1913 / 92 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Petersburger Stadtteile veranstalteten Arbeiter der Fabrik Leontiew eine Kundgebung ; ein Arbeiter, der eine rote Flagge entfaltete, wurde verhaftet und die Kundgebenden von der Polizei eiten. An anderen Punkten der Residenz rotteten fich Arbeiter zusammen, doch kam es ju keinen Ausschreitungen oder Zusammenstößen. Aus Bodeibos st die Nachricht eingegangen, Ds der gestrige Tag in den Lena- goldwäschereien A ruh A Lerats set.

In Fiume hat „W. T. B.* zufolge der Verband der Arbeitgeber beshlossen, die Hafenarbeiter auf unbestimmte Zeit auszusperren. (Vgl. Nr. 91 d. Bl.)

Wohlfahrtspflege.

Nach einer Meldung des „W. T. B." haben die unmittel- baren Städte des Königreihs Bayern aus Anlaß des Negterungsjubiläuums Seiner Majestät des Kaisers und Königs Stiftungen errichtet, deren Gesamtwert rund 1 650 000 # beträgt und die alle mit Ausnahme von zweiten der Fürsorge für bedürftige Veteranen dienen.

Der Kretstag des Kreises Hünfeld hat einen Kaiser Wilhelm - Jubiläumsfonds von 10000 errichtet, der zur Unterstüßung von Lungenkranken und Kriegêveteranen bestimmt ist.

Theater und Musik.

Im Königlichen Opernhause wird morgen, Sonnabend, „Rheingold“ als Vorabend zu der tags darauf folgenden „,Walküre“ aufgeführt. In den Hauptrollen sind die Damen Goeße, Böhm van Endert, Arndt-Ober, Dux, Schloßhauer-Neynolds mit den Herren Bischoff, Kirchhoff, Nee Henke, Knüpfer, Shwegler, Bachmann und Philipp beschäftigt. er Kapellmeister Blech dirigiert.

Im KöntglihenSchauspielhause wird morgen „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist, mit Frau Poppe in der Titelrolle, gegeben. Dífe Prothoe spielt Frau Willig, die Meroe: Fräulein von Ärnauld, die Oberpriesterin: Frau Butze, den Achilles: Herr Zimmerer, den Otysseus: Herr Kraußneck, den Adrast: Herr Geisendörfer.

Konzerte

Das leßteSonntags8konzert des Blüthner-Orchesters am 13. d. M. bildete einen würdigen Beschluß der -Neihe dieser Veran- staltungen und zeigte den trefflihen Tonkörper unter Professor Henri Marteaus Leitung von seiner besten Seite. Es wac eine wahre Freude, dem frishen, tons{chönen Musizieren zuzuhören und Saint Saëns! 3. Symphonie, das symphonische Scherzo „Der Zauber- lehrling“ von Paul Dukas, die „Rhapsodie sur des Airs du Pays d’Oe“ (Lacombe) und Bizets 1. Suite „L’Arlésienne“ an Ohr und Sinn vorüberziehen zu lassen. Als Solistin des Abends zeichnete fi dazwischen Gunna Breuning in der A-Dur- Suite von Henri Marteau für Violine und Orchester aus. Ihr etwas herbes Spiel gefiel mehr durch Klarheit als durch Wärme des Autdrucks. Der Verein der Musikfreunde gab, gleihfalls am Sonntag, wiederum eins seiner beliebten Konzerte im Künstlerhaus. Das E vermochte troß der Fülle des Gebotenen doch durchweg zu

esseln. Von den zahlreihen Mitwirkenden zeigte Johannes Rufus ein gutes Stimmaterial, aber einen zu wenig belebten Vortrag. Erich Klamt (Violine) entfaltete einen \{chönen reinen Ton und brachte namentlich eine „Canzonetta“ von d’Ambrosio sehr ansprehend heraus. Dec Baritonist Eugen Hübner bot in jeder Hinsicht die besten Gaben des Abends. Die „Juwelen- Arie“ "aus „Margarethe“ wurde einwandfrei und mit gutem Verständnis von Erika Mlacha gesungen. Einige Duette hatten dagegen unter unretner Intonation zu leiden. Die Lautenliedervort1äge von dor o Fuhrmann bildeten einen erfreulihen Abschluß des

ends.

Das leßte dieswinterliße Konzert des Männerchors „Berliner Liederkranz“ unter der Leitung seines tüchtigen Dirigenten Ernst Mitlacher fand unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters am Montag in der Philharmonte statt. Außer einigen älteren Werken wies das Programm auhch zwei neue auf: „Sternennacht“, ein wtirkung8volles Stück für Männerchor a cappella von Hugo Kaun, und „Am Siegfriedbrunnen“, ein Stimmungsbild für Männercor mit Orchester von Ar Volbach, das, obwohl nicht frei von Wayne:shen Anklängen, eine starke Wirkung auf tie Zuhörer aus- übte. Im zweiten Teil des Abends erneuerte man gern die Bekannts- chaft mit den in früheren Jahrèn häufiger im Konzertsaal vorge- tragenen „Szenen aus der Frithjofsage“ (für Männerhor, Solo-

Theater. Königliche Schauspiele. Sonn-

abend: Opernhaus. 99. Abonnementsvyor-

8 Uhr: Filmzauber.

gehoben. Das Rheingold. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister Ble. Regie: | sauber. Herr Regisseur Bahmann. Anfang 74 Uhr.

Schauspielhaus. 93. Abonnementsvor- stellung. Penthesilea. Ein Trauerspiel | Ytraße. von Heinrih von Kleist. - In vier Auf-

aul Lindau. Die zur R ge- örende Musik von Professor Ferdinand Hummel. In Szene geseßt von Herrn Dr. Lindau. Anfang 7 Uhr.

Sonntag: Opernhaus. 100. Abonne-

Montag: Macbeth.

find aufgehoben. Die Walküre in drei | Schilliags Flucht. Akten von Richard Wagner. 7 Uhr. Schauspielhaus. stellung. Dienst- und Freipläte sind auf- ehoben. L812. Sausptiel in fünf ufzügen von Otto von der Pfordten.

Anfang 74 Uhr.

Sonntag: 94. Abonnementsvor- | Der Biberpelz.

Neues Operntheater (Kroll). Sonntag, | straße 104—104 a.) Sonnabend, Abends Der Dummkopf.

Nachmittags 24 Uhr: Auf Aller-|8 Uhr: höchsten Befehl: Elfte Vor- | Häberlin: Harry Walden.) stellung für die Berliner Arbeiter-| * Sonntag: jyase x ch dem, der lügt! Lust- | Heinz: Harry Walden.) piel in fünf Aufzügen von Franz

Grillparzer. (Die Eintrittskarten werden | Goring: Harry Walden.)

durch * die Zentralstelle für Volkswohl- A Komösdienhaus. Sonnabend, Abends Hochherrschaftliche

Sonntag, Nachmittags 3 Ubr: Das | Strauß. Stiftungsfest. Abends: Hochherr-

fahrt nur an Arbeitervereine, Fabriken usw. abgegeben. Etn Verkauf an einzelne

Personen findet nicht statt.) s Ubr:

uungen.

Deutsches Theater. Abends 74 Uhr: Der lebeude Leichuam.

Sonnabend, | schaftliche Wohnungen.

Leicyauam. Kammerspiele. Zum ersten Male:

Komödie Björnson.

Berg-op-Zoom. Einuahme von | Liebe. Björnstjerne Julius Elias.

uahme von

onntag: Die Berg-op-Zoom.

Montag: Frühliugs Erwachen.

Berliner Theater. Sonnab., Abends

Große Posse mit

Gesang und Tanz in 4 Akten von N Liebe.

Bernauer und Rudolph Schanzer. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Große

¿ s 7 . | Rofinen. Abends: Filmzauber. e E n) Bran S ad Montag und folgende Tage: Filni- |8 Uhr: Klein Dorrit.

zügen für die Bühne eingerihtet von A len Le v Suite

Sonntag: Das Buch einer Frau.

Lessingtheater. Sonnabend, Abends

mentsvorstellung. Dienst- und Freipläte | 8 Uhr: Erste Zyklusvorstellung: Gabriel

Drama in fünf] _ ' j : : Anfang | Akten von Gerhart Hauptmann. Abends: Das Mädchen aus dem Zweite Zyklusvorstellung : z

Montag: Das Konzert.

Deutsches Schauspielhaus. (Direk- | 8 Uhr: Der Zigeuuerprimas. Operette tion: Adolf Lang. NW. 7, Friedrich- | in drei Akten von Gmmerich Kälmän. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der | Die Frau Präfsideutiu. und folgende Frau Präsidentin.

Alt Heidelberg.

Montag: Ein idealer Gatte.

Montag und folgende Tage: Sonntag und Montag: Der lebende | herrshaftliche Wohnungen.

Schillertheater. @. (Wallner-

Sonnabend, Abends 8 Uhr: Die Ein-|t heater.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Geographie und | Sonnabend,

in dre Deutsch von | Sternuschen

stimmen und großes Orchester) von Max Bruch. Sie machen auch heute durch ihre vornehme Faktur und glücklicen musikaltihen Ein- gebungen Eindruck. Der Chor und das Orchester boten darin vor- trefflihe Leistungen. Ebenso verdienen die an Stille der angekündigten beiden Künstler mutig in die Bresche gesprungenen Solislen Fräulein Elisabeth Ohlhoff und Kammersänger Strathmann - Weimar alles Lob. Fräulein Ohlhoff sang außerdem das Lied „Cäcilie® von Strauß sowie eine „Mittelalterlihe Venushymne* (mit Männerchor) von Eugen d’Albert mit gutem Ausdru.

Vor dicht beseztem Hause sang Hedwig Schulz- Streliß am Dienstag im Bechsteinsaal. An Kraft der Stimme, an Sicherheit des Vortrags fehlte es der Dame nicht; doch mangelte dem Gesange die feinere Kultur. Das an sih wohlklingende Organ neigt leiht zur Schärfe, besonders bei strafferer Auspannung; und der Vor- trag war mehr an äußere Wirkungen zugeschnitten als auf eine ver- innerlihte Darstellung. Ganz gut gelang die Arie des Sextus aus Meozarts „Titus“, und auch die Lieder von Strauß fanden eine ange- messene, beifällig aufgenommene Wiedergabe.

Ein am Mittwoch im Blüthnersaal veranstalteter Arien- und Liederabend war ein völlig verfehltes Unternehmen. Das Blüthner-Orchester, das zum Teil zur Begleitung herangezogen worden war, brachte unter Alexander Neumanns Leitung wenigstens den instrumentalen Teil der Lieder Gustav Mahlers zur Geltung; die Sängerin versagte gänzli.

Mannigfaltiges. Berlin, 18. April 1913.

Von den auf der Tagesordnung der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten stehenden 14 Gegenständen führte nur die Vorlage, betreffend die Etateüberschreitung zur Deckung der Mehr- kosten für die Mittagsspeisung bedürftiger Gemeinde- \chulkinder, zu einer längeren Aussprache. Die Mehraufs wendung von etwa 60000 4 ist dadurch entstanden, daß der Verein für Kindervolkéküchen den Preis für die gelieferten Suppen erhöht hat. Nach den Fesistelungen des ädtischen Untersuhungéamtes enthielten die Mittagsmohlzeiten niht genügend Fett, und der Vezein erklärte, für den erhöhten Fettzusaß eine Er- höhung des Portionépreiscs vornehmen zu müssen. Der Stadtschulrat Or. Fischer widersprah einer aus dcr Versammlung gegebenen An- regung, tie E chulspeisungen von der Stadt selbst zu besorgen, und wollte diese Einrichtung der sreien Liebestätigkeit überlassen wissen. Die Vorlage wurde einem Auss{huß zur Borberatung überwiesen. Auf dtie öffentliche folgte eine geheime Sißung.

Der Deutsche Frauenverein für die Ostmarken ver- anstaltet zum Besten seiner gemeinnützigen Bestrebungen am Sonntag, den 20. April, Nachmittags 4 Uhr, im Hauptrestaurant des Zoologischen Gartens einen Tee mit Tanz. Persönlich lautende Eintrittskarten zum Preise von 6 # und 4 #4 für junge tanzende Herren sind du Herrn Generalleutnant Pape, Charlotteu- burg, Uhlandstraße 20, zu beziehen und an der Tageskasse zu haben.

Pillau, 17. April. (W. T. B) Der beute fruh hier einge- troffene \{chwedische Dampfer „Fermia“, Kapitän Taube, hat auf der Reise nah Pillau den schwedischen Schoner „Phönix“ treibend vorgefunden. Die aus sechs3 Mann bestehende Bes- sazung hatte das Schiff verlassen. Der Kapitän des Dampfers hat sih an Bord des „Phönix“ begeben und die Schiffspaptere an sih genommen. Der Versuch des s{chwedischen Dampfers, den Schoner ins Schlepptau zu nehmen, mußte bei Stolpmünde auf- gegeben werden, da das Schiff zu viel Wasser im Naum hatte. Bon der Besatzung fehlt jede Kunde. Das Beiboot befindet fich noch am Schoner.

Côln, 17. April. (W..T. B,) Der englische Flieger Hamel, der heute mittag 124 Uhr englischer Zeit in Dover auf- gestiegen war, ist um 6 Uhr auf dem Flugplay Bußweiler Hof glücklih angekommen.

S1ULgart L Apnl. R T. Zk Angesichts des großen Schadens, der durh den Frost in den Obstanlagen und Wetnbergen verursaht worden ist, hat die Negierung {hon näch der ersten Frostnacht Erhebungen über den Umfang des Schadens ein- geleitet. Je nahdem wie das Ergebnis ausfällt, wird die Frage ge- prüft werden, ob und welche Maßnahmen zur Linderung der nach-

teiligen Folgen des Naturereignisses zu treffen find.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Das | Nizza.

udolf Montag: Elga.

schwister. prag!

ontag Lustspiel in vier Akten (nach Dickens) von Franz von Schönthan.

Montag: Klein Dorrit. Lustspiel in

Deutsches Opernhaus. lottenburg, Bismarck - Straße 34—37.

Abends 8 Uhr: Tante Simoua und Der Schleier der Pierrette.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Fidelio. jolifa.

goldnen Westen.

Montis Operettentheater.(Früher: | drei Akten Neues Theater.) Sonnabend, Abends | P. Veber.

(Justus | fidele Bauer. Abends: Der Zigeuner-

primas. (Karl | Montag und folgende Der (Lord

Montag

Tage: Zigeunerprimas.

Zoologischer Garten.

Preisen: Wiener Blut. in drei Akten von Johann

Sonntag, Nachmittaas 34 Uhr: Der liebe Augustin. Abends: Wiener

Wohs- | tümlichen Operette

err. Theater am NUollendorfplaß. Y Nachmittags Akten von | 3. Bag, der Operuschule des | dame X. ouservatoriums8.

Abends 8 Uhr: Der Extrazug nach | dame X.

Vaudeville in drei Akten von Konzert. Abends: Geographie und | Arthur Lippshiß und Max Schönau.

Sonntag, Nachmittags 3} Uhr: Die Hierauf: Die Ge- |Studentengrüäfin. Extrazug uach Nizza. Charlottenburg. Sonnabend, Abends | Gxtpazug A M

Theater in der Königgrüßer | Sonntag, Nahmittags 3 Uhr : König E S

Sonnabend, Abends 8 Uhr: O N ETE, L, Schüleraufführung des Konser- | Lula Mysz - Gmeiner. vatoriums Hans Tuerschmaun. | Eduard Behm.

Abends 8x Uhr: Mazjolika. Schwank in

(Char- | drei Akten von Leo Walther Stein und | maun

Ludroig Heller. |

Direktion : Georg Hartmann.) Sonnabend, A O Si rnelius

Montag und folgende Tage:

Refsidenztheater. Sonnabend, Abends Uhr: Die

E A R Schwank in Geboren: Eine Tochter: Hrn. Land-

Sonntag, Nahmittags 3 Uhr: Scchlafwagenkonutrolleur.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und

ens. (Station: | Schönfeld.) Sonnabend, Abends 8 Uhr:

Theater des West Lu Wes 13.) | Buppehen. Pose mit Gesang und Tanz

: / |in dr en von Curt Kraaß und Jean

Sonnabend, Abends 8 Uhr: Zu volks- Kren. Gesangstexte von Alfred Schönfeld. Musik von Jean Gilbert.

Sonntag und folgende Tage: Puppchen.

Trianontheater. (Georgenstr., nahe

Hoch- | Blut. M Tage: Wiener | Bahnhof Friedrichstr.) Sonnabend, Abends Ia AnD. PTIERRE Sa ener | 3 Uhr: Madame K.

Blut. S TEEE E R Akten von Paul Gavault und Georges | Dru der Norddeutschen Buchdruckerei und

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: 37 Uhr: |\selige Toupinel.

Montag und folgende

Paris, 18. April. (W. T. B.) Der mit fünf Personen Mitiags in St. Cloud aufgestiegene Militärkugelballon „Zodtaque“ war gestern um 2 Uhr Nachmittags inmitten eines Regengusses mit rasender Geschæindigkeit über Parts“ hinweggeflogen. Um 23 Uhr sahen. Bewohner von Fontenay-sous8-Bois, wie tie Gondel des Ballons an etnen Fabrikschlot anstieß und von dem Sturm weitergetrieben wurde. Oberhalb Williers-sur- Marne stürzte der Ballon mit furchtbarer Geshwindig- keit zu Boden. Von allen Seiten eilten dite Dorfbewohner berbet. Man fand fünf Männer blutüberstrômt daliegen. Tot waren zwei Offiziere, ein Sergeant und ein Pilot; der fünfte Insasse, ein Leutnant, war lebensgefährlih verleßt. Als der Ballon über Fontenay \{chwebte, versuchten Zuaven das Leitseil zu ergreifen, was ihnen aber nichi gelang. Das in der Gondel vor- gefundene Bordbuh erwähnt, daß die Luftschiffer in 800 m Höhe über Paris hinfuhren, dann fielen, um sich von neuem über die Wolken zu erheben. An dieser Stelle briht ter Bericht ab. Der Krieg 8s- minister és sich an die Unfallstelle und besuchte sodann den nach dem tilitärhospital von Vincennes gebrachten Leutnant, der seinen \{chweren Verleßungen noch am Abend erlag, sodaß das Unglück allen fünf Insassen des Ballons das Leben gekostet hat. Ueber die Ursahen des Unglücks können, da s\sämtlige Insassen des Luftschiffs ihm zum Opfer gefallen find, ledigllch Vermutungen aus- aen werden. Mehrere Fachleute neigen zu der Ansicht, daß die

allonhülle beim Anprall an einen Baum zerriß, daß sich der Niß rash erweiterte und das Gas jäh ausströmte. Doch hält man es auh für möglih, daß einer der Luftshiffer die Geisteégegenwart verloren und die Neißleine in allzu großer Höhe und zu hestig gezogen habe, sodaß die Hülle in ihrer garzen Länge plaßte und . der Ballon wie ein Stein niederfiel. Eine Explosion wird für ausgeschlossen gehalten, da an der Ballonhülle keine Spur einer Verbrennung wahrzunehmen ist. Die Luftschiffer haben jedenfalls verzwcifelte Anstrengungen gemacht, ihren Ballon in einer gewissen Höhe zu halten. Sie haben niht nur allen Ballast, fondern auch alle Instrumente, den Anker und sogar einen Teil threr Kleidungsstücke über Bord geworfen. Der Führer des Ballons Aumont-Thieville war ein sehr erfahrener Luftschiffer und hat über 100 Fahrten unternommen. Er hat sih auch als Forschungsreisenter hervorgetan, namentlich durch G:forschung der Gegend des Tschadsees. Der Hauptmann Clavenad œar ein sehr bekannter Militärflteger und vor Jahresfrist Leiter des Militärflugwescns in Marokko gewesen, jedo dieser Stellung enthoben worden, weil er in einem Blatte an dem Verhalten des Kriegsministeriums scharfe Kritik geübt hatte.

Nancy, 18. April. (W. T. B) Die Meldung, daß das Stück „Coeur de Françatse“ in Navcy und anderen Städten verboten worden sei, bestätigt sich nicht. (Vgl. Nr. 91 d. Bl.) Die Theaterdirektoren wurden ledigllch von den Bürgermeistern dringend aufgefordert, dafür zu sorgen, daß dle Aufführung keine Nuhestörungen veranlasse. In Nancy verlas vor Beginn der gestrigen Vo1stellung der Direktor einen Brief der Verfasser des Stüdkes, in dem tie Zuschauer aufgefordert wurden, ihre Nube zu bewahren. Wenn auch während zweter Szenen, in denen die Schau- \pieler in deutshen Uniformen auftreten, einzelne Zischlaute ertönten, so wurde doch die Nube niht weiter gestört.

G Serrol, 14 A L B) Vet MuUuvros 1l ein Fischerboot gekentert. Zehn Personen sind ertrunken.

Saloniki, 17. April. (W. T. B.) Bei Langadha ist der Militäarflieger Atayropulo3 abgellürzt Und getotet worden. Auch der Abgeordnete Manos, der Argyropulos als Flugaast begleitete, ist ums Leben gekommen. Die Ursache des Unfalls ist noch nicht aufgeklärt. Der Flieger Argyropulos war ein Bruder des Präfekten von Salonikt.

New Vork, 17. April. (W. T. B.) Nag einer Depesche aus Malone im Staate New York brach dort vergangene Nacht um 1 Uhr im Hotel Dewilson Feuer aus. Sieben Personen verbrannten, 15 wurden verleßt. Die Flammen ergriffen das Trepperhaus und versperrten 30 Gästen den Ausweg. Einige Frauen sprangen aus dem dritten Stockwerk hinab und wurden \chwer verletzt.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Konzerte.

D Singakademie. Sonnabend, Abends er 8 Uhr: Konzert von Leonid Kreutzer Der (Klavier) mit dem Philharmonischen Orchester unter Leitung von Offip Gabrilowitsch.

Beethoven-Saal. Sonnab., Abends 3, (leßter) Liederabend von Am Klavier :

Nbends :

Tage:

Nachmittags 3} Uhr: |8 Uhr:

Familiennachrihten.

Ma- | Verehelicht: Hr. Oberarzt Dr. Walther Rohrbach mit Frl. Margarethe von Zamory (Berlin). Hr. Dr. med. Hanns Netnhardt mit Frl. Clara- Edelgard von Blankenburg (Zimmer-

Frau Präfideutin. | hausen).

Hennequin und

Der Abends :

Tage: Die

rat a. D. Hans von Raumer (Osna- brü). . Hrn. Regierungsrat F. Schneider (Köslin). Hrn. Rittmeister von Wbbecke (Hannover). Hrn. Adel- bert Grafen von der Schulenburg- Burgscheidungen (Burgscheidungen). Gestorben: Hr. Amtsgerichtsrat Julius Freundt (Oels). Hr. Archivrat Dr. Arnold Hagemann (Wiesbaden). Fr. General von Colomier, geb. Conrad E Fr. Erna Mac Lean of oll, geb. Freiin von Tiesenhaufecn (Nieder Walluf a. Rh.).

Verantwortlicher Redakteur: DivektorDr. Tyrol in Charlottenburg.

Verlag der Expedition (Heid r i ch)

Schwank in dret n Vexlin.

Der Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32.

Ma- Zehn Beilagen

Ma- | (einschließlich Börsenbeilage und Waren- : zeihenbeilage R 30 A u. 30B).

Abends: Tage :

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

M 992.

Erfte Beilage

Berlin, Freitag, den 18. April

1918.

Berichte von preußischen und badischen Getreidebörsen und Fruchtmärkten.

Titarftorte

Weizen

K

Haupts\ächhlich gezahlte Preise für 1 t (1000 kg) in Mark

Gerste

Roggen Hafer

mittel gut

i a

Königsberg i. Pr. Da B E R A Stettin . S E 195 Mofen. » s E E

Breslau . Magdeburg . Dortmund Mannheim .

Berlin, den 18. April 1913.

207

195

Berichte von audere

gering

WVitarttorte

niedrigster S

199—205 190—192 199—202

205—209 210—220

Gezahlter Preis für 1 Doppelzentner bohster | niedrigster

163 149 161,50 168 162,50—163,50 167—180

159 156—159 159 162—164 174,50—177 177,50

Kaiserliches Statisiishes Amt. Delbrü.

155—160

n deutschen Fruchtmärkten.

156 126 152

L

154 165

vi O ck O

180-—185

A

| i

A SÍCD; B REK E V E

Qualität

| mittel gut Verkaufte

L APCenge

bödster | niedrigster | höchster [Doppelzentner Pi é M M E 4

Außerdem wurden am Markttage (Spalte 1) nach überschläglicher Schätzung verkauft Doppelzentner (Preis unbekannt)

E X Am vorigen iat 2»: a Markttage

für C : wert 1 Doppel- eiits:

zentner preis

Berkaufs-

S

Cd

M Tad

O C L000

| Kaufbeuren [ Dinkelsbühl i

17. | Kaufbeuren .

16,40

175 U A oie a ¿d 40

Kaufbeuren s E

17,00

16,60 f

16,80 19,10

Weizen. 17,20 | 18,40 1840| 1880 |

Kernen (enthülster Spelz, Diukel, Fesen). 2300| 23/00: | Roggen. 16,80 | 1680| G erste. 24,00 |

Hafer. 17,40 | 17,60 | 19,32 19,80 |

16 60 17/00 |

24,00 |

R

18,00 18

| 17,00 | 19,80 14

19,32

1900 | 10.44

324 20,73 |

10. 4. 20 272 19/39 20,72 | é

10. 4.

abgerundet. mitgeteilt. Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berechnet.

Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf ‘volle Doppelzentner und der Verkaufswert auf/volle Me l, ilt aus d geru Dahlen derenet. Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, dch der betreffende Pre 8 nit vorgekommen it, ein Bunkt (.) in den legten sechs Spälten, ‘daß entsprechender Berit fehlt

Berlin, den 18. April 1913.

Deutscher Reichstag. 142 Sigzung vom 17. April 1913, Nachmittags 1 Uhr. (Berit von „Wolffs Telegraphischem Bureau.)

Nach Erledigung des ersten Punktes der Tagesordnung, worüber in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden ist, tritt das Haus in die Beratung der Berichte der Wahlprüfungs- kommission über die Wahlen der Abgg. Vietmeyer (wirt. Vgg.)

und von Kröcher (dkonf.) ein. : H

Von dem Abg. Grafen Westarp (dkons.) wird beantragt, diesen zweiten Gegenstand der Tagesordnung zurückzustellen.

Abg. Be bel (Soz.): Ich bin sehr überrascht, gerade von der rechten Seite diesen Antrag zu hören. Als wir uns in der vorigen Woche über den Antrag Bassermann bezüglich der Cinseßung eines Gerichtshofes für die Wahlprüfungen unterhielten, da ist auch die Rechte dafür eingetreten, daß die Wahlprüfungen schnell erledigt werden. Die Gründe, die Graf Westarp jeßt für eine Heraus- \ciebung der Entscheidung anführt, find nichtig. Die Abgeordneten der Rechten haben sih ja seinerzeit dagegen ausgesprochen, daß die Wahl des Abg. Haupt zurückgestellt wird. Gs scheint mir, daß man dort mehr nah parteipolitischen, als nach Nechtsrücksichten entscheidet. Wir haben die Pflicht und Schuldigkeit, die Gntscheidung über die beiden vorliegenden Wahlen so schnell als möglich zu treffen.

Abg. Dr. Neumann-Hoser (fortschr. Volksp.) : Ebenso, wie wir uns damals haben fügen müssen, als die Majorität entgegen den Anträgen der Kommission die Wahl des Abg. Dr. Becker für gültig erklärte, werden wir uns heute auch fügen müssen. Die Kom- mission hat dem Auftrage des Plenums gemäß die Arbeit auf- genommen. Es dürfte inzwischen bekannt geworden sein, daß die Kommission heute den Beschluß ‘gefaßt hat, das Haus möge die Wahl des Abg Kölsch für ungültig erklären. Sowte der Bericht fertig- gestellt ist, kann das Plenum seine Entscheidung fällen. Es ist nicht zu billigen, wenn jeßt jemand auftritt und erst diese Cntscheidung ab- warten will. Man könnte dann ja auch später einwenden, daß inzwishen noch andere Wahlprüfungen spruchreif geworden sind.

Der Antrag des Grafen Westarp wird mit 163 gegen 137 Stimmen abgelehnt. E i

Von der Fortschrittlihen Volkspartei wird beantragt, die Wahl des Abg. Vietmeyer für ungültig zu A O

4 _Neumann-Hofer (fortshr. Volkep.) begründe dieien Mitra unter Hinweis auf den gedruckten Kommi|sionsbericht.

Ein Antrag auf Ungültigkeitserklärung sei in der Kommission nur mit S8 eltthbait abgelehnt worden. Die Wahl fei stark be- einträhtigt worden durch irreführende amtliche Bekanntgabe des Wohnortes des fortschrittlichen Stichwahlkandidaten Nuschke. In den amtlihen Bekanntmachungen des Landrats oder Bürgermeisters set der Wohnort mit „Berlin“ angegeben. Wie die Wahlakten autweifen, lauteten sämtliche bei Haupt- und Stichwahl abgegeben en Stimmzettel für Nusg)ke auf „Redakteur Otto Nuschke in Skegliß. Dieser grobe amtliche Vérstoß müsse um fo mehr zu einer sofortigen Kassierung der Wahl des Abg. Vietmeyer führen, als er si offfensichtlih als eine Unterstüßung der gegnerischen Wakhlagitation, die sich gegen Nuschke als. den „Berliner“ richtete, carakterisiert. In gewissen Kreisen gilt die Bezeichnung „Berliner“ als ehrenrührig. Mancher läßt si lieber den Vorwurf gefallen, silberne Wffel gestohlen zu baben, als den als „Berliner“ bezeichnet zu werden. Wie kommt der

Landrat dazu, so willkürlich zu verfahren? Es liegen aber auch

Kaiserliches Statistishes Amt. Delbrück.

amtlihe Wahlbeeinflussungen vor, die zur Ungültigerklärung führen müssen.

Mea. Dr. Pfleger (Zentr.): Ich bitte Sie, diesen Antrag abzulehnen und es bei dem Beschluß der Wahlprüfungskommission zu belassen. Es handelt sich bei den Ausführungen des Vorredners nur um Mutmaßungen, niht um Beweise. Allerdings ist die Aenderung des Wohnortes auffallend, aber es braucht dies nicht auf die An- ordnung des Landrats oder Bürgermeisters zurückgeführt zu werden. Befremdend ist, daß die Bewohner in Waldeck die Berliner so beurteilen. Ist denn erwiesen, daß jene Aenderung wirklich einen Einfluß auf das Resultat der Wahl gehabt hat? Die offizielle Be- zeichnung lautet: Berlin-Steglizg. Das Wesentlihe war do, daß Nuschke als Redakteur des Berliner Tageblatts hingestellt wurde; es wurde seine politishe Nichtung bekämpst. Es ijt auch nicht im geringsten gesagt, daß ein wesentlicher Unterschied besteht, ob jemand in Stegliß oder in Berlin wohnt. _Wenn einer nur in Stegliß wohnt und in Berlin tätig ist, so ist er doch eigentltich Berliner. Daß eine willkürliche amtlihe Aenderung vorgenommen ist, ist lediglih eine Vermutung. Im vorliegenden Falle ist jedenfalls eine amtliche Wahlbeeinflussung nicht erwiesen. : 4 i

Abg. Herzog (wirtsch. Vgg.): Ih kann mich diesen Aus- führungen nur anschließen. Es ist niht bewiesen, sondern es wird angenommen, geschlossen, daß die Bekanntmachung dem freifinnigen Kandidaten geschadet hat. Zuzugeben ist nur, daß die Bewohner des platten Landes dem Bewohner einer Großstadt mißtrauisch gegenüber- stehen. Es handelt sih bei den Behörden offenbar um ein Versehen. Einen Unterschied maht man in ländlichen Kreisen niht zwischen einem Berliner oder cinem Berlin-Steglißer. Die Aenderung kann au gar keinen Einfluß gehabt haben ; denn Nuschke wurde von den Freisinnigen als ein in Waldeck lange bekannter Mann hingestellt.

Abg. Dr. Neumann-Hofer (fortschr. Volksp.): Es kommt hier nicht auf das an, was die Gegner Nuschkes getan haben, sondern was die amtlihen Personen getan haben. Einige von diesen haben eigenmächtig eine Abänderung in der Bekanntmachung vorgenommen. Beweis darüber zn erheben, aus welhen Gründen das geschehen ist, haben wir durhaus nit nötig; es hatte eben nicht zu geschehen.

Abg. Stadthagen (Soz.): Der betreffende Landrat und der Bürgermeister hatten einfach die Bekanntmachung zu veröffentlichen ; wenn sie da an dem Wortlaut ändern, so kann diese Aenderung nur den Sinn gehabt haben und hat jedenfalls die Wirkung gehabt, die R ite A worden ist. Ich empfehle, den Antrag Ablaß an- unehmen. | Abg. Behrens (wirtsh. Vgg.): Entscheidend kann doch nur der Name sein, und der ist richtig angegeben. Auch das Wahl- reglement \priht nur von dem Namen. Die vorgenommene Aende- rung kann doch lediglih eine Unvo!sichtigkeit sein. Auch in „Stegliß bet Berlin“ kommt das ominöse „Berlin“ vor. Nuschke ist auch seit langen Jahren in Waldeck eine bekannte Persönlichkeit, weil er ih dort oft zu agitatorishen Zwecken aufgehalten hat. Aus bloßen Formfehlern follten wir doh nicht zu einem fo weittragenden Beschluß kommen. Es fönnte sih ja doch auch um einen Druckfehler oder um eine Abkürzung handeln. Wenn nun Nuschke gewählt worden wäre, hätte dann die Linke auch die Annullierung beantragt ? Cine unparteiische Mehrheit kann sih gar niht auf den Antrag Ablaß vereiniaen. i

Abg. von Brockhausen (dkons.): Eine Differenz in der Form dex Bekanntmachung ist ja zweifellos vorhanden ; aber der Name stimmt durchweg überein. Daß aber die abweichende Form der

Bekanntmachung einen Einfluß auf die Wahl gehabt hätte, muß ih

bestreiten. Man darf doch Annahmen nicht zu Gewißhetten stempeln. Die beiden Beamten haben vielleiht eine Verbesserung beabsichtigt, weil der Ort seit dem 1. Januar 1912 E heißt.

Abg. Dr. Neumann-Hofer (fortschr. Volksp.) Einer solhen Verfehlung, Annahmen zu Gewißheiten zu stempeln, würde ih mich nicht s{huldig machen. Hier aber liegen ja die amtlichen Bekannt- machungen vor, und in solchen Fällen ist noch nie Beweis erhoben worden. Mit der Beweiserbebung, die der Vorredner über den Punkt für nôtig erachtet, würden wir gerade von der ständigen Praxis des Neichstages zum ersten Male abweichen.

Abg. Schwar z e - Lippstadt (Zentc.) tritt unter großer Unruhe des Hauses dem Abg. Dr. Neumann-Hofer entgegen.

Abg. von Brockhausen (dkons.): J meinte niht die Be- fanntmachung, sondern ih hatte die Annahme im Auge, daß die Ver- änderung der Bekanntmachung einen Einfluß auf das Wahlergebnis zur Folge gehabt habe.

Abg. Dr. Neumann-Hofer (fortshr. Volksp.): Beweis wird doch immer nur über Tatsachen erhoben, nicht darüber, ob die Wähler eventuell anders gestimmt hätten.

Mit einer kurzen Erwiderung des Abg. Herzog (wirtsch. Vag.) ließt die Diskussion. B

Ueber den Antrag der Kommission auf Ausseßzung der Entscheidung und Veranstaltung von Erhebungen bleibt die Ab- stimmung nah Probe und Gegenprobe zweifelhaft; die Aus- zählung ergibt die Ablehnung mit 157 gegen 148 Stimmen. Die Wahl wird darauf nah dem Antrage Ablaß mit dem gleihen Stimmverhältnis für ungültig erktlärt.

Die Wahl des Abg. von Krö cher (dkons.) für 1. Magde- burg (Salzwedel-Gardelegen) ist von der Kommission mit 10 gegen 3 Stimmen für ungültig erklärt worden. - Der Abg. von Kröcher ist in der Stichwahl gegen den Führer des Bauernbundes Dr. Böhme mit 13 465 gegen 13 144 Stimmen gewählt worden. Ausschlaggebend ist für die Kommissions- mehrheit gewesen, daß vier Amtsvorsteher des Kreises Garde- legen öffentlihe Erklärungen, die als Wahlaufrufe anzusehen sind, außer mit ihrem Namen auch mit ihrem Amtstitel unterschrieben haben; es wird darin eine unzulässige amtliche Wahlbeeinflussung erblickt, weil die Amtsvorsteher zu den Trägern der Polizeigewalt gehören. Die Kommission hat die in diesen vier Bezirken abgegebenen 1009 Stimmen vermindert um die auf 150 ermittelte Zahl der Unterzeichner des be- treffenden Wahlaufrufs aus diesen vier Bezirken, dem Ge- wählten abgezogen, sodaß er dadurch die Mehrheit verliert.

Aba. Dr. von Veit (konf.): Es handelt sih hier um die Frage, ob, wenn Beamte mit polizeilider Funktion unter einen Wahl- aufruf zu ihrem Namen auch den Amtscharakter seßen, die für ten betreffenden Kandidaten abgegebenen Stimmen diesem abzuziehen find. Es ist also die Frage zu erörtern, ob hierin eine Wakhlbeeinflussung gesehen werden kann. Meine politischen Freunde haben dagegen große Bedenken. Es ist do niht anzunehmen, daß dadurch eine Wahl- becinflussung stattfinden kann. Denn kein Wähler läßt ih doch da- dur beeinflussen, wenn er weiß, wie sein Amtsyorsteher wählt. Die Leute sind doch wahlmündig und wissen, daß fie ketne polizeilichen Scikanen wegen threr Wahl zu befürchten haben. Jn der Beziehung haben: wir wohlgeordnete Zustände. Die Wahblprüfungskommission übershäßt

do zu sehr den Einfluß der Ortspolizeibehörden. Das Wahlgeheim.1i8 ist dot geshügt durh Wahlzellen und Wahlumschläge. Gibt man