1894 / 193 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

: Mini erium dér geistlihen, Unterrihts- und : x E Med S An ledekbétten.

Dem Seminar-Direktor Paul Meyer ist das Direktorat des Schullehrer-Seminars zu Bederkesa verliehen worden. Der mit der kommissarishen Verwaltung der Kreis- _ Wundarztstelle des Kreises Strasburg W.-Pr. betraute prak- tishe Arzt Dr. Schlee ist zum Kreis-Wundarzt dieses Kreises, mit Anweisung seines Wohnsißes in Lautenburg, und

der praktishe Arzt Dr. med. Solbrig in Friede- berg a. Qu. zum Kreis-Wundarzt des Stadt- und Landkreises Liegniß ernannt worden.

Königliche Technische Hohschule Hannover.

Beginn der Vorlesungen des Winter-Semesters am 15. Oktober 1894. Einschreibungen dazu erfolgen vom 1. bis 27. Oktober 1894. Programme werden vom Sekretariat gegen Einsendung von 60 S in Briefmarken event. auch gegen Nachnahme portofrei zugesandt.

Verzeichniß der Vorlesungen und Uebungen im Winter- A Semester 1894/95.

Prof. Dr. Kiepert: Differ.- und Integralr. T 5 St. Vortr. u. 1 St. Ueb.; Differ.- u. Integralrechn. II1 3 V. 1 Ue. Prof. Dr. Runge: Differ.- u. Integralrechn. 11 5 V. 1 Ue.; Analyt. Geometr. d. Ebene u. d. Raums 3 V.; Ausgewählte Kapitel der höh. Mathematik 2 V. Prof. Dr. Rodenberg: Darstellende Geometrie 3 V. 6 Ue.; Darstell. Geomet. I1 3 V. 6 Ue. Prof. Dr. Jordan: Grundz. der prakt. Geometr. 2 V. 2 Ue.; Prakt. " Geomete: 4 V. 2 Ue.; Höhere Geodâsie 2 V. Prof. Dr. Dieterici: Grundz. d. Physik 3 V.; Physik 4 V.; Arbeiten im Laborat. der A4 Cl Prof Red: Mechanik 34 V. F Ue.; Elastizitätslehre 5 V. 1 Ue.; Graphische Statik 1 V. Prof. Geh. Reg.-Rath Dr. Kraut: An- organishe Chemie 6 V. ; Arbeiten i. Laborat. d. Chemie täglih mit Ausnahme des Sonnabends. Prof. N. N.: Organishe Chemie 4 V. Prof. Dr. Oft: Ne Chemie I 5 V.; Techn. Chemie f. Masch.-Ingen. 1 3 V.; Arbeiten i. Laborat. d. Techn. Chemie täglih mit Ausnahme des Sonnabends. Prof. Dr. Heß: Zoologie 5 V. ; Grundzüge d. Zoologie 2 V. ; Botanik 13 V.— Prof. Dr. Rinne: Mineralogie 4 V. 1 Ue.; Grundz. d. Mineralogie 2 V. 1. Ue.; Hütten- funde2 V. Maler Blan Ée: Freihandzeichnen 6 Ue. ; Landf Sa Meno 2 Ve. Maler Friedrich: Freihandzeihnen 6 Ue. ; Figurenzeichnen 6 Ue. Archit. Schlieben: Architekturzeihnen 5 Ue. Prof., Hof- maler Kaulbac: Aktzeichnen 6 Ue. Prof.Eng elhard: Modellieren 6 Ue. Prof. Stier: Aquarellieren 2 Ue.; Ornamentik 11 2 V. 3 Ue.; Geschichte des Kunstgewerbes 2 V., Formenl. der altchr. u. xom. Baukunst 3 Ue.; Innenarchit. mit farb. Dekoration 5 Ue. D N. N.: Baukonstr.-Lehre 1 f. Archit. 3 V. 4 Ue.; Baukonstr.- ehre I1 f. Archit. 3 V. 4 Ue.; Landwirthschaftl. Baukunst 1 V.; Einrichtung d. Gebäude2 V. 2Ue.— Prof., Baurath hler: Formenl. . antiken Baukunst 3 V. 6 Ue.; Anord. v. Wohnhäusern u. öffentl. Ge- bäuden 2 V.; Formenl. d. NRenaiss. 2 V.; Entw. i. Stil d. N 6 Ue.; Monumentalbauten u. Städteanlagen 1 V. 4 Ue. Prof. Mohrmann: Formenl. d. goth. Baukunst 3 V.; Entw. öffentl. Gebäude 1 V. 11 Ue. Prof. Dr. Holhßinger: Geschichte der Baukunst 4 V. ; Ausgew. Kap. aus d. Kunstgeschichte 1 V. Prof. Schroeder: Entw. u. Detaill. v. Wohngebäuden 1 V. 5 Ue.; Ge- \chichte u. Formenl. d. Baukunst f. Bau-Ing. 3 V. 4 Ue. Prof. Lang: Baukonstr. - Lehre f. Masch.-JIng. 2 V. 2 Ue.; desgl. I f. Bau-Ing. 4 V. 6 Ue. ; desgl. 11 f. Bau-Ing. 2 V. 4 Ue. Prof., Geh. NReg.-Rath Launhardt: Grundz. d. Ingenieurbauwesens 3 V.

2 Ue. ; Erd- und e 2 V.; Trassieren 2 V. Prof., Geh.

Neg.-Rath Dolezalek: Eisenbahnbau 11 2 V. 4 Ue.; Tunnelbau 2 V.; Steinbrücken 2 V. 4 Ue.; Statishe Berehn. d. Baukonstr. 2 V. Prof. Barkhausen: Eisenhohbau 2 V. 2 Ue.; Eiserne Brücken 1 2 V. 4 Ve.; Eiserne Brücken I1 3 V. 4 Ue. Prof. Arnold: Hydrologie u. Grundbau 4 V. ; Fluß-, Kanal- u. Hafenbau 4 V.; Konstrukt.-Uebungen im Wasserbau 4 Ue. Prof. Frese: Theoret. Maschinenlehre 4 V.; Grundz. d. Maschinenbaues für Bau- Ing. 3 V. 4 Ue.; Grundz. d. Maschinenlehre 3 V. ; Exper. aus dem Gebiete des Maschinenwesens u. der techn. Hydraulik 1 V. 2 Ue. Prof. Müller: Allgem. Masch.-Lehre f. Masch.-Ing. 4 V.; Aufz. Masch. u. Pumpen 2 V.; Maschinenzeichnen 3 Ue. ; Bautechnologie 3 V. ; Spezielle Tehnologie 11 (Fabrikationsweise der Textil-Jndustrie) 2 V.; Technologisches Praktikum 3 Ue. Prof. Fischer: Allgem. mechan. Technologie 4 V. ; Spez. Technol. T eins. Werzeugmaschinen- funde.3 V. ; Heizung, Lüftung u. Beleuchtung geschlossener Näume 4 V. ; Einrichtung der Werkstätten u. Fabrikanlagen 2 V. 2 Ue. Prof., Geh. Reg.-Rath Dr. Rühlmann: Ausgew. Kap. aus der allgem. Maschinen- léhre 2 V.; desgl. aus der theoret. Maschinenlehre 2 V. Prof. ae: Masch.-Organe 5 V. 7 Ue.; Regulatoren 2 V.; Eisenbahn-

aschinenbau 3 V. 3 Ue. Prof. Riehn: Bau und Theorie der Kraftmasch. 6 V. 8 Ue.; Uebg. im Entw. von Kraft- u. Hebemasch. 4 St.; Schiffbau 3 V. 4 Ue. Prof. Dr. Kohlrausch: Grundz. der Elektrotehnik 2 V.; Theoretishe Elektrotehnik T 4 V.; Elektro- technisches Laborator. 1 8 St.; desgl. IT 15 St. Prof. Dr. Heim: Elektrishe Anlagen u. Betriebe 2 V. 2 Ue.; Elektrolytische Uebungen 4 St.; Telegraphie u. Telephonie 2 V.; Elektrotechn. Messungen 2 V. Dozent Nußbaum: Gewerbliche WesundbeLehte, 2 B. = «Doz Dr. med. Kredel: Die erste Hilfeleistung bei plößlihen Unglücksfällen 1 Kursus von 12 Stun- den. Prof. Dr. Schaefer: Gewerbe-Oekonomie 2 V.; Ausge- wählte Kapitel des Gewerberechts 2 V. Prof. Dr. Kasten: Eng- lishe Sprache 4 St. Prof. Cy: e ishe Sprache 4 St. Prof. Dr. Köcher: Neuere deutsche Geschichte von 1648 bis 1815 2 V. Doz. Petzold: Algebraische Analyse u. Trigonom. 23 V., 7 Ue.; Uebg. in der Ausgleich.-Rechn. u. in d. Methode d. kl. Qua- drâte 1 St. Privatdoz. Dr. Paschen: Physikalishe Chemie 2 V. —. Privatdoz. Dr. Eschweiler: Analyt. Chemie 2 V. Privatdoz. Dr. Wehmer: Pilz-Demonstrationen 1 St.; Nah- rungsmittelmikroskopie 4 St.; Pflanzenanatomisher Kurs f. Nahrungsmittelhemikler 3 Ue. Privatdoz. Dr. med. Kirchner: Grundzüge der Bakterienkunde 2 V. Privatdoz. Prof. G eb: Praftifkum f. Archit. 4 Ue. Privatdoz. Prof. Dr. Haupt: Deutsche Renaissance 11 2 V.

Angekommen:

Seine Excellenz der Ministerial-Direktor im Ministerium ür Landwirthschaft, Domänen und Forsten, Wirkliche Geheime ath Dr. Michelly, aus Teplig.

Nichtamlliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 17. August.

Seine Majestät der Kaiser und König sind nah einer guten Reise heute Morgen gegen 8 Uhr in Kiel ein- etroffen und haben Mittags 121//4 Uhr

otsdam fortgeseßt. 5

ie Reise nach-

4 Ihre Majestät die Kaiserin und Königin sind mit

Kaiserlichen Kindern gestern Nachmittag um 5 Uhr ar der Wildparkstation angekommen. Jhre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrih Leopold waren, wie „W. T. B.“ meldet, auf dem Bahnhof zum Empfang Jhrer Majestät anwesend.

_

«Laut tele a Meldung an das Ober-Kommando der Marine if S. M. Kanonenboot „Wolf“, Kommandant Korvetten-Kapitän Kretshmann, am 15. August von Cheffoo nah Tientsin in See gegangen.

Sachsen.

. Das „Dresdner Journal“ veröffentlicht folgende Ver- ordnung über die Stiftung eines tragbaren Ehren- s für Arbeiter und Dienstboten: :

it Allerhöchster Genehmigung Seiner Majestät des Königs wird vom Ministerium des Innern vom 1. September dieses Jahres an ein tragbares Ehrenzeichen an Arbeiter und Dienstboten verliehen und wird zu diesem Zweck Folgendes verordnet:

8 1. Das Ehrenzeichen it 163 Solche bestimmt, welhe nah vollendetem fünfundzwanztigstem E dreißig Jahre ununter- brohen in einem und demselben Arbeits- beziehungsweise Dienst- E gestanden haben und unbescholten und königstreu ge- innt sind.

§ 2. Das Ehrenzeichen besteht in einer silbernen Medaille, deren Vorderseite das Bildniß Seiner Majestät des Königs zeigt und deren Nükseite die Aufschrift: „Für Treue in der Arbeit“ enthält.

3. Die Inhaber des Ehrenzeichens sind berechtigt , dasselbe und zwar die Männer an einem einfarbigen grünen Bande auf der linken Seite der Brust, die Frauen aber an einem s{chwarz;sammtnen Bande um den Hals sowohl in als außerzalb der Arbeit, beziehentlich dem Dienst und nach Austritt aus dem Arbeits-, beziehentlih Dienst- Ebreneid zu tragen. Das Tragen des grünen Bandes ohne das Ehrenzeichen is nicht gestattet. Eine -Rücklieferung des Ehrenzeichens nah dem Tode des Inhabers findet nicht statt. e

L 4. Ueber die Verleihung des Ehrenzeichens wird eine besondere

Urkunde ausgefertigt. Vitilten Vorschriften über den dauernden Verlust

Le Dié ge : l von Orden und CGhrenzeithen finden auch auf das Ehrenzeichen für Arbeiter und Dienstboten Anwendung. : /

8 6. Zum Umtausch der zeitherigen Medaille gegen die neue tragbare Medaille ist Genehmigung des Ministeriums des Innern er- forderlich, welche nur ertheilt wird, wenn die in §1 bezeihneten Vor- ausseßungen noch allenthalben vorhanden sind.

Württemberg.

Seine Majestät der König fuhr vorgestern Mittag mit Jhrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Pauline nah der Jnsel Mainau zur Erwiderung des Besuhs Jhrer Königlichen A des Großherzogs und der Großherzogin von

aden und nahm bei Höchstdenselben das Diner ein. Die Rückkehr nah Friedrichshafen erfolgte Abends: 6 Uhr.

Baden. Seine Königliche HHeN der Großherzog von Olden- burg trifft nah der „Karlsr. Ztg.“ heute in Schloß Mainau ein, wo Höchstderselbe einige Tage zu verweilen gedenkt.

Hessen. Jhre Hoheit die Prinzessin Viktoria zu Schleswig- Gotstein raf vorgestern, von England kommend, auf der tation Groß-Gerau zu einem mehrwöchigen Besuch der Höchsten Herrschaften ein. Jhre Königliche Hoheit die Gr oß- herzogin und Jhre Großherzogliche Hoheit die Prinzessin A l ix geleiteten Höchstdieselbe nah Wolfsgarten.

Mecklenburg-Schwerin.

Jhre Kaiserliche Hoheit die Großherzogin hat sich E von Gelbensande zur Kur nah Homburg v. d. Höhe egeben.

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Zhre Königliche Hoheit die Großherzogin wird sih der „Th. Korresp.“ zufolge nah Beendigung der Kur in Helgoland von dort nah Schloß Heinrihau in Schlesien be- geben.

Elsaß-Lothringen.

Der Kaiserliche Statthalter Fürst Hohenlohe hat sich vorgestern von Straßburg nah Berlin begeben und wird, wie die „Straßb. Post“ meldet, von hier zu mehrwöchigem Aufent- halt nah Rußland reisen.

Großbritannien und JFrland.

Das Oberhaus hat gestern die zweite Lesung der Bill über die Londoner Lokalabgaben angenommen. Jm Unterhause erklärte der Minister des Jnnern Asquith, die Politik der Regierung hinsichtlih der Anarchisten sei von Lord Rosebery am 17. Juli im Oberhause ershöpfend dargelegt worden. Die Maßregeln Englands egen die Anarchisten seien mindestens ebenso durch- dacht und für ihren Zweck wirksam, wie dié in anderen Ländern angenommenen. Das vorhandene Geseh sei, wenn es mit Energie und Takt angewendet werde, sowohl für den Schuß im Jnnern, als auch für die Erfüllung der inter- nationalen Verpflichtungen hinreihend. Der Parlaments- Sekretär des Auswärtigen Sir E. Grey erklärte, daß unter dem neuen mit Japan abgeschlossenen Vertrage die Exterritorial-FJurisdiktion eventuell aufhören werde, jedoch niht vor mindestens fünf Jahren, und dann nur im Eintaush gegen gewisse für britishe Jnteressen zu erlangende Vortheile. Ein dem Vertrag angehängter Tarif ermächtige zu Zollerhöhungen; der Tarif könne cinen Monat nach dem Austaush der Ratifikationen des Vertrags in Kraft treten, sei aber praktisch auf britishe Unterthanen nicht anwendbar, uner wenn auch die Staatsangehörigen der anderen Länder demselben unterworfen seien, also niht eher, bis Japan ähnliche Verträge mit diesen Ländern abgeschlossen habe. Hin- sihtlich des neuen Vertrags zwishen Frankreich und dem Congostaat erklärte Sir E. Grey, der Wortlaut dieses Vertrags, wie er jeyt unterzeihnet worden sei, sei der britischen Regierung noch nicht zugegangen. Die Regierung sei seiner Zeit von dem Peabsttäten Uebereinkommen in Kenntniß gelegt worden und habe keinen Wider- \pruch erhoben, sie sei aber in keinem Sinne Theil-

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merin jenes Vertrags. Das Gebiet nördlich vom Lado und westlih von der Eiersgeite des Nilbeckens bleibe inner- halb der britishen Einflußsphäre und den Rechten der Türkei und Egyptens unterworfen, wie vor der Unterzeichnung des Abkommens mit dem König der Belgier. Lord Dufferin sei nah Paris zurückgekehrt, um mit dem Minister des Aus- wärtigen Hanotaux die Erörterungen fortzusegen, die, wie man Jose dürfe, eine Lösung der zwischen beiden Ländern |{chwebenden T R herbeitühren würden. Der Staatssekretär für Jndien Fowler bemerkte zu dem Budget für Oftindien, man beklage si, daß die Einfuhr- zólle Jndiens nicht auch einen Zoll auf Baumwolle enthielten, doch sei dieser unmöglich ohne die Zustimmung des Unterhauses, das durch seine Beschlüsse solche Zölle als [Qubadenerish energisch verurtheilt habe. Er persönlich sehe keinen Grund, weshalb solhe Zölle niht eingeführt werden sollten, falls zu- gleih eine Accise auf indishe Baumwollfabrikate gelegt werde. Das Lee ei infolge des Sinkens des Wechselkurses groß aber durch das Verbot der Silberprägung sei der Wert er Rupie um 2 Pence gesteigert und der Wechselkursverlust vermindert worden. Die Regierung habe nicht die Absicht, die Münzen wieder zu eröffnen.

Frankreich,

Der A Rar ube des Minister-Präsidenten Dupuy hat sih nah einer Meldung aus Vernet-les-Bains etwas ge- bessert; gestern Vormittag indessen wurde Dupuy wieder von Schmerzen ergriffen, die eine Stunde dauerten.

Der Minister des Auswärtigen Hanotaux verläßt heute Paris, um sih nach Vichy zu begeben.

Jtalien.

Wie „W. T. B.“ vernimmt, soll der Kronprinz auf Wunsch des Königs von Neapel nah Palermo als Divisions- Kommandeur verseßt werden.

Wie die „Niforma“ meldet, hätten die Minister in dem gestern abgehaltenen Ministerrath e Vorschläge für die in ihren respektiven Budgets einzuführenden Ersparnisse gemacht.

Der „Agenzia Stefani“ wird aus Massowa h gemeldet, daß das Fort in Kassala vollendet und ausgerüstet sei. Es Le dort anhaltend Ruhe und die Verkehrslinien seien ge- chert.

Niederlande.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen und Jhre Hoheit die Herzogin Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, Höchstwelche ur Zeit in Sche- veningen verweilen, statteten vorgestern der Königin und der Königin-Regentin einen Besuh im Schloß Soestdyk ab.

Schweden und Norwegen.

Die gestern in Süd-Varanger vorgenommenen Wahlmännerwahlen sind nah einer Meldung des „W. T. B.“ aus Tromsö derart ausgefallen, daß wahr|chein- lih die Rechte bei den Storthingwahlen ihre Pläße im Amt Finmarken behalten wird.

Amerika.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Washington hat das RNepräsentantenhaus gestern einen neuen Geseß- entwurf angenommen, durch den der Zoll auf Alkohol, der zu Kunstzwecken benußt wird, wiederhergestellt wird. Der Senat überwies die vier Geseßentwürfe über die P A für Kohlen, Eisenerze, Zudlker und

tacheldraht an die Finanzkommission. Sodann ge- nehmigte der Senat den von Hill eingebrahten Geseß- entwurf über das Verbot der Zulassung und die Deportierung auswärtiger Anarchisten. Dieser Geseß- entwurf tritt an Stelle des früher von dem Senat an- genommenen entsprehenden Entwurfs. Das Repräsen- tantenhaus und der Senat sind dahin übereingekommen, daß ersteres diese Vorlage noch vor dem Schluß der Session annehmen solle und daß der Senat die Vorlage über die fkonsularishe Besichtigung von Auswanderern nach den Vereinigten Staaten in den Einschiffungshäfen in der nächsten Session berathen solle.

Der Senat von Ecuador hat einer Meldung aus Buenos Aires zufolge den Vertrag mit Peru über die Abgrenzung der beiderseitigen Länder abgelehnt. Die Bevölkerung sei erregt, es herrsche kciegerishe Stimmung.

Wie die „Times“ aus Lima vom 16. d. M. meldet, habe Caceres Verstärkungen gegen die Aufständischen der nördlichen Mes entsandt“ Die Provinz Trujillo steht auf Seiten der Aufständishen, von denen gegen 1000 be- waffnet, jedoch mit geringer Munition versehen seien. Der Anführer der Aufständischen Solar solle beabsichtigen, sich zu unterwerfen. Jn einem Kampfe, der am Sonn- abend bei Oroca stattgehabten habe, seien siebzig Aufständische getödtet und verwundet worden. Der Verlust der Re- gierungstruppen an Todten und Verwundeten habe fünfzig Mann betragen. Dasselbe Blatt meldet aus Guayaquil vom 15. d. M.: ein Dampfer des Staats Ecuador habe nah Peru 60 Mann sowie eine Menge Munition ge- bracht, die von der Regierung Ecuadors an den peruanischen Führer der Aufständischen Pierola verkauft worden sei.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Wenn auh der mit dem Eisenbahnbetrieb verbundene gewöhnlihe Lärm einen nachbarlihen Entschädigun ganspruch niht begründet, so wird, nach einem Urtheil des Rei T 111. Zivilsenats, vom 24. April 1894, im Gebiet des gemeinen Re ts ein solcher Anspruch durch den übermäßigen Lärm der Züge auf dem in der Nähe des Nachbargrundstüks angelegten und mit Ünter- führungen versehenen Viadukt begründet. „Daß diese Frage nach den Grundsäßen des gemeinen Nachbarrechts zu beurtheilen und zu entscheiden, ist von den Vorderrichtern mit Recht angenommen. Gleich“ falls mit Recht ist angenommen, daß übermäßiger, d. i. nit gemein- üblicher Lärm auf dem einen Grundstück von dem Eigenthümer des benachbarten Grundstücks niht geduldet zu werden braucht. Wenn nun das Berufungsgericht, von dieser rechtlichen Grundlage ausgehend, zu der Ansicht gelangt ist, daß das durh das Fahren der Züge auf dem erhöhten Damm und besonders auf dem mit Unterführungen- ver- ehenen Viadukte verursachte Geräusch ein übermäßiges set und wenn erner als bewiesen erahtet wird, daß lediglih dur diesen vermehrten außergewöhnlichen Lärm eine Werthsverminderung des klägerischen Besitzthums von 5 9% eingetreten sei, so kann hierin kein Rechts- irrthum gefunden werden. Zwar macht die Revision des Beklagten geltend, daß, da das Eisenbahngewerbe überhaupt nicht anders als unter Erregung belästigenden Geräushes betrieben werden könne, leyteres sich jeder Nachbar ohne Einspruh gefallen zu lassen habe. Allein wenn auch zuzugeben ist, daß bei der Frage, ob das

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Maß erlaubter T auf nachbarlihe Grundstücke überschritten

wird, auf die Besonderheiten des Eisenbahnbetriebs die ars hrende Rüdksicht gendmmen werden muß, so ist do, was den konkreten Fall hetrisft, darauf hinzuweisen, u hier nit der gewöhnliche, mit jedem Hahnbetrieb verbundene Lärm, fondern das außerordentliche, dur das Rasseln der Züge auf dem ganz nahe gelegenen Viadukt und auf den mit Wellbleh ausgeschlagenen Unterführungen bewirkte Geräusch den Grund des nachbarlihen Entschädigungsanspruchs bildet. Das Reichs- gericht hat daher in Anbetracht der allgemeinen Regel, daß der jedem Figenthümer gebührende Nehtss{uy auch den Eisenbahnverwaltungen egenüber zur Anerkennung zu bringen ist, keinen Anstand genommen, dem Berufungsgericht beizutreten.“ (26/94.) :

A

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

Gegen eine von Alters her bestehende, aber niht besonders fonzessionierte gewerbliche Anlage kann, nah einem Urtheil des Oere BEa tung eei, ITI. Senats, vom 16. April 1894, zwar nicht wegen mangelnder Konzession, wohl aber im Sanitäts- und Verkehrsinteresse polizeilich eingeshritten und der Ge- werbebetrieb kann sogar polizeilich untersagt werden, wenn dieser Betrieb das Publikum mit Gesundheitsgefahr oder Verkehrs\törung bedroht. So ist die Orts-Polizeibehörde befugt, das Auskochen von H ett und Knochen , sowie das Trocknen der Flehsen in einer Abdeckerei wegen der von diesem Betriebe sih verbreitenden üblen Ausdünstungen zu verbieten, wenn auch dieser Betrieb, ohne besonders konzessioniert zu sein, seit Alters her unbeanstandet bestanden hat. „Von dem Ge- rihtshofe is in zahlreihen Entscheidungen dargelegt, daß allerdings nach Abs. 2 des § 1 der Reichs-Gewerbeordnung eine von Alters her bestehende gewerbliche Anlage nicht deshalb, weil sie zu denjenigen ge- hôrt, welche gegenwärtig der Konzessionspsliht unterliegen, in ihrem Fortbestehen gehindert werden darf, daß eine folhe Anlage aber ohne jede Einschränkung der Gegenstand der polizeilichen Vorforge ist, und daß diese, wenn die Beachtung der allgemeinen geseßlichen und sonstigen polizeilichen Vorschriften in Frage steht, selbst dahin führen kann, den Gewerbebetrieb zu untersagen. Insbesondere erwirbt der Gewerbe- treibende dadur, daß er für die Ausübung des Gewerbes gewisse Veranstaltungen getroffen hat, kein Recht auf deren Beibehaltung. Er kann hierbei au nicht die Vorschrift im § 51 R.-Gewerbeordn. für fich geltend machen; denn diese bezteht sich nur auf die gemäß L 16 a. a. O. genehmigten Anlagen, für welhe das Maß der zu erfüllenden Verpflichtungen und demgemäß die Grenze des polizeilichen Einschreitens durch die Genehmigungsurkunde geregelt ist. Nach ihrer allgemeinen Aufgabe, die nöthigen Anstalten zur Ab- wendung der dem Publikum oder einzelnen Mitgliedern desselben bevorstehenden Gefahr zu treffen § 10 II 17 A. L.-R. sind die Polizeibehörden ermächtigt, im Interesse der ihnen geseßlich überwiesenen Sorge für das Leben und die Gesundheit, wie für Ord- nung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen, Wegen und Pläßen § 6 Litt. þ und f des Polizeiverw.-Gesetzes ‘om 11. März 1850 durch polizeilihe Anordnungen und Ver- fügungen cinem Gewerbetreibenden in Ausübung des Gewerbes vor- genommene Handlungen zu untersagen, wenn dur sie üble, das

ublikum mit Gesundheitsgefahr bedrohende, oder auch nur beim Ver- M u Is Straße belästigende Ausdünstungen hervorgerufen werden.“ IIT ;

Statistik und Volkswirthschaft.

Die preußischen Sparkassen im Nehnungsjahre 1892 bezw. 1892/93.

Das 2. Vierteljahrsheft des 34. Jahrgangs (1894) der „Zeit- schrift des Königlich Tei Statistishen Bureaus“ enthält eine Bearbeitung der Ergebnisse und des Standes der preußishen Spar- fassen im Rechnungsjahr 1892 bezw. 1892/93 von Regierungs-Rath G. Evert. Hiernach belief sich am Ende des genannten S ezanias das Sparvermögen auf 3406,68 Millionen Mark. In dem gedachten Jahr hatte sich das Sparvermögen, das am Ende des Vorjahrs 3261,65 Mill.

ark betrug, durch Zuschreibung von Zinsen um 92,07 Millionen, durch neue Einlagen um 874,385 Millionen vermehrt ; dagegen waren 821,39 Millionen Mark Rückzahlungen zu gewähren; dèr Zuwachs ‘Pelief fih also auf 145,03 Millionen Mark. Der Zuwachs war größer als im Vorjahre, wo er sih auf 124,84 Millionen Mark belief.

Die Zahl der Sparkassen vermehrte sih um 33, nämlich von 1412 auf 1445, die Zahl der Sparstellen im ganzen von 3621 auf 3701, also um 80. Die. Zunahme der Sparstellen war besonders er- heblich in einigen östlichen Bezirken, namentli in Posen, Gumbinnen, Breslau und Aieanis nächstdem auch in zwei westlihen, Düsseldorf und Schleswig ; ei weitem die meisten NMegierungsbezirke ‘hatten nur eine fehr geringe oder gar keine Zunahme, die Bezirke Frankfurt a. O., Oppeln, Erfurt, Arnsberg und Trier sogar eine Abnahme von Sparstellen aufzuweisen. *" Im ganzen waren 3030 Orte mit Sparstellen vorhanden. Da es nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 im ganzen Staatsgebiet 54903 Gemeinde- einheiten (Städte, Landgemeinden und Gutsbezirke) giebt, so zeigt h, daß nur ein kleiner Theil der preußishen Gemeinden mit Spar- \tellen versehen ift.

An Sparkassenbüchern wurden im Berichtsjahre 897 176 ausgegeben und 691 426 zurückgenommen. Noch in keinem Vorjahr war die Zahl der zurückgenommenen Bücher so groß; die größte Zahl vorher wies das Jahr 1891 bezw. 1891/92 mit 685599 Stück auf. Aber auh die Zahl der neu ausgegebenen Bücher ist eine sehr bedeu- tende; sie war nur im Jahré 1890 mit 920 498 größer. Im ganzen «waren am Jahres\{chluß im Umlauf 5 974 782 Bücher gegen 5 772 956 im Jahre 1891. Auf 100 Einwohner entfielen im Staatsdurchschnitt 1950 Bücher. Die wohlhabenden Landschaften in der Mitte des Staats gehen über diesen E hinaus, z. B. Negierungs- bezirk Merseburg hatte 39,36 9/6, Schleswig 34,97, Liegniß 34,59, ‘Hannover 33,93, Hildesheim 32,37, Lüneburg 31,14 und Magdeburg 30,90; hinter dem Staatsdurchschnitt bleiben aber weit zurück Gum- binnen mit 3,57, Bromberg mit 5,78, Marienwerder mit 5,91, Posen mit 6,79, Oppeln mit 7,27, also vorzugsweise östliche Bezirke; allerdings haben au Trier und Koblenz geringe Prozentsäße, 6,40 bezw. 7,84 9%. ;

Was die Vertheilung der Einlagen anbetrifft, so is der Westen dem Osten durchweg weit voraus. Westfalen hatte am Schluß des Nechnungsjahres 580’ 245 227 4 Einlagen, Hannover 456 086 911 A, Sachsen 389 842 521 16, Schleswig-Holstein 381 410 359 4, Rhein- land 465 399 958 4, -diese fünf Provinzen besißen zusammen allein zwei starke Drittel der Sparkasseneinlagen, obschon sie lange nicht die Hälfte der Einwohner des Staatsgebiets es Auf Posen ent- ‘allen nur rund 47 Millionen Mark, auf Westpreußen 52 Millionen

Mark, auf Ostpreußen rund 60 Millionen Mark.

Zur Lage der Kohlenindustrie. Aus dem Regierungsbezirk Arnsberg wird geschrieben: Das Kohlensyndikat hat wegen des in der wärmeren Jahreszeit regelmäßig naclassenden Bedarfs an Hausbrandkohlen, wegen des niedrigen

_Wasserstandes des Rheins und des hierdurch ershwerten Kohlen-

Transports nah den NRheinhäfen, sowie wegen der starken Konkurrenz der ausländischen E Schwierigkeiten bei dem Absah der geförderten Faigge gehabt, DiesL Sbeiliauudenfemder einzelnen Zechen an der Syndi- tatsförderung find eben dur die Aufschließung neuer Schähte und ähnlicher Betrieb8erweiterungen wieder gewachsen, und daher steigt un- *geahtet der vom Syndikat angeordneten, gleimäligen roduktions- \ tinschränkung die absolute Menge der Förderung. wohl die Eisen- ndustrie gegenwärtig mehr produziert, ist sie niht im stande, die größere Menge der Gildenwa an Kohlen aufzunehmen. Das Syndikat daher wun en, seinen Absaß nah dem Auslande in jeder mög- eise zu Feigen,

——

der ‘Polizeibehörde kan lige Auflö

__ Die Lage der Eisenindustrie kann, wie aus dem Regierungsbezirk Arnsberg geschrieben wird, als eine relativ günstige bezeichnet werden, da der Absaß, obwohl die Preise nur wenig gebessert sind, keinen erheblihen Stockungen unter- iegt. Hauptsächlih zeigt die Eisenindustrie wohl infolge des Handelsvertrags mit Rußland eine größere Belebung. -

P Zur Lage der Bergarbeiter.

Die Zahl der Bergarbeiter, welhe im Ruhrkohlengebiet bereits etwa 150 000 beträgt, wächst regelmäßig, und zwar N durch den Zuzug aus dem Osten, ohne daß diesen großen Arbeiter- massen ein ausreihender Verdienst regelmäßig und dauernd gesichert wäre. Obwohl die SchichUllöhne ziemlich unverändert geblieben find, find do die thatsächlich ae Monatslöhne hs ge von Feier- sichten niht unerheblich gesunken. Es geht deshalb durch die Bergarbeiterkreise wieder eine Bewegung, welche anscheinend allerdings nicht unmittelbar auf einen Ausstand, T bein zunächst nur auf eine festere, umfassendere Organisation hindrängt.

Landwirthschaftlihe Statistik der Vereinigten Staaten von Amerika. -

IT. : Val. Nr. 168 des *, Reichs- und Staats-Anzeigers“ vom 19. Juli d. J.

Der Viehstand und die Erträge der Viehwirths\chaft.

Die mit dem Zensus von 1890 verbundene Viehzählung ergab 15 258 783 Pf erde, wovon 289 316 auf wandernde Herden (ranges) und 14 969 467 auf Farmvieh entfielen. Leßtere hatten gegen 1880 eine Zunahme von 4 611 979 Stück oder 44,5 9% erfahren. Nahezu drei Fünftel aller Pferde, nämlich 8 571 177 Stü, wurden in dem nördlichen Zentralgebiet der Union, dem zwischen dem Mississippi, Missouri bezw. Ohio einerseits, der canadishen Grenze und den großen Seen andererseits A Staaten Ohio, - Indiana, Illinois, Midhigan, is8confin, Minnesota, Jowa, Missouri, Nord- und Süd-Dakota, Nebraska und Kansas gezählt. Hier kamen auf die englishe Quadratmeile (= 2,32 gkm) 11,4 Pferde gegen 4,4 im Gesammtgebiet der Vereinigten Staaten. Die Zahl der Esel und Maulesel belief sich auf 2314 785, davon 19 253 in Herden (Weidevieh) und 2295 532 auf den Farmen. Legtere hatten im Jahrzehnt 1880/90 um. 482 724 oder 26,6 9/9 zugenommen. Hier wies das südlihe Zentralgebiet Kentucky, Tennesse, Alabama, Mississippi, Louisiana, Texas, Indianer - Territorium, Oklahoma- Territorium und Arkansas den größten Antheil mit 1 093 712 Thieren oder 47,6 9/9 auf.

Schweine wurden insgesammt 57 425 287 Stück ermittelt, und zwar 15704 Stück Weidevieh und 57 409583 auf den Farmen. Leßtere hatten sich seit 1880 um 9727 883 Stück oder 20,49%, ver- vermehrt. Auch hier wies, ebenso wie bei den Pferden, bei weitem den größten Antheil, nämlih 65,5 9% (37 624 632 Stück) das nörd- [iche entge es auf. :

n Nindvi eh wurden auf den Farmen gezählt: 1890 1880 Zunahme gegen 1880

absolut 9%

Arbeit38ochsen ... 1117 494 993 841 123 653 12,4

Vie... 16511950 12443 120 4068830 32,0

sonstiges Rindvieh 33 734128 22 488 550 11 245 578 90,0

zusammen

Häupter. .. . 51363572 35925511 15 438 061 43 0.

Außerdem waren 1890 an Weidevieh (Herden) 6 285 220 Stück Nind- vieh vorhanden, sodaß \sich der Gesammtstock auf 57 648 792 Häupter belief. Die Milchproduktion sämmtlicher Farmen der Ver- einigten Staaten im Kalenderjahr 1889 betrug 5209 Millionen Gallons = 236,7 Millionen Hektoliter, sodaß auf jede am 1. Juni 1890 gezählte- Milhkuh durchschnittlich 315,48 Gallons = 1433 1 Milch und auf den Kopf der Bevölkerung 83,18 Gollons = 378 1 Milch ‘entfielen. An Butter wurden im Kalenderjahre 1889 auf den Farmen 1 024 223 468 Pfund (avoir dupoids) = 464581 t, an Käse 18726818 Pfund = 84944 t erzeugt. Gegenüber den Ergebnissen der gleichartigen Erhebung im Jahre 1879 erfuhr die Butterproduktion eine Zunahme von 112 025 t oder 31,8 9/0, während bei dér Käseproduktion eine Verminderung um 3876,3 t oder 31,3 9% zu verzeihnen ist. Bei einer Betrachtung oder Benußung der vor- stehenden Angaben über die Butter- oder Käseerzeugung darf nicht außer Acht gelassen werden, daß hier nur die auf den Farmen erzeugten Mengen dargestellt sind, daß dagegen die in den Butter- und Käsefabriken hergestellten Quantitäten dabei nicht berück- sichtigt sind.

_ Die Gesammtzahl der am 1. Juni 1890 im Unionsgebiet er- mittelten Schafe (unter Aus\{chluß der Lämmer) belief fich auf 40 876 312, davon wurden 4940 948" in Herden (als Wandervieh) und 35 935 364 auf den oa gezählt. Von leßteren wurden im Herbst 1889 und Frühjahr 1890 insgesammt 32 126 868 Stück ge- horen und ergaben einen Wollertrag von 75047 t oder im Mittel 2,34 ko für das I Da 1880 auf den Farmen 35 192 074 Schafe mit einem Wollertrag von 70616 t (= 2,00 kg für das Vließ) ermittelt worden waren, so hat für das Jahrzehnt 1880/90 eine Zunahme der Schafe um 2,1% und der Schurwolle um 6,3 °% stattgefunden. Die Schafe der Wanderherden brachten L E Wollertrag von 11 716 t oder dur(\chnittlih vom Vließ

1 S

Eine Vergleichung des 1890 gezählten Weid eviehs mit den ent- sprehenden Daten des Zensus von 1880 ift überall unterlassen worden. weil damals die in Herden gehaltenen Thiere meist nit direkt gezählt, sondern nur ges{chäßt worden find. Diesmal ist die Ermittelung des Weideviehs dur besondere Agenten vorgenommen worden; sie kann daher Anspruch auf größere Zuverlässigkeit machen.

Zur Arbeiterbewegung. Aus Frankfurt a. M. berichtet die „Frkf. Ztg." nach dem dortigen fozialdemokratishen Blatt, daß in einer am 9. d. M. ab- chaltenen Sißzung des Gewerkschaftskartells nochmals der lädtische Arbeitsnahweis zur Sprache gekommen sei. (Vgl. r. 182 d. Bl.) Alle Redner hätten erklärt, daß fie auf dem Boden des Beschlusses der leßten Versammlung stehen. &s solle aber damit nit gesagt werden, daß die Arbeiter nun aus Troß niht mitmachen wollten. In der vorhergegangenen Versammlung hatte man be- [lel im Falle der Streichung des § 11 so zu handeln, als ob

der städtische Arbeitsnachweis nicht vorhanden sei. In Leipzig hielten die Sozialdemokraten am Dienstag

\sechs Versammlungen ab, um sih in einer Entschließung gegen das |

Vorgehen des Raths der Stadt Leipzig auszusprehen, der nicht alle Anträge auf Bewilligung des Bürgerrehts ohne Ansehen der Person genehmigen will (vgl. Nr. 183 d. Bl.). In der von der „Lpz. Ztg.“ mitgetheilten Entschließung wird die Maßregel des Raths als wider- rechtlich bezeihnet, und die Versammlung erklärt, sih durch nichts be- irren zu lassen in der Agitation für die Erwerbung des Bürgerrechts und alles aufbieten zu wollen, um bei der diesjährigen Stadt- verordnetenwahl den Sozialdemokraten den Sieg zu an. Am Mittwoch fand eine Versammlung der Bä(kergehilfen in Leipzig statt. Während eines La enes gehaltenen Vortrags über das Thema: Die Sozialdemokratie und ihre Gegner, verließ, der „Lpz. Ztg.“ zufolge, ein erheblicher Theil der Anwesenden in auf- fälliger Weise den Saal. Man besprah sodann den von der Reichs- kommission ausgearbeiteten Entwurf einer Regelung der Arbeitszeit und Sonntagsru e der Bätkereiarbeiter. Während dieser Entwurf am vorigen Sonntag in einer Versammlung der Bäkergehilfen freundlih aufgenommen worden war, wurde er hier durchgehends abfällig beurtheilt. Aus Chemn igt wird der „Köln. Pot geschrieben, daß die von ung der Chemnizßer fozialdemokratishen Parteiorganisation, die erfolgt war, weil die Partei si weigerte, dem Vereinsgeseß nachzukommen, vom Königlich fächsishen Ministerium in leßter Instanz bestätigt worden ist.

In Güstrow is, wie dem „Vorwärts“ telegraphiert wirb, gestern ein A us stand der Metall- und Holzarbeiter ausgebrochen.

Aus Glasgow meldet „W. T. B.“, daß die Konferenz der Delegirten der \chottischen Bergarbeiter gestern beshlossen hat, an der ursprünglichen Forderung einer Lohnerhöhung von einem Schilling für den Tag festzuhalten.

Aus Washington wird der „Köln. Ztg.“ geschrieben: Jw Westen ist ein neuer Sympathic-Ausstand im Gange, und zwar find es diesmal die Fleishverpacker. In Omaha legten am 1. August 700 Leute der Firma Cudahy die Arbeit nieder mit der Erklärung, niht eher zur Arbeit zurückkehren zu wollen, bis die C eLOR ton ihrer aus\ftändigen Genossen in Chicago, St. Louis und

anfas bewilligt find. Ferner verlangen sie, daß nah Beendigung E gts alle Leute ihre früheren Stellungen wieder er- alten follen.

Von dem „Statistischen Jahrbuh für das Groß- herzogthum Baden“ liegt jezt der 25. Fahrgang vor, der das Jahr 1892 behandelt. (Karlsruhe, Madcklot’she Druckerei.) Er ent- bâlt ausführliche statistishe Angaben über Gebiet, Bewohnung und Stand der Bevölkerung, über die Bewegung der Bevölkerung, über Bodenbenußung, Land- und Forstwirth hart, über Gewerbe, über Verkehr und Verkehrswege, über Handel, Kredit und Versicherung, fe und Löhne, über das soziale Versicherungswesen, über Gesund-

eitswesen und Versorgung, über Unterriht und Bildung, über Rechtspflege, über Verwaltung und Polizei, über Finanzen, über die Kirche und über die Prüfungen des Jahres 1892.

Kunst und Wissenschaft.

Wie s{chon gemeldet, foll in Weimar eine Deutsche Photographenschule errichtet werden. Der „Deutsche Photo- graphen-Verein“ theilt jeßt über das Programm der Schule Folgendes mit: Die Deutsche Photographenschule verfolgt im Gegensaß zu schon bestehenden sogenannten photographischen Lehranstalten, die, meist an Hochschulen sih anschließend, Gelehrten und Technikern Anleitung geben wollen, die Photographie für ihre wissenschaftlichen 2. Zwecke zu benußen, den Plan, solchen jungen Leuten, die sih die Photographie als Lebensberuf gewählt haben, nach bestandener praktischer Lehrzeit die- jenige Vollausbildung in Theorie und Praxis zu geben, welche eine erfolg- reiche und in allen Fällen sichere Ausübung des Berufs gewährleistet. Die Deutsche Photographenshule wird also eine wirkliche Lu fein. Sie wird daher in erster Linie diejenigen wissenschaftlihen Disziplinen lehren, die für die Photographie crforderlih sind und foweit sie dies sind: Physik und Chemie. Ferner wird sie eingehenden Aufschluß geben über die im photographischen Atelier verwendeten Apparate, über die optischen Vorgänge, die Stellung und Beleuchtung bei der photographischen Arbeit. eiter wird Negativ- und Positivretouche gelehrt werden. Ein Hauptunterrichtsfah wird au der Zeichenunter- riht mit Perspektive bilden. Neben den Arbeiten im Atelier und in der Dunkelkammer sfoll ferner die Arbeit im Kopierraum geübt und gelehrt werden. Sodann werden die Besucher der Schule in der Buchführung und im kaufmännishen Rechnen unterwiesen werden, und an alles dies wird sih noch \prachliher Unterricht \{ließen, und zwar sowohl im Deutschen zur Ausbildung einer gewandten Korrespondenz, wie auch im Französischen und Englischen, für ein- tretende fs des nothwendigen Gebrauchs dieser fremden Sprachen. Der Kursus der Deutschen Photographenschule wird ein zweijähriger sein. Ueber die materiellen Grundlagen, auf denen die Schule errichtet werden soll, heißt es: Es wird ein Verein unter dem Namen „Deutsche Photographenshule in Weimar* gebildet, für welchen die Verleihung der Rechte einer juristischen Person von der Großherzog- lihen Staatsregierung erbeten werden soll. Mitglied des Vereins ift jeder, wer dem Verein einen Beitrag von wenigstens 100 4 in baar oder andern Werthen geschenkweise gewährt oder einen oder mehrere Garantiescheine à 100 46 zeihnet. Von diesen Schenkungen und den Einzahlungen auf die Garantiesheine wird die Schule eingerichtet und in der ersten Zeit betrieben bis zu dem Augenblick, von wo ab sie sih aus eigener Kraft (dur Schulgelder u. \. w.) unter- halten kann. Die Aufforderung zur Zeihnung von Garantiescheinen bezw. Schenkungsurkunden ist nebst den Satzungen der Photographen- schule an die deutschen Photographen, an Inhaber von Geschäften und Fabriken, die für die Photographenwelt arbeiten, an Privat- personen und Vereine, die fich für die Förderung der Photo- gr hie interessieren, versandt worden, und \{chon fkann von ocherfreulihen Resultaten berihtet werden. Sobald eine genügende Anzahl von Zeichnungen eingegangen fein wird, foll die Konstituierung der Deutschen Photographenshule erfolgen. Der in Weimar domizilierende große Deutsche Photographenverein, von dessen Vorstand der Gedanke der Photographenshule ausgeht, wird übrigens nur in losem Zusammenhang mit der Schule stehen. Der jeweilige Vor- sitßende dieses Vereins und außerdem noch ein Mitglied desselben, das auf der Wanderversammlung des Vereins gewählt wird, soll Mitglied des Vorstandes der Photographenschule fein.

Für die diesjährige Naturforscher - Versammlung; welche in den Tagen vom 24. bis 30. September in Wien abge- halten wird, ift algenbes Programm ausgegeben worden : Am 23. September, um 7 Uhr Abends: zwanglose Zusammenkunft im Kurfalon des Stadtparks. Montag, 24.,, Vormittags 11 Uhr: erste allgemeine Sißung im großen Musikvereinssaale, welhe mit den vom Vorsißenden Professor Eduard Sueß zu erstattenden Mit- theilungen eröffnet- wird. N folgen Vorträge des Professors E. Leyden (Berlin): „Ueber Gerhard van Swieten und die moderne Klinik“ und des Professors E. Mach (Prag): „Ueber ein erkenntniß- theoretishes Thema“. Um 3 Uhr acbmitiads erfolgt die Kon- tituierung der Abtheilungen. Abends finden Ausflüge auf den Kahlen- erg, in den Prater, nah Schönbrunn, der Hohen Warte, Klosterneuburg, Dornbah 2x. ftatt. Der Dienstag ist Ab- theilung8fißzungen gewidmet; Abends gesellige Zusammenkunft im Thiergarten. ittwoch Vormittag findet die zweite all- gemeine Sißzung im Musikvereinssaal ftatt, auf deren Tages- ordnung ein Vortrag des Professors A. Forel (Zürich): „Gehirn und Seele“ steht. Nachmittags abermals Abtheilungssißzungen. Abends nden Ausflüge wie am Montag statt. Donnerstag um 12 Uhr

ittags: Empfang der Theilnehmer beim Bürgermeister Dr. Grübl im Rathhause. Freitag um 11 Uhr Vormittags: dritte allge- meine Situng im großen Musikvereinssaal; Vorträge des Professors A. von Kölliker: „Ueber die feinere Anatomie und die physiologishe Bedeutung des s\ympathishen Nerven- ystems“ und des Herrn Oskar Baumann: „Durch Massai- and zur Nilquelle“. Um 3 Uhr Naqmittags versammeln ch die Theilnehmer zum Festmahl im Etablissement onacher. Sonnabend findet ein Ausflug auf den Semmering statt. Die Damen der Theilnehmer find durch ihre Theilnehmerkarte berechtigt, fih an den allgemeinen Veranstaltungen der Versammlung zu betheiligen; insbesondere sind sie eingeladen, bei den allgemeinen Sißungen und beim Empfange des Bürgermeisters im Nath- hause zu erscheinen. Ein Damenauss{huß hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Unterhaltung ‘der Damen speziell zur Zeit der wissenschaftlihen Abtheilungssitungen Sorge zu tragen. Jede der Damen erhält bei Uebernahme der Karte eine von den Damen des Ausschusses verfertigte Erinnerungsgabe an Wien. In einem Saale der philosophischen Fakultät wird eine Ab- ordnung des Damenausschusses täglih von 9 bis 12 Uhr Vormittags zu finden sein, um den fremden Damen Auskünfte zu ertheilen oder andere Dienste zu erweisen. Insbefondere ladet der Damenauss{huß die Damen für Montag, den 24.,, um 3 Uhr Nachmittags, zu einer „Wiener Jause“ mit Musik in den Volksgarten ein. Für Dienstag - d die Besichtigung des N Hof-Museums in Aus- iht genommen. Mittwoh Nachmittag. soll das Rathhaus mit dem Museum der Stadt Wien a ap und ein Besuch der Kirchen Wiens unternommen werden. Für Donnerstag Vormittag ist der Besuch des Hofburg: Theaters, der Hofbibliothek und der herzoglichen Sammlung „Albertina® geplant. Um 3 Uhr Do mittags folgt ein Besuch des Kunsthistorishen Hofmuseums. Freitag