1913 / 50 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

von der Insel Euba war eine bhöcst geCue Wahl des Archi- teften. Bedeutend wirkt aus der Mitte der Kirche gesehen au die Orgelempore unter s\äulengetragenen, mit Mosaik bedeckten Gewölben, die ähnlih so auch die Deckde der Langschiff- emporen bilden. Jn diesem westlihen Teil des Langschiffes reiht ih Kunstwerk an Kunstwerk, seten es Reltefs in weißem Sandstein, Mosaikbilder oder Glasfenster von folher Feinheit der Hersteltung, daß man versucht ist, was zartester Glasfluß ist, für einen dünnen Belag aufgetragener Farbe zu halten. Hier erzählt fast jede Nische von kostbaren Geschenken, die zu höherem Schmuck der aue ihr von begüterten Stiftern und Stifterinnen zugewendet worden find. Ein nicht hoch genug zu \chägender Reiz des JInnenshmucks is der Wahl des Farbentons aller größeren Mosaikarbeiten zu danken. Man hat es vermieden, leuchtendes Goldmosaik zu verwenden, und statt dessen ein Gemenge zahlreiher Schattierungen in gelblichen, grün- lihen und Drangetönen benutzt, zum Teil, wie in der großen Vierung in verschiedenster Musterung, auch in einfachen Linien, zum anderen Teil, wie in den Querschiffen, ohne jegliße Musterung durch ganz willfürliche Mischung der genannten Grundtöne mit Goldsteinchen. Es ist besonders. erfreuli, daß alle diese Mosaiken eins{chließklich der Hervorbringuug jener einfahen harmonishen Wirkung das Werk der Deutschen Gla3mosaikfabrik Publ u. Wagner in Neukölln sind. Es ift an dieser Stelle niht mögli, volle Rechenschaft zu geben von den zahlreichen Bildern von Aposteln, Kirhenvätern, Engeln und Erz- vâtera, die als Skulpturen, als Glasbilder oder wie die vier gewal- tigen, 64 m großen, auf Wolken {webenden Erzengel oberhalb der großen Vierung als Mosaikbilder Teile des Gotteshauses bilden; aber noch etnmal muß auf die großen Fensterrcsen mit ihrem funkelnden Schmuck herrlichster Glasbilder hingewiesen werden, von deren magishem Licht zumeist der zauberische Reiz dieses Kirheninnern von großer Schönheit ausgeht und bedingt ist.

Doch man darf bei einer Schilderung der Kaiser - Wilhelm- Gedächtniskirhe, die, verglihezn mit dem hier entfalteten Neichtum edelster Architektur und Kunst, immer nur dürftig sein kann, jenen Teil der Kirhe niht unbeschrieben lassen, der wesentlich dem Ge- dâchtnis an den ersten Hohenzollernfaiser gewidmet ist, die oben {hon in ihrer Coo N in das Gesamtbild erwähnte „Gedächtnishalle“. Der farbige Mofaikboden zeigt in der Mitte den Erzengel Michael. Die Gurtbögen des Gewölbes ruhen zu beiden Seiten auf roten {chwedischen Granitsäulen mit Sandsteinkapitälen. Dem mittelsten Hauptportale gegenüber dvefindet sich die große Tür, die in das Innere der Kirche führt. Den beiden Seitenportalen gegenüber ltegen die mit Marmorreltefs bedeckten breiten Pfeiler, deren einleitend als Träger des Turmes ge- dacht wurde. Kennzeichnend für die eigentliche Bestimmung der Halle, das Gedächtnis an Kaiser Wilhelm 1. wachzuerhalten, find die hier in großer Fülle vertretenen Erinnerungen an ihn und sein Haus. Die gesamte untere Fläche des Gewölbes zeigt über reihorna- mentiertem Fries im glänzenden Zuge Hohenzollernsürsten und -Fürstinnen; links beginnend mit dem ersten Kurfürsten und seiner Gemahlin, rechts endend mit dem gegenwärtigen Kaiser und seiner Gemahlin, die hohe Frau im Silberkcanz threr am 27. Februar 1906 gefeierten silbernen Hochzeit. Unter- halb dieses Zuges der Hohenzollern befinden sich zwet große Neltefs in Carraramarmor: das linke Kaiser Wilhelm I. als jungen Leutnant in der Schlacht bei Bar sur Aube zeigend, wo er die Ae empfing, das rechte den greifen Herrscher finnend auf einem

armorsessel sißend darstellend, während zu seiner Rechten die Ge- stalt des Kronprinzen, zur Linken die des jugendlihen Prinzen Wilhelm stehen. Im übrigen ist der Innenschmuck der Gedächtnishalle über- reich an Gestalten aus der deutschen Geschichte, und nächst Karl dem Großen, Otto dem Großen und Nudolf von Habsburg wiederholen ih noch mehrfach Bilder von Kaiser Wilhelm, z. B. in Beratung mit Bismarck, Moltke und Noon. Auch den Helden des Befreiungslrieges siad Darstellungen gewidmet. Gedenkt man nun nach dankbarem Genießen dieser Fülle künstlerishen Shmuckes feines Innern der berrlihen äußeren Erscheinung des Bauwerks, wie es sh besonders schôn vom Wittenbergplaß dem bewundernden Auge darbietet, so darf gehofft werden, daß die Nachwelt nicht weniger als die Mitwelt an- erfennen wird, daß hier ein Werk geschaffen ist, daß gleih den großen Domen im Deutschen Neiche fernen Zeiten noch bezeugen wird, daß im 20. Jahrhundert das deutshe Volk niht weniger idealen Sinnes gewesen ist als die Zeitgenofsen eines Grwin von Steinbach!

Theater und Musik.

Eingetretener Hindernifse wegen ie, die E morgen, Donnerstag, im Königlichen Opernhause angeseßte ans von „NRigo- [etto“ ausfallen. Dafür wird „Der fliegende Ho"ändec“ in nah- stehender Besetzung gegeben: Holländer: Herr Bischosf ; Senta: Frau Kurt ; Mary : Frau von Scheele-Müller ; Grik : Herr Kraus; Daland : Herr Schwegler; Steuecmann: Herr Philipp, Dirigent ist der Kapellmeister von Strauß. Die für die 56. Dauerbezugsvorstellung zu „Nigoletto“ an der Theaterkafse gekauften Eintrittskarten behalten Gültigkeit für die neuangeseßte Vorstellung „Der fliegende Holländer“, können aber ans an der Vormittags- und Abendkasse (bis zum Beginn der Vocr- stellung) gegen Erstattung au der Vorverkaufsgebühr zurückgegeben werden. Eine spätere Zurücknahme der Eintrittskarten findet nit statt.

Im Königlichen Schauspielhause findet morgen die Erst- aufführung von Richard Strauß? Ariadne auf Naxos“ statt. Fräulein Artôt de Padilla, die als erste der heimishen Vertreterinnen die vom Komponisten besonders für fie eingerihtete Partie der „Zer- binetta® hier fingen sollte, ist durch eine leihte Erkältung, vor allem aber durch die Allerhöchst befohlene Mitwirkung in dem heutigen Hofkonzert zu Ehren der dänishen Majestäten an der Teilnahme an den leßten Proben behindert gewesen. Somit wird die Königlich bayerishe Kammersängerin Frau Hermine Bosetti, die auf besondere Einladung der Generalintendantur bereits für die zweite Aufführung gewonnen war, in der morgigen Erstaufführung fingen. Die Ariadne singt Frau Hafgren-Waag, den Bacchus: Herr Jadlowker. Die Damen Easton, Andrejewa-Sktilondz, Ober sind als Echo, Najade, Drcyade beschäftigt, die übrigen Personen des Intermezzos durch die Herren Hoffmann, Sommer, Mang, Henke vertreten. Die musikalische Leitung hat der Kapellmeister Blech. Die Hauptrollen des vorangehenden Mosltèreschen Lustspiels „Der Bürger als Edel- mann“ sind folgendermaßen beseßt: Jourdain: Herr Vollmer; Frau Jourdain: Frau Buße; Dorimène: Fräulein Arnstädt; Dorantes: Herr Sommerstorfff; Nicoline: Fräulein Heisler; Musßiklehrer: Herr Kraußneck; Komponist: Herr Geisendörfer; Tanzmeister : Ar Böttcher; Fechtmetister: Herr von Ledebur; Philosoph: err Eggeling; Tanzender Schneidergeselle: Fräulein Peter; Küchenjunge : Fräulein Gageike.

Am Freitag, Abends 8 Uhr, findet in der Dorotheen städtischen Kirche ein Orgelkonzert bei fretem Eintritt statt, veranstaltet von dem Königlichen Musikdirektor Martin Grabert. Mitwirkende sind Fräulein Mary Mora von Goetz Pre Fräulein Lilli Tischer (Violine) und der Kirhenchor. Aufgeführt wird u. a. die Missa Brevis von Palestrina.

Die nah Friedri Hebbels Dichtung „Die Weihe der Nacht" komponierte Chorkantate des in Berlin lebenden dithmarsishen Kom- ponisten Arnold Ebel erscheint in Kürze im Leipziger Musikverlag von C. F. W. Siegel (N. Linnemann). Das einstündige Chorwerk wird auf der \{leswig-holsteinshen Hebbelfeier in Heide Ce mit dem Ebel-Hebbelschen „Requiem“ durch den Gemischten Chor-Heide (Musikdirektor Fr. Kater), den Gesangverein „Eintracht“ (G. Hauschildt), den Theodor Stormschen Gesangverein-Husum (Pro- sefsor G. Möller) und den Kirchenge}angverein-Wesselburen (Kantor Scchlobohm) unter des Komponisten Leitung aufgeführt, erlebt aber bereits am 15. März durch die Musikgesellshaft in Hamburg (John Julia Scheffler) seine Uraufführung anläßlich der Hebbelfeier, die im Deutschen Schauspielhause zu Hamburg unter dem Protektorate der Bürgermeister Dr. Schröder und Dr. Predöhl \tatt- findet. Das dreiteilige Werk benuyt die Originalfafsung der Hebbelschen Dichtung und bringt als Mittelsay die Apostrophe „An meine Seele" als Baritonsolo mit Orchester.

Mannigfaltiges.

Berlin, 26. Februar 1913.

Das Reichspostmuseum bleibt wegen innerer Arbeiten vom 2. März ab für einige Tage geschlossen.

Im Lessingmuseum (Brüderstraße 13) spricht morgen, Donnerstag, Abends 8 Uhr, Fräulein Frida Katt in Fortseßung thres Vortrages „Berliner Herbst 1812" über „Berlin im Befreiungs-

kriege 1813". Patriotishe Lieder von Loewe, Reinhold Nicolat unß, Lorging fingt der Oberlehrer F. è iht rr Dito gleitet von Frau Schulze-Burandt. Der Eintritt ist frei. 5

Die einstündigen Abendvorlesungen in der Hand vos chule Berlin find, abweichend von den Got ee Sab, vorlefungen, für einen größeren Hörerkreis bere@net und können sowohl am Tage als auch in den Abendstunden belegt werden. Die Anmeldungen der Hörer werden an der Hohschulkasse (Spandauer Straße 1, Zimmer 27) entgegengenommen. Die Kasse ist in der Zeit vom 23. April bis 6. Mai von 9 bis 1 und 5 bis 9 Uhr ge- öffnet. Das Belegen kann auch dur bloße Zusendung des Honorars mittels Postanweisung unter genauer Angabe von Namen, Stand Alter und Wohnung erfolgen, worauf die Legitimationskarte über- mittelt wird. Ein Auszug aus dem Vorlesungsverzeichnis, enthaltend die cinstündigen Vorlesungen, wird auf Wunsch vom Sekretariat kostenfrei übersandt.

Mülhausen im Elsaß, 26. Februar. (W. T. B.) Heute vormittag unternahm der nach dem Habsheimer Flugplaß ab- kommandierte liegeroffizier Oberleutnant Linke vom 34. Füsilterregiment in Stettin mit dem gleichfalls als Fliegershüler nah Habsheim abkommandierten Unter- offtzier Helfersrieder vom Telegraphenbätaillon 4 in Karlsruhe mit einem Pfeildopveldecker einen Probeflug. Bei einer etwas scharf genommenen Kurve rutschte das Fahrzeug in etwg 20 m Höhe nah hinten aus und stürzte zur Erde. Der Unter offizier war auf der Stelle tot, der Oberleutnant trug nur

1

unbedeutende Verleßungen davon.

Hangelar (Siegkreis), 25. Februar. (W. T. B.) Der Fl ieger Bruno Werntgen ist heute abend aus 60 m Höhe abgestürzt. Er war sofort tot.

Paris, 25. Februar. (W. T. B.) Der französische Flieger Brindejonc, der heute vormittag 9 Uhr 15 Minuten in Villg- coublais bei Versailles aufgestiegen war, ist mit Zwischenlandung in Calais um 4 Uhr Nachmittags auf dem Flugfelde in Hen don bei London eingetroffen. Brindejonc beabsichtigt, noch heute a Nückflug nah Calais anzutreten, um von dort nah Brüffel zu

iegen.

ate N 26. Februar. (W. T. B.) Gestern abend stürzte der 24jährige Flieger Coning-Siedbrandt während eines Fluges mit einem Wasserflugzeug bei Asniòdres ab und erlitt

leben8gefährlihe Verleßwngen.

Oviedo, 25. Februar. (W. T. B.) Der Gouverneur hat Nachrichten aus Gijon erhalten, nach denen im Vorhafen eine Mine explod iert ist. Nach amtlichen Meldungen beträgt die Zahl der bei’ der Explosion Getöteten 24. Unter ihnen sollen sich aut der die Arbeiten leitende Ingenieur und der Unternehmer befinden, Die Anzahl der Verwundeten ist beträhtlich. Man glaubt, daß außerdem noch zahlreihe Personen unter den Trümmern liegen, Das Unglück ereignete sich folgendermaßen: Eine Mine von 3500 kg \{warzen Pulvers war gelegt worden, um einen Fels zu sprengen. Die Sprengung mißzlückte, und die Mine, die nah hinten loszing, \{leuderte einen wahren Regen von Steinen auf die Zuschauer und die Schiffe im Hafen.

Pola, 26. Februar. (W. T. B.) Der Liniens\chGiffs- leutnant Klobucar unternahm gestern mit einem Hydroplan einen Probeflug. Beim Niedergehen auf das Wasser überschlug sih das Flugzeug; Klobucar wurde \chwer verletzt.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Theater. 8 Uhr: Filmzauber.

stellung. Eingetretener Hindernisse wegen | Freitag und folgende statt der angekündigten Vorstellung | zauber. „N'goletto“ : Der fliegende Holländer. | Sonnabend, Romantische Oper in drei Akten von | Peufion Schöller. Richard Wagner. Musikalische Lettung: Herr Kapellmeister von Strauß. Negie: | Rosinen. Herr Regifseur Bachmann. Chöre: Herr Professor Nüdel. Anfang 7F Uhr. Schauspielhaus. 71. Kartenreservesaß.

Berliner Theater. Donnerst., Abends

Königliche Schauspiele. .Donners- | Gesang und Tanz in 4 Alien Don Beni fünf Aufzügen von Karl Gußkow.

tag: Opernhaus. 56. Abonnementsvor- | Bernauer und Nudolph Schanzer. Tage: Nachmittags

Sonntag, Nathmittags 3 Uhr: Große

Theater in der Königgräßer |lottenburg,

Charlottenburg. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Uriel Acosta.

[und sein Ring. L Film Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr : Wallen- i rage 4 Uhr: | steins Tod. Abends: Die Reise | Sn

*| durch Berlin in 80 Stunden.

Deutsrhes Opernhaus. (Char-

Trauespiel i Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) p n | Donnerstag, Abends 84 Uhr: Majolika. |8 Uhr: Klavierabeud von Jlona Kurz.

E c 5 : Schwank in drei Akten von Leo Walther A A Freitag: Zum ersten Male: Gyges Wibin! und Ludwig Heller.

und folgende Tage: Ma-

Residenztheater. Donnerstag, Abends Bismarck - Straße 34—37. |8 Uhr: Die Frau Präfidentin.

R Ee Kar N

Saal Bechstein. Donnerstag, Abends

Klindworth-Scharwenka- Saal. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Sonaten-

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: So n A 5 Windhund ! abeud von Felix Robert Mendel

sohn (Violoncello) und Adolf Watcr- maun (Klavier).

(Ma-| Pirkus Schumann. Donnerst., Abends

Das Abonnement, die ständigen Reservate sowie die Dienst- und Freipläße find aufgehoben. Zum ersten Male: Ariadne auf Naxos. Oper in einem Aufzuge von Hugo von Hofmannsthal. Musik von Richard Strauß. Zu spielen nah dem „Bürger als Edelmann“ des Molière. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister Blech. (Zerbinetta: Frau Hermine Bosetti vom Königlihen Hof- und National- theater in München als Gast.) Anfang 74 Uhr.

Freitag: Opernhaus. Mittags 12 Uhr: Symphoniematinee. Abends 7x Uhr: VII. Symphoniekonzert der König- licheu Kapelle.

Schauspielhaus. 57. Abonnementsvor- stellung. 1812. Sausptel in fünf Aufzügen von Otto von der Pfordten. Anfang 7{F Uhr.

Die für die 56. Abonnementsvorstellung „Rigoletto“ an der Theaterkafse gekauften Eintrittskarten behalten Gültigkeit für die neu angesetzte Vorstellung „Der flicgeude Holländer““, können aber auch Donnerstag an der Vormittags- und Abendkasse bis aum Beginn der Vorstellung gegen Erstattung auch der Vorverkaufsgebühr zurückgegeben werden. Eine spätere Zurü- nahme der Eintrittskarten findet nicht statt.

Deutsches Theater. Donnerstag, Abends 7F Uhr: Der lebende Leichnam. Freitag, Sonnabend und Sonntag: - Der lebende Leichuam. Kammerspiele. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Schöne

Frauen. Freitag, Sonnabend Schöne Frauen. Mittwoch, den 5. März: Aufführung

im „Zirkus Schumann“: Jedermann.

und Sonntag:

Straße. Donnerstag, Abends 7x Uhr: Brand. Drama în fünf Akten von Henrik Ibsen.

Freitag und Sonntag: Die fünf Fraukfurter.

Sonnabend und Montag: Brand.

Lessingtheater. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Die Stützen der Gesellschaft. Schauspiel in vier Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange.

D Die Weber. onnabend: Rose Bernd.

Deutsches Schauspielhaus. (Direk- tion: Adolf Lang. NW. 7, Friedrich- straße 104—104 a.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Der gute Ruf. Schausptel in vier Uten von Hermann Sudermann.

Freitag: Zum 100, Male: Der gut fißende Frack.

Sonnabend: Der gute Ruf.

Sonntag: Der gute Ruf.

Komödienhaus. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Die Generalsecke. Lustspiel in drei Akten von Richard Skowronnek.

Freitag und folgende Tage: Die Generalsecke.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Das Stiftungsfest.

Schillertheater. 0. (Wallner- theater.) Donnerstag, Abends 8 Uhr:

Der Andere. Schauspiel in vier Auf- zügen von Paul Lindau.

Freitag: Der Andere.

Sonnabend: Uriel Acosta.

Direktion : Georg Hartmann.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Die lustigen Weiber von Windsor.

Freitag: Oberon.

Sonnabend: Tiefland.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Fidelio. Abends: Die lustigen Weiber von Windsor.

MontisOperettentheater.(Früher: Neues Theater.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Der liebe Augustiu. Operette in drei Akten von Leo Fall.

Freitag und folgende Tage: Der liebe Augustin.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der fidele Bauer.

Theater des Westens. (Station:

Et Garten. Kantstraße 12.)

onnerstag, Abends 8 Uhr: Die beiden

Husacen. Operette in drei Akten von und folgende

Lson Jefsel. Tage: Die beiden Husaren.

Freitag Sonntag, Nachmittags 3} Uhr: Der Fraguenfrefser.

Theater am Nollendorfplahß. Donnerst., Abends 8 Uhr : Die Studeuten- gräfiu. Operette in drei Aufzügen. Musik von Leo Fall.

Freitag und folgende Tage: Die Studentengräfin.

Sonnabend, Nachmittags 33Uhr: Minna vou Baruhelm.

Sonntag, Nachmittags 33 Uhr: Orpheus in der Unterwelt.

dame la Présidente.) Gchwank in drei Akten von M. Hennequin und P. Veber.

Freitag und folgende Tage: Die Frau Präfsidentin.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Puppchen. Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten von Curt Kraay und Jean Kren. Gesangstexte von Alfred Schönfeld. Musik von Iean Gilbert.

Freitag und folgende Tage: Puppchen.

Trianontheater. (Georgenstr., nahe Bahnhof Friedrichstr.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Wenn Frauen reisen. Lust- spiel tin vier Akten von Mouezy - Gon und Nancey.

Freitag und folgende Tage: Wenn Frauen reifen.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der selige Toupinel.

Konzerte.

Philharmonie. Donnerstag, Abends 8 Uhr: 3. Winterkonzert der „Ber- liner Liedertafel“. Chormeister: Max Wiedemann. Mitw.: Klara Senius- Erler, Kammersänger Felix Senius.

Beethoven-Saal. Donnerst., Abends 8 Uhr: Kouzert von Carl Flesch (Violine) mit dem Philharmonischen “ahr d Dirigent: Camillo Hilde- rand.

7 Uhr: Große Galavorstellung. Auftreten sämtlicheer Spezialitäten. Zum Sthluß: Der unsichtbare Measch! Vier Bilder aus Indten.

Sonnabend, Abends 9 Uhr: „Zirkus- ball der Karikaturisteu“‘.

Pirkus Busch. Donnerstag, Abends

77 Uhr: Große Galavorstellung. Zum Sghluß: . Die große Prunk- pantomime: „Sevilla“.

Familiennachrichten.

Verlobt: Mel Katharina von Uechtrii

und Steinkirh mit Hrn. Leutnant Hans Heinrih von Tschirshky und Boegen- dorf} (Reichwaldau bet Schönau-Katz- bach, z. Zt. Breslau—Ohlau). Frl, Elsbeth von Zißewiß mit Hrn. Peter- Hermann von Zitzewiß - Dumroese (Bornzin—Dumroefse).

Gestorben: Hr. Oberstleutnant a. D. Albreht von Groeling (Breslau). Fr. Elfriede Methner, geb. von Wassersch- leben (Berlin-Simmelwit).

ges

Verantwortlicher Redakteur: J. V.: Weber in Berlin.

Verlag der Expedition (Heidrich) in Berlin.

Druck der Norddeutschen Buchdruerci und Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 2% Sieben Beilagen (eins{ließlih Börsen-Beilage).

Erste Beilage

zun Deutschen Reihsanzeiger und Königlih Preußischen Staatsanzeiger.

W¿ D.

Deutscher Reichstag. 119. Sißung vom 25. Februar 1913, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von „Wolffs Telegraphishem Bureau“".)

Auf der Tagesordnung stehen zunächst Berichte der Wahlprüfungskommission.

Ueber den Anfang der Sigzung ist in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden.

Abg. Dr. Neumann-Hofer (fortschr. Volksp.): Ich muß der Auffassung des Vorredners entschieden widersp. chen. Wenn der Reichstag beschließt, die Beschlußfassung auszusetzen, so sagt er weiter nichts, als daß diese Beweiserhebung vorgenommen werden fsoll. Der Vorredner hat selbst zugegeben, daß die Kommission davon abgesehen hat, eine Reihe von Piotesten zu erörtern, weil sie am Ergebnis doch nidts geändert .hätten. Ih will dem Vorredner nicht widersprehen, wenn er der Arsicht ist, daß die Kommission bon neuem zu einer Ungültigkeitserklärung kommen würde. Darauf darf das Plenum aber keine Rücksiht nehmen. Ih halte es für fals, daß man den Feiertag hier einrechnet. Das kann doch nur geschehen, wenn ein Feiertag in die Einlegungsfrist hineinfällt. Auch in bezug auf zwei andere Stimmen, die in dem Bericht nicht erwähnt worden sind, bestehen Zweifel, ob die Kommission richtig verfahren ist.

Abg. Schwarz e - Lippstadt (Zentr.): Die ganze Sache ist so klar, m eine Zurückverweisung an die Kommission niht mehr not- Ss ist, Die Ungültigkeit der Wahl muß zweifellos ausgesprochen werden.

Abg. Stadthagen (Soz.): Was wir gehört haben, sollte uns do) veranlassen, die Wahlprüfung an die Kommission zurü- zuverweisen. Das Schlußresultat wird allerdings troßdem auf Un- gültigkcit herauskommen, aber jedenfalls muß die Sache geprüft und Tlargeitellt werden.

Abg. Dr. Bollert (nl.) tritt den Ausführungen des Abg. von Brokhausen entgegen. :

Abg. Dr. Pfleger (Zentr.) spriht sich für den Antrag der Kommission aus.

_ Abg. Dr. Neumann- Hofer: Die von mir erwähnten zwei Fälle haben der Kommission nicht vorgelegen, diese müssen in der Kommission geprüft werden. (Beifall.)

Abg. Schwarz ee - Lippstadt bleibt bei seiner Auffassung stehen.

_Der Antrag Bollert auf Zurückverweisung an die Kom- mission wird mit den Stimmen der. gesamten Linken an- genommen.

Die Wahl des Abg. Dr. Be cker - Hessen (wild, früher nl.) für Bingen-Alzey beantragt die Kommission nah dem Ergebnis der stattgehabten Beweiserhebungen ebenfalls für ungültig zu erklären. Dr. Beer hatte 12016, Pfarrer Korell (fortschr. Volksp.) 12 012 Stimmen erhalten. Auf Grund der Protest- behauptungen und der Beweiserhebungen sind Becker 44 ab- gezogen, Korell 4 Stimmen zugezählt worden, sodaß Becker 11 972 Stimmen behalten hat, während Korell 12 016 Stimmen zählt. Der Kommissionsbeshluß is mit 8 gegen 5 Stimmen gefaßt worden. Die Kassierung des Wahlaktes in Beers Wohnort Sprendlingen ist, obwohl dort erheblihe Verstöße gegen die Vorschriften des Wahlreglements vorgekommen find, mit 9 gegen 5 Stimmen abgelehnt worden.

Vom Zentrum i} ein Antrag eingebraht worden, die Wahl für gültig zu erklären. Hierüber wird namentlich ab- gestimmt werden.

Abg. Dr. Aren d t (Np.): Die Beweiserhebungen haben ergeben, daß der Wahlakt in Sprendlingen in formeller wie materieller Beziehung ungüitig ist. Die Vorschriften des Wabhlreglements sind verleßt worden. Es find grobe Verstöße begangen worden. Die Ungültigkeit dieses Wahlaktes scheint mir vollkommen bewiesen. Daß bet dieser Wahl mehr Stimmen für den Gegenkandidaten Korell abgegeben worden sid als für den Abg. Becker, nämlih 139 für Bedker und 382 für Korell, ändert an der Sache gar“ nichts. Es liegt bier eine einfahe Rechtsfrage vor. Wenn einmal erst fest- gestellt ist, taß formelle Fehler dana beurteilt werden, wie sie auf eine Partet einwirken, so is der Willkür Tür und Tor geöffnet. Zu einer befriedigenden Lösung der Frage werden wir erst kommen, wenn nach dem Vorgang von Elsaß-Lothringen die Wahlprüfung an ein unparteiishes Gencht verwiesen wird. Jst ein Wahlakt ungültig, fo müssen die abgegebenen Stimmen außer Betracht kommen. Wenn folhe formelle Fehler freigegeben werden, fo ift ein Ende einer solchen Praxis nicht abzusehen. er Zweck der Wahblprüfung ist doch haupt- fählih der, daß dafür gesorgt wird, daß die Wablen sich tadellos vollziehen. Deshalb muß auch auf Verstöße ein entscheidendes Ge- wicht gelegt werden. Deshalb muß die Wahl in Sprendlingen für ungültig erklärt werden. Man fkann hier feine Kunststücke machen. Die Wahlprüfung wird sonst niht nah Grundsäßen des Nechts und der Billigkeit geführt, sondern allein im Parteiinteresse.

Abg. von Trampczynski (Pole): Die Praxis der Wahl- kommission, die Wahl in einer Gemcinde einfach zu ka!sieren wegen ein- zelner Berstöße, dürfte nit verständlich sein. Mau muß sich immer nur fragen, welhe Folgen nach menschliher Berehnung die betreffenden Uniegelmäßigkeiten gehabt haben. Eine solche Praris würde si, wenn sie eingeführt würde, geradezu uns Polen gegenüber als un- geheuerlich erweisen. Der Wahlvorstand war doch gehörig zusammen- geseßt. Man darf doch deshalb die ganze Wahl in Sprendlingen nit für ungültig erklären, weil der Wahlvorsteher und der Protokoll- führer frühstücken gegangen sind. Wir werden für Ungültigkeit der Wahl stimmen.

Vizepräsident Dr. Paasche: Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, die namentlihe Abstimmung über den Antrag Spahn nit heute vorzunehmen. Da jedo, wie ih weiß, alle Parteien ihre Mit- glieder telegraphish eingeladen haben, so liegt kein Grund vor, den Termin zu verschieben, und ich seße die Abstimmung auf 5 Uhr Nach- mittags fest. i

Abg. Dr. Werr (Zentr.): Meiner Ansicht naß muß die Wahl in Sprendlingen für ungültig erklärt werden. Die Wahlkommission hat ja bei ähnlihen Gelegenheiten früher ebenso entschieden. Dazu ommt, daß ja über diese Wahl in der Kommission keine einheitliche Auffassung geherrscht hat.

Abg. Dr. Neumann-Hofer: Ih begreife nicht, wie Dr. Arendt erklären fonnte, wir müßten den Schein wahren, daß hier nur das Necht gilt. Auf diesem Standpunkt stand Dr. Arendt nicht immer. Als bei einer früheren Wahl der betreffende Wahlakt für ungültig erklärt werden sollte, weil man einen Polizisten * in die MWahlzelle stellte, allerdings soll er nur zum Fenster herausgesehen haben, da war es gerade der Abg. Arendt, der darin nihts Arges fah und der« sich dagegen wehrte, daß der Wahlakt kassiert würde. Dem Abg. Dr. Arendt möchte ih empfehlen, fich doch die Kommissionsberihte genauer anzusehen. Er hat hier einé Reihe von Einzelheiten angeführt, die aber in dem Bericht über die Wahl des Abg. Haupt stehen. Die gerügten Verstöße in Sprendlingen sind doch nicht so erheblih, zum mindesten liegen Ke weit milder, als bei der Wahl, für die seinerzeit der Abg.

Berlin, Mittwoch, den 26. Februar

1913.

Dr. Arendt eintrat. Es geht nicht, daß man einzelne Wahlbezirke aus dem Kreise“ aus\cheidet, sodaß die anderen einfach den Wahlkreis bilden. Der Abg. Werr hat \sich auf frühere Fälle berufen. Jch schließe mich aber da meinem Vorredner an, daß man mit dieser rein formalen Auffassung brechen muß. Wir müssen uns fragen, welhe Wirkungen folhe Verstöße haben können. Jn der Kommission war man sich übrigens gar nit zweifelhaft. Die Ent- scheidung wurde mit 9 : 5 Stimmen gefaßt. Das is doch eine erheblihe Mehrheit. Das verlangte Prinzip könnte zu großen Ungeheuerlichkeiten führen. Dann hätte man auch die Wahl des Kollegen Pachnicke gleich von vornherein für gültig erklären müssen. Die Parteiverhältnisse in den einzelnen Wahlbezirken find im all- gemeinen bekannt. Wenn wir nun dazu übergehen, infolge einzelner Verstöße gleih die gesamte Wahl in dem betreffenden Bezirk zu fassieren, dann is es jeder Minderheit eine Kleinigkeit, zu be- wirken, daß der Ort einfach bei dem Wahlresultat ausscheidet Es wäre dazu dann ja nur nötig, daß Wahloorsteher und Protokoll- führer zu gleicher Zeit frühstückden gehen. Auf die entsprehenden Kon- sequenzen in den Landesteilen mit überwiegend polnisher Bevölkerung hat der Abg. von Trampczynski {on hingewiesen. Jeder Protest- erheber müßte sich ja sonst in Zukunft erst ängstlich nach den Mebr- heitsverhältnissen in dem betreffenden Ort erkundigen. Es muß doch bei Protestbehauptungen immer von dem dem Gewählten ungünstigsten Fall ausgegangen werden ; es wäre doch die größte Sinnlosigkeit, auf Grund einer solchen Unregelmäßigkeit dem Gigner 243 Stimmen ab- zurechnen. Ein Kollege erflärte mir vor einigen Tagen, er empfände eine folhe Nehnungsaufmachung direkt als pervers. (Vizepräsident Dr. Paa sche: Sie dürfen diesen Ausdru von Abgeordneten ntcht gebrauchen. )

Abg. Stadthagen (Soz.): Die Gründe des Abg. Dr. Arendt für feine Auffassung sind durchaus hinfällig; es waren durchweg nur Scheingründe. Nach seiner Theorie muß er ohne weiteres auch für die Gültigkeit der Wahl meines Fraktionsgenossen Haupt in Jerichow stimmen, über die wir nachher beraten werden ; wir werden ja sehen, ob er es tut. Nach dem Prinzip des Kollegen Arendt müßte er noch eine Reibe weiterer Wahlakte in dieser Wahl kassieren, weil es fich um die Verleßung zwingender Vorschriften des Wahlreglements ge- handelt hat, womit dann aber Becker noch viel weitere Hunderte von Stimmen verlieren würde und erst recht sein Mandat einbüßen müßte. Aber diese ganze Kassationstheorie ist ein Unfug und ein Unrecht: und sie ist auch als Prinzip von der Kommission niemals ausgestellt worden, au nicht, als der Abg. Spahn ihr Vorsigender war. Von einem Freibrief für Unregelmäßigketten kann gar feine Rede sein. Die Kafsationstheorie woürde die Wahlen überhaupt zu einem reinen Zufallispiel machen, wenn fie als Praxis des Reichstags bekannt werden würde. (Zuruf rechts: Ist aber immer geschehen !) Nein, im Gegenteil, und die Nechte hat ja selbst im Falle Pachnike in der Kommission die eúutgegengeseßte Praxis befolgt. So optimistisch bin ih ja nit, daß ih hoffte, deu Kollegen Arendt überzeugen zu föônnen. Man joll hier das Necht und nicht den Schetn des Nechts zum Siege bringen; wir üben bei Wahlprüfungen rihterlihe Tätig- feit aus, und da darf uns die Parteizugehörigkeit bei unseren Ent- scheidungen nit beeinflußsen.

Abg. Dr. Braban d (fortschr. Volksp.): Wir können in der Tat unserer Aufgabe bei Wablprüfungen nur dann genügen, wenn wir uns bewußt sind, daß wir dabei eine richterlihe Funktion ausüben, sonst müßten wir die Wahlprüfungen an die Gerichte abgeben. In der Presse haben sich Aeußerungen des Staunens darüber gefunden, daß Nationalliberale in der Kommission für die Ungültig- keit der Wahl des Abg. Beckec gestimmt haben; aber das Faktum beweist doch nur die Unparteilichkeit der betreffenden Mitglieder. Der Wahlakt in Sprendlingen kann niht aus dem Ganzen heraus- genommen werden. Ist er ungültig, so ist es die Wahl in dem ganzen Wahlkreise auch.

Abg. Dr. Li st - Eßlingen (nl.): Es war zu erwarten, daß die neue Praxis der Kommijsion, die die alte liebgewordene Bahn verläßt, nicht ohne weiteres überall auf Zustimmung stoßen würde. Die Nechts- frage muß vom Falle Becker völlig losgelöst werden. Einige Mitglieder unserer Fraktion vermögen auch niht, sih der neuen Praxis an- zuschließen. Jch habe in der Kommission für die neue Praxis gestimmt. Der Abg. Arendt meinte, die Kommission habe niht nah den Gruad- säßen von Necht und Unrecht entschieden. Wir können diese In- finuation niht scharf genug zurückweisen. Die Kommission folk auch ihre Befugnis überschritten haben und von ihrem früheren Stand- punkt abgewihen sein. Das ist niht richtig; die Kommission hat ihre Befugnisse niht überschritten. Wie will der Abg. Arendt be- weisen, daß fie! nicht einmal den Schein der Objektivität gewahrt habe? Durch die Kassierung eines Wahlakts wird einem großen Teil der Wähler das Wahlrecht genommen. Wollen Ste wirklich objektiv verfahren und die Konsequenz der Kassierung des Wahlakts in Sprend- lingen ziehen, so müssen Sie die ganze Wahl für ungültig erklären. Es bleibt die Tatsache bestehen, daß früher Verstöße gegen das Wabhlreglement nit zur Kassierung geführt haben. Allerdings bin

ih mit dem Abg. Arendt der Meinung, daß es das Richtigste wäre,

wie wir es in einem Antrage gewünscht haben, die Prüfung der Wahl einem ordentlichen Gerichte zu überweisen

Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Diese Frage ist von allgemeiner Tragweite. Der Reichstag hat immer daran festgehalten, daß, wo das Wahlreglement verleyt werde, eine Kafsation auszusprechen sei. Solche Berstöße haben in diesem Falle stattgefunden. Daß der Abg. Fischer umgefallen ist, verstehe ih nicht. Den Vorschriften des Wahlreglements muß unter allen Umständen genügt werden; sie dürfen nicht preisgegeben werden. Jch bitte Sie, an der bisherigen Praxis festzuhalten. 1

Abg. Dr. Arendt (Rp.): Ih bin persönlich sehr {arf an- gegriffen worden. Jh habe ftets den Standpunkt vertreten, daß reine Formalien niht zur Kassation führen dürfen. Das Haus hat aber eine andere Praxis geübt, und da habe ih geglaubt, daß hieran festgehalten werde. In dem Falle Meyer soll ih nichts dagegen ehabt haben, daß cin Polizist in dem Isolierraum gewesen sei. 58 handelt sfich nicht um einen Polizisten, sondern um einen Gemeindediener, der nur zur Ueberwachung der Akte in dem Raum war. Es lag nicht eine absihtlißze Ueberwahung der Wähler vor; jeder einzelne Wähler konnte auf den Gemeindediener ein- wirken, niht umgekehrt. Der Abg. Neumann-Hofer hätte sich feine sharfen Worte gegen mich sparen können. Er hat welter gesagt, Wahlverstöße würden nunmehr in großer Zahl vorkommen, wenn man nicht den neuen Weg einshlüge. Die bitherige 40 jährige Praris hat doch dahin geführt, daß die Wahlverstöße si vermindert

- haben. Es ist eidlih festgestellt, daß die geheime Wahl in Sprend-

lingen illuforisch gemaht wurde ; das allein mußte schon zur Kassation führen. Bei der F-ststellung des Resultats ist unrichtig verfahren. Es handelt sih bier niht bloß um Formalien, fondern materiell darum, daß der Wahlakt selbst in unrichtiger Weise vorgenommen worden ist. Was würde der Abg. Stadthagen sagen, wenn bei einer konservativen Wahl das Wahlgeheimnis verleßt worden wäre! Erfreulich ist, daß sowohl der Abg. List wie der Abg. Braband die Ueberweisung der Wahlprüfung an ein Geriht empfohlen haben. Sie ist in der Tat . notwendig im Interesse des Ansehens des Reichstages und aller a Ein ganz besonderes Interesse spriht hier noch mit. Gin Gerichts- hof wird \chneller arbeiten können, und es würde nit mehr möglich fein, daß eine Wahlprüfung sich unter Umständen bis ans Ende der

Legislaturperiode erstreck. Ganze Wahlbezirke hat man häufig aus dem Wahlresultat herausgenommen, sogar in Fällen, die ih niemals als berechtigt anerkannt habe, so wenn ein Landrat mit seinem Amts- titel unterzeihnet hat. Man hat doch auch bei dieser Wahl andere Stimmen für ungültig erklärt. Wir müssen an der bisherigen Praxis der Wahlkommission feshalten. Es sind dieselben Herren, die uns heute die neue Lehre verkünden, die früher immer die andere für ridtig gehalten haben.

Abg. Shwarze-Lippstadt (Zentr.) führt eine Reihe von Fällen an, wo die Kommission früher die Wahl in einzelnen Bezirken für ungültig erklärte. Ich begreife deshalb die Stellungnahme einzelner Kollegen niht und bitte deshalb, die Wahl des Abg. Becker für gültig zu erklären.

Abg. Waldstein (fortschr. Volksp.): Nah meiner Ansicht kann unter Umständen das Wahlergebnis eines ganzen Bezirks für ungültig erklärt werden. Wird aber dadurch das Ergebnis der ge- famten Wahl beeinflußt, dann muß man natürlih den gesamten Wahlakt für nichtig erklären. Ich gehe deshalb so weit, daß gerade aus diesem Grunde die vorliegende Wahl nicht gültig ift.

Abg. Fischer- Berlin (Soz): Mir wird vorgeworfen, ih wäre hier umgefallen. Die Sache, auf die dabei angespielt wurde, liegt aber ganz anders. Jch verstehe nicht, wie gerade von Seiten des Zentr.ms mir ein derartiger Vorwurf gemacht werden kann, da die ZBentrumspartei do gerade so oft umgefallen ist. So etwas wird man bei mir nicht erleben.

Abg. Dr. Neumann - Hofer (fortshr. Volksp.): Ih ver stehe nicht, wie aus den Vorkommnifsen in Sprendlingen gefolgert werden kann, daß das Wahlgehcimnis nicht gewahrt worden i". Es ist im Gegenteil nahgewtesen worden, daß immer drei Mitglieder des Wahlvorstandes anwesend warrn. Die Kommission ist gerade bei dieser Prüfung sehr milde verfahren. Man darf do keinem Wähler zumuten, erst zu überlegen, ob er mit seinem Proteste dem Reichstage tommen darf. Wir haben gerade das größte Interesse, daß die Protest= erheber uns alle Unregelmäßigkeiten melden ; sie nachzuprüfen, i|t Sache * der Kommission.

Abg. Dr. Pfleger (Zentr.): Uns kann es ganz gleichgültig sein, ob die fortschrittlihe Volkspartei in dem Pfarrer Korell cin \{ußzzöllnerisches Feigenblatt bekommt oder niht. Der Abg. Neumann- Hofer hat in seinem Bericht über die Wahl selbst erklärt, die Ver- \tôöße gegen das Wahlreglement feien in Sprendlingen „gröblicher“ Natur gewesen. Die Theorie des Kollegen Waldstein hat zwar Vorzüge vor der des Abg. Dr. Neumann-Hofer, ift aber bisher in der Wahlprüfungskommission überhaupt noch nicht erörtert worden. Daß die Wahlhandlung im ganzen Wahlkreise etne einheitliche sei, ist aber keineswegs zutreffend ; jeder einzelne Wahlakt {teht selbständig neben den anderen. Die Theorie Waldstein geht also von einer falschen Vorausfeßzung aus. Mit der neuen Theorie der Kommission kommen wir vollständig ins Ungewisse; es ist damit tin der Praxis nichts anzufangen. Und haben denn die bisherigen Gepflogenheiten der Kommission in diesem Punkte irgend erheblihe Mißstände ge- zeitigt? Durch die neue Theorie wird dem Mißbrauch Tür und Tor geöffnet; behalten wir die alte Praris bei!

_ Abg. Dr. Spahn (Zentr.): Meine Bedenken brauchen mi keineswegs, wie der Abg. Waldstein will, dahin zu führen, die Zurück- verweisung in die Kommission zu beantragen. Ich bin au nicht etra, wie mir anscheinend unterstellt worden ist, in der vorigen Legislaturperiode, als ich der Wahlyrüfungskommission angehörte, bet der Entscheidung solher Fragen absihtlih fortgeblieben, ih habe vielmehr gerade an den Verhandlungen dieser Kommission mit größtem Eifer mich beteiligt.

Abg. Dr. David (Soz.): Es wäre doch sachlich für Korell ein \reiendes Unrecht, den Wahlakt in Sprendlingen zu kassieren, wo er weitaus die Mehrheit hatte. So formalistisch kann man absolut nicht verfahren, wenn man dem Willen ter Mehrheit der Wähler gerecht werden will. Es fann also zu diesem Zweck lediglich die Wiederholung der Wahl beschlossen werden, wenn man Korell nicht direkt als gewählt erklären will. Nach der Praxis des Reichstages wird ja ein solcher Schritt nicht getan, obwohl der Gegenkandidat nach unseren Feststellungen die Mehrheit hat.

Unter \türmischer Unruhe des ganzen Hauses nimmt nochmals der Abg. Dr. Pfleger zu einer Erwiderung das Wort, die auf der Tribüne gänzlich unverständlich bleibt. L

__ Damit {ließt die Beratung. Es erfolgt die nament- liche Abstimmung über den Zentrumsantrag auf Gültig- erflärung der Wahl des Abg. Dr. Beer - Hessen. Für die Gültigkeit stimmen die Parteien der Rechten und das Zentrum, sowie die Mehrheit der Nationalliberalen ; die Wahl wird mit 159 gegen 158 Stimmen für gültig erklärt; 3 Mitglieder enthalten sich der Abstimmung. Das Resultat wird von der Rechten und dem Zentrum mit stürmischer Heiterkeit und großem Beifall ausgenommen, dem von der linken Seite Zischen antwortet.

Die Wahl des Abg. Hau pt (Soz.) für 3. Magdeburg, Jerichow, ist mit allen gegen 4 Stimmen von der Kommisfion gleichfalls für ungültig erklärt worden. Der Gewählte hatte 15273, sein Gegenkandidat von Byern (dkonf.) 15 254 Stimmen erhalten; nah der Prüfung der Ergebnisse der Beweiserhebung hat die Kommission der Gesamtzahl der abgebenen Stimmen und dem Gewählten 29 Stimmen ah- gezogen, womit dieser die Mehrheit verliert. Von den Sozial- demokraten ist beantragt, die Wahl für gültig zu erklären, eventuell fie in die Kommission zurückzuverweisen.

Abg. Neißhaus (Soz.): Ih gebe mich der angenehmen Hoffnung hin, daß das Haus unserem Antrag zustimmen wird. Die Wahlprüfungskommission hat aus den vorgekommenen Unregelmäßig- keiten bet dieser Wahl falshe Slüfse gezogen. Es hätte festgestellt : für welche Kandidaten die beiseite gelegten Stimmzettel abaegeben waren, um berechnen zu können, welche Stimmen abzuziehen waren. Statt der 26 kassierten Stimmen hätte man ebenfogut 100 und mehr Stimmen kassieren können. Dieser ganze Abzug {webt vollständig in der Luft. Wie hätte die Kommission gehandelt, wenn sie statt Haupt dem Konservativen von Byern hätte 26 Stimmen abzi-hen- sollen? Das Ziel war, die Mehrheit für Haupt zu kassi ren, und dies ist auch erreiht worden, aber, wie tch behaupte, zu U recht. Der Abg. Neumann-Hofer hatte in der Kommission gegen die Kassierung im Falle Becker sehr kräftige Worte gefunden. Jch bin neugierig, wie er fh in dem vorliegenden Falle verhalten wird. Für den konservativen Kandidaten it das Wakhlreglement in viel \tärkerem Maße verleßt worden, als dies in bezug auf unseren Kandiditen behauptet worden ist. So ist es in Groß Wudicke ges{hehen. Wahlvorsteher, Beisißer und Amtsdiener haben für den ftonservativen Kandidaten in unerlaubter Weise dadur agitiert, daß fie dafür sforgten, des genug Stimmzettek für diesen be'chafft wurden. Jn diesem Falle hat die Wahl- prüfun v lalggnel Vev die nötigen Schlußfolgerungen nit gezogen. Was heute unserem Genossen Haupt passiert, kann morgen (are anderen Partei pa erens ih hoffe, daß Sie so viel Gerechtigkeit üben werden, unferen Antrag anzunehmen. : M

werden müssen ,