1913 / 173 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Freundschaft und eine Reihe alter Vecträge, die England. als bindend anerkenne, mit ihm verbunden. Die portugiesische Regierung müsse jedo in Betracht ziehen, daß, wenn sie niht vorsichtig sei, Verhältnisse fi ergeben könnten, unter welhen England fih auf der einen Seite seinen vertraglihen Verpflichtungen gegenübergestellt ehen föônnte und auf der anderen Seite einem beinahe unwiderstehlichen Ausbruch der öffentlihen Meinung im eigenen Lande. Er hoffe, die Regierung werde in dieser und vielleiht auch in anderen Fragen nichts tun, was sie in ein solhes unglücklihes Dilemma bringen könnte.

Fraukreich.

Die Deputiertenkammer erörterte gestern den Artikel 3 der Finanzgeseße, wonah vom 1. Januar 1915 ab die Grundbesißsteuer in eine Verhältnissteuer verwandelt, und die persönlihe Mobiliarsteuer durch eine allgemeine ge- staffelte Einkommensteuer erseßt wird.

Der Finanzminister Dumont erklärte laut Bericht des .W. T. B.*, daß man im Laufe des Jahres 1915 die Cinkommen- iteuer auf 250 000 Steuerzahler ausdehneñ fönne, wenn man dabet die verwaltungstehnishen Möglichkeiten berüdcksihtige. Er fügte binzu, daß e: nWht mehr versprechen könne, als er zu halten ver- möchte. Es sei aber unmöglich, die Steuer dann auf drei Millionen Steuerzahler auszudehnen. Der Radikale Malvy widersprach unter dem starken Beifall der äußersten Linken und eines Teiles der Linkèn, indem-er darauf bestand, daß die Reform vom 1. Januar 1915 ab vollständig durchgeführt werde. Der Minister des Innern Klot, der kürzlich als Finanzminister den Senat für eine Üebergangsmaßnahme stimmen ließ, stellte fich auf Dumonts Seite und fügte hinzu, daß man kein festeres Versprechen abgeben könne. Der Vizepräsident der Abordnung der Linken Nen oult machte eben- falls unter dem Beifall der äußersten Linken und eines Teiles der Linken der Regierung den Vorwurf, daß sie die Entlastung des Grundbesites durch die verspätete Anwendung der Einkommensteuer in Frage |telle.

Die Kammer nahm mit 547 gegen 3 Stimmen die Um- wandlung der Grundbesißsteuer an und ließli auch mit 424 gegen 136 Stimmen die Anwendung der Einkommensteuer vom 1. Januar 1915 ab. Der gesamte Artikel wurde mit 436 gegen 33 Stimmen angenommen.

Die Abgeordneten Jacquier (Radikal) und Javal (sozialistisher Radikaler) verteidigten sodann einen Zusazantrag, der dahin zielt, in das Budget für 1914 die Deckung der neuen Militärvorlagen in Gestalt einer gestaffelten Einkommen- und Vermögenszuwachs steuer einzufügen, und gleichzeitig Maßnahmen vorsieht, um Steuerhinterziehungen zu unterdrücken.

Die Armeekommission des Senats hat gestern mit allen gegen eine Stimme die Einstellung der Zwanzigjährigen angenommen. Die Kommission schlägt vor, die von der Kammer angenommene Vorlage anzunehmen unter dem Vorbehalt, daß ein \päteres Gesez in gewijjen, weniger wichtigen Fragen in dem Geseß über die dreijährige Dienstzeit den vom Senat gewünschten Abänderungen Rech- nung trägt.

Der Präsident Poincaré is gestern in Havre zur Einweihung der jeßt beendeten Hafenbauten eingetroffen.

Aeihugg hielt der r dent eine Rede, in der er zufolge die Ueberzeugung aus\prah, daß die eje! noch folgen würden,

TPesserungen und dieje! 7hx das Aufblühen

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ünstigen werden. mehr Reisende

.anzösischen Ideen

1 ._1F

In eittèm an dei Großwesir gerichtete" der bulgaris{e Minister des Aeußern Ghenadiew, daß die Türkei durch ihr Vorgehen die territoriale Jntegrität Bulgariens verleßt habe. Bulgarien verlange, daß die türkishen Truppen an die dur den Londoner Friedensvertrag bestimmte Grenze zurückehrten. Wie das „Wiener K. K. Telegraphen-Kor- respondenzbureau“’ meldet, wird die Pforte darauf antworten, daß sie den Londoner Vertrag als hinfällig betrachte.

Amtlichen türkishen Mitteilungen zufolge ist es bei der Besetzung von Kirkilisse zu einem Gefecht mit der bulgarischen Infanterie gekommen. Die Bulgaren sprengten unmittelbar vor ihrem Abzuge die Kasernen, das Munitions- depot und die öffentlihen Gebäude in die Luft. Der Kom- mandant der Kavallerie des rechten Flügels meldet, daß an verschiedenen Punkten der Stadt noch immer Explosionen erfolgen.

Die „Agence Bulgare“ meldet, daß von den Serben und Griechen zahllose Schreckenstaten begangen würden. Be- sonders grausam soll von den griechishen Truppen, die von Antarten und mohammedanischen Baschibozuks begleitet waren, in den Dörfern Djakowo und Novoleso gegen die Bevölkerung verfahren worden sein.

Nach Meldungen des serbischen Pressebureaus haben bei Pirot zwei bulgarische Bataillone mit einem Maschinengewehr die serbischen Vorposten in Garvan angegriffen, wurden aber mit beträchtlichen Verlusten auf bulgarishes Gebiet zurüdck- gewiesen. Bei Detschani und Kladenaß wurde der Feind, der unerwartet die serbishen Vorposten auf der Grenzlinie an- gegriffen hatte und auf kurze Zeit einige Kilometer weit in serbishes Gebiet eingedrungen war, ebenfalls wieder über die Grenze zurückgeworfen. Am vorgestrigen Taae 0 i der Naht vequgle dee Feind einen Angriff von Trn her in der Richtung auf Wlassina, wurde jedoch mit beträchhtlihen Verlusten geshlagen. Jn der Gegend von Egri Palanka spielten sih auf dem äußersten linken Flügel Kämpfe an der Grenzlinie ab, die ohne große Bedeutung sind. Jn der vorlezten Nacht versuchten die Bulgaren in der Richtung von Zarewo Selo einen Angriff auf die serbishen Truppen. Die serbishen Truppen waren jedoch auf ihrer Hut und warfen die Bulgaren in ihre alten Stellungen zurück. Gestern früh wiederholte der Feind seinen Angriff; der Kampf dauerte mit Unterbrehungen den ganzen Tag über an.

Die griechishen Truppen haben, wie „W. T. B,“ meldet, den linfen Flügel der Bulgaren auf Razlok und Me- homia zurückgeworfen.

RNRumüänien.

Die Dopesche, die der König von Bulgarien am 91. d. M. an den König Karl gerichtet hat, hat nach „W. T. B.“ folgenden Wortlaut :

Der lebhafte und tiefgefühlte Wunsch, der mich beseelt, der gegenwärtigen peinlihen Lage endgültig ein Ende zu segen, drängt mich dazu, mich noch einmal in meinem Namen und im Namen meiner Negicerung an Eure Majestät zu wenden, um Sie um

Lffranis ibe a

den Abshluß des Friedens zu bitten. Indem wir so handeln, haben wir keineswegs die Absicht, die eventuelle günstige Aufnahme, die Eure Majestät dieser Bitte geren würden, dazu zu benußen, um den Kriegszustand mit Serbien und Griechen- land fortzuseßen. Meine Regierung ist im Gegenteil fest ents{lossen, mit diesen beiden Ländern rasch Frieden zu \{liezen. Sie hat dies eben bewiesen dur die Entsendung ihrer beiden Delegierten nah Nisch, die mit den weitgehendsten diesbezüglichen Vollmathten ver- O sind. Sie ist bereit, wenn Serbien und Griechenland ihrer- eits mit derselben Maßnahme erwidern, sofort die Feind- seligkeiten einzustellen und mit der Demobilisierung der Armee vorzugehen. Sie hat alle Bürgschaften gegeben und ist noch bereit, alle Bürgschaften zu geben, die für die Aufrichtig- keit ihrer Absichten und dieser Erklärung, die ich heute in ihrem Namen abgebe, gefordert werden können. In diesem Gefühle bitte ich Eure Majestät, sie ihrerseits als befriedigend anzusehen und den Vormarsch der Truppen einzustellen. Ih und meine Negierung werden in diesem Akte Eurer Majestät eine glückliche Vor- bedeutung für diz baldige und herzlihe Wiederaufnahme der Be- ziehungen zwischen uæseren Völkern erblicken, die durh fo viele Erinnerungen und gemeinsame Interessen geheiligt sind« und die wir mit tiefem Bedauern einen Augenblick ia defien cas erdinand.

Der König Karl erwiderte mit folgender Depesche :

Fh beeile mi, das Telegramm Eurer Majestät zu erwidern, indem ih Ihnen die Versicherung gebe, däß ih von demselben Wunsche wie Sie beseelt bin, sobald als möglich einer Lage ein Ende zu seßen, die ih um so mehr beklage, als fie einen Augenblick die guten Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern zu trüben vermocht hat, die so viele Erinnerungen geheiligt haben. Meine Regierung hat der Regierung Eurer Majestät die Bedingungen be- fannt gegeben, die die Wiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen zwishen unseren beiden Staaten gestatten, deren ‘Aufrecht- erhaltung ich den grgen Wert beimesse. Eure Majestät können überzeugt sein, daß die freundlihen Gefühle, die ih Ihnen seit langer Zeit entgegengebraht habe, dur diese leßten Greignisse, die uns durch die Umstände aufgedrängt worden sind, nicht beeinträchtigt werden fonnten. Ih bin glücklich, von Eurer Majestät zu er- fahren, daß Ihre Regierung fest entschlossen ist, den Kriegszustand mit Serbien und Grtechenland zu beendigen, und daß Sie bereits

íIhre Delegierten zu diesem Behufe bestimmt haben. N ar.

Einer amtlichen Meldung zufolge stimmen Griechenland und Serbien dem Vorschlage Rumäniens zu, daß die Prä- liminarien und der Friede in Bukarest unterzeichnet werden. Griechenland stellt das Verlangen, daß der Wasffen- stillstand gleichfalls in Bukarest unterzeichnet werde. Die bulgarishe Regierung hat auf die leßte rumä- nishe Note mit der Erklärung geantwortet, daß sie die formulierten Hauptpunkte annehme und hoffe, daß die neben- \ächliheren Punkte keine Schwierigkeiten bieten werden. Der König von Bulgarien hat an den König Karl ein drittes Telegramm gerichtet, worin er die Bitte um Frieden unter- stüßzt. Der König Karl hat den Ministerpräsidenten Majorescu beauftragt, dem König Ferdinand in demselben Sinne wie im zweiten Telegramm ‘zu antworten. Die Verhandlungen über die Friedenspräliminarien und den Waffenstillstand werden gleichzeitig begonnen werden müssen, da die Verhandlungen einen Waffenstillstand erheischen können. /

Der König Karl hat gestern an die Könige von Griechenland, Serbien und Montenegro Telegramme gesaudt, in denen nah einer Meldung des „W. T. B.“ mit

ü ‘auf die drängende Lage in Sofia sowie auf den i weitere Schädigung Bulgariens nicht zu A A ¿Morschlañé. der rumättifchon Negierung

7 m; die Einstellung des Vormarsches der Arween sowie der Feindseligkeiten vor Beginn der Verhand- lungen in Bukarest über einen Waffenstillstand und die Friedens- präliminarien möglichst bald erfolge.

Um eine Einstellung der Feindseligkeiten zu erleichtern, hat die rumänische Regierung dem General Coanda den Austrag erteilt, fi E nah Nisch zu begeben, um dort mit den Abgeordneten der@Shündeten zusammenzutreffen, die zur Konferenz nach Börëst Tom men werden.

Bulgarien.

Infolge der Nachriht über das Vordringen der Türken in bulgarishes Gebiet wurden, wie das „Wiener K. K. Telegraphen - Korrespondenzbureau“ meldet, alle Gesandten der Großmächte ins Palais geladen, wo der König und der Minister des Aeußern Ghe- nadiew ihrer Entrüstung über diese Verleßung des Völkerrechts Ausdruck verliehen und um ein sfofortiges Einschreiten der Großmächte baten.

Amerika.

Die amerikanische Regierung zieht, dem „Reuterschen Bureau“ zufolge, die Aufhebung der Neiktralitäts- proklamation, durch die der Waffenexport nah Mexiko verboten wurde, in Erwägung, Der Präsident und die füh- renden Persönlichkeiten des Kongresses werden in dieser An- gelegenheit eine Besprechung haben. Viele von den leßteren haben dem Vorschlag bereits zugestimmt. Es wird eingewandt, daß bei der Freigabe der Waffeneinfuhr die Verhältnisse in Mexiko sich von selbst regeln würden. Die Konstitutionellen in Meriko erklären, daß nur der Mangel an Waffen sie an einem schnellen Siege hindere.

Im amerikanischen Senat begann gestern die Abstimmung über die einzelnen Abschnitte der Tarif- vorlage. Acht Progressisten stimmten bei dem ersten Ab- schnitt mit den Demokraten.

Asien.

Der Priùz Salar ed Dauleh, der für kurze Zeit zu einer Besprehung mit seinen Reitern freigelassen worden war, ist nah einer Meldung des „W. T. B.“ unter Mißbrauch des Vertrauens in der Richtung auf Kermanschah geflohen. Die persischen Kosaken verfolgen ihn.

Eine Abteilung mongolisher Truppen ist obiger Quelle zufolge von Chinesen in der Nähe von Batschalgrais geschlagen worden, das von den Chinesen eingenommen und niedergebrannt wurde. Damit ist den Chinesen der Weg nach Khalka geöffnet. Jn dem Gefecht kämpften etwa 500 Mon- golen mit zwei Geschüßen gegen 5000 Chinesen mit neun Ge- schüßen und vier Maschinengewehren. Die Mongolen befinden sich auf dem Rückzuge.

„Wie „W. T. B. ferner aus Peking meldet, sind die Rebellen genötigt worden, sfih von Sutschaufu im Norden von Kiangsu zurückzuziehen. Sie sind auf Liuhweikwan in Anhui zurückgegangen, um Verstärkungen abzuwarten. Yuanschikai erklärte, er werde alle Fahrzeuge mit Rebellen an Bord versenken lassen, gleichviel welhe Flagge sie führen. Vorgestern machten die Rebellen einen Angriff auf das

Arsenal von Tiangyan. Der’ Angriff wurde am Abead‘ erneuert, aber mit Verlusten zurückgewiesen. Die an- reifenden Truppen beziffern sich auf etwa 3000 Mann, BHährend die Garnison 1000 Mann beträgt.

Statistik und Volkswirtschaft.

Ueber bayerische Volks- und Mittelschulen. Wie in den Jahren 1901 und 1906 haben auch 1911 in allen

Staaten des Deutschen Reichs gleichartige \chulstatistische Erhebungen

stattgefunden, die sich diesmal außer auf Volks\{ulen auch auf eiaige höhere Lehranstalten erstreckten. Das für Bayern festgestellte Er- gebnis ist in der „Zeitschrift des Königlich bayerishen Statistischen Lande8amts“ (Heft 4 des Jahrgangs 1912) veröffentliht worden.

„Danach bestanden 1911 tn Bayern 7566 öffentlihe allgemeine Volksschulen neben 42 öffentlihen Seminarübungs\chulen, Waisen- haus\chulen sowie Schulen für Gebrehlihe und Verwahrloste, Privatshulen mit Volkss{hulziel wurden 34 gezählt, zu denen noch 21 Privatshulen für Nichtvollsinnige, Blinde, Taubstumme und Ver- wahrloste, 1 private Seminarübungs\{hule und 10 private Waisen- haus\hulen und Erziehungsheime treten. An den öffentlichen allge- meinen Volks\hulen wirkten 13 521 vollbeschäftigte männlihe und 4831 vollbeschäfttgte weibliche Lehrkräfte; unterrihtet wurden in ihnen 521 662 Knaben und 520 014 Mädchen.

Bei den öffentlichen allgemeinen Volks\{hulen Bayerns kamen auf 1 vollbeschäftigte Lehrkraft an Schülern: Negierungs- | Negierungs-

bezirk 1901 1906 1911 | bett SDberbavein « 60-98 95 | Do E E E Niederbayern . 68 67 63 Unterfranken . 53 54 54 Pfalz 55 56 56 Schwaben . . 958 56 54 BVbervsalz. 2 65 64 61 Königreich Oberfranken . 60 62 58 | Dae: «99 58 56.

Der Prozentsatz der Steigerung beträgt bei einem Vergleich der Jahre 1906 und 1911: Negierungs- hinsichtlih der

bezirk Schüler Lehrkcäfte Oberbayern 9,4 15,8 Niederbayern. 3,6 9,6

190E 1906 1911

hinsichtlich der

S%büler Lehrkräfte Mittelfranken 12,7 139 Unterfranken . 11,3 10,0 Pal e 81 13,2 Schwaben .. 7,0 11,8 Dea. 0A 9,5 Königreich Oberfranken . 8,2 147 D averi 9,1 128.

Die Aufwendungen für die öffentlichen allgemeinen Volks\chulen beliefen sich für 1910 auf insgesamt 62 Millionen Vêark, wovon 37 Millionen aus Gemeindemitteln, 17 Millionen aus Staatsmitteln, 5 Millionen aus Kreismitteln und 3 Millionen Mark aus verschiedenen sonstigen Quellen flossen.

An Aufwendungen entfielen auf 1 Schüler der öffentlihen Volks- {hulen in Bayern Mark :

Negierungs8- bezirk 1901 1906 Oberbayern . 556 65,0 Niederbayern . 29,7 34,5 DD,7

Negierungs- bezirk

1911 | de 1901 1906 1911

70,6 | Mittelfranken 66,5 83,8 74, 4Lz1 4 Unterfrankén . 387 936 97,1

Pt O2 633 | Shwaben . .40,5 547 56,5

Oberpfalz . . 283 343 417 | Königreich

Oberfranken . 38,3 436 53,8 | Bayern

Von sogenannten Tagesfortbildungss{hulen waren 1911 im ganzen 16 vorhanden, in denen 582 Schüler von 24 vollbeschäftigten Lehr- fräften unterrihtet wurden ; die Aufwendungen für diese Anstalten betrugen 1910 rund 100 000 4.

Mädchen\hulen, an denen ein gegenüber dem Whrziel der Volks- \{ulen gehobener allgemeiner Unterricht erteilt wird, ohne daß aber das Lehrziel dec höheren Mädchenshulen erreiht wird, wurden 51 ge- zählt, davon 11 öffentlihe und 40 private; insgesamt wurden in ihnen 4066 Mädchen von 421 vollbeshäftigten Lehrkräften unterrichtet.

Die humanistishen Lehranstalten erforderten 1910 einen Aufwand von rund 7 Millionen Mark, wovon rund 4} Millionen aus Staats- mitteln und rund 2 Million aus Kreismitteln aufgebracht wurden. Die realistishen Lehranstalten beanspruhtén rund 5 Millionen Mark, wovon etwa £ Million aus Staatsmitteln und rund 34 Millionen aus Kreismitteln flossen.

Höhere MädchensGulen wurden 1911 im ganzen 77 mit 14 629 Besucherinnen gezählt, davon 19 öffentlihe und 58 private. Von Mädchengymnasien war im Schuljahr 1910/11 eins in Betrieb.

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Zur Arbeiterbewegung.

Zu dem Wersftarbeiterstreik in Stettin wird dem „W. T. B.* berichtet, daß dite dortige Organisationsleitung der freien Gewerkschaften auf dem Standpunkt steht, der Stettiner Ausstand der Werftarbeiter sei von dem Ausstand in Hamburg unabhängig und müsse wegen seines forrekten Zustandekrommens vom Zentralvorstand einer gerechten Beurteilung unterzogen werden. Gestern htelten die Vertrauensmänner der freien Gewerkschaften eine Besprechung ab, in der gegen das Verhalten des Zentralvorstands wegen Versagung einer Streikunterstüßung für die Stettiner Werftarbeiter Stellung genommen wurde. Man einigte sich auf eine Protest- resolution, die einer für heute abend nah Grabow etnberufeaen Wer ftarbeiterversammlung zur Stellungnahme bezw. zur Annahme vorgelegt werden foll. Eine ähnliche Stellung nehmen die Vertreter der im Gewerkverein der Maschinenbau- und Metallarbeiter organi- sierten Arbeiter ein. Auch sie haben eine entsprehende Resolution aufgeseßt. Die Zahl der Streikenden ist jeßt auf 6400 festgestellt, wovon rund 1200 dem Gewerkverein angehören.

Von den rund 10 000 Arbeitern der Kieler Privatwerften sind, nah einer Mitleilung der „Köln. Ztg.“, 2600 nicht am Aus- stand beteiligt, also reihlich ein Viertel der Arbeiterschaft. Es arbeiten auf der Germaniawerst rund 1500, auf den Howaldtwerken 1000 und auf der Werft von Stocks u. Kolbe 100. Der Betrteb läßt sich in beschränktem Maße durchführen. Verhandlungen zwischen den Unter- nehmern und den Arbeitern sind noch nicht eingeleitet. Aus Flens- burg, wo gegen 2000 Mann ausständig find, wird gemeldet, daß unter den Beteiligten große Mißstimmung, ja Erbitterung gegen die Leitung der Gewerkschaften herrsche. Man werfe namentlich den Vertrauensmännern vor, daß sie die Arbeiter nicht ausreihend über die Verhandlungen unterrichtet hätten. é

In einer stürmisch bewegten Versammlung der streikenden Kupfershmiede der Hamburger Werften wurde, wie die „Voss. Ztg.“ berichtet, neuerdings elen, fo lange im Ausstande zu beharren, kis die Unternehmer Lohnerhöhungen a haben. R A hatte ihnen die Wiederaufnahme der Arbeit empfohlen. Eine dahin gehende Resolution wurde aber gegen gans wenige Stimmen abgelehnt. x

In Darmstadt ist nah einer Mitteilung der „Köln. Ztg.“ über eine Abteilung der chemischen Fabrik von E. Merk, in der si die Arbeiterschaft in einer Lohnbewegung befindet, die Sperre ver- hängt worden.

Aus Paris berihtet „W. T. B.", daß nah einer Meldung aus Cransac gestern die Arbeiter des Bergwerks von Aub y, wo kürzli 12 Bergleute verunglückten, in den Ausstand getreten find; sie ver- langen Lohnerhöhungen.

N mishen Seite viel Interesse verdient,

Kunst und Wiffenschaft.

A. F. Die Gesellschaft für Anthrovologie ersffnete ihre legte Sißung vor den Sommerferien durh die “ile ula n Norsißenden, Geheimrats Professors Dr. Hans Virchow an die Mit- lieder, an den bevorstehenden Kongrefsen und Versammlungen sich rege zu beteiligen. Für die 44. Versammlung der Deutschen Anthro- pologischen Gesellschaft in Nürnberg vom 3. bis: 9. August liegt die reie Tagesordnung vor. Der 9. Congrès préhistorique de France in Lons-le-Saunier (Jura) vom 27. Jult bis 2. August legt be- sondern Wert auf die Beteiligung der deutshen Forsher, und die 85. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte in Wien vom 21.—26. September verheißt in mehrfahen Richtungen interessante Nerhandlungen.

Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt Dr. Eduard Hahn das Wort zu einigen interessanten Mitteilungen. Aus Ischl hat er einen dort als Spielzeug verkauften Kinderschuh aus gegerbter Tannenrinde mitgebraht als Beweis dafür, daß diese in den Alpea- ländern uralte Technik noch unvergessen ist. Der schetbenförmige Querschnitt eines starken Baumes mit auszestemmtem Loh im Mittel- punkt erinnerte den Redner daran, wie der Mensch zur Erfindung des Rades gelangt ist, und einige Lichtbilder belehrten darüber, daß diese ursprünglichste Form des Rades gegenwärtig noch mehrfach, sogar in Portugal, in Anwendung - ist. Das hohe Alter des Pfluges und seine wahrscheinlihe Herkunft aus Mefopotamien beweist ein jüngerer baby- lonisher Fund: ein im Lichtbilde vorgeführter, von Keilschrift be- E E ee e des Bs Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung, der Feldarbeiter als Begleiter eines als deutlih erkennbaren Gerätes zeigt. q E

Die sehr reie Tagesordnung brate zunähst die Vorführung des KraftmensWden Jean-le-Breton. Daß gewisse körperliche Höchst- [eistungen des Menschen für den Anthropologen und Anatomen von hohem Interesse sind, bezeichnete einleitend der Vorsißende als selbst- verständlih und naheliegend. Ju diesem Sinne wurden im Lauf der leßten Jahre der Kautschukmensh, der Schlangenmensch, der .Degen- {lucker der Gesellschaft vorgeführt. Auch der nun vorzustellende junge Mann ee als ein Unikum von Kraftleistung, wofür die Betrachtung seiner Muskulatur nur annäherad eine Erklärung gebe. Auf die an den Athleten gerichtete Frage, wie er zu1 den körperlihen Fähigkeiten gelangt fei, habe er eine besondere Ausbildung und Trainierung verneint und sich geäußert, er wisse es selbst nit, wie er dazu gekommen ; es müsse ihm wohl „angeboren“ sein. Jn der Tat ltegt hier, wie später, nachdem der Athlet seinen Oberkörper entkleidet und seine Muskulatur in wiederholter kräftiger Betätigung von der Brust- und Rücenseite her gezeigt hatte, der allgemeine Eindruck einer ungewöhnlichen natürlihen Veranlagung vor, die allerdings wohl erst im Wege der Uebung zu bedeutenderer Leistungsfähigkeit entwickelt worden ist. Der Athlet, eine mittelgroße, breitshultrige Gestalt, gab, bevor _er auf Wunsch die Oberkleider ablegte, folgende Proben seiner Kraft: Er durchschlug mit einem neunzölligen eisernen Nagel, den er in der reten Hand, diese mit einem Taschen- tuh umwunden, führte, ein 10 cm starkes hölzernes Brett, er zerbrach mit den Händen einen ebensolangen eisernen Nagel von 1 Quadratzentimetèr mittleren Querschnitts und zerriß zwei E. Spiele Karten. Jm halbentkleideten Zustande wurde der Athlet dann noch zu zwei mittels Dynamometer ¡u fontrollierenden Krasileistungen aufgefordert: der mit einer Hand vorzunehmenden Zusammenbi:gung einer starken \tählernen Feder und einer mit beiden Händen zu bewirkenden Zugprobe, genauer Hebeprobe, in Richtung von unten nah oben. Beide Fälle ergaben bewundernswerte Leistungen, blieben vergleihsweise aber gegen die Erwartung zurück ein Beweis mehr, daß zur natürlichen Befähigung die Uebung zu treten hat, um höchste Leistungen zu erreihen. Jn allen Fällen war die gewaltige Kraftanstrengung äußerlich erkennbar.

_ Im _ weiteren zeigte der Vorsißende das nah Form zusammen- geseßzte Skelett eines Tünstlih deformierten Chinesfinnenfußes und be- {loß hiecmit dies in früheren Vorträgen von thm behandelte Thema. Die angewandte Methode, um jeden einzelnen Knochen zu firieren, die auch auf anderen Gebieten mit Nußen anzuwenden ist, fand die Bewunderung der Kenner. Mit N-ccht ift der merkwürdigen Sitte der absihhtlihen Fußverkrüppelung, die auch nach der anato- | Aufmertsamkeit gewidmet worden, ehe sie, wie es jeßt den Anschein hat, gänzlih ver- shwindet ein den hiermit geplagten Chinesinnen sehr zu wünschendes Ziel! Einem chinesischen Schädel aus der Han-Zeit galt die folgende Mitteilung dcs Vorsitzenden. Dieser Shädel ist durch manÿe Eigen- tümlichkeiten ausgezeihnet, u. a. durch ein lang aus8gezogenes Hinter- haupt und damit im Bunde durch die V-rlegung des höchsten Punktes des Schädels weit nah hinten. Eigentümlich ist au der runde, sehr niedrige Unterkiefer. Es besteht niht der geringîte Zweifel, daß der Schädel aus einem Grabe der anzegebenen Zeit herrührt. Ein ganz anderes Bild gewährte die Gipsabnahme eines Bushmannkopfes, der wohlerhalten aus Südwestafrika eingetroffen und bestimmt ist, endlich die hiesige Schädelsammlung mit dem bisher fehlenden Bushmann- [hädel zu versehen. Auch diesec tnzwischen präparierte Schädel war ¡ur Hand; aber von größerem Interesse erschien die betr. Gipsmaske, weil fie etne der seltsamsten Eigenschaften der Buschmannrasse deutlich zeigt, nämli das nahezu vollständige Fehlen der Nase, mindestens ihrer oberen Hälfte, die in einer breiten, unter den Augen querüber laufenden Fleishwulst verborgen ist, sodaß von der Buschmannafe _ eigentlich r Die Cie Ia E Merkwürdig ist auch, daß die vordere C ean des Buschmannkopfes niht wie an anderen Menschenhäuptern ausgebogen \sl, jondern eine gerade Linie bildet. Die leßte Mitteilung des Vor- sißenden galt, auf Grund von Untersuchungen eingehendster Art, aus- geführt von Dr. Hendel, dem Sohlenpolster des Menschen. Wie geringe Ahnung haben wir doch davon, daß die Natur den mensch- lihen Fuß mit einem Fettpolster unter der Sohle ausgestattet hat, obne dessen Vorhandensein uns längeres Gehen, zumal auf harten Wegen, wahrsheinlich faum mögli sein würd-! Wie wunderbar dies Polst-r im Verhältnis zu den Muskeln des Fußes angebraht und ausgestattet ift, das wurde aa zahlreihen ausgezeichneten Lichtbildern erläutert. Es liegt hier cia bisher wenig von den Anatomen be- Whteter Gegenstand vor. Die entsprech{enden Untersuchungen u. a. M. Bund und Kaße auszudehnen, empfiehlt \sch sehr. Vom Alefanten allein ijt die Fettpolsterung der Sohle genauer bekannt ; enn sie ift so auffällig und, der enormen Schwere des Tieres an- gemessen, so stark, daß fie vier Gummipolstern, die sih das Tter an edes Bein geshnallt, vergleihbar ist. Entsprehend ist der Gang des Elefanten auch elastisch und dec Sein trügt, wenn er uns nicht fo cheint. Die in der Naturbeodahtung uns überlegenen Völker haben avon die rihtigere Vorstellung, und die Inder sagen wahrscheinli imt Recht von etnem jungen, beweglihen Mädchen: „Es geht wie tin Elefant !“

Den leßten Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag des ttfolgreihen Brasilienreisenden Dr. Georg M. Hajsel über die

ndianerstämme des oberen Amazonas. Der von vielen Lichtbildern Nett Vortrag (von denen leider nur wenige als gelungen anzu- Frechen, die meisten als Photographien nicht erfreulih waren) schilderte

f untereinander recht verschiedenen indianishen Bewohner am rechten n linken Ufer des oberen Amazonas, nahe der peruanisch:n Grenze, s im Gebirge hausend, teils im dihten Urwald, teils in sumpfiger

rasebene. Schon diese verschiedenen Wohnpläße, mehr aber noch die sig veueren Entfernungen begründen die Verschiedenheit, die natür- h auch eine große Sprachverwirrung und nahezu vollständige Un- ênntnié eines Stammes bezüglich des andern mit si bringt. Die gerahunterschiede segen nicht einmal weite Entfernungen voraus. er Vortragende kannte einen Fall, wo etn Häuptling der Putumayos inter 5 Frauen, die er sein eigen nannte, eine von einem benachbarten tamm ebensowenig verstand, als sie ihn und die anderen Frauen. Ee Kinder dieser Frau aber sprahen nur die Sprache der Mutter nd verstanden den Vater niht. Daß die Zivilisation dieser in mo gmine von höchstens 20—30 000 Köpfen gesonderten Menschen

0 auf einem Tiefpunkt steht, ist erklärlich. Selbst in ihrer Be-

“0snung sind sie über Bogen, Pfeile, Wursspieße noch niht hinaus-

ekommen. Die plumpe, grelle Bemalung der Weiber am ganzen eibe \pottet jeder Beschreibung, wenigstens deck wo das Klima Kleider überflüssig maht. Wo Kleider zu tragen ein Bedürfnis ist, steht die Zivilisation auch einige Grade böher. Aerbau besteht nur in größter Ursprünglihkeit. Db sie Menschenfresser find, ist schwer zu ergründen; Gefangene mögen fie zuweilen wohl verzehren, ehe sie genötigt sind, folhe zu ernähren.

S

_ Von dem Dampfer „Großer Kurfürst“ des Norddeutshen Llovd ist, wie ,W. T. B.* meldet, gestern durch Funkspruh folgende Nach- riht in Bremen eingegangen :

Bordbesuch Möllerbai. Gestern Dr. Rabigsh vorn deutschen Observatorium Croßbai wertvolle Mitteilungen über Schröder- Strany. Hilfe erhalten. Ausführlihes drahtlos ab Tromsoe. Neise glänzend verlaufen. An Bord alles wohl.

Leider ist obige Meldung niht ganz klar. Jedenfalls läßt sie versbiedene Deutungen zu. Es wäre höht erfreulih, wenn i A neuem die Ausficht eröffnete, daß die Hilfsaktion für den lange ver- mißten Leutnant Schröder-Strany doch noch erfolgreih gewesen ist. Nähere Mitteilungen darüber sind nach der Ankunft des Dampfers „Großer Kurfürst“ in Tromsoe zu erwarten, die fahrplanmäßig am Freitag erfolgt.

Literatur.

Die englishe Verfassung. Von A. Lawrence Lowell, Professor der Staatswissenshaft an der Harvard-Universität. Auto- risierte deutsche Ausgabe, herausgegeben und überseßt von Regierungs- rat Dr. Herr unter Mithilfe des Regierungsassessors Silorin von Richthofen. 2 Bände. XIL1, 550 und Vl, 509 Seiten. Verlag von Veit u. Comp., Leipzig. Geh. 20, geb. 23 4. Das politishe und wirtshaftlide England ist seit der Mitte des 18. Fahr- bunderts die Bezugsquelle fertiger Doktrinen für kontinentale Theoretiker des Staatsrecht3 und der Wirtschaftspolitik. Mit vorge- faßten Meinungen über die Bedürfnisse des heimishen Staatslebens machte man sich an das Studium des englishea Staat3wesens, in dem man E seiner prafktischen Ecfolge a priori das Vorbild einer idealen staatlihen Organisatton erblickte. Die Folge war unaus- bleiblih, daß die Betrahter des öffentlihen Lebens Großbritanniens auf dem europäischen Festlande ihre fubjektiven, auf dem Wege philo- fophisher und staatsrechtliher Spekulationen gewonnenen, den be- sonderen Verhältnissen des eigenen Vaterlandes unwillkürlich ange- paßten Ansichten über die beste Staatsform und die zweckmäßigste Ausbalancierung der gegebenen Kräfte des staatlihen Lebens dem englishen Vorbilde suggerierten und demgemäß jenen gotishen Bau, den der englishe Staat darstellt, utopistisch \childerten. Diesem Fehler verfiel Montesquieu, als er aus der englischen Staatspraris heraus die Lehre von der Dreiteilung der staatlichen Gewalt aufstellen zu müssen glaubte. In Deutschland var es später vor allem Gneist, der jener uto- pistishen Darftellungsweise des englischen öffentlihen Rechts anheim- fiel, dessen allgemeine Konstruktionen über die englische Verfassung und Verwaltung aber gletchwohl lange Zeit die Anschauungen der deutschen juristishen und politishen Welt beherrshten. Heute läßt sich von der Auffassung, die Gneist in seinen Werken über die eng- lishe Staatsverwaltung und ihr Funktionteren im einzelnen nieder- gelegt hat, nicht viel mehr aufrecht erhalten. Ginen großen Fort- {ritt in der Erkenntnis des englischen Staats- und Verwaltungs- rechts bedeutete das in den Jahren 1905 und 1906 als Bestandteil von Marquardsens Handbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart unter dem Titel „Englishes Staatsrecht“ ershienene Werk von Professor Dk Julius Hatschek, eine sein?rzeit auh im „Reichs- und Staats anzeiger“ gewürdigte systematishe Darstellung, die tn Anwendung und Vervollkommnung der rechtsvergleihenden Methode ein von subjektiv- politischen Wertungen unabhängiges Bild des englisch:n Staats[ebens zu entwerfen sucht, im ersten Band das Verfafsungsrecht und im zweiten das Funktionieren der englishen Verwaltungämaschinerie und der Kabinetts- und Parteiregierung behandelt. Da das englische öffent- lih2 Recht in seiner vielhundertjährigen Entwicklung „jün/ den Aus- [änder fo unüber\ihtlich geworden ist, daß es eines Mtetus mühe- vollen, langjährigen und intensiven Speztalstudiums bedarf, um seiner Verr zu werden, ist es mit besonderer Freude zu begrüßen, daß au von einem sachkundigen englishen Juristen, Lawrence Lowell, zurzeit als Nechtslehrer an der angesehensten Universität Nord- amerikas in Cambridge tätig, in seinem hier angezeigten, von Regierungsrat Dr. Herr und Regierungg8assessor Freiherrn von Nichthofen in die deutshe Spcaße übersezten Werk: un3 ein Bild der englischen R in ihrer gegenwärtigen Gestalt geboten wird. De Verfasser, der bei der Bearbeitung des umfangreichen, nur zum Teil in Uckunden ih findenden Materials des englischen Staats- rechis von bekannten englischen Politikern aus den verschiedenen Parteilagern, den ständigen Beamten der allgemeinen Staats- und Lofkalvzrwaltung, den Angestellten der politishen Vereine, hervor- ragenden englischen Juristen und anderen unterstüßt worden ist, führt zunächst in einer Einleitung den Leser in die britishe Verfassung ein und behandelt dann den gesamten Stoff in sieben Teilen. Der erite, über die Zentralregierung unterrihtende Teil zerfällt in die. Kapitel: die Krone, Krone und Kabinett, Kabinett und Minister, die einzelnen Reich8sämter, das Schaßamt, verschiedene andere Aemter, das ständige Beamtentum, Mtniiter und ständiges Beamtentum, das Unterhaus, Wahlbezirke und Wähler, Wahlverfahren, Wahlrecht, Geschäftsgang des Unterhauses, die Kontrolle des Kabinetts über das Unterhaus, die Kontrolle des Unterhauses über das Kabinett, Form und Inhalt der Geseße, das Haus der Lords, Kabinett und Haus der Lords, das Geseß von 1911 über die Ver- minderung der Macht des Hauses der Lords, Kabinett und Land. Der zweite Teil der Darstellung handelt vom Parteiwesen, der dritte von der Lokalverwaltung, der vierte vom Unterrichtswesen, der fünfte von der Kirhe (Organisation, Einkünfte usw.), der sech\te vom Reiche (Bestandteile des Reichs, Kolonien mit Selbstverwaltung, Kron- kolonien, Indien und die Protektorate, Neichs\staatenbund), der siebente von den Gerichten, und als achter Teil folgen allgemeine Schluß- betrahtungen. Auf Einzelheiten einzugehen, ist hier nicht der Ort. Die gründliche, von politishen Einseitigketten freie Darstellung er- scheint geei net, das politishe Urteil über die englishen öffentlich- rêhtlichen Einrichtungen zu vertiefen und so manche unzutreffende Vorstellungen von den einzelnen staatsrechtlihen Institutionen Eng- [lands bei den kontinentalen Beschauern zu berihtigen, und sie wirkt so lehrreih und anziehend, daß der Leser troß ihres großen Umfangs nicht ermüdet, sondern sie angeregt aus der Hand legt. Den Ueber- seßern gebührt aufrißtiger Dank dafür, daß sie das bedeutsame Werk über die englishe Verfassung und Verwaltung für die deutshe Staats- rehchtswissen\chaft und die politische Welt zugängliher gemacht haben.

Jahrbuch des öffentlihen Nehts der Gegenwart. Band VIT, 1913. YVIIT und 507 Seiten. Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) in Tübingen. Geh. 20, geb. 22 #4. Der unter diesem Titel ersheinende fortlaufende Teil des groß angelegten, von H. von Marquardsen und Marx von Seydel begründeten, von Professor Dr. Marx Huber (Zürich), P-ofessor Dr. Georg JIellinek F, Wirkli em Geheimen Rat, Professor Dr. Paul Laband (Straßburg i. E.) und Professor Dr. Nobert Piloty (Würzburg) herausgegebenen Sammelwerks „Das öffentlihe Neht der Gegen- wart”, das dem neuesten Stand der wissenshaftlißen Forschung ent- \sprehende Darstellungen des Staats- und Verwaltungsrechts der Kulturstaaten und der diesem Nechtsgebiete nahestehenden allgemeinen Lehren (Völkerrecht usw.) bietet, dient vornehmlih der pertodischen Berichterstattung über die Wandlungen, die das öffentliche Recht aller Staaten dur die Gesetzgebung erfährt. Daneben \oll es auc eine Sammelstätte von Abhandlungen über wihtige Gegenstände aus dem gesamten Gebiete des Staats- und des Völkerrehts sein. Durch die alljährliß2 Berichterstattung wird der systematishe Teil des Sammelwerks, der das Staatsrecht der einzelnen Kulturstaaten und die allg-meinen Lehren in selbständigen Bänden wissenschaftlihß be- handelt, auf dem Laufenden erhalten und ergänzt, indem über die wichtigsten staatsrechtlihen Fragen au in denjenigen Staaten unter-

richtet wird, deren öffentlihes Necht im systematischen Teil noch nicht bearbeitet worden ist. Der seit kurzem vorliegende siebentz- Band des „Jahrbuhs* enthält zunächst fünf Abhandlungen: Privatdozent Dr. Kormann (Berlin) erörtert die „Beziehungen zwishen Juttiz und Verwaltung“; Professor Dr. Nippold (Bern) verbreitet sich über „Vorfragen des Vöslkerrechts“, Professor Dr. von „Frisch (Czernowiß) über „das österreihische Staatsbürger- recht", Privatdozent Dr. Wittmayer (Wien) über die „Bedeutung und Entwicklung der „sekundären“ Gesetzgebung in Frankreih , und ein Beitrag von H. Wittmaack (Leipzig) handelt von der „nord- amerikanischen Rechtsprechung über die Frage, ob fremde Staaten der inländischen Jurisdiktion unterliegen“. Sodann folgen Berichte über die Gefeggebung auf dem Gebiete des öffentlihen Rechts, von denen besonders derjenige von Professor Dr. von Hoffmann (Düssel- dorf) über die Gefe8gebung des Deutschen Reichs im Jahre 1912 und der von Professor Dr. Giese (Posen) über die Entwicklung des offentlichen Nechtes in Preußen in den Jahren 1911 und 1912 hervorzubeben sind. Für Bayern fehlt in diesem Jahrgang ein Bericht; dagegen. sind Referate über die verwaltungsrechtliche Gesetzgebung des Königreichs Sachsen seit 1906, über die Entwicklung des öfentlihen Rechts in Hessen im Jahre 1912, über wichtigere Geseßze und Staats8verträge in den thüringtschen Staaten feit 1900, über die brauns{chweigi|che Gesetzgebung in den Jahren 1908 bis 1912 und über die hamburgische A ns in den Jahren 1910 und 1911 erstattet. Endlich wird noch über die Gesetzgebung der leiten Jahre in einer Reihe außerdeutsher Staaten (Belgien, Frankreich Großbritannien, Italien, Desterreth-Ungarn, Portugal, Rußland und Finnland, Schweden, Spanien, China und Japan) berihtet. Fm Genen n „zugleich Hinweise auf einshlägige Ab-

ndlungen und Berichte in den ersten sech3 Bänd 3 „Fazr- PiR E O O \ seh3 Bänden des „Fazr

Jahrbuch der NRechtsprehung zum Verwaltung8s- recht, enthaltend die gesamte Rechtsprehung zum Cra uae und Verwaltungsreht des Nethes und der Bundesstaaten, herausgegeben von Hofrat D jur. H. Th. Soergel unter Mitwirkung von Geheimrat Behr in Karlsruhe, G. von Morhart, Senatspräs- denten beim bayerischen Verwaliungsgerihtshof a. D., Oberland 8. gerihtsrat Setdler, Rat am Verwaltungsgerihtshof in Braun- shweig, Ministerialrat Dr. Becker in Darmstadt, W. von Zz\choppe, Oberverwaltungsgerihtsrat in Berlin, Dr. Mehr und Dr. Meier, Oberverwaltungsgerihtsräten in Dresden, und N. Geier, Oberverwaltungsgerihtsrat tin Stuttgart. V. Fahr- gang, XIX und 579 Seiten. Verlag von W. Kohlhammer, Stutt- gart. Geb. 6 _#. Dieses Jahrbuch, auf dessen Bedeutung im „Meichs- und Staatsanzeiger“ {on wiederholt hingewiesen worden ist unterrichtet über die oberste rihterlihe Rechtsprechung zu allen Neichs- und Lande®geseßen sowie Verordnungen, deren Unwendung den Vers waltung8beamten obliegt, dabei zwishen zu großer Ausführlichkeit und mißverständliher Kürze die richtige Mitte haltend. Im Anshluß an die einzelnen Geseßesparagraphen werden in s\vste- matischer Anordnung die eins{chlägigen Entscheidungen des Neichs- gerihts, des RNeichsversicherungsamts, der Dberverwaltungsgerichte und der Oberlandesgerihte aus dem Jahre 1912 in Focm von aus- führlichen, den Kern der betreffenden Entscheidung enthaltenden Nechts- säßen mitgeteilt. Bei jedem Rechtssaz sind die Zeitschriften oder Sammiungen angegeben, in denen der vollständige Wortlaut der betreffenden Entscheidung nachgelesen werden kann. Die Nechtsprehung zu den Reichsgeseßen ist von dem Herausgeber, die zu den Landes- geseßen der Einzelstaaten von Mitgliedern der für diese bestehenden obersten Verwaltungsgerihtshöfe bearbeitet. Dank dieser Mitarbeit hervorragender Praktiker enthält das Jahrbuch nicht nur sämtliche im Jahre 1912 in den Faczeitschriften veröffentlihten Entscheidungen verwaltung*rechtlihen Inhalts, sondern auch zahlreihe sonst nirgends mitgeteilte Rehtsgrundsäße. Zu den Landesgesezen sind ferner die sie erläuternden Zeitschciftenaufsäße angegeben.

Die Versäumung von Prozeßhandlungen de - teien im Verwaltet Ra r E schen Landesverwaltungsgeseße vom 30. Fuli 1883 bildet den Gegenstand eingehender Erörterungen.„in etner Abhandlung, die der Senatspräsident beim preußischen Dhétvérwaltungsgeriht, Wirk lihe Geheime Oberregierungsrat Dr. Max Schultenstein im neuesten Heft des „Verwaltungsarhivs, Zeitschrift für Verwaltungs- ret und Verwaltungsgerichtsbarkeit* (Heft 5 des 21. Bandes), veröffent- licht hat und die au als Sonderabdruck erschienen ist (36 Seiten, Berlin, Karl Heymanns Verlag). In dieser für weite Kreise der Bevölkerun etn erhebliches Interesse bietenden Abhandlung werden auch die id auf die Belehrung über die Rechtsverhältnisse bei Entscheidungen, Verfügungen usw. beziehenden Resolutionen und der Gesegentwurf besprochen, die tm Februar und März dieses Jahres von dem Neichs- tag und dem Abgeordnetenhause angenommen worden und von großer allgemeiner Tragweite sind. Es find hiergegen zunähst allgemeine Einwendungen erhoben. Besonders aber wird unter Beschränkung auf das preußische Verwaltungsstreitverfahren dargetan, wie dafür die Belehrung nicht bloß unzulänglih, sondern vielfach geradezu \{chädlich fein würde, und zwar namentlih deshalb, weil dann die unentbehr- liche, jeßt dur die Rechtskraft gewährte Rechtssicherheit und Rechts- gewißheit zum Nachteile des einzelnen wie der Gesamtheit {wer ge- fährdet wären. Zum Schluß werden als E1saß der Belehrung andere Besserungen des gegenwärtigen Rechts vorge|chlagen. Die Ausfüh- rungen des als Praktiker und Theoretiker wohlbekannten Verfassers verdienen jedenfalls allseitige und eingehende Beachtung.

i Kurze Anzeigen neu erschienener Schriften, deren Besprehung vorbehalten bleibt. Cinsendungen sind nur an die Redaktion, Wilhelm- straße 32, zu rihten. Rücksendung findet in keinem Falle statt.

Xentenbücher. 2. Folge Nr. 13 bis 30: Nobert Hohl- baum: Simplicius academicus. Eine Novelle. Benno Rüttenauer: Von Einem, der sich für den Ritter Blau- r! E A N “i E Luntowski: Char-

otte von Stein. Goethe und Käthchen Schönkopf. Mit einem Bilde Käthhen Schönkopfs. Go eth c und edo L F Deser. Mit etnem Bilde der Friederike Oeser. Goethes Leipziger Lieder. Mit ‘Seffners Leipziger Goethe-Denkmal. Beethovens Briefe an geliebte Frauen. Herausgegeben und eingeleitet von Dr. W. A. Thomas-San-Galli. Wilhelm Watblinger: Der kranke Höôlderltn. Herausgegeben und ein- geleitet von Paul Friedri ch. Mit dem Hölderlinbilde y. C. La uf e r. Carl Dallago: Jesus von Nazareth. Mit dem Bilde Dallagos von M. Esterle. Carl von Vincenti: Schön- brunn. Mit 22 Abbildungen. Alfred de Musset: Aus- gewählte Gedichte. In Ueberseßungen herausgegeben und ein- sit von Arthur Schmidt. Mit einem Bilde und einem aksimile Mussets. Henri h Steffens: Breslau 1813. Mit dem Porträt von Henrich Steffens. Paul Burg: Lüßower in der Leipziger Völkershlacht. Karl Koberstein: Der e a Dr. J. C. Groß: Die Franzosenzeit tn Leipzi g. Joseph Bonaparte: Moina. Ueberseßt und eins geleitet von Hertha Michel. Mit einem Bilde Joseph Bona- partes. Friedrich von Schiller: Der Venuswagen. Die Tugend in ihren Folgen betrahtet. Die fünf portugiesishen E ne R au Uta Ueberset und eingeleitet von Georg Hecht. In solidem Pappband je 5 Seen Ao E V E s

no un emeinde. Von Dr. Warstat und Fra

Bergmann. (Lichtbühnenbibliothek, 3. Heft. Sa va der Lichtbilderei G. m. b. H.,, YM.-Gladbach.) (112). 1,50 4, postfret 1,60 46. M.-Gladbach, Volksvereins-Verlag.

Deutsche Reichs8geseße. Textausgabe mit alphabetischem Sachregister. Wehrbeitraggeseß und Reichsbesigsteuer- geb S 1. München, C. H. Becksche Verlagsvuh.

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