1894 / 173 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

von Artikel V, der die Wiedergabe der gerihtlichen dl untersagt, wies der Deputirte Denéch eau Dab die auswärtigen Journale über die Ararchisten- chten würden. Der Îustiz-Minister Guérin erwiderte rauf, die Verkäufer Marte Blätter würden gerichtlih verfolgt werden. Der Artikel bezwecke, die Wiedergabe der Theorien, welche die Anarchisten bei den Verhandlungen vor- zulesen pflegten, zu verhindern. Der Minister - Präsident Dupuy machte darauf aufmerksam, daß der Minister des Jnnern die Be gnißbesiße, fremden Zeitungen den Eintritt nah Frankreich zu verbieten. Der Deputirte Lo ckroy trat für die Freiheit der Presse ein. Bei der Zwischenfrage eines Deputirten, warum die Presse eine privilegierte Jndustrie sein folle, wurden von der Journalistentribüne Zurufe laut. Der Präsident der Kammer ordnete infolgedessen die Räumung der Tribüne an, worauf die Quästur der Kammer dic Huissiers abschickte, die zunächst die Vertreter der auswärtigen Presse, sodann die der Departe- mentspresse und ihlicßlich die der Pariser Presse ent- fernten. Die Journalisten prote)tierten lebhaft gegen die Maß- regel, die sie als ungeretfertigt bezeichneten ; mehrere weigerten sich fortzugehen und wurden mit Gewalt entfernt. Die Kammer lehnte die Unterbrehung der. Sißung ab. Bald darauf O der Präsident der Presse, die Tribünen wieder zu betreten ; die Fen machten jedoch von dieser Erlaubniß zum Zweck des Protestes keinen Gebrauh. Der Deputirte de Ramel (Rechte) bekämpfte Artikel V; mehrere Amende- ments wurden abgelehnt. Schließlih wurde 1 des Artikels ŸY angenommen, nachdem der Justiz-Minister Gu érin erklärt hatie, einer Mittheilung der Urtheile bei Anarchisten- prozessen werde nihts entgegenstehen. Hierauf wurde die weitere Berathung auf heute Vormittag vertagt.

Gestern sind in Paris abermals drei Anarchisten ver- haftet worden; darunter befindet sih der zu zwanzig Jahren D garbeit in den sibirishen Bergwerken verurtheilte russische

ihilist Lazareff. E : i _ Wie der „Rappel“ mittheilt, hätte die Regierung be- schlossen, alle ausländischen Anarchisten auszuweisen und etwa neu ankommende sofort zu verhaften.

Rußland.

Die Besichtigung des Lagers in Krasnoje Selo durch den Kaiser ist fat einer Meldung des W D aus St. Petersburg auf den 26. Juli festgese ie Vermählung der Großfürstin Xenia findet am 6. August statt. Ftalien.

Das Gesetz über die Finanzmaßnahmen ist gestern amtlich veröffentliht worden. : j

Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani“ aus Kassala vom Montag kehrt der General Baratieri [mit dem Gros der Truppen über Keren nach A zurück und (ia am 27. Juli in Agordat anzukommen. Jn Kassala bleibt eine starke Besaßung mit Artillerie sowie reihlichem Proviant und Munition in einer befestigten Stellung zurü.

Der Khedive ist gestern in Venedig eingetroffen.

Schweiz.

Nachdem kürzlich vom Bundesrath ein italienischer und ein A A Anarchist ausgewiesen worden waren, sind nunmehr drei weitere Anarchisten, und zwar ein Franzose und zwei Deutsche ausgewiesen worden, die beiden lehteren aus Basel. Der Bundesrath hat das Jn- krafttreten des Anarchistengeseßes auf heute festgeseßt, Nach diesem Gesey wird mit Zuchthaus von mindestens zehn Jahren bestraft, wer Sprengstoffe zu verbrecherischen Zwecken gebraucht. Wer Sprengstoffe, von denen er. annehmen muß, daß sie zu Verbrechèn gegen die Sicherheit von Personen und Sachen gebraucht werden sollen, herstellt oder zur Herstellung ats fre

iebt, erhält mindestens fünf Jahre Zuchthaus. Bestraft wir

erner, wer Sprengstoffe, deren verbrecherishen Gebrauch er vorausseßzen konnte, in Besiß nimmt, aufbewahrt, jeman- dem übergiebt oder an einen anderen Ort schafft ; ferner wer in der * Absicht, Schrecken zu verbreiten oder die allgemeine Sicherheit zu erschüttern, zu Verbrechen aufmuntert oder Anleitung giebt. Geschieht dies durch die Druckerpresse oder ähnliche Mittel, so werden die sämmtlichen ‘Theilnehmer (Thäter, Anstifter, Gehilfen und O Mens bestraft. Soweit durch anarchistishe Verbrehen ein Mens getödtet oder verleßt, eine Sache beschädigt wird 2c., kommt ür die Bestrafung das Strafreht der Kantone in An- wendung.

Serbien.

Wie der „Kölnischen Zeitung“ aus Belgrad gemeldet wird, hätte nah den neuesten Anordnungen der König Mi lan seine Reise nah Karlsbad aufgegeben und kehre nah Erledi- gung seiner Angelegenheiten in Paris sofort nah Belgrad urüd.

, Die „Neue Freie Presse“ erfährt aus Belgrad : eine Kon-

erenz an E Mitglieder der liberalen Partei - habe be- losen, Ri tic einzuladen, die Führung der liberalen Partei wieder zu übernehmen.

Bulgarien.

Bei den am Sonntag in Widdin, Wraya, Silistria, ia, Rasgrad und i ois Städten stattgehabten

unizipalwahlen wurden, dem. „W. T. B.“, zufolge überall die Regierungskandidaten gewählt. Widdin feierte den Wahlsieg durch Freudenkundgebungen, welche die ganze _ Nacht andauerten.

Schweden und Norwegen.

Der König hat, wie „W. T. B.“ aus Lana be-

richtet, die Sanktion des Storthingbeschlusses über

besondere Strafbestimmungen für Personen, welche laut

75, H des Grundgeseßes aufgefordert werden, vor dem

torthing zu erscheinen und sih weigern, die bezüglichen Vor-

schriften Mer en, verweigert; ebenso die Sanktion der

von dem jeßigen Odelsthing und Lagthing angenommenen

Aenderungen des Geseßes über das Konsulats- wesen vom 15. Juni 1878.

Amerika, _Wie der „Times“ aus Buenos Aires gemeldet wird, werden in dem dem Kongreß vorgelegten Budget für das nächste Jahr die Einnahmen auf 25 000 Dollar Papier- eld und 34 373 000 Dollar in Gold, die Ausgaben auf _61 777 575 Dollar Papiergeld und 18 418 300 Dollar in Gold ‘veranschlagt. |

Asien. i

Die „Kölnische Zeitung“ meldet aus Berlin: Der zwischen dem N ben Moester: Präsidenten Grafen Jto und dem General-Gouverneur von Petschili LLLUALUREN abge- \hlossene Vertrag vom 18. April 1 enthalte eine bisher keiner Regierung mitgetheilte geheime Abmachung, welche die eigentlihe Grundlage des Es apans bilde. Danach seien Japan und China übereingekommen, den König von Korea aufzufordern, eine genügende be- waffnete Macht auszubilden, damit Korea für die Ie lihe Sicherheit selbst den könne. Mit der Ausbiidung dieser bewaffneten Macht solle der König fremde Offiziere betrauen, jedoch hätten ih Japan und China gegenseitig ver- pflichtet, len ihrer Offiziere zu diesem Zweck nah Korea zu entsenden. : E

Ueber den Stand der Verhandlungen zwischen China und Japan wird dem genannten Blatte aus London be- rihtet, daß China auf Japans Reformvorschläge mit Gegen- vorschlägen geantwortet habe, für die eine fünftägige Bedenkzeit, die allerdings jeßt abgelaufen, bewilligt worden sei. Japan habe darin manches Annehmbare gefunden und sei mit zwei Ausnahmen darauf eingegangen: Erstens habe es für Japan nicht allein handelspolitische, sondern auch politishe Gleich- stellung mit China in Korea verlangt; zweitens solle der König von Korea mit Japan ohne Zuziehung Chinas unter- handeln und Verträge abschließen können.

Dem „Reuter shen Bureau“ wird aus Chemulpo vom 23. d. M. gemeldet, die Regierung von Korea habe gemäß dem von der ide en Regierung ertheilten Nath das Japan gegebene Versprechen, innere Reformen in Korea durchzuführen, zurücgezogen. Ein Konflikt zwishen den * Japanern und Koreanern in Söul stehe unmittelbar bevor. E meldet aus Shanghai von gestern: einer dort eingelaufenen Depeshe aus Nagasaki zufolge hätten die koreanishen Truppen die japanishe Be- sazung in Söul angegriffen, seien aber geschlagen worden. Nach einer weiteren Depesche habe ein japanischer Kreuzer ein chinesishes Transportschiff in den Grund gebohrt. :

Aus Yokohama von gestern meldet das „Reuter'sche Bureau“: diejapanishen Truppen hätten begonnen, gegen die Stellung der Chinesen vorzurücken. Man er- warte täglih einen Zusammenstoß.

Nr. 29 des „Zentralblatts der Bauverwaltung“, herausgegeben imM inisterium der öffentlihen Arbeiten, vom 21. Juli, hat folgenden Inhalt: Runderlaß vom 28. Juni 1894, be- treffend die Bedingungen für Lieferung von Fensterglas. Nichtamtliches: Erweiterungsbau des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in Berlin. Wettbewerb für die Donaubrücken in Budapest. T. Zur Ehren- rettung dex Städtebilder alter Meister. Die Anwendung des Stülk- lohns bei Bahnunterhaltungsarbeiten. Vermischtes: Ergebnisse der Ian für den preußishen Staatsbaudienst 1893/94. Preis-

ewerbung für ein Geschäftshaus der Versicherungs-Gesellshaft Wil- helma in Magdeburg. Wettbewerb um Entwürfe für eine evang. Kirche in Karlsruhe. Preisbewerbung für ein Empfangsgebäude in Zug. Wettbewerb um Entwürfe für das Bismarck-Denkmal in Berlin. Preisbewerbung für die Bebauung des Grundstücks Leipzigerplaß 16 in Berlin. XI1. Wanderversammlung des Ver-

bandes deutsher Architekten- und Ingenieur-Vereine. VIII. Kon-

reß für Hygiene und Demographie. Fertigstellung der 3000. Loko- O der Lokomotivfabrik Krauß u. Comp. in München. Pro- fessor Dr. Rudolf Weber in Berlin +.

Entscheidungen des NReichsgerichts.

Die beshleunigte Vornahme der Erfüllung eines an sich nicht fraudulofen Kaufvertrages, bevor diese Erfüllung von den an- drängenden Gläubigern des Verkäufers unmöglich gemacht wird, is, nah einem Urtheil des Reichsgerihts, VI. Zivilsenats, vom 29. März 1894, nicht ohne weiteres deshalb anfechtbar, weil Käufer das Motiv der Beschleunigung gekannt hat. In dem zum Grunde liegenden Falle handelte es sich um die beschleunigte Auf- E eines Grundstücks auf Grund eines vorher abge- \{lossenen, an sich niht anfechtbaren Kaufvertrages an den Käufer, damit niht von andrängenden Gläubigern des Verkäufers, welche das Grundstück zu ihrer Besciediguna in Anspruch nehmen konnten, die Erfüllung des Kaufvertrags unmöglih gemaht würde. „Vom Reichs- geriht ift wiederholt angenommen worden, daß Erfüllungs- geschäfte zwar der Anfehtung nit grundsäßlih entzogen sind, daß aber die Befriedigungsabsicht, selbst wenn sie mit dem Be- wußtsein der dadur herbeigeführten Benachtheiligung anderer Glâu- biger verknüpft ist, nicht als rechtswidrige fraudulose Absicht an- aeleben werden kann, und daß daher a eihen Geschäfte nur dann als fraudulos anfehtbar sind, wenn der dabei verfolgte Zweck nicht auf Befriedigung des einen Gläubigers, sondern auf Vereitelung des Befriedigungsrechts anderer Gläubiger gerichtet is, und wenn dies dem Empfänger bekannt war. . . . Im vorliegenden ae kann als festgestellt nur geren, daß die enten e die Erfüllung des Kaufgeschäfts diesen Zeitpunkt deshalb wählten, weil eine längere D Rg der Auna der Anfehtungsklägerin die Möglich- eit gewährt haben würde, das Grundstück zum Gegenstand ihrer De egung zu machen und dem Käufer zu entziehen. Der Zeit- punkt der Erfüllung des an sich nit fraudulosen Kaufvertrags konnte sehr wobl durch die Rücksiht auf die andrängenden, Gläubiger be- stimmt werden, ohne daß deshalb die auf die Befriedigung des Käufers gerichtete Absicht zu verneinen wäre.“ (390/93.)

Die Ehefrau kann, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Bivilsenats, vom 19. April 1894, im Gebiete des reu. Allg. Landrechts (I1 1 §8 670, 671) die Ghescheidung wegen Ehebruchs des Mannes nicht verlangen, wenn sie sih selb} des Ehebruchs schuldig gemacht hat, wohl aber kann der Ehemann, auh wenn er fich selbs des Ehebruchs s{chuldig gemacht hat, gegen seine Frau wegen Ehebruchs auf Scheidung klagen. (378/93.)

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

Nach § 15 des Fluchtliniengeseßes vom 2. Juli 1875 kann dur Ortsftatut festgeseßt werden, daß bei einer neuen, zur Bebauung be- stimmten M ESE age von dem Unternehmer der neuen Anlage oder von den angrenzenden Eigenthümern von leßteren, sobald sie Gebäude an der neuen Straße errichten die Straßen-

erstellungskosten beschafft werden. In Bezug auf diese Be- timmun Va das Ober - Verwaltungsgeriht, 11. Senat ur Urtbeil vom 9. Mai 1894 ausgesprochen daz nur im Falle der Straßenherstellung durch die Stadtgemeinde, niht aber im Falle der Straßen- Herstellung durch einen Unternehmer oder durch die

tadtgemeinde für Rechnung des Unter a die Ad- jazenten zur Erstattung der Straßenherstellungskosten verpflichtet

Dasselbe Bureau.

ind; die eine solche weitgehende Verpflichtung der Adjazenten fest- aa Vorschrift Me Ortsstatuts if unwirksam. Der Maurer- meister X. in Berlin besaß. einen ausgedehnten Grundstückskomplex an einer im Berliner Bebauungsplan vorgesehenen, aber noch nicht angelegten Straße. Da ihm im Interesse der Bebauung. seines Komplexes daran lag, daß die Straße thunlich_ bald hergestellt werde, so bat er den Magistrat, diese Straße für feine Rechnung herzustellen, indem er sih erbot, die Kosten zu tragen bezw. otztfiblofien, insoweit sie sodann aus den Beiträgen der- übrigen Adjazenten der neuen E au ihn zurückgezahlt werden: könnten. Der Magistrat ging darauf ein und übernahm die Straßen- ‘herstellung für Kosten des X. Als später ein anderer Ta dieser neuen Straße cin Haus an derselben errihtete, beanspruchte der Magistrat auf Grund des Berliner Ortsstatuts TT1 vom 7.,/19. März.

1877 von diesem einen P Ga von 6088 4 zu den Straßen- e

erstellungskosten. Dieser tritt indeß jede Beitrags- D, ari niht die neue Straße von der Stadt- emeinde im öffentlihen Interesse, sondern im Interesse und für osten des X. angelegt worden fei und für folhe Fälle die Stadt- gemeinde geseßlich nit befugt sei, eine Beitragspfliht der Adjazenten: orts\tatutarish festzustellen und einzuziehen. Die Klage des Adjazenten egen die Stadtgemeinde wurde vom Bezirksausschuß abgewiesen. Auf Revision des Klägers hob das Ober-Verwaltungsgericht te Vor- entsheidung auf und fekte die Heranziehungsverfügung zu den Kosten der Straßenherstellung des Magistrats außer Kraft, indem es be- ründend ausführte: „Das H A 15) statuiert nur alternative Ansprüche entweder gegen den Unternehmer, der ein folcher zu sein darum nicht aufhört, weil die Ausführung für seine Rechnung von der Stadt übernommen wurde, oder gegen die Adjazenten, und zwar gegen diese keineswegs {on daraufhin, daß die Stadtgemeinde nur im öffentlihen Interesse die Ausführung für Rechnung des Unter- nehmers ihrerseits übernimmt, sondern erst auf Grund der Thatfache, daß von ihr selbst die Anlegung der Straße ausgeht, solche für ihre eigene Rechnung - erfolgt. Den Adjazenten gegenüber fehlt es auf Seiten der Stadtgemeinde, deren Ausgaben bei einer nur der Aus- führung geltenden Uebernahme effektiv folhe des Unternehmers sind und bleiben, an einem Obiekte der Erstattung, an einer Leistung seitens der Stadtgemeinde, der die Beiträge sich als Gegenleistung gegenüber- stellen ließen.“ (IT. 701.)

Statistik und Volkswirthschaft.

Statistik der Geschäfte der preußishen Justizbehörden.

Das „Justiz-Ministerial-Blatt“ veröffentlichte in feiner Nr. 28 die Hauptübersichten der Geschäfte bei den preußischen und waldeckischen Amtsgerichten, bei den preußischen Landgerihten und den Staats- anwaltschaften bei denselben, sowie bei den ‘preußischen Ober-Landes- gerihten und den Staatsanwaltschaften bei denselben für das Jahr 1893 und giebt zum Schluß eine Zusammenstellung der wichtigsten Geschäfte bei den preußischen und waldeckishen Justizbehörden für die Jahre 1891 bis 1893. Den verschiedenen Uebexsichten und der Zu- fammenstellung am Schluß entnehmen wir die nachstehende Angabe:

1) Bei den preußischen und waldeckischen ÄAmtsgerichten betrug nah der Volkszählung von 1890 die Zahl der Gerichtseinge» sessenen 30 014 648. Darauf kamen an Beamten 2701 Richter, 7717 andere Beamte, 1699 Notare und 1855 Gerichtsvollzieher. An Zivil- sachen waren an bürgerlihen RNechtsstreitigkeiten und mändlihen Ver- handlungen zusammen anhängig 1 336 343, darunter kontradiktorische Nhantlunaen 609 924. Konkursverfahren waren anhängig 3850 überjährige und 4196 diesjährige, zusammen 8046. Davon sindbeendet 4200 ; es blieben unbeendet 1513 überjährige und 2333 die8- jährige, zusammen 3846. Als nichtstreitige An Jeg envetton wurden beendigt: 1353884 Vormundschaften und Pflegschaften, 6825 Auseinanderfeßzungen und Erbtheilungen, 1085 Stiftungen und 8519 Verwahrungen. An SEaaNa waren anhängig 74 269 Privat- Élagesachen, 119 414 Anträge auf Erlaß von Strafbefehlen, 245 830 Anklagefsahen wegen Vergehen, 202 463 Anklagesahen wegen Ueber- tretungen und 3797 Voruntersuchungen. Von Privatklage[ahen sind beendigt 58 398, unbeendigt blieben 15 871, von Anträgen. auf Grlaß von Strafbefehlen 108 253 bezw. 11 161, von Anklagesachen wegen Ver- gehen 197 968 bezw. 47 862, von Anklagesahen wegen Uebertretungen 182 404 bezw. 20 059, von Voruntersuchungen 3343 bezw. 454. Äußerdem find erlassen 188 074 Strafbefehle in Le tdiebstahlsfahen und 394 335 einzelne rihterliche Anordnungen. Hauptverhandlungen haben statt- gefunden: 432217 vor den Schöffengerichten und 61 739 ygr den Amtsrichtern, zusammen 493 956. Urtheile sind ergangen: von! den Schöffengerichien 347 186, von den Amtsgerichten 51 730, zusantmen 398 916. Von diesen Urtheilen ergingen in Forstdiebstahls\achen 6232, in Privatklagesachen 27 348, nahdem ein Strafbefehl beantragt oder erlassen war 15 762, wegen anderer Vergehen 192 382, wegen anderer Uebertretungen 157 192. Durch die ergangenen Urtheile in erster Instanz sind 394523 Personen verurtheilt, darunter durch Urtheile der Schöffengerichte 341 967, freigesprochen 166 240 Personen, dar- unter durch Urtheile der Schöffengerichte 103 119. Unter den beendeten Strafsachen befinden sih- 94 Wiederaufnahmeverfahren. Von diesen wurden 77 zu Gunsten der Verurtheilten, und zwar 33 durch sofortige Freisprehung, 42 dur Aufhebung des früheren Urtheils, und 2 durch Aufrechterhaltung des früheren Urtheils; 17 zu Ungunsten der Angeklagten, und zwar 10 durch Aufhebung des früheren Urtheils und 7 durh Aufrechterhaltung des früheren Urtheils beendet. y

2) Bei den Landgerichten betrug die Zahl der Präsidenten 33, der Direktoren 214, der Richter 951, bei den dazu gehörigen Staats- anwaltshaften die Zahl der Ersten Staatsanwalte und Staatsanwalte 299, der ständigen Hilfsarbeiter 59. An bürgerlichen Rechtsstreitig- keiten in erster Instanz wurden im Jahre 1893 vor den Zivilkammern anhängig: 73 153 gewöhnlihe Prozesse, 12896 Urkundenproze}[€, 8018 Arreste und einstweilige Verfügungen, 6594 Prozesse in EGhesahen und 62 rozesse in Entmündigungssache! ; vor den Kammern für Handelssahen: 16 938 gewöhnliche Prozesse, 26 066 Urkundenprozesse und 825 Arreste und eirnst- weilige Verfügungen. An bürgerlilen Rechtsstreitigkeiten In der Berufungsinstanz wurden anhängig: 30441 gewöhnliche Prozesse und 187 YUrkundenprozesse. Mündliche Nano langen in erster Instanz fanden statt vor den Zivilkammern in 59297 Sachen qus früheren Jahren, 82 353 Sachen aus dem laufenden Jahre, zusammen 141 650, darunter fontradiktorische Verhandlungen 81 654; vor dèn Kammern für Handelssachen: 7824 Sachen aus früheren Jahren; 38020 aus dem laufenden Jahre, zusammen 45 844, darunter 15 580 Tontradiktorishe Verhandlungen; in der Berufungs- instanz fanden 21 375 Verhandlungen in Sachen aus früheren Jahren, 31 928 aus dem laufenden Jahre, zusammen 53 303 statt, darunter 42 697 Tontradiktorishe Verhandlungen. Die Zahl der mündlichen Verhandlungen in der Delwerdente betrug 82. An Straffachen) waren im Hauptverfahren in erster gerihten : 525 überjährige, 3407 diesjährige, zusammen 3932 Sachen, davon wurden beendet 3387, blieben unbeendet 545; vor den Straf- fammern wegen Verbrechen 3502 überjährige, 21 804 diesjährige, zu- sammen 25 306 Sachen, ‘davon wurden beendet 21 868, blieben uns! beendet 3438; wegen Vergehen 7110 überjährige, 30 234 diesjährige, ;

usammen 37 344 Sachen, davon wurden beendet 29 896, blieben un- beendet 7488. Ege waren bei den Strafkammern des Lan

erihts 1236 überjährige, 7207 Ne zusammen 8443 Privgt* Hagela en anhängig, davon sind beendet 7113, bleiben unbeendet 13 0. An Beschwerden über Richter und Gerichte lagen 6622, über Ayits- anwalte 897 vor. Me banbeungen fanden 3612 statt, bei Penen 3392 Urtheile gefällt wurden. Verurtheilungen fanden in/ 3902, Freisprechun en in 1315 Fällen statt. Vor den Strafkammer/ waren n erster Instanz 61 109 Hauptverhandlungen, bei denen ij 92972 Fällen Urtheile Es en wurden. In 69 602 Fällen wrden die Angeklagten in erster Instanz verurtheilt, in 14156 Fllen frei- gesprochen. Von den Ürtheilen ergingen in Sachen, in enen das Hauptverfahren eröffnet worden i wegen Verbreche! 22 155,

nstanz anhängig vor den Shwur--3

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wegen Vergehen 30817 Urtheile. Vor den Strafkammern in der Berufungsinstanz wurden in 46 249 Hauptverhandlungen 35 872 Urtheile gesprohen. Von den epangenen Urtheilen lauten auf Aufhebung des ersten Urtheils 13 859, auf Verwerfung der Berufang 22 013. Unter den beendeten Strafsachen befanden ih 158 Wiederaufnahme- verfahren, von denen 41 dur sofortige ag , 93 durch Auf- hebung und 10 dur Aufrechterhaltung des früheren Urtheils zu Gunsten des Verurtheilten, 6 durch Aufhebung und 8 durch Aufrecht- s des früheren Urtheils zu Ungunsten des Angeklagten beendigt wurden.

3) Bei den Ober - Landesgerichten betrug die Zahl der S 13, der Senats-Präsidenten 40, der Ober-Landesgerichts-

ä

e R bei den Staästsanwaltschaften waren in Thätigkeit

13 Dber - Staatéanwalte und 14 Staatsanwalte. Die Zabl der Referendare belief sih auf 3249. An Zivilsahen wurden in der Berufungsinstanz von R S Rechts\treitigkeiten anhängig: 11 707 gewöhnlihe Prozesse, 181 Urkundenprozesse, 598 Ehe- und Ent- mündigungsfachen, zusammen 12486. Mündliche Verhandlungen fanden 21 844, darunter 16 936 fkontradiktorishe statt. An Sachen der nicht- 53 Gerichtsbarkeit waren im laufenden Jahre anhängig: 272 Lehnsfachen, 999 Fideifommißsahen, 146 Stiftungssachen und 23 Vormundschafts- und Pflegschaftssahen. Die Zahl der im laufen- den Jahre anhängig gewordenen Beshwerden betrug 4896, die der weiteren Beschwerden in Angelegenheiten der nichtstreitigen Gerichts- barkeit und in Kostensahen 37 aus den Vorjahren und 562 aus dem laufenden Jahre, zusammen 599. Von den weiteren Beschwerden find 568 erledigt, 31 unerledigt geblieben. Durch Ueberweisung an ein Ober-Landesgeriht wurden 48, durch Entscheidung 501, ohne Entscheidung 19 erledigt. Von den durch Entscheidung erledigten Beschwerden sind 170 für begründet, 331 für unbegründet erklärt. An Strafsachen waren anhängig : 2 überjährige, 9 diesjährige, zu- sammen 11 Revisionen gegen Urtheile in erster Instanz, davon sind 9 erledigt, 2 blieben unerledigt; 252 überjährige und 2769 dies- jährige, zusammen 3021 Revisionen gegen Urtheile in der Berufungs- inftanz, davoa wurden 2745 erledigt, 276 blieben unerledigt ; 79 über- jähiige, 3054 diesjährige, zusammen 3133 Beschwerden in Straf- sahen, in erste Instanz gehörend, davon wurden 3048 erledigt, 89 blieben unerledigt. Bei den Revisionen gegen Urtheile erster Instanz wurden in 8 Hauptverhandlungen 7 Urtheile gefällt, darunter 2 auf Aufhebung des ersten Urtheils, 5 auf Ver- werfung der Revision. Bei den Revisionen gegen Urtheile in der Berufungsinstanz wurden in 2377 Hauptverhandlungen 2337 Urtheile gelan, darunter 413 auf Aufhebung des Berufungsurtheils, 1924 auf Verwerfung der Revision. Von der Gesammtzahl der erledigten Be- shwerden waren 250 gegen den B-\hluß der Strafkammer über die eine Verhaftung betreffende Beschwerde gerihtet. Von den durch Entscheidung erledigten Beschwerden sind 695 für begründet, 2288 für unbegründet erklärt.

4) Die Zusammenstellung der wichtigsten Geschäfte bei den preußischen und waldeckishen Justizbehörden für die Jahre 1891 bis 1893 ergiebt u. a., daß bei den Amtsgerichten die anhängigen Privatklagesahen von 1891 mit 69380 im Jahre 1892 auf 71250 und bis 1893 auf 74269 angewachsen waren. Die anhängigen Anklagesachen wegen Vergehen betrugen 1891: 227 374, 1892: 242 552, 1893: 245 830, wegen Uebertretungen 181 146 bezw. 204 556 und 202 463. Bei den Landgerichten waren an Hauptverfahren vor den Schwurgerichten in den genannten drei Jahren anhängig: 9451 bezw. 3805 und 3932, vor den Strafkammern in erster Instanz: 96 217 bezw. 62663 und 62650, vor den Strafkammern in der Berufungsinstanz: 46 931 bezw. 48 470 und 51818. An Hauptverhandlungen vor den Scchwurgerihten fanden statt: 3184 bezw. 3513 und 3612, vor den Strafkammern in erster Instanz: 53 821 bezw. 60 237 und 61 109, Bei den Ober-Landesgerichten betrug die Gesammtzahl der anhängig gewordenen Beschwerden : 4742 bezw. 4861 und 4896, die Gesammtzahl der anhängig gewordenen weiteren Beschwerden in Angelegenheiten der nichtstreitigen Gerichts- barkeit und in Kostensachen: 510 bezw. 514 und 562. In den Haupt- verhandlungen fanden Revisionen gegen Urtheile erster Instanz statt : 13 bezw. 11 und 8, Revisionen gegen Urtheile der Berufungsin tanz: 2158 bezw. 2044 und 2377.

Die \chleswig-holsteinischen Innungen Ende 1893.

Das Königliche Kommerz-Kollegium zu Altona beschloß in seiner Plenarfißung vom 2. November 1893, der Anregung seiner Sektion für Handwerksangelegenheiten folgend, eine Enquête über den Stand des Innungswesens in der Provinz Schleswig-Holstein zu veranstalten. Die mit der Ausführung beauftragte Kom- mission stellte einen Fragebogen mit 21 Fragen auf, der an sämmtlihe nah Angabe der Königlichen Regierung zu Schleswig vor- handenen 358 Innungen der Provinz versandt wurde. Die Ergebnisse der Bearbeitung des auf Grund jener Fragebogen gewonnenen Materials sind in dem Jahresberiht des Königlichen Kommerz- follegiums zu Altona für 1893 bezw. in einem Sonderabdruck aus demselben von Dr. Th. Hampke, dem zweiten Sekretär der genannten Körperschaft, zusammengestellt worden.

Wir entnehmen der interessanten Untersuhung folgende Angaben:

Von den oben erwähnten 358 Innungen hatten sich bis Ende 1893 fünf aufgelöst; von den verbleibenden 353 haben 314 oder 88,9 %/o den Fragebogen beantwortet. Diese 314 berihtenden Innungen umfaßten 8276 Meister mit 11 145 Gesellen und 5919 Lehrlingen. Sie vertheilten sih in sehr verschiedener Zahl 5 Innungen im Kreise Sonderburg, 28 im Stadtkreis Altona t amint- lihe Kreise der Provinz mit Ausnahme des Me enbur , in welchem Ende 1893 gar keine Innung be- tand. ah der Zahl der Mitglieder kamen auf 9 Innungen 100 Innungsmeister und mehr; auf 26 entfielen 50 bis unter 100, auf 201 über 10 bis unter 50, auf 78 Innungen 10 Mitglieder und weniger, und zwar hatten 4 noch 5, 6 nur noch 4 und 2 Innungen gar nur noch 3 Mitglieder. Man wird kaum annehmen können, da die leßtgenannten 78 Innungen, d. h. rund 25 %/@ der Gesammtzahl, eine erheblihe Bedeutung für das korporative Leben des Handwerks besißen; Innungen mit einer so geringen Zahl von Mitgliedern werden nicht wohl in der Lage sein, etwas Erheblihes im Interesse des Handwerks zu En

Von den 314 berihtenden Innungen waren 231 oder 73,6 9% mit 5887 Meistern, 5459 Gesellen und 3513 Lehrlingen Omen, während 83 oder 26,40% mit 2389 Meistern, 5686 Gesellen und 2306 Lehrlingen \ih auf mehrere Gewerbe erstreckten. Von den 83 gemishten Innungen umfaßten 27 sämmtlihe Gewerbe, eine Innun 4 Gewerbe, 4 Innungen 3 Gewerbe, 50 Innungen 2 Gewerbe un eine Innung eine L E S eine unbestimmte An- zahl von Gewerben. Im großen und ganzen wird das Verhältniß der Fa, innungen zu den gemishten Innungen als“ ein gnsges beze werden müfsen, und zwar umsomehr, als unter den 83 gemischten P en noch 56 sich befinden, die mehr oder minder nahe verwandte

ewerbe umfassen und also in gewissem Sinne mit zu den Fach-

net

innungen gere werden dürfen (z. B. Baugewerksinnungen, Sattler d

und Tapezierer, gear und Se Metallarbeiter u. \. w.). Ueber das Verhältniß der Zahlen zwischen den zu den Innungen gehörigen Handwerkern und den außerhalb der Innungen stehenden (Hewerbetreibenden geben die Mittheilungen von 246 Innungen Aus- kunft. Den zu denselben gehörigen 6058 Innungsmeistern standen 3962 Nichtinnungsmeister gegenüber ; auf eine gun kamen also Meile p er 24,6 zugehörige und 16,1 außerhal derielben stehende Meister derselben Gewerbe. Bei 215 Innungen liegen auAngaben über die Anzahl der bei Nichtinnungsmeistern beschäftigten Gesellen und Lehr- linge vor: diese 215 Innungen amlohte 5026 Meister mit 7112 Gesellen und 3784 Lehrlingen; außerhakb dieser Innungen standen 3219 selbständige Gewerbetreibende mit 1679 Gesellen und 559 Lehr- lingen, Es kommen daher auf 100 Innungsmeister 64 Nicht- innungsmeister, auf 100 Innungsgesellen 23,6 Nichtinnungsgesellen, auf 100 Innungslehrlinge 148 Nichtinnun ge, Auf einen Innungsmeister entfallen 1,4 Gesellen und 0,75 Lehrlinge, auf einen Nichtinnungsmeister dagegen nur 0,5 Gesellen und 0,1 Lehr-

.

e Aus diesen Daten ergiebt \sih, daß die Lees welche mehr Gesellen und Lehrlinge Le[Gfligen, ih den Innungen an E haben. Daß die Nichtinnungsmeister nur eine so ger nas ahl von Lehrlingen haben, hat wohl darin seinen Grund, si überhaupt kleine Meister, die keine Lehrlinge beschäftigen, gern von der Innung fernhalten. Sodann sind auch 59 Innungen die Rechte des § 100 6 der Gewerbeordnung verliehen, sodaß Nicht- innungsmeister in den betreffenden Bezirken Lehrlinge überhaupt nicht annehmen dürfen.

Zur Arbeiterbewegung. __ Zum Schuhmacherausstand in Burg berichtet der „Vor- wärts" nach einem Magdeburger Blatt, daß die Meldung der B Ztg. “, der Ausstand sei beendet, unrichtig sei. (Vgl. Nr. 171

In Leipzig wurde am leßten Sonntag eine vom Gewerkschafts- kartell einberufene Versammlung der Brauer- und Böttcher- ge hilfen ab ehalten, die sich zunächst mit den Verhältnissen der Böttcher und Brauer in der Riebeck’]\chen Brauerei beschäftigte. Die dort Magen Böttcher hatten, wie die „Wz. Ztg.“ berichtet, von der Geschäftsleitung die Einführung der 94 stündigen (an Stelle der bisherigen ‘elfstündigen) Arbeitszeit, einen Lohnzushlag von 2 M wöchentlich und Bezahlung der Nebenstunven und der Sonntagsarbeit mit 50 „z für die Stunde gefordert. Die Brauerei hat diese Forderungen bewilligt und nur an Stelle der 94 stündigen die 10stündige Arbeitszeit Sage, Ferner wurde gestern mit- etheilt, daß die vereinigten Brauereibesißer von Leipzig bes{chlossen

âtten, allen in den Brauereien beschäftigten Arbeitern vom 1. August ab die zchnstündige Arbeitszeit zu gewähren. Die Buchbinder- gehilfen Leipzigs verhandelten in einer Versammlung am Montag über den Ausstand bei Wezel u. Naumann und be- s{lossen, die Ausständigen mit 500 ä zu unterstüßen. Ferner follen für die sozialdemokratishe Parteidruckerei aus dem Unterstüßungsfonds 1000 Æ als jederzeit fündbares Darlehen hergegeben werden.

Hier in Berlin is, wie im „Vorwärts“ mitgetheilt wird, der Ausstand in der Schuhfabrik von Morösse zur Zufriedenheit der Arbeiter und des Fabrikanten beigelegt, und am Montag ift die Arbeit wieder aufgenommen worden. Dagegen dauert der Ausstand bei Fürstenheim u. Co. noh unverändert fört, da hier ‘der Arbeit- geber angeblich mit seinen Arbeitern niht verhandeln will. (Val. Nr. 166 d. Bl.) L

Die Londoner „A. K." theilt aus dem Bericht der Königlich englishen Arbeits-Kommission einige Notizen über die Löhne der englischen landwirthschaftlichen Arbeiter mit. Danach,sind die Löhne im Norden Englands höher als im Süden. Der Durchschnittslohn ift in Durham und Northumberland 16 Sh. 6 d. die Woche. In Dorset ist er am niedrigsten, nämlih 9 Sh. Einer der Sachverständigen, die vor der Kom- mission auftraten, erklärte, daß der Arbeiter des Nordens geistig und körperlih auf bedeutend höherer Stufe stände als sein Berufsgenosse im Süden Englands. Der füdlihe Arbeiter habe bei weitem nicht die gleiche Leistungskraft.

Kunft und Wissenschaft.

Seine Majestät der Kaiser ließ, wie die „Münchener Neuesten Nachrichten“ melden, der Wittwe des verstorbenen Malers Bruno Piglhein durch die preußishe Gesandtschaft in München Allerhöchstseine Theilnahme ausdrückten.

Die mathematis - physikalishe Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften hat, wie die „Voss. Ztg.“ meldet, in einer der leßten Sißungen über einen beträhtlihen Theil ihrer Fonds zur Förderung wissenshaftliher Untersuchungen verfügt. Von Berliner Gelehrten wurden bedaht: Professor Eber- hard Schrader und Professor Auwers mit 1500 46 zur Deckung der Kosten für die A eines speziellen Kanons der Finsternisse für das Ländergebiet der klassischen Alterthumsforshung von 900 v. Chr. bis 600 n. Chr.; Professor Weierstraß mit 200 Æ zur Fortsetung der Herausgabe seiner gesammelten Werke; Prof. Klein mit 235 M zur Vervollständigung seines krystallographishen Apparats; die Pro- fessoren Engler und P. Ascherson mit 500 zur Fortführung der Arbeiten der internationalen Kommission für Reform der botanischen Nomenklatur; Dr. phil. Schaudinn mit 1200 4 zu Untersuchungen über Fotaminiferen an den norwegishen Küsten, und Dr. Matschie vom Museum für Naturkunde mit 1500 ( zur Bereisung ausländischer Museen behufs Studiums afrikanisher Säugethierformen.

Eine „JIdeen-Konkurrenz“ für die Bebauung des Grund- tücks Leipzigerplaß 16 und Voßstraße 21 mit einem hochherrschaft- lichen Hause für eine Familie schreibt, wie wir dem „Zentr. Bl. d. Bauv.“ entnehmen, die, Vereinigung Berliner Architekten aus. An Preisen stehen 3000, 1500 und 1000 ( zur Verfügung. Das Preisgeriht üben aus Geheimer Regierungs-Rath Professor Ende, Baurath von der Hude, Baurath Kayser, Baurath Schmieden und Architekt H. Seeling. Frist der Ablieferung ist der 8. September 1894, Die Betheiligung is auf die Mitglieder der Vereinigung Berliner Architekten beschränkt.

Zu dem Wettbewerb für das Gebäude der. allge- meinen Versicherungs - Aktiengesellschaft Wilhelma in Magdeburg waren, dem „Zentr.-Bl. d. Bauv.“ zufolge, 51 Entwürfe eingegangen. Das Preisgericht, in das nahträglih an Stelle des Re- Gde und Bauraths Hoßfeld in Berlin der NRegierungs- und Baurath Thür in Magdeburg eingetreten war, glaubte in Anbetracht dessen, daß keiner der eingelaufenen Entwürfe allen Anforderungen des Programms in vollständig E Weise ent- sprach, von der Ertheilung eines ersten Preises absehen zu men und ertheilte dafür zwei Preise von je 2500 # den Architekten Solf u. Wichards und Reimer u. Körte in Berlin sowie drei Preise von je 1000 Æ den Architekten Konrad NRaufer in tagdeburg, L. Neher u. A. v. Kauffmann in Frankfurt a. M. und Ludwig Hirsh in Jena. Außerdem wurde der Entwurf mit dem Zeichen eines aufgeklebten vierblättrigen Kleeblattes zum Preise von 500 angekauft. Ueber das Ergebniß des Wettbewerbes um die evangelische Kirche in der Weststadt in Karlsruhe ent- nehmen wir demselben Blatt Folgendes: Zur Beurtheilung wurden 67 Entwürfe vorgelegt. Manche Entwürfe, die künstlerish bedeutend waren und von großer Gestaltungskraft der Verfasser bei Verwerthung neuer fruhtbarer Gedanken zeugten, waren für die ausgeworfenen Baukosten nit ausführbar, und folche, die es waren, entbehrten der künstlerisch nöthigen Vollendung, Das Preisgericht ae daher von dem § 23 der Bestimmungen für das Preisausschreiben Gebrauch und entschied sich, statt der Vertheilung der ausgeseßten drei Preise deren al im S eirege der ausgeworfenen Summe zu vertheilen.

on den als die besten erkannten Arbeiten erhielten die drei ersten

reise von je 2000 Æ, die beiden anderen solhe von je 1000 M Als die Verfasser der genannten En Entwürfe haben sich in der- selben Me ergeben: Professor Frentßen in Aachen, Professor Vollmer in Berlin, Architekt Voß in Hamburg, Architekten Curjel u. Moser in Karlsruhe und Architekt Billing in Karlsruhe.

__— Die Kunstausstellung der Sezession (in der Prinz- NRegentenstraße) zu München wird bis Ende Juli komplet sein, nachdein bis dahin noch etwa BnB hervorragende Kunstwerke erster französisher Meister und eine Anzahl englischer und shottisher Bilder eingetroffen sind. Bis jeßt sind vier der bedeutendsten Bilder für die Königliche Pinakothek in München, drei andere hervorragende Werke für das Leipziger rof virain und éine größere Anzahl von Bildern von Privaten erworben worden. Im VBestibül des Ausstellungs- gebäudes foll g das bekannte (iegt der Berliner Nätional-Galerie (bor e) Bild des zu früh verstorbenen ersten Präsidenten der

ezession, Professors Bruno] Piglhein „Moritur! in Deo“ Auf- tellung finden. |

Land- und Forstwirthschaft.

Bei der Kön iglihen Landwirtbschaftlißen Hoch: \chule bierselbst bat die Preisvertheilung tür eie Ba der für das Studienjahr 1893/94 ausgeschrieben gewesenen Preis- aufgaben stattgefunden,

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Es wurde zuerkannt: ein Preis von 150 4 dem Studierenden der Landwirthschaft Christian Staehly aus Hof Offenthal für eine Arbeit aus dem Gebiet der San irtE Malt) ein Preis von

je 100 A den Studierenden der Landwirthschaft Willy Preuß aus Berlin und Günther Sudeck aus Hamburg gleichfalls für Arbeiten aus dem Gebiet der Landwirthschaft; ein Preis von 100 M dem Studierenden der Landwirthschaft Paul Graebke aus Berlin für eine Arbeit aus dem Gebiet der Mineralogie.

_ Auf das Studienjahr 1894/95 sind wiederum vier Preisaufgaben für vie Studierenden der genannten Hochschule ausgeschrieben worden, und zwar je eine aus dem Gebiet der Landwirthschaft und der Geo- däsie und zwei aus dem Gebiet der Naturwissenschaften Pai und Pflanzenphysiologie. Zur Bewerbung um die g Dien reife von je 150 L sind die als ordentliche Hörer immatrikulierten Studie- renden der Hochschule berehtigt. Die Preisarbeiten sind bis zum 1. April 1895 dem Rektorat einzusenden.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- : Maßregeln.

Norwegen.

Durch Verordnung des Königlich norwegischen Justiz- und Polizei- Departements vom 14. d. M. ist bezüglih der Reisenden, die von einem choleraverseulten oder als choleraverseucht erklärten Ort des Auslandes direkt oder über einen seuchenfreien Bezirk in Norwegen eintreffen, die Meldepflicht, welche mit einer Age Beobachtun verbunden ist, wieder eingeführt worden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 21 vom 8. September v. J.)

Dänemark.

._ Durch eine sofort in Kraft getretene Bekanntmachung des Königlich dnischen Justiz-Ministeriums vom 21. d. M. sind die Vorschriften der Verordnung vom 9. September 1893, betreffend ärztlihe Beauf- sichtigung, für alle aus Häfen des Gouvernements St. Petersburg oder aus ara auf dem Seewege in Dänemark ankommenden Per- sonen in Wirksamkeit geseßt werden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 223 vom 16. September 1893.)

‘Der Gesundheitsstand in Berlin blieb auch in der Woche vom

8. bis 14. Juli ein günstiger und die Sterblichkeit cine günstige (von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berechnet, 18,3). Eine Steige: rung erfuhren Darmkatarrhe und Brechdurchfälle, die, wie immer im Juli, „in großer Zahl zum Vorschein kamen und in 190 êllen ges 131 der Vorwoche) zum Tode führten. Sie betrafen

ast ausschließlich Kinder im Alter von noch nihcht 2 Jahren. Die Betheiligung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war keine gesteigerte, von je 10000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, 90 Säuglinge wie in der Vorwoche. Dagegen traten akute Ent- zündungen der Athmungsorgane erheblih seltener zu Tage und nabmen auch vielfa einen milderen Verlauf. Erkrankungen und Todesfälle an Grippe find nicht bekannt geworden. Von den In- fektionskrankheiten blieben Erkrankungen an Typhus vereinzelt; Er- krankungen an Masern und Scharlach kamen seltener, an Diphtherie in fast gleiher Zahl wie in der Vorwoche zur Anzeige, und zwar zeigten sih Masern in der Schöneberger und Rosenthaler Vorstadt am bäufigsten, während Erkrankungen an Scharlah und Diphtherie in keinem Stadttheile in nennenswerther Zahl zur Anzeige gelangten. An Kindbettfieber wurden 2 Erkrankungen bekannt. Etwas zahlreicher wurden rofenartige Entzündungen des Zellgewebes der Haut zur ärzt- lihen Behandlung gebraht; auch Erkrankungen an Keuchhujten haben abgenommen, während rheumatishe Beschwerden der Muskeln in ge- steigerter Zahl zur ärztlichen Beobachtung kamen. :

Handel und Gewerbe.

___ Jn Budapest hat kürzlih die Prüfung der dem Köni g- lih ungarishen Handels-Ministerium zugegangenen Konkurrenzentwürfe zum Bau von zwei Brüen über die Donau stattgefunden. Dieselbe hat das Ergebniß gehabt, daß den ersten Preis von 30 000 Kronen ein Sntwurf mwürttembergischer Jngenieure erhalten hat. Die beiden übrigen Preise wurden an Einheimishe ver- theilt. Verschiedene Entwürfe, darunter ein deutscher, sind außerdem angekauft worden. Wie das Königlich ungarische Handels - Ministerium nunmehr bekannt macht, können die übrigen Arbeiten durch die betreffenden Bewerber oder deren Bevollmächtigte gegen Vorweisung des Aufgabe- oder Uebernahmescheins innerhalb sechs Monaten vom 15. Zuli ab bei der Hilfsämter-Direktion des genannten Ministeriums zurückgenommen werden.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 24. d. M. gestellt 11245, nit rechtzeitig gestellt keine Wagen. In Oberschlesien sind am 23. d. M. gestellt 4040, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Die Deutsche Baugesellschaft fordert auf Grund einés von der Generalversammlung am 24. d. M. gefaßten Beschlusses die Aktionäre auf, Angebote auf Aktienrükauf bis zum 15. August d. I. bei der Gesellschaft einzureihen. Gleichzeitig werden die Gläubiger aufgefordert, fih zu melden.

Wie die „Köln. Ztg.“ Le ist der Geheime Ober- Finan Bat Hartung in_ Berlin, Mitglied des Reichsbank«

irektoriums, in der leßten Sitzung des Aufsichtsraths des Schaafs- hausen’shen Bankvereins zum Mitglied des Vorstandes dieses Unternehmens ernannt worden. E eheimer Ober-Finanz- Rath Hartung wird bei der Berliner Zweigniederlassung des Bank- vereins eintreten und feine neue Thätigkeit voraussichtlih mit dem 1. Oktober d. I. beginnen.

Das österreihische Handels-Ministerium hat, wie die „Hamb. Börs.-H.* berichtet, den Konsulaten im Auslande bekannt gegeben, daß der internationale Getreide- und Saaten- markt in Wien auch in diesem Jahre wieder abgehalten werden wird. Der Markt soll am 27. und 28. August d. J. stattfinden.

Ueber den englischen Kohlenmarkt wird der „Rhein.- Westf. Ztg.“ unter dem 21. d. M. aus Newcastle-upon-Tyne berihtet: In Lancashire blieb die Inlandnachfrage für sämmtliche Sorten Stückkohle äußerst spärlih, während st{ch das Ausfuhr- gane infolge des schottishen Ausstandes in befriedigendem Umfang hält. Die offiziellen Notierungen der Coal Sales Afffociation bleiben unverändert, werden aber von den außen stehenden Gruben und anderen Distrikten unterboten. In Yorkshire sind die Gruben zum theil ziemli regem beschäftigt; bei anderen erin noch größeres Arbeitsbedürfniß. In Derby \hire ist der Markt f alle Sorten till; der Absay an London und dem Süden i| mäßig. Staffordshire hat Jndustriebrand neuerdings Fortschritte ge- macht, in leßterem Distrikt namentli durch eine Belebung in der Töpferindustrie; die reise sind entschieden fester. Pausbrand ist sehr vernachlässigt. Jn New port hielt sfi der Ver- and durchaus in dem Umfang der vorigen Wochen ; 81 496 t wur verschifft. Maschinenbrand ift fehr &t gefragt und behauptet auf 11 Gh E D orten. n Cardi ff

aschinenbrand gleihfalls noch nihts von seiner herigen Festigkeit eingebüßt; auch in Swansea

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