1894 / 102 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

N S E O G OE EEITSETRNNDET- Mae

Tadung des Abg. von Schen>kendor ff eine Berathung | b e Meg theil A Dr. Reinhardt, Oberlehrer

Mannigfaltiges.

( Zur Besprehung der Frage, ob und auf wellhem Wege die studierende Jugend der Un vers ität Berlin an_ der Bewegung r Volks- und Aen e in erweitertem Sinne als bisher

theilnehmen fönne, fand im Abgeordnetenhause am nas ul e att. An

M die Schulräthe Wahsesior Dr. Guler und Dr. Küppers, ige Studierende und Turnwart Schröer. Außerdem war der Abgeordnete von Bandelow erschienen, welcher bei der Berathung des Kultus-Etats namens der kon}ervativen A deren volle Sympathie für die Pflege der Spiele im Freien kund gethan hatte. Der Vorfißende theilte einlecitend mit, daß der deutsche Zentral-Aus\huß beabsichtige, allmählich bei allen deutschen Uni- versitäten und SoGiSulen besondere Kurse für diese Spiele einzurichten, und daß im laufenden Jahre außer in Berlin auch R an einigen anderen Universitäten derartige Kurse aufgenommen werden sollen. Bei der Generaldebatte fand der Plan selbst uneinges<hränkte Zu- stimmung, Man erkannte an, daß der heutigen studierenden Jugend ein erhöhtes Maß körperlicher Schulung und Tüchtigkeit nothwendig

L fel, damit sie ihren künftigen Berufs-, bürgerlichen und vaterländischen

Aufgaben -gereht werden könne, und würde es au lebhaft begrüßen, wenn die akademishe Jugend sih mit an die Spiße einer Bewegung tellen würde, die nah übereinstimmendem Urtheil aller Ein- <tigen von großem Segen für die gedeihliche Entwi>elung des deutshen Volksstammes sein wird. Sodann trat man in die Be- sprehung der einzelnen Maßnahmen ein und stellte den Wortlaut

eines furz gefaßten Aufrufs an die \tudierende Jugend fest. Als

Zeit des Kursus wurden die Tage vom 28. Mai bis zum 9. Juni derart in Aussicht genommen, daß einen um den anderen Tag von 5 bis 8 Uhr Nachmittags in der Hasenhaide bezw. in Schönholz gespielt werde. Die Leitung des Kursus werden die Herren Privat- dozent Dr. Reinhardt und Oberlehrer Heinrih übernehmen. Als zu übende Spiele wurden die Laufspiele Schlagball, Barlauf,

- Swleuderball und Fußball, die Ruhespiele Jagdball, Kreisball

und Dritten - Abschlagen, und die volksthümlihen Uebungen Diskus- werfen, Gerwerfen und Steinstoßen gewählt. Der Zentral-Ausshuß wird sih nunmehr mit dem Rektor und dem Senat der Universität dahin gehend in nähere Verbindung seßen, daß die Veröffentlichung des Aufrufs am Schwarzen Brett erfolge und eine Liste zur Ein- zeichnung ausgelegt werde. Die zur Theilnahme Angemeldeten werden sodann am 26. Mai zu einer Versammlung einberufen werden, um fie mit dem Plan des Kursus im einzelnen bekannt zu machen.

Die Organisation der beru fsgenossenshaftli<en Unfa ll- stationen n Berlin für erste Hilfeleistung und klinishe Behandlung wird demnächst ihren vorläufigen Abschluß finden, da Gnde dieses Monats die Unfallstation Nr. 111 in der Nähe des Schlesishen Bahnhofs und die Unfallstation Nr. 1V in Moabit ins Leben treten werden, nachdem bereits die Unfallstation Nr. 1, Wilhelmstraße 10, nd, die Ünfallstation Nr. 11, Prenzlauer Allee 36b, seit Anfang d. J. ihre segensreihe Thätigkeit begonnen haben und jebt_ {on in ihrer klinischen Abtheilung mit je 30 Betten belegt sind. Sämmtliche Stadttheile baben damit ihre gleihmäßige Berücksichtigung gefunden. Inzwischen find auch die Bekleidungsindustrie- Berufsgenossenschaft und die Papier- verarbeitungs- sowie die Fuhrwerks-Berufsgenossenschaft dem Unter- nehmen beigetreten, und der Zutritt einiger anderer Berufsgenossen-

schaften steht nahe bevor.

ie Gruppe X11 „Musikalishe Instrumente" der Berliner lebe Mudstellung 1896 hat sich jeßt ebenfalls konstituiert. Der Vorstand seßt sich aus drei Abtheilungen zusammen. Für die erste Abtheilung, welche aus den gesammten Tasteninstrumenten, mit Ausnahme der mechanish in Bewegung zu seßenden, besteht, wurden gewählt: Kommerzien-Rath C. Bechstein zum Vorsißenden und Kom- merzien-Rath J. L. Duysen zu dessen Stellvertreter; für die zweite Abtheilung, welche die gesammten mechanischen, automatischen Musik- werke, Geigen und Blasinstrumente umfaßt: Direktor F. Pietschmann, Vorsitzender, Fabrikant C. Moriß, Stellvertreter; für die dritte Ab- theilung, die Bestandtheil-Fabrikate umfassend: Herr F. Petermann, in Firma Ad. Lerow, BVorsißender; Herr H. Buchholz, Klaviatur- fabrifant, Stellvertreter.

B erliner Asylverein für Obdachlose hat sih, wie in E im Rathhaus abgehaltenen Generalversammlung mit- etheilt wurde, für den Neubau eines Asyls für Männer von den tädtischen Behörden ein Grundstü> in der Wiesenstraße erbeten. Da

<t vom 1. Mai, Morgens,

L D ei

scheinlich.

welche O s Ls \ en dürfte. In Oft- un üddeutshland ist vielfah Regen ge- : ite ( Ivorstelluna. fallen. Fortdauer der kühlen Witterung wahr- Orientreise. (Doppelvorstellung.)

en zur unentgeltlichen Ueberweisung diefes Grundstücks geneigt sind, hofft man \con im nächsten Jahr in voller Bauthäti feit zu sein. Das Grundstü> is insofern für die Asylzwe>e günstig ge- Legen; als es nx an einer Seite an bebaute Gebäude stößt, während es a der andern Seite von der NRing- bahn, hinten von der Panke begrenzt ist. Nach dem vom Baumeister Töbelmann der Versammlung vorgelegten vorläufigen Entwurf wird das neue Asyl, das für 600 Personen Sie bieten soll, im Baraen- til mit zentraler Vorhallenanlage errihtet werden. Den hygienischen taa Sn soll im weitgehendsten Maße Rechnung getragen werden. Die 400 000 X betragenden Baukosten hofft man zum theil aus dem Erlös für den Verkauf des jeizigen Asyls in der Büsching- straße zu deen; außerdem ist bereits ein Keiner Baufonds angesammelt, dem allein infolge eines kürzlich erlassenen Aufrufs über 30 000 zugeflossen sind. Dem Bericht über das leßte Geschäftsjahr zufolge sind in den beiden Asylen des Vereins im leyten Jahre 109 206 Männer, 8217 Frauen, 4815 Mädchen, 688 Kinder und 99 Säuglinge aufgenommen worden. In den 25 Jahren seit der Begründung des Vereins hat derselbe 2587 482 Personen Zuflu<ht gewährt. An Bädern wurden im Jahre 1893 im Männerasyl 39449, im Fraucnasyl 1010 verabreicht. Der Arbeitsnachweis E nur von 780 Männern benußt worden. Im neuen Jahre sind bis zum gestrigen Tage 36689 Männer und 3045 Frauen aufgenommen, von denen 13 053 Männer und. nur 218 Frauen gebadet haben. Die Einnahmen des Jahres / 1893 beliefen ch auf 89579, die Ausgaben auf 40781 4; im ersten Quartal dieses Jahres sind 22974 Æ vereinnahmt und 9093 6 verausgabt. Ein Legat von 16 000 4 ist no<h zu erwarten; gegen ein weiteres Legat von 8000 4 ist Einspruh erhoben; eine dritte Erbschaft hat zu einem langwierigen Prozeß geführt, dessen Ausgang noch nicht ab- zusehen ist. Zum Baufonds sind im ersten Vierteljahr 4796 und im April 6000 # eingegangen. An Vermögen besaß der Verein am 1. April d. J. 571 026 (4 Neu in den Vorstand trat an Stelle des Dr. Kalischer der Stadtverordnete Selle.

Bei der leßten Auffahrt des .Ballons „Phönix“ am 25. April, die f bereits mitgetheilt, bei Stettin beendigt wurde, waren nah einem Bericht der „Post“ neben den üblichen Instrumenten, da es eine Borbercitungsfahrt für die demnächstige Hochfahrt galt, noh einige besondere Apparate mitgeführt. Zwei Stahlbehälter mit je 500 1 reinem Sauerstoff, der, auf 120 Atmosphären komprimiert, durch ein Neduktionsventil mittels Schläuchen geathmet werden - konnte, sollten erprobt werden. Ferner hing unter dem Korb des Ballons ein Apparat, der dauernd den Gang eines Thermometers auf eine Registrier-Trommel photographieren sollte. Leßterer Apparat soll demnächst mit einem Goldschlägerhaut-Ballon von 300 cbm Inhalt auf 15000 m gehoben werden, um die Temperaturverhältnisse der Höhen, in die der Mensch niht mehr vordringen kann, zu studieren. Da dur<h die große Zahl der Apparate sowie dur drei Personen der Ballon sehr s{<wer belastet werden mußte, so waren der Leuchtgasfüllung 560 cbm reines Wasserstoffgas beigemisht, um die erforderliche Hebekraft zu erhalten. Die Auf- fahrt erfolgte zwei Minuten vor 10 Uhr Vormittags, nahdem zwei Stunden vorher bereits ei Militärballon mit drei Dffizieren feine Luftreise angetreten hatte. Der „Phönix“ stieg mit starkem Auftrieb in nur zwei Minuten auf 700 m Höhe und fand hier seine erste Gleichgewichtslage; der Kurs betrug Nord 10 Grad zu West. Während Berlin überflogen wurde, bewirkte man eine Reihe photographischer Aufnahmen. Höher ansteigend {wenkte der Ballon mehr nah Nord und \{ließli<h in 2000 m Höhe nah Nordost zu ab. Von dem stattlihen Ballastvorrath (bei der Abfahrt 715 kg Sand) wurde nun fortgeseßt hinabgeworfen und hierdurh der Ballon dauernd zum Steigen gezwungen. Bei Eberswalde wurden 3000 m, bei Anger- münde 4000 m, bei Garz a. D. 5000 m erreiht. Zwischen jeder Stufe wurde eine lange Pause eingelegt, um den Körper an die Luftverdünnung zu gewöhnen und eine Reihe sicherer Beobachtungen zu gewinnen. Von 4000 m Höhe an wurde zeitweise Sauer- sto} geathmet und die ungemein erfrishende und belebende Wirkung dieses Gases auf den Organismus wiederum fest- gestellt. Die Temperaturdifferenz zwishen der Erde „und 5000 m betrug 36 Gr. C.; indessen hatten die Lusft- \hiffer wenig in der strahlenden Sonne von der Kälte (es waren —16 Gr. C.) zu leiden. Der „Phönix“ war mit einer durch- schnittlihen Geschwindigkeit von nur 22 km die Stunde immer mehr nah NO. drehend bis über die Oder zwishen Greiffenhagen und Stettin vorgedrungen. Da der Ballastvorrath erschöpft war, konnte die Höhe von 5000 m leider niht überschritten werden.

Deutsche Seewarte. (Doppelvorstellung.)

St tionen, Wind. Weiter.

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p red. in Millim. Temperatur in 9 Celsius 50 F. =409 R.

Belmullet . . Averdeen . - , Kopenhagen . | 763 StoÆholm . | 764 “gu E CO2 St. Petersbg. | 758 Mosfau . . . | 763

orf, Queens- uwe L P LCEO Cherbourg. . | 768

e let COT

e004

mburg .. | 769 Swinemünde | 762

Neufahrwasser| 761 Memel ... | 760

Saris .... | 765 Münster l TOO Karlsruhe . . | 762 iesbaden . | 762 München . . | 759 Chemniy . . | 762 ih s E Men O P 000 754 755

NNW NNW

J I J

Pet haus. 111.

J J D

beded>t

m t O N R I E

Anfang 73 Uh

halb bed.

Nebel

Us U H L l O =I O

|

bededt

Regen) indpaintner. beded>t

beded>t bededt Deuishes

Dunst wolkig

Fi Uo bo bo P C0 S U D

Rosa NRetty.

1) Nachts Regen. L Scene

Uebersicht der Wiiterung.

; dru> hat über Irland 775 mm über- 9 Aft ie Eine f niedrigen Luftdru>es erstre>t Klaus

von Italien nordnordostwärts nach der Gegend des Pdpihen Meeres hin, sodaß über Westeuropa nördliche

wach, auf den Britischen Inseln fris, im

î vorwiegend trübe, nur in den östlichen E loideilen dauert die milde Witterung noch fort,

E E O R R E E E V Be I S S I E S E P RBE S AE P r E Theater - Anzeigenu. wolkig Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern-

T, ; Schauspielhaus. 118. Vorstellung. Die Jour- L nalisten, Lustspiel in 4 Aufzügen von Gustav halb bed. Freytag. Regie: Herr Keßler. Anfang 7# Uhr. j Donnerstag: nhau! | ; wolkig staffffl. Lyrishe Komödie in 3 Akten von Giuseppe beded>t Verdi. Text von Arrigo Boito, deuts< von Marx 2 E bededt Kalbe>. Carneval. Ballet-Burleske in 2 Auf- zügen von Emil Graeb. Musik von Adolf Siein- bede>t mann. Anfang 7} Uhr.

Senator. Anfang 7# Ukr.

a E ; Donnerstag : É Freitag: Der Herr s Sonntag, Nachm. 24 Uhr: Zum 60 jährigen bede>t Künstler-Juläum und zum_ Vortheile von Louis Kühn: Prolog von Julius Stettenheim, gespr. von | präz. 7 Uhr.

Adolph Ernst-Theater. Mittwoch, 7 Uhr: Defklamation. Der Pfarrer von Kirchfeld. S ; 0 S Pod O lie 4. Aft. Vortrag von Josef Kainz. Doktor Aue eg pi qr v N Oru> der Norddeutschen Buchdru>kteret un géo

on : fang in 1 Akt von Ed. arodistishe Posse ‘mit Gefang ‘Musik von Franz

E vorherrschend is, welhe in Zentral- M ata

aropa Le î Abends 7> Uhr: König Lear. (Ludw. Barnay, Kanal steif auftritt. In Deutschland is das Wetter e eh Sev E q. S E D Molt) Freitag: 36. Abonnements-Vorstellung. Dora.

Vorstellung.

i enry Meilhac. Opernhaus. 112. Vorstellung. Fal-* R R T Ühr.

bos den in der Versammlun gema ten Angaben die städtis<hen Be- or

Freitag: Die Kreuzelschreiber.

Friedrich - Wilhelmflädtishes Theater. s & ise Operette Bait ittwoch: Die Fledermaus. Koml ; ¿awsfki (Barit.). Die Afrikauerin L Meilhac und Valevy, bearbeitet von Witold v. f für d A ) i Dv in 6 Mita / von G, Meyerbeer. Text von | Sl Poffe, und Mi, Genet, Mut A N behalten ihre Gültigkeit. un E. Scribe deuts< von F. Gumbert. Ballet von Strauß. Regie: Herr L A A E P SU E O E E U R E R P E A S A D H E Nebel Paul Taglioni. In Scene geseßt vom Ober- Kapellnetner Yodexmaun, Zang (T Vor, bede>t Miau Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Sucher. tacalih

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Mittwoch: Dekorirt (Décoré). Schwank

Donnerstag: Der Vogelhändler.

Regie: Emil Lessing. Anfang 7# Uhr. | r oseph ven Donnerstag O ai 1A 0 A s von Bischofshausen (Berlin). Hrn. berlehrer

In der Urania wird morgen Abend Herr Professor Dr. Müllen- hoff no< einmal „Ueber die Lu E sprechen und am Sonn- abend seinen Vortrag „Ueber den Flug des Menschen“ wiederholen.

Der Zirkus Renz hat gestern seine Pforten geschlossen und ist nach S übergesiedelt. Die Abschiedsvorstellung war noch stark besu<t von allen den Freunden der Reitkunst, die der Gesellschaft „ein Lebewohl auf Wiedersehen“ sagen und zugleich ihr no< einmal ihren Dank und ihre Anerkennung für die vorzüglichen Leistungen während des Winters bekunden wollten. Das Glanzstü> des Winters „Auf, auf zur fröhlichen Jagd“ konnte, da wohl ein großer Theil des todten und lebenden Inventars s<hon verpa>kt war, am lehten Abend niht mehr gegeben werden. Die sonstigen Leistungen boten aber hierfür einen dur<aus anerkennenswerthen Ersatz, voran Herr Direktor Fr. Renz, Herr E. Renz und Frau Renz-Stark, die U Lorbeerkränze bezw. Bouquets geehrt wurden. Ein von dem Balletkorps ausgeführtes Tanzdivertissement hatte den Zwe>, dem Ab- {ied von Berlin einen sinnigen Ausdru> zu geben, wobei der Di- rektor mehrfa<h gerufen und mit sympathishen Kundgebungen bedacht wurde. Auch zum Schluß wiederholten sih diefe Kundgebungen, die dem Direktor einen Beweis dafür geaecben haben werden, daß man seinem Wiederkommen gern entgegensteht.

Die Papageiensammlung des Zoologischen Gartens, welche {hon unter Direktor Bodinus einen wohlverdienten Ruf genoß, ift durch die Fürsorge des jeßigen Leiters des Gartens zu einer der reich- haltigsten aller heutigen Thiergärten geworden. In dem linken Flügel der großen Vogelvolière leben ni<ht wenige Arten, welhe in den größten ornithologishen Sammlungen der Erde no< fehlen. Der- artige seltene Vögel sind unter anderen die beiden Laufsittiche, welche jeßt, im schönsten Gefieder prangend, das Auge des Be- schauers entzü>ken, der Einfarbsittih und der Uréaßittich. Beide gehören zu denjenigen Sittichen, deren Shwanzfedern am Ende lanzettförmig zugespißt sind. Sie verstehen sih auf ebener Erde sehr geshi>t zu bewegen und durh das dichteste Gebüsch zu {hlüvfen. Der Einfarbsittich ist ein Ziegensittih, so genannt wegen seines me>ernden Nufs ; sein Vaterland is noch nit bekannt. Der Uróasittich hat seine Heimath auf den Loyalty-Inseln, unweit von Neu-Kaledonien, und fällt durh seine spize Haube auf. Beides sind muntere Thiere, welche sh gut acclimatifiert haben. Der Uréasittich wurde erst vor wenigen Jahren von Layard entde>t, kam dann lebend nah Frankreich und neuerdings au) nah Deutschland und England; der Cinfarbsittich ist hier zum ersten Mal in der Gefangenschaft auss gestellt.

Wien, 30. April. „W. T. B.“ meldet: Die Generalversamm- lung des Donauvereins ernannte Seine Königliche Hoheit den Prinzen Ludwig von Bayern und den Fürst-Erzbishof Kohn zu Ehrenmitgliedern.

Prag, 1. Mai. Im Bezirk Korim is laut Meldung des „W. T. B.* ein heftiger Wolkenbruh mit Hagelschlag nieder» gegangen, wobei ein Haus weggeshwemmt wurde und viel Vieh er- trank. Eine Person wurde vom Bliß getödtet. Der Schaden ift sehr beträchtlich.

Graz, 30. April. A<t Mitglieder des Vereins für Höhlenerforshung wurden, wie „W. T. B.“ meldet, bei der Untersuchung der Luelet-Höhlen bei Sonria h dur die im Innern der Höhlen fließenden Bäche, - welche infolge der Regengüsse anges{<wollen waren, von dem Ausgang abgeschnitten. Sie be» finden si< bereits seit Sonnabend in den Höhlen. Zu ihrer Rettung hat man dén Versuch gemacht, den Wasserzufluß abzulenken.

Pest, 1. Mai. Nah Meldung des „W. T. B.“ aus Braila brah dort gestern während der Landung der Passagiere, welche am Morgen mit dem Lokalboot von Galaß ankamen, der von Ausflüglern überfüllte Landungs seg zusammen. Nach den bisherigen Ermitte- lungen der Donau-Dampf|chiffahrts-Gesellschaft in Braila sind sieben Personen ums Leben gekommen, se<zig konnten gerettet werden.

Athen, 1. Mai. Dur< das Erdbeben vom leßten Freitag (vergl. Nr. 100 und 101 d. Bl.) sind, wie „W. T. B." berichtet, noch einige weitere Ortschaften, namentlih in Livadia, zer- stôrt worden. Die Stadt Atalanti ist von den Cinwohnern ver- lassen. Die Senkungen des Bodens an einzelnen Punkten der Küste

betragen 1} m.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

E (B T DOREL MPIC T V LEIE ERE S S E I R T R N E (R IRTEC A B N I A T S E E

Der Registrator auf Reisen.

j ; ._ Mi A um 2. Male. Lessing-Theater. Mittwoch : Niobe und Die sar Wichtig: Emik Thomas.)

Donnerstag : Zum 3. Male. Der Registrator

Donnerstag: Niobe und Die Orientreise. auf Reisen.

Konzerte,

Saagl Bechstein. Mittwo<h, Abends 8 Uhr : Konzert von Helene v. Hochedlinger (Klav.) und

Die bereits für den 27. April ausgegebenen Karten

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Margarethe Semper mit Hrn. Rechtsanwalt Baur (Altona). Frl. Margarethe ; ; Dudy mit Hrn. Lieut. Johannes Berger (Batow— Regie: Richard | Berlin). Helene Gräfin von Lüttichau mit Herrn Pastor Oswald von Lieres und Wilkau

Donnerstag und folgende Tage: Dekorirt. a. d. H. Wilkau (Niesky). Frl. Marie ron

Werder mit Hrn. Lieut. Carl Gieße (Baden- Baden—St. Avold).

. Direktion: Sigmund Lauten- : D L ; Mr r h 9. Ae GENEA G Glüe. | Verehelicht: Hr. Hauptm. Friedrih von Mikusch- Schauspielhaus. 119. Vorstellung. Faust von | Schauspiel in 3 Akten von Paul A. Kirstein. g Q tthold bede>t R Los Goethe. Der Tragödie erster Theil. P n Geboren: Eine Tochter: Hrn. Pastor Go ho Regen Die zur Handlung gehörende bededt ürsten Nadziwill und von Peter Joseph von

Buchberg mit Elsa Gräfin Ingenheim (Berlin). Starke (Runowo, Provinz Posen). Hrn. Heino

Dr. Pullig (Berlin).

Anfang 7 Uhr. AUY N: Ein Liebesdrama in 3 Akten von Max Ge orben: Hrn. Ober-Regierungs-Rath Dr. Fornet e.

Hal Theater. Mittwoh: Der Herr

Bevagrapyie uud Liebe.

Romeo und Julia. d. Akt, Der Sohn der Wildnifßz. 2. Akt.

Kar biva und Benno Jacobson.

Berliner Theater. Mitiwoc: Aus eignem | Roth. In Scene gesezt von A Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

74 Uhr. An 21 Uhr: Der Hüttenbesiter.

Theater Unter den Linden. Mittwoch:

ben, Operette von J. Offenbach. y “t Seier A ébferello; Ballet in 3 Bildern von Or. Ju

G. Poggiolesi. Musik von M. Dahms. Anfang

Tochter Hildegard (Arnsberg). Hr. Eberhard

E a (Bandelin). Frau Major Lina

Freifrau von Müllenheim von Rechberg, verw.

SFulius Haniel, geb. Bocking (Straßburg i. E.). fig Rath Ludwig Meyen (Berlin).

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Die Bajazzi. | Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32,

Acht Beilagen (Ernst. (einshließli< Börsen-Beilage),

vom 283. bis 28,

wie die Inhaltsangabe zu Nr. 6 des öffeut- liven A ers (Kommanditgesellschaften anf

Pentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. | Aktien und Aktien esellschasten) für die Woche Mittwoh: Zweites Gastspiel von Emil Thomas. Ap f.

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

2 102.

Berlin, Dienstag, den 1. Mai

1894.

Vreußischer Landtag.

Haus der Abgeordneten. 60. Sißgung vom 30. April 1894.

Jn der fortgeseßten zweiten Berathung des Geseßzent- wurfs über dieLandwirthschaftskammern undzwar der aus der Kommission ohne Beschlußfassung an das Plenum zurück- gelangten S8 6 bis 14, enthaltend die Bestimmungen über das Wahlrecht, mit dem dazu gestellten Antrag des Abg. Herold (Zentr.) (f. den Anfangsbericht in der Montags-Nummer d. Bl.) mmmt nach dem Abg. von Pappenheim (kons.) das Wort der

Abg. Freiherr von Zedlitz (fr. kons.): Die Zurückverweisung an die Kommiisien hat ihren Zwe>k, die Verständigung zu erleichtern, nicht erreiht. Aber eine Verständigung ist überhaupt {wer zu erreichen, wenn ein Theil des Hauses ledigli<h auf seinem Stand- punkt beharrt. Weder der frühere Kommissionsbes{<luß, no<h der Antrag Herold bilden eine geeignete Grundlage für die weiteren Be- s<lüsse. Der Kommissionsbeshluß sichert nicht gegen eine einseitige Zusammenseßung der Landwirthschaftskammern dahin, daß der Groß- grundbesitß entweder überwiegt oder ganz verdrängt wird. Der Antrag Herold verdient in dem Punkte den Vorzug, indem er die Möglichkeit haft, die Einseitigkeit der Wahl auszuschließen. Aber die Drei- theilung des Grundbesißes wird, na<hdem die ganz kleinen Grund- besißer vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, in den meisten Landes- theilen niht dur<geführt werden können. Ferner wird dur die Wahl von drei Mitgliedern für jeden Kreis die Landwirthschaftskammer zu einer ganz unförmlihen Körperschaft anshwellen. Der Schwer- punkt wird also darin liegen, daß ein Mittel gefunden wird, ein ein- seitiges Wahlergebniß zu kTorrigieren. Dazu gehört die Befugniß der Ober-Präsidenten, ein Viertel der. Mitglieder der Landwirthschafts- tammern zu ernen. In den meisten Fällen wird kein Grund zur Anwendung diejez Befugniß vorliegen. Ein einheitlihes Wahlsystem zu finden, welches für alle Landestheile paßt, wird niht möglich sein. Erft wenn die ersten Ergebnisse der Wahlen vorliegen, dann wird es möglich sein, zu einer Revision des Wahlsystems zu kommen. Wir werden heute gegen den Antrag der Kommission und gegen den Antrag D stimmen und hoffen für die dritte Lesung eine Einigung zu erzielen.

Minister für Landwirthschaft 2c, von Heyden:

Meine Herren! Der kritis<he Moment, in dem sih augenbli>li< die Berhandlungen befinden, ist au< in allen Stadien der Vorberei- tung dieser Geseßvorlage eingetreten. Jedesmal traten bei der Kon- struktion des Wahlverfahrens die in der Sache begründeten Schwierig- keiten zu Tage. Meine Herren, wer mit der Staatsregierung von der Nothwendigkeit, den landwirthschaftlihen Berufsstand zu organisieren, überzeugt ist, muß diese Schwierigkeiten überwinden und sich für ein Wahlsystem entscheiden. Der Gang der Verhandlungen hat mir, glaube ih, Recht gegeben, daß, wie ih bei der ersten Lesung hier ausführte, na< der Konstruktion der Regierungsvorlage das Wahlverfahren zwar kompliziert und \{<werfällig erscheint, aber bei näherer Prüfung und Erwägung für alle Verhältnisse passend und einfach ist. Alle bisher vorgeschlagenen anderweiten Konstruktionen, die man an die Stelle hat seßen wollen, sind komplizierter, und das- jenige, was man an der Regierungsvorlage aus\cßt, wird durch die übrigen Vorschläge nur zum theil gemildert. Dafür treten aber andere Inkongruenzen in den Vordergrund. Deshalb baben die Vor- {läge Ihrer Kommission si au<h im wesentlichen auf den Boden der Regierungsvorlage gestellt und diese eigentlih nur in einem Punkt abgeändert.

Meine Herren, die Regierung war bei Ihrer Vorlage vor die \hwierige Aufgabe gestellt, einmal die Pächter zu berücksichtigen, als wichtigen Theil des landwirthschaftlichen Berufsstandes, sodann aber auch das verschiedene Schwergewicht der einzelnen Besißer nicht außer Acht zu lassen. Nach dem Gang der Verhandlungen kann ih konstatieren, daß die große Zahl der Mitglieder dieses hohen Hauses darüber cinig ist, daß die zu s<haffende Organisation ni<ht auf direften, sondern auf indirekten Wahlen aufzubauen is ; wenigstens nah den bisherigen Aeußerungen hege ih in dieser Beziehung keine Zweifel, und kann es unterlassen, die für die indirekte Wahl sprechenden Gründe ausführli<h zu erörtern. Es handelt #< nunmehr um die beste und einfa<ste Konstruktion des indirekten Wahlre<ts. Der Abg. Herold glaubt, daß seine Drei-Klafseneintheilung das ein- fahste Verfähren sei. In gewissem Sinne is das zu- zugeben, aber do< nur solange, wie man keinerlei Beschränkung in der Anzahl der Mitglieder der Landwirthschaftskammern eintreten läßt. Sobald Sie aber die nothwendige Beschränkung auf eine mäßige und mit dem praktishen Bedürfnisse vereinbare Mit- gliederzahl eintreten lassen, wird das Herold'she Wahlsystem so kom- pliziert, daß es unausführbar ist.

Der Herr Abg. Herold kommt zu seinem Wahlsystem hauptsäh- lih um deswillen, weil er die Interessen des kleineren Grundbesites mehr wahren will, als wie sie in seinen Augen dur die Vorlage der Negierung gewahrt werden. Meine Herren, es ist ja möglich, daß nah der Vorlage der Regierung in einzelnen Landestheilen der Großgrundbesit in der Landwirthschaftskammer vorherrs{t, in anderen der Klein- grundbesig. Das entspricht dann aber den wirthschaftlichen Verhält- nissen dieser Landestheile und is durhaus berechtigt bei Schaffung einer Interessenvertretung. Nirgends aber liegen die Verhältnisse so, daß der Großgrundbesiy allein aus\{laggebend wäre. Wir haben weite Distrikte au< im Osten, wo man nicht zweifelhaft ist, daß der kleinere Grundbesitz ebenso ausreihend vertreten sein wird wie der große Grundbesiß. Wenn der Herr Abg. Herold die Interessen des Kleingrundbesitzes durch seinen Antrag mehr zu wahren glaubt, als wie dies nah der Regierungsvorlage der Fall is, so ist das meines Erachtens nicht rihtig. Das Korrektiv für die etwa zu hoh ge- griffene Mindest-Wahlberehtigungsgrenze der Regierungsvorlage haben Sie darin, daß nah dem Vorschlage der Regierung, der von Ihrer Kommission gebilligt wird, dur< die Satzungen die Wahlberechtigung des Kleingrundbesiyes erweitert werden kann. Das is derjenige Punkt, wo den Verhältnissen der einzelnen Landestheile Rehnung ge- tragen werden soll.

Im übrigen verstösßt die Konstruktion des Antrags Herold gegen den Grundgedanken der Vorlage, den au< Ihre Kommission gebilligt hat. Die Mitglieder der Landwirthschaftskammern sollen

niht Vertreter einzelner Klassen oder Gruppen sein, sondern sie follen Vertreter des gesammten Berufsstandes der Landwirthe sein (sehr ridtig ! rets), und das erzielt die Regierungsvorlage : sie läßt die Mitglicder der Kammern wählen nicht von einzelnen Klassen der Landwirthe, sondern sie läßt die Mitglieder wählen von sämmtlichen Landwirthen, gleichviel, ob sie einen großen oder kleinen Besiß haben, und dadurch wird dem Wunsch des Herrn Abg. Herold meines Erachtens in höherem Grade Rechnung gètragen, wie dur die von ihm vorgeschlagene Dreitheilung. Sie bringen dur dieses System einen Gegensaß in die Landwirthe hinein, der nit vorhanden ist, und der dringend vermieden werden muß,

Nun hat der Abg. Freiherr von Zedliß der Wahlrehts-Kon- struktion des Kommissionsantrags vorgeworfen, daß dur dieselbe ni<t die Gewähr geboten werde, daß sämmtliche Landwirthe aktiv an der Wahl theilnehmen können, sewie däß eine einseitige Zusammenseßung der Landwirthschaftskammern ausgeschlossen sei. Meine Herren, leßteres ist nah der Vorlage der Regierung ni<t richtig, vielleicht nah den Abänderungen, die Ihre Kommission beliebt hat. Die Re- gierung konstruiert in ihrer Vorlage die Sache so: alle Landwirthe wählen, aber sie müssen wählen einen größeren Besitzer und einen kleineren Besißer. Damit wäre dem Rechnung getragen, daß minde- stens beide Kategorien vertreten sein müßten, sie werden aber immer als Vertrauensmänner der gesammten Wählerschaft erscheinen. Also, dieser Vorwurf ist gegenüber der Regierungsvorlage nicht berechtigt, und ih möchte deshalb Ihnen empfehlen, in diesem Punkt die Stellung der Regierungsvorlage gegenüber der Kommissionsvorlage zu acceptieren.

Es sollen bei den Wahlsystemen der Regierung nicht alle Land- wirthe aktiv als Wähler betheiligt sein. Das ist in gewissem be- s{<ränkten Umfange für die Gutsbezirke rihtig; das muß und kann in den Kauf genommen werden, weil die Regierung gegenüber der herrshenden Wahblmündigkeit und dem großen Apparat, der für diese Wahlen unter allen Umständen erforderli ist, entscheidend in die Wagschale legt den anderen Gesichtspunkt, das ganze Wahlverfahren so einfa zu konstruieren als mögli< und zugleih die Pächter zu be- rü>sihtigen. Sie mögen die Konstruktion des Herrn Abg. Herold wählen oder die des Herrn Abg. Freiherrn von Zedlitz oder irgend ein anderes Wahlsystem einführen die Regierungsvorlage bleibt die einfahste Lösung. Hier spielt \s< der Wahlakt zur Wahl der Wahlmänner in jedem einzelnen Kommurnalverband ab. Jeder einzelne Kommunalverband bekommt jährliß vom Katasteramt eine Liste zugefertigt, in der jeder Grundeigenthümer mit seinem Grundsteuerreinertrage verzeichnet is. Diese Lte ist vorhanden, sie braucht gar niht weiter umgeschrieben zu werden ; es werden bloß die ganz leinen Grundbesißer, welhe nah dem Geseß resp. Statut nicht mehr die Bedeutung als selbständige Landwirthe haben resp. bei denen die Landwirthschaft in den Hintergrund tritt, wélche sich als ländliche Arbeiter charafkterisieren, welhe ausscheiden nah dem System der Vorlage, die werden gestrichen, und die anderen sind die Wähler. Es vollzieht sih die Wahl in jedem einzelnen Orte, nachher wird die Liste zusammengestellt auf dem Landrathsamt , und die Wahlmänner treten alle 6 Jahre einmal zusammen. Etwas Einfacheres können Sie garniht machen.

Der Haupteinwand, der uns gemacht worden ist, ist der, daß die Besißer nur nah dem Grundsteuerreinertrage wählen follen. Meine Herren, es bekommt keiner ein größeres Wahlre<t, als ihm nach seiner Bedeutung als Grundbesißer zukommt. Sie nennen dies «abfolut kapitalistis<“ und sagen: es müssen die Personen berü>sih- tigt werden. Dem ist der Herr Abg. Freiherr von Zedlitz beigetreten. Die Personen, meine Herren, kommen zur Geltung als Wahl- fandidaten für die Landwirthshaftskammern; da wählen sämmt- lihe Wähler die Person, die si< dur<h ihre Arbeit Geltung und Vertrauen im Wahlkreise erworben hat. Ich meine, wenn man überhaupt eine Interessenvertretung haben will, kann man sie niht theoretis< unanfe<tbarer und einfacher kon- struieren, als die Kommissionsvorlage es thut. Die Versuche, zu einem anderen System zu gelangen, werden nah meiner Ueberzeugung scheitern. Wer überhaupt die Landwirthschaftskammern und durch sie eine Organisation der Landwirthschaft haben will, muß si< für die Kommissionsvorlage entscheiden.

Nun noch ein Wort zu dem Antrage des Herrn Abg. Gamp. Derselbe will die Bestimmungen der $8 9 bis 13 demnächst abändern lassen dur< die Satzungen. Meine Herren, darüber läßt sich ja sprehen. Jch habe gegen den Vorschlag für jeßt nur das Bedenken: Sie dürfen si< ni<t verhehlen, daß Sie die Schwierig- keiten, welche unsere jeßigen Verhandlungen ergeben haben, in jede einzelne Kammer verlegen; denn ganz dieselben Streitigkeiten und Differenzen, welche hier hervortreten, werden nachher in den einzelnen Kammern wieder hervortreten. -Das is in meinen Augen ein sehr erhebliches Bedenken. /

Da der Antrag des Herrn Abg. von Kardorff au< von anderer Seite berührt worden ist, kann ih meine Stellung, die ih {on bei früheren Gelegenheiten ausgesprohen habe, hier wieder präzisieren. An s\< is es in den Augen der Regierung zwe>mäßig, daß eine einseitige, ni<t vollständige oder ni<ht ausreichende Zusammenseßung der Kammern ergänzt und in gewissem Sinne kor- rigiert werden kann dur< ein Ernennungsre<t. Wenn dies allgemein eingeführt wird, so würde dies in meinen Augen kèéine Verschlechte- rung der Vorlage sein. Jch habe bereits erwähnt, daß die Regierung einen derartigen Vorschlag niht gemacht hat: weil fie glaubte von vornherein dadur< den Widerspruch des hohen Hauses hervorzurufen.

Zum Schluß muß ih mi< no< gegen den Antrag des Herrn Abg. Grafen von Hoensbroe< wenden. Der Herr Graf von Hoensbroch will eine Kategorie von Beamten des passiven Wahlrechts für die Landwirthschaft entkleiden. In der betreffenden G:fe8e#stelle, die er angezogen hat, is zwar die Rede von einer ganzen Reihe von Beamten. Es kann aber nicht zweifelhaft sein, daß er speziel“ die Landräthe ausscheiden will, so weit sie niht Großgrundbesitzer find. Ich halte das für einen Fehler.

Sie befürchten mit Unrecht, daß zu viel Landräthe in die Landwirth-

Jhaftskammern hineinkommen. Meine Herren, wenn die Landräthe die Vertrauensmänner ihrer Gegend sind, fo lassen Sie au ruhig den einen oder anderen Landrath in die Kammer hinein! Meine Herren, es hat bisher in meinem Ministerium bezüglich des Verkehrs - mit den landwirthschaftlihen*Zentralvereinen die i< immer als die Vorgänger der Kammern betrachte und leßtere als Fortseßung der ersteren das Bestreben geherrs{<t, den Verkehr zwischen den Zentral- vereinen und meinem Ministerium direkt zu gcstalten, auf die Mitarbeit der Ober-Präsidenten und Regierungs-Präsidenten zu verzichten, und überhaupt die Beamten der allgemeinen Verwaltung nit in un- mittelbare Verbindung mit der Arbeit der landwirthschaftlihen Vereine und der landwirthsaftlihen Verwaltung zu bringen. Meiner Ueberzeugung nah is das kein Vorzug. Wir sehen in anderen Staaten Bayern und Sachsen, wo die Verwaltungsbeamten mit den Organisationen der Landwirthschaft Hand in Hand arbeiten, daß das zur Zufriedenheit geschieht. Die gemeinschaftliGe Arbeit erwe>t bei den Organen des Stoats erhöhtes Interesse für die Aufgaben und Bedürfnisse der Landwirthschaft. Meine Herren, warum wollen wir das künstlih trennen, warum dahin wirken, daß diejenigen Leute, welche berufen sind, die Interessen des Bezirks, in dem sie arbeiten, wahrzunehmen, bei der in meinen Augen wichtigsten landwirthschaft- lien Angelegenheit ni<ht mitwirken sollen? Ih glaube, es ift un- zwe>mäßig, hier eine derartige Stellungnahme gegenüber denjenigen Beamten einzunehmen, welhe na< unserer ganzen preußischen Ge- {i<te Hervorragendes bisher geleistet haben und ¡au in Zukunft leisten werden.

__ Abg. vom Heede (nl.): Die d in der Kommission zu einer Cinigung zu gelangen, ist gescheitert, weil die Konservativen absolut keine Konzessionen machen wollten. In Bezug auf das Wahl- re<t konnte man ja anderer Meinung sein, wenn die Landwirth- schaftskammern nur fakultativ eingeführt worden wären. Aber nach- dem die obligatorische Einführung der L-.ndwirthschaftskammern be- {lossen ift, müssen wir nah Kautelen suchen, um nicht den kleinen Grundbesiß durch die Uebermaht des großen Besißes benactheiligen zu lassen. Die Konservativen haben nichts zum Schutz des fleinen Grundbesizes gethan; denn indem sie demjenigen, der 5000 M Grundsteuerreinertrag hat, das hundertfahe Stimmrecht dessen, der 90 #. hat, beilegten, haben F lediglih im Interesse des Groß- grundbesißes gehandelt. Da hätte do< wenigstens die Bestimmung der Vorlage aufre<t erhalten werden müssen, daß ein Großgrund- besißer und ein Kleinbesißer gewählt werden müssen. Der größte Theil der Landwirthe wird vom Wahlrecht überhaupt ausgeschlossen. Durch die Satzung kann allerdings das Wahlrecht erweitert werden ; aber glaubt man wirkli, daß die Vertreter des Großgrundbesitzes einer Ausdehnung des Wahlre<ts na< unten zustimmen werden? Die Einführung von drei Wählerklassen wird ja mit manchen Schwierigkeiten verbunden sein. Es wird in manchen Gegenden die erste, in manchen die dritte vollständig fehlen. Aber das wird inner- halb der Provinzen ausgeglihen werden. Daß die Gewählten ih als Vertreter ihrer Klasse; niht der gesammten Landwirthschaft be- trachten, würde nicht fo sehr ins Gewicht fallen. Am besten wäre es aber, die Wahlen in den Kreistagen vorzunehmen. Man s\ollte ih damit begnügen, einige Normativbestimmungen in das Gesetz aufzu- nehmen und es den Landwirthschaftékammern überlassen, die pro-_ E On u M Tie eid Die Schwierigkeiten, velche hier einer Negelung des Wahlrechts entgegenstehen, werde

dort gar nicht bemerkli< machen. S 100

Abg. von Mendel- Steinfels (kons.) hält den Antra erold für einen das Wakhlverfahren Tomplizierenden und Gegerfäto er- zeugenden, die nit berechtigt seien. Die direkte Wahl wäre eine st unerwünshte Sache, und gerade der Bauer würde ein folhes Wahl- re<ht am meisten bedauern. Man kennt niht immer gleich zwei Männer, fährt Nedner fort, die für die Landwirthschaftskammern ge- eignet sind. Bei direkten Wahlen würde wan mit Zufälligkeitsergeb- nissen zu renen haben. Die Konservativen haben nit streng auf ihrem Standpunkt verharrt, sie haben Konzessionen gemacht zu Gunsten des kleinen Grundbesizes. Die Bedenken gchen immer von solchen aus, die nicht selbst Landwirthe sind oder auf einem besonderen poli- tishen Standpunkt stehen. Die Heranziehung der kleinsten Landwirthe zum Wahlrecht würde dieser Klasse von Landwirthen selbst nicht an- genehm fein; denn diese kleinsten Landwirthe, welhe nebenbei no< Gewerbetreibende sind, haben an den großen landwirthschaftlichen Fragen gar kein Interesse. Die Wahlen durch die Kreistage voll- ziehen zu lassen, würde bedenklih sein. In diesen Korporationen sien Personen, die nicht Landwirthe sind und nicht das Vertrauen der Land- - wirthe haben. ations wäre es, die definitive Regelung des Wahlrechts den einzelnen Provinzen zu überlassen.

Abg. Rickert (fr. Vg.) glaubt, daß die Diskussion zu einem An niht führen werde, und wird daher gegen alle Anträge

immen.

Abg. Freiherr von Erffa-Warnburg (kons.): Herr vom Heede hat in der Kommission anerkannt, daß wir dem Kleingrund esig - manche Konzessionen gemacht haben, und jeßt behauptet er, wir hätten nur für die großen Grundbesißer gesorgt. Die Regierungsvorlage wollte nur die Hälfte der Wahlmänner dem Kleingrundbesitß an- gehören lassen. Nach den Kommissionsvorschlägen können zwei ge- wählt werden. Das entspriht der Thatsache, daß die Kleingrund- besißer cine größere Fläche vertreten, als die größeren. edner empfiehlt fodann die Annahme der Kommissionsbeschlüsse.

Abg. Dr. Sattler (nl.) bleibt dabei, daß dur die Kom- missionsbeshlüsse der Großgrundbesit bevorzugt und in gewissen Landes- theilen im stande sei, den Kleingrundbesiß vollständig zu verdrängen. Die Bauern und die kleinen Landwirthe hätten aber ebenso viel Interesse an der Landwirthschaft, wie der Großgrundbesiger , der vielleicht gar nichts von der Landwirthschaft verstehe und nur eine hohe Grundsteuer zahle. Die Konservativen hätten die Gelegenheit zur Einigung nicht benußt; es werde ihnen jeßt wohl der Beweis ge- - liefert werden müssen, daß für die Kommissionsbeschlüsse keine Meh. « heit zu finden sei, dann würden sie sich vielleicht zur Einigung ver- - stehen. Redner empfiehlt den Antrag, cin Ernennungsreht einzuführen, und hâlt es auch für zwe>mäßig, die Landräthe von der Wählbarkeit auszus<ließen.

Damit schließt die Debatte.

Bei der Abstimmung werden sämmtliche Anträge, die Kommissionsbeshlüsse und die Regierungs vorlage abgelehnt und zwar der Antrag Hero gegen Stimmen des Zentrums, die Kömmissionsbeshlüsse mit 1 gegen 144 Stimmen; die Minderheit bilden die Konservativen. die Polen und von dem Zentrum die Abgg. von Gliszczinskiz Costau, von Strombe>, Pr. Rintelen, von Kehler, L E von Loë, Graf Hoensbroe<h und Prinz Arenberg.

Zu Ben liegt ein Antrag des Abg. Grafen von bróoe< (Zentr.) vor, wonach die Staatsbeamten (insbeson

Landräthe) nur dann wählbar sein sollen, wenn sie