1914 / 276 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Vaterland bis zum leßten Blulslropfen zu verteidigen. Auf seinen Antrag wurde unter großer Begeisterung dié Absendung

na<hstehenden Telegramms an den Kaiser esp osten: /

Die rumäni-<en Bauern unterbreiten Seiner Majestät ihren alleruntertänigsten Dank für die gnädige Fürsorge, die ihnen dur das allerhôchste Handschreiben vom 25. Oktober zuteil wird.

Großbritannien und Jrland.

Im Unterhause erklärte gestern der Handelsminister Runciman, wenn irgend ein Anzeichen dafür vorhanden wäre, daß die britishe Kakaoindustrie direkt oder indirekt dem Feinde liefere, würde die Regierung sofort die Ausfuhr von Kakao untersagen.

Ftalien.

Ein Dekret veröffentlicht eine weitere Liste von Stoffen und Waren, deren Ausfuhr verboten ist. Darunter be- finden sich, wie „W. T. B.“ meldet: Zink, Antimon, Messing, Bronze, Holz, Salpeter, Terpentinöl, Wollumpen und Woll- abfälle, Vaseline, Abfälle von Stahleisen und Gußeisen, Spe> und Schweineschmalz, Mangan und Manganerze, Knochen,

orn und andere ähn!ihe Rohstoffe, verzinnte wie verzinkte Fisen- und Stahlklingen. Schweiz.

Die Schweizerische Depeschen-Agentur verbreitet folgende Mitteilung :

Am Sonnabend überflogen einig? erglisde, viellelht au<h fran- zösische Flugieuge von Frankreih kommend s<weizer1\<es Gebiet und griffen darauf in Friedrihöhafen die Zeppelinwerft an. Angesich!8 dieser offenkundigen Verleßung der \s{hweizeri|<en Neutralität beauf- tragte der Bundesrat die \hwetzerischhen Gesandten in London und Bordeaux, bei der britishen undderfranzösis<henNRegtierung gegen die Verlezung der \<wetizeris<hen Neutralität na<hdrü>li< Verwahrung einzulegen und Genugtuung

zu verlangen. Niederlande.

Blättermeldungen zufolge ist das Durchfuhrverbot für Tee, das vorübergehend in Kraft war, aufgehoben worden. Tee kann wieder frei durh- und ausgeführt werden.

Dänemark. Die Regierung hat heute ein Ausfuhrverbot für alle Pferde erlassen. Türkei.

Der türkishe Oberkommissar von Aegypten ist gestern mit seinem Personal in Konstantinopel eingetroffen.

Die Ausfuhr von Gold ist einer Meldung des Wiener „K. K. Telegraphen - Korrespondenzbureaus“ zufolge unbedingt untersagt. Die - Schlüssel zu den vermietbaren Geldschrankfächern bei den Banken sollen den Behörden ausgeliefert werden, soweit sie Ausländern gehören. Jm Gegensaß zu den Gerüchten, wona<h die osmanische Regierung beabsichtige, den Zinsendienst der öffentlichen Schuld einzustellen, wird in unterrichteten Kreisen festgestellt, daß als einzige Maßregel seitens der Regierung beschlossen worden ist, daß die Couponzahlung nicht an ausländischen Plätzen, sondern aus\schließli<h in Konstantinopel erfolgen darf. Die Maßregel ist mit Rücksicht auf die eventuelle Ausfuhr von Gold nach den mit der Türkei im Kriege befindlichen Staaten getroffen worden.

Die patriotischen Kundgebungen anläßlih der Erklärung des Heiligen Kriegs dauern in den Provinzen noch E Ebenso wie in Jerusalem wurden au< in Gallipoli

undgebungen veranstaltet, in deren Verlauf dem österreichish- ungarishen und dem deutschen Konsul Huldigungen bereitet wurden.

Nach einer amilihen Mitteilung des Scheich -ül- Jslamats wurde gestern eine Sißung abgehalten, an der dret ehemalige Scheichs-ül-Jslam sowie mehrere andere religiöse Würdenträger und Ulemas teilnahmen. Die Versammlung nahm einmütig den Entwurf eines Aufrufes an, den die Körperschaft der Ulemas auf der Grundlage des bekannten Fetwas an das muselmanische Volk mit Bezug auf den Heiligen Krieg richten wird.

Bulgarien.

Jn der Sobranje kritisierte vorgestern der Vizepräsident Momtschiloff das Programm der Opposition und betonte, wie „W. T. B.“ meldet, das unerschütterliche Verirauen der Mehrheit zu der Poliüik der Regierung. Er erklärte, die Neu- tralität müsse aufrecht erhalten werden, aber man müsse auch für alle Möglichkeiten gerüstet sein. Auf Antrag Momtschiloffs wurde dann die Debatte geschlossen.

Albanien.

Jn Tirana ist nah einer Meldung des „W. T. B.“ ein Aufstand gegen Essad Pascha wegen dejjen serbenfreund- licher Haltung ausgebrochen. Der na<h Tirana entsandte Polizeichef von Durazzo verkündete dort das Standreht und veranlaßte die . Verhaftung mehrerer Gegner Essads. Durch diese Maßnahmen auf das Aeußerste gereizt, sollen si die Be- wohner der Umgebung in größerer Zahl bewaffnet haben, gegen Tirana gezogen sein und die Stadt umzingelt haben. Als Vorsichtsmaßregel gegen einen Vormarsch der Aufständischen nach Durazzo hat Essad dur ungefähr tausend seiner Anhänger die Höhen in der Umgebung und die Haupteingänge von Durazzo beseßen lassen. Der Verkehr nah Tirana ist eingestellt, die Telegraphenlkeitungen sind durchschnitten.

Amerifa.

Der amerikanishe Marinesekretär hat dem „Reuterschen Bureau“ zufolge den Kommandanten der Panzerkreuzer L EN- nessee“ und „North Carolina“ telegraphisch die Vollmacht gegeben, wenn nötig, zum Schuße der amerikanischen Interessen in der Türkei einzugreifen. Die Offiziere müßten jedoch die dur< den Krieg geschaffene shwierige Lage und den Wunsch der Vereinigten Staaten, streng Neutralität zu bewahren, im

] Auge behalten. f E Afrika.

Wie „W. T. B.“ meldet, haben [rang ae Truppen nah glaubwürdigen Zeitungsnachrichten bei Kanifra am 13. d. M. eine \<hwere Schlappe erlitten. Es sollen wenigstens 23 Offiziere und 600 Mann gefallen sein. Die Maroffaner eroberten zwei Batterien.

Australien.

mit Beschlag zu belegen und den Bauern fünf Schilling für den Scheffel zu bezahlen. Die Bauern, Müller und Exporteure erheben dagegen Einspru<h. Nach den leßten Schäßungen soll Neusüdwales zwar genug Weizen für den eigenen Bedarf, ganz Australien jedoh viec Millionen Scheffel zu wenig haben.

Kricgsnahrihhten.

MWestlicher Kriegsschauplaß.

Großes Hauptquartier, 24. November, Vormittags. (W.-.T. B.) Englische Schiffe erschienen auch gestern an der flandrischen Küste und beschossen Lombartzyde und Zeebrügge. Bei unseren Truppen wurde nur geringer Schaden angerichtet. Eine Anzahl belgischer Landeseinwohner wurde aber getötet und verleßt.

Jm Westen sind keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Oberste Heeresleitung.

Oestlicher Kriegsschauplaß.

Großes Hauptquartier, 24. November, Vormittags. (W. T. B.) Auf dem östlichen Kriegsshauplaßg ist die Lage no<h niGt gelflärt. In Ostpreußen halten unsere Truppen ihre Stellungen an und nordöstlih der Seenplatte. Im nördlichen Polen sind die dort im Gange befindlichen schweren Kämpfe no< nicht entschieden. Jm südlichen Polen steht der Kampf in Gegend Czenstochau, auf dem Süd- flügel nördlih Krakau \chreitet der Angriff fort.

Die amtliche russishe Meldung, daß die Generale von Liebert und von Pannewitz in Ostpreußen gefangen genommen seien, ist glatt erfunden. Der erste befindet sich in Berlin, der zweite an der Spiße seiner Truppe; beide sind seit längerer Zeit nicht in Ostpreußen gewesen.

Oberste Heeresleitung.

Wien, 23. November, Mittags. (W. T. B.) Jn Russi Polen ist noch keine Entscheidung gefallen. Die Verbündeten seen ihre Angriffe östlih Czenstohau und nordöstlih Krakau fort. Bei der Eroberung des Ortes Pilica machten unsere Truppen gestern 2400 Gefangene. Das Feuer unserer shweren Artillerie ist von mächtiger Wirkung. Die über den unteren Dunajec vorgegangenen russischen Kräfte konnten nicht durch- dringen. Die Krciegslage brachte es mit sich, daß wir einzelne Karpathenpässe dem Feinde vorübergeher:.d überließen. Am 90. November drängte ein Ausfall aus Przemysl die Ein- \chließungstruppen vor der West- und Südwestfront der Festung weit zurück. Der Gegner hält sih nunmehr außer Geschüßertrag.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs:

von Hoefer, Generalmajor.

Der Krieg zur See.

Berlin, 24. November. (W. T. B.) Nach amtlicher Bekanntgabe der englischen Admiralität vom 23. November ist das deutsche Unterseeboot „U 18“ durch ein englisches Patrouillenfahrzeug an der Nordküste Schottlands zum Sinken gebracht worden. Nah Meldung des „Reuter-Bureaus“ sind dur<h den englishen Torpedobootszerstörer „Garry“ drei Offiziere und dreiundzwanzig Mann der Besaßung gerettet worden. Ein Mann ist ertrunken.

Der stellvertretende Chef des Admiralsiabes: (gez.): Behnke.

Rotterdam, 24. November. (W. T. B.) Nah Mel- dungen aus sicherer Quelle ist der englische Ueber- dreadnought „Audacious“ am 28. oder 29. Oktober an der Nordküste Jrlands auf eine Mine gelaufen und ge- \sunken. Die Admiralität hält das Ereignis streng geheim, um Aufregung im Lande zu vermeiden.

„Audacious* hatte etn Deplacement von 27 000 Tonnen, eine Maschinenstärke von 28 000 Pferdekräften, etne Geschwindigkeit von 59 Secmeilen, eine Bestükung von zehn 34,3-em- und fe<zehn 10 2-cm-Kanonen, die Besatzung betrug etwa 1100 Mann.

Statistik und Volkswirtschaft.

Ueber die Bedeutung und die Ausführung der Vieh- zählung in Preußen am 1. Dezember 1914 gibt das Köntglih preußishe Statistishe Landesamt in der „Stat. Korr.“ die folgende Belehrung: : i :

Am 1 Dezember 1914 findet im Deutschen Neiche eine all- gemeine Viehzählung statt. Die Fragen, die hierbet an dic Bevöltke- rung gestellt werden, find leit verständlih; ihre Beantwortung ver- ursacht nur geringe Mühe. Es werden gezählt: Pferde, Rindvieh, Schafe, Schweine und Ziegen, bet dem Rindvieh und den Schweinen auch die Unterarten. 2

Der Zähler hat innerhalb des ihm zugewiesenen Zählbezirks von Gehöft zu Gehöft und in diesem von Haushaltung zu Haushaltung das in derNacht vom 30. Noyember zum 1. Dezember 1914 auf dem Gehöfte vorhanden gewesene Vieh zu zählen und die Zahl in die Zählbezirksliste wahrheitsgetreu einzutragen. Das Ergebnis ist dem Haushaltungsvorsteher vorzulegen und von ihm mündlich zu bestätigen. ; ;

Veber die in den Zählbezirkslisten enthaltenen, den Viehbesitz des Einzelnen betreffenden Nachrichten is das Amtsgeheimnis zu wahren. Dte Angaben dürfen nur zu amtlichen statistishen Arbeiten, nit aber zu Steuerzwe>en benußt werden. Die Ergebnisse der Vieh- zählung dienen ledigli den Zwecken'der Staats- und Gemeindever- waltung und der Förderung wissenschaftliher und gemeinnüßiger Auf- gaben, wie Hebung der Viehzucht. Insbesondere soll dadurch ein Ein- bli> in die Fleis<mengen gewonnen werden, die dur die heimische Btehzucht für die Volksernährung verfügbar werden. j

Die Erreichung des bedeutsamen Zweckes der Zählung hängt zum großen Teile von der Mithilfe der Bevölkerung ab. An fie wird daher die dringende Bitte gerichtet, das Zählgeschäft durch bereitwilliges Entgegenkommen den Zählern, Ortsbehörden usw. gegenüber zu erleihiern. Es bedarf einer großen Zahl treiwilltger Zähler, die bei der Ausübung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit die Eigenschaft von öffentlihen Beamten besißen. Es steht zu erwarten, das, wte bei früberen Zählungen, fo au< diesmal fich in genügender Zahl Personen finden werden, die bereit sind, dieses Chren- amt zu übernehmen; sie würd-n damit dem allgemeinen öffentlichen ÊFntercsse etnen we)ertlichen Dienst leisten. Endlich ist no< in ge- eigneter Weise, namentl < dur Besprehung in den Gemeindever- fammlungen, in den Schulen und dur< Abdru> dieser Belehrung in den amtlichen Blättecn und tin der Tagesprefse der Zroe> der beyors

Die Tblbeteiting der Ergebnisse der Zählung geschieht dur das Königlich preußische Statisti)he Landesamt in Berlin SW. 68, Linden- straße Nr. 28, das zur Behebung etwa auftauchender Zweifel auf jede Antrage beret1willtgst Auskunft erteilen wird. Eine etwaige Ver- ôffentli<hung der Ergebnisse wird so gehalten werden, daß darin die Angaben des etnzelnen Haushaltungsvorstehers in keinem Falle mehr

erkennbar sind. Wohlfahrtspflege.

Der Erzbischof von Cöln, Kardinal von Hartmann hat, wie die „Kölnische Volkszeitung“ mitteilt, aus ihm zur Verfügung stehenden Mitteln dem Berliner Kriegsaus\husse für warme Unterkleidung 10000 6 überwiesen mit der Bitte, die Côlner Regimenter besoaders zu berüd>tsichtigen.

Kunst und Wissenschaft.

Zum hundertjährigen Geburtatag Nobert Mayers, Der Krieg, dessen Lärm jeyt die ganze Welt dur<hallt und dessen sjeareiter Durchführung unser ganzes Denken und Streben gewidmet st, darf nicht verhindern, daß wir au<h der großen Taten in den Werken des Friedens gedenk-n, und gerade die Naturwissenschaften haben ja dur ihre innige Verbindung mit der Technik eine jo nahe Beziehung zu der modernen Kriegsführung, daß es wirklich kaum etner Entschuldigung bedarf, wenn wir den Gedenktag eines der Gi ößten im Reiche der Naturwkssenschaften ni<t ganz ahtlos vorübergehen lassen. Nobert Mayer, dessen hunder1jähriger Geburtstag auf den 25. November fällt, hatte in jungen Jahren na< vollendeten Studium der Veedtzin eine Weltreise als Schiffsarzt angetreten und wirkte \päter als einfacher Arzt in seiner Vaterstadt Heilbronn. Die Beobachtung, die ihn zu sciner das wissenschaftlihe Denken um- wälzenden Entde>dung führte, machte er bereits auf seiner aroßen Netse; er hatte bemerkt, doß beim Aderlassen auf Batavta das der Armvzne entnommene Blut eine weit Belere Nöôte zeigt als in unserem fälteren Klima. Der Ursache dieser GCrscheinung nahgehend, kam er zu der gentalen Auffassung von der Aequivalenz der Wärme mit mechanisher Arbeit, er berehneie auch beret1s das mechanisbe Aequt- valent der Wärme, das ist die Arbeitsmenge, die beim Vers<hwinden einer bestimmten Wärmemenge als ihr Ersatz austriit, und wurde 1o der Begründer des die gejamte Naturauffassung der folgenden Generationen beherrs<henden Gesetzes von der Erhaltung der Kraft oder, wi- man es heute gewöhnlih nennt, von der Erhaltung der Gnergie. Mayer teilte lange Zeit das Swi>fjal bedeutender Männer, decen Gedanken dem Denken threr Zeit vorauseilen, er wurde nicht verstanden und nach dem Goethesden Wort „wir sind gewöhnt, daß die Menschen ver

böhnen, was sie nicht verstehen“ in ausgiebigem Maße v-rhöhnt und verivottet, wodur jahrelang eine f1arke Verbitterung in ihm Platz griff. Seine im Jahre 1842 ershienene grundlegende Abhandlung „Bemerkungen über die Kräfte der unbelebten Natur“ konnte er nichr einmal in der damals wohl einzigen physikalishen Zeitich: ift zum Abdru> bringen, sondern mußte troh sein, in den hemi <en Annalen von Liebig eine Stätte für sie zu finden; utd do<h enthielt dieje Arbeit brreits den Kern des die gan;e Phyfik und weit über die Physit hinaus das gesamte Gesehen in der Natur beherrshenden Geießes von der Erhaltung der En rgie. A1s später das Gesey durhgeo'ungen war, vornehmlih durch die erperimentellen Arbeiten von Joule in England und die bervot- ragenden 1heoretishen Arbeiten von Helmholy in Deutschland, wurde die Großtat Mayers au< no< lanae verkannt und erst in späterem Alter er starb am 20. März 1878 wurde ihm dic gebührende Anerkennung zuteil. Das Energiegeseß selbst hat seinen Rang als wichtiger Ausdru> für das Ge'ch-hen in der Natur, der uns den tiefsten Einblick in den Mechanismus des Geshehens gewährt, bis heute behauptet. Eine Zeitlang schien es, als ob bei den großen Umwälzungen, die die physikalishe und <emti<he Wisjen- \chaft in unseren Tagen erfahren haben und no<h erfahren, auch das Gnergiegeseß in die Neihe der überwundenen Hypothesen würde wan- dern müssen. Die fruchtbare Entwi>klung, die an den Nachweis eleftrisher Wellen anschließend zu der Gntde>ung der Röntgenstrahlen und in fernerem Verlauf einer Reihe weiterer seltsamer Strahlungen gefübrt hat. lebrte uns auch die Elektroden kennen, deren förperlihe Maße und Auedehnung noch tausend bis zweitausendmal geringer ilt als die der Atome, dieser Éleinsten Grundvestandteile der körperlich:n Welt. Dann fam die Entde>ung und Darstellung des wunderbaren Nadiums mit seiner \<hier unershöpflihen Kraf!quelle der Strablung, und im Zusammenhang mit der Erforschung seiner E'genschaften wurde die Umwandlung des Elements Helium entde>t, eine Tatsache, die die Grundlagen der Chemie ebenso umzuwälzen geeignet er|<ien, wie die Kra\tquelle des Nadiums die der Physik. Aber das von May r be- gründete Geseg von der Erhaltung der Energie überstand den Sturm siegrei<h und steht heute als Grundlage unserer gesamten Natur- erfenntnis gefestigter da als je. Aber wenn dem au<h nicht so wäre, wenn das Gnergiegeseß das Schisal mancher andern natu!wissenschaft ¡{hen Auffassung teilen müßte und si als unhaltbar erweisen würde und von andern zutreffenderen Änschauungen abgelöst werden müßte, so könnte das der Größe urd Bedeutung Mayers keinen Eintrag tun. Feder Forscher wurzelt in seiner Zeit und ist dur< sie in seinen Leistungen begrenzt. Die Größe und Bedeutung eines For!|ers zeigt sich darin, daß er si< über die Vorurteile setner Zeit zu erheben und so der Forshung neue Wege zu weisen vermag. Das hat Maver getan, und deshalb wird jein Name in der Geschichte der Wissenschaft als einer der Leuchtendsten fortleben.

Literatur.

Den Beziehungen zwishen Krieg und Volkswirtschaft, die sich heute ja bis in jeden Haushait und für jeden einzelnen fühlbar machen, gebt im vierten Kriegshett der „Internationalen Monats\chrift für Wihienschaft, Kunst und Technik“ (Einzelheft 25 4. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig - Berlin) der Berliner Vo!köwirt|<haftlec Werner Sombart naä. L beantwortet die Frage „Werden wir Sieaer bleiben im Kawpfe mit den Feinden unsecer Voltswirtsha|t? Werden wir „dur<halten" können" mit etnem ents<tedenen „Ja“. Wenn niht no< S'örungen aanz unerwarteter Art auftreten und zumal, wenn si<h auch in der Zukunft der Sieg an unsere Fahnen hefte, so liege k.in Grund vcr, zu zwetfeln, daß unsere Volkswirtschaft intakt erhalten bleibe und da} unsere Bevölkerung thren Unterhalt in ihr gewinne. Was bisher an Schädigungen eingetreten, sei gewiß nicht gering, aber geringer, als wohl irgend jemand von uns erwartet habe. Wir hätten eigentlich gedachi, daß die wirtshaftlihe Maschine völlig still stehen werde, wenn der Weltkrieg ausbricht, davon fei aber keine Mede. Wenn in einer Stadt wie Breslau mit rund einer halben Million Einwohner dieser Tage ni<ht wesentliß mehr als 5000 arbeitslose Männer und Frauen “ermittelt wurden, so müsse man sagen, daß die Störungen des Wirt\chaftélebens im Augenbli> no< m<t so groß seien wie in manchen Krisenzeiten, und daß von einem allgemeinen Notstand einstweilen überhaupt noch nit gesprochen werden könne. Es set aber au< ni<ht anzunehmen, daß die Zukunft eine wesentliche Vershlehterung der Zustände bringen werde. Die größte Schädigung erführen wir ja natürlih dur< die Abscneidung unserer Beziehungen mit dem Ausland, aber auch -die brauche nit tödlih zu werden. Nahrungsmittel hätten wir genug im Lande, um all?n- falls leben zu fönnen: Die Rohstoffe für einige der wichtigsten In- dustrien, soweit wie sie niht im Jalande produiteren, bekämen wir sicher herein, weil wir fie von neutralen Staaten auf einem MWege beziehen, auf dem fie uns nit abgefangen werden könnten, z. B. die shwedishen Eisenerze. Andere, wie namentli<h Kupfer, Wolle und Baumwolle, hofften wir do<h über neutrale Länder beziehen zu können. Den Bemühungen Englands, fie zu relativer Konterbande zu erklären, werde vermutli<h das stark an der lus- fuhr interessierte Amerika mit Erfolg entgegenarbeiten. --- Au der übrige Inhalt des Heites, aus d m die Aussäge von Professor Hintze-Berlin über unseren PVtilitariömus und der yon Professor Kreßs<mac über den „Krieg und die deute Musik“ hervorgehoben

Die Regierung hat na einer Meldung der „Times“ be- lossen, den ganzen Weizenvorrat von Neusüdwales

t

stehenden Zählung zur möglichst allgemeinen Kenntnis zu bringen.

seien, jowie der Brkeswehsel ves Piünchener Natlonalötonomea

Brentano mit 2 franzöfischen „Kollegen“ ist bea<ten8wert und interessant. Die Iaternationale Monatsschrift tür W senschaft, Kunst und Techntk wird zukünftig, wie vor dem Krieg, wteder in Monatöheften im Umfange von 64 Seiten erscheinen. Der Aufgabe, in deren Dienst sie \si<h mit den Kitegs- heften geitel, Deutshlands Kawpf um Recht und Gesittung mit den Waffen des Geistes führen, uns zum Bewußtsein bringen zu helfen, um „was wir kämpfen, wird die Monatsschrift au weiter dienen. Wertvolle, in diesem Sinne gehaltene Beiträge stehen, wte der Verlag mttteilt, bereits für die nädsten Hette zur Verfügung, Der Bezugspreis beträgt für das Vierteljahr 3 4, der Preis des Einzelbeftes 1,50 6. Für den Bezug des Dezember- beftes und der drei Hefte des ersten Vierteljahres ‘1915 beträgt der

Preis 4 t. Jagd.

BeräantmaGunga

Für den Landespolizetbezirk Potsdam bleibt es hinsihtli<ß des Beginns der Schonzeit für Nebhühner, Wachteln und scottis\<e Moorhühner im Jahre 1914 bei dem geseßlih festgeleguten Termine (1. Dezember 1914).

Potsdam, den 16. November 1914

Der Bezirksaus\{uß zu Potsdat. Ioachimi.

Verkehrswesen.

Die russische Postverwaltung hat jeßt erklärt, den Post - anweisungsverkehr der Kriegs8Saefangenen zwis<en Deutschland und Rußland vorläufig no< nicht zulassen zu können. Die bei deutschen Postanstalten etwa {hon eingezal!ten, nah Nußland bestimmten Postanweisungsbeträge werden den Ubsen- dern wteder zurückgegeben werden.

Heft 11 vom Jahrgang 1914 der „Zetts<rift für Klein- bahnen“, herauêgeaeben im preußi'<en Ministerium der öffentlihen Arbeiten, zuglei<h Oigan des Vereins deutsher Straßenbahn- und Kleinbohnverwaltungen (Verlag von Julius Springer, Berlin), erschien mit folgendem Inhalt: Staatsbeihilfen für Kleinbahnen; Statistik der s{<malspurigen Eisenbahnen für das Betiiebsjahr 1911 12, nah amtlihen Angaben bearbeitet von Obering-nieur X. Zezula tn M-lnik (Böhmen) [Fortseßung). Gesetzgebung: Preußen: Erlaß des Königlichen Staatsmtnistertums vom 12. Ok- tober 1914, betreffend die Verleihung des Enteignungs- rechts an die Zi1esarer Kleinbahn - Aktiengesells haft in Ztesar zum Bau und Betriebe einer Kleinbahn von Z'esar nah Güsen; Erlaß des Königlihen Staatëministeriums vom 26. Oktober 1914, betr. die Verleihung des Enteignungsre<ts an die Geellschaft für elektri\he Hoch- und Un1ergrundbahnen in Berlin zum Bau und Betriebe einer Unterarundbahn in der Stadt Berlin von der Kloster- straße nah der Frankfurter Allee; Erlaß des Könialichen Staats- ministeriuums vom 29. Oktober 1914, betr. die Veriethung des Gnteignungsre<hts an die Kleinbahn - Aktiengesell)haft Lüben— Koßenau in Lüben zum Bau und Betriebe einer Kleinbahn von Lüben na Kotenau. ieine Mitteilungen : Neuere Projekte, Vorarbeiten, Konzesstonserteilungen, Betriebseröffnungen und Betriebt änderungen von Kleinbahnen; Ueber neue elektrishe Straßenbahnen tn Italten; Zwei elektrishe nebenbahnähn'ihe Kleinbahnen im Nordwesten der Bereinigten Staaten von Amerika; Kleinbahnen auf der Insel Formosa. Bücherschau, Zeitschriften hau. Mitteilungen des V reins deutsh-r Strakenbahn- _und Kleinbahnverwaltungen: Ausschluß engli)cher Waren ; Straßen- und Kletnbahnrberuftgenossershaf!; „Unfälle des täglichen Lebens oder Betriebsunfälle *“ Von M Kayser, Geschäfts- fübrer der Straßen- und Kleinbahnberufsgenossenschaft ; Patentbericht (mit 5 Abbildvngen); Aus,üge aus Ge|\chäftsberihten. Statistik der deuts<hen Kleinbahnen für den Monat September 1914.

Verdingungen.

(Die näheren Angaben über Verdingungen, die beim „Reichs- und Staatsanzeiger“ ausliegen, können in den Wochentagen in dessen Expedition während der Dienststunden von 9—3 Uhr eingesehen werden.)

_ 12. Dezember (n. St.), von 3 bls 4 Uhr Nachmittags. Varnaer Stadtgemeindeverwaltung: Auéshreibung n Acbdimer Kon- kurrenz zur Lieferung von 13 125 ökonomischen Drahtlampen und ge- wöhnlihen eleftrishen Lampen für die elektrishe Beleuchtung der Stadt. Annähernder Wert der Lieferung 15 000 Lewa. Sicherstellung ¿ffatiidh Da oe Bewerber werden auf das Geseg, betreffend die en Unternehmungen, hingewiesen. (D 8 3) 1908 LS. 17 F) g hingewiesen. (Deutsches Handelsarchtv

Handel und Gewerbe.

Ueber die Lage des deutshen Arbeitsmarktes im Monat Oktober 1914

berihtet das vom Kalserlichen Statistishen Amt heraus »MNeth8arbeitsblatt“ in seinem Novemberheft : E

Die im September dem August gegenüber in fast sämtli>en Gewerbezweigen eingetretene Verbesserung des Arbeitsmarkts hat sih im Oftober weiter fortgesegt. Vor allem haben die verschiedenen Industrien, die \i< „an den Kriegsltieférungen beteiligen können, im Oktober nit nur gleich lebhaft», sondern zum Teil sogar noch leb- haftere Be\chäftigung als im Vorwonat aufzuwetijen gehabt. Die mit wenigen Auénahmen hervortretende Besserung erstre>t \ih sogar auf Lurxusindustrien, wie die Edelmetalltndustrie. iur das Bau- E A fue M im Okiober d ollgemeinen ni<t auf-

) gehabt - um Teil unter dem ß i s Witterun 6verbälini} tnfluß der ungünstigen

Die Hebung des allgemeinen Beschäftigungsgrades ist, wie aus den Industrieberihten, so au daran zu erk nnen, daß die Nachweise über die Arbeitslofen in den deutshen Fach verbän den im Oktober eine erheblihe Verminderung ter Arbeitslosenz2hl ergeben. Die Arbeitslosigkett war Ende Oktober nur no< halb fo groß a!s Ende August. Ebenso ist die Zahl der Krankenkassenmttalieder wiederum gestiegen, und die zahlenmäßig an der Hand der Krarken- kassenberihte erkennbare Zunahme der Beschäfligten bleibt wahr- A noch hinter der tatsähli<hen Besserung zurü.

a< den Berichten der Arbeitsna<hweisverbände hat fi Be Lage des Arbeitsmarktes in Sw<hlesten, in Ses 2 esfen-Nassau, He|\sen und Walde>, ebenso in Hamburg Lu ürttemberg auch weiterhin niht unerhebli< verbesseit. Die 2E e Arbeitsmarktes in Brandenburg-Berlin wird sogar als B weise besser als im Vorjahr um dte gleiche Zeit bezeihnet. Der esa igungsgrad im Rheinland wird als gut, der in West- 2 en als gleihfalls günstig angegeben. Auch für die Provinz s U das Derzogtum Anhalt wid eine günstigere Ge- Sb >es Beschäftigungsgrades der Arbeiter festgestellt. Fn S eswig-Holstein war die Lage niht ungünstiger als im x ee; die Eisen- und Schiffbauindustrie ist unverändert flark es stigt, und niht minder weitjen die Nahrungemittel- und Be-

kletdungstndustrien weiterhin gute Beschättigung auf. |

__ Diesem Gefamtüberbli> läßt das „Neichtarbcitsblatt“ eine aus- ¿pelie Wiedergabe von Berichten über Bescäftigung, Arbeitslosig- eit, Arbeitsnahweis usw. folgen. Auch über Arbeitsmakt und

Arbeito1osiakeit in Enuland und cintliden Sueken beIRIOL nd im neutralen Auslande wird nah

Ema a Reg

(Weitere Nachrichten über „Handel u. Gewerbe“ \. i. d. Ersten Beilage.)

Theater und Musik.

Morgen, Méitiwoh, Abends 74 Uhr, findet im Königlichen Opernhause das 3. Symphoniekonzert der Königlichen Kapelle unter der Leitung des Generalmusikdtrektors Dr. Richard Strauß statt. Die Mittagsaufführung zu diesem Konzert beginnt um 12 Uhr an demselben Tage.

Wegen mehrfacher Erkrankungen im Personal der Könizltchen Oper wird heute, Dienstag, den 24. d. PVtts., im Königlichen Schauspielhause statt , Ariadne auf Naxos" „Das Volk in Watten“ gegeben. Die für die heutige 198. Dauerbezu„svorstellung bereits verkauften Eintriitskarten behalten ihre Gültigkeit für die neu angesetzie Vorstellung Ste werden au<, jedo< nur bis zum Beginn der Vorstellung, an der Schausptelhauskasse zum Kassen- preise, einshließli< der amtlichen Vorverkautsgebühr, zurü>enommen. Eine \pâtere Zurücknahme ist ausgeschlossen. Morgen wird „Kater Lampe“ gegeben. Beschäftigt sind darin die Damen: Conrad, Arnstädt, von Mayburg, Ressel, Pategg und Hoff, sowie die Herren Vollmer, Vallentin, Patry, Mannstädt, Leffler, Bru> und Eichholz. Spiel- leiter ist der Oberregisseur Pa: ry.

In der am Sonnabend im Theater in der Königgräßer Straße stat)findenden Erstaufführung von „Sturmidyll", Lustsptel in dret Akten von Friy Grünbaum und Wilhelm Sterk, sind in den Hauptrollen die Herren Gugen Bu1g, Ludwig Hartau, Rudolf Teubler, Friedri Z: lnik sowie die Damen Ida Wüst und Agda Nilsson be- schäftigt. Die Negie führt Eugen Bürg.

Zu Gunsten der Nationalstiftung für die Hinter- bliebenen der im Kriege Gefallenen veranstaltet der Vorstand der Jüdischen Gemeinde eimn Konzert am Sonnabend, den 5. De- zember d. JI., Abends 73 Uhr, in der Neuen Synagoge, Oranten- burgersttaße 30.

Konzerte.

Einen Beethoven-Abend von seltener Weiße ließ seine Hörer der bestens bekannte Pianist Waldemar Lüutshg im Saale der Singakademte genießen, wo er ¿um Besten des „Hilfösbundes für bedüiftige gebildete Frauen und Mädchen“ am Donnerstag ein Konzert gab. Wie kaum etner bat sih dieser ernste Künstler, aller Künstelet abho!d, in den Geist der Beetbovenschen Muse hineingelebt. Bei seinem Spiel fließt alles kiar und selbstverständlich, erqui>kt und wedt die heiligsten Empfindungen, ka ist alles echte, zu Herzen gehende Musik, die in des Wortes wahrer Bedeutung „das Zeitliche abge- strei)t hat und Seligkeitsfernen ahnen läßt.“ Von dem erlesenen Programm seien nur die C-Dur-Sonate, Op. 53 (Waldstein), die Sonate in As-Dur, Op. 110, das melodiöse Rondo in G-dur Op. 51 Nr. 2, allerdings etwas ras< genommen, wie die ewitg- \höne F - Moll - Sonate, Op. 57 (A ppass8ionata) genannt. Die „Vaterländi\he Vereinigung der Berliner Künstlerinnen“ ver- anstaltete gleichzeitig im Beethovensaal ein Konzert, dessen Nein- ertrag zugunsten der Berliner Bühnenkünstler verwendet werden jollte. LtlIlt Lehmann und Vèelauie Kurt hatten si< für den guten Zwe>k zur Verfügung gestellt, und das neu zusammengestellte, He ß- Quartett steuerte ebenfalls wertvolle künstleris<he Gaben bei. Lilli Lehmann fang mit ihrer unvergleichlihen \Hefangs- und Vortraas- kunft Lieder von Schubert, von denen , Auf dem Wasser zu singen“ so großen Beifall fand, daß es wiederholt werden mußte. Melanie K"rt erfreute mit ihren prächtigen Sti1mmitteln dur< Lieder von Hugo Wolf. Den ihr gespendeten A Beifall 1ohnte sie dur< elne Zugabe von Brahms’ „Meine Liebe ist grün“. Das Heß Quartett brachte in idealem Zu- fammenspiel ein Strei>hquartett von Grieg sowte die Italtenische Serenade von Wolff zu Gehör. Den Schluß biüidete die „Kaiser- bymne“ von Haydn. Eines anderen zu wohltätigen Zwe>ken ver- anstalteten Kenzer1s, das etnige Tage vorher in demselben Saale stattgefunden hatte, sei an dieser Stele no< gedaht. Alexander Heinemann hotte die Verehrer seiner gepflegten Gefangskunst in großer Zabl doit versammelt und erntete für seine Lieder- und Balladenvorträge raushenden Beifall. Letzter-r galt au<h dem Kom- vonisten Vans Hermann, der eine Neihe eigener wtrkungsvoller Lieder vortreffli<h am Klavier begleitete.

Zu einem der bedeutendst:n unter den Gesgern hat ih der einstige „Wunderknabe“ Franz von Vecsey entwi>elt, L am Sonn, abend im Beethovensaale mit dem Philharmonischen Orchester, das teils unter der Leitung von Camillo Hildebrandt, teils unter Professor Dr. von Hubay stand, Werke von Brahms, I. S. Bach und Jenö von Hubay in einer Vollendung darbrct, wie fie nur ein Vollblutmusiker zu brinoen imstande ist. Das war aus. gereifte Kunst. Großzügig und pa>k-nd erklang das D-Dur-Konzert Dp. 77) von Brahms, stile<t der Bach, in dem Huba" die zweite Geige meisterte, und |{wungvoll das großartig aufgebaute 4 Violin- kfonzert von Hubay mkt dem Komponisten am Pult. Der Abend war ein Ereignis im Berliner Konzertleben. Wie anders verlief ein Volks. vnd Kinderltederabend, den Margarete Xritt gemeinsam mit dem Hofkapellmeister Nihard Hagel am Klavier im Bechstetnsaal gab. Es wurden Leder von Weber, Gesänge aus dem XIV. und X1X. Jahrhundert, Augeländishe Lieder in der Bearbeitung von H. Reimann und die bekannten „Kinderlteder" von Taubert in re<t ausdru>sarmer, tonloser Art vorgetragen. Auch die Be„leitung zeigte keine persönliche Note.

Dbzwar die Kunst, die am Sonnabend im Beethoven- faal geboten wurde, nit den musikalis<hen Veranstaltungen beti- zuzählen ist, fo sei threr um deswillen an dieser Stelle gedacht, weil DX. Ludwtg Wüllner, der Meister des gesungenen wie des ge- \prohenen Worts, der au der Musik der deut]<en Sprache wie kaum ein anderer Geltung zu verschaffen weiß, sic darbot. Er fesselte und begeisterte seine überaus zahlreih erschienenen Zuhörer dur< den unvergleihli< s<hönen und das Wesen der e'habenen Dichtuna in seiner ganzen Tiefe erfasseaden Borirag zahlreicher Szenen aus beiden Teilen von Goethes „Faust“. Wahrlich eine größee, ernstere und künstlerisch bedeut-ndere Aufgabe konnte si< Dr. Wülner nit stellen und er- {öpfender, das letzte Gehe!mnis der Dichtung kiarlegend, konnte er niht dem weltumfassenden Werke gere<ht werden, als er es getan hat. Einf-h, klar und alle Abgründe und Höhen des Denkens durch- dringend \prah Ludwig Wüllner den einleitenden g1oßen Monolecg, er\s<hutternd die gewaltige Szene mit dem Erdgeist, mit feinen Strichen kennzeibnete er den kleinen Gesihtskreis des Famulus Wagner, dieses glü>lihen Pedanten, dem der große Zweifler Faust so mächtig geaenüber steht. Die für den Vortragenden so \<wierige Szene der Chöre der Engel, Weiber und Jünger in der Osternacht erhielt wundervolles Leben in der Kunst de-s Redners, wie der zweite große Monolog Fausts ein unübertreffli<es Meister- tüd des Vortrags war. Die Vertragsszene zwi\hen Faust und Mephbisto bot dem Dr. Wülner ferner Gelegenbeit zu \{harfer Charakteristik, und die gedanfens<weren, eine Weltenfülle von Empfindung umfassenden Szenen des fünften Aktes im zweiten Teile der Dichtung, der Gejang des Türmers Lynkeus, Faust und die Sorge, dann Mephistopheles und die Lemuren, vor allem aber die groß- artige Szene von Fausts Tod zeigten Wüllner auf der vollen Höhe setner unverglet<liden #ünstler\haft. Die leßte Szene der Dichtung mit den Cbören und Engelstimmen, mit all ihien deutsamen Gleichnissen und hehren Geheimnissen wußte der Vortragende so plastit< zu gestalten, fo klar zu formen, daß sie lebendig vor dem Hörer erstand. Das kraftvoll s<öne, alle Register umspannende Organ, die klare Sprache und Kunst der Nede fowie das geradezu erstaunlite Gedächtnis Ludwig Wüllner träzt bekanntli vollkommen fret vor, und sein Gedähtnis verfagt kein einziges Mal fanden wteder allgemeine Bewunderung und brausendex Beifall wurde dem Meister als Dank für den überaus genußreihen Wbend ge|pendet.

Mannigfaltiges. Berlin, den 24. November 1914.

JFhre Majestät die Kaiserin und Königin embfiag „W. T. B.* zufolge am Sonntagnachmittag in längerer Audienz den Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen von Batocki und ließ si von ihm eingehend über dte Me in der Provinz Bericht erstatten. Gestern na<hmittag begab \si< Ihre Majestät na< Potsdam und machte längere B-suche in dem unter Allerhöchstihrem Schuß stehenden Kriegslazarett in dem Orangeriegebäude und in dem Potsdamer Garn1sonslazarett.

Dem Berliner Zentralarbeitsna<hweis3s statteten gestern der Oberbefehlshaber in den Marken, Generaloberst von Kessel in Begleitung seines Adjutanten Grafen Arnim sowie des Negierungs8- rats Kunz und der Oberbürgermeister von Berlin Wermuth in Be- gleitung des Stadtrats Fischbe> einen Besuch ab, um intbefondere die neu eingerihtete Krieaswerkstätte des Zentralarbeitsnah- weises zu besihtigen. Die Herren wurden von dem Vorsitzenden des Zentralvereins für A1bei!8nachwets, Landesrat Dr. Freund empfangen, der die Führuna übernahm, unteritüßt durch die Liite:in der Abteilung für weibli<he Personen Fräulein Klausner und den Inspektor des Zentralarbeitsnahmweises Steffen. Der Vermi1tlungsraum für wetb- lie Personen, in tem sich eine große Anzahl arbeitäloser Mädchen und Frauen aufhielt, fowie alle Näume der Kriegswerkstätte wurden eingehend besihtigt. Die Kriegswerkstätte beihätigt z. Zt. 3000 weiblihe Personen und hat bis jegzr einen Umsay im Werte von 1 Million Mak erzielt. Die Werkitätte arbeitet ausshließli< für den H-eresbedarf und verfertigt Bro!beutel, Zwiebadbeutel, Zeitbahnen, Patronengürtel, Helmüberzüge usw. Dte Kriea8werkstätte verfolgt ver- \chiedene Zwe>ke. Sie bewahrt die Militärbehörde vor Ueberteuerung, erzielt selbst feinen etaenen Verdienst, jondern verwendet den vollen UNebershuß für die Lohnzahlung und nimmt eine angemessene Ver- teilung der vorhandenen Arbeit derart vor, daß jede A:beiterin nur so viel Arbeit erhält, daß der erzielte Arbeitsverdienst zum not- wendigsten Lebensunterka!t ausrciht. An die Besichtigung der Kriegêwerkstätte \<!oß si< eine sol<he der groß-zn Abteilung tür männlihe Personen, die gleihf2lls von Arbeitsosen angefüllt war. Der Zentralarbeitsnahweis hat bekanntlich {hon über 30000 Arbeiter, insbesondere für Schanzarbeiten, nah auéwärts- vermittelt. Auch die Vermittlungstätigkeit innnerhalb des Stadtbezirks Berltn ist sehr rege und stärker als je in Friedenszeiten. Der Generaloberst von Kessel, der den Bestrebungen des Arbeitenahweises und intbesondere der Kriegswerk- stäite seit Beginn des Krieges das größte Wohlwollen zuaewandt hatte, und der Oberbürgermetilter Wermuth waren von den E nrich- tungea außerordentli befriedigt und verabschiedeten sich mit Worten des herzli<sten Dankes und der Anerkennung.

Da an das Zentralkomtitee der Deutsben Vereine vom Noten Kreuz dauernd Anträge auf Ueberlassung von Stri>kwolle gerihtet werden, empfiehlt es sich, darauf hin- zuweisen, daß rur \<riftlide Anträge Berücksichtigung finden können. Die Welle wird von dem Kriegsministertum wöchentli<h in bestimm!en Mengen dem Zentralkeomitee übergeben. Es 1 Ausficht vorhanden, daß na< Verteilung der zunähst zur Verfügung stehenden Wolle no<hmals eine größere Menge vom Kriegsministerium dem Zentralkomitee überwiesen wird.

Die Berliner Frauenortsgruppe des Vereins für das Deuts <- tum im Auslande veranstaltet am 5. Dezember im Großen Saale der Philharmonie ein Konzert zum Besten der vom Berein ins Leben gerufenen „Volkssammlung z"gunsten der kämpfenden Brüder und der aus Feindesland vertriebenen Deut- \hen*. Den Abend leitet eine Rede des Geheimen Rats Dr. Max Lenz- Hamburg über „Deuts<es Heldentum“* ein. Karten zu 2 4 und 3 M sind bei den Damen des Vorstandes, auf der Geschättsstelle (Kurfürstenstraß? 105), in der Musikzlienhandlung von Bote & Bo>k (Leipziger Straße und Tauentzienstraße) sowie im Wiärenhaus A. Wertheim (Leipziger Straße), zu haben.

Die Gesellschaft für deuts<he Vorgeshihte bält am 28. d. M., Abenda 77 Uhr, im Höisaale des Königlichen Instituts für Meerestunde, NW., Georgenstr. 34-——36, ihre erste Kriegésißgung. Dr. Martin Jahn, Breslau, wird über die Kriegsführung dér Ger- manen zur Röômerzeit (mit Lichtbildern) und der Professor Dr. Kossinna, Berlin, über unseren Krieg im Lichte gecmanischer Vorzeit spre<en. Gâste haben freien Zutritt.

2 Ueber die Witterung in Norddeuts{land im Monat Oktober 1914 berihtet das Königlih preußishe Meteorologische Institut auf Grund der angestellten Beobachtungen: Außer in dem etwas wärmeren und stellenweise tro>neren Westen war der Monat Oktober kühl und regenrci<, dabei überall fehr trübe und arm an Sonnenschein. Die Temperatur lag vorwiegend unter der normalen, im äußersten Nordosten um mehr als 2°, während im Westen und Nordwesten allerdings meist ein geringer Wärmeübers<uß bestand, der aber nirgends übershr'tt. Frost ist bauptsä<hl< im Osten gegen Ende oder um die Mitte des Monats beobachtet worten, doh ist es an freigelegenen Stellen au< im übrigen Lande, besonders am 7. oder 8. zu Reif oder leihter Cisbildung gekommen. Die Niederschlagsmengen, die im Nordosten mehr als das Doppelte des langjährigen Durchschnitts er- reiten, blieben nur \trihwelse in größerer Ausdehnung ledigli im Südwesten hinter den normalen Werten zurü>. Die N-genbäufigs feit war normal. Schneefälle fanden in tieferen und mittleren Lagen no< nicht statt: Gewitter traten nur vereinzelt auf. Ganz außer- gewöhnli<h war die Trübheit des Himmels. Au der Mehrzobl der Stationen wurde überhaupt fkein heiterer Tag beoba&tet, während 20 oder mehr trübe Tage an bielen Octen verzeichnet worden sind. Dementsprehend war au< die Sonnenscheindauer viel zu gering: 20 9% der möglihen Dauer wurden nur an wenigen Orten erreiht. Die Karte der Niederschlaasverieilung zeigt, daß Vteengen zwishst[n 29 und 75 mm vorherrshten. Mehr al4 75 mm fielen in einem großen Teile S(hleswtg-Holsttins, an der Ostseeküste (bis 170 mm in der Umgebung des Friscben Haffes) und in dem angrenzenden Binnen- lande foæie tn Westdeuts{land, und zwar in einem Gebiete, das einen Teil’ des Münsterlandes, das Bergi!de Land und die angren- zenden Gebirge umfaßte. Im Bergischen Lande und an der bolländishen Grenze wurden 100 mm überschritten. Mehr als (d mm hatte ferner die Mehrzahl der Gebirge, so der Elm, der Harz, der Thüringer Wa!d, das Erzaebirge und die Sudeten. Fn böberen Lagen wurden mehr als 100, im Harz und Erzgebirge ogar üb:r 150 mm erreiht. —- Zu Anfang des Monats stand die Witte- rung Norddeutschlands unter dem Einflusse eines avsgedehnten Tlef- dru>gebietes, das dur< Nordeuropa2 in füdöstlier N-chtung nach Rußland bin zog, von wo aus es no< am 6. einen Ausläufer tis nah Südwestdeutschland bin entsandte. Es herrs<te vzränderliches, kübles und regnerishes Wetter. Erst nah dem 6. Oktober wurde es tro>ener, als ein {hon seit längerer Zeit über Westeuropa lagerndes Hochdruckgebiet maßgebend wnrde. Gleichzeitig traten leichte Nachtfröste auf. Das barometrishe Maximum wanderte bierauf über Skandinavien nah Nordosteuropa, während im Südwesten des Erdteiles tiefer Luftdru> sich geltend machte. Diese Druck- verteilung hatte längere Zeit bindur< Bestand und bedingte melst tro>enes, anfangs noch re<t faltes Wetter, sodaß am 13. und 14. im Osten abermals Nahtiröfte stattfanden, während in den Mittägs« stunden des 14. die Temperaturen dermaßen itiegen, daß an dielem Tage (selbst im Osten) vtielfah die größte Wärme des Mona's er- reiht wurde. Jn Westfalen wurden mehr als 20 Grad beobachtet. Nah Mitte des Monates trat eine längere E trüben

und nebligen, aber. ziemliG milden und |

ein, da das Maximum über

Nordosteuropa sehr