1896 / 94 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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NIB t ies, 18. April. (W. T. B.) Pee O Ns Pa R TE C M RR A Lt aft. Der Schnell- dampfer „Augusta Victoria" is gestern Abend in New-York

eingetroffen. London, 18. April. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer imreise von den Canari-

Doune Castle“ if heute auf der [hen Inseln abgegangen. Der aer w „Tantallon f astle* find heute

Castle“ und der Castle:Dampfer „,Warwi> auf der Heimreise in London angekommen. / : Rotterdam, 18. April. (W. T. B.) Niederländis<- Amerikanishe Dampfschifffahrts - Gesellschaft. Der Ae „Gdam* is heute Vormittag in Notterdam ange- ommen. 19. April. (W. T. B.) Der Dampfer „Veendam*" ift in New-York eingetroffen. Der Dampfer

gestern Nachmitta l „Amsfterdam“ ift gestern Vormittag von New-York abgegangen.

Theater und Musik,

Im Königlichen Opernhause findet morgen eine Auf- führung von Donizetti’'s „Lucia von Lammermoor“ ftatt. Fräulein rances<hina Prevosti gastiert in der Titelrolle; den Edgardo singt err Lavin aus New-York (der in Paris ausgebildete junge Künstler ehört erst seit kurzem der Bühne an), den Lord Afthon Herr Bulß. Sn der am Donnerstag stattfindenden Aufführung von Meyerbeer?s «Robert der Teufel“ singt Frau hertes zum ersten Male die Rolle der Jsabella. Mit der Einstudierung des Werks, welches im Jahre 1891 zuleßt auf der Königlichen Bühne erschien, ist Kapellmeister Sucher betraut, Demnächst werden au< „Die Stumme von Portici“ von Auber, „Die weiße Dame“ von Boieldieu und „Aïda* von Verdi in den Spielplan der Königlichen Oper wieder aufgenommen werden. |

Im Königlihen Schauspielhause wird morgen Richard Skowronnek’s Lustspiel „Die kranke Zeit“ gegeben. Die Damen Hoppe, Schramm, Conrad, von Mayburg, Hausner, die Herren

ollmer, Molenar, O und Heine sind darin beschäftigt.

Im Schiller-Theater werden am Freitag die Aufführungen des Lustspiels „Durhs Ohr* wieder aufgenommen. Dem Jordan- {en Werk voran geht Paul Heyse's einaktiges Lustspiel „Unter e Paul Lindau's Schwank „Der Zankapfel“ beschließt den

end. Fräulein Johanna Haake aus Halle, Fräulein Lotte Dienel, Herr Gruselli (ein neuer Tenor) und Herr Arthur Mönch werden am nächsten Mittwoh, Mittags 12 Uhr, bei dem Orgelvortrag des Musikdirektors Otto Dienel in der Marienkirche mitwirken. Der Eintritt it frei.

Da nunmehr die Baulichkeiten im Ausftellungspark zu Treptow ihrer Vollendung nahe B, so ist aub die erste Theater- Vorstellung in „Alt-Berlin“ bereits auf den 1. Mai fest- geseßt worden. Zunächst follen zur Aufführung gebra<ht werden : Die Wendentaufe“ von Karl Bleibtreu, „Die {were Noth“ von Ernst Freiherrn von Wolzogen, und ein „Ringelstehen“.

Mannigfaltiges.

Am 21. Januar d. J. hat sih< hier unter dem Namen „Frei- williger Erziehungsbeirath für shulentlassene Waisen“ ein Verein konstituiert, welcher die sittlihe und wirthschaftlihe Förde- rung der Waisen Berlins in den auf ihren Austritt aus der Schule folgenden Jahren ih zur Aufgabe as hat. Ehren-Präsident des- selben ist der Staats-Minister Herrfurth, Vorsißender Landgerichts-Rath Dr. Felish. Mitglied des Vereins können erwachsene Personen beiderlei Geschlehts ohne Unterschied des Berufs, der Partei und des Glaubens- bekenntnisses, sowie Pers enver gen, Behörden und Körperschaften werden, und zwar durh ausdrüdlihe Erklärung des Beitritts als

fleger oder Pflegerin, als fahmännisher Beistand, als zahlendes LoliO oder als immerwährendes Mitglied, in leßterem Falle dur< ahlung eines einmaligen Beitrags von mindestens 100 A Die titglieder haben gleihe Rechte hinsichtlich aller Einrichtungen des Vereins; Frauen sind zur Bekleidung jedes Amts im Verein befugt. Die Pfleger und Pflegerinnen, deren Wirkungskreis möglichst an den der Waisenräthe angegliedert werden \oll, verpflichten sich, zur Erreihung der Ziele des Vereins nah Maßgabe einer besonderen Pflegeordnung thätig zu werden. Insbesondere haben sie bei der Berufswahl der ihnen überwiesenen Waisen und bei der Unterbringung dieser in dem er- wählten Beruf mitzuwirken, die Waisen zu überwachen, über deren Arbeitgeber fi zu unterrihten, gute Beziehungen zwischen diesen und ihren Pfleglingen anzubahnen und leßteren mit Rath und That bei-

zustehen. Der fa<hmännishe Beistand hat dagegen betreffs seines

Wetterbericht vom 20. April, Uhr Morgens. Papp ppe

am Morgen leichter Bewölkung wahrscheinli.

eigenen Berufs dem Vorstand und dessen Mitgliedern auf Fragen, die im Interesse der Waisen an ihn gerichtet werden, Auskunft zu ertheilen und in Angelegenheiten seines Faches die Pfleger und Pflegerinnen auf Anfucben zu unterstüßen.

Der unter dem Protektorat Jhrer Majestät der Käiserin Friedrich stehende „Hauptverein für Knaben-Handarbeit" hielt am Sonnabend Abend in der Aula des Mrotpeen teilen Real- ans seine 9. Jahresversammlung ab, der in Vertretung des

linisters der geistlihen 2c. Angelegenheiten der Geheime Ober- Regierungs-Rath Brandi beiwohnte. In der Aula war eine Aus- fielluna von Lehrer- und Schülerarbeiten veranstaltet, aus der aus- erwählte Stüdke auf der Berliner Gewerbe - Ausstellung vor- geführt werden follen. Geleitet wurde die Versammlung von dem Abg. von Shendendorf, der au<h den Jahres- bericht Lritattete. In den 5 Werkstätten des Vereins sind dana<h im leßten Sommer in 18 Abtheilungen 333 Schüler, im Winter in 23 Abtheilungen 463 Schüler beschäftigt worden. Hierzu traten im Winter no< 240 Kinder der 8 Knabenhorte. Von den 463 Schülern besuhten 77 Gymnasien, 34 Realgymnasien, 35 Realschulen, 10 Privatknabenshulen und 290 Gemeindeschulen; 17 wurden zu Lehrern auëgebildet. Die Unterrichtskosten betrugen 8989 4, die Gesammtausgaben 9664; vereinnahmt wurden dagegen 11 022 M, und zwar an Unterrichtsgeld, verkauftem Material u. s. w. 5173 4 und an Jahresbeiträgen 1727 4 von 296 Mitgliedern (42 weniger als im Vorjahre). Das Ministerium der geistlichen 2c. Angelegenheiten ewährte an Unterstüßung 1000 4, die Stadt Berlin 1800 4 Die Baibelltguni an der Gewerbeausstellung verursaht 3—4000 6 Kosten; man hofft dieselben aus einem besonderen Staatszushusse und aus freiwilligen Spenden zu de>en. Der bisherige Vorstand wurde wieder- gewählt. Dr. P. Jessen schilderte sodann in längerem Vortrage die Bedeutung der Schülerwerkstätten als Erziehungêmittel für Kunst

Industrie und Handwerk.

Die Deutsche Kolonial-Ausftellung, wel<e eine Ab- theilung der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 bildet, ift, wie die „Deutsche Kolonialzeitung*“ mittheilt, so weit gefördert worden, daß sie sich am Ms e re<t gut, wenn auch hier und da no<h niht ganz fertig (die Südsee-Insulaner kommen z. B. aus klima- tishen Rücksichten erst im Mai), präsentieren wird. Die Ausstellung zerfällt in einen ethnologishen und einen wissenshaftlih-Tommerziellen Theil, die au<h räumli<h von einander getrennt find. In dem ersteren sind Vertreter besonders <charakteristis<her Stämme aus Afrika und dem Bismar>k-Archipel vereinigt, welche in ihren originellen Hütten, die zum theil aus e<tem Material gefertigt sind, ihren Beschäftigungen obliegen werden. Es wird ein mögli<#s| getreues Bild des Lebens dieser Stämme gegeben werden, da keine Mühe und Kosten 1 find, das ethnologis< Interefsante herbeizushaffen. Diese

usftellung wird nit nur die Schaulust befriedigen, ‘fie soll vor allem die Eingeborenen dem Verständniß der großen Masse näher bringen. Man wird sehen, welche kunstvollen Schnitereien die als wenig bildungsfähig beurtheilten Papuas nur mit der Steinaxt und Muscheln verfertigt haben, wel<he großartigen praktishen Be- festigungen die Wanjamwesi bauen 2c. Die wissenschaftlihe Ab- thei L O aus mehreren Theilen bestehen. In einem hölzernen, e<ten Tropenhause wird ein Bild der Produktion, des Handels und des Verkehrs, der von der Verwaltung geschaffenen Ein- richtungen, sowie der Lebensweise der Europäer in unseren Schuß- gebieten gegeben werden. Ein anderes Gebäude, in arabishem Stil, soll das 1tatiftis<he Material darbieten und einen sih langsam drehenden Riesen-Globus als Mittelpunkt erhalten, während in der Kolonial- halle die Ausstellung der Deutschen Kolonialgesells<haft und der kolonialen Erwerbsgesells<haften und Missionen stattfindet. Auf dem Terrain dieser Abtheilung erheben sih auh die Gebäude für die privaten Aussteller, alle in sansibaritish-indishem Stil oder in dem modernen Pavillonstil aufgebaut, und gruppieren sich um einen kleinen See. Hier liegt au<h das große Ausstellungs:-Restaurant, in dem die auf den 30. Mai festgeseßte Hauptversammlung abgehalten werden wird.

Nachdem Herr Dr. Beerwald von der Leitung der Unfall- station VIT zurü>getreten ist, hat dieselbe provisoris< der Erste Assistent dieser Station, Herr Dr. Wachsmann übernommen.

Der Wassersturz des Viktoriaparks soll gemäß dem Beschluß der s\tädtishen Parkdeputation in diesem Jahre an fol- genden Tageszeiten in Thätigkeit geseßt werden: vom 1. Mai bis 1. September von 11 Uhr Vormittags bis 7 Uhr Abends, vom 1. September bis 15. Oktober von 10 Uhr Vormittags bis 6 Uhr

Abends.

Weitere Abnahme der Deutsche Seewarte. rae 7 Ubr.

rost.

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Stationen. Wind. | Wetter.

Temperatur G.

in 9

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\y red. in Millim.

beded>t halb bed. halb bed. heiter wolkenlos wolkig wolkenlos wolkenlos

SSW

Belmullet. . SSO

Aberdeen . Ghristiansund OSO Kopenhagen . OSO Sto>holm . W

Haparanda . S

St. Petersburg sti Moskau . . NNO

Cork, Queens- OSO

On 6 s Cherbourg . NNW ate NO

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mann. (Lucia: als Gast. Sir Vork, als Gast.)

Zeit. Lustspiel

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Max Grube.

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heiter wolkenlos wolkig wolkenl.1) wolkenl.2) Regen?) Nebel)

rin. 774 agner.

c E C winemünde | 772

Neufahrwafser| 773

Anfang 7 Uhr

Königliche Schauspiele. Dienstag: Opern- haus. 101. Vorstellung. Lucia von Lammermoor. Oper in 3 Akten von Gastano Donizetti. von S. Camerano.

Schauspielhaus.

Skowronnek. In Scene geseßt vom Ober-Regifseur Anfang 7F Uhr.

Mittwoch: Opernhaus. 102. Vorstellung. Lohen- Romantische Oper in 3 Akten von Richard (Lohengrin : Herr Heinrich Vogl, Königlich bayerisher Kammersänger aus München, als Gast.)

Schauspielhaus. 108. Vorstellung. L812. Schau- spiel in 5 Aufzügen von Otto von der Pfordten.

8 Glück im Winkel, Theater. A M Gastspiel Das Glü> im Winkel.

Text Dirigent: Musikdirektor Stein- Signorina Franceshina Prevosti, Edgardo: Herr Lavin aus New- Anfang 7# Uhr.

107, Vorstellung. Die krauke in 4 Aufzügen von Richard

Lautenburg. Dienstag:

bearbeitet von Benno Jacobson.

hafen.

Dienstag: Kostümen, HSungerleider.

Lessing - Theater. Dienstag: Gastspiel von riedrih Mitterwurzer. Das Glü im Winkel,

Mittwoch: Gast)piel von Friedri Mitterwurzer. Donnerstag: Gastspiel von Friedri Mitterwurzer.

Residenz - Theater. Direktion: Sigmund Hotel zum Freihafen. (L’Môtel du Libre Echange.) Schwank in 3 Akten von Georges Feydeau, überseßt und i Anfang 7# Uhr.

Mittwoch und folgende Tage: Hotel zum Frei-

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater.

Chausseestraße 25—26.

Mit großartiger Ausstattung an Dekorationen und Reguisiten: Ausftattungs-Komödte mit Gesang und Ballet in 10 Bildern von Julius Keller und Louis Herrmann, mit theilweiser Benußung einer Idee des Mark Twain. Musik von Louis Roth.

Veber die L Monat März 1896 berichtet dag Königliche Meteorologische Institut auf Grund der angestellten Be, obahtungen Folgendes: Am bemerkenêwerthesten in der Witterungs, geschichte des vergangenen Monats war die langanhaltende heitere und insbesondere fo warme FEN in der zweiten Hälfte desselben. An manchen Orten sind no< niemals seit dem Beginne amtlicher Beobachtungen, d. i. seit 48 Jahren, im März b hohe Tages mittel der Temperatur verzeichnet worden; vom 22. bis 24, lagen sie zu Berlin um mehr als 10 Grad über der normalen. In der ersten Be des Monats wie auch in den leßten Tagen desfelben waren die

ärmeverhältnisse ziemli<h der P entsprehend. Lediglih jener Periode i\stt daher der große Wärmeübershuß zuzuschrei en, welchen die Mitteltemperatur des Monats an allen Stationen auf. weist, und der im Osten vielfa bis zu 49 beträgt. Auch die Nieder- {läge übertrafen den vieljährigen Durhschnitt in hohem Maße, in verschiedenen Gegenden sogar um mehr als das Doppelte. Nur die höheren Lagen Schlesiens sind etwas zu tro>den gewesen. Mehrfah erfolgten starke Schneefälle, die aber in den tiefer gelegenen Gebieten nirgends eine oi andauernde Schneede>e hervor- riefen; nur auf den Gebirgen hielt sie si<, meist von beträchtlicher Stärke, während des ganzen Monats. In der ersten Dekade stand die Witterung unter dem Einfluß mehrerer im Norden vorbeiziehender Depre|sionen, die dur<h südlihe und west. lihe Winde die anfangs normale Temperatur etwas erhöhten. Als aber Norddeutschland vom 8. an auf die Nüdseite einer Depression zu liegen kam und si ein Gebiet hohen Luftdru>s von Spanien nah Finland erftre>te, gelangten kühlere nördlihe Winde zur Herrfchaft und brachten die Temperatur zunächst langsam zum Sinken. Zu Be- ginn der zweiten Dekade wurde dur ein von Schweden südostwärts ziehendes Minimum, welches lebhafte nördlihe Winde und ftarke Schneefälle e die Abkühlung beschleunigt, sodaß am 14. vielfa die niedrigste Temperatur beobachtet worden ist. Vom 15, ab war Zentral-Guropa in ein Hochdru>kgebiet aufgenommen, dessen Kern meist im Südosten lag, während Depressionen im Norden und Nordwesten vorüberwanderten ; hierdur< wurden warme füdliche bis westlihe Winde bedingt, die im Verein mit dem meist heiteren Wetter die Temperatur bis zum 25. außerordentli ras< und stark erhöhten. Vom 26. März ab gewannen wieder Depressionen, die über Deutsch- land hinwegzogen, derartigen Einfluß, daß unter Regen- und Schnee- fällen eine sehr ftarke Abkühlung eintrat. Am Monatbsschluß lag dem- zufolge die Temperatur meist unter dem Normalwerth.

Bremen, 19. April. Der englische Dampfer „Kraigeard“, welcher gestern Nachmittag von Bremerhaven in See ging, kam Abends 9 Uhr in der Nähe von Norderney bei dihtem Nebel mit dem englishen Dampfer „Siddons“, von Odessa mit Getreide nah Hamburg bestimmt, in Kollision. Der Dampfer „Siddons“ ift gesunken; Kapitän und Mannschaft wurden von dem Dampfer „Kraigeard“ aufgenommen. Der letztere kehrte mit Beschädigung am Bug nah Bremerhaven zurü.

St. Petersburg, 19. April. Die „Russische Telegraphen- Agentur“ erhielt nahfolgendes Telegramm aus Jrkutsk: Der Gou- verneur von Jakutsk, Skripizin, theilte dem Gouverneur von JIrkutsk, Swetlizkiji, zur Veröffentlihung mit, daß der Gehilfe des po Kazantsew aus Ustyansk unter dem 9. März nah- tehenden Bericht erstattete: Die Einwohner von Ustyansk wissen nihts betreffs des Schi>ksals der Nansen'’shen Expedition. Die Eingeborenen, welche si< vom Mai bis ¿um November v. J. auf den Inseln Liakhow und Kotelny aufhielten, woselbst auf Befehl des Barons Toll Vorräthe niedergelegt wurden. sahen weder ein Schif auf dem Meere, no<h au< Spuren eines Schiffbruhs. Kuchnarew sei nicht befragt worden, da er wegen geschäftliher Angelegenheiten nit anwesend sei und die Entfernung mehr als 1000 Werst von Ustyansk betrage; Personen, welhe Kuchnarew kennen, versicherten, er habe über A Expedition Nansen’s na< alten Mittheilungen der Blätter geschrieben.

Lissabon, 20. April. . Der Londoner „Times“ wird aus Lissabon berichtet: „Ein wohlhabender Fabrikant, der am Sonnabend Abend zu Wagen seine Fabrik verließ, wurde sammt dem Kutscher dur eine mit Dynamit und Nägeln gefüllte Bombe in die Luft gesprengt und vi ny Die Polizei fahndet eifrig na< den Urhebern des Ver-

rechens.“

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Bentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30, Dienstag: Gastspiel des Conrad ODreher- Ensembles vom Münchener Gärtnerplatz-Theater. Conrad Dreher a. G. Zum zweiten Male: Schloß Montbeliard. Hierauf: Zum zweiten Male: Die beiden Afrikaner. Anfang 7} Uhr. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung.

Konzerte.

Konzert-Haus. Karl Meyder - Konzert,

Dienstag: Ouvertüre „Zanetta", Auber. „Wil- belm Tell“, Rossini. „Der König von YVvetot“, Adam. „Danse macabre“ von Saint Saöëns. Walzer „Sagen aus dem Spreewald“ (neu) von Landwehr. „Souvenir de Bade“ für Violine von Leonard (Herr Carnier). Phantasie aus „Carmen“ von Bizet. Largo (mit Orgel) von Händel. „Weber's lehter Gedanke“ für Piston von Fuchs (Herr Werner).

R D A E R E L E Ds E D S S R T B I E S T ORE B I Familien- Nachrichten.

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beded>tt bede>t bede>t halb bed. Regen bede>t Regen wolkig bede>t le d’Air. . | (72 |NO wolkenlos A4 00010 halb bed, Lriest .….. | 766 |O bede>t

1) Reif. Y Reif. 3) Nachts Regen. 4) Nachts

Negen. Vebersi<t der Witterung.

Ueber Europa is der Luftdru> andauernd hoh und gleihmäßig vertheilt. Das barometrische Marimum liegt über Südshweden gegenüber einer achen Depression jenseits der Alpen. Dement- prehend wehen über Zentral - Europa vorwiegend nordöôstlihe Winde, welche im südlihen Ostfeegebiete [iss auftreten. In Deutschland, wo Regen gefallen st, ist das Wetter bei abnehmender Bewölkung

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Moris O E R ¿1 12ND Karlsruhe . . | 771 |NO Wiesbaden . | 771 |N München . | 769 |[W Gbemniy .. | 772 |\NW Bel... | (1 |NNO Wien .... | 769 |NW Breslau . . | 771 |NW

—_—— DO O a 3 D M D O LLINDAstADïDOD

DO bi i | pi D C0 hai i D A a D t Co D I R D D

Anfang 7: Uhr.

Opernhaus. Donnerstag: Robert der Teufel. Anfang 7 Uhr. Freitag: Der Ning des Nibe- lungen. Vorabend: Das Rheingold. (Loge: Herr Heinri<h Vogl, als Gast.) Sonnabend: Der Ning des Nibelungen. 1. Abend: Zum 100. Male: Die Walküre. Anfang 7 Uhr. Sonntag: Don Juan. (Don Juan: Herr Fran- cesco d’Andrade, als Gast.)

Schauspielhaus. Donnerstag: Am Geburtstage Shakespeare's: Othello, der Mohr vou Venedig.

reitag: Doktor Klaus. Sonnabend: Judith.

onntag: Der Sturm. (Kroll’s Theater.) Anfang 7x Uhr: Halali. Die Dienstboten.

Deutsches Theater. Dienstag: Liebelei.

Vorher: Zu Hause. Anfang 74 Uhr.

Mittwoch: Hamlet.

Donnerstag: Zum ersten Male: Jugend von Max Halbe.

Berliner Theater. Dienstag: Die Frau ohne Geist, Anfang 74 Uhr. Mittwoch: König Heiurich.

etwas kälter, im nordwestlihen Deutschland wurde Reif beobachtet. Jn Nordwestrußland herrscht

Donnerstag: König Heinrich.

In Scene geseßt von Julius Frische. Dirigent: Herr Kapellmeister Winns. Anfang 7# Uhr. L und folgende Tage: Der Hunger- eider.

Theater Unter den Linden. Direktion: L Frißshe. Tournée Judic. Direktion:

h. de Glaser.

Dienstag: 1. Gastvorstellung der Judic. La Femme à Papa. Comóéldie - operette en 3 Actes de Hennequin et Millaud. Musique de Hervé. Chansonnettes, vorgetragen von Anne Judic. Chef d’Orchestroe: M. Rosensteel. Régisseur général: M. E. Chambly. 74 Uhr.

Mittwoch: 2. Gastvorstellung Anne Judic. La Femme à Papa. Chansfonunnettes.

Adolph Ernst-Theater. Dienstag: Das flotte Berlin. Große Ausstattungs-Gesangsposse in 3 Akten von Leon Treptow und Ed. Jacobson. Kuplets und Quodlibets von Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. Jn Scene geseßt von Adolph Ernst. 2. Akt: Alt-Berlin. Anfand 74 Uhr.

Anfang

Mittwoch: Das flotte Berlin.

Verlobt: Frl. Eleonore von Hohnhorst mit Hrn. Amtsverwalter a. D. Günther Grafen von Bern- \torf (Gartow). Frl. Elise Nowa> mit Hrn. Forst-Assessor, Prem.-Lieut. d. R. Bernhard Voig! (Berlin—Schleswig).

Geboren; Gin Sohn: Hrn. Prem.-Lieut. Gustav rhrn. von Bodenhausen (Dresden). Hr. rofessor Dr. Adolf Passow (Charlottenburg). ine Tochter: Hrn. Lieut. Beth>e (Glogau).

Hrn. Regierungs-Rath Dr. Bredow (Danzig).

Gestorben: Hr. Ober- und Korps-Auditeur Carl eder (Berlin). Verw. Fr. Rittergutsbesißer milie Fleischer, geb. Papsdorf (Friedeberg N.-M.),

Verw. Fr. Hosjägermeister von Hertell, geb.

„von Krauthoff (Grünrade).

I]

Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Berlin.

Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin. Dru>k der Norddeutshen Buchdru>kerei und Verlagb- Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32, Acht Beilagen (7214)

(eins{<ließli<h Börsen-Beilage).

Deutscher Reichstag. 71. Sißung vom 18. April 1896, 1 Uhr.

Tagesordnung: Zweite Berathung des Ges eßentwurfs, betreffend die Abänderung des Gesegzes über die 0 und Wirthschaftsgenossenschaften (Konsum- vereine).

Abg. Meßtner (Zentr.) beantragt einen 3/4 - shaftsgeseß or 1889 Dahin gehend: Î IUN qun Genossen

„Branntwein und sonstige Spirituosen, welhe dem Genusse dienen, gehören ni<ht zu den Lebens- und Wirthschaftsbedürfnissen und dürfen von Konsumbvereinen nicht geführt werden.“

Der Antragsteller weist auf die rofe Ausdehnun in welhe die Schnapskonsumvereine aA I At hätten, i sie U Konzessionspfliht niht unterworfen wären. Die Trunksucht werde dur solche Konsumvereine gefördert, wie aus den zahlreihen Klagen aus allen Theilen des Reichs deutlich hervorgehe.

Abg. Wurm (Soz.): Der Vorredner is ein Gegner aller Konsumvereine; er will aber mit der Sprache niht ganz heraus, sondern versucht es, sie methodis< nah und nah zu unterdrü>en. Die Konzessionspflicht ist bereits in der Novelle zur Gewerbe- ordnung beschlossen; die Vorlage ist eine neue Quelle der Chikanierung. Den Schnapsverbrau< bedauern wir; er ist eine Folge der s{le<ten wirthschaftlihen Verhältnisse. Für Schnaps- onsumvereine haben wir nihts übrig. Aber die Konsumvereine an sih sind ein Mittel, dem Volke billige und gute Lebensmittel zu ver- schaffen und damit dem S@näpsgenuß entgegenzutreten. Der Antrag Megner is} der unlauterste Wettbewerb zum Schuß des Mittelstandes gegen die Konsumvereine. Den Mittelstand schädigt man aber durch die Steuergeseße, dur< das Verbot des Detailreisens 2c. Daß die n von den Behörden begünstigt würden, kann man nicht agen.

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. von

| Yoetticher:

Der Herr Vorredner hat die Meinung ausgesprochen, daß die verbündeten Regierungen dem Genossenshaftswesen, insbesondere dem Konsumbvereinswesen, feindlich gegenüberständen. Es wird mir interessant sein, bei der Berathung des $ 8, für welche er die nähere Begründung dieser seiner Ueberzeugung in Aussicht gestellt hat, zu vernehmen, aus welhen Gründen die Regierungen einer Feindseligkeit gegen das Ge- nossenschaftswesen bezihtigt werden könnten. Vorlaufig halte ih es für einen ftarken und unbegründeten Vorwurf gegenüber der Regie- rung, die das Genossenschaftswesen dur das Geseß von 1889 geregelt hat. Vielleicht überlegt es ih der Herr Vorredner aber au< noch, bis wir an den $ 8 kommen, ob er diese Begründung wirk- lih beizubringen im stande ist. Vorläufig bin ih der Meinung, daß dieser Theil seiner Ausführungen wesentli darauf berechnet war, nah außenhin Eindru>k zu machen (sehr rihtig re<ts), und nament- lh au, soweit diese Ausführungen darauf ausgingen, den adeligen Kreisen der Nation, welche auch in den Behörden zahlreich vertreten sein sollen, eine besondere Feindschaft gegen die Konsumvereine in die Schuhe zu schieben. Vielleicht wird ihm der Abg. von Podbielski na<her auseinanderseßen, daß er keineswegs ein Gegner der Konsum- vereine ist, und zahllose Beispiele würden sih anführen lassen, um die Grundlosigkeit dieser seiner Ausführungen nahzuweisen. Wenn auch die Regierungen si frei wissen von dem Vorwurf, daß sie Gegner des Ge- nossenschafts- und Konsumvereinswesens sind, fo können sie ih doch nicht von der Verpflichtung entbunden halten, da, wo Mißstände im Konsum- herein8wesen und Genossenschaftswesen {ih herausstellen, au< mit helfender Hand einzugreifen, um diese Mißstände abzustellen, und wenn fich in dem Geschäftsverkehr der Konsumvereine eine Disparität gegenüber dem Geschäftsverkehr von Handelsleuten herausstellt und sh ergiebt, daß die Konsumvereine dem berehtigten Geshäftsverkehr eine unberechtigte Konkurrenz machen, so sind die Negierungen nit bon der Verpflichtung entbunden, hier helfend einzugreifen.

Gleichwohl, meine Herren, glaube ih do< dem Antrage des Herrn Abg. Meßner ni<t das Wort reden zu sollen, Sie im Gegentheil bitten zu müssen, diesem Antrag Ihre Zu- stimmung zu versagen. Der Antrag in feiner Fassung, wie er uns vorliegt, giebt zu wesentlichen Bedenken Veranlassung. An si halte ih es der Herr Abg. Metzner möge mir das verzeihen für eine kühne Behauptung, daß der Brannt- wein und Spiritus nicht zu den Lebensbedürfnissen gehören. Jh glaube faum, daß der Gesetzgeber \si< wird entschließen können, diesen ab- soluten Say in einem Gesetesparagraphen auszusprehen. Es würde jedermann, der einmal einen Schnaps genossen hat, ih baß darüber wundern, daß man den Branntwein nicht zu den Lebenê- bedürfnifsen rechnet, und wenn etwa der Herr Antragsteller der Mei- lung gewesen sein follte, daß der Schnaps kein nothwendiges Lebensbedürfniß ist, so kann ih ihm das für weite Kreise der Vevölkerung zugeben; es giebt aber Umstände und es giebt freise , für die si< allerdings die Behauptung nicht n Abrede stellen läßt, daß auh der Schnaps zu ihren Kbensbedürfnissen gehört. (Sehr richtig! re<ts.) Also s{hon um des- willen heint mir der Antrag etwas gewagt. Aber auch aus an- deren Gründen glaube ih nicht, daß darauf einzugehen sein wird. Der Herr Antragsteller hat ihn damit motiviert, daß er gemeint hat, wenn auch die Absicht der Gesetzgebung, wie sie im Artikel 3 der Gewerbeordnungsnovelle auf einen Beschluß des Reichstags in zweiter Lesung ihren Ausdru> gefunden hat, nämli< den Aus- wühsen des Branntweinyertriebs in den Konsumvereinen entgegen- ¡iutreten und eine Gleichstellung dieses Theils des Geschäftsbetriebs der Konsumvereine mit dem Gewerbebetrieb aller Schankwirthe und Händler herzustellen, eine ganz löblihe und anerkennenswerthe sei, daß er aber doch die Meinung vertreten müsse, es werde auf diesem Gebiete ni<t ausreichend geholfen werden. Meine Herren, j kann den Herrn Abg. Meyner darüber beruhigen, ih E ihm sagen, und i< werde ihm dies soglei< nachweisen, ad eine vollständige Gleichstellung des Geshäftsbetriebs der Konsum- treine mit dem Geschäftsbetrieb der Schankwirthe und Zwischen- händler herbeigeführt wird, wenn der Beshluß den der Reichstag zu «hig 3 der Gewerbeordnungsnovelle gefaßt hat, demnähst Gese | td. Der Herr Antragsteller is der Meinung gewesen, eine Genossen- daft als eine Organisation von vielen Köpfen sei nit mit denselben

: E r f ¿ Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Sltaals-Anzeiger.

M 94.

Berlin, Montag, den 20. April

Folgen der Uebertretung gewerbepolizeiliher Vorschriften zu belegen wie das dem Einzelnen gegenüber möglih sei. Dabei hat er aber übersehen, daß unsere Gewerbeordnung in $ 151 in dieser Beziehung {hon Vorsorge getroffen hat; wenn nämli< in einem Konsumverein Uebertretungen vorkommen, wel{<e, wenn es sih um den Geschäfts- betrieb eines einzelnen Schankwirths gehandelt hätte, die Konzessions- entziehung zur Folge gehabt haben würden, so ist ein \ol<es Ver- fahren auf Grund des $ 151 ebenso den Konsumvereinen gegen- über möglih. Der $ 151 handelt von der Bestrafung der Stell- vertreter, welche für einen Gewerbebetrieb bestellt sind und welche ih einer Kontravention {uldig mahen. Es beißt in $ 151:

Sind bei der Auëübung des Gewerbes polizeilihe Vorschriften von Personen übertreten worden, welche der Gewerbetreibende zur Leitung des Betriebes oder eines Theils desselben oder zur Beauf- sichtigung bestellt hatte, so trifft die Strafe diesen leßteren.

Also da ein Konsumverein als solher nothwendigerweise den Vertrieb des Branntweins, den er vorzunehmen beabsihtigt, dur< einen Stellvertreter besorgen lassen muß, so werden nothwendigerweise im Falle der Uebertretung gewerbepolizeiliher Vorschriften diese Stell- vertreter dafür verantwortli<h gemacht werden, daß sie die gewerbe- polizeilihen Vorschriften übertreten haben.

Aber weiter: auch die Konzessionsentziehung wird nit unter- bleiben, denn wenn und das ergiebt sih aus Alinea 2 des $ 151 der Konsumverein der Anforderung der Behörde, einen solchen Stellvertreter zu entlassen, nicht genügt, so ist der Ver- tretene, also der Konsumverein, dem Verlust der Kon- zession, der Approbation u. |. w. unterworfen. Es ist alfo in dieser Beziehung eine begründete Sorge dahin niht zu hegen, daß, wenn man den Artikel 3 der dem Reichstag vorliegenden Gewerbe- ordnungsnovelle in der Fassung, die er durch die leßten Beschlüsse ge- wonnen hat, zum Geseß werden läßt, dann nit in dieser Richtung eine vollständige Gleichstellung des Geschäftsbetriebs der Konsumvereine mit dem der Gewerbetreibenden herbeigeführt werden würde. Jh kann au aus diesem Grunde nur bitten, daß die Herren den Antrag des Herrn Abgeordneten Meßner ablehnen mögen.

Abg. Dr. Schneider (fr. Volksp.): Wenn die Konsumvereine ein bedenkliche Konkurrenz für die Gastwirthe sind, dann e man is ganzen Kleinhandel mit Branntwein verbieten. Wenn beim Schnaps- verkauf fo viel Geld verdient wird, dann haben do< die Arbeiter als Mitglieder der Konsumbvereine den Vortheil davon in den hohen Dividenden, die ihnen dur< den Antrag Meßner genommen werden.

Abg. Dr. Df\ann (nl.): Die Nationalliberalen werden gegen den Antrag stimmen, weil derselbe in der Kommission erst hätte geprüft werden müssen und weil er ferner mit dem Zwe>e des Gesezes nicht im Zusammenhange steht. Der Antrag richtet sih gegen Konsumvereine, die nur den billigen Bezug von Schnaps bezwe>en; diesem Unwesen ist ein Ende gemacht. Aber Branntwein und Wein gehören zu den Lebensbedürfnissen, und warum foll man reellen Konsumvereinen nicht gestatten, neben anderen Lebensbedürfnissen auch dfese zu verkaufen ?

Abg. Freiherr von Stumm (Rp.) erklärt fih ebenfalls gegen den Antrag, weil die Vorlage sih nicht gegen die Konsumvereine an sich, fondern nur gegen deren Auswüchse rihte; man könne den Konsum- vereinen den Verkauf des Branntweins nicht verbieten, wenn andere Vereine von diesem Verbote nicht betroffen würden.

Der Antrag wird gegen die Stimme des Antragstellers abgelehnt.

___ Nach dem Artikel T der Vorlage sollen Konsumvereine im regelmäßigen Geschäftsverkehr nur an ihre Mitglieder oder deren Vertreter ine 2A dürfen. Landwirthschaftlihe Konsum- vereine, welche, ohne Haltung eines offenen Ladens, lediglich für den landwirthschaftlihen Betrieb bestimmte Waaren besorgen, sind davon ausgeshlo}en.

Abg. Dr. Schneider beantragt, diese Bestimmung zu ersetzen durch eine solche, welhe die Aufhebung des Absayzes 4 des $ 8 des Genossenschaftögeseßes enthält, welher den Konsumvereinen den Ver- kauf an Nichtmitglieder verbietet.

Abg. Augst (fr. Volksp.) weist darauf hin, daß durch die Unterdrü>ung der Konsumvereine hauptsähli< auch die Landwirthe geschädigt würden. Auf dem Lande gebe es keine Geschäfte; die Land- wirthe seien auf die Hausierer angewiesen, und wenn man deren Be- trieb beshränke, dann seien die Konsumvereine für die Landwirthe das einzige Mittel, fich billig gewisse Bedürfnisse zu verschaffen. Redner bittet um Ablehnung des Antrags.

Abg. Wurm: Die Bestimmung des Absaß 4 in $ 8 beruht auf dem Antrag Kulemann, die Strafbestimmung dazu wurde aber nicht angenommen, weil die Regierung erklärt hatte, daß ihr die Be- stimmung niht genehm sei. Jeßt kommt die Regierung selbst und bringt die Vorlage, welche die Konsumvereine belästigt. Konsum- vereine vertreten die Stelle der Großbetriebe, wo die Vortheile den einzelnen Unternehmern zufließen, während sie in den Konsum- vereinen den Arbeitern zu gute kommen. Schaden wird die Vorlage den Konsumvereinen nicht viel, aber sie wird sie be- lästigen, weil sie dem Lockspißelthum Thür und Thor öffnet. Wer den Verkehr in Konsumvereinen an Sonnabend-Abenden beobachtet hat, der wird wissen, daß der Verkäufer eines Konsumvereins gar nicht genau fontrolieren kann, ob er an Mitglieder verkauft. Ein Interesse haben die Konsumvereine am Verkauf nit; sie werden nur dadurh verhindert, neue Mitglieder zu werben. Je größer die Konsumvereine sind, desto geringer ist der Verkauf an Nichtmitglieder. Es wird also nur das Entstehen neuer Konsum- vereine ershwert. Herr Meßner spriht es offen aus, daß das seine Absicht ist; aber die anderen Herren verschanzen si< hinter die an- geblichen Ausschreitungen. Die landwirthschaftlihen Genossenschaften will man nicht treffen; dafür werden wir stimmen, weil wir nicht wollen, daß neben den städtishen au< die landwirthschaftlichen Konsumvereine gestört werden. h

Abg. von Podbielski (d. kons.): Wir sind keine Gegner der Genossenschaften, aber das Gefeß von 1889 hat eine Reihe von Mißständen gezeitigt, deren Beseitigung nothwendig ist. Die Gewerbe- treibenden werden dur die Konsumvereine erhebli<h geschädigt. Die landwirthschaftlihen Konsumvereine sind s{werer zu bilden als die Veo: rut auf dem Lande ist der Waarenbezug ein shwieriger, nur beim Einkauf im Großen kann ein billiger Preis erzielt werden. Die landwirthschaf1lichen Konsumvereine sind nur Bezugsvereine von Rohstoffen. Ein Mißbrauch kann also niht getrieben werden. Jch bitte um Annahme der Vorlage. Abg. Dr. Schneider: Das Genofsenschaftsgeseß von 1867 hat den Verkauf der Genossenschaften an Nichtmitglieder ge- stattet, und 1889 nahm die Regierung no< denselben Stand

an Nichtmitglieder an \i<

1896.

vermissen. Die Genossenschaften sind aber kein ges{lossene

von Personen, ihre Mitglieder we<seln, und das Gese U Tes hat das Ausscheiden der Genossen no< mehr erleichtert. Die wohl- habenden Leute haben die Möglichkeit, ihre Bedürfnisse im Großen u beschaffen und sih dadur< Vortheile zuzuwenden. Die Konsum- Be bringen denselben Vortheil ‘für die kleinen Leute und leiten [ie zum Sparen an, indem sie ihnen den Unterschied zwischen Ein- O und Verkaufspreis ansammeln. Die Konsumvereine müssen puele Spargelder versteuern, während niemand daran denkt, den Na- as zu versteuern, den die Privatkaufleute gewähren. Die Gewerbe- e n welche si< dur< die Konsumvereine geschädigt fühlen haben do keinen re<tlihen Anspruch darauf, daß die Leute nur bei ihnen kaufen und ihnen einen Gewinn zuwenden follen. Es bleibt Su übrig, als die Bestimmung des $ 8 Absatz 4, der in zwölfter L tunde in das wird T lgcieß hineingekommen ift, zu ftreihen ; ies die Vorlage wird niht ihren Zwe> erfüllen, der \<ließli< nur E Beit I Rude neu man n Aonlumpereine verbietet. In

i n]umvereine wird aber das i Beunruhigung und Unzufriedenheit erregen. Ses e E

Staatssekretär -Mini BoelliRen des Jnnern, SlaalW-Minister Dr. von

Meine Hérren! JI< will der Versuhung widerstehen, das Material, welches der Herr Vorredner uns hier vorgebraht hat, einer kritischen Beleuchtung zu unterziehen. I< will au nicht Gleiches mit Gleichem vergelten und mi nit in fo lange Ausführungen einlassen, fondern mich mögli kurz fassen, indem ih mich an die Aufgabe der Spezialdebatte halte und über die Frage verbreite, ob wirkli hier eine Aenderung der Stellungnahme der verbündeten Regierungen vorliegt, die sih nicht re<tfertigen ließe, und weshalb die Jhnen vorliegende Novelle das Genossenschaftsgesez so, wie sie es thut, auszugestalten unternommen hat.

Darin haben beide Herren Vorredner Recht, daß bei der Vorlage des Jahres 1889 von den verbündeten Regierungen ein Verbot des Vertriebes von Waaren an Nichtmitglieder der Konsumbvereine nicht in Aussicht genommen war. Wenn aber der Herr Abg. Wurm ge- meint hat, daß die Aufrechterhaltung dieses dur den Reichstag felbst in das Geseß vom Jahre 1889 eingeshalteten Verbots eine An- näherung an die reaktionären Bestrebungen des Zentrums und der konservativen Partei enthalte, und wenn er diese Behauptung fogar verallgemeinert und gegen die verbündeten Regierungen den Vorwurf erhoben hat, daß sie si< überhaupt in wirthschaftlichen Dingen den reaktionären Anschauungen , wie sie der konservativen Partei und dem Zentrum entsprehen, sih nähern (sehr richtig! links), fo glaube ih ihn zur Widerlegung dieses Vorwurfs darauf hinweisen zu können, daß wir in dieser Beziehung den Forderungen der kon- fervativen Partei und des Zentrums no< bei weitem niht gere<t werden, daß uns im Gegentheil von beiden Parteien andererseits der Vorwurf gemacht wird, daß wir zu liberale Anschauungen hätten. (Oh! links. Heiterkeit.) Also, meine Herren, ih sage, es ift richtig, daß im Jahre 1889 die verbündeten Regierungen das Verbot des Vertriebs von Waaren an Nichtmitglieder der Konsumvereine niht in Aussicht genommen hatten. Der Reichstag hat diese Vor- rift hineingebraht, und zwar nit in leßter Stunde und unüber- legt, sondern, wenn Sie die Verhandlungen des Jahres 1889 nach- lesen wollen, so is darüber sehr reihli< gesprochen worden. Der Reichstag hat aber unterlassen, die Kon- sequenz dieses Berbots zu ziehen, es auszugestalten und namentli eine Strafvorschrift zu erlassen, die auch die Beachtung dieses Verbots sicherstellt. Seit dem Jahre 1889 sind aud aus der Mitte des Hauses wiederholt Anträge gestellt worden, welche darauf abzielten, diese lox imperfecta zu einer vollständigen zu machen, und Sie dürfen es do< den verbündeten Regierungen niht ver- denken, wenn sie nun, na<hdem die Vorschrift einmal im Geseg darin steht, au< das Jhrige dazu beitragen, um diesen aus der Mitte des Reichstags heraus geäußerten Wünschen gere<t zu werden, zumal wenn sie sih davon überzeugen müssen, daß ohne ihre Ausgestaltung die Vorschrift eine wirkungslose ist, die ein- fah bloß auf dem Papier steht. Nun kommt aber weiter hinzu : im Jahre 1889 hatten dieKonsumvereine no<lange nit die Entwi>elung genommen, die sie jeßt genommen haben, 1889 war man auch bei Vorbereitung des damals vorgelegten Entwurfs darüber im Zweifel, ob es mögli sein werde, ausreihende Kontrolvorschriften zu erlassen, um das Ver- bot des Verkaufs an Nichtmitglieder der Konsumvereine sicher zu stellen. Seitdem hat uns die Erfahrung über jeden Zweifel, der in dieser Beziehung aufgetaucht war, hinweggeholfen. Es giebt ein deutsches Land, das ist Württemberg, das hat sich vermöge seiner Landesgesezgebung dadur geholfen, daß es dieser lex imperfecta bereits die Wirk- samkeit gesichert hat, und es liegt mir hier ein Schreiben der Königlich württembergishen Regierung vor, aus welchem \ih ergiebt, daß es mit außerordentli<h gutem Erfolg und ohne jede Schädigung des Geschäftsbetriebs der Korsumvereine geschehen ist. Jh werde mir erlauben, dieses Schreiben mitzutheilen. Wir haben \elbstverständlih bei der Reichsverwaltung die Durhführung des Geseßes mit Interesse verfolgt, haben darüber Aeußerungen erbeten von den einzelnen Bundesregierungen, wie diese Wirksamkeit sh gestaltet habe, und haben, namentli<h was die Frage der Bestrafung des Verkaufs an Nichtmitglieder der Konsumvereine anlangt, von der Königlich württembergishen Regierung folgende Aeußerung erhalten :

Auf Grund des in dem diesseitigen Schreiben vom 5. Dezember v. J. angeführten Ministerial-Erlasses vom 22. Juni 1893 haben die Bezirksämter, in deren Bezirken Konsumvereine bestehen, Veran- lassung genommen, den Vorständen der Genossenschaften und den Ladenverkäufern die Einhaltung der Vorschrift des $ 8 Abs. 4 des Genofsenschaftsgeseßzes unter Androhung von Ungehorsams- strafen unterschriftli<h zur Auflage zu machen. Dies hat zur Folge gehabt, daß, soweit seitens der Vereine die Kontrole den Einkäufern gegenüber eine laxe gewesen war, nunmehr auf deren strengere Handhabung Bedacht genommen wurde, und überhaupt vielfa zwe>dienli<he Maßnahmen zur Verhütung von Mißbräuchen neu eingeführt oder besser dur<hgeführt wurden, so z. B. die Legitimation der Mitglieder dur< Mitgliedskarten und Mitglieds-

punkt ein gegenüber dem Antrage Kulemann. as hat si< seitdem geändert ? In der Kommission hat man gesagt, der Verkauf an Nichtmitglieder lasse die Beziehung von Genofsen zu Genofsen

bücher und die Abgabe von Waaren nur gegen Vorzeigung solcher,