1894 / 124 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

übrigen Ausgabestellen dagegen am 2. Juni, 6 Uhr Nachmittags, geschlossen.

Reichs-Postdampfer „Sachsen“ if in Neapel eingetroffen und gelangt für Berlin voraussihtli<h am 30. Vormittags zur

Der Schnelldampfer „Spaarndam“ der Niederländifd)- Amerikanis<hen Dampfschiffahrts- Gesellschaft ist am 27. d. M. in New-York angekommen.

Triest, 27. Mai. (W. T. B.) Der Lea amer „Am- phritrite“ aus Konstantinopel is heute Vormittag 9 Uhr hier an- gekommen. Der Lloyddampfer „Medusa“ is heute von Genua na< Pernambuco abgegangen. :

London, 28. Mai. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Scot“ ist am Sonnabend auf der Ausreise von Southampton ab- gegangen. Der Union-Dampfer „Greek“ ist am Sonnabend auf der Ausreise in Kapstadt angekommen. Der Union - Dampfer „Merxican“ is am Sonntag auf der Heimreise in Plymouth an- gekommen.

Die Po von dem am 26. April aus Shangai troen und usgabe.

Dheater und Musik.

Königliches Opernhaus.

Wenn wir nicht irren, veranstaltet die Königlihe Bühne während dieser Spielzeit nun hon zum dritten oder vierten Mal eine Auffüh- rung des ganzen Wagner’shen Cyclus: „Der Ring des Nibe- lungen“. Das vebtfertigt sich ni<ht nur dur<h das hohe fünstlerishe Interesse, sondern is auh von gutem inanziellen Erfolg begleitet. Wenigstens war das Königlihe Opernhaus am onnabend, wo die „Walküre“, und am Montag, wo „Siegfried“ gegeben wurde, soweit der Besucher nah dem E anitbein urtheilen konnte, bis auf den leßten Plaß beseßt. Die erhabene und erhebende Musik, die, je öfter man sie hört, bei dem Hörer ein immer größeres und tieferes Verständniß findet und fein Interesse dafür niht etwa, wie das bei manchen anderen Opern- werken der Fall ist, lähmt, sondern steigert und erhöht, wendet si niht nur an die Sinne, sondern ist von herzergreifender Wirkung. Was man mit Mephisto von so vielen anderen Tonwerken oder Gesangsleistungen sagen kann: „Es fkrabbelt mir wohl in den Ohren, do<h zu Herzen dringt es nicht", ist das direkte Gegentheil von der Wirkung der Wagner'schen Musik, und diese Wirkung kommt insbesondere in der „Walküre" und im „Siegfried“ zu voller Geltung. Was ihre Ausführung an der Königlichen Bühne anbetrifft, so gehört sie sowohl in orchestraler wie in ge\angliher Be- ziehung zu den hervorragendsten Leistungen unserer Künstler, ja un- bestreitbar au zu den besten, die von dem „Nibelungen - Ring“ je veranstaltet worden sind oder werden. Kräfte wie Frau Sucher und Herr Lieban werden für die Rollen, die diesen Künstlern im Cyclus zugetheilt sind, kaum irgendwo wieder an- getroffen werden. Von der Brunhilde der Frau Sucher ist nur die eine Bezeihnung möglich: bisher unübertroffen und über- haupt unübertrefflih. Den Glanzpunkt ihrer Leistung bildet das Er- wachen der Brunhilde im dritten Akt des „Siegfried“ und der darauf folgende Zwiegesang der Brunhilde mit Siegfried, der in Herrn Gudehus einen ausgezeichneten Vertreter hat. Dieser Künstler hat sich ‘gerade in die Rolle des Siegfried so hineingearbeitet und hinein- elebt, daß es eine wahre Freude ist, ihn gerade als solchen hören zu ilen ; die deutliche Aussprache, die ihm eigen, trägt außerordentli viel zu dem Genuß bei, den die musikalisch so reih und glänzend ausgestattete Rolle {on an sih gewährt. Ueberhaupt haben unsere Wagnersänger in Bezug auf die Deutlichkeit der Aussprache das Mögliche erreicht. Dies gilt besonders von Herrn Lieban als Mime, eine Rolle, die ja freilih dur< ihren wenn man fo jagen will mehr rezitativen Charakter von selbs auf die sorgfältige Behandlung der Aussprache hinweist. In der „Walküre" ist die Rolle des Siegmund jeßt in den Händen des Herrn Sylva, diejenige der Sieglinde_ in den Händen der Frau Pierson. Die mächtigen glanzvollen Stimmmittel des Künstlers finden hier Gelegenheit zu wirksamster Entfaltung, und die musikalish sichere wie dramatisch sorgfältige, ja poetishe Be- Rg, welche Frau Pierson der Sieglinde zu geben versteht, yaaren ih harmonish mit dem kraftvollen Ausdru>, den der Siegmund dur< die Darstellung des Herrn Sylva erhält. Herr Stammer als Wotan, Herr Mödlinger, erst als Hunding, dann als Fafner, Herr Schmidt als Alberih sind in ihren hervorragenden Leistungen hon längst bekannt. Frau Ene wußte die Rolle der Frida dramatish zu beleben und gesanglih wirksam zu gestalten; au

R L E S E E E S L 6 O S I N E A E S0! Ae N R M S R E Ca G

Wetterbericht vom 29. Mai, 8 Uhr Morgens.

scheinlich.

eringer Menge. Bamberg hatte Gewitter. Wärmere Witterung i} demnächst für ganz Deutschland wahr-

als Erda gebührt ihr uneingesh<ränkte Anerkennung. Das Waldvöglein ist sehr häufig von Frau Herzog gesungen worden; gestern vermißte man fie nur ungern; denn der Stimme des Fräulein Dietrich fehlt der hierzu erforderlihe, durhdringende silberhelle Ton, der in der Klangfärbung an die Flötenstimme des Vögleins erinnert, au< is eine ruhigere Tongebung und deutlichere Aussprache erforderli<h, Der Beifall des vollbe)eßten Hauer war gestern namentli<h nah dem Schlußakt des „Siegfried“ ein so lebhafter, daß laute Rufe der Bewunderung und Anerkennung ershallten. Das Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Sucher stand auf der Höhe der großen Aufgabe, die es glänzend löste. Donnerstag wird „Die Götterdämmerung“ gegeben.

Im Königlihen Opernhause findet morgen auf Aller- hödsten Befehl eine Aufführung des I. und I1. Akts der „Medici“ von Leoncavallo mit folgender Beseßung statt: Lorenzo: Herr Bulß, Giuliano: Herr Sylva, Simonetta: Frau Herzog, E! Fräulein Hiedler. Kapellmeister Sucher dirigiert. Zum Schluß wird „Die Puppenfee" (Damen dell’Era, Urbansca) gegeben. Die Vorstellung be- ginnt um $8 Uhr. Am Sonnabend geht „Lohengrin“ in Scene. Herr Ernst Kraus aus Mannheim eröffnet ein Gastspiel in der Titelrelle. Derselbe hat no< nie in Berlin gesungen und gehört erst kurze Zeit der Bühne an.

Im Königlihen Schauspielhause werden morgen die Lustspiele „Der Tugendwächter“ und die „Dienstboten“ gegeben. Peer Arthur Vollmer tritt nah seiner Rückkehr von Schwerin in "eiden Stücken auf. Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin hat dem Künstler die große goldene Verdienst- Medaille verliehen. Bei seinem lchten Auftreten als Valentin im „Verschwender“ wurden ihm große Ovationen bereitet; nah Schluß der Vorstellung wurde er in die Hofloge befohlen.

Die L De des Halbe’schen Dramas „Jugend“, die am Freitag im Residenz- Theater beginnen, werden bei herabgeseßten Preisen (Logenplätze 3 bezw. 4 4, Parquet 2 46) stattfinden.

Im Kroll’'s<hen Etablissement veranstaltet das „Neue Orchester“ morgen wiederum einen Symphonie-Abend.

Die Streichquartett - Genossenschaft, bestehend aus den Herren Professoren Carl Halir, Carl Markees, Adolf Müller und Hugo Deqert, ist eingeladen worden, gelegentlih des in den ersten Tagen des Juni in Weimar stattfindenden Tonkünstlerfestes (Allgemeiner Deutsher Musikverein) in einer der Kammermusik- Soiréen zu spielen.

Mannigfaltiges.

Der Polizei-Präsident erläßt folgende öffentli<he Warnung: „Durch den Genuß in Zerseßung begriffener gekochter Krebse find mehrfa< Personen, zum theil lebensgefährlih erkrankt. Dies wird hierdur< mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß bei geko<hten Krebsen, Krabben und anderen Krustenthieren na< längerem Stehen, und zwar bereits vor dem Auftreten eines Fäulniß- geru<s, gesundheits\{<ädlihe Stoffe sih entwi>eln können, zumal wenn die Thiere ers nah erfolgtem Absterben gekoht worden sind. Uebrigens pflegt bei derartigen Krebsen die Schwanzflosse uiht unter den gekrümmten Hinterleib gezogen zu sein. Das Publikum wird da- her vor dem Ankauf geko<hter Krebse wie fonstiger Krustenthiere bei unbekannten Personen, z. B. herumziehenden Händlern, dringend gewarnt.“ E

Von der Unglücksstätte in der Kochstraße wird der „Nat.- Ztg.“ folgendes Weitere berichtet: Die beiden no<h fehlenden Ver- unglü>ten (vergl. die gestrige Nummer d. Bl.) wurden der eine kurz vor 24 Uhr, der andere kurz vor 3 Uhr aus den Trümmer- haufen herausgeschafft ; beide waren todt. Jedenfalls haben die Un- glü>lichen nicht lange zu leiden gehabt, da der Tod infolge der <weren Verleßungen, die sie erlitten sie waren furhtbar zerquetsht und dur die bereits eingetretene dunkle Verfärbung der Gesichter sehr entstellt sofort erfolgt sein muß. Außer den erwähnten vier verunglü>ten Arbeitern sind no<h zwei Arbeiter beschädigt worden, die si< jedoch \{on vor Ankunft der Feuerwehr felbst hatten retten können, da fie, wennglei<h mit abgestürzt, do<h nicht mit vershüttet worden waren ; ihre Verleßungen sollen niht von Bedeutung sein. Die Rettungs- arbeiten gestalteten fih für die Feuerwehr sehr gefährlih, da die no< niht abgestürzten, aber s{<räg liegenden De>entheile und Balken jeden Augenbli> zu brehen drohten. Gleichzeitig mit den Rettungsarbeiten mußte deshalb eine Absteifung des hängenden Zwischengebälks vorgenommen werden. Gleih na< dem Auffinden

Demetrius.

Deutsche Seewarte. Lessing-Theater.

Stationen. Wind. | Wetter.

in 9 Celsius 59 C. =409R.

Temperatur

_—

On INOMmMOO

halb bed, wolkig halb bed. bede>t Regen wolfig Regen beded>t

halb bed. 9 Negen C halb bed. 12 halb bed. | 12 wolkenlos | 11 heiter!) T1 beded>t T

Belmullet .. NW Aberdeen . NO Christiansund OSO Kopenhagen . WNW Stockholm NO P j NO t. Petersbg. ONOD Mosfau . O Cork, Queens- @ ebn A 5 Bitios erbourg. . E ed SSO s SW Dura ¿h SO winemünde Neufahrwasser Memel

M e

sers

Karlsruhe . . Wiesbaden . München .. Chemniy Berlin... C N Breslau .. | 758 Ile d’'Aix .. | 756 760 760

pak pmk

Medici von Emil Taubert.

hi DO DO > bo C5 dO O

pk

wächter.

wolkig 9 Negen 10 bededt 2) 11 wolkig 10 wolkig?) 10 wolkig 11 heiter 11 bededt 10 wolkenl.4) | 10 fang 7 Uhr.

halb bed. 11 Negen 11 halb bed, 19

3) Nachts Regen.

Q Q S.

Q2aABa Sggas _S m bo ol v5 E D R R M R H A A

S8

wächter.

Q

Q

1) Thau. ) Früh Regen. Suda 4) Gestern Negen.

Uebersicht der Witterung.

In einer Zone niedrigen Luftdru>kes, welhe ih von den Britischen Inseln ostwärts über das süd- Senator. lihe Nord- und Ostseegebiet hinaus nah dem zentralen Rußland erstre>t, liegen zwei Depressionen, die cine

land. Dementsprehend gehen über Nord-Euroya meist nordöstliche, über Mittel-Europa meist südliche bis westliche Winde, wel<h leßtere allenthalben nur {wah auftreten. In Deutschland if das Wetter | Demetrius. vielfah heiter und dur<\<nittli< etwas wärmer,

r G L A R T he Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Mittwoch : Opern- haus. Auf Allerhöchsten Befehl. L benem Abonnement und unter Fortfall der per- manent reservierten Plätze. R. Leoncavallo. Tanz von Emil Graeb. In Scene | 3 Akten von È; Zell und Richard Genée.

Suppés. Negie: Herr Unger. gent: Herr Kapellmeister Federmann. Großes Konzert, aus- geführt von dem vollständigen Orchester des Friedrich- Theaters unter

ges vom Ober - Regisseur Teßlaff. inrihtung vom Ober-Inspektor Brandt. Kapellmeister Sucher. Die Puppeufee. Pan- tomimisches Ballet-Divertifsement von Haßreiter und Gaul. Musik von Joseph Bayer. In Scene gesetzt 9 | vom Balletmeister Emil Graeb. Dirigent : Musik- direktor Steinmann. Anfang 8 Uhr. Schauspielhaus. 146. M elung, Der Tugend- Lustspiel in 4 Aufzügen, nah Lope de Bega, mit theilweiser Benußung der Braunfels’sen E Rubi für die deutshe Bühne bearbeitet von Regen 9__ | Eugen Zabel. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur L Max Grube. Dekorative Einrihtung vom O spektor Brandt. Die Dienstboten. Genrebild in

In S e C burg. Mittwoch: Zum leßten Male. 1 Aufzug von Roderi) Benedix. In Scene gese! Pont-Biquet. Schwank in 3 Akten von Alexandre

Deuts<h von Max Schönau.

Donnerstag: Das Syftem Ribadier. Schwank . (Œ; i au ta A Uten Von Georges Fevdeaii. Geboren: Ein Sohn: Hrn. Amtsrichter Dr. Karl \ümlichen Preisen.

vom Ober-Regisseur Max Grube. Donnerstag: Operhaus. Ning des Nibelungen. Richard Wagner. : dvämmerung in 3 Aufzügen und 1 Vorspiel. An-

<auspielhaus. 147. Vorstellung. Der Tugend- Lustspiel in 4 Aufzügen, nah Lope de Bega, mit theilweiser Benußung der Braunfels’schen Eugen abei für De h Sa O

abel. Die Dienstboten. Genrebild in | xello, Ballet. An 71 Ubr. 1 Aufzug von Roderich Benedix. M E E

Deutsches Theater. Mittwoh: Der Herr

Anfang 74 Uhr. Donnerstag: Der Talisman. Freitag: Der Herr Senator.

über Nordost-England, die andere über West-Ruß- E R U Leven Male.

Berliner Theater. Mittwoch: Neu einstudiert: Anfang 77 Uhr.

Donnerstag: Othello. stellenweise is Regen gefallen, meist jedo< nur in ! lotte Boh, Ludwig Barnay, Ludwig Stahl.)

Male. Jenny Groß.)

Gênue. (Jenny Groß.)

Mit aufgeho-

I. und I1. Akt aus Die

Vorleßtzte Uebersetzung von Í

: l Vorstellung. einstudiert: Boccaccio.

Dekorative von Franz v. Dirigent : Im prachtvollen Park:

Wilhelmstädtischen Konzertmeisters Herrn Stiemer.

Donnerstag:

Theater ges{lossen.

ber-In-

Anfang 7F Uhr. l 139. Vorstellung. Der Bisson. Bühnenfestspiel von | 7% Uhr.

Dritter Abend: Götter:

Freitag: Zu volkst

Ermäßigte Preise.

Anfang 7 Uhr. Adolph Ernst-Theater.

von Brandon Thomas.

acobson und Benno Jacobson.

Noth. Des Mecres 71 Ubr.

Freitag: 40. und leßte Abonnements-Vorstellung.

Mittwoh: Zum leßten Niobe und Die Orientreise.

Donnerstag und folgende Tage: Madame Saus-

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. Chausseestraße 25.

Mittwoch: Neu | bert:

Komische Operette in |

Anfang des Konzerts 64 Uhr, der Vorstellung 74 Uhr.

Leßte Vorstellung.

Boccaccio. Jm Park: Großes Konzert. Während der Monate Juni und Juli bleibt das

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten-

Theater Unter den Linden. Die schöne Helena. Operette in 3 Akten von J. Offenbah. Hierauf: Farfa-

Mittwoch : Charley?s Tante. Schwank in 3 Akten Die Qa N Posse mit Gesang in 1 Akt von Ed. < Musik von Franz In Scene geseßt von Ad. Ernft. Anfang

Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Vorher :

Pentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. (Marie Posvischil, Char- | Letzte Woche. Gastspiel von Emil Thomas. Mittwoch: | Aktien und Der Traum des Aktionärs.

des dritten Todten verließ die Feuerwehr die Unglücksstätte, worauf p wegen der von der Gerichtsbehörde vorzunehmenden Feststellungen polizeilih abgesperrt wurde.

Stade. Das Kriegervereinswesen zeigt im hiesigen Regleungtan s eine sehr erfreulihe Entwi>kelung. In allen Theilen des Bezirks bilden si<h meist unter Annahme der vom Deutschen Kriegerbunde herausgegebenen Normalsaßungen neue Vereine, während sich die \{<on bestehenden bemühen, in den Besiß der Er- [laubniß zur Führung einer Vereinsfahne zu gelangen. Es find bereits 102 Kriegervereine im Regierungsbezirk vorhanden, von denen 64 die Genehmigung zur Fahnenführung erhalten haben. Eine dankens- werthe Einrichtung hat der unterelbishe Bezirk des Deutschen Kriegerbundes zu Stade mit einer Arbeitsnachweisestelle für entlassene Reservisten getroffen. Zahlreiche Truppentheile, bei denen Rekruten aus dem Regierungsbezirk eingestellt sind, haben die Einrichtung mit Dank begrüßt und ihre Mitwirkung bei Uebermit- telung der Wünsche ihrer Mannschaften zugesagt. Es werden die von den einzelnen Kriegervereinen dem Bezirk gemeldeten freien Stellen mögen das landwirthschaftliche, Handwerksgehilfen-, Kaufmannsgehilfen-, Schreiber-, Diener-, Kutscher- oder was immer für Stellen sein vom Bezirk zusammengestellt, jedem Regiment in je einer Liste mitgetheilt. Die Truppentheile machen dann auf Grund ihrer Kenntniß der Mannschaften für die einzelnen Stellen Vorschläge, welche dur< den Bezirk wieder den Vereinen zugehen. Die Schreiben der Arbeitgeber an die Bewerber erfolgen auf vorgedru>ten Formu- laren, welche zugleih den Vordru>k für die Antwort enthalten. In- [oge dieser Verhandlungen wird es mögli werden, daß die Mann- haften von den Truppentheilen direkt in die neuen Arbeitsstellen ent- lassen werden und dadur<h mögli<s#t {nell von der Landstraße fort in geordnete bürgerlihe Verhältnisse kommen.

Miri a. M., 28. Mai. „W. T. B.“ meldet: Am heuti- ge ortage der 28. Jahresversammlung der Deutschen Gesell- <aft zur Rettung Schiffbrüchiger versammelten sih über hundert Theilnehmer unter dem Vorsiß des Konsuls H. H. Meyer aus Bremen im Zoologischen Garten. Handelskammer - Präsident Kommerzien-Rath Max von Guaita begrüßte die Anwesenden im Namen des Lokalcomitós. Hierauf hielt Kapitän Pfeiffer aus Bre- men cinen Vortrag über Rettungswesen unter Vorführung von Appa- raten, welche theilweise von dem Reichs. Marineamt zur Verfügung gestellt worden waren. Abends fand eine gesellige Vereinigung Hutf,

Eschenbach. Den „Münch. Neuest. Nachr.“ wird geschrieben: Das Comité des Wolfram - Festspiels für 1895 hat ih nah eingehendem Referat des Schriftstellers Ludwig Aub aus

ürnberg am 25. Mai in mehrstündiger Sigung konstituiert. Vor- stand is Bürgermeister Miltner, Ehren-Präsident der Dichter des R Dr. Paul Heyse. gun Ehrenmitglied wurde Herr Ludwig Aub ernannt. Die einzelnen Rollen wurden an hiesige Einwohner ver- theilt. Den Wolfram von Eschenbach spielt Magistrats-Rath und Glasermeister Julius Eder von Eschenbah. Das Wolframfest wird sih im Rahmen des im Bilde der Wolframzeit no< wohlerhaltenen Städtchens als eine sinnige Huldigung für die Minnesänger und ihre Zeit abspielen und dürfte ein reizvolles, originelles Gepräge tragen.

Lemberg. Am 5. Juni wird in Lemberg eine unter dem Pro- tektorat des Kaisers Franz Joseph stehende galizishe Landes- ausstellung eröffnet werden. Die Eröffnung wird dur< den Erz- herzog Carl Ludwig in Vertretung des Kaisers erfolgen. Wie dem „V. D. B PVerihtel wird, wérden {on jeut Uni- fassende Vorbereitungen zu einem glänzenden Empfang des Erzherzogs getroffen. Zur Eröffnungsfeier sind zahlreihe Ein- ladungen an hervorragende Persönlichkeiten ergangen. Während des viertägigen Aufenthalts des Erzherzogs in Lemberg sind ein Rout im Landtags-Palais, den Landmarschall Fürst Sanguszko veranstaltet, eine Soirée bei dem Ausstellungs-Präsidenten Fürsten Adam Sapieha und ein viermaliger Besfuh der Ausstellung in Ausficht genommen. Anläßlih der Aus\tellung follen am 17. Juni und am 7. September zwei große Pferderennen sowie eine Pferde- und Vieh-Ausstellung stattfinden.

Rom, 28. Mai. as Meldungen aus Lagonegro fand dort heute Abend 9 Uhr ein sehr heftiges Erdbeben statt. Die Be- wohner flüchteten auf den Plaß des Orts.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Quodlibet in 3 Akten (5 Bildern). (Doktor Peschke, Schladeriß, Geyer, Strißow, Gaspard, Blasel: Emil Thomas.)

Donnerstag und folgende Tage: Der Traum

(Niobe : des Aktionärs.

Konzerte.

Kroll's Etablissement. Mittwoch: Zweites Symphonie-Konzert. Neues Orchester: P. Prill. U. a.: Unvollendete Symphonie H-moll von Schu- Balletmusik Prometheus von Beethoven ; Viol.-Konzert (&-mo1l von Bruch (Konzertmeister Musik Kolkmeyer); Ouverture Sakuntala von Goldmark; Diri- Intermezzo von Delibes 2. (Bei ungünstigem Wetter im Saal.) Anfang 64 Uhr. Entrée 50 \, Duytend-Billets 4 ? Donnerstag: Großes Doppel-Konzert. Neues Leitung des | Orchester: Paul Prill. Kapelle des Garde - Füsilier- Regiments: C. Freese.

Auf der Terrasse nah dem Königsplaß: Café Uns Restaurant bei freiem Entrée. Diners von 3 4 an.

Familien-Nachrichten.

Verehelicht: Hr. Amtsverwalter von Oergen mit Frl. von Köhler (Dolga). Hr. Ritterguts- E Hans Wehle mit Frl. Alice Gregor

Posen).

Im Theater :

Die Familie Anfang

Gelp>e (Berlin). Hrn. Superintendenten Gustav Frohner (Gramzow). Eine: Tochter: Hrn. Professor Karl Auwers (Heidelberg). i

Gestorben: Hr. Frhr. Eduard von Sinner (Bern). Fr. Oberst Marie von Seydlit, geb. von U>ermann (Berlin). Hr. Pastor Theodor Borgmann (Blankenhagen).

Redakteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutschen Buchdru>kerei und Verlag#- Anstalt, Berlin S8W., Wilhelmstraße Nr. 32. Fünf Beilagen (eins{ließli< Börsen-Beilage), sowie die Juhaltsangabe zu Nr. 6 des öffent- lichen Anzeigers (Kommanditgesellschaften auf

ftiengesellschaften) für die Woche vom 21, bis 26, Mai 1894.

Jugend. Mittwoch :

Letter Monat.

Dramatisches

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M 124.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbeweguns6.

Der “Auéstand in der Fahrräderfabrik von Kleyer in Frank- furt a. M. (vexäl. Nr. 118 d, BL)* dauëert fort. Wie dem „Vorwärts“ berichtet wird, fand am 24. d. M. eine längere Unter- handlung des Strikecomités mit dem Unternehmer statt, der auch der Reichstags-Abgeordnete Schmidt beiwohnte; sie verlief aber resultatlos, da Herr Kleyer fih weigerte, alle Strikenden wieder einzustellen.

Der Strike einer Anzahl von Schauerleuten in Hamburg scheint thatsähli<h beendet zu sein. Am Sonnabend Morgen waren in der Hafengegend Hunderte von arbeitslosen Schauerleuten um den Stauer Dahms versammelt. Dieser erklärte ihnen, daß er von jeßt ab kein Getreides<iff in Tagelohn bearbeiten lassen, sondern einen Lohnsaß von 45 S für die Tonne bezahlen werde. Die Nachtarbeit bis 10 Uhr Abends wolle er mit 2 4 (fonst 3 4) bezahlen, die Nachtarbeit mit 4 # (sonst 6 6), die Sonntagsarbeit mit 5 M Darauf meldeten sich, wie das „Hamb. Echo“ schreibt, viele Schauer- leute, welhe für den angebotenen Preis die Arbeit aufnehmen wollten.

Von den 2000 Z ieg elarbe itern in Krakau, (veral. Nr. 123 d. Bl.), welche die Arbeit eingestellt hatten, \triken dem „W. T. B“ zufolge no< 990. Die Ziegeleibesißer wollen alle Forderungen der itrikenden Arbeiter bewilligen, ausgenommen die Lohnerhöhung, womit die Ausständigen aber nicht einverstanden sind. Die Ausständigen ver- suchten gestern die Zufahrt der Ziegelwagen zur Stadtmauth gewaltsam zu verhindern, sodaß die Behörden einschreiten mußten. Die Be- ito suchen zwischen den Arbeitgebern und den Strikenden zu ver- mitteln.

Wie der „Köln. Ztg." unter dem 25. d. M. aus London be- richtet wird, ist wenig Aussiht, daß der Ausstand der Droschken- kuti\cher bald beigelegt wird. Die Zahl der Ausftändigen wird auf 7000 angegeben.

Die Londoner Do>karbeiter hielten am 25. d. M. ihren vierten Jahreskongreß ab. Der Präsident des Gewerkvereins Tom Mann hielt, wie der „Voss. Ztg.“ mitgetheilt wird, die Gröff- nungsrede. Er meinte, {on in den nächsten Jahren würden sich ee Umwälzungen in dem System der Arbeit vollziehen. Die eherrshende Macht des einzelnen Kapitalisten, wie von Gruppen von fapitalistishen Monopolisten würde beschränkt, wenn nicht gar aufge- hoben werden. Der Gewerkverein der Doarbeiter besißt zur Zeit ein Baarvermögen von 4387 £. Sein sonstiges Eigenthum ist 1000 £ werth.

Die Unruhen unter den Pee im Kohlen- gebiet von Pittsburg und Lassalle (Illinois) (vergl. Nr. 122 d. Bl.) nehmen, na< einer Meldung des „D. B. H.“ von gestern, immer größere Ausdehnung an. Die Arbeiter haben die schiedsgericht- lihe Vermittelung der Behörden abgeschlagen, mehrere Kohlengruben, Eisenwerke und die Direktionsgebäude zerstört und an verschiedenen Stellen die Eisenbahnschienen aufgerissen. Die strikenden Bergleute bemächtigen sih der Eisenbahnzüge und sind entschloffen, {fi jeder polizeilichen Intervention zu widerseßen.

Literatur.

Geschichte.

ff. Abwehr einiger gegen meineSchrift Friedrich der Große und General Chasot erhobener Einwendungen. Non Dr. Gaederß. Bremen, E. Müller, 1894. Jn diesem Schriftchen vertheidigt si< der Verfasser gegen die Vorwürfe der

erren Schnakenburg und von Petersdorff, welche seine im Titel zitierte Schrift als werthlos und die von ihm herausgegebenen Bruchstücke der Chasot’s<hen Memoiren als hch unzuverlässig bezeichnet hatten. Chasot, ein Jugendfreund Friedrih?s des Großen, nahm an der Schlacht bei Hohenfriedberg ruhmvollen Antheil, verließ aber wegen einiger Zer- würsnisse mit dem König bald den preußischen Dienst und ging nad) Lüded, wo er am Ende des vorigen Jahrhunderts starb. In einem von Gaederßz publizierten Brief (aus dem Jahre 1789) hatte er behauptet, die Baireuth - Dragoner hätten ihre berühmte Atta>ke bei Hohenfriedberg nit in weißen, sondern in blauen Röken ausgeführt, und zwar hätten se diese neue Montierung am Abend vor der Schlacht auf Befehl Chasot’'s ohne Wissen des Königs angelegt. Gaedery hatte diefe Behauptung, die im Hinbli> auf das Bild in der NRühmeshalle eine gewisse Wichtigkeit gewinnt, als rihtig anerkannt, und da- gegen wendete ih vornehmli<h die Krititk. Gaedery sucht nun die Angriffe seiner Gegner zurü>zuweisen, aber er kann kein weiteres Zeugniß für jene zum mindesten höchst abfonderliche Thatsache anführen, und allein auf Grund eines folange nah den Er- eignissen abgefaßten Briefes wird man sie kaum als gesichert betraten dürfen. Freilich is es niht gerechtfertigt, dieser unwahrscheinlichen Erzählung wegen Chasot wissentliße Entstellungen vorzuwerfen ; jeder Historiker weiß, wie leiht grade in Memoiren auch beim ehr- lichsten Streben nah Wahrheit oft re<t grobe Gedächtnißfehler mit unterlaufen.

ff. Sonderveröffentlihungen der Historishen Gefell- \<aft für die Provinz Posen. 1. Band: Das Stadtbuch von Posen. Herausgegeben von Adolf Warschauer. 2. Band: Sagen und Erzählungen aus der Provinz Posen. Ge- es von Otto Knoop. Posen, 1893. Eigenthum der Gesell- chaft. Um die E der polnischen Städtegeschichte zu er- weitern, hat die Historishe Gesells<haft in Pofen mit Unterstüßung der Stadtverwaltung eine Herausgabe der urkundlichen Quellen zur Geschichte der Stadt Posen in Angriff genommen. Von diesem groß angelegten Werk ist der erste Band erschienen, drei weitere find in Aussicht genommen. Warschauer, dem die Bearbeitung Posens im Mittelalter zugefallen ist, beginnt mit einer genauen Beschreibung des Posener Archivs, dem er seine E vorzugsweise entnommen hat, um fodann zu einer ausführlihen Schilderung der Stadt Posen im Mittelalter überzugehen. Weit interessanter für den Fernerstehenden ist natürli die Darstellung der Verfassungsgeschichte von Posen, die hierauf folgt. Die eigentliche Geschichte der Stadt Posen, die bereits im 10. Jahrhundert erwähnt wird, beginnt mit der Ansiedelung einer größeren Anzahl Deutscher im 13. Jahrhundert. Diese verpflanzten ihre heimishen Einrichtungen meist sogleih in die neue “R und daher finden wir in Posen bei Beginn der städtischen

ntwi>elung {on die Behörden fertig vor, die in Deutschland erst nah einer gewissen Periode materieller Blüthe und na< langen Kämpfen mit den Stadtherren emporkamen: Den Rath mit dem Senn er, das Schöffenkolleg mit dem Vogt an der Spiße und daneben eine Vertretunz' der Bürgerschaft. Der Rath wurde ursprüng- lih von der Bürgerschaft frei gewählt, bald aber nahm der König das Bestätigungsreht in Anspruch, und am Ausgange des Mittelalters sehen wir das Wahlre<t der Gemeinde ganz beseitigt und der Kronc übertragen. Die Beschränkung der Volksre<hte kam auch da- dur zum Ausdru>, daß der Rath späterhin niht mehr wie ursprüngli<h auf ein Jahr, fondern auf Lebenszeit gewählt wourde. Die Entwickelung verlief also gerade umgekehrt als in Deutschland: hier verlor die öffentlihe Gewalt allmählich fast allen Einfluß auf die innere städtishe Verwaltung, in Polen mußte ih die Kommune der Krone mehr und mehr unterordnen. Die BVil-

Berlin, Dienstag, den 29. Mai

dung eines kräftigen polnisGen Bürgerstandes wurde dadur<h un- möglih. Der Rath war in der Hauptsache mit Verwaltungs- angeélegenheiten, vornehmli<h mit der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung und Nuhe betraut ; die vornehmste richterlihe Behörde war das Schöffenkollegium. Es wurde alljährli<h vom Nath ernannt, der diese Befugniß auch in der späteren Zeit behielt, als die Wahl der Rathsmitglieder auf die Krone übergegangen war. Alle zwei Wochen hielten die Schöffen in der Regel Gerichtstage ab; lange Zeit waren sie selbständig, aber seit dem 15. Jahrhundert machte ihnen der Rath einen Theil threr Kompetenzen streitig und zog viele Rechtéstreitigkeiten, so die Polizeigerihtsbarkeit ausschließt und die freiwillige Gerichtsbarkeit zum theil, vor sein Forum. Jn manchen Fällen wirkten auch beide Kollegien zusammen. Einen gewissen Antheil an der Regierung der Stadt hatten als die Vertreter der Bürgerschaft die Vorsteher der Innungen, deren Meinung der Rath bei besonders wichtigen Beschlüssen einzuholen pflegte. Nicht selten zog er zu solhen Entscheidungen auch die Schöffen zu, um die Verantwortung nit allein tragen zu müssen. Auch dieser Gebrau} stammte aus Deutschland, und zwar zunächst aus Magdeburg, dessen Recht für Posen maßgebend war. In einem eigenen Kapitel wird die Finanzverwaltung behandelt, do< können wir niht auf die Einzelheiten dieses interessanten Gegenstandes eingehen. Wir heben nur hervor, daßdie städtis<hen Einnahmen zum größtenTheil aus indirekten Steuern, wie Brausteuer, Brü>kengeld, Zinsen der ver- schiedensten Art herrührten; die einzige direkte Steuer bestand im Schoß, einer Abgabe, die vom beweglichen und unbeweglihen Gut erhoben wurde und je na< der Größe des Kapitals abgestuft war. Wir wünschen, daß die Fortseßung des gediegenen, für die deutsche und polnishe Geschichte glei<h wichtigen Werks nit lange auf sih warten lassen möge. Ganz anderen Inhalt birgt der 2. Band der Sonderveröffentlihungen. Volksfagen vom verschiedensten Inhalt werden uns hier erzählt: Gespenstergeshichten, Teufels- und Hexenspuk, Sagen von redenden Thieren, versunkenen Städten, verzauberten und erlösten Menschen und namentli< zahlreihe Legenden religiösen Inhalts. Viele Erzählungen finden sich ebenso oder ähnlich in anderen Gegenden Deutschlands, so die MärBen vom wilden Jäger, dem ge- prellten Teufel, der si vergebli< bemüht, dur< irgendwelhe Dienst- leistung eine Seele zu gewinnen, und andere. Der Herausgeber erklärt diesen Umstand ansprehend dur die Vermuthung, daß die deutschen Einwanderer die Sagen ihrer Heimath unverändert auf Gegenden thres neuen Vaterlandes übertrugen. Der Herausgeber, der von vielen Seiten unterstüßt worden ist, hat sih dur< seine mühevolle Cen ein großes Verdienst um die Kenntniß der Volkspoesie erworben.

ff. Altpreußishe Monatsschrift, neue Folge. Her- ausgegeben von Rudolf Neid>e und Ernst Wichert. Bd. 30, Heft 3 bis 8, Bd. 31, Heft 1 und 2. Königsberg i. Pr., Beyer. 1893/94. Der bedeutendste historishe Aufsay der vorliegenden Hefte ist der umfangreihe Artikel von Anatol Lewi>i über das staatsrehtlihe Verhältniß Littauens zu Polen unter JFagello und Witold. Das wichtigste Ereigniß im europäischen Osten seit dèm Einfalle der Tataren war die Union der groben Slavenreiche Polen und Littauen. Hierdur<h wurden die Machiverhältnisse von Grund aus umgettaltet: der Deutsche Orden, der bisher beide Reiche mit Erfolg bekämpft und an ihrer Zwietracht den besten Bundesgenossen gefunden hatte, fand in dem neuen Staat einen überlegenen Gegner und mußte si< thm bald beugen. Damit ging au< die Ausbreitung des Christenthums und der abendländishen Kultur im Osten auf das neue Reich, vornehmlich auf Polen über, dessen höberer Kultur sih Littauen unterordnete. Lewicki untersuht nun, welche äußeren Bande die Union zusammen- hielten. Er legt dar, daß die Union zunächst eine völlige Einver- leibung Littauens in den Nachbarstaat bedeutete, wogegen ih dàs littauishe Unabhängigkeitsgefühl lange Zeit sträubte. Es kam zu blutigen Kämpfen, und erst nah we<selvollem Ringen gelang es dem Rei Jagello den littauishen Großfürsten Witold definitiv zum Berzicht auf feine Selbständigkeit zu bewegen, wofür den Littauern gleiche politishe Nechte mit den Polen garantiert wurden. Zu dieser einlenkenden Haltung Witold's trug niht zum wenigsten die Be- für<htung bei, isoliert den wieder vordringenden Tataren erliegen zu e Von den . übrigen Aufsäßen sind nur wenige historischen Inhalts und kaum von allgemeinerem E, Zu erwähnen ist P. Simson's kritishe Studie über das Ebert Ferberbuch, eine Danziger Geschihtsquelle, und K. Lohmeyer’s Nachruf für den kürzli verstorbenen Max Töppen, den Begründer der ostpreußischen Geschichtsforshung.

Reisebücher.

Fontane's Führer dur<h die Umgegend von Berlin, Theil 1V (Grunewald) mit 1 Karte und 1 Tabelle. Verlag von F. Fontane u. Co., Berlin W. Preis 50 4. In dankenswerther Weise lö} der Touristen-Klub für die Mark Brandenburg seine Aufgabe und reiht heute den bereits früher erschienenen Fontane’shen Führern die Beschreibung des Grunewaldgebiets an. Der Wanderer findet in dem Grunewaldführer jede ge- wünschte Auskunft, die ihm auf feinen Touren stets zum Vor- theil gereißen wird. Das Bemerkenswertheste dürfte die vom Touristen-Klub geschaffene neue Wegebezeihnung sein. Eine praktische Tabelle, eine klare Uebersicht der vershiedenen Touren und vor allem eine vorzüglihe mehrfarbige Karte des ganzen Grunewaldgebiets wel<e das gesammte Ney der Wegebezeichnung in rothem Aufdru> enthält find dem im Bädeker-Format gefällig ausgestatteten Büchelchen beigegeben.

—— Europäische Wanderbilder. Nr. 220—221. Amster- dam. Von W. F. A ndries sen. Mit 21 Illustrationen von J. Weber. Verlag von Orell Füßli in E Dieses reich illustrierte Bändchen führt den Leser in Wort und Bild durch die altehrwürdige Haupt- stadt des Königreichs der Niederlande. Cin Abriß der Geschichte des Landes und der Stadt bereitet in geeigneter Weise auf den Nundgang vor. Der Wanderer lernt dabei zugleih mit den monumentalen Bauten, den geshi{tlihen Erinnerungen 2c. auch die Lebensweise des Volkes und die Bedeutung des weltumfassenden Handels der Stadt kennen. Nr. 222. Reutlingen -Tübingen - Hohenzollern. Von Eugen Nägele. Mit 12 Bildern. Dieses Heft geno zu den anziehendsten der früher besprochenen Sammlung „Durch Schwaben“, deren 4. Theil es bildet. Dem Wanderer, der die lieblihe Gegend Urshwabens durchzieht, wird es ein willklommener

Führer sein. Verschiedenes.

Die Bedeutung der hypnotishen Suggestion als Heilmittel. Gutachten und Heilberihte der hervorragendsten wissenschaftlichen Vertreter des Hypnotismus der Gegenwart. Heraus- gegeben von Dr. med. Großmann, Redakteur der Zeitschrift für

ypnotismus in Berlin. Berlin 1894, Deutsches Verlagshaus Bong u. Co. 8. S. 163. 2,50 4 Durch die Veröffentlichung diejer Sammlung von Gutachten tritt der Herausgeber, welcher ein Vor- wort vorangeschi>t hat, zu Gunsten der Anwendung der hypnoti- {hen Suggestion als peilmitte! ein. Das Jnhaltsverzeichniß weist 27 ärztliche und 3 juristis&-Butachten auf; mit Rü>sicht auf die guten Namen darf die Sammlung auf die vorurtheilsfreie Beachtung urtheilsreifer Leser re<hnen. In dem Titel beziehen h die Worte „der Gegenwart“ nicht auf den „Hypnotismus" fon- dern auf die „Vertreter“. Im Anschluß hieran sei auf die „Zeit-

1894

\{hrift für Hypnotismus, Suggestionstherapie, Suggestionslehre und verwandte psychologishe For ungen“ (Berlin, On a uN redigiert von Dr. J. Großmann) hingewiesen, welhe bereits im ameien Bagegang steht und eine große Reihe namhafter Mitarbeiter aufzählt. Mäßigkeit oder Enthaltsamkeit. Neue Beiträge zur Alkoholfrage von Dr. A. S<hmiß. Bonn, P. Hanstein's Mea, Der Verfasser hat dur diese Broschüre, worin er drei von ihm gehaltene Vorträge die jedo< einzelne Erweiterungen erfahren haben, veröffentliht, zur Entf ung per Frage beitragen wollen: „Soll aus gatte Rücksihten Mäßigkeit in Ma: Getränken als Norm empfohlen, oder das Anathema über jeden Alkoholgenuß aus- Gr behandclt demgemäß ausführlih das : __ und Mißbrau< geistiger Geträuke“ und \hließt daran seine Ansichten über die Behandlung Trunk- sühtiger und über Trinkshulden an. Das Resultat, zu dem der Verfasser auf Grund seiner Forshungen und Erfahrungen gelangt, ist, daß er die Totalabstinenz bei dem beutigen sozialen Ver- hältniß für undur<führbar hält, der Kampf gegen den Alkoholismus vielmehr nur dann fiegreih geführt werden könne, wenn man auf dem Fundament der Mäßigkeit fuße. Nach ihm sind die alkoholishen Ge- tränke zwar zur Grhaltung der Gesundheit ni<t nothwendig, sind aber bei {weren Erkrankungen Medikamente erster Ordnung und kaum zu entbehren, verursachen auch in gutem, nit verfälshtem Zustande und in mäßiger Menge genossen in dem gesunden Organismus keine s{äd- lichen Folgen, äußern vielmehr in ovb Ende Weite ihre physiologishen Wirkungen sowohl auf einzelne Organe als auf den ganzen Körper. Dagegen treten bei unvernünftigem Genusse, oder h

gesprohen werden?“ Thema „Gebrauch

(ee Spirtinosen bie \Gmertien 1wWUdea Folgen, (0 1A unreiner Spirituosen die s{<wersten {ädlihen Folgen au bei son gesunden Menschen hervor. Die Trunksucht beteadbiet der Verfasser als eine Krankheit, nicht als ein Laster, und dementsprechend sollten nah seiner Ansicht Trunksüchtige in besonderen Anstalten ärztlih be- handelt, unheilbare aber, unter Zuziehung ärztliher Sachverständiger, wie Geisteskranke entmündigt werden. Hinsichtli<h der Trinkshulden wünscht er ein Gese, wona derartige Schulden sowie alle in offen- bar betrunkenem Zustande gemahten Schulden (z. B. dur< Kauf oder Spiel) nicht einklagbar wären.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien.

An der Ruhr find am 28. d. M. gestellt 10 793, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen. _In Oberschlesien sind am 26, d. M. gestelli 3834, niht reht- zeitig gestellt keine Wagên.

Zwangs-Versteigerungen.

Beim Königlichen Amtsgericht T Berlin standen am 28. Mai die nahbezeihneten Grundstü>ke zur Versteigerung: Swine- münderstraße 63, dem Geheim-Sekretär Adolph Bull gehörig. Flädhe 10,11 a. Nußungswerth 13 800 6 Für das Meistgebot von 180 500 Æ wurde der Geheim-Sekretär Hermann Socher, Swine- münderstraße 62, Ersteher. S<wedterstraße 49, dem Lieute- nant a. D. Freiherrn W. von Seydliß gehörig. Fläche 5,40 a. Nuztungswerth 9600 46. Für das Meistgebot von 130 000 A wurden die Erben des Telegraphen-Sekretärs Dethlefs Ersteher. Auf- gehobèn wurden die Termine, betreffend die Versteigerung des Grundstücks Flemmingstraße 11, dem Premier-Lieutenant a. D, L. Neumann gehörig.

Beim Königlichen Amtsgericht 11 Berlin. Das im Grundbuch von Weißensee Band 26, Blatt Nr. 744, auf den Namen des Bauunternehmers Ernst Bergel eingetragene, zu Neu-Weißen- see, Weißenburgerstraße 2 belegene Grundstü>. Fläche 6,20 a, Nußungswerth 990 A Für das Meistgebot von 29 300 #6 wurde der Schlächtermeister Carl Shumacher zu Neu-Weißensee Ersteher. Ferner das Grundstü>k zu Neu- Weißensee, E 43 bes legen, dem Schuhmacher Jacobofsky und Genossen gehörig. Fläche 5,51 a. Nutungswerth 270 M Tr das Meistgebot von 18 000 wurde der Arbeiter C. Jacobofsky zu Neu - Weißensee, Sedan- straße 43, Ersteher. Theilung halber.

Vom Rheinish-westfälis<en Eisen- und Stahl- markt berichtet die ,Rhein.-Westf. Ztg.“ : Die Haltung des rheinisch- westfälischen Eisenmarkts ist andauernd befriedigend. Zwar wird ganz vereinzelt von den Käufern immer no< eine gewisse Zurückhaltung beobachtet ; dieselbe läßt sih jedo< aus naheliegenden Gründen er- Élären und s\teht mit dem Gesammtgepräge des Markts in keinem Zusammenhana, da, im E genommen, die Nachfrage be- friedigend, \tellenweise sogar so stark ist, daß derselben kaum genügt werden fann. Was das Eisenerzges<häft in den Rhein- und Ruhrdistrikten anbelangt, so hat si<h im Siegerland der Absaß befriedigendem Umfang erhalten, ebenso ist die Tendenz der Preise eine feste und steigende geblieben. In Luxemburg - Lothringen haben sich die Minettesorten auf ihren bisherigen Preisen ge- halten. Spanishe Erze finden immer no< einen nur mäßigen Absaß. Auf dem Roheisen markt is im allgemeinen die Stimmung dieselbe geblieben; gegenwärtig sind sogar die Verkäufer eher etwas zurücthaltend in der Erwartung, daß die Verhältnisse nah der Fühlung, welhe das Kokssyndikat mit Belgien genommen hat, sih günstiger gestalten werden, weil jeßt die franofsSen Neviere (einschl. Lothringen) den e Werken gegenüber ni<ht fo sehr begünstigt werden wie bisher. Das Siegerländer Spiegeleisen- ges<häft behält im ganzen und großen seinen ruhigen Charakter. Auf dem Walzeisen markt hat si<h in der legten Woche im allgemeinen dasselbe Bild erhalten. Von einzelnen Seiten werden große Anstrengungen gemaht, dem Stabeisenmarkt das entschieden festere Gepräge, welhes er in der leßien Zeit zeigte, abzusprechen, allein bis jeßt haben diese Anstrengungen noh keinen Erfolg gehabt. Für den laufenden Bedarf werden die heutigen, aller- dings noh immer wenig lohnenden Preise anstandslos bewilligt, dagegen haben in zweiter Hand anläßli<h der von den Werken geforderten Empfangnahme mehrere E erheblih unter den Marktpreisen ihre Besißer gewe<hselt. In Formeisen sind die Verhältnisse im ganzen und großen dieselben geblieben. In Bandeifen ist die Nachfrage allerdings etwas lebhafter geworden. Die Werke, welche theilweise mit Spezifikationen reichlich versehen sind, beanspruchen bis zu vier Wochen Lieferzeit und befinden fich infolge dessen mehr oder weniger im Gedränge; die Preise haben si< in der lezten Woche behauptet. In Grob- blechen is keine Aenderung zu verzeihnen; die Preise bilden, troß . genügender Thätigkeit, no<h immer den wunden Punkt des Geschäfts. Ebenso ist bei Feinblehen über den Absaß weniger zu klagen als über die immer no< gedrü>ten Preise. In Walzdraht ist die Situation günstiger, namentli< {eint sih die Ausfuhr etwas leh- hafter gestalten zu wollen. Der Preis für Walzdraht hat etwas an- gezogen, steht aber no< in keinem GUNn E Verhältniß zu der Steigerung der p ae, Ueber die Lage der Eisen- gießereien und Maschinen fabriken is nihts Neues zu berichten. Die Thätigkeit der Bahnwagenanstalten ist unverändert.

In der gestern in Berlin E Versammlung des S/(lesisch - Mitteldeutschen alzwerkverbandes wurde festgestellt, daß die demselben angehörenden Werke auf außergewöhnlih