1914 / 104 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

<webte. Nur so ist es zu erklären, daß beispielsweise am Ende des 16. Jahrhunderts in Deutschland die Benußung von Indigo, der im 19. Jahrhundert dann eine große Bevorzugung erfuhr, zum Färben verboten wurde, weil er angebli eine zerstörende Aeßwirkung ausübte. Ja England spielte die Färberei im späteren Mittelalter eine große Nolle. Die Stadt Coventry war {hon am Anfang des 15. Jahrhunderts für blaue Wollstoffe berühmt und gab auch einer eten blauen Farbe ihren Namen. Die Puritaner erhoben dann das echte Blau zu ihrer Parteifarbe im Gegensaß zum Scharlahwappen Karls des I. Von einem zuver?ässigen Änhänger der Puritaner sagte man damals: „er ist e<t blau*, und diese RNedewendung ist no< heute in der englishen Sprache erhalten geblieben, um einen besonders fittenstrengen Mann zu kennzeihnen.

VerkehrSwesen.

Am 17. Mai wird beim Fernsprehamt 2 tn Berlin (Thurmstraße) neben der bisherigen Vermittlungsstelle , Moabit" eine neue Vermittlungsstelle , Hansa“ eröffnet werden. Bei dem Amte eHansa* wird gleichzeitig der Dienstleitungsbetrieb eingeführt. Die Teilnehmer dieses Amtes haben hierna<h bet der Anmeldung ihrer Gespräche nah anderen Aemtern sogleih neben dem anderen Amt au< die Nummer des gewüns{hten Anschlusses anzugeben. Ferner wird diesen bei Hansa angeschlossenen Fernsprechteilnehmern, die thren Anschluß auf Briefbogen, Geschäftspapteren usw. angeben, empfohlen, die Fassung „Berlin, Amt Hansa Nr. . . .* anzuwenden.

Theater und Mufik.

Im Königlihen Opernhause wird morgen C. Saint- Saëns’ „Samson und Dalila“, mit Herrn Kraus und Fräulein Leisner als Vertretern der Titelrollen, aufgeführt. Den Oberpriester singt Herr Bachmann, den Abimele<: Herr Krasa, den alten Hebräer: Herr Schwegler. Dirigent ist der Kapellmeister Laugs.

Im Köntglihen Schauspielhause kann morgen, Dienstag, infolge einer plößlihen Erkrankung von Frau Ellmenreich nit die angekündigte Aufführung des Lustspiels „Der Störenfried" stattfinden. Dafür wird das Freytagsche Lustspiel „Die Journalisten“, mit Herrn Clewing als Bolz und Fräulein Arnstädt als Adelheid Rune>, gegeben. Die Vorverkaufskarten zur 119. Vorstellung („Der Störenfried") am}5. Mai gelten für die Ersaßvorstellung („Die Journalisten“) vom gleihen Tage. Sie werden auch, jedo< nur bis zum Beginn dieser Borstellung, an der Schauspielhauskasse zum Kassenpreise zuzügli des amtlichen Aufgeldes zurü>kgenommen. Eine spätere Zurü>knahme findet nicht statt.

Das Deutsche Opernhaus in Charlottenburg \{ließt seine Vorstellungen am 4. Jult, um sie am 30. August wieder zu er- öffnen. Vor der Sommerpause wird der Spielplan no<h um dret Werke bereidert, und zwar wird zunächst im Mai „Der Zigeuner- baron“ von Johann Strauß gegeben werden. Dte starke Belastung, die dem Orchester und Chor durch die {nell hinteretnander heraus- gebrahten Wagnerwerke : „Parsifal“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und „Rheingold“, erwachsen war, hat die Direktion veranlaßt, in Zeplers „Monsfieur Bonaparte“ und im „Zigeunerbaron“ zwei leihtere Auf- gaben einzulegen. Aber no< im Monat Juni kehrt das Deutsche Bpernhaus zu seinem etigentlihen Hauptspielplan zurü> und bringt no< die Erstaufführung zweier klassishen Werke: „Iphigente in Aulis* (zur Feter von Glucks 200. Geburtstage) und „Die Walküre", als zweiten Teil des Nibelungenringes. Die beiden leßten Teile der Wagnerschen Tetralogie, „Stegfried“ und „Götterdämmerung“, folgen im ersten Abschnitt des neuen Spieljahres.

Mannigfaltiges.

Curhaven, 3. Mai. (W. T. B.) Zur Besichtigung des nenen Riesendampfers „Vaterland“ {find gestern, kurz nah 7 Uhr Abends, etwa 200 Mitglieder des Bundesrats und des Reichstags mit Sonderzug hier eingetroffen; unter den ersteren befanden si< der Staatssekretär des Innern Or. Delbrück, der Minister für Handel und Gewerbe Dr. Sydow und der Kriegs- minister von Falkenhayn. Sie wurden mit dem Salondampfer «„Cobra“* zu dem auf der Neede von A ltenbr u < liegenden Dampfer „Vaterland“, der in Flaggengala prangte, gebra<ht. Um 8 Uhr fand auf dem Dampfer ein F estmabl ftatt, bei dem der Vorsitzende des Auf- fichtsrats der“ Hamburg-Amerika-Linie Max Schin>el einen Trink- spruch auf Seine Majestät den Kaiser und König ausbrachte. Die Gäste hörten na< Schluß des Mahls einen Vortrag Dr. Försters über den Bau und die Einrichtungen des Dampfers „Vater- land®. Am heutigen Sonntag besichtigten die Gäste unier sa<hkundiger Führung das Schiff in allen seinen Teilen und empfingen überall den besten Eindru> von den ebenso bequemen wie prakiishen Einrichtungen, die nament- lih in den Gefsellswafteräumen eindru>8volle Pracht zeigen. Vorher hatte die „Cobra* die Teilnehmer an der Besichtigungsfahrt nah Cürx- haven gebra<ht, wo evangelisher und katholisGer Gottesdienst statt-

fand. Viele Abgeordnete besu<hten auh die" im Hafen liegenden Torpedoboote und besichtigten deren Einrichtungen. Später fand auf der „Vaterland“ ein Frühstü> statt, das in dem rei ges<müd>tten Speisesaale eingenommen wurde. Der Staatssekretär Dr. Delbrü> hielt dabei eine Avsprahe, die mit einem Hurra auf die Hamburg - Amerika - Linie und thren tatkräftigen Führer \{<loß. Lebhafter Belfall und wiederholte Zustimmungsäußerungen während der Rede zeigten, daß die Worte des Staats- sekretä:s allen Zuhörern aus dem Herzen gesprohen waren. Nochmals ein herzli<es Danken, dann bestiegen die Gäste die flaggenges<müdte „Cobra“, und unter den Klängen von „Deutschland, Deutschland über alles“, begleitet von lebhaftem Hüteshwenken, dampfte die „Cobra“ gus zwei Uhr Mittags bei herrlihem Wetter elbaufwärts nah

amburg, wo eine Automobilrundfahrt am Bismar>kdenkmal vorbei und um die Alster die Fahrt abs{<loß. Ein Sonderzug brachte gegen abend die Teilnehmer wieder nah Berlin zurü>.

Eberswalde, 3. Mai. (W. T. B.) Aus Anlaß der Sitzung seines großen Ausschusses hatte der Zentralveretn für deute Binnenschtffahrt gestern zu einer Besichtigung des mit einem Kostenaufwand von rund 50 Miklionen Mark erbauten Groß- \<iffahrtsweges Berlin-Stettin geladen. Ueber 400 Per- sonen hatten si< dazu gestern vormittag hier eingefunden. Unter ihnen waren Vertreter des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, des preußis<en Ministers für Landwirtshaft, Domänen und Forsten und des Oberpräsidenten von Brandenburg. Ferner waren von der 2 G der märkishen Wasserstraßen in Potsdam und vom Bau des Groß|ciffahrtsweges Berlin—Stettin zahlreihe Herren er- Die an dieser aeuen Wasserstraße beteiligten Städte

schienen. aber au etne Rethe von

Berlin, Stettin und Eberswalde, anderen städtishen Verwaltungen hatten Vertreter entsandt, ebenso viele Handelskammern. Im übriaen waren besonders stark die Kreise der NReeder und Sciffahrtsinteressenten, die Kaufmannschaft, die Ingenieure und Baumeister sowie die Presse vertreten. Den ersten Teil des Programms bildete eine Sitzung in der Aula der Forstakademie, in der nah Begrüßungsworten des Borfizenden des Zentralvereins Geheimen Megterungsrats Professor Flamm der Negierungs- und Baurat Holmgren -Potsdam über den Groß- schiffahrtêweg Berlin—Stettin und der Nehtsanwalt Nademacher- Merseburg über den Stand des Kanalprojekts Elster- Saale sprach. Sodann vereinigte man fi<h zu etnem Frühstü> in den Hotels der Stadt. Daran anschließend begann die Besichtigung der neuen Wasserstraße, auf der seit se<8 Wochen der Versuchsbetrieb eröffnet ist. Auf dret Dampfern sciffte si< die Gesellshaft ein. Die Fahrt ging zunächst zu der Stelle, wo das Kanalbett über der Eisenbahnlinie Berlin—Stettin hinweggeht. Dann ging es ostwärts. Zwischen Kiefernwäldern wurde auf einer der großen Dammitre>en das Nagöser Tal in elner Höhe von 28 m über der Talsohle durhfahren. Nach zwet- stündiger Fahrt war die Shleusentreppe bet Niederfinow erreiht, dur) die der Kanal in vier Schleusen zum Oderbruch hinab- steigt. Nach eingehender Besichtigung der elektris< betriebenen Schleusenanlagen, neben denen ein riefiges Schiffshebewerk gebaut werden soll, wurde die Fahrt dur< eine landschaftlich reizvolle Gegend nah Hohensaaten fortgeseßt. Damit war etwa ein Drittel dieser gewaltigen Wasserstraße, bei deren Bau ungeheure tehnische Schwterig- leiten zu überwinden waren, dur<fahren und das Ende der inter- essanten Fahrt erreicht.

Cöln, 3. Mai. (W. T. B.) Der Vorstand des Vereins

zur Grrihtung eines Bismar>-Nationaldenkmals auf der Elisenhöhe hielt unter dem Vorsiß des Abg. Dr. Beumer eine zahlrei besuchte Sißung ab, der au<h der Vorsitzende des Vorstandsbeirats Oberpräsident, Staatsminister Or. Fretherrc von Rheinbaben beiwohnte. Mit den Vorarbeiten für das Denkmal ist nunmehr begonnen worden, für die weiteren Arbeiten wurde zunächst eine halbe Million -bewilligt. Die Grundsteinlegung für das Denkmal, die zu einer großen nattonalen Feier cestaltetr werden wird, soll am 1. April 1915, dem hundertsten Geburtstage Bismar>s, stattfinden. Um die no<h fehlenden Mittel in Höhe von über anderthalb Millionen Mark aufzubringen, ergeht erneut die dringende Bitte an alle vaterländish gefinnten Kreise, zu dem Werk nach, Kräften beizutragen. Zahlungen nehmen alle größeren deutschen Banken entgegen. Primkenau, 4. Mai. (W. T. B.) In der Nacht zum Sonntag sank die Temperatur auf 3 Grad. Der Frost vernichtete die Obfternte der hiesigen obstreihen Gegend; au alle Gemüsearten, Erdbeeren sowie der Flicder und die jungen Triebe der Eichen und Eschen sind erfroren.

Güstrow, 4. Mai. (W. T. B.) Auf der Güstrow- Krakower Chaussee geriet gestern das Automobil des Herrn von Tiele-Win>ler auf Roten Moor, in dem si außerdem Frau von Müller zu Hohen- Lu>kow, der Fahrer und ein Diener befanden, auf der abs<üssigen Chaussee auf einen Nebenweg und {lug um.

Frau vonMüller war sofort tot. Herr von Tiele-Win Fle, wurde \<wer verleßt, der Fahrer erlitt leichtere Vex, leßungen, der Diener konnte vorher abspringen.

Aldeburgh (Suffolk), 2. Mai. (W. T. B.) In der ver, gangenen Nacht kenterte ein Boot der Küstenwache während eines Sturmes. Drei Mann von der Besaßung ertranken.

Paris, 3. Mai. (W. T. B.) Der Flieger Levasseur hat mit etnem Fluggast an Bord und mit einer Belastung von 300 ks in 58 Minuten eine Höhe von 1950 m errei<ht und damit eine neue Höchstleistung erzielt.

Verdun, 2. Mai. (W. T. B.) Auf dem Fl ugplaß Belle, ville bei Verdun wurde die Hülle des lenkbaren Luft\schiffeg « Adjutant Réau“ während des Füllens zerstört. Die Ursache des Unglüds ist auf das Zerreißen des Neßwerkes infolge zu starken Gasdru>es zurü>zuführen. Personen sind niht verleßt worden.

Nancy, 2. Mai. (W. T. B.) Drei von Saarbrücken nah Mey fliegende deuts<he Luftschiffer überflogen heute früh die Grenze. Ihr Ballon wurde von starkem Winde getrieben. Als sie ihren Irrtum bemerkten, zogen sie sofort die Netißleine und landeten beim Dorfe Labry. Die Landung war heftig. Einer der Luft- \<iffer zog sich eine Ver stauhung zu, die beiden anderen Quetschungen. Der Unterpräfekt von Briey, der Spezialklommissar und Gendarmen begaben fi<h zum Landungsplag. Die Luftschiffer besaßen die Erlaubnis, auf französishem Boden zu landen. Der Ballon wurde nah dem Bahnhof von Conflans gebracht, von wo aus er nah Deutschland befördert werden wird.

Eupatoria, 2. Mai. (W. T. B.) Da wegen Seesturms die Verbindung der Dampfer mit dem Lande ni<ht mögli<h ift, ift u E und Ladeverkehr mit den fremden Schiffen unter- rohen.

Korfu, 2. Mai. (W. T. B.) Der Lyzeumklub grtie<is<her Damen aus Athen, der u. a. vaterländishe Trachten und Tänze pflegt, hat heute dem Deutschen Kaiser, der Kaiserin und der Königin der Helle nen eine eigenartige Huldigung dargebracht, Auf einer Bergwiese bei dem Dorfe Analipsis oberhalb des Parks von Mon RNepos, die cinen prachtvollen Bli> auf das Meer bietet, hatten fich unter alten Oelbäumen etwa hundert junge Mädchen aus Athener Familien in malerishen Gruppen auf Matten gelagert; sie trugen BVolkstrachten aus allen Teilen des vergrößerten Griechenlands. Vertreten waren besonders Attika, Korinth, Kreta, Thefsalien, Make- donten, der Peloponnes, Chios, Epirus, die ägäischen und die jonischen Inseln. Die Trachten zeigten eine uners<öpflihe Fülle von Formen und Farben, bald von der phantasttis{<en Nomantik wilder Bergvölker, bald von etner an das frühe Mittelalter erinnernden Zartheit und Würde. Sie waren zum Teil von größter Pracht und Kostbarkeit. Daneben waren etwa dreißig Jünglinge aus einer Athener Schule in der nationalen Fustanella und der gemishte Chor des Athener Konservatoriums im Kostüm aufgestellt. In der Nachmittagssonne boten die anmutigen Erscheinungen . der jungen Leute Bilder von einem wundervollen Farbenreichtum. Die Majestäten nahmen unter einem der Zelte Play. Eine Militärkapelle aus Athen f\pielte die deutshe, die Kapelle der „Hohenzollern“ die griehishe Hymne. Dann wurden na< uralten Weisen, die bald \{<wermütig und eintönig roaren, bald, so besonders die kretischen, einen wilden Rhythmus zeigten, Tänze und Netgen auf- geführt. In den Pausen fang eine Dame griechische Bolkslieder. Den S(hluß machte ein Ballos, der no<h heute wie im Altertum getanzt wird, den Tänzerinnen in antiken Gewändern eröffneten und an dem dann alle Gruppen teilnahmen. Die Majestäten zeigten das größte Interesse an den zwei Stunden dauernden Vorführungen; nah ihrem Schlusse be- sichtigte die Kaiserin einzelne Trachten näher. Die Majestäten sprachen dem veranstialtenden Komitee* thren Dank aus. Bet der Ankunft und der Abfahrt brate das Publikum ihnen lebhafte Kundgebungen dar.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Wien, 4. Mai. (W. T. B.) Der heutige Bericht über

das Befinden des Kaisers besagt, daß die Nachtruhe in der zweiten Hälfte wieder gestört war, das Allgemeinbefinden

aber troßdem befriedigend ist.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten, Zweiten und Dritten Beilage.)

Theater.

Kößnigliche Schauspiele. Dienstag: | Der Suob. Opernhaus. 91. Abonnementsvorstellung. Samson und Dalila. Oper in drei Akten und vier Bildern von Camille Saint - Saëns. Text von Lematre. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister | Bernauer und Schanzer. yon Strauß. Negie: Herr Oberregisseur

Kammerspiele. Dienstag, Abends 8 Uhr: Freiheit. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend: | Gast.)

Freitag: Frühlings Erwachen.

Berliner Theater. Dienstag, Abends | 8 Uhr: Pygmalion. Lustspiel in fünf

1 Ferdinand |8 Uhr: Wie einst im Mai. Deutsch von Richard Pohl. | Gesang und Tanz in vier Bildern von

Mittwoch und folgende Tage:

Mittwoch und folgende Tage: Der

müde Theodor. (Henry Bender als Zoologischer

Lessingtheater. Dienstag, Abends ç Akten von Bernard Shaw.

Posse mit | * Mittwoch und Freitag: Liliom. Donnerstag: Nach Damaskus.

Wie | Sonnabend: Pygmalion. baron.

Theater des Westens. (Station:

Garten. Dienstag, Abends 8 Uhr: : h 4 Operette tin drei Akten von Oskar Nedbal. | drei Akten von F. Grésac und F. Croisset.

Mittwoch und folgende Tage: Polen- blut. ù

Theater am Nollendorfplaß.

Dienstag, Abends 8 Uhr: Posse von Pordes - Milo und | Das Mirakel.

Trianontheater. (Georgenstr., nahe

Kantstraße 12.) | Bahnhof Friedrichstr.) Dienstag, Abends Potenblut. |8 Uhr: Die Notbrü>e, Lusispiel in

Mittwo<h und folgende Tage: Die

Notbrü>e.

Birkus Busch. Dienstag, Abends Der Jux- | 8 Uhr: Gastspiel des „Deutschen Theaters“ :

Mittwo<h und folgende Tage: Das

Droescher. Ballett : Herr Ballettmeister Graeb. Chöre: Herr Professor Rüdel. Anfang 7> Uhr.

Schauspielhaus. 119. Abonnementsvor- stellung. An Stelle der ursprünglich ange- kündigten Vorstellung „Der Stören- fried“: Die Foucrnalisten. Lustspiel in vier Aufzügen von Gustav Freytag. Ne Herr Regisseur Dr. Bru>. Anfang

f

Mittwo<h: Opernhaus. 92. Abonne- mentsvorsftellung. (Gewöhnliche Preise.) Der Pr. Nomantishe Oper in drei Abteilungen (zum Teil na dem Volksmärhen „Der Freis<üßg" von Â: Kind. usik von Karl Maria von Weber. Anfang 77 Uhr.

Schauspielhaus. 120. Abonnementsvor- steUung. Peer Gyut von Henrik Ibsen. (In zehn Bildern.) In freier UÜcber- tragung für die deuts<he Bühne ge- staltet von Dietri<h E>kart. Musik von Edward Grieg. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. (Direktion: Max Reinhardt.) Dienstag, Abends 74 Uhr: Shakespeare - 2yklus: Ein Sommer- nachtêtraum.

as ihr

Mittwo< und Freitag:

p erstag: Der Kaufm v onn ; er Kaufmann vou

Venedig.

Sonnabend: König Lear.

einst im Mai.

Theater in der Königgräßer Straße. Dienstag, Abends 8 Uhr: Mr. Wu. Englisch - <inesishes Spiel in dret Akten von H. M. Vernon und

Harold Owen. Mittwoch und folgende Tage: Mr. Wiz.

Komödienhaus. Dienstag, Abends 8 Uhr: Kammermufik. Lustspiel in dret Akten von Hetinrih Ilgenstein.

N und folgende Tage: Kammer- musfik.

Deutsches Künstlertheater (So- zietät). (Nürnbergerstr. 70/71, gegenüber dem Zoologishen Garten.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Schneider Wibbel. Komödie in fünf Bildern von Hans Müller-SW{löffer.

Mittwoch: Erziehung zur Liebe.

Donnerstag und Sonnabend: Schueider Wibbel,

Freitag: Der Naub der Sabine- riunen.

Theater au der Weidendammer

Brücke. Dienstag, Abends 84 Uhr: Der müde Theodor. Schwank in dret Akten von Max Neal und Max Ferner. (Henry Bender als Gast.)

Schillertheater. 0. (Wallner- theater.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Das große Licht. Schauspiel in vier Aufzügen von Felix Philippi.

Mittwoch: Was ihr wollt.

Donnerstag: Das grofte Licht.

Charlottenburg. Dienstag, Abends

Uhr: Wann wir altern von Oskar Blumenthal. Hierauf: Liebe von Gustav Wied. Nachher: Lottchens Ge- burtstag von L. Thoma.

Mittwoch: Zum ersten Male: Ueber Mae Kraft. L. Teil.

onnerstag: Heiligenwald,

Deutshes Opernhaus. (Char- lottenburg, Bismar> - Straße 34—37. Direktion: Georg Hartmann.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Monfieur Bonaparte.

Mittwoch: Die Königin vou Saba.

Donnerstag: Monsieur Bonaparte.

Freitag: Das Rheingolv.

Sonnabend: Die Meisterfinger vou Nüruberg.

Montis Operettentheater.(Früher: Neues Theater.) Dienstag, Abends 8 Uhr: FZuug England. Operette in dret Akten yon Nud. Bernauer und Ernst Wellsh. Musik von Leo Fall.

Mittwo< und folgende Tage: Juug Euglaub.

Hermann Haller. Gefangstexte von Willi Wolff. Musik von Walter Kollo.

Mittwoh und folgende Tage: Der Juxbaron.

Sonnabend, Nachmittags 3 Ubr: Vierte Opernaufführung des Sternuscheu Konservatoriums.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt.

Lustspielhaus. (Friedrichstraße 236.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Die spanische Fliege. Schwank in drei Akten von

ranz und Ecnst Bach.

Mittwo< und folgende Tage: Die spanische Fliege.

Residenztheater. Dienstag, Abends 87 Uhr: Ein Walzer von Chopin. Schwank in dret Akten von Henri Kéroul und Albert Barré.

Mittwo<h und folgende Tage: Ein Walzer von Chopin.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.) Dienstag, Abends 8 Uhr: Wenn der Frühling kommt! Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten von Jean Kren und Georg Okonkowsky. Ge- sangstexte von Alfred Schönfeld. Musik von Jean Gilbert.

Mittwoch und folgende Tage: Wenn der Frühling kommt!

Mirakel,

Familiennachrich

Berlobt: Frl. Margot von Loecbell mit Hrn. Eduard Nitter und Edlen von MNennenkampff (Charlottenburg). FrI. Luise Magdalene von Loebell mit Hru. Gerihtsassessor Bruno Kühne (Char- lottenburg—Bez:lin). Frl. Frieda Bredull mit Hrn. Leutnant Friedrich Kleu>er (Nikolaiken, Oflpr.— Allenstein).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Negie- rungs8rat Mahnke (Essen, Ruhr). Eine Tochter: Hrn. Landrat von Unger (Jarotschin).

Gestorben: Hr. Rittmeister a. D. Leon- hard Graf zu Stolberg - Wernigerode (Würben, Kr. Schweidniß). Adele Frelifr. von Wangenheim, geb. von Plessen (Coburg).

Verantwortlicher Redakteur: DirektorDr. Tyrol inCharlottenburg.

Verlag der Expedition (Heid ri <) in Berlin;

Drud> der Norddeutshen Buchdruderei unb Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32. Dreizehn Beilagen (einshließli<h Börsenbeilage).

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlih Preußischen Staatsanzeiger.

Deutscher Reichstag. 247. Sißung vom 2. Mai 1914, Vormittags 10 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Nach Erledigung der ersten Punkte der Tagesordnung, über die in der vorgestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden ist, tritt das Haus in die erste Beratung des Entwurfs eines Rennwettgeseßtzes ein.

Abg. Held (nl.): Das Totalisatorgeseß, das man gewissermaßen als eine Borbeugungêmaßregel gegen die Wettlust seinerzeit gema hat, hat nicht genügt, um den MWinkeltotalisatoren und den Winkel? buhmachern den Garaus -zu®*mähen; * Die ' Wettleidenschaft ist nun einmal eine Volksleidenschaft, und wir müssen mit dieser Tatsache

rechnen. Bisher war es wer, gegen die Winkelbuhmacher vorzu- ehen. Ich hoffe, daß der ‘vorliegende Geseßentwurf aber do< dazu Paas wird, És darf in erster Linie nicht darauf ankommen, möôg- Staat E wir versprehen uns davon,

lichst viel für den l uns chaft wenigstens etwas einzudämmen.

daß er geeignet ist, die Wettleiden

Staatssekretär des Reichs\chaßamtes hn:

Meine Herren! Jch hdbe um Entschuldigung zu bitten, daß ih nicht pünktlich zur Stelle gewesen bin. Bei der Reichhaltigkeit der Tagesordnung hatte i< angenommen, daß das Rennwettgeseß erst ctwas später zur Verhandlung kommen würde. (Abg. Erzberger: Ein Schaßsekretär, der zum Steuermachen zu spät kommt, ift ein Novum! Heiterkeit.) Er ist spät gekommen, aber hoffentlich nicht zu spät. (Heiterkeit.)

Meine Herren, das NRennwettgesecß ist immerhin von solher Wich- tigkeit, daß es sih empfiehlt, ihm einige Geleitworte vom Reg!erungs- tishe mit auf den Weg zu gében. Es muß von vornherein zugegeben werden, daß der Gegenstand, mit dem das Gesetz sih beschäftigt, eine der unerfreuli<hsten Seiten in unserm öffentlichen Leben betrifft. Es ist daher zu verstehen, daß, als die Absicht, ein solhes Geseß einzu- bringen, bekannt wurde, Bedenken in nicht geringer Zahl gegen diese Absicht geltend gemacht worden sind.

Die Wettleidenschaft \{lägt unserer Volkswohlfahrt so starke Wunden, es erliegen ihr fo zahlreihe Eristenzen, und sie bietet namentlih aud für das Aufstreben der unbemittelten Volksklassen so schwere Gefahren, daß wohl der Wunsch nahe liegen konnte, von jeder näheren geseßlichen HNegélung des Wettverfahrens abzusehen und gegen die bestehenden Schäden lediglih mit dem Strafgeseßbuh und der Polizeiverordnung anzukämpfen. Die Regierung steht in diefer Beziehung auf keinem andern Standpunkt als ein großer und wohl- beratener Teil der öffentlihen Meinung. Insbesondere ist es nicht wahr, was i gelegentli< in den Zeitungen gelesen habe, daß die Finanzverwaltung ih ‘dié Wetkleidéts{haft*zunuße machen, daß sie davon für ihre Zwede profitieren wolle, und ih muß ebenso ent- schieden den Vorwurf ablehnen, der uns auch diesmal wieder nicht erspart worden ist; “daß f< die Regierung das berühmte oder be- rüchtigte „non olet“ eines Kaiserlihen Finanzpolitikers aus dem Altertum zu eigen mache.

Wenn wir Jhnen statt rein krimineller und polizeiliher Maß- nahmen zur Bekämpfung der Mißstände des Wettwesens den weiter ausholenden Weg, roie ihn der Geseßentrourf vorzeichnet, vorschlagen, so geschieht das, weil wir uns haben überzeugen müssen, daß eine weitverbreitete und tief eingerourzelte Volksgewohnheit wie das Wetten nicht lediglih dur<h behördlihe Verbotsmaßnahmen aus der Welt geschaft werden kann. Wenn es uns felbst gelänge, etwa durch eine Vermehrung der Kriminalbeamtenschaft no<h eine Reihe weiterer \o- genannter Buchmacher oder Schlepper in Haft zu bringen, so wäre damit wenig gewonnen. Wir können eben nicht soweit gehen, daß wir den ganzen Verkehr, wie er sich Mt bloß auf den Rennpläßen, fondern au< in Wirtshaften und Läden abspielt, dauernd unter Polizeiaufsiht stellen. Auch würden wir damit nur an die Stelle eines großen Uebels ein anderes seßen, das vielleiht nicht minder {wer ins Gewicht fiele. Gerade der Umstand, daß man jahrelang vor den realen Verhältnissen die Augen verschlossen und es bei dem Versuche hat bewenden lassen, lediglih polizeilih einzuschreiten, hat die gegenwärtigen Zustände erst großziehen helfen. (Sehr richtig! re<ts.) Das lehrt uns ohne weiteres ein Bli>k in das verflossene Jahrzehnt.

Im Jahre 1905 i} von Jhnen ein Gescß, betreffend die Wetten bei öffentlih veranstalteten Pferderennen, bes{<lossen worden, das be- stimmt war, die regellosen Verhältnisse, wie sie sich beim Wetten auf den Nennpläßen und außerhalb dieser Pläße herausgebildet hatten, in geordnete Bahnen zu lenken. Das Geseß machte den Betrieb des Wett- unternehmens von einer Genehmigung der Behörden abhängig, die nur an zuverlässige Rennvereine erteilt werden durfte. Das geschäfts- mäßige Vermitteln von Wetten für öffentlihe Pferderennen im Jn- und Ausland war ebenso wie öffentliche Aufforderungen und Angebote zum Wettabschluß untersagt. Der Ertrag der Abgabe, der nah den allgemeinen Vorschriften des Reichs\stempelgeseßes über Spiel und Wette erhoben wurde, fiel zur Hälfte dem Reiche, zur Hälfte, für Zwecke der Pferdezucht, den Bundesstaaten zu. Das Geseh verfolgte insbesondere das Ziel, den privaten Wettbureaus, die schon in jener Zeit cinen bedauerlihen Umfang angenommen hatten, entgegenzuwirken. Schon damals hatte man erkannt, daß diese privaten Wettbureaus die Volksmoral \chädigten, indem sie insbesondere die Spielsuht der minderbemittelten und der mindererfahrenen Volksklassen auszunußen suchten (Sehr rihtig! re<ts.), wobei übrigens für diese Spieler bei der Unzuverlässigkeit der Unternehmer und ihren oft geradezu be- trüglihen Manipulationen vielfa<h au< im Falle des Gewinnens der Einsaß verloren ging. Gleichzeitig sollte dur< die Konzentrierung der Wetten auf den Totalisator den Rennvereinen eine Einnahme zuge- führt werden, welche diese für Zwecke der Pferdezucht nicht gut ent- behren konnten. :

Die Absicht des Gesepes ist damals nur in einer Beziehung voll erreibt worden. Es gelang, den Betrieb des Totalisators, der den Wettenden eine ordentlihe Geschäftsgebarung und eine sichere Aus- gahlung des etwaigen Gewinns verbürgt, zu fördern. Gleichzeitig mit

Erste Beilage

Berlin, Montag, den 4. Mai

den Einnahmen des Totalisators stiegen aub die Einnahmen des Fiskus; sie betrugen vor Erlaß des Gêseßes vom 4. Juli 1905 durch- \nittlih etwa 1/4 Millionen jährli, steigerten si< demnächst all- máhli<, und zwar, obwohl die Hälfte den Bundesstaaten zugewiesen wurde, bis auf über 7 Millionen Mark im Jahre 1913,

Völlig versagte dagegen das Geseß in dem Kampfe gegen die privaten Wettunternehmungen. i

Ist in dem hier in Betracht kommenden Jahrzehnt die Wohl- habenheit in allen Volksshichten“ und gleichzeitig und zum Teil im Zusammenhang damit das Interesse für ‘den Sport aller Art in sehr bemerkbarer Weise gewachsen, so wu<hs doh in demselben Maße in vielen Kreisen au<h die Sucht nah mühelosem Gewinn, und die Wektt- unternehmer, die ihre Rehnung hierauf bauten, hatten leichtes Spiel. Durch Verbindungen mit den Inhabern von Gast- und Schankwirt- schaften, von Zigarren- und Friseurläden konnten sie den Wettlustigen das Eingehen einer Wette denkbar bequem machen, während ein aus- gebildetes System von sogenannten Schleppern dafür forgte, auch solche Personen heranzuziehen, die sonst von dem Wettsport unberührt ge- blieben wären.

Dieses Verfahren ist nun freili< dur das genannte Geseh ver- boten und, wie Sie aus der Anlage zu der Begründung ersehen, tritt der Strafrichter häufig genug in Tätigkeit. Zur Bestrafung geführt wird indessen nur ein kleiner Bruchteil der Zuwiderhandelnden. Ich will zur Erklärung dafür nicht etwa auf Vorgänge hinweisen, die aus einem Gerichtsverfahren jüngsten Datums in Ihrer frischen Erinne- rung sind und bei denen es sih immer nur um vereinzelte Fälle handelt. Es genügt der Hinweis darauf, daß allgemein der Buchmacher der Unterstüßung des Publikums sicher sein kann. Jnfolgedessen wird es sehr shwer, eine Straftat zu verfolgen, und no< \{werer, sie derart festzustellen, daß eine Bestrafung erfolgen kann. Auch trägt der Buch- macher meist gelassen die Strafe, die ihm etwa zudiktiert wird; denn ab- gesehen von der üblichen, nit unbeträhtlihen Provision hat er vor dem Totalisator voraus, daß er die sehr hohe Steuer, ein volles Fünftel der Wettsumme, nicht zahlt, und daß er sie, da na der bestehenden Rechtsprechung von einer verbotenen Handlung eine Abgabe nicht er- hoben werden kann, au dann, wenn er ertappt wird, nicht zu zahlen brauht. Schließlich bleibt ihm, wenn das Spiel gar zu unglü>lich gegen ihn verläuft, immer noch der Ausweg, sich für insolvent zu er- klären.

Nun mag man si vom ethishen Standpunkt aus zu dem Spiel und der Wette stellen, wie man will, man mag das Spielen für un- sittlih und die GCrhebung einer Abgabe davon für unwürdig erklären. Das aber läßt sich von keinem Standpunkt aus verteidigen, daß ein und derselbe Vorgang, wenn er sich na< den vom Geseß zugelassenen Normen abspielt, steuerpflichtig ift, dagegen wenn er ohne Beobachtung dieserNormen vor sich geht, steuerfrei bleibt(Sehr richtig! re<ts.), daß man also denjenigen, der gegen das Geseß verstößt, no< besonders dadur belohnt, daß man ihm eine Steuer, die sonst zu erheben gewesen wäre, erläßt. (Sehr richtig! re<ts.) Dieser Auffassung waren auch in den Jahren 1911 und 1913, in denen ‘det Gêgenstand in der Budgetkom- mission, wie in der Vollversammlung des Reichstags behandelt wurde, alle diejenigen Herren Abgeordneten, die sih zu der Sache äußerten, mit Ausnahme der wenigen, die jeden Totalisator- und sonstigen Wettbetrieb grundsäßlih perhorreszierten; der Reichstag hat dann auch in der Nesolution vom 25, April 1913 dem zugestimmt und als Mittel zur Abhilfe ausdrü>lich die Konzessionierung der Buchmacher empfohlen, eine Maßnahme, die Ihnen jeßt au von den verbündeten Regierungen vorgeschlagen wird.

Diese Konzessionierung erscheint au< heute no<h als ein wirk- sames, aber au< wohl als das einzige Mittel, die Ziele des Geseßes vom 4. Juli 1905 zu erreihen. Es kann auf diesem Wege gelingen, dvur< Beschränkung der Zahl der Buchmacher teils die Wett- betätigung an sih ecinzudämmen, teils die Wettenden in no< höherem Maße als bisher zu dem ih darf wohl sagen soliden Wettgeschäft des Totalisators heranzuziehen. Es kann ferner gelingen, durch die Auswahl der Buhmacher und die Art der Konzessionsbedin- gungen, die bedauerlihen Auswüchse und Begleitersheinungen des Wettbetriebs, geflissentlihe Anlo>kung des unerfahrenen Teils des Publikums, Stundung des Wetteinsaßes, betrügerishe Umgehung der Gewinnauszahlungen und dergleichen aus der Welt zu schaffen. Es wird endlich möglich sein, mit Hilfe der geseßlich zugelassenen Buch- macher den nicht zugelassenen das Handwerk zu legen, eine Voraus- seßung, ohne die freilih jede sonstige Maßnahme ein Schlag ins Wasser wäre.

Im einzelnen enthält der Geseßentwurf an neuen Vorschlägen die folgenden: Totalisator und Buchmacher sollen nur für Pferde- rennen in Funktion treten dürfen, niht au<h für Nadfahrrennen, Flug- zeugwettbewerbe und ähnliche \sportliche Veranstaltungen. Wir wollen den Umfang des gewerbsmäßigen Wettbetriebs auf das Mindestmaß beschränken. Dort, wo er si<h no<h nicht eingebürgert hat, soll er au< nicht hinverpflanzt werden.

Die Uebertragung der Konzession im-einzelnen muß selbstverständ- lih den Landesbehörden vorbehalten bleiben; jedo<h wird der Bundes- rat genaue Konzessionsbedingungen festseßen, deren Rahmen Sie in der Begründung zu dem vorliegenden Gesehentwurf wiedergegeben finden.

Im $ 4 des Gesetzes ist die Klagbarkeit der Wette gegen den Buchmacher vorgesehen. Man hat gemeint, daß hierin eine völlige Durchbrehung des Prinzips des Bürgerlichen Geseßbuchs liege. Das ist nit der Fall; denn auch bisher haben wir bei den staatlich zu- gelassenen Lotterien einen flagbaren Anspru aus dem Spielvertrag. Der Buchmacher seinerseits hat keinen klagbaren Anspruch auf den géstundeten Wetteinsaß. Einer solhen Stundung, d. h. der Zulassung des unbaren Wettens, das eine sehr s<hwere Versuchung besonders für die jüngeren Personen darstellt, soll eben in jeder Weise vorgebeugt werden.

Einen weiten Spielraum in dem Geseßentwurf nehmen die Strafbestimmungen ein, und das mit Recht; denn gerade, wenn wir

1914.

einzelnen zuverlässigen Personen den Wettbetrieb gestatten, müssen wir mit um so größerem Nachdru>k gegen die unsoliden und unreellen Elemente vorgehen. Dazu genügen aber nit die Strafbestimmungen gegen die Buchmacher, sondern wir bedürfen ihrer au< gegen die Hilfspersonen, insbesondere gegen die sogenannten Schlepper, die eine besonders unerquid>liche Erscheinung im großstädtishen Verkehr bilden.

Wir müssen weiter Strafvorschriften haben, die es ermöglichen, dem Wetten auf der Straße, in Cafés und Restaurants entgegenzu- treten, und wir bedürfen endli<h auch einer kriminellen Handhabe gegen solhe Personen, die sih auch ferner an unkonzessionierte Winkel- buhmacher halten, Die Strafbestimmungen sind umfangreich; sie sind aber nicht zu vermeiden, und, soweit ih das übersehen kann, haben sie im allgemeinen der öffentlichen Kritik standgehalten.

Wesentlih umstrittener sind die steuerlihen Vorschriften, und ih erkenne an, daß auf diesem Gebiete große materielle Schwierigkeiten liegên. Der Gesetzgeber soll hierbei verschiedene Aufgaben erfüllen. Einerseits soll die Besteuerung in einem gewissen Einklang mit der Besteuerung der sonstigen Glücks\piele, insbesondere der staatlih zugelassenen Lotterien stehen. Wir dürfen anderseits auch die Steuer nicht so hoch bemessen, daß der reelle Geschäftsbetrieb dadur<h unmöglih gemaht wird. Endlih muß au< Rücksicht auf den Totalisator genommen werden, der sih immerhin als die bessere und wirtschaftlih weniger \chädlihe Art des Wettbetriebes erwiesen hat. \

Aus dem Versuch, diesen verschiedenen Gesichtspunkten Rehnung zu tragen, ergibt sich die nicht ganze einfache Besteuerungsform, die die Regierung Ihnen in den SS 9, 10 und 11 des Geseßentwurfs vorgeschla- gen hat. Die Wirkung einer Wettsteuer ist zweifellos verschieden, je nah den verschiedenen Arten der Wetten, die in Betracht kommen, z. B. nachdem es sich um solche zu festen Odds handelt oder um Wetten auf ausländische Nennen zum Totalisatorkurs oder um Wetten auf inländishe Nennen zu diesem Kurse. Bei den inländishen Wetten muß wieder Nücksiht genommen werden auf die verschiedenen Arten des Wettgeschäfts, so auf die immer beliebter werdenden mannigfachen Formen der sogenannten kombinierten Wetten.

Finanzielle Gesichtspunkte sind dabei nicht ausfchlaggebend. Jns= besondere darf man sih niht der Annahme hingeben, daß etwa durch eine Heraufseßung der Steuerstaffel nun au ein böherer Ertrag er- zielt werde. Der entscheidende Gesichtspunkt muß hier, wie überall, der bleiben, daß es gilt, den Winkelbuc<hmachern Schritt für Schritt das Gebiet abzugewinnen. Daraus erklärt sih au, daß wir in dem Ge- seße mehr als sonst um gewisse Ermächtigungen für die Verwaltung bitten. Es wird si vielleicht erst im Laufe der Zeit herausstellen, welhe Steuersäße die zwe>mäßigsten für die erwähnten besonderen Arten von Jnlandswetten sind. Ebenso können wir die: Besteuerung der ausländishen Wetten nicht gut ohne Nücksiht auf - die Abzüge regeln, die bereits am ausländischen Totalisator gemaht werden. Jn beiden Hinsichten erbitten wir vom Reichstage bestimmte Vollmachten für den Bundesrat. Das ist übrigens kein Novum. Wir finden es auch in anderen Geseßen. Z. B. darf ih darauf hinweisen, daß wir au< im Erbschafts\steuergeseß Vollmachten für den Bundesrat haben, welche es ermöglichen, die Besteuerung im Auslande und im Julande in gewisser Hinsicht gegeneinander auszugleichen.

Warum gerade die bestimmten Säße gewählt sind, die wir Ihnen vorschlagen, das ersehen die Herren aus der Sinzelbegründung, deren nähere Ergänzung ih mir für die Kommission vorbehalte.

Dann ist weiter der Grundsaß beibehalten worden, der {on für die bisherige Totalisatorbesteuerung galt, daß der Mehrertrag nicht lediglich dem Reiche zufließen soll, sondern daß einen Bruchteil davon die Bundesstaaten für Zwecke der Pferdezucht erhalten. Die Wahr- nehmung dieser Zwecke erscheint wohl in erster Linie als eine Aufgabe der Bundesstaaten; sie berührt aber do< au< ein ganz wesentliches Interesse des Reichs, da die Hebung der Pferdezucht von unmittelbarem militärishem Belang ist.

Der $ 16 soll den Verwaltungsbehörden die Befugnis bieten, dem fogenannten Tipsterunwesen entgegenzutreten, das einen niht unwesent- lichen Teil der Schuld an den heutigen Mißständen trägt. Im übrigen ließen sih die Vorschriften im wesentlichen an diejenigen des Reichs- ftempelgeseßes an.

Meine Herren, daß über die Zwekmäßigkeit all dieser einzelnen Bestimmungen Meinungsverschiedenheiten bestehen können und bez stehen werden, kann bei der Natur des Gegenstandes niht wunder- nehmen. Die Negierungen haben sih bemüht, eine möglidst vielseitige Erörterung hierüber in die Wege zu leiten, indem zahlreiche Sachver=- ständige gehört worden sind, au<h der Entrourf {hon in seiner vor- läufigen Form, wie er dem Bundesrate zugeleitet war, an die Oeffent- lichkeit gebraht und somit der allgemeinen Kritik unterbreitet wurde, Das Material, das uns auf diese Weise zugänglih gemacht worden ift, haben wir foweit wie möglich in der Begründung zu verarbeiten gesu<t. An der Hand dieses Materials wird es der vereinten Bemühung sicher gelingen, das Nennwettwesen für absehbare Zeit teils einzuschränken, teils in zufriedenstellender Weise zu regeln. Alle diejenigen, die inner- halb und außerhalb des Hauses daran mitzuarbeiten gewillt sind, sind uns willkommen.

Zuleßt nicht zumindest ist no< die Frage zu erörtern, wel<en Ein- fluß denn nun das Geseß auf die Einnahmen des Reichs haben wird. Eine bestimmte Antwort hierauf ist nicht zu erteilen. Zunächst läßt sich auch niht einmal annähernd angeben, welhe Summen heutzutage bei den inländishen Wetten umgeseßt werden. Noch weniger steht feft, welhe Summen etw in das Ausland wandern. Außerdem entzieht sih jeder Möglichkeit der Bere<hnung und Schäßung die Frage, wie viele von den Wetten, die gegenwärtig abgeschlossen werden, künftig unterlassen und wie viele für den steuerlihen Zugriff verbleiben wer- den. Jn keiner Beziehung gehen die Ansihten der SaWverständigen so auseinander, wie hierüber. Während uns von der einen Seite ge» radezu märchenhafte Summen als dem steuerlihen Zugriff erfaßbar genannt werden, bedient man si< auf der anderen Seite zur Kenn-

zeichnung des mutmaßlichen -Gffekts der geplanten Gesehgebung des

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