1913 / 178 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

zut; Uebungen zur Fütterungslehre; Landwirtschaftliße Demon- strationen auf dem akademischen Gute Dikopshof.

Prof. Dr. Brinkmann: Geschichfe der Landwirtschaft; Be- trieb8lehre (I. Teil); Abshäßungslehre; Landwirtschaftlihes Seminar. __ Prof. Dr. Gieseler, Geh. Neg.-Rat: Experimentalphysik (Elektrizität und Mechanik); Physikalishes und maschinelles Praftikum ; Landwirts. Maschinenkunde (Motore, Dreshmaschinen usw.); Grund- züge der Mechanik und Hydraulik.

Prof. Dr. Kreusler, Geh. Reg.-Rat, Direktor: Anorganishe Erverimentalchemie; Chemisches Praftikum (vermehrte Stunden nah Bedarf); Landwirtschaftliße Technologie.

Prof. Dr. Koernicke: Anatomie und Physiologie der Pflanzen ; Mikroskopishe Uebungen.

Prof. Dr. Hagemann: Anatomie und Physiologie Hausfäugetiere; Vererbung und Fortpflanzung der Spezielle Gesundheitspflege der Haustiere. -

Prof. Hu ppert, Geh. Reg.-Rat: Landwirtschaftlihe Baukunde ; Brücken-, Wehr-, Schleusen- und Wegebau; Baulechnische Uebungen ; Bautechnishes Seminar; Fischzucht.

Prof. Müller: Trafssieren, für I. Studienjahr; Aus8gleihungs- rechnung, für I. Studienjahr ; Geodätishes Rechnen, für I. Studienjahr ; Ausgleihung8rechnung, für IL. Studienjahr; Geodätishes Seminar, für Il. Studienjahr; Geodâtishe Uebungen: I. Studienjahr : Nivellieren, Ausgleihung8rehnung u. geographische Ortsbestimmung; II. Studien- jahr: Ausgleihungsrechnung, Trassieren.

Prof. Hillmer: Landesvermefsung, für IT. Studienjahr; Land- meß- und Instrumentenlehre, für 1. Studienjahr; Geodätishes Seminar, für 11. Studienjahr; ODarstellende Geometrie, für 1. Studienjahr; Geodôätishe Uebungen: I. Studienjahr: Landmeß- lehre und Zeichnen; II. Studienjahr: Landmeß- und Instrumenten- lehre, Landesvermessung.

Prof. Nuhm: Sphärishe Trigonometrie für 1. Studienjahr : Entwerfen von Kartennetzen, für I. Studienjahr; Analytishe Geo- metrie, für L. Studienjahr; Höhere Analysis, für 1. Studienjahr ; Mathbematishe Uebungen.

Prof. Dr. Brauns, Geh. Bergrat:

logishe Uebungen. : Direktor der Genofsenschaft4bank für

der Säugetiere ;

Mineralogie ;

Minera- Feldmann, Nhein- preußen: Genofsenshaftlihe Praxis. Kreiêtierarzt Dr. Gre be: Seuchen und innere Krankheiten der Hauêtiere. Forstmeister, Prof. Hoffmann: Iagdgeschichte. MNegierung8- und Geheimer Baurat Künzel: Kulturtehnik, für 1. Studienjahr; Kulturtehnishes Seminar, für Il. Studienjahr ; Kulturtehnishe Uebungen, für 11. Studienjahr. Professor Dr. Neubauer, Direktor der landw. Versuchsstation in Bonn: Warenkunde. Prof. Dr. Polis, Direktor des Aachener Meteorologishen Observatoriums : Witterungskunde. Dr. Schauseil, Landesrat: Privates Versicherungswesen. Amtsgerihtsrat, Prof. Dr. Shumacher: Bürgerlihes Recht mit Uebungen ; Besondere Nechtskunde; Besondere Verwaltungskunde ; Genofssenschaftsrecht. . Prof. Dr. Selter: Persönliche und soziale Gesundheitspflege. Prof. Dr. Strubell: Landwirtschaftliche Zoologie (I. Teil). Prof. Dr. Wygodzinski: Volkswirtschaftslehre; Agrarfrage der Gegenwart; Landwtrtschaftlihe Verwaltung; Volkswirtschaft- lie Uebungen; Volkswirt\haftlihes Seminar f. Vorgeschrittene (alle 14 Tage je 2 Stunden).

Forstbenußung; Forst- und

Privatvorlesungen: Priv.-Dozent Dr. Hecker: Landwirtschaftlißhe Klimalehre L Seil).

Priv.-Dozent Dr. Samel: Mathematishe Behandlung von Versuchszahlen (Gebührenfrej).

Außerdem finden landwirtschaftliche, forstwoirtschaftlihez kultur- technische usw. Auéflüge in die nähere Umgebung fowie in die benaH- barten Provinzen und in das Ausland statt.

Den Studierenden ist Gelegenheit gegeben, zur Erweiterung ihrer Fachausbisdung an den umfafsenderen Arbeiten und Uebungen der Akademieinstitute teilzunehmen. Als solhe kommen in Frage:

1) Anleitung zur selbständigen Bearbeitung von Versuchsfcagen aus dem Gebiet der Boden- und Pflanzenbaulehre, Pflanzenzüchterishe Uebungen,

Uebungen auf dem Gebiete der Tierzuchtlehre, Uebungen in der Behandlung und Prüfung landwirtschaft- licher Maschinen, Selbständige Arbeiten im Botanischen Institut, Ganztägiges Praktikum auf dem Gebiet der Anatomie und Physiologie der Tiere für Vorgeschrittenere, Anleitung zu selbständigen Arbeiten aus dem Gebiet der Volksrwoirtschaftslehre. __Zur Erlernung der Stenographte (Stolze-Schrey) wird je ein einstündiger Kursus für Anfänger und für Fortgeschrittene von dem geprüften Lehrer der Stenographie H. Schneider abgehalten.

Die Aufnahmen neu eintretender Studierender beginnen Donners- tag, den 16. Oktober, und finden bis eins{chl. Dienstag, den 4. No- vember 1913, ftatt. Später eintreffende Studierende haben die Genehmigung zur nahträglißen Jmmatrikulation bei der Universität, unter Angabe der Gründe ihrer verspäteten Meldung, \chriftlich bei dem Direktor der Akademie nachzusuchen.

Die landwirtschaftlihen und kulturtehnishen Vorlesungen be- ginnen Donnerstag, den 23. Oktober, die geodätishen Donnerstag, den 30. Oktober 1913.

_ An der Akademie werden Landwirte und Landmesser (‘Seodâten) ausgebildet. Die Landwirte können nah zweijährigem Studium eine Diplomprüfung, nah dreijähcigem Studium die Landwirtshaftélehrerprüfung (nah Maßgabe der für diese Prüfungen geltenden Vorschriften) ablegen. Außerdem ist eine «Wissenschaftlihe Prüfung für Tierzuchtinspektoren“ eingerichtet. Alle in Preußen öffentlich angestellten Landmesser müssen die Landmesserprüfung nah den ergangenen Bestimmungen abgelegt haben. An der Akademie besteht eine Prüfungs- fommission für Landmefser. Mit der Landmesserprüfung kann eine umfassendere Prüfung in Landeskulturtehnik verbunden werden. Diese Prüfung müssen alle Landmesser mindestens befriedigend abgeleg haben, die bei Behörden, die dem preußishen Landwirtschafts- ministerium unterstehen, dauernd beschäftigt werden wollen.

Die an der Akademie aufgenommenen Studierenden werden bei der Universität Bonn immatrikuliert und genießen alle Rechte von Universitätsstudenten.

Neu eintretende Studierende haben bei der Meldung zur Auf- nahme außer den Nahweisen über Schul- und Beritfvordilbung ein Sittenzeugnis der Polizeibehörde ihres leßten Aufenthaltsortes beizu- bringen, Minderjährige außerdem eine Einwilligungserklärung des Vaters oder des Vormundes. Kommen die Studierenden unmittetbar von einer anderen Hochschule, so ist das Abgangszeugnis von dieser vorzulegen und ein besonderes Sittenzeugnis nicht erforderlich.

Ein Internat ist mit der Akademie niht verbunden. Die Akademiker wohnen in Privathäusern. Wohnungen, mit und ohne Beköstigung, den verschiedensten Wünschen und Anforderungen ents- spreWend, find in ausreihender Zahl vorhanden.

Die Miete für ein Zimmer beträgt monatlich mit Frübstück etwa 30 #, mit voller Beköstigung 70 4 und darüber. Mittagstish im Gasthaus fostet etwa 1 4. Die Kosten für den gesamten Unter- halt eines Studierenden stellen sich bei mittleren Ansprüchen etwa auf 120 #4 monatlich, also im Jahre (für 8 Studienmonate) auf rund 900 bis 1000 4 (ohne Studienhonorar).

__ Das Studienhonorar beträgt 120 Æ, für Reichsausländer 180 46 für jedes Halbjahr und muß am Anfange des Halbjahrs entrichtet werden. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit und Würdigkeit kann das Honorar preußischen Staatsangehörigen vom zwetten Studienhalbjahr ab innerhalb der zulässigen Zahl von Freistellen ganz oder

einzelnen bedürstigen Studierenden preußischer Staatsangehörigkeit, die fih durh Fleiß und Woblverhalten auêzeihnen, Beihilfen, und läßt folhén Studierenden meistens das Honorar zurüczahlen.

Auf Anfragen wegen Eintritts in die Akademie ist der Unter- zeichnete gern bereit, nähere Auskunft zu erteilen. Drucksachen über die Einrichtungen der Akademie sowie Lehrpläne versendet das Sekretariat der Akademie auf Ersuchen kostenfrei.

Bonn, im Juli 1913. Der Direktor der Königl. landwirtschaftlihen Akademie. Kreusler, Geheimer Regierungsrat.

Nichtamtliches. Deutsches Reich. -

PVPreuf;en. Berlin, 30. Juli 1913.

Die Amtlichen Nachrichten des Reichsversiche- rungs§amts enthalten in der Nummer 7 vom 15. Juli d. J. im Amtlichen Teile unter À (Allgemeines) eine Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers, be- treffend Uebergangsbestimmungen zur Reichsversicherungs- ordnung, vom 8. Juni 1913, ferner einen Nachtrag zum Ver- zeichnis der von: den obersten Verwaltungsbehörden der Bundes- staaten zur Durchführung der Reichsversicherungsordnung bestimmten Landesbehörden vom 30. Juni 19183.

Unter B (Unfallversiherung) folgen Rekursentschei- dungen und andere Entscheidungen der Senate in Unfall- versicherungssachen über folgende Gegenstände :

Als Jahresarbeitsverdienst gilt im Sinne des § 570 der Neichs- versiherungs8ordnung das Dreihundertfahe des Ortslohns für Er- wachsene über einundzwanzig Jahre auch dann, wenn der Verlette keinen Entgelt im Betriebe bezogen hat [2625] *);

Zur Anwendung des Artikel 60 des Einführungsgeseßzes zur Reichsversiherungëockdnung und des § 563 Abs. 2 der Neichsver- siherungsordnung [2626];

Die den Ansprüchen der Aszendenten etwa günstigeren Vorschriften der Neichsversicherungsordnung über die Voraussetzungen der Aszendentenansprüchhe finden auf Ansprüche aus Unfällen vor dem 1. Januar 1913 keine Anwendung [2627].

Die Hilfeleistung eines Gastwirts, der nebenbei Landwirtschaft betreibt, für einen Gurkenhändler und Landwirt beim Gurkenverladen auf der Bahn ist nicht als landwirtschaftlih versicherte (nachbarlicße) Gefälligkeitsleistung angesehen [2628].

Die Rentenfestfeßung nah Abs{chluß eines Heilverfahrens außer- halb einer Heilanstalt wird erst wirksam mit dem Ablauf des Monats, in dem der Festsezungsbescheid zugestellt ist [2629] ;

Es s{ließen sich an Bescheide und Beshlüsse über nachstehende Gegenstände :

In Auslegung des § 69 Abf. 1 und 3 der Mustersaßung für gewerbliche Berufsgenossen|haften können Betriebsbeamte und andere unter § 54 der jeßigen Saßzung fallende Personen nur an der Ver- sicherung teilnehmen, wenn und folange ihr Jahresarbeitsverdienst sich in den tn der Satzung bezeichneten Grenzen hält [2630];

Die Gewerbebetriebe der Geometer sind bei den örtlichen Bau- gewerks-Berufsgenofsenschaften versichert, fofern sie ih auf Bauarbeiten, für deren Versicherung diese zuständig find, erstrecken [2631].

_Der Abschnitt C (Kranken-, Jnvaliden- und Hinter- bliebenenversiherung) enthält zwei Bekanntmachungen über die Befreiung von dexr Verficherungspflicht nah § 1242 der Reichsversicherurgsordnung vom 2. Juni 1913, ferner folgende grundsäßliche Revisionsentscheidungen :

Die Revision wird durch § 1696 Nr. 1 der Reichéversicherungs- ordnung dann nicht ausgeschlossen, wenn zwar der Rentenbezug nur für einen nah Anfang und Ende bestimmten Zeitraum beantragt ist, der Versiherungsträger «ber eine Nente überhaupt niht gewähren will. Der Anspru auf Invalidenrente ist wirksam „erhoben“ im Sinne des § 1303 der Reichsversicherungs8ordnung, au wenn der Versicherte stirbt, bevor der von ihm bei der Ortsbehörde gestellte Antrag bei dem Versicherung8amt eingeht. (Abweichend § 41 Abs. 4 des Invaliden- versicherungsgeseßes und Revisiontentsheidung 1225, Amtliche Nach- rihten des N.-V.-A. 1905 Seite 495 [1713]):

Bei der freiwilligen Versicherung ist der Wille des Versicherten regelmäßig dahin auszulegen, daß die Beiträge innerhalb der Grenzen des S 1443 der Neichsversiherung8ordnung 146 des Invaliden- versiherungsgeseßes) au auf abgelaufene Anwartschaftsfristen anzu- rechnen sind, foweit es zur Wiederherstellung der Anwartschaft er- forderlich ist. Ein entgegenstehender Wille des Versiwerten ist unter der Herrschaft des Invalidenversicherung8sgeseßes niht son daraus zu folgern, daß die Marken mit Entwertungsvermerken aus einer späteren Zeit versehen sind [1714];

__ Die Vorschrift des § 1444 Abf. 2 der Reichsversicherungêordnung ist auf den Lauf oder Ablauf der Antoartschaftsfrist des®8§ 1280 a. a. O. ohne- Einfluß [1715]:

In der Bestrafung eines Arbeitgebers wegen Nichtentrichtung von Pflichtbeiträgen liegt ein An-rfkenntnis der -Versicherungspfliht dur die Versicherungsanfstalt im Sinne des § 1445 Abf. 2 Saß 2 der Neichsversicherungsordnung [1716] ;

Die Vorschrift des § 1445 Abs. 3 der Neichsversicherungsordnung seßt nit voraus, daß mindestens 100 Beiträge auf Grund gesezlicher Versicherungspfliht geleistet find [1717];

__ Wer gefundene Marken in seine Quittungskarte einklebt, verwendet nicht Marken in betrügerischer Absicht 1445 Abf. 3 der Reichs- versiherungëordnung) wénn er an sich zur Markenverwendung be- rechtigt ift [1718];

__ Die Entscheidung 1719 beschäftigt \sich aus Anlaß der Beitrags- leistung für den Wächter einer WaŸh- und Schließgesellshaft mit der Auslegung der 88 153, 154 und 155 der Neichsversicherung8ordnung (Beschäftigungsort).

_Die Entscheidung 1720 bejaht die Versicherungspflichßt von Kiefernzapfenpflückern, welhe die von ihnen in fiskalisßen Wäldern mit Erlaubnis der Forstverwaltung gesammelten Zapfen nit an die Forstverwaltung, sondern an bestimmte, ihnen von der Forsiverwal- tung bezeihnete Aufkäufer abliefern. Arbeitgeberin ist die Forst- verwaltung.

In der Entscheidung 1721 ist ausgesprochen, daß das Oberversiche- rung8amt bei Abgabe einer Sache an das Reichsversicherungsamt nah § 1799 der Reichéversiherungëordnung seine Rechtsauffassung zu be- gründen hat (zu vergleichen § 1693 a. a. O.).

Zu dem Antrag d2s Arbeitgebers gemäß § 1329 Say 3 der Neicheversiherungsordnung is nicht nur die Versicherungsanftalt des Betriebe sies, sondern auch die jeweils beteiligte sonstige Versicherungs- anstalt zu hören. Der Antrag wird mit dem Zeitpunkt wirksam, zu if T1722) der zuerst angegangenen Versicherungsanstalt eingegangen l (221.

Der Bescheid 1723 legt den Artikel 68 des Einführungsgesetes zur Reichéversicherungsordnung dabin aus, daß vom 1. Januar 1931 ab ein Anspruh auf Hinterbliebenenbezüge nur dann besteht, wenn nach dem 1. Januar 1912 eine Wartezeit von 200 beziehungsweise 900 Beitragswochen zurückgelegt worden ist. Auh werden bei der Berechnung der Hinterbliebenenbezüge vom 1. Januar 1931 ab nur die nach dem 1. Januar 1912 verwendeten Marken berüsichtigt werden Tönnen.

*) Die neben den einzelnen Entscheidungen stehenden ein- geklammerten Zahlen geben die Ziffer an, unter der diese in den

teilweise zurückerstattet werden. Auch gewährt das Ministerium

Dagegen ist es nit erforderlih, vaß ih unter den nah dem 1. Januar 1912 entrihte:en Beiträgen ¿nindestens 100 befinden, die auf Grund der Versiherungspfliht eder der Berechtigung zur Selbst, versicherung entrihtet worden find.

Die Versicherungkanstalt ist nicht verpflichtet, bei Zustellungen mittels eingeshriebenen Briefen auf Erfordern des Oberversicherungs- amts den Lag dec Zustellung in ihren Akten nahzuweisen [1724].

Endlich aen die Uebersichten über Zahlungen aus Invaliden-, Kranken- und Altersrenten der 31 Versicherungsanstalten und über Versicherungsleistung-8 dieser Anstalten an Hinterbliebene im Monat Mai 1913, endlih über den Erlös aus Beitragsmarkzn im Monat Juni 1913.

Der Nichtamtliche Teil bringt zwei Entscheidungen des Reichsgerichts. Die erste (vom 7. Februar 1913) erörtert das Verhältnis der von den Berufsgenofsenschaftsvorständen verhängten Strafen (S 146 des Gewerbe-Unfallversicherungs- geseßes) zu dem allgemeinen Sk?rafrecht, insbesondere zu S 263 des Reichsstrafgeseßbuhs. Die zweite (vom 29. März 1913) handelt von der Haftung des Fabrikunternehmers nah bürgerlihem Rechte für den über die Leistung der Bauberufsgeno|\senshaft hinausgehenden Schaden infolge eines in seinem Betriebe vorgekommenen Unfalls eirer betriebs- fremden Person. Es folgt die Entscheidung eines Oberlandes- gerihts vom 2. Mai 1912 über die Schadenersaßpflicht der Post bei Zahlungen auf Grund gefälshter Anweisungen und Quittungen und eine Anzeige des Jubiläums-Gedenkwerkes „Soziale Kultur und Volkswohlfahrt wöhrend der ersten 25 Regierungsjahre Kaiser Wilhelm T1.“

Hiteran {ließen sich vier ärztlihe Obergutachten :

Ueber den ursählihen Zusammenhang zwishen etnem Sturz in die Elbe und einer tödlihen Erkrankung an Typhus von dem Geheimen Medizinalrat Professor Dr. Kraus in Berlin (Nr. 137 der Sammlung): über den ursählihen Zusammenhang zwischen einem Schlage gegen die rechte obere Bauchseite und dem etwa 5 Monate \ßäter eingetretenen Tode an Gallenblasenkrebs von dem Geheimen Sanitätsrat Profeffor Dr. Thiem in Cottbus (Ne. 138); übec den ursählihen Zufammen- hang zwischen einer wiederholten Quetshung der rechien kleinen Zehe und einem Drüsenkrebs der rechten Schenkelbeuge von demselben Sach- verständigen (Nr. 139); über den urfächlichen Zusammenhang zwichen einem Sarkom am linken Oberschenkel und einer Quetschung dieses

Körpcrtetil3 von demselben Sachverständigen (Nr. 140).

Während des Vierteljahrs vom 1. April bis 30. Juni 1913 haben 14623 Schiffe (gegen 15003 Schiffe in demselben Vierteljahr 1912) mit einem Nettoraumgehalt von 2510221 Registertons (1912: 2316 192 Registertons) den Kaiser Wilhelm-Kanal benußt und, nach Abzug des auf die Kanalabgabe in Anrehnung zu bringenden Elb- lotsgeldes, an Gebühren 1 086 601 4 (1912: 1010 339 4) entrichtet.

Davon entfielen auf den Monat Juni 1913 4936 Schiffe (1912: 5662 Schiffe) von 865748 Registertons (1912: S590 915 Registertons) und 380 774 M (1912: 369 869 M) Gebühren.

Oefterreic{-Ungarn.

Der Kaiser Franz Joseph hat gestern vormittag in Bad Js{chl den Kriegsminister von Krobatin in Audienz empfangen.

Bei der gestrigen Vereidigung der Mitglieder der böhmischen Landesverwaltungskommission hielt der Präsident Graf Schönborn eine Rede, in der er nach einer teldung des „W. T. B.“ erklärte:

Die Kommission habe infolge des außerordentlich'n und vorüber- gebenden Charakters threr Aufgabe die Pflicht, ihre Tätigkeit auf die laufenden Angelegenheiten zu beschränfen. Ihre Tätigkeit müsse rein sahlich sein und politishe Streitigkeiten vermeiden. Unbedingte Un- parteilihkeit gegenüber allen (Selellshaftsflafsen, insb: sondere aber gegenüber den beiden Nationalitäten müsse die erste Pfliht der Kom- mission bilden. Weite Kreise der Bevölkerung kämen der Kommission nicht mit besonderem Vertrauen entgegen, fie müsse sh dieses Ver- trauen erwerben.

Schließlih sprach der Redner die Hoffnung aus, daß in der Landesverwaltung Böhmens fo bald wie möglih normale Verhältnisse wiederkehren.

Die t\hechischen Landesaus\chußbeisißer erschienen gestern vormittag bei dem Statthalter Fürsten Thun und überreihten ihm einen Protest gegen die die Landesordnung verleßende Einseßung der Landesverwaltungskommission.

Großbritannien vus Frland.

Wie das „Reutersche Bureau“ erfährt, wurde in der gestrigen Sizung der Botschaftervereinigung, die drei Stunden dauerte, die Frage des albanischen Statuts endgültig geregelt. Albanien soll von einem Fürsten regiert werden, der innerhalb von sechs Monaten ernannt werden wird. Jnzwischen soll die Verwaltung Albaniens organisiert werden. Zu diesem Zwecke entsenden die Mächte eine Kommission, bestehend aus einem Vertreter Albaniens und je einem Vertreter jeder Macht, die die Grund- züge der Gemeindeverwaltung und der anderen Arten der Ver- waltung, die jeßt shon im Lande bestehen, kennen lernen und dann den Mächten Vorschläge für die künftige Organisation machen soll. Die Kommission soll sobald als möglich zusammen- treten. Die Gendarmerie soll von \{chwedishen Offfzieren be- fehligt werden. Die Mächte werden die {hwedishe Regierung bitten, einen höheren Offizier zu ernennen, der die Kom- mission nah Albanien begleiten soll, um festzustellen, wie viele Offiziere nötig sein werden. Die Botschaftervereinigung wird sih in der nächsten Sißung am Freitag mit der Frage der Südgrenze Albaniens beschäftigen. Die Frage des türkishen Vormarshes wurde in der gestrigen Sigzung nicht angeschnitten, aber sie bildete nahher den Gegenstand besonderer Besprechungen zwischen den Botschaftern.

SFranéreich.

Der Senat hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, das Gesamtbudget und ferner mit 223 gegen 68 Stimmen einen Resolutionsentwurf angenommen, der den Entschluß bekräftigt, in der nächsten Session einen Geseßentwurf zu beraten, der eine allgemeine progressive Einkommensteuer einführt.

Die Armeekommission des Senats hat den Schlußberiht Doumers über das Gesetz, betreffend die drei- jährige Dienstzeit, angenommen. Der Berichterstatter wurde beauftragt, dem bestimmten Wunsche der Kommission Ausdruck zu geben, nah der Votierung die zahlreihen Unvoll-

e Amtlichen Nachrichten" veröffentliht sind.

fommenheiten des Geseßzes verbefsert zu sehen.

Jtalien.

Der König hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, die Demission des Marineministers Leonardi Cattolica angenommen und an seiner Stelle den Konteradmiral Henri Millo zum Marineminister ernannt.

Niederlande.

Der Staatsminister Asser, Mitglied der Friedensfkonferenz und Organisator der Konferenzen für internationales Privat- recht, ist einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge gestern im Haag gestorben.

Norwegen.

Der König Haakon ist mit dem Minister des Aeußern JIrgens und Gefolge: gestern in Balestrand eingetroffen.

Türkei.

Der Thronfolger und Prinz Ziaeddin sind gestern vormittag in Adrianopel eingetroffen und vom Wali, den Zivil- und Militärbehörden, den geistlichen Oberhäuptern und den Notabeln empfangen worden. Wie „W. T. B.“ meldet, bereitete die Bevölkerung den Prinzen einen begeisterten Empfang. Der Thronfolger hielt eine Rede, in der er sagte: „Es war shmerzlich für uns, Adrianopel, die ¿weite Hauptstadt der Türkei, die von meinem Ahnherrn erobert worden ist, in die Hände des Feindes fallen zu sehen. Jch danke Gott, daß die Stadt dur den Mut unserer Armee wiedererobert ist.“ -Am Nachmittag fand unter Vorsiß des Mufti eine Versammlung statt, die dem Wunsch der Bevölkerung Ausdruck verlieh, daß Adrianopel der Türkei verbleibe.

Die serbischen Truppen, die vor Widin selbst eingetroffen sind, haben, dem Belgrader Preßbureau zufolge, die Einschließungslinien geschlossen und das Dorf Tapartchij, drei Kilometer von der Stadt entfernt, beseßt. Von den ser- bischen Stellungen aus sah man, daß in Widin die weiße Flagge gehißt wurde, aber der Feind entshloß fih dennoch, die Stadt bis auf das äußerste zu verteidigen. Die serbischen Stellungen an der alten Grenze wurden heute von den Bul- garen angegriffen, wie in den leßten drei Tagen die serbischen Stellungen in der Nähe von Vlassina. Aber alle ihre Angriffe wurden zurückgewiesen.

Nach einer vom „W. T. B.“ verbreiteten Depesche aus dem griehishen Hauptquartier vom gestrigen Tage hatten sich die Bulgaren nah der Niederlage vom 26. Juli gegen Dzumaja zurückgezogen und wollten ihren Rückzug bereits weiier nach Norden fortseßen, als sie bedeutende Verstärkungen bekamen. Diese waren mit der Eisenbahn von Tsaribrod. nach Küstendil und von da nah Dzumaja zu Fuß gekommen. JZnfolge dieser Ver- stärkungen entschlossen sich die Bulgaren, die verlorenen Stellungen wieder zu beseßen und versammelten starke Truppenmaîsen gegen den rechten griehishen Flügel, besonders gegen die befestigten Anhöhen 1378 und 1078 nordwestlich von Dzumaja. Der Feind fühlte sich wahrscheinlich stark genug und begnügte sih nicht damit, seine Stellungen zu behaupten, sondern unternahm fortgeseßt heftige Angriffe, die stets mit großen Verlusten abgeschlagen wurden. Ein Regiment auf dem rechten griechischen Flügel eroberte drei- mal mit dem Bajonett die Höhe 1378 und wurde dreimal wieder vertrieben. Schließlih wurden die Bulgaren am 27. Juli früh endgültig vertrieben. Der Kampf auf dem äußersten reten Flügel dauerte vorgestern mit der gleichen Hartnäckigkeit den ganzen Tag hindurch an und endete in der Nacht unentschieden und mit großen Verlusten für die Griechen. Aber die Bulgaren erlitten noch größere Verluste. Als fih am 27. Juli früh der Kampf endgültig zugunsten der Griechen entschied, zogen fich die Bulgaren, da ihre Stellungen erschüttert waren, in der Nacht zurü. Die Nachhut der Bulgaren wurde durch griechische Artillerie beschossen. Als die die Bulgaren verfolgenden griechishen Truppen fich Dzu- maja auf 4 km genähert hatten, zogen si die Bulgaren zurüd, nachdem sie die Stadt in Brand geseßt hatten. Auf dem linken griechischen Flügel, dem die Bulgaren starke Kräfte gegenübergestellt haben, dauern die Kämpfe fort. i

Wie von dem genannten Telegraphenbureau ferner ge- meldet wird, haben die Griechen vorgestern, ohne- Widerstand zu finden, Gümüldjina beseßt.

Rumänien.

Der König Carol hat gestern den türkischen Gesandten Sefa Bei, den serbischen Ministerpräsidenten Paschitsh und den bulgarischen Minister Tontshew in Audienz empfangen.

Die rumänische Regierung ist nach einer Meldung der „Agence Roumaine“ von der bulgaris en Regierung er- sucht worden, Widin zu besetzen, um die Bevölkerung gegen- über eventuellen Racheakten der serbischen Truppen zu süßen. Infolge dieses Ersuchens fand zwischen den Ministerpräsidenten Majorescu und Paschi!sch eine Besprehung statt. Die dies- bezüglichen Verhandlungen dauern fort. 4

Der griechishe Ministerpräsident Venizelos und die hellenishe Mission sind vorgejtern abend in Bukarest ange- e Laufe des gestrigen Tages fanden Besprechungen der Delegierten der Verbündeten untereinander, ferner zwischen den Ministerpräfidenten Venizelos und Majorescu sowie zwischen Majorescu und dem bulgarishen Minister Tontschew statt.

Amerika.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Rio de Janeiro hat der Admiral Alencar das Portefeuille der Marine an-

genommen. i Asien.

Di inz Hunan hat nach einer Meldung der „Times“ aus Peting “Pin leltien Freitag ihre Unabhängigkeit erklärt. Sie hat diesen Schritt nicht in der Absicht getan, um an dem Kampfe gegen Yuanschikai teilzunehmen, sondern nur, um sih nah allen Seiten hin zu {hüßen. Truppen, die nah ver- schiedenen Schäßungen 1500 bis 1800 Mann METragel sind mit 16 Feldgeshüßen in Jungtschou aufgestellt, um Angriffe abzuwehren.

Koloniales. Das Augustheft der Zeitschrift für tropische Landwirtschaft „Der

führlihen Bericht von Dr. G. Lichtenheld, Leiter des Veterinärwesens in Ders Ostafrika, über Rinderrafsen, Rinderzuht und ihre wirt-

schaftlihe Bedeutung in Deuts Ostafrika. Der Verfasser gibt zu-

nächst einen Uebezblick über die in den etnjelnen Bezirken der Kolonie vorhandenen Rinderbestände, um sodann die verschtedenen Ninderrassen

und ihre Merkmale eingehend zu behande]n. In weiteren Kapiteln wird die Viehhaltung und Viehzucht bei den Eingeborenen und bei den europäischen Viehbesißern besprohen. Zum Schluß macht Dr. Lichtenheld zur Hebung der Rinderzucht in der Kolonie beahtens- werte Vorschläge. In einem weiter&? Artikel gibt Professor Dr. H. Harms (Berlin-Dablem) interessante Mitteilungen über Desmodium hirtum, eine zur Niederhaltung des Unkrauts und als Gründüngung in tropishen Kulturen geeignete Leguminosenart. Diese Mitteilungen verdienen die Beachtung der Pflanzer in unseren tropischen Kolonien. Des weiteren enthält das Heft kürzere Berihte über den Handel Neu- guineas im Jahre 1912, über Ceylon-Kauts{chuk im ersten Halbjahr 1913, über die Kautshukmarktlage, über die Weltprodufktion von Zucker und eine Reihe interessanter Mitteilungen über wichtige tro- ische Produkte. E S j Y de Mleineltia erschien als Beiheft 5 6 zum _«Tropenpflanzer

eine eingehende Arbeit von Moriß Schanz über die Baumwolle in Ostindien (IV und 171 Seiten). In glei ers{chöpfender Weis

wie in seiner früher ershtenenen Arbeit über die Baumwolle in Aegypten und im englisch-ägyptishen Sudan behandelt hier der Verfasser die Verhältnisse in Ostindien. Ohne Zweifel wird au diese neue Arbeit des Verfassers von allen Interessenten freudig begrüßt werden. :

Parlamentarische Nachrichten.

Der Reichstagsabgeordnete Prälat Dr. Len der (Zentrum) ist einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge im 83. Lebensjahr gestern nahmittag in Sasbach gestorben. Der Verstorbene vertrat den Wahlkreis 8 Baden (Bühl-Rastatt) und war das älteste Mitglied des Reichstags, dem er seit seiner Gründung ununterbrochen angehörte.

Statistik und Volkswirtschaft.

Verschiebung der landwirtschaftlichen zur ntchtlandwirt- shaftlihen Bevölkerung im Deutschen Reiche.

Band 211 der „Statistik des Deutschen Reichs“, in dem die Er- gebnisse der Berufs- und Betrtiebszählung vom 12. Juni 1907 nach verschiedenen Richtungen hin beleuchtet werden, bringt u. a. genauere Zahlen über den Bevö)kerungsaustausch zwishen Stadt und Land. Danach belief \sich die Zahl der in den Städten ermittelten, aber auf dem Lande geborenen Erwerbstätigen auf nicht weniger als 5797000, die der auf dem Platten Lande vorhandenen, aber in der Stadt geborenen Erwerbstätigen dagegen nur auf 893000. Somit beträat der Uebershuß der auf dem Lande geborenen und dort doch auch in der Regel auf- gewachsenen und erzogenen Personen, die nah erlangter (rwerbs- fähigkeit ihre Arbeitskraft den Städten widmen, fast 5 Millionen. Diese Zahlen beweisen aufs beste, wie fehr unsere ganze städtische Entwicklung der leßten Jahre auf den Zuzug immer neuen Menschen- materials vom platten Lande angêwiesen ist, und wie wihtig es auch für die Städte und die in ihnen vorhandenen Gewerbe ist, daß die Quelle dieses Zuzuges in ungeschwähter Leistungsfähtgkeit erhalten bleibt. :

Die nachstehenden Zahlen mögen im einzelnen noch weiter ver- anscaulihen, wie groß die unserm gesamten Volkstum drohende Gefahr bei dem bisher betriebenen Naubbau an der ländlichen Volks- fraft ist und wie unbedingt notwendig die Erhaltung und Wiederver- mehrung der ländlichen Bevölkerung für bie körperlihe und moralische Gesunderhaltung unseres Volkstums is. Nach den drei Berufs- zäßlungen von 1882, 1895 und 1907 entfielen im Deutschen Reiche Personen auf die

das find 9/0 nicht landwirt-| der schastlice | Gesamt- Bevölkerung | bevölke- rung

—— [Berfaabreilna pa Landwirtigali a A /o (einschl. Gärt- | z5amt- nerei, Tierzucht,| Pr

Forstwirtschaft | rung

und Fischerei) |

19 225 455 |

Gesamt- bevölfe- rung

Jahr

35 996058 | De,

1895| 18501307 | 357 | 33268977 | 64, 19071 1768116 | 286 44039300 | (E Dana hat fich also die landwirtschaftlihe Bevölkerung in den leßten 25 Jahren um über 14 Million vermindert, der gesamte Bevölke- rungszuwaŸs in dieser Zeit von etwa 20 Millionen ift aus\{ließlich der nihtlandwirtshaftlihen Bevölkerung zugute gekommen. Die gle!che Entwicklung zeigt sih, wenn man nicht die eigentlich landwirtschaftlih tätige Bevélkerung, sondern die Einwohnerzahl der größeren und die der kletneren Gemeinden miteinander vergleicht. Nach den Volkszählungen waren im Deutschen Reiche vorhanden in

1882 42,5

5 2 3 4

\ | | |

weniger S MEDE als | als 2000 Einroohnern | 2000 Einwohnern

L | E | das sind | M ,„\Gelamt- | i am | bevölfe- | lionen | lionen | tung

das find 9% der Gesamt-

darunter Großstädte (von

über 100000 G

inwohnern)

mit Ein- | wohnern |

| das sind

bevölferung

i

| 1968 537| 14 | 3273144 26 | 6241 309 30,63 39 | 9 120280 38,07 | 60,02 | 48 |13823 378)

Das Verhältnis von Stadt- und Landbevölkerung hat ih hiernach in den leßten 40 Jahren genau umgekehrt. Während im Jahre 1871 noch rund zwei Drittel der Bevölkerung in ländliGen Gemeinden wohnten und nur ein Drittel in städtischen, sind es gegenwärtig etwa zwei Drittel Stadt- und nur etwa ein Drittel Landbewohner. G2nz besonders auffallend ist dabei die außerordentli rasche Entwicklung der Großstädte, deren es 1871 erft 8 mit insgesamt rund 2 Milionen Einwohnern, 1910 aber bereits 48 mit annähernd 14 Millionen Einwohnern gab, sodaß bereits über ein Fünftel der Gesanmt- hevölk-rung den Großstädten zuzurehnen ift. :

Die Zufammenballung fo großer Menschenmassen in den menschen- verbrauchenden Großstädten ist um #2 bedenklicher, als nun ein absolut und verhältniëmäßig immer fleiner werbdender Anteil von ländlicher Bevölkerung die Blutauffrishung für die immer zahlreicher werdende Großstadtbevölkerung liefern foil, sodaß schon jeßt nicht nur der ent- behrlihe Ueberschuß vom platten Lande abgegeben wird, fondern ein gut Teil des alten Bestandes bereits mitangegriffen ist. E

Die größere Leistungsfähtgkeit der ländlihen Bevölkerung für die Volksvermehrung, die Wehrhaftigkeit und die Volksgesundheit mögen die folgenden Zahlenangaben über die Geburtenhäufigkeit in Stadt und Land veranshaulihen. Nach der preußischen Stalistik entfielen auf 1000 weibliche im Alter von über 15 bis 45 Jahren stehende Personen tm Jahresdurhschnitt Lebendgeborene :

Jahr in den Städten auf dem Lande in Stadt u. Land 1876—1880 160,6 182,9 174,6 1881—1890 145 2 179,0 165,4 1891—1895 140,6 1816 164,0 1896—1900 136,6 183 0 161,9 1901—19059 129.0 178,7 154 8 1906—1910 118,7 169,0 49

Bei diesen Zabïen ist zunächst die weit größere Fruchtbarkeit der ländlihen Bevölkerung beachtenswert. Im Jahrfünft 1876/80 betrug die Differenz zugunsten des Landes etwa 22 auf 1000 gebärfähige Frauen, im Jahrfünft 1906/10 aber 50. Vor allem muß auch der außerordentlih rashe Rückgang der Geburtenhäufigkeit in den Städten zu denken geben. Denn die Zahl der Geburten ging in dem umfaßten Zeitraum von rund 160 auf 118, also um 42 zurück, während i die Geburtenhäufigkeit auf dem Lande mit gewissen Schwankungen auf etrva gleiher Höhe gehalten hat und nur im leßten Jaÿhrfünft etwas stärker abgefallen ift. E . :

Bedenklti sind ferner die ja hon oft erörterten Zahlen über die Militärtauglichkeit von Stadt- und Landbevölkerung. Bon je 100 abgefertigten Militärpflihtigen waren im Durchschnitt des Deutschen Neichs tauglich: 1902 1910

a. auf dem Lande geboren, in Land- oder

Fort dat Dea...

b. in der Stadt geboren, nicht in Land- -

oder Forstwirtschaft beschäftigt . .. . 9382 47,87. Das „S oll“ der Rekrutierung (d. h. das nah der Bevölkerungszahl zu erwartende Rekrutenkontingent) verhält sich zum Ist" (d. h. zu den tatsächlich aus8gehobenen Nefruten) in den verschiedenen Landes-

teilen wte 100 zu: i Ostpreußen . 140 Westfalen ._ 101 Westpreußen 129 Hessen-Nassau 95 Brandenburg 103 NMNheinland 92 Pommern 133 Hohenzollern . O2 Posen . B E Swlesien . O7 Buemen 00D Saa N 134 Hamburg i; —_ck 42 Schleswig-Holstein 94 Stadtkreis Berlin . 39. Hannover . G e TOO Mit: zunehmenter Industrialisierung der einzelnen Landesteile und Vergrößerung des Umfangs der Städte fällt also die Miilitärtauglich- keit ganz außerordentlih. Während z. B. in den überwiegend agrarischen Provinzen des Ostens auf eine bestimmte Bevölkerungszahl, die normal 100 Rekruten zu bringen hätte, an jährlich Ausgehobenen zwischen 123 und 140 entfallen, ergibt die Aushebung aus der gleichen Menschenzahl z. B. in Lübeck nur 71, in Bremen 65, in Hamburg 42 und \{ließlich in Berlin das wenig erfreulihe Resultat von 39 Rekruten. Ganz wesentli zugunsten der landwirtschaftlihen Bevölkerung {chlägt auch ein Vergleich der foztalen Stellung, der Zahl der Selbständigen und der der Unselbständigen in den drei Hauptberufsabteilungen im Deutschen Reiche aus. Von je 100 Personen der betreffenden Berufsabteilung entfielen nach den

1871 1880 1890 1900 7 1910 39,98

i; | 14,79 0] 18 72

23,24

] f 0

26,51 26 19 25,73 29,95

Do

|

|

L | 26,22 l

j

T

!

D s O Do

58 64 58,20

den Gemeinden mit

beiden lezten Berufszählungen auf

Stellung im Beruf

1895

A. Landwirtschaft, Gärtnerei, Forst- wirtschaft, Fischerei

C. Handel und Verkehr, eins. A Gastwirtschaft s 1895 1907

B. Bergbau und Gewerbe

1890| 1907

in8gesamt . B Und È 1895 1907

L190

60,2 1,3 36,5

2,0

Selbständige und leitende Beamte ein\{l. der Angehörigen Nichtleitende Beamte eins{chl. der Angehörigen

Arbeiter ein\{chl. der Angehörigen Häusliche Dienstboten

43,6 38,1 Á z 0,4 9,7

50 8 54 6

2,9 16

36 2 12,7 47,0

41

44 9 99 40 4 4,8

209 | 20,2 36 | 6,4 67,0 2

72 1,6

65,8 Fz S0

0,9

In der Landwirtschaft gehören danach einshließlich der Familien- angehörigen fast zwei Drittel der gesamten landwirtschaftltchen Be- völkerung der Klasse der Selbständigen an, und nur reihlich ein Drittel entfällt auf Unselbständige. Dank der fortschreitenden Ko- lonifattonstätigkeit verbessert sich dieses Verhältnis in der Landwirt- schaft sogar fortdauernd zugunsten der Selbständigen, }odaß also hier für jeden einzelnen Angehörigen des Berufs, auch für die Arbeiter, die Aussichten, einmal selbständig zu werden, weit besser find als in den übrigen Berufen, tin denen der Anteil der Selbständigen immer weiter zurücckgeht und Lau dessen das Heer der Angestellten und der Lohnarbeiter gewaltig steigt.

Daß bei der geschilderten Entwicklung die Deckung unseres Menschenbedarfs aus der einheimischen Bevölkerung uns immer mehr im Stiche läßt und statt dessen größere Mengen von Ausländern in das Land hereingezogen werden, mögen die folgenden Zahlenangaben über die Ausländer im Deutschen Reiche zeigen. Es lebten in diesem an außerdeutshen Staat8angehörigen :

1890 433 254 1900 T8 C37 1910 A L2IS S Von der Deutschen Arbeiterzentrale wurden Arbeiter legiti-

miert für: : y Landwirtschaft Industrie

1908/09 ¿ DOd Ge 229 247

1909/10 34 (51 268 182

1910/11 387 902 308 123

zusammen 565 071 642 933 696 025

9/0 40,6 41,7 44,3

9% 59,4 58 3

f « Organs des Kolonialwirtschastlißen Komitees Doe alben 43), enthält an erster Stelle einen aus- '

9,7

1911/12 397 364 94 5 332 211 45,5 729 575.

100,00

100,00 | 100,00.

1,2 100,00

100,00 | 100,00 | 100,00 | 100,00

Diese Zahlen zeigen ein außerordentlih_ rasches Anwachsen der Zahl der im Reiche lebenden außerdeutshen Staatsangehörigen. Sie beweisen zugleih aber au, daß dite Landwirtschaft von der Gesamt- zahl der im Reiche lebenden Ausländer doch nur etwa ein Drittel als Arbeiter in sih aufnimmt, während der bei weitem größere Teil der Ausländer in den übrigen Berufen beschäftigt wird.

Wenn also Kern und Kraft unseres ganzen Volkstums in erster Linie auf dem Lande zu suchen ist, so muß die tn vorstehenden Zahlen kurz veranshaulihte Entwicklung der fortshreitenden Ent» völkerung des platten Landes, des Eindringens immer größecer Mengen von Ausländern und des Zusammenballens der Menschen- massen in den Großstädten jeden Vaterlandsfreund mit \{werer Sorge erfüllen. Mehr Menschen auf das Land zu bringen, ist also für die Erhaltung der militärishen Machtstellung des Reichs, für die Zukunft unseres Volkstums und die Sicherung unserer blühenden Bolkswirtschast etne der wichtigsten Forderungen.

Die Entbindungs- und Augenheilanstalten in Preußen M Sar 1911 fh

Nach der „Stat. Korr." befanden in Zahre 1911 in Preußen, ohne die Privatanstalten mit wentger als 11 Betten, 68 Entbindungsanstalten mit 2750 Betten. Darunter waren 17 private Anstalten mit 286 Betten. Selb» ständige Entbindungsanstalten zählte man 55. In betreff der Besißverhältnisse set erwähnt, daß 10 Anstalten als Königliche Universitätsinstitute Staatseigentum waren; 17 Hebammen- und Ents-