1914 / 164 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

H treffend die Bildung eines Ausgleihsfonds für die Eisenbahn- verwaltung (Geseßsamml. S. 155), zur Anwendung.

S 4. Dem Landtag ist von drei zu drei Jahren bei dessen regelmäßiger Zusammenkunft über die Ausführung dieses Gesehcs und der früheren gleichartigen Geseße Nechenschaft zu geben.

Urkundlih unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift 1d beigedrucktem Königlichen Jnsiegel. | Gegeben Neues Palais, den 4. Juli 1914. (L. S.) Wilhelm.

von Bethmann Hollweg.

Beseler. Sydow, von Trott zu Solz. zuglei für den Minister der öffentlichen Arbeiten.

Freiherr von Schorlemer. Lenkgte. von Loebell.

von Falkenhayn.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Jn der Feldmark der Stadt Stade ist auf Kartoffel- feldern im Gesamtumfange von etwa 3 ha der Kartoffel- (Kolorado-) Käfer doryphora decemlineata fest- gestellt. Alle Tilgungs- und Schußmaßregeln, die bei den ieb Einschleppungen des Schädlings zu seiner schnellen

ertilgung geführt haben, sind unter Beachtung der in diesen Fällen gemachten Erfahrungen unverzüglich ergriffen.

Ministerium des Fnnern.

Dem Landrat Bürgers ist das Landratsamt im Kreise Necklinghausen übertragen worden.

Kriegsministerium.

Die Militärintendanturreferendare Beckh aus und Gerlach von den Jntendanturen des XV11. und 11. Armeekorps find unter Ueberweisung zu den Jntendanturen des XVI. und XX. Armeekorps zu etatsmäßigen Miilitärintendantur- assessoren ernannt worden.

BekanntmaMhunag.

Die in Gemäßheit der Bekanntmachung vom 24. De- zember 1912 (Zentralblatt für das Deutsche Reih S. 2) im Winterhalbjahr 1914/15 an der hiesigen Hochschule abzuhaltende tierärztlihe Prüfung beginnt am Donnerstag, den 15. Of tober d. J:

Die Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung sind bis zum 1. Oktober d. J. an mich einzureichen.

Hannover, den 14. Juli 1914.

r Der Rektor der Tierärztlihen Hochschule. aa E | M Die von heute ab zur uSgo “CeIaNIende der Preußischen Geseßsammlung enthält{unter

Nr. 11 361 das Geseßz, betreffend die Erweiterung des Geltungsbereihs einer Bestimmung der Allgemeinen Gewerbe- ordnung vom 17. Januar 1845 (Geseßsamml. S. 41), vom 29. Juni 1914, unter

Nr. 11 362 das Gesetz, betreffend Abänderung des Gesetzes vom 15. Juni 1904, betreffend die Hannoversche Landeskredit- anstalt, vom 29. Juni 1914, unter

Nr. 11 363 das Gesetz, betreffend die Aenderung der Amtsgerichtsbezirke Neuenburg (Westpreußen) und Schweß, vom 29. Juni 1914, unter ;

Nr. 11 364 das Geseß, betreffend die Aenderung der L Se Obornik und Rogasen, vom 29. Juni 1914, unter

Nr. 11365 das Geseß, betreffend die Aenderung der Amtsgerichtsbezirke Ohlau und Wansen, vom 29. Juni 1914, und unter

Nr. 11 366 das Gesetz, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbefferung der Wohnungsverhältnisse von Arbeitern, die in staatlihen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten, vom 4. Juli 1914.

Berlin W. 9, den 14. Juli 1914. Königliches Geseßsammlungsamt. MLUELL.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 15. Juli 1914.

Der Oberstaatsanwalt bei dem Kammergericht, General- staatsanwalt Supper hat Berlin mit Urlaub verlassen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Leipzig“ am 11. Juli in Guaymas eingetroffen.

Oesterreich-Ungarn.

Der ungarische Ministerpräsident Graf Tisza ist gestern vormittag in Wien eingetroffen. Budapester Meldungen zu- folge will Graf Tisza Jnformationen einziehen, da neue Jnter- pellationen im ungarischen Abgeordnetenhause angekündigt sind.

Großbritannien und Frland.

Das Oberhaus hat gestern ‘die dritte Lesung der Ab- änderungsbill in ihrer veränderten Form angenommen, nachdem verschiedene Redner von beiden Seiten maßvoll im Ton gesprochen hatten. Wie „W. T. B.“ meldet, trat jedoch keine definitive Aenderung in der Lage ein. Jm Laufe

er Beratung brachte Lord Dunraven einen Antrag ein, der vorsiéht, daß vor dem Jnkrafttreten der Homerulebill eine Kommission zur Prüfung der Frage dos Bundesverhältnisses eingeseßt werden solle.

eêr Earl Beauchamp erklärte im Namen der Negterung, die gegen die Einsezung etner solchen Kommission sei, daß die Regierung

den Weg zu einer Konferenz oder Verständigung niht sperren wolle, und wenn der allgemeine Wunsh nach einer Konferenz von allen Seiten ausgesprohen werde, so werde die Regierung alles tun, um thr Zustandekommen zu erleichtern. Lord Lansdowne begrüßte diese Mitteilung, weil er glaube, daß in dieser Richtung allein eine dauernde Negelung des irischen Problems zu finden sein werde, und erklärte, daß zwishen der Annahme der Homerulebill und der Ab- änderungsbill und dem Zeitpunkt ihres Inkrafttretens Zeit sein werde zum Veinungsaustaush und zur Prüfung.

Jn der gestrigen Sizung des Unterhauses gab der Parlamentsuntersekretär Acland auf eine Anfrage, betreffend die Aktion der Epiroten in Albanien, folgende Er- klärung ab:

Er habe von dem britisWen Delegierten bei der Internationalen Kontrollkommission in Albanien die Nachricht erhalten, daß Koriyza von einer Streitmacht, die aus gemeinschaftlich vorgehenden Auf- ständischen und Epiroten bestanden habe, beseßt worden sei. Der britishe Geschäftsträger in Athén häbe berichtet, daß die griechische Regierung die Epiroten dringend ersuht habe, sich zurüczuziehen, wenn sie von der Internattonalen Kontrollkommission dazu auf- gefordert werten sollten. Acland erklärte, er wisse nit, welchen Erfolg diese Mahnung gehäbt ‘habe.

Frankrcich.

Anläßlih des gestrigen Nationalfesttages fand eine Parade vor dem Präsidenten Þ oincaré statt, der mit leb- haften Zurufen begrüßt wurde, besonders als er verschiedenen Regimentern die ihnen bestimmten Fahnen übergab.

Sn der gestrigen Sitzung des Senats kam es bei der Beratung des Postetats zu einer lebhaften Debatte über den Kredit für die Wohnungsgelder der Postbeamten, deren Ablehnung zu den Zwischenfällen vom 23. Juni geführt hatte. Wie „W. T. B.“ meldet, sprachen sh der Minister Thomson und der Ministerpräsident Viviani für die Be- willigung des Kredits aus, worauf den Wünschen der Minister entsprechend der Kredit für die Unterbeamten mit 146 gegen 113 Stimmen bewilligt wurde.

Im weiteren Verlauf der Sißung nahm der Senat mit einigen Abänderungen das Budget in seiner Gesamtheit ein- stimmig an und seßte darauf die Beratung über die einmaligen Ausgaben der Ministerien des Krieges und der Marine für die nationale Verteidigung fort.

Der Berichterstatter der Heereskommission Chärles Humbert erinnerte daran, daß er vorgestern gesagt habe, er könne alle feine Behauptungen beweisen. Der Minijter habe einzelne der von thm vorgebrachten Tatsachen abgeleugnet und habe erklärt, daß für die Wiederau}füllung der Munition im Laufe eines etwaigen Krieges die Dienste der Privatindusirie in Anspruch gencmmen werben sollten. Dabei seien aber die abgelaufenen Verträge niht wieder erneuert worden. Der Minister habe weiter erklärt, daß das Material für die \chwere Artillerie gegenwärtig verteilt würde und {hon bei allen Negt- mentern vorhanden set. Nun sei aber das Material für das 120 mm- Geschüß noch nicht angenommen, also könne man nicht von etner Ver- teilung sprechen. Humbert eicflärte, er habe die Wahrheit gesagt; er würde ein Verbrecher sein, wenn er fie entstellt hätte. Der General- inspekteur für die Belagerungsartillerte habe dem Kriegsminister im Januar 1914 ges{rieben, daß seit 40 Jahren mit dem Matertal keine Fortschritte gemaht seien, babe leichte Mörser und weittragende

- Kanonen gefordert und h über die langîame Ausführung beklagt. C 2

ver Minister habes ih geantzürtet, er wundere #{, in seinem Schreiben unbestimäte Anila eidin findên.

| dey tcr Messimy, ihm liege daran, dem Senat die nötig®# Attaben zu machen, und er wolle keinen Fehler beschönigen, wober er avch komme. Er erkenne an, daß man in der Vergangenhett nicht alles Notroendige geian habe, es habe aber feine Milliardenvergeudung stattgefunden, wie behauptet worden set. Franfreihs Ausgaben bezifferten fich nicht nach Milliarden. Von 1900 bis 1905 habe man viel weniger auêgegeben als in Deutsch- land. Im Jahre 1915 werde man in Frankreih 3020 Kanonen haben gegen 3370, die Deutschland gegenwärtig besie. Munition sei in genügender Menge vorhanden und Frankrei befinde fich Deutschland gegenüber niht im Zustand der Unterlegenheit. Das franzóßis{e 75 mm - Matertal set dem deutschen überlegen, Frankceih habe für die Vermehrung der Munition bedeutende Summen ausgegeben, und der Bestand würde sich Ende des nächsten Jahres gegenüber dem Ende des Jahres 1908 verdreifaht haben. Füc die s{chwére Artillerie würden gegenwärtig erhebliwhe Anstrengungen gemacht. 105 mm-Kanonen von 12 km Tragweite seien im Bau. Die Versuche für die Herstellung einer neuen Granate roürden Ende des Monats stattfinden. Frankreih würde nächstens 120 mm- Kanonen von 13 km Tragweite haben. Der Minister wies darauf bin, daß die Kredite für die {were Artillerie béedeu- tend erhöht und beträchtlihe Verbesserungen erretcht worden seien. Für die Ausrüstung der Genietruppen habe Frankreich in den Jahren 1900 bis 1911 100 Milltonen ausgegeben geaenüber 400 Millionen, die Deutschland dafür aufgewendet habe. Deutsch- land habe vor Frankreih einen gewaltigen Vorsprung, aber seit 19124 habe Frankreih die Autgaben hierfür erhöht. Was die Telegraphie anbetreffe, so würden alle Forts untereinander verbunden und die funkentelegraphishen Stationen im Osten mit neuen starken Apparaten ausgerüstet werden. Die Feldtelegraphte werde sehr verbessert werden. Von den Forts im Gebiete der oberen Maas sei eine Anzahl in den Jahren 1878 bis 1880 errihtet worden, wobei man nur an einen Défensfivkrieg aedaht habe, aber diefe Werke hätten jeßt nur noch etnen Wert als Stüßpunkt in etner Schlacht. Neues Brückenmatertal werde von. diesem Fahre an beschafft werden. Was die Fußbekleidung betreffe, so solle jeder Mann vorläufig zwet Paar feldmarshmäßige Stiefel haben, aber in das Budget von 1915 würden fechs Millionen eingeseßt werden für die Beschaffung von Fußbekletdungen für ‘die dien|lfreien Stunden, Die geforderten Kredite für Exerzierpläße seien auf Verlangen des Finanz- ministers beschränkt worden. Nichtsdestoweniger werde das im Jahre 1911 aufgestellte Prograinm im Jahre 1918 durchgeführt sein. Das gegenwärtige Programm werde Frankretch zahlrèihe Verbesserungen auf den Gebieten der Feld- und Festungs8- artillerie, der Küftenverteidigung und der Fußbekletdung bringen. Frankretch habe andererseits den Vorsprung vor seinen Nachbarn noch nicht eingeholt, aber es habe alles getan, was menshenmöglich sti, um die Fehler wieder gut zu machen, die begangen worden seien, da man sich in einen Traum von allgemeinem Welt- frieden gewiegt hätte, nah den Ereignissen von Agdädir aber erwacht sei. Er bitte den Senat, die perlandten Kredite zu bewilligen, dle ein Beweis für das Erwachen der Nation und für ibren Willen seien, die Berteidigung des Landes zu gewähr- leisten. C lémenceau verlangte daxauf, daß der Heere8aus\{chuß während der Ferien eine Untersuhßung über die vorgebrahten Tat- sachen veranstalte und béim Wiéederzusammentritt des Senats über das Ergebnis Bericht erstatte. Dex Ministerpräsident Vitviani erklärte, wenn Frankrei auch gegenwärtig das notwendige Matertal noch nicht habe, so werde es ‘do augenblicklih beschaf}t. Man dürfe nit ‘eine ungerehtfertigte Beunruhigung hervorrufen. Frankreich habe seit 44 Fahren etne bewundernswerte Kraftanstrengung unter- úuommen und fet fähig, fih seiner Geschichte würdig zu zeigen und dem Geschick die Stirn zu bieten.

Der Senat nahm hierauf einen Antrag an, nah dem der Heeresausshuß beauftragt wird, beim Wiederzusämmentritt des Senats über die Beschaffenheit des Kriegsmäterials Bericht zu erstatten, Und sodann einstimmig den Gesezentivurf über die einmaligen Ausgaben für Heer und Marine.

Die Deputiertenkammer nahm gestern obiger Quelle zufolge mit 373 gegen 126 Stimmen das Budget im ganzen mit einigen Abänderungen an, die seine Zurückweisung an den Senat notwendig machen. Jn der Nachtsipung nahm die Kammer die direkten Steuern für 1915 zugleih mit einer Resolution an, durch die die Regierung aufgefordert wird, bei der im Oktober beginnenden Session eine Vorlage einzubringen über die Herabsezung der Personal-, Mobiliar-, der Tür- und Fenstersteuer im entsprehenden Verhältnis zu dem Ergebnis der Einkommensteuer.

Ftalien.

Das Befinden des Herzogs von Aosta hat fich nah einer Meldung des „W. T. B.“ von gestern abend leicht gebessert.

Portugal.

Jn Lissabon kam es gestern, am Schluß einer Ver- sammlung, die sh mit der politischen Lage und namentlich mit einigen Affonso Costa zugeschriebenen “Maßnahmen beschäftigte, nah einer Meldung des „W. T. B.“ zu einem Handgemenge, bei dem Schüsse abgegeben und Steine geschleudert wurden. Mehrere Personen wurden verlegt. Kavallerie und die republi- kfanishe Garde zerstreute die Menge. Die Ruhe ist wieder hergestellt.

Schweiz.

Wie „W D B iméelbef, il die \chweizerische Re- gierung von Griechenland und der DUTIEI ersucht worden, in der Streitfrage über die Entschädigung für die aus Rleinasien und aus Thrazien Ausgewanderten Schiedsrichter zu ernennen, falls die Smyrnaer Kommission sich nicht follte einigen können.

Serbien.

Gestern vormittag hat in Belgrad die feierlihe Be - stattung des verstorbenen russishen Gesandten von Hartwig unter großem militärischen Gepränge stattgefunden. Auf dem Wege von der russischen Gesandtschaft bis zur Kathedrale, wo die kirchliche Einsegnung der Leiche erfolgte, bildeten die Truppen Reihen. Hinter ihnen skand eine viel- tausendköpfige Menschenmenge. Von den Häusern wehten Trauerfahnen. Von der Kathedrale aus bewegte ih der Zug zum Friedhofe, wo die Leiche im Ehrengrabe bestattet wurde, das die Gemeinde von Belgrad gestiftet hat.

Albanien.

Nach Meldungen des Wiener „K. K. Telegraphen- Korrespondenz-Bureaus“ aus Durazzo ist die Lage unver- ändert. Die Bewegungen des Feindes in seiner Stellung am Rasbul, die täglih lebhafter werden, ferner andauernder Signalwechsel mit der Stadt sowie einige Arbeiten an den Stellungen, wo die den Regierungstruppen abgenommenen Geschüße deutlich sihtbar sind, haben täglich alarmierende ‘Ge- rüchte über Angriffsabsichten der Aufständischen zur Folge, die insbesondere in den Abendstunden Erregung verursachen. Ja der Umgebung von Valona haben ficheren Nachrichten zufolge bereits Kämpfe mit den Aufständischen stattgefunden. Zwei italienishe Dampfer befinden sst{ch unterwegs nah Valona, um die italienishe Kolonie in Sicherheit zu bringen.

Amerika.

Meldungen des „W. T. B.“ zufolge ziehen die mexika- nishen Insurgenten die ganze pazifishe Küste Mexikos ent- lang. Ueberall wird Waffenstillstand verkündet und werden die Gefangenen ausgetausht. Jn Santa Rosalia kamen die Bundestruppen und die Konstitutionalisten vorgestern zusammen und beschlossen, mit Carranza gemeinsame Sache zu machen. Fn Guaymas wurde ein Waffenstillstand bis zum 20. Juli ver- einhart. :

Vorgestern ist der Entwurf des Budgets für 1915 im argentinischen Kongreß eingebracht worden. Obiger Quelle zufolge sind darin die ordentlihen Ausgäben mit 329 516 990 VPapierpesos angeseßt. Für öffentliche Arbeiten sind 46 898 271 Papierpesos, für Wertpapiere 16 550 000 und für Hilfsausgaben 13 313 150 Papierpesos eingestellt. Die Einnahmen werden auf 341 968 742 Papierpesos geschäßt. Die Einnahme aus verschiedenen Wertpapieren gestattet über 50 Millionen Papierpesos zu verfügen. Jn der BVot- schaft wird gesagt, daß die getroffenen Maßnahmen erlaubt haben, 26 Millionen zu ersparen. Aus dem Budget dieses ahres würden noch 30 Millionen erspart werden können. Die Botschaft erklärt, daß die wirtschaftlichen Wirren noch vor Ende des Jahres s{chwächer werden würden.

Zum argentinischen Kri egsminister ist der General Allaria ernannt worden.

Asien.

Die chinesische Negierung hat eine Verordnung er- lassen, in der darauf hingewiesen wird, daß die Anhänger von Sunyatsen und den anderen Aufständischen seit ihrem Ent- kommen ins Ausland falsche Banknoten in den Verkehr gebracht hätten, die nah dem Jnnern gebracht und dazu be- nußt worden seien, die Truppen zu Gunsten der Aufständischen aufzureizen. Jn der Verordnung wird erklärt, daß an die Gouverneure und die übrigen Beamten der Befehl erteilt worden sei, diejenigen Personen streng zu bestrafen, die solche Noten herstellen oder in den Verkehr bringen.

Afrika.

Nach einer von „W. T. B.“ verbreiteten Meldung des Obersten Latini aus Kyrene rückte in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli eine Kolonne Jnfanterie und Artillerie von Máraua nah Ued Uaggara vor und griff Menumet, wo sih 600 Auf- ständische gesammelt hatten, an. - Die Aufständischen wurden vertrieben. Bei dem Nückmarsh zerstreute die Kolonne noch einige feindlihe Trupps. Bei den Aufständischen zählte man 93 Tote; auf italienischer Seite fielen fünf Askäris und 38 wurden verwundet.

PVarlamentarische Nachrichten. Bei der Reichstagsersazwahl am 10. d. Mts. im

Wahlkreise Coburg-Gotha 1 wurden, wie „W. T. B.“ meldet, nach amtlihen Ermittlungen bei 17123 Wahl- berechtigten 14 866 gültige Stimmen abgegeben. Davon er- hielten der Rechtsanwalt Hofmann-Hof in Bayern (Soz.) 5751, der Fabrikant Arnold - Neustadt bei Coburg (Fortschrittliche Volkspartei) 5627 und der Amtsgerichtsrat Dr. Stoll-Coburg (Natl.) 3486 Stimmen. Zersplittert waren 2 Stimmen. Es ist engere Wahl zwischen Hofmann und Arnold er- forderlich, die am 17. d. Mis. stattfinden wird.

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Nachdem am Freitag bereits die in Solingen abgehaltene Generalversammlung des Arbeitgeberverbandes den Borstand beauftragt hatte, mit dem Verbande der Solinger Fabrikantenvereine eine allgemeine Aus\perrung der Waffenarbeiter in die Wege zu leiten, hat gestern abend die Generalversammlung des Verbandes der Fabrikantenvereine ebenfalls die Generalaussperrung beschlo}sen, falls vorherige Ver- handlungen im Einigungsamte in allerkürzester Zeit niht zu etner Einigung führen. Von der Aussperrung würden, „W. T. B.“

| zufolge, 13 000 organisierte und etwa 6000 nichtorganisierte Arbeiter

betroffen.

Wegen Ablehnung des neuen Tarifvertrags haben, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, die Arbeiter der Rohtabakfabriken Neckar- sulmer und Dppenheimer, Kaufmann u. Bensheim, Mayer Luß- heimer, S. Blo in Mannheim die Arbeit niedergelegt und sind in den Ausstand getreten.

Im Haag hat der Bürgermeister einstweilen die Verwendung Me ilt Li Ausstande 0 S I GOEIENN zur

ushilfe herangezogenen 1 eut A iter , eral, Nr. 162 d. Bl) hen Arbeiter untersagt

Von den tausend Arbeitern im Glasgower Dock haben ih, wie „W. T. B.“ aus Liverpool gemeldet wird, nur dreihundert dem Streik der Angestellten der Mersey-Docks angeschlossen. (Val. Nr. 163 d. Bl.) Alle Fuhrleute unterstüßen die Streikenden, indem sie sh weigern, Waren von oder zu den Lagerhäusern und Eisenbahnstationen zu befördern. Die Hoffnung der Streikenden, die Oeffnung der Docktore durch den Streik der Angestellten der Kraftwerke unmöglih zu machen, hat si bis jevt nicht erfüllt, denn die „Mauritantia“ und andere Liniendampfer find heute in das Glasgower Dok eingefahren. Dagegen stehen viele Krane, Aufzüge und andere {were Maschinen ill. Die Arbeiter hoffen, binnen 24 Stunden den Hafen so gut wie zu s{ließen.

Wie „W. T. B.“ qus Chicago gemeldet wird, sind die Ver- treter von 55000 Maschinisten und Hetzern von 98 Eisen- bahnen des Westens mit den Vertretern der Arbeitgeber in Unter- handlung getreten, um höhere Löhne und andere Reformen durh- zuseßen. Cin Schieds\pruch würde niht angenommen werden. Sie ertlären, daß bereits vor Beginn der Verhandlungen 97 9/ der Maschinisten und 99 9% der Heizer für den Ausstand geitimmt hätten, den man jedoch durch die Verhandlungen zu vermeiden hoffe. Die Linien, die tn Mitleidenshaft gezogen werden, sind tn den Ver- einigten Staaten diejenigen westlih von Chicago und in Kanada die- e wesllich von Fort William, außer der Grand Trunk Pacific- Iljenvayn,

Kunst und Wissenschaft.

__ Die Vulkanwarte von Hawakl. Die Vulkañe der Jusel Hawai find fast seit threr Entdeckung, die eigentlih erst auf der Weltreise von Cook geschah, zu den größten Wundern der Erde ge- rechnet worden. Mit der Entwicklung der Vulkanforshung während des vorigen Jahrhunderts ist dies Urteil eher gesteigert als abge- \{wächt worden, da man in den Feuerbergen von Hawai eine Art dec vulkanishen Tätigkeit beobachtete, die sonst nirgend zu finden ist, zum wenigsten nit in einem so großartigen Maßstabe. Es besteht daher auch \{hon seit dem Jahre 1812 am-Nande des ungeheuren Kraters des Kilauea eine wissenschaftlide Anstalt, die als „Vulkanhaus“ eine Weltberühmtheit genießt. Mehr als ein Jahrhundert ist von diesem Plaß aus der Vulkan fast ununterbrohen beobachtet worden. Jett gibt der Leiter dieser Vulkanwarte, Dr. Jaggar, jede Woche einen Bericht heraus, in dem er über alle im Krater eingetretenen Berände- rungen und über die wechselnde Tätigkeit der in ihn befindlichen bulkanishen Schlote berichtet. Im Erdgeschoß des Gebäudes ift seit etniger Zeit ein Laboratorium für Erdbebenkunde eingerihtet, das setne Berichte gleihfalls jede Woche ersiattet. Die Auétstattung mit Erdbebenmessern ist auf der modernsten Stufe erhalten worden. Etn Gelehrter, der die Vulkane von Hawat genauer untersuchen wtll, ist in dem Vulkanhaus stets w!llkommen. Neuerdings sind noch besondere Er- Leichterungen geshaffst:n worden, um die aus den vulkanishen Schloten auf- steigenden Gase zu sammeln und zu prüfen. Von der Gelegenheit, die dort für Vulkarforsher und Geologen geboten wird, t bisher viht genug Gebrau gemaht worden, was sich freilih aus der großen Entfernung der Hawalinseln und der entsprechenden Länge und Kosk- \pieligkeit einer Reise dorthin erklärt. Es ift dies einer der Gründe,

warum die Vulkanforschung in Europa weniger Förderung erfahren

hat als in Amerika. Hervyorragende amerikanishe Geologen haben viele Monate auf die Erforschung der vulkanishen Tätigkeit in Hawai

verwandt, und aus diesen Arbeiten find Aufklärungen von größter Wichtigkeit hervorgegangen.

Ein Niesenfernrohr für Kanada. Die Regelung der wissenschaftlichen Arbeit in Kanada hat in den leßten Jahren größere Fortschritte gemaht als je zuvor, und auch die Himmelskande soll jeßt ihren Anteil an der Staatsgunst erhalten. Die Staatösstern- warte in Ottawa war bisher kümmerlih ausgestattet. Das Hauptinstrument is ein RNefraktor von nur 374 cm Oeffnung. Für die Aufnahme von Sternspektra reihte dies Fernrobr allenfalls nur bis zu den Sternen fünfter Größe, und diese Unzulänglichkeit hat hauptsählih den Anstoß zu einem dringenden Antrag auf ein größeres Fernrohr gegeben. Es it an- zuerkennen, daß, nachdem dieser Antrag angenommen worden ist, keine halbe Arbeit gemacht werden soll, denn es sind nunmehr Verträge für die Herstellung eines Miesenfernrohrs abgeschlossen worden, das zu den größten der Welt gehören ‘und überhaupt nur noh das der Vollendung entgegengehende Spiegelfernrohr der Sonnen- warte auf dem Mount Wilson in Kalifornien über fih haben wird. Das kanadishe Instrument wird gleichfalls ein Spiegelfernrohr sein, dessen Spiegel einen Durhmesser von 180 em erhalten wird. Seine Brennweite wird dana die Länge von 9 m haben. Außerdem kann noch eine Kombination mit einem anderen Spiegel von 48 cm Dur®hmesser und einer Brennweite von 3 m hergestellt werden, der sch 7 m über dem aroßen Spiegel befindet. Der zweite Spiegel ist von konvexer hyper- boloidaler Form. Für die Kombination beider Spiegel erhält der große Spiegel im Mittelpunkt ein rundes Loh von 25 cm Durch- messer. Die Brennweite wird dann auf das außerordentliche Maß von 321 m gesteigert. Die Gesamtkosten für das Fernrohr einschließ- li der Aufstellung sind auf 360 000 s festgeseßt worden. Es soll vorzugsweise zum Studium der Fixsternbewegungen benutzt werden, außerdem für die Photographie von Nebeln, Sternhausen und an- deren kleinen besonders interessanten Teilen des Sternenhimmels. Die Neubauten an der Sternwarte werden einschließlich der Aus- rüstung nahezu cine Million Mark beanspruchen.

Literatur.

Als Heft 7 der von der Diesterwegstiftung herausgegebenen „Berliner Heimatbücher“ hat Otto Hach eine fleine Schrift über SFohann Gottfried Schadow veröffentlicht (Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig; 40 4). Aus Anlaß des 150. Geburtstages „des Begründers der Berliner Bildbhauershule und des Vorkämptfers für deut)che Heimatkunst" verfaßt, bietet sie ein ansprechendes Bild von Schadows Leben und künstlerishem Streben und eine Ein- führung in die Kunst seiner Zeit, zualeih auch ein Zeitbild des Berliner Lebens zur Wende des vorigen Jahrhunderts. Das Büchlein ai mit 10 Abbildungen O Werke geshmüdckt und kann nah

órm und Inhalt empfohlen werden. .

«Der Bau A L Tite, Halbmonatshefte für Architektur und Baupraxis, Herausgeber H. Jansen, Berlin. Bezugspreis vtertel- jährli 6 4, bei direktem Bezug 7,80 4. Verlag von Georg D. W. Callwey, München. Vom zwölften Jahrgang find die Heste 13 bis 18 erschienen. Die Seidenweberei Michels hat sih vom Ingenieur Bernhard und Architekten Muthesius in Nowawes neue Fabrikanlagen

schaffen lassen. Die übersihtlichen Arbeitsfäle mit ihren stets unshön wtikenden Glasdächern wurden hinter einem charakteristishen Fassaden- system versteckt, sodaß der Bau einen gewissen monümentalen und doch freundlichen Ausdruck besißt. Schmohls Warenhaus Wertheim am Morißplatz, frei von allen Künsteleien, tn-guten Proportionen und mit trefflich bearbeitetem fk-:ramishen Schmuck, erfreut au im Innern durch die anmutige Etnzelausbildung. Die Bremer Architekten sind mit einigen recht guten Arbeiten vertreten. Krahns Landhäuser in Bakstein mit Strohdächern schließen sih an heimische Bauernhausformen an und geben den gesunden Typus kleiner Einfamilienhäuser; Abbehusen und Blendermann wußten ibrem Geschäftshaus dur srishe Antragarbeiten Plastik zu verleihen. Schumacher in Hamburg gibt dem Innern seiner Schulen durch einfache, billige Dekorationstehnik freundlihes Aus- sehen. Eine reiche architektonische Ausbildung sehen wir an der Wandelhalle in Bad Meichenhal, während Gablontky bei der Heilanstalt in Lohr mit recht sparsamen Mitteln eine heitere Wirkung zu erzielen wußte. Die Berliner Architekten Klingenberg und Moser erinnern mit dem Geschäflshaus Daimler an Schinkelshe Vorbilder, in Stüttgart sehen wir Elsässers neue Markthalle als wohlgelungenen Versuch, dem Bau einen etgenartigen, der Neuzeit entiprehenden Ausdruck zu geben. Lang in Pasing gruppiert seine Bauten etwas lebhaft, erzielt aber doch oft recht \stimmungsvolle Wirkungen. Schließlich feien die Versuche ec- wähnt zur Schaffung von Kolonien für Einfamtlienhäuser, die Arbeiter- häuser der Firma Mannstädt und die neuen Anlagen des Beamten- wohnungsvereins in Zehlendorf. Man ist in diesen Siedlungen viel- leiht immer noch zu lebhaft und sucht zuviel interessante Gruppierungen zu erzielen. Die einzelnen Grundrisse sind den Bedürfnissen angepaßt, wohl überlegt, sparsam und zweckdienlih.

Land- und Forstwirtschaft.

Saatenstand und Getreidehandel in Rumänien.

Das Kaiserliche Konsulat in Galay berichtet unterm 8. d. M.:

Der Monat Junt war außerordentlih reih an Niederschlägen, deren Einwirkung auf den Stand der Saaten si augenblicklih noch nit ganz übersehen läßt. Jedenfalls war das Wetter für die Früh- jahrs- und Sommersaaten sehr günstig, während die Winterfrücbte, wentgstens strihwetse, niht ohne bemerkbare Schädigungen follen ge- blieben sein. Warmes und trockenes Wetter wird jedenfalls im ganzen Lande gewünscht, zumal der Schnitt der Winterfrucht bereits begonnen hat.

Das Getretdegesch äft gestaltete si{ infolge der vermehrten Nachfrage nah Mais ziemlich lebhaft. Die anhaltend ungünstigen Wetterberichte aus dem Laplatagebiete wirkten, namentlich in der ersten Hälfte des Berichtsmonats, preisfestigend; später trat cine Abspannung ein. Hauptabnehmer war England. In Weizen zahlten die etn- heimischen wie auch die ungarischen Mühlen weiterhin gute Preije für bereitslehende Ware. Da der Bedärf des Landes noch immer niht voll gedeckt ist, dürfle mit einer umfangreihecen Aus- fuhr vor der néèuen Ernte nicht zu re{chnen sein. íIn Neuweizen kam es zu etlnigen Abschlüssen von den oberen Donauhäfen nach Ungarn; außerdem zu vereinzelten Spekulationskäufen für September/ Dezember nah Italien. Fn Roggen waren nur die besseren Sorten gut gesucht und bezahlt. Die geringeren Sorten zeigen größlenteils etwas Geruch und find daher \{chwer anzubringen. Die Preise für Gerste gingen von ihrer anfänglichen feslen Haltung etwas zurückd. Die Nachrichten nber die neue Ernte lauten gut. Weiteres Regenwetter müßte die Beschaffenheit beeinträchtigen. In Hafer war wegen der hiesigen hohen Preise nur geringe Nachfrage. Die neue Ernte verspricht reichen Ertrag.

Die Ausfuhr über Sulina seewärts betrua in der Zeit vom 1. uni bis 4. Juli 1914: Weizen 18 491 t, Roggen 2529 t, Mais 302 303 6, Gerste 33 879 t und Hafer 11173 t.

Auf dem Frachtenmarkte herrs{chte. Ruhe. Rotterdam| Antwerpen waren zu 7/— bis 6/9, Hamburg zu 7/6 zu haben.

Preise cif Kontinent für 1000 kg prompt:

Meilen S E D S aa s 165 M, O80 S C E ETO Noggen 72/73 E C20 74/75 Helenen nah Muster . 132/135 58/59 L Ed 68/69. Je na U s O2 Donat Balfot a LOS CGinquagnt E S8

Gerste

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Ernteaussihten in Numänien. Das Kaiserli®he Konsulat in Jassy berichtet unterm 8. Juli 1914:

Die Witterung war im vergangenen Monat vorrotegend feucht ; in der ersten Hälfte überreich an Niedershlägen, die dann zu Ende des Monats wieder einsezten und zur Besorgnis der Landwirte an- zuhalten scheinen. u /

Die \hnittretfen Hal mfrüchte können infolgedessen nicht reht- zeitig geerntet, die Kolbenfrüchte niht behadt werden und die Zuckerrüben find von Unkraut durhwuchert. Eine weitere Folge des vielen Regens waren und R noch Ueber- \{chwemmungen in den Pruthniederungen mit Nebenflüssen. Dizsen Uehbers{wemmungen, die an sich keine größeren Verheerungen an- gerihtet haben, kommt doch insofern einige Bedeutung zu, als Ke die Gemüsefelder, die hierzulande von zugewanderten Bulgaren immer an Wasserläufen anaelegt werden, vielfach zerstört haben. Da außerdem in diesem Jahre die Zahl der eingewanderten Bulgaren viel gerirger sein soll als sonst, find die Gemüßsepreise ganz unverhälnismäßig in die Höhe aeaangen. Stellenweise haben de Uebers{wemmungen Wangel an Viehfutter verursacht. So sind die Aussichten in der Landwirtschaft im allgemeinen nicht besonders günstig, doch erwartet man immerhin, falls das Weiter einigermaßen zum Guten s\ch wendet, eine Mittelernte. Im etnzelnen : Weizen, besonders die Winterfruht hat etwas durch Frost, aber nur durch Halmfrost gelitten. . Die Sommer- frucht steht Eräftiaer. Im Durchschnitt wird kaum auf mehr als 1300 kg auf den Hektar gerechnet. Roggen ist im Norden und Westen der Moldau wentg angebaut worden, îm Süden find die Ertragsaussihten günstig, bier um Jassy weniger. Gerste und Hafer bieten befriedigende Aussichten. Naps war wenig angebaut ; die Erntearbeiten sind begonnen, das Ergebnis verspricht einigermaßen zu befriedigen, ist aber bet dem unbeständigen Wetter noch nit gewiß. Die Zuckerrübe ist wegen verspäteter Behackung etwas zurüdck- geblieben. Dem Mais, der auch noch teilweise auf Behackung wartet, bleibt Zett, das Versäumte nachzubolen, bisher ist er viel» verspreWend. Wiesen, Wetden, Hülsenfrüchte und Obst stehen ganz gut. Die Weinbeere ist infolge des anhaltenden Regens in der Entwicklung gestört.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrung®- maßzregelun+

Die Gesetze des Haarwachstums und der Haarfarbe.

Eine völlig hinreichende und zuverlässige Auskunft über die Naturgeseße, von denen das Wachstum der Haare mit allen seinen Gigenheiten abhängig ist, suht man auch heute noch vergebli, do hat man jeßt erkannt, daß eine große Zahl von Einflüssen in diesem Vorgang zusammentreffen, die alle etner tiefgründigen Er- forshung bedürfen. Das Haar selbst, die. Entwicklung seiner Hornzellen, der Haarbalg, die Beschaffenheit des Haarbodens und noch manches andere warten auf eine genaue Unter- suchung. Jedenfalls ist man immer noch nicht weit genug, um fo naheliegende Fragen zu beantworten, z. B. warum bei manhen Per- fonen an bestimmten Körperstellen Haare wadsen und bei anderen nit, wie die natürlihen Farbenveränderungen zuslande kommen, wovon die Art des Haarausfalls und des neuen Wahstums bedingt

ist und vieles weitere. Der Mangel unserer Kenntnisse auf diesen Gebiet lieat wah1s{einlich hauptsählich daran, daß gründliche. und zulammenhängende Beobachtungen an Menschen nur selten dur- zuführen sind. Allerdings geben die alltäglihen Erfahrungen einige Lehren, die äber eigentlih nur neue Rätsel aufgeben. So weiß jedermann, daß der Wuchs der Barthaare dur das MNafierèn angeregt wird, aber c Grund dafür durdaus nit klar. Die Angabe, daß der durch das asieren ausgeübte Hautreiz eine stärkere Durhblutung und Ernährung der betreffenden Zellen und damit auch der Haare hervorbringt, ist doh wentg mehr als eine Redensart. Auch die [hon an sih weniger sihece Behauptung, daß der Bart im Sommer schneller wächst, findet durch die Nermutung eines Einflusses der stärkeren Hauttätigkeit, wie sie besonders an den Schweißdrüsen hervortritt, nur etne mangelhafte Erklärung. Weit merkwürdiger und seltsamer sind einzelne Beobachtungen ¿. B. von Chirurgen, daß in der unmittelbaren Nachbarschaft von eiternden Wunden ein auffallend starker Haarwuhs bemerkbar wird- Die Verhältnisse werden erst recht verwickèlt, wenn die Einzelheiten der Haarfärbung und ihrer Veränderungen in Betracht gezogen werden. Daß das graue oder weiße Haar auf einer negativen Grsc{heinung berubt, nämli auf das teilweise oder vöüige Fehlen eines Farbstoffs, indem die Zellen statt dessen mit mehr oder wentger Luft gefüllt sind, ist s{on etne alte W-isheit. Sobald man aber fragt, wovon das Ergrauen der Haare cigentlich bedingt witd, warum es bei einzelnen Personen und trn gänzen Familien ungewöhnlich früh erfolgt; warum es sonst geräte mit dem “Alter “ein- irit, muß man \sich mit Mutmaßungen und unbestimmien Angaben begnügen. Auch sind dke alten Anschauungen nicht ganz richtig, bas s{chöne Silbergrau des Haars z_ 2. fommt wahrs{-inlich weniger durch die Zeritörung des Farbstoffs, als dur die Einschaltung einer größeren Zahl von Wiftzellen zustande. Ueber- haupt baben chemishe Üntersuhungen bewiesen, daß der Farbstoff der Haare zu den wtiderstandsfähtgsten organischen Stoffen gehört und nur durch die kräfltigste chemishe Behandiung vernichtet werden kann, wobei dann in der Negel das Haar selbst völltg in die Brüche geht. Trokene Haare enthalten übrigens im allgemeinen mehr Lust und er- cheinen daher heller als feuchte. Man fann aber \{warze Haare durch die äußerste Trockenheit niht tn weiße verwandeln. Die Haare der ägyptishen Mumien haben thren _Farbttoff} dutch die Fahrtausende unverändert erhalten. Professor Metschnikow hat eine neue Auffassung über das Ergrauen der Haare bekundet, indem er sie nah seiner Theorie über das Wesen des Alterns von besonderen „Freßzellen“ angegriffen werden läßt. Diese Zellen follen insbesondere den Haarfarbstoff vertilgen. Aber auch diese neue Theorie hat jih durchaus feines allseitigen Beifalls erfreut. Es scheint nah den neuesten Forschung?n, daß man sich über das Grgrauen der Haare überhaupt in einem Irrtum befunden hat. Es handelt sich danach um fein eigentlihes Grgrauen, nämlich nicht um die Zerstörung des Farbstofs und ein damit verbundenes Bleichen der Haare, sondern um ihre völlige Erneuerung. Die farbigen Haare fallen aut, und werten durch farblose oder weiße erseßt. Aus8gewach)ene, mit Farbstof versehene Hiare werden nach dieser neuen Lehre uie- mals grau. Das Haarkleid wechselt nicht die Farbe, sondern es we{hselt an sich. Dieser Satz ist jedoch kaum richtig. Vielmehr liegen Beobachtungen vor, daß wenigstens Lc: WBorgang der Farbstoff- bildung während des Wachstums eines Haares aufhöcen kann, dann fommt ein Haar zustande, daß an der Spiye noch farbig, am untern Teil aber weiß ift. Der neuen Auffassung {einen au die vielen Ueberlieferungen von Fällen plößlihen Grgrauens der Haare entgegenzustehen, und man fann h vor diesem Widerspruch nur durch die Annahme retten, daß man folie Berichte in das Gebiet der Sage verweist. Das \{eint au der Wahrheit zu entsprechen. Marie Antoinette, die in der Nacht nah dem Emyfang ihres Todesurteils ergraut tein soll, hat nahweislih {hon lanae vorher graue Haare gehabt, und die befannie Erzählung von dem Gemsjäger, der fundenlang in der gefährlichsten Lage zugebracht hatte und in dieser Zeit völlig ergraut war, laßt f überhaupt niht naWprüfen. Eine Stügze erhält die jeyt gegebene Erklärung duc einen Vergleich mit den Erschêtnungen dec Tierrvelt. Die Tiere, die im Winter einen weißen, im Sommer einen dunklen Pelz haben, erleiden diese Veränderung nicht durch eîne Gntfärbung oder Fäcbung derselben Haare, sondern durch eiaen völligen Wechsel des Haarkleides.

Ausftellungsnachric)ten.

Fm Festsaale des Niederösterreichishen Gewerbevereins in Wien hat sih gestern die große Kommission der österreichischen Fahrhundertausstellung, Wien 191 5, gebildet. Der Präsident des Niederösterret{htshen Gewerbevereins Adolf Schiel und der 2Ib- mann des vorbereitenden Komitees Baurat Breßler etstatteten Berichte, in denen sie, „W. T. B.“ zufolge, erklärten, die kommende Ausstellung solle in ertter Rethe die Entwicklung von Industrie, Kunst und Gewerbe in den leßten hundert Jahren darstellen. Es seien folgende Gruppen {n Auésiht genommen: Kunst und Wissenschaft, Wohnungs- wesen, Industrie und Gewerbe, Verkehr, Sport, soziale Fürsorge, Wirken dec Frau im Wirtschaftsleben. Im Rahmen der Gésamt- aus\stelung wird außerdem etne von der K. K. Gartenbaugesellschaft veranstaltete Gartenbau- und Gartenfunftausftelung Play finden. Die Ausstellung soll Ende April 1915 eröffnet werden und tn der Noturnde und in den angrenzenden Parkteilen stattfinden. In das Präsidium wurden gewählt das Herrenbhausmitglied Dr. Wilhélm Exner als Präsident, Adolf Shiel und die Vizepräsfidenten des 9ttederösterreichishen Gewerbevereins Georg Friß und Egmond Stoll als Präsidenten.

Verkehrswesen.

Postsheckverkehr Der bargeldlose Zahlungsaukgleidh zwischen den Postsheckämtern in Berlin, Breslau, Cöln, Frantfurt (Main), Hambura, Hannover, Karlérube (Baden), Leipzig und den Ab- rehnunosstelen der Reichsbank hat fich au im 1. Halbjahr 1914 erfreulih weiter entwidelt. In den Äbrebnungsverkehr gelangten über 300 000 Schecks im Betrage von rund 2,6 Milliarden Mark.

Die Postanstalt in Namansdrift (Deutsch Südwest- afrika) ist am 25. Mai aufgehoben worden; die Telegraphenanftalt daselbst bletbt bestehen.

Mannigfaltiges. Berlin, 15. Juli 1914.

Fn der leßten Sihung des Vereins für die Geschichte der Mark Brandenburg spra Hecr Kohte übev die Wiederher stellung des Siegeswagens auf dem Brandenburger Tore 1814. Nach- dem das Bildwerk 1806 nach Paris ges{cha}t worden war, hatte €s dort eine Instandsetzung erfahren. Unmittelbar nah dem Einzuge in Paris am 31. März 1814 befahl der König Friedrich Wilhelm 11. bie Zurückführung des Bildwerks. Der Weg wurde über Brüssel, Düssel- dorf, Hannover gewählt und mit der Leitung der Wiederherstellungs- arbeiten der Oberhofbaurat Moser in Berlin betraut; die von ihm aufgestellte, im Geheimen Staatsarhiv befindliche Abrechnung gibt über die Einzelheiten hinreichende Auskunft. Am 18. April wurde mit den erforderlihen- Bauarbeiten am Brandenburger Tore begonnen. Am 8. Juni traf der Wagenzug mit dem Bildwerk in Potsdam ein; am nächsten Tage wurde es mit Hilfe von 24 aus Zeblendorf besorgten Postpferden von der Friedri{h- MWilhelms-Brücke am Wannsee vermuilich dur die Große Allee näch Schloß Grunewald geleitet, wo das Bildwerk aubgepackt und "von seinen Schäden wiederhergestellt wurde. Die tragenden Cisenteile wurden vom Mechanikus Hummel fast vollständig erneuert; an den Kuyferarbeiten war Jury aus Potsdam beteiligt, der 1793 bie Pferde gefertigt hatte. Die Trophäe, welche die Viktoria auf dem Bepter geführt hatte, wurde dur das eiserne Kreuz mit Cichenkranz

und Adler ersetzt; doch wurde zunäthst nux das vom Bildhauer Haen[ch