1913 / 273 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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das ausschließliche Eigentum der offenen Handelsgesellschaft

erbauten, bisher unter norwegisher Flagge und unter dem Namen „Regona“ gefahrenen Dampfschiffe „Central“ von 196,24 Regi tertons Nettoraumgehalt nah dem Uebergang in

aulsen u. Joers in Kiel, welche Kiel als Heimatshafen des chiffes angegeben hat.

Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht : infolge der von der EStadtverordnetenversammlung in Köslin getroffenen Wahl den Magistratsassessor Dr. jur. Eduard Alexander in Bromberg als besoldeten Beigeordneten (Zweiten Bürgermeister) der Stadt Köslin für die geseßliche Amtsdauer von zwölf Jahren zu bestätigen.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Der Gewerbeassessor Dr. Tittler in Ratibor ist zum 1. Januar 1914 nach Halle a. S. verseßt und mit der zunächst kommissarischen Verwaltung der dortigen Gewerbeinspektion

beauftragt worden.

Ministerium der geistlihen und Unterrichts- angelegenheiten.

Dem Direktorialassistenten am Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer Dr. Erwin Hinze in Breslau

ist der Titel Professor und . / dem städtishen Kapellmeister Gustav Müller in Nord-

hausen der Titel Königlicher Musikdirektor verliehen worden.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Der Kreistierarztassistent Dr. Müller in Jllowo ist in die Kreistierarztassistentenstelle in Eydtkuhnen versezt worden.

Finanzministerium.

Dem Regierungsrat Hoffmann in Magdeburg ist die Stelle eines Mitglieds bei der Oberzolldirektion in Berlin ver- liehen worden.

Bekanntmachung.

Gemäß $ 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Juli 1893 (G.-S. S. 152) wird hiermit zur öffentlihen Kenntnis gebracht, daß der im laufenden Steuerjahre zu den Kommunalabgaben einshäßbare Reinertrag aus dem Betriebs- jahre 1912/13 bei der Bran denburgishenStädtebahn auf

80 000 6 festgestellt worden ist.

Magdeburg, den 15. November 1913.

Der Königliche Eisenbahnkommissar. Sommer.

Belauntmachung.

Jn Gemäßheit des 8$ 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Juli 1893 (G.-S. S. 152) wird hiermit zur öffent- lichen Kenntnis gebracht, daß das im laufenden Jahre kfommunal- abgabepflichtige Reineinkommen der Freien Grunder Eisen- bahn aus dem Betriebsjahre 1912 auf festgestellt worden ist.

Frankfurt (Main), den 15. November 1913.

Der Königliche Eisenbahnkommissar. J. V.:-Rdeépler.

Bekanntmachung.

Gemäß $8 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Juli 1893 (G.-S. S. 152) wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der im laufenden Steuerjahre zu den Kommunal- abgâben einshäßbare Reinertrag aus dem Betriebsjahre 1912/13

bei der Nauendorf-Gerlebogker Eisenbahn bezüglich

ihrer preußischen Stre>e auf 23 205 M 28 3 festgestellt worden ist. Magdeburg, den 15. November 1913.

Der Königliche Eisenbahnkommissar. Sommer.

Beta tmagÿu na:

Der Vorschrift im $ 46 des Kommunalabgabengeseßes vom 14. Juli 1893 (G.-S. S. 152) entsprehend wird zur öffentlihen Kenntnis gebracht, daß der im Steuerjahr 1913 einshäßbare Reinertrag aus dem Betriebsjahre 1912 für die in Men en gelegene Teilstre>e der Gera-Meuselwiß-

uißzer Eifenbahn auf 32942 M 62 H festgestellt worden ist.

Erfurt, den 16. November 1913.

Der Königliche Eisenbahnkommissar. Kindermann.

Bol >@>nn mah u n g.

Die Aufnahmeprüfung bei den Königlichen Lehrerinnenseminaren in Lissa und Hohensalza findet im Jahre 1914 am 26. März statt. :

Die Bewerberinnen haben si<h 3 Wochen vorher bei dem Herrn Seminardirektor zu melden und folgende Schriftstücke beizubringen: Mi /

1) ein Zeugnis über sittlihe Unbescholtenheit, i 9) ein Zeugnis über den bisher erhaltenen Unterricht, 3) einen Geburts- und Taufschein, ) ein amtfsärztlihes Gesundheitszeugnis, einen Impf- und Wiederimpfungsschein,

Due Aufnahme ist das zurü>gelegte se<hzehnte Lebensjahr erforderlich. ' l Jn Pee Prüfung sind im allgemeinen die in den Re- gierungsamtsblättern und im amtlichen Schulblatt der Provinz Posen für 1905 und 1906 näher bezeichneten Kenntnisse und Fertigkeiten nachzuweisen. Posen, den 11. November 19183.

Königliches Provinzialschulkollegium.

Daniels.

Bekanntmachung.

Nah Vorschrift des Geseges vom 10. April 1872 (Geseßsamml. S. 357) sind bekannt gemacht : L

1) das am 3 September 1913 Allerhöchst vollzogene Statut für den Karrharder Alten Koog in Süterlügum im Kreise Tondern dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Schleswig Nr. 43 S. 469, ausgegeben am 18. Oktober 1913;

2) das am 3, September 1913 Alerhö<s# vollzogene Statut für den Klein Emmelebüller Koog in Emmelsbüll im Kreise Tondern dur das Amtsblatt der Königlichen Regiecung in Schleswig Nr. 43 S. 472, ausgegeben am 18, Oftober 1913; :

3) das am 3. September 1913 Allerhöchst vollzogene Statut für den Lindholm-Kohldammer Koog in Lindholm im Kreise Tondern durch das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Schleswig Nr. 43 S, 476, ausgegeben am 18. Oftober 1913; L

4) das am 3. September 1913 Allerhöchst vollzogene Statut für den Ostermooringer Körnkoog in Risum oder Lindholm im Kreise Tondern durch das Amtsblatt der Königlichen Negierung in Schleswig Nr. 43 S. 480, ausgegeben am 18. Oktober 1913; 2

5) das am 3. September 1913 Allerhöchst vollzogene Statut für den Interessenten-Gotteskoog in Emmelsbüll im Kreise Tondern durch das Amteéblatt der Königlichen Reglerung in Schleswig Nr. 43 S. 461, ausgegeben am 18. Oktober 1913; 4

6) das am 3. September 1913 Allerhöchst vollzogene Statut für den Waygaarder Koog in Wayzaaid im Kreise Tondern dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Shleswig Nr. 43 S. 465, ausgegeben am 18. Oftober 1913 ; s

7) der Allerhöhite Erlaß vom 13. September 1913, betreffend die Verleihung des Enteignungsrehts an die Gemeinde Frechen für die Ausführung dcr Kanalisation der Gemeinde, dur das Amtsblatt der Königlichen Regierung in Cöln Nr. 42 S. 333, ausgegeben am 18. Oktober 1913;

8) der Allerhö<ste Erlaß vom 18. September 1913, betreffend die Verleihung des Enteignungörehts an die Stadtgemeinde Hers- feld zur Schaffung einer Schußzone für die Brunnenanlagen des städtishen Wasserwerks, dur< das Amtsblati der Königlichen Ye- gierung in Caffel Nr. 43 S. 353, ausgeaeben am 25. Oktober 1913;

9) das am 24. September 1913 Allerhö<hst vellzogene Statut für die Zweite Opalenitzaer Dratnageg-nossenschaft in Opalenißya im Kreise Gräß dur<h das Amtsblatt der Köntglichen Regierung in Posen Nr. 43 S. 465, ausgegeben am 25, Dfktober 1913; i

10) dèr Allerhôöchite Erlaß vom 2. Oktober 1913, betreffend die NBerleihung des Enteignungsrehts an den Hohenzollernschen Landes- fommunalverband für die Verlegung der unmittelbaren Landstraße P S in der Ortslage von Rangendingea, dur< das

mtsblatt der Köniulichen Regierung in Sigmaringen Nr. 42 S. 161, ausgegeben am 18. Oftober 1913.

Nichkamtlicßes. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 18. November 1913.

Der russische Ministerpräsident Kokow ow stattete gestern vormittag, wie „W. T. B.“ meldet, dem Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg einen Besuch ab und halte mit ihm eine fünfviertelstündige Unterredung.

Der preußische Justizminister hat dur<h Verfügung vom 10. d. M. die nachstehende, von dem Finanzminister erlassene allgemeine Verfügung vom 7. Oktober 1913, betreffend die Weiterübertragung der Befugnisse zur Strafnieder- \<hlagung und Strafmilderung fowie zur Ge- währung von Strafaufschub in Zoll- und Steuer- fachen auf Grund des Allerhöchsten Erlasses vom 26. Sep- tember 1897, den Justizbehörden zur Kenntnisnahme mitgeteilt :

I. Strafnieders<läge.

1) Die Oberzolldirektionen sind befugt, bei allen Zuwiderhand- lungen gegen die Vorschriften über die Zölle und indirekten Reichs- und Landesabgaben, soweit die Entsheicung den Verwaltungsbehörden zusteht, im Wege der Nahsiht nah den Umständen des Falles die verwirkte Zoll- oder Steuerstrate sowie ausnahmsweise auch die Kosten des Verfahrens völlig niederzuschlagen, und zwar, soweit die Sache von einem der Oberzolldirektion unterstellten Amte innerhalb seiner Zuständigkeit entschieden ist, au< na< Eintritt der Nechtskräft, im übrigen nur, solange ein Strafbescheid no< ni<t bekannt gemacht worden ift.

2) Die Vorstände der Stempel- und Erbschaftssteuerämter oder ihrer Abteilungen sind ermächtigt, Zuwiderhandlungen gegen die Stempel- und Erbschaftssteuervorschristen im Wege der Nachsicht auf sih beruhen zu laffen, solange sie die Sache no< ni<t zur Ver- folgung an das zuständige Hauptzollamt abgegeben haben und dieses auch aus anderem Anlasse die UntersuGung no< nicht eröffnet hat.

3) Die Hauptzollämter sind berechtigt, alle Zuwiderhandlungen der in Nr. 1 bezeihneten Art, die lediglih Ordnungsstrafen nah si ztehen, überhaupt und fonstige Zuwiderhandlungen dieser Art, wenn die in Frage kommenden Abgaben 3 4 nicht übersteigen, im Wege der Nachsicht \traffrei zu lassen und ausnahmsweise auch die Kosten des Verfahrens niederzuschlagen, solange der Strafbescheid no< nicht bekannt gema<ht oder die Unterwerfungsverhandlung no< nicht ge- nehmigt ift.

In Stempel- und Erbschaftssteueruntersuhungeu, die auf Er- suchen der Stempel- und Erbschaftösteuerämter eingeleitet worden sind, darf diese Berechtigung nur im Einverständnisse mit dem Vorstande des zuständigen Stempel- und Erbschasts\teueramts oder der zuständigen Abteilung ausgeübt werden.

Die Vorschriften, dur< die den Vorständen einzelner Zollämter oder Abfertigungsstellen die gleihe oder eine bes<ränkte Strafnieder- \<lagungsbefugnis besonders eingeräumt worden ist, bleiben unberührt.

4) Von den in Nr. 1 bis 3 geregelten Befugnissen darf kein Gebrauch gemacht werden, wenn na<gerviesen oder nah den Umständen des Falles anzunehmen i\t, daß eine absihtliße Abgabenverkürzung

vorliegt. 11. Strafmilderung.

5) Die Oberzolldirektionen find ermächtigt, bei allen Zuwider- handlungen der in der Nr. 1 bezeihneten Art im Wege der Nachsicht geringere als die geseßlihen Strafen festzuseßen, insbesondere auch von der Anordnung der an f< verwirkten Einziehung abzusehen, und zwar, wenn tie Sache von einem der Oberzolldirektion unterstellten Amte innerhalb seiner Zuständigkeit entschieden ist, au<h nah Eintritt der Rechtskraft, im übrigen nur bei der Genehmtgung von Unter-

Von dieser Befugnis dürfen die Oberzolldirektionen bei absigt, lihen Abgabenverkürzungenzim Sinne der Nr. 4 nur dann Gebrau machen, wenn bei Anwendung der geseßlichen Vorschriften und nad den Umständen des Falles eine Geldstrafe von niht mehr als 300, festgeseßt worden wäre. E : 6) Die Hauptzollämter sind ermächtigt, bei allen ihrer Ent, scheidung unterliegenden Zuwiderhandlungen der in Nr. 1 bezeichneten Art im Wege der Nachsicht geringere als die geseßlichen Strafen festzuseßen, insbesondere au< von der Anordnung der an \ih ver, wirkten Einziehung abzusehen, jedo< nur bei der Genehmigung von Unterwerfungasverhandlungen oder beim Erlasse von Strafbescheiden. Von dieser Befugnis dürfen die Hauptzollämter bei absihtlihen Abgabenverkürzunzen im Sinne der Nr. 4 nur dann Gebrauch Ee wenn die in Frage kommenden Abgaben 3 46 nicht über- teigen. 7

Die Hauptzollämter haben alle Straffälle, in denen fie von ihrer Strafmilderungsbefugnis Gebrauh gema<ht haben, in eine Nach weisung einzutragen, die ebenso zu behandeln ist wie die nah Nr. 4. Abs. 2 der Ausführungsvorschriften zum Verwaltungsgeseze vom: 26. Iult 1897 zu führende Nachweisung. :

7) Wenn gegen einen Strafbescheid, in dem eine Strafmilderung gemäß Nr. 5 oder 6 ausgesprochen ist, auf gerihtlihe Enischeidung anzetragen und der Antrag nicht bis zum Beginne der Hauptverhand- lung zurü>genommen wird, so tritt die Strafmilderung für den An- tragsteller außer Kraft, und zwar ohne daß es eines Verbehalts

hierüber im Strafbescheide bedarf. Il]. Strafaufschub.

8) Die Oberzolldirektionen fönnen die Bewilligung von Auffub, Unterbrehung oder Teilung der Strafe (mit Einschluß der Wertersaßz- und Kostenbeträge) auf Grund der Nr. 2 des Allerhöchsten Erlasses vom 26. September 1897 (Geseßsamml. S. 402) in geeigneten Fällen von der Leistung einer Sicherheit abhängig machen.

Die Bewilligung von Zahlungsaufshub oder Teilzahlungen ist stets an die Bedingung zu knüvfen, daß die eingehenden Beträge zunächst auf die etwa no< rü>ständigen Abgaben, sodann auf die Geldstrafen und die an Stelle der Einziehung festgesegten Wertersatz- beträge und zulegt auf die Kosten verrehnet werden und daß beim Ausbleiben einer Teilzahlung die Zwangsbeitreibung des ganzen noch rü>ständigen Restes unnachsihtlih erfolgen werte. /

9) Die Hauptzollämter sind befugt, bei allen Zuwiderhandlungen gegen die Vorschristen über die Zölle und indirekten Steuern, foweit die Entscheidung von den Verwaltungsbehörden getroffen ist, die Strafvollstre>ung aufzuschieben oder Strafteilung zu gewähren, jedoeh nur bis zur Dauer eines Jahres nah dem Eintriit der Rechtskraft. Diese Befugnis erstre>kt si< au auf die. an Stelle der Einziehung festgeseßten Wertersaybeträge sowie auf die Kosten des Verfahrens.

Zur Ablehnung derartiger Gesuche sind die Hauptzollämter ohne Nückficht auf die Dauer der darin erbetenen Vergünstigung befugt.

Im übrigen gelten die Vorschriften der Nr. 8 auch für die Haupt zollämter. ; 1V. Allgemeine Bestimmungen.

10) Die Vorschriften dieser Verfügung kommen ni<ht zur An- wendung bei Zuwiderhandlungen, die dur< das Gesetz, betreffend die Hinterziehung und Ueberhebung von Verkehrs8abgaben, vom 2. Mat 1900 (Geseßsamml. S. 123) mit Strafe bedroht sind, und bei Ordnungsstrafen gegen Beamte und Notare, die \si< bei ihrer Dienst- verwaltung einer Uebertretung der Landesfltempelvorschriften s{uldig gemacht haben. Insoweit bleibt es bei den bisherigen Bestimmungen

und Gebräuchen. s / 11) Besondere Anordnungen von Bundesratsbeschlüssen bleiben

unberührt.

Verkehrseinnahmen der deutschen Haupt- und vollspurigen Nebenbahnen (mit Ausnahme der ba,ye- rischen) im Oktober 1913 nah der im Reichseisenbahnamt aufgestellten Uebersicht :

gegen das Vorjahr auf mehr

1 km] jm ganzen | auf 1 km M M M | M | 9%

75 991 380 1449| + 4107 435 4 68)-+ 4,92 196 046 1901 3 642] + 7276 571| + 105+ 297.

im ganzen

Personenverkehr Güterverkehr .

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. Flußkbt, „Otter“ am 14. November in Jtshang, S. M.S. „Emden am 15. November in Kobe und S. M. S. „Jltis“ an demselben Tage in Schanghai eingetroffen.

Bayern.

Heute mittag hielten, wie „W. T. V.“ meldet, Seine Majestät der König Ludwig und Seine Königliche Hoheit der Kronprinz Rupprecht unter herzlichen Kund- gebungen der Bevölkerung ihren feierlichen Einzug in Aschaffen burg. Die hohen Herrschaften fuhren dur die ges<hmüd…ten Straßen der Stadt zum Schloß, wo Hostafel stattfand. Um 4 Uhr begaben si<h Seine Majestät der König und Seine Königliche Hoheit der Kronprinz zur Schwarzwildjagd na) Rohrbrunn im Spessart, wo sie aht Tage verweilen werden,

Großbritannien und Jrland. ' i Der Erzherzog Franz Ferdinand von Oester rei und die Herzogin von Hohenberg sind gestern in Windsor eingetroffen und auf dem Bahnhof vom König Georg und dem Prinzen Friedri<h Christian zu Schlesw1g- Holstein empfangen worden.

Frankreich. f

Der König und die Königin von Spanien sind gestern abend in Paris eingetroffen. Zum Empfang an Bahnhof waren u. a. der Minister des Aeußern Pichon und ein Vertreter des Präsidenten Poincaré erschienen.

Neben dem Internationalen Zoll-Kongreß, dessen Eröffnung heute in Paris stattfindet, wird dort nah einer Meldung des „W. T. B.“ eine von deutschen t französischen Kaufleuten und Industriellen besi 2 Versammlung tagen, die si< hauptsächlih mit der O legung des Artikels 15 des französischen Zollgeseßes von 1 _ befassen wird, nah dem alle aus Deutschland eingeführle Waren den Vermerk importé d’Allemagne tragen e

Die Deputiertenkammer beriet gestern über Wahlreform und nahm, wie „W. T. B.“ meldet, mit ant | gegen 51 Stimmen einen Zusaßantrag Maginokt an, n ähler | die gal der Sißze nach der Zahl der eingeschriebenen 0 6

berehnet werden soll. Die Wahlkommission Ia de geschlagen, die Zahl der Siye nach. der SaN bea Einwohner zu berechnen, und der Minister Le Vor

einen selbständig abgefaßten Lebenslauf.

werfungsverhandlungen oder beim Erlasse von Strafbescheiden,

Kloy hatte in giemli< bewegter Kammersizung

\<lag der Kommission verteidigt. Die Kammer nahm ferner mit 350 gegen 216 Stimmen einen Paragraphen an, der besagt, daß jeder Wahlkreis auf 22 500 eingeschriebene Wähler einen Deputierten wählt und darüber hinaus auf jeden Bruch- teil, der die Zahl von 11 250 eingeschriebenen Wählern über- steigt, gleichfalls einen. Der Minister des Jnnern Kloy erklärte, daß dieser Paragraph die Zahl der Abgeordneten auf ungefähr 520 vermindere.

Der republikanisch - sozialistishe Deputierte Breton und der radikale Deputierte Morin haben in der Kammer eine Interpellation über die allgemeine Politik der Regierung eingebraht. Die Erörterung der Junterpellation wird obiger Quelle zufolge zweifellos schon in kurzem erfolgen, da das Ministerium, insbesondere angesichts der Beschlüsse des Kon- gresses von Pau, Wert darauf legt, über die parlamentarische Lage vollständige Klarheit zu schaffen.

Die Budgetkommission der Kammer nahm gestern nahmittag Erklärungen des Ministerpräsidenten Barthou und des Finanzministers Du mont entgegen.

“Wie „L. L. B." meldet, bestand der Finanzminister auf der Dringlichkeit der Beschlußfassung über dite Anleihe, da eine Berzöge- rung thre Unterbringung am Ma:kte \{<wierig, wenn nicht unmögli machen könnte. Er ersuhte die Kammer, die Prüfung allec Budget- fragen so lange aufzuschieben, bis die Frage der Anleibe erledigt sei. Dumont, der nebenbei au< von den militärishen Ausgaben sprach, gab an, daß die für Kasernenbauten notwendigen Kredite die Höhe von 580 Millionen erreihen würden und nicht die von 440 Millionen, wie man ut]prünglih angenommen hatte. Auf alle Fälle hofft der Minister, die Ziffer von 1309 Millionen aufre<t erhalten zu können.

Nuß land.

Die Abberufung des russishen Botschafters in Wien

von Giers und seine gleichzeitige Ernennung zum Senator wird amtlich bekanntgegeben. : Die mongolishe Mission, die gestern in Skt. Peters- burg eingetroffen ist, beabsichtigt, wie „W. T. B.“ meldet, die Hauplindustriezentren Rußlands zu besuchen. Sie bezwe>t da- bei, eine Erweiterung der russish - mongolishen Handels- beziehungen_ herbeizuführen, wobei die Mongolei auf die finan- zielle Unterstüßung der russishen Regierung rechnet.

Portugal.

_ Gestern sind 37 Wahlen zur Abgeordnetenkammer vollzogen worden. Wie „W. T. B.“ meldet, wurden 34 Sigze von den Ministeriellen und Demokraten erobert. Die drei übrigen find die von Coimbra, wo ein Evolutionist siegte, und die von Angra und den Azoren, wo zwei Unionisten gewählt wurden. Das Kabinett wird also in der Kammer über eine chere Mehrheit verfügen, die niht von der Unterstüßung anderer Gruppen abhängt. Die Wahlen vollzogen si in großer Ruhe und ohne Proteste.

Türkei.

__ Gestern nachmittag ist nah einer Meldung des „W. T. B.“ in Anwesenheit der Botschafter Rußlands und Englands auf der Pforte vom Großwesir und dem persischen Botschafter das Protokoll über die endgültige Regelung des türkisch- persischen Grenzstreites auf der Grundlage des Berichts einer Kommission von türkischen, persishen, englishen und russischen Delegierten unterzeihnet worden. Die Kommission E fh an Ort und Stelle, um die Abgrenzung durczu- führen.

Gestern haben ferner auf der Pforte die türki s<-\erbi- shen Friedensverhandlungen zwischen dem RNechtsbeirat der Pforte Reschid und dem serbischen Delegierten Pawlowitsch begonnen. Der Minister des Jnnern Talaat wohnte der Er- össnung der Sißung bei. Der Gedankenaustaush bezog sich obiger Quelle zufolge auf die Feststellung der Fragen, die Gegenstand des Friedensvertrages sein sollen, der sih auf den urtisch - bulgarishen und den türkisch - griehishen Vertrag

qründen wird. Griechenland.

4 Der König hat die französische Militär mission mit dem General Eydoux an der Spiße empfangen und den Mit- gliedern der Mission ihre Patente als griechische Offiziere per- jönlih übergeben.

E Einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge ist Zavißzianos, der Kandidat der Regierung, mit 119 gegen 21 Stimmen zum Präsidenten der Kammer gewählt worden.

Rumänien. 2 Eine russishe Abordnung, die zur Einweihung eines in Plainesti errichteten Denkmals Suwarows, der dort 1789 über die Türken siégte, entsandt wurde, ist heute früh nah Sinaia abgereist, wo sie vom König empfangen werden wird.

Serbien. Gestern abend ist der Kronprinz Alexander in Be-

gleitung des Ministerpräsidenten Paschitsh na<h Monastir abgereist, um an den Feierlichkeiten anläßlich des Jahrestages

der Befreiung von Monastir teilzunehmen.

Bulgarien.

L. Ie _ vorgestrige Rede des Ministers des Aeußern Ghenadiew hat, wie „W. T. B.“ meldet, in politischen Kreisen einen ungewöhnlich starken und nachhaltigen Eindruck gemaht. Jm Publikum herrscht große Erregung gegen die früheren Regierungsparteien. Die Vartei Geschows hielt vor- gestern gleichfalls eine Wahlversammlung ab, in der der frühere Minister Theodorow in längerer Nede auseinander- seßte, daß Rußland keine Schuld an dem Unglück Bulgariens treffe. Theodorow verteidigte sodann die russenfreundliche Politik und wandte sich gegen die russenfeindlihen Strömungen in der bulgarischen Oeffentlichkeit.

Amerika.

j Der Präsident Wilson und der Staatssekretär Bryan en vorgestern abend eine Unterredung. Obwohl ‘die « f 0 Der Meinung ist, daß Huerta na<geben muß, so M sie, wie „W. T. B.“ meldet, doch einige Tage die Wirkung es Drucks des Auslandes auf Huerta abwarten. Erst dann werden definitive Maßnahmen getroffen werden. Wilson erklärte, ns dem amerikanischen Geschäftsträger in Mexiko O’'Shaughnessy eder seine Pässe zugestellt worden seien, noch daß er Auftrag

trhalten habe, abzureisen. in Wie obiger Quelle zufolge versichert wird, hatte der l etifanische Geschäftsträger O'Shaughnessy eine Zu- i menkunft mit Huerta, in der ihm Huerta erklärte, êr mt zurücktreten werde und daß er nur solche Vor-

läge anhör ÿ i it sei Ri ¡eni i : ren tönne, die mit seiner Würde und derjenigen ritos vereinbar seien, a

t

Der Rü>tritt des Ministers des Neußern Aldape wurde nah einer Meldung des „W. T. B.“ in einer Kabinettsfizung am Sonntagvormiltag verlangt. Huerta wiederholte in dieser Sißung den Ministern gegenüber seine Erklärung, daß er nicht zurücktreten werde, daß es sih für ihn um Leben und Tod handele, und daß er das Spiel zu Ende spielen werde. Der zurü>getretene Minister Aldape hat si nah Veracruz begeben. Wie erklärt wird, wird er nach Franfk- reih gehen und wahrscheinlih an Stelle De la Barras Ge- sandter in Paris werden. Er war der Führer der Gruppe von Ministern, die überzeugt waren, daß es besser wäre, wenn Yuerta wenigstens einen Teil der amerikanischen Forderungen, die sein völliges Ausscheiden aus der Leitung des Staates enthielten, zugestünde. i

Einer Depesche aus El Paso zufolge sind in Juarez seit der Einnahme der Stadt am Sonnabend elf Personen von den Aufständischen erschossen worden. Rebellenoffiziere geben zu, daß eine Anzahl Toter no<h unbeerdigat auf dem Kirchhofe liegen, wo fie fielen. Es befinden si< dort über zwanzig Leichen, bei denen es si<h na< der Behauptung amerikanischer Bewohner um erschossene Bundessoldaten handelt.

Asien.

Die chinesishe Regierung hat, wie Wi T YL meldet, die Mitglieder des Parlaments wissen lassen, daß, wenn sie Peking verließen und dadur das Parlament arbeits- unfähig machten, sie selber die Verantwortung dafür tragen müßten, daß die Regierung dén Ersaß der Abgeordneten der Kuomintangpartei mit Eile betreibe, i

Afrika.

Nach einer vom „W. T. B.“ verbeiteten amtlichen Meldung aus Ceuta ist vorgestern ein Teil der Garnison von A rfa bei einer Erkundung in einen Hinterhalt geraten. Dabei lam es zu einem lebhaften Kampfe, bei dem der Feind in die Flucht geshlagen wurde. Die Spanier hatten drei Tote und vier Verwundete.

Koloniales.

Vei einer Besprehung mit den deut\s{<südwes- afrikanischen Diamantenförderern, die gestern im NReichskolonialamt stattfand, erklärte, wie „W. T. B.“ berichtet, der Staatssekretär Dr. Solf, er sei, damit möglichst hohe Preise für die Diamanten dauernd erzielt werden, zu dem Ent- \{hlusse gelangt, der Marktlage Rechnung zu tragen. Er hoffe, daß sich die Marktlage {hon zu Anfang 1914 erholen werde, halte es aber für nötig, fein zu starkes Angebot deutschsüdwest- afrikanisher Diamanten an den Markt gelangen zu lassen. Die zu treffenden Maßnahmen wurden mit den Förderern des längeren erörtert, und im Prinzip wurde völliges Einver- ständnis erzielt. Der Staatssekretär führte sodann aus, die Diamantenregie habe sih in ihrer jezigen Zusammenseßung, wie die Erfahrungen des lezten Jahres ergeben hätten, niht als zwe>mäßig organisiert erwiesen. Jm Aufsichtsrat sei durch die überaus große Zahl seiner Mitglieder und ihre Grupplerung eine gute und schnelle Arbeit sehr ershwert worden. Da nach den bestehenden geseßlichen Vorschriften aber der Reichskanzler die Verantwortung für die beste mögliche Ver- wertung der Diamanten trage, habe er sih entschlossen, die gesamten Regieanteile gemäß der Saßzung der Regie für den deutshsüdwestafrikanischen Fiskus einzuziehen. Er werde an Stelle des zu schwerfälligen Apparats einen neuen Aufsichtsrat be- rufen und rechne dabei nah wie vor auf die Mitwirkung der Förderer. Die Förderer betonten, daß auch sie die Regie in ihrer jegigen Verfassung nicht als richtig organisiert betrachten könnten. |

Statistik und Volkswirtschaft. Zur Arbeiterbewegung.

Die Bergarbeiter in Lens (Dep. Pas-de-Calais), sind, wie „W. L. B.“ meldet, unzufrieden mit den vom Senate beschlossenen Abweilhungen von dem Grundsaße der achtstündigen Arbeitzzeit und haben am Sonntag dey Ausstand erklärt; in Dourgas streiken 1800 von 3500 Arbeitern, 850 in C ourrières, 300 in Noeurx-les-Mines und Barbis, do< hat sich bisher fein Zwischenfall ereignet. Der Auss{huß des Bergarbeiter- syndikats hat beschlossen. die Bergleute in einem Aufrufe zum Gesamtausstande aufzufordern, um gegen den Beschluß des Senats über dte Zulassung von Ueverstunden Verwahrung einzulegen.

In Huelva haben „W. T. B.“ zufolge die ausständigen Berg - arbeiter gestern beslossen, heute die Arbeit wieder aufzunehmen. (Vgl. Nr. 271 d. Bl.)

__ Nach einer Meldung des ,W. T. B.* aus Houston (Texas) ist der Ausstand der Bahnarbeiter der Southern Pacific- bahn, wenigstens vorläufig, dur<h die Bemühungen des Bundes- vermittlungsamts beigelegt worden. (Vgl. Nr. 270 d. BL)

__In Durban, wo die farbigen Arbeiter im Hafen, bei dén Eisenbahnen und bei der Stadtverwaltung vor einigen Tagen die Arbeit niederlegien, ist ein allgemeiner Ausstand der Inder au?gebrohen. Kutscher, Boten, Köche, Kellner und andere haben sich, wie ,W. T. B.“ erfährt, dem Ausstande angeschlossen. Jn den Zu>erplantagen bei Durban nimmt die Lage eimn ernsteres Aussehen an. Eine Anzahl von Indern, die den Versuch machten, ihre Landsleute zu überreden, die Arbeit nieder- zulegen, leistete der Polizei Widerstand und griff zu Stö>en und Steinen. Ein Polizeibeamter und ungefähr 30 Inder wurden ver- wundet. An verschiedenen Orten sfollen die Inder versuchen, die Weißen in Schre>ken zu feßzen; sie ste>en das Zu>errohr in Brand. An einer Stelle sind unter dem Jubel der anwesenden Inder 150 Acres in Flammen aufgegangen.

(Weitere „Statistishe Nachrichten" \. i. d. Ersten Beilage.)

Kunft und Wissenschaft.

Der Absc{luß der deuts<hen Ausgrabungen in Didyma und Milet. _In den alten Fleinafiatisen Städten Didyma und Milet, wo für die Berliner Museen seit Jahren die erfolgreichsten Grabungen veranstaltet worden sind, die ein neues Muster für folche Freilegungen überhaupt geliefert haben, konnten in diesem Jahre die Arbeiten der deuts<hen Gelehrten abges{lossen werden. In Didyma wurde die Abräumung der Trümmermassen, die die Cella des Tempels seit deren Einsturz gegen das Ende des X V. Jahrhunderts bede>ten, vollendet. Außer zahlrächen neuen Blô>ken des Greifenfrieses und der tnneren Architrave kam wieder eine größere Anzahl der Kapitelle der Pilaster zum Vorschein. Letztere ließen aus ihrer Sturzlaye ohne Schwierigkeit in jedem Falle erkennen, zu welchem Pilaster sie gehörten, sodaß, da nur sehr wenige Kapitelle fehlen, au<h die Mehrzahl der bisher unsicheren Stücke örtlich bestimmt werden kann. Zur Gewißheit wurde jeßt, daß die Architrave das leßte über den Pilastern ausgeführte

Vauglied der Cella bildeten, daß selbst von diesen Architrayen nur

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éin Teil, im wesentlichen derjenige der West- und Osiseite sowie der nächsten anshließenden Interkolumnien der Langseiten verlegt worden find. Etwa 14 m unterhalb des Abschlußgesimses der hohen So>elwand im Innern der Cella begann die SHuttschiht, die sich im Laufe des Mittelalters, vor dem Einsturz des Tempels, als Folge der byzantinishen Besiedlung, gebildet hatte. Bei der Ab- räumung, die no< nicht beendigt ist, zeigten si, wie Professor Caro im „Jahrbuh des Deutschen Archäologischen Instituts“ berichtet, mehrere überetnander liegende ärmliche Wohnschichten und darunter die Neste der Kirche, deren östliche Teile schon aufgede>t waren. Die durch Grdbebenwirkung und einen nachfolgenden notdürftigen Umbau sehr entstellte Kirhe läßt si< in ihrer ersten, wohl dem 6. Sahr- hundert angehörigen Anlage als dreischiffige Säulenbasilika erkennen, deren Säulenschäfte verschiedenen antiken Bauten entnommen und mit unerhörter Nachléssigkeit zum Teil verkehrt aufgestellt worden find. Wie si aus erhaltenen Werkstücken ergibt, befanden fich über den Seitenschiffen Emporen. Außerhalb des Marthex liegt, ungefähr in der Flucht des nördlichen Seiten\chiffes, als selbständiger kleiner Bau von quadratis<hem Grundriß mit Apsiden an drei Seiten, das Baptisterium. R 5 In Milet wurden die Aufräumungsarbeiten bei den verschiedenen Bauten dur< von Gerkan, Krishen und Wulzinger in Verbindung mit den Aufnahmen fortgesetzt, während Lyn>k-r mit der Anfertigung einer topographischen Aufnahme der Stadtlage beschäftigt war. Zwischen dem nördlichen Markte und der Suaße, die innerhalb der Stadt den Zug der heiligen Straße fortseßt, wurde eine kleine byzantinisce Säulenbasilika, die dem hl. Michael geweiht war, vollständig bloß- gelegt. Sie ist über dem Fundament eines fleinen, nah Osten orien- tierten hellenistishen Tempels ohne Ringhalle errichtet, von dem noch aroße Tetle der ersten Marmorschicht an ihrer Stelle waren, und der im Fnnern eines von \<önen Mauern aus Bossenquadern ums<<lossenen rechte>igen Bezirkes liegt. Bom Aufbau haben sich nur fehr vereinzelte Bruchstücke gefunden, es fehlt auh an jedem Anhalt für die Benennung des Tempels. Cine zweite Grabung galt dem längstbefannten, aber no< nie näher untersuhten großen Grabbau, der im Westen der Stadt unweit des Athenatempels auf einer kleinen Felsklivpe liegt und von einem mittelalterlihen Turm oder Haus überbaut war. Die Grabungen ergaben so zahlrei<e Werkstü>ke des Aufbaues, daß \ih eine vollständige zeihneri\<e Rekonstruktion der sehr eigenartigen Architektur heritellen läßt. D1s Gebäude stammt ans der späteren römtshen Kaiserzeit. Das Unternehmen ist dur< Knakfuß nun in diesem Jahre zu Eude geführt worden. :

Im Verein für deutshes Kunstgewerbe in Berlin spra der Direktor der Charlottenburger Kunstgewerbe- und Hand- werkers{hule Professor Wilhelm Thiele vor einer Zuhörerschaft, die auch den leyten Stebplay im großen Festsaale des Künstlerhauses eingenommen hatte, übec die Kunstgewerbes<hule. Er kenn- zeichnete zunächst die beiden Hauptarten, nämlih die Fachschuke, die ein s<arfumgrenztes Sondergebiet zu behandeln hat, sowie die all- gemeine Kunslgewerbe- und Handwerkerschule. Jene, dié zum Beispiel der Keramik, oder den Stablwaren, den Korb- flehtereicn, oder der Holzschnigeret dient, hat in der Haupt- jahe öôrtlihe Interessen zu ?pflegen. ist also au< in ihren Leistungen dana zu bemessen. Die allgemeinen Kunstgewerbeshulen dagegen, die nicht wie jene in kleineren Orten, fondern in großen Städten si befinden, dienen der Oeffentlichkeit und unterliegen in- folgedessen auch mit Recht deren Kritik. Ein Irrtum ist es, anzu- nehmen, daß diese ôffentlihen Kunstzewerbe- und Handwerkerschulen den Zwe> hâtten, junge Leute in das Kunstgewerbe und in das Hand- werk einzuführen. Im Gegenteil. Der Besuch einer Kunstgewerbe- \hule allein erzteht niemanden zu einem fürs Leben bräuch- baren Handwerker oder Kunstgewerbetreibenden. Es muß viel- mehr dem Schulbesuhe stets eine Lehrzeit in der Praxis vorangegangen sein. Denn das ganze Drum und Dran des Werks staltbetriebes mit seinem Auf und Nieder, seinem Kommen und Gehen und mit all der sa<li< daraus erwachsenden Kenntnis kann feine Schule geben. Allerdings i heute die Werkstatt ni<t mehr in der Lage, dem Lehrlinge den ganzen Umfang seines Handwerkes beizubringen. Diese allgemeine Ausbildung muß die Kunstgewerbe- schule geben. Dazu soll fie den Schüler im Zeichnen und Malen und Modellieren, in Perspektive, Materialkunte, Berechnung, Geseyeswesen usw. ausbilden. Vor allen Dingen aber foll si< der Schüler längere Zeit in der Atmosphäre eines freien, guten Geshma>es befinden. Deshalb fann ein Schulbesu< von kurzer Dauer, etwa von drei Vêonaten bis ¿li einem Jahre, wenig nuten, - sondern zwei bis drei Jahre muß dec Schüler Tagesshüler sein, wenn er eine vollwertige Ausbildung erstrebt. Es ist rihtig, daß diese in der Praxis bereits zu Gehilfen auêgebildeten Kräfte während der Dauer thres Schulbesuchs der Allgemeinheit verloren geheo, aber tem läßt sich nicht abhelfen; diese Werte, die in den Schülern ste>en, ver- pflichten die Schule zu Höchstleistungen. Im allgemeinen sehen die Kunstgewerbeshulen vier Gruppen von #Fachflassen vor: für an- gewandte Bildhauerei, für Innenarhitektur, für dekorative Maleret, für Graphik und Buchgewerbe. Zeichnen muß jeder Schüler, vor allen Dingen nah der Natur. Und sol<es Zeichnen kann jeder lernen, auch der nicht mit besonderen Anlagen Ausgestattete. Der Werk- statt kann die Kunstgewerbes<ule nicht völlig entbehren. Sie brau>ht sie nicht, damit die Schüler das Handwerk erlernen, fondern sie braucht sie, roeil manches Wissenswerte, au<h ge\{<ma>liher Art, überhaupt nur im lebendlgen Betriebe zu erlernen ist. Den im Erwerbéleben tätigen Kunstgewerblern erwächst dadur keine Konkurrenz, denn die Schulen produzieren ketne Mengen, die ges{äfili< tn Betracht kommen. Am wichtigsten freilich ift auf der Schule die Lehrerfrage, und das Bedenklichste daran der Umstand, daß der Lehrer na< ezfüllter Probezeit eine unkündbare, pensionsbere<tigte Stellung erringt, also au< dann no< im Amt bleibt, wenn er persönlih nit mehr vouwärts schreitet. Ganz das Gleiche gilt von den Di- reltoren. Fals< ist es weiterhin, Schüler aufzunehmen, die nicht genügende Befähigung besißen. Solche mit dur(hzushleppen, nur um mögli<st hohe Besuchsziffern zu erzielen, ist ein Fehler, unter dem die ganze Wirksamkelt der Schule leidet. Nicht die Höbe der Besuchsziffer, sondern die Höhe der Leistungen enischeidet. Für die Schüler, die an unseren staatlichen und städtischen Kunistgewerbes{hulen als Tagesschüler keine Aufnahme finden können, die fih aber auf bestimmten Gebieten, oder nur allgemein ges<mad>li< ausbilden wollen, sind die privaten zKunstgewerbeshulen eine Notwendigkeit. Leider gibt es Privatschulen, die mehr versprehen, als fie halten können. Alles über die Schüler Gesagte gilt au< von den Schülerinnen. Die Kunstgewerblerin muß genau fo eine praktische Lehre durchlaufen haben, wenn sie die Kunstgewerbes<hule mit Erfolg fürs Leben besuchen will. Freilih hält es gerade auf dem wichtigsten Gebiete, auf dem si< weiblihe Kräfte betätigen können, nämlih dem der S<hneiderei, heute nc< \{wer, Werkstätten - zu finden, in denen man dke zahlreichen jungen Mädchen, die |i< au< aus mittleren und höheren Ständen zu diesem Berufe melden, mit vollem Erfolge in die Lehre gehen lassen kann. Wichtig ist es, daß in den Schülern und Schülerinnen unferer Kunstgewerbeschulen bes seidene Anschauungen erhalten bleiben und fketnerlet Künstler- dünkel Play greift. Dann erkennen sie, daß sie dur< ibr Schaffen nicht nur sih felbst nügen, sondern daß sie, je Besseres und je Tüchtigeres sie leisten, unser gesamtes Vaterland zum Kampfe auf dem Weltmarkte au< an ihrer Stelle nah Kräften befähigen. So muß die Kunstgewerbes{ule lebendig für das Leben arbeiten. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall und die angeregte Aus- sprache, die sich daran knüpfte, bewies, wel< wichtige Fragen der Vortragende berührt und richtig beantwortet hatte. Dex Verein hatte die Gelegenheit benußt, aus den neuen Eingängen der Bücherei des Königlichen Kunstgewerbemuseums zwei Stiftungen zu zeigen: einmal die Photographien, die der Rentner Hugo Fromholz auf seinen wiederholten Welireisen gesammelt und leßtwillig überwiesen bat, zum anderen einen Teil der Aufnabmen aus Architektur und Innén- einrichtung, die die Firma Ernst Wasmuth Ar@fitekturveilag A.-G, aus ihren Beständen der Bibliothek geschenkt hat, i