1913 / 166 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

b. In Nr. T1 daselbst, die künftig Nr. Ill wird, werden die

Worte „4) für Abkömmlinge zweiten Grades von Geschwistern“

g 6 Die Nrn. 5, 6 erhalten die Bezeichnung 4, 95.

n Nr. 111, die künftig Nr. 1V wird, wird vor Nr. 1, 2,

die Nr. 2, 3 werden, folgende Vorschrift eingeîtellt :

a s Abkömmlinge zweiten Grades von Geschwistern ;“

c. In Nr. IV, die künftig Nr. V wird, wird das Wort „zehn“

dur< das Wort „zwölf“ erseßt.

2) Im S 11 Nr. 4e werden die Worte „den m S 10T4;

IT 1, 5, 6 aufgeführten Personen“, durch die Worte „den in $10T 1,

I1T 1, 4, 5 aufgeführten Personen“ und in Nr. 4f daselbst die

Worte „den im S 10 I 2, II 2, 3 bezeihneten Personen“ durch die

Worte „den im $ 10 I 2, IT, III 2, 3 bezeihneten Personen“ erseßt.

_3) Im $ 15 Abs. 2 werden die Worte „der Klafse T (S 10

Abs. 1, 1)* ersezt dur< die Worte „der Klassen 1, I[ ($ 10

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4) Im $ 56 Abs. 2 werden die Worte „Personen der in $ 10

I bis TIT bezeichneten Art* erseßt dur< die Worte „Perfonen der in

S 10 T bis IV bezeichneten Art.“

T1. Die vorstehenden Vorschriften treten mit der Verkündigung

dieses Geseßes in Kraft. Für einen Erwerb, der bereits zu diesem

Zeitpunkt begründet ist, bestimmt fich die Steuerpflicht nach den bis- herigen Vorschriften.

_Von dem Rohertrage; welher aus der Besteuerung der Erd-

schaften auffommt, erhält das Reich ‘/s, den einzelnen Bundesstaaten

verbleibt !/; ihrer Roheinnahme.

8 6.

Der Reichskanzler wird ermächtigt, bis zur Höhe von 120 Millionen Mark einen zur Befriedigung eines außerordentlichen Be- darfs dienenden Bestand an Silbermünzen zu beschaffen und hierfür in gleichem Beträge Prägungen außerhalb der im $ 8 des Münz- geseßes vom 1. Juni 1909 (Neichsgeseßbl. S. 507) bestimmten Grenze von 20 # für den Kopf der Bevölkerung vorzunehmen.

Die zur Beschaffung dieses Silberbestandes erforderlichen Mittel sind nah näherer Bestimmung des NReichshaushaltsetats bereitzustellen. Zu diesem Zwecke kann auch der aus den Prägungen im Münzwesen sich ergebende Ueberschuß verwendet werden, für das Rechnungsjahr 1913 jedo< nur insoweit, als er den Betrag von 10 750 000 4 über- steigen wird. __ Die vom Reichskanzler nach Maßgabe des Absf. 1 zur Befriedigung eines außerordentlihen Bedarfs zu treffenden oder getroffenen Maß- nahmen find, abgesehen von dem Falle der Mobilmachung, dem Reichs- tag mitzuteilen und wieder außer Kraft zu seßen, wenn der Reichstag dies verlangt.

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Der Reichskanzler wird ermächtigt, bis zur Höhe von 120 Millionen Mark weitere Neichskassensheine in Abschnitten zu 9 und zu 10 ausfertigen zu laffen. Der Erlös dieser Neichskassen- scheine, auf wel<e $ 1 Abs. 2, $$ 9 bis 7 des Gesetzes, betreffend die Ausgabe von Neichskassensheinen, vom 30. April 1874 Reichs- gesegbl. S. 40 entsprehende Anwendung finden, ist zur Beschaffung eines gleihen Betrags in gemünztem Golde mit der Zwecbestimmung des Reichskriegs\haßes (Geseg, betreffend die Bildung eines Reichs- friegs\haßes, vom 11. November 1871 Reichsgeseßbl. S. 403 —) zu verwenden.

- 8&8.

Die in den $$ 6, 7 bezeichneten Bestände werden na< den vom Bundesrate zu treffenden näheren Bestimmungen von dem Neichs- kanzler unter Aufsicht der Reichs\huldenkommission ($ 12 der Retichs- s{huldenordnung vom 11. Mas 1 NReichsgeseßbl. S. 129 —) verwaltet. Die Reichs\huldenkommission erhält von dem Neichs- fanzler alljährliG eine Nahweisung über diese Bestände und außer- dem in kürzester Frist Mittetlung von allen für dieselben ergehenden Anordnungen und eintretenden Veränderungen. Sie ist befugt, \i<h jederzeit von dem Vorhandensein und der sicheren Aufbewahrung der

Bestände Ueberzeugu s u verla elmäßigen 3 j

Dem vei seinem jährlichen re Zusainmen- tritte von Le Mrtds <uldenkommisfion unter t A ul von thr geprüften Nachweisung über die Bestände Bericht zu erstatten. :

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und Dieben Kaiserlichen Jnsiegel. : ais Gegeben Kiel, den 3. Juli 1913.

(Ie S.) Wilhelm. von Bethmann Hollweg.

Bekanntmachung, betreffend die Befreiung von der Versicherungs- pfliht nah $ 1232 der NReichsversicherungSordnung.

Vom 9. Juli 19183.

Auf Grund des $ 1232 der Reichsversicherung8ordnung hat der Bundesrat bestimmt, daß vorübergehende Dienstleistungen von Deutschen, die bei einer amtlichen Vertretung des Reichs oder eines Bundesstaats im Ausland aushilfsweise beschäftigt werden, versicherungsfrei bleiben.

Berlin, den 9. Juli 1913.

Der Reichskanzler. Jm Auftrage: Caspar.

Bekauntmaqung, betreffend die Ausführung des $8 des Versiche- rungsgeseßzes für Angestellte.

Vom 9. Juli 1913.

_ Auf Grund des $ 8 des Versicherungsgeseßes für An- gestellte (Reichsgeseßbl. 1911 S. 989) hat der Bundesrat be- stimmt:

Versicherungsfrei bleiben

Y vorübergehende Dienstleistungen als Handlungsgehilfe, Gehilfe in Apotheken, Bühnen- oder Orchestermitglied, Lehrer oder Erzieher, wenn sie .

a. von Personen, die überhaupt berufsmäßig keine die Versicherungspfliht begründende Beschäftigung aus- üben, nur gelegentlich, insbesondere zur gelegentlichen Aushilfe ausgeführt werden,

. von Personen, die sonst berufsmäßig keine die Ver- sicherungspfliht begründende Beschäftigung ausüben, zwar in regelmäßiger Wiederkehr, aber nur nebenher und gegen einen geringfügigen Entgelt ausgeführt werden. Als geringfügig gilt ein Entgelt, wenn er für den Lebensunterhalt während des Zeitraums, innerhalb dessen die Beschäftigung in regelmäßiger Wiederkehr ausgeübt wird, nicht wesentlich ist;

92) vorübergehende Dienstleistungen von Deutschen, die bei einer amtlichen Vertretung des Reichs oder eines Bundesstaats im Ausland aushilfsweise beschäftigt werden.

Berlin, den 9. Juli 1913.

Der Reichskanzler. Jm Auftrage: Caspar.

verliehon mode

.

Die Königlih griehis<he Regierung hat bekannt gegeben, daß die Blo >ade über den inzwischen von griechischen Streitkräften belebten Hafen von Kavala aufgehoben worden ist und daß fie sih jeßt no< von der Mündung des Nestos (Mesta) bis Enos, d. i. vom 24. Grad 50 Minuten bis zum 26. Grad 5 Minuten östlicher Länge von Greenwich E eros „Reichs- und Staatsanzeiger“ Nr. 159 vom

NekfanutmaGung.

Auf Grund des $ 341 der Militärstrafgerihtsordnung habe ich den bei den Königlich preußischen Landgerichten T, IT, TTI Berlin zugelassenen Rechtsanwalt Dr. Hans Philipp in Berlin W. 9, Bellevuestraße Nr. 5, zum Verteidiger beim Reichsmilitärgeriht ernannt.

Charlottenburg, den 15. Juli 19183.

Der Vräsident des Reichsmilitärgerichts. F. V.: von Haugwiß, General der Infanterie.

Die von heute ab zur Ausgabe gelangende Nummer 43 des Reichsgesezblatts enthätt unter Nr. 4256 die Bekanntmachung, betreffend Aenderung der Anlage C zur Eisenbahnverkehrsordnung, vom 2. Juli 1913, unter Nr. 4257 die Bekanntmachung, betreffend die Befreiung von der Versicherungspfliht nah $ 1232 der Reichs- versicherungsordnung, vom 9. Juli 1913, unter Nr. 4258 die Bekanntmachung, betreffend die Ausführung des $ 8 des Versicherungsgeseßes für Angestellte, vom 9. Juli 1913, und unter _ Nr. 4259 die Bekanntmachung, betreffend Aenderung der Bestimmungen .zur Ausführung des Geseßes über die Be- fämpfung gemeingefährliher Krankheiten, vom 10. Juli 1913.

Berlin W. 9, den 15. Juli 1913. Kaiserliches Postzeitungsamt.

Krüer.

Königreich Preufzen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

den schultehnischen Mitarbeiter bei dem Königlichen Provinzialschulkollegium in Koblenz, Professor Dr. Jos. Brügge- mann zum Gymnasialdirektor zu ernennen.

Ministerium der geistli<hen und Unterrichis- angelegenheiten.

i Dem Gymnasialdirektor Dr. Joseph Brüggemann ist die Direktion des Gymnasiums in Kleve übertragen worden.

Haus der Abgeordneten.

Dem Kalkulator und Negistrator beim Hause der Abge-

ordneten Georg Mießner ist der Charakter als Rehnungsrat e i: ine ; n

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Bektanntmahung.

Die in Gemäßheit der Bekanntmachung vom 24. Dezember 1912 (Zentralblatt für das Deutsche Reih S. 2) im Winter- halbjahr 1913/14 an der hiesigen Hochschule abzuhaltende tierärztlihe Prüfung beginnt am Mittwoch, den 15. Of- {9 DEL D. F : Die Gesuhe um Zulassung zu dieser Prüfung sind bis zum 1. Oktober d. J. an mich einzureichen. Hannover, den 15. Juli 1913.

Der Rektor der Tierärztlihhen Hochschule.

Dr. Malkmus.

Abgerei st:

Seine Exzellenz der geistliche Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrats, Oberhofprediger D. Dryander mit Urlaub nach der Schweiz;

der Unterstaatssekretär im Ministerium det geistlichen und Unterrichtsangelegenheiten, Wirkliche Geheime Rat D. von Chappuis mit Urlaub.

Nichtamtkliches.

Deutsches Rei.

Preußen. Berlin, 16. Juli 1913. _ Seine Majestät der Kaiser und König hörten gestern vormittag in Balestrand an Bord der Jacht „Hohen- zollern“ die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Jnfanterie Freiherrn von Lynker, des Chefs des Marine- fabinetts, Admirals von Müller und des Vertreters des Aus- wärtigen Amts, Gesandten von Treutler.

Die Veröffentlichungen des Kaiserlichen Aufsichtsamts für Privatversicherung bringen in der Nummer 2 des 12. Jahr- gangs ein Rundschreiben vom 22. März 1913, betreffend den Jnhalt der Mahnschreiben bei älteren Lebens- versicherungen, deren Bedingungen eine von selbst eintretende Umwandlung nicht vorsehen, ein Nund- schreiben vom 5. April 1913, betreffend Form und Jnhalt der Nettokostenaufstellungen in der Lebensversiche- rung, und shließlih ein solhes vom 9. April 1913, betreffend die Bekämpfung der gewerbsmäßigen Vermittlung von Lebensversicherungsverträgen in Verbindung mit Mee In Lg L Me Hieran schließen si<h Mit- teilungen über Zulassungen zum Geschäftsbetrieb, über Geschäftsplan- und Bestandsveränderungen in- und ausländischer Gesellschaften, ferner über die Untersagung des Geschäftsbetriebs inländischer Unternehmungen. Die Nachweisung über die Bestallung Hauptbevollmä <-

Von den dana<h zum Abdrucke gebrachten zwei Be- \hlüssen behandelt der erste die Frage, welche Beträge das gemäß $8 56 flg. des Versicherungsau sichtsgeseßes zu berehnende und zu bede>ende Prämienreserve oll zu umfassen habe. Dieses habe die Reserve für die am Ende des Geschäftsjahrs \{<webenden Schadenfälle und die Reserve für die nicht abge- hobenen Kapitalien, Rükkäufe und Prämienrü>kerstattungen zu enthalten, ohne Rü>sicht darauf, ob diese Beträge inzwischen bis zur Vorlegung des Prämienreserveregisters an die Aufsichts- behörde ausbezahlt sind. Jn dem zweiten Beschlusse wird es für unzulässig erklärt, wenn eine Unfallversicherungsgesell- schaft bei der Behandlung eines Schadenfalls auf Grund einer im Versicherungsantrag erteilten Ermächtigung zur Auskunftseinholung bei Aerzten ohne besondere ausdrülihe weitere Erlaubnis von seiten des Versicherten später bei den Aerzten des Versicherten über den Gesundheits- zustand Erkundigungen einzieht, da die Ermächtigung im Ver- sicherungsantrag si< nur auf die vor Abschluß des Versiche- rungsvertrags anzustellenden Erhebungen bezieht. Jn der folgenden Senatsentscheidung wird zu der Frage der Ge- währung einer prämienfreien Police bei der kurzen Todesfallverfiherung (Risikoversicherung) es in dem vor- liegenden besonderen Falle für zulässig erklärt, daß der „an- gemessene Abzug“ i. S. des $ 174 des Versicherungsvertrags- gesezes die volle vorhandene Prämienreserve aufzehren dürfe, so daß für eine prämienfreie Versicherung fein Raum mehr bleibt.

Jn dem Abschnitte „Sonstiges“ wird das im Staate Uruguay erlassene Gese vom 27. Dezember 1911, be- treffend das ausshließlihe Recht des Staates zum Betriebe des Versiherungsgeshäfts, im Wortlaute mitgeteilt.

Der Anhang enthält 25 auf dem Gebiete des Ver- sicherungswesens ergangene gerichtlihe Entscheidun gen.

Ferner ist in einem gesonderten, zum Preise von 4 Á# zu beziehenden Hefte vom Kaiserlihen Aufsichtsamt für Privat- versicherung ein Gesamtregister zu seinen Veröffentlihungen für die ersten zehn Jahrgänge (1902 bis 1911) veröffentlicht worden. Dasselbe gibt den wesentlihen Jnhalt der einzelnen Beschlüsse, Entscheidungen, Verfügungen und fonstigen Mitteilungen, joweit möglich, in kurzen Leitsäßen wieder. Es zerfällt in zwei ge- trennte Teile, von denen der erste die Veröffentlichungen one Anhang, der zweite nur den Anhang berücksichtigt. Das Register wird auch für denjenigen, der die Veröffentlihungen nicht besitzt, ein wertvolles Hilfsmittel sein, um fich über die Praxis des Amtes und der Gerichte in Versicherungssachen zu unterrichten.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S.

4 f O $:-S #9 , ° A „Nürn- berg“ am 14. Juli in Peiteiho eingetroffen.

Oefterreic-Ungarn. Der Minister des Aeußeren Graf Berchtold ist heute vormittag in Bad Js<hl vom Kaiser Franz Joseph in Audienz empfangen worden und hat über die laufenden An-

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gelegenheiten seines Ressorts Bericht erstattet.

Großbritannien und Frland.

__ Das Oberhaus hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ in seiner gestrigen Sizung die zweite Lesung der Home- rulebill mit 302 gegen 64 Stimmen abgelehnt und den Antrag Lord Lansdownes, die Bill zuvor dem Urteil der Wählerschaft zu unterbreiten, angenommen. Im Unterhause gab gestern der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Sir Edward Grey in Erwiderung auf verschiedene Anfragen über die Lage auf dem Balkan folgende ta a __ Die Lage ist no< immer so, wie ih sie vor estern abend bes- schrieben habe; Bulgarien hat sh an Mubland Zandt um die Einstellung der Feindseligkeiten zu erwirken. Griechenland und Serbien haben verlangt , daß gewisse Bedingungen von Bul- garien angenommen werden, ehe sie dem Waffenstillstand zu- stimmen. Ih möchte die Haltung der Großmächte dahin kennzeihnen, daß ich sage, daß es seit Beginn des Krieges im vorigen Jahre ihre Politik gewesen ist, Fühlung miteinander zu nehmen, um den Frieden auf dem Balkan zu fördern, wenn sie dies dur< diplomatishen Ein- fluß erreihen konnten, fich einer gewaltsamen Intervention zu ent- halten und nichts für sih selber zu beanspruchen. Es ist ni<t wahrs \cheinlih, daß das Einvernehmen zwischen den Großmächten aufre<h<t- erhalten werden kann, wenn sie die vershiedenen Punkte dieser Politik fallen laffen.

Teranfreid. __Auf Beschluß des Ministerrats werden der Minister- präsident Barthou und der Kriegsminister Etienne der Armeekommission mitteilen, daß die Regierung für die E der Zwanzigjährigen von diesem Jahre __ Die Regierung will alles aufbieten, um das Geseß über die dreijährige Dienstzeit no<h im Laufe dieses Monats verabschieden und die Parlamentstagung dann am 31. Juli schließen zu fönnen. Wie „W. T. B.“ meldet, ist sie der An- sicht, daß dur die Annahme des Antrags auf Einstellung alle etwaigen Einwendungen gegen die noch zu beratenden Artikel des Gesezeniwurfs wegfallen würden und das Gefeß in seiner Gesamtheit am Sonnabend in der Kammer erledigt werden könnte. Der Senat hätte dann genügend Zeit, das Geseß no< vor Ablauf des Monats durchzuberaten. Die Kammer soll diese Zeit benußen, um den vom Senat ab- geänderten Budgetentwurf von 1913 zu erledigen, sodaß die Session entsprechend dem Wunsche des Ministeriums am 31. Juli Abends geschlossen werden könnte. __— Die Heereskommission hat obiger Quelle zufolge mit 16 gegen 5 Stimmen einen Antrag Augagneurs an- genommen, durch den die früheren, sich gegen die Einstellung S E aussprechenden Beschlüsse aufrechterhalten __— Die Vollversammlung der Vertreter der Arbeits- börse und der dem allgemeinen Arbeitsverband an- gehörenden Gewerkschaften hat gestern einen Beschlußantrag angenommen, in dem zu einer entschiedenen Fortseßung des Kampfes gegen die Reaktion aufgefordert wird, aber einen Antrag, auf den 24. September diejes Jahres einen allgemeinen Ausstand anzuberaumen, wenn die Jahresklasse 1910 zurü>- behalten wird, mit großer Mehrheit abgelehnt. __— Der deutsche Botschafter Freiherr von Schoen hat wie „W. T. B.“ meldet, alles Erforderliche L i den genauen Sachverhalt des gestern gemeldeten Nancyer

tigter für ausländishe Unternehmungen wird ergänzt.

Vorfalles festzustellen.

Rußíand. :

Wie „W. T. B.“ meldet, ist das Verfahren in Sachen des vorjährigen Streiks in den Goldwäschereien am Lenastrom und des Widerstands der Arbeiter dem Militär gegenüber durch Gerichtsbeshluß eingestellt worden.

Türkei.

Die Formalitäten des Austausches der Ratifikationen des Präliminarfriedens mit dem serbishen Deputierten Pawlowitsch sind na< einer Meldung des Wiener „K. K Telegraphen-Korrespondenzbureaus“ im leßten Augenbli> ver- tagt worden.

_— Die türkische Armee hat bereits die Linie En o $— Midia besezt. Die Bulgaren haben anscheinend überall dem türkishen Wunsche entspcochen, weder die Dörfer no< die Bahnstre>e zu beschädigen. , usammenstöße scheinen bisher vermieden worden zu sein.

Amtlichen serbischen Berichten vom gestrigen Tage zu- folge ist seit dem 12. d. M. auf dem Schlachtfelde W affenruhe eingetreten. Nur an der serbish-bulgarischen Grenze ijt es zukleinen Zusammenstößen gekommen. i :

Nach einer Meldung der „Agence d'Athènes“ haben die Griechen nach lebhaftem Kampfe Drama besetßt.

Griechenland.

Der König und der Ministerpräsident Venizelos, der sich, wie gestern gemeldet, nah Saloniki in das Hauptquartier begeben hatte, um sich mit dem König über den Schritt Rußlands, betreffend die Einstellung der Feindselig- feiten, ins Einvernehmen zu seßen, haben si< nah einer langen Unterredung über die Rußland zu erteilende Antwort geeinigt. Die „Agence d'Athènes“ ist in der Lage zu erklären, daß die griechische Regierung in Anbetracht der Hinterlist, die die bulgarische Regierung bis heute an den Tag gelegt hat, die Einstellung der Feindseligkeiten nicht annehmen wird, bevor nicht auf dem Schlachtfelde selbst folgende für den Abschluß des end- gültigen Friedens vorgeschlagenen Bedingungen unterzeichnet sind:

Abtretung aller von den Verbündeten beseßten Gebiete seitens Bulgariens. i E

Zahlung einer Entschädigung für diz dur den Krieg verursadten Kosten und für den Schaden, der den Bewohnern der von den Bul- garen eingeäshezrten Städte und Dörfer erwachsen it. y

Büraschasten für Leben und Eigentum der Griechen Thraziens und ganz besonders für freie Ausübung der Religion und des Unter- richts, endlich e :

Abrüstung innerhalb eines festzusezenden Zeitraumes.

Rumänien.

Der gestrige, unter dem Vorsitz des Königs abgehaltene Ministerrat beschäftigte sich laut Meldung des „W. T. B.“ mit der bei der heutigen Eröffnung des Parlaments zu hal- tenden Thronrede und einigen durch den Kriegszustand not- wendig gewordenen Gesezentwürfen. Unter ihnen befindet si< ein Gesetzentwurf, dur< den der Regierung die Ermächtigung erteilt werden soll, den Belagerungszustand in Gebieten zu ver- hängen, in denen sie es für notwendig findet.

Maßgebende rumänische Kreise betonen, dem „Wiener K. K. Telegraphen-Korref vondenzbureau“' zufolge, daß die Ansprüche Rumäniens ind heute die gleichen seien wie vor Beginn der Operationen. Diese Operationen würden fo lange fort- geseßt werden, bis die Kriegführenden einen Waffenstillstand abgeschlossen hätten. Ein weiteres Vorrücken der rumänischen Armee stehe bevor. E

Der König ist gestern abend zur Armee abgereist.

Serbien.

Der Ministerpräsident Paschits< hat sich gestern, wie „W. T. B.“ meldet, nach Nisch begeben, woselbst er mit dem griechischen Ministerpräsidenten Ven izelos und dem monte- negrinishen Ministerpräsidenten Wukotits<h zusammen- treffen wird.

Bulgarien.

Die rumänische Armee hat gestern, der „Agence Rou- maine“’ zufolge, die Donau an zwei Punkten überschritten und sodann den Marsch in die bulgarischen Gebiete fortgeseßt.

Amerika.

Das Amendement zum Schie dsgerichtsgeseß, das eine Erweiterung des Schiedsgerichts vorsieht, ist nach einer Meldung des „W. T. B.“ gestern in beiden Häusern des amerikanischen Kongresses beinahe einstimmig angenommen und darauf vom Präsidenten Wilson unterzeichnet worden.

Ueber die finanzielle Lage Chiles unterbreitete der Finanzminister einer Kommission von Senatoren und Abge- ordneten ein Exposé, in dem es obiger Quelle zufolge heißt :

Der Finanzdienst 1913 wird mit einem usglei< in Einnahmen und Ausgaben abschließen. Das Defizit für 1912, das fich auf 20 Millionen Francs beläuft, wird auf das Fahr 1914 übertragen werden und dur den Ueberschuß der Einnahmen getilgt werden, die sich aus neuen Steuern ergeben. Diese Steuern wird die Negierung von den Kammern auf den Bierkonsum, auf Erbschaften und Schenkungen fordern. Das Budget wird dann endgültig balanzieren.

Der argentinishe Finanzminister und der Minister der öffentlihen Arbeiten haben ihre De- mission gegeben.

Afien.

Der russishe Gesandte in Peking hat dem chinesischen Minister des Auswärtigen laut Meldung des „W. T. B.“ folgende Mitteilung, betreffend die Mongolei, gemacht:

Als die russishe Regiexung mit der cinesishen Regierung über die Mongoleifrage in Verhändlungen trat, ab Rußland deutlich zu verstehen, daß es diesen Verhandlungen die Prinzipien des russisch- mongolis<hen Abkommens zugrunde lege, nämli<h die Er- haltung einer juristishen Verbindung zwis{en China und der Mongolei, die Gewährung voller Autonomie für die Mongolei und des Rechts, ein_ eigenes Heer zu unterhalten, wie au< Unzulässigkeit <inesisher Kolonisation. Im Laufe der Ver- handlungen befräftigte die russishe Regierung, daß fie von dieser Grundlage nicht abweichen k3nne. Troßdem hat die hinesishe Ne- gierung es versucht, dur Vors(läge redaktionellen Charakters den Sinn des Vertrags dahin abzuändern, daß die Mongolei unter Ver- nihtung der Macht des Hutuchtus und des Ministerrats tin ihre frühere Lage hâtte zurücfehren müssen. Derartige Vorschläge der cinesi- schen Regierung hat Nußland abgelehnt, und die russische Regierung ist der Ansicht, daß die Verhandlungen nicht zu den gewünschten Er- ebnissen geführt haben und daß fie wteder freie Hand gewinnt. Sedoch ist die russische Regterun prinzipiell niht abgeneigt, die Frage auf friedlihem Wege zu regeln, und bereit, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, wenn sie die Ueberzeugung gewinnt, daß die Grundans<auungen Rußlands und Chinas bezügli<h der Negelung der Mongoleifrage identis< sind. Zu diesem Zwe> müsse China er- flären, daß es die Autonomie der Mongolei, die innere Mongolei nicht

einbegriffen, ‘anerkenne und die guten Dienste Rußlands zum Zwe> der Regelung der mongolis-<inesi!<en Beziehungen auf Grundlage des ruisis{<-mongolishen Abkommens und des Protokolls vom 3. November 1912 annehme, wogegen Rußland die Suzeränität Chinas anerfkfennt. Bis eine etwaige Verständigung mit China zustande kommt, wird Rußland in seinen Beziehungen zur Mongolei fh an die Grundlagen des russis-mongolishen Abkommens halten.

Wie das „Reutershe Bureau“ mitteilt, herrscht unter den Chinesen über diese Mitteilung große Aufregung. Vorgestern und gestern haben geheime Sißungen beider Häuser des Reichs- tags stattgefunden, in denen scharfer Widerspruh gegen die Vorschläge Rußlands erhoben wurde.

Afrika.

Vom „W. T. B.“ verbreiteten Meldungen aus Tetuan vom 12. d. M. zufolge haben die Kämpfe seit zwei Tagen wieder begonnen. Namentlich am Freitag wurden die Spanier, die mit 12000 Mann einen Ausfall machten, während des ganzen Tages beunruhigt. Sie verloren 60 Tote, darunter 3 Offiziere, und 150 Verwundete. Die Spanier kehrten in ihre ursprünglichen Stellungen zurü>, nachdem sie mehrere Duars verbrannt hatten.

Wie ferner gemeldet wird, zerstreuten zwei Kolonnen aus Elfsar zwei große feindliche Ansammlungen. Die Feinde er- schienen aber von neuem, und das Feuergefeht dauerte dann von 9 Uhr Morgens bis 5 Uhr 2 achmittags, worauf die Spanier unter Verlust von 2 Toten und 25 Verwundeten nah Elksar zurü>kehrten. Die Marokkaner hatten zahlreiche Verluste. Acht Dörfer wurden gezüchtigt. Die Notabeln dieses Gebietes haben Pardon erbeten.

Parlamentarische Nachrichten.

Nach dem endgültigen amtlichen Wahlresultat wurden bei der am 11. Juli vorgenommenen Stichwahl im Reichtags- wahlkreise Potsdam 9 von 40 768 Wahlberechtigten im ganzen 33 480 Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf den Stadtverordneten Ewald - Berlin (Soz.) 17 105 Stimmen, auf den Oberregierungsrat a. D. von Oergzen - Remlin (Reichsp.) 16 375 Stimmen. Ewald ist somit gewählt.

Der konservative Landtagsabgeordnete, Ritterschaftsdirektor Siegfried von Saldern-Plattenburg, der den Wahlkreis 1 Potsdam (Westprigniß-Ostprignitz) vertrat, tam 14 0, V in Plattenburg gestorben.

Statiftik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

In Stettin legten heute vormittag 9 Uhr sämtlihe Nieter der Stettiner Schiffswerften „Vulkan“, der Stettiner Oderwerke und der Schiffswerft Nüske u. Co., A.-G., die Arbeit nieder. Es kommen etwa 900 Arheiter in Betracht.

Aus Düsseldorf meldet die „Köln. Ztg.“, daf, nachdem die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern im Heizungsgewerbe für Nheinland uad Westfalen als ergebnislos abgebro<hen worden sind, in den Versammlungen der Hetzungsmonteure allerwärts bes{lofsen worden ist, die Arbeit überall e‘nzustellen. (Vgl. Nr. 163 d. Bl.)

Die Hamburger Abendblätter geben, wie „W. T. B.* berichtet, die Zahl der bisher auf den Hamburger Seeschiffswerften Ausständigen auf 18 000 an (vgl. Nr. 165 d. Bl.). In einer gestern abend abgehaltenen, von etwa 6000 Werftarbeitern be- suchten Versammiung des Deutschen Metallarbeiterverbandes gab cin Bevollmättigter für die Organisations!eitungen die Erklärung ab, daß sie diese Arbeitêniederlegungen nicht anerkennen und die Streikunterstüßung ablehnen. In der darauf vorgenommenen geheimen Abstimmung sprachen si<h 5662 für und 120 gegen die Fortsezung des Streiks aus.

Wegen nicht bewilligter Lohnforderungen find, wie „W. T. D.“ erfährt, auf der Flensburger Schiffsbauwerft 300 Arbeiter in den Auéstand getreten. :

Der Ausstand der italienis<hen Seeleute der staatlich unterstüßten Schiffahrtsgesellshaften wurde, wie der „Köln. Ztg.“ aus Mailand telegraphiert wird, dur ein Nebercinkommen zwischen den Vertretern der Unternehmer und denen der Angestellten bei- gelegt. (Vgl. Nr. 162 d. Bl.)

(Weitere „Statistische Nachrichten" \. i. d. Ersten Beilage.)

Kunst und Wissenschaft.

A. F. In der leßten Sizung der Gesellshaft für Erd- kunde vor Eintritt in die Sommerferien hielt Dr. Paul Sarasin- Basel über „Neukaledonien“, der unterm 20.—23° f. B. und 164.—167.0 6. L. von Sreenwih gelegenen Insel, die Frankreich be- fanntlih als Verbrecherkolonie dient, einen Vortrag. Die si< von SO. na< NW. erstre>ende Insel ist mit 17 090 gkm etwas größer als das Großher;ogtum Baden und etwas Tleiner als das Königreich Württemberg. Sie verdient in mehr als einer Nichtung das Interesse der Wissenschaft; denn sie hat, 1500 km entfernt vom australishen Festlande und von anderen Inseln des Stillen Ozeans die zu dem Gouvernement gehörige Gruppe der Loyalty-Inseln ist mit Ausnahme der ganz nahe gelegenen Inselhen Lifou und Maró die nächst benachbarte glei<falls dur beträchtliche Entfernungen geschieden, eine Entwi>lung für sich dur<gemaht, die ihr fast in jeder Nichtung ein besonderes Gepräge gegeben hat, das allerdings in seiner ganzen Eigen- artigkeit erst bei längerem NRerwetlen re<t erkannt wird. Der Bor- tragende hat, einen Aufenthalt von 14 Jahren auf Neukaledonien genommen und die Insel in allen Teilen erforsht. Er berichtete darüber das Folgende : Neukaledonten gehört zu den am spätesten ent- de>ten Inseln der Südsee; denn erst 1768 wurde ihr Vorhandensein als einer großen, zunächst ni<ht dur< ihn betretenen Insel dur< Bougains ville festgestellt. Die e:sstte Landung erfolgte am 17. September 1774 dur< Cook, der die ganze Küste der Insel von N. nach s. befuhr. Unter der Regierung Ludwigs XV1. strebten die Franzosen unler La Pórouse nah dem Besitz, ihr Besuch wiederholte si<h_ 1827 durch Dumont d’Urville mit dem Schiff „Espérance“. In beiden Fällen unter- blieb die Besitexgreifung infolge des politischen Umschwungs im Mutter- lande. Seit 1843 wiedecholten sih die Erkundungen der Insel seitens französischer Seefahrer, bis endlich am 24. September 1853 die Besiß- ergreifung dur< Frankreich stattfand, von vornherein in der ausge- sprochenen Absicht, die Insel zur Strafkolonie zu machen. Die Hoff- nung, hier allmähli< durch Ansässigbleiben der Sträflinge zu einem Stamm europäischer Ansiedler und Gewinnung von Arbeitskräften zu gelangen, hat si< nicht verwirklicht. Es ift daher zur Kultivierung der Insel wenig geschehen, für Straßenbau so gut wie nichts geleistet worden. Neukaledonien hat die Gestalt einer 400 km langen Spindel von einer kaum den zehnten Teil ihrer Länge ausmachenden Breite. Sie ist mit Ausnahme des flaceren súdöstlichen Teils, wo ihre Hauptstadt Noumea, 5000 Einwohner zählend, licgt, dur< ein Gebirgsland aus- gefüllt, ein 150—200 m hohes Kreideplateau, dessen Felsen in häufig

phantastishen Gestalten bis ans Meer treten, zumeist aber no< einen schmalen Küstensaum laffen. Auf dem Sod>el dieses Plat-aus erheben ih Ketten und Massive aus zwei jüngeren Ecdbildungsverioden, unter denen ungebeure Mengen von Serpentin in großen Feläparctien bis kleinsten Bruchstü>en eine auffallend große Rolle sptelen. Diese Bildungen erreihen im NW. im Pamié einen 1100 m und in dec Mitte der Jasel im Humboldt oder Kaado einen 1650 m hoben Gipfel. Mehrere kleine Flüsse gewinnen die Shiffbarkeit nicht, die allein dem Sus Diabot im NW. auf einer Stre>z eige it. Das Klima der Insel ist gesund und gemäfßigt, Malaria ist nicht vorhanden. Der wärmste Monat ist der Februar mit Bes (5 LER fälteste der August mit 10° C. Die reihlihen Regen gehören zu- meist der warmen Jahre8zeit von Oktober bis März an. Die beiden Küsten sind voneinander sehr verschieden: auf die Ostküste hat zu- meist Anwendung, was oben von den seltfsam-n Fel8bildungen gefagt ist; längs der Westküste ist der Aufstieg ins Gebirge der Mitte dur< dichten Wald ers<hwert. Der Vortragende bestieg beide obengenannten Gipfel und schilderte deren malerishe Reize und Ausbli>e, zeigtze zum Schluß seines Vortrags au< an Uethildern, daß die Gebirgslands{haften in ihrer Schönheit au< einem verwöhnten Auge Genüge tun. Das vererwähnte eig-nartige Sepräge der von Korallenriffen umgebenen Insel wird ihr dur< ihre Fauna und Flora verliehen. An Säugetieren beberberat fe auss{<ließlid geflügelte, nämlich die verschiedensten Arten und Größen von Fleder- mâusen, an Vögeln etwa 80 Arten: nächst kleinen Singvögeln Raben, Ku>ude, Papageten, Tauben, Raubvögel, einen nur hier vor- kommenden Ralenkcanih, von den Eingeborenen Kapu genannt, der im Wege der Entwi>klung, die er genommen, das Fliegen verlernt hat und ein leihtes Opfer der Eingeborenen wird, sodaß sein Aus- sterben unabwendbar erscheint. Die Neptilien find auf Seeshlangen und einige Landshlangen und größere Eidechfen beschränkt. Auch die Insekten, Schmetierling? vor allem, legen Zeugntis für die Abgeschiedenheit der Insel von anderen Mittelpunkten tierishen Lebens ab. Nach der Seite der Fauna ist Neukaledonien ein Land für ih: doch vielleicht in no< höherem Grade nah der Seite der Flora ! Araukarien und einige Sorten kleinerer Palmen Kentia bilden den Kern der stattlihen Wälder, nächst ihnen aber der eigen- artige Niauli-Baum und eine Fülle straucartiger Gewächse, wel<e übereinstimmend geringe Blatt-, dafür aber übermäßige Blüten- entwi>lung, und diese meist in den leuhtendsten Farben zeigen. Die Vegetation {wer beeinträchtigend war bis vor furzem das unvorsichtige Umgehen der Cingeborenen mit dem Feuer und infolgedessen Wald- und Grasbrände, die im Hohgebirge die an und für nh nicht fehr mächtige Grasnarbe vernichteten. Das ist dur< stcenge Verbote und Beítra*ungen jeßt besser geworden, die ungeheure Häufigkeit der Brände hat aufgehört; aber die Regierung hat in bester Meinung einen Mißgriff dur< Einführung der ihr aus Martinique und Guadeloupe her bekannten Landana gemacht, die, in der Absicht ein- geführt, die na>ten Felsen wieder mit Vegetation zu kleiden, dies Werk zwar vollzieht, aber wegen thres Wucherns etne Landplage zu werden droht. Erwähnenswert is auch cine \höóne Farnenvegetation. Zur Eigenart der *Ænsel gehört ferner ihre eingeborene Bevölkerung, die den Papuas sehr nahe verwandten Kanaken. Von ihr gilt ebenfalls, daß sie unausyeseßt eine so starke Ver- minderung, teils dur<h Krankheiten, wie Lepra und Tuberkulcse, teils dur< die thnen gebrachte europäishe Zivilisation, u. a. durch den Zwang, Kleider zu tragen, und anderes, erfährt, daß ihr gänzliches Aussterben wohl nur eine Frage der Zeit ist. 1889 no< 42 000 Köpfe stark, hat sich seitdem ihre Zahl um 15 000 verringert. Zum Christentum bekehrt, haben die Kanaken seit lange der Menschen- fresserei entsagt; aber an ihren alten hbeidnishen Anschauungen, Opfern, dem L etage halten sie ebenso fest, wie an Stein- \{leuder und Bogen. Ste wohnen über die Insel verteilt in Dörfern und bauen si< merkwürdig kegelförmig gestaltete Hütten, die bei den NVornehmen, den Häuptlingen, gewöhnlich turmähnliche Gestalt und Höhen bis zu 10 m annehmen. Eine ganz seltsame, übrigens auch in Neuguinea beobachtete Erscheinung ist die allgemeine Sprach- verwirrung. Eingeborene aus einigermaßen entfernten Dörfern ver- stehen einander ni<ht mehr. Nach den von den Eingeborenen ge- zeigten Lichtbildern sind fie frei von der Unsitie der Gesichts- und Körperverunstaltung, machen zu einem großen Teil einen intelligenten Eindru> und sind auf seiten der Männer dur starken Bartwuchs, in beiden Geshlehtern dur<h starken Haarwuchs auêgezeihnet. Sie find geschi>te Fisher und Nachenbauer. Auch veritehen sie ih auf Holzschnizerei. Von einer Landschaft im Osten der Insel, „Caledon ferrea“ genannt, berihtete der Vortragende, daß dort das Uebver- wiegen von CEisenerzen in der Zujammenseßzung des Bodens fo bedeutend ist, daß der Pflanzenwuchs barunter |<wer leidet und die Gewässer ohne Tierleben sind. Eine trostlose Gegend nannte Dr. Sarasin diese Landschaft. Anderseits gehört der Metallreichtum des Landes in jenen jüngeren Bildungen der Gebirge zu etnem seiner Vorzüge, der von den Guropäern im Lande (zuleßt 21 000 eins{l. 6000 Sträflinge) aber hei weitem ni<ht genügend verwertet wird, wenn au< Nickel und Chromsilbererz, selbst Kupfer bereits zu den Hauvytausfuhrartikeln Kaledoniens gehören. Nächst dem immerhin {hon nicht unbedeutenden Bergbau führen wenig Landesprodukte der Ausfuhr Werte zu, es seien denn neuerdings Fleis<konserven als Ergebnisse der reichlich betriebenen Viehzucht. Angebaut werden im Lande, meist zum Selbstgebrauch, Kaffee, Zu>kerrohr, Bataten, Maniok, Obst, Getreide und Futter- vflanzen der gemäßigten Zone.

Die Aus gra gen der Expedition des Freiherrn vonDppen -

heim auf dem Te alaf im Quellgebtet des Chabur, des stärksten Nebenflusses des Euphrat, haben in leßter Zeit zur Aufde>ung zahl- reiher Privathäuser, Straßen und Pläße im Stadtgebiet geführt. Auch auf dem Burghügel sind zwischen den Palästen weitere wichtige Auf- klärungen erfolgt zum Teil dur außerordentlich tiefe Grabungen bis zu dem natürlihen Felsboden, auf dem der Nuinenhügel sih mit der Zett aufgebaut hat. Die Kultur der alten Bewohner der Tell Halaf- Residenz in den einzelnen Wohnpertoden tritt immer deutlicher hervor, und immer klarer wird es, daß der Tell Halaf im Grunde nur in der bettitishen Zeit als große Stadt bestanden und geblüht hat. Später wurde die Hauptstadt des Tell Halafreiches nah einem zweiten, 6 km entfernten Quellpunkt des Chabur verlegt, dem heutigen Ras el Ain (Ras el Ain bedeutet Quellkopf), und das ist der Grund für die verhältnismäßig gute Erhaltung der hettitishen Ueberreste auf dem Tell Halaf an

Inzwischen hat Freiherr von Oppenheim mit einigen seiner Viit- arbeiter eine weitere Forshungsreise unternommen, auf der tin Er- gänzung von früheren Expeditionen, und vor allem derjenigen dts lekten Jahres, die vom Tell Halaf nah dem Osten bis zu den Ui Gebieten und deren Hauptstätten Affur, Nimrud und Ninive geführt hatte, nunmehr ‘die großen, heute als Wüstensteppen fi< darstellenden Ebenen füdlih und westli< des Tell Halaf und des Djebel Abd el Aziz erforsht werden sollten, um nah Mög- lihkeit die Grenzen des alten Hettiterreiches, dessen Hauptstadt der Tell Halaf war, festzustellen. Der Djebel Abd el Aziz ist ein zum Teil sehr zerklüftetes und maleris<hes, von West nah Oft streichendes Getirge. Er liegt nur ein bis zwei Tagereisen südlich von Tell Halaf. Die 14 im Süden bis zum Euphrat und im Westen bis zum Belich umgebenden ausgedehnten Steppen find heute E Da arm an Wasserpläßen, gänzlih unbewohnt und infolgedessen der Durchgang8- Fe für die zahlreichen Beduinenraubzüge, die zwischen dem üdlichen Mesopotamien und den Fruchtgebteten und fetten Weide- pläßen mehr im Nordwesten des Zweistromlandes hin und herwogen. Sn früheren Zeiten waren diese Gegenden stark bewohnt. Beinahe fägli<h wurden die interessantesten arhäologishen Entde>ungen ge- macht, die den verschiedensten FKulturvertoden angehören. Aus der bettitishen Zeit vor allem zahlreihe MRuinenhügel, sogenannte Tells, die zum Teil no< genau die alte Struktur der früher bewohnten Pläße erkennen ließen. Hoh oben im Gebirge ein heititisher Tempel mit no< gut erhaltenen Resten gewaltiger Statuen aus Basalt. Ferner aus der griehis<: römischen Zeit

Ruinen von großen Städten und Kastellen sowie Begräbnispläße mit