1896 / 101 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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É Of S E R E MREWE

Gesellschaft. Zug 127 um 10,10 ab Herbesthal, 10,22 in Eupen und Zug 128 um 10,35 ab Gupen und 10,47 in Herbesthal, ver- kehrten bisher Sonn- und Festtags. Zug 150 um 8,10 ab Köln, 11,53 in Trier. Zug 153 um 8,45 ab Trier, 12,25 in Köln. Zug 92 a um 8,55 ab Köln, 10,53 in Koblenz. Zug 111 um 1,38 ab Koblenz, 3,48 in Köln. Zug 84 um 12,18 ab Köln, 2,39 in Bingerbrü>, und Zug 85 um 2,06 ab Bingerbrü>k, 4,30 in Köln: direkte Schnell- ¿züge zwischen Köln und Basel ab 1. Juni, Sonstige Aende- rungen: Schnellzug 6 (1,45 ab Köln) hält no< in Eschweiler an.

aen 3 fährt 5 Minuten früber als A also 6,22 von-

erbesthal ab und trifft 7,51 in Köln ein. Der Anschlußzug nah erlin über I fährt erst 8,25 von Köln ab. Ankunft in Berlin (Potsd. Bahnh.) 6,22. Personenzug Nr. 99 trifft bereits 5,42 in Köln ein und erhält Anschluß an Schnellzug 2, 6,90 ab Köln

nah Herhbesthal.

Bremen, 28. April. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Fulda* is am 25. April NaGhmittags von New-York nah Genua abgegangen. Der Postdampfer „Stutt - gart“ ist am 25. April Mittags von New-York nah der Weser abgegangen. Der“ Postdampfer „Aachen“ ist am 25. April Nachmittags in New-York angekommen. Der Reichs-Poftdampfer „Sachsen“ ist am 26. April Nachmittags in Hongkong ange- kommen. Der Dampfer- „Silverdale“ ist am 25. April in Montevideo angekommen, Der Dampfer „Löwenburg“ ist am 26. April Nachmittags in Antwerpen angekommen. Der MNeichs- Postdampfer „Preußen“ is am 27. April Morgens iu Genua angekommen. Der Reichs-Postdampfer , Darmitadt? ist am 27. April Morgens in Aden angekommen. -

London, 27. April. (W. T. B.) Die Castle Dampfer „Pembroke Castle“ und „,Venice“ sind am Sonnabend auf der Ausreise von Southampton abgegangen.

Theater und Mufik.

Lessing - Theater.

Mit glü>lihem Erfolg begann gestern Herr Jean Hoffmann vom Stadt-Theater in Frankfurt a. M. fein Gastspiel als Rektor Wiede- mann in Hermann Sudermann's Schauspiel „Das Glü>k im Winkel “. Die einheitliche, durhdachte künstlerishe S<öpfung, welche er bot, stellte den sanften Charakter des Nektors, der die an Jean Paul’s Schul-Idyllen Wuz und Fiebel, wenn auch nur entfernt er- innernde Anfangs- wie die versöhnlihe Schlußscene begreifli< macht, ins rechte Licht. Der anerkennenéwerthen A des Herrn Hoffmann war denn au in erster Linie die warme Aufnahme zu verdanken, die das nit mit Unrecht viel angefoWtene Stü>k seitens des Publikums

gestern Abend fand. Zentral-Theater.

Das unter Conrad Dreher's Leitung im Zentral-Theater wirkende Münchener Ensemble brachte gestern wiederum zwei Neu- aufführungen. „Ein blauer Teufel“, Genrebild mit Gesang in einem Akt von M. Stieler, eröffnete den Abend und erwies ih als die bayerische Uebertragung des bekannten und beliebten S<hwanks eKurmärker und Picarde“ von Louis Schneider. Herr Dreher spielte den Landwehrmann in bayerisher Uniform und bayerishem Dialekt mit dem ihm eigenen gemüthvollen Humor, und Fräu- lein Mizzi Mayer entfaltete als Picarde eine natürliche Grazie und spra<h das gebrohene Deuts< der lustigen Se Bâuerin ausgezeihnet. Dann folgte eine na< dem Französischen bearbeitete Mee in drei Akten: „Casimir und Isidor“ von

. May. Auch hier lag die Hauptrolle des Stü>s in den Händen

reher’s, der den Casimir spielte. Dieser leßtere, welher zum Besuch bei seinem Freunde Isidor weilt, hat das eigenthümlihe Miß- ges{<i>, ganz ohne seine Absicht Unfrieden und Verwirrung bei denjenigen anzustiften, die ihm nahestehen; so zieht mit ihm das te6 auh in das Haus seines Freundes Isidor ein, es entstehen Mißverständnisse aller Art, welche den Frieden der Familie bedrohen, bis si< zum Schluß alles wieder zum Guten wendet. Daß der Zuschauer es mit den erwähnten Mißrerständnissen niht gar fo ernst zu nehmen braucht, sondern herzli< darüber lachen kann, braucht kaum erst hervorgehoben zu werden. Herr Dreher wurde von den übrigen Mitwirkenden, insbesondere von Herrn Böhmert (Isidor), auf das beste unterstüßt. Das Publikum spendete den Darstellern lebhaften Beifall.

Konzerte.

Zu dem leßten Symphonie-Konzert der von Herrn Karl N ULE geleiteten Kapelle des Konzerthauses, in welhem nur Werke Beethoven’'s zum Vortrag gelangten, hatte sh gestern ein zablreihes Buol ‘eingefunden. Das größte der zur Aufführung gebrahten Werke war die siebente Symphonie (A-dur), die von der Kapelle präzis und s{<wungvoll vorgetragen wurde; ein gleihes Lob verdiente au< die Ausführung der Ouvertüren zu „Egmont“ und „Leonore Il“ und einiger anderer bekannten Instrumentalsäße. Das Lied „Adelaide“ wurde in einer wohl- gelungenen Bearbeitung für Orchester wiedergegeben und mit vielem Beifall aufgenommen, der au<h dem Solisten des Abends, dem Konzert- meister Shmidt-NReine>ke für die treflihe Ausführung des ersten Tes aus dem Violin-Konzert zu theil wurde. Ein besonderes Abschieds-Konzert findet morgen, Mittwoch, statt; die Kapelle wird dann eine Kunstreise, zunä<hst nah Warschau, unternehmen.

__Im Königlichen Opernhause geht morgen „Die Götter- dämmerung* von Richard Wagner („Ring des Nibelungen“, 3. Abend) unter Kapellmeister Sucher's Leitung în Scene. Der Königlich bayerishe Kammersänger Herr Heinrih Vogl gastiert als Siegfried. Im übrigen ift die Beseßung folgende: Brünnhilde: Frau Sucher ; Gutrune: Fräulein Hiedler; Gunther: Herr Fränkel; Hagen: Herr Mödlinger; Alberih: Herr Schmidt; Waltraute: Frau Goeyhe; Nheintöchter: die Damen Herzog, Rothauser, Deppe. i

Im Königlihen Schauspielhause findet morgen eine Aufführung von Friedrih Hebbel'’s „Judith* mit Fräulein Poppe in der Titelrolle und Herrn Molenar als Holofernes statt. :

Das Repertoire des Conrad Dreher’shen Ensembles im Central-Theater bringt in dieser Woche no< drei Wieder- holungen des Shwaykes „Der Schwiegervater“ und zwar morgen, am Freitag und Sonnabend. Die Posse „Casimir und Isidor“ wird zunächst am Donnerstag gespielt und gelangt dann am nächsten Sonntag als leßte Aufführung des Ensembles zur Darstellung.

Mannigfaltiges.

Zu Ehren des scheidenden Landes-Direktors, Wirklichen Ge- heimen Raths Dr. von Leveßow fand heute im Brandenburgischen Ständehause ein kurzer Festakt mit anschließender Tafel statt. Zunächst erfolgte im Sitzungssaal des Provinzial-Aus\husses, an derselben Stelle, an der gestern die Uebergabe des Amts an den bis- herigen Landrath Freiherrn von Manteuffel erfolgt war, eine Ueberreihung von Ehrengaben statt. Der Scheidende erhielt eine kostbare Truhe aus gepunztem Leder, welhe Ansichten aller der Gebäude enthält, die während seiner Amtszeit von der brandenburgisWen Provinzial- verwaltung neu errichtet bezw. wesentli< umgebaut worden find. Die Beamten der Provinzialverwaltung widmeten außerdem ein Album mit ihren Bildnissen. Die Festtafel, an der 60 Herren theilnahmen, fand im Foyer des Sißungsfaales statt. Der Raum war mit der Büste Seiner Majestät des Kaisers und dem Reliefbilde des Ge- feierten ge{<{müd>t. i von Leveßow hatte neben dem Ober-Präsi- denten, Staats-Minister Dr. von Achenba<h und dem Vorsißenden des Provinzial-Aus\{husses Grafen von Wilamowiß-Möllendo:ff Platz genommen; ihm grgeapver saß der neu ernannte Landes-Direktor Freiherr von Manteuffel. Jn angeregter Stimmung verlief die Tafel.

Das Feft der Kunstakademiker, wel<hes, wie {hon mit- etheilt, am 5. Mai in „Alt-Berlin* auf der Gewerbe-Aus- fetluxa abgehalten werden soll, gewinnt immer deutlicher an Ge- stalt. Von den Künstlerinnen der Königlichen Hofbühne haben ih die Damen Nosa Poppe, Amanda Lindner, von Hochenburger und von Mayburg für den Festzug und die Mitwirkung in den Festspielen zur Verfügung gestellt. Von auswärtigen Akademien sind bereits Vertreter der Kunstakademiker von Wien, Rom, Kopenhagen und Antwerpen angemeldet, die in blumenges<hmü>ten Equipagen den Festzug eröffnen werden. Der Prolog für das Festspiel im „Theater Alt - Berlin“ i von Paul Warn>e gedichtet und wird von Fräulein Poppe gesprohen. Diesem folgt eine auf Alt - Berlin bezügliße dramatishe Dichtung von Ernst von Wolzogen. Der Karpfenteißh soll zu einem Setspel phantastisher Natur benußt werden, das si<h bei brillanter Be- leuhtung auf seiner Mitte abspielen foll. Auf dem Marktplay von Alt-Berlin wird sih unter Mitwirkung der akademischen Jugend ein

t Treiben entwi>eln. Um das Fest sicher zu stellen, hat sich

in Verbindung mit dem akademishen Aus\{<uß ein Comits gebildet

in welhem sich von älteren Künstlern unter Anderen die Herren Adolf

Menzel, Max Croner, Ludwig Passini und Woldemar Friedri be-

finden, Der Portier der Akademie und der Direktor von Alt-Berlin,

} evi Julius Kaufmann, Thiergartenstr. 8 Þ., nehmen Meldungen für arten 20 M) entgegen.

Der Bahnhof Gewerbe - Ausstellung ist gestern dem arden Verkehr übergeben worden. Der erste Zug, vom Görlitzer ahnhof kommend, traf 2 Uhr 41 Minuten früh mit einigen Babn- beamten auf dem Bahnhof Gewerbe-Ausstellung ein. Die nach- folgenden drei Züge brahten no< keine Pafsagiere; der erste ira} mit dem 5 Uhr 21 Minuten vom Sclesishen Bahnhof abgelassenen, nah Grünau bestimmten Zuge 5 Uhr 34 Minuten aut der neuen Station ein. Für die Zeit vom 1. Mai bis zum Schluß der Ausstellung wird die Station bedient werden von : 6 Assistenten, 16 Bahnsteigschaffnern, 16 Kontrolschaffnern, 14 Fahr- kartenverkäufern und -Verkäuferinnen, 4 Portiers, 3 Rangiermeistern und 18 Rangierern. Die Aus\<müd>ung der Zufahrtsstraßen zur Ausstellung hat nunmehr begonnen. Am Kottbuser Thor erheben si bereits zivei stattliche Triumphbogen, die im Holzbau vollendet und theilweise s<hon_ mit Gipsstu> bekleidet sind. An der Kreuzung der Oranien-, Skalißzer-, Manteuffel- und Wienerstraße sind weitere zwei Triumphbogen errichtet, der P vor dem Schlesischen Thore zeigt deren vier; leßterer is von hohen, ges<hma>voll verzierten Masten umgeben. Die Grundbesißervereine haben zur Aus\{<hmüd>ung Ede aus ihrem Vereinsvermögen von 100 bis 500 ( pro Verein ewilligt.

Das offizielle internationale Preßbureau für die Berliner Gewerbe-Ausstellung hat heute früh seine Geschäftsräume nach der Ausstellung in Treptow verlegt. Dieselben befinden si< im Haupt- gebäude, in der Wandelhalle, dicht neben der Post. Cs wird gebeten, alle Mittheilungen \<riftli< und mündlih, au die für den Leiter des Bureaus, Herrn Max Horwißt, bestimmten, aus\cließli< nah dem Bureau in Treptow gelangen zu lassen.

Der Berliner Asylverein für Obdachlose hielt gestern Abend in den Viktoriasälen seine 27. Jahresversammlung ab. Der Verein hat im en Jahre 113 078 Männern und 12 015 weiblichen Mende und seit seinem Bestehen 2838 328 Personen in seinen

sylhäusern vorübergehende Unterkunft geboten. Der Arbeitsnachweis, welcher von 1897 Männern benußt wurde, zeigt zwar eine Steigerung, aber immerhin is die Klage no< eine bere<tigte, daß die Unter- nehmer si verhältnißmäßig selten an den Verein wenden. Die Ver- Ae Le des Vereins ist eine sehr gute: den Einnahmen des leßten Jahres in Höhe von 62469 4 standen nur 39108 4 Ausgaben gegenüber, darunter 31 164 46 für Unterhaltung der Asyle; die Mehr- einnahme betrug somit 23361 A Seit dem Bestehen des Vereins find 1463864 # eingenommen und 824284 6 ausgegeben worden, sodaß ein Vermögen von 639580 M an- gesammelt werden konnte, das inzwischen |<on wieder auf 665 830 M4 angewa>fen ist. Außerdem sind ca. 950 000 4 an Legaten in Aus- sicht, deren Annahme ernstlihe Hindernisse niht im Weg stehen. Der Verein wird daher au< in der Lage fein, den Neubau-des neucn Asyls in der Wiesenstraße, obgleih derselbe 700 000 ( erfordert, vollständig aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt.

Paris, 27. April. Nach der Volkszählung vom 29. v. M. beträgt die Einwohnerzahl von Paris 2511955, d. i. 87250 mehr als im März 1891.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Buluwayo, 27. April. (Meldung des „Reuter'schen Bureaus“.) Die Post aus dem Süden ist mit Waffen und Munition hier angekommen.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Wetterbericht vom 28. April, lungen.

8 Uhr Morgens.

und 1 Vorspiel.

Bübhnenfestspiel von Richard Wagner. Dritter Abend: Götterdämmerunn

Freitag: Neu einstudiert : Dirigent : Kapellmeister Sucher.

Fernand’s Ehe- in 3 Aufzügen | kontraft. Schwank in 3 Akten von G. Feydeau.

Donnerstag: Cafimir nud Jfidor. Vorher Ein blauer Teufel.

Stationen.

Bar. auf 0Gr. u. d. Meeres\p red. in Millim

Wind. | Wetter.

Temperatur |

99C.=49R.

Belmullet . . Aberdeen .. Christiansund Kopenhagen . Stockholm . paranda . t. Petersbg. Moskau .

Cork, Queens- On ¿s 6 Cherbourg .

BIDPT L po Hamburg 24 Swinemünde Neufahrwasser Memel .

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Aner.» Karlsrube . . Wiesbaden . München . Chemniy .. Berlin. « .. Ae p66 Breslau . Sle d’Aix .. D v6 Es 6s

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764 758 763 761 765 760 757 763 760

767 765 766

wolkig wolkig wolkig Dunst wolkig Schnee bede>t bede>t

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halb bed. beded>t halb bed. bededt beded>t bede>t Dunst beded>t

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wolkenlos

Uebersicht der Witterung.

Am höchsten, 765 mm, if der Luftdru> über Süd-Europa, am niedrigsten, unter 745, über Nord- Europa, dementspre<hend sind im westlihen Mittel- Europa westlihe und südwestlihe Winde vorwiegend, In Deutschland und Um- as Wetter mild, vorwiegend trübe und und Mitteldeutshland ist allenthalben Regen gefallen, nur am Nordfuße der Alpen herrsht heitere Witterung. a vorwiegend trüben Witterung mit Regenfällen und

welche ania auftreten.

‘uns ist regner

{; in Nord-

sinkender Temperatur wahrs{heinli<.

Deutsche Seewarte.

Fortdauer dér

Aw NLI n Celsius

D É A DNZLES MGSIKEE S G B G OTEGE G: S M E T

Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern- haus. 109, Vorstellung. Der Ring des Nibe-

Theater.

(Siegfried: Herr Heinrih Vogl, Königlich bayerischer P A Cerianger aus München, als Gast.) Anfang f:

Sczausfpielhaus. 115. Vorstellung. Judith. Eine Tragödie in 5 Aufzügen von Friedrih Hebbel. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. Dekorative Einrichtung vom Ober-Inspektor Brandt. Anfang 7 Uhr.

Donnerêtag: Opernhaus. 110. Vorstellung. Der Evangelimaunn. Musikalishes Schauspiel in 2 Auf- ügen, nach einer von Dr. Leopold Florian Meißner er- zäblten wahren Begebenheit, von Wilhelm Kienzl. Phautafien im Bremer Nathskeller. han- tastishes Tanzbild, frei na< Wilhelm Hauff, von Emil Graeb. usik von Adolf Steinmann. Anfang 74 Uhr.

Szauspielhaus. 116. Vorstellung. Der neue Beer, Schauspiel in 7 Vorgängen von Ernst von

ildenbru<h. Anfang 7# Uhr.

Devisches Theater. Mittwog: Heinri der Vierte. Anfang 7+ Uhr.

Donnerstag: Jugend.

Freitag: Der Talisman.

Berliner Theater. Mittwoch: Der verlorene Sohn. (l’ensant prodigue.) Nur drei Worte. aa 7} Uhr.

Donnerstag : König Heiurich.!

Freitag (32 Abonnements-Vorstellung): Der ver- lorene Sohn. (l’'ensant prodigue.) Nur drei Worte.

Lessing - Theater. Mittwoh: Gastspiel von rebri@ Miitterwurzer. Das Glü> im Winkel.

nfang 74 Uhr. (Gewöhnliche Preise.)

Donnerstag: Leytes Auftreten von Friedrich Mitterwurzer. Das Glü im Winkel.

Sonnabend: Zum ersten Male: Waldmeister. Unter persönlicher Leitung von Johann Strauß, mit u Ae Kopasci-Karêcag und Ed. Steinberger a aft.

König

Residenz - Theater. Direktion: Sigmund Lautenburg. Mittwoh: Zum vorleßten Male: Hotel zum Freihafen. (L'Wôtel du Libre Eechange.) Sdhwank in 3 Akten von rit 25 Fepdeau, ang: rius und für die deutshe Bühne be- arbeitet von Benno Jacobson. Musik von Francçois Perpignan. Anfang 74 Uhr.

Donnerstag: Leßte Aufführung von Hotel zum

eihafenu,

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. Chausseestraße 25—26.

Mittwoch: Wit großartiger Ausstattung an Kostümen, Dekorationen und NRequisiten: Der Sungerleider. Ausftattungs-Komödie mit Gesang und Ballet in 10 Bildern von Julius Keller und Louis Herrmann, mit theilweiser Benußung etner Idee des Mark Twain. Musik von Louis Noth. In Scene geseht von Julius Fritshe. Dirigent: Herr Kapellmeifter Winn6s. Aufang 74 Uhr.

j “ait und folgende Tage: Der Hunger- eider.

Neues Theater. Schiffbauerdamm 4 a. / 5, Mittwoh: Vorleßte Schauspiel-Vorstellung in der Saison. Die Wildente. Schauspiel in 5 Akten von Henrik Ibsen, deuts< von Ernst Brausewetter. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. Anfang 74 Uhr. i

Donnerstag: Leßte Schauspiel-Vorstellung der Saison. Der Hüttenbesißzer. Schauspiel in 4 Akten von Georges Ohnet, deuts< von Schelcher.

Freitag: Tata-Toto. Vaudeville in 3 Akten von Victor Leon und F. Zell, nah Bilhaud und Barré. Musik von Antoine Banés.

Der Vorverkauf zu der Vorstellung zu wohl- thätigem Zwe>, die am Sonntag Nachmittag 3 Uhr mit Allerhöchster Genehmigung stattfindet, hat begonnen,

Theater Unter den Linden. Direktion: Julius Frißshe. Tournée Judic. Direktion: Theodore de Glaser. i

Mittwo<h: Gastvorstellung von Anne Iudic. La belle Hélène. Opéra-Bouffo en 3 actes de M. M. Meilhac et Ludovic Halévy. Musique de Jacques Offenbach. Anfang 74 Ubr.

Donnerstag: La belle Wélène.

Adolph Ernst-Theater. Mittwoh: Das flotte Berlin. Große Ausstattungs-Gesangsposse in 3 Akten von Leon Treptow und Ed. Jacobson. Kuplets und Quodlibets von Gustav Görß. Musik von Gustay Steffens. In Scene geseßt von Adolph Ernst. 2. Akt : Alt-Berlin. Mufang 74 Uhr.

Donnerstag: Das flotte Berlin,

Pentral-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30.

Mittwo<h: Gastspiel des Conrad ODreher- Ensembles vom Münchener Gärtnerplatz-Theater. Conrad Dreher a. G. Der S<hwiegervater* Posse mit Gesang in 4 Akten Anfang 7} Uhr.

Konzerte.

Konzert-Haus. Karl WMeyder - Konzert.

Mittwoch: Abschieds-Konzert.

Donnerstag, den 30. April, Abends 7& Uhr Konzert des „Verliner Liederkrauz““ (Männ:r- dr), Direktion: Herr W. Handwerg, und der Kapelle des 4, Garde-Regiments z. F., Dirigei $: Herr F. Bergter.

Familien-Nachrichteu.

Verlobt: Frl. Olga Neumann mit Hrn. Posft- sekretär Welther Günther (Berlin—Dresden). ge: Margarethe Richters mit Hrn. Gerichts-

ssessor und Lieut. d. R. Georg Langer (Woisch- wiß—Neisse). Frl. Marie Franyß mit Hrn. Magistrats-Sekretär Max Wagner (Berlin). Frl. Elsbeth Schulze mit Hrn. Assistenz-Arit 2. Kl. Dr. med. Hermann Zaehn (Potsdam— Jüterbog). i i

Verehelicht: Hr. ann Girscher mit Frl. Gertrud S ul] (Posen). Hr. Regierungé- os Kau id mit Frl. Lucie Ploch (Inster- urg).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Kammerjunker Heinrich von Heydebrand u. d. Lasa (z. Zt. Dresden). Hrn. Professor Hieronymus Mave (Hannover). Eine Tochter: Hrn. Lieut. Fehling (Lang- fuhr). Hrn. Gerichts-Asessor Liman (Berlin).

Gestorben: Hr. Oberst-Lieut. a. D. Paul Chambeau (Prenzlau). Hr. Major Werner von Alvensleben (Glogau). Hr. Carl von Debschiy a. d. Hause Pollentshine (Weigersdorf, O.-Lausiß). Fr. Geheime Ober-Regierungs-Rath Anna Stru>, geb. Schlüter (Wiesbaden). Pr: General- Major z. D. Emil von Siefart (Berlin). Ôr- L ENRNE Josef Welzel (Mittel-Rengert- orf).

Verantwortlicher Redakteur: Siemenroth in Berlin.

Verlag der Expedition (Scholz) in Berlin,

Oru> der Norddeutshen Buchdru>erei und Verlagko Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Sieben Beilagen (einshließli<h Börsen-Beilage),

sowie die Juhaltsangabe zu Nr. 6 des öfen! lichen Anzeigers (Kommanditgesellschaften a Aktien und Aktiengesellschaften) für die Woche

vom 20, bis 25. April 1896.

Erste Beilage

zum Deulschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

6 101. |

Deutscher Reichstag. 77. Sißung vom 27. April 1896, 1 Uhr.

Auf der Tagésordnung steht zunächst die Prüfung der Wahl des Abg. Pöhlmann (6. Elsaß-Lothringen, Np.)

Die Kommission beantragt Ungültigkeitserklärung und Beweiserhebung über die Protestbehauptungen.

Nachdem Abg. Guerber (b. k. F.) über die Wahlvor-

gänge im Reichsland und besonders über die offiziellen Kandi- daturen gesprochen, nimmt das Wort der

Staatssekretär des Jnnern, Staats-Minister Dr. von Boetticher:

Meine Herren! Jch habe nit die Absicht, mi über die Frage zu äußern, ob die Wahl des Herrn Abg. Pöhlmann als gültig an- zusehen ist oder als nicht gültig. Ih habe selbstverständlih dem hohen Hause zu überlassen, sie zu entscheiden. Ih habe nur das Bedürfniß, mit Nücksiht auf die Bedenken, welche gegen die Korrektheit des Ver- fahrens der elsaß-lothringis<hen Regierung bezüglih der Vernehmung einiger Zeugen in der Wahlprüfungskommission geäußert worden sind, auf Wunsch der elfaß-lothringishen Regierung die Gründe darzulegen, welche dort als ausreihend und als maßgebend betrachtet worden sind, um die Zeugenvernehmungen vorzunehmen.

Im übrigen habe ih aber dem Herrn Vorredner doch, da ih das Wort einmal genommen habe, zu sagen, daß er do wohl etwas zu weit geht, wenn er die Kandidatur des Herrn Abg. Pöhlmann als eine offizielle bezeihnet, no< dazu als eine offizielle im Napoleonischen Sinne. Er ist da vielleiht etwas zu stark in die Erinnerungen seiner Jugend zurü>gegangen. Wir kennen keine offiziellen, keine Regierungskandi- daturen (na, na! in der Mitte), und wenn der Herr Abg. Pöhlmann von irgend welchen öffentli<hen Beamten in Elsaß-Lothringen in seiner Kandidatur unterstüßt worden ist, so wird es wahrscheinlih einfach daran gelegen haben, daß diese Beamten ihn eben als den geeigneten Kandidaten zur Vertretung ihres Wahlkreises angesehen haben.

Nun, meine Herren, ist also der Hergang bezüglich der Zeugen- vernehmung, von der ih gesprochen habe, folgender gewesen. Der Herr Abg. Pöhlmann hat sih, na<hdem die Wahlprüfungskommission beshlossen hatte, zur Aufklärung mehrerer Behauptungen in den vorliegenden Wahlprotesten zeugeneidlihe Vernehmungen zu ver- anlassen, und na<hdem der Reichstag diesem Beschlusse beigetreten war, mit der Bitte an die elsaß-lothringishe Regierung gewandt, es möge die Zeugenvernehmung au< ausgedehnt werden auf die Ab- hörung verschiedener Personen, von denen er vorausseßzen könne, daß sie die Behauptungen der Wakhlproteste, um deren Aufklärung es si handele, nicht allein niht bestätigen, sondern im Gegentheil im \tande sein würden, das Gegentheil von dem zu bekunden, was in diesen Be- hauptungen vorgebracht ift.

Die elsaß-lothringishe Regierung ift ni<ht dazu übergegangen, die Vernehmung dieser Zeugen einseitig anzuordnen, sondern sie hat die Beschlußfassung darüber den elsässishen Gerichten es handelte si um eine gerihtlihe Vernehmung der Zeugen überlassen, und die Gerichte haben fein Bedenken gehabt. Ich bin au< der Meinung und diese Meinung kann mit sehr guten Gründen vertreten werden daß das Verfahren, welches in dieser Beziehung eingeschlagen ift, niht allein ein rationelles ist, sondern au< mit den geseßlihen Bestimmungen durchaus im Einklange steht.

Meine Herren, die Wahlprüfung bat do< vor allen Dingen den Zwe>k, festzustellen, ob bei der Wahl ordnungsmäßig verfahren ift. Wird in irgend einem Wahlprotest die Behauptung aufgestellt, daß ni<t ordnungsmäßig verfahren sei, daß Verleßungen der Vorschriften des Wahlverfahrens oder unzulässige Wahlbeeinflussungen statt- gefunden haben, so liegt es in der Natur der Sache, daß man über diese Behauptung eine Erörterung dur Zeugenvernehmung eintreten läßt. Jeder Abgeordnete hat nun na< der Geschäftsordnung dieses hohen Hauses das Recht, an den Kommissionsberathungen theil- zunehmen und au<h ohne Stimmrecht seine Bemerkungen zu den Ver- handlungen zu machen, welche in der Kommission gepflogen werden. Es wäre also dem Herrn Abg. Pöhlmann anheimgegeben gewesen, die Zweifel, die er rüc>sihtlih der aufgestellten Beweisthemata oder rü>sihtlih der Zeugen zu äußern hat, au<h in der Wahlprüfungs- kommission zur Geltung zu bringen, und es wäre ihm ebenso unbenommen geblieben, au<h seinerseits die Mittel anzugeben, dur welhe ein Gegenbeweis gegen die Behauptungen, um deren Auf- klärung es sih handelt, geführt werden follte. Ich bin garnicht im Zweifel darüber, daß, wenn Herr Pöhlmann so verfahren wäre, au die Wablprüfungskommission den Beschluß gefaßt haben würde: wir wollen außer den in den Wahlprotesten benannten Zeugen au<h die Zeugen vernehmen, die Herr Pöhlmann vorgeshlagen hat. Denn au< der Wahlprüfungskommission muß es und dafür hat sie den stringentesten Beweis bereits ge- liefert darauf aus\<ließli< ankommen, hinter die Wahrheit zu ge- langen. Nun war, als das Ersuchen um zeugeneidli<he Vernehmung der in dem Wahlprotest genannten Personen bei dem Herrn Reichs- kanzler einging, der Reichstag niht versammelt. Die Requisition war das entspricht ja au< den Wünschen des Reichstags, und ih thue es. in jedem einzelnem Falle von mir mit dem Ersuhen weitergegeben worden, eine [{<leunige Erledi- gung eintreten zu lassen. Nun kam Herr Pöhlmann und stellte der Regierung vor, daß er seinerseits Zeugen namhaft zu machen habe, welhe das Gegentheil von dem bekunden würden, was von den in dem Wahlprotest benannten Zeugen be- kundet werden follte. Die Regierung hat darauf dem Präsidenten des Ober-Landesgerichts in Colmar, also dem höchsten Justizbeamten der Reichslande, von dem Wunsch des Herrn Abg. Pöhlmann Kenntniß gegeben und hinzugefügt, von Regierungswegen stehe nihts entgegen, daß diesem Ersuchen entsprehend die darin benannten Zeugen vernommen würden; wenn aber der Präsident des Ober-Landesgerihts Bedenken habe, eine fol{he

Fugeneidlihe Vernehmung au<h der weiter benannten Personen

eintreten zu lassen, so möge er darüber berihten. Der Präsident des

Berlin, Dienstag, den 28. April

Ober-Landesgerichts hat keine Bedenken gehabt und hat die Sache an das Landgericht weiter gegeben; die mit der Vernehmung betrauten Richter haben auch keine Bedenken gehabt, und so find denn die Fest- stellungsprotokolle entstanden.

Meine Herren, i< wollte in der Hauptsahe dur< diese meine Darlegungen bloß nahweisen, daß die Entwickelung der Angelegenheit eine ganz natürli<e gewesen is und daß eine sorgfältige Prüfung stattgefunden hat. Jch glaube nicht, daß man mit Fug der elsässishen Verwaltung aus ihrem Vorgehen irgend welchen Vorwurf machen kann. Kommt es den Herren darauf an, eine nähere Begründung dieses Verfahrens, wie sie von der elfässishen Regierung in einer Denkschrift gegeben ist, zu vernehmen, so bin ih gern bereit, die Hauptstelle daraus zu ver- lesen. Vielleicht is dies namentli< für die Herren Juristen inter- essant, die Zweifel an der Zulässigkeit des Verfahrens haben. Es heißt in der Denkschrift :

Für die Nichtigkeit der ergangenen Entscheidung spricht in sah- liher Beziehung die Erwägung, daß es für die Ausübung des dem Reichstage na< Art. 27 der Reichsverfassung zustehenden Wahlprüfungsre<hts nur förderli< sein kann, wenn die Vorgänge vor und bei der Wahl ni<t vom einseitigen Standpunkt eines Wahlprotestes, sondern möaglihs vollständig objektiv und wahrheitsgetreu festgestellt werden. Is der ge- wählte Abgeordnete in der Lage, hierzu seinerseits dur< Be- nennung neuer, in dem Wahlprotest niht enthaltener Beweismittel beizutragen, so wird dur die hiermit gewonnene Aufklärung des Sachverhalts dem Reichstage die Findung eines sachentsprehenden Urtheils erleihtert. Die Wahlprüfungskommission hat dies au< dur Ablehnung des von einer Seite gestellten Antrags, die Aus- sagen der Pöhlmann’schen Zeugen nicht zu berü&sihtigen, aus- drü>lid anerkannt.

In formeller Hinsicht kommt in Betracht. daß, wenn die ordentlichen Gerichte zur eidlihen Vernehmung von Zeugen in Wahlprüfungs-Angelegenheiten überhaupt zuständig sind, mangels geseßliher Vorschriften über das hierbei zu beobachtende Verfahren die Vorschriften der Prozeßgeseße analog zur Anwendung zu bringen fein werden, wie denn au<h der Reichstagtbe\{<luß vom 3. Mai 1895 die gerihtseidlize Vernehmung von Zeugen, „soweit die Beeidigung prozessualis< zulässig it", bean- spru<ht hat. Nun is in demjenigen gerihtli<hen Verfahren, welhes mit dem Wahlprüfungsverfahren den Offizinalbetrieb gemeinsam hat, im Strafprozesse, die sofortige Erhebung des Gegen- beweises dur< den mit der Untersuhung betrauten Beamten nicht nur gestattet, sondern sogar ausdrü>li<h vorgeschrieben (val. St.- P. -O. 88 158 Abs. 2, 164 Abs. 1, 188 Abf. 2). Im Zivil- prozeß wird der Umfang der Beweisaufnahme, wenn dieselbe in einem besonderen Verfahren vor einem beauftragten oder ersuhten Richter erfolgen soll, dur<h den gemäß $ 323 Zivilprozeß-Ordnung auf Grund des Beweisanerbietens ‘der Parteien von dem Prozeß- gerihte zu erlassenden Beweisbeshluß bestimmt, mit wel< leßterem in gewissem Sinne der eine Beweisaufnahme dur die ordentlihen Gerichte anordnende Reichstags- bes<hluß vom 3. Mai 1895 verglichen werden kann. Es ift aber au< im Falle des Erlasses eines Beweisbeschlusses die Vernehmung neuer, darin ni<t erwähnter Zeugen gemäß $ 339 Z.-P.-O. zulässig, wenn hierdur<h keine WVershleppung des Ver- fahrens eintritt. Leßteres war in der Sache Pöhlmann nicht der Fall. Im Gegentheil is, da Pöhlmann, wie {hon bemerkt, seine Vertheidigungsmittel bei dem Reichstage bis zur endgültigen Entscheidung vorbringen konnte, dur<h deren fofortige Erhebung eine Beschleunigung des Verfahrens erzielt, dem vermuthbaren Interesse des Reichstags also, wie dies au die Absicht war, ent- gegengekommen worden. Im übrigen hat der $ 339 Zivilprozef;- ordnung in einem Urtheil des Ober-Landesgerichts Zweibrü>ken vom 22. März 1881 (Bus< und Vierhaus, Zeitschrift des deutschen Zivilprozesses Bd. 1X S. 502) die Auslegung gefunden, daß neue Zeugen nicht nur von dem Prozeßgeriht, sondern auß von dem beauftragten oder ersuhten Nichter zugelassen werden dürfen. Diese Rechtsauffassung wird zwar in der Rechtslehre (vergl. Wil- mowsfki und Levi, Zivilprozeßordnung $ 339 Nr. 1 Abs. 2, Petersen bei Busch und Vierhaus Bd. IV S. 314, 319) nur mit: dem Vorbehalt getheilt, daß die Gegenpartei der Zulassung neuer Zeugen durch den beauftragten oder ersuhten Richter zugestimmt haben müsse. Dieser Vorbehalt ift indessen für das Wahlprüfungsverfahren bedeutungslces, weil dieses von dem Parteivorbringen niht abhängt. (Vgl. Seydel a. a. O. S. 386).

Das sind also die Gründe, welche die elsässis<e Regierung be- wogen haben, ienes Verfahren für zutreffend zu erahten. Ich stelle die Erörterung dieser Gründe anheim, möchte aber glauben, daß an der Hand derselben für den Herrn Neichékanzler kein Anlaß vorliegen wird, das Verfahren der elsässis<hen Regierung zu desapprobieren. Wünscht der Reichstag auszusprehen, daß über den Kreis seines Be- \{lusses hinaus Zeugen in Wahlsachen niht vernommen werden dürfen, dann wird man si< in Zukunft wahrscheinli< darnah rihten; aber für die Vergangenheit und hier handelt es \fi< um einen in der Vergangenheit liegenden Fall liegt, glaube ih, keine Veranlafsung vor, den betheiligten Behörden einen Vorwurf zu machen.

Abg. Gamp (NRp.) zieht im Interesse der <leunigen Erledigung und mit Rücksicht auf die schwache Beseßung des Hauses den Antrag auf namentlihe Abstimmung über die Wahl des Abg. Pöhlmann zurü und stellt in Aussicht, daß auch die namentliche Abstimmung über die Wahl des Abg. Bey zurü>gezogen werde. MNedner wendet sich ein- gehend gegen tie Behauptungen des Protestes, die sich sämmtlich als unwahr herausgestellt hätten. Er greift einen bei der Wahlagitation besonders betheiligten Bürgermeister Spies heftig an und tritt für die Gültigkeit der Wahl ein.

Abg. Dr. von Marquardsen (nl.) erklärt fi< ebenfalls zu Gunsten der Gültigkeit der Wahl. e :

Abg. Spahn (Zentr.) erklärt, daß die in dem Schreiben des Herrn Pöhlmann an die elsässishe Regierung enthaltenen Be- hauptungen bezüglih mehrerer zur Zentrumspartei gehöriger Mit-

1896.

glieder der Wahlprüfungskommission unwahr seien, Der Bürger- meister Spies sei von dem Staatssekretär von Puttkamer im Landes- aus\{<uß in Schuß genommen worden. Redner bemängelt es, daß der Staatssekretär von Boetticher das Verfahren der Gerichte 3 nit

hätte. Die Legitimation seiner Mitglieder prüfe der Reichstag, nicht die elsässishe Regierung; der Reichstag bezeichne die Zeugen, welche er vernommen sehen wolle. Der Reichékanzler ersu<he um die Ver- nehmung der Zeugen; niht über den Kopf des Reichstags hinweg sei verfabren worden, sondern über den Kopf des Reichskanzlers hin- weg, dessen Anordnungen allein zu folgen sei. Der Reichskanzler hätte also alle Ursache, hier einzugreifen, nit der Reichstag.

_ Abg. Be>kh (fr. Volksp.) schließt sich diesen Ausführungen voll- ständig an. Der requirierende Richter dürfe über den Inhalt der Requisition ni<t hinausgehen. Wenn die Kandidatur Pöhlmann auch keine effizielle gewesen, so zeigten doch die Vorgänge nah der Wabl, daß sie eine offiziell unterstüßte gewesen sei.

__ Abg. Dr. Simonis (b. k. F.) behauptet, daß die Wahl des Herrn Pöblmann eine erpreßte gewesen, wenn auch eine offizielle Kan- didatur niht aufgestellt worden sei. Von Regierungsbeamten sei ausdrü>lih anerkannt worden, daß die Gemeinden, wel<e regierungs- freundlih wählten, staatliche Zuschüsse eher empfangen würden, als andere Gemeinden.

Abg. Gamp: Den regierungsfreundlih stimmenden Gemeinden Pa niht unter allen Umständen Zuschüsse in Aussicht gestellt worden, ondern die betreffende Aeußerung ging dahin, daß „unter gleichen Verhältnissen“ Zuschüsse eher den regierungsfreundlihen Gemeinden zugewandt werden. Man will den Bürgermeistern das Wahl- re<t nehmen,* weil fie für Pöhlmann eingetreten sind. Die Beamten, auch die in diesem Hause sitzenden, werden si shönstens dafür bedanken, daß sie zu Staatébürgern zweiter Klasse gemacht werden follen. Nach den gemachten Erfahrungen könnte man wirklich die Frage aufwerfen, ob es nit rihtig wäre, die Wahlprüfungen einem unpartetis<hen Gericht, vielleiht dem Neichsgericht zu überweisen. Denn in der Politik giebt es kein positives Net; wer die Macht hat, hat das Recht.

Abg. Preiß (b. k. F) bezweifelt, daß die Vertheidigung, welche der Vorredner Herrn Pöhlmann habe angedeihen lassen, in Elsaß- Lothringen wirksam sein werde. Die Entlassung des Bürgermeisters Spies am 29. Juni, nachdem die Wahl am 15. Juni stattgefunden habe, sei allgemein als eine Folge der Wahlthätigkeit desfelben ange- sehen worden. Nedner führt aus, daß eine öffentlihe Wahlversammlung in Elsaß-Lothringen nur \tatifinden könne, wenn sieben in der Gemeinde domizilierende Personen dieselbe einberiefen und das Gesuch der Ge- nehmigung bei der Behörde deponierten. Nach drei Tagen dürfe dann die Versammlung stattfinden. Für die Kandidatur des Herrn Pöhlmann seien aber die Wähler dur< Trommelschlag ohne weiteres zur Versammlung berufen worden, während die Gegner alle geseßz- lichen Bestimmungen hätten beobahten müssen, widrigenfalls fie der Strafe verfallen wären. z i

__ Die Wahl des Abg. Pöhlmann (6. Elsaß-Lothringen. Rp.) wird gegen die Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und Reformpartei für ungültig erklärt, ebenso die Wahl des Abg. Holtz (5. Marienwerder. Rp.), über die am Freitag verhandelt worden war.

Auf Antrag des Abg. Spahn wird an Stelle des aus der Kommission für Arbeiterstatistik ausscheidenden Abg. Dr. Kropatsche> (d. kons.) ein Fraktionsgenosse desselben, der Abg. Jacobsköôtter gewählt. :

Schluß 4, Uhr. Nächste B Dienstag 1 Uhr. (Zweite Berathung des Börsengeseßzes.

Statistik und Volkswirthschaft.

Ueber die Edelmetallgewinnung und -Verwendung in den leßten zehn Jahren.

In dem neuesten Heft der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“ (Heft 4 des elften Bandes III. Folge) veröffentliht Pro- fessor W. Lex is einen Auffay, betitelt: „Die Edelmetallgewinnung und -Verwendung in den leßten zehn Jahren“. Ohne auf die inter- essanten Details, welhe der Verfasser über die Art und die Zuver- lâssigkeit der Gewinnung bestimmter Zahlengrößen auf diesem Gebiet für die einzelnen in Betracht kommenden Länder mittheilt, näher ein- gehen zu können, wollen wir in Nachstehendem versuchen, die Haupt- züge des in dieser neuen vortrefflihen Arbeit des bekannten Gelehrten gebotenen Bildes kurz wiederzugeben.

Unter Aus\{hluß der <inesishen Goldproduktion, über welhe nah des Verfassers Kritik die vorliegenden Zahlenangaben doch gar zu un- sicher sind, ergeben fi, entsprehend den Berichten des amerikanischen Münzdirektors, für die gesammte jährlihe Ausbeute an Gold die

folgenden Zahlen: Jahr &kg fein Mill. Mk. Jahr kg fein Mill. Mk. 1885 149 200 416,3 1890 173 300 483,5 1886 143 800 401,2 1891 186 600 520,6 1887 144 100 402,0 1892 208 700 981,3 1888 151 900 423,8 1893 226 400 631,7 1889 172 300 480,7 1894 258 400 719,9

In diesen Zahlen ist au< Deutschland mit einer Goldproduktion von 1000 bis 3000 kg fkreditiert, wie Lexis sagt, obwohl seine wirkliche Goldgewinnung aus eigenen Erzen ganz geringfügig ist. Da aber der größte Theil diefes Goldes aus Silber geschieden ist, dessen Gold- gehalt in der anderweitigen Statistik niht mit berü>sichtigt ist, so re<tfertigt es si< doch, diesen Posten in die Gesammtsumme mit aufzunehmen. Unter Hinzurehnung. eines wahrscheinlihen Antheils für China dürfte als vorTäulae Schäßung der Gold- produktion von 1895 nah Lexis folgende annehmbar sein:

Vereinigte Staaten 197 000 000 M

Australien ¿ 180 000 000 ,„

Transvaal 187 000 000

V > 115 000 000

British Indien . 206 000 000

die übrigen Länder . 112000000 , : susnmen 811 000 000 Der größte Theil des jährlih gewonnenen Goldes geht uned na< England und wird von dort aus auf die übrigen Länder, theil- weise au< wieder auf die Produktionsländer selbst, vertheilt, um in diesen zur Münzprägung oder zu in dustrielken Zwecken ver- wendet zu werden.

Was die Prägungsziffern anbelangt, so überschreiten me in der Rèégel die nachgewiesene gleihzeitige Produktion um ein sehr Bedeutendes, weil bei ihnen die Umprägung bereits vorhandéner Münzen eine große Rolle spielt. Die Goldprägungen beliefen fh in Deutschland allein im Jahre 1895 auf 107 514 010 4 Deutsch- land hat nah Lexis? Mittheilungen in dem leßten Jahrzehnt bedeutend mehr Gold geprägt niht nur als Frankreich, sondern auß na< Abzug der Umprägungen als England.

ür industrielle Zwe>ke sind nah den S “ugen des ame- rikanischen Münzdirektors, denen Lexis zustimmt, im Jahre 1894 im Ganzen für 205 000 000 4 verwendet worden. Wenn man au für die neueste Zeit einen dur<s{<nittlihen Jahresverbrauh von 220 Millionen Mark