1894 / 109 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Sachsen-Weimar-Eisenach. Jhre Königliche Hoheit die Großherzogin hat sih nah Trebschen bei Züllichau begeben, um daselbst der Einsegnung des Prinzen Heinrih XXXII. Reuß beizuwohnen, Die Rü>kkehr erfolgt am 15. oder 16. d. M. Einige Tage später E sich die Großherzogin für einige Zeit na<h Holland egeben.

Braunschweig.

Am 8. Mai cr. fand in Braunschweig zum Geburts8- tage Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten des Herzogthums Braunschweig, Morgens 91/2 Uhr Gottesdienst in der Hof- und Domkirche statt, und danah Parade, die von Seiner Königlihen Hoheit dem Regenten sowig von den Königlichen Prinzen abgenommen wurde. Nach Beendigung der Parade war im Herzoglichen Residenz- {loß Gratulationscour. Mittags 1 Uhr 20 Minuten be-

aben Sih Jhre Königlichen Hoheiten der Regent, die

Me einzefsin Albreht sowie der Prinz Friedrih Wilhelm mittels Extrazugs nah Schloß Blankenburg am Harz, während die Prinzen Friedrih Heinri<h und Joachim Albreht nah Berlin O Auf Schloß Blankenburg war dann um 5 Uhr Tafel zu 27 Gedecken. :

Oesterreich-Ungarn.

Wie die „Neue Freie Presse“ meldet, tritt der Kriegs- Minister Edler von Krieghammer heute eine Jnspektions- reise nah den occupierten Provinzen Bosnien und Herzegowina an und wird einige Tage in Serajewo verweilen. :

Das ósterreichishe Abgeordnetenhaus seßte, wie _„W. T. B.“ berichtet, gestern die Berathung der Valuta- Vorlage fort. Dafür sprachen die Abgg. Peez und Sueß, dagegen die Abgg. Dipauli, Morsey, M! und Lueger. Der Abg. Peez richtete an den Finanz-Minister die Anfrage, ob er geneigt sei, das Che>- und Girowesen in das Staats- sinanzwesen einzufügen. Die Abgg. Morsey und Dipauli erklärten, sie lehnten die Vorlage nicht aus politischen, sondern aus wirthschaftlihen Gründen ab. Der Abg. Sueß betonte die Nothwendigkeit eines einheitlihen Währungssystems unter den wirthschaftlih einander nahe gerü>ten Nationen der Welt. Die weitere Berathung findet heute statt.

Der Eisenbahnausschuß des Abgeordnetenhauses hat eine Zusazterklärung zu dem internationalen Uebereinkommen vom Jahre 1890 über den Frachtverkehr angenommen, wodurch der Beitritt einer no<h größeren Anzahl von Staaten erleichtert werden soll. Der Handels-Minister Graf Wurmbrand er- klärte, der Entwurf eines allgemeinen Lokalbahn-Geseßes, der weitgehende Begünstigungen bezüglih des Baues und des Betriebes von Lokalbahnen enthalte, sei bereits fertiggestellt worden und werde in der Herbstsession eingebraht werden.

Das ungarische Oberhaus setzte gestern die Be- rathung über das Ehegesey fort. Unter der zahlreichen Volksmenge, die si< vor dem Museum angesammelt hatte, wurden Flugblätter des hauptstädtishen Unabhängigkeitsklubs verbreitet, worin zu Demonstrationen aufgefordert wurde. Die- jenigen Oberhausmitglieder, die Anhänger des Ehereform- geseßes sind, wurden mit s\ympathishen, die Gegner mit feindlichen Zurufen empfangen. Der Museumsgarten war von Polizeimannschaften beseßt. Bei der Debatte ver- theidigte der protestantishe Bishof Szasz die Vorlage vom Standpunkt der Gleichheit vor dem Gesey und von dem

, Standpunkt seiner Kirhe. Der Kardinal Schlauch be- zweifelte, daß die gesammte Nation die Zivilehe wünsche, die den Werth der Ehe mindere. Er würde si<h durch Votierung der Vorlage gegen die Kirhe und die Nation ver- sündigen. Der Banus Graf Khuen erklärte, er werde für die Vorlage stimmen, obwohl er sh bewußt sei, daß die Einführung dieser wie jeder Reform mit ciner gewissen Er-

shütterung verbunden sein werde; die Nichtannahme der Vor- lage werde nur die peinlihe Lage verlängern. Bei der

Durchführung müßten alle Faktoren vereint über die Schwierig- feiten des Augenbli>s hinweghelfen. Der rumänische Metro- polit Miron Roman war vom Standpunkt seiner Kirche

“aus gegen die Vorlage. Der Justiz-Minister Dr. von Szilagyi widerlegte die Einwendungen der Kirchenfürsten

mit der Erklärung, daß die Ode die Herstellung einer

Rechtseinheit der verschiedenen Nationen und Kirchen

bezwe>ke; sie verfolge au<h nicht das Ziel, die einzelnen

Nationalitäten zu Gunsten der ungarishen Sprache zu unterdrücken, sie bezwe>e nur die Schaffung einer politischen Einheit. Die Vorlage ziele ferner niht auf die Ver-

minderung der Religiosität ab. Die Pflege der inneren

E ai Se de Kirche Ein. Staat, dex die Rechte der Kirche achte, könne nicht seine Macht zur Durch- führung der inneren Rechte der Kirche leihen. Schäße, welche die Kirhe mit dem Machtgebot des Staats sammle, seien falsches werthloses Kleingeld. Er erwarte von dem

QOUfe; bal es der Nothwendigkeit seinen Tribut leiste. Bei dem Namensaufruf des nächsten Redners entstand großer Lärm. (Rufe re<hts: Abstimmen!) Mehrere Liberale bean- tragten die Vertagung auf heute. Der Justiz - Minister Dr. von Szilagyi wahrte den eingetragenen Rednern das Recht

zu sprehen, worauf der Präsident unter großem Lärm die Sizung s{loß. (Vgl. das Telegramm nah Schluß der Redaktion auf der vierten Seite d. Bl.)

: Im Unterhause wurden gestern die in Klausenburg anläßli<h des Memorandum-Prozesses erfolgten rumänen-

freundlihen Demonstrationen zur Sprache gebracht

: und scharf getadelt. Der Minister-Präsident Dr. Wekerle erklärte, die Regierung habe die erforderlihen Maßnahmen ge- troffen; sie werde die rumänische Bevölkerung nicht in ihrer Meinungsäußerung beschränken, so lange die öffentliche Ordnung

nicht bedroht werde. Jn Klausenburg befänden sich gegenwärtig nur annähernd 600 auswärtige Rumänen. Abgese en von ge-

ringen, bereits geahndeten Geseßesverlezungen, sei alles ruhig

verlaufen, daher seien Ausnahmemaßregeln unnöthig; die aus-

¡ändische Presse sei nur dur einige rumänische und italienische

* Blätter in Klausenburg vertreten. Etwaige die Würde Ungarns

verleßende Telegramme würden inhibiert. Es sei für die wahrheitsgetreue Benachrichtigung der ausländischen Presse Vor- sorge A Nas und die “leßtere auf die tendenziöósen Be-

rihte gewisser Agitatoren aufmerksam gemaht worden.

Sodann wies der Minister-Präsident auf die Volksversamm-

* lungen in Rumänien als eine bedauerliche Erscheinung hin, aber weder er no<h der Minister des Auswärtigen hätten ver-

säumt, die nöthigen Schritte zu thun. Hierauf beantragte der | Minister-Präsident Uebergang zur Tagesordnung. Der Antrag

-- wurde einstimmig angenommen.

>

Der Memorandum-Prozeß_ in Klausenburg wurde estern mit der Aufnahme der Personalien der Angetiages fortgese t. Dabei protestierte jeder Angeklagte dagegen, er niht in rumänisher Sprache befragt werde. Die ragen na<h etwaigen Vorstrafen wurden nicht beantwortet ia Vertheidiger wurde wegen Beleidigung des Gerichts- hofs mit einer Ordnungsstrafe von 50 Gulden belegt. Nah Aufnahme der Personalien fragte der Vorsißende die Angeklagten, ob sie eine Vertagung der Verhandlung wünschten ; diese Frage wurde von den Angeklagten und von dem Ober-Staatsanwalt verneint. Der Präsident verkündete daher einen dementsprehenden Beschluß des Gerichtshofs und stellte fest, daß nah der Erklärung des Bür ermeisters die Angeklagten in ihrer persönlichen Sicherheit ni t bedroht seien, sh vielmehr selbst herausfordernd benommen hätten. Nach wiederholten, dur< die Angeklagten und deren Ver- theidiger hervorgerufenen Zwischenfällen wurden die Ver- handlungen auf heute vertagt. Nah Schluß der Verhandlung wurden dem Angeklagten Lucaciu auf dem Hauptplaße von mehreren räailder Burschen Ovationen bereitet, die von der Klausenburger Jugend mit Zischen und Pfeifen beantwortet wurden. Die Polizei vertrieb die Demonstranten und die Gegendemonstranten.

Großbritannien und JFrlanD.

Der Premier - Minister Lord Rosebery sprah, wie L D meldet deen im liberalen Nu ber die für heute Abend im Unterhause zu erwartende Abstim- mung über das Budget und erklärte, die Regierung werde, wenn sie au< nur zwei Stimmen Majorität erhalte, den Kampf gegen die Opposition bis ans Ziel fortseßen.

Frankreichs Die Budgetkommission hat dem „W. T. B.“ zufolge in ihrer gestrigen Sißung beschlossen, - die Frage wegen Er- hebung einer Steuer von den Einkünften aus auslän- dishen Werthpapieren in Erwägung zu ziehen.

Griechenland.

Die Königliche Familie ist von der Bereisung der durch die Erdbeben heimgesuhten Landschaft Lokris nah Athen zurückgekehrt.

Rumüänien.

Die Einwohner ciniger Ortschaften des Distrikts Bacau haben si<h nah einer Meldung des „W. D. B.“ infolge falsher Auffassung des Kommunalsteuergeseßes zu- sammengerottet. Die Behörden schritten ein, um die Bewe- gung zu unterdrü>en und um die Aufregung durh Aufklä- rung über die wahre Tragweite des Geseßes zu beseitigen. Von verschiedener Seite sind diese Vorgänge stark übertrieben worden.

i Bulgarien.

Nach Mittheilungen bulgarisher Blätter wäre die zwischen der Türkei und Bulgarien s{hwebende Frage betreffs der Pässe für die nah der Türkei reisenden Bulgaren in freundschaftliher Weise zur® Lösung gelangt.

Montenegro.

Aus Cetinje meldet „W. T. B.“, die türkish-monte- negrinishe Kommission habe sich gestern an die Grenze begeben, um über die Art und Weise der Regelung der shwe- benden Fragen s{hlüssig zu werden. Auch der türkische Ver- treter sei nah Tuzi abgereist.

Schweden und Norwegen.

Die Zweite Kammex hat, wie „W. T. B.“ aus Stock- holm berichtet, gestern die Berathung einer Jnterpellation, welche Maßregeln die Regierung getroffen habe oder treffen werde bezüglich der Aufhebung des seitens Norwegens erlassenen Verbots der Einfuhr shwedischen Viehs nach Nor- wegen, von welhem Verbot behauptet werde, daß es den geseßlichen Bestimmungen über das Handelsverhältniß zwischen Schweden und Norwegen widerspreche, abgelehnt. Die Sesston ae wird wahrscheinli<h am 12. Mai geschlossen werden.

Amerika. Aus Peru in Buenos Aires eingetroffene Nachrichten melden, daß Caceres zum Präsidenten der Republik gewählt worden sei.

Asien.

Das „Reuter'she Bureau“ meldet aus Bombay, daß nah. einem dort eingetroffenen Telegramm in Agra eine Militärrevolte ausgebrochen sei wegen der Verseßung einer Abtheilung des dreizehnten, aus Eingeborenen bestehenden Infanterie-Regiments in Bengalen zum siebzehnten Regiment und wegen der Beförderung dieser zum A Regi- ment kTommandierten Soldaten. Zwei Kompagnien des siebzehnten Regiments hätten si<h gzusammengerottet und egen die getroffenen Maßregeln, die sie als eine Beleidigung threr Kaste bezeichneten, protestiert. Die Führer der Revolte seien festgenommen worden. Die beiden Kompagnien hätten sih dann von neuem zusammengerottet, die Freilassung ihrer Führer verlangt und seien deshalb interniert worden.

Nr. 19 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ vom 9. Mai hat folgenden Inhalt: Gesund- heitsfand und Gang der Volkskrankheiten. P ge Maßregeln gegen Cholera 2e. Aus dem statistishen Jahrbu<h Berlins, 1891. Medizinalstatistishe Mittheilungen aus dem Regierungsbezirk Breslau, 1889/91. Gesetzgebung u. \. w. (Deutsches Reich.) Cholera. Vieh-Ein- und Durchfuhr 2c. (Preußen, Provinz Hessen-Nassau). Entschädigung für an Milzbrand gefallene Thiere. (Großbritannien). Dung- und Futterstoffe. Schweinefieber. Gang der Thierseuchen im Deutschen Reich, April. Desgl. in Oesterreich, 1. Vierteljahr. Zeitweilige Maßregeln gegen Thierseuhen. (Württemberg). Recht- \prehung. (Landgericht T Berlin). Führung des Titels Dr. med. Vermischtes. (Deutsches Reich.) Müäßigkeitssahe. Preisfrage. Geschenkliste. Geburten und Sterbefälle in Breslau, Köln, Nürn- berg, Leipzig, 1893. Wochentabelle über die Sterbefälle in deutschen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgleichen in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutscher Großstädte. Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. Witterung. Beilage: Gerichtlihe Entscheidungen zum Nahrungs- mittelgeseßz (Milch) :

Nr. 18A des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, her- ausgegeben im Ministerium der R A Arbeiten, vom 9, Mai, hat folgenden Inhalt: Versuche mit der elektrischen

Lokomotive von Heilmann. Die Wasserstraße dur die canadishen

Seen und ihr Verkehr ( gung, Der Elastizitätsmodul des geraden Stabes als Funktion der s\pezifis<hen BeanspruGung. Ver- mischtes: Vorrichtung zum Feststellen des Regulators an Lokomotiven. Neue Schwerpunktbestimmung von Trapezen. Bücherschau.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Die gemäß $8 851 flg. der Zivilprozeßordnung auf Grund von Schiedsverträgen erlassenen Schi eds spr üche sind, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, TV, Zivilsenats, vom 11. Januar 1894, in Preußen dem in der Position „Erkenntnisse und Urtheilssprüche in erster Instanz und vor \schiedsrihterlihen Behörden" des Stempeltarifs vom 7. März 1822 vorgesehenen Stempel unterworfen. . « . Die Entscheidung steht mit der Rechtsprehung des Reichs- gers wie sie in dem Urtheil vom 25. Oktober 1892, auf dessen

egründung der Berufsrichter verwiesen hat, zum Ausdru gelangt ist, im Einklange. In dem reichsgerihtli<hen Urtheil if ‘ausge- \sprochen, daß die gemäß $8 851 flg. Zivilprozeßordnung erlassenen Schiedssprüche dem in der bezeichneten Position des Stempeltarifs vorgesehenen Stempel unterworfen seien. An diesem Ausspruch ift auch hier festzuhalten.“ (270/93.)

Bei einer Beleidigung gegen na< ihrer bürgerlichen Berufsstellung verschiedene, nur dur< ihren Beruf als Neserve- Offiziere miteinander verbundene und O als sol<e vom Thäter gekennzei<nete Personen, indem deren enehmen im Zivil- leben einer ni<htachtenden Kritik unterzogen wird, ist, nah einem Urtheil des Neichsgerichts, T1. Strafsenats, vom 6. März1894, der Krie g s- M inister zur Stellung des Strafantrags befugt. „Die Kundgebung des Angeklagten richtet sich, wie es in dem ersten Urtheil heißt, gegen eine ganze „Spezies“ von Personen, welche, nah ihrer bürgerlichen Berufs- stellung verschieden, nur dur ihren Beruf als Reserve: Offiziere mit einander verbunden und lediglih als sol<he von dem Angeklagten ge- kennzeihnet sind. Wenn der Vorderrichter troßdem annimmt, daß die in der Kundgebung enthaltene Beleidigung von Reserve-Dffizieren auf deren Beruf keinen Bezug habe, so liegt die Vermuthung nahe, daß diese Annahme auf einer rechtsirrigen Auffassung des Begriffs „Beziehung auf den Beruf“ im $ 196 Str.-G.-B. beruht. Daß leß- teres in der That der Fall is, wird dur< den fonstigen Inhalt des Urtheils außer Zweifel gestellt. Die Feststellung, der Angeklagte habe nur getadelt, daß die von ihm angegriffenen Spezies von NReserve- Offizieren, weil sie diese Stellung bekleideten, im bürgerlichen Leben rü>sichtslos in erster Linieihre Eigenschaft als Reserve-Offiziere heraus- kehrten, läßt unzweideutig erkennen, daß nah der Auffassung des Vorderrichters der beleidigende Angriff gegen die im bürgerlichen Leben angebli ungebührlih geltend gemachte Berufsstellung des Neserve- Offiziers gerichtet ist. Damit ist aber die Beziehung der Beleidigung auf den dienstlichen Beruf im Sinne des $ 196 Str.-G.-B. gegeben. Da das Geseh die Beziehung, welche zwishen der Beleidigung und dem Beruf erfordert wird, niht näher bezeihnet, #0 muß jede Beziehung als ausreichend und die Art der Beziehung als re<tli< bedeutungslos era<htet werden. Anscheinend legt der Vorderrichter Gewicht darauf, daß die Beleidigung niht im Zu- sammenhange stehe mit der Thätigkeit, zu welcher der Reserve-Offizier vermöge seines Dienstes berufen sei. Allein dies ist kein geseßliches Erforderniß für die Annahme, daß die Beleidigung in Beziehung auf den Beruf des Beleidigten begangen worden sei.“ (326/94.)

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

Die von einem Beamten begangene Strafthat, deren strafrehtlihe Verfolgung wegen der inzwischen eingetretenen Ver- jährung nicht mehr zulässig ist, kann, nah einem Urtheil des Ober- Verwaltungsgerichts, Disziplinarfenats, vom 28. Februar 1894, trot- dem disziplinaris< verfolgt werden. Eine von einem Kreis- verwaltungs-Beamten im abre 1883 begangene Unterschlagung von in amtli<her Eigenschaft Geldern gelangte erft im Jahre 1892 zur Kenntniß der zuständigen Behörde, welhe deshalb und wegen anderer Dienstvergehen die Disziplinaruntersuhung gegen jenen Beamten einleitete. Der Kreis- aus\huß erkannte auf Dienstentlassung, und auf die Berufung des Angeklagten bestätigte das Ober-Verwaltungsgeriht die Entscheidung des Kreisauëschusses, indem es begründend auéführte: „Eine strafreht- lihe Verfolgung is wegen der Unterschlagung zwar nicht ein- geleitet und der inzwishen eingetretenen Verjährung wegen remtli% nit mehr zulässig (S 350, 66, 67 Abs, 2 des Str.-G.-B.) Dies hindert aber die Disziplinarbehörde nicht, die Sache ihrerseits zum Gegenstande der Untersuchung zu machen, weil das Erlöschen der kriminellen Strafbarkeit einer Handlung diese selbst und die aus ihr zu folgernde Unwürdigkeit des Thäters unberührt läßt. Im Disziplinargeseß sind Vorschriften über die Verjährung von Dienstvergehen überhaupt niht enthalten. Die für die Strafverfolgung maßgebende Verjährungsfrist kommt hiernah B e tam aae Ahndung des Thatbestandes niht in Betracht. *

Sowohl nah dem Einkommensteuergeseß vom 24. Juni 1891 als auh na< dem Kommunalabgabengeseß vom 27. Juli 1885 sind ni<ht einktommensteuerpfli<htig eingetragene Genosfsen- schaften, deren Geschäftsbetrieb ni<ht über den Kreis ihrer Mitglieder hinausgeht. In Bezug hierauf hat das ODber-Ver- waltungsgericht, IT. Senat, dur< Urtheil vom 9. März 1894 aus- gesprochen, daß ein Hinausgehen über den Kreis der Mitglieder einer Genossenschaft ni<t s<on in jedem Geschäftsverkehr mit Dritten gefunden werden kann, namentli< ni<ht f<on in der Aufnahme von Geschäftskapitalien bei Nichtmitgliedern, noh in der Anlage müßiger Gelder, wohl aber in dem Kreditgeben an Nichtmitglieder, in der Aufnahme von Kapitalien Dritter über das eigene Kreditbedürfniß hinaus und in dem Effektenhandel mit Nichtmitgliedern gegen Provision. „Der klägerishe Verein hat den Zwe>, die im Gewerbe und in der Wirth- chaft seiner Mitglieder nöthigen Geldmittel dur< den Betrieb des Bankgeschäfts zu beschaffen. Das Geschäft erstre>t sich Lana gd S S 109 D Glas Us bié Annahme von Depositen, auf Kapitalsvermittelungen, das Wechsel-, Lombard-, und Effektengeshäft; es werden Spar- einlagen angenommen; Geldbestände dürfen unter anderem dur< Erwerb von Werthpapieren aus sicheren kündbaren Hypotheken angelegt werden. In diesem statutenmäßig gestatteten Geschästsverkehr mit Dritten allein kann, da eine Ausdehnung desfelben auf Nicht- e niht gemäß $ 8 des Geseßes vom 1. Mai 1889. vor- gesehen ist, ein Hinausgehen über den Kreis der Mitglieder so lange nicht gefunden werden, als die Grenze des eigenen Bedürfnisses dabei inne gehalten wird.“ (II. 352.)

empfangenen

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Unfallversiherung.

Nr. 5 der „Amtlichen Nachrichten des Reichs-Versicherungsamts" von 1894 brachte ein Verzeichniß der bei Durhführung der Unfall- versicherungsgeseße betheiligten höheren und niederen Verwaltungs- behörden owie der Namen, Sitze und Bezirke der Berufsgenossen- schaften, Sektionen, staatlichen und kommunalen Ausführungs ehörden und der Schiedsgerichte. Von diesem Verzeichniß ist jeßt ein Sonder- abdru> im Verlage von A. Asher u. Co. in Berlin W., Unter den Linden 13, erschienen.

Gestalt

Oktober soll das Werk fertig vorliegen.

‘stand niht nur des wissenschaftlichen,

starken i dea reung ist inde

Praktishe Gewerbehygiene.

Die Gefahren, welche die großen industriellen Betriebe dem Leben und der Gesundheit der Arbeiter bieten, haben in den E Jahren ni<t nur auf dem Wege der Gesehgebung, sondern au< auf dem technischen Gebiet eine rege Thätigkeit entfaltet, die darauf abzielt, den Arbeiter bei seiner Thätigkeit vor Schaden jeglicher Art zu bewahren. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß die Ergebnisse nunmehr in eines Buchs allen Kreisen zugänglih gemacht werden. Dieses Buch wird unter Mitwirkung unserer hervorragendsten Fahmänner auf diesem Gebiet von Dr. Albre<t, Gr. Lichterfelde, herausgegeben und beginnt unter dem Titel „Handbuch der praktishen Gewerbehygiene“

‘demnächst im Verlage von Nobert Oppenheim (Gustav Schmidt),

Berlin SW. 46, zu erscheinen. Der Umfang soll ca. 4 bis 5 Liefe- rungen betragen, der Gesammtpreis 20 4 nicht überschreiten, und bis Alle Industriellen seien auf

diese bedeutsame Erscheinung hingewiefen.

Die Agrarfrage.

Der Dozent an der Universität Züri<h Dr. G. Nuhland hat soeben in einem Leitfaden zur Einführung in das Studium der Agrarpolitik (Pr. 1,20 ( Berlin, Verlag von Paul Parey) die Agrarfrage behandelt, deren Ordnung jeßt mehr und mehr Gegen-

bee auh des politischen

Interesses geworden ift. Als Motto hat er den Ausspruch des Finanz- Ministers Miquel gewählt: „Die Nationalökonomie ist die welche gezogen

umme

werden aus dem jeweiligen

der Konsequenzen, i l

ustande der gewerblichen, industriellen und fozialen Entwi>elung.“ E verlangt, daß, wer immer in das Verständniß der großen wirth- chaftépolitishen Aufgaben unserer Zeit eindringen will, diesen Say an die Spiße seiner Betrachtungen \telle. Die früheren national- ¿fonomischen Theorien seien nur aus dem Bedürfniß ihrer Zeit auf

Grund der vorhandenen Zustände entstanden, und wer sie re<t ver-

‘stehen wolle, müsse über diesen Zusammenhang klar werden. Aus den

Zuständen, die in den ägraris<hen Verhältnissen gegenwärtig bestehen, müsse weiter die Konsequenz für ihre Aenderung und Besserung gezogen werden. Die thatsächlihen landwirthschaftlihen Mißstände führt der

s in Uebereinstimmung mit Rodbertus richtig darauf zurüd, ‘daß der

landwirthschaftlihe Grundbesiy von der Geseßgebung lediglih als Waare behandelt sei. Die Agrarreform habe des- halb in erster Linie bei der Ordnung des heutigen freien Grund- verkehrs und der heutigen freien Grundvershuldung einzuseßen uind an Stelle der heutigen freien Marktpreisbildung den „wahren Werth“ einzuführen. Zu diesem Zwe>k verlangt er eine soziale Ordnung des Grundverkehrs und der Grundverschuldung. Güter dürfen nur an eine Agrarbehörde verkauft und von einem Dritten nur dieser Behörde abgekauft werden; die Individualhypothek sei aufzuheben, der berufsgenossenschaftlihen Gesammtheit der Grund- besißer müsse das Realkreditmonopol verliehen werden (ähnli der Inkorporation des Hypothekenkredits nah Schaeffle). Auf dieser Basis kônne cine zielbewußte Beschränkung der Verschuldung zum Zwe>ke der Besißausgleichhung viebaciihet werden. Die Ausführungen des Verfassers werden bei der Erwägung einer Agrar- reform sicherlih in Betraht gezogen werden. Uebrigens entwirft er sein Programm nur in großen Zügen; die ziffermäßige Beweisführung hat er sih für ein größeres Werk vorbehalten. Indem er für die „landwirth\chaftlihe Organisation“ eintritt, empfiehlt er zuerst probe- weise deren Einführung für eine mittlere ländlihe Gemeinde. Die Darlegung ist knapp und trägt dem Zwe> Rechnung, als Leitfaden für die Einführung in das Studium der Agrarpolitik zu dienen.

Zur Arbeiterbewegung.

Zum internationalen Bergarbeiter- Kongreß, der in der nächsten Woche hier in Berlin abgehalten werden soll, U wie der „Vorwärts“ mittheilt, bis jezt 40 Delegirte aus England, 2 aus Böhmen, 10 aus Sachsen angemeldet. Die Zahl der französischen und belgischen Delegirten sowie der von Rheinland-Westfalen stehe noh nicht fest. Das Saar- brücker Kohlenrevier werde vertreten sein.

Aus B urg berichtet das dortige „Tgbl.“ zum Sh uhmacher- ausstand: Infolge der Beschaffung und Bestellung von Zwi>- maschinen hat si< die Lage für die ausftändigen Arbeiter fo ungünstig als mögli< gestaltet. Es sollen von den Maschinen in den Fabriken wenigstens zwölf aufgestellt werden. Die Fabrikanten sind demzufolge au< in der Lage und geneigt, nur eînen fleinen Theil der Zwicker wieder amiedel: Verschiedene Meldungen von Arbeitern, die gewillt sind, die Arbeit wieder aufzunehmen, liegen {hon vor. Bis spätestens zum 12. Mai eingehende derartige Er- klärungen sollen no< von den Arbeitgebern Berücksichtigung finden ; es soll dann etwa acht Tage nah Pfingsten die Arbeit wieder aufge- nommen werden. i

In Flensburg sind einer Mittheilung im „Vorwärts" zufolge die Bauarbeitsleute in einen Ausstand eingetreten, um eine Ver- fürzung der Arbeitszeit auf zehn Stunden und eine Lohnerhöhung auf 3,50 6 für den Tag zu erlangen. Der bisherige Lohn betrug 2,80 bis 3 M j :

In Barth i. P. befinden \si< die Zimmerleute seit dem 1, Mai im Ausstande. ; | /

In der <emis<hen Fabrik von Kuhnheim u. Co. in Nieder-Schönweide hat, der „Voss. Ztg." zufolge, ein kleiner Theil der Arbeiter gestern die Arbeit wieder angetreten.

Aus Wien meldet ein Wolff'\{hes Telegramm: Mehrere Blu ausständige Bauarbeiter sammelten sih gestern Nachmittag auf der Sul an und beabsichtigten, die auf den Bau- vläßen Arbeitenden eventuell gewaltsam wieder zum Aus- stand zu bewegen. Die Angesammelten widerseßten sh der Auf- forderung der Sichherheitswachhe zum Auseinandergehen. Diese schritt energish ein, zerstreute die Widersetlichen und verhäftete aht Per- sonen, die dem Ne eingeliefert wurden. Ein großer Theil der aus\tändigen Maurer nahnr die Arbeit wieder auf.

In Mährish-Ostrau is die ausfständige Belegschaft des Karolinensha<ts gestern rüh infolge der Intervention des Bezirks-Hauptmanns vollzählig angefahren. Die Ruhe wurde nicht gestört. Vom heutigen Tage berichtet ein Telegramm des „H. T. B.*: Die Lage ift no< unverändert, do< is infolge des eingetroffenen ilitäraufgebots die Ruhe nicht weiter gestört worden. Die

f im Zunehmen begriffen. Die ganze Belegschaft hausshachtes bei Wittkowiy hat sich in einer Stärke

des Tie Die Zahl der

von 2000 Mann dem Ausstande angeschlossen. Strikenden beläuft sh jeßt auf über 15 000.

Kunft und Wissenschaft.

Die Stadt Halle hat, der „N. Pr. Ztg.“ zufolge, bei dem Bild- hauer Faoefor Schaper zum zweihundertjährigen Jubiläum der Universität eine Büste des Juristen Christian Thomasius bestellt und beschlossen, das Erzbildniß dieses Gelehrten, welcher si< um die Stiftung der E Halle große Verdienste erwarb, im Treppen- hause daselbst aufzustellen.

Dem am 8. April 1893 verstorbenen bekannten deutschen Ueberseßer Gottfried von Leinburg soll auf seinem Grabe in Wien ein Denkmal errihtet werden. Geplant wird ein Postà- ment aus \{wedis<hem Granit mit der bronzenen Büste des Ber- storbenen na< einem Modell des {<wedischen Bildhauers Otto Jarl. Ein Comité von Literaturfreunden wendet sih daher mit einem Aufruf an alle diejenigen in Deutshland, Oesterreih und Skandinavien, denen Gottfried von Leinburg! fertaglingen von Andersen’s, Oehlen-

äger's, Nuneberg's und namentli< Esaias Tegnór’s Dichtungen Stunden edlen, reinen Genusses bereitet haben, mit der Bitte Um Beiträge. Zur Annahme folher Spenden erklärt C bereit Herr Hof- und Gerichts-Advokat Dr. H. Bloch, Wien 1, Schottenring 4.

Land- und Forstwirthschaft.

Weimar, 9. Mai. Die in der leßten Woche eingetretene fru<ht- bare Witterung hat, nah der „Th. K.*, auf den Stand der Felder und Wiesen in Thüringen einen sehr günstigen Einfluß gehabt und namentli die Aussichten auf die Futterernte gebessert. :

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

__ Auf die von dem „Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke* gestellte Mas: „Was kann die Schule und befonders der Lehrer zur Förderung der Mäßig- kfeits\ahe thun?“ sind nah den „Veröffentlihungen des Kaiser- lichen Gesundheitsamts“ 112 Arbeiten eingegangen. Die preis- gekrönte Arbeit wird veröffentli<ht werden. Von der Ertheilung zweiter Preise und ehrender Hervorhebungen is abgesehen worden.

Cholera.

Frankreich. Zufolge einer Mittheilung des Direktors des Ge- sundheitsdienstes in der Sißung des Comité consultatif d’hygiène E am 23. April wurden, wie in den „Veröffentlihungen des

aiserlihen Gesundheitsamts“ berihtet wird, im Departement Finistöre während der Monate Februar, März, April (1. bis 21. d. M. cinf{l.) 25, 71 und 94 Erkrankungen an Cholera mit 23, 27 und 38 Todesfällen festgestellt. Am 28. und 30. März erfolgten in dem Dorfe Bornord (Gemeinde Palais, Departement M orbihan) 2 Erkrankungen an „diarrhée cholériforme“, von denen eine tödtlich verlief. Vom 22. bis 27. April starben im Dep. Finistère noh 19 Personen in 13 Gemeinden; seitens der Regierung wurde ein zweiter Arzt nach der ergriffenen Gegend abgeordnet.

Rußland. Jn der Stadt Warschau wurden demselben Blatt zufolge vom 24. bis 27. April 16 Erkrankungen (davon 10 in dem Vorort Ochota, 6 in der Stadt selbst) und 4 Todesfälle, in den Gouvernements Radom vom 20.ßbis 24. April 6 Erkrankungen (5 Todesfälle), Plo>k vom 23. bis 24. April 16 (7), Kowno vom 15. bis 28. April 21 (12) gezählt.

Portugal. Die Anzahl der in Lissabon <oleraverdächtig Erkrankten belief si< vom 283. bis 26. April täglich auf 93, 66, 93 und 87; gestorben is angebli< nur ein Säugling am 26. April. Während die Gesammtheit der Sterbefälle vom 1. bis 25. April v. I. 471 betrug, bezifferte sie sich in dem entsprehenden Zeitraum d. J. auf 548, doc kann die größere Sterblichkeit im laufenden Jahre eig e ae 0 der Erkrankungen der Athmu«„s8werkzeuge bedingt worden sein.

__ Ostindien. Kalkutta. Vom 25. bis 31. März sind 75 Per- fonen an Cholera gestorben. | Fle>typhus.

_ Regierungsbezirk Danzig. In der Zeit vom 24. März bis 1. April ift, wie in den „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Gesundheitsamts“ mitgetheilt wird, in den Stadtkreisen Elbing und Danzig je eine Neuerkranknng und im Kreise Danzig-Höhe der uzug einer erkrankten Person von außerhalb gemeldet worden; ein

odesfall wurde nur im Stadtkreise Elbing festgestellt.

gee ernen In Freystadt erfolgte am 12. März eine dritte Erkranïung bei dem Chemann einer erfrankten Frau, infolge von Anste>ung bei der Pflege derselben.

; Influenza.

Während die Seuche im Deutschen Reich so gut wie aufgehört hat, epidemish aufzutreten, wurden in der bezüglichen Berichtswoche 0 5 Sterbefälle angezeigt, aus Paris 3, London 8, New- York 2.

Den „Veröffentli<ßungen des Kaiserlihen Gesundheitsamts“ sind aus dem Regierungsbezirk Posen 4 Erkrankungen an Trichinose und 1 an Tollwuth, aus dem Regierungsbezirk Stralsund 2 an Milzbrand gemeldet worden.

Der Gesundheitsstand in Berlin war au<h in der Woche vom 22. bis 28. April ein guter und die Sterblichkeit eine günstige (von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berechnet, 16,1). Unter den Todesursachen kamen akute Entzündungen der Athmungs- organe etwas weniger zum Vorschein, do blieb der Verlauf noch häufig ein töôdtliher. Dagegen zeigten sfi< Erkrankungen an Grippe selten, obwohl no< immer 2 Todesfälle infolge von Grippe gemeldet wurden. Etwas häufiger als in der Vorwoche traten akute Darm- krankheiten zu Tage, do<h blieb der Verlauf meist ein günstiger. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war eine geringe; von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr berehnet, 44 Säuglinge. Unter den Infektionskrankheiten blieb das Vorkommen von Unterleibstyphus ein seltenes; etwas häufiger als in der Vorwoche kamen Erkrankungen an Masern, Scharlah und Diphtherie zur Anzeige, und zwar Erkrankungen an Scharlach aus dem Spandauer Viertel, an Diphtherie aus der Rosen- thaler Vorstadt und dem Wedding am zahlreihsten. An Kindbettfieber sind keine Erkrankungen vorgekommen, wohl aber gelangte eine weitere Erkrankung an Geni>kstarre zur Meldung. NRosenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut blieben zahlreih; Erkrankungen an Keuch- husten, die in 5 Fällen zum Tode führten, haben abgenommen. Nheumatishe Beschwerden der Muskeln sowohl wie akute Gelenk- rheumatismen gelangten etwas seltener als in der Vorwoche zur ärztlichen Behandlung.

Handel und Gewerbe.

Täglihe Wagengestellung für Koblen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. In Oberschlesien find am 8. d. M. gestellt 3976, ni<t ret» zeitig gestellt keine Wagen.

Magdeburg, 9. Mai. (W. T. B) Zusd>erbericht. Kornzu>er exkl., von 92 °/6 —,—, neue 13,00, Kornzu>er exkl. 88 9/6 Rendement 11,95, neue 12,10, Nachprodukte exkl., 75 %/0 Rendement 9,20. Ruhig. Brotraffinade Ï. —,—, Brotraffinade 11. —,—, Gem. Raffinade mit Faß —,—, Gem. Melis L, mit Faß —,—. Geschäftslos, Rohzu>ker. T. Produkt Transito f. a. B. Hamburg pr. Mai 11,80 Gd., 11,824 Br., pr. Juni 11,75 Gd., 11,80 Br:, yr. Juli 11,75 Gd., 11,80 Br., pr. Oktober-Dezember 11,40 bez., 11,425 Br. Still. l : \

Frankfurt a. M., 9. Mai. (W. T. B.) Die heute im Saale der Handelskammer tagende Vorversammlung der Bonds- und ar E Le Ner der 3% Western-, New-York- und ennsylvania-Bonds, in welcher 2250000 Bonds und Zertifikate vertreten waren, nahm folgende Resolution an: 1) Der von dem New-Yorker Comitó vorgelegte und von dem Frankfurter Comité befürwortete Reorganisationéplan erscheint wegen der dort den Bondsbesißern zugemutheten, durh die Sachlage in keiner Weise gerehtfertigten Benachtheiligungen, namentlich e der sogenannten Terminalklausel und wegen der \{hrankenlofen Gewalt, die der Verwaltung eingeräumt wird, für die Bonds- besißer durhaus unannehmbar. 2) Es empfiehlt sich, die Dutiniper zu vereinigen, um durch ein gemeinsames Vorgehen die Durchführung dieser Reorganisation und die Vergewaltigung dur das New-Yorker Comité zu vereiteln und die Einbringung eines neuen, den Bondsbesizern günstigen Plans herbeizuführen. i München, 9. Mai. (W. T. B.) Die Oberbayerische »andels- und Gewerbekammer lehnte die Mitwirkung zur

bschaffung der sogenannten Konkurrenzklausel bei kauf- männishen Engagements ab. Die Aufrechterhaltung der gemischten e wird von der Kammer befürwortet. cipzig, 9. Mai. (W. T. B.) Kammzug - Termin» handel. La Plata Grundmuster B. per Mai 3,30 , ver Juni 3,35 46, per Juli 3,39 #, per August 3,37 M, per September

3,40 M, per Oktober 3,427 4, per November 3,427 4, per De- zember 3,45 4, per Januar 3,45 #4, per Februar 3,45 #, per März 3,45 , per April #4 Umsay: 15 000 kg.

Mannheim, 9. Mai.“ (W. T. B.) Nr Bn LREGAMANN Weizen pr. Mai 14,35, pr. Juli 14,10, pr. Nov. 14,15. pr. Mai 12,00, pr. Juli 12,10, pr. Nov. 12,2%. Hafer per Mai 13,70, vyr. Juli 13,50, pr. Nov. 12,665. Mais pr. Mai 10,20, pr. Juli 10,25, pr. Nov. 10,40.

Bremen, 9. Mai. (W. T. B.) Börsen - Schlußbericht. Naffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum- Börse.) Ruhig. Loko 4,75 Br. Bens aite Matt. Upland middling, loko 37 $. S<{malz. Ruhig. Wilcox 39 „S, Armour shield 387 H, Cudahy 394 „4, Fairbanks 33 „4. Sve>t. Ruhig. Short clear ‘middling loko 35. Taba>. Umsay 427 Pa>en St. Felix.

Wien, 9. Mai. (W. T. B.) Die Brutto - Einnahmen der Orientbahnen betrugen in der 15. Woche (vom 9. April bis 15. April 1894) 211 896,84 Fr., Zunahme gegen das Vorjahr 56 430,97 Fr. Seit Beginn des Betriebsjahres (vom 1. Januar bis 15. April 1894) betrugen die Brutto-Einnahmen 2 984 274,11 Fr., Abnahme gegen das Vorjahr 423 743,03 Fr. /

10. Mai. (W. T. B.) Ausweis der Südbahn in der Woche vom 830. April bis 6. Mai 758 911 Fl., Mindereinnahme

46 299 F[. Pest, 9. Mai. (W. T. B.) Produktenmarkt. Weizen flau, per Mai-Juni 6,97 Gd., 6,99 Br., pr. Herbst 7,23 Gd. 7,24 Br. Roggen pr. Herbst 5,80 Gd., 5,82 Br., Hafer pr. Herbst 5,80 Gd., 5,82 Br. Mais pr. Mai-Juni 4,85 Gd., 4,87 Br., pr. Juli-August 5,04 Gd., 5,05 Br. Kohlraps pr. August-September 19,50—10,60.

_ London, 9. Mai. (W. T. B.) Wollauktion. Preise stetig bei guter L

An der Küste 2 I angeboten.

96% Javazu>er loko 145 ruhig, Rüben-Rohzud>er loko 113 ruhig. Chile-Kupfer 395, per 3 Monat 403.

St. Petersburg, 9. Mai. (W. T. B.) Im Januar und Februar d. J. wurden aus Rußland ausgeführt für 92 700 000 Rbl. Waaren gegenüber 51200 0900 Rbl. im vorigen Jahre. Eingeführt wurden für 48 000 000 Nbl. Waaren gegenüber 37 300 000 Rbl. im vorigen Jahre.

Java - Kaffee gocd

Amsterdäám, 9, Mai, (W. T: B) ordinary 51}. Bankazinn 453.

_St. Petersburg, 9. Mai. (W. T. B.) Die Reichsbank theilt mit, daß gestern zum Umtausch von Bankbillets und Orient- anleihe in 4prozen tige Staatsrente gefordert wurden: In der Reichsbank, ihren Komtors und Filialen 336 Millionen Rubel, in Privatbanken 160 Millionen und im Auslande 65 Millionen, im ganzen für 561 Millionen Nubel.

Christiania, 9. Mai. (W. T. B.)_ Die neue 49/oige An- leihe der Hypothekenbank wird am Sonnabend, den 12. d. M., S E in Kopenhagen und Hamburg zum Kurse von 100,55 auf- gelegt.

New-York, 9. Mai. (W. T. B.) Die Börse eröffnete ruhig, s<wähte si< im weiteren Verlauf ab und {loß wieder ruhig. Der Umsatz der Aktien betrug 168 000 Stü>l. i

Morgen gelangen auf dem Dampfer . Normannia“ 2 Millionen Gold zur Vers<iffung na< Europa; am Sonnabend follen 3 Millionen verschifft werden. : ;

Weizen fest während des ganzen Börsenverlaufs auf reichliche De>ungen der Baissiers, ungünstige Ernteberichte aus San Francisco, Broadstreetsberichte und auf ungünstiges Wetter für die Aussaat im Nordwesten. Schluß fes. Mais allgemein fest während des ganzen Börsenverlaufs auf abnehmende Ankünfte in den Westhäfen.

Chicago, 9. Mai. (W. T. B.) Weizen allgemein fest während des ganzen Börsenverlaufs auf Berichte von Ernteschäden in San Franciëco und auf ungeklärte politishe Situation in Argen- tinien. Mais allgemein fest während des ganzen Börsenverlaufs.

Verdingungen im Auslande.

Niederlande. 19. Mai, 10 Uhr. De eerstaanwezend ingenieur im Bureau der Genie zu Amsterdam, Lynbaansgracht 1: Herstellung einer Küstenbatterie auf dem Vuurtoren-Eiland bei Durgerdam. Vor- anshlag: 177 000 Fl. (niht, wie in Nr. 104 des „Reichs-Anzeigers“ angegeben, 1770 Fl.). Bedingungen auf dem genannten Bureau

erhältlich.

Verkehrs-Anstalten.

Bremen, 16. Mai. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Elbe* is am 8. Mai Nachmittags in New-York angekommen. Der Reichs-Postdampfer „Preußen“ ist am 9. Mai Vormittags in Hongkong angekommen. Der NReichs-Postdampfer „Bayern“ it am 8 Mai Nach- mittags in Neapel angekommen. Der Sc<nelldampfer „Havel“ hat am 9. Mai Vormittags Dover passiert; er überbringt 889 F alingrere und volle Ladung. Der Schnelldampfer „Lahn“ hat am 9. Mai SEUE Dover passiert. er .Schnell- dampfer „Trave“ is am 8. Mai Vormittags von New-York nah der Weser abgegangern. Der Postdampfer , Weser“ ist am 9. Mai Morgens in Gibraltar angekommen. j

Hamburg, 9 (W. 2. B) amburg-Ameri- fanishe Pa>ketfahrt-Aktien-Gesells<af\t. Der Postdampfer „Rhaetia" is gestern Abend in Cuxhaven eingetroffen. Der Postdampfer „Stubbenhuk“ hat heute Morgen Scilly passiert.

London, 9. Mai. (W. T. B.) Der Uniondampfer Greek* ift gestern auf der Ausreise von Lissabon abgegangen.

Theater und Musik.

Königliches Opern haus.

Gestern trat Frau Gadsfki vom Stadttheater in Bremen als Agathe im Freis<hüy" auf. Die jugendliche Sängerin ist dem Ber- liner Publikum von ihren Gastspielen auf der Kroll’shen Bühne no<h in gutem Gedächtniß. Das Organ, das hon in früheren Jahren dur Frishe und edlen Wohlklang auffiel, hat no< an Geschmeidigkeit und Fülle gewonnen. Die Sängerin versügt über eine sichere Technik und zeigte sih den s{wierigen Aufgaben, welhe die Partie der Agathe stellt, völlig gewachsen. In der großen Arie „Wie nahte mir der Schlummer“ hatte sie Gelegenheit, ihre Virtuosität im Koloraturgesang, wie ihr Talent für lyrishen Ausdru> zu beweisen. Das \ympathishe Timbre_ihrer Stimme kam zu voller Wirkung besonders in den getragenen Stellen ihres Gesanges. Was der Stimme an Kraft mangelt, kann die junge Künstlerin dur ihre weitere Entwi>elung no< gewinnen. Mit ihrer gestrigen Leistung erwarb sie verdientermaßen reichen Beifall bei der ganzen Zuhörer- haft. Die Beseßung der übrigen Rollen war unverändert, sodaß auch die Geigatnkvoritelluna eine künstlerishe Befriedigung gewährte.

Lessing-Theater.

Gestern Abend wurde der von seinen Aufführungen am echemalig Wallner-Theater bekannte und in früherer Zeit re<t beliebte Schwank „Immer zerstreut“ von Th. Barriòre und Edmond Gondinet in der geshi>ten Bearbeitung von Franz Wallner zum ersten Mal gegeben. Heute erscheint das nur auf Ver- weselungen von Personen und Briefen, fowie auf Ver- bergen augenbli>li<h auf der Scene unbequemer ° sonen in Schränken und Nebenzimmern bege Werk stark veraltet, wirkt aber do mit seiner überaus komishen Scene im zweiten Akt bei einer sehr flotten Darstellung in sämmtlihen Haupt- rollen re<t erheiternd und wurde an dieser Stelle au freundlih von den Zuschauern aufgenommen, während der erste Akt mit seinen etwas langathmigen Auseinandersezungen nur geringe Theilnahme finden konnte. Den Hauptantheil an dem Erfolge hatte Herr Franz Guthery