1896 / 249 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

he wir Jhm bewahren. Dem ohseligen Kaiser, welcher Seiner Jugend die Zeit tiefer Erniedrigung un eres Vater, des te, als 9 dieses ae fins dem f weren A

emden Eroberers seufzte, welher dann als se< ehnjähriger ;

des

D und für dessen Befreiung kämpfte, war es vorbehalten, als 3 jähriger Greis die geeinten deutshen Armeen zum Siege zu führen, in Einmüthigkeit der deutshen Fürsten und Völker das Deutsche Reich mit dem Hohenzollern-Kaiser an der Spiße zu gründen und

mit diesem die früher uns entrissenen, {önen altdeuts<hen Reichslande

Elsaß-Lothringen wieder ju vereinigen.

Dadurch wurde die ange sehnsühtig gehegte Hoffnung der deut-

\<en Nation erfüllt, dieser die ihrer Macht und Würde entsprechende tellung unter den Völkern der Erde und der zur Wahrung und eung threr Juteressen in fernen Landen erforderlihe Schuß eshaffft. Bei diesen Seinen großartigen Erfolgen bewahrte der große Kaiser Sih Seinen s<li<ten, herzensdemüthigen, gottesfürchtigen und Gott ergebenen Sinn, gab mit inbrünstigem Dank gegen Gottes gnädige ALrung diesem, niht Sich, die Ehre. In gewohnter „Pflichttreue widmete Sich der eMelige Kaiser dana dem inneren Ausbau des nah Auen fo herrlih bewährten und zu hohem Ansehen gangien Reichs mit vollster Hingebung und unermüdliher Thätig- Teit. Dabei lag Ihm insbesondere die Heilung der unsere Zeit b tief bewegenden sozialen Schäden am Herzen, das bezeugt die ewig denkwürdige Allerhöchste Botschaft vom 17. November 1881, welche Seine Fürsorge und Sein Wohlwollen für die Besserung der Lage der Arbeiter und den Feten der Berufsklassen unter einander so erhebend zum Ausdru> brachte und für die seitdem er- lassenen Be m erungögefege bahnbre<hend war, dur< welche die Arbeiter im Alter, bei Krankheiten und verminderter Arbeitsfähigkeit *im Deutschen Reich günstiger gestelit sind als in irgend einem anderen Lande. So war unser großer Kaiser in Seinem mühe- und arbeits- vollen, aber au rei< gesegneten Leben ein erhabenes Vorbild treuer ‘Pflichterfüllung, aufopfernder Thätigkeit, aufrihtiger Demuth und Glaubenstreue und erwarb Sih dadur weit über dié Grenzen des Deutschen Reichs hinaus Ansehen, Vertrauen und Verehrung in einem Felten hohen Grade.

Als die Trauerbotshaft von Seinem im höchsten Greisenalter er- folgten Heimgange alle Herzen tief bewegte, fand der Gedanke, Jhm au< dur< Errichtung eines Denkmals in dieser Provinz eine Huldigung dârzubringen, bei uns Westfalen einmüthigen Anklang. Die Wahl des vielumworbenen Plaßes für dasselbe fiel s{ließli< auf diese {<öne Bergeshöhe der Porta Westfalica, auf welcher der Sage nah der Sachsenherzog Wittekind vor 1100 Jahren die Taufe empfangen hat.

Heute steht das von bewährten Künstlern entworfene Denkmal vollendet da und bringt uns das Standbild unseres großen, die Hand segnend über unser Land haltenden Kaisers vor Augen. Daëselbe mahnt uns daran, daß wir Sein Andenken nur dann wahrhaft in ‘Ehren halten, wenn wir das, was unter Ihm uns dur< deutshe Kraft und deutsche Einigkeit erworben ifft, mit deutsher Treue bewahren, wem wir über die trennenden Partei- und Interessengegensäße unsere Pflicht, gemein- fam das allgemeine Wohl zu wahren und zu fördern, nit aus den Augen verlieren, vielmehr eingedenk der von Eurer Majestät bei der 25 jährigen Gedenkfeier der Gründung des Deutschen Reichs am 18: Januar d. J. an uns ergangenen Aufforderung, mit patriotis<em Geist dazu helfen, daß das Reich in Eintracht mehr und mehr er- starke und aufblühe, daß Friede, Treue und Gottesfur<ht in dem- elben erhalten bleibe. Dieses Gelöbniß gebe heute dem Denkmal die ré<te Weihe. Möge denn Gott uns den inneren und äußeren Frieden erhalten, möge Fein Segen auf Eurer Majestät, unserem ge- liebten, für das Wohl und die Ehre des Reichs und des Volks treu forgenden Kaiser und Landesherrn, auf Ihrer Majestät, unserer theuren Kaiserin und Landesmutter, sowie auf unserem Vaterlande ruhen. Das walte Gott in Gnaden!*

Seine Majestät der Kaiser reihte nach dieser Ansprache Herrn von Es dankend die Hand, worauf der Sängerchor einen „Festgesang zum Gedächtniß Kaiser Wilhelm's des Großen“ anstimmte. Der stellvertretende Vorsißende des

rovinzial - Landtags Freiherr von Landsberg - Velen- Steinfurt brate sodann ein Hoh auf Jhre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin aus, welhes mit Begeisterung aufgenommen wurde und weiter hallte, während die Majestäten nunmehr den Stufenbau des Denkmals hinan- schritten. Gleichzeitig senkten sih die Fahnen, und die 700 Posaunenbläser intonierten den Hymnus C, er kommt, mit Preis gekrönt“. Jhre Majestäten gingen bis an die leßte zu dem Standbild hinaufführende Treppe und betrachteten dasselbe von dort eingehend; sodann stiegen Allerhöchstdieselben zu dem Denkmal selbst hinauf und kehrten auf der anderen Seite, von den Deputationen der Krieger- vereine begrüßt, an den Fuß des Denkmals zurü>k. Seine Majestät der Kaiser nahm hierauf den Vorbeimarsch der Ehren- Kompagnie ab. Jnzwischen hatte sich das Wetter immer mehr aufgeklärt, und heller Sonnenschein beleuchtete das glänzende Schauspiel. Nach beendetem Vorbeimarsh wurde Seiner Majestät dem Kaiser in dem Zelt ein Ehrentrunk dar- geboten, welchen Allerhöchstderselbe mit etwa folgenden Worten entgegennahm :

Gr danke als Mensh für das Seinem Großvater und als Fürst für das Seinem Vorfahren errihtete Denkmal. Dasfelbe müsse eine Mahnung sein, das in {<werer Zeit Errungene zu s{üßen und festzuhalten. Er selbst werde alle Seine Kraft an Deutschlands Wohl seßen. Sein Haus fei mit der Provinz Westfalen durch feste, innige Bande verknüpft, und die Bewohner der Provinz hätten in guten und bösen Tagen trèu zu Seinem Hause gestanden. Daß dics au< in der Zukunft so bleibèn und die Westfalen freudig Seinem Nufe folgen mögen, wenn in ernster Zeit einmal wieder der Ruf an sie ergehe, darauf leere Er Sein Glas: Er trinke auf das Wohl der Provirz.

Das Hoch wurde von der Versammlung begeistert auf- enommen. Hierauf traten Jhre Majestäten der Kaiser und ie Kaiserin in das hinter dem Zelt gelegene Gemah und Bies Sich dort verschiedene Personlihkeiten, unter ihnen die Bischöfe und die Vertreter der evangelischen höheren Geist- lichkeit, vorstellen.

Kurz vor 4 Uhr fuhren Jhre Majestäten, während die zahlreiche Volksmenge jubelnde Hochrufe ausbrachte und das „Heil Dir im Siegerkrarz“ anstimmte, nach Minden zurü, um sih von dort nah Wiesbaden zu begeben.

Das von der Provinz veranstaltete, später folgende Fest- mahl, zu dem unter Anderen die beiden Fürsten zu Bentheim, der Finst zu Salm und der Herzog von Ratibor als Ehrengäste, die hohe Geistlichkeit beider Konfessionen, sowie hervorragende

ivil: und Militärpersonen geladen waren, vereinigte im ohen Saale des „Kaiserhofs“ etwa 370 Personen. Den

oast auf Seine Majestät den Kaiser brachte der Vorsitzende des Doingia! « Landtags von Oheimb aus, indem er daran erinnerte, daß die Provinz Westfalen bereits zum zweiten Male dur<h einen Besu<h Seiner Ma estät ausgezeichnet werde. Der Ober - Präsident der rovinz, Wirkliche Geheime . Rath Studt betonte sodann, / daß der

wie s{hon seiner Zeit in Münster, so auch gestern wieder ‘als ‘Haupteigenschaften der Westfalen die Treue und die fen eit anerkannt. Redner widmete hierauf sein Glas der

ovinz, als einer Pete in Preußens Krone. Nachdem sodann das „Westfalenlied“ gesungen und ein Begrüßungs- Telegramm der in Berlin lebenden Westfalen verlesen worden war, ergriff der Stellvertreter des Vorsitzenden des Provinzial-Landtags das Wort und brachte einen Ne auf das Heer aus, das im Jahre 1813 nah Jahren tiefster Shma das Vaterland wieder emporgehoben und 1870/71 die Grenzen niht nur geschüßt, sondern erweitert und zur Vereinigung aller Stämme unter einem Kaiser geführt habe. Das westfälische Korps habe au< an dem Kriege von 1870/71 ruhmvollen Antheil genommen, darum bringe er den anwesenden Ver- tretern des Heeres und der ganzen Armee ein Hoch aus. Den Toast auf die Künstler, die das Denkmal geschaffen, den Bild- hauer, Professor Zumbusch in Wien und den Architekten Bruno

<mig in Berlin, sprah der Landeshauptmann, Wirkliche Geheime Ober-Regierungs-Nath Overweg.

Diejenigen Personen, welche dur<h Abgabe von Karten Zhrer Majestät der Kaiserin und Königin ihre Glü >- wünsche zu Allerhöchstderen Geburtstage darzubringen beabsichtigen, können die Karten am Mittwoch, den 21. d. M, von Vormittags 10 Uhr bis 6 Uhr Nachmittags und am 22. d. M. bis 12 Uhr Mittags im Königlichen Schlosse zu Berlin, Portal IV links, und in Potsdam im Königlichen Stadtschlosse, in der E>e beim Lustgarten, am Aufgang zur früheren Wohnung Jhrer Majestäten, abgeben.

_ Der am hiesigen Allerhöchsten Hofe beglaubigte Königlich niederländische Gesandte Jonkheer van Tets van Gou- driaan hat Berlin mit Urlaub verlassen. Für die Dauer seiner Abwesenheit luogies der Legations - Nath Baron Sweerts de Landas Wyborgh als Geschäftsträger.

Laut telegraphisher Meldung an das Ober - Kommando der Marine ijt S. M. S. „Gneisenau“, Kommandant Kapitän zur See Hofmeier, am 17. Oktober in Cadiz an- gekommen und beabsichtigt, am 26. d. M. nach Cagliari in See zu gehen.

In der Ersten und Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „R.- u. St.-Anz.“ wird das Verzeichniß der dur Beschluß des Gesammtpreisgerihts der Berliner Gewerbe - Ausstellung vom 8. Oktober 1896 ausgezeichneten Aussteller veröffentlicht.

Koblenz, 18. Oktober. Die Feier der Enthüllung des Denkmals, welches die Stadt Koblenz Jhrer Mazestät der Hochseligen Kaiserin Augusta errichiet hat, nahm heute Mittag ihren Anfang. Zur Theilnahme an der Feier waren anwesend: Jhre_ Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedri< Leopold als Vertreter Jhrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin, Jhre Majestät die Kaiserin Friedrich, Zhre Königlichen Hoheiten der Großherzog, die Großherzogin, der Erbgroß- herzog und die Erbgroßherzogin von Baden und der Großherzog von Sachsen, Seine Hoheit r A, Herrmann von Sachsen-Weimar sowie Seine Durchlaucht der Fürst und Jhre Königliche Hoheit die Fürstin zu Wied. Unter den Ehrengästen befanden sich: der Fürst von Fürsten- berg, der Ober-Hof- und Haus-Marschall Graf zu Eulenbura, der frühere Ober-Hof-Marjschall Graf von Perponcher, der Hof- Marschall Graf von Pückler, die Generale von Bülow, von der Goly, von Minkwiß und von Strubberg, die General- Majors von Oidtman und von Tschudi, Graf von Westerholt, Graf zu Pappenheim, Graf von Ne selrode, Graf von Ma- tushka, Freiherr von Loë, Graf ompesh, Graf Beissel, Kammerherr von dem Knesebe>, rofessor Achenba<h und Andere. Außerdem nahmen die Een der Zivil- und Militärbehörden an der Feier theil. uh waren eine Ab- ordnung des Kaiserin Augusta Garde:Grenadier-Regiments Nr. 4 und zahlreiche frühere An chörige dieses Regiments er- schienen. in Kommando desselben Regiments hatte bei dem Denkmal Doppelposten g Der Ober-Bürgermeister Schüller eröffncte, wie „W. T. B.“ berichtet, die Feier mit folgender Ansprache:

Eure Majestät und Eure Königlichen Petellen wollen huldrei<st gestatten, daß Allerhöchstdieselbèn, insbefondere Ihre Königlichen A Prinz und Prinzessin Friedri< Leopold von retten als Bertreter Seiner Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiferin, sowie die anwesenden Fürstlihkeiten und sonstigen Ehrengäste namens der Stadt Koblenz t rerbletigst durh mi< begrüßt werden und inniger Dank für Ihr Erscheinen bei dcr heutigen, dem Andenken der Hohen Frau und Fürstin, der Hochseligen Kai}erin und Königin Augusta geweihten het ehrfurhtsvoll dargebraht werde.

Das von der Bürgerschaft in Koblenz ihrer bohen Gönnerin und Wohlthäterin, der Kaiserin Augusta, gewidmete Denkmal foll heute feier- lih enthüllt werden an einer Stätte, die selbst ein bleibendes Denkmal der Hohen verewigten Fürstin ist, inmitten der von Ihr selbt ge- shaffenen und .herrlih gestalteten Kaiserin Augusta-Anlagen. Gewiß bedurfte es feines Denkmals, um das Andenken der Hochseligen Kaiserin wie in den Herzen des- preußischen Volkes und der gesammten deutshen Nation, jo indbesondere in den Herzen der Koblenzer Bürgerschaft lebendig zu crhalten. Es würde zu weit führen, wollte ih am. heutigen Tage alle die Wohlthaten auf- zählen, welche die Königin Augusta, die erste Kaiserin im neuen Deutschen Neich , ihrem Lande und der Menschheit erwiesen, indem sie sich. in den Dienst aller wohlthätigen und edlen Bestrebungen stellte und unermüdlih das jegensreite Werk des Rothen Kreuzes, die Roe für die im Felde verwundeten Und erkrankten Krieger, unter

hren Köpviglihen S uß“ nahm und“ däsfelbe über ganz Deutschland verbreitete. Diese Verdienste gehören der Geschichte an, in der Ge- chihte wird der Name der Kaiserin Au usta - gleih jenem hrer hohen Vorgängerin, der Königin Luise, in heUstem lanz erstrahlen, und Ihr Andenken wird au immerdar ein gesegnetes sein.

Ein besonderes Wohlwollen wandte die Holhselige Kaiserin dem von ihr fo geliebten Koblenz zu, in welchem sie erst als Prinzessin von Preußen dauernd, dann als Königin und Kaiserin alljährlich einige Monate verweilte und das sie mit Wohlthaten überhäusfte.

eute noh ist die Wohlthätigkeit der Hochseligen Kaiserin unter den rmen der Stadt unvergessen, hat fi so manche Thräne ge-

Fehaige Tag ein neues Ruhmesblatt in der G& “Jchichte Westfalens bilden werde, Seine Majestät habe,

le do tro>net, so manches Leid gelindert, und beide Dankbarkeit wird des-

halb Ihrem Andenken bewahrt. Die Wohlfahrts-Anstalten der ürgerhospital, das evangelishe Stift, das Sankt-Barbara Sidi und viele andere mehr, erfreuten ih des besonderen Wohlwollens der Kaiserin und SJßhrer werkthätigen Fürsorge. Auh Ihre Königliche Hoheit die Frau roß herzogin von Baden, die zur nit Gren Freude der Koblenzer L ürgers<haft die Heutige Feter mit öhstibrer Gegenwart beehrt, nahm, während sie als jugendliche Prinzessin mehrere Jahre innerhalb unferer Stadtmaue rn verweilte an diefen Bestrebungen regen Antheil und wurde von ihrer Hohen Mutter in die jeßt fo zahlreih von ihr geübten Werke der Barmherzigkeit und Wohlthätigkeit eingeführt. Inmitten dieser Stätte aber, wel<he Jhr Denkmal nun s{<müd>t, hat die Kaiserin Augusta ein Werk geschaffen, welches nie genug bewundert werden kann, indem sie aus dem vernahlässigten Nheinstrand von Koblenz diese herrlihen, in der ganzen Welt berühmten Anlagen hervorzauberte welche jeßt nah Ihr den Namen Kaiserin Augusta- Anlagen tragen. An dieser Stelle, wo jeder Baum, jeder Strauch, jede Bank und jeder Zierrath den Lustwandelnden von dem hohen fünstlerishen Sinn und der s{affensfreudigen Thätigkeit der Hochseligen Kaiserin spricht, erhebt sid nun das von der Bürgerschaft von Koblenz errichtete Kaiserin Augusta-Denkmal.

Am s Tage, dem 18. Oktober, der uns als Geburtstag des heldenmüt igen Sohnes der Hohen Kaiserin, des allgeliebten Hohseligen Kaisers Friedrich, ein geweihter ist, sind wir, beehrt dur die Anwesenheit der Allerhöhsten Herrschaften, versammelt, die feierliche Enthüllung des Denkmals vorzunehmen, das für immerdar ein reden des Zeugniß von der Dankbarkeit und Liebe sein foll, die Koblenz seiner E l N

Bielleiht in demselben Augenbli, in welhem im bena barten Westfalen an der Porta Westfalica die Enthüllung des Petpallen denkmals für Kaiser Wilhelm den Großen, den Hohen Gemahl der Kaiserin Augusta, im Beisein Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin vor si geht und an beiden Orten die gleihen Gefühle der Liebe und Verehrung für das dahingeschiedene Kaiserpaar die Derzen erfüllen, bitte ih Eure Königliche Bóbeit nunmehr ehrfur<tsvoll, den Befehl zur Enthüllung des Denkmals gnädigst geben zu wollen.

Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold gab hierauf das Zeichen zum Fallen der Hülle. Das zahlreich versammelte Publikum brach in diesem Augenbli> in laute ouis aus. Hierauf ergriff Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Baden das Wort und sprah etwa Folgendes :

Es ist mir der Vorzug zu theil geworden, in diesem feierlihen Augenbli> das Hoch auf Seine Majestät den Kaiser auszubringen. Ich darf wohl in diesem Augenbli> den Emvfindungen aller An- wesenden Ausdru> geben, wenn ih sage, daß wir in Ehrfurcht und Wehmuth zu dem Denkmal, das fo vollständig die Persönlichkeit der verehrungswürdigen Fürstin wiedergiebt, aufs<hauen und zugleih auf die große Zeit zurü>bli>en, welhe heute, als an dem Geburtstag des Sohnes unseres Heldenkaisers, in ganz be- fonderer Bedeutung wachgerufen wird, des Sohnes Kaiser Wilhelm's L, des heldenhaften Heerführers, des demuthvollen Dulders und hingebenden Sohnes. Schauen wir do< in diesem Augenbli> auf zu Kaiser Wilhelm dem Großen und wissen, daß Kaiser Friedrich nur kurze Zeit die Kaiserkrone tragen durfte und fie abgab an Seinen Sohn. In dieser Kaiserkrone ist alles einge{<lofsen, was die ver- gangene Zeit angestrebt hat. In diescm Sinne stimmen Sie mit mir ein in den Ruf: „Kaiscr Wilhelm 11. lebe hoh! hoh! ho!“

Die Anwesenden und das in der Umgebung des Denk- mals versammelte Publikum stimmten begeistert ein.

Außer der Kranzspende, welhe von der Vertretung der Stadt Koblenz am Fuße des Denkmals niedergelegt worden war, widmeten ferner no<h prachtvolle Kränze: Zhre Majestät die Kaiserin Friedrich, Jhre Königlichen Hoheiten der Groß- erzog und die Großherzogin, der Erbgroßherzog und die Erb- freBberzogin von Baden, der Prinz riedrih Leopold von

reußen, der Großherzog von Sachsen, der Prinz Hermann von Sachsen-Weimar, der Fürst und die Fürstin zu Wied, die Koblenzer Generalität, der Garde - Verein und andere Körperschaften.

__ ‘Das Wetter, welches heute früh regneris< war, hellte sich später etwas auf; im Augenbli der Enthüllung des Denkmals bra h die Sonne dur die Wolken, Sämmtliche Fürstlichkeiten versammelten sich bei der Niederlegung der Kränze am Fuß des Denkmals, während der Kriegerverein einen Parademarsch ausführte. Vor und nach der Enthüllung fanden Musik- und Gesangsvorträge statt. Kurz darauf begaben Sich Jhre Majestät die Kaiserin FSriedri<h und die übrigen Höchsten Herrschaften nah der Stadt zurü>. Die Kaiserin Friedrih fuhr um 23/4 Uhr na<h Wiesbaden ab. :

, An die Feier {loß si< ein Festmahl im Zivilkasino. Bei demselben hielt Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Badén eine Rede, worin er an das Wirken der vér- ewigten Kaiserin Augusta erinnerte und auch an die Zeit, in der Kaiser Wilhelm I. als Prinz von Preußen in Koblenz weilte. Dort seien die ersten Grundlagen ge- schaffen worden für das, was später unter Seinèm Scepter mit blutigen Opfern zu stande gekommen sei. Der: Groß- herzog sprach dann weiter: „Aber als einèm Zeitgenossen werden Sie mir wohl glauben, daß i oft Gelegenheit) ge-

abt habe, wahrzunehmen, wie der Gedanke bei Kaiser

ilhelm früh erwahte und Ausdru> fand, das nationale Gefühl zu heben und zu stärken und das vorzubereiten, was später mit Gottes gnädiger Hilfe erreiht worden ist. Dieser Thätigkeit muß man zugeschaut haben, um zu verstehen, wie tief der Einfluß der Kaiserin Augusta auf den Kaiser sein mußte.“ Der Großherzog \<{<loß, indem er dem Kaiser Wilhelm Il. eine Regierungszeit wünshte, wie sie Seinem Groß- vater beschieden war. „Möge Gr nicht nur treue Unterthanen, sondern auch treue Freunde haben, um Großes schaffen zu können. Kaiser Wilhelm 11. lebe hoh!“ Seine Königliche Hoheit der Prinz Friedrich Leopold brachte dann ein Hoch auf die Stadt Koblenz aus, worauf der Ober-Bürger- meister Schüller auf die Fe toastete und Seiner Majestät dem Kaiser dankte, daß A erhöchstderselbe einen Ver- tretec zu der Enthüllungsfeier entsandt habe. :

Nach dem Feslmahl fand ein Konzert im städtischen Kursaale und ein Kommers des Kriegervereins im Schützen- hause statt. Abends 6 Uhr wurde im Stadt-Lheater eine Fest- vorstellung gegeben. Der Prinz Friedrich Leopold reiste gleich nach 6 Uhr nah Potsdam zurü>. Der Großherzog, die -Groß- herzogin sowie der EcbäEdahérzo und die Erbgroßher gon von Baden fuhren mit dem Fürsten und der Fürstin ju W ed nah Neuwied. Die Großherzogin gedenkt morgen Vormittag hierher zurü>zukehren, um das Denkmal nochmals in Augen- schein zu nehmen.

Das Denkmal,

: welches von dem Architekten Bruno Schmigß in Berlin und

d dem Professor Moest in Karlsruhe entworfen und ausgeführt ist, steht am Pappelrondel in der Mitte der Rheinanlagen und bildet einen von Säulen ge- tragenen Rundbau, über eia Mittelbau sih die Kaiserkrone erhebt. Die Gestalt der Kaiserin, aus weißem Marmor ge- méeißelt, ist auf einem antiken Sessel sißzend in einer tiefen Nische der Vorderseite dargestellt. Die übrigen Theile des Denkmals sind in Sandstein ausgeführt. S

Düsseldorf, 18. Oktober. Die Enthüllung des

Denkmals weiland Seiner Majestät des Kaisers Wilhelm I.

fand, wie „W. T. B.“ berichtet, heute Mittag in feierlicher Meise statt. Eine zahllose Menschenmenge umsäumte den Festplah an der Elberfelder Straße, wo Schulen und Krieger- vereine R genommen hatten. Als Vertreter Seiner Majestät des Kaisers war der frühere General-Adjutant Kaiser Wilhelm?s L, General der Jnfanterie von Schweiniß, erschienen. Der Regierungs-:Präsident Freiherr von Rhein- baben hielt die Festrede, worin er einen Rückbli> auf das Leben Kaiser Wilhelm's 1. gab. Der Ober-Bürgermeister Lindemann übernahm für die Stadt das Denkmal und {loß scine Rede mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser. Unter Kanonendonner fiel die Hülle des Denkmals, welches den Kaiser zu Pferde, geleitet von den Genien des Krieges und des Friedens, zeigt. Nachmittags fand ein Fest- mahl in der Tonhalle, Abends ein Volksfest ebendaselbst sowie im Theater eine Festvorstellung statt. e

Bei dem Festmahl in der Tonhalle brachte der Divisions- Kommandeur Freiherr von Fun > den Trinkspruch auf Seine Majeslät den Kaiser aus, während der Regierungs- Präsident Freiherr von Rheinbaben des Vertreters Seiner Majestät des Kaisers, des Generals von Schweiniß, gedachte. Der General vonSchweiniß entbot hierauf der Festversammlung nochmals den Gruß Seiner Majestät des Kaisers und hob hervor, wie sehr ér überall treuer deutscher Gesinnung in Düsseldorf begegnet sei, dem er seine wärmsten Wünsche widme. Zuvor war bereits ein Huldigungs-Telegramm an Seine Mazestät den Kaiser unter jubelnder Begeisterung abge- sandt worden. Auf den Schöpfer des Denkmals, Professor Karl Janssen, brachte der Ober-Bürgermeister Lindemann ein Hoh aus. Zum Schluß gedachte der Abg. Dr. Beumer des Fürsten Bismar>, und die ganze Festversammlung stimmte begeistert in das Hoch auf denselben ein.

Wiesbaden, 18, Oktober. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland trafen mit Jhren Kaiser- lichen Hoheiten dem Großfürsten und der Großfürstin Sergius heute Vormittag 10/4 Uhr von Darmstadt hier ein und wurden von Jhrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Konstantin auf dem Bahnhof empfangen. Von dort begaben sh die Allerhöchsten und Höchsten Leuten ohne Aufent- halt in offenem Wagen durch die Stadt nach der griechischen Kapelle auf dem Neroberg. . Auf der Fahrt dorthin wurden die Majestäten von einer zahlreihen Menschenmenge, welche hinter dem Militärspalier Aufstellung genommen hatte, mit Hoch- rufen begrüßt. Jn der Kapelle bot der Propst Protopopow den Majestäten unter den feierlihen Formen des griechishen Ritus Brot und Salz dar. Nach dem Gottes- dienst begrüßte der Kaiser von Rußland den russischen Feld- marschall Grafen Gurkow, welcher mit seiner Familie an- wesend war. Dem Gottesdienst wohnten auch der russische Gesandte in Darmstadt von Ozerow mit Gemahlin sowie der russishe General-Konsul von Baumgarten und der Vize-Konsul von Struwe aus vailas a. M. bei. Von der Kapelle be- gaben sih der Kaiser und die Kaiserin von Rußland unter militärishen Ehrenbezeugungen seitens der Garnison zu der Großfürstin Konslantin, wo das Dejeuner eingenommen wurde. Nach dem Dejeuner kehrten die Majestäten na<h Darmstadt

zurü. Vayern.

Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe ist gestern Abend 8 Uhr 38 Minuten von Berlin in München eingetroffen und in seinem dortigen Palais abgestiegen.

Württemberg.

Der König hat, dem „Schw. Merk.“ zufolge, das Ent- lassungsgejuch des Justiz-Ministers Dr. von Faber genehmigt und den Staatsrath von Breitling zum Justiz-Minister ernannt.

Hessen.

Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, sowie Jhre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergius trafen gestern Nachmittag um 31/2 Uhr von Wiesbaden wieder in Darmstadt cin. Bald darauf unternahmen der Kaiser, der Großfürst Sergius und der Großherzog einen Spaziergang. Abends bésuchten die Majestäten und die anderen Fürstlichkeiten das Theater.

Me>lenburg-Strelitz.

Seine Königliche Hoheit der Großherz og beging vorgestern seinen 77. Geburtstag. Jn den Schulen des ganzen Landes wurde der Tag in herkömmlicher Weise gefeiert. Jn Neu- streliy fand eine Parade der dortigen Garnison statt. Die öffentlihen und Privatgebäude hatten reihen Flaggenshmu> angelegt.

Oesterreich-Ungarn.

Der Budgetausshuß des österreihis<hen Ab- gordnetenha es beschloß vorgestern bei der Berathung des Gesehes, betreffend die Bezüge der Hohshulprofessoren, nah längerer Debatte mit 18 gegen 6 Stimmen die Ver- staatlihung der Kollegiengelder. Der Unterrichts- Minister Freiherr von Gaut\<{< erläuterte die erd: der n en Gehalte an den Universitäten und trat für die erstaatlihung der Kollegiengelder ein, bei welcher die enorme Ungleichheit der Köllegiengelder einzelner Fuefeltoren (von 11 Gulden bis 11 000 Gulden) shwinden würde. Die efürhtung, daß durch die Verstaatlihung das Band zwischen Oesterreich und Deutschland werde zerschnitten werden, sei unbegründet. Die gewöhnliche Meinung, Oesterreich beziehe mehr Professoren aus Deutschland, als umgekehrt, sei unzutreffend. An sämmt- lihen deutschen Universitäten Oesterreichs seien zusammen nur 34 Dozenten, die niht in Oesterreich geboren seien. Der Minister hob schließli< die vortheilhaften ethishen Wirkungen der Verstaatlichung der Kollegien elder hervor. ;

Der ungarische Minister-Präsident Baron Ban ffy hielt gestern in Szilagy-Somlyo als frühérer Abgeordneter Und als Kandidat für die Abgeordnetenwahlen vor der Wähler- E eine Rede, worin er, wie „W. T. B.“ meldet, folgendes ausführte:

Er habe \tets seine Versprehungen eingelö\t. Keine Frage, deren Lösung er versprochen habe, fei ungelöst geblieben. Die kirhen- politischen Gesetze seien ins Leben getreten, und außer Agitatoren und Einzelnen, welche die Frage zu ihren eigenen Zwe>en ausnügten, gebe s niemanden im Lande, der nicht cinsehe, daß diese Gesetze ohne Ver-

leßung von Interessen und Gefühlen in Wirksamkeit getreten seien. Es sei unleugbar, daß die kirhenpolitishenKämpfe dieGemüther aufgeregt und Reibungen hervorgerufen hätten, welche weder dem Lande noch den etn- zelnen Konfe|sionenzum Vortheil E Die Regierung \tehe auf tem Standpunkte, daß der kirchenpolitishe Kampf keine ortsezung er- fahren folle; man dürfe dur neuerlihes Aufwerfen dieser Fragen niht neue Gegensäße provozieren ; darum seten jene Bestrebungen zu verurtheilen, welhe eine Revision der kirhenpolitischen Gesetze ver- langten. Der Minister-Präsident wies sodann auf das vom leßten Reichstag Geschaffene hin und bezeihnete es als Verleumdung, wenn die Opposition behaupte, daß der Reichstag nichts zu Stande gebracht habe. Der neu? Reichstag müsse nun die Steuerreform und die Ver- waltungsreform dur<führen. Baron Banffy ging sodann zu einer Erörterung der Ausgleichösfragen über; er sagte, die Regierung führe seit beinahe einem Jahre die Verhandlungen, und mit einem gewissen Erfolg. Viele Beschwerden seien beseitigt worden. Ec glaube, mit der nöthigen Energie, Ausdauer und unter Beachtung der Inter- essen des Landes werde es gelingen, die Ausgleichsfrage so günstig zu lôsen, d Sul Befriedigung der Interessen des einen Theils die des anderen Theils niht verlezten werde. „Wir müssen“, sagte der Minister - Präsident mit Bezug hierauf, „uns darüber klar sein, e wir in Gemeinsamkeit mit Oesterreih so leben sollen, daß die Interessen nicht in Gegensaß gerathen. Die Fragen müssen daher so gelöst werden, daß, was für uns gut ist, nicht für den anderen Theil \<le<t if, und was für Oesterrei gut ift, niht \{<le<t für uns ist.“ Doch müsse das Beide vereinende Band in der Weise geflohten werden, daß die Interessen und die Unabhängigkeit Ungarns gesichert würden. Die richtige Form sei im Jahre 1867 gefunden worden. Die seither verflossene Zeit beweise, daß Ungarn auf dieser Basis sich habe entwideln und erstarken können. Er (Redner) halte dafür, daß Ungarn es ni<t nöthig habe, Lasten auf si< zu nehmen, welche es nicht tragen könne und zu deren Uebernahme es niht ver- pflichtet sei. Darum sei die Forderung der Oesterreicher in der Quotenfrage unberechtigt, ungerechtfertigt und unbegründet. Dieser Forderung könne man niht Genüge leisten. Hieraus folge aber no< nicht, daß man schon heute sagen könne, wie die Lösung der Frage erfolgen werde. Ueber diese Frage könne man zur Zeit no< nit endgültig entsheiden. Die bisherigen Verhandlungen hätten noh nit festgestellt, wie hoh die ungarische Quote sein müsse; doc hoffe er (der Minister), daß die Fortsetzung der Verhandlungen eine ünstige sein werde. Und wenn auf der Grundlage, auf welcher die Verbandlingen bisher eführt worden seien, etne Lösung nicht zu stande komme, so werde früher oder später ein anderer Schlüssel gefunden werden, der es ermögliche, daß jeder der beiden Theile der Monarchie einen Beitrag leiste, der gere<t sei. Der Minister-Präsident betonte ferner, daß die Entscheidung der Krone in dieser Frage nicht angerufen werden dürfe. Denn der König, so führte der Minister aus, habe während der Jahrtausend- feier bewiesen, daß er mit seinem ungarischen Volke fühle, sih zusammen mit ihm freue und feiere. Habe do< der König in all seinem Thun und Lassen bewiesen, daß er dahin \trebe, daß Ungarn als unab- hängiger Staat zur Geltung komme und als solcher au vor dem Auslande erscheine. Darum dürfe man die Krone nit vor ein solches Dilemma stellen. Der Minister {loß mit dem Ausdru> der Hoff- nung, daß seine Wähler seine Ansichten theilen würden.

Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nach derselben fand ein Festmahl zu Ehren des Minister-Präsidenten statt, bei welhem derselbe Gegenstand sehr warmer und herz-

licher Kundgebungen war.

Frankreich.

Der Wiederzusammentritt der Kammern ist end- gültig auf den 27. d. M. festgeseßt worden.

Die Budgetkommission berieth am Sonnabend das Budget des Kriegs-Ministeriums. Der Kriegs-Minister, General Billot erläuterte dasselbe und hob hervor, daß das Budget im Ganzen 627 Millionen Francs aufweise, also 61/5 Millionen Francs weniger als im Jahre 1896. Der Bericht- erstatter Boudenoot licß den Bemühungen der Minister, Er- sparnisse herbeizuführen, Gerechtigkeit widerfahren, betonte je- doh, daß die Bureaux diese Bemühungen wieder zu nichte machten; es sei durchaus nothwendig, daß die e Ga sich streng zeige. Der Berichterstatter {{hlug weitere Erspar- nisse im Betrage von 13 Millionen Francs vor. t

Der Kriegs-Minister, General Billo t traf gestern Mittag ur Enthüllung des Denkmals in Briey ein, das zu Ehren des Militärarztes Maillot, des Erfinders der Anwendung von Chinin gegen Fieber, errichtet worden ist. Der Minister wurde beim Eintreffen von der Bevölkerung warm be- grüßt. Bei dem von der Munizipalität dargebotenen Bankett hob der Deputirte des Arrondissements Briey Mézières den Patriotismus der Grenzbevölkerung hervor. Der Kriegs-Minister erwiderte biéaut er habe sein ganzes Leben der Armee geweiht; darum fei er an die Grenze ge- kommen, wo er überzeugt sei, eine Vereinigung befreundeter Herzen anzutreffen. | j :

Der Minister des Jnnern Barthou hielt gestern in Oléron eine Rede, worin er die Bestrebungen des Kabinets Méline darlegte, welches, entgegen dem radikalen Kabinet, eine Annäherung der Parteien versucht sowie die Harmonie der offent- lihen Gewalten wiederhergestellt habe und rankreich den Preis der unershütterlichen Freundschaft einer großen Nation genießen lasse. Redner sprah sih alsdann offen gegen die Sozialisten aus, welche die Zerstörung der Freiheit, des individuellen Eigenthums und des Patriotismus erstrebten. Das Kabinet beabsichtige, den Kammern ein klares Programm praktischer Reformen vorzulegen; sobald das Parlament wieder zusammen- getreten sei, werde demselben ein Entwurf, betreffend die Reform der Gerichtsorganisation, sowie ein solcher, betreffend einen Steuernahlaß für die Landwirthschaft, zugehen. Alles dieses gehöre zu dem System der Dezentralisation. ;

Die gemäßigten Pariser Blätter sprechen sih be- friedigt über die Rede des Ministers des Jnnern Barthou aus, insbesondere über seine Erklärung, keinerlei Kompromiß mit den Sozialisten zulassen zu wollen. Sie erbli>en in seiner Rede das thatsählihe Programm des Ministeriums. Die radikalen Organe halten dieselbe für eine Kriegserklärung an ihre und die Fozialistische Partei ; Barthou habe damit die Konservativen verpflichten wollen.

Rußland. Die Großfürstin Peter Nikolajewitsh, Tochter des Fürsten von Montenegro, ist in St. Petersburg von einem Prinzen glü>li<h entbunden worden.

Spanien.

Der König, die Königin-Regentin sowie die Jn- fanfinnen Ware de las Mercedes und MariaTheresia sind gestern aus San Sebastian wieder in Madrid einge- troffen. Der Zug, deles Abfahrt, wie „W. T. B.“ berichtet durch die t E ner Dynamitpatrone ohne Zünder auf dem Bahnkörper be i Zwischenfall ein. Die Spißen der des durch AUIOn verhindèrten Mini Canovas del Casti

e Zumarraga verzögert wurde, traf ohne ehörden, mit Ausnahme

ster - Präsidenten o, waren zum Empfang der Königlichen

Familie am Bahnhofe anwesend.

Der Ministerrath hat beshlossen, den Unter-Gouverneur der Philippinen, General Ehaluce, welcher krank ist, durch einen anderen General zu ersegen. Am 12. November sollen 3000 Mann Verstärkungen unter vier Generalen nah den Philippinen abgehen. ;

Aus Gibraltar erfährt das „Reuter'she Bureau“, der ührer der dort eingetroffenen, nah Oran bestimmten eng- lischen Felu>e „Joven Enrique“ berihte, er sei zum Ein- laufen in Gibraltar gezwungen gewesen, nachdem sein Fr dd am 12. d. M. beim Kap Negro von Riffpiraten angefallen worden sei, welche die aus altem Metall bestehende Ladun und 1000 Dollars Baargeld geraubt hätten. Die Mannschaft sei, ea sie keinen Widerstand geleistet habe, nicht mißhandelt worden.

Portugal.

Die Königin-Mutter und Mr Beraon von Oporto sind gestern von Lissabon über Marseille na<h Nom abgereist. Die diplomatishen Beziehungen zwischen Portugal und Jtalien, welche längere Zeit unterbrohen waren, sind jeßt wieder aufgenommen worden. Wie „W. T. B.“ aus Lissabon berichtet, hat der portugiesishe Gesandte am italienischen Hofe de Carvalho si vorgestern auf seinen Posten zurü>begeben.

Griechenland. Acht Offiziere, welche wegen Desertion nach Kreta angeklagt waren, wurden vorgestern in Athen vom Militär- geriht mit vier Stimmen gegen eine unter dem lebhaften Beifall der Anwesenden freigesprochen.

Rumúänien.

Der Prinz und die Prinzessin Leopold vonBayern sind am Sonnabend Abend in Sinaia eingetroffen. Auf dem Grenzbahnhofe in Predeal hatten si der König Carl, die Königin Elisabeth, der Prinz und die Prinzessin M Dea ns von Rumänien, der Großfürst Boris

ladimirowits<h, der Erbprinz von Sachsen- Coburg und Gotha, der Minister-Präsident Sturdza, der Minister der öffentlihen Arbeiten Stoicesco und der deutsche Gesandte Graf von Leyden zum Empfang eingefunden. Abends fand im Schlosse Pelesh ein Galadiner statt.

Serbien.

Die Skupschtina ist am Sonnabend zusammengetreten und hat den Verifikationsaus\{huß gewählt. Nach Erledigung der Arbeiten desselben wird die Wahl des Präsidiums und die formelle Eröffnung erfolgen. Eine Thronrede wird, wie bereits gemeldet, niht gehalten werden. y

Montenegro.

Der Fürst, der Prinz Mirko, die Prinzessinnen Helene und Anna sowie der Prinz von Neapel und der Herzog von Genua sind heute unter begeisterten Kund- gebungen der zahlrei<h versammelten Volksmenge von Cetinje nach Jtalien abgereist.

Dänemark.

Infolge einer am 16. d. M. im olkething gemachten Aeußerung des Kultus-Ministers de ardenfleth, daß die Regierung den im vorigen Jahre gescheiterten Volks\<ul- gejeßentwurf in diesem Jahre dem Reichstag niht wieder vorlegen werde, kündigte vorgestern der Führer der linken Reformpartei Christensen-Stadie an, daß er demnächst einen solhen Entwurf einbringen werde.

Amerika.

Nach einer Meldung aus n vanna wurden die Auf- ständischen bei San Blas geschlagen und verloren in dem Gefeht 65 Todte. Von den Spaniern wurden zwei getödtet und mehrere verwundet.

Nr. 42 des „Centralblatts derBauverwaltung“, heraus- egeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, vom 17. Oktober, hat folgenden Inhalt: Amtliches: Dienst - Nachrichten. Nicht- amtlihes: Neue Anschauungen über Bliß, Blitgefahr und Blihz- ableiter. Das Henneberger Haus in Meiningen. Ueber die An- [lage von Vershubbahnhöfen. (Schluß.) Die Kanalisation von kleinen und Mittelstädten. Ober- und Geheimer Baurath Emil Rüppell in Köln {. Vermischtes: Wettbewerb für den Erweite- rüngsbau eines Rathhauses in Quedlinburg. Wettbewerb für ‘den Entwurf zu einem Rathhaus in Dessau. Wettbewerb um Ent- würfe für den Bau einer Straßenbrü>e über die Süder-Elbe bet Harburg. Das Weinhäusl auf der Berliner Gewerbe: Ausstellung. Stern-Zement-Macadam-Fahrbahnpflaster. Erprobung der alten Eisenbahnbrü>ke über die Emme bei Wollhufen. Dombau- meister K. K. Baurath Alois Hauser in Wien f.

Kunst und Wissenschaft.

Gestern früh is in seiner hiesigen Wohnung der Notar und Rechtsanwalt beim Kammergericht, Justiz-Rath M. Levy _Vor- sißender des Berliner Anwaltvereins, ermordet worden. Mit ihm ist einer unserer hervorragendsten Juristen aus dem Leben geschieden. Am 17. Januar 1833 zu Wollstein in der iegt Posen ae trat er nah Beendigung seiner Studien im Jahre 1853 als Auskultator in den Justizdienst ein, ließ ih später in Ges und 1872 in Berlin als Rechtsanwalt nieder, und seiner Begabung elang es hier bald, fich einen glänzenden Wirkungskreis zu \{haffen. Er wurde in den Vorstand der Anwaltékammer des Kammergerichtsbezirks ge- wählt, und die weiteren juristishen Kreise Deutschlands ehrten ihn dur die Wahl in die ständige Deputation des Deutschen Juristentags, welchem er zahlreiche, au<h im Dru> erschienene Gutachten und Referate erstattet hat. Seinen Ruf als einer der erften Prozessualisten Deutschlands begründete der im Jahr 1879 zum ersten Mal erschienene, in Gemeinschaft mit dem Geheimen Justiz-Rath von Wilmowski verfaßte „Kommentar zur deutschen Zivilprozeßordnung", der als der vollkommenste seiner Art allgemein anerkannt un» für Theorie wie Praxis fast unentbehrlih is. Schon die erste Auflage ‘des feht umfangrei Werks bereitete ihm eine führende Stellung in der prozeßrehtliden Literatur, die durch die weiteren Auflagen jüngst erschien die achte nur no<h befestigt wurde. In Gemeinschaft mit dem Geheimen Justiz-Rath vón Wilmowski bearbeitete der Verstorbene ferner die im hiesigen Vetlage von Franz Vahlen, erschienene Handausgabe der Zivilprozeßordnung und die Ausführungsgeseße zum Gerichtsy e gefeß und zur Zivilprozeßordnung. Allein verfaßte er noch eine Reihe kleinerer Arbéîten über Prozeß-, Grundbuh- und Handelsre<t.

N der Annahme des neuen Bürgerlihen Geseßbuhs für das Deuts Reich, über das er erst in jüngster Zeit f Anzahl.