1914 / 149 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

dem ordentlichen Professor in der rects- und staats- wissenshaftlihen Fakultät der Universität in Kiel Dr. Georg Kleinfeller den Charakter als Geheimer Justizrat,

den etatmäßigen Professoren an der Technischen Hochschule in Berlin Wilhelm Franz, Dr. Friedrih Seeßelberg, Jo- hannes Obergethmann, Dr. Georg Scheffer s, Dr. Stanislaus Jolles und Friy Klingholz, dem etatmäßigen Professor an der Technischen Hochshule in Aachen Karl Quirll sowie den Regierungs- und Schulräten Röhricht in Koblenz, Menschig in Oppeln, Dr. Du mdey in Potsdam und Hellweg in Arnsberg den Charakter als Geheimer Regierungsrat,

dem Studienanstaltsdirektor a. D,, Schulrat Dr. Gustav Gerth in Bielefeld und dem Oberlehrer an dem Altstädtischen Gymnasium in Königsberg i. Pr., Professor Kurt Baske den Charakter als Geheimer Studienrat sowie O

dem Universitätsregistrator Otto Tamborini in Kiel den Charakter als Rechnungsrat zu verleihen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

den Kommerzienräten Hermann Joseph Hummel in Hoch- heim a. Main und Wilhelm Simon in Kirn, Kreis Kreuznach, den Charakter als Geheimer Kommerzienrat,

dem Fabrikanten Ferdinand Neißgert in Charakter als Kommerzienrat und i :

dem Dampfmühlenbesißzer Karl Fritz in Riesenburg, Kreis Rosenberg W.-Pr., den Charakter als Kommissionsrat zu verleihen.

Fulda den

Justizministerium.

S rage ref Dr. Wolff in Zabrze ist nah Neu- marît i. Schl. verseßt. A In der Liste dn Rechtsanwälte sind gelöscht die Nechts- anwälte: Geheimer Justizrat Halbe bei dem Landgericht in Bromberg, Dr. Schirokauer bei dem Landgericht I in Berlin, Fuisting bei dem Amtsgericht in Friedland, Bez. Bréslau, Greiß bei dem Amtsgericht in Ottweiler und Lücderath bei dem Amtsgericht in Mettmann. E Mit der Löschung des Rechtsanwalts Fuisting in ried- land, Bez. Breslau, in der Rechtsanwaltsliste ijt zugleich sein Amt als Notar erloschen. A - In die Liste der Rechtsanwälte ist eingetragen: der frühere Réchtsanwalt Erich Waesch bei dem Kammergericht, der Rechtsanwalt Fuisting aus Friedland, Bez. Breslau, bei dem Amtsgericht. und dem Landgericht in Schweidniß, der Notar Bruns in Kastellaun bei dem Amtsgericht daselbst unter Be- lassung in dem Amt als Notar, die Gerichtsassessoren: Schmall bei dem Kammergericht, Dr. Kanter bei dem Landgericht in Limburg, Dr. Grüters und Otto Lion bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Bonn, Dr. Bernhard Kahn, Leyen ded er und Dr. Tutt bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Cöln, Bernhard Wagner bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Duisburg, Mühlen bei dem Amtsgericht und dem Land- gericht in M.-Gladbach und Northoff bei dem Amtsgericht in

Hättingen. ; R Amtsgerichtsrat We>werth bei dem Amtsgericht

Der Berlin-Mitte und der Rechtsanwalt und Notar, Justizrat

Pieper in Lüdenscheid sind gestorben.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Versetzt sind: der Berginspektor Preißner vom Stein- fohlenbergwerke Camphausen an das Steinkohlenbergwerk Kronprinz und der Berginspektor Langer vom Steinfkohlen- bergwerke Kronprinz an das Steinkohlenbergwerk Camphausen.

Ministerium der öffentlichen Arbeiten.

Der Regierungsbaumeister Wilhelm Schmidt ist von Dörverden zur Weserstrombauverwältung in Hannover verseßt.

Der Regierungsbaumeister Gehm in Berlin ist der Hoch- bauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten über- wiesen worden.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Versetzt sind: der Kreistierarzt Bischoff in Ratibor in die Kreistierarztstelle in Beuthen O. S. und der Kreistierarzt, Veterinärrat Richter in Lublinig in die Kreistierarztstelle in Ratibor.

Die Oberförster stelle Elnhausen im Regierungs- bezirk Cassel ist zum 1. September 1914 zu beseßen und müjjen Bewerbungen bis zum 15. Juli 1914 eingehen.

Kriegsministerium.

Die Kriegsgerichtsräte Dr. Zencke, Dr. Schwenzner und Umbach- sind der 4., 34. und 33. Division zugeordnet, Dr. Liebezeit vorläufig der 36. Division überwiesen worden.

Die Obermilitärintendantursekretäre Bieber, Dormann, Bergau, Heiler, Schwellenvach, Wagner, uschens, Nicolaus, Pitshmann, Bergemann, Pfotenhauer, Lamschi> sind zu Geheimen expedierenden Sekretärén und.

die Militärintendanturregistratoren S Ain Christ, Diedrich, Lehnhoff, Hannemann zu Geheimen Registra- toren im Kriegsministerium mit Wirkung vom 1. April 1914 ab ernannt worden.

Angekommen: Seine Exzellenz der Staatssekretär des Neichsschaßamts, Wirkliche Geheime Rat Kühn.

Nichtamtliches. Deutsches Rei <.

Preußen. Berlin, 27. Juni 1914.

Seine Majestät der Kaiser und König heute in Kiel an Bord der Jacht „Hohenzollern“ den Vortrag

hörten

des Staatssekretärs des Reichsmarineamts, von Tirpiß.

Großadmirals

“nach sechstägiger Debatte jpie 9 aft immung über die R>e& : 17€ f v ordensähnlichet

Jhre Majestät die Kaiserin und Königin sind gestern abend, wie „W. T. B.“ meldet, mittels Sonderzuges von der Fürstenstation Wildpark aus nah Eckernförde abgereist und werden si<h von dori nach Kiel begeben.

Jn der am 2. d. M. unter dem Vorsiß des Staats- ministers, Staatssekretärs des Jnnern Dr. Delbrüc> ab- gehaltenen Plenarsizung des Bundesrats wurde der Vorlage, betreffend die Unterhaltung von Postdampfschiffs- verbindungen mit den Schußgebieten und der Südsee, die Zu- stimmung erteilt. Zur Annahme gelangten die Vorlage, be- treffend die Rückzahlung der von den amerikanischen Ab- nehmern für Kalisalze im Jahre 1910 gezahlten Abgaben, die Vorlage, betreffend Aenderung der Bestimmungen zur Ausführung des Weingeseßes, die Aenderung des $ 1 Der Bekanntmachung, ‘betreffend allgemeine polizeiliche Bestim- mungen über die Anlegung von Land- und von Schisfsdampf- fesseln, die Aenderungen und Ergänzungen der Bauvor- schriften für Schiffsdampfkessel sowie der Materialvor- schriften für Land- und für Schisfsdampffkessel, die Vor- lage, betreffend die fernere Amtsdauer der gegenwärtigen Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten bei den Organen der Krankenkassen, die Vorlage, betreffend die Neuwahl der nicht- ständigen Mitglieder des Reichsversicherungsamts aus dem Stande der Arbeitgeber und der Versicherten, und die Vorlage, betreffend die Herabsezung der Kontingente der Zündwarenfabriken für das Betriebsjahr 1914/15. Demnächst erfolgte die Beschlußfassung über die Wahl von höheren Beamten der Reichsversicherungs- anstalt für Angestellte, über die Beseßung einer Mitgliedstelle beim Reichsversicherungsamt, über die Beseßung einer Reichs- gerichtsratsstelle, über die Wahl von Mitgliedern des Reichs- gesundheitsrats, über die Besezung von Stellen bei den Kaiser- lichen Disziplinarbehörden sowie über eine Reihe von Eingaben.

Laut Meldung des - „W. T. B.“ sind am 25. Juni S. M. S. „Goeben“ in Jaffa, S. M. S: „Dresden “in 2 2 R "t [E P; : ; Puerto Mexiko und S. M. S. „Tiger“ in Tientsin einge-

troffen.

Baden.

In der Ersten Kammer wurde gestern bei der Be- ratung des Voranschlags der * Großherzoglichen Wasserbau- direktion nohmals die Frage der Rhe inregulierung zwischen Basel und Konstanz besprochen.

Im Laufe der Debatte wies der Kommerzienrat Engelhardt- Mannheim laut Bericht des „W. T. B.“ darauf hin, daß die Schwetz für die S@iffbarmahung des Obercheins sowohl für die Strecke Straßburg—Basel, wie für die Stre>e Basel—Konstanz einen Teil der Kosten tragen wolle. Der Minister des Junern Fretherr von Bodman betonte, daß die Ausführung des Projekts der Schiff- barmahung der Stre>e Basel— Konstanz anderen Staaten voraus- htlih mehr Vorteile bringen werde als Baden selbst; deéhalb sei es um so notwendiger, für cine gerechte Verteilung der Kosten Sorge zu tragen.

Hessen.

In der gestrigen Sißung der Zweiten Kammer erfolgte gierungsvorlage, Hetreffend y Kongveg»y. tiontn. meldet, wurde der grundlegende Antrag des - Abgeordneten Bach (nl.), die die englischen Fräuleins und die bischöflichen Erziehungsanstalten betreffenden Positionen des Geseßent- wurfs auszuschalten bis“ zur Beratung des Schulgeseßes, abgelehnt, ebenso auch der Artikel ‘1 der Regierungs- vorlage, nah dém den weiblichen Unterrichtsorden ‘die Auf- nahme neuer Mitglieder gestattet werden sell, wenn das Be- dürfnis hierzu nachgewiesen wird. Dafür wurde. ein Antrag des Abg. Korrell-Ingelheim (fortshr. Volksp.) angenommen, nach dem der Stand des Lehrkörpers der englischen Fräuleins und der übrigen einst bestehenden Unterrichtsanstalten auf der Höhe des Bestandes vom 1. April 1914 festgeseßt werden soll. Weiter wurde der Absaß 2 des Geseßes an- genommen, nah dem diese Vorschrift au<h auf die Privat- mädchenshulen Anwendung finden soll, in denen die Schwestern von der „Göttlichen Vorsehung“ unterrichten. Weiter wurde * dem Antrage zugestimmt, den bestehenden Orden (Kapuzinerorden) Laienniederlassungen in Sensheim und Offenbach zu gestatten, und unter der gleichen Voraus- seßung, das heißt mit Genehmigung des Ministers des Innern, eine Niederlassung des Ordens der Benediktiner in Mainz zu gestatten. Ebenso wurde zugestimmt, daß unter der Zustimmung der Landstände an den bischöflichen Knaben- erziehung8sanstalten in Kleinzimmern und Drois als Lehrer, Leiter, Erzieher oder Vorstände im Bedarfsfalle au<h Per- sonen angestellt werden, die einem niht ausschließlih dem Unterrichte si< widmenden Orden angehören. Das “Geseh wurde im übrigen na<h der Fassung des Ausschusses ange- nommen. Eine Resolution Dr. Osann (nl.), nah der mit der Annahme des Gesetzes keinerlei Festlegung für das Schul- geseß erfolgen soll, wurde angenommen, ebenso das Ersuchen an die Negierung, alle drei Jahre eine Denkschrift über die Entwicklung des Ordenswesens vorzulegen. Darauf wurde die Kammer bis zum 7. Juli vertagt.

i igiöósen Qrden und L

Sachsen - Meiningen.

Wie das „Meininger Tageblatt“ meldet, hat Seine Hoheit der Herzog Bernhard folgendes Telegramm von Seiner Majestät dem Kaiser und König erhalten:

Ich nehme an dem Htnscheiden Detnes treuen Vaters wärmsten Anteil. Empfange Mein herzlichstes Beileid zu dem {weren Ver- lust, den Du mit Deiner Familie und den Sacsen-Metningischen Landen erfahren hast. Zu Meinem s{merz;lihen Bedauern ist es Mir niht mögli, dem Verewigten persönlih die letzte Ehre zu erweisén; I<h habe Meinen Sohn, den Kronprinzen, mit Meiner Vertretung bei der Beiseßzung beauftragt. Gott der Herr \hi>e Dix Kraft aus der Höhe zu dem übernommenen Herrscher- amt und lasse Dich regieren zum Segen Deines Volkes und des deutschen Vaterlandes. Wilhelm.

Deutsche Kolonien.

Sm Gouvernementsrat von Deutsch Ostafrika wurden am Mittwoch bei der Fortseßung der Besprechung der Arbeiterfrage, wie „W. T. B.“ berichtet, Klagen über Arhbeitermangel besonders für Ga angugen vorgebracht und bemerkt, daß das bisherige Ergebnis der neuen Anwerbe- ordnung enttäuscht habe. Der Gouverneur legte dar, daß un- geachtet des zeitweiligen Zurückbleibens des Arbeiterangebots hinter der Nachfrage die Arbeiterverhältnisse in Deutsh Ost-

Wie 1,W. T! B.“

afrika am günstigsten von allen deutschen Kolonien lägen. Weiter wies der Göuverneur ziffernmäßig nah, daß die bisherigen . Nesultate der neuen ÄAnwerbeordnung nicht ungünstig seien. Für ein endgültiges Urteil sei die Zeit zu kurz. Auf den von einem Mitgliede vorgebrahten Wunsch, daß die amtliche Anwerbung eingeführt werden möchte, erwiderte der Gou- verneur, dies sei niht angängig, weil der Vorschlag zu einem Arbeitszwang führen müßte. Die Notwendigkeit ausreichender Arbeiterfürsorge wurde allseitig anerkannt. Der Gouverne- mentsrat erklärte si<h einstimmig, das evangelishe und kotholishe Missionsmitglied eingeschlossen, gegen die Auf- hebung der Haus stlaverei bis zum Jahre 1920, billigte die Grundsätze der Denkschrift des Gouverneurs und befürwortete weitere Maßnahmen zu einer allmählichen Beseitigung. Eine Resolution, betreffend Schaffung eines landwirtschaft- lichen Kreditinstituts, wurde angenommen, ferner wurde eine Kommission zur Berätung über die Pol izeitruppe ein- geseßt. Nach Erörterung von Einzelfragen, wie der Sonntags- ruhe und der Buchführung der indischen Kaufleute, sowie von Anträgen aus dem Kreise der Mitglieder wurde der Gouvoerne- mentsrat geschlossen.

ieraufrei,

In der gestrigen Sißung des Senats wurde die Be- ratung des Marinebudgets fortgeseßt.

Nach dem Bericht des „W. T. B.“ erklärte der Marineminister Gauthier, daß die Flotte programmäßig ausgebaut werde; die Bauzeit der großen Schiffe habe si< auf drei Jahre vermindert, das sei ein großer Erfolg und gegenüber der fieberhaften Bautätigketit auf fremden Werften notwendig. Zwei Ersazbauten für Großkampf- schiffe sollten 1915 begonnen werden, vann fehle zur Erfüllung des Bauprogramms von 1912 nur no<h ein Neubau, der {on 1916 anstatt 1917 auf Stapel gelegt wirden würde. Die Entwi>lung der Klasse der Unterseebote und der Flugzeuge werde gefördert werden, aber es sei unerläßlih, den Bau von Panzerschiffen fortzusezen. Zu ge- gebener Zeit werde er dein Parlament vorschlagen, dem Programm von 1912 die durchaus notwendigen Ergänzungen zu geben. Es werde nötig sein, die franzöfischen Häfen und Reeden zu verbessern. Jm Jahre 1920 werde Frankrei<h die von dem Programm vorgesehenen 94 Unterseebote haben, do< werde man diese Zahl vielleicht ver- mehren müssen. Was das Marineflugwesen betreffe, so würden die erforderliGßen Anstrengungen gema<ht werden, um die verlorene Zeit roteder einzuholen. Nichts werde verabsäumt werden, um das auf- gestellte Programm auszuführen und die Ausbildung des Personals zu sichern. Ueber die Berteidigung der Küsten stehe ein Abkommen zwischen dem Krtegs- und dem Marineminister unmittelbar bevor. Der Minister bat zum Schluß das Parlament, thm Vertrauen ent= gegenzubringen.

In der Deputiertenkammer standen gestern Jnter- pellationen wegen der durch elementare Ereignisse hervor gerufenen Katastrophe in Paris auf der Tagesordnung.

Der Abgeordnete von Paris Btnder fragte den Minister der öffentlihen Arbeiten, wel<e Maßnahmen er zu ergreifen gedenke, um der Wiederholung einer Katastrophe, wie fie das Unwetter vom 15. Juni bervorgerufen habe, vorzubeugen. Der Medner stellte fest, daß Bruchstellen der Abflußröhren ausschließli<h über der im Bau befindlichen Untergrundbahn liegen. Die Entschuldi- gung, daß höhere Gewalt vorliege, könne man hier ni<t gelten lassen. Berry, ebenfalls Abgeordneter von Paris, erklärte, daß hier

„mehr als Verantwortlichkeit, nämli strafbares Verschulden, vorliege. Der Minister der öfferitlihen Arbetten Nenoult bat die Kammer,

mit der weiteren Zesprehung dieser Angelegenheit zu warten, bis die Üntersuchungskow.ütssion, d: nicht nur die Ursachen der Katastrophe, sondern au die Frage der Verantwortlichkeit prüfe, ihre Arbeiten beendet babe. Sodann legte der Minister dar, weihe Sicherheits- maßnahmen er für die Zukunft getroffen habe. Der Abgeordnete Denys Cochin verlangte die Etusezung einer parlamentarischen UntersuGungskommission.

Die Kammer beschloß, die Besprechung der Juterpellation zu vertagen.

Nuß;land.

Die Neichsduma hat gestern, einer Meldung des „W. T. B.“ zufolge, in geheimer Sigung vier Geseßentwürfe angenommen, in denen u. a. Mittel für eine Eisenbahn von Rjasan über Tula, Suchinitsh, Baranowitsch nah Warschau und ferner für den Bau von strategischen Chausseen im fernen Osten gefordert werden.

Jtalien.

Jn der gestrigen Sißzung der Deputiertenktammer setzten die Sozialisten ihre Obstruktion gegen die Steuer maßnahmen fort, jedo<h ereignete sih kein Zwischenfall. Die Zeitung der Reform-Sozialisten, die sich an der Obstruktion nicht beteiligen, tadelt diese Obstruktion lebhaft.

Spanien.

a Jn der Deputiertenkammer rühmte gestern der Liberale Nivas Mateos die deutsche Pädagogik und den in der deutshen Schule in Madrid gegebenen Unterricht und sagte, wie „W. T. B.“ meldet, es sei wünschenswert, daß die Wissen \chaft des Auslandes und besonders die deutsche Wissenschaft in Spanien ihren Einzug halte, denn Deutschland führe das Szepter aller Zweige des menshli<hen Wissens.

Griechenland.

Die griechische Note auf die türkishe Antwortnote ijt vorgestern dem griechishen Gesandten in Konstantinopel Panas telegraphish übermittelt worden und wird der Pforte ohne Verzug Überreicht werden. Der Jnhalt der Note wird nach der Ueberreichung veröffentlicht werden.

- Jnfolge der Vermehrung der Flotte und wegen der großen Seemanöver, die in der nächsten Woche beginnen werden, sind, wie „W. T. B.“ meldet, sieben Klassen der Marinereservisten einberufen worden.

Serbien.

Die zwischen der altradikalen Regierungspartei und der fort\chrittlihen Partei gepflogenen Verhandlungen wegen Abschlusses eines Wahlkompromisses sind, wie „W. T. B.“ meldet, infolge prinzipieller Gegensäße in der Frage des Arbeits- programms der zu bildenden gemeinsamen Regierung ge? \cheitert. Gestern wurden Verhandlungen zwischen den drei oppositionellen Parteien wegen Bildung eines Wahlblo>es auf- genommen.

Albvauien, |

Jn der Nacht zum Donnerstag und im Laufe des Tages hat

fich in Durazzo, wie das Wiener „K. K. Telegraphen - Korre- \pondenzbureau“’ meldet, nihts Bemerkenswertes ereignet. Die Ausrodungen auf der Sumpfflähe und die übrigen Befestigungsarbeiten wurden eifrig fortgeseßt. Verhandlungen

mit den Aufständischen fanden nicht statt. Der Waffenstill- tand ist bis Donnerstagabend verlängert worden. Jn- ¿wischen laufen aus ‘dem Süden fortwährend ungünstige, jedoch nit genau kontrollierbare ‘Nachrichten in Durazzo ein. So eint sich der Fall Berats nicht zu bestätigen, jedenfalls - sind aber diese Stadt und Fieri gefährdet. FJsmail Kemal soll in Valona und in den südlihen Gebieten, wo er Ein- fluß besißt, eifrig bemüht sein, ein Freiwilligenkorys zu sammeln, um den vorrü>enden Aufständischen entgegenzutreten. Der „Neuen Freien Presse“ zufolge wird die österreichisch- ungarische Regierung auf Ersuchen Albaniens ein Kriegs\ciff um Schuße des ‘Lebens und des Eigentums der fremden Staatsangehörigen nah Valona entsenden ; desgleichen auch Jtalien. A L i E gestern früh war ein allgemeiner Artillerieangriff geplant. Während die Strandbatterien die feindlichen Stellungen am Nasbul bombardieren sollten, sollte die „Herzegowina“ die E Stellungen in der Richtung auf Kavaja bei Sasso Bianco be- ießen. Der Angriff ist aber auf Wunsch des Fürsten unterblieben, nur die bereits vor dessen Kundgabe mit dem Jngenieur Haeßler in der Richtung auf Kavaja ausgelaufene „Herzegowina“ gab einen Schuß auf die dorligen Stellungen des Feindes ab, worauf der Kapitän im Auftrage seiner Gesellschaft gegen diese Ver- Iendung des Schiffes Einspruch erhob, weil es nicht dazu ge- dartert sei. Jufolgedessen kehrte der Dampfer nah Durazzo zurück. GSestern morgen trafen zwei Boten aus dem Rebellenlager hei Schiak mit einem Brief in Durazzo ein, in dem um Fort1- egung der Ver handlungen, die am Mittwoch wegen des Fehlens der Vertreter einiger aufständischer Ortschaften nicht B egonnen werden konnten, und um Enisendung von Parlamentären nach Schiaï ersu<ht wurde. Der Major Kroon erklärte, wenn die Rebellen Verhandlungen wünschten, fo sollten sie eine Abordnung nah Durazzo schicken ; Turkhan Pascha erklärte sich jedoch dagegen. Im späten Nachmittag wurden gegen die feindlichen Stellungen in der Richtung von Kavaja, wo etwa 150 Rebellen bei I Echanzarbeiten bemerît wurden, einige Kanonenschüsse ab- gefeuert, durch die die Rebellen auseinandergetrieben wurden. Der nah drei Ruhetagen plößlich erdröhnende Kanonendonner rief in Durazzo große Erregung hervor. Viele Leute stürzten panikartig zum Strande, um sih nötigenfalls einschiffen zu lasen. Allmählich aber trat wieder Beruhigung ein. Die Meldung, daß Prenkt Bibdoda gefangen genommen hind gegen Ehrenwort freigelassen worden sei, ist nah dem oben enannten Telegraphenbureau erfunden. : | Zur Bildung eines Freiwilligenkorps für Albanien ist in Wien von privater Seite ein Aufruf erlassen worden, auf den sih im Laufe des gestrigen Tages bis gegen Mitternacht 1400 Personen, darunter viele ehemalige Offiziere, Merzte und Studenten gemeldet haben. Wie „W. T. B.“ meldet, werden sich die ersten zweihundert Freiwilligen am Eonniag oder Montag nah Durazzo einschiffen. Alsdann soll die Hauptmasse in mehreren Transporten nachfolgen. ine Anzahl zur Führung des Freiwilligenkorps bestimmter Offiziere stellte in einer gemeinsamen Besprechung fest, daß das (orps weder eine Söldnertruppe no<h eine Mannschaft sei, die hein fremdes Volk zu bekriegen gedenke, sondern eine Freischar, jereit, den Fürsten von Albanien in seiner ihm von der zivili- serten Welt übertragenen Aufgabe zu unterstügen.

Amerika.

Gestern ist in Washington ein Schriftwechsel zwischen «van und den Vereinigten Staaten über die Schwierig- keiten veröffentlicht worden, die dur<h Japans wiederholten und hahdrücflichen Widerspruch gegen die kalifornishe Landes- nesepgebung entstanden waren. Wie „W. T. B.“ meldet, hat ih dana<h Japan geweigert, einen von den Vereinigten Staaten

vorgeschlagenen Vertrag abzuschließen. Jn einer vor vierzehn agen überreihten Note erklärte Japan, daß dieser Vertrag neue Schwierigkeiten schaffen würde, wiederholte seinen Anspruch fauf angemessene und unparteiische Behandlung seiner Unter- anen und weigerte sich, die Frage als gelöst zu betrachten, fsolange man den augenbli>lihen Stand der Dinge fortdauern Hasse. Der Staatssekretär Bryan hat vor zwei Tagen geant- vortet, doch ist der Text seiner Note noch nicht veröffentlicht.

Afien, Das japanische Unterhaus hat gestern einstimmig den Narineergänzungsetat angenommen. Wie „W. T. B.“ t, beläuft sich der Ergänzungsetat nur auf 660 000 Pfund ling und dient zur Deckung der diesjährigen Kosten für im Bau befindlichen Schiffe, um die vollständige Stillegung er Marinewerften zu verhüten.

Statistik und Volkswirtschaft. Weburten- und Sterbeziffern der europäischen Staaten.

Das ungarische Statistishe Bureau hat jeßt neue Bere<hnungen e Bewegung der gesamten Bevölkerung Curopas für das Jahr- j von 1902 bis 1911 veröffentliht. Danach ist das Wacbstum der Bevölkerung am stärksten in den slavishen Ländern; dann folgen die slavonischen, während die sogenannten Kulturstaäten, die beute die Wührung in Politik, Wissenschaft, Technik und Kunst inne haben, die eßten Stellen einnehmen. An der Spiße steht Rußland mit einer FOcbölkerung8szunahme von 18,81 v. H. Dann folgen zunächst die Walkanstaaten, nämli< Serbien mit 15,83, Rumänien mit 14 38 und F ulgarien mit 14,12. Hierbei ist nur der dur den Ueberschuß der Seburten über die Todesfälle gegebene Zuwachs berüdsichtigt, zumal a die Umwälzung guf dem Balkan no< nicht in den für die Be- Fenung gewählten Zeitraum fällt. Die nächsten Staaten sind eutschland mit 13,64. Holland mit 12 79, die Schweiz mit 11,65 v. H. aran {ließen si< Dänemark mit 9,52, Belgien mit 8,61, England nit 8,30, Oejterreih-Ungarn mit 7,78, Schweden mit 6,99, Norwegen nit 6.60, Jtalien mit 6,06, Portugal mit 5,90, Spanien mit 4,70 und ndlih Frankrei mit nur 1,42. Die Liste der Sterblichkeit weist eine eibenfolge der Staaten. auf, die mehrfa< ähnlich ist, Rußland mit tr stärksten Zunahme hat auch die höchste Sterblichkeit mit 289 Todes- îllen auf je 10 000 Einwohner ; und wiederum finden sich die Balkanstaaten n seiner unmittelbaren Nähe: Numänien mit 256, Serbien mit 236 nd Bulgarien mit 231. Fn dieser Hinsicht tritt aber Oesterreich E namentli Ungarn mit ihnen in einen bedauerlihen Wettbewerb, i um so bédenklicher ist, als die hohe Sterblichkeit niht dur einen i vrehenden Geburtenreichtum aufgewogen wird. Etne sehr hohe jeyidelt von 224 hat ‘au Spanien zu beklagen, und dann folgt V n 215. Das geburtenarme Frankrei muß mit 193 E pie auf je 10 000 Einwohner renen, und es ist bekannt, das n Deuts epartements ein Rückgang der Cinwohnerzahl erfolgt. eftellt and zählt immer noch 184, England 152, und am besten sind die skandinavishen Länder mit 140.

Zur Arbetiterbewegün q. Wie „W. T. B.“ meldet, haben der. Aufsichtsrat und der Vor-

stand der Linke-Hofmann-Werke, A.-G. für Cisenbahnwagen-,

Lokomotiv- und Maschinenbau in Breslau, den Aktionären hin- sichtlich des Ausstandes in ihren Fabriken mitgeteilt, daß in ein- gebenden Unterhandlungen mit den Bexrtrétern der ausftändigen Arbeit- nehmer, die auf beiderseitigen Wunsch im Laufe der Monate Mai und Juni stattgefunden haben, die Gesells<haft den Arbeitnehmern Wiederaufnahmebedingungen angeboten habe, die den Arbeitnehmern gute Verdienste für die Zukunft bei friedlider Arbeit sicherten und die in materieller Hinsicht die äußerste Grenze desjentgen darstellten, was die Gesellschaft, ohne thre eigensten Interessen und die ihrer Aktionäre preiszugeben, zugestehen könne. Den Arbeitnehmern sei zugesichert worden, daß für den Fall der Wiederaufnahme der Arbeit fie nah Ablauf einer Frist des Friedens auch an den freiwilligen Wohlfahrts- einrihtungen der Gesellshafst wieder teilnehmen sollten. Diese Wlederaufnahmebedingungen seten von den Arbeitnehmern ab- gelehnt worden. Die bei der Gesellshaft vor und nah der Arbeiterbeweaung erzielten dur{s<{hnittli®en Stundenverdlenste gehörten nah Feststellung des Metalltnduftriellenverbandes in Breslau zu den höchsten am Orte bezahlten. Die Zahl der in den Werken arbeitenden Arbeiter habe die Hälfte der normalen Belegschaft bereits überschritten, und die Belegschaftsziffer steige fortshreitend dur< Zuzug von in ähnlichen Betrieben ausgebildeten Arbeitern.

Wie dem „W. T. B.“ aus Madrid gemeldet wird, nimmt der Ausstand der landwirtschaftlichen Arbeiter in Andalusten einen schr bedenklichen Umfang an. Die Streikenden unternahmen wiederholt Angriffe auf Bauernhöfe. Zahlreihe Dörfer baten die Behörden, Truppen zu ihrem Schutze zu entsenden.

(Weitere „Statistishe Nachrichten" \. i. d. Ersten Beilage.)

Wohlfahrtspflege.

__ In fast sämtlichen Kulturstaaten bestehen vorbildlihe Verbände für Volkserziehung und Volksbildung; es seien von deu!s<ben nur die Gesellshaft zur Verbreitung von Volksbildung oder die Zentralstelle für Vollswohlfahrt oder die Deutsche Zentrale für Jugendfürsorge genannt. Zurzeit fehlt es aber an einem internationalem Zusammen- \<luß. Es müßte- für diesen Zwe> ‘e'n dauerndes Bureau eröffnet werten zur planmäßigen Beobaw1ung der Erziehungsfortshritte aller Staaten. Von Zeit zu Zeit müßten dann auf internationalen Kon- gressen di Erfabrungen ausgetaus<ht werden, wobei vor allen Dinçen îm Auge zu behaltea wäre, daß alle Kultur- nationen Gelegenheit haken, in genügender Weise zu Worte zu kommen. Daß eine folde internationale Veranstaltung wohl mögli<h is, beweist der 1V. Internationale Kongreß für Volkserzie hung und Volksbildung, der unter dem Protek- torate Seiner Majestät des Königs von Sachsen im September dieses Jahres in Leipzig tagen wind. Es werden hier tatsächlich die bedeutendsten Volkserziehungt verbände der ganzen Welt vertreten seln. Der Kongreß wird sie auf etnige Tage zu gemeinsamer Arbeit zufammenschließen. Der Präsident des Kongresses, Dr. Max Brahn, will si< bei dieser Gelegenheit bemühen, einen internationalen Zufammens{<luß vorzubereiten. Welche Vorteile mit einem solchen Weltverband verbunden sind und welche Aufgabe er zu erfüllen hätte, zeigt das Programm des 1V. Internationalen Kongresses für Volksg- erziehung und Volke bildung, das in jeder gefvïns<ten Anzahl kostenlos dur< den Generalsekretär tes Kongresses; Paul Schlager, Leipzig, Eutrißscherslr. 19 bezogen werden kaun.

Am 1. Juli wird ein neuer Zweig für Vermittlung von Arbeitern, die dur ihren Gesundheitszustand oder aus anderen Gründen gezwungen sind, ihren Beruf zu wechseln, im WVerwaltungsaebäude des Zentralarbeits- nachweises in Berlin in Tätigkeit treten. Mit dieser Ver- mittlungsftelle ist gleichzeiti der Gorinanisträße 13, vorn 1 Treppe, wochentäglt< während der“ Zeit von 2 bis 4 Uhr eine Berufs - beratung verbunden, die den Zweck hat, den um Nat suchenden Arbeiter über einen neu zu ergr-tfenden Beruf aufzuklären und ihm mit Rat und Tat beizustehen. Der Zentralarbeitena<hweis wird durch einen eigenen Beamten bet " ¿cen einzelnen Arbeitgebern dahin vorstellig werten, fi< der neuen Vermittlungöstele zu be- dienen. Um die Wirksamkeit der neuen Einrichtung möôg- lichst genau erfassen zu können, wird für jeden derartigen Arbeitsuchenden eine besondere Zählkarte mit Angaben des Betreffenden über die Gründe feines Berufswechsels und die etwaige Neueinftellung in einem anderen Beruf angelegt. An dtie interessierten Kreise der Arbeitgeber richtet der Zentralverein für Arbeitönachweis die Auffor- derung, thn in seinen Bestrebungen zu unterstüßen, die darauf hin- ¡telen, vielen Hunderten von Arbeitern ihre Arbeitsfähtgkeit in einem für fie passenden Berufe zu erhalten.

Qunst und Wissenschaft.

Die Akade mte der Wissenschaften hält am Donnerstag- den 2. Juli um 5 Uhr Na>Œmittags, die erste öffentlihe Sitzung in ihrem Neubau, Unter den Linden 38, ab, und zwar zu Ehren thres Stisters Leibniz, Die Sizung wird mit etner Festrede des beständigen Sekretars Herrn Diels eröffnet werden. Darauf halten vier neu eingetretene Mitglteder ihre Antrittsreden, vämlih die Herren Ein - stein, Hinte, Sertng und Goldshmid1, auf welhe die be- ständigen Sekretare Herren Planck, RNoetbe und Diels antworten werden. Es folgen no< Pre isangelec enheiten und {<ließli< die Ver- kfändung der Verleihung von Leibniz-Medaillen. Der Zutritt is nur gegen Karten geslattet, die bereits vergriffen find, da dec Andrang zu dieser Sizung besonders groß war.

Der diesjährige Jahresberiht der Monumeoenta Ger- maniae historica, den der Wirktlihe Gebeime Rat Professor Or. Reinhold Koser jeßt in der „Deulschen Uteraturzeitung“ ver- öffentliht, aibt einen Gtinbli> in den gegenwärtigen Stand der Arbeiten. Der Professor Freiherr von S@hwind-Wien hat die Dru>- legurg der Lex Baiuvariorum beginnen ftönnen; ¿mit der Ausgabe tes Benedictus Levita hofft der Geheime Justizrat Professor Seel in diesem Jahre abzuschließen. Der Gelehrte wird von nun ab auch die Leitung der bisher dem Geheimen Iuslizrat Professor Zeumer unterstellten A1beiten der Abteilung Loges über- nehmen. Dr. Salomon wird die Ausgabe der Constitutiones aus der Negierungszeit Karls 1V. jeßt allein weiteführen; auf einer Forscbungsreise im vorigen Frühjahr gelang es ihm, im Stadtarchiv von Cambrati unbekannte Akten zu finden. Dtie Arbeiten für die Karolingerreihe der Abteilung Diplomata wurden dur< den Ge- heimen Regierungsrat Professor Dr. Langl und seine Mitarbeiter, Or. Hein und Dr. Müller, dur<h Nachprüfung des Faksimileapvarates zu den Urkunden Ludwigs des Frommen und Lothars 1. fortgeseßt. Die Bearbeitung der Diplome Hetnrichs IIT. ist dur< den Abteilunasleiter Professor Breßlau und den ständigen Mitarbeiter Professor Wibel bis zu dem Römerzuge von 1046 im wesentlichen abaes{<lossen. Mehrere Neisen des Leiters und der Mitarbeiter der Reihe Diplomata förderten reichen Stoff in den Bibliotheken Deutschlands, Desterreih-Ungarns, Dänemarks und Italiens zutaae. Professor Stre>ker ist an Stelle des Professors Zeumer in den Redaktionëaus\{<uß für das Neue Archiv getreten. Dr. Lüdi>ke, Archivar am Geheimen Staatsarchiv in Berlin, wurde mit der Verwaltung der Traube-Bibliothek beauftragt.

Zur bevorstehenden vollständigen Sonnenfinsternis am 21. August d. -I. gibt H. Kolbow - Düsseldorf im Juni- heft der Mittellungen der „Vereinigung von Freunden der

Astronomie* eine Zusammenstellung derjenigen Aufgaben, die bei jenek seltenen Gelegenheit au für Laienastronomen zu erledigen find. Da die Dauer der vollständigen Sonnenverfinsteruog diesmal über zwei Minuten beträgt, wird jene Himmeélsersheinung nit nur fehr großartig, sondern zuglei<h au< geeignet sein, die no< immer etwas râtselhafte Korona der Sonne, nur bet totalen Sonnenfinsternissen si<tbar, zu untersu<hen. Zunächst handelt es si< um eine mögli<hst genaue Beobachtung der Berührungen von Mond- und Sonnenrañd im Fernrohr nah den Angaben einer Präzisionsuhr (au< Taschenchronometer, wenn ihr Gang zuverlässig und der Stand mit einer Normaluhr verglichen ist). Vier Kontakt- momente können nur in der Totalitätszone béoöbachtet werden, während in Deutschland, wo die Sonnenscheibe durhschnittli<h nur bis auf etwa 85/100 bede>t bleibt, nur der erste und legte Kontakt zu messen ist. Außer einer photographishen oder zeihnerishen Aufnahme der ganzen Finsterniser|<heinung handelt es sfi<h ferner vor allem um eine mögli<st getreue Auf- nahme der Korona, am besten auf photographishem Wege, und, falls das niht mögli ist, dur< zei<nerishe Wiedergabe. Außerdem muß uo auf verschiedene interessante Nebenerscheinungen geachtet werden, nämli<h auf die sogenannten „fliegenden Schatten“ und das gesamte Landschaftsbild. Auch ‘die Abnahme der Lufiwärme follte an einem guten Thermometer beobachtet werden und s<ließli< verdient das Profil des Mondes auf der Sonnenscheibe tin einem guten Férnrohr Beachtung, wozu au<h an Orten, die niht in der Totalitätszone liegen, Gelegenheit gegeben ift.

Ein viertausendfünfhundert Jahre alter Gesang. Im Nuitnenfeld von Nippur ia Mesopotamien t} bei den um- fassenden Ausgrabungen, die von Amerikanern dort au2geführt worden sind, ein Tonzylinder mit einer Inschrift gefunden worden. Er war ursprünglih 16 ecm lang, maß etwas über 10 cm im Durchmesser und war mit 19 Schriftreihen, deren jede etwa 2 cm Breite ein- nahm, bede>t. Die eine Seite des Zylinders aber mitsamt 8 dieser Schriftreihen is leider abgebrochen, do< fonnten no< 7 Stü>ke dazu gefunden werden. Leider sind dur die brôdlige Beschaffenheit des Tons au<h noch andere Teile der Inschrift unleserli<h geworden. Dennoch hat die genaue Untersuchung dieses Fund- stü>s dur Dr. Barton ein beahtenswertes Grgebnis geliefert. Zus nächst wurde festgestellt, n die Sprache rein fsumeris< ist und daß der Zylinder na< der Art der Schrift aus der Dynastie von Agade stammt, die zwischen 2800 und 2600 vor unserer Zeitre<hnung herrshte. Das Alter diéser Urkunde ist also auf wenigstens 4500 Jahre zu säßen. Zwe> und Inhalt der Inschrift lassen si< nur no<h teilweise entziffern. Wahrscheinlih war das Stück ein sogenannter Gründungszylinder, wie er bei Grundsteinlegungen verfertigt wurde. Außerdem mat die mehrfäa@e Erwähnung etner Krankheit wahr- \ceinlih, daß die Stadt Nippur damals von einer Pest heim- gesuht ge-wesen war. Besonders beachtenswert sind einige im Zusammenhang erhalten gebliebene Stellen, die von Dr. Barton in einem Vortrag vor der Amerikanischen Philofophischen Gesell’haft in Ueberseßzung mitgeteilt wurden. Sie sind eine Art von Naturhymnus, mit religiösen Betrachtungen durch- woben. Der Name des Erbauers des T°mpels, dem dieser Zylinder geweiht wurde, und der Name des Verfassers der Inschrift sind mit den abgebrochenen Teilen verloren gegangen. Eine längere Versfolge lautet dann folgendermaßen: Der Herr der Dunkelhett wacht über den Menschen. Der Herr des Lichts wacht über den Menschen. Der Herr“ des Lbens wa<t über den Menschen. Der Herr des Heiligtums wacht über den Menschen. Er befördert das Wachstum des Korns füc deine Tiere. Gott ist dem Menschen günstig. Die folgende Stelle zeigt, ‘daß die Bewohner von Nippur einen guten Trunk zu würdigen und au< mit \{<wungvollen Worten zu preisen wußten: „Das Auge des - Weins hat 36 000 Oeffnungen. Sein hbelles Auge hat hohen Glanz, glei der Gottheit, der großen Multer. D unsere Frau, die Mächtige, die alänzende Gottheit. Unausspre<lih ist die Fülle deiner Pflanzen.“ Eine weitere Stelle nimmt auf die erwähnte Seuhe Bezug. Da ift von einer feurizen Tafel ‘die Nede, die a's Schuß gegen die Krank- heit betiahtet wurde, und die Götter Istar und Fa werden zum Schuß angerufen. Eigentümlih, aber au< aus der hebräischen Poesie bekannt, ist die {on tin den ersten Versen auffällige Wieder- holung derselben Worte. So wird der Gott Enil, der die feurige Tafel brachte, immer wieder mit den Worten gepriesen: „Als ein Schüyer entfernte er die Krankheit." Diese Tat wird etner Art von Beschwörung zugeschrieben, und Enil erklärt: „Gegangen ist die Seuche vom, Aniliy des Landes.“

Nr. 25 der „Veröffentli<hungen des Kaiserlihen Ge- sundhetitsamts" vom 24. Juni 1914 hat folgenden Inhalt: Personalnacrichten. Gesundheitsstand und Gang der Volkskrank- hetten. Zeitweilige Maßregeln gegen Pest. Geseßgebung usw. (Deutsches Reich.) Großeisenindustrie. (Deuts<h Ostafrika.) Be- kämpfung der Schwetneseuße und Schweinepest. renen Nhein- provinz) NRauchentwi>klung dur<h Schiffahrtsbetrieb. (Bayern.) Neinhaltung der Gewässer und Staubbekämpfung. (Hessen.) Schlacht- vieh- und Fleishbeshau. (Elsaß. Lothringen.) Zabntechniker. (Desterreich.) Verhütung der Po>en. (Rumänten.) Fremdländische Arbeiter. (Bulgarien.) Makkaroni. Tierseuhen im Deutschen Reiche, 15. Juni. Desgl. im Auslande. Zeitweilige Maßregeln gegen Tierseuhen. (Baden, Elsaß - Lothringen.) Verhandlungen von geseßgebendon Körper|chaften, Ver- einen, Kongressen usw. (Frankreih.) 1V. internationaler Kongreß für medizinisWe Elektrologie und Nadiologie. Vermis(htes. (Deutsches Reich.) Schlahtivieh- und Fleishbeshau, 1. Vierteljahr. RKrankenbewegung im deutshen Krankenhause zu Konstantinopel, 1913. —- (Preußen. Berlin.) Konservierung der Milh. (Bayern.) Landesviehversicherungsanftalt, Landespferdeversicherung8anstalt,1912/13. (Desterreich.) Tätigkeit der Schußimpfungsanstalt gegen Wut in Wien, 1911/12. (BVreinigte Staaten von Amerika.) Sterblichkeit, 1911. (Vereinigte Staaten von Amerika. New Jersey.) Gesund- heitsverbältnisse, 1912. GesWenkliste. Wochentabelle über die Sterbefälle in deuts<Wen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auelandes." Erkrankungen in Krankenhäusern ‘deutscher Großstädte. Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezinken. Witterung. Betlage: Gerichtliche Enscheiduhgen, betr. den BVeikehr mit Nahrungsmitteln (Kognak, andere Spirituosen).

TDheater und Musik.

Im Schillertheater O. (Wallnertheater) wtrd morgen abend, Montag und Dienstag „Metn érlauhter Ahnherr“ gegeben. Am Mittwoch, den 1. Juli, beginnt das Sommergastspiel der Sachse -

per.

Das Sqchillertheater Charlottenburg bringt morgen, Montag und Mittwoch „Klein-Eva*, Dienstag „Heiltgenwald“. Von Donnerstag, den 2. Juli, ab bleibt das Theater ges<lofsen.

__ Die Sachse-Oper im Schilleèrtheater O. beginnt ihre dies- jährige Spielzeit mit Nichard Wagners „Tannhäuser und der Sänger- krieg auf Wartburg". Jnszentert wird das Werk von Leopold Sachse, musikalishe Leitung: Oskar Braun. Die Titelpartie singt Otto

enger. - In den ‘weiteren Hauptpartien sind beschäftigt die Herren

ax Joslewiß, Adolf Permann, Friß Krauß, Willy Nvwa>k, Martin Abendrot und die Darién' Dina Mählendorff, Margarete Ulb und Anna Unghardt. Chor und Orchester wurden gegen das Vorjahr bedeutend verstärkt,