1894 / 276 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

er soihe Anordnungen in einer unter Angabe des und Tages der Ausstellung eigenhändig geschriebenen und unterschriebenen Urkunde treffen kann. ;

Jn dcr Tagespresse ist in leßter n gelegentlich die Ver- wendung von Mais als Pferdefutter in der Armee Ene worden. Zur Klarstellung dicser Frage sei Folgendes Die Fellenentar en Bestimmungen führen neben Heu und Stroh speziell als Körnerfutter nur den Hafer auf, gestatten aber ausnahmsweise auch die Verwendung anderer “regte Solche Ausnahmen sind z. B. zulässig, wenn die ferde eines Truppentheils besondere Anstrengungen ju erwarten oder zu ertragen haben, wenn sie infolge von Krankheiten oder aus sonstiger Veranlassung in ihrem Ernährungs- und Kräfte- ustand zurückgekommen sind und dergl. m. Jn trt Fällen därfen für einzelne niht abgehobene Rationstheile Hafer, Heu oder Stroh Geldabsindungen gewährt werden, welche ur Beschaffung anderer nicht reglementsmäßiger Futter- oder Strezumitte “Verwendung finden können. Die tsheidung hierüber steht den betreffenden Truppenbefehlshabern zu, welche ja auch die ‘jedesmal vorliegenden Verhältnisse am besten Héurtheilen können. Mehrausgaben dürfen der Reichskasse dabei nit zufallen. s : 4 An Stelle des Hafers wird nun unter solhen Verhält- nissen den Pferden meistens Mais gegeben, weil dieser brut loser als Roggen, Gerste und andere Ersayzmittel zu versüttern ist. Daß im allgemeinen ein solcher Ersaß nur von Nußen sein kann, wenn der Mais billiger als der Hafer ist, liegt auf der Hand. Es kann indessen in vereinzelten Fällen auch vorkommen, daß Mais von den Truppen- theilen bei vorhandenen Ersparnissen auf lange Lieferungs- fristen kontraktlih gekauft bei plößlich eintretendem Weichen der Haferpreise zu einer Zeit verfüttert wird, in der ein Vortheil damit nicht mehr zu erzielen ist. Dann wird eben wieder zur Haferfütterung übergegangen und Mais nur gerade Toi - angekauft, als zum allmählihen Uebergang erforderlich ist. E , Uebrigens ist der Verbrauch von Mais in der Armee ein verhältnißmäßig geringer. pn das Etatsjahr 1893/94 j B. war der Bedarf des preußischen Kontingents an Körnerfutter auf 177 302 t beziffert; thatsählih sind während dieses Zeit- raums 7348 t also etwa der 24. Theil Mais beschafft worden.

Laut telegraphisher Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Sto\ch“, Kommandant Kapitän ur See von Schuckmann (Hugo), am 21. November in Et. Thomas (Westindien) eingetroffen und wird am 10. De- ember nah Puerto Cabello (Venezuela) in See gehen; esgleichen haben die abgelösten Besaßungstheile von S. M. S.

_„Möve“ und „Seeadler“, Transportführer: Korvetten- Kapitän Hartmann, mit dem fahrplanmäßigen Dampfer der Ost-Ofrika-Linie am 21. November die Heimreise von Sansibar aus angetreten.

Bayern. Seine Königliche Hoheit der Prinz-Regent hat sich gestern mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Leopold zu Jagden nah dem Spessart begeben.

Württemberg.

Seine Durchlaucht der Fürst zu Schaumburg-Lippe ist vorgestern zum Besuch der Königlichen Familie in Beben- hausen eingetroffen.

Baden.

Gestern hat in Karlsruhe die Eröffnung der General- Synode durch den Präsidenten des Ober - Kirchenraths von S tößer stattgefunden. Jn der Eröffnungsrede führte dieser der „Frkf. Ztg.“ zufolge aus, wie die beginnende Session ihr Gepräge dadurch empfange, daß die Kirche zum ersten Mal das Recht zur Erhebung von Steuern für allgemein kirchliche Bedürfnisse in Vollzug seßen solle. Jn der Vorlage, die der Synode zugegangen sei, sei das Steuerreht der Kirche bis an die ivbitelte renze des staatlih Zulässigen ausgedehnt worden. Mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß die gegenwärtige materielle Zeit eine zwangsweise Erhebung der Kirchensteuer nöthig mache, {loß der Redner. Nach der Verpflichtung der Mitglieder der Synode wurde das provisorische Bureau fest-

gestellt. E Sachsen-Weimar-Eisenach.

Die „Weimarische Ztg.“ veröffentlicht nachstehenden Erla

Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs: Wir Carl Alexander, Großb von Se Des d y roßherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Herr zu Blankenhain, Neustadt und Tautenburg

v

X26 entbieten zuvor Unsern Gruß und Unsere landesfürstlihe Gnade :

Nachdem durch Gottes, des Allmächtigen, unerforschlihen Rath-

{luß der Durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Carl August, Erbgroßherzog von Sachsen-Weimar-Eisenah, Herzog zu Sachsen, Unseres vielgeliebten Herrn Sohnes Ne Hoheit, zur tiefsten Betrübniß Unseres Hauses und Unseres Landes von dieser Welt abgerufen worden und demzufolge nach den in Unserem Großherzog- lien Hause geltenden Bestimmungen Höchstseine Rehte und Titel auf Höchstseinen hinterlassenen ältesten Herrn Sohn, Herrn Wilhelm Ern, Prinzen von Sachsen-Weimar-Eisenah, Herzog zu Sachsen, Unsern vielgeliebten Herrn Enkel, nunmehr Königliche Hoheit, über- gegangen sind, so thun Wir dieses allen Unseren getreuen Unterthanen ohne Unterschied hiermit fund. : . Zu allen Unseren getreuen Unterthanen versehen Wir Uns, daß fie ihre Liebe für den entl fenen hochverehrten Fürsten dadur be- thätigen werden, daß sie Höchstseinem Sohn, dem nunmehrigen Erb- großherzog, treue Ergebenheit und Verehrung bezeigen.

Wegebei Weimar, am 21. November 1894.

Carl Alexander. von Groß.

Bereits vorgestern es haben sih der Ober-Hofmeister Jhrer Königlichen Hoheit der C roßherzogin, von Donop, und der persönliche Adjutant weiland Seiner Königlichen Len des Erbgroßherzogs, Rittmeister von Rumohr, nah Kap St. Martin begeben, um die sterblichen Ueberreste des Hohen Verstorbenen nah Weimar zu geleiten. /

Der Großherzoglihe Hof hat auf drei Monate Trauer angelegt. ¿

Kapelle, welche am unteren Saalende gesessen, nicht dave eren

Oesterreich-Ungarn.

Das „Militärverordnungsblatt“ veröffentliht ein Kaiser- lihes Schreiben vom 10. d. M., durch welches der Kaiser Nikolaus von Rußland zum Oberst-Jnhaber des 2. Jn- fanterie-Regiments ernannt wird, das bisher den Namen „Kaiser Alexander von Rußland“ ne, Das bisher den Namen „Nikolaus Alexandrowitsh, Großfürst und Thronfolger von Rußland“ tragende 5. Ulanen-Regiment hat E den Namen „Nikolaus Îl., Kaiser von Rußland“, zu führen.

Der Erbgroßherzog von Luxemburg ist gestern Nachmittag aus St. Yelersiura V Wien eingetroffen.

Von kompetentester Seite in Budapest wird, wie „W. T. B.“ berichtet, hinsihtlih der daselbst verbreiteten Gerü hte über eine Ministerkrisis jeder Grund zu einer Besorgniß in Ab- rede gestellt; eine Krisis jei ansgeschlossen. A

Franz Kossuth brachte vorgestern in Nyiregyhäza einen begeisterten Toast auf den König von Ungarn aus. Er erfülle eine patriotishe Pfliht sagte er wenn er durch seine fortwährend wiederholten Loyalitäts-Kundgebungen auch das leßte Mißverständniß, wie es in Debreczin entstanden sei, - beseitige. Dieses Mißverständniß habe nur entstehen können, weil der Saal, wo das Bankett stattgefunden habe, so lang und überdies so lärmerfüllt gewesen sei, daß die Zigeuner-

fónnen, daß am oberen Saalende ein Toasl auf den König ausgebracht werde, gleihwie am oberen Ende niemand habe hören können, daß die Zigeuner ein Schmählied spielten. Er erhebe sein Glas auf das Wohl des gekrönten Königs von Ungarn. Uebrigens hat Kossuth infolge der durch den De- brecziner Zwischenfall aufgeregten Stimmung der Bevölkerung die Fortseßung seiner Reise aufgegeben. i

Aus Debreczin wird gemeldet, der dortige Ober-Stadt- hauptmann habe die Untersaunga der Bankett-Affaire abgeschlossen. Diese habe ergeben, daß nah den Worten des Pfarrers Thoth „Es lebe das Vaterland!“ Eljenrufe ershollen seien und der Name des Königs nicht gehört worden sei. Die uns hätten den Toast mit dem üblichen Tusch begleitet und erst später das Spottlied gespielt. : :

Nach einer Meldung der Hermannstädter „Tribuna“ ist eine Versammlung der Rumänen auf den 28. d. M. nah Hermannstadt einberufen worden, um über die Ministerial- Verordnung, durch welche die Thätigkeit der rumänischen Nationalpartei sistiert und Vorlegung der Statuten verlangt wird, zu berathen.

Frankreich.

Unter großer Betheiligung begann gestern in der Deputirtenkammer die Berathung der Kredite für Madagaskar. Der Deputirte Pashal Groujsset be- antragte die Vertagung der Berathung. Der Moment sei zu ungünstig, um Frankreih in cine Expedition jenseits des Ozeans zu engagierèn, während die Lage in Europa unsicher sei. Der Antrag wurde mit 420 gegen 59 Stimmen ab- gelehnt. Al ype, Deputirter für Französish-Indien, bedauerte die den Howas gezeigte Nachsicht und Pion energisches Handeln. Der Deputirte Jourdan (radikal) betonte, die Expedition sei im Interesse der Ehre Frankreihs nöthig. Der Deputirte Doumer forderte Erklärungen über die Kolonialpolitik der Regierung und tadelte die Eroberung Tas 4E während die übrigen Kolonien noch nicht organisiert seien. Der De- putirte Montfort (Rechte) erklärte, eine Demonstration

egen Madagaskar genüge, man müsse Frankreihs Gold und

Blut shonen. Der Berichterstatter Chautemps befür- wortete die Vorlage und betonte die Vortheile, die Frankreich aus Madagaskar ziehen könne. Der Deputirte Etienne unterstüßte die Kolonialpolitik, sprah von den fortwährenden Anstrengungen Deutschlands und Englands und erklärte außer der ökonomischen Frage handle es sich auf Madagaskar um einen wichtigen strategischen Punkt. Nachdem noch zwei Redner egen die Vorlage gesprochen hatten, wurde die Fortsezung der Becatbüng auf heute vertagt. | :

Der „Matin“ meldet, in Nizza habe die Nachricht von der Verurtheilung Romani's (siehe unter Jtalien) so große Erbitterung hervorgerufen, daß die Truppen gestern von 4 Uhr Nachmittag an in den Kasernen konsigniert bleiben mußten, um eventuell Ausammenstöhe zwischen der französischen und italienischen Bevölkerung zu verhüten.

Rußland.

Der Kaiser wird, wie „W. T. B.“ meldet, heute Nach- mittag die Senatoren und Prokuratoren unter der Führung des Justiz-Ministers empfangen. ;

Der Kronprinz von Jtalien und der Herzog Albrecht von Württemberg sind gestern Abend wieder von St. Petersburg abgereist. j

Bei dem vorgestern im Winterpalais abgehaltenen Cercle stellte der Prinz Heinrih von Preußen dem Kaiser die preußishen Militär-Deputationen vor.

Der „Nowoje Wremja“ zufolge hat der Prinz S von Preußen am Mittwoch unter Führung des® erwesers des Marine-Ministeriums die Anlagen der Kriegs-Marine in St. Petersburg, unter anderem das Bassin zum Erproben der Schiffsmodelle,” die Schiffsbauwerft und die unlängst vom Stapel gelaufenen Panzerschiffe „Poltawa“ und „Admiral Ssenjawin“ besichtigt. Fs

n der gestrigen Versammlung des slavischen arn G thätigkeits-Vereins theilte der Vorsißende mit, daß der König Alexander von Serbien die Ehrenmitgliedschaft des Vereins angenommen habe.

Ftalien. i Der französishe Kapitän Romani ist von dem Gerichts- hof in San Remo wegen Spionage zu 14 Monaten Ge- fängniß und 1200 Lire Geldstrafe verurtheilt worden.

Belgien.

Die s\ozialistishe Kammerfraktion hat, wie der „Magd. Ztg.“ berichtet wird, beschlossen, in der nächsten Kammersitzung einen Antrag au rag des obligatorischen Achtstundentags und eines Mindestlohns von ö Francs einzubringen.

Rumäniens

Das Finanz-Ministerium hat die Rechnun sabshlüsse für das U 1893/94 veröffentlicht ; es ergiebt sih daraus ein Ueberschuß von 20 342 929 Fr.

Serbien.

Der Metropolit Michael erhielt ein Schreiben des Ober-Prokurators E oszew, worin dieser im Namen des Kaisers für die Beileidsbezeugungen seinen Dank ausspricht.

Dänemark.

Der Finanz-Minister brachte gestern im Folkethin den Gesehentwurf über die angekündigte Ee Lui % Millionen Kronen dreiprozentiger unkündbarer Staatsobli- vera sowie die Konvertierung der jeß s 31/5 prozentigen

taatsobligationen in 3 prozentige ein. er Emissionskurg wie auch der Konversionskurs sollen 93 betragen.

Amerika.

Der Präsident Moraes wird eine Amnestie für alle politischen Gefangenen erlassen. *

Asien.

Nach einer Meldung des „Reuter’shen Bureaus“ aus. Washington von gestern, werde in der Antwort Japans. auf die Vorschläge der amerikanishen Regierung der ameri- kanishe Gesandte in Tokio als Vermittler für etwaige Friedensvorschläge Chinas acceptiert. Der Staatssekretär Gresham habe an die amerikagni- hen Gesandten in Peking und Tokio telegraphiert, sie sollten derartige Vorschläge übermitteln. Dasselbe Bureau meldet aus Hiroshima von gestern, daß nach einer dort eingelaufenen Depesche China die Absicht zu erkennen gegeben habe, als eine der Friedensbedingungen die Zahlung einer Kri egsentshädigung von 100 Millionen Taëls und der Kriegskosten vorzuschlagen.

Aus Tientsin von gestern erfährt das „Reutershe Bureau“. daß der Zollkommissar Detring nah Japan abgereist sei, um wegen der Fricdensbedingungen zu unterhandeln. Der Kor- respondent des „Reuter shen Bureaus“ in Port Arthur meldet unter dem 19. d. M., a8 man in den Straßen nichts als Soldaten sehe. Die Garnison bestehe aus 20 000 Mann aus dem Norden, die gut bewaffnet und eine erziert seien. Es sei reichlich Munition vorhanden; die Festung gelte, wenn die Garnison sie vertheidige, für uneinnehmbar. Die Lebensmittel reichten auf sechs Wochen.

Aus Port Arthur wird dem „Reuter'shen Bureau“ gemeldet, die Japaner hätten vier Angriffe auf Port Arthur gemacht, bei dem ersten seien die Vorposten der Chinesen zurükgetrieben, die drei anderen Zarte seien abgewiesen worden. Es finde eine anhaltende Kanonade statt; seit dem 20. d. M., Mittags, hätten die Japaner Verstärkungen gelandet und einem englishen Schiff gerathen, sih aus dem Bereich der Kanonen

urückzuziehen, da die japanische N die Forts am 21. d. M. Minbarbleren werde. Ein in Moji eingetroffener Dampfer berichtet, bis zum 19. d. M. sei kein Sturm auf Port Arthur gemacht worden. Der Korrespondent einer japanischen Zeitung und zwei Dolmetscher, die das japanische Heer begleiteten, seen von den Chinesen gefangen genommen und getödtet worden.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

ührt eine Ehefrau einen Prozeß über die Substanz ihres ein- gebrachten, der Verwaltung des Ehemannes unterworfenen Vermögens mit Genehmigung ihresEhemannes, fo ist, nah einem Urtheil des Reichégerichts, V. Zivilsenats, vom 29. September 1894, im Gebiet des Peußischen AUgemeinen Landrehts und auch des märkischen Provinzialrechts der Eh emann neben feiner Frau als A partei zu erachten, und er ist demna in diesem Prozeß zeugniß- unfähig. Dies ist auch der Fall, wenn der Ehemann der Prozeßführung der Ehefrau erst im Laufe des Verfahrens beitritt und damit die bisherige alleinige Prozeßführung durch die Ehefrau genehmigt, hinsichtlih des von dem Manne vor seinem förmlichen Beitritt abgegebenen Zeugnisses. „Die wieder- holten Entscheidungen des Neichsgerichts, daß zur Prozeßführung über die Substanz des Eingebrahten nah dem Preuß. A. L.-R. und nah märk. Prov.-Recht die Chefrau allein weder aktiv noch passiv legitimiert sei, beruhen auf der Erwägung, daß die einseitige Prozeß- bra dur die Ehefrau einen Eingriff in ein besonderes Recht des Mannes, nämlich in dessen Verwaltungbrecht bildet. Aus dieser Er- wägung folgt aber weiter, daß die Ehefrau, welhe den Prozeß mit S ne nlubnn des Mannes führt, in Vertretung des Mannes, als Inhabers des Verwaltungsrehts, handelt, daß somit der Mann selbst als der durch die Frau Vertretene neben der zugleich für si selbst verhandelnden Frau Prozeßpartei ist, ebenso wie, wenn umgekehrt der Mann ems $ 245 11 1 Allgemeinen Landrechts den R mit Zuziehung der Frau betreibt, die Frau rücsichtlih ihres igenthums am Eingebrachten dur den Viann vertrcten wird, also gleichfalls neben dem sein Verwaltungsreht ausübenden Mann Prozeß» partei ist. Muß in dieser Weise der Mann die Frau und die Frau den Mann zur o zuzichen, so besteht, mag die Form des gemeinschaftlihen Auftretens des einen Theils für sich und für den anderen Theil gewählt werden, eine nothwendige Streit- genossenschaft unter beiden Ehegatten. Die e as des Berufungsgerichts, daß der Mann nur „Beistand“ der Frau sei, is unvereinbar damit fowohl, daß der Mann durch die Betheiligung am Prozesse sein eigenes Recht ausübt, als mit der der es durch $ 51 Z--Pr.-Ordn. gewährten vollen Prozeßfähigkeit, raft deren sie eines ihre Handlungsfähigkcit ergänzenden Beistandes niht bedarf. Man darf auch nicht etwa annehmen, daß der Mann dadur, daß er die Frau zur Prozeßführung ermächtigt, für diesen ozeß auf sein Verwaltungsreht verzichte; denn ein Verzicht zum

r Nachtheil eines Dritten is wirkungslos, und ein Nachtheil eines

Dritten, des Prozeßgegners, würde es sein, wenn der Mann dadurch daß er im Prozesse die Frau als Partei vorschiebt, sich die ihm als Partei fehlende Befähigung zur Zeugnißleistung vershaffen könnte. Durh den unter Genehmigung der

bisherigen Prozeßführung erklärten Beitritt des Mannes wird der

Prozeß mit rückwirkender Kraft zu einem von Mann und Frau zu- gleih geführten, und auch das von dem Manne vor seinem förm- lihen Eintritt in den Prozeß hegenens Zeugniß is somit das Zeugniß einer Prozeßpartei, das geseßlih nicht berüdsichtigt werden darf. Der Ehemann, der als Partei am Prozesse theilnehmen muß, fann nicht für diesen Prozeß die Fähigkeit, als Zeuge vernommen zu werden, dadurch sich erhalten, daß er zunächst die Frau allein klagen läßt und seinen Beitritt bis nah seiner zeugeneidlichen Vernehmung. verschieht.“ (109/94.)

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

' olizeiliche Verfügungen sind, nach einem Urtheil des Ober Ber nei, 1I1L. Senats, vom 25. Juni 1894, nach: der rechtlihen wie nah der thatsählihen Seite hin soweit zu be- gründen, daß daraus’ für den Betroffenen die Möglichkeit erwächst, die Verfügung in ihren Grundlagen durch das zulässige und ihm für den gegebenen Fall geeignet erscheinende Rechtsmittel anzugreifen ; da-

gegen ist niht erforderlih, daß die Polizeibehörde ihr gesammte®s.

tenmaterial, auf das sie ihre Verfügung stüyt, dem Be- theiligten vorlege. „Noch weniger kann dies von den Beschwerde, instanzen, die eine Verfügung der Polizei aufrecht erhalten, verlang werden. Auf keinen Fall würde aus dem Unterlafsen der Vorlegung:

von Aktenmaterial dur ‘die Beschwerdeinstanzen folgen, daß die poli”

zeiliche Verfügung rechtswidrig und darum aufzuheben sei." (II1 736.)

Bei Berechnung des steuerpflichtigen Einkommens aus Forsten (Holzungen) sind, nah einem Urtheil des Ober-Ver- waltungsgerihts, 11. Senats, vom 4. Juli 1894, in Fällen, in welchen der Forsteigenthümer den in seinem Bewirthschaftungsplan forstgereht vorgesehenen Abtrieb während eines oder mehrerer Ra Nagre anz oder theilweise unterläßt, für die betreffenden Jahre nur die Er- gebnisse des thatsählichen Abtriebs nicht etwa die Erträge, welche durch den planmäßigen Abtrieb hätten erzielt werden können bei der Einkommensteuerveranlagung in Betracht zu ziehen. Findet aber in späteren Jahren ein der früheren Aufsparung entsprechend ver- stärkter Abtrieb statt, so kommen nunmehr die Ergebnisse des verstärkten Abtriebs voll zur Anrechnung, insoweit nicht die Grenzen des Wirth- shaftéplans im ganzen überschritten werden. „Das Einkommensteuer- gesey vom 24. Juni 1891 disponiert über das Einkommen aus Grund- vermögen im $ 13 und stellt hinsihtlich des Einkommens aus nicht verpahteten Besißungen als Grundsay die Regel auf, daß bei Schäßung des Einkommens aus dieser Quelle der durch die eigene Bewirth- shaftung erzielte Reinertrag zu Grunde zu legen ist. Das Geseg {ließt sfich also auch in dieser Hinsicht dem Grundsay an, daß für die Besteuerung des Einkommens das thatsächlih erzielte, niht aber ein Einkommen, das untèr besonderen Umständen und Vor- aussepungen etwa zu erzielen gewesen wäre, maßgebend sein solle,“ (I1 959.

Statiftik und Volkswirthschafx.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Bielefeld wird der „Rh.-Westf. Ztg.“ unter dem 22. d. M. geschrieben: In der Sizung der Kommission, welche die Lohnstreitig- feiten der Firma C. A. Delius u. Söhne mit einem Theil ihrer früheren Arbeiter begutahhten follte, war der Vorschlag eines Ver- mittelungsversuhs aufgetauht. Der Vorsißende der Kommission seßte sich darauf mit der Firma in Verbindung, um von dieser die Grundlagen zu erfahren, auf denen sih eine etwaige Einigung auf- bauen lasse. Die Firma versicherte, daß sie bereit sei, ihren Tarif abzuändern, um es nah neuen Bestimmungen den geübten Webern und Weberinnen möglich zu machen, einen Durchschnitts- verdienst von 2,50 ( pro Tag zn erlangen. Das Ausstandscomité faßte aber diese Zusage dahin auf, daß die Firma sih verpflichtet habe, den geübten Arbeitern einen festen Taglohn von 2,50 F zu bewilligen. Darauf mußten die Verhandlungen abgebrochen werden. (Vgl. Nr. 270 d. Bl.)

Zum Berliner Bierboykott wird der „Voss. Ztg.“ berichtet, daß von den 33 Brauereiarbeitern, die wegen ihrer agitatorischen Thätigkeit überhaupt niht mehr in den mit dem Bierverruf belegten Brauereien eingestellt werden sollen, nur noch fünf außer Arbeit sind. Die übrigen haben in der neuen Brauerei zu Hohen-Schönhausen, im Münchener Brauhaus und außerhalb Berlins Stellung gefunden.

Land- und Forstwirthschaft.

Nach den im Königlichen Statistishen Bureau zusammengestellten Ermittelungen über Saatenstand und Ernteschätßzung in Preußen um die Mitte des Monats November ergeben sich folgende Ziffern (Note Nr. 1 = sehr gut, Nr. 2 = gut, Nr. 3 = mittel (durchschnittlich), Nr. 4 = gering, Nr. 5 = fehr gering): Stand der jungen Saaten: Winterweizen 2,4 (im Oktober 2,4), Winterspelz 2,1 (2,3), Winterroggen 2,4 (2,4), Klee (au Luzerne) 2,1 (2,0); ferner

Ernteertrag von Probedrüschen: Hafer 1678 kg vom Hektar (im Jahre 1893 1067 kg), Erbsen 1201 kg (843 kg); Ernteshätßung von : Kartoffeln (Mittelernte: 10788 kg vom Hektar) in Distrikten mit umfangreihem Brennerei- u. st. w. Betriebe 10 117 kg (1893: 12968 kg), überhaupt 10985 kg (13 566 kg), davon krank 6,5 vom Hundert (1893: 2,3); Kleeheu (Mittelernte : 3250 kg vom Hektar) 3486 kg (1893: 2249 kg); Wiesenheu (Mittelernte: 2774 kg vom Hektar) 3435 kg (2275 kg).

Die „Stat. Korr.“ erläutert diese Ziffern durch folgende Be- merkungen: Die Bestellung des Wintergetreides sowie des Brach- feldes, wélhe bis Mitte Oktober im wesentlichen einen guten Verlauf genommen hatte, ist in einigen der nach dem leßten Bericht weniger begünstigten Bezirke durch anhaltenden Regen weiter verzögert, in einzelnen Berichtsgebieten ganz unterbrochen worden, sodaß daselbst manche zur Wintersaat bestimmten Aecker werden unbestellt bleiben müssen. Insbesondere trifft dies einzelne Theile der Regierungsbezirke Merseburg und E In einigen Berichtsbezirken des ersteren ist noch der dritte Theil, im Re- gierungébezirk Cassel, aus weldem die Berichte am ungünstigsten lauten, noch die Hälfte des Ackers unbestellt. Auch aus verschiedenen Theilen der Provinz Hannover und des Rheinlands wird über Be- hinderung der Bestellungsarbeiten wegen ¿zu großer Nässe geklagt ; dagegen ist im ganzen Osten die Einsaat beendet.

Der Stand der jungen Saaten ift im allgemeinen ein zufrieden- stellender. Der lang andauernde Herbst, die ausreichenden Nieder- schläge und die verhältnißmäßig hohe Temperatur haben die Ent- wickelung derselben gefördert; selbst spätere Saaten zeigen zum größten Theil eine gute Beftockung. Gleichwohl if der durchschnittlihe Stand der Saaten kein so guter wie im November des Vorjahres. Die Note für Winterweizen bleibt um 3 Zehntcl, die für Winter- roggen um 4 Zehntel hinter der des Vorjahres zurück. In- folge des nassen und milden Wetters sind die frühen Weizen- und Moggensaaten gelb geworden, besonders lettere, auf denen sih vereinzelt auch s{chon Rost zeigt. Am wenigsten erfreulih lauten in dieser Beziehung die Berichte aus dem NRegierungs- bezirk Cassel. Beschädigungen durch Fröste werden nur selten und in geringem Umfang gemeldet. Jm Kreise Schweß soll der Winter- roggen während der Keimzeit im Boden Frost erhalten haben. Größer ist der Schaden, welcher durch Mäuse und Insekten verursacht wird. Ueber die Mäuseplage wird in den Regierungsbezirken Königsberg, Liegniy und Merseburg, über Schädigungen der Saaten dur Schnecken, Würmer, Maden, Hessen- und Fritfliegen in allen Regierungsbezirken mit Ausnahme von Koblenz und Sigmaringen Klage geführt. Zu einem wahren Mißstande scheinen die Schnecken im Landkreise Münster ge- worden zu sein; denn von dort wird gemeldet, daß der Noggen durch Schneckenfraß so gelitten habe, daß viele Felder würden umgepflügt werden müssen. Auch in einzelnen Gegenden des Kreises Wittmund (Regierungsbezirk Aurich) haben auf diese Weise die Saaten shwer elitten. Daß {hon Umadckerungen und Neubestellungen infolge von

nsekten\{chäden stattgefunden haben, wird aus den Kreisen Merseburg und Weißensee berichtet. Im Kreise Tost-Gleiwiß (Regierungsbezirk Oppeln) sind ebenfalls die Saaten dur Ungeziefer zum theil derart beschädigt worden, daß eine Neubestellung nötbig wurde.

__ Der junge Klee steht im allgemeinen gut, und infonderheit gilt dies von den westlihen Regierungsbezirken; doch wird vielfach hervor- gehoben, daß die Mäuse erheblihen Schaden anrichten.

Was die Schäßung der S ERSN für Hafer, Erbsen und Kartoffeln sowie des Heuertraz,es von Klee und Wiesen betrifft, so war das et uny bezüglih des Hafers ein sehr zufrieden- stellendes. Us wird hervorgehoben, besonders in einigen Berichten des Regierungsbezirks Breslau, daß der leßtere ausgezeichnete Erträge er- geben habe, im Korn groß und s{hwer sei. Im Gegensaß hierzu wird aus dem Regierungsbezirk Schleswig über zu leihtes Gewicht geklagt, obwohl die Erträge auch dort noch die Mittelernte des Staats 1410 kg vom Hektar weit übersteigen. Leider habew zumal im Westen die Güte und der Futterwerth des Hafers unter der anhaltenden nassen Witterung nicht unerheblih gelitten, Im Staats- durchschnitt stellte sich der Ertrag vom Hektar auf 1678 kg: L übersteigt den Ertrag des Vorjahres um 57 und um 19 Hunderttheile den einer Mittelernte, wie solhe für den Staat nach den kreisweisen Schäßungen der landwirthschaftlihen Vereine aus dem Jahre 1892 unter Berücksichtigung der Aeu der einzelnen Negierungs- bezirke nah bmäbrigem Durchschnitt ermittelt worden ift.

Die Erbsen sind in einzelnen Bezirken vom Mehlthau befallen gewesen und haben deßhalb dort geringere Erträge ergeben, ‘als er- wartet wurde. Am ungünstigsten war die Ernte dieser Frucht in den Regierungsbezirken Stralsund, Arnsberg und Wiesbaden. Für den Staat berechnet sich der Ertrag derselben auf 1201 kg vom Hektar, übersteigt mithin den vorjährigen um mehr als 42 und den einer Mittelernte um 18 Hunderttbeile.

_Die Kartoffelernte hat bei fast frostsreiem Wetter nahezu ohne Störung heendet werden können. Nur ein Beriht aus dem Kreise f Stargard erwähnt, daß die Kartoffeln in dec Erde erfroren ind. Da sie aber vielfach naß und s{mußig eingeerntet werden mußten, so wird darüber geklagt, daß sie in Kellern und Mieten faulen. Der Ertrag der Kartoffeln berebnet sich aus 2385 Schäßungen von Vertrauensmännern im Staatsdurhschnitt, unter Zugrundelegung der 1893er Anbaufläche, auf 10985 kg für das Hektar, bleibt mithin um 19 Hunderttheile gegen den vorjährigen zurück. Die im diesjährigen Oktoberberiht*) ausgesprochene Befürchtung, M der Ertrag der Kar- toffeln Teiht unter Mittel bleiben und die Haltbarkeit der Frucht eine eringe sein würde, ist inzwischen von einer Seite aus als unbegründet ezeichnet worden. Demgegenüber ist “zu bemerken, daß jene D 967 mal in 1147 eingehenderen Aeußerungen dèr Berichterstatter Üübcr die Ernteergebnisse von Kartoffeln, also in über 84 Fällen vom Hundert, wiederkehrte und sich auf 418, d. h. über 76 vom Hundert aller landräthlichen Kreise, erstreckte. Es bestätigt sich dies leider auch nah den November- berichten, insoweit feinere Sorten sogenannte Eßkartoffeln in Betracht kommen ; dagegen gestaltet sich nach denselben Berichten die Lage bezügli der späteren und widerstandsfähigeren Futterkartoffeln ein wenig günstiger. Diese haben strihweise bohe Erträge geliefert, sind auch von Krankheit mehr verschont geblieben. Troßdem berehnet sich der Antheil erkrankter Kartoffeln an der Ge- fammternte dieser Frucht auf 6,5 Hunderttheile, nalezu dreimal so ho wie im Vorjahre. Eine Mittelernte an Kartoffeln wird nach den vorliegenden Shäßungen vom diesjährigen Ertrage durhshnittlich noch um annähernd zwei Hunderttheile übertroffen. Für diejenigen 81 ländlichen Kreise, in denen die Spiritusbrennerei und die Stärkefabrikation in umfangreihem Maße betrieben werden, wurden auh diesmal die Ernteerträge an Kartoffeln besonders er- mittelt. Der Hektarertrag war in 5 Kreisen höher, in 76 Kreisea geringer als 1893; im Durchschnitt aller stellte er sih für diese am N ins Gewicht fallenden Landestheile auf 6 Hunderttheile unter

ittel.

___ Die Heuernte is der Menge nah wefentlich besser als im Vors jahre ausgefallen ; weniger befriedigt die Güte, Die Ernteshäßungen von Kleeheu stellen fich höher, als nach den für Klee bisher mitgcs theilten Noten erwartet werden konnte. Leßtere waren in den ersten vier Monaten des Berichtsjahres im Staatsdurhschnitt unter Mittel, über- schritten dasselbe in den leßten drei Monaten aber nur wenig. Es dürften ih viel öfter, als hervorgehoben wurde, die angegebenenErträge nur auf die tehengebliebenen Kleeflähen bezw. auf Luzerne allein beziehen, also auf die umfangreihen im Frühjahr vorgenommenen Umackerungen vor- jähriger Kleesaaten bei Bezifferung des Ertrags außer Ansaß gelassen sein. Nah den Schäßungen ergiebt sih ein Hektarertrag von 3486 kg im Staat, welcher den vorjährigen um 55, eine Mittelernte um 7 Huxnderttheile übertrifft. :

Was \chließlich den Ertrag der Wiesen anlangt, so hat der Herbstschnitt, wie bereits in früheren Berichten bemerkt war, unter der anhaltenden Nässe sehr gelitten, da das Grummet zumal in den wesilihen Provinzen nur {wer und minderwerthig geborgen werden konnte. In einzelnen Berichtêgebieten dieser Provinzen ver- faulte das Grummet zum theil auf den Wiesen und konnte, soweit es eingebraht wurde, vielfah nur als Streu Verwendung finden. Im Staatsdurchschnitt stellt sich der Hektarertrag für alle Schnitte zu- sammen dagegen um 51 Hunderttheile günstiger als im Jahre 1893, und um 24 Hunderttheile höher als eine Mittelernte.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Die Verbreitung der Maul- und Klauenseuche im Deutschen Reich im Jahre 1893.

Nach dem soeben im Verlag von Julius Springer in Berlin erschienenen ahten, das Jahr 1893 umfassenden Jahresbericht über die Verbreitung der Thierseuchen im Deutschen Reich, welher wie die früheren im Kaisferlihen Gesundheitsamt bearbeitet ist, hat die Maul- und Klauenseuche im Jahre 1893 zwar das ganze Jahr hindurch ge- herrscht, jedoch {hon im 1. Berichtsvierteljahr s{chnell und bis zum Jahresende ununterbrohen abgenommen. Sie hat nach und nah fast alle Theile des Reichs heimgesuht und ungefähr 2,10 sämmtlicher Kreise (Amts- 2. Bezirke) gegen °/10 im Vor- jahre betroffen. Verschont geblieben sind nur der Regierungs- bezirk Aurich, das Herzogthum Oldenburg, ferner Schaumburg- Lippe und Lübeck. Verhältnißmäßig wenig befallen waren die preußt- schen Regierungsbezirke Stade und Osnabrück sowie das oldenburgische Fürstenthum Lübeck. Während bei Beginn des Berichtsjahres noch 6024 Gehöfte in 2495 Gemeinden x. betroffen waren, erwiesen sich am Schlusse desselben nur 268 (Behöfte in 132 Gemeinden verseucht. Veberhaupt betroffen wurden 24 Staaten (gegen 26 im Vorjahre), 80 Regierungs- 2c. Bezirke (84), 842 Kreise 2c. (932), 7981 Ge- meinden 2x. (25 341) und 21 441 Gehöfte (107 345). Die Gesammt- zahl der Thiere in den neu verseuhten 417 Gehöften betrug 204 832 Stück Rindvieh (1892: 1504308), 218 494 Schafe (2193 187), 1908 Ziegen (17 782), 75 108 Schweine (438 262), zu- fammen 500 342 Thiere gegen 4 153 539 im Jahre 1892.

Die größten Bestände an Klauenthieren in den neu betroffenen Gehöften wiesen auf die Negierungs- 2c. Bezirke : Mecklenburg-Schwerin 37 755, Marienwerder 31 292, Potsdam 26745, Magdeburg 22 830, Bromberg 21 458, Köslin 20 900, Frankfurt 19 994, Cassel 17 339, Mittelfranken 16 185, Berlin 16 083, Königs- berg 15 930, Medcklenburg-Streliß 13 941, Oberbayern 13 492; von den Kreisen 2c. : Waren 11 201, Güftrow 11032, Neu-Strelitz 10 907, Schlawe 9218, Thorn 8955, Prenzlau 6715, Oste prigniß 6361, Johannisburg 6285, geglar 6029, Inowrazlaw 5922, Soldin 5591, Wirsiß 5383, Neuhaldensleben 5179, Lebus 4747, Oschersleben 4573 Herzogthum Lauenburg 4414, Gadebusch 4056, Homberg 4015, Oberbarnim 4001, Aschersleben 3809, Schweß 3808, Landkreis Landsberg 5354, Wongrowiß 3290, Wismar 3182. Die größten Bestände an Rindvieh waren vorhanden in den Regierungs- 2c. Bezirken An 10 138, Oberbayern 9715, Mecklenburg-Schwerin 9665,

arienwerder 9228, Königsberg 8178, Breslau 7988, Mittelfranken 6894, Merseburg 6879, H 6541, Gumbinnen 6045, Frank- furt 5517, Bromberg 4990, Niederbayern 4885, Cassel 4359, Schwaben 4305; in den Kreisen 2. Güstrow 2778, Johannisburg 2542, Prenzlau 2193, Ostprigniy 1876, Ortelsburg 1781, Olden- burg 1736, Thorn 1599, Ratibor 1578, Helmstedt 1571, Tauber- bishofsheim 1563, Fritzlar 1533, Oels 1532, Querfurt 1519, Oschers- leben 1513, Brieg 1494, Rostock 1482, Gerdauen 1476, Flatow 1443. Die größten Bestände an Schweinen ergeben sich für die Regierungs- 2c. Bezirke Berlin 14 881, Zwickau 4470, Leipzig 4023, Mecklenburg-Schwerin 3679, Cassel 3466, Dresden 2614, Pn 2288, Marienwerder 2285, Gumbinnen 2247, Potsdam 242, Buderg 2190, Magdeburg 2059; für die Kreise 2c. Stadt- bezirk Leipzig 2796, Stadtbezirk Chemniy 2662, Hamburg 2228, Malchin 1764, Stadtbezirk Dresden 1756, Friylar 1317, Neustreliy 1125, Sohannisburg 984, Landbezirk Waltershausen 924, Eichstätt 799, Oldenburg 768, Homberg 705, Magdeburg 647, Ly 621, Gerdauen 567, AUT 0 riesen 550, Waren 549, Ostprigniy 548, Gade- u

Einschleppungen der Maul- und Klauenseuhe aus dem Auslande baben in vielen Fällen, namentlih häufig durch Zwischenträger, statt-

gefunden. Im Inlande trug insbesondere der Handelsverkehr mit

*) Vgl. Nr. 249 d. Bl

Vieh zur Vershleppung der Seuche bei. In zahlreichen Fällen ist ferner die Verbreitung der Seuche auf Unterlassung oder mangelho e 1ngeo Schußmaßregeln zurückgeführt. troß vorschriftsmäßiger Ausführung ‘der Sperrmaß- regeln is die Verbreitung der Seuche begünstigt worden durch den Personenverkehr, ferner durch Thiere (Ziegen, Hunde) und leblose Gegenstände (Heu und andere Futter- materialien, Dünger, Geschirrtheile), dur dea Hausierhandel, nament- lich mit Ferkeln, durch Gastställe, durch Benußung gemeinsamer Weiden, Tränken und Wege, durch Verwendung von Zugvieh zur Feldarbeit und zu anderen Gespanndiensten, durch Zulassung scheinbar vollständig durhgeseuhter Rinder zur Begattung und dergl. Vebertragungen der Maul- und Klaue nseuche auf Menschen haben wieder in vielen Fällen stattgefunden, besonders dur den Genuß roher oder ungenügend gekohter Milh sowie durch die Wartung kranker Thiere. :

Aber auf der polizeilih angeordneten au

Bulgarien.

Zufolge Beschlusses des bulgarischen Gesundheitéraths ist die für Reisende aus der europäischen Türkei in Hébibthévo angeordnete ärzt- liche Untersuhung nah Harmanly verlegt worden. (Vergl. „R.-Anz.* Nr. 273 vom 19. d. M.)

Norwegen.

Dur Verordnung der Königlich norwegishen Regierung vom 19. d. M. sind die russischen Häfen der Ostsee und am Finnischen Meerbusen für rein von Cholera erklärt worden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 216 vom 8. September v. J.)

Cholera.

Deutsches Reich. In der Woche vom 12. bis 19. November Mittags wurden, wie in den „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts*" mitgetheilt wird, nachstehende Erkrankungen (und Todesfälle) gemeldet: Dstpreußen: 11 (1) in je einem Orte der Kreise Wehlau, Labiau, Fischhausen und Königsberg Land. Weichsel- gebiet: 5 (5) in Tolkemit, Landkreis Elbing. Schlesien: 5 (1), davon 4 (—)_ in Jätschau, Kreis Glogau, und 1 (1) in Adamowiß, Kreis Groß-Strehlig.

Desfterreih-Un garn. Das Ministerium des Innern hat am 9. November die Bezirke Bobrka, Brzezany und Brody als Choleraherde, die Stadt Krakau und die Bezirke Chrzanow und Wieliczka als frci von Cholera erklärt. Jn der Zeit vom 5. bis 11. November wurden dem „Oest. San.-W.“ zufolge in Galizien 601 N (und 322 Todesfälle) festgestellt; in der Buko- windä

Wien, 22. November. Nah den gestern hier eingegangenen Berichten über den Stand der Cholera kamen in Galizien 66 Er- krankungen und 52 Todesfälle vor.

Rußland. Nach amtlihen Mittheilungen find folgende Er- krankungen (und Todesfälle) angezeigt worden: in den Gouvernements Witebsk vom 21. bis 27. Oktober 17 (15), Minsk in derselben Zeit 4 (—), Kalisch vom 31. Oktober bis 9. November d (4), Petrikau vom 4. bis 9. November 2 (1), Lublin vom 1. bis 8. November 21 (10), Wilna und Kowno vom 4. bis 10. No- vember 7 (1) bezw. 21 (5). In der Stadt Riga sind laut einer Nachricht vom 13. November seit dem 18. Oktober Erkrankungen niht mehr vorgekommen.

__ Niederlande. Vom 4. bis 10. November gelangten folgende Fâlle zur Anzeige: aus Nordholland: Amsterdam 1 Erkran- tung, Weesp 2 (1), Haarlemermeer (1) im ganzen bisher 6 (5); aus Südholland: Rotterdam 1 Fall, Woubrügge 2, NRoelofarendsveen und Leiderdorp je 1 Todesfall.

_ Belgien. Amtlicher Mittheilung zufolge wurden in der Pros- vinz Lüttich während der mit dem 3. November abschließenden Woche 11 Todesfälle festgestellt.

Türkei. Laut amtlichen Nachrichten sind in der Selimié-Kaserne zu Konstantinopel unter den Rekruten im ganzen ‘vom 26. Oktober bis 6. November 9 Erkrankungen und 4 Todesfälle verzeichnet worden. Von den Rekruten in Ismid (Vil. Hudavendkjar) erkrankten vom 1. bis 5. November 6, es starben 3. Außerdem wurden aus dem Vilajet Hudavendkjar vom 18. Oktober bis 5. November 37 Er- krankungen (30 Todesfälle) angezeigt.

Ostindien. Kalkutta. Vom 30. September bis 6. Oktober starben 18 Personen an Cholera.

Gelbfieber.

In Havana erkrankten nah dem „Abstract. of sanit. rep.“ vom 12. bis 18. Dftober etwa 20 Personen, es starben 8, davon 2 im Militär-Lazareth; in Matanzas wurden vom 11. bis 17. Ok- tober 3, in Vera-Cruz vom 12. bis 18. Oktober 2 und in Cien- fuegos vom 14. bis 20. Oktober 1 Todesfall an Gelbfieber gezählt.

Verkehrs-Anstalten.

Nach dem Erscheinen der leßten Winterausgabe des Neichs- Kursbuchs ist von einigen Seiten in der Tagespresse der Wunsch laut geworden, daß das Kursbuh beim Wechsel der Fahrplanperiode frühzeitiger fertig gestellt werde, damit das Publikum in der Lage E sich über die eintretenden Aenderungen zum Voraus zu unter- richten.

Die Mai- und Oktober- Ausgaben des Neich8-Kursbuchs erscheinen

jeßt in Berlin in der Regel zwei Tage, mindestens aber einen Tag

vor dem Inkrafttreten der neuen Pläne. Die oberste Postbehörde, welche das Buch in ihrem Kursbureau bearbeiten läßt, ist im Interesse des Publikums und des eigenen Betriebs unablässig darauf bedacht, das Erscheinen der betreffenden neuen Nummern soweit als irgend thunlich zu beschleunigen. Allein bei den umfassenden Aenderungen, welche der Wechsel der Fahrplanyerioden mit L bringt, sind dur die Natur der Dinge doh dem Vermögen auch der leistungsfähigsten Kräfte gewisse Grenzen gefeßt.

Das Reichs - Kursbuch findet - wegen feines den vielfeitigsten An- forderungen Rechnung tragenden Inhalts, wegen feiner zweckmäßigen Einrichtung und seiner Zuverlässigkeit allgemeine Anerkennung. Sein Hauptvorzug vor ähnlichen Unternehmungen liegt darin, daß es den Zusammenhang der Reiseverbindungen, die durchgehenden Anschlüsse der Linien niht nur untereinander, sondern auch nach den wichtigen Neisezielen des Jn- und Auslandes im einzelnen nahweist. Gerade in diesem Vorzuge liegt aber auch die große Schwierigkeit einer früh- zeitigen Herausgabe des Buchs.

Die dem Kursbureau N nah ihrer Aufstellung, und zwar hon in den. vershiedenen Stadien des Entwurfs, zugehenden neuen Fahrpläne. der Eisenbahnen und Dampfschiffe, sowie der MReise- verbindungen auf Landstraßen, bilden zunächst nur einen Rohstoff, der dur zahlreiche, besonders ges{hulte Arbeitskräfte einer eingehenden Durcharbeitung unterzogen wird, da die Aenderungen nicht allein in den Fahrplänen des betreffenden örtlichen Verkehrs, sondern auch in den Zusammenstellungen für den großen durhgehenden und den Welt- e r C verschiedenen Abtheilungen des Buchs Berücksichtigung

nden müssen.

Wenn z. B. die Abgangszeit eines Schnellzuges von Berlin nah Res (Main) verschoben wird, sei es auch nur um wenige

inuten, so is es niht damit gethan, den Fahrplan 193 Berlin— E & ändern, sondern die Aenderung ist auf weitere 144 ver- chiedene Stellen des Kursbuhs zu übertragen. Um dte s{hnellsten Verbindungen zu finden (Abtheilung IV 324—330; V 478—485, 516—519 e, 533—535, 564—566, 610—6l2e; VI 716, 755 und 756), müssen viele Berehnungen und Zufammenstellungen aus den Einzel-Fahrplänen angestellt werden. Dies erfördert natürlich Zeit.

Vom Reichs-Kursbuch wird weiter verlangt, daß man über Wagenklassen, Schlaf- und Speisewagen, Erfrishungsstationen, Bahnposten, Gaatpreite Rundreisekarten 2c. unterrihten könne alles Dinge, deren ihtigstelung bei jedem Wechsel der Fahrplanperiode erhebliche Mühe und Zeitaufwand Per, A

Aber nicht bloß sür diese dur die in Betracht kommenden zahl- losen Beziehungen des in- und aus da Verkehrs außerordentlih verwickelten Arbeiten muß die Zeit bleiben, sondern au für kl fehlerfreien Say und Druck, für die Buchbinderarbeiten und

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E N T E P s E E E Sp: 2 L ENEES