1914 / 152 p. 1 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Deutscher Reichsanzeiger

und

.

Königlich Preußischer Staatsanzeiger.

Der Bezngspreis beträgt vierteljährlih 5 - 40 N Alle Postanstalten nehmen Bestellung an; für Berlin außer

f ___ M

den Postanstalten und Zeitungsspeditenren für Selbstabholer

auch die Expedition SW. 48, Wilhelmstraße Nr. 32.

Einzelne Aummern kosten 25 ,

e

N 152,

«Fnhalt des amtlichen Teiles; Ordensverleihungen 2c.

Deutsches Reich. Ernennungen 2c.

Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe.

Bekanntmachung, betreffend eine Ausnahme von S 4 Abs. 1, Saß 1 der Bestimmungen für die Feststellung des Börsen- preises von Wertpapieren.

Bekanntmachung, betreffend die Zulassung einer Unterstüßzungs- lasse als Ersazkaffe.

Bekanutmachung, betreffend die Ausgabe neuer 31/5 prozentiger Braunschweigischer Leihhausschuldverschreibungen.

Anzeige, betreffend die Ausgabe der Nummer 38 des Reich3- geseßzblatts.

Erste Beilage: Anbau von Zuckerrüben für die Zuckerfabriken des Deulschen

Reichs. Königreich Preußen.

Ernennungen, Charaktervecleihungen, Standeserhöhungen und sonstige Personalveränderungen.

Geseß zur Ergänzung des Geseßes über die Haftung des Staates und anderer Verbände für e ona von Beamten bei Ausübung der öffentlihen Gewalt vom 1. August 1909...

t H v . , C C1 , ges aur Abänderuna, def, Veseteg. her ditrindiakeit der. und Polizei hätten sich angesihts der Beweggründe des Vor- gehens der Demonstranten und ihrer patriotishen Kund- gebungen in der denkbar schwierigsten Lage befunden. Von der Waffe sei kein Gebrauch gemacht worden, weil die Demonstranten sich überall, wo das Militär zum Auseinander- gehen aufforderte, zerstreuten. Hervorzuheben sei, daß die Bolkswut sich. vor allem gegen das großserbischen Tendenzen zuteigende Element richtete, während das loyale serbische Element verschont blieb.

Die gestrige Sißung des ungarischen Abgeordneten- hauses gestaltete sih zu einer eindrucksvollen Tra uerkun d- gebung für den Erzherzog Franz Ferdinand. Der Präsident gab dem Beileid des Abgeordnetenhauses Ausdru: Redner der einzelnen Parteien ergriffen darauf das Wort, um auch ihrerseits die Gefühle der Trauer auszusprechen. Der Baron Rajacsitsh erklärte namens der serbisch:kroatischen Koalition, er fühle fich verpflichtet, das verruchte Attentat mit größter Energie zu verurteilen, weil zwei verirrte Angehörige des serbischen Volkes die Täter seien. Doch hoffe er, daß dies auf die Gesinnung der Serbokroaten keinen Schatten werfen tönne, weil diese ihre politischen Bestrebungen stets auf Treue und Anhänglichkeit an die Dynastie gründeten.

Die Trauerkundgebung des kroatishen Land- tages wurde durch heftige Lärmszenen unterbrohen. Während der Nede des Präsidenten riefen die Mitglieder der Nechts- partei gegen die serbokroatische Koalition. gewendet: Habt Jhr Bomben mitgebracht? Nieder mit dem Mörder! und: Das ist das Werk einer Belgrader Hand! Erst nah mehrstündiger stürmischer, von der Rechtspartei unablässig gestörter Sitzung gelang es dem Präsidenten, den Beschluß: der Trauerkund- gebung des Landtages zu verlesen, worauf dieser von der serbokroatishen Koalitionsmehrheit angenommen wurde, während die kroatishe Rechtspartei forderte, daß die serbischen Abgeordneten, da ihre Landsleute das Attentat angestiftet hätten, an der Trauerfeier für die Opfer nicht teilnehmen dürften. Am Schlusse der Sizung seßte die Menge die serben- feindlichen Kundgebungen fort.

Jn Wien fanden gestern abend vor der serbishen Ge- sandtschaft von deutsch-nationalen Studenten Kundgebungen gegen Serbien statt. Die Studenten zogen in kleinen Trupps an der Gesandtschaft vorbei und riefen: Nieder mit Serk*»p ! Hoch Oesterreich! Hoh Habsburg ! Die Demonstranten sangen sodann die Volkshymne. Nach den lezten Tönen wurde von einem Studenten eine serbische Trikolore emporgehoben und in Brand gesteckt. Die Bewohner der angrenzenden Häuser gaben durch Tücher- shwenken ihrem Beifall Ausdruck. Die Wache drängte die Demonstranten aus der Gasse. Die Studenten begaben fich dann nach dem Schwarzenbergdenkmal, wo eine Ansprache ge- halten wurde, die in die Rufe ausklang: Rache für die Er- mordung des Thronfolgers! Krieg gegen Serbien! Hierauf gingen die Studenten auseinander.

Die „Wiener Zeitung“ veröffentliht eine Kaisorliche Verordnung, betreffend ein sechsmonatiges Budget- provisorium für die Zeit vom 1. Juli bis zum 31. De- zember 1914. |

Großbritannien und Jrland.

Im Unterhause wurde gestern einstimmig und unter großem Beifall eine Adresse an den König angenommen, in der das „Haus seiner Empörung über die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand von Oesterreich- Ungarn und seiner Gemahlin Worte verleiht und den

in Goldap, Krause in Nowawes, Kreis Teltow, Müller in Düben, Kreis Bitterfeld, Petters- und Plate in Berlin, Neker in Minden, Retkowski in- Groß Bertung, Landkreis Allenstein, Ribbach in Luckenwalde, Sieberg in Orsoy, Kreis Mörs, Tempel in Wehlau, Thiery in Ober- hausen (Rheinl.) und Wenzke in Glogau, dem Ober- leitung8aufseher a. D. Lück in Königsberg N.-M., dem Post- schaffner a. D. Jendry\chik in Oppeln, dem Landbrief- träger a. D. Schlichthorn in Grieben, Landkreis Stendal, dem bisherigen Werkmeister iw der Reichsdruckerei Schulz in Berlin, dem Gutshofmeister Haarnagel in Schladen, Kreis Goslar, den Monteuren Maßzke und Schulze, dem Bauboten Stechow, dem Arbeiter Weigel, sämtlih in Potsdam, dem Maurerpolier Kieburg in Born- stedt bei Potsdam, dem Steuererheber a. D. Misch in Erfurt, dem Polizeisergeanten a. D. S chulz in Vierraden, Kreis Anger- münde, dem Gemeindediener Heinicke in Borau, Landkreis Weißenfels, dem Landstraßenwärter Backhaus in Friedland, Landfreis Göttingen, dem Altenteiler Fiene in Borsum, Land- freis Hildesheim, dem Werïméister Meyer in Herford, dem Obmann der Eisenbahnschlosser Tobien in Metz, dem früheren Fahrhauer Brüggemann in Eickel, Landkreis Gelsenkirchen, und dem landwirtschaftlichen Vorarbeiter Sh ubert in Domniy, Saalkreis, das Allgemeine Ehrenzeichen, dem Maschinenmeister Wizenti in Niedersahswerfen, Kreis Jlfeld, dem Amtsboten Exner in Koberwiß, Landkreis Breslau, dem Fabrikschlosser Karpe in Kreika genannten Kreises, dem herrschaftlichen Kutscher Elies, dem herrschaft- Lian E dia E Ea Bea L U L taa aa Bt N Y - Die Finanzkommission des Senates hat obige; Quelle zufolge troß der Erklärungen des Ministerpräsidenten Viviani und des Finanzministers Noulens mit 15 gegen 4 Stimmen beschlossen, ihren Beschluß auf Ablehnung der englishen Woche für die Angestellten und Arbeiter der Staatsbetriebe aufrehtzuerhalten. Infolge dieses Beschlusses der Finanzkommission hat die Gewerkschaft der Staatsarbeiter eine Abordnung zum Finanzminister entsandt, der, obiger Quelle zufolge, die Versicherung abgab, daß die Regierung alles aufbieten werde, um beim Senat in zweiter Lesung die notwendigen Kredite durchzusetzen.

aant L] miei tet

Ftalien.

Der albanishe Ministerpräsident Turkhan Pascha ist in Rom eingetroffen und hatte gestern in der Consulta eine Unter- redung mit Marchese di San Giuliano und dem General- sekretär de Martino. Wie „W. T. B.“ meldet, ließ Turkhan Pascha dem Korrespondenten der „Tribuna“ durch seinen Se- kretär erklären, der Zweck seiner Reise sei, Jtalien und Oester- reih-Ungarn zu einer Besezung Albaniens zu veranlassen, da die Lage sehr ernst sei.

Norwegen.

Das vereinigte Budget- und Militärkomitee hat seinen Vorschlag über die außerordentlichen Verteidigungs- maßnahmen abgegeben. Wie „W. T. B.“ meldet, wird für die Verteidigung des Kristianiafjords außer den im Fahre 1912 für die Flottenstation im Kristianiafjord vorgeschlagenen 700 000 Kronen die Bewilligung von 5,3 Millionen Kronen in Vorschlag gebracht. Für Flottenstationen sollen bewilligt werden : Bergen 3890 000 Kronen, Kristiansund 110 000 Kronen außer den im „Johre 1912 vorgeschlagenen 100 000 Kronen, Ramsusund im Ofotenfjord 100 000 Kronen, Flottenstation des Trondhjemfjords 740 000 Kronen außer den im Jahre 1912 vorgeschlagenen 100 000 Kronen. Für Verteidigungsmaßnahmen im nördlichen Norwegen werden 600 000 Kronen vorgeschlagen und für Ver- stärkungen zur Verteidigung von Bergen 1 Million Kronen. Jm ganzen wird für außerordentliche Berteidigungsmaßnahmen ein Betrag von 11,6 Millionen Kronen aufgeführt.

Serbien.

Das serbische Preßbureau veröffentliht mit Ermächti- gung der Negierung folgende Erklärung:

Serbien ist, gleich wie die game übrige Kulturwelt, von Abscheu erfüllt gegen das Attentat und die Tâter. Wir wundern uns, wie es möglich ist, daß deutshe und österreihisW-ungarise Blätter diese un- qualifizierbare Tat eines verworrenen geisteskranken Menschen zum Anlaß nehmen konnten, um Serbien zu beshuldigen und anzugreifen, das in jüngster Zett nihts unterlassen hat, um die Beziehungen zur Nachbarmonarchie besser und freundschaftlicher zu gestalten. Die serbishe Regierung ist der Ansicht, daß das traurige Ereignis von Serajewo es thr zum Gebot macht, ihr ganzes Augenmerk auf die Umtriebe verdächtiger Elemente zu richten, wenn diese sich auf serbt- schem Gebiet befinden, und strengste Maßregeln zu ergreifen, um ihr Treiben zu vereiteln, insofern dies bei anormalen und eraltierten Menschen möglich ist. Der serbischen Regierung, die alles tut, um die Beziehungen zwishen Oesterreih-ÜUngarn und Serbien auf etne freundshaftlihe Grundlage zu stellen, sind Ereignisse wie das jüngste in Serajewo ebenso unangenehm wie der österreihl\{- ungarischen, und sie wird nichts unterlassen, soweit es in ihrer Macht steht, damit die Geister fih berukiae= -==% ckt- B-* hungen normal werden. Die serbische Negteru! E bedauern, wenn die weitere Entwicklung gute nomisher Be-

1. Juli, Abends.

| Anzeigenpreis für den Raum einec 5 gespaltenen Einheits- 7 zeile 30 „, einer 3gespalteuen Eigheitszeile 50 2.

die Königliche Expedition des Reihs- und Staatsanzeigers Berlin SW. 48, Wilhelmstrasie Nx. 32.

| Anzeigen nimmt anu: |

194.

Jtalienishen

——————————————————————

des Offizierkreuzes des Königlich ] i. Mauritius- und Lazarusordens und des Kom- mandeurkreuzes des Königlih Griechischen Erlöser- ordens: dem Korvettenkapitän Ma dlung;

des Offizierkreuzes des Ordens der Königlich JFtalienischen Krone: dem Marinestabsingenieur Breuer;

S D

des Kommandeurkreuzes des Königlich Griechischen Erlöserordens :

dem Fregattenkapitän Kettner, : den Korvettenktapitänen Wilhelm Busse und Humann: des goldenen Ritterkreuzes desselben Ordens: dem Korvettenkapitän von Loewenfeld ; des silbernen Ritterkreuzes des se! hen Ordens: dem Leutnant zur See Johannes Gerla ch ; des Nitterkreuzes zweiter Klasse des Königlich Schwedischen Schwertordens : dem Oberleutnant Witte; der Königlih Norwegischen Nettungsmeda ille: dem Matrosen Ernst Stoll; sowie

des Chinesischen Chia-ho-Ordens

Sia aas d. lia A s u 11 LéMnishen Hochschulen des Deutschen Neichs sind in

diesem Sommer von 12 232 Studierenden besfuht gegen 11541 im Vorjahr und 12054 vor 6 Jahren. Von den derzeitigen Studierenden find 11 228 ordentliche und 1004 außerordentlihe (FaWhörer). Unter den ersteren befinden fich 70 und unter den leßteren 12 Frauen gegen nur 12 und 2 vor 6 Jahren. Dazu kommen noch 1647 Hörer (darunter 384 Frauen), die in einzelnen Vorlesungen hospitieren, \o- daß die Technischen Hoschal-n zurzeit von 13 879 Personen (im Sommer 1913 von 13 325) besucht siand.

Wie ih die Studentenichaft auf die einzelnen Studien- abteilungen verteilt und welche Aenderungen im Laufe der leßten Jahre hierin eingetreten sind, zeigt nachfolgende Gegen- überstelung: Architektur ftudteren 2193 gegen 2154 im Vor- jahre und 2396 vor sechs Jahren, Bauingenieurwesen eins{ließlich von Geodäsie 2767 gegen 2725 und 2911, Maschinenbau 3118 gegen 2836 und 2930, Elektrotehnik 1307 gegen 1164 und 892, Chemie und Pharmazie 1544 gegen 1446 und 1454, Bergbau und Hüttenwelen 576 gegen 495 und 378, Schiffbau- und. S@hiffs= maschinenbau 234 gegen 218 und 335 und fonstige (überwiegend allgemein bildende) Fächer 493 gegen 503 und 758. Gegenüber dem Borjahr haben demna, abgesehen von den „{onstigen“ Studien- fâchern, alle Abteilungen stärkeren Besuch zu verzeichnen ; relativ zurügegangen ist die Zahl der Architekten und die der Bau- ingenteure. Ein anderes Bild ergibt die Bergleihung der heutigen Ziffern mit denjenigen vor fech3 Jabren. Hier fällt auf das starke Anwachsen der Zahl der Elektro-, Bergbau- und der Maschineningenteure einerseits und der Nückgang der Zahl der Architekten, der Bau- und der Schiffbau- und Schiffsmaschinenbau- ingenieure anderseits. Vergeaenwärtigt man ih noch, daß seit 1890 die Zahl der Bauingenieure fich ve! vierfaht und: die der Maschinen- und Glektroingenieure sh verdreifaht hat, so erbellen deutli die Aufwärtéentwicklung der technischen Studien und die gesteigerten Bedürfnisse der Technik der Neuzeit.

Was den Ort des Studiums der Polytechniker betrifft, so findet man in diesem Sommer 5139 oder 42 61 9% der Gefamtzahl an den 9 preußishen Hochshulen eingeschrieben gegen 4550 o\oder 37,76 9/9 vor sechs Jahren: an den übrigen 6 Hocschulen be- finden fih 7093 odec 57,99 9% gegen 7504 oder 62,25 9/6. Den [@wäheren Besuh der nichtyreußtshen Hochschulen gegenüber 1908 haben insbesondere München und Karlsruhe zu empfinden, ersteres ging um 330, leßztee3 um 157 Studierende zurüd, beide infolge der starken Zurückorängung der Nussen; geringfügiger ift die Verminderung in Stuttgart und Darmstadt, wogegen Oresden eine ganz betiähtlihe Steigerurg, dite größte von allen Hoch|hulen, auf zuweisen hat. Das Hinzukommen der neuen Technischen Hoch- \{hule Breslau ist von geringem Einfluß, da fie insgesamt erst von 298 Studierenden besucht ist. Von den preußischen Hochschulen is nur Berltn zurückgegangen. Diese Bej1and s veränderungen, deren GErgründung hier zu weit führte, Tommen au n der Rethenfolge der Hochschulen na der Befvcherzabl zunk iAuédruck. Dresden kam um 2 Stufen empor, nämlih von der 5, ouf die 3. Stelle, indem es Darmsladt und Karlsruhe über flügelte. Aachen siteg von der 9. auf die 7. Stufe unter Verdrängung von Stuttgart ; Kariérube sank von der 4. auf die 6. Stelle, und Hannover stieg von der 6. auf die 5. Stelle. Den beutigen Besuchs= ziffern der einzelnen Hochschulen stellen wir noch die Zahlen des Sommerhalbjahrs 1908 gegenüber: Berlin \teht an der Spitze: mit 2205 (2291), dann folgt München mit 2189 (2929), Dresden mit 1328 (1052), Darmstadt zählt 1301 ( 1491), FSarlörube 1067 (1224), Hannover 1070 (1015), Aachen 799 (621), Stuttgart 731 (746), Danzig 767 (623), Brauns{hweig 477 (462) und Breslaw 298 (gegründet 1911 und noch nit voll ausgebaut).

Das vorläufige Ergebnis der Zählung der Swine

im Köntgreih Preußen am 2. Füni 1914 ist jeßt vom Königlichen Statistishen Landesamt in etner Sonder nummer der „Slatistishen Korrespoadenz" veröffentlicht Und d Fgepuis der ersten, am ?, Juni 1913 vorgenommenen So; ¿ählung geaenübergestelUt worden. Danah wurden im pre

Staate ermittelt: