisseur Patry. Anfang

r. Sonntag: Opernhaus. 86. Abonne- mentsvorstellung. Dienst- und Freipläte sind aufgehoben. Der Rosenkavalier. Komödie für Mußk in drei Akten von ugo von Hofmannsthal. Mußk von ichard Strauß. Anfang 74 Uhr. Schauspielhaus. 80. Abonnementsvor- stellung. Dienst- und Freipläßze sind auf- e Ariadue auf Naxos. Oper n einem Aufzuge von Hugo von Hof- mannsthal. usik von Richard Strauß. Zu spielen nah dem „Bürger als Edel- mann“ des Moliòre. Anfang Uhr.

Straße. Die fünf Frankfurter.

Montag: Macbeth.

Konzert. Hermann Bahr. Sonntag: Das Konzert.

tion: Adolf Lanz.

Vary Walden onntag : \sptel Harry Walden.)

spiel Harry Walden.)

Deutsches Theater. Sonnabend, Nachmittags 24 Uhr: Der lebende Leichuam. Abends 7X Uhr: Der

lebende Leichnam. Sonntag und Montag: Der lebende

Leichnam.

Kamméerspiele.

Sonnabend, Abends 8 Uhr: Freund Teddy.

Sonntag und Montag: Die Einnahme von Verg-op-Zoom.

schaftliche Wohnung.

Mein Dana als

Ernst. Sonntag, Nachmittags 3

Montag: Der Audere.

Berliner Theater. Sonnab., Abends 8 Uhr: Filmzauber. Große Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Nudolf Bernauer und Rudolph Schanzer. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Große Rosineu. Abends: Filmzauber. : a und folgende Tage: Film- | Nomantische er.

mittags 3 Uhr: Hierauf : rano von

Theater in der Königgräßer Sonnabend, Abends 8 Uhr: J

drei Akten von Karl Rößler. Sonntag: Das Buch einer Frau.

Lessingtheater. Sonnabend, Abends 8 Vhr: Zur Vorfeter von Hermann Bahrs 50. Geburtstag: Neu einstudtert: Das

Qustspiel in drei Akten von

Montag: Der Biberpelz.

Deuisches Schauspielhaus. (Direk-

NW. 7, Friedrih- straße 104—104 a.) L N Neues Theater.) Sonnabend, Abends

8 Uhr: Ein idealerxr Gatte. Alt-Heidelberg. (Gast- Montag: Ein idealer Gatte. (Gast-

Komödienhaus. Sonnabend, Abends 73Uhr: Hochherrschaftliche Wohuung.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Das Stiftungsfest. Abends: goplagilWer

Schillertheater. @. (Wallner-

theater.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: | H Erzieher. omödie in drei Aufzügen von Otto | liebe Augustin.

Konzert. Abends: Klein Dorrit.

allensteins Lager. Schauspiel in einem Aufzug von Schiller. Die Piccolomini. Schauspiel in 5 N von Schiller. Abends 8 Uhx:

Charlottenburg. Sonnabend, Nach- zug nach Nizza. S

omödie in 5 Aufzügen von Ed. Rostand. Deutsh von Ludwig Fulda.

Militärluft\chiffahrt, General Hirschauer, ist in Begleitung

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Die ungfrau von Orleans. Abends: Cyrano von Bergerac.

Lustspiel in| Montag: Cyrano von Bergerac.

Voß. Deutsches Opernhaus. (Char- | 9 lottenburg, Bismarck - Straße 34—37. Direktion: Georg Hartmann.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Das Mädchen aus dem golduen Westen.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Fidelio. Abends: Das Mädchen aus dem golduen Westen.

Montag: Das Mädchen aus dem | P golduen Westen.

jolixa.

8 Uhr:

BVeber.

MontisOperettentheater.(Früher:

astspiel | 8 Uhr: Der Zigeunerprimas. Operette P in drei Akten von Emmerih Kálmán. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der fidele Bauer. Abends: Der Zigeuner- þrimas. Montag und folgende Der Zigeunerprimas.

Tage:

Theater des Westens. (Station: Garten. Kantstraße 12.) onnabend, Abends 8 Uhr: Der liebe | und Augustin. Operette in drei Akten von

Leo Fall.

Sonntag, Nachmittags 34 Uhr: Der Frauenfresser. Abends: Die beiden usaren. Montag und folgende Tage: Der

Nancey.

Hochherr-

Eine

Uhr: Das

Theater am Nollendorfplaß. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Der Extra- Vaudeville in drei

zu von Arthur Lippshiß und Marx

nau.

onntag, Nachmittags 34 Uhr: Die Studentengräfin. Abends: Extrazug nach Nizza.

ontag und folgende Tage: Extrazug nah Nizza.

Quartetts.

Bergerac. Der | Orchester. d’Albert.

Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Sonnabend, Abends 84 Uhr: Majolika. Schwank in drei Akten von Leo Walther | von Annie Ritter. Stein und Ludwig

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Coruelius bends: Majolika. Montag und folgende Tage:

‘Sonntag und folgende Tage: Frau Präfideutin.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.) Sonnabend, Abends 8 Uhr : Vubppcheu. Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten von Curt Kraaß und Jean Kren. Gefangstexte von Alfred Schönfeld. Musk von Jean Gilbert.

Sonntag und folgende Tage : Puppchen.

Trianontheater. (Georgenstr., nahe Bahnhof Friedrichstr.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: enn Frauen reisen. spiel in vier Akten von Mouezy - Eon

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der selige Toupinel. Abends: Wenn Frauen reisen.

Montag und folgende Tage: Weun Frauen reisen.

Konzerte.

Singakademie. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Kammermusikabend des Hefst-

Mitro. :

I O gestern abend von Paris nah Lunéville ab, gereist.

Der Führer des Luftschiffes ,Z. 4", Lloydkapitän Glund, hat estern -abend- an die Luft\chiffbaugesell\schaft Zeppelin in Friedrichshafen folgendes Telegramm aus Lunéville gesandt: „Hier gelandet, da im Nebel französishe Grenze überfahren, warten auf Gas, um weiterzufahren, hoffe, daß Formalitäten bis morgêèn er, ledigt s Gestern abend wurde dem fahrplanmäßigen Zug in Friedrihshafen ein Waggon mit Gasflaschen an. gehängt, der, wenn er ohne Aufenthalt weiterbefördert wird, heute vormittag gegen 10 Uhr tin Lunéville eintreffen dürfte. Der Direktor Colsmann vom Zeppelin-Luftschiffbau hat fi nah Lunsville begeben. Der Kapitän Glund gab einem Be. richterstatter folgende Darstellung der Fahrt: Wir stiegen um 6 Uhr Morgens in Fuedrihshafen auf, um eine Höhenfahrt zy unternehmen und in Baden-ODos zu landen. Wir erreichten alsbald eine Hohe von 2000 m und überquerten den Schwarzwald, two Nebel eintrat. Wir wurden uns auch sofort darüber klar, daß

der Ostwind uns Les von unserer Richtung ablenkte. Wir |

flogen so mehrere Stunden, und erst gegen 1 Uhr Nachmittags, als wir uns in einer Höhe von 1000 m befanden, sahen wir, daß wir über französi\hes Gebiet flogen. Wir s\uhten ein für die Landung quiges Gelände und erblickten da den Uebungsplaßz von Lunéville. Nachdem wir den an Bord befindlichen Offizieren berichtet hatten, gingen wir nieder, den internationalen Vorschriften entsprehend, aber auch um zu beweisen, daß wir nit freiwillig nah Frankreich gekommen waren. Wir können uns über die öflihkeit, mit welher uns die Militär- und Zivilbehörden behandelt aben, nur lobend äußern. Wir haben die Absicht, heute wieder abzu- reisen, sobald wir die 1000 kbm Wasserstoffgas erhalten haben, die uns mittels Automobils aus Oos gesandt werden sollen. Glund erklärte weiter, daß die Gondel ledigli mit cinem Kompaß ausgestattet war. Er sei vollständig Herr des Ballons gewesen, und wenn er auf französishem Boden gelandet sei, so set dies nur geschehen, um zu zeigen, daß dies lediglih auf einen Zufall zurü. zuführen sei. Er hätte übrigens genug Benzin und Gas etabt, um nach Deutshland zurückehren zu können. ie von den deutschen Offizieren über Bord ges{leuderten Gegenstände und Feuerlöschapparate wurden in der Nähe desg Nebungsplaßes gefunden. Die Offiziere kauften in Lunóbille 500 Liter Benzin, um heute den Nüdckflug antreten zu können. Sie nahmen auch einen der Motoren auseinander, um das Luftshif zu erleihtern. .Der Motor wird mit der Bahn nach Oos geschickt werden. Die gesamte Besaßung verbrahte die Nacht in der Gondel. Ein Offizier des französishen Luft- \chifferkorps erklärte einem Mitarbeiter des „Figaro“: Die Dar- stellung der deutschen Offiziere s{heint richtig zu sein. Es ist in der Tat nicht möglich, daß die Absicht bestanden hat, die französische Grenze zu überfliegen. Als sie ihren Irrtum erkannten, war es zu spät, um die deutsche Grenze zu erreihen. Wenn sie umgekehrt wären, wäre der Fall ernst geworden, und man hätte notgedrungen an einen Spionageversuh geglaubt. J bin überzeugt, daß si die deutschen Offiztere zweifellos über den Ernst der Lage klar geworden sind. Ihr Niedergehen auf dem Uebungspkïaß von Lunéville war sehr vernünftig. Sie wußten, daß sie dort die entsprehende Hilfe bei der Landung finden würden, und daß sie, um die Schwierigkeit des Falles möglichst zu heben, sich am besten der französishen Militärbehörde stellten. Die deutschen Dffiztere sind die Opfer eines unvorhergesehenen Abenteuers, und man täâte unrecht, der Angelegenheit in Frankreich eine allzugroße Bedeutung beizulegen.

Hongkong, 3. April. (W. T. B.) Nah einer Meldung des Neutershen Bureaus berihtet der hier eingetroffene britische Dampfer „Taition“, der auf dem Hsikiang (Westfluß) verkehrt, daß er von Piraten angegriffen worden sei, deren Zahl auf 30—100 geschäßt werde. ie Piraten, die mit Revolvern be- waffnet waren, waren in Hongkong als Reisende an Bord ge- kommen. Bei der Einfahrt in das Delta des Kantonflusses ehoben 8 die Piraten, tôteten den chinesischen Steuermann und

ielten so das Schiff auf. Sie fesselten den Kapitän, den ersten

Offizier und den Ingenieur. Sie tôteten einen und verwundeten vier hinesishe Reisende, plünderten die Kabine einer Missionarin, die Kabinen der Schiffsoffiziere und maten si in einem Boot mit beträchtliber Beute, darunter 30 000 (4 bar, davon, nachdem fie die Maschinerie des Schiffes größtenteils zerstört hatten,

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Klindworth-Scharwenka- Saal. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Liederabeud Am Klavier: Wil-

Heller. helm Scholz.

Pirkus Schumann. Sonnabend, Abends 74 Uhr: Grande Soirée high Life. Vorzügliches Programm.

Ma-

Frau Präfivenutin. | Sonntag, Nachmittags 37 Uhr und

Abends 7+ Uhr: 2 große &Salavor- stellungen. In beiden Vorstellungen: das große Spezialitäteuprogramm. Die |— Na mittags und Abends; Zum Schluß: Der uusfichtbare Mensch.

Tp

Familiennachrichten,

Verlobt: Editha Freiin von Scherr und Thoß mit Hrn. Leutnant Manfred von Haugwitz (Hennersdorf—Ohlau). Emti Freiin von NRehlingen mit Hrn. Leutnant Rolf von Humann (Hainhofen bei Westheim i. Shwaben—Paderborn).

Verehelicht: Hr. Curt von Karstedt mit Frl. Wanda May Frischen (Bremen).

Gestorben: Hr. Kammergerichtsrat Dr. Otto Demme (Berlin). Hr. Staats- anwaltschaftsrat Ferdinand Meyer (Berlin). Hr. Geheimer Kom- merzienrat Heidemann (Cöln). Hr. Oberst a. D. Oskar von Nolte (Neu- P Hr. Major a. D. Curt von Unruh (Liebenow bei Düringshof).

Verantwortlicher Redakteur : Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg.

Verlag der Expedition (Heidrich) in Borlin

Druck der Norddeutshen Buchdruckerei uud

Lust-

Beethoven-Saal. Sonnab., Abends | Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmftraße 32-

Der |8 Uhr: Kouzert von Hermaun Henze (Dirigent) mit dem Philharmonischen Frau Hermine |(cins{ließlich Börsenbeilage und Waren-

Elf Beilagen

zeichenbeilage Nr. 26 A u. 26 B).

Zum S@hluß: Der unfichibare | Residenztheater. Sonnabend, Abends | neasch1 Vier Bilder aus Uns

Die (Madame la Présidente.) Sankt in drei Akten von M. Hennequin und

„A2 O.

Deutscher Reich#tag. 131. Siyung vom 3. April 1913, Nachmittags 2 Uhr. (Berit von „Wolffs Telegraphts@em Bureau“.)

Erster Gegenstand der Beratung ist der Bericht der Neichsschuldenkommission über die Verwaltung des Schuldenwesens des Deutschen Reichs und der deutschen Schuß- gebicte, über ihre Tätigkeit in Ansehung der ihr übertragenen Aufsicht über die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds, über den Hinterbliebenenversiherungsfonds, über den Reichskriegs- haz und über die An- und Ausfertigung, Einziehung und Vernichtung der von der Neichsbank auszugebenden Banknoten.

Der Bericht wird ohne Debatte für erledigt erklärt.

Ueber die Reichshaushaltsrehnung für 1910 hat die Rechnungskommission einen ausführlichen sdfriftlichen Bericht erstattet. Die Etatsüberschreitungen und die außer- etatsmäßigen Ausgaben werden vorläufig, die den Etat über- \chreitenden und außeretatsmäßigen Einnahmen nachträglich genehmigt.

Der Anirag der Rechnungskommission, betreffend die Rechnung über den Haushalt der Schußgebiete für 1906, geht dahin, eine Reihe der vom Rehnungshof gemachten Vor- behalte zur Kenntnis zu nehmen und mit diesen Vorbehalten die nachgesuchte Entlastung zu erteilen.

Abg. N os ke (So:.): Es genügt, darauf hinzuweisen, daß wir jezt das Jahr 1913 reiben, während die Rechnungen aus dem Fahre 1906 stammen, um zu e1fkennen, welhe Mängel bisher in unserem Rechnungswesen geher1\{t haben. Dazu kommt, daß ja noch Abrechnungen über Vorgänge aus dem Jahr 1903 und 1904 mit- enthalten sind. Der Neichétag sollte deshalb größeres Interesse für die Nechnungslegung an den Tag legen, weil ja unter diesen Um- ständen manche Nachprüfungen überhauvyt nicht mehr vorgenommen werden können. Man fann ja für die Schußgebtete nicht immer den hiesigen Maßstab anlegen, es ist auch anzuerkennen, daß manche gerügten Dinge abgeändert worden sind. Der Abg. Dr. Braband hat die Verdienste des früheren Gouverneurs vcn Kamerun, Puttkamer, hervorgehoben. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß man in den Rechnungen ebenfalls auf Schritt und Tritt argen Mißständen begegnet, oie darauf zurückzuführen sino, daß der Gouverneur \sih einfach an die Beschlüsse des Neichatags in etatsrechtlicher Beziehung nicht gekehrt hat.

Abg. Dr. Braband (fortschr. Volksp.): Ich habe die Ber- dienste des Gouverneurs von Puttkamer allerdings hervorgehoben, und damit wollte ih natürli seine Etatsüberschreitungen niht gutheißen. Aber, wenn er nit so bureaukratisch veranlagt war und auch uicht den uöligen Mespekt vor dem Etatöreht des Reichstags gehabt hat, dann darf man doch das nicht einfa ignorieren, was er geleistet hat. Herr von Puttkamer hat uns erst Togo eingerichtet und dann Kamerun QDas kann doch auch der Abg. Noske nicht bestreiten, daß seine Maßregeln sehr zweckmäßig waren.

Das Haus beschließt nah dem Komm issionsantrag. ,

Es folgen Wahlprüfungen. S

Ohne Debatte wird die Wahl des Abg. Hütimann (Soz, 9, Cassel) für gültig erklärt; desgleichen die Wahl des Abg. Warlo (Zentr., 4. Oppeln).

Es folgt die Prüfung der Wahl des Abg. von Oerßen (Rp., 9. Potsdam). Die Kommission hat einstimmig beantragt, die Wahl für ungültig zu erkären.

Abg. Dr. Arendt (Np.): Ich beantrage, die Prüfung dec Wahl an die Kommission zurückzuverweisen. Cs handelt sih um die Prinzipienfrage, ob die Insassen der Lungenheilstätte Beeliß tatsächlich zu Unrecht nicht in die Wählerliste aufgenommen sind. Die Prüfung einer so wichtigen Prinzipienfrage muß gründlicher erfolgen, als es geschehen ist. Die auf die Beschwerde ergangenen ablehnenden Be- {heide des Landrats und des Regierungepräsidenten müssen dem Reichstage im Wortlaut mitgeteilt werden. Auch dieser Fall zeigt die Notwendigkeit der Prüfung der Wahlen dur ein richterlihes Ver- fahren. Die Kommission hat nicht untersuht, ob die Insassen der Lungenheilstätte tatsählich wahlfähig ind. Das ist ein Versäumnis allerschwerster Art. Wir wissen nicht, wie viel unter den 412 zur Eintragung gemeldeten minderjährig; bestraft find, Armenunterstüßung erhalten, Aueländer „sind usw. Mir haben Wahlen stets beanjtandet, wenn au nur die Behauptung aufgestellt wurde, daß Ausländer in den Wählerlisten stehen. (S8 be- fleht die große Wahrscheinlichkeit, daß eine große Zahl dieser 412 gar nicht wahlfähig ist. Ihre Wahlfähiakeit ist sehr zweifelhaft. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Unerhört!) Warum follen solhe armen

Leute nicht eine Aimenunterstüßung erhalten; das ist doch nicht un--

Es können sich doh auch vorübergehend Anwesende einge- schrieben haben. Es ist eine unerhörte Partetvoreingenommenheit, zu behaupten, daß alle diese Insassen einen dauernden Wohnsiß hatten. Hier handelt es sih um eine einfache. wichtige Prinzipien- und Rechtsfrage, niht um eine Mandatéfrage; cs handelt ih darum, ob das Recht vom Deutschen Reichstag gebeugt weiden soll. (Präsident Dr. Kaempf: Dieje Aeußerung ist unparlamentarisc), und ih rufe Sie zur Ordnung!) Ich habe do zur von einem Fall in der Zukunft gesprochen, aber niht von einem Fall, der der Gegen- wart oder Vergangenheit angehört. Weyn der Beschluß der Kommission auch einstimmig gefaßt worden ist, fo beruhte er doch auf cinem Jrrtum. Es ist außer der Prinzipienfrage die materielle Frage nit geprüft worden. Hierüber me die Kommission noch eiven Beschluß fassen. Es ist die Wahljähigkeit der 412 Asylisten nicht untersu@t worden. Es handelt sich nicht um eine Meandats- frage, wie die Sozialdemokraten behaupten, und ih habé zu den Frei- sinnigen das Vertrauen, daß sie über unser Bedenken nicht einfa hinweggehen. :

; Abg. Schmidt-Meißen (Soz.): Aus dem Bericht geht, wie {Gon erwähnt, hervor, daß der Kommissionéantrag einstimmig gefaßt ist; auch bezüglich der Frage der Beelißer JInsasscn stand das Stimm- verhältnis in der Kommission wie 10:2. Der Aufenthalt in der Beeliyer Heilanstalt beträgt in ter ‘Regel 5 Monate; die Kommission hat damit einen Wohnsiy in Beeliß als gegeben erachtet, „und sie folgt damit nur einer jtändigen Praxis. 1903 hat dec Reichstag {on ganz analog auch in dem Falle Beeliy entschieden, und wir würden heute mit der. Frage gar nicht mehr befaßt sein, wenn fich die Behörden um die damaligen Beschlüsse des Neichs- tags gekümmert hätten. Die betreffenden 412 Wähler haben geradezu um ihr Wahlrecht gekämpft, ihre Einsprüche gegen die Nicbteintragung sind von den Behörden zurückgewiesen worden. Der Regierungspräsident kanntz jene fiüheren Neicstags- beschlüsse ganz genau und führt fie in seinem Bescheide selbst an, er erkannte sie aber als sür ihn bindend niht an. Auch ter Minister Hat die Beschwerde zurückgewiesen, weil ein vorübergehender Auf- enthalt in einer Heilstätte keinen Wohnsig begründe. Sache tes Landrats und der Behörden wäre es gewesen, zu prüfen, , ob von den 412 Wählern tieser oter jener auch aus einem anderen Grunde nit Yâtte in die Liste eingetragen werden dinfen. Das Verlangen des

erhört.

Abg. Dr. Arendt, den Wortlaut der Bescheide kennen zu lernen, läuft

Tediglih auf eine Verschleppung der Entscheidung hinaus.

Erste Beilage | zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlih Preußishen Staatsanzeiger.

1913.

Berlin, Freitag, den 4. April

Abg. Sch{ warze- LUppstadt (Zentr.): Daß es sich \chGließlich nur um eine Differenz von (0 Stimmen handelt, wie dec Abg. Dr. Arendt vorgeführt hat, kann nicht bestritten werden. Es kann auch nit zugegeben werden, daß die Wahl des Abg. von Oerßen unter feinen Umständen erfolgt wäre, wenn die 412 in der Lite gestanden hâtten; vielmehr ist anzunehmen, daß der Abg. von Dergen au gewählt worden wäre, wenn die Behörden nicht diese Dummheit gemacht hätten. Tatsächlich ist nit geprüft worden, ob dicser oder jener der 412 etwa aus anderen Grunden nicht wah!berechtigt war, und renn das jeyt verlangt wird, fo können wir dem nur bei- slimmen. Die Kommission is hier anders, als es sonst üblich ift, verfahren. 5 :

Abg. Dr. Neumann-Hofer (fortshr. Volksp.): Diese leßtere Behauvtung muß ih ganz entschieden bestreiten. Die 60 Stimmen über die Mehrheit bedeuten doch praktis) einen Unter- schied von mehr als 120 Stimmen. Immerhin haben die An- führungen des Abg. Dr. Arendt manches Berechtigte; würde der MNeichstag aber auf setnen Antrag eingehen, so würde das zu ganz unabsehbaren Folgen führen. Erhebungen darüber, wer von jenen 412 wirklich wahlberechtigt war, würden zum großen Teil bereits un- ausführbar sein Die Kommission hat lediglich den Standpunkt cin- genommen, den auch der Reichstag stets festgehalten hat. Die Ab- weisung der Betreffenden ist aus niht haltbaren Gründen erfolgt. Die mödslicherweise vorhandenen anderweiten Aussließungêgründe hätten in einem Gegenprotest geltend gemacht werden müssen ; davon ist aber feine Nede gewesen. i :

Abg. von Brockhausen (dkonf): Die Verhandlungen in der Kommission über diese Frage sind sehr eingehend gewesen. Die Kom- mission hat den Protest für sehr erheblich angesehen. Es herrscht aber die alte Praxis, daß, wenn von einer Partei des Reichstages der Wunsch auf weitere Klaritellung gestellt ist, dem Fung getragen wird. Außerdem ist auch das Monttum des Abg. Dr. Arendt be- rechtigt, weil die von den Behörden ergangenen Bescheite nicht zum Abdruck gebracht sind. Dann hat der Abg. Dr. Arendt au die Frage aufgeworfen, ob diese 412 Personen überhaupt wahlberechtigt gewesen seien. Auch hâtte die Fiage endaültig beantwortet werden müssen, ob Personen wählen dürfen, diz zwar in die Wählerliste eingetragen find, aber zur Zeit der Wahl selbst nicht mebr im Wahlkreise wohnen. Diese Frage gilt nicht allein für die Nachwahbl, sondern auch für die Hauptwahl. G»rade mit Nücksiht darauf halte ih es für notwendig, daß die Wahlfommission sich noch einmal mit dieser Angelegenheit befaßt. Ich will nur an die Wahlen Haupt und Kölsch erinnern, wo ja auch in der Kommission alle Punkte er- örtert worden find. Lassen Sie deshalb auch in diesein Falle Gerechtigkeit walten. :

Abg. Stadthagen (Soz.): Der Abg. Dr. Arendt hat die \{chwersten Beschuldigungen gegen die Wahlprüfungskommission er- hoben. Er meint, der Nest des Vertrauens zu der Wahlprüfungs- fommission sei im Verschwinden begriffen. Auf das Vertrauen des Abg. Dr. Arendt verzichte ich wie wohl auch die anderen Mitglieder der Wahlprüfungskommission. Er hat es fertig gebracht, die ganze Frage auf den Kopf zu stellen, und verlangt nun Gerechtigkeit. Er hat Grundsäße aufgestellt, die jedem Recht ins Gesicht schlagen und das absolute Gegenteil von Recht Sinn sind.

g Fen Dr. Lo E É j rendt Unsinn vor, das can i N, Antrage des Dr. Arendt stattg

herein jedem Wähler, ter sch l dit Wählerliste e

will, die Absicht unterschieben, daß er ein Wahlverbrehen begehen wolle. Auch isl die Behauptung, es sei der Verdacht aufgetaucht, daß viele von diesen Armenunterstüßungen erhaltens. haben, ein Anwurf, der nicht haf genug zurückgewiefen werden kann. Jch kann nur be? dauern, daß der Kollege Schwarze si die Deduktion des Aba. Dr. Arendt zu eigen gemacht hat. Der Abg. von Oerßen hätte am besten getan, sein Mandat freiwillig niederzulegen. Wir müssen {hon aus Neinlich- feitsggründen den Antrag Arendt zurückweifen. E L

Abg. Dr. Arendt (Np.): Ich habe die Wahlprüfungs- kommission nicht angegriffen, sondern habe nur damtt diejenigen treffen wollen, die nach Feststellung des Tatbestandes noch für die Ungültigkeit der Wabl eintreten. Würde der Abg. von Oerßen sein Mandat niederlegen, so würde er die Prüfung dieser außerordentlich wichtigen Prinzipienfrage unmöglich machen. Wäre Wahlbeeinflussung vorgekommen, dann hätte er sicher fofort fein Mandat niedergelegt. Es ist wichtig, hier festzustellen, wie viile von diesen 412 Personen wahlberechtigt acwesen find, damit wir wissen, wie viel Stimmen dem Abg. von Derßten abzuziehen sind. : e

Abg. Fischer - Berlin (Soz.): Es hat noch keine Wahlprüfung aegeben, bei der nicht die faulsten Dinge vom Abg. Arendt zu be- \hönigen versucht worden sind. Gr sagte: Proteste oder viht, vor der Wahl wollen wir keine Wahlen kassieren. Es handelte fih damals um cine Versicherung auf Gegenseitigkeit. Bei Beeliß handelt es sih nit um Asylisten, sondern um Patieuten, die a-f Grund ihrer Beiträge in dtese Anstalt aufgenommen worden sind. Der Abg. Arendt ist doch gerade derjenige, der von der fozialen ¿Fürsorge ein großes Aufheben maht. Würde er auch von einem Asylisten sprecken, wenn es sih um ten Fü1sten Eulenburg handelte und dieser in einem Sanatorium \ich befände? Der Abg. Arendt müßte wissen, daß die Liste der 412 Patienten von der Anstaltsdirektion bei dem Mauistrat von Beeliy eingereiht worden ist. Damit entfällt der Einwand, es fönnten fi darunter au Leute befinden, die gar niht mehr in der Anstalt sind. 2 S

Abg. von Brockhausen (dkoas.): Ich habe die bitherige Entscheidung der Kommission und des Plenums nicht angreifen wollen, aber die Herren von der Linken haben doch früßere Ent- scheidungen umgeworfen. Es könnte durch die Direktion der Anstalt leicht festgestellt werden, ob die betreffenden Personen zur Zeit der Wahl in der Anstalt waren. Aber es kommt darauf an, festzustellen, ob sie wahlberechtigt E oder niht. Mit einer folhen Prüfung

räjudizieren wir uns nicht. i j L Aba. Waldstein (fortschr. Volksp.): (Es handelt sich hier nit um eine Frage der Courtoisie gegen eine Partei, sondern um eine Frage der Gerechtigkeit. Die Verwaltung der Heilstätte Beeliß hat das Verzeichnis eingereiht und damit die Verantwortung über- nommen, daß die Betreffenden wahlberechtigt waren.

Der Antrag des Abg. Dr. Arendt auf Zurückverweisung der Wahl an die Wahlprüfungskommission wird nah Probe und Gegenprobe mit 155 gegen 151 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag stimmen die Sozialdemokraten, die fort schrittliche Volkspartei, ein kleiner Teil der Nationalliberalen und die Polen; für den Antrag stimmen die gesamte Rechte, das Zentrum und die große Mehrheit der Nationalliberalen.

Die Abstimmung über den Antrag der Kommission auf Kassierung der Wahl bleibt ebenfalls zweifelhaft; die Aus- zällung ergibt die Ungültigkettserklärung mit 160 gegen 140 Stimmen.

Die Wahl des Abg. Dr. Arendt (Np.) für 5. Merse- burg wird ohne Debatte für gültig erklärt.

Es folgen Berichte der Petitionskommission.

Die Petition des Vereins vereinigter Zigarrenhändler in Aachen

uud des Verbandes deutscher Zigarrenladeninhaber wendet fich an den

mit- dem Abg: Dr.

ählerliste eintragen lassen

Reichstag um Hilfe gegen den geheimen Warenhandel und acgen den offenen Bertrieb von Tabakfabrikaten aller Art durh die Gast- und Schankwirte. :

Die Kommission beantragt Ueberweisung an den Reichskanzler zur Berücksichtigung, soweit Abhilfe gegen den geheimen Warenhandel bezweckt wirdy- Uebergang zur Tagesordnung, soweit Einschränkung des Bertriebs durch (Bast- und Schaukwirte gefordert wird. /

Die Sozialdemokraten beantragen Uebergang zur Tagesordnung über beide Petitionen.

Abg. Bre y (Scez.): Der Wunsch der Petenten - bezweckt einen Cingriff in un)ere Gewerbefreiheit. Dabei muß man gleih dem ersten Schriît entgegentreten. Ein großer Teil der Petenten gehört ja zu jenem gewerblichen Kreise, dessen Kampf ums Dasein in den leßten Jahren außerordentlich verschärft worden ist. Aber daran sind mckcht die Ursachen s{uld, gegen welche die Petenten vorgehen, sondern unsere ganze Finanz- und Wirtschaftêpolitik. Wenn Hilfe geschaffen werden foll, dann fann dies nur durch Streben nah vorwärts ge|chehen. Die Petenten wollen, daß jede Form der Warenvermittlung anmelde- pflichtig gemacht wird, sie wollen eine Ergänzung der Straf- bestimmungen und wollen, daß an bestimmten Stellen eine Liste aller angemeldeten Betriebe ausliegt. Spätere Petenten verlangen dann noch, daß jeder Beamte oder jeder Arbeiter, der Waren vermittelt, die Erlaubnis seiner vorgescßten Behörde oder seines Arbeitgebers vorlegen soll. Man will also einen Kontroll- und Bevormundungs- apparat schaffen. Nun hat das bestehende Gese ja schon genügende Kautelen bei dem gewerbsmäßtgen Warenvertrieb. Hier aber soll jede Form der Warenvermittlung getroffen werden. Es wäré doch unerhört, wenn Personen, denen es gar ‘nicht um Händlergewinn zu tun ist und die nur aus Not Waren gemeinsam beziehen, zur Gewerbesteuer herangezogen werden. Mit dem Warenhandel der Beamten kat sich ja {hon der Bundesrat beschäftigt. Es find Verordnungen ergangen gegen den mißbräuchlihen Handel der Beamten und ganz besonders gegen die Benuzung der Dienst- wohnungen und Diensteinrihtungen für diesen Zweck. Die ver- bündeten Regierungen find hier den Petenten mit einer Geschwindig- keit «ntgeaengekommen, die man sonst bei niht wentaer wichtigen Angelegenheiten bei ibnen nicht beobachten kann. Wenn der hier vorlieæende Wunsch der Petenten in Erfüllung geht, und wir ihn noch der Regierung empfehlen, dann würden die Folgen ganz cigenartiger Natur sein. Wenn man einen Unternehmer, der in den Zeiten der Teuerung, um setnen Arbeitern entgegenzukommen, für diese gemeinsam Waren bezieht, deswegen besteuern wollte, dann würke er es unterlassen, und den Schaden würden die Arbeiter tragen. Auf diese Weise würden alle Teuerungsmaßnahmen unmöglih gemacht, die Arbeiter und andere Unbemittelte zum Schuße gegen die Teuerung ergreifen. Durch unsere Steuerpolitik ist ja der Verbrauch sowieso \chon herabgedrückt worden. Dieser würde noch weiter zurückgehen, und das könnte. nicht. ohne Einfluß anf das Gewerbe bleiben. In erster Linie muß cs doch auf eine Verm: hrung des Umsayes ankommen. Diese machen. aber die Wünsche der Petenten nach jeder Richtung hin unmöglich. Inu der Tabakbranhe wird gerade die Kleinfabrikalio getroffen werden. . Die Petenten gehen wit dem f

treu tigeneo Absaz auf K der kleinen Ga

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Zigatren und Zi ]

kauft wird, wird bei 1 je

werden; dem Händler ist damit n i

ten Gaslwirten aber ein empfindliher Schade zugefügt. M ! MNecht und gleicher Begründung könnten doch auch die Schlächter ver- langen, daß bei den Gastwirten Fleischwaren nicht mehr verkauft werden dürfen; wo fämen wir bei einer solchen Politik hin? Wir halten es für unsere Pflicht, vor solcher Politik zu warnen, und bitten um Annahme unseres Antrages.

Abg. Sir (Zentr.): Es ist cine unbestrittcue Tatsache, daß dieser Schleichhandel tin feiner heutigen Ausdehnung sid zu einem großen Schaden des Mittelitandes ausgewahhsen hat. Alle Branchen klagen über den geheimen Warenbandel ; das Gewerbe und der Kaufmann- stand empfinden diese S&ädigung von Tag zu Tag mehr. Bei den Sozialdemokraten ist freilich alles Nückschritt, was der Mittel- stand fordert. Das Z.ntrum betreibt, wie überall, auch in der Miltelstandsfrage die Politik des Erreichbaren; wir wollen, wenn wir nicht alles erreid;en können, wenigstens Abshlagszahlungen haben, und elne solche wid in der Petitton E: Auch von hohen Stellen ist das Bestehen derartiger Mißstände an- erkannt worden. Beamte und Angestellte sollen siŸh jedes Eingriffes, jeder fleinliden Selbsthilfe zum Schaden des gewerbetreibenden Mittelstandes enthalten. Es soll möglichst auch bei Cen ge- kauft werden. Die kleinen und mittleren Beamten haben doch sehr viel Familienbeziehungea zu den Kaufleuten ; schon dieser Grund müßte sie abhalten, die lebteren zu schädigen. Auch ein entschieden Liberaler, wie der Abg. Oberpostassistent Delius hat \charf getadelt, daß Beamte während der Dienststunden für die Beamteneinkaufsvereine tätig sind; er hat sogar eine Besteucrung der Beamten- konsumvereine für gerechtfertigt erklärt. Aehnlihe Stimmen aus Beamtenkreisen ließen sih zahlrei ansühren. Dem {wer ringenten Mittelftande gehen dur den Beamtenhandel die Kunden verloren ; daraus kann nur eine wachsende Verbitterung gegen den Staat entstehèn, der solhes duldet. Auch diese Erwägung wird von Beamlen angestellt und vertreten. Hoffentlih nehmen. {ich die Sozialdemokraten diese Aeußerungen zu Herzen und bessern sh. Für die Beamten i} gesorgt; wer sorgt denn für den Mittelstand? Die Auswüchse der uneinge!hränkten Gewerbetreiheit müssen endli be- seitigt werden. Aber hier sehen wir den ewigen Stillstand ; Er- wägungen, nichts als Erwägungen! Der Mittelstand hat keine An- wartschaft auf eine Pension: aber von den ‘auf ihm liegenden Lasten wird er geradezu erdrückt. Der Mittelstand is der Stand, der nihis hat und der nihhts fkriegt. Seine Steuerkraft wixd ge- \{wäht, damit aber au diejenige des Staates. Auch für den Mitteistand muß das Wort gelten: „Leben und leben lassen!“ Der Kaufmann vnd Gewerbetretbende dürfen niht um ihr Brot ge- braht werden. Täglich können wir in den Zeitungen Annoncen lesen, in denen Personen gesuht werden, die gegen Provifion den Schleich- handel betreiben. Beamte nit bloß beteiligen sih daran, sondern au Frauen, Föchinnen. Sole Firmen [sollten boykottiert werden. Gegen einen solden Unfug müssen wir Stellung nehmen. Ueber die Ooltung der Sozialdemokraten wundere ih mich, Nicht alle a temokraten gehen mit den Freihärdlern. Der Verein zum Schuße des Handels und Gewerbes in Breslau hat eine Resolution be- \hlossen, die geeignete Kautelen gegen den geheimen Warenhandel fordert und namentlich_ eine Stempelsteuer von 70 verlangt. Hier ist eine günstige Gelegenheit, die Reichseinnahmen zu - ver- bessern. Ih blite Sie, den Antrag der Sozioldemokratez abzulehnen und den der Kommission anzunehmen; die Regieru aber möhte ih ersuchen, der uneingeshränkten Gèwerbefrei Ende zu machen gerade jeßt, wo man im Begriff: ist, de {tande durch die Wehrvorlagen neite Lasten aufzuer.egen.

reform war einer der wahr

Abz. Siehr- Insterburg (fortshr. Volksp.): Die lebte hend nit legten Sihläge, Mititelstande verseßt worden find. Ich erinnere auy dara Bund. der Landwirte, . das renhaus für Heer und Y