1894 / 117 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Tübingen, Jacobi in Homburg v. d. H., Ohlenschlager in Speyer, Païs in Pisa, Reish in Duo, Richardjon in Athen, von Schwabe in Tübingen, Soldan in Darmstadt, Vahlen in Berlin, von Wilamowißt - Möllendorff in Göttingen, White in Athen, ferner zu_korrespondierenden Mitgliedern die Herren e Ba in Oxford, Hoernes in Wien, Kastriotis in en hardys auf Samothrake, Radimskyÿ in Serajewo, Skias und Sotiriadis in Athen. Die Schlußsißung der Plenarversammlung fand am 19. d. M. statt.

Im Verein für deuts<hes Kunstgewerbe wird am Mitt- woh Herr Professor E. Doepler d. J. einen Vortrag halten - „über Schrift und Zeichnung im Buchgewerbe.“ Der Vortrag wird durch eine Ausstellung älterer und neuerer Beispiele von Druckschriften und Budhverzierungen erläutert werden. Die Sißung findet statt im großen Saale des Architektenhauses, 8 Uhr Abends.

Land- und Forstwirthschaft.

Saatenstand in Dänemark. : Die Wintersaaten haben ih infolge der feu<hten und milden Witterung der leßten Wochen kräftig entwidelt, besonders gilt dies vom Weizen, während über den Stand des mi 004 stellenweise aus SFütland Klagen laut werden. Die Sommeraussaat ist ‘fast überall beendigt und meistens gut aufgegangen. Auch die Wiesen haben sich dank der reichlichen Niederschläge erholt.

Verkehrs-Anstalten.

Der Scnelldampfer „Veendam“ der Niederländisch- Amerikanishen Dampfschiffahrts-Gesellshaft ist am 19. d. M. in New-York angekommen.

Bremen, 20. Mai. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Postdampfer „Mark“ ist am 17. Mai von Buenos Aires nach der Weser abgegangen. Der Schnelldampfer „Fulda“, nah Genua bestimmt, hat am 18. Mai, 2 Uhr Nachmittags, Punta Delgada passiert. Der Neichs-Postdampfer „Bayern“, nah Ost-Asien be- stimmt, ist am 18. Mai Nachmittags in Aden angekommen. Der Neichs-Postdampfer „Hohenstaufen“, von Australien kommend, ist am 19. Mai, 94 Uhr Vormittags, auf der Weser angekommen. Der Postdampfer „Gera“, nah Baltimore bestimmt, hat am 19. Mai, 8 Uhr Morgens, Lizard passirt. Der Postdampfer „Graf Bis- mar>“*, von Brasilien kommend, hat am 19. Mai, 7 Uhr Morgens, St. Catherines Point passiert.

Hamburg, 21. Mai. (W. T. B.) amburg-Amert- fanishe Pa>ketfahrt-Aktien-Gesells<aft. Der Postdampfer „Colonia“, von Hamburg kommend, ist am Sonnabend in St. Thomas eingetroffen. Der Postdampfer „Moravia*, von Ham- burg kommend, ift gestern 3 Uhr Nachmittags in New-York eingetroffen.

London, 19. Mai. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Lismore Castle“ hat gestern auf der Ausreise die Canarischen Inseln passiert. i

21. Mai. (W. T. B.) Der Uniondampfer „Spartan“ ist am Sonnabend auf der Ausreise von Southampton abgegangen.

Theater und Musik.

Königlihes Schauspielhaus.

Das Lustspiel , Der Tugendwächter“, das Eugen Zabel na<h dem Spanischen des Lope de Vega für die deutshe Bühne bearbeitet hat, fand am Sonnabend bei seiner ersten Aufführung eine re<t warme Aufnahme. Das Glü>, welches diese Art romantischer Scerzspiele in leßter Zeit auf der Bühne begleitet, erscheint fast wie ein troßiger Protest gegen. den pessimistishen und \{<werfälligen Naturalismus der neuesten Dramenliteratur. An fein gegliederte Seelenanalyse und kunstvoll gepflegte Charakterentwi>elung ge- mahnt nihts in dieser spanishen Komödie, die lediglich auf ein lustiges Intriguenspiel hinausläuft, das dazu dient, eine Be- hauptung, die im ersten Aft am Hofe der liebekranken Königin von Neapel fGérbaft aufgestellt ist, in den drei leßten Aufzügen ke> zu widerlegen. Roberto's Ansicht, daß man ein Weib mit Strenge und

Gewalt vor allem Liebesgetändel hüten könne, erklärt die Königin für das Unmöglichste auf Erden: ein Weib allein könne seiner Tugend Hüter sein. Zum Beweise dessen beginnt Lisardo, der vertraute Rath der Königin, ein Liebes\piel mit Roberto’'s Schwester Diana in allen

Ghren, wie es si<h am Hofe einer jungfräulichen Königin \{<i>t —,

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gewinnt ihre Zärtlichkeit, und Roberto selbs muß ihm die Geliebte unerkannt ins L führen. Der Erfinder und Leiter der intriganten Einfälle ist Lisardo’'s Diener Ramon, dem die Lust und Freude an Späßen und Scherzen aus den Augen lacht; die Liebenden felbst brauchen nur ihr Herz zu entflammen und om zu sein. Das scenishe Gefüge des Lustspiels ist überaus leiht nnd durchsichtig; es wird ausgefüllt dur< die listigen und fröhlichen Einfälle Ramon's ; aber es i umwoben von südlihem Sonnenglanz und Mondes- s{himmer, umtönt von Saiten}spiel, geshmü>t. mit zierlich gesezten klugen Reden, die in gereimten Versen glatt und fließend ausklingen. Das Spiel verlangt von den meisten Dar- stellern nur Heiterkeit und Grazie. Die Damen Poppe, von Hochenburger und von Mayburg entfalteten von beidem ein reichlihes Theil, und die Herren Purschian, Arndt und Keßler stimmten in diesen Ton fröhlih ein. Einen besonderen Erfolg erzielte Herr Vollmer als dummer shwerfälliger Hüter des Hauses; die Eee Beschränktheit dieses Antlizes wirkte unwiderstehlih omish.

Dem , Tugendwächter {loß \i< das alte Benedix sche Genrebild „Die Dienstboten“ an. Die Rolle der traumkundigen Köchin Christiane führte Frau Schramm zu allgemeiner Erheiterung in ihrer urwüchsigen drastishen Weise Les ; dem vorsihhtigen Kutscher Buschmann mit feinem Bildungsdrange verlieh - Herr Vollmer durch die würdevolle Ruhe seiner Bewegungen und durh den gedämpften Ton seiner Sprache ein heiteres Gepräge. Frau Conrad als Milchmädchen that in ihrer Hast und Beweglichkeit des Guten beinahe zu viel; die übrigen Mitwirkenden fonnten befriedigen. Jedenfalls we>te die frishe Darstellung des kleinen Ginafters bei den Zuschauern fröhliche Laune und herzhafte Lust zu lauten Beifallsäußerungen.

Berliner Theater.

Zum würdigen Abschluß seiner an Erfolgen und Ehren reichen theatralishen Wirksamkeit wurde von Herrn Ludwig Barnay Goethe®s „Faust“ in einer glanzvollen Vorstellung am Sonn- abend zum ersten Mal an dieser Bühne dem Publikum vorgeführt. Das Werk war sorgsam vorbereitet und dekorativ \timmungsvoll ausgestattet, und alle Mitwirkenden hatten \si< mit an- erkennenswerther ingebung, in ihre Rollen versenkt. Vor- nehmlih muß dem Fräulein Charlotte Boch für die eindringlihe und lebenswahre Durchführung der Rolle des Greth<en warmes Lob

espendet werden. Reichen au<h die Sti:nmmittel der begabten

ünstlerin für die leidenshaftlihen Scenen nicht ganz aus, fo wußte sie doch die harmlose Freude des bescheidenen jungen Mädchens über e Geschenke und seine Liebeswerbung, ihre ni<t ins Wanken zu ringende Liebe für den Verführer und den Kummer um den selbstvershuldeten Verlust der Mutter und des Kindes in herzgewinnender Weise zum Ausdru> zu bringen. Der von Herra Kraußne> mit der diesem hervorragenden Künstler eigenen Würde und Kraft dargestellte Faust fand gleichfalls reihen und wohlverdienten Beifall; allerdings hätte seine Maske als Liebhaber Grethchen?s jugend- licher, sein Auftreten elastischer sein können. Der Mephisto wurde von Herrn Suske gegeben. Er brachte den übermüthigen Spott, namentlich in den Scenen mit dem Schüler, mit Grethchen und der alten verliebten Marthe zur Erheiterung des Publikums gut zur Geltung, doch konnte seine Auffassung nicht überall unbedingte Zustimmung finden. Jn den fleineren Rollen der Marthe, der Hexe, des Schülers, des Valentin und des Siebel hatten die Damen Baumeister und Wilke, sowie die Herren Schindler, Sto>khausen und Formes glei<hmäßigen Antheil an dem Erfolg der wohlgelungenen Vorstellung.

Im Königlihen Opernhause gelangt morgen zu Richard Wagner’'s Geburtstag „Der fliegende Holländer" mit folgender Be- seßung zur Aufführung: Holländer: Herr Bulß, Senta: Frau e Daland: Herr Krolop, Eri>k: Herr Sommer. Kapellmeister

eingartner dirigiert.

Im Königlihen Schauspielhause gehen morgen Lope de Vegas Lustspiel „Der Tugendwächter“, bearbeitet von Eugen Zabel, und Benedix? Genrebild „Die Dienstboten“ in Scene.

Das Friedri<h-Wilhelmstädtishe Theater beschließt mit dem 31. d. M. seine Spielzeit; bis dahin gelangen Wieder- holungen der Strauß’shen Operette „Der lustige Krieg“ und „Boccaccio* von Suppé zur Darstellung.

Mannigfaltiges.

Nag Allerhöchster Bestimmung J hrer Majestät der Kaiserin und Königin findet die diesjährige Generalversammlung des Vaterländischen. Frauen-Vereins Mittwoch, den

23. Mai d. J, Vormittags 11 Uhr, in der Sing-Akademie i owie unserex *

statt, wozu wir alle B tver des Hauptvereins Zweig- und Hilfs-Vereine hierdur< freundlidst einladen. Zur Legitimation beim Eingange dient die Quittung über dey gezahlten Vereinsbeitrag. Der Vorstand des Vaterländis<en Frauen-Vereins. Charlotte Gräfin von JItenplig.

Der Verein DeutscherLehrerinnen und Erzieherinney beging am Sonnabend im Zoologishen Garten das Jubelfest seinez 25 jährigen Bestehens. In Vertretung des Ministers der geist, lichen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse, der dem Verein \{riftli< ge,

deihlihe Weiterentwiklung gewünsht hatte, war der Ministerial,

Direktor Dr. Kügler erschienen. Den Festsaal s{<müd>te das Os, gemälde der Begründerin des Vereins, des vor etwa vier Jahren ver, storbenen Frl. Mithène. Von den Mitgliedern des ersten Vorstandes wohnte Frau Marie Gubitz der Feier bei, die mit einem von Fräulein Hermann gedichteten, von Fräulein Luise Arndt vorgetragenen Prolog eröffnet wurde. Alsdann sang der Schülerinnenchor der Königlichen Elisabethschule eine vom Professor Friedri Bachmann gedichtete und für dreistimmigen Frauen<hor und Soli komponierte „Festkantate“, In längerer Ansprache gab hierauf Fräulein Hermann als derzeitige Borsiyende einen Abriß der Geschihte des Vereins, dessen Be, gründung bei Gelegenheit des 1869 hier abgehaltenen Lehrer, tages es und alsbald zur Ausführung gebraht wurde. Die {önste That des jeyt über 700 Mitglieder zählenden Vereins war die 1878 erfolgte Errichtung des Feierabendhauses in Steglitz, dessen Insassen dur<h General-Direktor Heyl dem Verein Dank und Glü>wünsche aussprechen ließen. Bei dem Festmahl nahm Ministerial-Direktor Kügler das Wort, um Seiner Majestät des Kaifers und Königs zu gedenken, AUerhöchstwelcher die heilende Hand an die {weren Wunden unserer Zeit gelegt und gemahnt habe, alle Kraft einzuseßen, um in der Jugend Vaterlandsliebe zu we>en und zu pflegen. Für die von Fräulein Hermann begrüßten Gäste antwortete Professor Wäßoldt, Direktor der Königlihen Elisabethshule, mit Worten der Anerkennung für das von dem Verein bisher Erreichte und mit besten Wünschen für die weitere Entfaltung. Professor Bachmann toastete auf das Kuratorium des Feierabendhaufes, in dessen Namen Handelsrihter Jacob antwortete. Dem Dank für das Erscheinen des Negierungsvertreters gab Frau Banquier Oskar Kohn, die Mit- \{öpferin des Feierabendhauses, beredten Ausdru. Für den Verein der Deutschen Volkss{hullehrerinnen spra< "Fräulein Schneider, für den Hausfrauenverein Frau Lina Morgen- stern. Der Letteverein, der bei der Feier dur seine Vorsißende Frau Schepeler-Lette vertreten war, hatte seine Glü>kwünsche in einem Schreiben ausgedrückt; das Heimathhaus für Töchter höherer Stände fandte ein Begrüßungstelegramm. Durch künstlerishe Genüsse ver- shönten die Feier Konzertmeister Nehfeld, Opernsänger Liban und Frau, sowie die Sängerinnen Fräulein Müller und Fräulein Goldstein,

Posen, 20. Mai. Aus Gnesen wird den „Neuest. Nachr.* gemeldet: Major von Werder vom Dragoner - Regiment von Arnim (2. Brandenburgisches) Nr. 12 stürzte ge\tern bei einer Uebung mit dem Pferde und wurde von den ihm folgenden Dragonern über- ritten. Sein Zustand ist hoffnungskos.

Aßmannshausen. Wie der „Rhein. Kur.“* aus Aßmanns- bausen berichtet, fand dort am Sonnabend Nachmittag die feierliche Enthüllung der Büste des Dichters Freiligrath und der Gedenktafel statt, die an dem Gasthaus „Zur Krone" über dem Zimmer angebracht is, wo Freiligrath vor fünfzig Jahren wohnte, Emil NRittershaus und Karl Stelter hielten die Sten.

Weimar, 19. Mai. Der Verwaltungsrath der Deutschen Sch illerstiftung trat gestern hier zusammen und hat heute seine Berathungen beendet, die sich auf Verleihung von Ehrengaben und Regelung einiger inneren Angelegenheiten der Stiftung bezogen. Nachmittags waren die Mitglieder des Verwaltungsraths nah Schloß Belvedere zur Großherzoglichen Tafel geladen.

Chicago, 19. Mai. Am vergangenen Donnerstag wurde dem „W. T. B.* zufolge das westlihe Ufer des M ichigansees von einem außerordentlich heftigen Sturm beimgesucht. Zahlreihe Schif- brüche werden gemeldet; zehn Personen find ertrunken.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Aberdeen .. | 763 |NW

E E N C O C E E I L E R R E E R A E I D R E R E E R E E E T C B R S A S E E S R G S E N E R E R S R I R E R I E C A S I E E E R R E O E V R E R E E G I I P S I: E

i<t vom 21. Mai, r Morgens.

Wetterb 8

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Stationen. Wind. Wetter.

Temperatur in 9 Celsius 50G. =—49R

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p red. in Millim.

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ND

Belmullet halb bed.

halb bed Regen wolfig

Christiansund | 760 |NW heiter |

Kopenhagen . | 759 Sto>kholm . | 759 Ds (0&4 t. Petersbg. | 764 Mosfau . .. | 768 Cork, Queens- n 0D Cherbourg. . | 759 el COL E000 MPUTa: ..| 109 winemünde | 756 Neufahrwasser| 756 Memel ... | 757

Des O 4:1:

R N 0D Karlsruhe . . | 754 Wiesbaden . | 755 München .…. | 754 Chemniß .. | 756 Merlin» | C00 et l C00 Breslau . …. | 754 Fle d'Aix .. | 793 753

wolkenlos | bededt wolkenlos

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heiter heiter wolkig gon bed. alb bed. bede>t bede>t!) Regen?) bede>t bededt Negens) beded14) bede>t Negen®) bededt 6) wolkenlos wolkenlos

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1) Nachts Regen. Nachts Regen. *?) Gestern Regen. ) Abends, Nachts Regen. *) Abends, Morgens Gewitter. ®) Nachts Regen.

Uebersicht der Witterung.

Eine breite Zone mit niederem, “em wes ver-

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theilten Luftdru> erstre>t si< von dem westlichen Mittelmeer nordwärts über Zentral-Europa hinaus nah Nordskandinävien hin, während westli<h von

den Britischen Inseln und über dem Innern Nuß-

lands Hochdru>kgebiete lagern. Ueberall ist die Luft- bewegung s{wa<, nur in der Kanalgegend wehen starke nordöôstlihe, über der Biscayasee starke nord-

‘östlihe bis nordwestlihe Winde. In Deutschland

ist bei meist s{<wacher, vorwiegend nordöstlicher bis nordwestliher Luststrômung das Wetter trübe und fühl; vielfa<h is Regen gefallen. In der Südhälfte Deutschlands sowie in Süd- frankreih fanden zahlreihe Gewitter statt. Nizza meldet 45 mm, Kiew 21 mm Regen. Fortdauer der kühlen, trüben Witterung is demnächst noch

wahrscheinlich. M Deutsche Seewarte.

E S E A T L T L L E Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern- haus. 131. Vorstellung. Der fliegende Holländer. Romantische Oper in 3 Akten von Ea Wagner. In Scene geseßt vom Ober # Regisseur Teßlaff. Dekorative Einrichtung vom Ober-Inspektor Brandt. N l Kapellmeister Weingartner. Anfang

d T.

Schauspielhaus. 138. Vorstellung. Der Tugend- wächter. Lustspiel in 4 Aufzügen, nach Lope de Nega, mit theilweiser Benußung der Braunfels’schen Uebersetzung, für die deutshe Bühne bearbeitet von Eugen Sabel. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Marx Grube. Dekorative Einrihtung vom Ober-In- spektor Brandt. Die Dienstboten. Genrebild in 1 Aufzug von Roderih Benedix. In Scene gesetzt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang 7$ Uhr.

Mittwoch: Opernhaus. 132. eng Zum ersten Male. Die verkaufte Braut. omische Oper in 3 Akten von Friedri<h Smetana. Text von K. Sabina, deuts< von Max Kalbe>. Tanz von Emil Graeb. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Tehlaff. nang 74 Uhr.

<hauspielhaus. 139. Vorstellung. Nathan der Weise. Dramatisches Gedit in 5 Aufzügen von G. E. Lessing. Anfang 7# Uhr.

Deutsches Theater. Dienstag: Der Herr Senator. Anfang 7{ Uhr.

Mittwoch: Geographie und Liebe.

Donnerstag: Der Herr Senator.

Freitag: Don Carlos.

Berliner Theater. Dienêtag: Kean. Anfang 74 Uhr. Mittwoch: Faust. Anfang 7 Uhr. Donnerstag: Das Glas Wasser. (Ludwig

Barnay.)

Lessing-Theater. Dienstag: Niobe und Die Orientreise. (Niobe: Jenny Groß.)

Mittwoch und folgende Tage: Madame Sans- Gêne. (Jenny Groß.)

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. Chausseestraße 25. :

Dienstag: Der lustige Krieg. Komische Operette in 3 Akten von F. Zell und Richard Genée. Musik von Johann Strauß. Negie: Herr Unger. Dirigent : Herr Kapellmeister Federmann.

Um 64 Uhr: Im prachtvollen Park: Großes Konzert, ausgeführt von dem ganzen Orchester des Friedrih-Wilhelinstädtishen Theaters unter Leitung dés Konzertmeisters Herrn F. Stiemer.

Anfang des Konzerts 6x Uhr, der Vorstellung 7 Uhr.

Mittwoch: Im prachtvollen Park um 6 Uhr: Großes Konzert. Im Theater um 7} Uhr: Der luftige Krieg.

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Dienstag: Neu einstudiert: Die Familie Pont: Biquet. Schwank in 3 Akten von Alexandre Zt Deutsch von Max Schönau. Anfang

'+ Uhr. Mittwoch und Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Theater Unter den Linden. Dienstag: Ermäßigte Preise. Der Obersteiger, Operette in 3 Akten von M. West und L. Held. S von E A0 -— Hierauf: Farfarello, Ballet. Anfang

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Adolph Ernst-Theater. Leßter Monat. Dienstag: Charley’'s Tante. Schwank in 3 Akten von Brandon Thomas. Vorher: Die Bajazzi. Laie Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed, Jacobson und Benno Jacobson. Musik von Franz Noth. In Scene geseßt von Ad. Frnft. Anfang

74 Uhr. Mittwoch: Diefelbe Vorstellung.

Pentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Dienstag: Gastspiel von Emil Thomas. Der Traum des Aktionärs. Dramatisches Quodlibet in 3 Akten (5 Bildern) mit Gesang. (Doktor H Sladerißy, Strißow, Geyer, Gaspard,

entier Blasel: Emil Thomas.)

Mittwoch und folgende Tage: Der Traum des Aktionärs. : y

Konzerte.

Kroll’s Etablissement. Dienstag: Erstes großes Wagner - Konzert. Neues Orchester: Paul Prill. (Bei ungünstigem Wetter im Saal.) Anfang 6# Uhr. i

Mittwoh: Nah Schluß des Korso: Großes Doppel-Konzert. Anfang ò Uhr. Entróe 50 H, Duyend-Billets 4 4 E

Auf der Terrasse: Wein - Restaurant bei freiem Entrée. Diners von 3 4 an.

E E N I e I T e I E) Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Irmgard Hermes mit Hrn. Haupt- mann Arthur Lobah (Graudenz). Vereheliht: Hr. Robert Doering-Manteuffel mit Frl. Helene von Puttkamer (Ritterzut Heidersdorf bei Wohlau). A Geboren: Ein Sohn: Hrn. Hauptmann a. L Otto Flemming (Naumburg a. S.). Hm Lieut. von Bor>e (Hannover). Hrn. Douglas Zerbow. Hrn. Professor Dr. Schur (Aachen). Hrn. Pastor K. Voß (Suschen). H. Gymnasial-Direktor Thalheim (Hirschberg). Eine Tochter: Hrn. Regierungs-Rath Dr. Ege! Breslau). Hrn. Rittergutöbesißer Edmund <ube (Kurzwißz bei Juliusburg). Gestorben: Hr. Major z. D, Hermann Alken (Koblenz). Hr. Oberst-Lieut. a. D. Wilhelm von Philipsborn (Darmstadt). Hr. Geb, Admiralitäts-Rath Robert Wagner (Friedenau). Fr. Eva von Queis, geb. Tieße (Grzybowen bei Stürla> Ost-Pr.). Hr. Geh. Justiz-Rath u Ober-Landesgerihts-Rath a. D. Friedrich Augu Hesse (Naumburg a. S.). Fr. Eugente m Salish, geb. von Frankenberg - Ludwigsdor

(Koschnöroe).

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Redakteur: Dr. H. Kl ee, Direktor.

Berlin: I Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>keret und Verla“ Anstalt, Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. ö

Sieben Beilagen (einshließli< Börsen-Beilage),

(831)

und die Pfandbrief-Verloosungsliste der S

deutschen Bodencreditbank.

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Breußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

68. Sißung vom 19. Mai 1894.

Der Sizung wohnen der Justiz - Minister Dr. von Schelling und der Minister für Landwirthschaft 2c. von Heyden bei. i |

Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Lesung des Geseßentwurfs, betreffend die Fischerei der Ufer- ceigenthümer in den Privatflüssen der Provinz Westfalen. :

Abg. Dr. Freiherr von Heereman (Zentr.) erklärt, daß der vorliegende Gesehentwurf, wel<her der Jnitiative des Provinzial- Fischereivereins entsprungen sei und die Zustimmung [des Provinzial- Landtags erhalten habe, dem allgemeinen Bedürfniß und den Wün- shen von Westfalen entsprehe. Im allgemeinen liege die Fischerei in Westfalen infolge der Raubfisherei und der Ver- unreinigung der Flüsse dur< die Industrie sehr darnieder. Eine geseßlihe Ordnung der Fischerei sei um so mehr ge- boten, als die bei Erlaß des Fischereigeseßes von 1874 gehegte Er- wartung, es werde der genossenschaftliche Fischereibetrieb die Einzel- fisherei mehr und mehr erseßen, sih nicht erfüllt habe. Allerdings greife der En‘wurf in das Privatreht ein, aber das sei im öffent- lihen Interesse nothwendig. Von einer Kommissionsberathung möge R da sonst das Gese leicht in dieser Tagung scheitern fönnte. {

Abg. Freiherr von Plettenberg-Mehrum (kons.): Bisher habe man der Fischzuht in Westfalen dur< das Verbot der Zuleitung schädlicher nts in die Flüsse, Bestimmung von Schonzeiten und Vorschriften in Bezug auf Fanggeräthe aufzuhelfen gesuht. Das ge- nüge jedo< ni<t; man müsse gewisse Beschränkungen des Eigenthums- rets, die mit dem Betreten fremden Grund und Bodens verknüpft sind, eintreten lassen, wenn folhe au<h dem besonders in West- falen ausgebildeten Selbständigkeitêtriebe widersprähen. Dieser Trieb dürfe jedo nur so weit als bere<tigt anerkannt werden, als er sih mit dem Gemeinwohl vertrage. Medner erklärt sih für die Ueber- P der Vorlage an eine Kommission.

Abg. Kir f < (Zentr.) stimmt der Vorlage zu, regt aber die Frage an, ob ni<ht na< Analogie des Jagdpolizeigeseßes auch Mes bende Strafbestimmungen für den Fischfrevel vorzusehen seien. Redner be- mängelt sodann die rend des $ 10, wonach die Fischerei- versammlungen ihre eshlüsse in Ermangelung anderweiter Verein: barungen na der Uferlänge fassen sollen, wobei eine Stre>e von 10 m als Naumeinheit angesehen werde. Das werde in einzelnen Fällen zu großen Unzuträglichkeiten führen. Auch fonst habe er gegen einzelne Bestimmungen der Vorlage mancherlei Bedenken und empfehle deshalb die Verweisung an eine Kommission von 17 Mitgliedern.

Abg. Willebrand (Zentr.) is mit der Kommissionsberathung einverstanden. Er billige zwar den im Geseßentwurf ausgesprochenen Grundsay, daß künftig selbständige und gemeinschaftliche Fischerei- bezirke eingeführt werden sollen; aber er könne sih nit damit ein- verstanden erklären, daß nah $ 4 der selbständige Fischereibezirk 500 m Länge umfassen müsse. Cs gebe Fischereiberehtigte, die einen fleineren Bezirk besäßen, und deren Fischereigerehtsame auf einem Rechtstitel beruhten, die auf diese Weise empfindlih ges{hädigt würden.

__ Abg. Humann (Zentr.) führt den Rü>kgang der Fischerei auf die Verunreinigung der Flüsse und Bäche durch die Industrie, sowie auf die Beseitigung der Krümmungen und auf die dadurch herbei- geführte Entsandung der Flüsse zurü>. Von der Vorlage verspricht Redner sih wenig Erfolg. __ Abg. Schmi t- Erkelenz (Zentr.) bittet den Minister für Landwirth- schaft, das hon lange verheißene Fischereigeseß für die Rheinprovinz baldigst vorzulegen, weil der Mangel gejeßliher Vorschriften die Fishereierträgnisse in der Rheinprovinz benachtheiligt habe.

Minister für Landwirthschaft 2c. von Heyden:

Dem leßten Wunsch des Herrn Vorredners, mich bezüglich der

Verlegung eines gleihen Gefeßentwurfs für die Rheinlande zu äußern, kann ih entsprehen. Die Verhandlungen sind so weit ge- fördert, daß eine solhe Vorlage demnächst dem Provinzial-Landtag der Rheinprovinz zugehen wird. Der Geseßentwurf für Rheinland wird im wesentlichen auf denselben Grundlagen beruhen, wie der für Westfalen. : Mit leßterem is die Staatsregierung lediglih den Be- {lüssen des Abgeordneten- und Herrenhauses aus dem Jahre 1887 nahgekommen. Die Herren Redner, welche diese Angelegenheit be- handelt haben, differierten in ihren Ansichten bloß darin, ob es noth- wendig sei, diesen Geseßentwurf no< einer Kommission zu überweisen, oder ob er sofort in zweiter Berathung hier behandelt werden könne. Der Hauptgrund für Kommissionsüberweisung schien der zu sein, daß sonst vielleiht der Vorwurf erhoben werden könnte, die Landesvertretung habe die Angelegenheit zu leiht genommen. Nun mag der Beschluß des Hauses bezüglih der geschäftlihen Be- handlung des Geseßentwurfs ausfallen, wie er wolle der Vorwurf, die Sache sei zu leiht genommen, wird niht mit Recht erhoben werden können. Seit 1887 ist diese Angelegenheit in den zunächst be- rufenen Körperschaften verhandelt; der Beschluß des Abgeordneten- hauses ging dahin, man solle diese Angelegenheit niht durch allge- meines Landesgeset, sondern provinziell regeln. Infolge dessen ift seit 1887 von dem Fischereiverein der Provinz Westfalen und wiederholt vom Provinzial-Landtag in der Sache beschlossen und der jet vorliegende Entwurf mit nur geringen Abweichungen vom Provinzial-Landtag Westfalens angenommen, sodaß für die Gestaltung desselben im wesentlichen die Organe mit verantwortlih sind, welhe der Sache am nächsten stehen.

Wenn nun einzelne der Herren Vorredner bemängelt haben, daß der Gesegentwurf ni<t genügend detaillierte Bestimmungen aus dem Zagdpolizeigeseß übernommen habe, so möchte ih glauben, daß dieser Vorwurf nicht gerechtfertigt ist. Sie können die vorgeschlagenen Bestim- mungen, nachdem sie dem nächstbetheiligten Organ als ausreichend ershienen sind, meines Erachtens wohl annehmen. Ob hier besondere Straf- bestimmungen eingefügt werden, wie im Jagdpolizeigese, oder ob die allgemeinen Strafbestimmungen des Strafgeseßbuchs platgreiren, ist von untergeordneter Bedeutung.

Dagegen würde es bedenkli<h sein, die Abgrenzung der selbständigen Fischereibezirke hinsihtli<h ihrer Ausdehnung in

em Flußlauf von 500 m, wie die Vorlage will, auf

m, wie Herr Wilbrandt vorgeschlagen hat, zu erhöhen, Len den Wünschen der Betheiligten. Diese Frage ist im Provinzial- ie tag erörtert; es ist mit Rücksicht auf die Verhältnisse der Provinz

estfalen gerade die Stre>e von 500 m gewählt. : (Sehr richtig!)

Berlin, Montag, den 21. Mai

Ich glaube, wenn man eixe solche Angelegenheit provinziell ordnet, kann muß man gerade sol<e Fragen der provinziellen Entschließung überlassen. Es ist ferner eine Detailbestimmung, wie sie das Jagd- polizeigescß enthält, vermißt, ob im Fall der Verpachtung der Pächter stets eine Person sein muß, oder ob mehrere Personen Pächter sein können. Wenn mehr als drei Personen Eigenthümer des Fischereibezirks sind, dann muß nach der Vorlage die Verpachtung stattfinden; es würde ein nonsens fein, wenn man bei dieser Sachlage eine Verpachtung an zehn Personen zulassen wollte. Diesen Punkt kann man der Hand- habung und Auslegung des Gesetzes überlassen.

Ich wiederhole, ein Vorwurf wegen unzureichender geshäftliher Behandlung kann nach der ganzen Vorgeschichte niht erhoben werden, wenn das Gefeß sofort in zweiter Lesung erledigt wird.

Abg. Schwarze (Zentr.) hält eine Kommissionsberathung nothwendig, namentli<h weil ähnlihe Gesetze E für A s vinzen erlassen werden müßten.

Abg. v. Boc>um-Dolffs (fr. kons.) spriht si< namens seiner Partei gegen eine Kommissionsberathung aus, während

Abg. Dr. Irmer (kons.) diese für nöthig erklärt, weil in Privat- L eingegriffen werde, wobei man mit größter Sorgfalt verfahren müsse.

__ Abg. Dr. Lohmann - Hagen (nl.) glaubt, daß es ohne Eingri in die Privatreite niht möglih sei, die Fischerei zu heben, un bittet dringend um baldige Annahme des Gesetzes.

Die Vorlage wird hierauf einer Kommission von 14 Mitgliedern überwiesen.

Es folgt die erste Berathung des Geseßentwurfs zur Ausführung des Reichsgeseßes, betreffend Ab- änderung des. Viehfes über die Abwehr und Unter- drü>ung von Viehseuchen vom 1. Mai 1894. 7 Abg. von Men del-Steinfels (kons.) weist darauf hin, daß die Impfung si<h als ein gutes Mittel gegen die Lungenseuhe erwiesen habe, „und. man in der Provinz Sachsen daher den Wunsch hege, daß die Impfung allgemein zwangsweise eingeführt werden möge. Alle Bedenken, welche gegen die Impfung bisher geltend gemacht worden, seien dur die Erfahrung als unbegründet erwiesen worden. Es gingen bei der Impfung nur 2—3 9/% der Bestände zu Grunde, und für diese Verluste solle die Versicherung entschädigen. Die Vorlage treffe in dieser Beziehung vollständig das Richtige; sie lasse den Provinzen für die Handhabung der Versicherung die nöthige Frei- heit der Bewegung. Redner bittet den Minister, dafür Sorge tragen zu wollen, daß den Thierärzten, welche mit der Impfung be- auftragt werden, besondere Unterweisungen über das Impfverfahren zu theil würden. _Ferner sollte man nicht bloß die ohnehin belasteten Kreis-Thierärzte t das Impfgeschäft bestimmen. Schließlich empfiehlt Redner tie Annahme des Gesetes ohne weitere Kommissionsberathung.

Abg. von Bokelberg (konf.) bittet den Minister, in Bezug auf

die Abwehr der Tuberkulose Maßregeln zu treffen; es handele sich"

dabei allerdings niht um eine Seuche im eigentlichen Sinne, fondern mehr um eine Krankheit.

Minister für Landwirthschaft 2c. von Heyden:

Es ist mir nit ganz klar geworden, wel<he Antwort der Herr Vorredner cigentlih von mir erwartet. Mit der jeßigen Vorlage hat die Tuberkulose des Rindviehs nur einen sehr losen Zusammen- hang, höchstens insofern, als au< eine Impfung mit Tuberkulin nur würde angeordnet werden können, wenn dies vorgängig durh Reichsgeseß für zulässig erklärt wird. Zur Abänderung des Reichs-Viehseuchen- geseßes ist die Frage der Tuberkulin-Impfung no< nicht spruchreif. Die Staatsregierung hat s>on seit längerer Zeit Versuche darüber angestellt, wel<he Wirkungen Tuberkulin-Impfungen haben. Diese Versuche haben zu einem positiven Ergebniß bisher nicht geführt und sind vorläufig eingestellt; und es ist der Wissenschaft überlassen, auf diesem Gebiete weiter zu arbeiten. Dies geschieht. Seitens der Staats- verwaltung ist die Einkichtung getroffen, daß dur< Vermittelung der Berliner Thierärztlihen Hochschule Tuberkulin zu Impfzwecken zu billigen Preisen abgegeben wird, hiervon wird aus allen Theilen des Landes Gebrauch gemacht. Ich glaube damit das Tuberkulin verlassen zu können.

Im übrigen empfehle ih mit Herrn von Mendel, diesen für die Interessen der Provinz Sachsen wichtigen Geseßentwurf noch in dieser Tagung anzunehmen und zu dem Zwe> ihn heute {on in der zweiten Lesung zu berathen.

Abg. Freiherr von Erffa-Wernburg (kons.) wünscht die Errich- tung von Gefahrenklassen für die Entschädigungen der Verluste dur Lungenseuche.

Minister für Landwirthschaft 2c. von Heyden:

In der Geseßvorlage war ein Hinweis auf Gefahrenklassen nit gut anzubringen. Die Geseßvorlage geht davon aus, daß die be- treffenden Verbände diese Frage selbst zu regeln haben, und es wird Sache der Provinzialverbände, speziell des der Provinz Sachsen sein, bei der Beitragsausschreibung die Gefahrenklassen, wie sie der Herr Vorredner eingeführt wissen will, zur Einführung zu bringen. Jm übrigen möchte ih den Herrn Vorredner bitten, der Seite 8 der Be- gründung des Geseßentwurfs seine Aufmerksamkeit zu {henken. Dort ist auf diesen Punkt ausdrü>li< aufmerksam gemacht.

Damit {ließt die erste Lesung.

Die einzelnen Bestimmungen der Vorlage werden in der sih unmittelbar anschließenden zweiten Lesung ohne erheb- lihe Debatte genehmigt.

Es folgt die oe Berathung des Geseßentwurfs, betreffend die Rechte des Vermiethers an den in die Miethsräume eingebrachten Sachen.

Nach Z 1 der Vorlage soll das Pfandreht des Ver- miethers si<h niht auf die der Pfändung nicht unterworfenen Sachen erstre>en. 8 2 bestimmt, daß das Gesez mit dem Tage L Verkündigung in Kraft treten und au< für die zu diefer Zeit bestehenden Miethsverhältnisse gelten soll.

Die Komniission hat dem d 1 die Bestimmung hinzu- gefügt: „Rechte, welche dieser Vorschrift zuwider bestellt werden, U unwirksam.“ Den $ 2 hat sie dahin geändert, daß die

orlage für die bestehenden Miethsverhältnifse am 1. Oktober A al übrigen mit dem Tage der Verkündigung in Kraft treten soll.

Der Berichterstatter Abg. Beleites (nl.) theilt mit, daß nah Abschluß der Kommissionsverhandlungen no< zwei Petitionen von dem Bunde der Berliner Hausbesißervereine und von dem Haushesiger- verein Berlin-West gegen die Vorlage eingegangen sind. j

Die einzelnen Bestimmungen des Geseßentwurfs werden

1894,

darauf ohne Debatte genehmigt und die d i Petitionen für erledigt erklärt. h Tju CmMgega ees Schluß nah 3 Ühr.

Nr. 20 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, her- ausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 19. Mai, hat folgenden Jnhalt: Wettbewerb um Entwürfe zu Hofbeamtenwohnungen u. \. rw. am Königlichen Residenzshloß in Stuttgart. Zur Geschichte des deutschen Lokalbahnwesens. (Fort- seßung.) Vom Bauwesen der Stadt Berlin. Auerlichtbeleuch- tung in den Instituten der Universität Halle a. S. Vermischtes: Wettbewerbe um Entwürfe für eine evangelische Kirhe in Magdeburg. Wettbewerbe um Pläne für eine evangelische Kirhe in Nürnberg. Wettbewerb um Entwürfe für eine Realschule in Altona. P. Wallot's Berufung an die Kunstakademie in Dresden. A E MenareB de Ae Ee E Demographie in

apest. Wiederherstellung der Kirhe in Usedom. Abn von Asphalt-Fußsteigen. y E

Entscheidungen des Reichsgerichts.

__ Die dem Vorstand einer Aktiengesellshaft, Genossenschaft 2c. über e Geschäftsführung seitens der Generalversammlung E Entlastung ist, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, 1V. Zivil- senats, vom 8. Februar 1894, nur insoweit wirksam, als die Ge- [<äftsführung aus den der Generalversammlung gemachten Vor- lagen erkennbar gewesen is. Wird später der Vorstand wegen eines dur seine Geschäftsführung vershuldeten Schadens in Anspruch genommen, so hat er seinen Einwand der Decharge dur den Nach- weis, daß in der Generalversammlung neben dem allgemeinen Geschäfts- bericht noh weitere Mittheilungen, welche jene angetid s<ädigende Ge- schäftsführung betrafen, vorgelegen hätten, zu begründen. „Das Berufungsgericht hat den von den Beklagten erhobenen Einwand der Decharge verworfen. Wenn es dabei von dem Rechtssaze ausgeht, daß die dem Vorstande über dessen Geschäftsführung seitens der Generalversammlung ertheilte Entlastung nur insoweit wirksam sei, als die Geschäftsführung aus den der Generalversammlung gemachten Vorlagen erkennbar gewesen sei, so befindet es sih im Einklange mit der Nechtsprehung des Reichsgerihts. Von diesem Gesichtspunkt aus verlangt es auh mit Recht von den Beklagten die Darlegung und den Nachweis, daß jene Vorausseßung vorliegend zutreffe.“ (268/93.)

__— Wird durch die theilweise Enteignung eines Grund- >s für eine neue Straßenanlage das Restgrundstü> mit der Verpflichtung des Eigenthümers zur Anlegung, Unterhaltung und Reinigung des Bürgersteigs „der neuen Straße belastet, so ist, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, V. Zivilsenats, vom 10. Februar 1894, in Preußen diese Belastung nicht als eine im Enteignungs- verfahren zu vergütende Werthsverminderun g des Restgrundstücks zu erahten. „Die Verpflichtung des Klägers zur Anlegung, Unter- haltung und Reinigung des Bürgersteigs der neuen Strafe beruht unmittelbar auf den Polizeiverordnungen vom 17. Januar 1873 und 7. April 1867, denen ein Lokalre<t (Obfervanz) der Stadt Berlin zu Grunde liegt. .. . Von einer im Enteignungsverfahren zu ver- gütenden Werthsverminderung des Restgrundstüdks kann nicht die Rede sein, wenn die Belastung, die das Nestgrundstü>k als Folge der Ent- eignung trifft, im Sinne des Gefeßes selbst ni t8 Anderes ift, als das Aequivalent für diejenigen Vortheile, die dem Grundstü> aus dem Unternehmen zufallen. Es kann aber ferner nit bezweifelt werden, daß dieses Verhältniß zwischen Last und Vortheil den geset- geberishen Grund bildet für die erwähnten statutaris<hen Normen, die dem Anlieger einer städtishen Straße die in Rede stehenden Verpflichtungen auferlegen.“ (275/93.)

Statistik und Volkswirthschaft.

Unfallver sicherung.

In E wurde gestern eine Generalversammlung der See-Berufsgenossenschaft unter dem Vorsiß von Laeisz-Ham- burg und in Anwesenheit des Präsidenten des Reichs-Versicherungs- amts, Wirklichen Geheimen Ober-Regierungs-Raths Dr. Boediker ab- gehalten. Sie war zahlrei< besuht und beshloß, fortan die Schiff- fahrtsbetriebe dur< Beauftragte überwachen zu E um die Sicherheit der Betriebe zu erhöhen und Unfälle zu vechüten.

Z Sparkassen in Bayern.

Am Schluß des Jahres 1892 betrug die Zahl der Sparkassen in Bayern 320 gegen 317 im Vorjahre. egen den Stand am Schluß des Jahres 1883 ist in der Zahl der Sparkassen eine Mehrung von 36 oder 12,70%/9 eingetreten. Im ganzen Königreich trifft eine Sparkasse auf 17703 Einwohner, gegen 17 760 des Vorjahres und 19095 Einwohner am Schluß des Jahres 1883. Von den einzelnen Regierungsbezirken weist Oberbayern die wenigsten Sparkassen auf; es kommt hier auf 29275 Einwohner eine Sparkasse, während in Oberfranken {hon auf 13 618 Einwohner eine Sparkasse trifft. In Vergleih mit dem Flächeninhalt kommt im Königreich eine Sparkasse auf 237,1 qkm (gegen 239,3 qkm am Schluß des Vorjahres und gegen 266,2 qkm am Schluß des Jahres 1883). Für die Regierungsbezirke ergiebt sich, daß in der Pfalz schon guf S au in Oberbayern aber erst auf 4228,8 qkm eine Spar- asse trifft.

Außer den 320 Sparkassen gab es am Schluß des Jahres 1892 no< 371 Annahmestellen. Zählt man diese zu den Sparkassen hinzu, so kommt eine Sparstelle auf 109,8 qkm im Königreich, auf 35,7 gkm in Unterfranken und auf 398,2 qkm in Oberbayern.

m Schluß des Jahres 1892 betrug der Gesammtbestand an Spareinlagen 203 893 150 Æ gegen 193 149 943 am Schluß des Vorjahres, sodaß sich die im Laufe des Jahres 1892 erfolgte reine Ae auf 10743207 M oder 5,6% berehnet. Die

at an Sparkapitalien betrugen im ganzen 46 819963 H, die üd>nahmen 36076756 #Æ, woraus si< die soeben genannte Ziffer 10743207 Æ als Zunahme ergiebt. Gegen- über 1883 ergiebt si< eine Zunahme von 89750252 M oder 78,6 9%. Das auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Ge- sammtkapital bezifferte sih auf 36 #4, gegen 34,3 A am Schluß des Noriaates und gegen 21 4 am Schluß des Jahres 1883. Die Zahl der Einleger ist auf 617 674 gestiegen (gegen 597 094 im Jahre 1891 und gegen 396 114 im Jahre 1883). :

Fas Wir fügen zur Lergleihung die Ziffern der preußishen Spar- assen zu.

In Preußen betrug am Ende des Rehnungsjahres 1892 bezw. 1892/93 das Gesammtkapital an Spareinlagen 3547,65 Millionen Mark; der Zuwa<hs gegen das Vorjahr betrug 144,87 Millionen Mark. Die Zahl der S betrug 5 949 821. Während in Preußen auf rund fünf Einwohner ein rkassenbuh kommt, ent- fällt in Bayern auf nahezu zehn Einwohner ein Sparkassenbuch. Das auf den Kopf der Bevölkerung in Preußen ent- ende Gesammtkapital bezifferte sh auf 118,25 Æ (in

all Diver 36 4). Auf einen Einleger in Preußen entfallen von