1913 / 176 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Nichtamtliches.

Deutsches Reidcckcch.

Preußen. Berlin, 28. Juli 19183.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten vorgestern vormittag, wie „W. T. B.“ meldet, in Balestrand an Bord der Jacht „Hohenzollern“ den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Gesandten von Treutler.

®.

Gestern hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ im Auswärtigen Amte zwischen dem Staatssekretär von Jagow und dem französischen Botschafter Camb on ein Notenaustausch über die Regelung des Luftverkehrs zwischen Deutsch- land und Frankreich stattgefunden.

P

Der -Herr Minister der öffentlichen Arbeiten hat dem Regierungsbauführer des Hochbaufaches Walter Saran, dem Regierungsbauführer des Wasjer- und Straßenbaufachs Achmed Ko ß, dem Regierungsbauführer des Eisenbahn- und Straßen- baufahs Karl Daub und den Regierungsbauführern des Maschinenbaufahs Friedrih Reckel und Hans Blümener, die im Jahre 1912 die Diplomprüfung mit Auszeichnung be- standen haben, Prämien von je 900 4 zur Ausführung von Studienreisen bewilligt.

Der Präsident des Königlichen Konsistoriums der Provinz Brandenburg, Wirklicher Geheimer Ober-Konsistorialrat Stein- hausen ist auf Urlaub nah Wildbad Gastein abgereist.

Die Bücherei und das Lesezimmer des Königlich Preußischen Statistishen Landesamts bleiben während des Monats August des laufenden Jahres geschlossen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ sind am 25. Juli S. M. S. „Loreley“ in Gagry und S. M. S. „Emden“ in Jap eingetroffen.

Oefterreich-Ungarn.

Die „Wiener Zeitung“ veröffentliht ein Kaiserliches Handschreiben an den Ministerpräsfidenten Grafen von Stürgkh, in dem der Kaiser in landesväterliher Für- sorge für das Königreih Böhmen, dessen autonome Ver- waltung nunmehr zum völligen Stillstand gekommen ist, kraft seiner Regentenpfliht Anordnungen getroffen hat, die die Fortführung dieser Verwaltung in die Hände von Persönlich- teiten feiner Wahl legen und durch Erschließung einzelner zur Deckung des dringenden Bedarfs bestimmten Einnahmequellen ermöglichen sollen. Es is der Wunsch des Kaisers, daß an die Stelle der durch den Ernst des Augenblicks notwendig gewordenen Einrichtungen baldigst eine neuerlihe gedeihliche Wirksamkeit der verfassungsmäßigen Organe der Landes- autonomie treten könnte, wofür die natürlihe Vorausseßung ein vertrauensvolles Zusammenwirken der beiden das Land be- wohnenden Volkssiämme bilde. Der Kaiser billigt daher die Abjicht der Regierung, in Fortsezung ihrer pflihtgemäßen Bemühungen die Sicherstellung solcher Grundlagen anzubahnen, und aibt der Hoffnung Ausdruck, daß dem- Werke, dessen Ge- lingen ihm am Herzen liegt, ein fester Rückhalt in der ge- reiften Einsicht beider Volksstämme und damit die Gewähr eines gesicherien Bestandes und nachhaltigen Erfolges beschieden sein werde.

Das Amtsblatt veröffentlicht weiter ein Kaiserliches Patent, durch das die Auflösung des Böhmischen Landtags verfügt und die Regierung damit betraut wird, im geeigneten Zeitpunkt Neuwahlen vorzunehmen. Ein weiteres Kaiserliches Patent seßt eine aus Beamten bestehende Lan desverwaltungs- fommifsion ein, zu deren Präsidenten das bisherige Mitglied des Böhmischen Landesausschusses und Vizepräsident des Reichsgerihts Graf Schönborn ernannt wird. Jn demselben Patent wird die Erhöhung gewisser Landessteuer- zuschläge und die Einführung einer Bierauflage als Hilfsmittel für die Fortführung des Landeshaushalts verfügt.

Jn einem Communiqué des Amtsblattes werden die Ver- hältnisse eingehend geschildert, durch die die Regierung zu den erwähnten provisorishen Maßnahmen genötigt worden sei, und es wird betont, daß mehr denn je für die Regierung und für die Parteien des Landes ein gerechter nationaler Ausgleich der Leitstern und das Ziel ihres Handelns sein müsse. Auf dieses Ziel weise mit feierlihen Worten das Kaiserliche Handschreiben hin, das ein neues foftbares Unterpfand dafür bilde, daß die Bemühungen für den nationalen Frieden in Böhmen mit dem größten Nachdruck aufgenommen werden.

Die dem konservativen Großgrundbesiz angehörenden Mitglieder des böhmischen Landesausschusses haben, wie „W. T. B.“ meldet, in der Landesausschußsizung vom 23. Juli im Anschluß an die Erklärungen des Oberstland- marschalls die Niederlegung ihrer Mandate erklärt mit der Be- merkung, daß diese Niederlegung gleichzeitig mit der Annahme der Demission des Oberstlandmarschalls in Wirksamkeit zu

treten habe. Fraufreich.

Der König und die Königin von Spanien sind vorgestern mittag von Paris über Calais nah England ab- gereist.

Der Bericht, den im Namen des Heeresaus\chusses des Senats Doumer über das Gesetz, betreffend die drei- jährige Dienstzeit, erstattete, beschäftigt sih eingehend mit den deutschen Heeresverstärkungen und {ließt mit Erörterungen über die gegenwärtige Lage Europas, die mehr denn je verlange, daß Frankreich start sei, und daß es, ohne jemanden anzugreifen oder herauszufordern, niemanden zu fürchten habe. Wie „W. T. B.“ meldet, heißt es in dem Bericht weiter:

Die Balkankriege haben in dem politishen und militärischen Gleihgewiht des Kontinents eine Störung hervorgerufen ; zu wefsen Nutzen oder Schaden, kann niemand fagen. Jedenfalls haben die Konfliktsursahen zwishen den Großmächten ih niht ver- ringer. Wir können nur wünschen, daß sie fich nicht ver-

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mehren. l die man erwidern muß, beweisen gerade nit, daß die Festigkeit des Friedens gewachsen i. Die Mächtegruppierung, der Frankreiß angehört, hat feine Erschütterungen erfahren. Frankreih, das seinen Qin _und Freundschaften ent- \chlofsen treu ist, kann auf seine Verbündeten und Freunde zählen. Im Laufe einer schweren entsheidenden Krifis find Frankreich, England und Rußland niht einen Augenblick uneinig geworden und werden auch in Zukunft niht uneinia werden. Um nur von militäri- schen Dingen zu reden, so beweisen Frankreich und Rußland, daß fie im Falle einer Koalition oder einer drohenden Umwälzung aufeinander zählen fönnen. Aber Frankreich will fich wie die anderen Mächte seine eigene Sicherheit nur felbst zu danken haben und in der Lage fein, seine Unversehrtheit durch eigene Kraft zu sichern. Das is die Bedingung für die Wirksamkeit des Bünd- nisses. Frankreih und Rußland stehen die drei vecbündeten Nationen Mitteleuropas gegenüber. Zwei derselben sind unsere Nachbarn. Aber nur einer, Deutschland, hat etne bedauerlihe beunruhigende Politik, die für uns zu gewisszn Stunden einer allerjüngsten Vergangenheit aggressiv war. Deutschland, einst ein unbarmherziger Gegner, ist auc der bei weitem mähtigste. Wir haben also allen Grund, unsere Armee auf dem Niveau der deutschen zu erhalten. Wenn wir mit ihr fämpfen müßten, dann dürfte dies nur mit gleihen Waffen geschehen. Uebrigens ist eine mächtige Armee eine Friedens- afsefuranz. Selbst kriegerischen Völkern dient eine Armee sehr felten im Kriege; aber sie dient dauernd dazu, Achtung einzuflößen. Frank- reih muß stark sein unter den starken Nationen, weil es immer in erster Reibe stand und in erster Reibe bleiben muß. Das französische Volk will in Zukunft ruhmreich bleiben, wie es in der Vergangenheit rubmreih war. Der Instinkt seiner Bröße ist der Gedanke an seine Selbsterhaltung. Es will, daß es ein großes Volk sei oder untergehe.

Die Erledigung des Budgets für 1913 dürfte obiger Quelle zufolge eine neue Verzögerung erfahren, da der Finanzaus\chuß des Senats mehrere von der Kammer an- genommene Anträge abgelehnt hat, so insbesondere den Zusaß- antrag Malvy, wonach vom 1. Januar 1915 ab die Personal- und die Tür- und Fenstersteuer durh eine gestaffelte Gesamt- einkommensteuer erseßt werden soll, ferner der A Breton, wonach das Budget von 1913 im wesentlihen au für das Jahr 1914 in Anwendung gebracht werden soll. Der Generalberichterstatter Aimont stellte fest, daß das Budget von 1913 einen Ras von 222 Millionen und das von 1914 einen Fehlbetrag von 650 Millionen aufweisen werde. Die neuerliche Erörterung des Budgets wird heute im Plenum des Senats stattfinden.

Türkei.

Der Minister der öffentlihen Arbeiten Osman Nizami Pascha ist in besonderer Mission nach London entsandt worden.

In der Antwort, die der Großwesir auf das erste Telegramm des bulgarischen Ministers des AeußernGhenadiew erteilt hat, erklärt er laut Meldung des „Wiener K. K. Tele- graphen-Korrespondenzbureaus“, daß er die darin enthaltenen Ansichten über die beiden Staaten gemeinsame Notwendigkeit, normale und dauernde Beziehungen untereinander herzustellen, teile, und fährt dann fort:

In voller Würdigung der Bedeutung dieser Notwendigkeit habe ih dem Delegierten der Königlihen Regierung erklärt, daß es behufs fünftiger Hintanhaltung jedes Streitpunktes und aller Mißverständ- nisse zwischen beiden Nachbarstaaten notwendig sei, unverzüglich die Grenzlinie, wie fie in unserer Mitteilung an die Mächte vom 19. d. M. festgestellt ist, anzunehmen. Infolgedefsen hatte ih in Erwartung einer günstigen Antwort Ihren Delegierten gebeten, der Königlichen Regierung die Anschauungen und Absichten der Kaiserlichen Negierung bekannt zu geben. Da i darauf keine Antwort erhielt und da unsere Truppen täglih Zeugen der Verwüstungen und Ausschreitungen jeglicher Art sind, die die versöhnlichen Dispositionen der Kaiserlichen Regierung illuforisch mgen, stelle sich die sofortige Besczung der Marigalinie als notwendig heraus. Im übrigen muß die von uns gegenüber den Mächten übernommene Verpflichtung, die in unserem oben angeführten Schreiben bezeichnete Grenzlinie nicht zu überschreiten, einen hin- länglihen Beweis der Absichten der Pforte und ihres aufrichtigen Wunsches darstellen, zwishen beiden Staaten ein Einvernehmen auf dauernder Grundlage herzustellen. Ich boffe, daß Eure Exzellenz in Würdigung der Gefühle, die uns leiten, Ihre Bemühungen mit den unsrigen vereinen werden, damit wir zu einer sung der uns gegenwärtig drängenden Differenzen gelangen.

Nach Meldungen der „Agence Bulgare““ vom 26. d. M. über die Kriegslage haben ernsthafte Operationen nicht stattgefunden. Bei Vlassina versuchten die Serben die Offen- sive zu ergreifen, in der Absicht, von neuem die Grenze zu überschreiten. Sie wurden jedoch durch das bulgarische Artilleriefeuer zurückgetrieben. Nah den ergänzenden Nachrichten der Erkundungsdetahements sind die den serbish-montenegrinishen Truppen bei dem Angriffe auf Kotshana zugefügten Verlusie sehr groß. Auf einer Strecke von 800 Schritten wurden 1760 Leichen gesammelt, darunter diejenigen von aht Offizieren. Das ganze Feld hinter diesem Streifen is bis zu den seinigen Linien mit Leichen übersät. Wenn man in normaler Weise von der Zahl der Toten auf die Zahl der Verwundeten s{chließt, so dürfte deren Zahl siher mehrere tausend übersteigen. Dies beweist, daß die Verbündeten bei Kotschana eine shwere und blutige Niederlage erlitten haben. Die Griechen versuchten bei Pehtschewo zum Angriffe überzugehen, wurden aber durch ein heftiges Feuer zurückgeworfen und gezwungen, den Rückmarsch anzutreten. Die Türken haben sih nah der Einäscherung einiger Dörfer und des Grenzortes Hebitshewo nach Thrazien zurückgezogen.

Dem serbischen Pressebureau zufolge haben die fer- bishen Truppen die Einschließung Vidins durch- geführt.

Die griechische Armee hat, wie „W. T. B.“ meldet, nach einem zweitägigen heftigen Kampfe bei Simetli am Strumaflusse die bulgarishe Armee in die Flucht ge- schlagen, drei Geshüße und viel Kriegsmaterial erbeutet. Die Bulgaren hielten eine steile Anhöhe, die 1260 m über dem Meeresspiegel liegt, besezt. Die Stellung war durch vier Reihen starker Artillerievershanzungen beseßt. Die Griechen mußten bei strömendem Regen und Nebel die {chwie- rigen Kravna-Pässe, die sich über 20 km weit erstrecken, überwinden. Die Bulgaren, die alle Brücken zerstört hatten, beschossen die Pässe lebhaft und machten so den Vor- marsch e die griehishe Artillerie s{chwierig. Deshalb rückten die Griehen während der Nacht vor. Vorgestern wurden. die Bulgaren auf der ganzen Front von ihren vorge- shobenen Stellungen auf die Hauptstellung zurückgeworfen. Die Griechen gingen, nahdem fie den Ausgang der Pässe er- reiht hatten, zum Sturmangriff vor. Nach heftigem Kampfe wurden die Bulgaren vollständig zersprengt.

Von amtlicher griechischer Seite wird ferner gemeldet, daß die bulgarische Kavallerie in Stärke von 500 Mann Xanthi geräumt und daß auch die bulgarishen Behörden die Stadt verlassen haben. Die achte griechishe Division beseßte die Stadt und seßte die von den Bulgaren gemachten Gefangenen in Freiheit.

Die jenseits des Rheins zunehmenden Rüstungen, auf

T

Griechenland.

Der König Konstantin hat den von der bulgarischen Regierung verlangten dreitägigen Waffenstillstand, wie "W. T. B.“ meldet, aus strategishen Gründen abgelehnt.

Der Ministerpräsident Venizelos ift mit den anderen Delegierten, dem griechishen Gesaüdizn in Sofia Panas, dem Universitätsprofessor in Paris Politis, dem griechischen Gesandten in Wien Streit und ferner por vom König be- stimmten Offizieren Pallis und Exadaktylos vorgestern nach Bukarest abgereist. Die Abreise Venizelos' ist infolge der Ant- wort Rumäniens beschlossen worden, in der es sich dem Vor- chlag der Verbündeten anschließt, gleichzeitig über einen Waffen- stillstand und den Vorfrieden zu verhandeln.

Rumänien.

Der König von Montenegro hat das Telegramm des Königs Karl laut Meldung des „W. T.-B.“ in derselben Weise beantwortet, wie die Könige von Griechenland und Serbien.

Die Frage, ob die Sißungen der Friedensfkonferenz in Bukarest oder Sinaia abgehalten werden sollen, ist dahin entschieden worden, daß die Konferenz jedenfalls in Bukarest eröffnet und vorderhand ihre Sißungen hier abhalten wird. Im weiteren Verlauf der Konferenz wird es von einer eventuellen Ueberfiedlung des Königs nah Sinaia abhängen, ob die Sitzungen zum Teil dort stattfinden sollen.

Zu rumänischen Delegierten für die“ Konferenz sind bisher der Ministerpräsident Majoresco und die Minister Take Jonescu und Marghiloman ernannt worden. Die Mit- glieder der bulgarishen Delegation Tonschew, Fitschew, Stanschow und Radew sowie ein Mitglied des Kassations- hofs in Sofia sind gestern in Bukarest eingetroffen. Jwanow und Paprikow, die sich in Nish befinden, werden von dort nach Bukarest kommen, wenn in Nisch nicht verhandelt werden sollte.

Serbien.

Die serbischen Friedensdelegierten, der Ministerpräsident Pasitsch, der frühere serbishe Gesandte in Sofia Spalai- fowitsh und der serbishe Gesandte in Bukarest Michailo NRistit\ h, die militärishen Sachverständigen, die Generalstabs- obersten Smiljanitsh und Kalafatowitsch, sowie zwei Ministerialsekretäre sind gestern nah Bukarest abgereist. Während der Abwesenheit des Ministerpräsidenten Pasitsch vertritt ihn der Finanzminister Patschu.

Wie die „Politika“ meldet, wird Serbien nach der Versiherung maßgebender Kreise bei den Friedensverhand- [lungen folgende Forderungen stellen: Ueberlassung aller von der serbishen Armee zum zweiten Male eroberten Gebiete, Regulierung der alten ferbish-bulgarishen Grenze, da diese wiederholt zu Zwistigkeiten Anlaß gegeben hat, und Zahlung einer Kriegsentshädigung. Jn Nish würden die militärishen Ver- handlungen über eine Demarkationslinie und über die Ein- stellung der Feindseligkeiten geführt werden. Der Tag, an dem die Verhandlungen beginnen sollen, ist indessen noch nicht bekannt.

Bulgarieu.

Der Ministerrat hat einen Kredit von 250 000 Fr. zur Unterstüßung der Flüchtlinge bewilligt.

Gegenüber den Mitteilungen, daß Serbien die Ein- stellung der Feindseligkeiten mit dem Hinweise ver- weigere, daß die bulgarishen Truppen leßzthin serbische Ort- schaften angegriffen hätten, teilt die „Agence Bulgare“ mit, daß die bulgarishen Truppen {hon am 10. Juli in Befolgung eines durch politische Rücksichten bedingten Befehles sih aus dem serbischen Gebiet in die Gegend von Rapana, Kula und Bjelograd- \chik zurückgezogen und seither in diesen Gegenden feinen Angriff unternommen hätten, während die Serben am 17. Juli in bulgarisches Gebiet eingedrungen seien und Tschupreni und Tergovischte beseßt hätten. Andererseits hätten die gegen Zaribrod und Pirot operierenden Truppen am 7. Juli Befehl erhalten, fich auf bulgarishes Gebiet zurücfzuziehen. Als die Serben in der ersten Hälfte des Juli auf der Linie Vlasina— Pateriza in bulgarishes Gebiet eingedrungen wären, hätten nich die Bulgaren darauf beschränkt, fie zurükzudrängen, was erst am 25. d. M. vollständig gelungen sei. Die von serbischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die Bulgaren leßthin ferbi- sches Gebiet angegriffen hätten, sei somit vollständig unbe- gründet. Sie sei erfunden, um die Verweigerung der Ein- stellung der Feindseligkeiten zu erklären, die von allen außer Serbien und Griechenland herbeigesehnt werde.

Die bulgarischen Friedensdelegierten, der Finanzminister Tontschew, der Chef des Generalstabes General Fitschew, der frühere Vizepräsident der Sobranje Sava Jvantschew, der Publizist Rachew, der Oberstleutnant Stanschew und zwei Sekretäre sind vorgestern nah Bukarest abgereist.

Amerika.

Der amerikanische Botschafter in Mexiko Wilson hat dem Präsidenten Wilson einen Bericht unterbreitet, in dem er laut Meldung des „W. T. B.“ der Regierung empfiehlt, ent- weder unverzüglich die Regierung Huertas anzuerkennen oder zu intervenieren. Der Botschafter ist der Meinung, daß Huerta \chließlih die Oberhand behalten werde, und er erflärt, daß die fogenannten Aufständishen in Wirklichkeit Banditen seien, die lediglich von dem Wunsche, Beute zu machen, getrieben würbven. Wilson entwirft ein trübes Bild von der finanziellen Lage des Landes, indem er hauptsächlich auf die schweren Verluste der Ausländer hinweist. So {äßt er die Verluste, die allein Franzosen in den legten Monaten erlitten haben, auf 250 Millionen Dollar.

Dem „Reuterschen Bureau“ zufolge wird bekannt ge- geben, daß an dem vorgeschlagenen Vertrage mit Nicaragua Aenderungen vorgenommen werden, sodaß es diesem Staate erlaubt wird, sih jeder Union anzuschließen, die von den mittelamerikanishen Staaten gegründet werden sollte. Das Fehlen einer solhen Bestimmung soll nämlich bei den anderen mittelamerifkfanishen Regierungen, von denen eine derartige Union seit langem gewünscht wird, Argwohn erregt haben. Es wird erklärt, daß das tatsächlih, wenn auch “nicht formell bestehende Protektorat Amerikas über Nicaragua von diesem Lande und niht von den Vereinigtvn Staaten angeregt worden sei.

Der amerikanische Senat hat alle Paragraphen der ersten Teils der neuen Zolltarifbill, der die Chemie- falien betrifft angenommen, mit Ausnahme derjenigen über die Baryt- und Bleiprodukte, die auf Verlangen einiger republi- fanisher Senatoren zurücgestellt wurden. Die leßteren haben

jedoch feine weiteren Zusauanträge gestellt, da sie die Nußlosig- feit eines solchen Vorgehens einsahen und die Erledigung des Geseßes nit verzögern wollen.

Afien.-

Mit Rücksicht auf die das Land und die Vorstädte von Schanghai überschwemmenden Streitkräfte der Aufrührer ist vorgestern, wie „W. T. B.“ meldet, in einer Versammlung des Konsularkorps und der städtishen Behörden beschlossen worden, Matrosen zu landen und eine Postenkette um die Fremdenniederlassung aufzustellen. Auch an beiden Enden der Suchowbucht und an den Grenzen der Niederlassung find Posten aufgestellt worden, die den Befehl erhalten haben, den Durchzug der Aufrührer zu hindern. Jn der Stadt ist eine Bekanntmachung veröffentlicht worden, die den Kriegführenden und allen sih aftiv an dem Aufruhr Beteiligenden anzeigt, daß die Niederlassung für sie geschlossen ist.

Die Nordtruppen haben am Freitag allgemein den Vor- marsch begonnen, den Jantse-Kiang überschritten und die Elefanteninsel beseßt. Wie ferner gemeldet wird, sind die Woosung-Forts am Freitag von den Regierungstruppen erobert, am gleichen Abend jedoch von den Rebellen wieder beseßt wörden. Der Kommandeur der Rebellen ist entflohen. Die Truppen der Rebellen, an Zahl etwa 3000, wählten einen neuen Führer, der die Erklärung abgegeben hat, er werde nur dann kämpfen, wenn er angegriffen werde.

Einer Meldung der „Times“ vom gestrigen Tage zufolge sind die Forts von Hukou an der Mündung des Pojangsees, auf die die Operationen der Revolutionäre von Kiangsi basiert waren, von den Regierungstruppen eingenommen worden. Dieser Erfolg, der hauptsählich durch das Eingreifen der Flotte erreiht wurde, briht der Bewegung in Kiang}i das Rückgrat und wird die Truppen und die Kanonenboote für die Offensive weiter unterhalb am Flusse und für einen Angriff auf die Nachhut der Nankinger Armee freimachen.

Kunft und Wissenschaft.

Geheimrat Professor Dr. Herge sell hat ein Funkentelegramm der deutshen wissenschaftlihen Station Ebeltofthafen (Croßbay) er- halten, die laut Meldung des „W. T. B.“ mitteilt, daß dort weder über Scchröder-Stranz noch über die zurzeit im Nordostland tätlge Hilfserpedition Starxrrud etwas be- fannt sei. Von Dr. - Wegener, dem Leiter der Station, ist ein ausführliher Beriht über seinen Versuch zur Rettung der Schröder-Stranz-Erpedition angekommen. Diese Hilfserpedition, an der außer Wegener der Engländer Millar und die Skandinavier Olaffon und Abrahamsen teilnahmen, war bereits im Februar d. I. von der Croßbay an die Wijzebay marshiert und hatte die dortige Fangbütte aufgesucht. Sie brachte die ersten Nachrichten von der Nettung Nüdigers und Raves. Die Besatzung der deutschen Statton wird zurzeit abgelöst. Dr. Wegener und Dr. Nobißsch kehren zurüdck und werden dur die Assistenten Dr. Stell-Straßburg und Dr. Hoff- mann-München erseßt.

Literatur.

Die Krankenversiherung nach der NReichsversiche- rung8ordnung vom 19. Juli 1911, auf Grund der Materialien, der Ausführungsbestimmungen und der bisherigen Rechtsprehung mit Anmerkungen versehen von Th. Petersen, Direktor der ham- burgishen Behörde für das Versicherungswesen. Siebente, vollständig neu bearbeitete Auflage des Kommentars zum Krankenversicherung2gesete. I. Band: Erstes und zweites Buch, LXXIX und 993 Seiten. II. Band : Drittes, viertes, fünftes und sechstes Buch und Einführungs8geseßz, LXXII und 719 Seiten. Verlag von Grefe u. Tiedemann, Ham- burg. Nach der Begründung zum Artikel 99 des Einführungs- geseßges zur Meichsversiherungsordnung ;follen die auf dem Gebiete der Krankenversiherung von dem Reichsgeriht und den höchsten Verwaltungégerihten der Einzelstaaten bisher getroffenen Entscheidungen für die Uebergangs8zeit dergestalt maßgebend bleiben, daß die Oberversicherungësämter, um eine einheitliche Necht- sprehung herbeizuführen, innerhalb der ecften fünf Jahre nach dem Tage, an dem die auf das Verfahren in Sachen der Kcankenversiche- rung bezüglihen Vorschriften des fechsten Buches in Kraft treten, also nah dem 1. Januar 1914, bei ihnen anbängige Sachen dann an das Reichsversiherungs8amt (Landesversiherungsamt) abzugeben haben, wenn sich ergibt, daß fie von etner Entscheidung der bezeihneten Ge- rihte abweihen wollen. Eine genaue Kenntnis namentlih der von diesen Gerichten biéher ergangenen Entsheidungen ist daher sowohl für die Mitglieder der Versicherung8behörden wie für die Kafsenvorstände unerläßlich. Aber au die zahlreichen eins{lägigen Entscheidungen der übrtgen ordentlihen Gerihte, Verwaltung8gerihte und BVerwaltungs- behörden, besonders diejenigen der Oberlandesgerihte und der Rekurs- behörden dürften, zumal da die bier in Frage fommenden Streitigkeiten niht in allen Einzelstaaten dem Verwaltungsftreitverfahren überwiesen gewesen sind, noch auf lange Zeit ihren Wert behalten. In dem vorliegenden Werke sind nun neben einer Wiedergabe alles Wesent- lihzn der Geseßgebungsmaterialien und der bisher veröffentlichten Ausführungsbestimmungen namentlih des Neihs und der Hansestädte sämtlihe die Krankenversiherung belreffenden wichtigeren gericht- lihen, verwaltungsgerihtlihen und und Verfügungen, foweit sie auch nach dem neuen Recht noch Geltung oder doch Interesse Haben werden, threm wesentlihen Inhalte nach unter Quellenangabe in der Form von Anmerkungen zu den einzelnen Paragraphen des Gesetzes übersihtlich zusammengestellt und ist damit ein getreues Bild von dem gegen- vârtigen Stande der Nechtsprebung auf dem Gebiete des Kranken- versiherungsrechts gegeben. Mit Nüdsiht darauf, daß in wver- shiedenen Einzelstaaten die Einziehung der Beiträge zur Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, die Ausstellung und der Umtausch der Quittungskarten und die Markenverwendung vielfah den Krankenkassen übertragen worden, sind in dem vorliegenden Werke auch die entiprehenden Bestimmungen des ersten und des vierten Buches der R.-V.-O. mit erläuternden Anmerkungen versehen und die darauf bezüglichen Ausführungsbestimmungen in den Anhang zum zweiten Bande mitaufgenommen, der den voll- ständigen Wortlaut der ergangenen Ausführungsbestimmungen ein- \hließlih der „Anleitung des Reichsversiherungs8amts über den Kreis der nah der N.-V.-O. gegen Invalidität und gegen Krankheit ver- sicherten Personen“, im ganzen von 36 Verordnungen usw., im Zu- sammenhang enthält. Im übrigen find die die Krankenversiherung niht berührenden Vorschriften der N.-V.-O. und des Einführungs- geseßes ohne Erläuterung wiedergegeben. Das vorliegende Werk des ad seine langjährige Tätigkeit als Direktor der hamburgishen Be- hôrde für Versicherungswesen mit der Praxis der Arbeiterversiherung bervorragend vertrauten Verfassers, das am Schlusse jeden Bandes ein ausführlihes, seine Brauchbarkeit noch erhöhendes alphabetishes Sahhregister aufweist, ist geeignet, die Ueberführung der Kranken- versiherung in das neue Recht wesentlich zu erleichtern.

_ Kommentar zur Neichsversiherungsordnung und zu ihrem Einführungs geseß vom 19. Juli 1911 von Professor Dr. Stier-Somlo in Bonn. Zweite Lieferung. Preis 3 5. Verlag von Franz Vahlen, Berlin. In derfelben Weise, wie in der seinerzeit an dieser Stelle gewürdigten ersten Lieferung des groß angelegten Kommentars die §8 1—%50, sind in der zweiten die S 51—165 der MN.-V.-O. erläutert, Der Verfasser zeigt das geshihtlihe Werden einer jeden Einzelvorschrift auf, um das alte mit dem neuen Rechte zu verbinden und damit die für die Praxis unentbehrlihe Kontinuität herzustellen,

behördlihen Entscheidungen

rüft fie bis in alle Einzelheiten hinsichtlich ihrer Tragweite und irkungen, arbeitet die- Begriffe, von deren Anwendung auf die Tat-

bestände des Lebens so viel abhängt, heraus und stellt Sinn und Be- deutung der Rechtsnormen klar. Wo Anknüpfungspunkte an das bis- berige Recht gegeben waren, ist überall dies vorhandene Nechtsprechung und Uteratur fritisch verwertet. Soweit die Reichsverfiherungs- ordnung Neues bietet, sind die bisherigen Veröffentlihungen über diese sowie die Geseßesmaterialien berücksihtigt. Die zahlreichen Einzelfragen sind in den Erläuterungen durch Unterabteilungen leicht fenntilih gemaht. Größere Abshnitie haben zusammenfassende Vor- bemerkungen erhalten. f

Ausführungsbestimmungen zur Neihsversicherungs- ordnung vom 19. Juli 1911 für das Neich und die sämtlichen Bundesstaaten, zusammengestellt von Ernst Funke und Walther N ernst, Bibliotbekaren im Reichsversiherungsamt. Erster Band. XX[V und 702 Seiten. Geb. 6 4A. Verlag von Franz Vahlen, Berlin. Der vorliegende erste Band enthält die für das Reich und für Preußen erlassenen Uebergangs- und Ausführungsbestimmungen zur R.-V.-O. und zu ihrem Einführungs- eseze. Die Bestimmungen für die übrtgen deutschen Staaten ollen nah dem Vorwort in einem zweiten Bande vereinigt werden. Außerdem ist für die später noch ergehenden Ausführungsbestimmungen ein Ergänzungsband vorgesehen. Wie der vorliegende Band erkennen läßt, bandelt es fich um ein groß angelegtes, [lückenloses Sammelwerk, das sämtlihe Ausführungsbestimmungen (Ausführung8gesezez, Ver- ordnungen, Bundesratsbe\shlüsse, Bekanntmachungen, Rundschreiben, Erlasse, Verfügungen usw.) bringen wird und \chon jeßt in seinem ersten Bande eine Fülle von thnen darbietet; umfaßt doch dessen«Inhaltsverzeihnis bereits 190 Ausführungsverordnungen usw. Diese sind nah einem übersihtlihen Plane zusammengestellt, der auch dem Mindergeübten die mühelose Auffindung der einzelnen Bestim- mungen ermöglicht. Den an der Durbführung der R.-V.-O. Be- teiligten, insbesondere den Organen der Versicherungsträger, den Ver- sicherungsämtern, Oberversicherungsämtern, den Verwaltungsbehörden, Auskunsts\tellen, Rechtsanwälten, Arbeitersekretariaten, Fahschrift- stellern ufw. wird die Sammlung gute Dienste leisten. -

Neichsversicherungs8ordnung nebst dem Einführungsgeseß vom 19. Juli 1911. Versiherungsgeseß für Angestellte vom 20. Dezember 1911. Tertausgaben mit Sachregister. (Uliput- ausgabe deutsher Neich8geseßze, Band 3.) XXIII und 619 Seiten. Berlin, Verlag von Otto Liebmann. Geb. 1,50 s. Dieser Band der Liliputausgave deutscher Reichsgeseze, in dem dite 1805 Paragraphen umfassende Neichsverfiherungsordnung mit dem Einführung8geses und das 399 Paragraphen zählende Versicherung8- geseß für Angestellte nebft einem ausführlichen alphabetischen Sach- register zu diesen Geseßen vereinigt find, teilt die Vorzüge der früher ershienenen Bände diefer Sammlung (Band 1: Bürgerliches Geseßbuch, Band 2: Handelsgefeßbuch, Zivilprozeß- und Konkurs- grdnung}): große Handlichkeit (Format einer Taschenausgabe, 7:11 cm), mit den amtlihen Texten genau übereinstimmende Wiedergabe der Geseßze, klaren, leiht lesbaren Druk und gediegene Ausstattung.

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Führer durch die Neichhsversiherungsordnung. Bearb. von Martin Jrl. 2. Aufl. 050 4. Erding, Oberbayern. E. Shtwoanke.

e Ldg neles und Besißsteuergesetz (Vermögens- zuwachssteuergeseß) nebst Geseß über Aenderungen im Finanz- wesen. Textausg. mit Einleitung, Anmerkungen und Sachregister. Gebdn. 1,20 (4. Berlin W. 9, Linkstr. 16. Franz Vahlen.

Das Preußische Wassergeseß vom 7. April 1913. Mit Erläuterungen, einer Einleitung, einer Zuständigkeitstabelle und einem ausführlihen Sachregister versehen von Max Herrmann. 4,50 M, gebdn. 5 #Æ. Breslau, Wilh. Gottl. Korn.

Die Geheimpolizei auf dem Wiener Kongreß. Eine Auswahl aus thren Pavieren. Von August Fournier. 12 #; gebdn. 15 4. Wien IV, Iohann Straußgasse 6, F. Tempsky.

Das deutsche Heer nah der Neuordnung von 1913. Bon Oberstleutnant W. von Bremen. Mit 44 Abbildungen und

E farbigen Umshlagbild. 0,60 4. Bielefeld, Velhagen u. E Kiautschou. Bedeutung und Recht seiner Erwerbung von

Otto Hövermann. Bonn, Carl Georgi, Universitätsbuchdruckerei und Verlag.

—__ Die. einfadste Buchführung füx Kleinhändler- und Handwerker nebst Briefsteller für den kleinen Geschäfts- mann von Franz Conrad, Gewerbelehrer. Taschenformat. Preis 1,10 M, in Leinenband 1,35 4. Berlin 8. 14, Dresdener Straße 80. Geseßzverlag L. Schwarz & Comp.

Treu-Deutsh. Marsh von Adolph Pastor mit Worten von Herm. Shulze-Buch. Für Pianoforte mit Gefangseinlage 0,30 4. Berlin SW. 11, Königgräger Straße 71. Gebr. Ulbrich, Musikverlag.

Jagd. Betanntmachung. Beginn der Jagd auf Flugwild. Für den Landespolizeibezirk Potsdam wird der Beginn der Jagd auf a. Rebhühner, Wachteln und schottishe Moorhühner auf Montag, den 25. August 1913, sowie b. Birk-, Hasel- und Fasanenhähne, c. Birk-, Hasel- und Fasanenhennen auf Sonnabend, den 27. September 19183, festgesest. Potsdam, den 22. Juli 1913. Der Bezirksaus\chuß. Jdachimi.

Nr. 58 des Zentralblatts der Bauverwaltung“, heraus- gege im Ministerium der sffentlihen Arbeiten, vom 23. Juli 1913, at folgenden Inhalt: Die neuen Lehbrerbildungsanstalten in Heilbronn und Rottweil. (Schluß.) Die Möhnetalsperre. (Shluß.) Ver- mischtes : Auszeichnung. Wettbewerb für Entwürfe zu einer Knaben- mittelschule in Stendal i. d. Altmark. Technishe Hochschule tin Aachen. Zehnte Tagung des deutsh-österreih-ungarisch-\{chweizertshen Verbandes für Binnenschiffahrt. Städtishe Prüfungsstelle für statische Berechnungen in Dortmund. Versammlung der Mitglieder des Verbandes zur Klärung der Wünschelrutenfrage. Güter-, Schiffs- und Floßverkehr auf dem kanalisierten Main im Jahre 1912.

Land- und Forftwirtschaft. Stand der Ackerbaugewächse in den Niederlanden : Ant 12. Juli 1913. (Nah etner Veröffentlihung des Kgl. Niederländishen Ministeriums für Landwirtschaft, Gewerbe und Handel.)

_ Die nachstehende Uebersicht enthält Angaben über die Anbau- flächen der verschiedenen Ackerbaugewäthse in den Niederlanden für die

Jahre 1911, 1912 und 1913. Die Zahlen für 1913 sind noh nit als endgültig anzusehen, doch dürften sie in der Folge nur unbedeutende Berichtigungen erfahren.

Gewädthse: Besâte Oberfläche in ha 10A | 1912| 1911 Wiuterwelzen E O M8 S2 474 E S 3995| 3726 4 065 E ¿T 220075 | 2260002 | 223291 E S 2 189 2 042 2 073 L «l E 21004 | 22206 e pap eh 5 990 5 027 5711 E 138 530 | 137 863 | 138 186 E 10 580 | 11 901 12 953 Bohnen (Pferde-, usw.) . 16 732 | 16789 | 18815 Ee A 2M O 2E Ct e 7521 6 927 6 808 Se E P 779 790 855 Gelbe E 796 967 748 E e e 5 310 2 991 S 230 Sale eon A 623 650 240 O i. C L O 4 Tabak e 398 414 401 Ea A 1 687 326 471 E e, 2, 1136743 | 1422240 | 136255 Kartoffeln zu Fabrikationtzwecken . . 1 31273 | 30104 | 30150 Zuckerrüben T O C4824 56 G00 E E 769 1182 951 E 2648| 2951 2513 Budereübeniaat. . . ., a, 244 195 106 d N 104 110 100 E 769 1 502 798 ItadieaMentsat .., E 269 333 217 E S I 28602 | 24183 | 31 749

_ Die vergleichende Zusammenstellung läßt erkennen, daß im Be- rihtéjahr der Anbau von Sommergerste, Erbsen, Stammbohnen, Kanarienfaat, rotem Klee und der Kartoffeln für die Industrie zu- genommen hat, während eine Verminderung der Anbauflähe von Winterweizen, Buchweizen, Cßkartoffeln, Zuckerrüben, Zichorie, Zwiebeln und Spinatsaat eingetreten ist.

Das außergewöhnlih ungünstige Wetter der leßten Wochen, das

neben großen Regenmengen niedrige Temperatur mit sih brachte, kam in erster Linie für die Neuernte fehr ungelegen, so daß sie jegt noch teilweise auf den Feldern liegt. __ Der an den Ackerbaugewähsen angerichtete Schaden ist sehr vec- schieden. Auf dem \{chweren Lehmboden, vor allem im Südwesten des Landes, stehen die Gewächse sehr dünn und unregelmäßig. Auf leihtem Boden ist der Stand der Ernte im allgemeinen gut, wenn auch natürlich auch hier die meisten Saaten gelitten haben. Das nasse Wetter begünstigt stark das Wuchern von Unkraut, während andererseits die Pflanzenftrankheiten keine Fortschritte gemacht haben. So hat die gewohnte Kartoffelkrankheit noch nirgends belangreihen Schaden verursacht.

Im besonderen werden folgende Angaben veröffentlicht :

__ Der Stand des Weizens ist im allgemeinen gut, tn Limburg sogar sehr gut, während er in Seeland und Südholland zu wünschen übrig [äßt und nur als ziemlih gut angegeben wird.

Roggen hat sich im ganzen genommen niht gut entwickelt.

Wintergerste. In Nordholland und in Seeland läßt die Wintergerste zu wünschen übrig, in den übrigen Teilen des Landes ist ihr Stand gut. Sommergerste steht in Südholland und dem westlihen Nordbrabant ziemlih gut, sonst gut.

Hafer. Im Gegensay zum vorigen Jahr hat sich Hafer üppig entwidckelt, selbst auf armen Sandböden sieht man prächtige Haser- felder. Allerdings hat der in leßter Zeit niedergegangene Regen die Frucht niedergeworfen, sodaß schöónes Wetter erforderlich ist, um die guten Aussichten niht zu \{chmälern. Abgesehen von Südholland steht Hafer überall gut bis sehr gut.

Buchweizen steht sehr vershieden. In Overyssel haben die Nachtfröste großen Schaden angerichtet; auch in Groningen und der Grafschaft Zutphen stehen die Felder nur ziemlich gut. Gut steht die Frucht in der Veluwe, Drenthe, Utrecht und Nordbrabant; sehr gut im Gooi und in Limburg.

Kanariensaat. Die angebaute Fläche ist im Berichtsjahr ganz bedeutend größer als in den vorhergehenden Jahren. In Nord- bolland steht die Saat ziemlich gut, sonst gut; auf dem Torfboden in Nordholland sogar sehr gut. ;

Blaue Mohnsaat. Der Stand ist in Seeland und Süd- bolland durchschnittlich gut, in Groningen und Nordholland ziemlich gut, in Nordbrabant mäßig.

Kümmel ift zum großen Teil {on geschnitten, doch ist das Ergebnis, auf das feine großen Erwartungen geseßt werden, noch nicht bekannt. Im ganzen war der Stand der Saat mäßig bis ziemlich gut.

Kohlfaat und braune Senfsaat stehen ziemlih gut; gelbe Senfsfsaat ziemlich gut bis gut.

___ Flachs. Der Negen der leßten Wochen hat den Flahsfeldern sehr geschadet und hauptsächlich die {weren Gewächse niedergelegt, wodurch die Aussichten hinsichtlih der Beschaffenheit stark beeinträchtigt wurden. Der Stand der Felder i in Südholland im Durchschnitt mäßig, in Grontngen, Nordholland und Nordbrabant ziemlich gut, in Friesland gut. Einige Partien sind in den leßten Tagen in Friesland zum Preise von 275 bis 350 Gulden für das Hektar verkauft worden. Im Jahre 1912 wurde für dasselbe Gewächs ein um 100—150 Fl. höherer Preis bezahlt.

__Kleesfaat. Der Stand ist in Groningen ziemlich \ch{lecht bis mäßig, in Friesland gut, im westlichen Nordbrabant ziemlich gut oder ut, im Osten gut und in Limburg ziemlich gut oder gut, je nah Beschaffenheit des Bodens.

Erbsen, Bohnen, Braune Bohnen. Der Stand dieser Früchte ist sehr vershieden; doch sind die Aussichten im ganzen ge- O wenig günstig, fie shwanken zwishen mäßig und ziemlih gut is gut.

Eßkartoffeln stehen im ganzen gut, in Friesland sogar sehr gut; dagegen lauten die Berichte über die für die Industrie be- stimmten Sorten weniger„günstig. Im südlihen Groningen wird der Ertrag dieser Sorten nur auf die Hälfte bis F der vorjährigen Ernte geschäßt; die einzelnen Sorten und die verschiedenen Gegenden weisen große Unterschiede auf.

Zuckerrüben stehen in Gelderland, Südholland, Nordbrabant und Umburg ziemli gut, in Groningen gut bis sehr gut, in Fries- land ebenfalls sehr gut und in Nordbollanb und Seeland gut, während der Stand der

954" tes im Durchschnitt nur als ziemlich gut bis gut zu bezeichnen ist. eb S ORELO stehen überall gut; der Stand der Zichortie ist gut bis ehr gut.

RNoter und weißer Klee stehen im ganzen gut bis fehr gut, mit Ausaahme von Nordholland, wo roter Klee nur mäßigen Ertrag verspricht.

Luzerne. In den Hauptanbaugegenden von Seeland und R, ist der Stand nur als mäßig, sonst als gut zu be- zeichnen.

Weideland. Der Stand ist gut, vielfah sehr gut.

Der Schnitt des Grasheus hat große Mengen ergeben, doch läßt dessen Beschaffenheit viel zu wünschen übrig und wird nur als mäßig bezeichnet; dasselbe gilt vom Kleeheu, das bei reihlihem Ertrag nur eine ziemlich gute Beschaffenheit aufwetst. (Bericht des Kaiserlichen Generalkonsulats in Amsterdam vom 21. Juli 1913.)