1896 / 135 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Reith 1892 S. 479), § 1 Abs. 2 Litt. a Zeile 3 die Worte |

| ader t E zu streichen und daselbst dem § 1 s leßten hinzuzufügen : y Ee Rai na e ebt im Sinne dieser Ausführungs- bestimmungen die Kakaobutter gleich.“

Der Präsident des Ann Dr. Schulz und der Wirklihe Geheime Ober-Baurath Streckert sind von einer Dienstreise zurückgekehrt.

Der Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Rath im Reichs- Eisenbahnamt Kra efft hat eine Dienstreise angetreten.

Der Eisenbahndirektions-Präsident Kranold hat sich zur Sizung der ständigen Tarifkommission nah Mainz begeben.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich württem- bergishe Kriegs - Minister, General der Znfanterie Freiherr Schott von Schottenstein ist von hier abgereist.

Vayern.

Die Kammer der Abgeordneten hat in ihrer vor- gestrigen Sißung mit 98 gegen 8 Stimmen den Militär- tat für 1896/97 unverändert angenommen. Der Geseßentwurf über die definitive Verwendung der Er- sparnisse aus den Verpflegungsgeldern, welche Für die in Frankreih nach dem Feldzug gestellten Occupaiionstruppen bezahlt worden waren, wurde an den Finanzausshuß zurück- verwiesen. Der Entwurf wollte die Summe, die etwa 600 000 J beträgt, als Stammkapital für den Unterstüßungs- verein der Hinterbliebenen bayerischer Offiziere verwendet ehen, während die Abgeordneten der Negierung anheimgestellt aben, bis zur nächslen Session eine neue Vorlage fertig zu stellen, in welcher die Hinterbliebenen sämmtlicher Veteranen

n berücsichtigt werden sollen.

Vaden.

hre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin siedelten heute früh von Katlarube nah Schloß Baden über, wo im Laufe des heutigen Tages auch Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Oldenburg auf der Rückcei e von Jtalien eintreffen wird.

Neuß; ä. L,

Seine Durchlaucht der Fürst ist am Sonnabend zum Kurgebrauh von Greiz nah Bad ‘Tepliy abgereist.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser und König empfing gestern in Budapest eine Deputation der Obergespane des Landes. Der Minister- Präsident Baron Banffy hielt als Führer der Deputation cine Ansprache an Seine Majestät, worin er, dem „W. T. B.“ zufolge, betonte, Ungarn preise die Vorsehung, daß es dieses Fest unter der Herrschaft eines mit dem Lande fühlenden, stets um die Beglückung seincs Volks bemüßten, überaus gerechten und von seinen Unterthanen bis zur Schwärmerei geliebten Königs begehen könne. Der Minister- Präsident verdolmetshte darauf die uldigung der Ober- espane und {loß mit der Bitte zum Allmächtigen, daß dem Köni zum Besten des theueren Vaterlandes, zur Greude und zum Glüdck seiner Unterthanen noh ein langes Leben beschieden sein möge.

Der. Kaiser und König erwiderte:

„Die Obergespane waren \tets wichtige Faktoren des öffentlichen Lebens als Führer ihrer Komitate, einft auh auf dem Schlachtfelde, insbesondere aber zu Friedenszeiten, indem sie als ein Schußwall der Verfassung in den Komitaten die das Wohl des Vaterlandes im Auge behaltende Richtung bezeichneten und dur das Anseben ibrer Stellung oft dié überschäumenden Wogen beruhigten. Bei den im Laufe der Zeiten veränderten Verhältnissen onzentriert sich jeßt der Beruf der Munizipien bauptsählich auf die Be- sorgung ihrer inneren Angelegenkbeiten. und Fürsorge für das materielle und geistige Wohl der Bevölkerung ohne Unterschied der Partei und Nationalität ist eine Hauptbedingung, damit die Lebenskraft des Staats und der Nation auch in Zukunft gesichert bleibe. Widmen Sie la mit Hingebung und vollem Eifer dieser edlen Aufgabe, welhe ih Ihnen, bauend auf Ihre stets bewiesene Treue, aufs wärmste ans Herz lege, nicht nur im Interesse der Bevölkerung und des Landes, sondern auch zu meiner eigenen Befriedigung, da auch ich nur in der Zufriedenheit und dem Glücke meiner Bölter mein höchstcs Glück finde.“

Hierauf führte der Hofmarschall Graf Ludwi Apponyi die Huldigungs-Deputation der Haupt- undNResidenz- stadt Budapest in den Audienzsaal, deren Führer Ober- Bürgermeister Rath gleichfalls eine Huldigun gansprache an den Kaiser und König richtete, auf welhe Allerhöchst- derselbe erwiderte :

«Mit Freude begrüße ih die Deputation meiner Haupt- und Residenzstadt Ddapest; mit freudigem Dank nehme ih deren Huldi- gung entgegen. n der Begeisterung, welhe sich aus Anlaß des jeßigen, seltenen und erhebenden Freudenfestes im ganzen Lande kund- giebt, kann die Hauptstadt wohl mit dem Bewußtsein theilnehmen, daß ihre bedeutende Entwickelung und {hr Aufblühen im ganzen Lande nicht nur mit Sympathie Mete. sondern auh bei jeder Gelegenheit mit Opferwilligkeit unterstützt wird. Ein Nüdbli auf die verflossenen Jahrhunderte eigt uns das alte ehrwürdige Ofen mit seiner glänzenden Vergangen- f t und mit den Erinnerungen an die hierauf Een traurigen Zeitperioden; am linken Donauufer aber die erst später zum Leben erwachte, aber desto rasher emporblühende jüngere Schwesterstadt, bis in den leßten Jahrzehnten beide vereinigt wurden und mit vereinten Kräften jene Stufe der Blüthe errungen: haben, auf welcher wir sie

t mit Freude sehen. Gebe der mächtige, daß dieser Auf-

ung auch in dem zweiten Jahrtaufend auf sicherer Grundlage Jas chreite und die bevrdetiate Erwartung des ganzen Landes, welches n der geliebten Hauptstadt cin Musterbild von Treue, wahrem

triotismus, bürgerlihen Tugenden, religiöser Sittlichkeit und Fort- ritt schen will, hier einen entf: den Widerhall finde. Dies wird auch der nste Lohn meiner für B 0 stets gehegten warmen Syapoi ie sein und meine Hoffnung rken, in diesem meinem geliebten Heim bei jeder. Gelegenheit nur angenehme Tage ver- leben ¿u nen.“

Aus Anlaß der feierlihen Reichstags ißung und der Huldigung der Mitglieder des Reichstags vor dem Kaiser und König war heute die Stadt auf das festlichste

Eine gute Verwaltung

eschmüdt. Zu beiden Seiten der Straßen, die der Zug mit

ben Kroninfignien, welhe aus der Matthiaskirhe nah dem arlamentsgebäude gebraht wurden, berührte, waren ahlreihe Tribünen errichtet; das Militär, zahlreiche Dereinie, Korporationen und die Schulkinder bildeten Spalier. Jn prunkvollem Zuge wurden die Jnsignien Vor- mittags 10 Uhr nah dem Parlamentsgebäude, welhcs zuglei durh die heutige feierlihe Sißung eingeweiht wurde, über- geführl. Vor dem neuen Parlamentsgebäude hatten auf einer Tribüne das aus Wien eirigetroffene diplomatishe Korps, zahlreiche hervorragende ausländische Gäste, die gemeinsamen und die österreichischen Minister, die Mitglieder des österreihishen Parlaments und der österreichishen Delegaiion Aufstellung genommen. Vor dem Parlamentsgebäude wurden die Kröninfignien aus dem Wagen gehoben und in den Saal getragen; die Kronhüter nahmen. neben der Krone u i während die Präsidenten und Schriftführer sich auf ihre Pläße begaben. Nach- dem die Erzherzoge und Erzherzoginnen, welche zur Theilnahme an der Feier erschienen waren, den Saal betreten hatten, wurde die Sißung eröffnet. Nach einer Nede des Vize- Präsidenten des Magnatenhauses o Tibor Karol yi verlas der Schriftführer Molinari das fanktionierte Millenniums- geseß, welches mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Damit hatte die Sigung ihr Ende erreiht; die Mitglieder des Herrscherhauses verließen, lebhaft begrüßt, den Saal und be- aben sih sofort nah der Hofburg. achdem die Mitglieder bes Reichstags eine kurze e Di gehalten, ordnete sich der Festzug wieder, um sih nach Ofen zur Huldiguug vor dem Kaiser und König zu begeben.

Jn dem A Palaste hatten sih der Kaiser und König sowie die Kaiserin und Königin, die Mitglieder des Herrscherhauses mit ihrem ade im Salon der Königin versammelt. Nachdem Meldung erstattet worden war, daß alles bereit sei, begaben die ajestäten, die Mitglieder des Settsctérhauses und die Gefolge si in feierlihem Zuge in den großen Saal, wo das diplomatische Korps, die Minister, die Mitglieder des Reichstags und die hohen Würdenträger bereits versammelt waren. Nachdem die Majestäten sih auf dem Thron niedergelassen hatten, trat der Präsident des Unterhauses von Szilagyi vor, um die Ansprache an den König zu halten.

Redner brate zunächst die dankbare Huldigung des Reichstags dar für die Sanktion des heute in Kraft getretenen Gesetzes, bat den König, diese dankbare Huldigung der Nation, welche Krone und Ver- fassung niemals von einander zu trennen vermochte, gnädig anzu- nehmen, und gab unter Hinweis auf die Anwesenheit des Herrscher- paares und der Vertreter der fremden Regierungen fowie unter Hinweis auf die von den verbündeten "und be- freundeten Staaten zu der Jahrtausendfeier dargebraten Glückwünsche dem Empfinden Ausdruck, daß König und Nation stark Pod, wenn sie im Fühlen und Streben mit einander vershmolzen sind.

edner erinnerte sodann an die auf der Gemeinsamkeit des Herrscher- hauses beruhende Verbindung mit Oesterreich; diese zu erhalten sei Auf- gabe des Königs und der Nation. Die Gestaltungen der Gegenwart zeigten, daß dieBerbindung mit Oesterreich heute ebenso nothwendig sei, wie jemals; diese Verbindung sei für beide Staaten eine Quelle der Kraft und der Sicherheit, sie sei eine Bürgschaft für eine erfolgreiche Vertheidigung und für die Geltendmachung großer, dauernder Intere en, welhé die Segnungen des Friedens sichere und das wahre Gewicht in den inter- nationalen Beziehungen verleihe. Deshalb liege es im Interesse beider Staaten, daß die Monarchie nidt nur fest und ‘stark sei, sondern, daß sie diese Ueberzeugung auch allerwärts er- wee. „Mit Selbstbewußtsein, aber ohne Sanguinismus und Selbslüberhebung,“ {loß Redner, „überschreiten wir die Grenzscheide, die unser Fest zwi]chen Vergangenheit und Zukunft zieht. Wir werden auch fürderhin inmitten des Wettbewerbes der gebildeten Nationen fortshreiten. Indem wir unsere Huldigung in tiefster Ehrfurcht darbringen, wenden wir uns an Eure Majestät mit der Bitte: Möge Eure Majestät der Führer unserer Bestrebun en sein! Inbrünstig flehen wir zur Vorschung, daß p Eure Majestät N lange, lange Jahre auf dem Throne erhalte. Es lebe der

ônig!“

Nachdem die mächtig brausenden Eljenrufe verklungen waren, erwiderte der Kaiser und König auf die Ansprache mit folgender Rede: -

„Geehrte Herren! Magnaten und Abgeordnete! Liebe Getreue! Mit Freuden begrüße ih die hier versammelten Magnaten und Ab- geordneten meines geliebten Königreihs Ungarn und indem ih Jhre Huldigung mit Dank entgegennehme, preise ih die gôttlihe Vor- sehung, welWe es mir vente mit meiner geliebten ungarischen Nation die Gedenkfeier aus Anlaß des taufend- jährigen Bestandes des ungarischen Staates begehen zu können. Selten und erhaben ift in der That dieses eine so historisch denk- würdige Zeitperiode abschließende Fest, und indem das ganze Land von dem Gefühle der großen Bedeutung diefer Feier durchdrungen ift, wollen wir vor allem mit Pietät unserer Vorfahren gedenken, deren Weisheit mit Gottes Hilfe den bisherigen Bestand dieses Staates gesichert hat und wollen zugleih aus der Geschichte die nüßlihe Lehre \{chöpfen, daß dieses Land nur dann stark und blühend war, wenn dessen Söhne treu ihrem Könige und, die Religion hochhaltend, unter einander in brüderlicher Eintracht lebten, dasselbe jedoch Gefahren bedrohten, wofern innere Wer dessen Lebenskraft lähmte. Aber au dahin weist uns die

eshihte, daß das Land dankbar jener Nachbarn und Nationen ge- denken möge, die demselben mit Bereitwilligkeit hilfreih beistanden, namentlich als es um die Befreiung von der mebr als bundert jäh- rigen Fremdherrschaft kämpfte, und L es auch jener Nachbarn ge- denke, mit denen es das wechselnde Geschick fowie die Weisheit unserer Vorfahren verbunden hat und mit denen vereint jene Monarchie gegründet wurde, deren Bestand an diesem Ort sich in Europa als Nothwendigkeit darstellt, welche ich von meinen Ver- fahren ererbt und die meinen Nachkommen unverleßt zu erhalten meine heilige Pflicht und mein Wille is, wie dies auch das eigene Interesse der beiden Staaten erfordert. Es ist deshalb mein innigster Wunsch, daß das Gefühl für diefen Verband nit nur nicht erschüttert werde, sondern daß es stets unverletzt fortbestehe, daß diese Emvyfindung, sowie die Sympathie der Angehörigen beider Staaten der Monar(wie eine gegenseitige sei und gegenfeitig zugleich das Be- wußtsein, k aus d ie Zusammengehörigkeit niht nur Rechte, son- dern aus ihten für beide Theile Simadicn wie dies S die pragmatische Sanktion als au die infolge derselben geshaffene gegcn- toärtiée ftaatsrechtlihe Grundlage weise anordnet— auf welher Grundlage die ganze Monarchie und namentlich mein geliebtes Königreich Ungarn in fo erfreuliher Weise sich entwidelte und aufblühte, ohne daß dadurch die unverbrüchlih festzuhaltende Einheit des ungarischen Staats und der ungarischen politishen Nation und die Entwielung der verschiedenen Nationalitäten bei Wahrung der staatlichen Einheit und tung der Dee Jem das durh die Geschichte und die Geseye geheiligte Verhältniß gefährdet wurde, welches Ungarn mit seinen Nebenländern unter Aufrechthaltung der eigenen autonomen Rechte derselben verbindet. Tausend Jahre find auch im Leben- der Staaten eine lange Zeit, Während dieser Epoche hatte das Land neben glänzenden Zeitperioden au viele Widerwärtigkeiten zu tragen, ja es brachen über dasselbe Katastrophen herein, welche den Bestand. der Nation wiederholt mit dem Untergang bedrohten. Die glühende Vaterlands- und Freiheitsliebe der ungue! hen Nation, ihre Tapferkeit und ihre im Mißgeschick bewiesene zähe Aus-

neuen

dauer besiegten stets mit Hilfe ter götilihen Vorsehung die Gefahreæ und gaben auf diese. Weise einen glänzenden Beweis ihrer Lebenskraft und ihrer NaBore, den Bestand des Staats zu erhalten. Jn diesem feierlihen Moment muß- ih mit Anerkennung dieser bervor- ragenden Eigenschaften der ungarischen Nation gedenken, und cs ist mein inniger Wunsch, daß im unabsehbaren Laufe ter kommenden Jahrhundeite die Nation in Uebereinstimmung mit ibrem König stets von wahrer Vaterlandéliebe geleitet werde und. auch in- mitten der Segnungen des Friedens durch besonnene, den Umständen und bestehenden Verhältnissen Rechnung tragende Ueberlegung die ruzige Entwickelung und das Aufblühen des staatlichen Lebens sichern möge. Bei der Sorge für die Geschicke des Vaterlandes fällt eine maßgebende Rolle auch dem Reichstag zu, und es ift deshalb mein lebhafter Wunsh, daß ein jedes Mitglied der beiden Häuser des Reichstags, durchdrungen von feinen Beruf sowie von dem Bewußtsein, daß mit seiner Stellung niht nur besondere Rechte, sondern auch Pflichten gegenüber dem Lande verbunden sind, welches von der Gesetzgebung Fürsorge und Förderung feines materiellen und geistigen Wohls erwartet, durch Fleiß und nüßliche Arbeit dieser Erwartung zu entsprehen bemüht sein. möge, wobei Sie auf meine, mit diefen Bemühungen vollständig, übereinstimmende Unterstüßung und Gnade jederzeit rechnen können. Und wenn Sie diefe edle Aufgabe mit gegenseitigem Vertrauen und mit: vereinigten Kräften erfüllen, wird sich der in dem pietätvollen Gesege, welhes Sie in Ihrer heutigen fcierlihen Sißung verkündeten, enthaltene Ausspruch bewahrhbeiten. Es seien dies tis festen Grundlagen jener segensreihen Harmonie, deren Kraft zuglei ein Unterpfand des sicheren Fortschreitens in den künftigen Fabr- hunderten bildet. Walte Gott, daß es so sei jeßt und immerdar!“

Diese Rede des Kaisers und Königs wurde mit stürmischen, begeisterten Eljenrufen aufgenommen.

Die österreichische Quotendeputation hält in ihrer Antwort an die ungarische Quotendeputation an dem Antrag des ersten österreichishen Nuntiums fest und erklärt : die öster- reichishe Deputation sei niht in der Lage, den von der n Deputation gestellten Anträgen zuzustimmen, bleibe vielmehr der Ansicht, daß die unstreitig gebesserten finanziellen Verhältnisse Ungarns eine Erhöhung der ungarischen Quote als. gerechtfertigt friken ließen.

Das österreihishe Abgeordnetenhaus hat am Sonnabend in E und dritter Lesung das Geseg über die strafrehtlichen Bestimmungen, betreffend den Betrieb von Aus- wanderungsgeschäften, und die Beshlußanträge über die gescß- lihe Regelung des Auswanderungswesens angenommetr und die Regierung aufgefordert, mit denjenigen auswärtigen. Staaten, in denen sich zahlreiche österreihishe Auswanderer befänden, dahin lautende Verträge abzuschließen, daß der öster- reichishen Regierung über Geburten, Trauungen und Todes- fälle österreichischer Unterthanen authentische Mittheilungen gemacht würden.

Großbritannien und Jrland.

Die Admiralität hat bei privaten Schiffsbaufirmen 20 neue Torpedobootzerstörer in Bestellung gegeben.

Frankreich.

In der vorgestrigen Sißung der Deputirtenkammer richtete der Deputirte Rivet unter A Bewegung des Hauses eine Anfrage an die Regierung über eine Rede des vor kurzem zum Erzbischof von Toulouse ernannten Bischofs Mathieu, welche dieser bei Gelegenheit der ersten Kom- munion des Herzogs von Montpensier, des Sohnes des Grafen von Paris, gehalten und in welcher er die Familie Orléans verherrliht habe. Rivet verlangte, daß das Dekret, durch welhes Mathieu zum Erzbischof ernannt worden, widerrufen werde. Der Unterrichts - Minister Ramba ud rechtfertigte die Ernennung Mathieu’'s, welher sihch immcr bemüht habe, die Gemüther zu beruhigen, und erklärte, die Rede des Bischofs Mathieu in Angers sei keinesfalls cine politishe Kundgebung gewesen. Nivet beschuldigte in seiner Neplik die Negierung, klerikale Tendenzen zu haben, und wünschte, seine Anfrage in eine Jnterpellation umzuwandeln. Der Minister-Präsident Méline war hiermit fenen und erklärte, Mathieu sei ein sehr tiberaler Prälat, welcher immer die republikanischen Institutionen _ge- achtet habe. Mathieu habe sich feine politische Kundgebung erlaubt ; überdies würde die Regierung niht ge- statten, daß die republikanishen Institutionen Een würden. Bourgeois mißbilligte die Ernennung des Bischofs Mathieu und forderte das Kabinet auf, eine klerifale Politik niht vorherrschen zu lassen. Der Minister-Präsident Méline erinnerte daran, d1ß Bourgeois seiner Zeit dem Prinzen Henri von Orléans eine Ordensauszeichnung verliehen habe, und fügte hinzu, die Regierung werde für Achtung derrepublikanischen Ver- fassung sorgen. Die Debatte wurde sodann geschlossen. Gegen- Uber mehreren eingebrachten Tagesordnungen verlangte der Minister-Präsident Méline die cinfahe Tagesordnung, welche mit 306 gegen 252 Stimmen angenommen wurde. Die Kammer bewilligte zum Schluß einen Kredit von 3000 Fres. ur Unterstüßung der Opfer der jüngsten Explosion in den Bergwerken von Nochebelle. U N

Der Deputirte Graux ist an Stelle des Minister-Präsi- denten Méline zum Vorsißenden der Kommission für dic Zölle ernannt worden. L j

Ein am Sonnabend N Dekret verbietet die Einfuhr und den Verkauf von Flinten undPulver in Madagaskar. i i

Jules Simon ist heute Vormittag 11 Uhr 40 Minuten nach kurzer Krankheit gestorben.

Im Be ebe orient er Nee e ene Sh Lehrer der osophte an Zer Pariser Normalschule, sodann Ober- Ee an E E in S und Versailles und 1839 Professor der AIoNDE an der Sorbonne. 1848 wurde ‘er in die. kon-

ituierende Versammlung gcwählt, wo er sich dem linken

Zentrum anschloß. Nach dem 2. Dezember 1851 verlor er die Pro- ,

Jahre wurde er im ahten Wahlbezirk in Paris in den gesetzgebenden Körper gewählt, wo er sich bei den Verhand [ungen über Arbeits-, Unter- rihts- und staatswirthschaftlihe An lege etten hervorthat. Nah dem Sturze des Kaiferreihs wurde Jules Simon Mitglied der Regierung der nationalen Vertheidigung und Minister des öffentlichen

fessur, weib er den Huldigungseid rf ju Pari Noch in demselben

Unterrichts. Dasselbe Amt bekleidete er unter Thiers? Präsidentschaft, -

nahdem er am 4. Februar 1871 in die Nationalversammlung gewählt worden war, trat aber am 24. Mai 1871 zurück. Am 16. Februar 1875 wurde er von der Nationalverîammlung zum lebenslänglichen Senator und gleichzeitig von der Akademie zum Mitglied n, Am 12. Dezember 1876 übernahm ec das Präsidium des Ministeriums und zuglcih das Ministertum des Innern, trat aber am 16, Mat 1877 zurück. Seit 1379 bekampfte er die radikalen Unterrichtsgeseße Jules Ferry's, ebenso die allgemeine Amnejtie, wobei er die konservatir- republi cniicben Gruppen des Senats hinter sih hatte. 1890 vertrat er Frankreich ax der Internationalen Arbeitershuhß - Konferenz in Berlin, Von seinen zahlreichen Werken: sind zu erwähnen: „Sou- venirs du 4 Septembre“, „Le gouvernement de Mr. Thiers 7 „Le Livre du petit citoyen“, „La femme du XX siècle* x,

Rußland.

Aus Anlaß des Geburtstags der Kaiserin wurde, wie „W. T. B.“ aus Moskau berichtet, am Sonnabend Vor- mittag Allerhöchstderselben ein Morgenständchen dargebracht. Später wurde in der Palaiskirhe in Anwesenheit der Ma- jeftäten und der Fürstlichkeiten ein Fest ottesdienst abgehalten; die hohen Würdenträger und die Gefolge wohnten einem in der Erlöserkirhe abgehaltenen feierlichen Gottesdienste bei. Abends 7 Uhr fand im Krem!l ein Galadiner zu Ehren der fremden Botschafter und Gesandten statt.

Gestern ittag hielt der Kaiser eine * cht über 87 Bataillone Jnfanterie, 40 Schwadronen Kavallerie, 3 Sotnien Kosaken, 96 Batterien Fuß - Artillerie und 24 Batterien rei- tender Artillerie, insgesammt etwa 50 000 Mann, ab. Die Truppen waren auf dem Chodynskyfelde aufgestellt. Die zur Seite des Kaiserpavillons vor dem Petrowsky - Palais errichteten Tribünen waren dicht beseßt : auch die von den Truppen freigelassenen Stellen des Chodynskyfeldes waren vom Publikum, zumeist dem cinfahen Volk angehörig, ein- genommen. ¡je Parade wurde von dem Großfürsten Wladimir kommandiert. Nachdem die geladenen Persönlichkeiten einge- troffen waren, stieg der Kaiser am Petrowsky-Palais zu Pferde; die Großfürken und die fremden Fürstlich- keiten Me zu Pferde, während die Kaiserin, die Kaiserin-Wittwe und die Prinzessinnen in Galawagen Play nahmen. Als der Kaiser na dem Chodynskyfelde näherte, brach das Publikum in brausende Hurrahrufe aus. Der Kaiser ritt die Front ab und - be- grüßte die Truppen; die Kapellen intonierten die Nationalhymne, die und Truppen beantworteten den Gruß des Kaisers mit donnernden Hurrahrufen. Nah dem Abreiten der Front fand der Parademarsh und später im Petrowsky- Palais ein Frühstück statt. Nachmittags 2 Uhr wurden zum Abschied die Prinzen der fremden Höfe, nah 4 Uhr die Bot- schafter und Gesandten empfangen. Abends 7 Uhr fand im Kreml ein Festmahl für die Vertreter der Moskauer und St. Petersburger Behörden stait.

Gestern Abend 10 Uhr 11 Minuten find der Kaiser und die Kaiserin in Begleitung des Großfürsten Ser- gius und der Großfürstin Elisabeth nach dem Schlosse Jlinskoe abgereist, wo Allerhöcystdieselben einige Tage zu verweilen gedenken. Um 10 Uhr hatten bereits die Kaiserin- Wittwe, die Großfürsten Michael Alexandrowitsch, Alexis Alexandro- witsh, Alexander Micailowitsh und die Groß- fürstinnen Olga Alexandrowna und Xenia Aleran- drowna die Reise nah St. Petersburg angetreten, wo die Ankunft heute früh erfolgte.

Der Prinz Heinrich von Preußen ifi heute Nach- mittag von Moskau abgereist.

Am Sonnabend Nachmittag feierte der Moskauer Verein deutsher Reichsangehöriger in dem Park des Friedrich Wilhelm- und Viktoria-Stifts sein Stiftungsfest, welches durch das Erscheinen der in Moskau anwesenden deutschen Fürst- lichkeiten ausgezeichnet wurde. Der Prinz Heinrich von Preußen brachte einen Trinkspruch auf den Ka iser Nikolaus aus, der Vorsißende des Vereins Camesasca trank auf das Wohl des Deutschen Kaisers und dann auf die deutschen Fürsten; der Prinz Ludwig von Bayern toastete auf das Gedeihen des Vereins.

Jtalien,

Jm Senat erwiderte vorgestern, wie ,W. T. B.“ be- richtet, auf eine Anfrage Camporeale’s bezüglich der Debatte im englischen Unterhaus über das italienishe Grünbuch der Minister des Auswärtigen Herzog von Sermoneta: Camporeale habe in richtiger Weise drei wesentliche Punkte besonders hervorgehoben. Er (der Ta a sei er- freut, sich mit ihm im Einverständniß zu wissen über das große Wohlwollen, welches die britische Regierung für FZtalien gezeigt habe. Dieses Wohlwollen fei als das Ergebniß der vorerwähnten Debatte konstatiert. Ferner freue er si, daß diese Kundgebung bei Gelegenheit der Debatte über das italienische Grünbuch ergangen sei; denn aus allen veröffentlihten Dokumenten ergebe sich das fkorrekte und loyale Verhalten der britishen Regierung in allen ihren Be- ziehungen zu den verschiedenen Mächten und das ganz be- sondere Gepräge des Wohlwollens Jtalien gegenüber. Der Minister fügte hinzu, daß, wenn die britishe Regierung Wünschen Ataliens Widerstand entgegensehen zu müssen geglaubt habe, sie ihrer Ablehnung eine so hoösfliche Fortn zu geben und dieselbe mit so edlen Gründen zu unter- stüßen gewußt habe, daß niemand die Bercchtigung haben könne, sih verleßt zu fühlen oder in irgend einer Art gekränkt zu sein. Bezüglih des zweiten von Camporeale hervor- gehobenen Punktes, der von dem italienishen Bolschafter in London gemachten Angaben ungenauer Mittheilungen, erklärte der Minister, daß er sih zur Zeit nicht dazu verstehen könne, darauf zu antworten, da er glaube, es sei die Pflicht der Regie- rung, hierauf nur auf Grund absolut zuverlässiger Jnformationen u antworten. Was den dritten Punkt anbetxeffe, nämli den Ausdruck einer gewissen Animosität, welche die britische Re- gierung gezeigt ing so glaube er, daß ein solher nicht zu Tage getreten sei, Der Minister fuhr sodann fort: das Kabinet müsse dem Lande die ganze Wahrheit über die afrikanishe Angelegenheit in cinem Moment gogen in dem das Parlament so sehr shwerwiegende Beschlüsse fassen müsse. Man müsse entschieden allen Zweideutigkeiten aus dem Wege gehen, plomen, als das Kabinet dur arglistiger Weise un- vollständig gehaltene Publikationen angegriffen werde, denen gegen- über es die volle Wahrheit zur Kenntniß bringen müsse. Das Kabinet selbst sei in einer [Mlgierigen Lage d des Ernstes der zu fassenden Beschlüsse. Ein Zaudern sei jedo niht möglih. Hierauf wurde eine Interpellation über die geheimen Gesellschaften, welche, o sih so zu nennen, auf das Freimaurerthum hinzielten, eingebraht. Jn der Inter- pellation ‘wurde speziell die Frage gestellt, was die Regierung u thun - beabsichtige, um das Freimaurerthum unter as gemeine Recht g Enten, Der ie E Präsident di Rudini erwiderte: Die Frage sei eine ehr shzwierige, weder in der Verfassung, noch in den Sesezen

lervon die Rede. Er glaube, daß die geheimen Ge-

s

sellschaften nichts Gutes leisteten; wenigstens leisteten diejenigen,

welche aufgehört arvaiai geheime zu sein, jet mehr Gutes als e

wenn es öffentlih wäre; bleibe es geheim, so werde es eine Gefahr p die Lauterkeit der öffentlichen erwaltung, Er laube nicht, daß jeßt der Moment gekommen sei, entsprehende Naßregeln vorzuschlagen. Er werde dics jedoch thun, sobald sih eine Gelegenheit bieten werde, niht um das Freimaurer-

chedem. s Freimaurerthum würde R p entsprechen,

thum als solches, sondern um alle geheimen Gesellschaften zu treffen.

In der Deputirtenkammer beantwortete am Sonn- abend der Minister des Acußern Herzog von Sermoneta verschiedene Anfragen, welche sich auf die Debatte im englischen Unterhause über die Met Muna der italienischen Grün- bücher bezogen. Der Minister behielt fich vor, die Kammer eingehend und genau - über den Umfang der im Unterhause gemachten Erklärungen zu informieren, und fuhr sodannfort: es sei Herkommen, aber nicht Pflicht, daß Dokumente, welche eine Erklä- rung oder ein Engagement fremder Kabinette beträ en, vor ihrer Veröffentlichung den betreffenden Regierungen mitgetheilt würden. Die italienische Regierung R in Zukünft sich peinlich an diese Gewohnheit zu halten. Jm jüngsten Fall jedoch habe es die Regierung für ihre Pflicht angesehen, aus abfoluter, zwingender Nothwendigkeit davon abzugehen, um allen Verdacht und alle Zweifel zu beseitigen und das. Parla- ment vor den wichtigen Entscheidungen, die zu treffen es sich anschike, aufzuklären. Die freundschaftlihen Auseinander- seßungen zwischen Großbritannien und Jtalien hätten wiREeT wieder den Beweis Gi die herzlihen Beziehungen zwischen beiden Staaten erbracht. Die Fragesteller Fortis und Canegallo erklärten, fie seien durch die Antwort des Ministers nicht befriedigt. Cavallotti bemerkte hierauf, Fortis benugze die Verhandlung im englishen Unterhause zu einem Angriff auf die italienishe Regierung, ebenso wie La- bouchère sih der Veröffentlihung des italienischen Grünbuchs bedient habe, um die englische Regierung anzugreifen. Alle beide aber hätten Unreht. Unter allgemeiner Auf- merksamkeit erinnerte hierauf der Minister-Präsident di Nudini daran, daß erst kürzlich diese Angelegenheit be- sprochen worden sei. Die Negierung habe sehr eingehende Erklärungen abgegeben; man brauche deshalb heute nicht auf diese Frage zurückzukommen. Wenn diplomatishe Gepflogen- heiten beständen, die beachtet werden müßten, so gebe es au andere Gepflogenheiten, die in gleiher Weise beachtet werden müßten, nämlich diejenige, niht über cine fremde Regierung von der Rednertribüne herab zu sprehen. Was ge- shehen sei, sei in voller Absicht geschehen. Er wieder- hole, was schon der Minister des Aeußern zu ver- schiedenen Malen taat habe, daß nämlich die Re- gierung an die Veröffentlihung des Grünbuhs mit der größten Vorsicht herangetreten sei, und erkläre, er stehe in dem Gefühl für die Würde des Vaterlandes hinter niemandem zurück und habe das gleihe Gefühl dafür wie jeder andere, an der Spitze der Regierung cines großen Landes zu stehen, das von jedermann geachtet werden müsse.

Bei der gestern in Nom vorgenommenen Stichwahl zwischen Defelice und Odescalchi wurde ersterer zum Ab- geordneten des vierten Wahlkreises von Nom gewählt.

Türkei,

Der Großfürst-Thronfolger von Rußland ift, dem „W. T. B.“ zufolge, an Bord der Yacht „Starnigza“ vor- gestern von Konstantinopel nah Ssewastopol in See gegangen.

__ Aus Konstantinopel wird gemeldet, die Pforte habe auf die legten Vorstellungen der Botschafter bezüglih Zeituns durch ihre diplomatishen Vertreter im Ausland ein RNund- schreiben an die Mächte gerichtet, worin die Bewohner Zeituns neuer Umtriebe und Gemwaltthätigkeiten gegen die Truppen angeklagt und die Mächte ersucht werden, auf die Ernennung christliher Kaimakams, welche zu cinem späteren Zeitpunkte für alle diejenigen Distrikte, in denen es geboten erscheine, er- folgen werde, eut nicht zu dringen, da sonst erneute Unruhen zu befürchten seien.

Der französische Wee Cambon hat, wie „W. T. V.“ erfährt, in einer Audienz, welche derselbe am Sonnabend beim Sultan hatte, seine bereits früher gemahten Nath- [Vláge bezüglih Kretas wiederholt, wonach es im Interesse

er Pforte liege, nah Unterdrückung des Aufstandes den Ver- trag von Haleppa wieder anzuerkennen.

Nach einer Depesche der in Athen erscheinenden „Ephemeris“ aus Canea vom 5. d. M. hätten die Truppen, welhe nah Kisamo gesandt seien, mehrere Lril@asten niedergebrannt. Jn Polemarchi hätten Soldaten zwei Christen ermordet, unter denen sih ein Priester befunden habe. Eine andere Abtheilung habe Vukolies in Brand gesteckt. Der Markt in Canea sei noch immer geschlossen. Es seien neue Truppensendungen ein troffen. Die Soldaten bedrohten die Christen; die Banghasi-Milizen hätten nach e agel des russishen Konsuls mit Steinen pa Oe als sich dicser von Haleppa nah Canea begeben

abe. Jn Selino fei zwishèn Soldaten und Christen ein Streit entstanden, in dessen Verlauf Z Christen und 6 Türken getödtet und 9 andere verwundet worden feien, Die Flüchtlinge, die von _Rethymon in Syra eingetroffen seien, berichteten, daß die Christen, die sich in die Stadt geflüchtet hätten, von allen Hilfsmitteln ent- blößt seien. Jn der Provinz Nethymon seien die Ortschaften Giello, Prine und Aipopuls niedergebrannt worden und weitere mg Iran vorgekommen.

Eine kürzlih in Macedonien eingedrungene 40 Mann starke Bande ‘Bulgaren is, wie „W. T. B.“ berichtet, in Ueskueb festgenommen und gefangen geseßt worden.

Griechenland.

Der Minister - Präsident Delyann is hat an Stelle des erkrankten Justiz-Ministers Varvoglis interimistish die Leitung des Justiz-Ministeriums übernommen.

Die Regierung hat einen Kredit von 20000 Drachmen zu Gunsten der flüchtigen Kretenser gefordert.

Montenegro. Der Fürst von Montenegro hat seine Abreise von Moskau nach Konstantinopel, Belgrad und Sofia wegen Er- trankung des Prinzen Mirko verschoben.

Amerika.

Berichten aus Havanna zufolge beginnen die militärischen L Pran durh den Eintritt der Regenzeit sehr schwierig zu werden.

Nach einem in Madrid verbreiteten Gerücht hätte das Schiff „Three Friends“ eine Flibusftier-Expedition auf Cuba gelandet.

Asien.

Der Sah Musaffer-ed-din hat, wie der „Times“ be- rihtet wird, gestern seinen Tinug in Teheran gehalten. Heute findet der Empfang des diplomatischen Korps ftatt.

Afrika. ; Nach einer dem Sen Kriegs-Ministerium aus Kairo dugegangenen amilihen Depesche überrashte der Sirdar

Kitchener Pascha die Derwische gestern früh bei Firket und schlug dieselben troß heftigen Widerstandes in Lach Vertheidigung ihrer Stellungen auf Hügeln und in Dörfern voll- ständig. Die Kavallerie shnittden Derwischen den Rüzu ab. Die Engländer eroberten tas iger der Derwische mit allen Ramecle Pferden, Maulthieren un Vorräthen. Die Derwische ver- loren gegen 1090 Todte, darunter ihren Führer, den Emir dammuda. Der egyptishe Verlust beträgt 20 Todte und

Verwundete. Hunderte von Derwischen wurden gefangen

genommen. / ¿ __ Der „Timcs“ wird aus Suakin berichtet, der Blo Abdullah habe an die Derwische, welche zuleßt Kasfala belagerten, den Befehl ertheilt, e und die Bc- lagerung ju erneuern, Das „Neuter'she Bureau“ meldet aus Suakin, cs werde berihtet, der Negus Menelik habe dem Khalifa mitgetheilt, daß er bereit sci, ihn mit Waffen und Schießvorräthen gegen E Ztaliens zu unterstüßen. Aus Massowah berihiet die „Agenzia Stefani“, der Prozeß gegen den General Baratieri habe am Freitag be- onnen. Nach Verlesung der Anklageschrift seien von der ertheidigung jens Nichtigkeitseinwände gegen die Straf- verfolgung erhoben worden, welche jedo abgewiesen worden seien. Auf Verlangen der Anklagebchörde habe das Geriht den General Baldissera als Entlastungs- eugen ausgeschlossen. Sodann seien der Bericht der bed ten Kommandostelle über die Schlacht vom 1. März und die militärishen Personalakten des Generals Baratieri Ver- lesen worden. Danach habe General Baratieri begonnen, sein Verhalten genau Csboo fte ehem, doch sei die Verhand- lung wegen des ershöpften Zustandes Baraticri's vertagt worden. Vorgestern seien zwei Sißungen abgehalten worden, in welchen das Verhör des Generals Baratieri beendet worden sei. Auf Antrag des Vertreters der Anklagebehörde und des Vertheidigers scien vershiedene Doku- mente aus dem Grünbuche über Abessynien verlesen worden. Jn der Nachmittagssizung sci das Ergebniß der durch den Obersten Corticelli vorgenommenen militär-tehnischen Unter- nung verlesen und der Zeuge Obcrst Valenzano vernommen worden.

Die „Times“ berichtet aus Buluwayo vom6. d. M., eine britische Streitmacht, welche Maximgeschüße mit si geführt, habe ein wenige Meilen von Buluwayo entferntes Impi der Matabeles angegriffen und den Feind vollständig in die Flucht pag, Die Matabeles hätten 150 Mann verloren, auf

ritisher Seite seien 3 Mann getödtet worden.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Bericht über die vorgestrige Sißung des Neichs- tage befindet sich in der Ersten Beilage. Bs 9

_— In der heutigen (99.) Sißung des Ne ichsta 93, welcher die Staatssekretäre, Staats-Minister Dr. von Boetticher und Freiherr von Marschall beiwohnten, stand zunächst auf der Tagesordnung die zweite Berathung der Ver- träge zwishen dem Neich und Japan, und zwar 1) des Handels- und Schiffahrts- ertrages nebst einem Protokoll, einem Tarif und ¿wei Noten, 2) des Konsular-Vertrages nebst einem Protokoll.

Abg. Graf von Kaniß (d.kons.) erklärte, daß seine Freunde für den Vertrag stimmen würden, nit weil derselbe allen Wünschen der deutschen Industrie Nehnung trage, sondern damit Deutschland nit hinter den übrigen vertragshließenden Staaten zurückbleibe. Dieser Vertrag sei, ein neuer Beweis dafür, daß die Industrien der fremden Staaten anfangen, sich vom Auslande unabhängig zu machen. s Vertrage werde auf den englis japanischen Vertrag hingewiesen. Dieser spreche nur von dem Erwerb beweglichen und unbeweglihen Vermögens in Japan. während in dem vorliegenden Vertrage davon nicht die Rede sei. Das bedürfe ciner Aufklärung.

Bei Schluß des Blattes nahm der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Staats-Minister Freiherr ars a von Bieberstein das Wort, dessen Nede morgen im Wort- laut nahgetragen werden wird.

Nach amtlicher Feststellung erhielten bei der am 2. d. M. im 3. Potsdamer Wahlkreise (Ruppin Templin) vorgenommenen Reichstags-Stihwahl von 18457 ab- gegebenen Stimmen Lessing (fr. Volksp.) 9764 und von Arnim (kons.) 8648. Ersterer ist mithin gewählt.

Auf der Lr AnaE für die morgige Sitzung des Hauses der Abgeordneten stehen: 1) Erste Berat ung des Gefeßentwurfs, betreffend die Aufhebung der opothekenämter im Geltungsbereihe des Rheinishen Rechts. 2) Srste Berathung des Vertrags zwischen Preußen, Oldenburg und Bremen über den weiteren Ausbau der Fahrbahn in der Außenweser. 3 Erste und zweite Verathung des Sal pentonris betreffend die Errichtung eines Amts- grau in der Stadt Znin. 4) Erste und zweite B eseßentwourfs, betreffend die Abänderung von Amtsgerichtsbezirken. 9) Erste und zweite Berathung des Geseßentwurfs, betreffend die Aufhebung des Amtsgerichts zu Pellworm. 6) Berathung des Be- rihts der XVIII. Kommission über den Antrag des Abg. von Brock- hausen wegen Vorlegung eines Gesetzentwurfs, betreffend die Be- steuerung der Waaren futer Usw. ;

erat uag des

Kunft und Wissenschaft,

Von der am 25. und 26. Mai in Berlin fRerTa li Haupts- versammlung der Comenius -Gesellshaft sind folgende Gelehrte, die ih auf dem Arbeitsgebiet der Gesellschaft wissenscha ih E haben, zu Diplom- Mitgliedern ernannt worden:

erd. Cd. Buisson, Abtheilungs-Direktor für das Unterrichtswesen im nterrihts-Ministerium zu Paris, rofe or Dr. Fornelli in Neapel, rofessor G. Hamdorff in Bad ecklenburg), Professor Dr. Harald järne in Upfala, Ober-Bibliothekar Dr. Heinri Meisner in rlin, Professor Dr. Pinlode in Lille, Direktor Dr. R. Seehausen und Professor Dr. Vietor in Marburg a, L. Von derselben Versammlun wurden zu stellvertretenden Mitgliedern des Gesammtvorstandes gewählt die Herren Stadt-Schulinspektor Dr. Fris Fonas Oer Geheimer r erungs-Rath und Landes-Syndi arl hardt (Berlin Bibliothekar Dr. Nörrenberg (Kiel) und Lehrer R. Aron (Berlin).

Die zweite Abtheilung des ilen Katalog Bayerischen Landes-, JIndustrie- ewerbe- und. ausstellung zu N Le, enthaltend das | der Kunsthalle der Ausstellung vereinigten Oel.

emälde, Aquarelle, Pastelle, graphischen Kunstblä rbeiten und arcitektonishen Entwürfe, in vi ppen 0 nah den Urhebernamen geordnet, ist soeben D E vom Bayerischen Gewerbe-Museum

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