1914 / 140 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

M.jestät tem Kaiser war auß Seine Köntaliche Hoheit der Prinz August Wilhelm von Preußen erschienen.

Der Minister der öffentlihen Arbeiten von Breitenbach hielt an Seine Majestät den Kaiser folgende Ansprate:

Eure Kaiserliche und Königliche Majestät ! i

Die glanzvolle Entwiklung, das Blühen und Gedeihen unseres gesamten Wirtschaftslebens, si gründend auf die Machtstellung des Deutschen Reichs, wird kaum von einem Zweige der Staatsverwal- tung unmittelbarer und augenfälliger empfunden, als von dem Ressort der öôffentliden Arbeiten, dem die großen Verkehréstraßen des Landes anvertraut sind Wasserstraßen und Eisenbahnen, dite erstbecufenen Vermittler der Bezüge und Erzeugnisse der arbeitenden, arbeitsamen, gewerbetätigen Bevölkerung. Zu allen Zeiten ist in Fersen der Schaffang und Ausgestaltung der Verkehrswege, ihrer npassung an die jeweiltgen Bedürfnisse des Landes die ganze Sorge des Staates zugewendet worden. Jahrhunderte vor der Inbetriebnahme von Eisenbahnen haben die Herrscher ‘des Hohenzollernhaufes troß \{<wieriger politisher WVerbält- nisse und knapper Finanzen diese Fürsorge dur, die Anlage von Wasserstraßen mit zäher Tatkraft weitshauend betätigt. Auch diese neue Wasserstraße, deren Weihe dur< Eure Majestät uns zu ehrfur<hts- vollem Dank verpflichtet, bedeutet nur etnen weiteren Schritt auf diesem Wege. Schon vor dem Dreißtajährizen Kriege im Jahre 1605 ist unter dem Erlauhten Vorfahren Eurer Majestät, dem Kurfürsten Joachim Friedrih, mit dem Ausbau einer die Spree und Havel mit der Oder verbindenden Wasserstraße, dem heutigen Finowkanal, be- onnen in der Erkenntnis der Bedeutung einer folhen für den Berkehr der Landeshauptstadt mixt dem gesamten Odergebtet. Die Schre>en des Dreißigjähriaen Krieges mit ihren unheilvollen Folgen der Verödung staatlihen und wirtschaftlißen Lebens und der völligen Erschöpfung der Finanzkraft des Landes haben den inowkanal diese erste künstliche Wasserstraße Preußens ald nah threr im Jahre 1620 erfolgten Inbetriebnahme verfallen Iassen, so sehr, daß die Erinnerung an ihr Vorhandensein dem Gedächtnis der Lebenden völlig entshwunden war. Erst dem großen Könige Preußens Friedri 11. war es vorbehalten, auch dieses Kultur- werk wieder zu beleben und dem Betriebe zu übergeben, um dann später das zweite große Friedenswerk in hiesiger Landschaft, die Urbarmahung des Oderbruches, anzuschließen. ¿Fast 170 Jahre sind seit dieser zweiten Inbctriebnahme des Finowkanals vergangen, und so bescheiden, an unseren Auffassunaen gemessen, die Anlage des viels<leusigen Kanals \i<h darstellt, so Er- sprießlides hat sie für die jewriligen Berkehrsbedürfnt\e in der Ver- gangenhett geleistet. Aber die Erkenntnis ihrer Unzulänglichkeit für den gewalttg gestlegenen neuzeitlihen Verkehr der Neicbshauptstadt wie ihres weiten Hinterlandes, der Wunsch, den blühenden, in fich er- starkten Dstseehafen Stettin in gesteigertem Maße zum Vermitiler diefes Verkehrs zu machen und gleichzeitig die Interessen der Landes- kultur in den Provinzen Brandenburg und Pommern zu fördern, führten zur Erbauung dieses neuen Schiffahrtsweges in wesentlich boll- rommenerer Ausgestaltung, mit weit geringerer Schleusenzahl und in Abmessungen, die den Bedürfnissen des Verkehrs auf lange Zeit Rechnung tragen werden, glei<zeitig aber zum Ausbau der Oder bis Stettin. Um das Werk zu vollenden, haben erste Kräfte der Technik und Verwaltung thr Bestes geleistet, ihr ganzes Können und Wissen eingeseßt, so manhe Stunde der Sorge im Kampfe mit den natücrlihen Widerständen und Gewalten bis zum Gelingen verbraht. Tausende von fleißigen Händen haben fich Jahr aus Jahr ein geregt. Ihnen allen gebührt Anerkennung und Dank für ihre nüßlihe, dem Staate geweihte Arbeit. Unter Eurer Majestät lebhaftester Anteilnahme und starker Förderung ist das große Verkehrswerk im Etnvernehmen mit den geseßgebenden Körperschaften und nah Uebernahme der geforderten Garantien von seiten der Städte Berlin und Stettin sowie unter Beteiligung anderer Interessenten, insbesondere der Provinz Pommern und der Stadt Charlottenburg, vorbereitet und vollendet. Seine Weihe vollzieht sich heute angesihts der vierstufigen Schleufentreppe, des bervorragendsten Bauwerks der neuen Wassersiraße, die das Herz der Mark mit den Fluten der Ostsee kraft- voller als bisher verbinden wird; ste erfolgt angesihts des alten, dem Verkehre verbleibenden Wasserweges, des Finowkanals und angesichts der frohblühenden Fluren des einstigen Oderbruches. Große Kultur- werke aus Vergangenheit und Gegenwart umgeben uns Und sind uns Zeugen der Kraft und der Blüte preußischer Lande unter " der Hohenollern Schirm und Schild. Und wenn i< mit Eurer Majestät Ermächtigung dieser Schiffahrts- straße zwischen der Haupt- und Residenzstadt des Reiches und Landes und dem Oderstrome den Namen „Hohenzollernkanal“ beilege und diesen Namen hiermit verewigé, \o geschieht dieses in Dankbarkeit und zur bleibenden Erinnerung an die friedlichen Großlaten unseres an- gestammten, geliebten Fürstenhauses, denen sich dieses jüngste Werk des Veikehrs zum Segcn unseres Preußenlandes ruhmvoll ans<{ließt. Durdrungen und erfüllt von solchen Empfindungen, bitte id, fi zu verein?!n in den Nuf der Treue und Ergebenheit: Seine Mojestät

unser Allergnädigster Kaiser, König und Herr Hoch! Hoch! Hoch! Hierauf gab der Minister die aus Anlaß der Kanaleröffnung verliehenen Auszeihnung-n bekannt. Seine Majestät der Kaiser dankte allen, die an dem Werke mitgeholfen hatten, und erklärte den Groß\chiffahrtsweg, der den Namen „Hohenzollernkanal“ führen soll, für eröffnet. Nun- mehr wurden die Pläne, Modelle und Zeichnungen des Kan - und Hebewerks besichtigt, zu denen von einem MReglerungspertreter Erläuterungen gegeben wurden. Hieran {loß fi< die Vorstellung von Vertretern der be- teiligten Körperschaften, insbesondere des Wasserstraßenbeirats. Um 12 Uhx begab sich Seine Majestät der Kaiser, gefolgt von der Fest- gesellshaft, zur Syleuse 1, wo die Schiffe bestiegen wurden, Nachdem ‘die Dur(hs{hleusung zur S(leuse 2 erfolgt war, wurde mittels Durchschneidung einer vor der Schleuse ausgespannten Schnur die Fahrrinne freigegeben, worauf die Weiterfahrt na<h Eberswalde erfolgte. Um 1 Ubr

Theater. Akten von Max Neal und Max Ferner.

Gastspiel Miß Mac Keen.

u / Freitag und Berliner Theater. Donnerst., Abends milde Abeobov.

8 Uhr: Wie einst im Mai. Posse mit Keen Gesang und Tanz in vier Bildern von : Bernauer und Schanzer.

Freitag und folgende Tage: Wie einst im Mai.

Theater in der Königgrüßer

Straße. Mr. Wu. Englisch - <inefishes Spiel in drei Akten von H. M. Vernon und Harold Owen.

Freitag und folgende Tage: Mr. Wu.

Deutsches Künstlertheater (So-

müde Theodor.

olnár. Freitag und - folgende Märchen vom Wolf.

Komödie in fünf Akten von Ludwig Holberg.

Frettaa und folgende Tage: Jeppe | heer. vom Berge.

Theater an der Weidendammer |8 Uhr: Klein Eva.

Akten von Olga Ott. Bríícke. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Freitag: Heiligenwald. Der müde Theodor. S{hwank in drei

lo Bafisviel Mis D Direktion: Georg Hartmann.)

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Der

Sonnabend: Kleiu Eva.

30 Minuten mah:e der Dampfer ,Acxand:ia* mit Seiner Majeslät dem Kaiscr an Bord an der Wass.rtorbruke fest. Hier wurde Seine Majestät von - der Stadtvertretung von Eberswalde be- grüßt. Auf eine Ansprahe des Bürgormeisters Hopf ant- wortete Seine Majestät der Kaiser: „Ih beauftrage Sie, die Bürgerschaft Metnes fortlaufenden Interesses zu versichern. Es hat Mich gefreut, daß die Stadt einen \olhen Aufschwung genommen hat.“ Hierauf begrüßte Seine Majestät die Kriogervereine, die Schüßengilde und sonstige Vereine. Dann erfolgte in Automobilen die Nücksahrt nah dem Neuen Palais.

Der Großschiffahrtsweg Berlin—Stettin hat eine Baugeschichte von nahezu einem Jahrzehnt. Am 9. April 1904 ging dem preußt- hen Abgeordnetenhause ein Gesetzentwurf, betreffend die Herstellung und den Ausbau von Wasserstraßen zu, der an zweiter Stelle die Summe von 43 Millionen Mark für die Herstellung eines Großschiffahrtsweges Berlin—Stettin (Wasserstraße Berlin—Hohensaaten) forderte. te geseßgebenden Körperschaften Preußens stimmten nah eingehenden Beratungen dieser Forderung zu und so sah das Wasserstraßengeseß voîn 1. April 1905 den Bau etner [eistungsfähigen Schiffahrts- verbindung Berlin—Stettin vor. Neben dem alten, nicht erweiterungs- fäbigen Finowkanal mit seinen zahlreihen Schleusen, auf dem nur bollbeladenen Fahrzeuge bis zu 170 t Tragfähigkeit verkehren können, sollte ein Kanal von Berlin nah Hohensaaten für 600 t - Schiffe mit nur 4 Siaustufen geschaffen werden. Dieses Werk ist jeyt vollendet. Ursprünglich glaubte man die feierliche Eröffnung shon im Jahre 1913, im Jubiläumsjahre des Kalsers, vornehmen zu können. Aber im letzten Augenbli>, als bereits der bversu<h2weise Betrieb eingerichtet war (April 1913), traten an Sdleuse I1T der großen Ntederfinower Schleusentreppe Undichtigkeiten auf, die das Bauwerk dur< Unterspülung gefährden konnten. Uh bei Schleuse 1V zeigte si< ein Schaden und die Gründung der Schleusen mußte dur<h umfangreiche Sicherungs- und Verstärkungs- arbetten verstärkt werden. Diese umfangreichen Nacharbeiten fanden zu Beginn des Jahres 1914 thren Abschluß und im März 1914 konnte der versu<8weilse Betrteb auf der Schleusentreppe erneut aufgenommen twerden. Der Schiffahrtsbetrieb auf der übrigen Kanalstrede na< Berlin sowie der Verkehr dur< die Hohen- saatener S{hleusen war dur diese Nacharbeiten nicht berührt worden. Infolge der gestiegenen Arbeitslöhne, der Mehrkosten für den Grunderwerb und leistungsfähigeren Gestaltung der Schiff- fahrtsanlagen wird der Kostenvorans<lag um 6 Millionen Mark über- schritten werden, nämli< um 34 Millionen für den eigentlichen Kanal und um 23 Millionen für das in Vocberettung befindliche Hebewe1k. Die Schiffahrts\traße, welche wesentlih die Aufgabe hat, die größte peußische Seehafenstadt Stettin in ihrem Wettbewerb mit den nicht preußischen Nord- und Ostseehäfen zu stärken, der für Stettin durch den Nord-Ostseekanal wie durch den Elbe-Travekanal und andere Wasser- E erhebli< ers{<wert worden ist, beginnt in Plözensee, folgt zunächst der Linie des alten Spandauer Schiffahrtskanals, verläßt diese aber bei Saatwinkel und mündet in die Spandauer Havel cin, deren Lauf sie bis Finow folgt. Sie benußt dann die ausgebaute alte Havel bis zum Lehnißsee und durchquert diesen See in setner ganzen Länge. An seinem Nordende beginnt mit der Lehnitzs<leuse die Scheitelhaltung des Großschiffahrtsweges, der von Malz ab im wesentlichen dem Zuge des alten Malzer Kanals folgt. Bei Dusterlake verläßt er den Kanal und nimmt seinen auf fast ganz östli<h bis zum Abstieg bei Niederfinowm. Wenige Kilometer westliG von Zerven- shleuse wird die Wasserscheide zwischen Elbe und Oder überschritten, dann der Finow- und der Werbellinkanal gekreuzt. Nördlih von Eberswalde wird die Berlin-Stettiner Bahn mittels eines Nükenkanals überschritten und demnächst das Nagöser Fließ auf cinem etwa 28 m hohen Damm. Bet Niederfinow erfolgt der Abstieg von der Sceitelßaltung in das Tal der alten Oder durch die A erwähnte Schleusentreppe, die einen Höhenuntershied von 36 m überwindet. Der Unterkanal der Schleusentreppe mündet bei den Lieper Schleusen in den alten Finowkanal, weiterhin benußt der Großschiffahrtsweg die Gewässer des L'ieper und Oderberger Sees und verfolgt von Oderberg ab den Lauf der alten Oder bis Hohen- saaten. Hier ist die Einmündung mit zwei Sc<hleppzugschleusen etner- seits in die Stromoder, andererseits in die Westoder.

Die neue Schiffahrtsstraße ist von den Plötenseer Schleusen bls Hohensaaten rund 100 km lang. Diese ganze Strecke zerfällt, wte aus dem Gesagten hervorgeht, in nur 3 Haltungen: Die Havel- haltung, von Plögensee bis Lehnißscleuse, die Schetitelhaltung von Lehnths{leuse bis Niederfinow und die Oderhaltung von Ober- finow bis Hobensaaten. Der Großschiffahrtsweg ist im all- gemeinen zweischisfig ausgebaut, jedo< ist eine Grweiterung zum dreischiffigen Verkehr vorgeseben. Der Wasserquerschnitt ist fo bemessen, daß Schiffe von 600 & Tragfähigkeit, nämli< von 65 m Länge, 8 m Breite und 1,75 m Ttefgang auf dem Kanal verkehren können. Wendestellen find in größerer Zahl auf der Kanal'tre>? ver- teilt. Der Großschtffahrtêweg wird von 6 Eisenbahnlinien und einer großen Anzhl von Straßen durhkreuzt. Zur Veberführung sind im ganzen 36 Brü>ken gebaut worden. Der {on erwähnte Brückenkanal, auf dem der Kanal die Berlin-Stettiner Eisenbahn etwa 2 km nördli vom Bahnhof Eberswalde überschreitet, hat Naum für einen dreischiffigen Verkehr. In der Sceitelhaltung ermöglihen dret Sicherheitstore oder Wassertore im Fall eines Dammbruches die unverzügliche 1b- sperrung des Kanals, damit Gefahren für den Kanal und das Ge- lände abgewendet werden. Die Tore liegen am Pechteich, bei Lichter- felde und Eberswalde. Das Senken und Heben der Tore vollzieht ih in 17 Minuten.

Die Kanalabgaben sind auf 30—60 4 für jede Tonne vorgesehen, während fie bisher auf den märkischen Wasserstraßen erster Ordnung 20—44 9 betrugen. Dagegen beträgt die Frachtermäßigung für Transporte zwischen Berlin und Stettin infolge des Großschiffahrts- weges 75 S für die Tonne. :

Während die Vorlage über den großen Wasserwe wie die übrigen Bestandtelle der großen wasserwirtschaftlichen Bor- lage im Landtage no< von dem verstorbenen Minister von

E et

Deutsches Opernhaus. (Char- lottenburg, Abends 8 Uhr: Undine.

Lortzing. in Xreitaa : Iphigenia in Aulis. Sonnabend: Der Zigeunerbarou.

Liebe.

Donnerstag, Abends 84 Uhr: Der Jux-| Freitag

Freitag Juxbaron,.

und folgende Tage: Der

liege. Schwank in drei Akten von

ranz Arnold und Ernst Bach.

Freitag - und folgende . Tage: - Die spanische Fliege.

leys Taute.

Moutis Op f Bismar> - Straße 34—37. | Neues Theater.) Donnerstag, Abends i: | ; ; ao onnerstag, |8 Uhr: Ensemblegastspiel des „Hamburg- Vereheli<t: Hr. Rittmeister Hug Nomantisch- | Altonaer Stadttheaters* : Als ich no< komische Oper in vier Akten von Albert | im Flügelkleide. Ein fröhlihes Spiel l vier Akten von A. M. Frehsee. (Sommerpreise.) a opa N A S ae Tage: Als i< Sonntag, Nachmittags 3 r: Die |uoch im gelEleide. Lessingtheater. Donnerstag, Abends lustigen Weiber von Windsor. 8 Uhr: Das Märchen vom Wolf, | Abends: Der Zigeunerbaron. Donnerstag, Abends 8 Uhr: | Ein Spiel in drei Akten von Franz

Tage: Das Mlle l G ollendorfplaß. | Ludwig Hirschfeld.

E E N E fi und folgende Tage:

. baron. Posse voa Pordes - Milo und | verflixte Liebe. Schillertheater. 0. (Wallner- Hermann Sclee, Gefangstexte von Willi

zietät). (Nürnbergerstr. 70/71. gegenüber |t heater.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Wolff. Mußk von Walter Kollo.

dem Zoologis<hen Garten.) Tonn eg, Dn Ute ven D Ea Funipiet

e U _DLE en bon re mieden. E e o Teoe Frettag: Mein erlauchter Ahnuherr. Sonnabend: Mein erlauchter Ahn-

Thaliatheater. (Direktion: Kren und

Schönfeld.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: | DirektorDr. Tyrol in Charlottenburg.

Wenn der Frühling kommt! Posse A Í , mit Gesaug 5 Tant drei Akten von | Verlag der Expedition (J. V.: Koye)

¡ Jean Kren und Georg Okonkowsky., Ge- Luflspielhaus. (Friedrichstraße 236.) | sangsterte von Alfred Schönfeld. Musik / ; Charlottenburg. De, Abends Donnerstag, Abends 84 Uhr: Die spanische | von Jean Gilbert. Dru der Norddeutschen Buchdrukerei uny uslspiel in dre

Budde vertr. ten wurde, ist dle ganze Ausführung des mächtigen Werkes unter seinem Nachfolger von Breitenba<h erfolgt, dem naheinander die Unterstaatssekcetäre Schul, Holle später Kultusminister und Freiherr von Coels van der Brüggkten sowie die Ministerialdirektoren von Doemming und Peters zur Seite standen. Die technischen Angelegenheiten für den Kanal von Berlin bis Hohensaaten bearbettete der Geheime Oberbaurat Gerhardt, die Bauten im Bereiche der Oder der Oberbaurat Germelmarn, alle Ver- waltungsangelegenheiten der Wirklihe Geheime Dberregierungsrat Bredow. Das dur Königliche Verordnung vom 2. April 1906 ein- geseßte Hauptbauamt für die Herstellung des Großschiffahrtsweges unterstand der Neihe na< den Regierungs- und Bauräten Nakonz, Niese und Holmgren für die te<nishen, den Negierungsräten Biehler und Friedheim für die Verwaltungsangelegenheiten.

Kiel, 16 Juni. (W. T. B.) Bei der heutigen zweiten Segelwettfahrt in der Kieler Föhrde um den Preis von Belgien wurde die Jaht „Ilse 4* vom Hamburger Segler- verein erste, „Bajazzo" vom Lübe>ker Jachtklub zweiter, „Nurdug“ vom Königlih Dänischen Jachtklub dritter und „Meargarete* von der Kieler Seglerveretinigung vierte.

Cassel, 17. Juni. (W. T. B.) Aus einem aroßen Teile Kurhessens und dem angrenzenden Cichsfelde kommen Mel- dungen über \{<were Schäden, die gestern nachmittag und abend dur<h wolkenbruchartigen Gewitterregen angeri<tet worden find. In vielen Orten sind die Feld- und Gartenfrüchte durch schwere Hagelschläge vernihtet oder dur die Fluten der aus den Ufern getretenen Wasserläufe mitsamt der Muttererde weggeshwemmt. Kleine Brü>en, leichte Baulichkeiten. Geräte und Materialien, ebenso das frish gemähte Heu wurden fortgerissen. Mehrfach mußten die Wohn- häuser geräumt werden. In der Homburger Gegend lag der Hagel fünf Zentimeter hoh. Der Bliß hat an mehreren Orten Anwesen eingeäschert. In Baumbach {lug er in das Stations gebäude und töôtete ein Kind des Vorstehers, ein zweites wurde verleßt. In Binsförth er s<lug der Bliy zwet italienische Arbeiter. In Küllstedt wurde die 13 jährige Tochter des Gastwirts Wehenkel auf dem Heimwege vom Felde, in Solz bei Bebra der 20 jährige Sohn des Tischlermeisters Schmauch dur den Bli getötet.

Paris, 17. Juni. (W. T. B.) Eine fünf Quadratmeter große Grdsenkung von zwei Metern Tiefe hat ih auf der Place JIéna über den Arbeiten der Untergrundbahn gebildet. Zweit andere Erdeinstürze sind an der Wegekreuzung Glu >- Halévystraße und an der Place de Nome festgestellt worden. Die technishen Beamten versidern, daß keinerlei Gefahr bestehe. Der Pariser Deputierte Binder teilte dem Minister der öffentlihen Arbeiten mit, daß er ibn über die vorgestern abend dur die Erdeinstürze verursahten Unglüsfälle sowie über die Maßnahmen befcagen werde, welhe die Behörden zu ergreifen ge- denken, um in Zukunft derartige Vorkommnisse unmögli zu machen. Bisher wurden die Leichen yon _fe<s Ver- unglückten zutage gefördert. Nach den der Polizei zugegangenen Meldungen werden no< se<s Personen vermißt; man fürchtet, daß fie bei den Erdeinstürzen ihr Leben eindebüßt haben. Unter den Vermißten befindet < au< der Rentner Emile de Mallmann, ein Angehöriger einer bekannten Bankierfamilie. Die Besitzer der durch die Erdeinstürze gefährdeten Häuser haben die Absicht, gegen die Stadt Paris einen Schadenersaßprozeß anzustrengen.

M oskau, 16. Juni. (W. T. B.) Durch einen Brand, der infolge einer Explosion ausbrach, wurde heute die Zelluloidkamm- fabrik von Kaminsky zerstört. Es sind bereits fünf Leichen geborgen worden. Der Besitzer der Fabrik und vierzig Arbeiter wurden s{wer, außerdem mehrere leit verletzt.

Lüttich, 16. Juni. (W. T. B) Heute na<mittag ist in einer Spinnerei ein Brand ausgebrohen. Die 300 Arbeiter verließen fluhtartig das Gebäude. Zwei Frauen sind verbrannt. Viele Personen“ wurden verlegt.

Kopenhagen, 16. Innt. (W. T. B.) Der Internationale Pressekongreß (vgl. Nr. 139 d. Bl.) hielt heute seine S<luß- lißuna ab, der unter anderen au<h der Ehrenpräsident des Kongresses, Minister des Innern Rode und andere hervorragende Persönlichkeiten beiwohnten. Der Präsident des Kongresses, Redakteur Singer - Wien, dankte dem dänishen König, „der Regierung, den städtishen Behörden von Kopenhagen und dem dänischen Komitee für den einzig dastehenden herzlihen Empfang und für die Festtage, welche die Kongreßteilnehmer in Kopenhagen verbraht haben. Nachdem der Chrenpräsident, Minister des Innern Rode gedankt und noch eine Netihe anderer Nedner ihren Dank dargebracht hatte, erklärte der Präsident Singer den Kongreß für geschlossen.

Konstantinopel, 17. Junt. (W. T. B) Der belgische Landwirtschaftsingenieur Ta>, der von Räubern entführt worden war, ist wieder freigelassen worden. (Vgl. Nr. 128 d. Bl.)

Quebec, 16. Juni. (W. T. B.) Vor der Kommission, die die Ursachen des Untergangs des Dampfers «Empreß of JIreland* (vgl. Nr. 127 d. Bl.) untersucht, sagte der Kapitän der „Empreß of Ireland“ Ken dall aus, daß er nach seiner Nettung dur< ein Boot der „Storstad“ auf den Kapitän des Dampfers „Storflad* zugegangen sei, und ihm gesagt habe: „Sie haben mein Schiff zum Sinken gebraht. Sle sind mit voller Geschwindigkeit gefahren.“ Er erklärte weiterhin, daß er auf dem Dek der „Storstad vor Erschöpfung zusammengebrochen sei.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.) erettentheater.(Früher:| Familiennaczrichten. Frhr. von Eickstedt mit Frl. Maria von Waldthausen (Gersfeld, Rhön). Geboren: Ein Sohn: Hrn. Felix On Ano Grafen Behr-Bandelin (Bandelin). Eine Tochter: Hrn. Hermann Grafen zu Dohna (Groß Kotenau). Hrn. Hauplmann Hans-Maurus von Wiede

Berlin). Hrn. von Heyden (Dresden). i i Carl Böckmann (Nittergut

_— Otn. Residenztheater. Donnerstag, Abends Dab iß, Kr. Teltow).

Liebe. Schwank in brei Alten von | Gestorben: Hr, Landrat Friedri von

Marées (Namslau). Hr. Pastor Die | Gustav Schiller (Probsthain).

Verantwortlicher Redakteur:

in Berlin.

Freitag und folgende Tage: Wenn | Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 32,

der Frühling kommt! Sonntaa, Nachmittags 34 Uhr: Chax- |

Acht Beilagen (eins{ließlid Börsenbeilage),

„2 140,

Preußischer Landtag. Herrenhaus. 15. Sißung vom 16. Juni 1914, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphischem Bureau.)

Ueber den Gesebentwurf, betreffend die Einziehung staatlicher Schhiffahrtsabgaben durch Ge- meinden und Private, berichtet namens der Kom- munalfommission Herr von Bu <h-Carm zow. Die Kom- mission empfiehlt die Vorlage in der vom anderen Hause be- schlossenen Fassung. j Das Ne beschließt demgemäß ohne Debatte.

Der esegentwurf sur Abänderung der Besol- dungsordnun g ist von der Finanzkommission vorberaten worden. Den Bericht erstattet Herr Dr. Hillebrandt: ___ Die Kommission hat einstimmig Nen, Ihnen zu empfehlen, die Vorlage so anzunehmen, wie sie von der Regierung eingebraht und vom anderen Hause genehmigt worden ist, sih auch damit einverstanden zu erklären, daß die Novelle mit Wirkung vom 1. April 1914 in Kraft tritt. Die beabsichtigten e E IelCunan erfordern einen Aufwand von etwa 25 Millionen Mark. Dem Reichstage in der VBesoldungsfrage zu folgen, lag keine Veranlassung vor, der preußische Landtag würde damit ohne Grund einen Teil seiner Selbständigkeit geopfert haben. Die Wohltat einer Gehaltszulage wird durch die Vorlage etwa 110 000 Personen bezw. Familien zuteil. Vielleicht wäre es ja wünschenswert gewesen, auch die Klassen 6—12 der Besoldungs-

ordnung aufzubessern. Aber die Vorlage hatte dann keine Aussicht auf Billigung durch die Staatsregierung, und dank der Festigkeit des

Finanzministers ist es gelungen, dem Andrängen der Parteien im anderen Hause in dieser Beziehung erfolgreich Widerstand zu leisten. ZU erwägen ware ja gewesen, ob niht au< die höheren Beamten einen Anspruch auf ein höheres Gehalt hätten, namentli solche, die für zahlreihe Kinder zu sorgen haben. Ebenso wäre zu erwägen, ob nicht eine kleine Erweiterung des Besoldungss\ystems angebracht wäre. Der Nile hat in der Begründung des Entwurfs ausgeführt, daß die Erhöhung der Besoldungen sich innerhalb des bisher geltenden Besoldungssystems halten müsse, daß von einem Uebergang zu einem anderen System vorläufig Abstand genommen werden müsse, weil die ¿Frage noch nicht reif sei. Gewiß ist auf diesem Gebiete eine Vorsicht geboten. Es müßte ernstli<h erwogen werden, ob nicht Erziehungsbei- hilfen obligatorish allen Beamten, auch den höheren, gewährt werden sollten. Jn manchen Yeamlenkreisen hat ja das System der Kinder- beihilfen Widerstand gefunden. Wir dürfen uns aber dur solche Urteile niht abhalten lassen, diese Frage ernstli< in Erwägung zu ziehen. Die unverbeirateten und kinderlosen Beamten sind nach meiner

Vieinung ausreichend fundiert. Die Schwierigkeit beginnt erst mit der Kindererziehung. Man könnte vielleicht in dem Meliblenverioni gungsgeseß mutatis mutandis einen gewissen Anhalt dafür finden. Diese Crage ist in der Kommission akademish erörtert worden, ohne zu einem eann se geführt zu werden. Jch glaube ja nicht, daß das Gesetz dauernde Nuhe bringen wird. Schon 1868 wurden ä nliche Be- reen laut wie jeßt, daß niemand E Joie Gehalt leben könne. Der Staat kann seine A nur erfüllen nah dem Prinzip der Gerechtigkeit und sorgfältiger bwägung der finanziellen erhaltnisse. In diesem Sinne erscheint die Besoldungsnovelle abgefaßt, und ich empfehle Jhnen im Namen der Kommission ihre Annahme.

Finanzminister Dr. Lentz e:

Meine Herren! Als die Besoldungsordnung im Jahre 1909 verabschiedet wurde, war man allgemein der Ansicht, daß mit dieser Vesoldungsordnung für längere Zeit alle Besoldungswünsche und Vesoldungsansprüche befriedigt worden wären. Die damalige Besol- dungsordnung ‘hat einshließlih der Erhöhung der Pensionen und Neliktenbezüge rund 200 Millionen Mark Mehrausgaben für den Staat erfordert, und zwar nicht einmalige, sondern dauernde Mehr- ausgaben, für die der Staat damals sogar nicht einmal die De>ungs- mittel bereit hatte, sondern für die er erst teilweise neue Steuern und Steuerzuschläge einführen mußte, und für die im übrigen ganz allmählih dur äußerste Einschränkung in unseren Ausgaben eine De>kung gefunden worden ist. Die damaligen Besoldungserhöhungen waren zum Teil re<t beträchtliche, und die Erwartungen, die man an die Besoldungsordnung geknüpft hatte, erschienen infolgedessen durchaus begründet. Aber nichtsdestoweniger hat si inzwischen ge- eigt, daß in mancher Hinsicht im wirtschaftlihen Leben Verschie- bungen eingetreten sind, welche die Erwartungen nach der einen oder anderen Nichtung hin nit als ganz zutreffend erwiesen haben. Es war damals bei der Aufstellung der Besoldungsordnung der Grund- saß beobachtet worden, daß bei der Gleichartigkeit der Beamten- verhältnisse im Reih und in Preußen die preußischen und die Reichsbeamten, soweit sie sih in gleichen und parallelen Stellungen befanden, eine gleihe Besoldung beziehen sollten. Nur bei drei VBeamtenkategorien hatte das Reich damals eine Ausnahme gemacht: nämlih bei den Vortragenden NRäten, bei den Reichstagsbeamten und bei den Postassistenten, indem es diesen drei Beamtenkategorien eine bessere Besoldung zubilligte als den entsprechenden preußischen Beamtengruppen. Es wurde aber damals an der preußischen Besol- dungéordnung nichts mehr geändert. Ihr Aufbau und ihr Zustande- kommen war doch so schwierig gewesen, daß die Staatsregierung davon absah, nun no< einmal an eine Aenderung heranzugehen, und die Be- soldungsordnung blieb so, wie sie beschlossen worden war. Die Unterschiede, welche bezüglih der Besoldung der Postassistenten be- standen, waren an si gar keine erheblichen. Die Gehälter der Eisen- bahnassistenten unterschieden sich von der Besoldung der Postassistenten nur in den fünf unteren Gehalts\tufen, im Höchstgehalt waren die Gehälter hon wieder gleich. Aßher selbst diese Ungleichmäßig- keit führte do zu großen Beschwerden bei unseren CEisenbahnassistenten. Sie wurden jahrein jahraus bei dem Abgeordnetenhaus vor- stellig, es möchte do eine Gleichstellung zwischen ihnen und den Post- assistenten au< bei den fünf ersten Stufen eintreten. Das Abge- ordnetenhaus hatte zunächst nit den Wunsch, daß die nur mühsam zustande gekommene Besoldungsordnung so bald wieder abgeändert werden möchte, und ersuchte deshalb bei der ersten Petition die Staatsregierung, unte r Aufrechterhaltung der Besoldungs- ordnung für einen Ausgleih zu sorgen. Ein derartiger Ausgleich war nur dadurch herbeizuführen, daß die Unterstüßungsfonds heran- gezogen wurden und daß dort, wo eine besondere Notwendigkeit be- stand, den einzelnen Beamten eine besondere Unterstüßung zuteil wurde. Dieses geschah dann auch. Die Assistenten begnügten sich aber da-

Erste Beilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

Berlin, Mittwoch, den 17. Juni

mit nit und wurden in den folgenden Jahren wiederum auf Gleich- stellung mit den Assistenten im Reiche vorstellig. Schon nach der zweiten Petition gab das Abgeordnetenhaus nah und ersuchte die Staatsregierung, selbst unter Abänderu ng der Besoldungs- ordnung die Gleichstellung herbeizuführen. Die Staatsregierung konnte sih aber dazu nicht entshließen, weil die Besoldungsordnung ein zu shwieriges und künstliches Werk war, welches in Gefahr fam, daß es, wenn man an einzelnen Teilen änderte, entweder ganz oder um großen Teile einer Aenderung unterworfen werden müßte.

Meine Herren, eine Besoldungsordnung is ungemein \<wierig aufzustellen. Wir haben in" Preußen ein solches Heer von Beamten und so verschieden geartete Verwaltungszweige, daß man tatsächlich nur unter den allergrößten Schwierigkeiten nah den eingehendsten Prüfungen überhaupt eine einigermaßen zutreffende Besoldung, die nah Möglichkeit befriedigt, festseßen kann. Es kommt noch hinzu, daß zwischen den einzelnen Verwaltungszweigen große Unterschiede bestehen und troßdem der Wunsch vorhanden ist, die einzelnen Be- amtengruppen nah Möglichkert in die gleiche Besoldungsklasse hinein- zubringen. Da wird von allen Seiten aufgepaßt, ob nicht die eine oder die andere Gruppe dabei besser fährt, und infolgedessen hat jed- wede Zuwendung an irgendeine Beamtengruppe sofort zur Folge, daß eine ganze Reibe von anderen Beamtengruppen sich meldet und er- klärt: da ist unseren Interessen zu nahe getreten, wenn die etwas bekommen; bei uns sind die Leistungen und Anforderungen, die an uns gestellt werden, derartig, daß wir mindestens dasselbe verlangen müssen usw. Es ist tatsächlich ohne die allergrößte Vorsicht unüber- sehbar, wohin man kommt, wenn man der einen Gruppe viel oder au< nur irgend etwas zuwendet, ohne die anderen mit zu bedenken.

Meine Herren, es kommt noch hinzu, daß ja die Besoldungen bei uns im Staate do<h auch notwendig eine Nückwirkung haben auf die Besoldungen sowohl im Reiche wie auch in den Bundesstaaten, wie auch in den Provinzen, Kreisen und Kommunen. Namentlich die Provinzen, Kreise und Kommunen müssen notwendig sofort folgen, wenn der Staat mit Besoldungserhöhungen vorgeht; denn sie be- kommen sonst keine Beamten, wenn sie niht entsprechend gleichfalls aufbessern. Ebenso liegen ja die Verhältnisse bekanntermaßen im Reiche. Aber damit ist es no< nicht genug. Unsere Besoldungs- ordnung hat ganz ohne Frage auch eine Nückwirkung auf die Privat- wirtschaft. Wenn wirdieBeamtenbesoldungen erhöhen, dann wird auch die Privatwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen, und auf sie müssen wir doh ebenfalls nah jeder Richtung hin Rücksicht nehmen. Es ist infolge- dessen nicht so leicht, wie es scheinen möchte, eine Besoldungsordnung festzuseßen. Es sind dabei die allershwierigsten und kompliziertesten Fragen zu berü>sihtigen. Man muß sehr große Vorsicht walten lassen, selbst wenn man das beste Herz hat, den Beamten möglichst viel zuzuwenden.

Der ablehnende Standpunkt der Königlichen Staatsregierung gegen eine Abänderung der Besoldung hat sih niht mehr halten lassen, seitdem im Jahre 1913 im Reich die Besoldung der Post- assistenten und Postschaffner erhöht worden war. Im Jahre 1913 wurde die Besoldung für dik Postassistenten um 300 4 erhöht, eben- so die der Postschaffner um 100 A. Da war dieser Standpunkt nicht mehr innezuhalten; denn die Ungleichheit, die vorher {on bezüglich der fünf untersten Stufen zwischen Post- und Eisenbahnassistenten bestand, wurde dadur<h ganz wesentlich verschärft, daß alle Post- assistenten im Endgehalt 300 4 mehr bezogen, es war ganz unmög- lih, mit Ausgleihszuwendungen fernerhin auszukommen. Die Staatsregierung mußte deshalb an eine Aenderung der Besoldungs- ordnung herantreten. Dabei ergab st< aber, daß eine Aenderung auch voll Plaß greifen mußte bei denjenigen Beamtenkategorien, bei welchen die Besoldung als niht mehr ausreichend anerkannt werden mußte, und das waren die drei untersten Besoldungsklassen eins, wei und drei, in denen die Ueberzahl aller Unterbeamten sich be- findet. Die Beamten dieser Besoldungsklassen hatten auh nach Ansicht der Staatsregierung dringend eine Aufbesserung nötig. JIn- folgedessen hat die Staatsregierung diese drei Beamtenklassen au< mit in die Aufbesserung hineingezogen. Jm übrigen aber wurde nur die Klasse 5 no< mit hineingezogen, welche der Klasse 4 so einiger- maßen entsprah, weil die Staatsregierung es auch bei dieser Klasse für notwendig hielt, eine BVesoldungserhöhung eintreten zu lassen. Die Klassen 13 bis 16 wurden der Assistentenklasse gleichgestellt, zum Teil ohne daß die Jnhaber der einzelnen Aemter auch noch eine Zulage bekamen, sodaß wir tatsähli<h eine Besoldungsänderung haben, welche ni<ht unmittelbar aufeinander folgende Besoldungs- klassen, sondern die Besoldungsklassen 1 bis 5 und 13 bîs 16 um- faßt; die dazwischen liegenden Besoldungsklassen sind zurzeit nicht berüdsihtigt worden. Es hat sih leider nicht ermöglichen lassen, au< die zwischen 5 und 13 liegenden Besoldungsklassen mit zu berüsich- tigen; die Mittel waren nicht vorhanden, und außerdem wäre au< eine Reihe von Rückwirkungen eingetreten, welhe die Staats- regierung unbedingt verhindern mußte, die sie nicht eintreten lassen konnte. Dieses Auslassen hat ja verschiedentlich große Kritik her- vorgerufen, und i< muß erklären, daß die Königliche Staats- regierung ihrerseits ja au sehr gern diese Klassen mit berüsichtigt hätte, wenn es mögli gewesen wäre, da ihr das Wohl ihrer Beam- ten sehr am Herzen liegt, aber es war ausgeschlossen, und infolgedessen konnte die Besoldungsordnung sih nicht auf diese Beamtenklassen er- stre>en. Von gegnerisher Seite ist nun wiederholt der Staats- regierung der Vorwurf gemacht, sie täte gar nichts für die Beamten, wenn sie nicht gedrängt würde durch die Parlamente. Das ist abso- lut unzutreffend. Die Staatsregierung muß diesen Vorwurf ent- schieden zurüd>weisen.

Wenn die preußishe Staatsregierung \sih ledigli auf eine \schematische Gleichstellung mit den Besoldungserhöhungen im Reiche hätte beschränken wollen, dann hätte sie rund 40000 Beamte be- denken müssen, nämlich ledigli<h die Beamten der Besoldungsklassen 13 bis 16 und die Klasse 4. Die Staatsregierung ist aber erheblih weiter gegangen, sie hat nicht allein diese 40 000 Beamten, sondern

auch die Beamtenklassen 1 bis 3 mit 91000 und die Klasse 5 mit 21 000 Beamten berüdsihtigt. Das sind 110 000 Beamte mehr, als eine bloße mechanische Gleichstellung erfordert hätte. Der Vor- wurf ist also absolut ungerechtfertigt.

Andererseits muß die Staatsregierung für si in Anspruch nehmen, daß sie die Jnitiative für die Erhöhung der Beamtenbesoldungen und die Aenderung dieser Besoldungen selbst in der Hand behalten muß. (Sehr richtig!) Sie darf sich diese Jnitiative vom Parlament nicht aus der Hand nehmen lassen, denn die schwierigen und komplizierten Zusammenhänge der ganzen Verhältnisse und ihre Folge ist allein die Staatsregierung imstande zu übersehen. (Sehr richtig!) Sie muß die Verantwortung tragen und deshalb die Initiative behalten. Aus diesem Grunde hat die Königliche Staatsregierung von vornherein erklärt, daß sie in die Zwangslage verseßt werden würde, die Besol- dungsordnung zurü>zuziehen, wenn Aenderungen an derselben vor- genommen würden, und zu unserer großen Freude war das Abgeord- netenhaus nah Lage der Sache so einsichtig, sih dem anzuschließen und den Geseßentwurf zu genehmigen. Wir stehen also heute davor, daß wir zahlreichen Beamten eine- erbebliche Besoldungsvermehrung ¿uwenden, sobald dieses Geseß zur Verabschiedung gelangt. Dieses Geseß bringt. keineswegs wenig. Es erfordert allein 19,3 Millionen Mark für Gehälter, dann für Pensionen und MNeliktenbezüge rund 4 Millionen, und außerdem sind zu gleicher Zeit neben der Besol- dungsordnung die Bezüge des Fahrpersonals der Cisenbahnverwal- tung no< erhöht worden, was rund 3 Millionen Mark mehr erfor- dert. Es ist also doch erhebliches durch diese neue Novelle an Zu- wendungen geleistet worden.

Meine Herren, die neue Novelle ist lediglih auf dem bisherigen Besoldungss\ystem der Dienstalterszulagen aufgebaut worden. Von dem Uebergang zu dem System der Kinderzulagen, welches wiederholt empfohlen worden ist, hat die Staatsregierung Abstand genommen, weil diese Frage zurzeit no< nicht reif ist. Es würde ein Abgehen von unserm bisherigen Besoldungésystem bedeuten, wenn wir Kinder- zulagen gewähren wollten, und ein solcher Schritt will reiflih über- leat sein. Unsere bisherigen Besoldungen sind darauf aufgebaut, daß der Beamte nach den Anforderungen bezahlt wird, die das Amt an ihn stellt. Wenn dagegen ein Beamter für ein oder mehrere Kinder Zulagen erhält, dann würden seine persönlichen Verhältnisse berüd>- sichtigt, es würden niht mehr allein objektive, sondern au< sub- jektive Momente in Betracht gezogen. Nun it in keiner Weise zu leugnen, daß die Gewährung von Kinderzulagen ein durchaus \ym- pathischer Gedanke ist. Denn ein Beamter mit einer stärkeren Kinderzahl hat natürli eine sehr viel größere Mühe, mit dem Ge- halte auszukommen, als ein Beamter mit einer kleineren Familie. Aber die Frage ist do< no< nit reif. Denn ebenso wie unsere jeßigen Besoldungen ihre FNückwirkungen auf andere Beamten- kategorien und auf unsere private Volkswirtschaft haben, ebenso wird auch ohne Frage der Uebergang zu einem solchen Besoldungssystem die gleiche Folge zeitigen. Wenn wir unseren Beamten Familien- zulagen geben, dann müssen wir sie au<h dew Staatsarbeitern ge- währen, und wenn diese sie bekommen, werden sie auch die Privat- arbeiter verlangen. (Sehr richtig!) Also der Kreis zieht si< immer weiter. Ob sih etwas Derartiges durhführen läßt, ist augenblid>li niht zu übersehen. Jedenfalls muß aber diese Frage reiflih ge- prüft werden. In einem Staate sind die Familienzulagen bereits durchgeführt, das ist in Ungarn. In Ungarn bekommen die Beamten Familienzulagen, und zwar - verschieden na< zwei Gruppen. Die erste Gruppe bekommt für ein Kind 100 Kronen, für zwei Kinder 200 Kronen, für drei und mehr Kinder 300 Kronen Zulage. Die ¿weite Gruppe bekommt 200, 400, 600 Kronen für dieselbe Anzahl von Kindern. Wenn wir die ungarischen Bestimmungen auf unsere Beamten anwenden wollten, würde das für Preußen eine Mehr- ausgabe von rund 60 Millionen Mark erfordern. Nun ist man in der Beamtenschaft selbs si< au< no< nicht darüber einig, ob es angebracht ist, Kinderzulagen zu gewähren oder nicht. Ein Teil der Beamten verhält sih den Kinderzulagen gegenüber ablehnend, und zwar aus dem Grunde, daß sie fürchten, wenn erst einmal Familien- zulagen eingeführt sind, die Grundgehälter sehr viel \{werer erhöht werden würden. Eine Familienzulage hat natürli<h zur Voraus- seßung, daß sie nur auf Zeit gewährt wird, und zwar nur auf die Zeit, wo der betreffende Beamte seine Kinder noch zu erziehen hat. Wenn ein Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat, dann muß natür- lih die Familienzulage für dieses Kind in Fortfall kommen. Ebenso sind auh die Familienzulagen nit pensionsberehtigt. Diese drei Momente veranlassen manhe Beamtengruppe bisher, sih der Gewäh- rung von Familienzulagen gegenüber ablehnend zu verhalten. Aber, wie ih vorher {on sagte, die Frage ist zurzeit no< nicht reif, sie muß noch weiter geprüft werden; jedenfalls bei der heutigen Besol- dungsordnung konnte sie niht weiter in Betracht kommen. Diese Vorlage müßte auf dem alten bewährten System aufgebaut werden, damit die Beamten au< mögli{st bald in den Genuß der Gehalts- erhöhung kommen. (Bravo!) Ich möchte deshalb das Haus bitten, der Besoldungsvorlage seine Zustimmung zu erteilen. (Bravo!)

Herr von Buh-Carmzow: Jch habe wiederholt Gelegen- heit gehabt, hier über Besoldungsfragen zu sprechen, und 1< habe dabet die Unterstüßung von der andern Seite des Hauses gefunden. Im Ge- gensaß zu früheren Vorlagen hat der Finanzminister den Wünschen gegenüber, die hier laut geworden sind, \hroff den Standpunkt der Regierung gewahrt. Die Frage der Beamtenbesoldun ist Sache der Negierung. Die Regierung, die nicht dafür sorgt, daß idre Beamten angemessen bezahlt werden, und die nm<t re<tzeitig darauf abgezielte Anträge stellt, verleßt ihre Pflicht. Auf der andern Seite ist es aber cine vollständige Verschiebung der Verhältnisse und steht mit dem Sinne der Verfassung nit im Einklang, wenn in dem Wahl rlament dauernd auf eine Erhöhung der Gehälter der einzelnen Kategorien gedrängt wird, denn ohne Wahl und ohne Qual wird die Erhöbung auf Grund der Petitionen befürwortet, und die Parteien laufen Wette, sih lieb Kind bei den N Beamtenkategorien zu n m um bei

den Wahlen sih deren Stimmen zu sichern. Dagegen muß wieder einmal Verwahrung eingelegt und dies au einmal wieder o fen aus-

die verschiedenen Beamtenkategorien geradezu besondere Schu

gesprochen werden. In den einzelnen Parlamentea haben E ge

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