1894 / 102 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Bestimmungen der in der betreffenden Provinz geltenden Kreis- ordnung dem Verbande der Großgrundbesißer angehören. Tg von Kardorff (fr. kons.): Wenn wir heute gegen den Antrag stimmen, so vas das nicht beweisen, daß wir ihn für unrichtig halten; wir werden darauf zurü>kommen, sobald wir zu einer ander- weiten Fassung des $ 6 gelangt sind.

: Abg. von Strombe> (Zentr.) bedauert, daß auch die Vorstands- mitglieder der Aktien- und Kommanditgesellschaften, die der Industrie näher ständen als der Landwirthschaft, das passive Wahlrecht haben sollen. Da nah $ 27 der Ober-Präsident die Obliegenheiten der Landwirthschaftskammern bei der ersten Einrichtung bis zur Kons es wahrnehmen solle, werde diefer in dem von thm angedeuteten Sinne seinen Einfluß geltend machen können. Von der Stellung eines besonderen Antrages wolle er absehen.

Minister für Landwirthschaft 2c. von Heyden:

Es war nicht meine Absicht, nahdem i< mi vorher über den Antrag des Herrn Abg. Grafen Hoensbroe< geäußert habe, jeßt das Wort zu ergreifen ; aber der Herr Vorredner nöthigt mih dazu dur die Bemerkungen, die er dur<h die Heranziehung des $ 27 der Vor- lage gemaht hat. Jh habe ihn dahin verstanden, daß er diesen 8 27, welcher lautet :

Bei der ersten Einrihtung werden bis zur Konstituierung die Obliegenheiten der Landwirthschaftskammer durch den Ober-Präsidenten wahrgenommen,

dahin hat interpretieren wollen, als ob der Ober-Präsident auf Grund dieser Bestimmung gemäß $ 7 Nr. 3:

Wählbar zu Mitgliedern der Landwiugschaftskammer sind:

im Bezirke der Landwirthschaftskammer um die Landwirthschaft verdiente Personen, denen dur< Beschluß der Landwirthschafts- kammer die Wählbarkeit beigelegt wird,

in der Lage wäre, ganz ungemessenen Kategorien von Personen, unter

* anderen au Landräthen, das passive Wahlreht beizulegen. Meine Herren, ih glaube, wer unbefangen .den $ 27 liest, kann dieser Deduktion nicht folgen. Nach der Fassung des $ 27 und nah der beigelegten Begründung hat es fich hier nur um einen Weg gehandelt, um die Landwirthschaftskammern überhaupt marshfähig zu machen, und’ es ist ausges<lossen, daß die Ober-Präsidenten auf Grund des 8 27 den Landräthen die Wählbarkeit beilegen. Will man jeden Zweifel beseitigen, dann müßte man bei $ 27 einen entsprechenden Zusaß machen.

Zu dem Antrage des Herrn Abg. Grafen Hoensbroe< unterlasse ih es, mi< no<hmals zu äußern, ih empfehle, ihn abzulehnen.

Der Antrag- des Grafen Hoensbroech wird in der Eventual- abstimmuiüg gegen die Stimmen der Konservativen ange- nomen, $ 7 mit diesem e aber verworfen.

Nach $ 8 sollen in jedem Wahlbezirk mindestens zwei Mitglieder gewählt werden, von denen einer dem Verbande der größeren, einer dem Verbande der kleineren Grundbesißer an- gehören muß. _ :

Die Kommission hat diese leßtere Bestimmung gestrichen.

Abg. vom Heede (nl.) beantragt eine Fassung, wonach die beiden Mitglieder niht aus\<ließli< dem Wahlverbande der größeren Grund- besiger sollen angehören dürfen. Der Antragsteller befürwortet diesen Vor- schlag als ein Mittel zum Ausgleih der Interessen des Groß- und Kleingrundbesißes, und damit die Konservativen die Probe auf ihre Bauernfreundlichkeit machen könnten. |

Abg. von Buch (konj.): Wir erkennen einen folhen Gegensaß zwishen dem großen und dem kleinen Grundbesiß ni<ht an. Die kleinen Grundbesißer haben si< mit den Beschlüssen der Kommission einverstanden erflärt, und deshalb wird das Kunstitü>k des Herrn vom Heede nicht gelingen, einen Gegensaß zwishen Groß- und Kleingrund-

L zu entfachen, der überhaupt nur von folhen gemacht wird, die nicht Landwirthe sind.

Abg. Dr. Sattler (nl.): Gegen die Unterstellung, daß wir einen Gegensaß zwishen Groß- und Kleingrundbesitz Mariatragen wollten, muß i< entshieden Verwahrung einlegen. Herr Herold ift do auch Landwirth und er hat in der Kommission ausgeführt, daß, wenn auch die Interessen gleih, do<h die Lebenshaltungen zwischen beiden Theilen verschieden seien, und daß der Kleinbesiß vom Groß- besiy niht majorisiert werden dürfe. (Es entspriht au<h nah einem früheren Wort des Herrn von Heereman nicht parlamentarischer Ge- Pflogenheit, einem Gegner einen Grund unterzuschieben, den er nicht anerkennen will.

Abg. von Buch (kons.) bestreitet dem Abg. Sattler das Recht, mit bieter Korrektur in die Rechte des Präsidenten einzugreifen; er habe niemandem etwas unterstellt, sondern nur einen Vorwurf des

Abg. vom Heede zurückgewiesen. j

Abg. Herold (Zentr.) beantragt, daß in drei Klassen gewählt werden od weil die Interessen aller Grundbesitzer allerdings die gleichen,

aber die praktis<hen Bedürfnisse verschiedene scien und deshalb die Wahl von Vertretern der einzelnen Gruppen gesichert werden müsse.

Der Antrag Herold wird abgelehnt, der Antrag vom Heede wird in der Eventualabstimmung von den Nationalliberalen und Konservativen angenommen, $8 8 mit diesem Antrage aber gegen die Stimmen der Konservativen verworfen, wobei Abg. von Buch den Zwischenruf erhebt : Das ist die Probe auf die Bauernfreundlichkeit!

Hierauf werden sämmtliche Abänderungsanträge zurü- gezogen und die noch ausstehenden Paragraphen ohne ebatte gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Schluß 3 Uhr. Nächste Sißung Dienstag 11 Uhr.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Ernährungsverhältnisse der industriellen Arbeitex- bevölkerung in Oberschlesien.

Die Ernährungsfrage is neben der Lohnfrage, mit der sie eng verknüpft ift, eine der wichtigsten von denjenigen Fragen, an deren Lösung in neuerer Zeit von fo vielen Seiten gearbeitet wird; hängt do< von einer guten Ernährung in erster Linie die Arbeitskraft und die Gesundheit des Arbeiterstandes ab. Im Haushalt des Arbeiters i} die Gras, die wichtigste Position, da fie etwa 70 %/ des gesammten Arbeitsverdienstes in Anspruch nimmt; ihre Kosten find daher au< in erster Linie geeignet, als Grundlage für die etwaige Festlegung des Mindest- lohnes zu dienen. iesen galt bisher bezüglih der Ernährun seiner Bewohner für ganz besonders ungünstig, es war daher au von hervorragendcr Bedeutung, gerade von dort mögli<st genaue An- aben über die Lebensweise und die Ernährung der Arbeiter zu er- halten. Im amtlichen Auftrage hat nun der Königliche Berg-Assefsor

uhna in Beuthen während des Winters 1891/92 nähere Ermitte- lungen über diese Verhältnisse angestellt, die er in einem soeben ershienenen Buche veröffentliht hat. (Pr. 6 Æ, Verlag von Dunker u. Humblot.) Der Verfasser war hierzu infofern ganz besonders eeignet, als cr mit den obershlesishen Arbeiterverhältnissen feit einer Jugend vertraut ist, eine große Zahl der Arbeiter persönlich kennt und auch der polntis<en Sprache mächtig is, was es ihm wesentli erleihterte, eine genaue Einficht in den Küchen- Want der Arbeiter zu gewinnen. Der Verfasser stellt zunächst die estimmung der Verbrauchs: Personen- Einheit und der Nährwerths- “Einheit genau fest, knüpft daran eine Erörterung über die relative Bedeutung der Nahrungsmittel der Gewihtsmenge, dem Geldwerthe und dem Nährwerthe nach, fowie über das Verhältniß an verdaulihem

Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten in der Gsamuca ean, unter- sucht weiter den absoluten Nahrungsverbrau<, unterwirft die Gesammt- ernährung und deren Kosten einer vergleihenden Kritik und giebt \{hließli< eine Uebersicht über die Detailpreise der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel, sowie deren Verwendung als Speisen und den Umfang und die Kosten des Genußmittelyerbrauhs in Ia, Das Resultat [Qu Untersuchungen ift, daß die Ernährung der oberschlesischen industriellen Arbeiter ni<ht der \{le<ten Ruf verdient, in den fie auf Grund älterer Schilderung gerathen i. Er hält sie vielmehr für im allgemeinen mehr als aus- reichend und gleichzeitig au< für vernünftig und öfonomish. Dagegen glaubt er, daß hinsihtli< der billigen Beschaffung guter Nahrungs- mittel unter gleihzeitiger Bekämpfung der Borgwirthschaft und des Branntweingenusses dur< Errichtung von Konsumvereinen und Beschaffung seitens der Arbeitgeber von einigen Hauptartikeln fowie von Heizmaterial no< vieles gesehen könnte. Vor allem aber empfiehlt er, die Haushaltung als Lehrgegenstand der Volks\hulen einzuführen, wie dies bereits in Sachsen und Baden eschehen is, wo man durchaus zufriedenstellende Resultate erzielt hat.

eigegeben find dem Werk eine Anzahl statistisher Anlagen, sowie eine Tartographishe Darstellung der November - Marktpreise einiger Hauptnahrungsmittel im obershlesishen Industriebezirk und dessen nächster Umgebung in den Jahren 1876, 1880, 1885 und 1890, und eine solhe der Detail-Verkaufspreise einiger Hauptartikel der gewöhn- lichsten gangbaren Qualität im Februar 1892 von 54 Ortschaften des obershlesishen Industriebezirks.

Die Fabrikarbeiterzählungen vom 1. Oktober 1892 und 1893 im S Baden.

Von den im Oro N Aeg Baden je am 1. Oktober 1892 bezw. 1893 ermittelten, einer besonderen Aufsicht unterstehenden 4859 bezw. 5509 Betrieben mit 126 296 bezw. 134 231 Arbeitern entfielen auf Anlagen Arbeiter 1592. 18993 1892 1893 Reichs- und Staatsbetriebe (Post, Eisenbahnen, Militärverwaltung 2c.) 20 23 3060 2994 oberirdis< betriebene Brüche und (r E 119 118 29909 2030 De en 2 3 65 61. __ Bieht man die Zahl dieser, der Aufsicht von Reichs- und staat- lichen Dienstbehörden verschiedener Art unterstehenden 135 bezw. 144 Unternehmungen mit 6120 bezw. 5592 Arbeitern von den oben an- gegebenen Gesammtzahlen ab, so verblieben zu den genannten Zeit- punkten als der Aufsicht der Großherzoglichen Fabrikinspektion unter- liegend 4724 bezw. 5365 gewerblihe Anlagen mit zusammen 120 176 bezw. 128 639 Arbeitern.

Davon kamen weitaus die meisten, nämli<h 1944 bezw. 2283 Betriebe und 31 673 bezw. 33 809 beschäftigte Personen auf die Gruppe der Nahrungs- und Genußmittel; darunter waren allein 24 056 bezw. 26 234 Arbeiter in den 464 bezw. 502 Anlagen der Tabakfabrikation beschäftigt. Dann folgten die Textilindustrie mit 23 431 bezw. 24480 Arbeitern sowie die Gruppen: Metallverarbeitung und Maschinen- Werkzeuge und -Apparate mit über 15 000 Arbeitern. Ferner be- shäftigten no< über 10 000 Personen in jedem der beiden Jahre die Industrie der Steine und Erden sowie die Papier- und Lederindustrie.

Nach dem Alter und Ges <le<t seßte sich die Gesammtzahl der Arbeiter (also einschließli< der in den von Reichs- und Staats- behörden beauffichtigten Betrieben beschäftigten Personen) wie folgt zusammen: Es wurden gezählt

am 1. Oktober 1892 am 1. Oktober 1893 männl. weibl. überh. männl. weibl. überh.

Kinder von 12 bis 14 Save ¿ % 325 268 593 105 115 220

junge Leute von 14 bis 16 Jahren 5262 5625 10887 5373 5611 10984 ¿usammen Jugend- liche D'OST Deo 11480 D448 07026 11-204 Personen von 16 DIO O Satt . 17204 13607 8093L/ 19393 14792 34185 Personen von 21 Jahren und dar- 21 941 83885 65077 23765 88842 zusammen Er- wachsene 35 598 114816 84470 38557 123 027 Danach gehörten 32,9 bezw. 33,0%, also fast ein Drittel der beschäftigten Béésanen dem weiblichen Geschlecht an; 9,14 bezw. 8,35 9/0, d. i. ein Elftel bezw. ein Zwölftel aller Arbeiter, standen in dem

Betriebe

mit jugendlichen Arbeitern von 12 bis 14 Jahren von 14 bis 16 Jahren 1893 1892 1893 1892 1893 1892 1893

Gewerbegruppen

1892

Bergbau, Hütten- und Salinenwesen 5 Industrie der Steine und Erden 142 Metallverarbeitung 338 Maschinen, Werkzeuge, Apparate 164 Chemische Industrie 10 Forstwirthshaftliche Nebenprodukte, Industrie der Heiz- und Leuchtstoff ¡ Textilindustrie 152 Papier- und Lederindustrie 80 Industrie der Holz- und Schnißstoffe 132 Nahrungs- und Genußmittel 482 Bekleidung und Reinigung 30 Polygraphische Gewerbe 74 Baugewerbe und fonstige Industriezweige 39

Zusammen . .

ry

Von den unter 14 Jahre alten Kindern waren demna< im Jahre 1892 rund 58 9/6 in der Industrie der Holz- und Schnibstoffe, 15F 9% in der Textilindustrie und 10F%/ in der Industrie der Nahrungs- und Genußmittel (Zigarrenfabrikation) beschäftigt; 1893 entfielen da- gegen rund 40 9/% auf die legtere und nur 14% auf die Holz- und Schnißstoffe und 13 9% auf die Textilindustrie. Gegenüber diesen zum theil erheblihen Berschiebungen kamen von den 14 bis 16 Jahre alten A Leuten in beiden Jahren nahezu gleichviel auf die Industrie er Zveunase und Genußmittel (Zigarrenfabrikation), nämli je 34,3 9/9, die Textilindustrie (23,9 bezw. 22,9 9/6) und auf die Metall- und Maschinen- 2c. Industrie (19,7 bezw. 18,4 9/6).

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Burg wird der „Mgdb. Ztg." zum Ausstand der dortigen Schuhmacher geschrieben: Am Mittwoch fand eine Zusammenkunft der Schuhwaarenfabrikanten Burgs mit dem BVorsißenden des Schuh- macherverbandes Herrn Siebert-Nürnberg statt, dem no<h drei Vertreter des Strikeausschusses beigegeben waren. Die Fabrikanten hatten den Direktor Zweig beauftragt, die hiesigen Arbeiter- verhältnisse und die Mißstände, die unter einem Theil der Arbeiter herrschten, zu beleuhten. Herr Zweig entledigte ih dieser Aufgabe in ruhiger, sahgemäßer Weise. Es wurde ihm von Herrn Siebert wiederholt bestätigt, daß derartige Zustände, wie sie von dem Direktor geschildert wurden, unhaltbar seien und auf jeden Fall beseitigt werden müßten. Da Herr Siebert vorläufig nur im Auftrage des Schieds- richters des Fachvereins, des sozialdemokratischen Neichstags- Abgeord- neten Bo>- Gotha anwesend war, wurden die weiteren Verhandlungen verschoben, bis Herr Bo> selbst na< Burg kommt.

In Danzig sind die Zimmerer und Maurergesellen mit ihren Arbeitgebern in Lohnverhandlungen getreten. Die Forderung beider Bauhandwerker sind 40 „4 Mindestlohn für die Stunde. Da

*) Vgl. die Nr. 70 des „Neichs- und Staats-Anzeigers" vom 22, März.d. J.

jugendlichen Alter von 12 bis 16 Jahren, weitere 24,46 bezw. 25,470/,, oder rund ein Viertel, waren über 16 bis 20, und fast genau zwei Drittel (66,4 bezw. 66,2 9/0) 21 Jahre alt und älter. Zn der leßten Klafse der erwachsenen Arbeiter wurde 1893 no<h eine Unterscheidung der 21 bis 50 Jahre alten und der älteren Personen verlangt, um die Zahl der eigentli<h alten Arbeiter besonders zur Darstellung bringen zu können. Die Zahl derselben belief f auf 8453 (= 6,29 9/6 der Gesammtzahl), darunter- waren 1619 weiblihe Personen. j Von besonderem Interesse sind die Angaben über die jugendlichcn Arbeiter und über die Arbeiterinnen. Was zunächst die ersteren angeht, so ist es bekanntli<h dur<h $ 135 der am 1. April 1892 in Kraft ge- tretenen Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 untersagt, Kinder unter 13 Jahren überhaupt und solche von 13 bis 14 Jahren, sofern sie no< zum Schulbesuhe verpflichtet sind, in Fabriken und uen gleihgestellten Ee Anlagen zu beschäftigen, was mit ezug aut e im Großherzogthum Baden bestehenden Verpflichtungen e: den Schulbesu< und im Zusammenhang mit den UÜeberganys- estimmungen im wesentlihen dem Verbote der Neueinstellung von Kindern unter 14 Jahren in den genannten Anlagen gleichkommt. Weiter sind dur<h $ 154 Abs. 3 der genannten Novelle die Vor- schriften über Beschäftigung jugendliher Arbeiter auf alle Werkstätten, in denen dur< elementare Kraft bewegte Triebwerke nicht nur vorübergehend zur Verwendung kommen, ausgedehnt worden. Die erstgenannte Veränderung hat eine Verminderung, die zweite eine Vermehrung der gezählten Kinder im Gefolge. Demgemäß ist denn au die Gesammtzahl der jugendlichen Arbeiter von 13 779 im Jahre 1891 auf 11480 in ‘1892, also um 2299 zurü>gegangen, während die Zahl der Anlagen, in denen jugendliche Arbeiter beshäftigt werden, um 205 gewalhsen is. In dieser Zunahme kommt das Hinzutreten der bur die Novelle der staatlichen Aufsicht neu unterstellten Anlagen zum Ausdru>. Um den Rückgang der jugendlichen Arbeiter um 2299 Köpfe zu verstehen, muß man die beiden Kategorien der Kinder von 12 bis 14 Jahren und der jungen Leute von 14 bis 16 Jahren einer gesonderten Betrachtung unterzieh:n. Leßtere haben sih von 1891 auf 1892 um 586 oder 4,7 9/0, und zwar bei beiden Geshlehtern ziemlih gleihmäßig, vermindert, was aus- \<ließli<h dem damaligen industriellen Rü>k ang zuzuschreiben ist. Die

Abnahme würde aus diesem Grunde noh viel bedeutender gewesen.

sein, ‘wenn niht durch die oben erwähnten, neu der Aufsicht unter- stellten Anlagen eine größere Zahl junger Leute hinzugekommen wäre. Viel größer ist die Abnahme der Zahl der in gewerblichen An- lagen beschäftigten Kinder unter 14 Jahren; dieselben verminderten fich von 2306 im Jahre 1891 auf 593 in 1892, also etwa auf cin Viertel des anfänglichen Bestandes innerhalb eines Jahres. Hierbei find zunächst die am Anfang des Berichtsjahres über 13 Jahre alten Kinder, welhe immer viel f\tärker vertreten waren als die 12- bis 13 jährigen, in die Klafse der über 14 Jahre alten jungen Leute vorgerückt. Außerdem hat in vielen Fabriken der Jrrthum bestanden, daß von dem Inkrafttreten der Novelle zur Gewerbeordnung an Kinder niht mehr beschäftigt werden dürften, während für die Durchführung der neuen Vorschrift eine zweijährige UVebergangszeit von dem Inkrafttreten des Geseßes an vorgesehen war. Ferner wurden in einzelnen Betrieben sämmtlicher Industriezweige hon in dem leßten Theile des Jahres 1891 Kinder niht mehr eingestellt. Weiter hat die in der ersten Hälfte des Jahres 1892 in der Zigarrenindustrie, in der früher etwa 60% der Kinder beshäftigt waren, bestandene Degression auf eine Entfernung der Kinder aus den Fabriken hingewirkt, da die von Anfängern hergestellten Produkte am wenigsten zur Aufspeicherung eignen. Bei diesen Kindern von 12 bis 14 JIahren is von 1892 auf 1893 ein weiterer Rüd>gang auf 220 oder von über 60 % eingetreten, eine fortgeseßte Wirkung der oben er- wähnten, auf die Kinderbeshäftigung bezüglihen Vorschriften der Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891. Es kann angenommen werden, daß die jeßt erreihte Zahl auch in Zukunft den normalen Stand der Kinderbeschäftigung in der badishen Industrie darstellen wird. Es sind das die Kinder, die einige Monate vor Vollendung des drei- zehnten Lebensjahres ihrer Schulpflicht genügt haben, und die deshalb on vor Beginn des vierzehnten Lebensjahres in Fabriken u. dgl. in rbeit treten. Bei den jungen Leuten von 14 bis 16 Jahren ist von 1892 auf 1893 eine geringe Zunahme von 97 zu verzeihnen gewesen, sodaß im ganzen im Berichtsjahre 373 + 97 = 276 jugendliche Arbeiter weniger beschäftigt waren, als im Vorjahre, nämlich 11 204 gegen 11 480. Der Ausfall vertheilt s< fast gleichmäßig auf beide Geschlehter. Auch die Zahl der Anlagen, in denen folche jugendliche Personen thätig waren, hat von 1655 auf 1652 abgenommen. Wie fih die fraglichen Btriebe sowie die beiden Kategorien der jugend- lihen Arbeiter auf die Gewerbegruppen vertheilen, erhellt aus fol- gender Uebersicht :

In denselben beschäftigte i Kinder junge Leute jugendlihe Arbeiter überhaupt

1 D 10 1 15 1 129 32 2 491 9502 923 924 346 18 1 1413 1 286 1431 1 303 149 16 728 738 744 745

11 _ 302 3381 302 33

G d, “t 52 53 52 145 92 9 2600. 2616 42802 86 16 16 682 746 698 118 343 31 363 392 406 497 63 7 M 372 4007 36 4 4 205 213 209 42 3 6 236 222 239 60 1 1 71 162 72

T 653 593 O 1087 10984 11180 TISOI

biéher eine Einigung nicht stattgefunden, ift, wie der „Vorwärts“ mittheilt, der Ausbruch eines Ausstandes wahrscheinlich. Hier in Berlin ist nah demselben Blatt der Ausstand bei der

Malerfirma M. J. Bodenstein (vgl. Nr. 98 d. Bl.) durch Bewilligung der Forderungen der Arbeiter beendigt worden.

Aus Wien berichtet „W. T. B.*: Im Laufe des gestrigen Nachmittags wiederholten si< die Ansammlungen str ikender Maurer und anderer Beschäfstigungsloser in den Bezirken Ottakring und Hernals. Als von einer Schaar, welche die bei dem Neubau des Brauhauses Ottakring Beschäftigten gewaltsam zum Ausstande zwingen wollte, mehrere besonders gerwaltthätige Individuen verhaftet“ wurden, wurden die Wachleute mit Steinen beworfen. Ein Wachmann ist verleßt worden. Die Wachleute gaben Alarmschüsse ab, dur die zwei Per- fonen leiht verwundet wurden. Spätere Ansammlungen vor dem Polizeikommissariat und vor dem Vereinslokal der Maurer in Hernals, wo insbesondere hunderte von Kindern sih dur Pfeifen und Johlen hervorthaten, wurden von der Polizei allmählih auseinander getrieben. Die Aufgabe der Wachmannschaften wurde Abends dur< anhaltenden MRegen erleihtert, mehrere Widerf ePliche wurden verhaftet. Der amtliche Bericht über die gestrigen Ausschreitungen in Ottakring bemerkt, daß drei Wachleu:e, die den sh widersetenden verhafteten Maurer Josef Venoes in die Wachstube brachten, von der zahlreih angesammelten Menge mit einem förmlihen Steinhagel übers<hüttet wurden, sodaß die Wachleute in Gefahr waren, überwältigt und mißhandelt zu werden. Aus diesem Grunde gab ein Wachmann Schüsse ab, um die ein- dringende Menge im leßten Augenbli> zurü>zuhalten. Die beiden hierdurh leiht verwundeten Personen wurden in ein Kranken- haus gebraht. Außer Venoes wurden durh die eingetroffenen Wacheverstärkungen no< 17 Personen verhaftet. Abends um 9 Uhr herrshte vollständige Ruhe. Ferner wird aus Wien zum Ausstande der Tischler gerneldet : Noch 9000 TRN striken ; 113 Meister haben die Forderungen der Gehilfen bewilligt, tie übrigen Meister verharren auf ihrem ablehnenden Standpunkt. 500 Aus- ständige sind nah der Provinz abgereist.

In Lemberg haben einer Meldung des „D. B. P zufolge ossen.

‘die Bä>kergehilfen einen allgemeinen Ausstand bes,

Aus Gent meldet ein Wolff'shes Telegramm: In Hamme haben etwa tausend Seiler die Arbeit eingestellt. Vereinzelte Ruhe- \törungen, wobei zahlreiche E aaa zertrümmert wurden, sind vorgekommen. Gendarmen sind in Hamme eingetroffen.

Aus Rom meldet „W. T. B.*: Fast alle Zeitungen zeigen an, daß sie am 1. Mai nicht erscheinen werden, weil die Arbeiter an diesem Tage feiern. Í

Einer Meldung des „Wolff's{<en Bureaus“ aus Cadix zufolge macht sich unter den ECisenbahnarbeitern Andalusiens eine

roße Erregung bemerkbar. Man glaubt, daß ein allgemeiner Aus- ftand bevorsteht.

Aus New - York berichtet die Londoner „A. K." nah einer Reuter-Meldung vom 28. v. M.: Der Kohlenstrike nimmt an Ausdehnung zu. Die Zahl der Ausständigen Me jeßt 155 000. In der pennsylvanishen Koksgegend wird augenbli>klih nur auf einer Zeche gearbeitet.

Literatur.

Gese ge, Verordnungen 2c.

andau8gabe der Zivilprozeßordnung und des

Geri Mut lai unddie lees für das Deutsche Reich. auf der Grundlage ihres Kommentars bearbeitet von Dr. G. von Wil- mowski, Geheimen Justiz - Nath, und M. Levy, Iustiz - Rath. 3. vermehrte und verbesserte Auflage. Berlin 1894, Franz Vahlen. s. S. 500. 6 M, geb. 7 M. Der 6. Auflage des bekannten und verbreiteten großen Kommentars der Verfasser ist jeßt die 3. Auflage der E gefolgt. In der Praxis erfahren, kundig der Recht- \pre<hung, wissenschaftlih prüfend gegenüber der Wissenschaft, haben die Verfasser sich mit ihrem Werk in die erste Reihe gestellt. Die O bringt kurz, {arf und sicher zum Ausdru>, was im ommentar ausführli< begründet ift. erühmt sei diesmal besonders das mit großem Fleiß nah guten Kennworten ae Sachregister.

Aus dem Verlage von Franz Vahlen hierselbst (W., Mohren- firaße 13/14) liegen ferner folgende mit Erläuterungen versehene, handlihe und gut ausgestattete Geseßausgaben vor :

Das Kommunalabgabengeseyß vom 14. Juli 1893, zum praktischen Gebrau<h mit Erläuterungen versehen von Waldemar Luks, Nechtsanwalt und Stadtverordneten-Vorsteher (Pr. 14 60 4);

Das Patentgeset vom 7. April 1891 und das Gesety, be- treffend den Shuß von Gebrauhsmustern vom 1. Juni 1891 mit Ausführungsvorschriften, erläuternden Anmerkungen und Sachregister, herausgegeben von K. Wandel, Rechtsanwalt am König- Le Z E zu Essen (zweite, neu bearbeitete Auflage, Pr.

M 60 S);

Gesetz, betreffend den Forstdiebstahl vom 15. April 1878, Textausgabe mit erläuternden Anmerkungen und Sachregister, von Alexander Fürst, Gerichts-Assessor (Pr. 1 46 50 4).

Das Reichógesez, betreffend die Aenderung des Geseßes über den Unterstütßungswohnsiß und die Ergänzung des Straf-

esezbu<hs, vom 12. März 1894, mit einer Geschichte der auf die Netorin des Armenre<ts gerichteten Bestrebungen und dem neuen Text des Unterstüßungswohnsitßgeseßes. Von Dr. jur. Egon Kel <, Geheimem Regterungs - Rath im Reichsamt des Innern, Mitglied des Hauses der Abgeordneten. Pr. 2 4A Berlin, Verlag von Julius Springer. Durch das S betreffend die Aenderung des Gesezes über den R E und die Ergänzung des Strafgeseßbuchs, welhes am 1. April d. I. in Kraft getreten ist, erfährt das Unterstüßung8wohnsißzgesez eine wesentlihe Umgestaltung. Abgeändert sind die Bestimmungen über die Altersgrenze für den selbständigen Erwerb und Verlust des Unterstütßungswohnsigzes, über den Umfang der Fürsorgepfliht des Dienstorts und über die Voraus- seßungen, unter denen der Landarmenverband einzutreten hat. Ein-

efügt ist u. a. eine Vorschrift über die Verjährung der arnienre<ht-

ichen Ansprüche. Die genaue Kenntniß der Novelle ist daher für alle bei der öffentliden Armenpflege Betheiligten zur Vermeidung \hwerer Nachtheile unbedingt erforderli. Der Herausgeber, der bei dex Ausarbeitung des Geseßentwurfs mitgewirkt und bei der Ve- rathung im Reichstag als Kommissar des Bundesraths fungiert hat, Liefert unter ausgiebiger Verwerthung der Motive und der RNeichstagsver- handlungen eine Erläuterung zu dem Gesey fowie im Interesse der prakti- \<en Brauchbarkeit den vollständigen Text des Unterstüßungswohnsiß-

gesetzes, wie er sih aus den Aenderungen durch die Novelle ergiebt. Außer-

dem aber bringt der Herausgeber eine Geschihte der auf dem Gebiet des Armenrechts hervorgetretenen Reformbestrebungen, die zu dieser Novelle geführt haben. Die Schrift dient dem praktishen Bedürfniß der Orts- und ‘Landarmenverbände u. \. w., ist aber au<h dazu hbe- timmt, das Verständniß für die wichtige Frage der Reform der Armen- gesezgebung zu fördern und in weitere Kreise zu tragen.

Nr. 8 der Guttentag's<en Sammlung deutscher Reichsgeseße, enthaltend die e über den Unterstüßungswohnstit (in der Fassung der Novelle vom 12, März 1894), die Freizügigkeit, den Erwerb und Verlust der Bundes- und Staatsangehörigkeit nebst den auf ersteres Gesey bezüglichen landesgeseßlihen Bestimniungen fämmtliher Bundesstaaten, Tertausgabe mit Anmerkungen und Sach- register von Dr. J. Kr ech, Kaiserlichen Geheimen Regierungs-Rath,

itglied des Bundesamts für das Heimathwesen, ist soeben in dritter Auflage ershienen (J. Guttentag's Verlagsbuhhandlung in Berlin). Die Anmerkungen find auf ein geringes Maß beschränkt; ferner find alle inzwischen eingetretenen Aenderungen in den Landesgeseßgebungen berüdsichtigt, a die neue Auflage ein vollständiges Bild des gegen- wärtigen Nechtszustandes im Deutschen Reich gewährt.

In der Sammlung von Prüfungs-Bestimmungen, welche in Carl Heymanns Verlag, Berlin, erscheint, liegt in vierter Auflage die Prüfungßsordnung für die mittleren und unteren Beamten der Staats-Eisenbahnverwaltung nebst Be- stimmungen über die Annahme von Zivil-Supernumeraren für den Staats-Cisenbahndienst vor. (8. S. 73. #4 1.) Die Aus- stattung ist gediegen, wie si<h sämmtliche Erscheinungen dieser überaus tbätigen Buchhandlung, mit welcher die Julius Sittenfeld’s<he Buch- dru>erei in cinheitliher Verbindung steht, dur< guten s{<arfea Dru>k und haltbares Papier auszeichnen. /

Rechts8- und Staatswissenschaft.

Die Phantasie im Recht. R von Dr. Heinrich Dernburg. Berlin 1894. Verlag von H. W. Müller. Dieser Vortrag wurde von Dernburg am 21. März 1894 vor der juristischen Gefellshaft in Wien gehalten; er legt die Bedeutung der Phantasie, in der er die s{höpferis<e Kraft niht nur des Schönen, fondern auch .des Guten erbli>t, im Recht und ihre Bedeutung für das Recht dar, er bezeihnet sie als den Grund alles Rechts, als das [lebende Clement, dur<h welches es besteht. Jn einem Nachwort ver- theidigt sih der Verfasser gegen die Vorwürfe, die ihm die in dem Vortrag enthaltenen Bemerkungen über die obligatorische Zivilehe in der Wiener Presse eingebracht haben.

/ Volkswirthschaft. :

Die Aufhebung des Befähigungsnachweises in Oesterreich, von Sigmund Mayer. Pr. 6 #4 Leipzig, Verlag von Dun>ker und Humblot. Das vorliegende Bu behandelt die Frage des Befähigungsnachweises nicht in systematisher Form, sondern

olemisch-politisch. Der Verfasser kämpft mit Leidenschaft Hegen den

efähigungsnahhweis ; er sucht darzulegen, daß der Geseß in Oesterreich gewordene Befähigungsnachweis sih als vo ständig zwe>widrig und ern erwiesen hat, und protestiert lebhaft gegen die beabsichtigte Aus- dehnung und Berschärfung dieses Zwanges. Zum theil sind darin früher von ihm in der „Neuen Freien Presse“ veröffentlichte Artikel enthalten ; ferner enthält der erste Theil eine historishe Skizze über den Verlauf der Ban Ls in Oesterreih seit dem Jahre 1848, sowie eine Kritik der Judikatur der Gewerbebehörden. Der zweite A welcher die Umwandlung des Handwerks in Wien zur Fabriksin dustrie vom Ausgang des 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts zu schildern \fucht, ergan den ersten polemischen Theil in gleichsam historischer Beweisführung. In cinem Schlußwort an den österreichi) en Handels» Minister Grafen Wurmbrand legt der Verfasser dar, daß der Befähigungs-

nahweis auf einem entschiedenen, ja auf einem gee Irrthum beruhe. Da au<h in Deutschland die Frage des Befähigungsnach- weises wieder zur Erörterung gestellt ist, wird das- vorliegende Buch auh hier Interesse und Beachtung finden.

Lexi?ka.

Das von dem Geh. Hofrath Professor Iosef Kürschner (Eisenach, Selbstverlag) herausgegebene ,Staats-, Hof- und Kommunal- Handbuch des Reihs und der Einzelstaaten (zugleih Sta- tistishes Jahrbuch)“ liegt jezt in der 9.-Ausgabe für 1894 vor. (Pr geb. 6,90 6) Dieses Buch, welches mittels geshi>ter Kondenfation dur zahlreihe Abbreviaturen sowie häufige Anwendung der Nonpa- reilleschrift in übersichtlicher \ystematischer Anordmnis des Stoffes den N sämmtlicher Handbücher des Reichs und der einzelnen

undesstaaten zu vereinigen sucht, hat sich bereits gut eingeführt. Da der Herausgeber unermüdlich bestrebt is. Unrichtigkeiten zu beseitigen, alle Angaben auf dem Laufenden zu erhalten, neue Theile ein- zufügen und so das Ganze zu einem zuverlässigen Kompendium auszugestalten, so dürfte es dem Buh au<h an no< weiterer Ver- breitung nit fehlen. Der Werth der Einzelhandbücher, die für eine E Information daneben iwmer ihre Unentbehrlichkeit be- alten werden, wird dur< das Kürschner'she Werk keinesfalls be- einträhtigt. Der neunte Jahrgang ist mit den Bildnissen des Groß- herzogs und E TOLE von Med>lenburg-Strelitz, des Herzogs und der Herzogin von Sachsen-Coburg und Gotha, des Fürsten und der Fürstin zu Schaumburg-Lippe, des Fürsten zu Walde> und Pyrmont sowie des Sachfen-Coburg-Gothaishen Staats-Ministers Dr. von Strenge ges<müd>t.

Länderbeschreibung.

Tagebuh-Berichte der Kilimandjaro-Station, mit- getheilt*von Dr. Carl Lent, herausgegeben von der Deutschen Kolonial- gesellshaft. Heft 3. Berlin 1894. Carl Heymann's Verlag. Preis des Hestes 14 In dem jeßt vorliegenden Heft werden die Arbeiten im Monat September 1893 auf der Station ausführlih geschildert. Dabei wird besonders der Verhältnisse zu Moschi ua<h Beendigung des Krieges mit dem Häuptling Meli und seiner Unterwerfung

gedacht. Verschiedenes.

Kr. Photographishes Notiz- und Nahs<kagebu <

für die Praxis von Ludwig David, K. und K. Artillerie-Ober- Lieutenant, und Charles Scolik, K. und K. Hofphotograph. Vierte umgearbeitete Auflage. Verlag von Wilhelm Knapp. Halle a. S. Preis 4 A Daß dieses Buch bereits na< einem Jahre wieder in neuer Auflage erschienen is}, dürfte das beste Zeichen sein, daß es in den Kreisen der Fah- und geübteren Liebbaberphoto- graphen fich eines allgemeinen Zuspruchs erfreut. Die Verfasser vers stehen es vortreffli<, mit großer Klarheit das Gewollte auszudrüden, und selb\t ein fa<männish weniger gebildeter Leser wird den Auseinander- sezungen \{wieriger Vorgänge, so den Ausführungen über photogra- phische Objektive und deren Lichtstärke mit Leichtigkeit folgen können ; be- tonders sei hingewiesen auf die Abhandlung über die malerische Wirkung in der Photographie. Die Verfasser geben eine ausgezeichnete Leitung dur<h den Werdegang der Photographie von der Aufnahme bis zum fertiggestellten Bild, begnügen sih jedo< nicht, allein den normalen Vorgang darzustellen, fondern erwähnen bei den einzelnen Abschnitten stets die häufigsten fehlerhaften Erscheinungen und wissen bei ihrer umfangreihen prafktishen Erfahrung au< die Mittel anzu- A wie denselben am leichtesten abzuhelfen is. Bei der Neu- earbeitung ist besonders auf die Entwi>lungsmethoden Rücksicht enommen, welche im leßten Jahr neu in Gebrauch gekommen sind; erner sind au< die Angaben über das Positivverfahren wesentli erweitert und durch die neuen Erscheinungen auf diesem Gebiet ergänzt. Das Buch hat ein bequemes Taschenformat, so daß es sich leicht mit auf die Reise nehmen läßt ; die Ausstattung ist eine sehr ansprehende und wird durch eine Anzahl vortrefflich ausgeführter Kunstbeilagen noch bedeutend erhöht. Schr brauchbar, hauptsähli< für Anfänger, ist das bei- efügte Negativregister, in welches alle Einzelheiten einer photographi- fen Aufnahme: Datum, Tageszeit, Lichtverhältnisse, Kassettenummer, Gegenftand, Plattengattung, Objektiv, Blende, Exposition, Entwi>klung, Bemerkungen eingetragen werden ; denn bei regelmäßiger und genauer Ausfüllung diefer Tabelle vershafft man fi bald eine sichere Empfin- dung für die rihtige Exrpositionszeit. Angeschlossen sei die in demselben Verlage erscheinende Encyklopädie der Photographie. Das soeben erschienene Heft 2 enthält „die Photograpie in natürlichen Farben mit besonderer Berü&sichtigung des Lippmann'shen Verfahrens“ von Eduard Valenta, Phototechniker an der K. K. Lehr- und Ver- suhsanstalt für Photographie in Wien.

Vilmorin's Blumengärtnerei. Beschreibung, Kultur und Verwendung des gesammten Pflanzenmaterials für deutsche Gärten. Dritte neu bearbeitete Auflage. Unter Mitwirkung von A. Siebert, Direktor des Palmengartens zu Frankfurt a. M., herausgegeben von A. Voß in Berlin, früher Instituts - Gärtner in Göttingen. Berlin 1894. Verlag von Paul Parey. Dieses in den ersten beiden Auflagen {hon weit verbreiteie und rühmlichst be- kannte Gartenbuh hat, soweit sih aus der Ankündigung der Verlags- buhhandlung und dem ersten uns vorliegenden Heft des auf fünfzig Lieferungen bere<hneten Werkes ersehen läßt, für die dritte Auflage eine gänzlihe Neubearbeitung und derartige Er- weiterung erfahren, daß im ersten Theil auf 1200 Seiten, nah Familie und Gattung systematis< geordnet, gegen 10000 Arten und Unterarten von Gartenpflanzen mit Beschreibung ihrer Verwendungéweise und Kultur-Anweisung nachgewiesen werden. Die in diesem Bande vorkommenden etwa 40 000 Pflanzennamen sollen am Séluß in einem alphabetishen Verzeichniß zusammengestellt wer- den, sodaß über jede Pflanze mit Leichtigkeit die genaueste Auskunft über ihre ee örigkeit, ihre vershiedenen Bezeichnungen, Aussehen, Verwendung und Kultur herausgefunden werden" kann. Tausend \<arf ausgeführte Holzschnitte im Text erleichtern die Aus- funft, deren Verständniß no< mehr gefördert wird dur< 400 pra<ht- volle naturgetreue, von Katharina Klaus entworfene Abbildungen der in deutshen Gärten verbreitetsten und besten Schönblüher auf 100 Farben- Dru>tafeln. Im zweiten Band finden ih kurz und übersichtlich die besonders zu beherzigenden Grundzüge der Gartenkultur Boden- arten, Dünger, Lage zur Sonne, Feuchtigkeit, Schnitt und Shuß behandelt, und dann folgen Aufftellungen und Register der ver- schiedensten Art. Es sind nämli die Pflanzen gruppiert, je nah- dem fie sih znr Einfassung und Bepflanzung von MRabatten, zur Einzel- oder Gruppenverwendung, zu Teppichbecten oder Trupps eignen; die Schattenpflanzen, die wohlriehenden Pflanzen, die Pflanzen mit farbigem Laub, die Schlingpflanzen, die Pflanzen mit Zierfrüchten sind zusammengestellt. Desgleichen find die Blumen nah ihrer Farbe geordnet in einem Blüthekalender, nah der Zeit ihrer Blüthe. Ferner enthält dieser Theil eine ausführliche, dur zahlreihe Pläne erläuterte Anleitung zur Anlage einheitlicher Gartenscenerien , farbenreiher Blumenteppiche, Rabattenbepflanzungen u. st. w., fo wie sich alle diese Dinge bereits im Frankfurter Palmen- garten bewährt haben. Endlich wird es dem Laien und dem weniger Ne Gärtner dur< einen allgemein verständlihen Schlüssel leiht gemacht, von einer bieher no< nicht gesehenen Pflanze Gattung, Art und Namen zu ermitteln. Die Ausgabe der vierzehntägig er- scheinenden Lieferungen soll derartig beschleunigt werden, daß vor Ende des D 1895 das Werk vollständig tin den Händen der Subskribenten ‘sein wird. i

MAkademisches Taschenbuch für Juristen. Sommer- Semester 1824. Achte Bearbeitung ; zusammengestellt unter Benußung amtliher Quellen -und handschriftliher Mittheilungen. Preis 0,60 6 Berlin, Carl Heymann's Verlag. Für die Jura studierende Jugend ein zwelmäßiges Notizbu<h mit Kalender und reihlihem Material über .juristish interessante Fragen. Das Heft ist mit Dahn's Bildniß geziert, ferner behandelt es Dahn's literarisGe Thätigkeit im Gebiete der Nehts- und Staatswissenschaft. Weiter enthält es die Personal-

ronik der juristishen Fakultäten, die Free gas der Holgendorff-

tiftung, die Vorschriften über die erste juristishe Prüfung in Preußen und Bayern, ein Verzeichniß sämmtlicher juristischer und famera- listis<er Vorlesungen auf den deutschen Universitäten, Mittheilungen über das Vereinêwesen, ein Verzeichniß der Dozenten 2c.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ru hr sind am 30. v. M. gestellt 10129, nicht re<tzeitig geftellt keine Wagen. / __ In Oberschlesien sind am 28. v. M. gestelli 2319, niht reht- zeitig gestellt keine Wagen.

Berlin, 30. ‘April. (Monatsberiht der ständigen Deputation der Woll-JI E Im abgelaufenen Monat behielt das Geschäft in deutschen Wollen feinen früheren ruhigen Gang. Wenn nun, in Anbetracht, daß wir vor einer großen Londoner Auktion stehen, die morgen beginnt, sowie des unbefriedigenden Geshäftsganges in der Industrie, trogdem ein wesentli<h größeres Quantum Rüden- wäschen verkauft wurde, als im Monat März, fo is wohl der Hauptgrund darin zu finden, daß diese ausgetrokneten Wollen bei weiterem Entgegenkommen der Verkäufer, einen äußerst niedrigen Preióstandpunkt erreiht haben, der si< no< unter niedrigste 1886 er Preise stellt und wohl kaum ein Risiko in fih birgt. Deutsche Rü>kenwäschen sind Uen s in Berücksichtigung ihrer besseren Verwendung für viele Fabrikate, billiger als un- gewashene Wollen, weshalb aps die Umsäße in leßteren von ge- ringer Bedeutung waren. Es wurden etwa 5500 Ztr. Rüen- wäshen und etwa 1500 Ztr. ungewashene Wollen an Fabrikanten

verkauft. Unter unseren Vorräthen in Rückenwäschen, die zwar

fehr zusammenges<molzen find, findet man immer no< gute Wollen,

doch dürften sih diese bis zum Markte wohl vollständig räumen.

Am 9. Mai d. J. wird hier eine Auktion von etwa 13 000 Ztr.

außerdem b deutshe Wollen E S Schur abgehalten; i

außerdem befinden si< auf den hiesigen Lägern etwa 6000 Ztr. dieser Wollen, die dur weitere Zufuhren verstärkt werden. Ein richtiges Urtheil läßt si<h über den die rigen Jahrgang un- ewaschener Wollen no<h nicht feststellen. Nach der bisherigen An- uhr scheint jedoh ein großer Theil in Wuchs magerer, weniger kräftig und s{<weißhaltiger als im vorigen Jahre zu sein. Die Umsäte in Kolonitialwollen vollzogen K im vergangenen Monat sehr s{hleppend und ihre Preise konnten {ih kaum behaupten; troßy- dem belaufen sih die Verkäufe auf etwas über 3000 Ballen, wovon etwa zwei Drittel Kap- und ein Drittel Austral- und Buenos Aires= Wolle, welche die Fabrikanten, um ihren dringendsten Bedarf zu ded>en, kauften.

In der 55. Generalversammlung des Deutschen Phönix, Versicherungs-Gesellshaft in Frankfurt a. M., vom 28. d. M. wurde nah Entgegennahme der Berichte der Direktion, des Aufsichtsraths und des Rechnungsprüfungs - Ausshusses die mit einem Uebers<huß von 416 406 M abschließende Rehnung für das Jahr 1893 genehmigt. Unter Ueberweisung von 133 593 46 aus der Dividenden-Ergänzungsreserve gelangen somit 550 000 / mit 100 4 für jede Aktie Litt. A. und 50 4 für die Aktien Litt. B. zur Ver- theilung. Der genannte Reservefonds beträgt dana noch 1 418 581 46 A Mitglieder des Aufsichtsraths wurden wieder- gewählt.

Die gestrige Generalversammlung des Höchster Farb- werks beshloß, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, den 6 129 717 M be- tragenden Reingewinn folgendermaßen zu verwenden : 28 9/9 Dividende; 157 500 A werden dem Spezial-Reservefonds und 50 000 4 dem Beamten- Pensionsfonds überwiesen, 963 348 6 als Tantième für den Aufsichtsrath, den Vorstand und die am Gewinn betheiligten Beamten vertheilt, 500 000 (A zu Arbeiterunterstüßungen, für die Kaiser Wilhelm Augusta-Stiftung und zu Arbeiter-Wohlfahrtseinrih- tungen verwendet; 100 000 4 sind für den Neubau des Bureaux ausgeseßt und 998 868 #4 werden tantièmenfrei auf 1894 vorgetragen.

Magdeburg, 30. April. (W. T. B) Zu>erberiGt KornzucLer exkl., von 92% —,—, neue 12,60, K&ornzuder exkl. 88 9/0 Rendement —,—, neue 11,75, Nachprodukte exkl.,75 9/4 Rendement 8,90, Nuhig, wenig Geschäft. Brotraffinade I. —,—, Brotraffinade 1. —,—, Gem. Raffinade mit Faß 25,50, Gem. Melis L, mit Faß —,—. Still. Rohzu>ker. 1. Produkt Transito f. a. B. Hamburg pr. April 11,80 bez. und Br., pr. Mai 11,575 bez., 11,60 Br., pr. Juni 11,574 Gd., 11,60 Br., pr. Juli 11,624 bez., 11,75 Br. Anfangs stetig, dann <wa<. :

Leipzig, 30. April. (W. T. B.) Kammzug-Termin-

handel. La Plata Grundmuster B. per Mai 3,324 #4, per Juni 3,377 Æ, per Juli 3,40 4, per Aen 3,425 MÆ, per September 3,424 #4, ver Oktober 3,45 4, per November 3,474 46, per De- zember 3,50 4, per Januar 3,523. Umsaß 20 000 kg. _ Braunschweig, 30. April. (W. T. B.) Prämienziehung der Braunschweiger 20 Thaler-Loose: 150000 (A Ser. 3971 - Nr. 4; 12 000 (6 Ser. 2069 Nr. 1; 6000 A Ser. 7998 Nr. 41; 3000 Ser. 9337 Nr. 27; je 300 A Ser. 38 Nr. 28, Ser. 675 Nr. 43, Ser. 1343 Nr. 2, Ser. 2069 Nr. 3, Ser. 3177 Nr. 18, Ser. 3177 Nr. 30, Ser. 5081 Nr. 32, Ser. 8021 Nr. 11, Ser. 8719 Nr. 26, Ser. 9076 Nr. 12; je 240 A Ser. 2069 Nr. 38, Ser. 2095 Nr. 19, Ser. 3177 Nr. 29, Ser. 3971 Nr. 48, Ser. 5580 Nr. 7, Ser. 7196 Nr. 15.

Bremen, 30. April. (W T. B) Börsen - Schlußbericht. Naffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum- Börse.) Ruhig. Loko 4,775 Br. Baumwolle. Schwa. Upland middling, lofo 38 4. S<hmalz. Ruhig. Wilcox 392 4, Armour fhield 39 $, Cudahy 394 4, Fairbanks 33 „$. Sve>. Ruhig. Short clear middling loko 357. Taba>. Umsay: 297 Seronen Carmen. Wölle. Umsay 66 Ballen.

Wien, 30. April. De T. B.) Der Verwaltungsrath der Oesterreichis< -ungaris<hen Staats - Eisenbahngesell- \chaft beantragt, eine Gesammtdividende von 28 Fr. für die Aktie zu vertheilen und 660257 Fr. auf neue Rechnung vorzutragen.

London, 30. April. (W. T. B.) An der Küste 6 Weizens ladungen angeboten.

96% Javazud>er loko 14è ruhig, Rüben-Rohzu>er loko 114. ermattend. Chile-Kupfer 398/16, pr. 3 Monat 402.

Die Getreidezufuhren betrugen tn der Woche vom 21. April bis 27. April: Englisher Weizen 1121, fremder 43 639, engl. Gerste 1343, fremde 9536, engl. Malzgerste 17 854, fremde —, engl. Hafer 728, fremder 91 281 Qrts., engl. Mehl 17 556, fremdes 42 239 Sa> unv 6 Faß. :

Glasgow, 30. April. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 6445 Tons gegen 6381 Tons in derselben Woche des vor n Jahres.

Bradford, 30. April. (W. T. B.) Wolle ruhig, Merino Croßbred fester, Alpaccawolle fester, Garne thätiger, in Stoffen mäßiges Geschäft. :

Mi erdem. 30. April. (W. T. B.) Java - Kaffee good ordinary 523. Bankazinn 457. | i

New -York, 30. April. (W. T. B.) Die Börse eröffnete mit höheren Kursen, die jedoh im späteren Verlaufe etwas nahgaben. Der Schluß war s{<wa<. Der Umsaß der Aktien betrug 270 000 Stück. Z

“Weizen s{<wähte sih na< Eröffnung etwas ab auf E Wetter im Westen, Zunahme der unterwegs befindlichen Menge und auf allgemeine Liquidation per Mai, später erholt, weil die sichtbaren Vorräthe \i< mehr* vermindert haben als erwartet wurde. luß stetig, Mais einige Zeit steigend nah Eröffnung auf Abnahme der A ibaren Vorräthe, später Reaktion. SWhluß träge.

Visible supyly an Weizen 66584000 Bushels, do. an Mais 13 115 000 Bushels. l

Chicago, 30. April. (W. T. B.) Weizen {hwähte si< na< Eröffnung etwas ab auf gangs Wetter, Zunahme der unter- wegs befindlichen Menge und auf Realisierungen, später erholt auf Berichte von einer Kälteströmung und auf Käufe per Mai. S) stetig. Mais s<hwächte sih na<h Eröffnung etwas ab, später holt. Schluß stetig.