1894 / 304 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

S Angekommen : Seine

cellenz der Staatssekretär des - Wirkliche Geheime Rath Nl eberdila, S E

Nichtamtliches.

DentscchGes Nei.

Preußen. Berlin, 28. Dezember. Der Au kehr hielt heute eine-Sigzung.

Das Staats-Ministerium trai heute Nachmittag 2 Uhr unter dem Vorfiß des Vize - Präsidenten, Staats- Ministers Dr. von Boetticher im Dienstgebäude, Leipziger-

Plaß 11, zu einer Sißung zusammen.

Für die Dauer der Abwesenheit des Kaiserlihen Gesandten Grafen von Tattenbah in Fez werden die Geschäfte der Mission in Tanger von dem dorthin entsandten Ersten Sekretär bei der Kaiserlichen Botschaft in Madrid, Legations-

Rath Freiherrn von Mentßingen wahrgenommen.

Bayern. Seine Königliche Hoheit der vet

t Arnulf, mandierender General des 1. Bayerischen

nach Berlin begeben.

Württemberg.

Seine Durchlaucht der E zu Waldeck

in Stuttgart eingetroffen.

Hessen. + Seine Königliche Mise den russishen Gesandten Missfio des Kaisers Nikolaus Il. in besonderer Audienz. fand zu Ehren des Gesandten Galatafel statt.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser empfing En inBudapest den ungarischen Minister-Präsidenten Dr. Wekerle in kurzer Audienz, sodann den Fürft-Primas, Kardinal Vaszary, den Kardinal Dr. Schlauch, den Präsidenten des Oberhauses Kronhüter Szlávy, den Ersten Prôsidenten der Königlichen Kurie Szabó de , Nára, die Prâsidenten des Unter- hauses und den Grafen Tibor Karolyi. Heute werden mehrere Mitglieder des Ober- und des Unter-

auses zum Kaiser berufen werden. Nach den 4 iat en nordnungen werden die Audienzen am 30. d. M. beendet ein; der Kaiser wird sih sodann an diesem Tage nah Wien egeben und am 2. Zanuar zu, längerem Aufenthalt nah Budapest zurückehren. - :

In einer gestern ne Konferenz der liberalen Partei made der Minister-Präsident Dr. Wekerle Mit- theilung von der Demission des Kabinets; der Grund derselben Fei die Erkenntniß, daß ein vollständiges Vertrauen der

- Krone nicht vorhanden sei. Der Minister-Präsident dankte für die ausdauernde Unterstüßung der Partei, der troß der E O Verhältnisse glänzende Resultate zu danken elen, sodaß epohemahende Schöpfungen ohne größere Erschütterung möglich gewesen seien. Das Kabinet bringe die Fahne fleckenlos zurück, die stets nur für roße Prinzipien in den Kampf getragen worden sei. Auch in ukunft würden die Mitglieder des Kabinets dieselben Prinzipien befolgen, zunächst die Fortseßung der Valuta-

eration, für welhe die materielle Befähigung bereits vor- handen sei. Von einer Revision oder Abänderung der Kirchen- gesehe könne nicht die Rede sein, ihre Durchführung dürfe an eine Bedingung geknüpft werden. Die in der Schwebe befindlihen Kirchengeseßze müßten unverkürzt angenommen werden. Sie würden daher. jedes Kabinet unterstüßen, das sih zu denselben Prinzipien bekenne, und auch als einfache Streiter treue Vorkämpfer dieser Prinzipien sein. Die Er- klärungen wurden mit großem Jubel ausgenommen. Namens der liberalen Partei antwortete der Vize-Präsident Daranyi; derselbe dankte der Regierung, die selbjtlos unter den größten Schwierigkeiten eine Politik inauguriert habe, die einen dauern- den Frieden garantiere und die auf der Höhe ihrer Triumphe scheide, um die Durhführung ihrer Prinzipien zu sichern. Die Partei blicke voll Vertrauen auf zum König, dessen Weisheit den rechten Weg finden werde, und voll Ver- trauen auf die ungarische Nation, die mit dem Liberalismus stets verwachsen gewesen sei und auch in Zukunft verwachsen bleiben werde. Einen tiefen Eindruck machte die Rede des tis Ministers Grafen Albin Czaky, der erklärte, er ei auf das innigste mit dem Kabinet verbunden, dessen Mit- glied er geaen sei; aber über seine persönlichen Gefühle stelle er das Interesse des Landes, welches erfordere, daß das Vertrauen zwischen Krone und Kabinet wiederhergestellt werde. Wenn daher ein neues Kabinet auf Grund der Prinzipien des scheidenden Kabinets gebildet sein werde, so müsse dasselbe ohne Zögern untetstüßt werden. Er fürchte niht, daß eine konservative oder gar eine reaktionäre Strömung die Oberhand gewinnen könne, Er vertraue auf den konstitutionellen Sinn

__des Königs, auf die d der O Meinung und auf die Standhaftigkeit der liberalen Partei. Daher ¡ebe er ruhig

der Enlwickelung entgegen, die die nächsten Tage bringen

würden. Nach diesen Aue führungen des Grafen Czaky wurde

die Parteiversammlung geschlossen. : L

Die Landtage ‘von Niederöfterreih , Oberösterreiw,

Böhmen, Mähren, Schlesien und Steiermark sind gestecn mene worden. Jm böhmischen Landtage hob der Überst-

landmarschall Fürst Lobkowiß hervor, alle Völker rüsteten sich

anläßlich des bevorstehenden Regierungsjubiläums des Kaisers

D Joseph zu Kundgebungen der Liebe für den Monarchen,

Böhmen werde hierbei nicht in leßter Reihe stehen. (Be-

s\{huß des Bundesraths für Handel und Ver-

kom- ) rmee-Korps, wird fih zur Neujahrscour bei Seiner Majestät dem Kaiser

und Pyrmont ist vorgestern zum Besuch der Königlichen Familie

oheit der Großherzog empfing gestern i in außerordentlicher n, Vize-Admiral und General-Adjutanten von Kremer behufs Entgegennahme der Notifikation der Thronbesteigung Spôâter

geisterte Zurufe.) Jeder Abgeordnete fühle gewiß das Bedürfniß, bef der Vom hd Lendues bei den fu ndgebungen mit anderen Völkern einig sei. Der Landtag möge den Landesaus\{huß beauftragen, Anträge zur Schaffung eines humanitären Instituts vorzubereiten. Die Rede des Landmarschalls, die stehend angehört wurde, wurde wiederholt von stürmishem Beifall unterbrochen. Der König beider Sizilien Franz II. is gestern in Arco CRoTRen, Er war am 16. Januar 1836 als der einzige ohn des Königs Ferdinand Il. aus dessen Ehe mit der Prin- n Marie Christine von Savoyen geboren und vermählte fia im Jahre 1850 in kinderlojer Ehe mit der Herzogin

arie in Bayern, einer Schwester der Kaiserin von

Oesterreich. | Frankreich.

Infolge eines von dem Minister des Auswärtigen Hanotaux und dem spanischen Botschafter Léon y Castillo unterzeihneten - Abkommens i} der handelspolitisch e modus vivendi zwishen Frankfreih und Spanien, der am 31. Dezember erlöschen würde, auf unbestimmte L verlängert worden und wird bis zu einer ausdrüdlichen Kündigung, die drei Monate vorher zu erfolgen hat, in Gültigkeit bleiben.

Die Armeekommission der Deputirtenkammer hat gestern die Vorlage über Spionage und Vecrath angenommen, nachdem sie den von der Regierung vorgelegten Text theilweise abgeändert hatte. Spionage wird nah diesem Gesekentwurf mit Zwangsarbeit oder Zuchthaus bestraft. Ausländer, die sih der Spionage shuldig machen, werden vor ein Kriegsgericht gestellt. Zum Berichterstatter wurde Jules Roche ernannt; derselbe wird seinen Bericht nah dem im Januar stattfindenden Wiederzusammentreten der Kammern einbringen.

_ Der Senat genehmigte gestern die provisorischen Budget- zwölftel, sowie das Geseß über die der Familie des ver- storbenen E der Deputirtenkammer Burdeau be- willigte Pension. Hierauf verlas der Justiz - Minister N das Dekret, durch welches die Sesfion geschlossen wird.

Die Deputirtenkammer genehmigte einige Geseßes- vorlagen und vertagte dann die Sißung, um die Beendigung der Arbeiten des Senats abzuwarten. Nachdem die Sißung wieder aufgenommen war, verlas der Minister - Präsident Dupuy das Dekret, betreffend den Schluß der Sesfion.

Rußland.

Der Kaiser und die Kaiserin haben, wie „W. T. B.“ meldet, für nächstes Jahr eine Reise durch ganz Rußland und den Kaukasus in Aussicht genommen. Das Weihnachts- und das Neuzjahrsfest wird das Kaiserpaar im Anitschkow- Palais verbringen.

Das in Warschau stationierte Leibgarde-St. Peters- burger Regiment König Friedrih Wilhelm'’s Il. hat am 18. d. M. von seinem Chef dem Kaiser Wilhelm, dem Del Dnzjewnik“ zufolge, das nachstehende Glücckwun)ch-Telegramm erhalten:

„Meinem Regiment \prehe Ih von Herzen Meinen Glückwunsch aus zu der Erhebung in die Privilegien der Alten Garde. Ich hoffe, daß es dieses neuen Gnadenbeweises Seiner Majestät sich stets würdig beweisen wird. Wilhelm. I. R.“

Türkei.

Eine in Tiflis erscheinende armenische Zeitung meldet aus Trapezunt, daß die Garnisonen in Türkisch-Armenien verstärkt würden.

Serbien.

__ Der Finanz-Minister Petrowic hat der Regierung amt-

lih angezeigt, daß das Uebereinkommen wegen der neuen

serbishen Anleihe endgültig in Paris unterzeichnet worden sei. Dänemark.

Die Königin leidet zur Zeit an einer Gürtelrose und muß infolge dessen das Zimmer hüten, doch befindet sih Aller- höchstdieselbe fat den ganzen Tag außer Bett. Das Allgemeine Befinden der Königin ist befriedigend.

Amerika.

: Die „New-2ork World“ meldet aus Montevideo, daß die föderierten Rebellen das Hospital in San Gabriel nieder- gebrannt hätten, wobei 121 Personen ums Leben gekommen

eien. Asien.

Nach einer Meldung des „Reuter'shen Bureaus“ aus Kanigurum wäre am 23, d. M. eine Abtheilung ab- geshickt worden, um die Posten der Mahsud-Waziris zu zerstören; diese sei am 26. Abends nach einem Scharmügel mit dem Feinde dorthin zurückgekehrt. Zwei englische Öffiziere und vier eingeborene Sepoys seien verwundet worden; die Verluste des Feindes seien - unbekannt. Eine detachierte Ab- theilung habe ebenfalls ein Zusammentreffen mit dem Feinde gehabt, über das nähere Mittheilungen fehlten.

Der „Times“ wird aus Kobe von gestern gemeldet: Tsukuba-Khan habe die Tonghaks zerstreut, die kürzlich eine toreanische Garnison in der Provinz Tschollado vertrieben hatten. Eine Abtheilung japanisher Truppen, die zur Unter- drückung des Aufstandes nah der Provinz Hwanghaido ent- sandt worden sei, sei am 23. d. M. auf fast 6000 Tonghaks gestoßen und habe diese nach vierstündige: Kampf zerstreut. Nach einer Depesche des Amsterdamer „Handelsblad“ aus Batavia von gestern habe der General-Gouverneur von Zndien die Expedition nah Lombok für aufgelöst er- klärt. Der Radja Silang von Tamjang habe sih der niederländischen Regierung ergeben. Jm Januar werde voraus- sihtlich eine Expedition nach Karang-Asem auf Bali gesandt werden, wohin der balinesishe Gesandte in Lombok Goesti Djilant ik geflüchtet sei.

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Reichstag find zugegangen : eine Denkschrift, betreffend die Verwendung des Afritafon ds, sowie Denkschriften über die unter unmittelbarer Verwaltung des Reichs stehenden Shußzgebiete (das ostafrikanishe Schußgebiet, Kamerun, das südwestafrikanisce Schutzgebiet und das Schußtzgebiet der Marshall - Inseln) mit Aus- nahme von Togo. Ferner ist dem Reichstag eine Uebersicht über den Stand der Bauausführungen und der Beschaffung von Betriebsmitteln für die Eisen La Ben in Elsaß-Lothringen und für die im ciu Luxemburg belegenen Strecken der Wilhe!m-Lurxremburg-Eisenbahnen vom 30, Sepxember 1894 vorgelegt worden.

S E s

Nr. 53 des „Zentralblatts att das Deutsche Reich“ herausgegeben im Reichsamt des Innern, vom 28. Dezember hat folgenden Inhalt: Handels- und Gewerbewesen : Bekanntmachung, betreffend die Ausfuhr der zur Kategorie der Rebe nicht gehörigen Pflänzlinge. Zoll- und Steuerwesen: Bestimmungen über die Ge: währung einer Zollbegünftigung beim Schälen von Erdnüssen. Versicherungswesen: Abänderung der Vorschriften über die Cinziehung der von den Rhedern für die Invaliditäts- und AlterbversWerung der Seeleute zu entrihtenden Beiträge. Veränderungs-® ahweisung, E Feststellung der ortsüblihen Tagelöhne gewöhnliher Tage- arbeiter.

Nr. 52 der „Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- fundheitsamts* vom 25. Dezember hat folgenden Inhalt: Personal- nahriht. Gesundheitsftand u. st. w. (Cholera u. \. w.). Zeit- weilige Maßregeln gegen Cholera 2c. Desgl. gegen Gelbfieber. Desgl. gegen Pocken. Geseßgebung u. |. w. (Preußen, NReg.-Bez. Minden). Arzneimittelverkehr außerhalb der Apotheken. (Baden.) Kunstweinfabrikation. (Lichtenstein.) Dresdner Uebereinkunft. (Schweiz, Kanton Glarus.) Reinhaltung von Brunnen, Wegen 2. (Dänemark.) Apothekenkonzessionen. (Straits Settlements.) Menschen- und Thierseuchen. (Vereinigte Staaten von Amerika.) Quarantäne. Gang der Thierseuchen in den Niederlanden, 1892. Zeitweilige Maßregeln egen Thierfeuchen. (Deutsches Reich.) Rechtsprehung. (Preuß. Ober-Verwaltungs- gericht.) Privatkrankenanstalt. Vermischtes. (Hamburg.) Che misches Staatslaboratorium, 1893. (Belgien.) Bewegung der Bevölkerung in Brüssel, 1893. Wochentabelle über die Sterbe- fälle in deutshen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäufern deutscher Großstädte. Desgl. in deutshen Statt- und Landbezirken. Witterung.

Nr. 52 des „Zentralblatts der Bauverwaltung*, herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 29. Dezember, hat LeSS Snhalt: Gerichtsbauten in Oels in Schlesien. Dás Kastell Saalburg bei Homburg v. d. Höhe. Regulierung der Flüfse für das Niedrigwasser. (Schluß.) Ver« mischtes: Besuchziffer der Königlichen Technishen Hochschule in Han- nover im Winter-Halbjahr 1894/95. Sicherheitsweihe. Wagen- \chieber. Elektrisch betriebene Eisenbahnen in Europa. Un- S 5 E einer hölzernen Fahwerkbrücke. Bücherschau. Neue Patente.

Entscheidungen des Reichs8gerichts.

Eine in der Ausübung der Jagd begriffene Person, welche \ickch weigert, einem zuständigen Beamten auf dessen Verlangen ihren Jagdschein vorzuzeigen, is, nach einem Urtheil des Reichs- gerihts, II. Strafsenats, vom 19. Juni 1894, in Preußen wegen Sagdkontravention aus § 16 Abs. 3. des Jagdpolizeige|eßes vom 7. März 1850 (,Wer seinen Jagdschein bei Ausübung der Jagd nicht bei sich führt, den trifft eine Geldstrafe bis zu 15 4") zu bestrafen, selbft wenn er eiñen ordnungsmäßigen Jagdschein bet [ih führt. Der Königliche Oberförster T. hörte eines Tages aus der Richtung eines an das Königliche Forstrevier grenzenden Pa O Schüsse und beauftragte infolge dessen den Königlichen

orstaufseher K., zu ermitteln, wer dort jage. K.- traf auf dem Felde in der Nähe des Waldes den mit einem Gewehr ausgerüsteten, jagenden Sch. und forderte ihn auf, L Jagdschein vorzuzeigen. Kurz vorher hatte Sch. dem in der Nähe befindlihen Gendarmen Z. seinen Jagdschein vorgezeigt, und Z. kam auch heran und theilte dem K. mit, daß Sch. einen Jagdschein mit sih führe. Aber K. beruhigte ih nicht damit, sondern verlangte von Sch., ihm den Jagdschein vor- zuzeigen. Sch. verweigerte die Vorzeigung. Sch. wurde in der Folge von der Strafkammer wegen Jagdkontravention aus § 16 Abs. 3 des Jagdpolizeigeseßes verurtheilt. Die Revision des Verurtheilten wurde vom Reichsgeriht verworfen, indem es begründend aus- führte: „Mit Strafe bedroht wird in dem 3. Abs. des § 16 Jagd- polizeigeseßes auch derjenige, welher einen Jagdschein gelöst hat, wenn er ihn bei der Jagdausübung nicht bei sih führt. Schon daraus, daß dem Erwerb und Besiß das „Beisichführen“ gegenübergestell! wird, ist zu entnehmen, daß durch das Beisichführen jagdpolizeilihe Interessen gewahrt werden sollen, welche in dem bloßen Besiß des Jagdscheins keinen genügenden Schuß finden können. In welcher Weise diese Interessen gewahrt werden follen, wird durch die Bestimmung des §14, daß der Jagdausübende den zu seiner Legitimation die- nenden Jagdschein stets mit sihzu führen hat, zum Ausdruck gebracht. Wer die Jagd ausübt, soll in der Lage und gehalten sein, sih auf der Stelle durch den mitgeführten Jagdschein zu legitimieren, damit die mit dem E betrauten Beamten in den Stand geseßt werden, geeignete und wirksame jagdpolizeilihe Maßnahmen ohne Verzug vor- zunehmen. Eine in der Ausübung der Jagd begriffene Person, welche sich weigert, einem zuständigen Beamten auf dessen Verlangen den Jagdschein vorzuzeigen, führt keinen Jagdschein, gleichviel, ob fe einen solhen zur Hand hat oder nicht, zum Zweck ihrer Legitimation bei sih und verfällt deshalb dec im § 16 Abs. 3 des Jagdpolizet- geseßes angedrohten Strafe.“ (1888/94.)

Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts.

Als cin Neubau im Sinne des § 11 des Baufluchten- P leges vom 2. Juli 1875 („Mit dem Tage der Offenlegung des Plans tritt die Beschränkung des Grundeigenthümers, daß Neubauten, Um- und Ausbauten über die Fluchtlinie hinaus versagt werden können, endgültig ein“) ist, nah einem Urtheil des Ober-Verwaltungs- gerihts, 1V. Senats, vom 26. September 1894, zu erahten dic Erneuerung eines Vorbaues in so erheblihem Um- fange, daß die nicht erneuerten Theile des Vorbaues gegen die erneuerten byöllig zurücktreten. Der Hauseigen- thümer K. in Königsberg hat: daselbst in der M.-Straße ein Haus nebst einem Vorbau. Dieser Vorbau springt in der ganzen Breite des Gebäudes von zirka 7 m durhschnittlich 2 m weit über die im Jahre 1887 festgestellte Baufluchtlinie vor. An seiner Hinterseite lehnt sih der Vorbau an das Wohngebäude an, und die linke Seitenwand ist zugleich Seitenwand des angrenzenden nachbar- lihen Vorbaues. Das Dach des Vorbaues is ein Pappdach und der Fußboden ift gedielt. Dieser Vorbau bedurfte einer gründlihen Ne- paratur, und K. ließ - die ganze Vorderwand, die rechte Seitenwand sowie die gesammte Fußbodendielung völlig erneuern, sodaß uur das alte Dah und die linke Seitenwand stehen blieben. Der Polizei - Präsident erachtete diese Wiederherstellung als einen Neubau im Sinne des § 11 des Baufluchtengeseßes und verfügte die Beseitigung des über die Fluchtlinie herausragenden Vorbaues. Die Klage des Hauseigenthümers wurde vom Ober-Ver- waltungsgeriht zurückgewiefen, indem es begründend ausführte: „. .- Der Gerichtshof hat mit dem Beklagten (dem Ober-Präsidenten) an- enommen, daß sich hier ein Neubau im Sinne des § 11 Gef. vom . Juli 1875 vollzogen hat. Damit stehen auch die Ausführungen in dem von ‘den Parteien erwähnten Erkenntniß des O.-V.-G. vom 9. Dezember 1890 in Sachen L./Ober-Präsidenten nicht in Wider- fpruch. Denn der in jenem Erkenntniß behandelte Fall lag wesentlich. anders, als der hier streitige. In jenem Fall bestand der Vorbau aus einem Bauwerk, welches sich noch 1,25 m unter den Erdboden hinab erstreckte, und es waren beidem in Frage kommenden Bau die sämmtlichen den Keller bildenden Wände, ferner oberhalb der Erde die vier gemauerten Seitenwände unberührt geblieben und nur das Dach und die Vorderwand fast gänzlich erneuert. Es liegt e der Hand, daß der hiér vorliegende Fall mit jenem keineswegs auf die gleiche Stufe gestellt werden kann. Wenn es in jenem Erkenntnisse heißt,

daß die bestehen gebliebenen Bestandtheile ihrem Umfange und ihrex

_“ vorhanden.

fonstruktiven Bedeutung nah zu erheblich seien, um in der Ecneue-

rung der übrigen Theile einen Neubau des ganzen Bauwerks zu er- blicken, so trifft ein Gleiches hier nicht zu; denn - hier haben gerade die der “Erneuerung unterzogenen Theile des Bauwerks dem Umfang und der Konstruktion nach eine so erheblihe- Bedeutung, daß die unberührt gebliebenen Theile dagegen völlig zurücktreten und von einer bloßen Reparatur niht füglih- mehr die Rede sein kann. War fonac die Klage ab- zuweisen, so soll doh darauf hingewiesen werden, daß das durch die Beseitigung des Vorbaues frei werdende Terrain des Klägers nicht ohne weiteres Straßenterrain wird, solange es zu diesem Zwecke niht sei es durch Vertrag, Enteignung oder fonfstwie von der Stadtgemeinde erworben oder font durch Bestimmung der Rechtsbetheiligten, zu denen auch der Eigenthümer gehört, Theil der Straße geworden ift, daß vielmehr dem Eigenthümer immer noch das Necht zusteht, sein Terrain zu polizeilich erlaubten Zwecken zu nugen und zu diesem Zwecke einzufriedigen.*“ (I1V 1135.)

Statistik und Volk8wirthschafx.

Auswärtiger Handel.

Das vom Kaiserlihen Statistishen Amt herausgegebene No- vemberheft der Monatlihen Ausweise über den Aus- wärtigen Handel des deutschen Zollgebiets zeigt in Ein- und Ausfuhr eine niht unerheblihe Zunahme gegen das Vorjahr.

Eingeführt wurden im Verlauf der ersten 11 Monate des Jahres 1894 aus dem Zollausland 296 246 148 (100) kg gegen 274 397 536 (100) kg des gleihen Vorjahrzeitraums, also um 21 848 612 (100) kg mebr. Auf den Monat November 1894 treffen 29546204 (100) kg gegen 26 845 639 (100) kg des gleihen Vorjahr-Monats, also um 2700 565 (100) kg mehr. Auf einen Monat des Jahres 1894 treffen im Durchschnitt 26 931 468 (100) kg, sodaß der November das Durchschnittsmittel der elfmonatlichen Einfuhr um 2 614 736 (100) kg übersteigt. Die Einfuhr der Edelmetalle betrug im November 1894: 1086 (100) kg und im Januar bis inkl. Rovember 1894: 8100 (100) kg.

Die Gesfammt- Ausfuhr der verflossenen 11 Monate des Jahres 1894 ergab 208 463 585 (100) kg gegen 194 426 992 (109) kg des gleihen Borjahrzeitraums, also um 14 036 593 (100) kg mehr. Auf den Monat November 1894 treffen hiervon 22 074 935 (100) kg gegen 91 193 412 (100) kg des gleihen Vorjahr-Monats, also um 881 523 (100) kg mehr. Das Durchschnittsmittel der elfmonatlichen Ausfuhr des Jahres 1894 beträgt: 18 951 235 (100) kg, sodaß die November-Ausfuhr dieses Mittel um 3 123 700 (100) kg über- Ae. Die Ausfuhr an Edelmetallen betrug 302 (100) kg im November 1894 und 4213 (100) kg in den vergangenen 11 Mo- naten. An der Mehr-Einfuhr partizipieren Getreide, Erze, Steine, Steinkohlen, Vieh, an der Mehr-Ausfuhr: Eisen und Eisenmaaren, Droguerie- und Farbwaaren, Instrumente, Maschinen und Fahrzeuge, Wollwaaren, "Erden und Erze, sowie Steinkohlen und Koks. An Ge- treide und landwirthschaftlichen Erzeugnissen wurden ftatt 2 449 710 (100) kg wie im Vorjahre, 4014815 (100) kg ausgeführt. Die Ausfuhr an Baumwoll-, Leinen- und Seidenwaaren hat abgenommen.

Statistik der katholischen Kirche.

Dem nunmehr im 17. Jahrgange vorliegenden „Taschenbuch für den katholis{hen Klerus“ für das Jahr 1895 (Würzburg, Ettlingersche Verlagshandlung) is eine auf zuverlässigen Quellen Gerarchia cattolica, direkte Mittheilungen beruhende „allgemeine Statiftik der katholischen Kirche" beigegeben, aus der wir im folgenden eine Anzahl der wichtigsten Angaben zusammenstellen.

Die hierarhischen Sitze der katholishen Kirhe (außer dem apostolischen Stuhl) laffen sih in folgende Hauptgruppen zerlegen :

1). Das M L Kollegium: a. Suburbikarische ig- thümer 6, b. Titular-Kirchen 53, c. Diakonien 16, zusammen 75 ;

2) Patriarchal-Sitze: a. des lateinishen Ritus 8, b. des orientalisben Ritus 5, zufammen 13; ;

3) Erzbischs flihe Sitze: a. des lateinishen Ritus 176, b. des orientalischen Ritus 23, zusammen 199;

4) Bischöfliche g a a. des lateinishen Ritus 712, b. des orientalischen Ritus 46, zusammen 758; E

5) Prälaturen nullius dioeces6os 17; Gesammt- zahl der Sitze 1062. i :

Hierzu kommen noh 8 apostolisheDelegationen, 120 apostolische Vikariate und 39 apostolishe Präfekturen, also 167 weitere Sitze, so daß die Gesammtzahl der leßteren auf 1229 steigt.

Das heilige Kollegium bestand zur Zeit des Redaktions- \{lufses aus 6 Kardinal-Bischöfen, 50 Kardinal-Priestern und 7 Kardinal-Diakonen; es war also nahezu ein Sechstel der Stellen unbeseßzt. Von den 63 Kardinälen ftammten 9 noch aus dem Pontifikat Pius? IX., und zwar der älteste (Theodulph Mertel) aus dem Jahre 1858, einer aus dem Jahre 1866, 2 aus 1868, je 1 aus 1873 und 1875, und 3 aus 1877. Alle übrigen Mitglieder des Kollegiums sind von dem jeßigen Papste zu Kardinälen ernannt worden, nämlich 2 im Fahre 1879, 1 im Jahre 1882, 6 in 1884, 3 in 1885, 4 in 1886, H in 1887, 6 in 1889, 1 in 1890, 2 in 1891, 19 in 1893 und 5 in 1894. Recht erheblih find die Unterschiede des Lebensalters: Fe 1 Mitglied des Kardinalkollegiums ist in den Jahren 1806 (wieder Theodulph Mertel), 1807, 1809, 1810, 1811, 1813, 1814 und 1816

eboren, je 2 in 1817, 1819 und 1820, 1 in 1821, 2 in 1822, je 3 in

1823 und 1824, je 1 in 1825 und 1826, 4 in 1827, 5 in 1828, je 1 in 1829 und 1830, 2 in 1831, 4 in 1832, 2 in 1833, 4 in 1834, 1 in 1835, 3 in 1836, je 1 in 1837 und 1838, 3 in 1840 und je 1 in den Jahren 1841, 1843, 1844, 1847, 1850 und 1851.- Zwischen dem ältesten und jüngsten Mitglied dés heiligen Kollegiums (Dominicus Svampya, Erzbischof von Bologna) ist also ein Altersuntershied von 45 Jahren ; ersteres ift z. Z. 88, leßteres 43 Jahre alt. Nach ihrer Gebürtigkeit stammen 33 Kardinäle aus Italien, 7 aus Frankreich, je 5 aus Spanien und Oesterreih-Ungarn, 4 aus Deutschland, je 2 aus Portugal und Irland, je 1 aus Belgien, England, Polen, Canada und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Patriarchal-Siße des lateinishen Ritus find Kon- ftantinopel, Alexandrien, Antiochia, Jerusalem, Venedig, Lifsabon, Westindien (Erzbishof von Toledo), Ostindien (Erzbishof von Goa). Drei dieser Patriarchen (Venedig, Lissabon ‘und Westindien) sind Mitglieder des Kardinalkollegiums. Die Siße des orientalischen Ritus sind Antiochia [für die Maroniten (Residenz: Dschebail), Melchiten (Residenz: Damaskus), Syrier (Residenz: E, Babylon [für die Chaldäer (Residenz: Mossul)], Cilicia [für die Armenier (Residenz: Konstantinopel). |

Die Sitze der apostolishen Delegationen sind Korstantinopel, Griechenland, Ostindien, Mesöpotamien - Kurdistan - Kleinarmenien, Persien, Syrien, Egypten- Arabien und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Elektrische Bahnen in Europa.

Nach der vom „Zentr.-Bl. d. Bauv." mitgetheilten Zusammen- stellung einer elektrishen Zeitschrift waren am 1. Januar 1894 in Guropa 43 elektrishe Bahnen mit einer Gesammtlänge von 290 km Die Gesammtleistung der Kraftstationen belief si auf 10 650 Kilowatt. Die Zahl der Antriebwagen betrug 538. An diesen Bahnen nahmen theil : Deutschland mit 100, England mit 70,

rankrei mit 40, Oesterreich - Ungarn mit 30, die Schweiz mit 20, panien mit 13, Italien mit 11 und Rußland und Belgien mit je

3 Betriebs-Kilometern.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Essen wird vom deutschen Bergarbeiter-Kongr weiter berichtet, daß das Ergebniß der gestrigen Verhandlungen eine Reihe von Entschließungen bilden, durch welche die Tagesordnung erledigt wurde und in denen einzelne Wünsche und Beschwerden zum

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Ausdruck kommen. Der Kongreß wurde gestern Abend geshlofsen ; es wird eine jährlihe Wiederholung geplant.

In Breslau wurde am 25. Dezember ein Parteitag der

polnuishen Sozialdemokraten eröffnet, auf dem nah dem Vorzoârts“ Abgesandte aus Berlin, mburg, Posen, Breslau, Krakau, Gnesen, Zabrze und anderen Orten anwesend waren. Der Parteitag beschästigte si u. a. auch mit der Landagitation. In Gera haben die Sozialdemokraten einer Mittheilung desselben Blattes zufolge über drei Lokale, deren Besißer ihre Räume niht zu ‘fozialdemokratishen Versammlungen hergeben wollen, die „Sperre * verhängt.

Einer St. Peitesdurger Mittheilung der „Voss. Ztg.“ zufolge kam es in Perejaslawl-Saleßli (Gouv. Wladimir) am 17. De- zember auf der Aktien-Baumwollspinnerei zu Arbeiterunruhen, die durch Beschränkung des Verdienstes der Arbeiter {on seit vielen Wochen vorbereitet waren. Am Nachmittag des 17. Dezember rotteten die Arbeiter \sch zusammen und forderten, des man sie an den Weihnachtsbelohnungen, die aus den Strafsummen an die Beamten vertheilt werden sollten, theilnehmen lasse. Die Lage war sehr ernft, denn die Zahl der Männer und Weiber auf der Fabrik beträgt 2000. Der Direktor, ein Engländer, wurde geschlagen und entzog sih weiteren Mißhandlungen durch die Flucht ; seinem Beispiel folgten dann die Beamten der Fabrik, die somit \chließlich in den Händen der Tumultuanten war, welche die Treib- riemen durchs{chaitten und Webstühle verdarben. Später warfen die Arbeiter die Fenster der Beamtenwohnungen und theilweise auch des Fabrikgebäudes cin. Abends trat Ruhe ein. Das reguirierte Militär fand bei seinem Eintreffen auf der Fabrik völlige Ruhe.

Kuust und Wissenschaft.

Die Erben des kürzlich N Botanikers Geh. NRegierungs- Naths Prof. Pringsheim haben, wie die „Nat.-Ztg.°“ erfährt, dessen Bibliothek nebft 25 000 4A zur Unterhaltung derselben der Deutschen Botanischen Gesellschaft, welher der Dahin- geschiedene seit ihrer Begründung im Jahre 1883 als Präsident vor- gestanden hat, zum Geschenk angeboten. Die Gabe ift mit Dank angenommen worden, obwohl die Gesellschaft fazungsmäßig keine Bibliothek anlegt.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- z Maßregeln.

Portugal.

Durch Verfügung des Königlich portugiefischen Ministeriums des Innern find die russifchen Häfen am Schwarzen Meer und am Rigaschen Meerbusen seit dem 15. d. M. für rein von Cholera er- flärt worden. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 126 vom 31. Mai und Nr. 198 vom 23. August d. I.)

: Numänien.

Die Königlih rumänishe Regierung hat beschlossen, vom 19, d. M. ab sämmtliche sanitären und prophylaktishen Maßnahmen aufzuheben, welhen die aus G über die befsarabishen Ein- bruchsstellen nach Rumänien kommenden Reisenden seit dem 20. August d. J. unterworfen waren. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 198 vom 23. August d. J.)

Argentinien.

Durch Regierungsdekret vom 24. v. M. sind sämmtliche Häfen Deutschlands für rein von Cholera erklärt worden. Schiffe, welche seit dem 6. d. M. ans den genannten Häfen abgegangen M werden in Argentinien zum freien Verkehr zugelassen. (Vergl. „Reichs-Anz.“ Nr. 219 vom 17. September und Nr. 272 vom 17. November d. J.)

Uruguay.

Durch Verfügung der Regierung zu Montevideo find sämmtliche Häfen Deutschlands für rein von Cholera erklärt worden. Infolge dessen ist die bisherige Quarantäne gegen Herkünfte von Deutschland für solhe Schiffe aufgehoben worden, welche seit dem 6. d. M. aus den genannten Häfen abgegangen sind. (Vergl. „R.-Anz.“ Nr. 224 vom 22. September und Nr. 281 vom 29. November d. I.)

ufolge Verfügung der Gesundheitsbehörde in Montevideo haben ih Passagiere der aus den Hâfen von Rio de Janeiro und Santos seit dem 25. v. M. abgegangenen Schiffe aaf der Insel Flores einer gründlichen ae T nebst Desinfektion der s{chmußtzigen Wäsche zu unterziehen. Die Schiffe selbst, sofern dieselben nah Buenos Aires oder der Westküste weitergehen, bleiben während des Aufent- halts im Hafen von Montevideo in Quarantäne.

Egypten.

Zufolge Beschlusses des internationalen Gesundheitsraths in Alexandrien vom 2. ‘d. M. werden in Egypten Herkünfte von der Küstenstrecke des Golfs von Adalia zwischen Keladonia ‘und Anamour erft dann zum freien Verkehr zugelassen, wenn die vorgenommene ärztlihe Untersuhung (ohne Desinfektion) günstig ausgefallen ist, und fünf volle Tage seit dem Abgang aus dem genannten. Gebiet ‘ver- flossen find. 7 Cholera. :

Deutsches Reich. Vom 17. bis 24. Dezember Mittags wurden, wie in den „Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheitêamts“ mit getheilt wird, Cholerafälle niht angezeigt.

Oesterreih-Ungarn. In Galizien wurden, der „Oest. San.-W.* zufolge, vom 10. bis 16. Dezember 177 Erkrankungen und 92 Todesfälle zur Anzeige gebraht. Die Gesammtzahl der Erkran- kungen und Todesfälle in Galizien betrug vom 7. April bis 16. De- zember 14 863 bezw. 8165.

Rußland. Dem Medizinal - Departement wurden vom 17. November bis 1. Dezember folgende Cholerafälle angezeigt : Er- frankungen bezw. Todesfälle: Im Gouvernement Petrikau vom 11./11. bis 24./11. 50 bezw. 20, Kowno vom 11./11. bis 17./11. 27 bezw. 14, Kurland vom 4./11. bis 10./11. 2 bezw, 1, Wilna vonms- 11./11. bis 24./11. 25 bez. 9, Lublin vom 28./10. bis 10./11. 27 bezw. 13, Wolhynien vom 4./11. bis 10./11. 3 bezw. 2, Podolien (eins{l. Nachtrag) vom 11./11. bis 17./11. 475 bezw. 202, Bessarabien vom EL/LE bis 17./11. 13 bezw. b, Taurien vom 4./11. bis 17./11. 59 bezw. 31, Kiew vom 11./11. bis 17./11. 35 bezw. 21, Tschernigow vom 4./11. bis 17./11. 45 bezw. 14, Minsk vom 11./11. bis 24./11. 93 bezw. 5, Witebsk vom 11./11. bis 17./11. 4 bezw. 3, Archangel

11 bezw. 1, Rjäsan vom 4./11. bis 17./11. 13 bezw. 7, Jekaterinoslaw vom 11./11. bis 17./11. 11 bezw. 7, Tiflis vom 4./11. bis 10./11. 3 bezw. 3, Baku vom 4./11. bis 10./11. 1 bezw. 1, Saratow vom 11./11. bis 17./11. 2 bezw. 1, Perm vom 4./11. bis 10./11. 10 bezw. 6. Laut Bekanntmachung des Medizinal-Departements im Regierungs- Anzeiger vom 13. Dezember ist die Choleraepidemie in den Gou-

erloshen. Der Minifter des Innern hat demzufolge diese beiden

Departements als ungefährlich erklärt. : Türkei. In der Stadt Adalia wurden vom 3. bis 8, De-

zember 52 Erkrankungen (22 Todesfälle), tn dem Bezirk Kozan (Vilajet Diarbekir) vom 25. November bis 8. Dezember 20 (14), in der Stadt Diarbekir vom 3. bis 9. Dezember 10 (10) sritge tellt. Ostindien, Kalkutta. Vom 28. Oktober bis 10. November ftarben 29 Personen an Cholera. N Podcken. Tunis. Nachrichten aus den leßten Tagen des November zu- folge find die Pocken in epidemischer Form aufgetreten.

Handel und[]Gewerbe.

Der Zentralausschuß der Reihsbank versammelte sich heute Vormittag 10 Uhr im Reichsbankgebäude. Die

ahlen, welche der Vorsizende, Reihsbank-Präsident, Wirkliche Veheine Rath Pr. Reh vortrug und erläuterte, ergeben

vom 28./10. bis 3./11. 4 bezw. 3, Jaroslaw vom 11./11. bis 17./11. |

vernements Wologda und Cherson seit dem 15. bezw. 18. Oktober“

eine ungemein starke Position. Die Anlage ist- wesentlich E fleiner als um vie leihe Zeit g Vorjahre, namenilich im Lombardgeschäft, obschon fie allerdings, wie ftets zum Jahress{luß , jeßt im Steigen Me ift. Der Metallvorrath - hat * zwar in der leßten Wo

als im Jahre 1893 abgenommen, is aber größer, a er jemals um diese Zeit gewesen is. Der Go vorrath der Reichsbank ist noch niemals so groß gewesen als jeßt; er beträgt 217 Millionen mehr als 1893, 252 Millionen mehr als am 1. Januar 1894. Bei den dauernd günstigen“ Wechsel- kursen hat die Reichsbank an Barren und Sorten 231 Millionen Mark im Jahre 1 angekauft, während im Jahre 1893 nur 106 Millionen, im Jahre 1892 sogar nur 11 Millionen angekauft worden sind. Die fremden Gelder haben in der lezten Woche \ih mehr vermindert als in der gleichen Woche des Vorjahres, betragen aber 94 Millionen mehr als 1893 und sind au höher als in den Jahren 1889 bis 1892. Der Notenumlauf is um 80 Millionen größer als 1893, die Noten-Reserve aber, obshon jeßt die Ueberdeckung verschwunden is, um 135 Millionen. Der Zinsfuß am offenen Markt is etwas gestiegen, aber noch immer für die len Tae cie des Jahres sehr niedrig. Eine Aenderung der offiziellen Rate ist nicht beabsichtigt.

Tägliche Wagengestellung fir Kohlen und Koks an der Ruhr und in Dberschlesien.

_ An der Ruhr find am 27. d. M. gestelit 10730, nit rect» ¡eitig geftellt keine Wagen. In Oberschlesien find am 24. d. M. geftellt 2796, niht recht- zeitig geftellt keine Wagen.

Von den „Mittheilungen des Haftpflicht-Schug- verbandes deutsher Jndustrieller“, die von dem Verbands« vorstande herausgegeben, von Profeffor Dr. R. van der Borght- Aachen redigiert werden und in zwanglosen Heften erscheinen, liegt ein drittes Heft vor, das außer zahlreichen Prototollen folgende Artikel ent- hält: Der III. internationale Kongreß für Arbeiterunfälle und soziale Versicherung. Von Professor Dr. R. van der Borght - Aachen. Neber die Nothwendigkeit, die Unfallversiherung auf alle Unfälle aus- zudehnen, die direkt oder indirekt durh einen Gewerbebetrieb veran- laßt sind. Von Tee Dr. R. van der Borght-Aachen. Die Reform der Unfallversfiherung. Kurze Abhandlungen über die neuere Rechtsprehung in Unfallsahen. Von Rechtsanwalt Krafft - Köln. Einige Fälle über die S „Dritter“ aus § 98 des Unfall- versiherungsgeseßes vom 6. Juli 1884. Mitgetheilt von A. Shwanck- Köln. Bericht über den Stand der anderweiten Regelung des Gut- achtenwesens im Strafprozesse.

Die nächste Börsenversammlung zu Essen findet am 31. Dezember 1894 im „Berliner Hof“ ftatt.

Einer Meldung der „Frkf. Ztg.“ aus Wien zufolge ift der Vertrag zwischen der serbischen Regierung und dem Banken- Konsortium wegen der serbishen Konversions-Anleihe gestern

unterzeichnet worden.

Magdeburg, 27. Dezember. (W.- T. B.) Zuckerbericht. Kornzucker exkl, von 92% —, neue 9,20—9,30. Kornzucker exkl, 88 9/6 Rendement 8,60—8,80, neue 8,70—8,80, Nachprodukte exkl., 75 9/9 Rendement 5,80—6,50. Geschäftslos. Brotraffinade 1 —,—. Brotraffinade 11 —,—. Gem. Raffin. mit Faß 20,50—21,50. Gem. Melis 1 mit Faß 19,50. Still. Rohzucker 1. Produkt Transito f. a. B. Hamburg pr. Dezember 8,724 Gd., 8,824 Br., pr. Januar 8,75 Gd., 8,824 Br., pr. März 9,00 Gd., 9,05 Br., pr. April- Mai 9,15 Gd., 9,173 Br. Still.

Letpzig, 27. Dezember. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B pr. Dezember ä#, pr. Sanuar 2,75 4, pr. Februar 2,75 4, pr. März 2,774 #4, pr. April 2,80 „, pr. Mai 2,80 4, pr. Juni 2,85 #4, pr. Juli. 2,85 M, pr. August 2,875 A, per September 2,90 4, per Oktober 2,923 H, per November 2,925 4 Umsay 10000 Ke. °

Leipzig, 27. Dezember. (W. T. B.) Die während der bevor- stehenden Neujahrsmesse in den Räumen der Leipziger Börsenhalle abzuhaltende Garnbörse wird Freitag, den 4. Januar 1895 ihren Anfang nehmen.

Mannheim, 27. Dezember. (W. T. B.) Produktenmarkt. Weizen pr. März 13,85, pr. Mai 13,80, pr. Juli 13,80. 2 en pr. März 11,65, pr. Mai 11,75, pr. Juli 11,85. Hafer pr. Tj 12,15, pr. Mai 12,20, pr. Juli 12,50. Mais pr. März 11,50, pr. Mai 11,40, pr. Juli 11,25. :

Bremen, 27. Dezember. (W. T. B.) Börsen-Silußbericht. Raffiniertes Petroleum. (Offizielle Notierung der Bremer Petroleum-Börse.) Ruhig. Loko 5,35 Br. Baumwolle. Stilt. Upland middl. loko 285 4. Schmalz. Matt. Wilcox 374 H, Armour shield 364 „A, Cudahy 374 „Z, Fairbanks 30 S. Sped. Niedriger. Short clear middl. loko 35, Dezember-Januar- Abladung —. Taback. Umsatz: 9 Faß Kentucky.

Wien, 28. Dezember. (W. T. B.) Die Brutto-Einnahmen der D rientbahnen betrugen in der 47. Woche (vom 19. November bis 2%. November 1894) 238 446,49 Fr., Abnahme gegen das Vorjahr 43 443,10 Fr. Seit Beginn des Betriebsjahres (vom 1. Januar bis 95. November 1894) betrugen die Brutto-Einnahmen 9 928 475,93 Fr., Abnahme gegen das Vorjahr 1 358 061,93 Fr.

Pest, 27. Dezember. (W. T. B.) Produktenmarkt. Weizen matter, pr. Frühjahr 6,67 Gd., 6,69 Br., per Herbst 6,97 Gbd., 6,99 Br. Roggen pr. Frühjahr 5,57 Gd., 5,99 Br., Hafer pr. rithe jahr 5,94 Gd., 5,9» Br., Mais yr. Mai-Juni 6,25 Gd., 6,27 Br. Kohlraps pr. Auguft-September 10,70 Gd., 10,80 Br.

London, 27. Dezember. (W. T. B.) An der Küste 1 Weizena ladung angeboten. : N

960%/ Favazuck er loko 113 ruhig. Rüben-Rohzucke»v loko 8 rubig. Chile-Kupfer 415/16, pr. 3 Monat 411/16.

Liverpool, 27. Dezember. (W. T. B.) Offizielle Notie- rungen. American good ordin. 23, do. low middling 27, do. middling 3/32, do. good middling 318/32, do. middling fair 38,

ernam fair 38, do. good fair 319/16, Ceara fair 38, do. good fair 13/16, Egyptian brown fair 311/16, do. do. good fair 41/16, do. do. ood 41, Peru rough good fair 55/16, do. do. good 57/16, do. do. fine 58/16, do. moder. rough fair 41/16, do. do. good Mir 47/16, do. do. good 47, do. smooth fair 32, do. do. good fair 34, M. G. Broah good 2/16, do. fine 39/16, Dhollerah good 2, do. fully good 23, do. fine 215/16, Oomra good 22, do. fully good 23, do. fine 21/16, Scinde good fair 2, do. good 24, Bengal fully good 27/16, do. fine 211/16.

Glasgow, 27. Dezember. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 4310 Tons gegen 2649 Tons in derselben Woche des Long Jahres. j;

Bradford, 27. Dezember. E: . B.) Wolle fest, ruhig; Exportgarne thätiger; in Stoffen gutes Geschäft.

Aa lerdem, 97. Dezember. (W. T. B.) Jaya-Kaffee good ordinary 51. Bankazinn 38.

New-York, 27. Dezember. (W. T. B.) Die Börse eröffnete mit weichender Tendenz; im weiteren Verlauf wurde die Stimmung recht gedrückt, der B, war im allgemeinen shwach. Der Umsaß der Aktien betrug 93 Stück. ;

Weizen eröffnete fefhy e im weiteren Verlaufe it iee Käufe und unbedeutender An ünfte im Are sowie auf Käu : das Ausland, alsdann trat infolge von Realisierungen in New-York Abshwächung ein. Schluß shwah. Mais einige eit nah Er- öffnung anläßlih der Abnahme der erwarteten Ankünfte steigend, fank später entsprehend der Mattigkeit in den Weizenmärkten. l

Weizen - Verschiffungen der es Woche von dei atlantischen Häfen der Vereinigten taaten nah

britannien 81 000, do. nach Frankreich —, do. nach* ander