1894 / 106 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Gesänge, Fest- und Krieg8musik zu Deuts{lands Ruhm und zur Er- Innerung an Freund und Feind“, die einheitli<h unter dem Namen engt nd und Melodien und Weisen aus fes ahrhund _zum theil in -vortreffliher Bearbeitung umfassen; das leßtere tüd schloß ‘mit der preußishen National- bymne ab, die in fast erwältigenden, laren Tonmassen den weiten Raum erfüllte. Mit Jhren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin hatten sich alle Hörer bei der e von ihren Pläten erhoben. Den S{luß der Aufführung bi

i ildete wiederum mächtige Fanfaren-Musik, und als die Majestäten die Loge verließen, hatten alle Anwesenden sich von den Pläßen erhoben und stimmten aus begeisterten Herzen in ein erneutes Hoh auf Seine Majestät den Kaiser ein.

Im Königlichen Opernhause werden morgen „Cavalleria rusticana“ und „Der Barbier von Sevilla“ (Frau Herzog, Herren Lieban, Bulß, Mödlinger) gegeben. j

In der morgen zum Besten der Genossenschaft deutsher Bühnen- angehöriger im Königlihen Schauspielhause stattfindenden Neuaufführung von Shakespeare's „Wintermärchen“ wird Kapell- meister Sucher die Flotowshe Musik dirigieren. Die Ueberfeßung von Franz Dingelstedt ist beibehalten; indessen wurden des Bearbeiters Zusäße entfernt und verschiedene von Dingelstedt gestri<hene Scenen wieder hergestellt.

Am Sonntag, dem ersten Pfingstfeiertag, kommt im Deutschen Theater „Geographie und Liebe“, am Montag, dem zweiten Feier- tag, „Der Herr Senator“ zur Aufführung.

Im erliner Theater i|ff für die Pfingstfeiertage folgender Spielplan festgestellt worden: Sonntag (1. Feiertag) Nach- mittags „Eva“; Abends zum leßten Male „Narciß“ mit Ludwig Barnay in der Titelrolle; Montag (2. Feiertag) Nachmittags „Julius Cäfar“; Abends „Das Glas Waffer“. Am Dienstag findet eine Ge- sammtaufführung der Schiller’schen Wallenstein-Trilogie statt, fo zwar, daß am Nachmittag „Wallenstein's Lager“ und „Die Piccolomini“ zur Darstellung kommen und Abends mit „Wallenstein's Tod“ der Beshluß gema<t wird; Stephanie Hildberg vom Stadt-Theater zu Hamburg wird in dieser Vorstellung die Thekla spielen, während Ludwig Barnay sowohl in der -Nach- mittags- wie in der Abend-Aufführung den Wallenstein darstellen wird. Der Billetverkauf zu sämmtlichen Feiertagsvorstellungen (sowohl Nachmittags, als Abends) hat heute Vormittag an der Kasse des Theaters begonnen.

Für die Wiederaufführungen von „Madame Sans-Gêne“ mit Senny Groß in der Titelrolle, welhe an den beiden Pfingstfeiertagen und dem darauf folgenden Dienstag im Lessing-Theater :att- findet, hat der Vorverkauf der Eintrittskarten an der Tageskasse be- reits begonnén. i

Den Direktoren des Konservatoriums Klindworth- Scharwenka hierselbst is es gelungen, Frau Amalie Joachim dur einen mehrjährigen Kontrakt für ihr Justitut zu gewinnen.

rau Joachim verlegt am 15. September d. J. ihren ständigen Wohn-

y von München nah Berlin. Anmeldungen für ihre am 1. Oktober

eginnenden Lehrkurse in der Gesangskunst sind von jeyt ab an die Direktion des Konservatóriums Klindworth-Scharwenka, Berlin, Potsdamerstraße 20 und 35, zu richten.

Mannigfaltiges.

Die Trauerfeier für den verstorbenen Chef des Welthauses Rudolph Hergyog hat heute unter Betheiligung Tausender in erhebender Weise stattgefunden. Die ODreifaltigkeitskirhe, die Stätte der weihevollen Feier, war in einen ernsten Trauerraum umgewandelt. Die ganze Altarnische war schwarz ausgeschlagen, nur die drei Altar- bilder, die der Entschlafene zum 200 jährigen Jubiläum der Kirche. estiftet hat, waren frei geblieben. Das mittelste derselben tellt den gekreuzigten Christus, das linke die beiden Propheten, die auf die Leiden Christi hinweisen, das re<hte Johannes und Maria dar, die über den Tod des Heilands trauern. Ein Palmenhain umgab den vor dem Altar aufgebahrten Sarg aus Eichenholz, den kost- bare Schnitereien zierten. Schon vor Beginn der Feier waren über 800 Kränze im Geschäftshaus und in der Privatwohnung des Ver- storbenen eingegangen. Nur ein Theil derselben konnte in den Geschäfts- wagen des Hauses nach der Kirche überführt werden, da der Altarraum für alle Palmen und Kränze bei weitem niht Plaß bot. Unter allen Spenden der Liebe und Verehrung zeichnete fih vor allem der Riesen- franz aus, den das Geschäftspersonal „seinem hochverehrten, unver- geßlichen Chef“ gewidmet hatte. Der Stadtrath zu Karlsbad hatte „feinem unvergeßlichen Gönner und treuen Kurgast“ einen Kranz mit breiter, {<warzer Schleife gewidmet. Die Gedenkrede hielt der greise Pastor Stehow, anknüpfend an das Psalmenwort vom

Leben, das, wenn es fköstlih, Mühe und Arbeit gewesen. Der Trauerzug, den 220 Hausdiener des Geschäfts mit den Kranz- spenden eröffneten, bewegte fi<h durch das Brandenburger Thor und durch die Friedensallee nah dem Trauerhaus in der Roonstraße, von dessen Zinne drei s{<warze Fahnen wehten, während die Fenster des Arbeitszimmers mit Flor und Trauerfahnen umsäumt waren. In Tangsamem Zuge ging es am Trauerhause vorbei und dann hinaus S dem Kirchhof in_ der Liesenstraße, wo hundert Angestellte des Be mit Palmen Spalier bis zur Gruft bildeten.

ebet erfolgte dann die Beisezung.

Der Verein Mädchenhort hielt am Sonnabend im Bürger- saale des Rathhauses unter Vorsiß des Direktors Rose seine 10. Jahres8- versammlung ab. Der Verein hat im leßten Arbeitsjahr in seinen se<s. Anstalten 364 Mädchen in ihrer \{ulfreien Zeit erzogen, in Hand- und Hausarbeiten unterwiesen und zur Anfertigung der Schul- aufgaben angehalten ; 97 wurden im Laufe des Jahres neu aufgenommen, 91 entlaffen; zwei davon f\tarben, eine {ied wegen Krankheit aus, 5 wegen Konfirmation; 27 verließen die Anstalt, weil sie zu Hause gebrau<ht wurden, 16 wegen Veränderung der häuslihen Ver- hältnisse, 4 wegen Umzugs; 22 blieben ohne Angabe des Grundes weg, 10 wurden wegen s{<le<ten Betragens ausgeschlossen. 4 von der Ge- sammtzahl der Zöglinge waren Waisen, 149 Töchter von Wittwen, 15 Töchter von Wittwern, 29 \olche von Gheyerlassenen. Die Mehr- zahl stand im Alter von 8 bis 11 Jahren, über 13 Jahrë alt waren nur 11. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich besuchte wiederholt die Anstalten, die in den zehn Jahren etwa 2000 Mädchen in Obhut gehabt haben. Die städtishen Behörden be- willigten einen jährlihen Zushuß von 1500 # und über- wiesen in zwei Gemeindeshulen miethfreie Räume. Die Frauen- gruppe der Vereinigung für soziale Hilfsarbeit stellte Helferinnen. Geplant werden neue Horte im Südosten, im Osten und in Moabit. Der Kassenberiht wies mit Einshluß von 1365 4 Bestand 20704 4 Einnahmen und 19 725 6 Ausgaben auf, von wel<h leßterer Summe 8927 M zinsbar angelegt worden sind. Das Vermögen des Vereins beträgt zur Zeit 36 466 4. e

Kapitän Spring, Kaiserlicher Lieutenant z. See d. R., der fich mehrere Jahre in Ost-Afrika aufgehalten und die Interessen des Anti- \flaverei-Comités dort vertreten hat, wird morgen Abend in der Urania seine Reiseerlebnisse und Kämpfe mit den afrikanischen Stämmen in einem von zahlreichen Lichtbildern begleiteten Vortrag „Von Bagamoyo nach dem Victoria Njansa“ schildern. Am Donnerstag wiederholt Herr Professor Dr. Müllenhoff seinen Vortrag Ueber Quftschiffahrt“, am Sonnabend den „Ueber den Flug des Menschen“.

Vor dem Deutschen Sprachverein Berlin wird morgen Abend 84 Uhr im Wirthshause zum Schultheiß, Potsdamerstr. 13, Herr Prediger a. D. Dr. Schrader einen Vortrag halten über: „Das “iee in fprachlichen Bildern und Gleichnissen“. Gäste sind will- ommen.

Unter ernstem

Das neue Orchester des Kroll’schen Etablissements, welches, wie {hon gemeldet, Herr Kapellmeister Paul Prill leitet, wird in jeder Woche ein Symphoniekonzert veranstalten. Einen sehr angenehmen Aufenthalt wird die große Terrasse an der östlichen Hauptfront gewähren. Diese in Halbsto>höhe gelegene, bisher unbe- nugte Terrasse mit dem Ausbli>k auf den Königöplaß und den Thier- rg ist forgfältig renoviert worden und erhält eine Zeltüberdahung.

ie Terrasse wird mit Tischen und Stühlen beseßt; hier sowie auf den angrenzenden Seitenterrassen werden gegen tausend Perfonen im

reien bequem Play finden. Die Wiedereröffnung des Kroll’shen

tablissements ist sür Ende dieser Woche in Aussicht genommen.

Bromberg, 6. Mai. Das vorbereitende Comité der für das Fahr 1895 hier geplanten JIndustrie- und Gewerbe-Aus- stellung hat seine Arbeiten beendet. Wie die „Ostdeutsche Presse“ mittheilt, find bereits 70000 4 als Garantiefonds - gezeichnet. Für den Abend des 10. Mai ift eine allgemeine Versammlung aller Gewerbetreibenden und Interessenten anberaumt. Das Comits wird über seine bisherige Thätigkeit Bericht erstatten und dann die Wahl eines definitiven Ausftellungs-Comités beantragen.

Curhaven, 5. Mai. Bei Nordwestfturm stieß laut Meldung des „W. T. B." heute Mittag der Bergungéödampfet „Newa“ auf das Wrack des „Daoiz“ (?), sodaß dessen Propeller in den Maschinenraum der „Newa“ drang und - leßtere sank. Die Mann- {haft wurde bis auf den Kapitän gerettet. Die Leiche ift auch bereits hier angetrieben und geborgen.

Vom Rhein. Soeben ersien Flugblatt Nr. 140 ‘deg Vereins für <hristli<he Volksbildung „Was uns noththut“. Dieses Flugblatt is zur Verbreitung in Gemeinden, Vereinen Sonntagsfschulen 2c. zu empfehlen. Èt e 100 Exemplare 1,50 ohne Porto; zu beziehen dur< den Sekretär Goerke in M.-Gladbach.

Graz, 6. Mai. Ueber die Rettungsarbeiten an der Lugloch- höhle wird dem „W. T. B.* weiter berichtet: Heute wurde eine Pes Meter \tarke Wand nah dem Luglo<h durchgeshlagen und amit der Tümpel erreiht, von wo ein no< inundterter Kamin aufzusteigen beginnt. Im Laufe der Nacht wird der Versuch gemaht werden, dur< Sprengung in den tro>enen Theil des Kamins zu gelangen. Im Fall dieser Versuh resultatlos bleiben follte, wird die Stauvorrihtung in Thätigkeit geseßt werden, um den Wasserstand zu verringern und in den Kamin eindringen zu können. Oberhalb des Schlurfs gräbt man einen Stollen, welcher morgen fertiggestellt wird und die Ver- bindung mit dem Höhlen-Innern vermitteln foll. Der bekannte Kunst- s<wimmer Groebel ist gestern Nachmittag von Wien nach der Luglohhöhle abgereist und will versuchen, dur eine Leine eine Verbindung mit den in der Höhle Eingeschlossenen herzustellen, um die Beförderung von Lebensmitteln und die Erleuchtung der Höhle zu ermöglihen. Der Minister des Innern bewilligte die Mittel zur Reise und hat die Behörden angewiesen, Groebel bestens zu unterstüßen. (Vgl. unten die Tel. Dep. nah Schluß der Redaktion.)

Mailand, 6. Mai. Heute Mittag fand die feierlihe Er - öffnung der Ausstellung in Gegenwart des Königs und der Königin, des Minister-Präsidenten Crispi, der Mini\ter Boselli und Baccelli, der Vertretungen des Senats und der Kammer, sowie der t der Zivil- und Militärbehörden statt. Jn einer mit roßem Beifall aufgenommenen Rede erklärte dem „W. T. B.“ zu- olge der Handels- und A>erbau-Minister Boselli die Ausstellung im Namen des Königs für eröffnet. Die Majestäten, welche überall mit begeisterten Kundgebungen begrüßt wurden, sprachen ihre volle Be- friedigung über die glänzende Ausstellung aus.

Haag, 5. Mai. Die Königliche Kommission, welche unter dem Vorsiß des Ministers Lely das Projekt der Tro>kènlegung des Zuidersees berieth, hat ihre Arbeiten beendet. Von den 26 Mitgliedern der Kommission find, wie dem „W. T. B.“ berihtet wird, 21 für die Tro>enlegung des Sees und für Errichtung eines Damms von Nordholland bis na< Friesland. Die Kosten werden auf 189 Millionen Gulden veranschlagt, oder auf 315 Millionen mit Zinseszinsen; darin sind die Kosten für die Vertheidigungsmaßregeln und für die Schadloshaltung der Fischer des Zuidersees einbegriffen. Die Kommission empfiehlt einstimmig, die Arbeiten dur<h den Staat ausführen zu lassen. Durch die Trockenlegung des Sees würden 190 000 ha Boden im Werthe von 326 Millionen Gulden gewonnen werden.

Antwerpen, 5. Mai. Die Internationale Ausstellung wurde heute in Gegenwart des Königs, der Königin, der Prin- zessin Clementine, des Prinzen Karl von Hohenzollern sowie des Grafen und der Gräfin von Flandern feierlih eröffnet. Der Präsident des Ausstellungs-Comités Graf de Pret Noose hielt dem „W. T. B.“ zufolge die Eröffnungsörede, worauf König Leopold mit einem Hin- weis auf die hohe Bedeutung der AussteUung erwiderte und sie für eröffnet erklärte.

Nach Schluß der Redaktion eingegaugene Depeschen. :

Spandau, 7. Mai. (W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser begab Sih heute Vormittag bei einer früh 61/4 Uhr angetretenen Havelfahrt anläßlih eines in der Ort- haft Gatow ausgebrochenen Feuers dorthin, alarmierte die hiesige Garnison und zog sie zur Hilfeleistung heran.

Graz, 7. Mai, 10 Uhr 30 Minuten Vormittags. So0- eben ist der Taucher in die Lugloh-Höhle : ein - gedrungen. Er giébt an, daß Tamntldde Ein- geschlossenen leben und daß deren Rettung zweifellos sei.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersien und Zweiten Beilage.) :

ESSEUGEE S S R EE S R I E I E R B E B L A R T I E I D R E E G E I E S E D I I E R E O E R L O E C E E E E E I E S E S E I O E B E R R E E D R I E I E S E E E I E S Se R E E L N S Es E F E R R R

3s e _-

rberiht, vom 7. Mai,

Moraens.

= = et

Südwest.

sp.

land sind stellenweise geringe Niederschläge gefallen. Ueber Deutschland ziehen obere Wolken meist aus

Schauspielhaus: Donnerstag :

Frauen. Der eingebildete

rich von Homburg. Sonntag:

Deutsche Seewarte. Montag: Das Wintermärcheu.

Wind, | Wetter.

in 9 Celfius

Bar. auf 0Gr.|| 59 C. =40%R.

ced. in Millim. Temperatur

u. d. Meeres

—_

GOONOD-IOED

halb bed. halb bed. Negen wolkig!) wolkig bede>t Regen bede>t

a ved. l L wo j n Regen 10 Dirigent: bededt 10 7E wolkia 10 heite12) 14 halb bed. 1 heiter 11 wolkig 10 heiter 11 bede>t?) 12 béde>t 11 rvolfia 12

“Belmullet .. | 756 Aberdeen Christiansund | 749 Kopenhagen . | 758 Stotholm .| 757 Gutes PUETDG

t. Petersbg.| 763 ‘Mosfau . .. | 766

. Cork, Queens- R e. 0D8 - Cherbourg. . | 760 e ea COS E NOT mburg .. | 758 winemünde | 758 Neufahrwasser| 762 Memel ._.. |_763_ 781 Münster... | 758 * Karlsrube . . | 760 * Wiesbaden . | 759 München .. | 761 Chemniy .. | 760 i : n e 700 3 heiter®) 10

J r D

haus.

pad pak

seßt vom

bi pk DO) e brt DO D >

Sevilla.

Dingelstedt.

N M DO DO DS S F n O

ne wolkenlos z : 62_ SDO 3 +1 QUOAthe:

ir... 761 |[NNW 197” q Moalhe: V 761 13 762 bede>t 14

Früchte.

1) Dunst. 9 Thau. 3) Thau. 4) Thau. 5) Thau. Uebersicht der Witterung.

Die Witterung West-EGuropas steht unter dem Einflusse einer umfangreichen Depression, deren Kern - auf dem Ozean westlih von Norwegen liegt, während über Rußland der Luftdru> andauernd ho< und

leihmäßig vertheilt ist; bei s<hwa<her vorwiegend füds tlicher bis südwestlicher Luftströmung is das | a! Wetter in Deutschland überall wärmer, im Westen | führung: - meist trübe, im Osten heiter, die Temperatur nähert | griu. fih wieder ihren Mittelwerthen. In Westdeutsch- | Puppenfee.

aarethe :

l S E e E E C R r L D E N T M L t I Theater - Auzeigen.

Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern- 117. Vorstellung. cana (Bauern - Ehre). von Pietro Mascagni. namigen Volksftü>k von G. Verga.

Ober - Regisseur Teßlaff. Kapellmeister Dr. Mu>k. Komische Oper

Gioachimo Rossini. yon Cesar Sterbini, überseßt von Ignaß Kollmann. Kapellmeister

Uhr.

Schauspielhaus. 124. Vorstellung. Zum Besten der „Genossenschaft deuts<her Bühnen-Angehöriger“. Neu einstudiert: Das Wintermärchen. spiel von William Shakespeare, Bühne neu übersetzt und bearbeitet von Franz von Musik von Friedri<ßh von Flotow. Tanz von Emil Graeb. Ober-Regisseur Max Grube. ritt De Dp haus. 118. Vorstell

; 5 ittwoh: Opernhaus. . Borstellung. 2 Freischüts. Romantische Oper in 3 Akten von Carl

taria von Weber. n (nah der gleihnamigen Erzählun : xl. Gadsfi vom Stadttheater in Bremen, als Gast.) Anfang 72 Uhr.

Schauspielhaus. j l i Lustspiel in 3 Aufzügen, na< einem 2wischenspiel des Cervantes, von Emil Gött. Sie ist stumm. von F. Silesius Genrebild in 1 und Tilo von Trotha. i: :

Opernhaus: Donnerstag: Falstaff. Slavische Brautwerbung. Í Fräulein Gadski Bremen, als Gast.) Sonnabend: an die vor hundert Jahren stattgehabte erste Auf-

Die Zauberflöte. l Montag: Mara. Bajazzi. Die

Deutsches Theater. Senator. Anfang 7# Uhr.

Cavalleria rusti- | Freitag: Der Talisman.

Oper in 1 Aufzug Tert nah dem gleich- In Scene ge- Dirigent : Der Barbier von in 2 Aufzügen von Dichtung: nah Beaumarchais,

Magdalena. Mittwoch: Zum 1,

Dir wie mir. (Ludw. Barnay.)

studiert: Der Geizige. Donnerstag: Narzif.

Lessing-Theater. Die Orientreise. Mittwoch: Zum 1. Male.

A Uhr.

Weingartner. Anfang

Schau-

für die deutsche | Sêne mit Jenny Groß.

Vorverkauf von heute ab an der

In Scene geseßt vom Dirigent: Musßik-

Der

Chaufseestraße 26. Dienstag : 3 Akten na< einer Held und M. West. Herr Unger. Dirigent: Herr Kape Anfang 75 Uhr. Mittwoch: Der Vogelhändler. Sonnabend : Giroflé-Girofla.

Anfang 7# Uhr. dee des

Dichtung von gar as Kind ugust Apel's).

125. Vorstellung. Verbotene

burg. in 3 Akten von Henry Meilhac. Alexander. 7x Uhr. :

Mittwoch, Donnerêtag, Freitag :

Original-Lustspiel in 1 Aufzug G. Kruse.) Militärfromm.

ufug von Gustav von Moser nfang 74 Uhr

Freitag: Margarethe. (Mar- vom Stadttheater in Zur Erinnerung burg. Lebte Woche. erstörtes Glück. aul A. Kirstein. Mittwoch und folg. Tage:

Zeuniag - i

Sonntag: Lohen- Schauspie

erft

ranke. Das Wintermärchen. Sonnabend: Prinz Fricd-

Dienstag: Mittwoch: Geographie und Liebe, Donnerstag: Der Herr Senator.

Berliner Theater. Dienstag:

ale. Doktor Robin.

(Ludw. Barnay.) Dienstag: (Doppelvorstellung.)

4 Jmmer zerstreut. An allen drei Pfingstfeiertagen : Madame Saus-

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater.

Der Vogélhändler. Bieville von L. Musik von Carl Zeller. Regie:

Residenz-Theater.- Direktion : Sigmund Lauten- Dienstag: Dekorirt (Décoré). Schwank

Vorher: Jm Negligé.

Sonnabend: Der fselige Toupinel. Neues Theater. Direktion: Sigmund Lauten-4

Anfang s Uhr.

Die gelehrten

rten | Theater Unter den Linden. Dienstag: Freitag :

Pariser Leben, Operette von I. Offenbah. Hierauf: Farfarello, Ballet. Anfang 7$ Uhr.

Donnerstag: Neu einstudiert: Eine Nacht in Venedig, Operette von J. Strauß.

Adolph Ernfst-Theater. Dienstag, 74 Uhr: Gharley's Tante. Schwank in 3 Akten von Brandon Thomas. Vorher: Die Vajazzi. Parodistis<he Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobfon, Musik von Franz Roth. In Scene geïsez! von Ad. Ernst.

Mittrooh: Dieselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Dienstag: Siebentes Gastspiel von Emil Thomas. Der Negistrator auf Reisen.

Mittwoch: Der Millionenbauer.

O A E E Ed E R B t R N A E E H I T S Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Auguste von Leveßow mit Hrn. Kapitän Hans von Levezow (Waldenau b. Halsten- be> in Holstein—Hamburg). Frl. Anna von Gruben mit Hrn. Regierungs - Referendar Paul

Dametos (Bromberg).

Vereheli<t: Hr. Landrath Frhr. Alexander pon Dalwigk zu Lichtenfels mit Freiin Sophie von Stein zu Nord und Ostheim (Wehrda, Kr. Hünfeld).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Walter von Kal>- reuth (Groß-Nuhnen). Eine Tochter: Hrn. Amtsgerichts-Rath Westphal“ (Striegau).

Gestorben: Verw. Fr. Pfarrer Henriette Orth, aeb. von Kobilinski (Berlin). —"Hr. Richard von Knorr (Dresden). Hr. Rittergutsbetiger I- Kemper (Sassen). i

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (S <holz).:

Dru> der Norddeutschen Buchdru>keret und Verlags- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr: 32. Acht Beilagen

(eins<ließli< Bötsen-Beilage), (789) und das Verzeichnis der gezogenen Pfand-

briefe der E und

Vasantasena.

Der Herr

Maria und

Neu ein-

Niobe und

Tageskasse.

Operette in

[lmeister Krones.

Negie: Richard Anfang

Dekorirt.

Zum 8. Male. n 3 Akten von

örtes Glück.

„F¿ 106.

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Montag, den 7. Mai

1894.

Breußischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

64. Sizung vom 5. Mai 1894.

Der Sigzung wohnt der Finanz-Minister Dr. Miquel bei. Eingegangen ist ein Geseßentwurf, betreffend die isherei der Ufereigenthümer an den Privat-

d A der Provinz Westfalen.

Den pan Gegenstand der Tagesordnung bildet die Fortsezung der Berathung des Berichts der Budgetkommis- sion über die Finanzlage des preußischen Staats sowie der dazu von der Kommission beantragten drei Reso- [lutionen:

Das Haus der Abgeordneten wolle erklären:

1) Es ift eine angemessene Schuldentilgung auf gesetlicher Grundlage zu erstreben.

2) Im a an die Beschlüsse der Budgetkommission und des Abgeordnetenhauses vom 30. Mai resp. 28. Juni 1893 ift eine Aenderung des Geseßes vom 27. März 1882 herbeizuführen, welche die über einen bestimmten Betrag hinausgehenden Ueberschüsse der Staatseisenbahnverwaltung der Verwendung für allgemeine Staats- verwaltungszwe>e entzieht.

3) Die dauernde Ordnung der Staatsfinanzen verlangt, daß eine feste Abgrenzung der Beiträge Preußens für die Bedürfnisse des Reichs erfolgt und daß leßteres nicht allein für die Aufbringung der für seine Aufgaben nothwendigen Mittel aus den ihm ver- fassung8mäßig zustehenden Quellen, sondern au< für Ueberweisungen an die Einzelstaaten in einer die Matrikularumlagen übersteigenden Höhe Sorge trägt. :

Abg. Dr. Enneccerus (nl.): Die Ausführungen des Abg. Richter hat bereits der Finanz-Minister am Schluß der leyten Vorlesung (Heiterkeit) überzeugend widerlegt. Jh hätte nicht geglaubt, daß man fh auf der äußersten Linken der Nothwendigkeit verschließen würde, das Verhältniß der Ueberweisungen zu den Matrikularbeiträgen wo- möglih dauernd festzulegen. Bei der lex Huene und der Steuer- reform haben die Abgg. Richter und Rickert auf das \chärfste darauf hingewiesen, wie gefährlih es sei, einem Finanzwesen, Staat oder Kommune \{wankende Einnahmen zu überweisen, welche zu dauernden Ausgaben verleiten, dann ausbleiben und die Finanznoth zur Folge haben. Herr Richter operiert mit Durchschnittszahlen aus langen Perioden; beim WVergleih der einzelnen Jahre sind die Schwankungen aber sehr bedeutend. In den Jahren 1885/86 bis 1887/88 hat das Reich zusammen 39 Miüionen den Einzelstaaten mehr überwiesen, als es an Matrikularbeiträgen bekam, alfo durdschnittli<h 13 Millionen jährli<h; in den drei folgenden Jahren betrugen die Uebershüsse der Ueberweisungen über die Matrikular- beiträge 285 Millionen oder durhschnittli<h 95 Millionen. 1889/90 hatte das Mehr an Ueberweisungen den höchsten Stand mit 1374 Millionen; im Etat für 1894/95 haben wir dagegen ein Minus an Ueberweisungen gegenüber den Matrikularbeiträgen von 5357 Millionen, welches allerdings dur< fkünstlihe Etatsaufstellung auf dem Papier auf 8 Millionen vermindert ist: d. i. gegen 1889/90 immer no<h ein Unterschied von 145 Millionen. Daß dabei eine ordentlihe Finanzwirthshaft ni<ht mehr möglih<h ift, müßte Jedem, welher Partei er au< angehört, klar sein. Die \chädlihe Wirkung der Schwankungen auf die Finanz- gebahrung der Einzelstaaten is au<h deutli<h genug hervor- getreten. Zu einer Zeit wies niht nur die Negierung mit einem ge- wissen Stolz auf die trefflichen Finanzen Preußens hin, sondern sprachen au< Herr Nichter und seine Freunde von einem Schwimmen im Ueberfluß. Dadurch kamen wir zu vielleiht nüßlihen und wün- \chensrwerthen Ausgaben, die aber doh die Kraft des preußishen Staats fehr bedenklih in Anspruch nahmen. Es find etwa 100 Millionen neue Ausgaben geschaffen, ein Zurü>kshrauben derselben ift niht mehr möglih:; die Einnahmen, auf welchen sie basieren, find aber zurü>- gegangen, sowohl was die Ueberweisungen, wie auh die Ueberschüsse der Eisenbahnen betrifft. Nun kommt der Ruf nah neuen Steuern im Reiche. Wenn wir jeyt nicht eine Barrière dagegen errichten, wird fih dasselbe Spiel naturgemäß wiederholen, wenn infolge der neuen Reichssteuern die Ueberweisungen wieder größer werden und auch die Eisenbahneinnahmen sih wieder heben. Das ist eine Schraube ohne Ende. Der Fundamentalsaß „Wer die Ausgaben beschließt, muß auh für die De>ung sorgen“, muß auch im Reiche zur Ein- führung gelangen. Das einfahste wäre die Aufhebung der Matri- lularbeiträge und der clausula Frandenstein. Beides ist aber außer- ordentlih s<wer zu erreihen, und es bleibt nur übrig der Weg einer Festlegung der Matrikularbeiträge und der Ueberweisungen auf 5 Jahre Das bedeutet ein vernünftiges, vorsihtiges und wirk- sames Provisorium, aus welchem wir voraussichtlih zu einem De- finitivum gelangen. Bei den Matrikularbeiträgen handelt es si ni<ht um ein Palladiîum der Freiheit, . sondern um ein Subtraktionsexempel. Auh sind dieselben von Anfang an nur als eine provisorishe Maßregel betrahtet worden. Dur< Amendement is in die Verfassung die Bestimmung hineingekommen, daß Matrikularbeiträge nur fo lange erhoben werden sollten, als das Reich keine eigenen Steuern erhebt; allerdings ift nur von direkten Steuern die Nede. Durch die veränderte Finanz- politif ist das Neich zweifellos in der Lage, seine gesammten Aus- gaben zu de>en. Die Matrikularbeiträge, früher eine Aushilfe, sind jeßt eine unnöthige Belästigung der Einzelstaaten, und es ist wünschens- werth, wenn au nicht auf verfassungömäßigem Wege, so de that- \ächlih die Matrikularbeiträge zu bescitigen, indem man ein Ueber- schießen derselben über die Ueberweisungen ausschließt. Die dritte Resolution is die wichtigste. Jch halte Mehrüberweisungen nament- li<h im Interesse der finanzunkräftigen Einzelstaaten für sehr wünschens- werth. Aber i< würde au< jeder Ordnung zustimmen, welche Matrifkularbeiträge und Ueberweisungen balancieren läßt. Verlangt man heute 40 Millionen Mehrüberweisungen, so kann nach fünf Jahren jemand 60 Millionen verlangen oder si<h mit 20 begnügen. Die Aussicht auf dauernde Regelung wäre bei Wegfall solher Mehr- überweisungen größer. Der Abg. Bachem hat auf das rasche An- wachsen der Reichsschuld hingewiesen, er widerseßt si<h der Reichs- Finanzreform, weil er die Nothwendigkeit, im Reiche mit einer regel- mäßigen Schuldentilgung vorzugehen, für no< größer hält als die Nothwendigkeit der Üeberweisungen an die Einzelstaaten. Allerdings ist eine solhe Schuldentilgung nothwendig, zumal die fast 2200 Pil lionen Reichéshulden zu 1/20 für unproduktive Zwecke verwandt wurden. Aber Abg. Bachem hat bei seinem Hinweis auf das Steigen der direkten und indirekten Steuern übersehen, daß man alle Minder- wohlhabenden mit einem Einkommen unter 900 # von den direkten Steuern befreit hat, daß also die direkten Steuern die ihnen natur- gemäß innewohnende Steigerung nicht erreichen könnten. Dazu sind alle direkten Steuern in Gemeinde, Kreis, Provinz, Schulverband, Kirche mit ganz vershwindenden Ausnahmen auf die direkten Steuern basiert. Wenn man diese Summen zusammenrehnet und erwägt, welche Last in vielen Gemeinden die e zur Einkommensteuer bilden, dann ist es sehr fraglich, ob man ohne Schädigung der Finanzkraft des Volkcs und ohne allergrößte Ershwerung der Steuerlast an eine erhebliche Vermehrung der direkten Steuern denken kann. Der Abg. Richter hat den Bericht und die gestrige Berathung als ein Nückzugsgefeht be- ¿cichnet, welches der Finanz: Minister veranlaßt habe, um das Scheitern

seiner Finanzreform enicirmanes zu verde>en. Heir Richter unter- äßt die Person des Finanz-Ministers, wenn er glaubt, daß, wenn ein Jo großes Werk _m<t auf den ersten Anhieb gelungen ist, dieses Werk aufgegeben wäre oder werden könnte. Herr Richter untershäßt au die Sache; denn wenn fih das deutshe Volk au<h im großen und ganzen niht mit Finanzfragen beschäftigt, so wird es do soviel ver- stehen, daß es si hier um eine Frage der Solidität unseres Finanz- wesens handelt. Der Deutsche, der Gottlob! in seinem eigenen Finanzgebahren als solide bezeihnet werden kann, wird auf die Dauer nicht einer Finanzgebahrung zustimmen, die dahin führen muß, Reich und Staat immer tiefer und tiefer in Schulden hineinzubringen, sodaß unsere Kinder und Kindeskinder zehnfah und hundertfah mit Zinsen und Zinseszinsen belastet werden. __ Abg. Ri>kert (fr. Vgg.): Dieser ganze Bericht, im wesent- lihen wohl eine Arbeit des Herrn Sattler, ist ja sehr dankenswerth, aber doch sehr angreifbar. Die Resolutionen 1 und 2 sind sehr harti- los. Jch stehe hier ganz auf dem Standpunkte des Finanz-Ministers, der mit einem gewissen Humor äußerte: die Resolutionen hätten ganz vernünftige Gedanken, aber die Budgetkommission hätte ihm sagen sollen, woher er die Mittel dafür bekommen solle. Jn Bezug auf das Eisenbahngarantiegeseß verweise ih auf eine Nede des Finanz- Ministers im Herrenhause gegenüber dem Ober - Bürgermeister Braesi>ke. Er sagte, die Finanzverhältnisse ließen si< in diesem Augenbli> garniht übersehen, und vor 5 bis 6 Jahren könne man faum an eine durchgreifende Nevision des Garantie- gesetzes von 1882 gehen. Die Art und Weise einer solchen Revision hänge von der éine einer Reihe s{<wieriger Vorfragen ab. Mit diesen s{hwierigen Vorfragen hat die Budgetkommission weder sih no< uns belästigt. Ueber die Frage, wie ih die Finanzlage im Reich und in Preußen in den nächsten Jahren wahr- \cheinli<h entwi>deln wird, s\prehe i< mi<h heute absichtlich niht aus. Ein gewissenhafter Volksvertreter kann in dieser Be- ziehung kein Engagement übernehmen. Die Gestaltung des Haus- halts hängt ab von der Ernte, den eingehenden Zöllen und von der ganzen wirthschaftlihen Entwi>klung, die wir no<h nicht übersehen können. Allerdings würden wir Defizits hier und im Reich durch eine Vermehrung der Einnahmen verhindern müssen, aber den von dem Finanz-Minister vorgeshlagenen Weg können wir nicht betreten. Er hat gemeint, die öffentlihe Meinung in Deutschland werde si< der Ueberzeugung ni<t verschließen, daß eine Auseinanderseßung zwischen Reich und Einzelstaaten nothwendig sei. Es ist aber noch garniht \o lange her es war am 1. April 1889 da hat der (ho Ober-Bürgermeister Miquel s< gegenüber dem Finanz- Minister Scholz ganz anders ausgespro<hen. Er hat damals zugestanden, was er gestern für ein Märchen erklärte, daß die indireïten Steuern vorzugsweise die arbeitenden Klassen treffen, und daß es na< der erhebli<hen Vermehrung der indirekten Steuern niht angezeigt erscheine, wieder auf diesen Weg zu treten. Hat sih denn etwa seit fünf Jahren die Welt fo geändert, daß man zu einem entgegengeseßten Resultat kommen müßte? Auch im Reichstag hat sih der Widerstand gegen die Reichsfinanzreform gezeigt. Bei der Annahme der Militärvorlage ging man davon aus, daß die leistungsfähigeren Schultern belastet werden follten, ev. durch eine Reichs-Erbschaftssteuer. Auch die Nationalliberalen haben diesen Standpunkt vertreten, so der Abg. Osann, und mit vollem Recht. Dem Finanz Minister ist das lächerlich! Mit einem solchen Verfahren untergraben Sie das Vertrauen. Der Abg. Bebel hat gleich gesagt, daß es anders fommen würde. Die Abgg. Siegle und Clemm und nationalliberale Versammlungen in Stuttgart und Speier haben erklärt, daß sie niht auf den Standpunkt der Neichs- finanzpläne träten. Auch das Hauptblatt der Nationalliberalen in Berlin hat die ganze Reform einen Automaten genannt, der nichts hergiebt, wenn er niht vorher gefüllt ist. Am meisten haben mich die Ausführungen des Finanz-Ministers über die Matrikular- umlagen gewundert; er sagt, sie seien eine rein fkalkulatoris<he Arbeit. (Gelächter re<ts.) Daß Sie (rets) dieser Meinung sind, weiß ih ja längst. Sowie es si< um konstitutionelle Fragen handelt, sind Sie nicht zu haben (Erneutes Gelächter re<hts), das verlange ih auch garniht von Ihnen. Aber ih sehe denselben Mann vor mir, der das große Verdienst hat, die Matrikularumlagen in ihrer kon- stitutionellen Wichtigkeit erkannt und jahrelang mit uns vertheidigt zu habea. Herr Miquel ist es do< gewesen, er hat sie eingeführt, und jeßt sagt er: wir bildeten uns ein, die Matrikularumlagen sfecien kon- \titutionelle Garantien. Sie haben heute no< denselben Werth wie 1867. Ja, der Minister Camphausen, das war doh ein ganz anderer Mann! Der sagte: Ich bin der Meinung, daß der Reichstag auf dieses Recht nicht würde verzichten können, ohne seine Stellung erheb- lich zu beeinträchtigen. Wie denkt sih Herr Enneccerus die Victurg des Verhältnisses? Beweglichkeit ist do< das, wona der Liberalismus immer gestrebt hat. 1878/79 haben wir dem Hause die Quotisierung der Einkommensteuer vorgeschlagen als unbedingt nothwendig im Inter- esse einer geordneten Finanzwirthshaft. Jn der Socmncifsion haben damals alle Mitglieder, von denen eine große Zahl no<h heute dem Hause angehört, mit Ausnahme des Grafen Limburg-Stirum, der id hier konsequent geblieben ist, dafür gestimmt. Der Abg. Benda hat damals gesagt: Die \teuerlihe Ausbeutung des Reichs zur Aus- hilfe von Einzelstaaten darf niht bei Gelegenheit oder periodisch wiederkehren. Und heute trägt man \si< mit dem Gedanken, die Matrikularbeiträge einfa< zu beseitigen! Die Besteuerung des Tabaks in England kann man nit mit der unsrigen in eine Parallele stellen; in England hat sie einen ganz anderen Ursprung und eine ganz andere Entwickelung. Und wenn Sie bei uns die Last der Schußtzölle hinzurehnen, so kommt eine größere Belastung an Steuern auf den Kopf der Bevölkerung als in dem reihen England heraus. Hat der Finanz-Minister niht die englishe Erbschafts- steuer studiert, die Hunderte von Millionen einbringt und die das englishe Ministerium no< erhöhen will? Wir vergessen die Be- dingungen nicht, unter welchen die Wähler mit der Vêilitärvorlage einverstanden waren, daß nur die tragfähigen Schultern belastet werden sollen. Und warum die Eile mit dieser angeblihen Steuer- reform? Wir befinden uns in cinem Uebergangsstadium. 1895 be- kommen wir die neue Vermözenssteuer, die lex Huene wird auf- ehoben, die Realsteuern werden überwiesen. Ist das der rechte eitpunkt für eine solhe Reform? Die Wurzel der nationalen Hoheit ist der Kaiser und der Reichstag. Was soll es nun bedeuten, wenn man die Einzel-Landtage gegen die einzige wahre Volksvertretung mobil macht? (Gelächter re<ts.) Und wenn Sie, die auf Grund des elendesten aller Wahlsysteme gewählt sind, si< aufbäumen gegen die Autorität des Reichstags, so werden Sie nur noch weniger an Autorität sih erhalten als jeßt. (Gelächter re<ts.) Die preußishen Abgeordneten im Reichstag in der freikonservativen, konservativen und nationalliberalen Partei haben nur 101 Stimmen, die Gegner u unserer Seite dagegen 135. Jst das wirklich eine kluge Politik, err Finanz-Minister, wenn Sie ih auf diese Ma- jorität hier süßen wollen? Ich bedauere, daß der Finanz-Minister nach seiner Vergangenheit sich dazu hergiebt, den aon Landtag egen den Reichstag auszuspielen. Da lobe i< mir no< das bayerische bgeordnetenhaus und die badishe Kammer, die einen solchen Versuch einfa zurückwiesen. Eine Volksvertretung sollte sih hüten, ihr An- sehen und ihre Autorität unnützer Weise aufs Spiel zu feßen. In welchem Lichte werden Sie erscheinen, wenn Sie jeßt zur hre des N zu retten glauben, was nicht zu retten ist? Der Reichstag wird sih an Jhre Resolutionen niht kehren, und für mich

wäre es ein {mähli<er NhEgan in nationalliberaler Beziehung,

wenn partikulare Landtage mit Erfolg sih herausnehmen könnten, auf den Reichstag einzuwirken, wie Herr Miquel es wünscht.

Finanz-Minister Dr. Miquel:

Meine Herren! Der Abg. Dr. Ri>ert hat den Ausdru> ge- brau<ht: er bedauere, daß ih nah meiner Vergangenheit mi<h dázu hergäbe, den preußischen Landtag gegen den Reichstag auszuspielen. Ich nehme dem Herrn Abg. Ri>kert diese Ausdru>sweise nicht übel, die, wenn ih es thäte, wohl einen Ordnungsruf verdiente, aber ih weiß, er meint das nicht so übel. (Heiterkeit re<ts.) Man ist das gewöhnt, und deswegen gehe ih darüber hinweg, aber ih will glei auf diese Frage näher eingehen. Die Behauptungen, welche jede organische finanzielle Auseinanderseßzung zwischen Reich und Einzelstaat perhorres- cieren, welche sagen, es foll alles beim alten bleiben, die Einzelstaaten follen immer mit Sorge und Angst nah Berlin sehen, na<h dem Reichstag, ob sie zu zahlen oder zu empfangen haben, sie follen von heute auf morgen niht wissen, ob ihre Finanzen deroutiert und in Verwirrung gebra<ht werden oder ni<ht. Der Reichstag mitsammt der Reichs-Regierung soll anstatt eines Wohlthäters für die deutsche Entwickelung und die der Einzelstaaten ein Gegenstand des Unbehagens für die deutshe Bevölkerung sein. Die Dinge follen sh nit bloß nit verbessern, sondern, was ganz naturgemäß eintreten muß, von Tag zu Tag verschlimmern. Diese kurzsihtigen Politiker gefährden unsere ganze deutshe Reichsentwi>klung, (sehr richtig! re<hts) die nur bestehen kann, in gedeihliGher Weise, wenn Einzelstaat ‘und MNReich in Harmonie sind. Sie fkon- fervieren den wachsenden Gegensaß zwischen Reih und Einzelstaaten, während wir ihre harmonishe Entwi>kelung sihern wollen. Und da soll dies Bestreben der Reichsentwi>kelung entgegen sein, wenn hier in einer no< ungelösten Frage die Einzelstaaten dem Reich gegenüber erklären, wie sie von ihrem Standpunkt die Sache ansehen. Wir hoffen no< immer, daß der Reichstag \{ließli< fi<, wenn au< niht heute, so do< siher morgen der Nothwendigkeit einer folhen MNeform im Interesse des Deutschen Reichs sowohl wie im Interesse der Einzelstaaten niht verschließen wird, und ih glaube allerdings, daß, wenn eine Volksvertretung wie die preußische diese Nothwendigkeit im Interesse der Einzelstaaten betont und au<h zugleih im Interesse des Reichs, das doch auf die Herren im Reichs- tag einen. gewissen Eindru> wenigstens mahen muß. Meine Herren, wir werden abwarten, ob ni<t die einzelnen Landtage, die sich fast {hon ausnahmslos im allgemeinen in dem Sinne der Nothwendigkeit einer sol<hen Sicherung ihrer Finanzen ausgesprochen haben, ob sie niht no<h entschiedener in Zukunft diesem Beispiel des preußischen Landtags folgen werden. Wenn die Konsequenzen der Ablehnung einer solchen Reform erst in den Landtagen bei den Regierungen find sie längst klar völlig zum Bewußtsein kommen, wenn die Wähler dieser Landtage die Konsequenzen einer solchen negativen Haltung der Reichs- Vertretung klar erkennen, so werden wir ruhig abwarten können, wer \{ließli< die Niederlage erleidet. Man spriht immer von einer Niederlage, die ih erlitte. Jch bin in dieser Frage ein Vertreter des preußishen Partikularstaats, der als solcher natürlid au<h das leb- hafteste Interesse an der Reichsentwi>kelung nimmt, aber ih bin do< nur Einer von Allen. Diese Politik hat der Reichskanzler, haben sämmtliche verbündeten Regierungen acceptiert, und wenn * dieser Versu<h der Herstellung einer dauernden Ordnung der Finanzen sceitert, so - bin i< in guter Gesellshaft. Jch würde umsomehr in guter Gesellshaft sein, wenn ih mi überzeugte dur< das Votum des hohen Hauses, daß ih au< in Uebereinstimmung handelte mit der berufenen Vertretung des preußishen Volkes. (Beifall rets.) Das is} die leidige Manier, die namentlich diejenigen Herren sih am ehesten aneignen, die sih am meisten mit der Presse beschäftigen : große sahlihe Fragen immer zu- zuspizen auf persönliche Fragen. (Sehr richtig! re<ts.) Jch kämpfe hier niht den shweren Kampf, die preußischen und Reichsfinanzen auf feste Füße zu stellen, in meinem Interesse und zu meinem Vergnügen. Ih thue damit meine Pfliht und Schuldig- feit, und ob ih dabei persönlih meine Bestrebungen nicht durchsete, ist sahli<h ganz glei<h. Ih würde es nur bedauern für die Sache und in Bezug auf die zukünftige friedlihe Entwickelung unseres deutshen Staatswesens. Diejenigen sind allerdings in. dem gewöhnlichen Sinne keine Partikularisten, die das, was das Reich an Ausgaben beschlossen hat, zahlen lassen wollen dur die Einzelstaaten ; denn sie können ja sagen: wir sind Patrioten, wir hüten das Reich, wir ziehen die Einzelstaaten heran. Aber in der Wirkung würden sie die größten partikularistishen Erfolge erreihen; denn daß ein folher Zustand \{<ließli< im ganzen Reich die größte Mißstimmung erregen wird, darüber kann nit der geringste Zweifel sein. (Sehr richtig! re<ts.) JF< komme nun auf den anderen Vorwurf, den der Herr Abg. Ri>ert mir gemacht hat, daß ih heute die Matrikularumlagen so gering \chäße, während ih sie früher als Palladien konstitutioneller Freiheit bezeihnet hätte. Er is ebenso fals<! I<h habe ja 1867 bei Ge- legenheit der Berathung der Verfassung des Norddeutschen Bundes in einer ausführlihen Darlegung ausgeführt, daß die Matrikular- umlagen nur ein Provisorium seien, niemals eine dauernde Grund- lage für das Verfassungswesen des deutschen Staats, und wenn der Herr Abg. Ri>ert, der ja die Gewohnheit des Nachschlagens von alten Reden hat (Heiterkeit), ganz loyal gegen mich verfahren wäre, so hätte er diese grundlegende Darlegung vom Jahre 1867 do< au< wohl mitzitieren können. (Abg. Ri>ert : Ich habe fie hier!) Ja, um fo mehr bedauere ih, daß Sie sie vers<wiegen haben. (Heiterkeit.)

Meine Herren, in dieser Rede habe i< auch namentli ausge- führt, wie innerlih ungere<t diese Matrikularumlagen find, wenn fie über die Ueberweisungen hinausgehen; daß sie nihts weiter find als eine klägliche Kopfsteuer des Mittelalters. Ih habe verglichen den Walde>er Bergbewohner und kleinen Bauern mit dem reihen Bürger von Hamburg und sagte, wenn beide einfa<h na< ihrer Person heran- gezogen würden, so ist das eine große Ungleichheit; wir müsse zu