1894 / 286 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jhre Königlichen Hoheiten der Prinz von Wales und der Herzog von York haben heute Vormittag kurz ‘nach 11 Uhr die Weiterreise von hier nah England angetreten.

Heute Nachmittag 1 Uhr fand in Gegenwart Jhrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin sowie Jhrer Königlichen Hoheiten der hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses die feierlihe Schl ußstein- legung für das neue Reichstagsgebäude statt.

Die Feier ging im Junern des Gebäudes vor sih. Der Schlußstein fand in der großen Wandelhalle an derjenigen Stelle seinen Play, auf welcher sih später das Standbild des Hochseligen Kaisers Wilhelm I. erheben soll. Die zur Theil- nahme an der Feier geladenen Personen versammelten sich in dem Kuppelraum der großen Wandelhalle und nahmen fol- ae Aufstellung: die fürstlihen Personen und die

cfolge rechts neben dem für Jhre Majestäten den Kaiser und die Kallen hergerihteten Plaß, links daneben die Mitglieder des Bundesraths und die zur Voll- ziehung der Mage eingeladenen Personen; die Mit- glieder des Reichstags rechts und links von dem westlichen Eingang; die Wirklichen Geheimen Räthe, die Generale und die Räthe erster Klasse, die Regiments-Kommandeure und die Räthe zweiter Klasse, sowie die Übrigen eingeladenen Personen in den an den Kuppelraum anstoßenden Theilen der Wandel- alle. Die Mitglieder der Reichstagsbau-Verwaltung und die eister des Maurer- und Steinmeßgewerks traten neben den

Schlußstein.

Seine Majestät der Kaiser begaben Sich zu Wagen, be- gleitet von einer Eskadron des Garde-Kürassier-Regiments als Eskorte, Jhre Majestät die Kaiserin in einem zweiten Wagen, eskortiert von ciner Eskadron des 1. Garde - Dra- goner-Regiments Königin von Großbritannien und Jrland, vom Königlichen Schlosse nach dem neuen Reichstagsgebäude, vor dessen Hauptportal eine Ehren-Compagnie des 4. Garde- Regiments z. F. Aufstellung genommen hatte. Die An- fahrt erfolgte über den südlihen Arm der Rampe am Königsplaß. Am Fuß der Freitreppe wurden Jhre Maje- stäten von dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe, dem Vor- fißenden der Reichstagsbau-Kommission und dem leitenden Archi- teten empfangen und in die innere Vorhalle geleitet. Von hier aus betraten Jhre Majestäten unter den Klängen einer Fanfare die große Halle und nahmen vor dem für Allerhöchstdieselben hergerihteten Thron Stellung. Der Reichskanzler bat darauf Seine Majestät den Kaiser um die Erlaubniß, die Feier be- ginnen zu lassen, und verlas, nahdem Allerhöchsterseits die Erlaubniß ertheilt worden war, die in den Schlußstein zu legende Urkunde, welche folgenden Wortlaut hat:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen, thun kund und fügen zu wissen, daß Wir beschlossen haben, im Namen der Fürsten und Freien Städte des Reihs und in Gemeinschaft mit den verfassungsmäßigen Vertretern des deutshen Volks den Schluß- stein zu dem Hause zu legen, in welhem die gefezgebenden Körper- schaften fortan ibrer Arbeit walten follen.

Der erhabene Gründer des Reichs, Kaiser Wilhelm L., welcher am 9. Juni 1884 den Grundstein zu diesem Bau legte, hat die Vollendung des Werkes niht mehr hauen dürfen, und auch Sein ruhmgekrönter Sohn, Kaiser Friedrich, ist nach Gottes Rathschluß vor Uns abgerufen.

Wie Wir das Gedächtniß dieser Unserer Vorfahren an der Kaiferwürde dankersüllten Herzens segnen, so wird, dessen sind Wir gewiß, ihr Andenken für alle Zeiten im Deutschen Volke fortleben.

Zehn Jahre mühevoller Arbeit sind über der Errichtung des Baues dahingegangen. Zur Ehre des geeinten Vaterlandes erhebt er sich, fest gefügt durch deutshe Hände, ein Zeugniß deutschen Fleißes und deutscher Kraft. So soll er nunmehr seiner Bestimmung über- geben werden.

Jn seinen Räumen walte der Geist der Gottesfurcht, der Vater- landsliebe, der Eintracht. Dieser Geist erfülle die Männer, welche berufen sind, hier des Reiches Wohlfahrt zu fördern.

Es bleibe der Bau ein Denkmal der großen Zeit, in welcher als Preis des \chwer errungenen Sieges das Reich zu neuer Herrlichkeit erftanden is, eine Mahnung den künftigen Geschlehtern zu unver- brüchliher Treue in der Pflege dessen, was die Väter mit ihrem Blute erkämpft haben.

Das walte Gott!

Gegenwärtige Urkunde haben Wir in zwei Ausfertigungen mit Unserer Allerhöchsteigenhändigen Unterschrift vollzogen und mit Unserem größeren Kaiserlichen Insiegel versehen lassen. Wir befehlen, von diesen Ausfertigungen die Eine in den Schlußstein des Hauses nieder- zulegen, die Andere in Unserem Archiv aufzubewahren.

Gegeben in Unserer Haupt- und Residenzstadt Berlin am fünften Dezember des Jahres Eintausend acht Hundert und vier und neunzig.

Wilhelm. Fürst zu Hohenlohe.

Nach Beendigung der Verlesung wurden die zur Ver- senkung in den Schlußstein bestimmten Gegenstände in eine Kapsel verschlossen und in die dafür hergestellte Höhlung ge- legt. Der Königlich bayerishe Bevollmächtigte zum Bundes- rath Graf von Lerchenfeld-Köfering überreichte sodann Seiner Majestät dem Kaiser die Kelle mit nahfolgender Ansprache :

Am neunten Tage des Juni 1884 hat Eurer Kaiserlichen Majestät erhabener Großvater, des Reichs Begründer, auch den Grundstein zu diesem Hause gelegt, in dessen Räumen die Vertreter der Bundesregierungen und die Vertreter des Deutschen Volks künftig tagen werden. Unter Allerhöchstseinem Schuß und Allerhöchstseiner Fürsorge, untec dem Schuß und der Fürsorge Seiner Majestät des Kaisers Friedrich und Eurer Kaiserlichen Majestät haben kunst- fertige Hände aus allen Theilen des Reichs den Bau gefügt, der ein Wahrzeichen sein soll des Deutschen Reichs Einheit. Heute steht ‘der Bau vollendet bis auf den leßten Stein, den Eure Kaiser- lihe Majestät mit eigener Hand befestigen wollen als Besiegelung des

anzen Werks. Möge Weisheit und Maß, Kraft, Einigkeit in diesen

äumen wohnen. Mit diesem Wunsche bitie ich Gure Kaiserliche Majestät namens des Bundesraths, aus meinen Händen die Kelle ent- gegenzunehmen.

/ Seine Mae: warfen hierauf den bereitgehaltenen Mörtel in [die Vertiefung für den Schlußstein, der alsdann

lihe Geheime Na

preußischen Staats-Ministeriums, die inaktiven Staats-Minijter,

Nunmehr ri s der Präsident des Reichstags, Wirk- h von Leveßow Seiner Mazestät den Hammer mit den Worten: H : Mit demselben Hammer, welchen unserm Kaiser Wilhélm dem Ersten hohgesegneten Andenkens vor länger als 10 Jahren zur Grund- steinlegung namens des Reichstags ih darbringen durfte, wollen Eure Kaiserlihe und Königliche Majestät heute einen großartigen Bau abschließen, den unter Allerhöchster Obhut, unter lebendiger Theil- nahme des ganzen Vaterlands viele Hunderte deutscher Künstler und Handwerker mit Liebe und Fleiß ersonnen und aufgeführt haben. Seine Grundmauern find fest, seine Hallen weit, seine Zinnen ho, und fest in Treue, weit in Voraussicht, hoch in den Gedanken, fei immer das, was je und je in diesem Hause möge berathen und

beschloffen werden ! j j ; Einer großen Zeit, die das uns brachte, was Geschlechter erträumt

und ersehnt haben, entstammen Plan und Mittel, und nur auf gute, gesegnete, friedliche Zeiten, auf ein starkes Reich, ein kraft- voll und gerechtes Regiment, ein treues, freies, wehrhaftes, zufriedenes Volk, vertreten durch patciotische, weise und maß volle Männer, blicke in Jahrhunderten des Reiches neues Rathhaus, ein rechtes Sinnbild

deutscher Einigkeit! ;

Das walte Gott in Gnaden! Dies Werkzeug, vom Reichstag ehrfurchtsvoll überreiht, geruhen Eure Kaiserliche und Königliche Majeftät huldvoll entgegen zu nehmen, um damit zur Weihe des Baues den leßten Hammerschlag zu führen.

Seine Majestät der Kaiser vollzogen hierauf die drei Hammerschläge mit dem Spruch: „Pro gloria et patria!“ Allerhöchstdemselben folgten: Jhre Majestät die Kaiserin, Jhre Königlichen Hoheiten die Prinzen und Prinzessinnen des König- lichen Hauses, der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, die Ritter des Schwarzen Adler-Ordens und die kommandierenden Generale, die Spradar e ritte Bevollmächtigten zum Bundes- rath, der Präsident, die Vize-Präsidenten, Schriftführer und Quästoren des Reichstags, die Mitglieder des Königlich

die Chefs der Reichsämter, die Mitglieder der Reichstags- bau-Kommission, der Ober-Präsident des Stadtkreises Berlin, der A O von Berlin, der Ober-Bürgermeister, die Mitglieder der Reichstagsbau-:Verwaltung. Während der Vollziehung der Hammerschläge spielte der Kosleck sche Bläserchor einen Choral.

Mit einem von dem Präsidenten von Leveßow auf Seine Majestät den Kaiser ausgebrachten Hoch, in welches die Festversammlung unter den Klängen der Nationalhymne dreimal begeistert einstimmte, {loß die Feier.

Von verschiedenen eitungen wird berichtet , daß die Konigliche General-Lotterie-Direktion die Lotterie- Einnehmer angewiesen habe, „alle Personen zur Anzeige zu bringen, von denen sie erfahren, daß dieselben in auswärtigen Lotterien spielen“. Diese Mittheilung ist thatsählihch unrichtig. Der Wortlaut der von der gedahten Behörde unterm 30. Of: tober d. J. an die Lotterie-Einnehmer gerichteten Verfügung ist vielmehr folgender :

„Es ist zu unserer Kenntniß gelangt, daß namentlich in neuerer Zeit die Loosehändler (inländische und ausländische) eine rege Thätigkeit entwickteln, um“ den Vertrieb der Loose auswärtiger, in Preußen verbotener Lotterien möglichst zu erweitern. Da niht nur der Vertrieb und das Anbieten folher Loose nah dem Geseßze vom 29. Juli 1885 (Geseß- Samml. S. 317) mit einer Geldstrafe bis 1500 46 bestraft wird, sondern auch das Spiel in derartigen Lotterien bei einer Geldstrafe bis 600 M. verboten ist, so liegt es sowohl im Interesse der Staatslotterie-Verwaltung als auch des Publikums, daß dem Treiben solher Loosechändler nachdrücklichst ent- gegengetreten werde.

Da die Königliche Lotterie-Verwaltung und deren Organe nicht allein verpflichtet sind, für den Umsaß der Loose der Staatslotterie Sorge zu tragen, ihnen vielmehr auh die Ver- pflihtung obliegt, die Durchführung der Lotterie-Strafgeseße zu fördern, so gehört es auch zu den Obliegenheiten der Herren Lotterie-Einnehmer, die Verwaltung in dieser Beziehung nach Möglichkeit zu unterstüßen. Dieselben werden daher nicht allein alle ihnen zugehenden Offerten von Loosehändlern nebst den Briefumshlägen unverzüglich an die König- lihe Staatsanwaltschaft zur weiteren Verfolgung ab- zugeben haben, sondern auch in weiteren Kreisen 2c. dahin wirken müssen, daß derartige Zuwiderhandlungen ent- weder unmittelbar der E Staatsanwaltschaft mit- getheilt oder bei ihnen zur Anzeige gebraht werden. Auch würde zu erwägen scin, ob es nicht angezeigt erscheinen möchte, das Publikum durch geeignete Zeitungsnotizen (im redaktionellen Theil) auf die Strafbarkeit des Spielens in auswärtigen, in Preußen verbotenen Lotterien besonders au f- merktsam zu machen.“

Der Königlich württembergishe Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe Freiherr von Varnbüler is vom Urlaub nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Die Bevollmächtigten zum dient i 0 Königlih württembergishen Staats-Ministeriums, Minister der von Mittnacht, Großherzoglich badischer inister des Großherzoglichen Hauses und der auswärtigen An- elegenheiten von Brauer, Herzoglih sachsen-meiningen- her Staats-Minister Dr. von Heim, Herzoglih an- haltisher Staats - Minister Pr. von Koseriß, Landes- direktor des Fürstenthums Waldeck und Pyrmont von Saldern, Fürstlih reußischer (ä. L.) Ober-Regierungs-Rath von Meding, Fürstlih s{chaumburg - lippisher Staatsrath von Freese, Senator der freien und Hansestadt Lübeck Dr. Klügmann, Bürgermeister der freien und Hansestadt Hamburg Dr. Versmann und Senator der freien und Hansestadt Hamburg Dr. Burchard sind hier angekommen.

Präsident des Staats-

auswärtigen Angelegenheiten Dr. Hieexr

Laut telegraphisher Meldung an das Ober-Kommando der Marine 1 S. M. “S. „Hyhäne“, Kommandant Kapitän-Lieutenant Bachem, am 83. d. M. in Mossamedes cingetroffen und beabsichtigt am 8. Dezember nah St. Thomé in See zu gehen. S. M. S. „Condor“, Kommandant Korvetten-Kapitän Broeker, ist am 4. d. M. in Sansibar angekommen.

\Gwader mit é | hat, wie „W. T. B.“ meldet, heute seine Uebungsreise in die

\kandinavishen Gewässer angetreten.

Kiel, 5. Dezember. Das gesammte Manöver-Ge- usnahme des Panzerschiffs „Weißenburg“

Jzehoe, 5. Dezember. Der König und der Kron-

prinz von Dänemark sind zu den Feierlichkeiten anläßlih

der Beiseßung} der Prinzessin Luise zu Schhleswig- Holstein -Sonderburg-Glücksburg hier eingetroffen. Zum Empfang waren am Bahnhof anwesend die Prinzen Julius und Hans zu Schleswig - Holstein-Sonder- burg-Glücksburg; ferner hatten sich eingefunden: der Herzog hd die Herzogin Ferdinand, die Herzogin Adelheid, die Het Frein Marie und der Q Albert zu Schleswig-Holstein-Sonderburg- Glüccksburg, die verwittwete Fürstin zu Waldeck und Pyrmont sowie der kommandierende General des IX. Armee-

Korps Graf von Waldersee. Baden.

Der Geburtstag Jhrer Königlichen Hoheit der Groß- herzogin wurde vorgestern in Baden-Baden im engsten Familienkreise begangen. Jhre Königliche Hoheit erhielt aus weitestem Umkreis telegraphische GlüEwünsche in großer Zahl. Nachmittags trafen Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz und Jhre Kaiserliche Hoheit die Prinzessin Wilhelm, sowie Seine Großherzogliche Hoheit der Prinz Karl in Baden-Baden ein. Jn Karlsruhe waren die staatlichen und städtischen, sowie viele Privathäuser beflaggt. Um 8 Uhr früh ertönte vom RNRathhausthurm Choralmujik.

Oesterreich-Ungarn.

Die Kaiserin ist gestern Nachmittag von Pola mit der Eisenbahn nach Marseille abgereist. Allerhöchftdieselbe hat der „N. Fr. Pr.“ zufolge die beabsichtigte Seereise nah Algier wegen anhaltender orkanartiger Bora aufgegeben und wird morgen von Marseille die Fahrt nah Algier antreten.

Der König und die Königin von Griechenland fowie der Prinz Georg sind gestern von St. Petersburg in Wien eingetroffen. s j

Der serbishe Finanz - Minister Petrowic hat fih nah Paris begeben.

In der gestrigen Sißzung des Wahlreformaus - \chusses theilte der Abg. Pininski mit, der Polenklub habe den Beschluß gefaßt, daß die in der Regierungserklärung enthaltenen Grundsäße als Grundlage der Berathungen genommen werden sollten unter Berücksichtigung ‘der Prinzipien des Nutowski’shen Entwurfs. Der Redner betonte, die Polen seien bereit, unter Wahrung ihrer prinzipiellen Anschauung einen Kompromißstandpunkt anzunehmen. Die NngczeN aen Abgeordneten Slavik und Brzorad er- klärten sh gegen die Schaffung der neuen Kurie, betonten den Staatsrechtsstandpunkt und forderten das allgemeine Stimmrecht. Der Abg. Romanczuk vertrat den oppo- sitionellen Standpunkt der NRuthenen; die Abgg. Kraus und Stadnicki drückten die Bereitwilligkeit aus, im Jnteresse des Staates an der Wahlreform mitzuwirken. Die nächste Sißung findet heute statt.

Der „Pester Lloyd“ bezeihnet die Annahme, als sei dic Regierung geneigt, falls das Oberhaus die zwei noch rückstän digen fkirhenpolitishen Geseße ablehnen olle in dié Vertagung diejer GVe]euenlwuLrte zu willigen, als eine odurqaus irrige. Au jene Annahme, als müsse das Kabinet nach einer solchen Ablehnung des Oberhauses demissionieren, sei völlig unzutreffend. Die parlamentarishe Lage nöthige hierzu ganz und gar nicht; jene zwei Geseßentwürfe könnten nah dieser Ablehnung auch ein drittes Mal zum Oberhause zurück- gesandt werden. Das Blatt erinnert hierbei an frühere Vor- gänge, wo eine Vorlage ahtmal von dem Unterhause. an das Oberhaus zurückgesandt worden sei, bis dieses die Vorlage angenommen habe.

Frankreich.

Der Senat nahm gestern den Geseßentwurf über die Brieftauben an. Hierauf verlas der Senator Boulanger unter Beifallskundgebungen den Bericht, worin der Mada- gaskar- Kredit angenommen wird. ie Berathung hierüber wurde auf morgen festgeseßt. Jn der Deputirtenkammer führte der Finanz-Minister Poincaré bei der Weiter- berathung des Budgets aus, man habe sih angesichts der Verminderung der Einnahmen und der Erhöhung der Aus- gaben, die sih aus den angenommenen Geseßen ergeben habe, in der Zwangslage befunden, die Erbschaftssteuer um 25 Millionen zu erhöhen, um das Gleichgewicht im Budget herbeizuführen. Der Minister erging sih dann in längerer, mit Beifall aufgenommener Rede über dic Erbschaftssteuer. Der Depu- tirtePelletan erklärte alsdann, er werde für das Erbschaftssteuer- geseß stimmen, denn es sei der erste Schritt zu einer pro- gressiven Steuer. Der Redner kritisierte lebhaft die Vermehrung der Ausgaben. Die fiskalische Last lähme die wirthschaftliche Thätigkeit, Frankreich müsse versuchen, die enorme Schuldenlast zu verringern. Pelletan zählte dann die Ersparnisse auf, die besonders beim Kultusbudget gemacht werden könnten. Hierauf wurde die Sißung aufgehoben. Pelletan wird seine Rede am Donnerstag fortseßen.

Jtalien.

Jn der gestrigen Sißung des Senats erinnerte der Präsident in seiner Antrittsrede an die bei Agordat und Kassala erfohtenen Siege. Bei Erwähnung der Reformgeset- entwürfe bemerkte der Präsident: „Der Friede, dessen wir uns erfreuen, wird Jhnen erlauben, die einzelnen Fragen ungestört zu prüfen. Für den Frieden bürgt uns der Schmerz, der innerhalb weniger Monate die Trauer weier Nationen zur europäischen Trauer gemacht hat. Jtalien eklagt das Hinscheiden des Herrshers des Reichs, dem die nationale Erhebung Jtaliens wiederholt einen wohlwollenden Einfluß und aufrihtige Sympathie zu danken habe. Der Senat ehrt das Andenken des Monarchen, der „seine Macht für den Völkerfrieden gebrauchte“. Die Deputirten- kammer wählte gestern Biancheri mit 236 Stimmen zum Präsidenten, 73 Stimmzettel waren unbeschrieben.

Spanien. In Der Fesicigen Sißung der Deputirtenkammer griff, wie „W. T. B.“ berihtet, der Minister - Präsident agasta in die Debatte ein und warf den Republikanern vor, sie kündigten immer die bevorstehende Revolution an, er

a (ven Meistern des Maurer- und Steinmeßzgewerks verseßt wurde.

empfehle ihnen patriotische Entsagung.

: ; s Schweiz.

Der Nationalrath hat den Bundesrath beauftragt, die Verhandlungen bezü lich einer intern enes fi lung der Arbeiter}

ußfragen wiederaufzunehmen.

Luxemburg.

Jn der Kammer brachte die Regierung eine Geseßes- vorlage cin über die Uebertragung der Konzession zum Bau der Linie Cuxemfura -Petinien an die Prince- Henri - Bahngesellschast. Die Tracepläne müssen 3 Monate nah der Genehmigung des Gesetzes, die definitiven Pläne 6 Monate nach Gutheißung der Tracepläne ein- gebraht werden. Zwei Jahre nah der Bewilligung der Pläne muß die Bahn gebaut sein. Die Gesellschaft deponiert cine Kaution von 200000 Fr., die dem Staat verfällt, falls die Termine nicht eingehalten werden, unbeschadet des durch das Bedingungsheft vorgesehenen Verfalls. Die Vorlage wurde den Kommissionen überwiesen. :

Belgien.

Jn der gestrigen Sißung der Repräsentantenkammer begründeten die sozialistishen Deputirten ihren Antrag auf Amnestierung der wegen politisher und Strike- Vergehen Verurtheilten. Der Justiz-Minister Begerem ersuhte die Kammer im Namen der Regierung, den Antrag niht in Erwägung zu ziehen. / /

Bulgarien.

__ DieSobranje verhandelte gestern, wie die „Agence Balca- nique“ meldet, über die Wahl in Belaslina vom 11. Sep- tember. Daselbst solle, wie behauptet werde, Dragan Zankow gewählt sein, doch sei in etnem wegen der Wahl aufgenommenen Akte erklärt worden, daß die Wahl wegen Gemwaltthätigkeiten, die gegen das Wahlbureau verübt worden seien, gar nicht ftatt- gefunden habe. Bei der am 18. September wiederholten Wahl sei der spätere Minister Tontshew gewählt worden, der seitdem seine Entlaffung genommen habe und niemals als Deputirter in der Sobranje erschienen sei, Die Debatte über die Wahl wurde seit Eröffnung der Sobranje mit Ungeduld erwartet, weil man sie als einen Prüfstein für die Solidität der Regierungs- foalition ansah. Die Sobranje nahm mit großer Mehrheit den Antrag der Kommission an, die Wahlen vom 11. und 18. Sep- tember zu annullieren. Großen Eindruck machte es, daß fast alle Zankowisten mit der Majorität gegen ihren Chef stimmten. In politischen Kreisen sieht man die Abstimmung als einen großen parlamentarishen Erfolg der Regierung an. Die Minister wohnten der Sißung nicht bei.

Dänemark.

__ Jm Landsthing wurde gestern, wie „W. T. B.“ be- richtet, die Regierungsvorlage über die Emission der 3 pro- zentigen Staatsanleihe im Betrage von 25 Millionen Kronen und die Konversion der jegigen 31/, prozentigen Staats-Schuldverschreibungen in 3 prozentige definitiv angenommen. Die Folkething-Kommission für die Berathung der Regierungsvorlage über die Verm ehrung der Folkething-Wahlbezirke e gestern Abend ihren Be- richt erstattet. Die aus Mitgliedern der Parteien der Rechten und der moderaten Linken bestehende Mehrheit der Kommission hat sich dahin geeinigt, die Vermehrung der Wahlbezirke von 102 auf 114 vorzuschlagen; von den neuen zwölf Bezirken sollen jechs auf Kopenhagen nebst Vorstädten, die anderen sechs auf die übrigen Landestheile entfallen ; sieben sollen Stadtkreise, fünf sollen Landkreise sein.

Afien. ___ Londoner Blätter melden, daß der Marschall Yamagata infolge von Ueberanstrengung s{hwer erkrankt sei und sih nah Japan habe zurückbegeben müssen. Als sein Nachfolger werde der General Nodza bezeihnet. Der Marine-Kapitän Miura sei zum Gouverneur von Port Arthur ernannt worden.

Nach einer Meldung der „Times“ vom 4. Dezember aus Kobe hätten mehrere Tausend Tonghaks am 28. November die japanische Streitmacht bei Kongsu in Südkorea angegriffen, seien aber mit großen Verlusten zurück- geshlagen worden. Zwei ihrer Anführer seien getödtet worden.

Afrika. ;

_Nách einer Meldung des „W. T. B.“ aus Tanger wären zwei von den Mördern des Deutschen Franz Neu- mann gefangen genommen worden. Der eine von ihnen sei geständig, Neumann erschossen zu haben.

__ Dem „Reuter’shen Bureau“ wird aus Sansibar telegraphiert, daß, nah Privatbriefen aus Uganda von Ende September, Kabarega, der König von Unyoro, das britische Fort Hoima, zwölf Stunden von der Grenze Ugandas ent- fernt, angegriffen habe. Der Kommandeur des Forts Haupt- mann Thruston habe den Angriff abgeschlagen. Viele von Kabarega's Leuten, darunter R cinige Häuptlinge, seien ge- tödtet worden. i

Einer Depeshe der „Times“ aus Kapstadt zufolge sollten die portugiesishen Truppen an der Delagoa- Bai gestern zur Offensive übergehen.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Geschäftsstelle des Reichstags befindet ih von morgen, 6. Dezember, ab im neuen Reichstags- Gebäude am Königsplaß.

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

Eine hölzerne Spalierwand ‘ist nah einem Urtheil des Ober-Verwaltungsgerichts, IV. Senats, vom 30. Juni 1894, nicht als ein Holzbau im Sinne der Berliner Baupolizeiordnung vom 15. Zanuar 1887 zu erachten, und ihre Beseitigung kann von der Folizeibehörde niht deshalb verlangt werden, weil sie diht am tahbargrundstüdck aufgeführt ist und demzufolge niht in der durch § 7 der Baupolizeiordnung vorgeschriebenen Entfernung der Holzbauten von der Nachbargrenze sih hält. Der Restaurateur Sch. in Berlin hatte auf seinem Grundstück, dicht an der Nachbargrenze, ein hölzernes Bauwerk, bestehend in festem Gitterwerk zwischen eingegrabenen Stielen aufführen lassen, ohne hierfür die baupolizeilihe Venehiaung nachgesucht zu haben. Das Polizei-Präsidium erahtete das aufgeführte Spalier als einen Holzbau im Sinne des § 7 der Baupolizeiordnung und ordnete die Beseitigung des Spaliers an, weil es sih niht 6 m von der Nachbargrenze entfernt hielt und auch die für Holzbauten zu-

streitigen Wand ein Sachverständiger vernommen worden war, der \ih zu Gunsten des Klägers geäußert hatte, seßte der Bezirksausschuß die Verfügung des Polizei-Präfidenten außer Kraft. Auf die Berufung des Polizei-Präsidenten bestätigte das Ober-Verwaltungsgeriht die Vorentscheidung, indem es begründend ausführte: „Beklagter hat zur Begründung seiner Anordnung \ich zunähst auf die Be- stimmung t S7 Der genannten Verordnung berufen, wona Schuppen, Buden und ähnliche, als eigentlihe Gebäude nit anzu- sehende Baulichkeiten, wenn fie mit hölzernen Umfafsungswänden ver- sehen sind, eine Fronthöhe von. 3 m nit überschreiten und von Nachbargrenzen überall 6 m entfernt gehalten werdén sollen. Daß ein Spalier, wie das hier streitige, zu \olhen Baulichkeiten n icht gerehnet werden fann, unterliegt jedoh feinem Bedenken. Nun schreibt ¿war der Abf. 4 des § 7 cit. vor, daß au die Errichtung von Schußdächern und ähnlichen offenen Holzkonftruktionen über die ebei genannte Regel hinaus nur unter besonderen Bedingungen ge- stattet sein foll. Aber auch bei einer solhen Anlage ist etwas Anderes vorausgeseßt als ein bloßer Zaun oder ein Spalier, der irgend eine Aehnlichkeit mit einem Schußdah nicht aufzuweisen hat.“ (IV. 858.)

Der Miinisterial-Erlaß vom 26. August -1886, welcher für ein Schanklokal eine Bodenfläche von 25 qm und eine Höhe von 29 qm vorschreibt und die Errichtung von Schankstätten in der Nähe von Schulen untersagt, enthält, nah einem Urtheil des Ober-Verwal- tung8gerihts, ITI. Senats, vom 5. Juli 18914, keine \chlechthin bindenden Bestimmungen. Die Ertheilung der Schankerlaubniß für Räume, welche jenen Bestimmungen nah Beschaffenheit und Lage niht entsprechen, fann daher nit als eine Verletzung des be- stehenden Nechts im Sinne des § 126 des Landesverroaltungs- geleßes gelten und kann demnach niht vom Landrath, bezw. Vor- sißenden des Kreis- oder Stadtausschusses im Verwaltungsstreitverfahren angefohten werden. (I1I, 520.)

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- =-, Maßregeln.

Spanien. Durch ministerielle Verfügung vom 28. v. M. ist gegen Herkünfte von Rio de Janeiro und San Pablo, welhe nach dem 24. v. M, aus diefen Häfen abgegangen sind, eine dreitägige Beobachtung an- geordnet worden. | Türkei.

Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsraths in Kon- stantinopel ist die gegen Herkünfte des Golfs von Adalia zwischen Kap Chelidonia und Kap Anamur angeordnete fünftägige Quarantäne au s erhöht worden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 280 vom 28. v. M.) A

_ Auch in der Woche vom 18. bis 24. November blieb der Gesund- heits\stand in Berlin ein günstiger und die Sterblichkeit cine niedrige, wenn auch eine etwas größere als in der vorhergegangenen Wo Je, von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berehnet, 15,1. Unter den Todesursachen zeigten sich akute Entzündungen der Athmungsorgane häufiger, do blieb der Verlauf im allgemeinen ein milder. Auch Erkrankungen an G rippe, die in 2 Fällen zum Lode führten, wurden mehrfah beobahtet. Akute Darmkranfk- heiten zeigten fich gleihfalls etwas häufiger, doch war die Zahl der dur sie bedingten Sterbefälle nur wenig größer als in der Vorwoche. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war nur wenig gesteigert; von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr berechnet, 39 Säuglinge. Von den Infektionskrankheiten kamen Erkrankungen an Masern und Scharlach in gesteigerter, an Diphtherie in etwas gegen die Vorwoche verminderter Zahl zur Anzeige; und zwar wurden Erkrankungen an Masern aus der Friedrihstadt und der Rosenthaler Vorstadt, an Scharlah aus der Schöneberger Vorstadt und dem Wedding, an Diphtherie aus der jenseitigen Luisen- stadt, dem Stralauer Viertel, der Rosenthaler Vorstadt, aus Moabit und dem Wedding am häufigsten zur Meldung gebracht. Erkrankungen an Unterleibstyphus blieben in beschränkter Zahl; an Kindbettfieber wurden 3 Erkrankungen bekannt. Rosenartige Ent- zündungen des Zellgewebes der Haut wurden etwas weniger be- obachtet. Erkrankungen an Keuchhusten, die au häufiger zum Tode führten, waren zahlreiher. Rheumatishe Beschwerden aller Art zeigten im Vergleih zur Vorwoche keine wesentlihe Veränderung in ihrem Vorkommen.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 4. d. M. geftellt 11938, nit recht- ¡eitig gestellt keine Wagen. __In Oberschlesien sind am 3. d. M. gestellt 5037, nit réht- zeitig gestellt keine Wagen.

Vom Berliner Pfandbrief - Institut sind bis zum 24. November d. I. 18766800 M 3120/0, 21545400 Ma 4 9/0, 45 675 600 6 43 9/0, 9 706 500 A 5 9%, zusammen 95 694 300 A Pfandbriefe auêëgegeben worden, wovon noch 16 656 900 4 32 0/0, 13 044 600 6 49/0, 13 485 000 A 449% und 2330100 M D 9%, zusammen 45 516 600 46 Pfandbriefe von den Grundbesißzern zu ver- zinsen sind. i __ Die Betriebseinnahmen der Ostpreußishen Südbahn im November 1894 betrugen nach vorläufiger Feststellung im Personen- verkehr 62342 4, im Güterverkehr 398 907 , an Etxtra- ordinarien 14 000 , zusammen 475 249 , darunter auf der Strecke Fischhausen Palmnicken 9084 A, im November 1893 pro- visorisch 388 734 , mithin gegen den entsprehenden Monat des Tre mehr 86515 , im ganzen vom 1. Januar bis 30. November 1894 4 390 185 M (provisorishe Einnahme aus russishem Verkehr nach russischem Stil), gegen provisorisch 3 610709 46 im Vorjahr, mithin gegen den entsprehenden Zeitraum des Vorjahres mehr 788 476 M, gegen definitiv 3 804 465 4 im Vorjahr, mithin mehr 594 720 M

In Osnabrück fand gestern die Generalversammlung des Georgs8-Marien-Bergwerks- und Hütten-Vereins ftatt, in welcher durch 19 Aktionäre 2 658 500 4 Aktienkapital mit 1768 Stimmen vertreten waren. Die Bilanz sowie die vorgeschlagenen Abschreibungen und die Vertheilung einer vierprozentigen Dividende an die Vorzugsaktien wurden einstimmig genehmigt. Die Versamm- lung beschloß, die Zahl *der Aufsichtsrathsmitglieder einstweilen auf sechs zu beschränken.

Dem Geschäftsbericht des He\si \ch-Rheinishen Bergbau- Ver eins für 1893/94 entnehmen wir Folgendes: Der Abfay an Br iquettes war infolge größeren Angebots von Steinkohlen zu bi igen Preisen um circa 76 000 Ztr. niedriger als im Vorjahre. Eine große Ausgabe entstand durch den Erwerb eines Kompleres von zu Bruch gegangener respektive zu Bruch zu bauender Aecker. Hierdurch wurden andererseits nennenswerthe Beträge für Minderwerths- und Fruchtentshädigungen erspart, die sich für das Vorjahr auf circa 21 000 4 beziffert hatten; unter Hinzurehnung von fonstigen Er- sparnissen im Betrieb tellt sih das Unkosten-Konto infolge dessen um 27 421,60 niedriger. Der Debet-Saldo des Gewinn- und Verlust- Kontos hat sih um 39790 Æ erhöht ; die Abschreibungen sind aus dem Spezialreserve- resp. Erneuerungs-Fonds gedeckt.

__— Die „Rhein.-Westf. Ztg.“ berihtet vom rheinisch-west- fälishen Eisen- und Stahlmarkt: Von einer Aenderun

der Geschäftslage im Ie area en Industriebezirk kann na

keiner Richtung die Rede sein. Der Mangel an Vertrauen dauert bei den Käufern an, und nur die Roheiseninduftrie kann noh mit festen Preisen renen. Die Nachfrage läßt allerdings auch hier sehr viel zu wünschen übrig, da die Walzwerke, überhaupt die

lässige Höhe überschritt. Sch. erhob Klage gegen den Poltizei-Präsi- denten, Nachdem über die Beschaffenheit und Stand attet tes

R E toe, leihfalls nur den nächstliegenden Bedarf deckt. n Eifenerzen ist seit dem leyten Bericht alles beim alten ge-

blieben. Siegerländer Erze gehen leidlich ab und be ten ihre B Luxemburg-Lothringer ‘Minette zeigen, abgesehen van E reis\chwanfungen - nah unten, « unveränderte Haltung. Der A von spanischen Erzen hat in leßter Zeit wieder na geläfsën, - haben fih die Preise behauptet. Auf dem Roheisenmarkt anz vereinzelt die Nachfrage etwas lebhafter geworden; daß die Preise ih fest behaupten, ist bei der Haltung des Kohlenmarkts nit zu verwundern. Im Siegerlande war in den leßten Wochen bér Absaß in Spiegeleisen lebhafter; die Mehrzahl der deutschen Abnehmer hat - in der leßten Zeit ihren Bedarf an Spie E für das erste Vierteljahr 1895 gedeckt. In der leßten Woche konnten auh wieder für Stahleisen belangreihe Aufträge gebuht werden, Auf dem Walzeisenmarkt ist das Bild nah wie vor unerfreulih, wenn auch vereinzelt das Bestreben hervortritt , sich zu den jeßigen Preisen zu decken, so hat dies do auf die Gesammthaltung des Markts keinen Einfluß. In Stabeisen hat in der letzten Woche die Nathfrage eher ab- als zugenommen. Sowohl vom Inlande wie vom Auslande gingen kaum nennenswerthe Aufträge ein ; dabei ist die Tendenz der Preise, die jeßt son verlustbringend find, eine weichende. Vorläufig reihen die Auf- träge bei vielen Werken noch aus, um einen mäßigen Betrieb auf- recht zu erhalten. Für die nächsten Monate ist wohl kaum eine Aenderung zu erwarten; dann wird sfi hoffentlih durch den Frühjahrs- bedarf und den Beginn der neuen Bauthätigkeit die Nachfrage ver- mehren, und mit der besseren Beschäftigung werden auch lohnendere Preise erzielt werden. Für Formeisen, speziell in Trägern, ift der Absaß äußerst mäßig, und die Preise find gedrückt. In Band- eisen sind die Werke ungleich beschäftigt, weshalb auch für sonstigen Bedarf immer noh Preiskonzessionen gewährt werden. Andererseits waltet bei den Verbrauchern und Händlern thasächlich das Bestreben vor, sih zu den jeßigen niedrigen Preisen auf möglihst lange Zeit hinaus zu decken. In Grobblechen ist alles beim alten geblicbèn. Die unlohnenden Preise bei schwacer Beschäftigung bilden Gegenstand allgemeiner Klage. In Feinblechen hat zwar vereinzelt die Nach- frage etwas zugenommen, im allgemeinen ist jedoch der Markt noch recht till bei vorläufig unveränderten Preisen. Die Walzdrahtwer ke sind ungleich beschäftigt; doch felbst, wo mehr Aufträge vorhanden sind, klagt man über die unlohnenden Preise. Ueber Nieten läßt sih noch nichts günstiges berihten; dieser Artikel is {on seit längerer Zeit im Preise unter den Selbstkosten, und sogar zu den verlustbringenden Preisen finden sich niht einmal Käufer. _Die Maschinenfabriken und Konstruktionswerkstätten sind nur vereinzelt befriedigend * be- säftigt, ohne indessen bessere Preise erzielen zu können. Auch die Röhrengießereien fangen vereinzelt an, Klagen zu führen. Fn der Geschäftslage der Bahnwagenanfstalten- sind wesentliche Aenderungen nit zu verzeichnen.

Die „New-Yorker Hdls.-Ztg.“ schreibt in ibrer leßten Nummer zur Geschäftslage: Die Geschäftswelt sammelt sich, dahin ungefähr resümiren sich die verschiedenen uns zugehenden Handels- berihte. Der Konsum i noch immer ein beschränkter und es liegt noch kein Anlaß vor, die Ansicht zu ändern, daß es noh geraume Zeit währen wird, bis wir wieder in normale Verhältnisse eingelenkt fein werden. Indessen giebt sich überall eine hoffnungsfreudige Stimmung fund und man erwartet allerorten die Besserung für das nächste Frühjahr. Weniger noch als vom Waarengeschäft [äßt ih von der Börse sagen, die nacgerade alle Widerstandskraft ver- loren hat und sih jeden Augenblick dur die ‘plumpsten Manöver in die widersinnigsten Extreme s{chleudern läßt. Ein reller Umsas findet nur auf dem Bondmarkte statt, doch auch mehr für Rechnung von Sparkassen und Trustgesellshaften, die ihre Ueberfülle von Geld in derartigen Werthen anlegen, die fast durhwegs unter ihrem inneren Werthe zu haben sind.

„Königsberg, 4. Dezember. (W. T. B.) Getreidemarkt. Weizen behauptet. Roggen steigend. do. pr. 2000 Pfd. Zollgewicht 199— 110. Gerste behauptet. Hafer unverändert, loko pr. 2000 Pfd. Zoll- gewicht 109,00. Weiße Erbsen pr. 2000 Pfd. Zollgewiht 108,00. Spiritus pr. 100 1 1000/6 loko 30, pr. Frühjahr 312.

Danzig, 4. Dezember. (W. T. B.) Getreidemarkt. Weizen [oto höher, Umsay 250 t, do. inländ. hochbunt und weiß 132— 136, do. inländ. hellbunt 129—131, do. Transit hohbunt und weiß 98—100, do. bellbunt 96—98, do. Termin zu freiem Verkehr, per April-Mai 138,50, do. Transit per April-Mai 104—104,50, Re- gulierungspreis zu freiem Verkehr 133,00. Roggen loko höher, do. inländ. 112,00, do. russischer und polnischer zum Transit 72—76,00, do. Termin pr. April-Mai 115,50—116,00, do. Termin Transit pr. April-Mai 81,50, do. Regulierungspreis zum freien Verkehr 112,00. Gerste große (660—700 g) 113—120. Gerste kleine (625—660 g) 95 —100. Hafer inländischer 103—106,00. Erbsen inländische 118— 129. Spiritus loko kontingentiert 49,50, nit kontingentiert 30,00.

_ Magdeburg, 4. Dezember. (W. T. B.) Zugdckerbericht. Kornzuckter exkl., von 92 %/0 —,—, neue 9,40—9,55. Rornzucker 8 88 °/6 Rendement 8,90 --9,00, neue 8,90—9,05, Nachprodukte exkl., 75 9/0 Rendement 6,00—7,00. Ruhig, stetig. Brotraffinade I 22,00. Brotraffinade I1 21,75. Gem. Raffin. mit Faß 21,00—22 00. Gem. Melis I mit Faß 20,25. Ruhig. Rohzucker l. Produkt Transito f. a. B. Hamburg pr. Dezember 9,00 Gd., 9,074 Br., pr. Januar 9,10 bez., 9,173 Br., pr. März 9,322 Gd., 9,374 Br., pr. April-Mai 9,45 Gd., 9,475 Br. Stetig.

Köln, 4. Dezember. (W. T. B.) Die gemeinsame Verkaufs- stelle für Qualitäts-Puddelecisen und Stahleisen theilt mit, daß sie vom 1. Januar kommenden Jahres ab denjenigen Käu- fern, die sih verpflichten, thren ganzen Bedarf an Puddel- und Stahl- eisen auss{ließlih von ihr zu beziehen, eine Vergütung auf die Syn- difatspreise gewähren wird. Diese beträgt, falls der Bedarf für ein Jahresviertel in einem Mal gedeckt wird, 1 4, bei Käufen für kürzere Dauer dagegen 50 - pro Tonne.

Leipzig, 4. Dezember. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B pr. Dezember 2,821 6, pr. Januar 2,827 #, pr. Februar 2,827 &, pr. März 2,822 4, pr. April 2,85 #4, pr. Mai 2,874 Æ, pr. Juni 2,927 46, pr. Zuli 2,924 M, pr. August 2,92} 4, per September 2,95 #6, per Oktober 2,95 4.

Umsay 20 000 kg.

Bremen, 4. Dezember. (W. T. B.) Börsen-Shlußbericht. Raffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum-Börse.) Stetig. Loko 5,2% Br. Baumwolle. Ruhig. Upland middl. loko 29} §. Schmalz. Sehr fest. Wilcox 384 5, Armour shield 37} », Cudahy 387 Z, Fairbanks 30 4. Spe. Sehr feft. Short clear middl. loko —, Dezbr.-Jan.-Abladung —. Wolle. Umsay 124 Ballen. Taba ck. Umsatz: 440 Seronen Carmen, 22 Faß Kentucky.

Wien, 4. Dezember. (W. T. B.) Die außerordentliche Generalversammlung der Alpine-Montan-Ges ellschaft be- {loß, das seiner Zeit durch 300 000 Aktien gebildete Grundkapital von 30 Millionen Gulden durch Auêgabe weiterer 75 000 Aktien auf 373 Millionen Gulden zu erhöhen.

_ Ausweis der österreihisch-ungarischen Staatsbahn (österreichishes Neg) für den Monat November 2 497 853 Fl., Mehr- 56 982 1 gegen den entsprehenden Zeitraum des vorigen Jahres

Die Brutto - Einnahmen der O rientbahnen betrugen in der 44. Woche (vom 29. Oktober bis 4. November 1894) 309 943,21 Fr., Zunahme gegen das Vorjahr 5 454,88 Fr. Seit Beginn des Betriebsjahres (vom 1. Januar bis 4. November 1894) betrugen die Brutto-Einnahmen 9 203 412,94 Fr., Abnahme gegen das Borjahr 1 313 863,54 Fr.

London, 4. Dezember. (W. T. B.) Wollauktion. Preise unverändert, feine Wolle fest und begehrt, ordinäre unregelmäßig.

An der Küste 2 Weizenladungen angeboten. i

96% Javazucker loto 12} cis Rüben-Rohzudcker loko 9 fest. Chile- Kupfer 39}, pr. 3 Monat 404.

Manchester, 4. Dezember. (W. T. B.) 12r Water Taylor 48, 30r Water Taylor 64, 20r Water Leigh 54, 30r Water Clayton 6, 32r Mock Brooke 5X, 40r Mayoll 6, 40r Medio Wilkinson 7,

32r Warpcops Lees 5, 36r Warpcops Rowland 64, 36r Warpcops