1913 / 177 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

4) Beschränku | |

die Unterärzte Dr. Egger im 4. Inf. Negt. König Wilhelm von Württemberg, Keller im 12. Inf. Negt. Prinz Arnulf, Dr. Ru- dolph ims4. Feldart. Regt. König; é

zu charafkterisieren: als Oberstabsärzte die Stabs- und Bats. Aerzte Dr. Niedl im 4. Inf. Regt. König Wilhelm von Württem- berg, Dr. Wiedemann im 11. Inf. Negt. von der Tann.

Durch Verfügung des Kriegsministeriums wurden zur Königl. preuß. Militärtechnishen Akademie vom 1. Oktober d. J. ab auf ein weiteres Jahr kommandtert: die Oberlts. Pfannenstiel des 1. Tägerbats. Prinz-Regent Ludwig, Wegscheider des 10. Feldart. Negis., der Lt. Friedrichs des 14. Inf. Negts. Hartmann.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht, auf Grund des 8$ 28 des Landesverwaltungsgeseßes vom 30. Juli 1883 (G.-S. S. 195) bezw. des Gesezes vom 28. Juni 1911 (G.-S. S. 81):

den Regierungsassessor Klausa in Breslau zum zweiten Mitgliede des Bezirksausschusses in Breslau auf Lebenszeit, erner s ! den Regierungsrat Buderus von Carlshausen in Oppeln zum ersten Stellvertreter des ersten Mitgliedes des Bezirksaus\chusses in Oppeln,

den Regierungsassessor Dr. Ercklent in Wiesbaden zum ersten Stellvertreter des zweiten Mitgliedes des Bezirksausschusses in Wiesbaden und

den Regierungsrat Dr. Valentin in Bromberg zum ersten Stellvertreter des ersten Mitgliedes des Bezirksausschusses in Bromberg auf die Dauer ihres Hauptamts am Siße des Bezirksausschusses sowie

den Regierungsassessor Freiherrn Senfft von Pilsach in Bromberg zum zweiten Stellvertreter des ersten Mitgliedes des Bezirksaus\chusses in Bromberg auf die Dauer der Tätig- keit dieses Mitgliedes als Hilfsrichter bei dem Oberverwaltungs- gerichte zu ernennen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem Kaufmann Max Goldstein in Berlin-Schöneberg die Erlaubnis zur Annahme und Führung des ihm verliehenen Titels eines Fürstlih Lippischen Kommissionsrats mit der Maßgabe zu erteilen, daß bei der Führung des Titels die fremdherrliche Verleihung ersichtlih zu machen ist.

Auf den Berit vom 20, Juni d. J. will IG dèêm Kreise Züllichau-Schwiebus, Regierungsbezirk Frankfurt a. O., auf Grund des Geseßes vom 11. Juni 1874 (Geseß- samml. S. 221) hiermit für die Zeit bis zum 31. Dezember 1915 das Recht verleihen, das Grundeigentum, das zu den Anlagen für die Leitung und Verteilung des von dem Kreis- elektrizitätswerk in Tschicherzig erzeugten elektrishen Stromes innerhalb des Kreises Züllihau-Schwiebus, jedoh ausschließlich der Städte Züllichau, Schwiebus und Liebenau, in Anspruch zu nehmen ist, nötigenfalls im Wege der Enteignung zu erwerben oder, soweit dies ausreicht, mit einer dauernden

„Die eing

von Breitenbach. Sydow. von Dallwiß.

An die Minister der öffentlichen Arbeiten, für Handel und Gewerbe, für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und des Jnnern.

Yèinisterium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

_Die Oberförster stelle Zwangs2hof im Regierungs- bezirk Marienwerder ist zum 1. September 1913 zu beseßen. Bewerbungen müssen bis zum 10. August eingehen.

Die Oberförsterstelle Neumühl im Regierungsbezirk San O E qun E Olober 1918 U VOeBR BE werbungen müssen bis zum 15. August 1913 eingehen.

Ministerium des Innern.

Der Polizeihauptmann, charaîterisierte Polizeimajor B ich- mann in Berlin ist zum Polizeimajor ernannt worden.

Finanzministerium. Königlich Preußische Generallotteriedirektion. BerannitmaqQuna Die Erneuerungs lose sowie die Freilose zur 2. Klasse dér 83, Preußish - SiddeUtsGen (229. Köontalith Preußen) Klässenlotlerie ind. nah, den 885, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der entsprechenden Lose aus der 1. Klasse bis zum 4. August d. J., Abends 6 Uhr, bei Verlust des Anrecht s einzulösen. Die Ziehung dŒœ 2, Klassé dieés@ Lotterie wird am 8. August d. J., Morgens 81/5 Uhr, im Ziehungssaale des Lotteciegebäudes ihren Anfang nehmen. Berlin, den 28. Juli 1913. Königlich Preußische Generallotteriedirektion. Ulrich. Däumling.

Nichfamiliches.

Deutsches Reich. Préntsten. Berlik, 29, Fiüli 1913.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten heute in Balestrand an Bord der Jacht „Hohenzollern“ die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Jnsfanterie Freiherrn von Lyncker, des Chefs des Marine- fabinetts, Admirals von Müller und des Vertreters des Aus- wärtigen Amts, Gesandten von Treutler.

,

Gestern ist von dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts von Jagow und dem hiesigen niederländischen Ge- sandten nah einer Meldung des „W. T. B.“ ein Vertrag unterzeihnet worden, dur dene der am 21. September 1897 zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden abge- schlossene Auslieferungsvertrag auf das deutshe Schuß- gebiet Kiautschou ausgedehnt wird.

Laut Melbing dés W. Tes B.L2 ind am 27. Juli S. M. S. „Nürnberg“ in Schanghai und S. M. Tpdbt. „S. 90“ in Tungku, am 26. Juli S. M. Flußkanonenboot „Tsingtau“ in Nanking eingetroffen.

Bayern.

Seine Königliche Hoheit der Prinz-Regent ist

mit Gemahlin und den Prinzessinnentöchtern gestern vormittag zum Besuch in Nürnberg eingetroffen und auf dem Bahnhof vom Oberbürgermeister, den Spißen der Behörden, der Gene- ralität u. a. empfangen worden. Unter Glockengeläute und lebhaften Kundgebungen der Bevölkerung fuhren die hohen Herrschaften durch die festlih geschmüdckte Stadt zum Rathaus, wo Seine Königliche Hoheit der Prinz-Regent verschiedene Aus- zeihnungen verlieh, und von dort zur Königlihen Burg. Um ein Uhr fand dort Hoftafel statt, zu der zahlreihe Einladungen ergangen waren. Abends war Festvorstellung im Stadttheater.

Oefterrei-!ingarn.

Gestern hat in Prag eine Protestversammlung gegen die Einseßung der Regierungs8kommission stattgefunden. Nach Schluß der Versammlung kam es auf dem Wenzelplaß zu stürmischen tshehischen Kundgebungen gegen die Jung- tschechen und ihre Führer. Die Polizei zerstreute die Menge und nahm mehrere Verhaftungen vor.

Großbritaanien nd SFrlsand.

Im Oberhause lenkte gestern Lord Curzon die Auf- merksamkeit auf die Lage in Persien und Tibet.

Nach dem Bericht des „W. T. B.* nahm Lord Curzon in feinen Ausführungen über Persien Bezug auf das düstere Bild, das in dem im Februar veröffentlichten Blaubuch von der Lage in Süd- perfien entworfen worden sei, und erklärte, daß seitdem keine wesent- liche Aenderung eingetreten sei. Gerade hier, wo die britishen Inter- essen vorherrschten, sei die Lage der Dinge am traurigsten und sehr verschieden von den Verhältniffen im Norden, wo das Leben und das Eigentum verhältniemäßig sicher seien infolge der Anwesenheit einer übérmächtigen russishen Truppenmacht. Er könne es wohl verstehen, daß die Anwesenheit diefer großen Macht eine Garantie für die Sicherheit biete und der percsischen Regierung niht unwillklommen fet. Aber stehe nicht die Stärke dieser Tcuppenmacht in gar keinem Verhältnis zu dem, was Geseß und Ordnung in Nordpecsien erfordere, und könne man ganz sicher sein, daß die Anwesenheit der Truppea in voller Ueber- einstimmuna mit dem Geiste des english-russischen Abkommens sei, oder mit der Absicht, die Unabhängigkeit Persiens fortbestehen zu lassen? Englayd fönne nit lle Verantwocbüng für das, was i#* Nordpersien Vf bon Hl geisêè, Und (2 Bune au nit e. Besorgnis

Zung de iz en, dessen

nabbängigkeit sets alle betont hätten. Lerd Curzon wünschte alsdann der Regierung Glück zu der Zurückziehung der indischen Truppen vom südlichen Persien und bezeichnete die jeßige Politik der Negierung als Politik des Notbebelfs. Er forderte die Regierung auf, die Autorität der persishen Negterung nicht allein in einem Teil der neutralen Zone zu unterstüßen. sondern im Bereihß der ganzen Zone. Man müsse die persishe Regierung in den Stand seßen, eine Truppenmacht aufzustellen, um die Ordnung in jenem Bereich wieder herzustellen, und England müsse die Politik des Eisenbahnbau-s in der neutralen Zone energish verfolgen. Er wolle niht vorschlagen, daß England etwas hinter dem Nüken NRußlants tue, es solle vielmehr Hand in Hand mit ihm vorgehen. Curzon erklärte ferner, daß das Bagdadbahn- abkommen thm der Billigkeit zu entsprehen \chein-.

Der Lordpräsident des Geheimen Rats Viéêcount Morley ertlärte, eine forgfältige Prüfung der Lage in Pecs ien vor dem Abschluß des english-russishen Abkommens werde zetgen, daß die gegenwärtige Lage niht wesentlih \{limmer sci, und definierte alsdann die Politik der Negierung gegenüber Persien wie folgt: Aufrechterhaltung des englisch - russishen Abkommens nach Gelst und Buchstaben, AufreHterhaltung der Unab- hängigkeit Persiens und Vermeidung seiner wirts{aftlichen, administra- tiven oder politishen Teilung. „Während wir treu zu unserer gegen- wärtigen Allianz und zu unseren Verpflichtungen stehen“, fuhr Lord Meorley fort, „sind wir auch treu bedaht auf das Wobl Persiens und wünschen eine gewisse Form von konftitutioneller Negierung daselbit aufrecht zu erhalten. Wir werden keine Gelegenheit versäumen, die zerrüttete Lage, in der die persishe Negierung sh jeßt befindet, besser zu gestalten durch NMNatshläge und durch eine Unterstüßung, wie wir sie zu leisten für angemessen halten, und die persishe Regierung in den Stand zu seßen, die Ordnung auf den südlihen Straßen wieder herzustellen. Wir wüns@en ferner zu vermeiden, daß wir selbst in eine Politik der Abenteuer im südlichen Persien verwickelt werden, und wir müssen ferner uns hüten, in eine Lage gebracht zu werden, die die Empfindungen der Moham- medaner ia Indien verlcßen würde.“ Bezüglich der neutralen Zone erklärte Morley, daß Großbritannien und Rußland in voller Ein- tracht arbeiteten und daß in dem Zustand der neutralen Zone keine:lei Aenderung eingetreten sei noch erwogen werde. Ueber die Bagdadbahn sagte der Redner, der Hauptpunkt des Ab- kommens zwischen England und der Türkei sei, daß die Bagdad- bahn nicht über Basra hinaus gehen solle, und daß dfe britische Regierung jede Frage der Beteiligung an der Strecke Bagdad—Basra aufgeg:ben babe. Zwet britishe Aufsichtsräte würden dite Regierung über- jete Maßregel, betreffend Frachtraten oder Kontrolle, unter- rihten, sodaß sie nôtigenfalls diplomatische Vorstellungen erheben könne. Wegen Tibets würde unter den Auspizien Englanès eine Konferenz stattfinden. Rußland habe dem Prinzip zuge- stimmt, daß es fein Ret zu einer Intervention in der inneren Verwaltung Tibets habe. Das leßte, was die britische Negierung wünschen würde, wäre, sich in die inneren Angeleaenheiten Tibets zu mishen. Englands politisGe Interessen in jener Gegend beschrärften fich auf die Aufre{terhaltung freundsckaftlidzer Be- ziehungen und auf Frieden und Sicherheit längs der indischen Grenze. Die russishe Negterung wäre von dem Vorgehen und von allen Ub- fichten Englands in dieser Frage unterrihtet worden und hätte alles vollständig gebilligt. Die Konferenz würde in ungefähr drei Wochen in Simla zusammentreten.

Im weiteren Verlauf der Beratung erklärte der Lordgeheim- fiegelbewahrer Marguis of Crewe, es fei niht genau, wenn man sage, daß bezügli einer transpersfishen Eisenbahn irgend ein An- erbieten gimaht worden wäre. England wäre keinerlei Verpflichtung eingegangen “über das hinaus, was vor einigen Monaten von Lord Meorley mitgeteilt worden wäre. England stehe immer noch auf dem Stavdpunkt, daß die Linienführung einer solGen Babn, wenn immer

und wo immer sie gebaut würde, Englands Genehmtgung haben

zum Bau einer Linie nah Teheran innerhalb der russischen Zone, und der Bau einer folchen Linte sei daher Sache der ru}sis{hen R.

gterung. Frankreich.

Der Senat beriet gestern über das aus der Kammer zurückgekommene Budget.

__ Nah dem Bericht des ,W. T. B.“ erklärte der Senator Riboët, die finanzielle Lage würde sih \{wtierig gestalten auch ohne die mili, tärishen Lasten, die siŸ aus der Notw?ndigkeit ergeben, den An. strengungen Deutschlands zu begegnen. Ribot gab der Ansiht Aus- druck, Deutschland denke zwar nit an einen Angriff, aber es denfe vielleicht, daß seine Lage infolge der leßten Ereignisse weniger gut ge- sichert sei. Ferner erflärte er, alle müßten die Lasten des Militär- geseßes auf fich nehmen, obne daß ein Unterschied unter den Steuerpflihtigen gemacht werde. Das Land werde in männ- lih2r Weise die Opfer auf sich nehmen, die man von ibm fordere. Der Ministerpräsident Barthou versprach, daß das Budget für 1914 klar und aufrihtiig sein werde. Mit Anspielung auf die gegen. wärtige Lage sagte er fodann: „Die Eceignisse verstimmen uns auch jeßt noch, die Regierung ist aber zu jeder erforderlihen Initiative bereit, um den Frieden der Welt zu sihern.* In Erwiderung auf die durch Nibot ausgesprohene B?fürchtung erklärte der Minister- präsideat, man dürfe nit sagen, daß bestimmte Ausgaben durch be. stimmte Steuerzahler gedeckt werden müßien. Wenn aber bestimmt? Ausgaben das Defizit vermehren würden, würden die dadur er- forderlich werdenten Steuern auf denjenigen lasten, die imstande seien, fie zu tragen.

Darauf wurde die Generaldebatte geschlossen.

Der Senat lehnte den von der Kammer angenommenen Zusaßzantrag Malvy, wonah vom 1. Januar 1915 ab gewisse jezt bestehende Sieuern durch eine Einkommensteuer erseßt werden foLen, ab.

Die Finanzkommission des Senats befaßte fich gestern mit der finanziellen Seite des Gesetzes, betreffend die dreijährige Dienstzeit, und beshloß obiger Quelle zufolge, nur den Familien der Eingezogenen Unterstüßungsgelder zu be- willigen, während die Kammer auch den Freiwilligen und Kapi- tulanten diese Wohítat zuteil werden lassen wollte. Die Kom- mission beschränkte diese Unterstüßungen auf 15 pCt. der Mannschaft und seßte die täglihe Entshädigungssumme auf einen Frank für die Frau und 25 Centimes für jedes Kind herab. Die dadurch erzielte Ersparnis beläuft fich auf 69 Mil- lionen Franks.

JFtalien.

Wie die „Tribuna“ und andere Blätter melden, teilte der Ministerpräsident Gi ol itii dem Ministerrate in seiner gestrigen Sitzung mit, daß der Marineminister Leonardi Cattolico unwiderruflich entshlossen sei, zurückzutreten, da er den Wunsch habe, fich nah der langen und shweren Arbeit während und nah dem Kriege in das Privatleben zurückzuziehen. Der Ministerrat nahm von der Demission Kenntnis. Jn der nächsten Sißung, die heute stattfindet, wird über den Nachfolger Beschluß gefaßt werden.

Türkei.

Nach Meldungen der „Agence Bulgare“ versuchte gestern türkische Kavallerie in Stärke von einer halben Schwadron einen bulgarischen Posten bei Kaibiljar im Bezirk Kisil-Agatsh zu umzingeln. Die bulgarischen Soldaten wiesen den türkischen Angriff zurück, der dreimal wiederholt wurde, wobei 20 Mann fielen. 50 Baschibozuïs mit zwei Schwadronen Kavallerie drangen in das bulgarishe Städthen Goljem-Bojalük in dem- selben Bezirke ein, wurden aber zurückgeworfen. Eine andere Abteilung türkischer Kavallerie wurde von dem Dorfe Küzüklisse zurückgetrieben.

Mit den Serben hat vorgestern auf der ganzen Front kein ernster Zusammenstoß stattgefunden. Die Griechen unter- nahmen mit bedeutenden Kräften einen Angriff gegen den linken Flügel der Bulgaren, wurden aber durch einen Gegen- angriff gezwungen, den Rückzug anzutreten, wobei sie zwei Geschüße und ein Maschinengewehr zurückließen.

Rumänien.

Mit Nücksicht auf die Bestimmung des St. Petersburger Protokolls, wonach Bulgarien sich verpflichtet, die näher zu bestimmende Grenzzone niht zu befestigen, wird Rumänien, wie das „Wiener K. K. Telegraphen - Korrespondenzbureau“ meldet, die Schleifung der Befestigungen von Rust- \chuk und Schumla verlangen.

Außer den bereits genannten Ministern Majorescu, Jonescu und Marghiloman nehmen von seiten RNumäniens a1 der Bukarester Konferenz teil der Unterrichtsminister Dissesco, der General Coanda und der Unterhef im Generalstab Oberst Cristescu. Die Eröffnung der Konferenz erfolgt unter dem Vorsitz Majorescus.

Die Bevollmächtigten Serbiens und Montenegros für die Friedensverhandlungen find gestern vormittag in Bukarest ein- getroffen. Die Ankunft des griechishen Ministerpräsidenten Venizelos wurde gestern abend erwartet. Der „Agence Roumaine“ zufolge findet heute die offizielle Vorstellung und morgen die erste Konferenz, die im Ministerium des Aeußern abgehalten wird, statt.

Bulgarien.

Die Regierung hat in der Sobranje einen Gesezentwurf eingebracht, in dem der „Agence Bulgare“ zufolge ein Kredit von 50 000 Fr. für die verwundeten Soldaten und von 500 000 Fr. (nicht, wie ursprünglih gemeldet, 250 000 Fr.) für die mazedonischen Flüchtlinge angefordert wird.

Zimnerika. I

Wie „W. D: B.“ 0s Méekiko gemelbel wirs, hat Huerta den Forderungen der Vereinigten Staaten zugestimmt und versprochen, die geforderten Maßnahmen zur Verhaftung der für die Angriffe gegen fremde Unterianen verantwortlichen Personen zu ergreifen.

Die argentinishe Regierung hat, obiger Quelle zufolge, im Kongreß eine dem Shermangeseß nachgebildete Geseßzvorlage gegen die Trusts und einen Geseßentwurf über die Ausgabe von 15 Millionen Piaster Papier- geld eingebracht, die zur Deckung der vom Staate vorzu- nehmenden Ausbeutung der Petroleumquellen in Comodors NRivadavia dienen sollen.

Afien. Die chinesischen Jnsurgenten haben nach einer Mel- dung des „W. T. B.“ die Expedition nah Norden aufgegeben, aber Truppen abgeschickt, um Yangtshu zu bedrohen. Jn- zwischen konzentrieren sich die Regierungstruppen auf Nanking. Wie ferner aus Schanghai gemeldet wird, hat gestern

müßte. Alles, was sich ereignet babe, sei, daß ein Vorschlag vorliege

abend das Bombardement gegen die Rebellen begonnen.

Afrika. i

Nah Meldungen des „W. T. B.“ teilen Briefe aus Tetuan vom 2. d. M. mit, daß die Stadt eingeschlossen sei und mehrere Transporte auf der Noute nah Ceuta A griffen und aufgehoben worden seien. Zahlreiche Mauren be- reiten sich vor, an einem neuen heftigen Angriff teilzunehmen.

Wie ferner gemeldet wird, wurde an den Ufern des Ued Asmir eine Schar von Rifmännern durch eine spanische Kolonne auseinandergesprengt.

Statistik und Volkswirtschaft.

Ueber die Entwicklung der Reichsbank von ihrer Gründung im Fahre 1876 bis 1910

is eine umfassende Darstellung erschienen, der einige wichtige Tatsachen entnommen werden mögen. Die Yteichsbank ist bekanntlich gearündet worden, als in der großen Wirtschaftskrisfis des Jahres 1873 die Mängel tes zzersplitterten, mit geringen Mitteln ausgestatieten einzel- staatlichen Bankbetriebes sch zu deuilih gezeigt hatten es waren vielfa durch und durch solide Firmen zusammengebrochen, nur weil sie keine genügenden Barmittel gegen Wechsel beschaffen fonnten. Die Reichsbank erhtelt von vornherein das Necht, gegen Wechsel oder Lombard ungedeckte Noten, d. h. niht durch bares Geld gedeckte Noten, herauszugeben, von welhem Recht sie nur in äußerst vorsichtiger Weise Gebrauch gemackt hat. Es betrugen:

Noten- | fremde | x; E umlauf | Gelder | Wehsel | Lombard Mar?

M TO E | 356,6 E

681,0 193,3

736,9 203 1 3600 | O8 913,4 3931 463,2 | 62,6 1 007,4 484 1 D 9089 1114,s8 493,5 24 4 943 1901/05 979,8 1 258,6 569 4 839,8 73,6 1906/10 1 056,9 1514,5 G DODO O E Die Deckung der Noten durch den Barvórrat hat alfo etwa 70 bis 95 v. H. betragen und war am ungünstigsten im Jahrfünft 1906/10 mit kaum 70 v. H., am günstigsten im Jahrfünft des allgemeinen (Geldüberflusses in Europa, 1891/95, mit über 9 v. H. Jedenfalls it die Bardeckang im Ducchschnitt bei der Reichsbank günstiger als bei der Bank von Frankreich; nur die Bank von England hat einen überwiegend voll gedeckten Notenumlauf. Wichttg ift, daß der Notenumlauf erheblich stärker zugenommen hat als die Bevölkerung; die leßtere hat sih von 1876/80 zu 1906/10 um eiwa /z vermehrt, der Notenumlauf i um das 24 fache gestiegen, der Wechselumlauf um das 24 fache, der Bestand an „fremden Geldern“, Giroguthaben von Privaten und Staatekassen um das 31fahe. Das Grundkapital der NReichébank betrug ursprünglich 120 MiNionen Mark und wurde 1899 auf 180 Millionen Mark erhöht. Die Tatsahe der Geschäftszunahme wird be- leudtet durch das Anwachsen des Beamtenbesiandes von 1094 Personen im Jahre 1876 bis auf 3495 im Jahre 1910; die Verwaltungskosten sind von 54 auf 21,8 Millionen Mark ge- stiezen. Der Reingewinn ift außerordeniliZen Shwankungen unter- worfen: das ungünstigstz Jahr, 1879, hat nur 6,9 Millionen Mark Retngewinn ergeben, das günstigste, 1906, dagegen 52,3 Millionen Mark; für 1909 und 1910 ist der Reingewinn wieder auf 231 bezw. 27,7 Millionen Mark gesunken. Nicht ist,

in den Barvorrat

Jahrfünften

578,8 619,8 83965 | 958,6 | 886,2 |

1876/80 1881/85 1886/90 1891/99 . 1895/1900

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uninteressant daß beim Notenumlauf die 100-WVearksheine bei weitem überwiegen, und zwar sind es ständig etwa F bis 2 vom Gefamtbetrage des Noten- umlaufes gewesen, während auf die 1000-Marksceine bis 1905 4 bis 1 entfiel, feit 1906 jedoch nur noch 18—19 v. H., wofür die „kleineren“ Noten, die 50- und 20-Markicheine eine flärkere Verbreitung ge- funden haben in einer Verhältniszahl von je 6—8 v. H. (abjolut 1907/10 je 132 bis 150 Millionen Mark). Iun anderen Ländern ist die Verbreitung kleiner Noten größer; tin Rußland z. B. besteht nahezu die Hälfte des eiwa 3 Milliarden Mark betragenden Notens umlaufes aus kleinen Noten.

Zur Arbeiterbewegung.

Zu den Arbeitsstreitigkeiten im Berliner Baugewerbe berichtet die „Voss. Ztg.*", daß die im Gips- und Zementbaugewerbe Groß Berlins beschäftigten Nabitpuger, Spanner und Träger, soweit sie im Deutschen Bauarbeiterverband organijiert sind, gestern in stark besuchter Versammlung nah dreistündigen stürmischen BVer- handlungen den vom Einigung8amt des Gewerbegerichts gefällten Schiedöspruch in geheimer Äbstimmung mit großer Mehrheit abge- [chnt haben. E /

Dec seit vier Wochen andauernde Streik im Baugewerbe in Met ist beigelegt. Wie „W. T. B." berichtet, haben die Arbeit- geber und die Arbeitnehmer sich über die Bedingungen, unter denen die Arbeit wieder aufgenommen werden fol, geeinigt. Die Arbeit be- ginnt beute (Dienstag) auf allen Bauten. Fur die Maurer wurden 6 A und für die Bauhilfsarbeiter ebenfalls 6 „S Lobnerböhung, verteilt auf 3 Jahre, bewilligt. :

Aus Johannesburg wird dem genannten Bureau zu den Arbeitsstreitigkeiten im british-südafrikanishen Minengebitet ge- meldet: Der Gewerkschafisverband macht bekannt, daß er fich weigere, die Kommission, die die Vorgänge des Streiks vom 4. und 9. Juli untersulen soll, anzuerkenen, und fordert alle Arbeiter auf, ihr Zeugnis zu verweigern. Der Eindruck verstärkt si, daß der Streifausshuß ein definitives Vorgehen s Montag, den 4. August, der ein Feiertag ti, hinausschieben werde, da die Lohn- auszahlungen meist monatlich geshehen und zwischen dem 31. Zuli und dem 3. August fällig sind. Besorgnis erregt der Umstand, daß die Polizei unter den Eingeborenen aufrührerishe Litecatur in der Sprache der Eingeborenen gefunden hat, in der auf die Unruhen Bezug genommen wird, dic unter den weißen Stämmen ausbrechen werden. Es herrscht große Nachfrage nah Nahrungsmitteln, und man legt in Privathäusern Lager von Dorräken an, da man fürchtet, daß alle Verbindungen abgeschnitten werden würden. Sonst liegt das Geschäft till, und die Kaufleute ielegraphieren, daß alle Schiffs- laduncen zurüdckgehalten werden sollen.

Literatur.

S der Königlich preußishen Kunstsamm- E A Heft 2. Berlin, G. Grotesche Verlagsbuch- handlung, 1913. Das neuerschienene Heft wird eröffnet durch W. Bodes Charakteristik eines jüngst erworbenen weiblihen Duattro- centobildnisses im Kaiser Friedrih-Museum. Unter den berühmten florentinishen Profilköpfen der Frührenaifsance, die man früber alle zu Piero della Franceëca in Beziehung brachte, trat es bisher nicht hervor, weil es von einem Späteren, der das hâßlihe Motell zu ver- \chönern dachte, übe:malt worden war. Es ging daber au für einen verhältnismäßig geringen Preis bei der Versteigerung der Sammlung Taylor 1912 in den Besiß eines Münhener Kunsthändlers über. Jetzt, nah der Reinigung, erweist es sh als ein unzweifel- haftes Werk des Fra Filippo Lipp, aus defen früherer Zeit. Es dürfte urn 1440 entstanden sein. Die Bereicherung der Berliner Gemäldegalerie dur dieses Stück ist um so „wertvoller, als g sonst kein Einzelbildnis von der Hand des Meisters kennt. Oskar Wulff unternimmt es, in einer ausgedehnten Untersuung- aus- gehend von der 1903 erworbenen Marmorstatue eines harfenspielenden David im Katser Friedrih-Museum, die Persönlichkeit des

Nanni di Banco, den er als Urheber jenes Werks er- mittelt, in ihrer Bedeutung für die Anfänge der Renaifsanceplastik in Florenz zu würdigen. Es zeigt sih dabei, daß Nanni Giovanni), der Sohn des handwerklihen Bildhauers An1onio di Banco, mit Un- recht bloß als Mitläufer des Donatello angesehen wurde. Er ift vielmehr dessen verdienstvoller Wegbereiter, dessen Kunst ganz selbständig aus der des Trecento herau?gewachsen ist. Das Gesamtwerk des Meisters, dem außer der Berliner Statue noh andere frühe Arbeiten neu hinzugefüct werten, wird zum ersten Male verständlich gemacht aus den treibenden Faktoren der Entwicklung, den Anregungen der Antike und der allgemeinen Geshmackswandlung, wie aus der persönlihen Eigenart des mit ruhiger Konsequenz fortschreitenden Künstlers. Hermann Voß veröffentlicht eine von thm in der Leipziger Graphishen Sammlung entdeckte, vortreffliche Zeichnung des Hausbuchmeisters : ein Liebespaar, das wie sein berübmtes Gegenstück ín den Berliner Sammlungen, wohl in den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts entstanden ist. Detlev Fretherr von Hadeln atbt als Nachtrag zu seiner Studie über Parraëco Micheli eine Feder- \kizze des Berliner Kupferstihkabinetts wieder, die früher trr- tümlid dem Tiatoretto zugeschrieben wurde, in Wahrheit aber eine Studie für ein dem Parraëco Micheli 1563 in Auftrag gegebenes Gemälde des Dogenpalastes darstellt. Das Gemälde selbst ist {hon 1574 ein Raub der Flammen geworden. E

In dem gleichzeitig ausgegebenen Beiheft zum 33. Band des JFahrduchs wird von Karl Frey eine dritte Serie von Auszügen aus Archivalien dargeboten, die die Baugeschihhte der Petersktirche in Nom, und zwar diesmal von der Negierung Pauls I11. an bis zum Tode Migelangelos, erläutern. Thi; D.

Die deutsche Kriegsflotte 1913, herausgegeben von Dr. Siegfried Toehe Mittler. 2. Jahrgang. Verlag von E. S. Mittler und Sohn, Berlin (Preis 1 4). Der kürzlich erschienene 2. Jaßrgang bietet in gedrängter und allgemetn verständ- liher Form einen übeisihtlihen und zuverlässigen Wegweiser über den neuesten Stand des deutschen Flottenwesens und gibt erschöpfende Auékunft über alle unsere Kriegsflotte betreffenden Fragen. Der Leser findet zunächst eine vollständige Namensliste unserer Kriegs- schiffe, auh der im Bau befindlichen, tie durch 54 Skizzen der einzelnen Shiffétypen und -klassen in klarer Weise veranshaulicht werden. Dann sind die Kaiserlihen Werften mit Plänen von Kiel, Wilhelmshaven und Danzig, die Stüßpunkte und Werkstätten im Auslande, der Kaiser-Wilhelm-Kanal, die Garnifonen, Behörden, Häfen, Werstanlaaen und Depots der Kaiserlihen Marine behandelt. Shnen folgt eine Uebersicht des Militär- und Beamtenpersonalbestandes und der Indiensthaltungtkosten nah dem Etat 1913/14, das Budget der Marine und graphische Darstellungen der Gliederung von Schiffs- verbänden. An Erwetterungen und Neuerungen der diesjährigen Aus- gabe find außer der Vermehrung der Schiffsskizzen und Karten noch die Uebersicht über die größten Reedereten, die Marinebudgets und das Siäckeverhältnis der Floiten der Großmächte, das Marinelufts{if- und Flugiwesen sowie die Flottenstüßpunkte und Funkenstationen an der Nordsee und im Mittelmeer hervorzuheben. Das inhaltreihe und woblfeile Heft kann angelegentlihst empfohlen werden.

Die Gedankenwelt der modernen Arbetiterjugend. Eine Beleuchtung der roten Jugendbewegung von Pastor W. Ilgen- stein. Vierte, vermehrte und verbesserte Auflage (6. bis 7. Tausend) 219 Seiten. Selbstverlag des Verfassers, Charlottenburg, Goethe- strafe 5. Prets 1,60 6. Mit großer Sathkenntnis hat dec Ver- fasser in dieser Schrift, die zum ersten Male im Frühjahr 1912 ersien und in wenig mehr als Jahresfrist vier Auflagen erlebt hat, ein umfassendes Material über die soztaldemokratishe Jugendbewegung zusammengetragen. Die Schuift {pft aus einwandfreien Quellen und bletet ein ershütterndes Bild “einer wahren Flut von Haß und Eatstellurg, die sich an weite Kreise der in threr Empfängalihkeit und Urteilslosigkeit wehrlosen Jugend von jener Seite herandrängt. Wer diese unser Volksleben mit Vergiftung bedrohende Bewegung in posittyer Arbeit mit Erfolg bekämpfen will, muß sie bis in ihre Einzelheiten genau er- fannt haben. iese notwendige Kenntnis vermittelt die vorliegende Sgrift. In der neurn Auflage ist das ganze Zahlenmaterial dem gegenwärtigen Stand entsprechend erneuert. Wie stark das Wachstum der soztaldemokratishen Jugendbewegung ist, zeigt die Tatsache, daß die Zahl der Abonnenten des sozialdemokratischen Blattes „Die Arbeîiterjugend" in drei Jahren sih verdoppelt hat; 1910 waren es 45 000, im Frübjahr 1913 90000. Sozialdemokratische Jugend- aus\chüsse bestehen jeßt 637, während es 1911 nur 454 war: n. Deren Agitattonsbroschüre ist in mehr als 155000 Exemplaren, deren Jugendliederbuch - in mehr als 80000 Eremplaren verbreitet. Die Fugendsektionen der sozialdemokratischen Gewerkschaften zählen bereits 100 000 Mitglieder unter 18 Jahren.

O sstafrikanishe Landwirtschaft. Neiseschilderungen von Güterdirektor T. Hani sch, Dr. J. Schmidt und Mitterguts- besißer G. von Wallenberg-Pachaly. Mit 106 Abbildungen und einer farbigen Karte. (Heft 230 der „Arbeiten der Deutschen Landwirtschafisgesellschaft".) Verlog von Paul Parey, Berlin. Preis 3,50 #4. Die von der Deutshen Landwirtschafts- gesellshaft veranstalteten Gesellschaftsreisen erstreckten {fi früher mit nur einer Ausnahme lediglich auf landwirtshaftlich interessante Gegenden des JInlandes oder wenigstens des europäischen Auslandes. Im Jahre 1911 aber wurde nah gemein- samen Vorbereitungen mit der Kolonialabteitung der Deutschen Land- wirtschaftsgesellshast eine größere Gesellschaftsreise nah Ostafrika unternommen. Nach den Berichten, die die Verfasser in dem vorliegenden Buche niedergelegt haben, ist es im großen und ganzen durhaus gelungen, mit der kolonialen Landtwirischaft, besonders des deutshen Besiges, und mit den maßgebenden Faktoren in einen exrfreulihen Konnex zu kommen, sodaß die wissenschaftlihen wie die belletristisWen Schilderungen bon Landwirten gegeben besonders geeignet sind, auch zu Land- wirten zu sprechen, und hier einen Widerball des Grundsaßes erwecken werden, daß die Landwirtschaft im Mutterlande und dîie in den Tochtergebieten nah Möglichkeit Hand in Hand zu gehen haben. Eine Grundbedingung hier}ür ist es, wenn man si nicht in gleicher Weise über die koloniale Landwirtsckaft informieren kann, wie es die Teilnehmer an dieser Gesellschaftsreise taten sfih durch derartige, von Landwirten geschriebene und für Landwirte bestimmte Ab- handlungen ein richtiges Urteil zu veaischaffen.

Das Julikeft des „Reichsarbeitsblatts enthält neben der furzen Uebersicht über die Lage des Arbeitsmarkts im Juni mit bild- lien Darstellungen und ausführlichen Unterlagen sowie den Berichten über Stellenvermtttluno und Stellenlosigkeit in Angestelltenverbänden unter anderem Aufsäße über die Gliederung der deutschen Lohn- arbeitershaft nach der Bervfszählung von 1907, die Lage des Angestelltenstandes, die wirtschaftliche Lage der deutshen Bühnen- angehörigen, die Lohnverhältnisse in der obers{lesishen Montan- industrie. Die Verteilung der deutschen Lohnarbeiterschaft auf Stadt und Land wird auf Grund der Ergebnisse der legten Berufézählung in einer Fortsetzung des im Mai- und Juniheft er- schienenen Aufsagzes über „die Gliederung der deutshen Lohnarbeiter- haft" behandelt. Insbesondere wird dabei der Einfluß der in der Großstadt lebenden Industriearbeiter auf die Chehäufigkeit wie auf die Zahl der mehr als 50 Jahre alten Lohnarbeiter berüdsichtigt. Ferner wird nacbgewiesen, wie sih die Arbeiter nah der städtischen oder ländlihen Herkunft in den verschiedenen Berufszweigen der Industrie und des Handels verteilen, vor allem wird dabet der Umfang der Abwanderung vom Lande in die Stadt berücksichtigt. Ja den statistishen Beiträgen zur Lage des Angestelltenstandes handelt es sich zunächst um eine Erhebung des Verbandes deutscher Handlungs- gehilfen (Sig Leipzig) über Einkommen und Lebenshaltung verheirateter Handlungsgehilfen. Von 1352 solchen entfallen auf die Gehaltsstufe unter 1500 4: 27; 1500 bis 1800 6 Gehalt hatten 127, 1800 bis 2100 4: 213, 2100 bis 2400 4: 290, 2400 bis 3000 M: 369, 3000 bis 3600 Æ : 189, über 3600 4: 137. Die Höhe des Gehalts

wird mit der Größe des Wohnorts und der Dauer der kaufmännischen

Tätigkeit in Verbindung gebracht. Weitere Angaben betreffen die Fahresausgaben für Nahrung, Wohnung, Steuern und ähnliches. Die Ermittlungen des gleihen Verbandes über die zuleßt bezogenen Gehälter der die Stellenvermittlung in An- \spruch nehmenden Bewerber find wertvoll, weil fie die Entwicklung von 1896 bis 1911 zeigen. Die besseren Gehälter, von 2100 4 an aufwärts, haben von 42 v. H. im Jahre 1896 auf 102 v. H. im Jahre 1911, also beträhtlich zuge- nommen, die niedrigen Gehälter haben sich ftark vermindert, die Mittelgrupven weisen mäßige Steigerungen auf. Ermittlungen ähn- licher Art liegen vom Deutschen Technikerverband vor, nur daß hier niht das zuleßt bezogene, f\ondern das geforderte Gehalt zugrunde liegt und lediglich die Jahre 1909 bis 1912 gegenüber- gestellt werden. Aber auch. in diesem kurzen Zeitraum zeigt fh ein erheblißhes Wachsen der Ansprüche der Techniker. In dem Aufsaß über die wirtshaftlihe Lage der deutschen Bühnenangehörigen bildet die Grundlage für die Darstellung eine im JIahre 1907/08 von der Genossenschaft deutscher Bühnen- angehöriger veranstaltete Erhebung, deren Ergebnisse von Dr. Ch. Engel-Reimers bearbeitet worden sind. Auf Grund dteser Bearbeitung wird in kurzen Umrissen auf die wirtsSastlihe Lage der Theater- angehörigen insoweit etngegangen, als fich diefe aus der Arbeits- zeit und dem Einkommen der Theatermitglieder zu erkennen gibt. Die in dem Beitrag über die Lohnverhältni|lse? in der oberschlefischen Montanindustrie dargestellten äFahresdurhschnittslöhne sind der Statistik der oberschlesischen Berg- und Hüttenwerke entnommen. Sie zeigen, daß der Durchschnittsverdienst in der gesamten obers{lesis{chen Montanindustrie von 1905 bis 1908 in steigender Nichtung fih bewegte, um in den Fahren 1909 und 1910 etnen erheblichen Rüdckfall zu erfahren. Dieser wurde im Jahre 1911 nur wenig autgeglichen, aber 1912 erreichte der Durhschnittsverdienst” eine Höhe, die die Durchschnittslöhne aller früheren Jahre übertrifft. Eine Soaderbeilage zum Juliheft des „Reichsarbeitsblatts“ behandelt die NeŒt8beratung.der minder- bemittelten Volkskreise im Jahre 1912. Die Statistik wird alle drei Jahre in erweitertem Umfang aufgenommen, in den beiden Zwischenjahren werden nur die Zahlen der Auskünfte und Sthriftsäße veröffentliht. Die Erhebung ergibt eine starke Zunahme der Rechtsberatung; es haben im ganzen 916 Auskunftstellen berihtet gegen 872 im Vorjahr; von diesen wurden im Berichtsjahr 1841 364 Auskünfte erteilt und 468 028 Striftsäße angefertigt gegen 1717 892 Auskünfte und 439 781 Swriftsäße im Vorjahr. Neben den gemeindlihen und den staatlichen Nechtsauskunftstellen, denen von gemeinnüßigen Vereint- gungen, den Frauen-Rechtsauskunftstellen, denen von AÄrbeitnehmern und Arbeitgebern, den konfessionellen und denen von politishen Ver- einigungen sind erflmalig die Nechtsberatungseinrihtungen der Verbände von Privatangestellten berücksihtigt; auch die Rechtsberatung der ländlichen Bevölkerung ist behandelt.

Land- und Forstwirtschaft.

Saatenstand in Ungarn.

Nach dem Saatenstandsbericht des ungarishen Ackerbaumintsteriums vom 21. Juli d. I. hielt in der zweiten Hälfte des Monats Juli das überwiegend fühle und regnerishe Wetter an. Wolkenbruchartige Negen melden namentlich die südwestlihen Gegenden des Pester Komitats, feraer die Komitate Borsod, Gömör, Bereg, Szepes, Saros, Ung, Zemplen, Ugocsa, Szilagy, Szatmar, Szabolcs, Parmaros, Hajdu, Bihar und Bekes. Hagelschläge werden aus ungefähr 20 Ko- mitaten gemeldet, jedoh nur strihweise, weshalb fie nur unwesent- lihen Schaden anrichteten. Ueberschwemmungen werden gemeldet aus den Komitaten Jasz, Nagykunszolnok, Nyitra, Borsod, Ung, Bereg, Saros, Szepes, Zemplen, Bihar, Szatmar, Szilagy, Marmaros, Csanad, Arad, Torontal, Krassaszöreny, Temes, Alsofeher, Csik, Fogaras, Haromszek, Hunyad, Kolos, Maros-Torda, Nagykükülls, Szeben, Szolnok-Doboka, Torda-Aranyos ur.d Udvarhely. Die Ueber- \{@wemmungen verursachten zwar wesentlichen Schaden, der jedoch die landwirtshaftlichen Produkte kaum berührt. Am meisten Schaden litten die Mais- und Kartoffelpflanzen, dessen Größe jedoch bisher nit festgestellt werden konnte, folglih kann man behaupten, daß im Augenblicke der Gefahr der Schaden stark übecschäßt wurde. Bei den Halmfrüchten wurde der Schaden bereits bei den Endziffern in Betracht gezogen. Die Erntearbeiten sind sozusagen bereits überall beendet: (F3 bildet eine angenehme Enttäuschung, daß die gegenwärtigen Ziffern gegenüber der leßten Schäßung eine Besserung zeigen. Auch Roggen wurde beretts überall geerntet, und seine Qualität ist bedeutend besser, als früher angenommen wurde. Gerste wird bereits 'gedroshen. Das Ernteergebnis entspriht wohl den Erwartungen, wegen der Qualität sind jedo viele Klagen laut geworden. Infolge der Regengüsse find Körner gelb geworden. Weiße, für Brauzwecke geeignete Gersiengqualitäten find kaum an- zutreffen. Die Mais pflanze entwickelt sih im Undesdur schnitte befriedigend und schießt bereits in Blüte. In den südlichen und nordöstlichen Teile ves Landes sowie jenseits des Königssteiges ist die Entwiklung der Maispflanze infolge der übermäßigen Feuchtigkeit und des kühlen Wetters an vielen Stellen zurückgeblieben, nichts- destoweniger kann im Landesdurchschnitte der Stand als „mittel“ bezeichnet werden. Kartoffeln entwickeln sich s{chön und kräftig. Snfolge der übermäßigen Feuchtigkeit geht die Pflanze aber in vielen Gegenden in Fäulnis über, insbesondere betrifft dies Frühsaaten. Spâter angebaute Saaten stehen sehr schön. Im Landesdurchschnitte stehen Kartoffel „gutmittel". Die Zuckerrübe steht mit Ausnahme einzelner Komitate überall gut, stellenweise entwidelt fie fich fogar ausgezeihnet. Die Blätterung ist zumeist s{chön und üppig, und die dunkelgrünen Blätter bed-cken vollkommen den Boden. Infolze des überfeuhten Wetters wird indes Ueberwucherung durch Unkraut konstatiert. Im Landesdur{hschnitte ist der Standder Zucerrübe derzeit gut. Die Futterrübe hat sich überall kräftig und gut entwickelt. Die Na p8- saaten stehen überwiegend mittel, in einzeln-n Komitaten s{wahmittel. Fn vielen Gegenden wird die Qualität der RNapssaat durch Regengüsse vers{chlehtert. Gartengewächse entwickeln sich üppig und er- wünschen nunmehr warmes Wetter. Bohnen entwideln sih be- friedigend. Sonstige Hülsenfrüchte sind befriedigend. Kra ut- arten stehen überall {hôn. Die Entwicklung des Hopfens wird dur regneris{ches und windiges Wetter behindert. Im Landezdurch- schnitte dürfte der Hopfen ein Mittelerträgnis liefern. Hirse und Buchweizen kam das feuchte Wetter zuguie. Hanf und Flachs entwidelten sich vorteilhaft. Der. Hanf ist \{chön, dicht und gleihmäßig und überwiegend hoh. Die Tabak- pflanze entwidckelte fich im Landesdurhschnitte befriedigend. Die Blätter sind entsprehend groß und die Erntcaussichten im allgemeinen gut. Künstlihes Futter, Weiden und Wiesen erhielten ge- nügende Niederschläge und gedeihen sehr gut. Von den Obstgat- tungen versprechen die Aprikosen eine bessere Fechsung, die Zwetschken sind stellenweise gut, überwiegend dürfte der Ertrag befriedigend sein, Nüsse und Haselnüsse versprehen ein gutes Erträgnie, und au die Aepfel und Birnen sowie der Weinstock stehen im Landesdurchschnitt \{höôn, doch bedarf der Weinstok Sonnenschein und warmes Wetter.

(Wiener Zeitung.)

Ernteaussihten und Erntéergebnisse in Nußland.

Der Kaiserliche Konsul in Rostoff am Don berichtet unterm 17, U: i:

Wenngleich ansehnlihe Anbauflähen unter Unwetter und Hagel- \chlag gelitten haben, so lauten die Nachrichten über die Ernteaussicht-n aus dem Konsulatsbezirke nah wte vor außerordentlih günstig. Der Taganroger Kreis dürfte allerdings in verschiedenen Teilen im Gegensaß zu früheren Jahren ein recht shwaches Ernteergebnts haben, da aus dieser Gegend über besonders häufige Hagel- \chläge berihtet wtrd, ebenfalls wird aus diesem Kreise über starkes Vorkommen von Unkraut im Getreide Klage geführt. Nach ober-

flählihec Schäßung dürfte die durh Hagel vernichtete Flähe einen