1913 / 29 p. 6 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

T Bw AtSNE? 2 A A r:

das Deuts(e Neich beträgt 142 auf 10 €00 Einwobner, in dem vor- wiegend Tatholiswen re<tsrheinis<hen Bayern 117, in dem mehr evangelischen linksrheinishen Bayern 164. Auch nach der Kriminal- statiitik jteht der evangelishe Volksteil besser da als der katholische. Abg. Marx beschwert sih au< über die Untersagung der Pflege evan- gelisdher Kranker in tatholishen Ordensniederlassungen ; er follie erst dafür sorgen, daß die konfessionelle Provaganda aus diesen Orden fernçehalten wird. Zu bedauern haben wir, daß immer noch das adlige Element dem bürgerlihen in den Re, ierungsstellen vorgezogen wird. 112 adligen Regicrungêrefercndaren stehen nur 89 bürgerliche gegen- über. Unser Staat befindet sih in sehr ernster Situation, und da müssen immer die richtigen Männer in die Aemter gebracht werden. Bezüglih der Wahlurnen will der Minister als NReffort- minister nichts fagen. So wird oft aus formellen Gründen die Antwort abgelehnt, um keine Antwort zu geben. Ich bitte den Minister, uns ofen zu sagen, wie er darüber denkt. Es handelt si um ein wichtiges Prinzip; wenn wir das geheime Wahlre<t baben, muß es au vom Staat und seinen Organen garantiert werden. Das Volk will das Gefühl haben, daß_ die Geseße in der Praris auch dur<geführt werden. Der Abg. Friedberg hat auf die Bitte, daß bei der Wahl der behördlihe Apparat mit voller Unparteilichkeit funftionieren möge, Teine Antwort erhalten. (Zwischenrufe.) Das ist mir entgangen; wenn ein Mißverständnis herrscht, wird der Minister wohl seine Erklärung wiederholen. Der Abg. von Kardorff lann do< wohl nicht glauben, daß ein Verbot des Streikpostenstehens einen Streik verhindern könnte. Dann müßten alle Arbeiter bestraft werden, denn fie steben s{ließli< alle Streikposten. Fürst Bülow hat nit nur redneris<h die Sozialdemokraten überwunden, sondern au<h bei der vorleßten Wahl den größten Erfolg gegen sie gehabt. Ich freue mich, daß es au< dem Abg. von Ka1dorff leid getan hat, daß das Zentrum mit den Polen, Welfen und sonstigen Neichs- feinden gegen den Reichskanzler vorgegangen ist. Aber ih möchte den Abg. von Kardorff auch bitten, daß er dafür sorgen wird, daß seine Freunde in Hannover dieses freundli<he Zusammengehen der Kon- servativen mit den Welfen inhibieren möchten. Als der Abg. Strofsser in Hannover die bekannten Aeußerungen getan hat, hat keiner von den anwesenden Freikonservativen Widerspruh erhoben, woraus ih schließe, daß diese Herren das Vorgehen des Abg. Strosser ge- billigt haben. Der Abg. Strosser ist kein Hannoveraner und kennt deshalb vielleidt die Welfen nicht 10 Jer, wie Wir, out würde er vielleiht ni<ht so sehr für die Welfen eintreten. Wenn die Konservativen si<h hinstelen und erflären, daß sie die \härfste Spiße gegen jede Umsturzpolitik seien, dann muß i ihnen do< entgegenhalten, daß dies si< niht mit dem Verhalten gegenüber den Welfen vereinbaren läßt. Im Anschluß an das Vorgehen des Abg. Strosser wird die „böse Welt“ sicherlich sagen, daß der Abg. Strosser sih mit Rücksicht auf die bevorstehenden Landtag: wahlen wahrscheinli den Lohn dafür holen will, daß er seinerzeit den Welfen zu einigen Mandaten verholfen hat. Wir bitten den Minister, sih darüber zu äußern, ob er das Verhalten von Königlichen Beamten billigt, die an welfis<en Versammlungen teil- genommen haben, wie es der Abg. Dr. Friedberg dargestellt hat.

Minister des Jnnern Dr. von Dallwißt:

Auf die leßte Frage kann ih nur mitteilen, daß, wie ih gestern {hon erwähnt habe, ih einen Bericht über die Saße no<h nicht habe einfordern können, und ehe mir niht ein Bericht vorliegt, überhaupt zu der Frage niht Stellung nehmen kann.

Die andere Frage des Abg. von Campe, wel>e sich darauf bezog, daß die Beamten bei den Wahlen objektiv und unparteiis< verfahren möchten, will ih dahin beantworten, daß das meines Erachtens selbst- verständlich ist. Es ift selbstverständlich, daß die mit den Wahlen amtlich befaßten Beamten bei ihrer amtlichen Tätigkeit unparteiish und objektiv verfahren, und daß i< nötigenfalls dahin wirken werde, daß dieser Auffassung au<ß Nechnung getragen wird. (Abg. Hoffmann : Vielleicht erleben wir es no<h !)

__Herr von Campe hat von Vorgängen auf einer Pariser Tagung gesprochen, die von polnis<hen Jugendvereinen abgehalten worden sei. Ueber diese Tagung sind mir amtlihe Nachrihten no< nit zugekommen; ic vermute, daß das wohl nc< geschehen wird. Jeden- falls wird die Sache weiter verfolgt werden.

Er hat dann die Frage an mi gerichtet, ob es zutreffend sei, daß am 22. Januar, dem Jahrestage der polnischen Nevolutionsfeter, illoyale Demonstrationen in Posen vorgekommen seien. Nach den mir hierüber vorliegenden Berichten muß ih leider die Frage be- jahen. Es hat namentli in Posen die nationale Erregung der Polen in den Tagen des Revolutionsjubiläums bedenklihe Kundgebungen gezeitigt. Ein Komitece hatte am 22. Januar Abends zu einer Feier im Basarsaale mit einem Programm geladen, in dem u. a. aud das Absingen einer Reihe verbotener und - aufreizender Leder vorgesehen war. Da es si< na< der ganzen Art der Veranstaltung um eine öoffentliße Versammlung handelte, wurden Beamte kom- mittiert, welhe nur mit Schwterigkeiten überbaupt Zutritt erlangen konnten. Als die Verhandlungen aus\cließli< in polnisher Sprache stattfanden, mußte der Shluß der Versammlung herbeigeführt werden. Die Versammelten folgten indessen dem nicht, sondern sangen no< eine ganze Neihe von verbotenen Liedern in Gegenwart der Beamten ab:

Boëe coé polska.

Mit dem Nauh der Feuersbrunst,

Nc<< ist Polen nicht verloren usw. (Zuruf bei den Polen: Das wurde bei Gravelotte gespielt!) Die Beamten, die schon viele polnis<e Versammlungen überwacht baben, ertlärten, daß sie eine so fanatis< erregte Menge no< nicht gesehen hätten. Nach dem Verlassen des Basars versammelte sich eine größere Menschenmenge auf cfffener Straße am Miekiewicz Denkmal und sang abermals verbotene Lieder. Gegen die Polizeibeamten fielen die Worte Bluthunde, man müsse ihnen die Obren beshneiden usw. Bedauerlicherweise Haben au<h in der polnischen, in der Pfarrkirhe das ist der Vorgang, den der Herr Abg. von Campe besonders erwähnt hat während der Trauerfeier für die Gefallenen von 1863 Ausschreitungen stattgefunden ; es wurde nämlich entgegen dem von dem Geistlichen aufgestellten Plan an Stelle des von dem Organisten intonierten Kirhenliedes wieder das verbotene Lied: „Gott, der du Polen® u. \. f. gesungen. Tags darauf, am 23. Januar, fand wiederum im Basarsaal eine Versamm- Tung ftatt, die nicht polizeili<h überwaht war. Auch in dieser Ver- sammlung find die verbotenen Lieder gesungen worden. - Die Teil- nehmer zersireuten fi< naher auf der Straße nur teilweise, und langsam folgten fie der Aufforderung, auseinanderzugehen. Ein Mann {lug einem S<hubzmann sogar ins Gesicht und dez Helm vom Kopf. Besonders etgenartig war die A Auf der Estrade war die Büste des Revolutionshelden Kotciusz;ko aufgestellt. Hinter ihm standen vier entfaltete Socfolfahnen und zwar so, daß man die Falten sehen konnte. Rechts und links der Büste waren gezogene Sensen aufgestellt, wie sie in polnishen Aufständen benußt wurden. An ihren Spigen hingen Konfederatki (Revolutionsmüten). Unter der Büste hing auf zwei pyramidenförmig ¿zusammengestellten Sensen die rote Koësciuszkomüge. Zu Füßen der Büste lag ein mächtiger Dornenkranz, umwi>elt mit einem grauen breiten Leinen-

band, auf dem bru<hsiü>weise die Inschrift zu lesen war: „Das Vater- land gibt uns wieder, o Herr Aufersiehung.“

Alles in allèm haben re<t bedenklile Demonstrationen statt- gefunden, und es wird darauf gea<htet werden, daß im Wiederholungs- falle solhen Versuchen der Polen, die öffentlihe Ordnung in Posen dur< Demonstrationen landesverräterisher Art zu stören, mit der größten Energie entgegengetreten wird. (Bravo !)

Meine Herren, der Herr Abg. Wenke hat, wie mir mitgeteilt worden ist, etne Rethe von Fällen zur Sprache gebracht, in denen angeblih die Amtsvorsteher thre Obliegenheiten entweder nicht er- füllt oder überschritten haben und namentlich in bezug auf das Vereins- geseß nit in geseßli<her Weise verfahren sein sollen. Wenn der Herr Abg. Wenke die Absicht gehabt hätte, hier eine sahlihe Erörterung dieser Fälle herbeizuführen, so würde er die Güte gehabt haben, mir diese vielen Einzelfälle re<htzeitig vorher mitzuteilen, damit ih in der Lage ge- wesen wäre, Auskunft einzuholen und eine Auskunft darüber zu erteilen, ob die Fälle in der Weise stattgefunden haben, wie er sie hier dargestellt hat, oder ni<ht. Der Herr Abg. Wenke hat es aber vorgezogen, dies nicht zu tun. Jch muß daraus die Folgerung ziehen, daß es ihm weniger auf eine sahlihe Erörterung gls darauf angekommen ist, seiner augen- \cheinlihen persönlihen Abneigung gegen die Amtsvorsteher freien Lauf zu lassen oder auch etnem “etwaigen Agitationsbedürfnis für Tommende Zeiten Genüge zu tun.» (Bravo! re<ts Lachen bet der forts<r. Volkspartei Zuruf,links: Billlge Auëreden!) Er hat es nit einmal für nötig befunden, das Datum der angêblih vorgekommenen Einzelfälle mitzuteilen. Jch halte - es daher nicht für ausge\s{lossen, vielmehr scheint mir nah dem Inhalt einzelner Sachen, die mir tnit- geteilt worden find, die Vermutüng "nahe zu liegen, daß ein Teil dieser &Sâlle zu den berühmten 58 Fällen gehört, die bereits vor andert- halb Jahren im Neichétag zur - Sprache gebra<ht worden \ind, (Nufe bei der fortshr. Volkspartei :- Nein, nein! Heiterkeit rets.) und die sih zu einem ni<t unerheblichen Teil als unzutreffend, zum Teil fogar als voll erfunden herausgestellt haben.

Meine Herren, wie wenig zuverlässig foldhe Angaben auf Grund nicht genannter Gewährsmänner sind, das hat ja ganz: eklatant der Fall gezeigt, den i<-gestern erwähnt habe, den der Herr Abg. Korfanty auch bei der Neichstagserörterung über das preußische Versammlungs- recht vorgebracht hat, der Fall in Birkenhain. Ich sehe mi, um nachzuweisen, wie bedenkliÞh es ift, folhen Angaben ohne weiteres Glauben zu schenken, leider genötigt, no< einmal diesen Fall in extenso zu erörtern und zu beleuchten.

Herr Korfanty hatte sich bereits am 15. Februar 1911 im Ab- geordnetenhause darüber bes<wert, daß der Amtsvorsteher in Birken- hain im Kreise Beuthen die Genehmigung zu einer Versammlung unter fretem Himmel mit der Begründung versagt habe, daß das Grundstü zu klein sei. Dann sagte er ih zitiere hier aus dem Stenogramm des Reichstags, wo er dieselben Anschuldigungen demnächst wiederholt hat wörtlich:

In Birkenhain, Kreis Beuthen, sollte eine Versammlung unter fretem Himmel stattfinden. Es war ein großer Play, 55 m lang, 20 m breit. Der Amtsvorsteher fand diesen Play zu klein und sagte außerdem: wie bekannt ist, dauern die polnishen Versamm- lungen in Oberschlesien circa 4 bis 5 Stunden. Wenn die Ver- sammlungsteilnehmer nun 4 bis 5 Stunden da bleiben, so könnten sich bei ihnen gewisse menshli<he Bedürfnisse melden, und um dieses menschli<he Bedürfnis zu befriedigen, könnten sie auf das Nachbar- feld übertreten und da dieses Geschäft vornehmen; und wenn sie nun das Nachbarfeld betreten, so könnten die Etgentümer herbet- eilen, sie vom Nächbarfeld hinuntertreiben, da könnte es zu Streitigkeiten kommen, und dadur< werde die öffentlihe Sicher- heit gefährdet.

Das ist die Begründung, die na< seinen wörtli<h wiedergegebenen Ausführungen im Reichstage der Herr Abg. Korfanty dem Amts- vorsteher in Birkenhain in den Mund gelegt hat. Ih habe bereits im vorigen Jahre, am 25. April 1912, diese Behauptung mit fol- genden Bemerkungen zurückgewiesen :

Gs hat fich nämlich bei den amtlih hierüber angestellten Ermittlungen herausgestellt, daß ni<t ein Wort von der ganzen HBe- dürfnisfrage in dem Bescheide steht, daß die Gewährsmänner des Abg. Korfanty sich ‘das vollkommen aus den Fingern gesogen haben, und daß der Abg. Korfanty vielleiht in etwas übereilter Weise, in dem Wunsche, die staatlichen Behörden lächerli<h zu machen, sich darauf eingelassen hat, diese angeblihe Beschwerde weiter zu tragen.

Dann hat der Herr Abg. Korfanty in einer der nächsten Sitzungen folgendes behauptet: j

Ich babe den Fall Birkenhain bereits am 15. Februar 1911 im Abgeordnetenhause zur Syrache gebra<ht. Ich hatte damals das Original des Verbots der Versammlung in der Hand; ih habe nah dem Original zitiert, und darin steht unter anderen Gründen, welche zu dem Verbot der Versammlung geführt haben, wie das Ver- hältnis zwis<hen Deutschen und Polen gespannt sei: usw.

Außerdem sagte er:

Eine fol<e Menschenmenge würde auf dem {malen Aerstreifen nit Play finden. Besonders aber ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bei einer Versammlungsdauer von drei Stunden dur< Ver- ri<tung der Notdurft die angrenzenden Grundstücke beschädigt werden fönnten. Der Herr Minister

sagt Herr Korfanty

stelit fi hier hin und behauptet, das sei garniht wahr; er sei dem Fall na<gegangen, daß der Amtsvorsteher in dem Verbot nur die nationalen Gegensäße angeführt habe... .. ... Herr Minister, Sie sind etnfach irre geführt worden. Dieses Verbot, auf das Sie si bei der zweiten Lesung berufen haben, datiert vom 2. Juni 1910, und diese Versammlung, deren Verbot : der Herr Amts- vorsteher in so _komisher Weise begründet hat, sollte am 24. April 1910 stattfinden; der Herr Amtsvorsteher . von Birkenhain hatte damals systematis< alle Versammlungen verboten. . .…. Er hat die Behörden no< mehr lächerli<h gemacht, indem er wahrscheinli bei den Nachforshungen des Herrn Ministers“ einfah diesen Fall vom 24. April vers<hwiegen hat; dafür verdient er doch eine ganz exemplaris<e Bestrafung. Usw.

Auch diese Behauptung habe i< nun “einer amtlihen Prüfung unterzogen. Es handelt -fi< um eine von dem Einwohner Tomalla auf dem Grundftü> in Birkenhain am 24.April 1910 géplänte Ver- fammlung, deren Genehmigung der Amtsvorsteher dur< Bescheid vom 20. April 1910 versagt hat.

Dieser Bescheid ist in ausführli<ßer Weise ih habe ihn bier zur Hand durchaus sa<li< begründet, und von der ganzen Bedürfnisfrage steht ni<ht ein Wort darin. (Hört, hört! rets.)

Im Zusammenhang hiermit sind aber zugleih alle übrigen amt- lien Vorgänge des Amtsvorstehers in Birkenhain, die \si< auf polnishe Versammlungen beziehen, geprüft worden, und es ift dabei festgestellt worden, daß auch in keinem anderen Bescheide hiervon die Nede ist. Wie ferner der Amtsvorsteher und sämtliche ihm unter- stellten Polizei- und Gemeindebeamte unter Berufung auf ihren Diensteid versichert haben, ist von keinem von ihnen jemals mündli oder s<riftli< jene läherlihe Erklärung abgegeben worden.

Herr Abg. Korfanty, der behauptet hatte, im Besitz des Originals jenes Bescheides zu sein, und si bereit erklärt hatte, das Schriftstück mir vorzulegen, ift zunähst dur< meinen Referenten mündlich, sodann mittels eingeschriebenen, dem Abg. Korfanty am 7. August 1912 zu- gestellten Briefes vom 5. August 1912 aufgefordert worden, das Schriftstü>k vorzulegen. Die Vorlage ist jedo< unterblieben. (Hört, hört! rets.)

Es ist sodann von mir. an den Abg. Korfanty mittels ein- geschriebenen Briefes folgendes Schreiben vom 9. Oktober 1912 ge- richtet worden :

CGuere Hohwohlgeboren haben mir auf mein Schreiben vom 5. August 1T e 1988 eine Antwort bisher nit zugehen lassen.

Die inzwischen erneut von mir angeordneten Ermittlungen haben ni<ht ergeben, daß einer der vom Amtsvorsteher in Birken- hain in Versammlungssachen erlassenen Bescheide die-von Ihnen behauptete Begründung enthalten hat. i

Ich ersuhe Sie daher no<hmals ergebenst, mir binnen 14 Tagen die na< Ihrer Angabe in Ihren Händen be- findlihe Originalverfügung des Amtsvorstehens in Birkenhain, die den von Ihnen in der Sißung des Abgeordnetenhauses vom 15. Februar 1911 (Verhandlungen Seite 2017) angegebenen Wort- laut enthalten soll, Ihrer mehrfachen Zusage gemäß gefälligst ei: zusenden.

Sollten Sie auch dieser Aufforderung innerhalb der angegebenen Frist niht nahkommen, so muß ih annehmen, daß Sie zur Ein- sendung des fraglichen Bescheides nicht in der Lage sind.

Auch auf dieses Schreiben habe i< eine Antwort nicht erhalten. (Hört, hört! rechts.) ®

Das Haus vertagt sich hierauf.

Persönlich bemerkt _ Abg. von Kar dorff (freikons.): Dem Abg. von Campe erwidere ih, daß ih nicht ein Gesetz gegen das Streikpostenstehen gefordert habe, sondern ih habe genecrell den Schutz der A:beitswilligen auf der ganzen Linie gefordert. Der Abg. Cassel hat mi< mißverstanden, ih habe ofen gesagt, daß sich die preußische Regierung unserer Auf fassung anschließen und unsere Auffassung im Bundesrat zur Geltung bringen muß. Wenn sih der Abg. Cassel darüber entrüstet hat, daß ih den Staatssck:etär Delbrück den jungen Mann des Ministers des Innern genannt habe, so habe ih das selbstverständlih niht im Ernst gemeint, sondern i< habe nur im Anschluß an eine Bemerkung des „Berliner Tageblattes" sagen wollen, daß der Geist des preußischen Ministeriums auch im Netchs, Eingang finden möge.

Abg. Cassel (fortschr. Volksp.): Ih habe der Regierung nit einen Eingriff in die Selbstverwaltung vorgeworfen, sondern ich habe nur gesagt, daß die Regierung nicht die Interessen der Stadt Berlin genügend berü>sichtigt habe. Len Abg. von Kardorff kann ih ni<t um Entschuldigung bitten, weil er na< meiner Ueber- zeugung tatsählih die bewußte Aeußerung im Ernst getan hat. aba. Stro er (Ton) Der Aba. von Campe hat behauptet, ih habe gesagt, auf Urteile von Schöffengerichten gebe ih nichts. Das habe ih überhaupt nicht gesagt, sondern ih habe nur erklärt, daß i< auf das Urteil eines bestimmten Schöffengerichts keinen großen Wert lege. Es gibt do<h auch Nichter, die ein NReichsgerichts- urteil nicht für unfehlbar halten.

Abg. von Kardorff (freikons.): Dem Abg. Marx erwidere ich, daß ih keine konfessionelle Fragen in die Debatte hineingetragen habe, ih habe nur zu beweisen versuht, daß die katholis<e Kirche nicht in der Lage war, die sozialdemokratische Gefahr zu bannen. Ich habe nicht die Absicht gehabt, die katholishen Mitglieder dieses Hauses in thren religiösen Gefühlen zu verletzen.

__ Schluß nah 5 Uhr. Nächste Sizung Montag, 11 Uhr. (Etat des Ministeriums des Jnnern.)

Land- und Forstwirtschaft.

Am 15. Februar wird der über 8000 Mitglieder zählende Verband der Handelsgärtner Deutschlands seine 29. Haupt- versammlung im Lehrervereinshause in Berlin, am Alexanderplatz, ab- halten. Bei der Auswahl der auf die Tagesordnung geseßten Vor- träge ist besonderer Wert darauf gelegt worden, allen Teilnehmern einen Ueberbli> über die bisherige Tätigkeit des Verbandes auf den für die gesamte Handelsgärtnerei aktuellen wirtschaftspolitis<e 1 Ge- bieten und die weiteren Aufgaben zu ermöglihen. Im Vordergrund des Interesses steht dabei ein Bericht über die neue Gärtneret- berufsgenossenschafi, die dur< tatkräftiges Eintreten des Verbandes zustande gekommen ist. Dann folgen Vorträge über den Schutz des deuts<hen Gartenbaues durh entsprehende Zölle, über die Errichtung von Gartenbauauss<üssen bet den Landwirtshaftskammern und die kürzli erfolgter Gründung des Neichsverbandes für den deutschen Gartenbau. Eine besondere Beachtung auh weiterer Kreise wird das Thema: „Wie können die Städte und Gemeinden den erwerbsmäßigen

Gartenbau fördern ?* beanspruchen.

Die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde ver: anstaltet am 20. d. -M., Vormittags 97 Uhr, tm großen Saale des Künstlerhauses, Berlin, Bellevuestraße 3, anläßlih- des Megierungs- jubiläums- Seiner Majestät des Kaisers eine Festversammlung, zU£ der, der 0h n der Gesellschaft, Königlicher ODekonomierat Does<, - Neukirchen, die festlihe Ansprache - ‘halten wird. Zwei Vorträge werden dann folgen. " Der Geheime - Medizinal- rat Professor Dr. Rubner, Vorsteher © des physfiologischen Instituts der Berliner Universität, wird über das Wesen des Wacbstums, und der landwirtschaftliche Sachverständige : Dr. Fro st- Sti: >holm über die Herkunft der \kandinavishen . Rinder und deren no<h heute vorkommenden - Urformen ' (mit Lichtbildern) sprechen. Mitglieder, Freunde: und Gönner der Gesellschaft, Landwirte, Tier- züchter, Naturforscher werden um thr Erscheinen gebeten. -, Auskunft über Mitglièdschaft gibt die Geschäftsstelle, Berltn-Halensece, Halber- städter Straße 3. ;

4

19183.

Vorbemerkungen : 9) 280 gen avo ate le Dezeilchnung „Gehöfte“ \<ließt ein:

Norwegen), Bestände (Dänemes E 8

feuhe, Hämoglobinurie usw., find in der Fußnote nachgewiesen.

GesundHhcitêwesen, Tierkrankheiten und Absperrmaßregelu,

Tierseuchen im Auslande. (Nach den neuesten im Kaiserlißen Gesundheitsamt eingegangenen amtlihen Nahweisungen.)

1) Ein Punkt in einer Spalte der Üebersiht bedeutet, da ngaben nit vorgekommen find. Ausbrüche (Großbritannien), Ställe, Weiden,

Die in der Uebersicht nit aufgeführten witigeren Seuchen, wie Rinder

ß in der betreffenden Nachweisung eine Angabe für diese Spalte nicht enthalten ist; ein Strich bedeutet, daß Fälle der betreffenden Art Herden (Schweiz und Frankrei), Besitzer (Luxemburg und Niederlande), Ställe pest, Raushbrand, Wild- und Rinderseu<he, Tollwut, Lungenseuhe, S<hafpoten, Geflügelholera, Hühnerpest, Büffel-

e

8

en, Departe-|

L i

, Ge- Staaten 2c. Zeitangabe. Bezirke meinden

Zahl der vort, andenen Sperrgebiete 2c.)

Beztrke (Provir ments, Gouverneutent

Milzbrand

Not : 2

Bezirke

meinden

Bezirke

Maul- is nd Klauenseuche

meinden

Schafräude

Rotlauf der Schweine!)

Schwein y (eins, lel Sebroeinepest)

Ge- Ge-

meinden

| Gehöfte| Bezirke | Ge- | Gehöfte

| Gehöfte | Bezirke meinden

Ge- meinden Gehöfte

| über- haupt

De d S Kroatien-Slavonten

FStalien Schweiz ..

Großbritannien . , Irland .

Bosnien und Herze- |

g gowina R 2 Dezember 1912 4 Me Dânemark. 19 Dezember 1912 | 13| 71. Außerdem:

Wöcheutliche, bezw. viermal im Monat

24| 106| 13| U [2

5

8

4 8 161 f 28 9 3 12 9 f

6

4

20

1 | | | ae | |

Geflügelholera: Oesterrei h 6 Bez., 7 Gem., 92 Gch. überhaupt verseu<t; Ungarn BVeschälseuche: Kroatien-Slavonien 2 Bez., 19 Gem., 111 Geh. une Verieitdt,

{ 4.

]

Halbmonatliche und monatliche Nachweisungen.

Nau brand: > f Un O m M 1 erie . 98 23 7 (o 2 > it : \ T G ; S : f ; i i - ¿ ? \< eun ier A Ge r J rad P vers Ungarn 28 Bez., 47 Gem., 48 Geh. überhaupt verjeuht; Kroatien-Slavonien 2 Bez, 6 Gem., 7 Geh. über- Tollwut: Oesterreich 18 Bez., 37 Gem., 44 Geb. überhaupt verseucht; haupt verseuht; Italien a. 4 Bez., 4 Gem. überhaupt, Schafpoen: Ungarn 10 Bez., 21 Gem., 25 Geh. überb

eu verseuht; Schwetz 2 Bez., 2 N O 453 Bez., 146 Gem., 9 Geh. neu, b. 5 Bez., 6 Gem., 12 Geh. neu verseuWt; Bosnien u Herzegowina 6 Bez., 9 Gem. überbaupt v

A L S E oe A de: L 2 l Jy . erseu<t. aupt verseu<t; Kroatien-Slavonien 2 Bez., 6 Gem., 52 Geh. überhaupt verseucht. : hau as

Bez., 5 Gem., 7 Geb. überhaupt verseucht.

erscheinende Nachweisungen. Zl A4 | |

N | 10)

| a! 29!

S 6 E S7

Gem. neu verseucht. i; 149 Geh. überhaupt verseu<ßt; Kroatien-Slavonten

1) Schweiz: Stäbchenrotlauf und Schweineseuche. ?) Großbritannien u. Irland: Schweinefieber; F talien: Schweineseuchen (allgemein).

Name ung über den Stañd von Viehseuchen in Oesterreich- Ungarn am 29, Januar 1913. (Kroatien-Slavonien am 22. Januar 1913.) (Auszug aus den amtlichen Wochenausweisen.)

| |

Maul- Schweine- | Notlauf und pest

Königreiche Nobi Klquen- | (S&wéine- der und Länder seuche seube) | Schweine __ Zahl der verseuhtn

Komitate (K.}) _Stuhlbezirke (St.) Munizipalstädte (M.)

—— Q Q,

Nr. des Sperrgebiets

Höfe

=| Gemeinden Gemeinden

Gemeinden |

A | Siical

Gemeinden

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a. Oesterreich. Niederösterreih

1 2 3 4 1 2 i,

3 ü Salzburg

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3 Bez., 5 Gem., 7 Geh. über-

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St. Bácsalmás, Baja, Topolvya, Zenta, Zombor, Städte Magyarkanizsa, Zeuta, M. Baja, Maria

Zombor St. Apatin, Hódság, Kula, Palánka, Obecse, Titel, Neusatz (Ujvidék), Zsa- DIVa, M, Ube...

(Pecs) K.Bars,Hont, M.Schemniyz (Selmecz- 68 Bélabánya) t O S

K. Bereg, Ugocsa

K. Bistris (Besztercze- Naszód)

St. Berettvóujfalu, De- recsfe, Ermibálvfalva, Maraitta, Sárrét, Szé- felybid

St. Cséffa, llesd, Központ, Biharkeresztes, Szalärd, M. Großwardein (Nagy- várád)

St. Bél, Belänyes, Ma- gyarcsóke, Nagyszalonta, Tenke, Vaskóh

K. Borscd, M. Miskolcz

K. Kronstadt (Brassó), Háromszék

K. Csanád, Csongrád, M Hódmezovásárbely, Sze-

_gedin (Szeged)

Gran (Esztergom), Raab (Györ), Komorn (Komärom), M. Györ, Komärom

K.Stuhlweißenburg(Fejér), M. Stuhlweißenburg

_(Székes-Fehórvár) ;

K. Fogaras, Hermannstadt

(Szeben)

K. Gömör és Kis-Hont,

Sobl (Zölyom)

K. Hajdu, M. Debreczin

_ (Debreczen)

R o O

K. Hunyad

K. Jáäs8z-Nagykun-Szolnok

K. Kleinkokel (Kis-Küküllo),

_Großkokel(Nagy-Kükülls)

K.Klausfenburg (Kolozs), M.

Klausenburg (Kolozsvár)

St. Béga, Boksänbánya.

Fac) ád, Karánsebes,Lugos,

Maros, Temes, Städte

Karänsebes, Lugos ..….

St. Bozovics, Jám,. Ora-

viczabánya, Orsova, Ne-

siczabánya, Teregova,

Ujmoldoya

K. Máramaros

K. Maros - Torda, Udvar-

hely, V?.Maros-Vásärhely

K. Wltesfelburg (Moson),

Oedenburg (Sopron), M.

Sopron

K. Neograd (Nógrád) . .

K... Neutra (Nyitra) .

St. Aszód, Bia, Gödölls,

Pomáz, Waizen (Vácz),

Städte St. Andrä (Szent

Endre), Väácz, Ujpest,

M. ‘Budapest ;

St. Alsódabas, Kispest,

Monor, Nagykáta, Rúcz-

keve, Städte Nagykörös,

Czegl6d, M. Kecskemöt

Theresiopel (Szabadka),

K.Baranya, M. Fünfkirchen

St. Abony, Dunavecse, Kalocfa, Kiskörös, Kis- kunfélegyháza, Kunszent- miklós, Städte Kiskun-

a. nto, prag . Preßburg ozsony),

ae Fivay L j Sl gal, Lengyeltót Marczal, Tab : s St. Barcs, Csurgó, Ka- pospár, Nagyatäd,Sziget- vár, Stadt Kaposvár . . K. Szabolcs : - Sz2tmár, M. Szatmár- e Au K. Z!ps (Szepes) K. Szilázy e 4A K. Szolnok-Doboka . St. Buziásfürdó, Központ, Lippa, Temesrékás, Uja- _rad, Vinga, M. Temesvár St. Cs\ák, Detta, Weiß- kirhen (Fchartemplomi, Kevevár, Werschet (Ver- lecz), Stadt Fehértem- plom, M. Versecz . .

K. Tolna

K. Thorenburg Aranyos) .

St. Csfene, Großkikinda (Nagykikinda),Nagyszent- mikló8s, Párdány, Per-

mos, Töröôkbecse,Török- anizsa, Haßfeld (Zsom-

bolya), Stadt

Tina

St. Alibunár, Avtalfalva, Bäánlak, Módos, Groß- becskeret (Nagybecskere?k), Pancsova, Stadt Nagy-

_becskerek, M. Pancsova

K. Ung, St. Homonna

Mezöôlaborcz, Szinna, Sztropkó

St. Bodrogköz, Gälszécs,

Nagvmihäály, Särospatak, Sätoraïjaujhely, Sze- rencs, Tokaj, Varannó,| | Stadt Sáätoraljaujhely . [-

St. Czelldômölk, Felföoör, 1 Güns (Köszeg), Manet uivár, Sárvár, Stetn-

amanger (Szombathely),

Städte Köszeg, Szom-| | bathely

K. Weszprim (Veszprém) . |—|—

St. Balatonfüred, Kesz-| | thely, Pacsa, Sümeg,| | Tapolcza, Zalaeger8zeg, | |

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St. Alsólendba, Csáktor-| |

nya, Letenye, Nagykantzsa,

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Nagy-

Nova, Perlak,StadtGroß- kanizsa (Nagykanizsa) . .

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Kroatten-Slabonten.

K. Belovár - Körö8, Va- | rasdin (Varasd), M. Va- | rasd 4

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K. Syrtntien (Szeräm), M. Semlin (Zimony). . ..

K, Verö M. Esseg A E

K. Agram (Zägráb), M. B «aaa e N

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