1913 / 88 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

für ibn nur- die wisseascaftlide Befähigung bei der Besctzung eincs Lehrstuhl:s maßgebend ist. S

Abg. Dékius (focts{r. Volksp.) tiitt für die bei dem E i an. estellten Techniker ein , derén ctatsmäßige Anstellung er befürwortet. j Aba: G tem a (Zentr.) empficblt dem Minister, an den tec- nishen Hochschulen Preußens Lebrstühle für Fndustriehocbauten und Kleinwohuungswesen zu errichten, da das Fehlen solcher Lehrstühle unangenehm enipfunten werde. Der Nedner biztet ferner den Minister, bafür einzutreten, daß der crnstzunehmer de Architekt besser ges{ügt

de, und-taß endlich einma! eine sichtbare G:enze zwishen dem

aufünstlertum und dem Unternehmertum gezogen werte, damit die deutshe Baukunst nichf no< mehr der Profautérung anheimfalle. 7 Die Abgg. von Bülow - Homburg (nl.) und Kin dler (fortschr. “Blfay.) fließen ih dém Vorrekner aù. L

Nbg. Dr. Friedberg (nl.): Ich muß dem Abg. von Zedliß widersprechen. Bei der von dem Abg. Dr. Levy vorgebrachten Be- schwerde handelt es fi darum, daß der Minister über die Vorschläge der Fakultät ciafah-hinwegsieht. Dec Abg. Zedliy behauptet, daß der Minister genötigt gewejen fei, im nteresse des Staates und der Fnudustrie- den- Professor Wolf an die Charlottenburger Hochscbule zu E, E wäre nur Bn zutreffend, wenn untec den jehs dk jes<lagenen Professoren nicht ein einziger gewefen wäre, der den Wünschen der Industrie in vollem Umfange entsprohen bâtte. Ich verstehe nibt, daß der Aktg. von Zedliß d m Minister seinen Dank dafür aussprad, daß. er den Wuns der Fakultät über- gangen hat. Wenn der Minister von vörnherein einen bestimmten errn berufen wollte, dann war es “nicht richtig, daß er die Sakaltät unnötig bemühte und um Vorschläge ersuwte. Ich kann auch den prinzipiellen Standpunkt des Abg. von Zedlig nicht an- erfennen. Es wäre cin großcs Unglück für die Wissenschaft, wenn lediglt< in Betracht . käme, welcher Richtung der zu berufende Pro- fessor angehört. Das "wäre besonders für die nationalöfonomische Wissenschaft geradezu verderblich. Gs fann gar keine ede davon sein, daß die Kathedersozialisten alle Lehrstühle in Deutschland beseßen möchten. Es ist auch nicht richtig, daß die Berufung des Professors Herkner Unruhe hervorgerufen hat. Ih bitte den Minister, auf die Anregung des Freiberrn von Zedliß nicht einzugehen, sondern nah wie vor obne N>sicht auf die wirtschaftspolitishe Nichtung nur wtihjen- schaftlih beteutende Männer an freigewordene Lehrjtühle zu berufen. Abg. Freiherr von Zedlig und Neukir< (freikonf.): Der Rorreduer hat mi< mißverstanden. Ich wünsche durchaus, daß nur die wissenschaftliche Qualifikation bei der Berufung von Professoren maßgebend sein soll. Der Vorredner hat ja au anerkannt, daß der nah Charlottenburg berufene Professor Wolf ein Mann von hoher wissen\haftliher Qualifikation sei. Daher it seine Berufung durchaus richtig gewesen. L

Abg. Or. Friedberg (nl.): Ich bin mir niht bewußt, auf die wissenschaftlihe Qualisikation des Professors Wolf eingegangen zu sein. Ich wiederhole nochmals, daß das mit der ganzen Frage nidts zu tan hat, sondern daß es si<h nur um das formelle Ver- fahren des Ministers und um den Anspruch des Abg. von Zedlitz bandelt, bestimmte wissenschaftliche Richtungen fo beaünstigt zu. seben, daß au< Professoren, die einer bestimmten wissenschaftlichen Richtung angehören, an freigewordene Lehritühle berufen werden, wenn sie nicht eine besondere wissenschaftlihe Qualifikation besißen. Das halte ih im Interesse der Objekiivität für unrichtig.

Die Positionen für das technische Unterrichtswesen werden bewilligt. / : -

Darauf findet die auf Wunsch der Sozialdemokraten zurüdgestellte Abstimmung über die Titel des Ministergehalts und der Gehälter der übrigen Beamten des Ministeriums statt. Die Titel werden - bewilligt. (Von ‘den Sozialdemokraten ist bei dieser Abstimmung kein Mitglied im Saale anwesend.) Dámit ist der Etat des Ministeriums der geistlichen und Unter- rihtsangelegenheiten erledigt. :

* Vom Etat des Ministeriums desJnnern sind noch die Titel der Fonds für die Seuchenbekämpfung und für die medizinalpolizeilichen Zwee rückständig, da ste wegen eines Abänderungsantrages der Abgg. Schmedding, Dr. Friedberg, Freiherr von Zedlig und Dr. Mugdan seinerzeit an die Budget- fommission zurückverwiesen worden ind. Der Antrag will von dem ersteren Fonds von 100 0009 16 30 000 6 abzweigen und dem anderen Fonds hinzuseßen zum Zwecke der Unterstüßung der Auskunfts- und Fürsorgestellen zur Bekämpfung der Tus- berfulóse, des Alkoholismus und der Krebskrankheit. Die Budgetkommission beantragt, die Fonds unver- ändert zu lassen, aber in einer Resolution die Regierung zu er- suchen, a. diesen Auskunfts- und Fürsorgestellen im Jahre 1913 nötigenfalls Unterstützungen aus bereiten Mitteln zukommen zu lassen, þ. für den unter a bezeichneten Zweck in den Etat von 1914 an besondere Mittel einzustellen.

Die Anträge der Kommission werden ohne Debatte an- genommen.

Es folgt der Etat verwaltung.

Abg. Kop} < (forts<r. Volksp.) : Ich habe im vorigen Jahre den Minister um Aufklärung über die Besoldungsverhältnisse des Personals an den Königlichen Theatern gebeten, bis heute hat der M nister meine B tte no< nicht erfüllt. Aber auf einem anderen Wege, du'< ein statistis<hes Werk über die Verwaltungsges{hihte der König- lihen Theater, habe ih über diese Frage Aufschluß bekommen. In diesem Werk heißt es, daß eine Aufbesserung d°-x Bezüge des Königlichen Theat-rpersonals um 30—40 9% erfolgt set. Aber wenn man die gezahlten Gehälter in Betracht zieht, so muß man sagen, dak die Bezahlung immer no< unzureichend ist. Bei dem Köntglichen Theater in Wier baden beträat das Anfangsgehalt cines Kammermusikers 1100 46. A haliches ist mir aus Mannheim mitgeteilt worden. Es wäre: zu wünschen, daß die Königlichen Theater die Gehä!ter nah hènen ‘der städtishen Theater regeln, die weit höhere Gagen und Löhne zahlen. Nach dem statistischen Merke beträgt der Wert der Dekorationen bei den Königlichen Theatern 3 605 000 4, der Wert der Kostüme erreihzt sogar die Höhe von 4 Millionen Maik. Man sollte für diese Zwe>ke nicht so viel Geld ausgeben, dagegen lieber Mittel für die soziale Fürsorge dés Personals bereitstellen. Die Frage, ob die Schauspieler überhaupt pensionsberehtigt sind, ift viel umi\tritten. Katser Wilhelm 1. soll die Errichtung einer Persion- kasse mit den Worten abgelehnt haben : er könne setne Schau- \pielec schon erhalten - und versorgen. Wird nun zurzeit nah diesem Kaiferwort gehandelt ? Ich muß daran zweifeln auf Grund von Prozessen, die Szhauspi-ler ersten Ranges um Pensionsbewilligung angestrengt haben. Jch erinnere hier an den Fall Bertha Haußner wie an den Fall Kl min, der auf Grund von Borkommnissen, die mit seiner Kunst nichts zu tun hatten, entlassen worden it. Gs sieht ganz s{hön aus, auf den Brettern aufzutreten, Lorbeerkränze zu empfangen, aber diefem steht al® Kehrseite ein Schauspielerelend und eine Schauspielernot gegenüber, wie sie nur in wenigen Kreifen be- fannt ist. Deshalb ist es nur zu begrüßen, wenn die Schauspieler ih zusammeng schlossen haben, um ihre trostlose Lage zu bessern. ver Generalintendant Graf Hülsen hat als Führer der Bühnenleiter -_ eine fehr verantwortlihe Stellung; das Zusammenwirken der Bühnen- leiter mit der Bühnengenofssens><aft ijt dringend notwendig. Die Bemerkung des Grafen Hülsen, daß die „wohlgesinnten“ Mitglieder der Bühnengenossen|<aft aus dieser ausgetreten ind, dient aber nicht dem Frieden. Die Tätigkeit des Artur Wolf, des Nedakteurs des Organs des Bühnenvereins, ät Mißtrauen. Fn bezug auf die Leistungen wird die Könialiche Oper ihren Aufgaben nit gere<t, sie vernachlässigt neuere Werke. Ein angzsebener Musikkritiker, und zwar der Referent einer konservativen Zeitung, {reibt mir __\ein nbfälliges Urteil über eine Reihe von Aufführungen ei an „der Königlichen - Oper und faßt \ein Urteil dahin zu-

der allgemeinen Finanz-

Y

fammen, daß für die Schöpfungen - neuerer Tonklünstkler die Königliche Bühne so gut wie vers<lossen sei. Aehnliche Klagen be- steheu über das Repertoire des Föniglih-n Schauspielhauses. Der Prinz von Homburg wurde nicht in der flaisisdhen Bearbeitung, sondern in einex A fmachung gegeben, die wie: eine Schaustelung der patriotishen Gala aymutete, und die Aufführung \{<:oß mit einer Apotheose aller Hohenzollern. Amerika eutzieht uns die besten fünilerischen Kräste. Kapellmeister Mu>k is gegangen, ni<ht um des G-ldes willen, sondern weil er sih unter den ' ganzen Verhält- nissen am Königlichen Opernhause nicht woblfühlen konnte. Fräulein Destinn hat si ueäußert, daß es fast ihr Tod sei, daß sie fortgeben müsse. Zuverlä)sige Mitteilungen über den Fort- gang fkünstlerisher Kräfte dringen nicht ‘in die Oeffentlichkeit. n den Gagen muß gespart werden, weil der größere Wert auf die äußere Ansitattung und Dekoration gelegt wird. - Es haben da zwei, drei Aufführungsstü>e, deren Ausstattungen Hunderttausende gekostet haben, von der Bühne verschwinden müssen, weil das Publikum sie ablehnte. Dem Kapellmeister Paur wurde wentg Gelegenheit gegeben, zu dirioteren, und dann wurde er vlößlich entlassen, weil er fich mit den höfishen Nücsihten nicht abfinden fonnte. Mit na>enstarken Männern \< int die Königliche VDper ni<t auskommen zu können. Zu einem wahren Skandal hat sih der Fall Weingartnec gestaltet, der selbst im Auslande Aufsehen erregt hat. Was hier die Intendanz gesündigt hat, kann nicht wieder gutgemacht werden. Man hat Wein- gartner ni<t nur das Dirigieren, fonde:n sogar das Klavierspiel in einem Umkreise von 30 km von Berlin bis zum Fahre 1921 verboten. Hier handelt es sh um ein krasses Stüd Mittelalter. Weingartner soll Kontraktbru<h begangen haben und wurde vor das Bühnen- \chiedsgericht gestellt, das inzwischen vers<wunden ist. Zu dem Gertcht gehörtea lauter Unterg-bene Hülsens.. Es wurde ein Abkommen mit Peingartner geschlossen, und Hülsen ist danach formal im MNecht, aber an einen folhen Künstlec darf man ein \folhes Verlangen nicht stellen. (Zwischenrufe rets) Abg. von Pappenheim, es kommt mic gar nit darauf an, ob es sih um einen Künstler aus Ihren okér aus unseren Reihen handelt. Hier kommt es nur auf die Förderung der Kunst an. Unter diesen Verhältnissen muß das - Ansehèn der Krone selbst leiden. Giner Königlichen Sängerin wurde verboten, am Karfreitag an einer Aufführung mitzuwirken, die von cinem Arbeiterverein veranstaltet war. Man sollte sih do freuen, wenn diese Kreise si dem Kunstgenuß hingeben. Die Königlicen Theater haben jeyt zchn Jahre der Leit'1ing des Grafen Hülsen hinter 1h, nah dem Urteil eines Sachverständigen war darin viel Berheißuag, aber wenig Erfüllung.

Finanzminister Dr. Lene:

Meine Herren! Es ist für den Finanzminister außerordentlich {wer (sehr richtig! re<is), die vielen Beschwerden, die der Herr Norredner über die Königlichen Theater geäußert hat, hier zu beantworten. Es ist ja dem hohen Hause bekannt, daß der Staat auf die Führung der Königlichen Theater keinen Einfluß hat. Die Theater werden von der Krone betrieben, und der Siaat leistet cinen Zushuß. Der Zuschuß ist aber im Ber- hältnis zu dem, was die Theater kosten, ganz gering. Das Nisiko, welches die Krone mit der Führung der Theater hat, ift ein außer- ordentli großes. Ich habe s{hon in den Vorjahren, wenn der Herr Vorredner seine Beschwerden hier vorgebracht hat, wiederholt darauf hingewiesen, daß die Finanzverwaltung ganz außerstande ist, auf die Einzelheiten einzugehen. Nichtsdestoweniger hat der Herr Vorredner wiederum in diesem Jahre eine große Zahl von Beschwerden vor- gebraht. Aus seinen Beschwerden geht ja hervor, daß er persönli fein Gönner des Herrn Generalintendanten Grafen von Hülsen ist, (Heiterkeit), und es ist tinfolgedessen na< meiner Meinung sehr \{<wierig, daß folhe Fragen hier behandelt werden, weil der An-

gegriffene niht in der Lage ist, sich hier zu verteidigen. (Sehr

richtig! re<ts.) Ih habe im vorigen Fahre hon dem Herrn Vor- redner erklärt, daß solhe Fragen hier do sehr {wer zu behandeln wären, denn der Angegriffene wäre setnen Ausführungen gegenüber wehrlos. Ich muß das auch heute wieder bestätigen, denn staalsce<htli>< ist es für den Herrn Generalintendanten ganz ausges<lossen, dur< irgend etnen Kommissar hier vertreten zu sein, und wir haben hier nichi die Möglichkeit, darüber etwas auszuführen.

Die künstlerischen Leistungen unserer Königlichen Theater sind von dem Herrn Abg. Kopsh immer außerordentli< ungünstig beurteilt worden, und ein Fremder, der das liest, müßte fich eigentli<h davor grauen, in Berlin in das Opernhaus oder Schauspielhaus hinein- zugehen. Ih muß sagen, daß ih das tief bedaure. Ich persönlich bin ja kein Kunstkenner, wenigstens bei weitem ni<t Kunstkenner in dzm Maße, wie der Herr Vorredner (Heiterkeit rets), aber wenn ih die Theater besuche, so bin ih hineingegangen, wie ein Laie hinein- geht, der zwar manches gesehen, und sich ein Urteil gebildet hat, der aber nicht so tief in die Erkenntnis gedrungen ist, welhe Kunstkenner und Kunstkritiker besißen. Aber ih habe, soweit ein Laie das be- urteilen kann, immec gefunden, daß unsere Berliner Theater ih neben allen Theatern sehen laßen fönnen, daß man hohen Genuß und hohe Erbauung in den Stü@en haben fann, die man sich aussuht. Ich bin weiter gegangen : ih habe niht meinem Urteil vertraut, sondern habe au< wirklihe Kunstkenner im Laufe des Jahres befragt, und da ist mir versihert worden, daß unsere Berliner Oper sh ganz ruhig allen deutschen Opern an die Seite stellen kann. JI< möchte das vor dem Lande ausdrü>li< konstatteren, wenn die Leistungen der Berliner Theater fo heruntergezogen werden, wie das der Herr Abg. Kopsch jahraus jahrein tut. (Bravo! rets.)

In den anderen Staaten ® wird ganz anders verfahren. Nehmen Sie z. B. die Münchener Oper, Aus den Pünchener Zeitungen hört man nur Lob über die Münchener Oper, und da die meisten Menschen weniger ihrem eigenen Urteil vertrauen als dem, was „man“ sagt, so gehen die meisten Leute na< München, um diese viel- geyriesene Oper zu hören. Fch sage nichts gegen die Münchener Oper, aber ein großer Teil ihres Ruhms liegt darin, daß die Bayern felbst darauf halten, daß ihre Oper gerühmt wird. Wir wollen unsere Oper auc rühmen, denn sie verdient es. VFnfolgedessen muß icd mein \{merzliches Bedauern darüber aussprechen, daß die Leistungen unserer Oper so scharf kritisiert werden.

Der Herr Abg. Kopsch hat dann cine Reihe von Beschwerden vor- geführt, auf die zu antworten natürlich nur jemand în der Lage |st, der die einzelnen Fälle kennt. Der Hérr Abg. Kopsch hat diese Beschwerden das will i< in keiner Weise bestreiten in bestem Glauben vor- getragen, aber sie find do< nur einseitig vorgetragen, und es muß do, wenn etwas behauptet wird, die Frage auch von der anderen Seite beleuchtet werden; ers dann kann man ein wirkliches Urteil darüber fällen. Und da komme ih wieder dazu, daß es unmögli ist, daß die andere Seite hier . zur Geltung fommen kann. Mehrere Fälle, die der Herr Abgeordnete vorgeführt hat, sind folche, welche die Gerichte beschäftigt haben. Troßdem die Gerichte den Gewährs- männern - des Herrn Abg. Kops< Unrecht gegeben haben, verurteilt der Herr Abg. Kopsch - das Verhalten unserer Büchnenverwaltung in diesen Fällen. Ih wage mir kein Urteil zu bilden, sage mir aber

* immer, unsere Gerichte, denen wir do<h Objektivität zutrauen müssen,

haben ih auf bie andere Seite gestellt. Jst es da nun gerechtfertigt, zu sagen, die Verwaltung der Königlichen Schauspiele ist so fals< und unrihtig verfahren, sie hat so gehandelt, daß man das verurteilen muß? Das kann ih nicht zugeben.

Wenn einzelne Künstler, wie Weingartner usw., auf Grund ibrer Verträge verurteilt worden sind, hier in Berlin nicht weiter auf- zutreten, so kann das doch der Leitung der Königlichen Schauspiele nicht zur Last gelegt werden ; denn da liegen die Voraussf\etungen vor, welche die Verträge vorgesehen haben, und es ist eine Verurteilung von den Gerichte erfolgt. Infolgedessen kann man do nicht sagen, daß dies etwas Unerhörtes ist, was seitens der Verwaltung der König- lihen Schauspiele begangen ist.

Nun möchte i< noch folgendes sagen. Da die Königlichen Schau- spiele von der Krone betrieben werden, erfahren wir amtlih über die Besoldungen und Einrichtungen nichts. Aber soweit ih mich laufend unterrihtet habe, liegen die Verhältnisse folgendermaßen. Bei unseren Königlichen Schauspielen ist ein Teil “Ver Künstler und des Personals im Beamtenverhältnis angestellt und der andere auf Privatdienstvertrag. Diejenigen, welhe Beamte find, haben genau dieselben Nechte- wie die Staatsbeamten, sie sind gegen festes Gehalt und Penfion und Nelikten- versorgung angestellt ; die anderen, welche auf Privatdienstvertrag an- genommen sind, haben auf Grund ihres Kontraktes ihre Ansprüche. Zu gleicher Zeit greifen da die Neichsgeseße überall ein. Diecse An- gestellten find gegen Invalidität versichert und soweit sie unter das Angestelltenversiherungsgeseß fallen, sind die Leistungen des An- gestelltenversiherungêgesetzes für fie gegeben, und außerdem ist für fe der Gnadenpensionsfonds vorhanden. Auch aus diesem Fonds werden ihnen Penfionen zuteil.

Die Königlichen Theater in der Provinz haben außer diefen Leistungen noh besondere Vergünstigungen, und zu diesen steuert die Krone au no< mit bei. Also, es ist das ganze Personal, au< soweit der Einzelne ni<ht als Beamter angestellt ist, in durchaus ge- sitherter Lage, gerade so oder no< mehr wie jeder Privatangestellte.

Die Höhe der Besoldung ist natürlih nah den Leistungen ver- \cieden. Herr Abg. Kopsh hat bemängelt, daß in einzelnen Stadît- theatern die Besoldung für manche Künstler und das Personal hôher seien. I< kann das nit beurteilen, ih weiß es ni<ht. Aber es cheint mir in der Hinsicht so, daß die Besoldungen doch nicht so \{le<t sein müssen, sonst würde do< ein genügendes und gutes Personal nit vorhanden sein. Nach der Besoldung richten fih au< die Leistungen, und wenn die Besoldung der Leute zu gering ist, werden die Königlichen Theater hinreichend befähigte und gute Leute auf die Dauer nicht halten können. Das regelt ih ganz von selbst dur den Betrieb des Theaters.

Um dies zusammenzufassen: ih bin außerstande, auf die einzelnen Bemerkungen des Herrn Abg. Kopsh elwas näheres auszuführen. Ich kann die Kritik, die er hier geübt hat, nur im allgemeinen beantworten. Die Einzelfälle zu beantworten bin i< nit in der Lage; denn die Königlidben Theater werden von der Krone betrieben ohne Einfluß des Staates, und die Wünsche, die Herr Kopsch geäußert hat, kann ih weder verneinen no< bejahen. Ih kann thnen e'ne Erfüllung nicht zusagen; denn die Staatsregierung hat auf den Betrieb der Theater keinen Einfluß. (Lebhaftes Bravo rechts.) :

Abg. Ko p \ < (fortshr. Volksp.) : Der Finanzminister hat uns heute die gleiche Antwort wie im Vorjahre gegeben. Die Konsequenz feiner

Stellungnahme wäre allerdings, daß wir uns jeder Kritik der König- lien Theater enthalten. Die Intendanturverwaltun follte einen Gebeimrat des Finanzministeriums \o informieren, daß er uns bier Antwort geben kann. Jch habe die fünstlerishen Leistungen unserer Königlichen Theater niht herabgeseßt, diesen Vorwu1f des Herrn Finanzministers weise ih mit allem Nachdru> zurü>. Das Urteil, das ih gefällt habe, ist au<h die Ansicht hervorragender Sachver- ständiger auf dem Gebiete der Kunst. Ob gerade diejenigen, die dic Königlichen Einrichtungen immer loben, die besten Freunde der Krone sind, möchte ih stark bezweifeln. Ferner habe i< nit die gericht-

lien Urteile angegriffen, sondern nur die Art und Weise bekämpft, wie man seitens der Königlichen Oper gegen einige Künstler vor- aegangen ist. Man sollte die Kritik, die hier an cinigen Königlichen Einrichtungen geübt wird, nicht einfah von der Hand weisen.

Finanzminister Dr. Lenßtße:

Meine Herren! Der Herr Abg. Kopsch hat meinen Ausführungen mit einer ziemlihen Erregung geantwortet. Jh weiß nicht, inwtefern ih dazu Veranlassung gegeben habe. FI< habe dem Herrn Abg. Kopsch in keiner Weise bestreiten wollen, daß er das Recht der Kritik hat. Er darf mir aber au nit bestreiten, daß ih eine Erwiderung darauf gebe.

Der Herr Abg. Kopsh hat si<h zunähst besonders dagegen gewandt, daß ih gesagt habe, er hätte die Leistungen unserer König- lihen Theater heruntergeseßt und herabgezogen. Meine Herren, ih frage hier dieses hohe Haus, ob Sie aus der Nede des Herrn Abg. Kopsh nicht denselben Eindruk gewonnen haben, daß er mit den Königlichen Theatern niht zufrieden wäre. (Zustimmung re<ts Widerspruch links.) Herr Abg. Borchardt ruft ganz laut „nein“, von den anderen Herren habe ih aber durhaus „ja“ gehört. (Erneute Zustimmung re<ts und Widerspruch links. Abg. Borchardtk- Berlin : Hier sind no<h mehr, die „nein“ rufen !)

Herr Abg. Kopsch hat dann weiter erklärt: die ganze Welt sagt das. Meine Herren, wer irgendwie Kunstkritiken liest, der weiß do, daß über jede einzelne fünstlerishe Leistung die Ansichten aus einandergehen. Ste fönnen das beste Konzert gehört und der besten Vorstellung beigewohnt haben wenn Sie dann am folgenden Tage die Kunstkritiken lesen, werden Sie eine Reihe von Kritiken finden, die zufrieden sind, und eine Reihe von solchen, die dagegen sind. Wenn Sie \<ließli< die abfälligen Kritiker lediglich als die Autori- täten hinstellen und “die anderen für ni<hts halten, dann ist das nah meiner Ansicht etnseitig; und i< muß allerdings erklären, daß eine #0 wichtige Frage, wenn sie hier vor dem hohen Hause verhandelt roird, doh mögli<hst objektiv behandelt werden muß; und ih muß für die Staatsregierung das in Anspru<h nehmen, daß sie sich dagegen ver- wahrt, daß hier Kritik geübt wird, ohne daß diejenigen, welche wirkli \sahkundig auf dem Gebtete sind und mit denen ich die Kritik befaßt, in der Lage sind, fich dagegen zu wehren.

Meine Herren, es würde manche Frage - hier ein ganz anderes Gesicht bekommen, wenn au< die Gegenseite si{< äußern könnte; und das gilt nah meiner festen Ueberzeugung au von den Fällen, die hier vorgetragen worden sind. Sowohl der Fall Hausner wie die anderen Fälle würden sh davon bin ih fest überzeugt ganz anders darstellen, wenn auch die Gegenseite hier zu Worte gekommen wäre. Es ist na< meiner Ueberzeugung eine einseitige Darstellung,

und aus ciner einseitigen Darstellung ein s\ol<es Urteil zu ziehen, dagegen muß ih allerdings protestieren. (Bravo! rechts.)

Abg. Borchardt - Berlin (Soz.): Gegen die Ausführungen des Ministers muß ih in allen Puak'en Einspcuch erheben. Der Fall Wein„artner ist außerordentlich berauerlid, jolhe Fälle müßten für die Zukunft unmöglich gemacht werden.

Abg. Dr. Arendt - Mansfeld (freikons.): Ih bezweifle, daß wir die Einnahmen baben werden, die auf Grund der Zuwachssteuer v-ranshlagt worden sind Bei der ersten Veranlagung ist die Steuer mit einer derartigen Härte angeseßt worden, da darauf eine Unzahl von Prozessen entstanden ift. Man kânn annehmen, daß die Rechtsprebung die Veranlagungen herabseßen und au eine weitere Herabseßung bei der fünftizen Veranlagung her- beiführen wird, fodaß wir einen entsprehenden Ausfall an den Etnnahmen haben werden. Ich frage den Minister, ob er niht irgendeine Uebersicht geben kann, wie ho< ih die Einnahmen des preußischen Staates aus diesem Geseg belaufen. Wenn die Parteten die Wirkungen dieses Gesehes vorausgesehen hätten, hätten sie sihe;lih alle dagegen gestimmt. Die Wükungen desselben sind namentiih für den städtischen Grundbesitz so verdecblih, daß wir uns überlegen müssen, ob das Gese aufrecht erhalten werden fann. Durch das Gefeß ist eine folhe Unsicherheit in den ganzen Grundstücksverkehr hineingekommen, daß eine erheblihe Verminderung der Umsaßsteuer eintreten wird. Deshalb bitte ih den Minister, im Bundesrat dahin wirken zu wollen, daß die nötigen Schritte zur Beseitigung tes Ge- setzes ergriffen werden.

Finanzminister Dr. Len hte:

Meine Herren! Der Anteil der Bundesstaaien an dem Grtrage der Wertzuwachssteuer wird prozentual festgeseßt, und infolgedessen mußten wir denjenigen Betrag einstellen, welcher den betreffenden Prozenten im Etat des Reiches entspra<h. Da wir 5 °/o bekommen, so ist der Ectrag der Zuwachssteuer richtig bere<net, und wir waren außerstande, eine andere Summe einzustellen.

Der Herr Abg. Arendt hat dann weiter über die Zuwachssteuer überhaupt Beschwerde geführt. Wenn die preußische Regierung si dafür einseßen solite, die Zuwachssteuer wieder abzuschaffen, so wäre es, glaube id), jegt der allezungeeignetste Moment ; denn wir müßten dem Neiche für die Erträge der Zuwachssteuer doch anderen Ersaß hafen. Woher wir aber jeßt, wo an das Reich fo hohe Anforde- rungen gestellt werden, diesen nehmen sollen, weiß ih ni<t. Ich möchte jedenfalls die Verantwortung s ohne weiteres nicht üter- nehmen.

Herr Abg. Arendt hat dann weiter gefragt, ob die 5 9/0, welche wir erhalten, au ausreichen gegenüber den Kosten, welche der Staat dur< die Erhebung der Umsaßsteuer hat. Die Umsaßsteuer whd von den Gemeinden veranlagt und erheben; der Staat hat aber erheblide Arbeiten zuglei<h dabei mitt vorzunehmen. Bet der Feststellung werden die Gerichte und die Katasterbehörden in Anspcuh genommen und dann hinterher bei den Streitfällen die Be- zirkeauéshüse und das Oberverwaltungsgeriht. Wir föônnen heute no< nit wissen, ob die 5 °/ ausreichen, die Erfahrung dazu ist no< viel zu kurz. Wir find au außerstande, darüber eine direkte Auf- stellung zu machen, da ja die Kosten nicht direkt in die Augen springen, sondern alle unsere Behörden im Lande damit zu tun haben. Wir haben allerdings die Ueberzeugung, daß die 9 °/o ret gering sind. (Abg. Dr. Arendt: Hört, hört !) I< muß bemerken, daß bei Eilaß des Ausführungêgeseyes zur Reichswertzuwachssteuer von uns 10 9/%.verlangt sind und hier von uns ausdrü>lih betont worden it, daß die 5 %/% kaum ausreihen würden; aber das bobe Haus glaubte ja, daß der Staat noch zu viel bekâme, wenn er 5 °/o erhielte.

Abg. Kop \< (fortsh. Volksp.): Ih bedaure, daß meine Aus- füßrungen als Parteisache angeschen werden. Ich habe ja schon gesagt, daß ein Teil des Materials, auf dem meine Ausführungen beruhen, aus konservativen Z titungen stammt. Der Finanzmintster muß zu- geben, daß ein Ab,„eordneter berechtigt ist, dem Urteil von Sachver- ständigen erböhtzn Wert betzulegen. Wenn der Minister, troßdem er, wie er selbt sagt, nihts von der Sache versteht, das Urtetl fällt, taß meine Kritik unzutreffend sei, so kann ih das feinesweyus als objektiv bezei<hnen. Der Finanzmin'ster wird gut daran tun, in Zukunft die Krinik der Abgeordneten mehr zu beachten.

Abg. Dr. Liebkne<t (Soz.): In dem Fall des Hilfsmusikers Klamm bat der Intendant Verfügungen in einer Tonart erlassen, dite man sich auf das gründlichste verbitten muß. Er hat einen Ton an- geslagen, den wir sonst nur von Herrn Fagow gewöhnt sind. Uls die Opernsängerin Frau Denera am Charfreitag in einem geistliben Konzert eines Arbeitergesangvereins mitwirken wollte, hat Herr Hülsen dieser Sängerin die Mitwirkung verboten, und eine andere Sängerin, die für Frau Denera eingesprungen war, per Auto aus dem Konzert berauéholen lassen. Derglcichen Dinge sollen no<h mehr vorge- fommen sein. Ein Mann, der an der Hofoper den Kasernenton ein- führt, gehört nicht an die Spiße eines Königlichen Kunstinstituts.

Der Etat der allgemeinen Finanzverwaltung wird bewilligt.

Präsident Dr. Graf von Schwerin verliest die Auf- ellung der Aenderungen in den Ziffern, die dec Etat dur die zweite Lesung erfahren hat. /

Finanzminister Dr. Lenßte:

Ih bin dem Herrn Präsideaten dankbar, daß er die Anregung die i< in der Budgetkommission gegeben habe, aufgegriffen hat und dem hohen Hause die Verwendung der Abstriche in dieser Form vorschlägt. J< kann mi< nur damit einverstanden erklären. Die verfügbar gewordenen Summen sollen zugunsten der Altpensionäre verwendet werden. (Bravo!)

Damit ist die zweite Beratung des Staatshaushaltsetats für 1913 erledigt.

Das Etatsgesezß wird ohne Debatte mit dem von der Budgetkommission empfohlenen sogenannten Notparagraphen 3a, wonach die bis zur Feststellung des Etats bereits geleisteten Ausgaben nachträglich genehmigt werden, angenommen.

Schluß 51/, Uhr; nächste Sigung Montag, 11 Uhr. (Kleinere Vorlagen ; Odergeseß; Petitionen.)

Nr. 29 des „Zentralblatts der Bauverwaltung*, heraus- gegeben vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 12. April 1913 hat folgendèn Inhalt: Ae! Nunderlaß vom 22. März 1913, betr. die Herausgabe von Auszügen aus den Versuchsberihten des Deutschen Ausschusses für Eisenbeton. Dienstnachrichten. Nicht- amtliches: Ablaufsignal mit Außenbeleu<htung auf dem Bahnhof Tempelhof. Die Erwetlterungsbauten des Kadettenhauses Oranien- stein bei Diez a. d. Lahn. Otto March f. Vermischtes: Wett- bewerb für die Gewinnung von Plänen zum Neubau eines Kaiser- Milhelm-Volké hauses in Lübe>. —- Studienreise na< England der Deutschen Gartenstadtgesellshaft. -— Deutscher Ausshuß für Eisen- beton; Einfahe Berehnungsweise der Grundrißmaße in starken Krümmungen gelegener, gemäuerter Talübergänge.

Laund- und Forstwirtschaft.

Ein- und Ausfuhr von Getreide und Kartoffeln in Antwerpen im Monat März 1913.

Einfuhr:

Noggen: etwa 57-000 dz, davon aus DeutiGland . « «ea a6 = e den Vereinigten Staaten von Amerika . den Niederlanden - «- «« - - 5 710 Nuliland = «s e ee S 5 600 Argentinien «s o 6 ; 5 520 Weizen: ctwa 1668 000 dz, davon aus DeutsBland © e Argentinien « ae Nini S E e a ea den Vereinigten Staaten von Amerika . den Niederlanden . - + s Canada . L Rußland Nitlixalien «5% Gerste: etwa 233 000 dz, davon aus Deutimland «a o <0 Numänten C s io o. a den Vereinigten Staaten von Amerika . Rußland R A den Niederlanden - - - British Indien - « - - Argent «e e 6% Der SULTE «o (a0 lm ie Hafer: etwa 40 000 dz, davon aus DeutiMland E S 210 dz Argentinien A A 10880 Rußland ; T3420 7 den Niederlanden 1160 Mats: etwa 301 000 dz, davon aus den Vereinigten Staaten von Amerika . 149070 dz Argentinien a s 84110 Rumänien . 38 420 Nußland E e 12 820 den Niederlanden .«. + 12 050 Kartoffeln: etwa 5 000 dz, davon au den Niederlanden D Ausfuhr: Roggen etwa 15 000 dz davon nah DeutiMland «4 > 6 SVaRen a Weizen: etwa 367 000 dz, davon nah Deut GMland e den Niederlanden. - + + Gerste: etwa 20 000 dz, davon nah i DeutiGland Mais etwa 97 000 dz, davon nah Deutschland -. + Spanien A Portugal ¿ den Niederlanden L Kartoffeln: etwa 30000 de, bavon nah Deutschland E Großbritannien 18690 , Jtalien . E 40 (Bericht des Kaiserlihen Generalkonsuls in Antwerpen vom 9. April 1913)

24 070 13 940

43 980 31 800 s s O AZO e e O 200

9 560 120 010 17410 16 370 15 840 14910 13 020 11 810

4 500 dz

6360 dz 0.0207

. ¿806980 dz e DOOOU 2

16450 dz

11 570 dz 4340 5 2439002 TOIUDO

160

Handel und Gewerbe, Konkurse im Auslande.

Galizien.

Konkurs ist eröffnet über das Vermögen des Hersch Recht- \<affen, Kaufmann in Rozniatow, mittels Beschlusses des K. K. Kreisgerichts, Abteilung 1V, in Stryj vom 7. April 1913. Nr. 8. 2/13 (2). Provisorischer FKonkursmasseverwalter: Chaim Schwarz in Rozniatow. Wahltagfahbrt (Termin zur Wahl des definitiven Konkursmasseverwalters) 21. April 1913, Vormittags 9 Uhr. Die Forderungen sind bis zum 14. Vat 1913 bet dem genannten Gericht anzuwelden; in der Anmeldung ift ein in Rozniatow wohn- hafter Zustellungsbevollmächtigter namhaft zu machen. Uquidierungs- tagfahrt (Termin zur Feststellung der Ansprüche) 9. Juni 1913, Vor- mittags 10 Uhr.

Bosnien.

Kreisgeriht Travnik. Name des Falliten: L. Finck in Travnik. Konkursverwalter: Rechtsanwalt Dr. Milan Makanec, S.ellvertreter Rechtsanwalt Petar Musial, beide in Travnik. An- meldetermin: 1. Junt 1913. Prüfungstermin : 1. Juli 1913. Den Anmeldungen, die in serbo-kroatischer Sprache abzufass.n sind, müssen etwaige Beweisurkunden in Ur- oder Abschrift beigefügt werden.

Numänten. Fälticenï: Societate Cooperativä „Somuzul“ fft in Konkurs erklärt worden.

Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts ám 12. April 1913:

Nuhrrevter Obers(hlesishes Nevter

Anzahl der Wagen Gestellt «92/025 10 990 Nicht gestellt . am 13. April 1913: Gestellt . L ESBI 2792 Nicht gestellt . ——

Der Versand des Stahlwerksverbandes betrug laut Meldung des „W. T. B.“ aus Düsseldorf im März d. I. ins- gesamt 562 277 t (Rohstabhlgewicht) gegen 506 417 t im Februar d. I. und (669 924 t im Värz 1912. Hiervon entfielen auf Halbzeug 151688 t gegen 140386 bezw. 158690 t, Eisenbahnmatertal 939 437 t gigen 229 856 bezw. 266 511 6, Formeisen 178152 & gegen 136 175 bezw. 244 723 k.

Die Dortmunder Handelskammer beging gestern die Feier ihres 30jährigen Bestebens mit cinem Festakt im alten Rathausfaal, an dem, wie „W. T. B.“ meldet, der Handels- minister Dr. Sydow, der Oberpräsident der Provinz Westfalen Prinz von Ratibor und Corvey, der Regterungépräfident von Buke-Arns- berg, der Präsident des Netichstags Dr. Kaempf, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden vnd andere teilnahmen. Nach einer Be- une des Präsidenten der Dortmunder Handelskammer Geheimen Bergrats Kleine hielt der Handeleminister Dr. Sydow eine längere Ansprache, in der er die Entfaltung der wirt- \chaftlihen Kiäste im ndustriegebiet in den leßten Jahr- zehnten erläuterte und die Bedeutung der Dortmunder Handels- fammer als einer der wihtigsten Deutschlands hervorhob. Der Handelsminisler überbrachte dann die Glüdwünsche der Königlichen Staatsregieruna und gab bekannt, daß die Ausdehnung des Handels- fammerbezirks Dortmund auf den Landkreis Hamm genehmigt worden sei. Dann begrüßte der Oberbürgermeister Eihhoff die Versammlung namens der Stadt Dortmund und teilte den einstimmigen Beschluß des Magistrats mit, der Geheimrat Kleine zum Ehrenbürger der Stadt Dortmund ernennt. Der Retichstagspräsident Dr. Kaempf überbrachte in seiner Eigenschaft als Präsident des Deutschen Handels- tages die Grüße und Glückwünsche dieser Körperschaft. terauf gab (Seheimrat Kleine ein Bild des gewaltigen industriellen Aufschwungs dos Deutschen Reichs in der Eisen- und Kohlentndustrie in den legten

dreißig Jahren.

Die Handelskammer zu Dortmund veröffentliht für das Jahr 1912 die nachstehende Ueber\iht über die Kohlen- und Cisenpreise seit dem Jahre 1900:

1) Dur<hschnittspreise der Kohlen (Tonne in Mark):

Förderkohle Fetikfohle | Magerkohle

9 73—10,73 | 8,99— 9,98 9 75—10.75 | 9 00—10.00 9,18— 9,98 | 8 24— 9/24 9 00— 975 | 7,82— 8,82 9 00— 9,75 7,75— 8,75 9 29— 9,75 | 8,11— 9,30 9 90—-10 40 | 8. 90— 9,99 10 83—11 35 9 80—10/83 11 00—11,50 | 10 00—11,00 10 63-—11,13 9-63—10,63 10 50—11,00 | - 9-50—10:50 10 50—11,00 | 9 50—10,50 | 11,06—11,75 | 10,25—-11,63

Durchschn.

10,19 10,21 9 60 9/33 9.29 9,48 1014 11,07 1259 10 88 10-75 10 68 11;39

Br-<fots

2111 | 9373—2487 22,00 | 24,00—25,00 15 00 18 00—19,00 15 00 | - 17,00—18/00 15 00 | -17,00—18,00 15 00 16 64—18,00 15,80 17 30—18 80 16 25—-18,25 90.17-227 16 50—18,50 91,00—24 00 14. 13—16,13 19.88—22,50 13,38—15 38 19 .00—21 50 101. L 1200-1900 4 50—16,50 19 13—22 00 1912, . 1 17,75—19,75 15,25—17,25 19,75—22,75

2) Fahresdur<h\cnittspreise des Eis:ns (Tonne in Mark loko Werk).

Flammfkohle

10 23—11,48 10.29— 11,50 9,87-—11,12 9 75—10 82 9,75—10,75 0-10.79 10 40—11,30 | 11,40—12 23 11,50—12,50 11,13—12,13 | 11,00—12,00 10 81—11,81 Ira 123

1900. O e a T E O T1906. , O 24 Os L DIO R E 1912 <5

| |

Gießereifots | Hochofenkotks |

1000... 1. 215-2370 | 1901 . 93 00—2400 | 1902. ¿l TT00—1800 19083 . 16,00——17,00 | 1904 . 16.00—17,00 | 1905 . 6201726 _| 1906 . 1730-—1830 _| 1907 - 18,75—20,33 1908 . 19 00—21 00 1909 . 17 ,50—19 50 1910 . 16. 50— 18,50

Englisches | Luxemburger D eutsches Gießerei- | Puddeleisen Gießereieisen | eisen franko ab

T 4 Nuhrort Luxemburg

101,33 | 97,33

6467 | 60,67 1903 j 66,00 | 63,96 1904 | 66,00 | 64,00 1905 f 67,29 | 64,79 1906 F 7900| T7217 1907 F 8467| 79,50 1908 | 74,50 | 70,00 1909 I 59,00 | 57,79 1910 f 64,88 | 63,50 1911 1 67,00 |

64,759 1912 | 7421| 70,88

Westfälisches Stabeisen

1900 179,58—200,00 1901

1902

93,00 82,00 66,83 66,42 66,00 67,46 74,38 76,60 70,95

69,30

11167-12195 107,08—119,33 109 21— 123,75 110,78—127,58 132,28—150,88 135,77— 164,55 102,79 - 130,83

99,54— 124,58 110,50—130,50 108,71—133,17 117,46—142/83

45,67 44,92 45,00 47,10 56,55 60,13 51,80 47,38 221 00,399 68,08 48/91 76,42

Grundpreis für _|_ Westfälisches Wi | R | |

Se- | Fein- ‘Puddel- |Spiegel- |Thomas-

eisen |* eisen eisen

| 110,00 |

Noheisen

1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 1907 1908 13909 1910

205,21 | 196,25 | 86,67 | 74,25 78,00

70,83 66,96 67,00 6883 | | 9229 | G | 8290 | j

\

|

57,00 55,92 56,00 56,00 58,56 67,99 94,67 D447 98 69

59,33 56,17 56,50 a 57,00 92 | 154,12 | 63,91 148,70 | 8 | 148,00| 88,00 | 78,00 129 92 39 | 122.047 (7,83 1,00 118,63 | 108,58 | 122,521 60,83 | 96,49 130,06 | 120,06 | 139,67} 65,83 | 61,67 1911 1 132,71 | | 139481 70,94 | 62,90 | 58,63 1912 | | 144,631] 79,17 | 69,75 | 61,96

Laut Meldung des „W. T. B.“ betrugen die Einnahmen der Luxemburgischen Prince Henri-CEisenbahn in der ersten Aprildekade 1913: 318 740 Fr., gegen das Vorjahr mehr 86 050 Fr.

_— Der Verband von Fabrikanten isolierter Leitungs- drähte bere<net laut Meldung des „W. T. B." aus Berlin von beute ab einen Kupferzushlag von 1,20 f pro Quadratmillimeter Kupferquershnitt und 1000 m Lnge.

158,33 )| 140,17 150,00 | 135,88 150,63 | 125,00 130,83

152,08

6425 | 64,00 | 66,83

| CCAD

Berlin, 12. April. Bericht über Spetsefette von Gebr. Gause. Butter: Die Marktlage zeigt wentg Veränderung. Troß mehrfach ermäßigter Notierung bleibt das Geschäft ruhig, nur aller- feinste Qualitäten sind gesu<ht. Es kommt zurzeit wieder schr viel abweichende Butter an den Markt, welche felbst zu billigeren Preisen faum verkäuflich ist. Russische Butter ist ebenfalls weniger gefragt. Die beutigen Notierungen sind: Hof- und Genossenschaftsbutter la Qualität 123-—125 4, Ila Qualität 120—123 4. Schmalz: An den amerikanischen Börsen haben die Realisationen von Ha'iss?- engagements, welhe den Markt fürzlih ungünstig beeinflußt hatten, aufgehört, und unter Käufen der Packer und Konsumenten fette ctne entichiedene Aufwärtsbewegung der Preise ein. Unterstügt wutde die- selbe dur die geringen Vorräte und den Bericht des Landwirtschaft- lihen Bureaus, der einen Verlust von faît 7 Millionen Schwetnen in Nordamerika feststellt. Die heutigen Notierungen sind: Choice Western Steam 64—65 #, amerikanisches Tafelshmalz Borussia 67 #4, Berliner Stadtshmalz Krone 657—70 „4, Berliner Braten- {malz Kornblume 66—70 #4. Sped: Ruhig.

Berlin, 12. April. Wochenbericht für Stärke, Stärkefabrikate und Hülsenfrüchte von Max Sabersky, Berlin. Das Geschäft für Kartoffelfabrikate ist \{leppend. Rohe reingewashene Kartoffelstärke —, A, 189. Kartoffel- stärke prompt 28} —28Ì #, Ia. Kartoffelmebl prompt 284—28] #, T a. Kartoffelmebl —,— #, gelber Sirup 30—31 ,. Kap.-Strup 32133 #4, Exportsirup 324—33 M, Kartoffelzu>er gelb 294 bis 30 4, Kartoffelzu>er kap. 32—33 #, Rumcouleur 42 #6, Bier- couleur 43 46, Dextrin, gelb und weiß Ta. 33&—35 , do. fekunda —— Æ, Weizenstärke, Hallesche und Schlesishe 44——45 , do. fkleinstü>ig 45—47 M, do. großstü>klig 45—47 M, Neisstärke (Strablen-) 557 #6, do. (Stücen-) 59% , _Scabestärke 38—41 M, Ia. Maiéstärke 37—38 , ikftoriaerbsen 22 bis 236 M, Kocherbsen 21—25 4, grüne Erbsen 2225 M, Futter- und Taubenerbsen 17#—198 A, inl. weiße Bohnen —— #( flahe Bohnen Nundbohnen 32 bis 35 M, ‘ungarise ‘Bohnen 27—28$4 4, gallzishe, russische Bohnen 25—27 , große Linsen 35—40 e, mi do. 30—35 M, kleine do. 25—30 4, weiße Hirse 22—28 M, gelbec

Senf 30—38 4, Hanfkörner 21—22 46, W ntexrübsen 27 D Winterraps 28—29} f, blauer Mohn 55226046," weißer Mohn

4 E