1894 / 106 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Gesänge, Fest- und Kriegsmusik zu Deuts{lands Ruhm und zur Er- innerung an Freund und Feind“, die einheitli<h unter dem Namen _„Lâtare srmengas nd und Melodien und Weisen aus fe<s Jahrhunderten um theil in vortreffliher Bearbeitung umfassen;

8 leßtere tüu>d \<loß mit der preußishen National- bymne ab, die in fast überwältigenden, klaren Lans den weiten Raum erfüllte. Mit Jhren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin hatten sih alle Hörer bei der Hymne von ihren

Pläten erhoben. Den S({luß der Aufführung bildete wiederum mä<htige Fanfaren-Musik, und als die Majestäten die Loge verließen, hatten alle Anwesenden sih von den Pläßen erhoben und stimmten aus begeisterten Herzen in ein erneutes Hoh auf Seine Majestät den Kaiser ein.

Im Königlichen Ryan e werden morgen „Cavalleria rusticana“ und „Der Barbier von Sevilla“ (Frau Herzog, Herren Lieban, Bulß, Mödlinger) gegeben.

In der morgen zum Besten der Genossenschaft deutsher Bühner- angehöriger im Königlihen Schauspielhause stattfindenden Neuaufführung von Shakespeare’'s „Wintermärhen“ wird Kapell- meister Sucher die Flotow’she Musik dirigieren. Die Uebersetzung von Franz Dingelstedt ist beibehalten; indessen wurden des Bearbeiters Zusäße entferat und verschiedene von Dingelstedt gestri<hene Scenen wieder hegen Ult. /

Am Sonntag, dem ersten Pfingstfeiertag, kommt im Deutschen Theater „Geographie und Liebe“, am Montag, dem zweiten Feter- tag, „Der Herr Senator“ zur Aufführung.

Im erliner Theater ist für die Pfingstfeiertage folgender Spielplan festgestellt worden: Sonntag (1. Feiertag) Nach- mittags „Eva"; Abends zum leßten Male „Narciß“ mit Ludwig Barnay în der Titelrolle; Montag (2. Feiertag) Nachmittags „Julius Cäsar“; Abends „Das Glas Wasser“. Am Dienstag findet eine Ge- fammtaufführung der Schiller’shen Wallenstein-Trilogie ftatt, so zwar, daß am Nachmittag „Wallenstein's Lager“ und „Die Piecolomini“ zur Darstellung kommen und Abends mit „Wallenstein's Tod“ der Beshluß gema<t wird; Stephanie Hildberg vom Stadt-Theater zu Hamburg wird in dieser Vorstellung die Thekla spielen, während Ludwig Barnay sowohl in der -Nach- mittags- wie in der Abend-Aufführung den Wallenstein darstellen wird. Der Billetverkauf zu sämmtlichen Feiertagsvorstellungen (fowohl Nachmittags, als Abends) hat heute Vormittag an der Kasse des Theaters begonnen.

Für die Wiederaufführungen von „Madame Sans-Gêne“ mit Jenny Groß in der Titelrolle, welhe an den beiden Pfingstfeiertagen und dem darauf folgenden Dienstag im Lessing-Theater :att- findet, hat der Vorverkauf der Eintrittskarten an der Tageskafse be-

reits begonnen. Á Den Direktoren des Konservatoriums Klindworth- Amalie Joachim

Scharwenka hierselb if es gelungen, Frau dur< einen mehrjährigen Kontrakt für ihr Institut zu gewinnen. rau Joachim verlegt am 15. September d. J. ihren ständigen Wohn- von München na< Berlin. Anmeldungen für ihre am 1. Oktober eginnenden Lehrkurse in der Gesangskunst sind von jeßt ab an die Direktion des Konsfervatoriums Klindworth-Scharwenka, Potsdamerstraße 20 und 35, zu richten.

Berlin,

Manuigfaltiges.

Die Trauerfeier für den verstorbenen Chef des Welthauses Rudolph Hertog hat heute unter Betheiligung Tausender in erhebender Weise stattgefunden. Die Dreifaltigkeitskirhe, die Stätte der weihevollen Feier, war in einen ernsten Trauerraum umgewandelt. Die ganze Altarnische war s{hwarz ausgeschlagen, nur die drei Altar- bilder, die der Entschlafene zum 200 jährigen Jubiläum der Kirche. estiftet hat, waren frei geblieben. Das mittelste derselben tellt den gekreuzigten Christus, das linke die beiden Propheten, die auf die Leiden Christi hinweisen, das rehte Johannes und Maria dar, die über den Tod des Heilands trauern. Ein Palmenhain umgab den vor dem Altar aufgebahrten Sarg aus Eichenholz, den kost- bare Schnigßereien zierten. Schon vor Beginn der Feier waren über 800 Kränze im Geschäftshaus und in der Privatwohnung des Ver- storbenen eingegangen. Nur ein Theil derselben konnte in den Geshäfts- wagen des Hauses nach der Kirche überführt werden, da der Altarraum für alle Palmen und Kränze bei weitem niht Plaß bot. Unter allen Spenden der Liebe und Verehrung zeichnete fich vor allem der Riesen- Franz aus, den das Geschäftspersonal „seinem he<verehrten, unver- geßlichen Chef“ gewidmet hatte. Der Stadtrath zu Karlsbad hatte „feinem unvergeßlichen Gönner und treuen Kurgast* einen Kranz mit breiter, {<warzer Schleife gewidmet. Die Gedenkrede hielt der greise Pastor Stehow, anknüpfend an das Psalmenwort vom

Leben, das, wenn es köstlh, Mühe und Arbeit gewesen. Der Trauerzug, den 220 Hausdiener des Geschäfts mit den Kranz- spenden eröffneten, bewegte fi<h dur< das Brandenburger Thor und dur die Friedensallee nah dem Trauerhaus in der Roonstraße, von pessen Zinne drei s{<warze Fahnen wehten, während die Fenster des Arbeitszimmers mit Flor und Trauerfahnen umfäumt waren. Jn langsamem Zuge ging es am Trauerhause vorbei und dann hinaus nah dem Kirhhof in_ der Liesenstraße, wo hundert Angestellte des Ds mit Palmen Spalier bis zur Gruft bildeten. Unter ernstem ebet erfolgte dann die Beisetung.

Der Verein Mädchenhort hielt am Sonnabend im Bürger- saale des Rathhauses unter Vorsiß des Direktors Rose seine 10. Jahres- versammlung ab. Der Verein hat im leßten Arbeitsjahr in seinen \fe<s Anstalten 364 Mädchen in ihrer \chulfreien Zeit erzogen, in Hand- und Hausarbeiten unterwiesen und zur Anfertigung der Schul- aufgaben angehalten ; 97 wurden im Laufe des Jahres neu aufgenommen, 91 entlaffen; zwei davon ftarben, eine schied wegen Krankheit aus, 5 wegen Konfirmation ; 27 verließen die Anftalt, weil sie zu Hause gebrau<ht wurden, 16 wegen Veränderung der häuslihen Ver- hältnisse, 4 wegen Umzugs; 22 blieben ohne Angabe des Grundes weg, 10 wurden wegen s{le<ten Betragens ausgeschlossen. 4 von der Ge- fammtzahl der Zöglinge waren Waisen, 149 Tôchter von Wittwen, 15 Töchter von Wittwern, 29 solche von Eheverlassenen. Die Mehr- zahl stand im Alter von 8 bis 11 Jahren, über 13 Jahrë alt waren nur 11. Ihre Majestät die Kaiserin Friedrih besuchte wiederholt die Anstalten, die in den zehn Jahren etwa 2000 Mädchen in Obhut gehabt haben. Die städtishen Behörden be- willigten einen jährlihen Zuschuß von 1500 # und über- wiesen in zwei Gemeindeshulen miethfreie Räume. Die Frauen- gruppe der Vereinigung für soziale Hilfsarbeit stellte Helferinnen. Geplant werden neue Horte im Südosten, im Osten und in Moabit. Der Kassenberiht wies mit Einschluß von 1365 & Bestand 20 704 4 Einnahmen und 19 725 6 Ausgaben auf, von wel<h leßterer Summe 8927 M zinsbar angelegt worden find. Das Vermögen des Vereins beträgt zur Zeit 36 466 4.

Kapitän Spring, Kaiserlicher Lieutenant z. See d. R., der fich mehrere Jahre in Ost-Afrika aufgehalten und die Interessen des Anti- sflaverei-Comités dort vertreten hat, wird morgen Abend in der Urania seine Reifeecrlebnisse und Kämpfe mit den afrikanischen Stämmen in einem von zahlreichen Lichtbildern begleiteten Vortrag „Von Bagamoyo nach dem Victoria Njansa“ schildern. Am Donnerstag wiederholt Herr Professor Dr. Müllenhoff seinen Vortrag Ueber Lustschiffahrt“, am Sonnabend den „Ueber den Flug des Menschen“.

Nor dem Deutshen Sprachverein Berlin wird morgen Abend 8$ Uhr im Wirthshause zum Schultheiß, Potsdamerstr. 13, Herr Prediger a. D. Dr. Schrader einen Vortrag halten über : „Das A in fprahlihen Bildern und Gleichnissen“. Gäste find will- ommen.

Das neue Orchester des Kroll’shen Etablissements, welches, wie s<hon gemeldet, Herr Kapellmeister Paul Prill leitet, wird in jeder Woche ein Symphoniekonzert veranstalten. Einen sehr angenehmen Aufenthalt wird die große Terrasse an der östlichen Hauptfront gewähren. Diese in Halbsto>höhe gelegene, bisher unbe- nugte Terrasse mit dem Ausbli> auf den Königsplatß und den Thier- garten, ift sorgfältig renoviert worden und erhält eine Zeltüberdachung. Die Terrasse wird mit Tischen und Stühlen beseßt; hier sowie auf den angrenzenden Seitenterrassen werden gegen tausend Personen im

reien bequem Play finden. Die Wiedereröffnung des Kroll’schen tablissements ist sür Ende dieser Woche in Aussicht genommen.

Bromberg, 6. Mai. Jahr 1895 hier geplanten

Das vorbereitende Comits der für das Industrie- und Gewerbe-Aus- stellung hat seine Arbeiten / beendet. Wie die „Ostdeutsche Presse“ mittheilt, find bereits 70000 4 als Garantiefonds - gezeichnet. Für den Abend des 10. Mai ist eine allgemeine Versammlung aller Gewerbetreibenden und Interessenten anberaumt. Das Comitó wird über seine bisherige Thätigkeit Bericht erstatten und dann die Wahl eines definitiven Ausf\tellungs-Comités beantragen.

Curhaven, 5. Mai. Bei Nordweststurm stieß laut Meldung des „W. T. B." heute Mittag der Bergungéödampfet „Newa“ auf das Wrack des „Daoiz“ (?), sodaß dessen Propeller in den Maschinenraum der „Newa“ drang und- leßtere sank. Die Mann- {aft wurde bis auf den Kapitän gerettet. Die Leiche ist auch bereits bier angetrieben und geborgen.

Vom Rhein. Soeben erschien Flugblatt Nr. 140 ‘deg Vereins für <ristli<he Volksbildung „Was uns noththut“. Dieses Flugblatt is zur Verbreitung in Gemeinden, Vereinen Sonntagsschulen 2c. zu empfehlen. Preis für 100 Exemplare 1,50 6 ohne Porto; zu beziehen dur<h den Sekretär Goerke in M.-Gladbac.

Graz, 6. Mai. Ueber die Rettungsarbeiten an der Lugloc- höhle wird dem „W. T. B.“ weiter berichtet: Heute wurde eine Be Meter \tarke Wand nah dem Lugloh durhgeslagen und amit der Tümpel erreiht, von wo ein no< tnundierter Kamin aufzusteigen beginnt. Im Laufe der Naht wird der Versuh gemaht werden, dur<h Sprengung in den tro>enen Theil des Kamins zu gelangen. Im Fall dieser Versu<h resultatlos bleiben follte, wird die Stauvorrichtung in Thätigkeit geseßt werden, um den Wasserstand zu verringern und in den Kamin eindringen zu können. Oberhalb des Schlurfs grähbt man einen Stollen, welher morgen fertiggestellt wird und die Ver- bindung mit dem Höhlen-Innern vermitteln foll. Der bekannte Kunst- {<wimmer Groebel ist gestern Nachmittag von Wien nach der Luglochhöhle abgereist und will versuchen, dur eine Leine eine Verbindung mit den in der Höhle Eingeschlofsenen herzustellen, um die Beförderung von Lebensmitteln und die Erleuchtung der Höhle zu ermöglichen. Der Minister des Innern bewilligte die Mittel zur Reise und hat die Behörden angewiesen, Groebel bestens zu unterstüßen. (Vgl. unten die Tel. Dep. nah Schluß der Redaktion.)

__ Mailand, 6. Mai. Heute Mittag fand die feierlihe Er- öffnung der Ausstellung in Gegenwart des Königs und der Königin, des Minister-Präsidenten Crispi, der Miniiter Bosfelli und Baccelli, der Vertretungen des Senats und der Kammer, fowie der S der Zivil- und Militärbehörden statt. In einer mit roßem Beifall aufgenommenen Rede erklärte dem ,„W. T. B." zu- olge der Handels- und A>erbau-Minister Boselli die Ausstellung im Namen des Königs für eröffnet. Die Majestäten, welche überall mit begeisterten Kundgebungen begrüßt wurden, sprachen ihre volle Be- friedigung über die glänzende Ausstellung aus.

Haag, 5. Mai. Die Königliche Kommission, welche unter dem Vorsiß des Ministers Lely das Projekt der Tro>kenlegung des Zuidersees berieth, hat ihre Arbeiten beendet. Von den 26 Mitgliedern der Kommission find, wie dem „W. T. B.“ berihtet wird, 21 für die Tro>enlegung des Sees und für Errichtung eines Damms von Nordholland bis nah Friesland. Die Kosten werden auf 189 Millionen Gulden veranschlagt, oder auf 315 Millionen mit Zinseszinsen; darin sind die Kosten für die Vertheidigungsmaßregeln und für die Schadloshaltung der Fischer des Zuidersees einbegriffen. Die Kommission empfiehlt einstimmig, die Arbeiten dur< den Staat ausführen zu lassen. Durch die Trockenlegung des Sees würden 190 000 ha Boden im Werthe von 326 Millionen Gulden gewonnen werden.

Antwerpen, d. Mai. Die Internationale Ausstellung wurde heute in Gegenwart des Königs, der Königin, der Prin- zessin Clementine, des Prinzen Karl von Hohenzollern sowie des Grafen und der Gräfin von Flandern feierlih eröffnet. Der Präsident des Ausftellungs-Comités Graf de Pret Noose hielt dem ,„W. T. B.“ zufolge die Eröffnungsrede, worauf König Leopold mit einem Hin- weis auf die hohe Bedeutung der Ausstellung erwiderte und sie für eröffnet erklärte.

Nach Schluß der Redaktion eingegaugene Depeschen. :

Spandau, 7. Mai. (W. T. B.) Seine Majestät der Kaiser begab Sich heute Vormittag bei einer früh 61/4 Uhr angetretenen Havelfahrt anläßlich eines in der Ort- haft Gatow ausgebrochenen Feuers dorthin, alarmierte die hiesige Garnison und zog sie zur Hilfeleistung heran.

Graz, 7. Mai, 10 Uhr 30 Minuten Vormittags. So0- eben ist der Taucher in die Lugloh-Höhle ein- gedrungen. Er giebt an, daß Tame tlide Ein- geshlossenen leben und daß deren Rettung zweifellos sei.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

E E E C A A O E R E E E

dr Di

Wett

L

co t

roc

et

t vom 7. Mai, oraens.

Südwest.

land sind stellenweise geringe Niederschläge gefallen. Ueber Deutschland ziehen obere Wolken meist aus

Schauspielhaus: Donnerstag: Frauen. Der eingebildete

rich von Homburg.

Deutsche Seewarte. Montag: Das Wintermärcheu.

Stationen. Wind, | Wetter.

Meeres\p.||

Bar. auf 0Gr.|

red. in Millim. ||= in 9 Celfius

5 C. = 49R

Temperatur

u. d.

[Ey

GOONDODAED

halb bed. halb bed. Negen wolkig!) wolkig beded>t Regen 1/beded>t

Belmullet. . | 756 Aberdeen .. | 752 Christiansund | 749 Kopenhagen . | 758 Sto>holm .| 757

aparanda . 756

t. Petersbg. | 763 ‘Mosfau . .. | 766

. Cork, Queens- Ion. e 753

; Cherbourg. . | 760 t L COS E 757 mburg .. | 758 Z5winemünde | 758 Neufahrwasser| 762 Memel... | 763: \( O 4 761 Zier... | C08 Karlsruhe . . | 760 Viesbaden . | 759 München .. | 761 Chemniß .. | 760 Berlin... . | 760 Lien, | (62 2Beeblait…… . | 762 [S

e d'Aix .. | 761 |NNW E O1 [S Trieft C02 fti 1) Dunst. ? Thau. 3) Thau. 4) Thau. 5) Thau.

Uebersicht der Witterung.

Die Witterung West-Guroyas \teht unter dem Einflusse einer umfangreichen Depression, deren Kern - auf dem Ozean westlih von Norwegen liegt, während

über Rußland der Luftdru> andauernd ho< und

leihmäßig vertheilt ist; bei s<hwa<her vorwiegend idöstlicher bis südwestliher Luftströmung ist das Wetter in Deutschland überall wärmer, im Westen - meist trübe, im Osten heiter, die Temperatur nähert sih wieder ihren Mittelwerthen. In Westdeutsch-

haus.

puri pi

seßt vom

Sevilla.

: L LS, wolkig n Negen Dirigent: bededt 74 Uhr. wolkig ’'heite12?) halb bed, heiter wolkig heiter bededt?) beded>t wolfia

Q 8

S @@Q |_QQ S C8

dO DO

Dingelstedt.

Q

aAaOES Qa O O

Si Ls DD US s ip E D >>

heiter) wolkenlos wolkig

A alb bed. : bededt Früchte.

E O

(Agathe:

E

Genrebild

aarethe :

führung: grit. Puppenfee.

Theater - Auzeigen.

Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern- 117. Vorstellung. cana (Bauern - Ehre). von Pietro Mascagni. namigen Volks\|ü> von G. Verga.

Ober - Regisseur Teßlaff. Kapellmeister Dr. Komische Oper Gioachimo Rossini. von Cefar Sterbini, überseßt von Ignay Kollmann. Kapellmeister

Schauspielhaus. : der „Genoffenschaft deutsher Bühnen-Angehöriger“. Neu einstudiert: Das Wintermärchen. Schau- spiel von William Shakespeare, Bühne neu überseßt und bearbeitet von Franz von Musik von Friedrci<h von Flotow. Tanz von Emil Graeb. Ober-Regisseur Max Grube. direktor Wegener. heiter®) fa Mittwoch : Opernhaus. p M eEe Romantische Oper in 3 Akten von Carl | Held und M. West.

¿aria von Weber.

(na< der glei<hnamigen Erzählun Frl. Gadski vom Stadtth als Gast.) Anfang 74 Uhr.

Schauspielhaus. j Lustspiel in 3 Aufzügen, na< einem 2wischenspiel des Cervantes, von Emil Gött. bura Sie ift stumm. “p von F. Silesius ) m 1 und Tilo von Trotha. ;

Opernhaus: Donnerstag: Falstaff. Slavische Brautwerbung. Fräulein Gadski Bremen, als Gast.) Sonnabend: an die vor hundert Jahren \tattachabte erste Auf-

Die Zauberflöte. : Montag: Mara. Bajazzi. Die | Paul A. Kirstein. Anfang ( Uhr.

j : Mittwoch und folg. Tage: Zerstörtes Glück.

Deutsches Theater.

Senator. Anfang 7$ Uhr.

Cavalleria rusti-| FSreitag: Der Talismau.

Oper in 1 Aufzug Text nah dem gleih- In Scene ge- Dirigent: Der Barbier vou in 2 Aufzügen von Dichtung. nah Beaumarchais,

Magdalena. Anfang 74 Uhr. Mittwoch: Zum 1, M

Dir wie mir.

studiert: Der Geizige.

Muck.

Lessing-Theater. Die Orientreise. Mittwoch: Zum 1. Male.

Weingartner. Anfang

124, Vorstellung. Zum Besten

für die deutsche Gêne mit Jenny Groß.

In Scene gesezt vom Dirigent: Musik- Anfang 7{ Uhr. - Dienstag : 118. Vorstellung. Der | 3 Akten nach Herr Unger.

Dichtung von ra Kind Anfang 7F Uhr.

ugust Apel's). cater in Bremen,

125. Vorstellung. Verbotene

Original-Lustspiel in 1 Aufzug | 7

G. Kruse.) Militärfromm. | 1 © ten von Homy Meilhac, ufzug von Gustav von Moser 71 Übr f

Anfang 74 Uhr í

Freitag: Margarethe. (Mar- vom Stadttheater in Zur Erinnerung burg. Leßte Woche. Zerstörtes Glück. Schauspie

Sonntag: Lohenu-

ranke. Das Wintermärchen. Sonnabend: Prinz Fricd- Sonntag: Vasantasena.

Dienstag :

Mittwoch: Geographie und Liebe. Donnerstag: Der Herr Senator.

Berliner Theater. Dienstag: Maria und

ale. Doktor Robin. (Ludw. Barnay.)

Donnerstag: Narziß. (Ludw. Barnay.)

Dienstag :

(Doppelvorstellung.) Immer zerstreut. An allen drei Pfingstfeiertagen : Madame Saus-

Vorverkauf von heute ab an der Tageskasse.

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. Chausseestraße 2b. Der Vogelhändler. einer Idee des Bieville von L. , Musik von Carl Zeller. Regie: Dirigent: Herr Kapellmeister Krones.

Mittwoch: Der Vogelhändler. Sonnabend: Giroflé-Girofla.

Resideuz-Theater.- Direktion: Sigmund Lauten- Dienstag: Dekorirt (Décoré). Schwank

Vorher: Jm Negligé. Anfang

Mittwoch, Donnerêtag, Freitag: Dekorirt. Sonnabend: Der selige Toupinel.

Neues Theater. Direktion: Sigmund Lauter-4|

Dienstag: l in 3 Akten von

Die gelehrten

rtenu | Theater Unter den Linden. Dienstag: Freitag :

Pariser Leben, Operette von J. Offenbach. Hierauf: Farfarello, Ballet. Anfang 7F Uhr.

Donnerstag: Neu einstudiert: Eine Nacht in Venedig, Operette von J. Strauß.

Adolph Ernst-Theater. Dienstag, 7# Uhr : Charley’s Tante. Schwank in 3 Akten von Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Parodistishe Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. Jacobson und Benno Jacobfon, Musik yon Franz Roth. In Scene geseg! von Ad. Ernft.

Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Dienstag: Siebentes Gastspiel von Emil Thomas. Der Registrator auf Neisen.

Mittwoch: Der Millionenbauer.

B E E E S E P E R I S E R R S S R S Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Auguste von Leveßow mit Hrn. Kapitän Hans von Levezow (Waldenau b. Halsten- be> in Holstein— Hamburg). Frl. Anna von Gruben mit Hrn. Regierungs - Referendar Paul Vanselow (Bromberg).

Verehelicht: Hr. Landrath Frhr. Alexander von Dalwigk zu Lichtenfels mit Freiin Sophie von Ste Nord und Ostheim (Wehrda, Kr.

ünfeld).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Walter von Kal>- reuth (Groß-Nuhnen). Eine Tochter: Hrn. Amtsgerichts-Rath Westphal: (Strieggu).

Gestorben: Verw. Fr. Pfarrèr Henriette Orth, aeb. von Kobilinski (Berlin). Hr. Fi, von Knorr (Dresden). Hr. RNittergutsbesißger I.- Kemper (Sassen). |

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>teret und Verlagds- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr: 32. Acht Beilagen

'(einshließli< Börsen-Beilage), (789) und das Verzeichnis; der gezogenen Pfand-

briefe der V E und

Der Herr

Neu ein-

Niobe und

Operette in

Regie: Richard

Zum 8. Male.

Erste Beilage

zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Montag, den 7. Mai

1894.

„F¿ 106.

Breußzischer Landtag.

Haus der Abgeordneten.

64. Sigung vom 5. Mai 1894.

Der Sigung wohnt der Finanz-Minister Dr. Miquel bei. Eingegangen is} ein Geseßentwurf, betreffend die isherei der Ufereigenthümer an den Privat- [üssen der Provinz Westfalen. / i Den angen Gegenstand der Tagesordnung bildet die Fortsezung der Berathung des Berichts der Budgetkommis- sion über die Finanzlage des preußischen Staats sowie der dazu von der Kommission beantragten drei Reso- [utionen: Í

Das Haus der Abgeordneten wolle erklären:

1) Es ift eine angemessene Schuldentilgung auf geseßliher Grundlage zu erstreben.

2) Im Ba an die Beschlüsse der Budgetkommission und des Abgeordnetenhauses vom 30. Mai resp. 28. Juni 1893 ist eine Aenderung des Geseßes vom 27. März 1882 herbeizuführen, welche die über einen bestimmten Betrag hinausgehenden Ueberschüsse der Staatseisenbahnverwaltung der Verwendung für allgemeine Staats- verwaltungszwe>e entzieht.

3) Die dauernde Ordnung der Staatsfinanzen verlangt, daß eine feste Abgrenzung der Beiträge Preußens für die Bedürfnisse des Neichs erfolgt und daß letbteres nicht allein für die Aufbringung der für seine Aufgaben nothwendigen Mittel aus den ihm ver- fassung8mäßig zustehenden Quellen, sondern au für Ueberweisungen an die Einzelstaaten in einer die Matrikularumlagen übersteigenden Höhe Sorge trägt. |

Abg. Dr. Enneccerus (nl.): Die Ausführungen des Abg. Nichter hat bereits der Finanz-Minister am Schluß der leyten Vorlesung (Heiterkeit) überzeugend widerlegt. Jch hätte nicht geglaubt, daß man h auf der äußersten Linken der Nothwendigkeit vers<ließen würde, das Verhältniß der Ueberweisungen zu den Matrikularbeiträgen wo- möglih dauernd festzulegen. Bei der lex Huene und der Steuer- reform haben die Abgg. Richter und Ri>kert auf das s\chärfste darauf hingewiesen, wie gefährlich es sei, einem Finanzwesen, Staat oder Kommune \{wankende Einnahmen zu überweisen, welche zu dauernden Ausgaben verleiten, dann ausbleiben und die Finanznoth zur Folge haben. Herr Richter operiert mit Durchschnittszahlen aus langen Perioden; beim Vergleih der einzelnen Jahre sind die Schwankungen aber sehr bedeutend. In den Jahren 1885/86 bis 1887/88 hat das Reih zusammen 39 Millionen den Einzelstaaten mehr überwiesen, als es an Matrikularbeiträgen bekam, also durdschnittli<h 13 Millionen jährli; in den drei folgenden Jahren betrugen die Ueberschüsse der Ueberweisungen über die Matrikular- beiträge 285 Millionen oder durhschnittlih 95 Millionen. 1889/90 hatte das Mehr an Ueberweisungen den höchsten Stand mit 1374 Millionen; im Etat für 1894/95 haben wir dagegen ein Minus an Ueberweisungen gegenüber den Matrikularbeiträgen von 534 Millionen, welches allerdings dur< fünstlihe Etatsaufftellung auf dem Papier auf $8 Millionen vermindert ist: d. i. gegen 1889/90 immer no< ein Unterschied von 145 Millionen. Daß dabei eine ordentlihe Finanzwirthshaft ni<ht mehr mögli<h ift, müßte Jedem, welcher Partei er au<h angehört, klar sein. Die schädlihe Wirkung der Schwankungen auf die Finanz- gebahrung der Einzelstaaten is au< deutli<h genug hervor- getreten. Zu einer Zeit wies niht nur die Regierung mit einem ge- wissen Stolz auf die trefflichen Finanzen Preußens hin, sondern sprachen au< Herr Nichter und seine Freunde von einem Shwimmen im Ueberfluß. Dadurch kamen wir zu vielleiht nüßlihen und wün- \chenswerthen Ausgaben, die aber doch die Kraft des preußischen Staats sehr bedenkli< in Anspruh nahmen. Es sind etwa 100 Millionen neue Ausgaben geschaffen, ein Zurückshrauben derselben ist ni<ht mehr möglih: die Einnahmen, auf welchen sie basieren, sind aber zurü>- gegangen, sowohl was die Ueberweisungen, wie auch die Ueberschüsse der Eisenbahnen betrifft. Nun kommt der Ruf nah neuen Steuern im Reiche. Wenn wir jeßt niht eine Barrière dagegen errichten, wird sih dasselbe Spiel naturgemäß wiederholen, wenn infolge der neuen Reichssteuern die Ueberweisungen wieder größer werden und auch die Gisenbahneinnahmen sih wieder heben. Das ist eine Schraube ohne Ende. Der Fundamentalsaß „Wer die Auf gghen beschließt, muß auch für die Deckung sorgen“, muß auch im Reiche zur Ein- führung gelangen. Das einfahste wäre die Aufhebung der Matri- Tularbeiträge und der clausula Frand>enstein. Beides ist aber außer- ordentlih {wer zu erreichen, und es bleibt nur übrig der Weg einer Festlegung der Matrikularbeiträge und der Ueberweisungen auf 5 Jahre Das bedeutet ein vernünftiges, vorsihtiges und wirk- sames Provisorium, aus welchem wir voraussichtlih zu einem De- finitivum gelangen. Bei den Matrikularbeiträgen handelt es sich ni<t um ein Palladium der Freiheit, sondern um ein Subtraktions8exempel. Auh sind dieselben von Anfang an nur als eine provisorishe Maßregel betrahtet worden. Dur<h Amendement is in die Verfassung die Bestimmung hineingekommen, daß Matrikularbeiträge nur fo lange erhoben werden sollten, als das Neich keine eigenen Steuern erhebt; allerdings ist nur von direkten Steuern die ede. Durch die veränderte Finanz- politif ist das Reich zweifellos in der Lage, seine gesammten Aus- gaben zu de>en. Die Matrikularbeiträge, früher eine Aushilfe, sind jeßt eine unnöthige Belästigung der Einzelstaaten, und es is wünschens- werth, wenn au nicht auf verfassungömäßigem Wege, fo doeh that- \sächlih die Matrikularbeiträge zu bescitigen, indem man ein Ueber- schießen derselben über die Ueberweisungen ausschließt. Die dritte Resolution ist die wichtigste. Jch halte Mehrüberweisungen nament- lih im Interesse der finanzunkräftigen Einzelstaaten für sehr wünschens- werth. Aber ih würde au< jeder Ordnung zustimmen, welche Matrikularbeiträge und Ueberweisungen balancieren läßt. Verlangt man heute 40 Millionen Mehrüberweisungen, so kann na< fünf Jahren jemand 60 Millionen verlangen oder sih mit 20 begnügen. Die Aussicht auf dauernde Regelung wäre bei Wegfall folher Mehr- überweisungen größer. Der Abg. Bachem hat auf das rafe An- wachsen der Reichs\chuld hingewiesen, er widerseßt sich der Reichs- Finanzreform, weil er die Nothwendigkeit, im YReiche mit einer regel- mäßigen Schuldentilgung vorzugehen, für no< größer hält als die Nothwendigkeit der Ueberweisungen an die Einzelstaaten. Allerdings ist eine solhe Schuldentilgung nothwendig, zumal die fast 2200 Mil- lionen Reichéshulden zu 1/20 für unproduktive Zwecke verwandt wurden. Aber Abg. Bachem hat bei seinem Hinweis auf das Steigen der direkten und indirekten Steuern übersehen, daß man alle Minder- wohlhabenden mit einem Einkommen unter 900 4 von den direkten Steuern befreit hat, daß also die direkten Steuern die ihnen natur- gemäß innewohnende Steigerung nit erreichen könnten. Dazu find alle direkten Steuern in Gemeinde, Kreis, Provinz, Schulverband, Kirche mit ganz vers<windenden Ausnahmen auf die direkten Steuern basiert. Wenn man diese Summen zusammenrehnet und erwägt, welche Last in vielen Gemeinden die ee zur Einkommensteuer bilden, dann ist es sehr fragli<h, ob man ohne Schädigung der Finanzkraft des Volkcs und ohne allergrößte Ershwerung der Steuerlast an eine erhebliche Vermehrung der direkten Steuern denken kann. Der Abg. Richter hat den Bericht und die gestrige Berathung als ein Nückzugsgefeht be- ¿cihnet, welches der Finanz:Minister veranlaßt habe, um das Scheitern

seiner Finanzreform êinicermanes zu verde>en. Herr Richter unter- hätt die Person des Finanz-Ministers, wenn er glaubt, daß, wenn ein jo großes Werk m<t auf den ersten Anhieb gelungen ist, dieses Werk aufgegeben wäre oder werden könnte. Herr Richter unters{<äßt auch die Sache; denn wenn si das deutsche Volk auh im großen und ganzen niht mit Finanzfragen beschäftigt, so_wird es do soviel ver- stehen, daß es sich hier um eine Frage der Solidität unseres Finanz- wesens handelt. Der Deutsche, der Gottlob! in seinem eigenen Finanzgebahren als solide bezeihnet werden kann, wird auf die Dauer nicht einer Finanzgebahrung zustimmen, die dahin führen muß, Reich und Staat immer tiefer und tiefer in Schulden hineinzubringen, sodaß unsere Kinder und Kindeskinder zehnfah und hundertfah mit Zinsen und Zinseszinsen belastet werden.

__ Abg. Ri>ert (fr. Vgg.): Dieser ganze Bericht, im wesent- lihen wohl eine Arbeit des Herrn Sattler, ist ja sehr dankenswerth, aber doch sehr angreifbar. Die Resolutionen 1 und 2 sind sehr harri- los. Jh stehe hier ganz auf dem Standpunkte des Finanz-Ministers, der mit einem gewissen Humor äußerte: die Resolutionen hätten ganz vernünftige Gedanken, aber die Budgetkommission hätte ihm sagen sollen, woher er die Mittel dafür bekommen solle. In Bezug auf das Eisenbahngarantiegeseß verweise ih auf eine Rede des Finanz- Ministers im Herrenhause gegenüber dem Ober - Bürgermeister Braesike. Er sagte, die Finanzverhältnisse ließen \i< in diesem Augenbli> garnicht übersehen, und vor 5 bis 6 Jahren fônne man faum an eine durchgreifende Revision des Garantie- geseßes von 1882 gehen. Die Art und Weise einer solhen Revision hänge von der Sdfung einer Reihe s{<wieriger Vorfragen ab. Mit diesen \{hwierigen Vorfragen hat die Budgetkommission weder sich no< uns belästigt. Ueber die Frage, wie fih die Finanzlage im Reih und in Preußen in den nächsten Jahren wahr- \heinli<h entwideln wird, spreche ih mi< heute absichtlich niht aus. Ein gewissenhafter Volksvertreter kann in dieser Be- ziehung kein Engagement übernehmen. Die Gestaltung des Haus- halts hängt ab von der Ernte, den eingehenden Zöllen und von der ganzen wirthschaftlihen Entwicklung, die wir no< nicht übersehen können. Allerdings würden wir Defizits hier und im Reich durch eine Vermehrung der Einnahmen verhindern müssen, aber den von dem Finanz-Minister vorgeshlagenen Weg können wir nicht betreten. Er hat gemeint, die ösffentli<he Meinung in Deutschland werde sich der Ueberzeugung niht verschließen, daß eine Auseinanderseßung zwischen Reich und Einzelstaaten nothwendig sei. Es ist aber noch garniht so lange her es war am 1. April 1889 da hat der (al Ober-Bürgermeister Miquel fih gegenüber dem Finanz- Minister Scholz ganz anders ausgesprohen. Er hat damals zugestanden, was er gestern für ein Märchen erklärte, daß die indirekten Steuern vorzugsweise die arbeitenden Klassen treffen, und daß es nah der erheblihen Vermehrung der indirekten Steuern niht angezeigt erscheine, wieder auf diesen Weg zu treten. Hat sih denn etwa seit fünf Jahren die Welt fo geändert, daß man zu einem entgegengeseßten Resultat kommen müßte? Auch im Reichstag hat sih der Widerstand gegen die Neichsfinanzreform gezeigt. Bei der Annahme der Militärvorlage ging man davon aus, daß die leistungsfähigeren Schultern belastet werden sollten, ev. durch eine Reichs-Erbschaftssteuer. Auch die Nationalliberalen haben diesen Standpunkt vertreten, so der Abg. Osann, und mit vollem Recht. Dem Finanz Minister ist das lächerlich! Mit einem folchen Verfahren untergraben Sie das Vertrauen. Der Abg. Bebel hat glei gesagt, daß es anders fommen würde. Die Abgg. Siegle und Clemm und nationalliberale Versammlungen in Stuttgart und Speier haben erklärt, daß sie ni<ht auf den Standpunkt der Reichs- finanzpläne träten. Auch das Hauptblatt der Nationalliberalen in Berlin hat die ganze Reform einen Automaten genannt, der nichts hergiebt, wenn er niht vorher gefüllt ist. Am meisten haben mich die Ausführungen des Finanz-Ministers über die Matrikular- umlagen gewundert; er sagt, sie seien eine rein kalkulatorishe Arbeit. (Gelächter re<ts.) Daß Sie (rets) dieser Meinung sind, weiß ich ja längst. Sowie es si<h um konstitutionelle Fragen handelt, sind Sie nicht zu haben (Erneutes Gelächter rets), das verlange ih auch garniht von Ihnen. Aber ih sehe denfelben Mann vor mir, der das große Verdienst hat, die Matrikularumlagen in ihrer kon- stitutionellen Wichtigkeit erkannt und jahrelang mit uns vertheidigt zu habea. Herr Miquel is es doch gewesen, er hat sie eingeführt, und jeßt sagt er: wir bildeten uns ein, die Matrikularumlagen seien kon- \titutionelle Garantien. Sie haben heute no< denselben Werth wie 1867. Ja, der Minister Camphausen , das war doh ein ganz anderer Mann! Der sagte: Ich bin der Meinung, daß der Reichstag auf dieses Recht nicht würde verzichten können, ohne seine Stellung erheb- lich zu beeinträchtigen. Wie denkt sih Herr Enneccerus die erar des Verhältnisses? Beweglichkeit ist do<h das, wonach der Liberalismus immer gestrebt hat. 1878/79 haben wir dem Hause die Quotisierung der Einkommensteuer vorge[<lagen als unbedingt D im Inter- esse einer geordneten Finanzwirthshaft. Jn der Kommission haben damals alle Mitglieder, von denen eine große Zahl noch heute dem Hause angehört, mit Ausnahme des Grafen Limburg-Stirum, der fich hier konsequent geblieben ist, dafür gestimmt. Der Abg. Benda hat damals gesagt: Die \teuerlihe Ausbeutung des Reichs zur Aus- hilfe von Einzelstaaten darf niht bei Gelegenheit oder periodisch wiederkehren. Und heute trägt man si< mit dem Gedanken, die Matrikularbeiträge einfah zu beseitigen! Die Besteuerung des Tabads in England kann man nicht mit der unsrigen in eine Parallele stellen; in England hat sie einen ganz anderen Ursprung und eine ganz andere Entwickelung. Und wenn Sie bei uns die Last der Schutzzölle hinzurehnen, so kommt eine größere Belastung an Steuern auf den Kopf der Bevölkerung als in dem reihen England heraus. Hat der Finanz-Minister niht die englische Erbschafts-

steuer studiert, die Hunderte von Millionen einbringt und die das englis<he Ministerium no

erhöhen will? Wir Vennei en, die Bee

dingungen nicht, unter welchen die Wähler mit der tilitärvorlage einverstanden waren, daß nur die tragfähigen Schultern belastet werden sollen. Und warum die Eile mit dieser angeblichen Steuer- reform? Wir befinden uns in cinem Uebergangsstadium. 189% be- fommen wir die neue Vermözenssteuer, die lex Huene wird auf- ehoben, die Realsteuern werden überwiesen. Ist das der rechte

Beitpunkt für eine folhe Reform? Die Wurzel der nationalen Hoheit ist der Kaiser und der Reichstag. Was soll es nun bedeuten, wenn man die Einzel-Landtage gegen die einzige wahre Volksvertretung mobil maht? (Gelächter re<ts.) Und wenn Sie, die auf Grund des elendesten aller Wahlsysteme gewählt sind, sih aufbäumen gegen die Autorität des Reichstags, so werden Sie nur no< weniger an Autorität sih erhalten als jeßt. (Gelächter rechts.) Die preußishen Abgeordneten im Reichstag in der freikonservativen, konservativen und nationalliberalen Partei haben nur 101 Stimmen, die Gegner e unserer Seite dagegen 135. Ist das wirklich eine kluge Politik, Herr Finanz-Minister, wenn Sie fsi<h auf diese Ma- jorität hier stüßen wollen ? Ich bedaucre, daß der Finanz-Minister nach seiner Vergangenheit sih dazu hergiebt, den E Landtag egen den Reichstag auszuspielen. Da lobe i< mir no< das bayerische bgeordnetenhaus und die badishe Kammer, die einen solchen Versuch

einfa zurückwiesen. Eine Volksvertretung sollte sich hüten, ihr An- sehen und ihre Autorität unnützer Weise aufs Spiel zu seßen. In welchem Lichte werden Sie erscheinen, wenn Sie jeßt zur hre des S zu retten glauben, was nit zu retten ist? Der Reichstag wird sih an Ihre Resolutionen niht kehren, und für mich

wäre es ein s{mähli<her NRü>kgang in nationalliberaler Beziehung, wenn partikulare Landtage mit Erfolg sih herausnehmen könnten, auf den Reichstag einzuwirken, wie Herr Miquel es wünscht.

Finanz-Minister Dr. Miquel:

Meine Herren! Der Abg. Dr. Ri>ert hat den Ausdru>k ge- brau<ht: er bedauere, daß i< na< meiner Vergangenheit mi< dzu hergäbe, den preußischen Landtag gegen den Reichstag auszuspielen. Ich nehme dem Herrn Abg. NRi>kert diese Ausdru>sweise nicht übel, die, wenn ih es thâte, wohl einen Ordnungsruf verdiente, aber ih weiß, er meint das nicht so übel. (Heiterkeit re<ts.) Man ist das gewöhnt, und deswegen gehe ih darüber hinweg, aber ih will glei< auf diese Frage näher eingehen. Die Behauptungen, welche jede organische finanzielle Auseinandersezung zwishen Reich und Einzelstaat perhorres- cieren, welche sagen, es foll alles beim alten bleiben, die Einzelstaaten follen immer mit Sorge und Angst na< Berlin sehen, nah dem Reichstag, ob sie zu zahlen oder zu empfangen haben, sie follen von heute auf morgen niht wissen, ob ihre Finanzen deroutiert und in Verwirrung gebra<ht werden oder ni<ht. Der Reichstag mitsammt der Reichs-Regierung soll anstatt eines Wohlthäters für die deutsche Entwi>kelung und die der Einzelstaaten ein Gegenstand des Unbehagens für die deutshe Bevölkerung sein. Die Dinge sollen sich nicht bloß nicht verbessern, sondern, was ganz naturgemäß eintreten muß, von Tag zu Tag verschlimmern. Diese kurzsihtigen Politiker gefährden unsere ganze deutshe Reichsentwi>klung, (sehr richtig! rets) die nur bestehen kann, in gedeihliher Weise, wenn Einzelstaat ‘und Reich in Harmonie sind. Sie fkon- fervieren den wachsenden Gegensaß zwischen Reih und Einzelstaaten, während wir ihre harmonishe Entwi>kelung sihern wollen. Und da \foll dies Bestreben der Reichsentwi>kelung entgegen sein, wenn hier in einer no< ungelösten Frage die Einzelstaaten dem Reich gegenüber erklären, wie sie von ihrem Standpunkt die Sache ansehen. Wir hoffen no< immer, daß der Reichstag \{hließli< si<, wenn auch niht heute, so do< siher morgen der Nothwendigkeit einer \folhen MReform im Interesse des Deutschen Reihs sowohl wie im Interesse der Einzelstaaten niht verschließen wird, und ich glaube allerdings, daß, wenn eine: Volksvertretung wie die preußische diese Nothwendigkeit im Interesse der Einzelstaaten betont und auch zugleih im Interesse des Reichs, das toh auf die Herren im Reichs- tag einen gewissen Eindru> wenigstens machen muß. Meine Herren, wir werden abwarten, ob ni<t die einzelnen Landtage, die sih fast {on ausnahmslos im allgemeinen in dem Sinne der Nothwendigkeit einer folhen Sicherung ihrer Finanzen ausgesprochen haben, ob sie niht no< entschiedener in Zukunft diesem Beispiel des preußischen Landtags folgen werden. Wenn die Konsequenzen der Ablehnung einer solchen Reform erst in den Landtagen bei den Regierungen sind sie längst klar völlig zum Bewußtsein kommen, wenn die Wähler dieser Landtage die Konsequenzen einer solchen negativen Haltung der Neichs- Vertretung klar erkennen, so werden wir ruhig abwarten können, wer \{ließli< die Niederlage erleidet. Man spriht immer von einer Niederlage, die ih erlitte. Jch bin in dieser Frage ein Vertreter des preußishen Partikularstaats, der als solcher natürli au<h das leb hafteste Interesse an der Reichsentwi>kelung nimmt, aber ih bin do nur Einer von Allen. Diese Politik hat der Reichskanzler, haben sämmtliche verbündeten Regierungen acceptiert, und wenn | diefer Versu<h der Herstellung einer dauernden Ordnung der Finanzen s\<ceitert, so bin i< in guter Gesellschaft. Jch würde umsomehr in guter Gesellshaft sein, wenn ih mi< überzeugte dur< das Votum des hohen Hauses, daß ih auch in Uebereinstimmung handelte mit der berufenen Vertretung des preußishen Volkes. (Beifall rets.) Das ist die leidige Manier, die namentli diejenigen Herren sih am ehesten aneignen, die sih am meisten mit der Presse beschäftigen : große sahlihe Fragen immer zu- zuspizen auf persönliche Fragen. (Sehr richtig! re<ts.) Ich kämpfe hier nit den {weren Kampf, die preußishen und Reichsfinanzen auf feste Füße zu stellen, in meinem Interesse und zu meinem Vergnügen. Ich thue damit meine Pflicht und Schuldig- keit, und ob ih dabei persönlih meine Bestrebungen nit durchsege, ist sahlih ganz glei<h. Jh würde es nur bedauern für die Sache und in Bezug auf die zukünftige friedlihe Entwikelung unseres deutshen Staatswesens. Diejenigen sind allerdings in. dem gewöhnlihen Sinne keine Partikularisten, die das, was das Reich an Ausgaben beschlossen hat, zahlen lassen wollen dur die Einzelstaaten ; denn sie können ja sagen: wir sind Patrioten, wir {hüßen. das Reich, wir ziehen die Einzelstaaten heran. Aber in der Wirkung würden sie die größten partikularistishen Erfolge erreihen; denn daß ein solcher Zustand \cließli< im ganzen Reich die größte Mißstimmung erregen wird, darüber kann nicht der geringste Zweifel sein. (Sehr richtig! rets.) J komme nun auf den anderen Vorwurf, den der Herr Abg. Rikert mir gemacht hat, daß ih heute die Matrikularumlagen so gering \chäge, während ich sie früher als Palladien konstitutioneller Freiheit bezeichnet hätte. Er is ebenso fals<! Ich habe ja 1867 bei Ge- legenheit der Berathung der Verfassung des Norddeutschen Bundes in einer ausführlihen Darlegung ausgeführt, daß die Matrikular- umlagen nur ein Provisorium seien, niemals eine dauernde Grund- lage für das Verfassungswesen des deutschen Staats, und wenn der Herr Abg. Rickert, der ja die Gewohnheit des Nachschlagens von alten Reden hat (Heiterkeit), ganz loyal gegen mich verfahren wäre, so hätte er diese grundlegende Darlegung vom Jahre 1867 do< au< wohl mitzitieren können. (Abg. Ri>ert : Ih habe fie hier!) Ja, um fo mehr bedauere ih, daß Sie sie vershwiegen haben. (Heiterkeit.)

Meine Herren, in dieser Rede habe ih au namentli aus8ge- führt, wie innerlih ungerecht diese Matrikularumlagen sind, wenn fie über die Ueberweisungen hinausgehen ; daß sie nihts weiter find als eine kläglihe Kopfsteuer des Mittelalters. Ih habe verglichen den Walde>er Bergbewohner und kleinen Bauern mit dem reihen Bürger von Hamburg und sagte, wenn beide einfah na< ihrer Person heran- gezogen würden, so ist das eine große Ungleichheit; wir müssen zu