1914 / 266 p. 1 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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die Königliche Expedition des Reichs- und Staatsanzeigers

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2 266.

Inhalt des amtlichen Teiles:

Bekanntmachung, betreffend Ausfuhr- und Durchfuhrverbote. Ordensverleihungen usw.

Deutsches Reich. Erste Beilage: Uebersicht der Prägungen von Reichsmünzen in den deutschen Münzstätten bis Ende Oktober 1914. Königreich Preußen. Ernennungen, Charakterverleihungen, Standesgerhöhungen und sonstige Personalveränderungen. Erlaß, betreffend die Berücksichtigung der großen kriegerischen Ereignisse der Gegenwart im Unterricht an den höheren Lehranstalten.

Bekanntmachung.

Auf Grund des $ 2 der Kaiserlihen Verordnungen vom 31. Juli 1914, betreffend das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Waffen usw., bringe ih nachstehendes zur öffentlihen Kenntnis:

I. Verboten ist die Ausfuhr und Durchfuhr von:

Nindleder jeder Gerbungsart, au<h Spaltleder, Roßleder jeder Gerbungsart, au<h Spaltleder, Kalbleder, Kalbfellen,

5) Kunstwolle,

Knochen, Knochenzapfen (Hornpeddig), Hufen, Klauen, ‘roh, auch entfettet, zu anderen als Schnißzwecken, der statistishen Nr. 156f und von Hornspänen (Abfall- spänen) und Hornmehl der statistishen Nr. 156g,

7) Weißblechwaren jeder Art, soweit sie niht in Form von Dosen, Büchsen usw. als Verpackung anderer Waren mit ausgeführt werden,

8) Schmelztiegeln aus Graphit.

I]. Aufgehoben ist das Verbot der Aus- und Durchfuhr von Lamm-, Schaf- Zi>kel-, Ziegen-, Reh-, Hirsch-, Renntier-, Hunde-, Schweins- usw. Leder, bearbeiteten Häuten von Fischen und Kriechtieren, künstlihem Leder,

s ist aufgehoben die Ziffer 2 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 3. September 1914 (,„Reichsanzeiger“ Nr. 207 vom 3. September 1914),

endlich ist aufgehoben das Verbot der Aus- und Durchfuhr von Geigenharz in geformtenStücken(Kolophonium fürGeigen, Celli und Baßgeigen) und vonSohlendurhnähmaschinen mit Kettenstich.

ITIT. Das Verbot der Ausfuhr und Durchfuhr von Fellen zur Pelzbereitung und Pelzwaren (Bekannt- machung des Reichskanzlers vom 7. August 1914) erstre>t sih nit ‘auf Breitshwänze, Persianer, Schiras, Moiré- Astrachan, roh und gefärbt, gefärbte Ziegenfelle und Ziegende>en, rohe: und gefärbte Krimmer, gefärbte Shmaschen.

Berlin, den 10. November 1914.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Delbrü.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: dem bisherigen Gesandten in Stuttgart, Wirklichen Ge-

heimen Rat und Kammerherrn von Belo w-Rugau den Stern zum Roten Adlerorden weiter Klasse mit Eichenlaub,

__ dem Sparkassenrendanten a. D. Johrs in Soltau den Königlichen Kronenorden vierter Klasse,

dem Hauptlehrer a. D. Urban in Glaß, den Lehrern

a. D. Mende in Nieder Thalheim bei Lande> i. Schl. und Seidenstücer in Bleicherode, Kreis Grafschaft Hohenstein, den Adler der Jnhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern, «dem stellvertretenden Standesbeamten, Rentner Lüttgen in Arnoldsweiler, Kreis Düren, und dem Presbyter, Kolon und Kalkofenbesißer Strakerjahn in Oldendorf, Kreis Halle i. W., das Verdienstkreuz in Silber,

…__ dem Sqculdiener a. D. Weise in Merseburg, dem Aus- zügler Wilze k in Mollwiy, Landkreis Brieg, und dem Lohn- arbeiter Lange in Niedervorshüßg, Kreis Melsungen, das Allgemeine Ehrenzeichen sowie

, dem Tapetendru>er Rüsse in Schleptrup, Kreis Bersen- brüd, das Allgemeine Ehrenzeichen in Bronze zu verleihen.

Königreich Preußen.

Ministerium der geistlihen und Unterrichts- angelegenheiten.

Der bisherige Präparandenanstaltsvorsteher Oito Roth-

Fähl aus Rummelsburg in Pommern ist zum Kreis\{ul- inspektor in Karthaus es D p 16 :

Berlin, Mittwoch, den 11. November, Abends.

__Aus mir zugegangenen Mitteilungen habe i< mit Be- friedigung ersehen, daß es an vielen höheren Lehranstalten in vortrefflicher Weise angestrebt wird, in den einzelnen Unterrichts- stunden und bei anderen geeigneten Gelegenheiten die Lehrauf- gaben zu den großen kriegerischen Ereignissen, die unser aller Herz und Sinn erfüllen, in lebendige Beziehung zu seßen. Jch kann diesen Bestrebungen nur meine Anerkennung aussprechen und bin überzeugt, daß keine der mir unterstellten höheren Lehranstalten es unterlassen wird, die Jugend anzu- leiten, die ruhmvolle Zeit verständnisvoll mitzuerleben und die Erinnerung an sie unauslöschlih in ihr Gedächtnis einzuprägen. Jeder von uns, der nicht mit ins Feld hinausziehen kann, wird denen, die da draußen Gut und Blut für das Vaterland opfern, einen Teil des schuldigen Dankes dadurch abstatten können, daß er ihre Heldentaten verkündet, und so wird auch jeder Jugendbildner es als eine seiner \{hönsten Aufgaben an- jehen, durch stete Bezugnahme auf die Großtaten unseres Volkes und auf die gewaltigen Leistungen unseres tapferen Heeres in die Seele der Jugend den Samen vaterländisher Begeisterung einzupflanzen, der au<h in der Zukunft no< reiche Frucht tragen soll.

Solche Anknüpfungen hindern keineswegs, an der Forderung treuer Pflichterfüllung bei den Schülern und Schülerinnen fest- zuhalten, au<h wenn hier und da in der vorgesehenen Stoffver- teilung geringe Verschiebungen oder gar Lücken dur das Ein- gehen auf die Tagesereignisse eintreten sollten.

Berlin, den 6. November 1914.

Der Minister der geistlihen und Unterrichtsangelegenheiten. von Trott zu Solz.

Abgereist:

Seine Exzellenz der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke nach dem westlihen Kriegsshauplag.

Nichtamtliches. Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 11. November 1914.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sißungen.

- Auf dem Kriegsschauplaß im Westen fand den Heldentod

für das Vaterland der Bataillonskommandeur in - einem Königlich bayerischen Jnfanterieregiment, frühere Gouverneur

p Schußgebiets Togo, Graf Julius von Zech auf Neu- ofen.

Graf von Zech, am 23. April 1868 geboren, trat im Juli 1886 als Portepeefähnrih in das Königlich bayerische 2. FJnfanterieregiment Kronprinz ein und wurde 1888 Leutnant, 1895 Oberleutnant. Jm März 1895 erfolgte seine Uebernahme in den Dienst des Schußgebiets Togo. Er war zunächst als Stations- und Expeditionsleiter im Hinterlande des Schußgebiets tätig, wurde 1900 Bezirksamtmann, 1902 Kanzler beim Gouvernement und zugleih Vertreter des Gouverneurs. 19083 erhielt er den Charakter als Regierungsrat; am 11. Mai 1905 erfolgte seine Ernennung zum Kaiserlichen Gouverneur. Gesundheitsrücksichten nötigten ihn, im Jahre 1910 seine Verseßung in den Ruhestand zu erbitten, die ihm unter Allerhöchster Verleihung des Ranges der Näte 1. Klasse in Gnaden erteilt wurde. Graf von Zech hat sich in langjähriger kolonialer Tätigkeit hervorragend be- währt. Jnsbesondere hat er es verstanden, sih die Liebe und das Vertrauen aller seiner Beamten, der gesamten westafrika- nischen Kaufmannschaft und der Eingeborenenbevölkerung in vollstem Maße zu erwerben. Der Aufshwung und die günstige Finanzlage des Schußgebiets Togo ist niht zum geringsten sein Verdienst. Für die bei kriegerischen Expeditionen im Hinterlande des Schußzgebiets Togo bewiesene Tapferkeit wurde ihm der Königliche Kronenorden IV. Klasse mit Schwertern, der Königliche Kronenorden III. Klasse mit Schwertern am Ringe und aus gleihem Anlaß das Ritterkreuz T1. Klasse des Königlich Bayerischen Militärverdienstordens verliehen. Für seine hervorragenden Verdienste um die Entwicklung des Schußgebiets Togo is er dur<h den Roten Adlerorden TII. Klasse mit der Schleife und den Königlich Bayerischen Verdienstorden vom heiligen Michael I. Klasse ausgezeichnet worden. Seine vortrefflichen Charaktereigenschaften, seine vor- nehme Gefinnung und große persönliche Liebenswürdigkeit sichern ihm ein dauerndes ehrenvolles Andenken.

1914,

Die Rückkehr mittelloser deutsher Flüchtlinge nah Belgien ist nah einer Mitteilung des „W. T. B.“ einstweilen in deren eigenstem Jnteresse noch niht erw R E Anträgen dieser Personen auf Gewährung freier Eisenbahnfahrt nach Belgien kann daher nicht entsprochen werden. Wer dahin zurü>kehren will, muß dies bis auf weiteres auf eigene Gefahr und Kosten unternehmen.

Jn einer Zeit, in der es Pflicht eines jeden Deutschen ist, sein Gold zur Reichsbank zu tragen, haben si<h nah einer Mitteilung des Oberkommandos in den Marken hier Leute gefunden, die das Gold zu sammeln und. aufzukaufen fuchen, um es in das Ausland zu verbringen. Da ihre Bemühungen bei den Banken und deren Angestellten keinen Erfolg hatten, wenden sie sih jeßt an das Publikum, namentli<h in Gast- wirtschaften und auf den Postämtern, ‘um gegen ein geringes Aufgeld Gold für andere Geldsorten einzutaushen. Derartige Machenschaften, Gold einzusammeln und aufzu- kaufen zu dem-Zwe>, es in das Ausland zu verbringen, sind in gegenwärtiger Zeit verwerflih. Von der Vaterlandsliebe der Bevölkerung muß erwartet werden, daß sie das ihrige dazu beitragen wird, solhen Elementen das Handwerk zu legen, indem sie diese Agenten des Auslandes auf der Stelle der Polizei übergibt.

Drei türkische Prinzen, begleitet von dem hiesigen türkischen Botschafter und zwei deutschen Dolmetscher-Offizieren, sind, wie „W. T. B.“ meldet, vorgestern vormittag nach dem Hauptquartier Seiner Majestät des Kaisers abgereist.

Der heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ liegen die Ausgaben 188, 189 und 190 der Deutschen Verlust- listen bei. Sie enthalten die 74. Verlustliste der preußi- schen Armee, die 47. Verlustlisie der bayerischen Armee, die 52. Verlustliste der sächsischen Armee und die 55. Verlustliste der württembergischen Armee.

Oesterreich-Ungarn.

Die ungarische Regierung hat eine Verordnung erlassen, der zufolge Mühlen Feinmehl nur im Höchstmaße von 15 Proz. ihres Gesamterzeugnisses herstellen können. B rot- mehl aus Weizen oder Roggen kann zu 383 Proz. mit Gersten- mehl oder mit 30 Proz. Mais-, Kartoffel- oder Reismehl ge- mischt werden. Andere Gattungen von Mehl“ dürfen aus Weizen oder Roggen nicht erzeugt werden.

Großbritannien und Jrland.

Die vorgestrige Lordmayorprozession trug ein mili- tärishes Gepräge. Zum ersten Male nahmen auch Abord- nungen aus Kanada, Neuseeland und Neufundland daran teil. An dem am Abend abgehaltenen Bankett hielten Asguith, Balfour, Winston, Churchill und Lord Kitchener Ansprachen.

Lord Kitchener rühmte, wie ,„W. T. B.“ meldet die englitchen Truppen, die \sih auf dem Kontinent s{<lügen, und drü>kte dann seine Bewunderung für die ruhmreiche französishe Armee aus. Unter der Leitung Joffres, der nicht nur ein großer Führer, sondern au ein aroßer Mann sei, könne man auf den endgültigen Sieg vertrauen. Ferner zollte Lord Kitchener den russishen Armeen Anerkennung, die unter dem Befehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewits< einen Steg von größtem fstrategishen Wert davongetragen hätten, ferner der belgis<hen Armee, die unbegrenzte Bewunderung wegen threr glänzenden Verteidigung erwede, \{ließli< den Armeen Ja- pans, Serbiens und Montenegros für ihre heldenhaften Taten. „Wir verfügen“, fuhr der Minister fort, „über außerordentliche Hilfsquellen an Menschen und Material, und wir besißen den wunderbaren Schwung, der an eine Niederlage nicht glauben läßt. Unsere Verluste waren ernst, aber, weit entfernt die Begeisterung des erglishen Volkes zu vermindern, haben fie im Gegenteil dazu beigetragen, den Mut unserer jungen Männer zu entflammen." Indem Lord Kitchener auf die ver- nichtenden Kriegémaichinen zu sprehen kam, mit denen fich die Feinde so forgfältig versehen bätten, sag1e er, daß die, welche das Datum des Krieges im voraus fest'ezten, einen be!rähtlihen Vorteil über die anderen hätten, und erklärte zum Schlusse, daß, abzesehen von den kolonialen Kontingenten, jegt über 1250 000 Mann das erste Zeichen zum Abrü>ken erwarteten.

Der französische Botschafter Paul Cambon spra<h dann im Namen der Botschafter der verbündeten Mächte. Er er- klärte, daß Frankreich niemals kriegerishe Hintergedanken ge- nährt und alle Anstrengungen gemacht habe, um einen Konflikt zu vermeiden. Der Botschafter fuhr dann fort:

Guropa hat eins Einfälle von Barbaren erlebt, aber was es bisher niemals gesehen hat, ist die von Gelehrten als Dogma auf- gerihtete und - gelehrte, sowie von der geistigen Elite ar Barbarei, eine Barbarei die durch die Wissenschaft vermeh1t wird, eine s{hulme!sterlihe Barbarei Dieje Lehrer der Brutalität hatten geglaubt, alles zu vermögen, aber fie batten nt<t vorausgesehen, daß sie an dem Gew:ssen der zivilisierten Welt einen Widerstand finden würden.

Der Arbeiterabgeordnete Barnes hielt gestern eine Rede in Birmingham, in der er sagte, es gehe viel bedenkliches Gerede über die allgemeine Wehrpflicht um. Wenn die

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