1894 / 177 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

_Nictamtliches.

Deutsches Reih. Preußen. Berlin, 30. Zuli.

Seine Majestät der Kaiser und König verließen, wie dem „W. T. B.“ berichtet wird, gestern Morgen um 81/5 Uhr ‘Oldóren, nachdem Allerhöchst O zuvor den Gottesdienst an Bord der Yacht „Hohenzollern“ abge- halten hatten. Die Fahrt ging durch den Jnvikfjord und den Nordfjord an der Nordwestküste Norwegens entlang und beim Lognefjord vorüber Bergen, woselbst Seine I rn Abend eintrafen. Den heutigen Tag über gedachten -Seîne Majestät in Bergen zu verweilen. Das Wetter ist prachtvoll.

Am 28. d. M. früh verstarb hierselbst plöglih der Ge-

Fe Hofrath Bölf ing, der älteste Beamte des Zentral- und

epeshen-Bureaus des Auswärtigen Amts, infolge eines Herz- \hlags im Alter von 63 Jahren. :

Derselbe gehörte dem auswärtigen Ressort seit dem Jahre 1863 an und war während seiner mehr als dreißigjährigen Dienstzeit daselbst fast ausschließlich in dem verantwortungs- vollen und “© anstrengenden Dienste des Zentral - Bureaus thätig. Jm Jahre 1870 folgte er dem damaligen

undeskanzler Grafen von Bismarck- Schönhausen in das Hauptquartier und erhielt durch Allerhöchste Ordre vom 19. Dezember 1870 den Rothen Adler- Orden vierter Klasse am weißen Bande mit s{warzer Ein- fassung. Jufolge seiner langjährigen Erfahrung und Kenntniß, namentlich der älteren Sachen, war seine Thätigkeit im Bureau- dienst von großem Werth. |

Dem Verstorbenen, der in Anerkennung seiner treuen und gewissenhaften Pflichterfüllung noch beim leßten Ordensfest mit dem Rothen Adler-Orden dritter Klasse mit der Schleife aus- tem i wurde, wird im Auswärtigen Amk ein dauerndes Andenken bewahrt bleiben.

Der Chef des Jngenieur- und Pionier-Korps und General- Znspekteur der Festungen, General der Jnfanterie Golz hat Berlin verlassen. ;

Der Kaiserlihe Botschafter in London, Staats-Minister Graf von Haßfeldt- Wildenburg is von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.

Der Präsident der Justiz - Prüfungskommission Dr. Stölzel ist in Urlaub an die Nordsee abgereist. Die Ab- R der Prüfungstermine bleibt bis Mitte September aus- geseßt.

Laut telegraphisher Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Sachsen“, Kommandant Prinz Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, am 27. d. M. in Kopenhagen eingetroffen und beabsichtigte heute von dort aus wieder in See zu gehen.

Bayern.

Das „Geseß- und Verordnungs-Blatt für das Königreich Bayern“ vom 25. d. M. veröffentliht nachstehende Bekannt- machung des Ministers des Jnnern Freiherrn von Fei li \ch und des M Een Dr. von Müller : N

Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, haben Allerhöch zu genehmigen geruht, daß voni 1. August 1894 ab in Abänderung des § 1 der Aller- höhsten Vérordnung vom 27. Januar 1884, Untersuchungs- anstältèn für Nahrungs- und Genußmittel betreffend, sowie dés § 1 der Allerhöchsten Verordnung vom 5. Juli 1892, die Untersuchungsanstalt für Nahrungs8- und Genuß- mittel in München mit dem pharmazeutishen Institut und Laboratorium für angewandte Chemie an der Universität München verbunden wird und der jeweilige Vorstand des leßteren Instituts zuglei; Direktor der damit verbundenen Untersuchungsanstalt ift.

Württemberg. Der Erzherzog Albrecht von Oesterreich traf am 27. d. M, von Konstanz kommend, zum Besuch FJhrer Májestäten in Friedrichshafen ein. Höchstderselbe wurde von Séiner Majestät dem König am Hafen empfangen und in das Schloß geleitet, wo er bis zum Abend verweilte. Dann seßte der Erzherzog die Reise nah Bregenz fort.

Sachsen-Meiningen.

Seine Hoheit der Herzog, welcher, wie bereits gemeldet, am 26. d. M. in Schloß Altenstein eingetroffen ist, gedenkt dáselbst, wie alljährlih im Sommer, längeren Aufenthalt zu nehmen.

Sachsen-Coburg-Gotha.

In der Kirche zu Deslau fand gestern Vormittag in An- wesenheit der Mitglieder der Herzoglichen Familie die feierliche Konfirmation Jhrer Königlichen Hoheit. der Prinz essin a durch den General-Superintendenten D. Müller tatt.

Oesterreich - Ungarn.

Der Erzherzog Wilhelm, Pelier zum Sommer- aufenthalt in Baden bei Wien weilte, kam gestern a reaa um 101/, Uhr, von einem Spazierritt nah Helenenthal zurück- Tehrend, durch Weikersdorf; hier {heute sein Pferd vor der elettrischen Bahn, bäumte sih hoh auf und warf den Erzherzog ab. Dieser blieb mit dem einen Fuß im Steigbügel hängen und fiel mit dem Hinterhaupt auf einen. Stein auf. Der Jnhaber eines. in dex Nähe ges enen Restaurants eilte mit seinen Bediensteten herbei, und er Erzhérzog wurde in das S Wirths getragen. Sechs herbeigerufene Aerzte stellten eine kläffende Kopf- wunde und eingetretene ener ütterung fest und er-

klärten den Zustand des Verlehten für sehr bedenklih. Der |

Erzherzog wurde mit den Sterbesakramenten versehen und bewußtlos nah seiner Villa gebracht; hier kam er auf kurze Zeit zur Besinnung und es trat f{einbare Besserung ein;

Bewußtlosigkeit wieder und um 51

rte jedo L /g Uhr 1-Ab Reu iedder Erzherzòg. Der Erzhexzo Otto | „Mars ve Nad t N Unfall aus Oede e der

Erzherzog und die o Rainer aus Gmunden in Baden eingetroffen. Auch der Erzherzog Eugen kam estern e an. Die Ankunft des Raik ers aus Jschl in ien wird erwartet. Die Leiche des Erzherzogs Wilhelm wird wahrscheinlich morgen Nachmittag, mit dem Ordenskleide des Hochste und Deutschmeisters bekleidet, nah Wien übergeführt und in der Kapelle der s aufgebahrt werden. Jm Erz- herzoglihen Palais in Wien sind bereits zahlreiche Beileids- bezeugungen eingetroffen. Vom Rathhause in Wien und den stff tisthen Gebäuden daselbst wehen heute Trauerfahnen. (Erzherzog Wilhelm, der jüngste Sohn des am 30. April 1847 verstorbenen Erzherzogs Karl und dessen am 29. De- zember 1829 verstorbener Gemahlin, geborenen Prinzessin von Nassau- Weilburg, war am 21. April 1827 geboren und unvermählt. Höchstderselbe bekleidete in der österreihishen Armee den Rang eines General - Feld - Zeugmeisters und war General - In- Mera der Artillerie, sowie Inhaber des JInfanterie- egiments Nr. 4 Hoh- und Deutschmeister, des Infanterie-Regiments Nr. 12 und des Korps-Artillerie-Regiments Nr. 3. Ferner war der Erzherzog Wilhelm Chef des Königlich preußishen Feld-Artillerie- Regiments Prinz August von Peceulten (Ostpreußisches) Nr. 1 und Großmeister des Deutschen Ordens im Kaiserthum Oesterreich.) Der Reichsraths - Abgeordnete t rgerInaier Winter- holler in Brünn ist gestern früh 51/5 Uhr gestorben.

Frankreich.

«Im Senat verlas am Sonnabend der Justiz-Minister Guérin das Dekret, durh welches die Session für ge- \ A Ul en erklärt wird. Sodann wurde die Sigung auf- ehoben. Jn der Deputirtenkammer verlas der Minister- Präsident Dupuy das Dekret. Der Deputirte Paschal Grousset (Sozialist) protestierte heftig dagegen, indem er er- klärte, er habe den Minister-Präsidenten benachrichtigt, daß er ihn wegen der Begnadigung der von dem Staatsgerichtshof wegen der boulangistishen Angelegenheiten Verurtheilten inter- pellieren wolle. Der Minister-Präsident Dupuy erwiderte unter dem Widerspruch der äußersten Linken, der Schluß der Session sei auf Grund der Verfassung erklärt. Die Sißung wurde darauf aufgehoben.

Nußland.

Jn den ersten vier Monaten des Jahres betrugen nah einer Meldung des „W. T. B.“ aus St. Par, die ordentlihen Einnahmen des Staats 312810 000 Rubel gegen 258 627 000 Rubel im gleichen Zeitraum des Vorjahres, die außerordentlichen 16 761 000 Rubel gegen 98642 000 Rubel im Vorjahre. Von den Ausgaben in derselben Zeit beliefen sih die ordentlihen auf 216 106 000 Rubel gegen 206 243 000 Rubel im Vorjahre, die außerordentlichen auf 17673 000 Rubel gegen 13 665 000 Rubel im Vorjahre. Die Verzinsung der öffentlichen Schuld erforderte in den ersten vier Monaten 66 020 000 Rubel gegen 84 414 000 Rubel im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Jtalien.

Der Khedive is} vorgestern von Venedig nah Mailand abgereist.

Spanien.

Aus Barcelona wird gemeldet, das Verfahren gegen die Anarchisten Vaccherini, Nombiela und Esteve, die der Urheberschaft an dem Attentat gegen den Marschall Martinez Campos bezichtigt wurden, sei wegen mangelnder Beweise eingestellt worden.

Bulgarien.

Der Minister-Präsident Sto ilow bezeichnete in einer in Philippopel gehaltenen Rede als Programm der Regierung die Erhaltung der nationalen Dynastie, die Aufrechterhaltung der Verfassung und der Geseße sowie die Besserung der Finanzen. Die Regierung werde die Anleihen nur zu den bei ihrer Aufnahme angegebenen Zwecken verwenden, die direkte Steuerlast zu vermindern und die indirekten Staatseinnahmen zu erhöhen suchen. Der Minister gab ferner die Erklärung ab, daß die Regierung, nachdem sie hierzu die Bewilligung der betheiligten Staaten eingeholt haben werde, bei Einfuhr zöllen einen Zuschlag von 15 Procent, sowie eine Gewerbesteuer von den Angehörigen fremder Staaten zu erheben beabsichtige.

Dänemark.

Bei dem vorgestrigen Empfang der Mitglieder des Reichstags anläßlich der silbernen Hochzeitsfeier des Kron- prinzlihen Paares brachten die Präsidenten beider Kammern die Glückwünsche des Reichstags dar. Der Kronprinz dankte allen Mitgliedern des Reichstags, weil sie, obwohl dieser nicht tage, die Reise nah Kopenhagen nicht gescheut hätten. Er und seine Gemahlin erblickten darin ein gutes Omen für ihr künftiges Leben und eine Nahwirkung der erfreulihen Be-

ebenhéiten des leßten Frühlings, durch die den traurigen, seit

leager Zeit das Volk entzweienden politishen Zwistigkeiten ein Ende bereitet sei. Der Kronprinz {loß mit dem Wunsch, daß das Resultat der ferneren Arbeiten des Reichstags der gesammten Nation zum Nußen und Segen gereichen möge.

Bei der großen Galatafel, die am Sonnabend im Residenz- {loß Amalienborg stattfand, trank der König auf das Wohl des Kronprinzen und der Kronprinzessin. Der Kronprinz dankte und trank auf das Wohl seiner geliebten Eltern. Darauf sprach der König seinen Dank aus für die Anwesen- heit der erhabenen Fürstlichkeiten, die anläßlih der silbernen Hochzeit sein Haus besuchten. Der N Heinrich von Preußen mngle n jenem Up, er werde einen Gruß e seinen Bruder, Seine Majestät den Ee überbringen; er leere sein Glas auf das Wohl der dänishen Majestäten, auf das Glück des dänishen Volks und besonders auf das Wohl- ergehen des hohen Jubelpaares. Um 71/2 Uhr Abends fuhren sämmtliche Fürstlihen Herrschaften unter der Eskorte von Husaren durh die Stadt, um die Festillumination und das roßartige Feuerwerk am Hafen, wobei auch die fremden

E iffe mitwirkten, zu besichtigen.

fe

ér König von Schweden und Norwegen ist

gestern a s i und der Gro ßfürst Thronfolger in

La des Prinzen Christian von Dänemark estern Abend 10 Uhr von Kopenhagen wieder abgereist. Der Prin) Heinrih von Preußen is heute Vormittag

1/2 Uhr von Kopenhagen abgereist.

Amerika.

Der chilenishe Senat hat nah- einer Meldung aus Santiago eine Amnestie angenommen.

von dieser glüccklihen Stätte an f

Usfien.

Aus. Tokio von vorgestern meldet die „Agenzia Stefani“, der italienische Gesandte habe im Einvernehmen mit dem S Gesandten dem amen Minister des

uswärtigen Vorschläge der chinesishen Regierung N Koreas überreicht. Die japanische Re E werde die Vorschläge in Erwägung ziehen und habe sih die Antwort vorbehalten. :

Jn Shanghai vorgestern eingetroffenen Nachrichten aus Söul zufolge habe der japanishe Gesandte bei der Koreanischen Regierung beantragt, die Zurüd iehun 9 der chinesischen Truppen zu v dam: Auf die Weigerung der Koreanischen Regierung habe ein kurzer Kampf in Söul stattgefunden, infolge dessen die japanischen Truppen den Palast, in dem sih der König befunden habe, in Besiß T hätten. Der leßtere habe sih an die europäischen

ertreter mit der Bitte um Vermittlung gewandt.

Die ante Ne Ca M DOT in London hat vor- gestern folgende Pee aus Yokohama erhalten: Jufolge einer hweren Provokation seien drei japanische Kriegs- chiffe gezwungen gewesen, chinesishe Kriegsschiffe bei

ontao anzugreifen; sie hätten ein chinesisches Kriegs- chiff erobert und ein Transportschiff mit Soldaten in den Grund gebohrt. Die anderen chinefishen Schiffe Pee ent- kommen. Die japanischen Kriegsschiffe seien unbeschädigt.

Aus Shanghai. von gestern meldet das oan Bureau“ über das See S am Freitag: Drei Ban che Kriegsschiffe seien am 27. d. M. bei Asan auf die Iaetlchen Kriegsschisfse „Chenyuen“ und „Kotse“ aue einen Aviso ge- stoßen, die steben Transportschiffe beg eitet hätten. Es fei zum Kampfe gekommen, der „Chenyuen“ habe sich urückgezogen, der „Kotse“ und sechs Transportschiffe Ven entkommen. Der chinesische Aviso sei nah hartnäckigem Kampf genommen, das chinesishe Transportschiff „Kowshung“ von den japanishen Schiffen mit Torpedos beschossen worden ; leßteres Schiff sei bei der Shopiont - Jnsel G mit 1500 Soldaten gesunken, wovon nur 40 durh das ranzösi- he Kanonenboot „Lion“ gerettet worden seien. Alle an Bord des „Kowshung“ befindlichen Europäer hätten in dem Kampf den Tod gefunden. An demselben Tage hätten die japanishen Truppen die Chinesen bei Asan an- gegriffen, weitere Nachrichten über diesen Kampf fehlten.

Der britishe Kreuzer „Porpoise“ ist gestern von Shanghai abgegangen, um die Engländer in Chefoo zu schüßen.

Afrika.

Nach einer Meldung der „Agenzia Stefani“ aus Massowah begehe die dortige italienische Kolonie Festlichkeiten anläßlih der Einnahme von Kassala, die auf die Abessinier einen tiefen Eindruck gemacht habe. Die Häuptlinge von Tigreh hätten an den Genera! Baratieri Glückwünsche gesandt. Die aus Kassala entflohenen Derwische seien! nah dem Oberlaufe des Atbara geflüchtet. Der Gesundheitszustand des Operations- Korps fei ausgezeichnet, die Verwundeten befänden sih auf dem Wege der Heilung. Der General Baratieri werde am 29. d. M. in Keren erwartet.

Aus Saint Louis am Senegal is in Paris die Nach- richt eingetroffen, Alikari, der Marabout von Bosso im Süden von Bandjagara, der den heiligen Krieg gepredigt hatte, habe der ihm entgegentretenden französishen Truppen- abtheilung eine Niederlage beigebraht. Der Kommandant von Segu habe darauf N oen abgesandot. Diese hätten Bosso erobert und im Gefecht Alikari mit- 500 seiner Leute getödtet. Auf französisher Seite seien ein Europäer und acht eingeborene Tirailleurs gefallen. Außerdem seien 6 Offiziere, 15 europäische Soldaten und 128 Tirailleurs verwundet worden.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Ebensowenig wie bei Börsengeschäften zwishen einem als Selbstkontrahenten auftretenden Banquier und seinem Kunden ift, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Zivilsenats vom 18. März 1894, bei folhen Geschäften zwishen dem als Kommissionär auftretenden Banquier und seinem Kommittenten die Einrede des unklagbaren Differenz\piels grundfäßlih ausgeschlossen, selbst wenn der Kommissionär zu seiner eckung mit Dritten dem Gegenftande nah mit den Spielgeshäften übereinstimmende Geschäfte abgeschlossen hat. „Ist der Kommissionsaustrag nur die äußere Form, unter der sh die ausschließlich auf Ziehung von Differenzen, nicht aber auf den der Form entsprechenden Geschäftsinhalt gerihtete übereinstimmende Absicht der Kontrahenten verbirgt, so kommt es darauf, daß der wahre Kom- missionsvertrag die Einrede des Differenzspiels nicht zulassen würde, nit an; denn es liegt dann ein Auftrag zur Abschließung von Ge- schäften für Rechnung des Auftraggebers auf der einen Seite und ein Eintritt in das aufgetragene Geschäft von der anderen Seite in Wahr- heit nicht vor, vielmehr bedienen sih die Kontrahenten der Formen des Kommissionsvertrags nur zum Schein, um den die Rolle des Kommissionärs Uebernehmenden in die Lage zu seyen, dem andern neben der sich ergebenden Differenz, Provision, Courtage und Auslagen in Rechnung ftellen zu dürfen, gleihwie wenn er dessen Kommissionär gewesen wäre, während es sih in Wahrheit nur um zwischen Beiden vereinbarte Spielgeshäfte handelt. Die von dem Kommissionär zu seiner Deckung etwa mit Dritten geschlossenén, dem Gegenstande nach mit den Spielgeshäften übereinstimmenden Ge- schäfte sind selbstverständlih für das Rechtsverhältniß zwishen den um die Differenz sptelenden Kontrahenten ohne Bedeutung. Auch {ließt der Abschluß folher Deckungsgeschäfte die bloße Spielabsicht der Hauptkontrahenten nicht aus.“ (480/93.)

In Bezug auf die §8 701 und 702 des Preuß. Allg. Land- rechts 111: j :

„Wegen bloß mündlicher Beleidigungen oder Drohungen, in- gleichen wegen geringerer Thätlichketten sollen Eheleute gemeinen Standes nicht geschieden werden. Auch unter Personen mittleren und höheren Standes kann die Scheidung nur alsdann statt- finden, wenn der beleidigende Ehegatte sich solher Thätlichkeiten und Beschim fungen ohne dringende Veranlassung muthwillig und wiederholt {uldig macht“ . /

hat das Reichsgericht, IV, Zipilsenats, durch Urtheil. vom 5. April 1894 ausgesprohen: Der Unterschied, wie thn das Gesey zwischen Leuten des gemeinen und des mittleren Standes macht, bestimmt sich je nach den äußeren Lebensverhältnissen, der Erziehung, der empfangenen Bildung und der fih danach a Denkungs- und Gefühlsweise des Einzelnen; das Gesey präsumiert, daß Leute, die nah diesen Richtungen hin auf einer niedrigeren Stufe stehen, für Beleidigungen und. Thätlichkeiten. leihterer Art weniger empfänglih sind gera ihnen infolge der widerfahrenen Unbill die Fortseßung der ehelihen Gemeinschaft nicht unmögli wird, Oh jene Voraus- sezungen nah der cinen oder anderen Seite zutreffen, ist in jedem einzelnen Falle auf thätsä{hlider Grundlage zu beurtheilen. (1IV. 428/93.)

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts,

Trinkgelder an Dienstboten und Gewerbegehilfen die feitens heer Dienstherrschaft auf die Trinkgelder A Lohn oder statt desselben niht angewiesen sind beispiel8weise die den Pferdebahnschaffnern von den Fahr ästen zufließenden Trink- gelder, sind, nah einer Entscheidung des Ober-Verwaltun 8gerichts, V. Senats, 2. Kammer, vom 21. Dezember 1893, regelmäßig n iht als Eu flihtiges Einkommen zu erachten. Zensit empfängt als Schaffner einer Pferdebahngesellschaft Gehalt und Dienstkleidung, wofür bei der Steuerveranlagung 927 A berechnet sind. Hierzu wurde eine Trinkgelder-Cinnahme von mindestens 124 4 jährlih gerechnet, und diese Hinzurehnung wurde von der Berufungskommission gebilligt. Der Be chwerde des Steuerpflichtigen gab das Ober-

erwaltungsgeriht statt, indem es begründend ausführte: „Trink- gelder sind an und für sih freiwillig geleistete Zuwendungen, die ein nah § 15 des Einkommensteuergesetzes vom 24. Juni 1891 s\teuer- pflichtiges Einkommen, wie Lohn oder Arbeitsverdienst der Gewerbe- geh fen und Dienstboten, niht hervorbringen, die auch niht aus

echten auf periodische Hebungen oder Vortheile irgend wel{er Art entspringen. Denno ist von Ober - Verwaltungsgeriht anerkannt, daß im gewerblihen und Verkehrsleben sich Gewohnheiten entwidelt haben, die es gestatten, sog. Trinkgelder als Verdienst der Betheiligten anzusehen und dèmgemäß als steuerpflichtiges Ein- kommen im Sinne des § 15 Eink.-St.-G. zu behandeln. Diese Auffassung ist aber zuglei an die Voraussetzung gebunden, daß die Betheiligten auf die „Trinkgelder“ als Nebeneinnahmen neben dem Lohn oder statt desfelben angewiesen sind, möge dies ausdrücklih bei Entstehung des Lohnvertrags zwishen dem Dienstherrn und dem Dienstnehmer ausgemaht oder, dem Herkommen ent prehend, beider- seits so verstanden sein Dies is bei Pferdebahn- schaffnern notorisch nit d Fall, wie beispielsweise au die Dienstboten in Privathäusern auf ' die ihnen zufließenden ‘Trinkgelder niht angewiesen sind. Auch die Annahme eines bezahlten Nebenerwerbs des Schaffners ist abzuweisen, da es an jegliher Lohn- verabredung fehlt. Endlich kann den Trinkgeldern au nicht der Charakter von Einkommen aus Rechten auf periodishe Hebungen und Vortheile irgend welcher Art insoweit beigelegt werden, als. etwa ein Theil derselben zwar \{henkungsweise aber mit einer Nachhaltigkeit fließt, die die Einrichtung des Hauswesens darauf zu gründen gestatten soll. Denn. leßteres Merkmal ist niht ein folches, das willkürliche Zuwendungen im allgemeinen anrechnungsfähig macht, sondern nur da verwerthbar, wo es sich um wiederholte Gratifikationen an Beamte handelt.“ (B. 2233/93.)

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Promotionen in den Fakultäten der preußischen Universitäten.

__ (Stat. Korr.) In den 25 Semestern von Michaelis 1879 bis Ostern 1892 wurden promoviert: in der evangelish-theologischen Fakultät 52 (davon Kiel 2, Marburg 3, Berlin, Breslau, Königs- berg je 5, Halle, Greifswald je 7, Göttingen 8, Bonn 10); in der fatholish-theologischen Fakultät 20 (davon Breslau 5, Münster 15, Bonn 0); in der juristischen Fakultät 974 (davon Kiel und Königsberg je 5, Marburg 9, Greifswald 15, Bonn 16, Halle 25, Breslau 34, Berlin 84, Göttingen 781); in der medizinishen Fakultät 4445 (davon Marburg 209, Königsberg 223, Breslau 246, Göttingen 272, Kiel 380, Halle 381, Bonn 616, Greifswald 618, Berlin 1500); in der philosophisWen Fakultät 4215 (davon Münster 145, Greifswald 180, Kiel 204, Königsberg 259, Bonn 283, Breslau 325, Marburg 454, Göttingen 576, Verltn 848, Halle 941). Die verhältnißmäßige Häufigkeit der Pro- motionen in den Fakultäten wird zweckmäßigerweise niht auf Grund der Durchscnittsfrequenz berehnet, fondern auf Grund der Zahl der etwa im gleichen E mit dem Falkultäts\tudium Fertiggewordenen. Diese Zahl, die nah einer hier nicht weiter zu erörternden Methode näherungsweise berehnet werden Tann, betrug in der evangelish-theologischen Fakultät ungefähr 3800, in der katholish-theologishen Fakultät 765, in der juristishen 6760, in der mediztnishen 4770 und in der philosophishen etwa 8800. Nach- diesen Näherunnswerthen rechnet sich heraus, daß unter je 1000, ‘die das Studium ban anen hatten, promoviert haben :

n der evangelish-theologishen Fakultät. . . . 14 fatholish-theologishen Fakultät .... 2 juriliWen Kt Odd MeDIAINTCDeN M. i: as v u o 902

L 2 POUDIOUD He Mata a 478 Hierbei sind alle Promotioxen auch älterer, {hon in Berufsausübung begriffener Männer mit eingerehnet, was indessen, mit Ausnahme etwa der medizinischen Fakultät, niht von Belang, an sich aber auch durchaus sinngemäß ist. Jn der philosophischen Fakultät würde die Verhältnißzahl der Promotionen thatsählich wohl größer. sein, wenn man diese streng auf die Zahl der Vollstudenten dieser Fakultät be- ziehen könnte ; andererseits promovieren in der philosophischen Fakultät aber auch Angehörige anderer Fakultäten.

Im Aligemeinen ist das Promovieren bei den Medizinern noch heute in schr weitem Umfang üblih; 939% von ihnen erwerben den Dokortitel, mit dem ja der Volksmund kurzweg ihre berufliche De maung, bezeihnet. Die namentliche Liste der Medizinalpersonen, die im „Medizinalkalender“ abgedruckt ist, bestätigt die Häufigkeit des Doktortitels bei Aerzten. Eine Auszählung der Liste daraufhin ergiebt, daß unter je 1000 Aerzten 934 jenen Titel führen. Nächst den Medizinern streben die Angehörigen der philosophischen Fakultät, von diesen etwa jeder zweite, am häufigsten nah dem akademischen Grade, darunter eine nit kleine Zahl von solchen, die die Universität niht zum Zweck einer besonderen Berufsvorbildung, fondern zur Erlangung und Vertiefung der allgemeinen Bildung be- suchen und dann gern mit dem akademischen Grade den Abschluß der Universitätsstudien kenntlih mahen. Von den Juristen erwirbt etwa jeder siebente den Doktortitel; früher, in der ersten Hälfte der achtziger Jahre, war das indessen viel häufiger ; in neuerer Zeit ist es wieder etwas aus der Mode gekommen.

Im ganzen sieht man an den vorgeführten Zahlen, daß auf den akademischen Grad des Doktors noch immer ein großes Gewicht elegt wird. Zur Rg dieser Würde werden ganz beträcht- ihe Kosten aufgewendet. echnet man die Promotionsgebühren, die Druckosten für die Dissertation und die fonst noch mit der Promotion verbundenen oder freiwillig übernommenen Nebenkosten nur etwa auf durchshnittlich 450 4, so haben in den obengenannten 25 Semestern die 9706 in Preußen rits r für Er- werbung des Doktorgrades niht weniger als 4 367 000 e baare Kostèn: aufgewendet, Der Drang nah akademischen Würden ist dem Deutschèn vornehmlich eigen. an sieht, daß er sich außer den wifsenschaftlihen Arbeiten auch noch einer nennenswerthen Selbst- Hiri unterzieht, um die Ehre des akademishen Grades zu

hen.

Internationaler Kongreß für Arbeitsunfälle und soziale Versicherung.

, Auf Veranlassung des italienischen Handels-Ministeriums hat der permanente Aus\chuß, welher im Jahre 1889 gelegentlih des ersten internationalen Es für Arbeitsunfälle in Paris zusammentrat entschieden, den dritten Kongreß der zweite wurde bekanntlich im Jahre 1891 in Bern gehalten am 1. Oktober d. J. in Mailand stattfinden zu laffen, woraufhin ih in leßterer Stadt ein Organisationsausschu mit dem Bürgekttikeister von Mailand Herrn G. Bgui, als Präsidenten, und den fetten Senator Graf Annoni und Abgeordneter (früherer Finanz-Minister) Luzzatti, als Vize- Präsidenten, gebildet hat.

Der Organifationsaus\{uß' hat im Verein mit dem ermanenten Aus\huß ein Rundschreiben nah sämmtlichen Ländern Bes er- pn ajjen, worin er den Zweck des Kongresses darlegt und die eiter und Vertreter von Unfallversicherungsgefell\haften, Kranken- kassen und gogen industriellen Unternehmungen, Gelehrte, kurz alle diejenigen zur O einladet, welche fich für die Frage der Unfallverhütung und der ilderung der durch Unfälle, Krankheit und Alters\{chwäche entstehenden Leiden der Arbeiter, und die damit ver- bundene Statistik und Gesetzgebung aller Länder interessieren.

Die auf dem Kongreß zu besprehenden Gegenstände sind E zahlrei, und erste Autoritäten Italiens, Deutschlands, Oesterreichs, SRIO rankreihs, der Schweiz, Belgiens, Rußlands 2c. haben in bereitwilliger Weise ihre Mitwirkung als Berichterstatter zu esagt. Um an dem i theilzunehmen, wende man ih an den rga- nisations-Auss{chuß Monsieur le Maire, Congrès des Accidents, Milan). e U A beträgt 8 #, wofür jedes Mitglied, ob an- wefend oder uicht, auch auf die die Berichte und. Verhandlungen ent- E oa s uter V angen Ner Sprache a: pur us enen

ru at. 1e Anmeldung mu ätestens 20. September geschehèn. 5 and, v ür die perfönlih Theilnehmenden werden vom Organisation s- Ausf spezielle Preisermäßigungen bei den verschiedenen Bahn- behörden erwirkt werden.

Neben den {on oben erwähnten Autoritäten der meisten Länder Europas haben au verschiedene Regierungen das Erscheinen ihrer Delegirten auf dem Kongreß zugesagt, so ‘daß der gute Erfolg der- selben im voraus als lefihort angenommen werden darf.

Zur wirthschaftlichen Lage der Arbeiter im Jahre 1893.

Dem Jahresbericht der Königlich preußischen Regierungs- und Gewerberäthe und Bergbehörden für das Zahr 1893 entñehihen wir ferner folgende Mittheilungen über Berlin und Charlotten - burn Die c Schlusse des Berichtsjahres vorgenommene Zählung der Fabriken dieses Aufsihtsbezirks und der in ihnen beshäftigten Arbeiter hat ein günstigeres Ergebniß gehabt als im Vorjahre. Ende 1892 war eine Verminderung der männlichen Arbeiter um 2766 Personen zu verzeichnen, während die leßte Zählung eine Vermehrung um 32 Fabriken, 839 männliche und 1797 „„weiblihe Arbeiter ergiebt, sodaß \sich das Gesammt- ergebniß für Berlin und Charlottenburg auf 4444 Fabriken mit 101 160 männlihen und 34949 weiblichen Arbeitern \tellt. Die Zahl der in den Fabriken Berlins und Charlottenburgs beshäftigten jugendlihen Arbeiter von 14 bis 16 Wahren betrug überhaupt 7433 (+ 66), davon waren männlich 4560 (— 103) und weiblich 2873 (+ 169). Kinder unter 14 Jahren waren über- haupt nur 15 E 18) beschäftigt; davon waren 13 männlih (— 18) und 2 weiblich. Von den jugendlichen Arbeitern waren u. a. be- {äftigt in der Industrie der Metallverarbeitung 1229, nämli 1048 männliche und 181 weibliche; in der Industrie der Maschinen, Werk- zeuge, Instrumente, Apparate 1246, nämlich 1187 männlihe und 99 weibliche, in der Textilindustrie 508, davon 201 männ- lihe und 307 weiblihe; in der Popier- und Leder- industrie 1086, davon 479 männlihe und 607 weiblihe; in der Industrie der Bekleidung und Reinigung 1417, davon 102 männliche und 1315 weiblihe, Die Zahl der in den Berlin-Charlottenburger Fabriken beshäftigten Arbeiterinnen über 16 Jahre betrug überhaupt 32 076 (+ 3029); davon waren bis 21 Jahre alt 13 813 (4 2775) und über 21 Jahre alt 18 263 (+ 254). Die Zahl der Arbeiterinnen hat in den Jahren 1880—1890 andauernd erheblich zugenommen ; von da ab ist die Zunahme geringer geworden. Von Einfluß auf diese Verhältnisse find namentlich die Textil-, die Papier- und Leder-, am meisten aber die Bekleidungsindustrie gewesen. Von 32 076 erwachsenen Arbeiterinnen wurden 11 829 in der Industrie der Bekleidung und Reinigung, 6293 in der Papier- und Leder- industrie, 4691 in der Textilindustrie, 2500 in den polygraphishen Gewerben und 2145 in der Metallverarbeitung beschäftigt, während die Zahl der auf die übrigen Industriezweige entfallenen Arbeiterinnen verhältnißmäßig gering ist. Was die Arbeiterschaft im allgemeinen be- trifft, fo findet sich die hauptsächlihe Zunahme mit 1140 männlichen und 299 weiblichen Arbeitern in der Maschinenindustrie, mit 521 männlihen und 223 weiblihen in der Nahrungsmittelindustrie, mit 241 männlichen und 978 weiblihen in der Industrie der Bekleidung und Ca Paed mit 113 männlichen in der Textilindustrie. Eine Abnahme hat a efunben in den polygraphishen Gewerben mit 768 männlihen und 270 weiblihen und îin der Industrie der Steine und Erden mit 201 männlihen und 44 weiblihen Arbeitern. Die Arbeitszeit geht in Berliner Fabriken nur in verhältnißmäßig wenigen Fällen über zehn Stunden hinaus und überschreitet elf Stunden nur selten (Brauereien, Fleischverarbeitung, Dekaturen). Nachtarbeit kommt nur in den kontinuierlihen Betrieben, den Zeitungs- druckereien und in einigen chemishen Fabriken vor. Der Be- riht hebt hervor, daß das Bestreben besteht, Tagelöhne mög- lichst zu vermeiden und Stücklöhne einzuführen. Aus den Arbeitsordnungen geht hervor, daß in den meisten Fällen von beiden Seiten, den Arbeitgebern und Arbeitnehmern, von der eseße lichen Kündigungsfrist Abstand genommen wird. Die Ocifnilalion von Arbeiteraus\{hüssen is in den Arbeitsordnungen zwar mehrfach vorgesehen, aber in der Ausführung mit wenigen Ausnahmen nicht über die allerersten Anfänge hinausgediehen.

_In der Provinz Pommern hat die Zahl der in Fabriken be- schäftigten Kinder unter 14 Jahren wieder bedeutend abgenommen und beträgt nur noch 10 (— 45), davon 7 männlih (— 24) und 3 weiblich (— 21). Die Zahl der Änlagen, die jugendliche Arbeiter beschäftigen, ist von 317 auf 381 gestiegen, ebenso die Gesammtzahl der jugendlihen Arbeiter von 1768 auf 2021. In 266 Anlagen wurden 3115 Arbeiterinnen beschäftigt gegen 3020 Arbeiterinnen in 294 Anlagen im Jahre 1892. Unter den jugendlihen Arbeitern von 14—16 Jahren waren 1519 (4+ 297) mânnlich und 492 (+ 1) weiblich. Von den Arbeiterinnen über 16 Jahren waren 1429 (+4 47) bis 21 Jahre alt und 1686 (+4 48) über 21 Jahre.

Zur Arbeiterbewegung.

Der in Witten abgehaltene Delegirtentag rheinisch-westfäli- scher Knappenvereine beshloß, wie der „Generalanz. f. Dtmd.“ meldet, einstimmig, von der Gründung eines christlihen unparteiischen Knappenbundes abzusehen und die Sache des alten Verbandes deutsher Bergarbeiter zu fördern.

Aus Schlotheim i. Th. wird dem „Vorwärts“ über den dortigen Seilerausstand berichtet, daß \sih jeßt die im Hause be- schäftigten Arbeiter den Ausständigen angeshlofjen haben. Die E der zu Unterstüßenden beträgt 72 männlihe und 61 weibliche Per- sonen. Die Produktion foll völlig lahmgelegt und die Vorräthe sollen erschöpft sein. :

Hier in Berlin wurden am Freitag in 33 sozialdemo- fratishen Gewerkschaftsversammlungen Beschlüsse im Sinne der Fortdauer des Bierboykotts gefaßt.

Aus Paris schreibt man der „Köln. Ztg.“ : 350 Arbeiter der Spinnerei Detraux bei Arras sind ausftändig, weil die Ar- beitszeit um zwei Stunden gekürzt wurde und entsprehende Lohn- abzüge stattfanden. : : j

Aus Königinhof in Böhmen bérichtét man dem „Vorwärts“, daß der Ausstand der Arbeiter der Neurettendorfer Seiden- fabrik beendet ist, daß aber eine Anzahl der Ausständigen nicht wieder eingestellt wuïde.

Land- und Forstwirthschaft.

Ernteergebniß der Kolonie Neu-Süd-Wales.

Einer Veröffentlihung des Regierungs - Statistikers der Kolonie Neu-Süd-Wales über das dortige Ernteergebniß 1893/94 entnehmen wir folgende Angaben: a E

Das im ganzen unter Kultur befindl Land wird 1 206 992 Aer ras Davon waren e rar c . psd mit Mi zes o Ader,

rünfutter #306 Kartoffeln undanderen Knollenfrühten 26977 __ Der Gesammtertrag an Weizen wird auf 6 502 715 Bushel ge- \chäßt, das sind 10,9 Bufhel für den Aer. | E __ Der Ertrag der vorjährigen Etnte stellte sich auf 6 817 457 Bushel für 452 921 Aer oder 15,05 Bushel für den Aer. Im übrigen sind folgende Erträge erzielt worden : L o e E Tae 7 E La. D E 12e Sa 9244 Der Ertrag von Kartoffeln wird auf 83 838 Tonnen, das {ind 3,2 englishe Tonnen für den Aer berechnet.

Ernteergebniß in der Kolonie Tasmanien.

, Die mit Weizen bebaute Flähe wird auf 55 312 Acker geshägt d. i. 3985 Aer weniger als im Boot Das Ergebni e

auf 833 771 Bushel, d. i. 15,07 Bushel per Acker und 184 779 Bushe weniger als im Vorjahre. Im übrigen sind folgende Erträge erzielt

worden: Á ub nbaufläche. Ergebnisse. Gerst a6 ler 110 174 Ble pater E O S O, O B. 1244 Kartoffeln ¿19008 - 76 769 t

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

i _— Preußen.

Der Regierungs-Präfident zu Oppeln hat in einer unterm 30. Juni 1894 erlassenen Rundverfügung angeordnet, daß die Be- \chäftigung landwirthschaftliher Arbeiter aus ußland nur unter folgenden Bedingungen gestattet wird:

1) Von den Arbeitern bezw. den sie begleitenden Führern ist ein Attest der zuständigen russischen Polizeibehörde vorzulegen, durch welches erwiesen wird, daß der Herkunftsort der Arbeiter Holcrasret;

2) auf Kosten der Arbeiter bezw. ihres Führers oder des Arbeit- eee ist dur einen deutschen Arzt beim Eintritt in das Inland estzustellen, daß ein Verdacht bezüglich der Person der Arbeiter auf Choleraerkrankung „Und bezüglih ihrer Sachen auf Verunreinigung durch Choleradejettionen ausgeschlossen ist.

Die Grenzzollämter wurden ersucht, die betreffenden Arbeiter- trupps nicht eher in das Inland eintreten zu lassen, als bis die er- wähnte Untersuchung stattgefunden hat und nah äârztlihem Befund gegen den Eintritt Bedenken niht obwalten, während die Prüfung der Bescheinigungen des Herkunftsorts durch die Polizeibehörde vor der Vornahme der Untersuchung zu veranlassen ist.

Bezüglich des Durchzugs russischer, für andere Regierungs- bezirke des Inlandes bestimmter Arbeiter findet die obige Ver- fügung sinngemäße Anwendung.

i __ Indien. (Großbritannien.)

Die Regierung zu Bombay hat dur Verordnung vom 29. Juni 1894 in den Häfen der Präsidentshaft Bombay, einshließlich Sindh, bis auf weiteres über Provenienzen von Hongkong Quarantäne gegen Pest verhängt.

Spanien.

Durch Königliche Verordnung vom 18. Zuli 1894 i wegen Auf- tretens des gêlben Fiebers auf Trinidad (kleine Antillen) Quarantäne angeordnet worden für die von dieser Insel und cinem Umkreis von 165 km nah Spanien kommenden Schiffe, und zwar ohne Rücksiht auf den Tag der Abfahrt von Trinidad und auf die Art des Gesund- heitspasses der Schiffe. +

ürkei.

__ Gegen Ankünfte aus dem finnishen Meerbusen, welche von dort feit dem 23./9. Juli 1894 abgefahren sind, is eine in den Lazareth- hâfen von Klazomenä, Beirut und Tripolis (Afrika) abzuhaltende Ee von L egen E enen | elsende aus Guropa haben sich in Mustafa Pascha und Zibeftche einer 24 stündigen Beobachtung zu unterziehen. E I

Der bulgarische Ges dheitrath, bat f lgende Maßnah

Der bulgarische Gesundheitsrath hat folgende Maßnahmen gegen

die Einschleppung der Cholera aus der Türkei E e M 1) Reifende, welhe aus der Türkei mit dem gewöhnlichen Zuge

kommen, unterliegen einer strengen ärztlihen Untersuhung.

: E Orienterpreßzug hat freien Zutritt, wenn in Adrianopel keine teisenden eingestiegen find. Im anderen Falle unterliegen die Paslagbue der ärztlihen Untersuchung.

3) Waaren aus der Türkei unterliegen weder einer Quarantäne noch der Desinfektion.

_4) Die im „R.-Anz." Nr. 295 vom 11. Dezember v. J. auf- geführten Gegenstände, deren Einfuhr in Bulgarien verboten war, werden nit zugelassen, wenn sie aus dem Vilayet Adrianopel kommen. Ausgenommen find getrocknete Früchte.

Cholera.

Danzig, 28. Juli. Bei dem am 2. Juli in Klein- Plehnendorf crkrankten Holzwähhter aus Bohnsack (vergl. Nr. 175 d. Bl.) ist dem „W. T. B.“ zufolge die Cholera bakteriolo- gis festgestellt. Choleraverdähtig erkrankt find je eine Frau in

horn und in Flatow.

St. Petersburg, 28. Juli. An Cholera erkrankten bezw. starben nah dem Bericht des „W. T. B.* in der Zeit vom 22. bis 28. d. M. in St. Petersburg 463 bezw. 12%, vom 2. bis 26. d. M. in Kronstadt 33 bezw. 19, vom 15. bis 21. d. M. in Warschau 120 bezw 61, in den Gouvernements St. Petersburg 415 bezro. 60, Warschau 366 bezw. 183, Lomsha 5 bezw. 4, Grodno 2 bezw. 11, Kowno 60 bezw. 33, owgorod 10 bezw. 8, Tula 3 bezw. 0. Vom 8. bis 14. d. M. in den Gouvernements Kielce 115 bezw. 90, Mot 74 bezw. 35, Livland 0 bezw. 1, Astrachan 4 bezw. 1. Vom 8. bis 21. d. M. in Kurland 44 bezw, 23, in Estland 57 bew. 28. Vom 16. W827 d M. in Olonez 29 bezw. 11. Vom 16. bis 26. d. M. in Siedley 4 bezw. 2. In folgenden Gouvernements erkrankten drimu weite tarben aus St. Petersburg und Warschgu jugereike Personen, während die lokale A ERS gesund blieb. Vom 11. bis 21. d. M. in Kiew 3 bezw. 2, vom 14. bis 16. d. M. in Mohilew 1 bezw. 1, vom 15. bis 18. d. M. in Orel 1 bezw. 1, vom s. bis 14. d. M. in Pskow 1 bezw. 1, vom 15. bis-21. d. M. in Jaroslaw 3 bezw. 2, vom 15. bis 22. d. M. in Smolensk 1 bezw. 1.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 28. d. M. gestellt 11074, nicht rechtzeitig gestellt 24 Wagen. In Oberschlesien sind am 27. d. M. gestellt 3590, nicht recht-

zeitig geftellt keine Wagen.

wangs-Versteigerungen.

28. Juli das im Grundbu von S outes ben Band Nr. 110 auf den Namen des im Konkurs befindlihen Bauunter-

3 i; Beim K gs Amtsgericht Il Berlin find a

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