1896 / 257 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

- Ae Sanitäts-Korps. Durch Verfügung des Kriegs- Min Ee Dr. Maier, Unterarzt vom 2. Pion. Bat., zur Disp. Miopetaeden entlassen. : j | eamte der Militär-Verwaltung.

17. Oktober. Krippner, Rath von der Intend. 11. Armee- Korps, zur Intend. der militärishen Institute verseßt. Hellmuth,

tend. Rath des D s, von der Funktion als Bei-

er bet der Intend. der militärishen Institute enthoben.

18. Oktober. Steichele, iher Geheimer Kriegsrath

und Intend. des 11. Armee-Korps, mit Pension in den erbetenen Ruhestand getreten.

X1Ux. (Königlich Sächfisches) Armee-Korps.

Offiziere, Portepee -Fähnrihe x Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im aktiven Heere. L: Oktober. v. Kirhb ah, Oberst und Abtheil. Chef im

M sterium, zum Kommandeur des 3. Feld-Art. Negts. Nr. 32 ernannt. Rosenmüller, Oberst-Lt. und Kommandeur des Train-Bats. Nr. 12, der Charakter als Oberst verliehen. Frhr. v. Friesen, Oberst-Lt. und etatsmäß. Stabsoffizier des 3. Inf. Regts. Nr. 102 Prinz-Regent Luitpold von Bayern, unter Be- förderung zum Obersten, zum Kommandeur dieses Regts. ernannt. Schneider, Oberst-Lt. und Bats. Kommandeur vom 7. Inf. Regt. Mint Georg Nr. 106, als etatsmäß. Stabsoffizier in das 9. Inf.

egt. Nr. 133, Kracke, Major und Bats. Kommandeur vom 8. Inf. Regt. Prinz Johann Georg Nr. 107, unter Beförderung zum Oberst- Lt., als etatsmäß. Stabsoffizier in das 3. Inf. Regt. Nr. 102 Prinz- Regent Luitpold von Bayern, versezt. Bartcky, Major à la suite des Kriegé-Ministeriums und Militär-Intend. des Armee-Korps, als Bats. Kommandeur in das 8. Inf. Regt. Prinz Johann Georg Nr. 107, v. Seydliß, Major und Abtheil. Kommandeur vom ‘9, Feld-Art. Regt. Nr. 28, als Abtheil. Chef in das Kriegs- Ministerium, verseßt. Oehme, Major und Bats. Kommandeur vom 3. Inf. Regt. Nr. 102 Prinz-Regent Luitpold von Bayern, unter Stellung à la suite dieses Negts., zum Militär-Intend. des Armee-Korps, Kaden, Major vom 2. Feld-Art. Regt. Nr. 28, zum Abtheil. Kommandeur, ernannt. v. Zezshwiß, Major von demselben Regt., von der Stellung als Battr. Chef enthoben. Frhr. v. Wirsing, Major aggreg. dem 7. Inf. Regt. Prinz Georg Nr. 106, als Bats. Kommandeur in dieses Neat. einrangiert. Die Port. Fähnrihe: Hille vom 4. Inf. Regt. Nr. 103, Martini vom Schütßen- (Füs.) Regt. Prinz eorg Nr. 108, Hennin p vom 10. Infanterie-Regiment Nr. 134, dler von der Planiy vom 2. Jäger- Bataillon Nr. 13, zu Second-Lieutenants be- fördert. f diet f Roth, Müller, Pramann, Unteroffiziere

vom 5. Inf. Regt. Prinz Friedrich August Nr. 104, zu Port. Fähnrichen ernannt. truve, Pr. Lt. vom 1. Köntas-Hus. Regt. Nr. 18, in das 2. Königin-Hus. Regt. Nr. 19, v. Meding, Pr. Lt. vom 2. Königin-Hus. Regt. Nr. 19, mit der Erlaubniß zum Forttragen seiner bisherigen Uniform in das 1. Königs-Hus. Regt. Nr. 18, verseßt. Wolfgang Graf zu Castell-Caftell, charafkterif. Port. Fähnr. vom Garde-Reiter-Regt., Frhr. v. Neitßenstein, Unteroff. von demselben Regt.,, Eßhel, Untercff. vom 2. Ulan. Regt. Nr. 18, zu Port. Fähnrichen ernannt. Mo sche, Hauptm. und Battr. Chef vom 3. Feld-Art. Regt. Nr. 32, in gleicher Eigenschaft in das 2. Feld-Art. Regt. Nr. 28, Richter I1., Pr. Lt. vom 1. Feld-Art. Regt. Nr. 12, unter Beförderung zum Hauptm., vorläufig ohne Patent, als Battr. Chef in das 3. Feld-Art. N Nr. 32, Nicolai, Pr. Lt. vom 2. Feld-Art. Regt. Nr. 28, mit der Erlaubniß zum Forttragen seiner bisherigen Uniform, in das 1. Feld-Art. Regt. Nr. 12, verseßt. Leonhardi, Port. Fähnr. vom 1. Feld-Art. Regt. Nr. 12, zum Sec. Lt. befördert. Die Unteroffiziere: Michaelis, Eberhardt vom 2. Feld-Art. Regt. Nr. 28, Scheerer, Käppler vom Pion. Bat. Nr. 12, Geyer von der 8. (Königl. Sächs.) Komp. des Königl. Preuß. Cisenbahn-Regts. Nr. 2, zu Port. Fähnrien, y. Sandersleben, charakteris. Oberst-Lt. z. D. und Bezirksoffizier beim Landw. Bezirk Dresden-Alts , zum Kommandeur des Landw. Bezirks Freiberg, ernannt. Kraßzert, Major z. D. und Bezirks- osfizier beim Landw. Bezirk Leipzig, der Charakter als Oberst-Lt. verliehen. Teichmann, charakteris. Major z. ©D. und Beiirksoffizier beim Landw. Bezirk T1 Chemnitz, in gleicher Eigenschaft zum Landw. Bezirk Dresden-Altst. verseßt. Im Beurlaubtenstande. 22. Oktober. Zocher, Pr. Lt. von der Res. des Fuß-Art. Regts. Nr. 12, Hennicke, Pr. Lt. von der Res. des Pion. Bats. Nr. 12, zu Hauptleuten, Tränkner, Sec. Lt. von den Jägern 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Schnee- berg, zum Pr. Lt., befördert. | Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. 22. Ok- tober. Kannengießer, charakteris. Oberst-Lt. z. D., unter Fort- gewährung der geseßlichen Pension und mit der Erlaubniß zum Tragen der Uniform des 4. Inf. Regts. Nr. 103 mit den vorgeschriebenen Abzeichen, von der Stellung ‘als Kommandeur des Landw. Bezirks Feelhera enthoben. Blohm, Oberft.Lt. z. D., zuleßt im 9. Inf. Regt. Nr. 133, die Erlaubniß zum Tragen der Uniform des 2. Gren. Regts. Nr. 101 Kaiser Wilhelm, König von Preußen mit den vor- eshriebenen Abzeichen ertheilt. Schmidt, Oberst und M ancaribéur des 3. Feld - Artillerie - Regiments Nr. 832, Meißner, Oberst und Kommandeur des 3. Infanterie-Regiments Nr. 102 Prinz-Regent Luitpold von Bayern, in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit Pension und der Erlaubniß zum Forttragen der bisherigen Uniform mit den vorgeschriebenen Abzeichen, Wittmer, Oberst-Lt. und etatsmäß. Stabsoffizier des 9. Inf. Regts. Nr. 133, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension und der Er-

laubniß zum Tragen der Uniform des 5. Inf. Regts. Prinz Friedrich August Nr. 104 mit den vorgeschriebenen Abzeichen, zur Visp. ge- stellt. Schuster, Sec. Lt. vom 1. Feld-Art. Regt. Nr. 12, zu den Offizieren der Res. dieses Regts. übergeführt. i

Im Beurlaubtenstande. 22. Oktober. Dr. Zimmermann,

5A Lt. von der Inf. 2. Aufgebots des Landw. Bezirks Großenhain,

unkelmann, Pr. Lt. von der Inf. 2. Aufgebots des Landw. Bezirks Leipzig, behufs Ueberführung zum Landsturm 2. Aufgebots, der Abschied bewilligt.

Im Sanitäts-Korps. 22. Oktober. Dr. Haferkorn, Assist. Arzt 1. Kl. vom 3. Inf. e Nr. 102 Prinz-Regent Luitpold von Bayern, zum Stabs- und Bats. Arzt des 3, Bats. 10. Inf. Regts. Nr. 134, Walter, Afsist. Arzt 2. Kl. vom 2. Gren. Regt. Nr. 101 Kaiser Wilhelm, König von Preußen; die Assist. Aerzte 2. Kl. der Res.: Dr. Haufe des Landw. Bezirks Dresden-Altst., Dr. Rumpelt des Landw. Bezirks Pirna, Degering, Dr. Lee, Dr. Barnick, Hillmann des Landw. Bezirks Leipzig,

roße 11. des Landw. Bezirks Plauen, Dr. Hesse, Assist. Arzt 2. Kl. der Landw. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Leipzig, Dr. Schnabel, Assist. Arzt 2. Kl. der Landw. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks Plauen, zu “Vie Aerzten 1. Kl., Dr. Schütte, Dr. Heise, Unterärzte der Res. des Landw. Bezirks Leipzig, zu Assist. Aerzten 2. Kl., befördert. Dr. Seifert, Stabsarzt der Res. des Landw. Bezirks Dresden-Altst., behufs Ueberführung zum Landsturm 2. Aufgebots der Abschied bewilligt.

Beamte der Militär-Verwaltung.

Durch Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 9. Ok- tober. Progte, Proviantamts-Aspir., unter dem 1. Oktober 1896 als Proviantamts-Assist. beim Proviantamt Leipzig angestellt.

Nichtamlsi§ßes.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 28. Oktober.

Seine Majestät der Kaiser und König und Seine e Hoheit der Prinz Heinrih von Preußen trafen, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Abend gegen 8 Uhr mittels

Sonderzuges in Essen ein. Um 814 Uhr fand in der Villa el des V ner Majestät des Kaisers Abendtafel statt.

Geheimen Kommerzien-Raths Krupp zu Ehren

Heute fi rvar: P Uhr begaben Sich Seine Majestät nah dem Panzerplatten-Walzwerk. Auf dem Wege dorthin bildeten Schulkinder Spalier, und eine große Volksmenge begrüßte Seine Majestät den Kaiser mit Jubelrufen. Die Häuser trugen reichen Flaggenschmuck, die Portale des Walzwerks waren m pforten umgestaltet. Seine Majestät besichtigten das Walzwerk auf das ein Ee und wohnten der Herstellung einer Panzerplatte bei. Gegen 12 Uhr begaben Seine Majestät der Kaiser Sih nah dem Rathhause in Essen, um einer Sißung des Magistrats und der Stadtverordneten beizuwohnen. Beim Verlassen des Walzwerks brachten die Arbeiter ein dreifaches Hoch auf Seine Majestät aus. Der Kriegerverein von Kronen- berg und die Feuerwehr bildeten an der Straße Spalier. Nach dem Besuch der Sizung im Rathhause nahmen Seine Majestät mit dem Geheimen Kommerzien-Rath Krupp im Beamtenkasino das Frühstück ein und befiGtigten sodann noch mehrere Abtheilungen der Fabrik.

Die vereinigien Ausschüsse des Bundesraths für Zoll- und Steuerwesen und für Justizwesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr hielten heute Sißungen. j

Nachdem die staatlihen Lehrer-Seminare durch Erlaß des Reichskanzlers vom 19. Februar d. J. als Lehranstalten an- erkannt worden sind, die gültige Zeugnisse über die wissenschaft- liche Befähigung für den einjäyrig-freiwilligen Dienst ausstellen dürfen, erhalten, einem Runderlaß des Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten an die Provinzial- Schulkollegien, vom 16. v. M. Q ge, künftig dié Seminar- Zöglinge nah bestandener Abgangsprüfung ein Zeugniß nah dem Muster 18 zu 8 90 der Deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888. Auf Grund dieses Nachweises können sie die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen. Hierbei ist Folgendes zu beachten.

Solche Lehramts3bewerber, welche diese Berechtigung zu erlangen wünschen, aber nicht in der Lage sind, die Entlassungs- prüfung bis zum 1. April ihres ersten Militärjahres d. i. des Kalenderjahres, innerhalb dessen fie ihr 20. Lebensjahr voll- enden, abzulegen, haben beim Eintritt in dieses Alter ihre Zurückstellung in Gemäßheit des 8 32, 2f der Wehrordnung unter Beifügung einer entsprehenden Bescheinigung E isher, Diese Zurükstellung kann von der Ersaß- ommission (8 29, 4b der |Wehrordnung) bis zum fünften Militärpflichtjahre genehmigt und geeignetenfalls in der Minifterialinstan noh verlängert werden (8 29, 7 Abs. 2

ajelvit).

Haben die zurückgestellten Seminaristen die Abgangs- prüfung bestanden und das Zeugniß über die wissenschaftliche Befähigung zum einjährig-freiwilligen Dienst erhalten, jo müssen sie sch behufs Erlangung der Berechtigung hierzu nah S 89, 7 der Wehrordnung unter Beifügung der übrigen in § 89, 4 derselben vorgeschriebenen Papiere \ ofort außer- aalen mit schriftlihem Gesuch an die Ersaßkommission wenden.

Seminar-Direktors bei der Ersaßkommission, wie schon zu beantragen.

Laut telegraphisher Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S. „Moltke“, Kommandant Kor- vetten-Kapitän Stiege, gestern in Gibraltar angekommen und beabsichtigt, am 31. d. M. nach Tanger in See zu gehen.

Oesterreich-Ungarn.

Jn dem Budgetausschuß des österreihishen Ab- geordnetenhauses begannen gestern die Verhandlungen über den Dispositionsfonds. Der Abg. Beer gab der Be- forgniß Ausdruck, die Regierung könnte in andere Bahnen ein- lenken, als die Programmrede angekündigt habe, und richtete an den Minister- Präsidenten die Frage, ob die Regierung interkonfessionele oder fkirchenpolitishe Gesezge ohne die Schulgeseggebung plane. Der Abg. Hallwig erörterte eingehend die Verhältnisse des deulschen Volkes in Böhmen in dea leßten Jahrzehnten ; er fragte, ob der Minister-Präsident gewaltthätige czehische Provokationen in Böhmen billige oder niht, und ob er gewillt sei,

ecignete entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um den den eutsch-Böhmen gewährleisteten nationalen Schuß ausgiebig zu sichern; ferner ob die Regierung bereit sei, bindende Erklärungen abzugeben, daß sie an der bestehenden Verfassung unershütterlih festhalte, somit eine Verfassungsänderung niht vorzunehmen gewillt sei, insbesondere keinerlei Kon- essionen in staatsrechtlicher Hinsicht zu gewähren beabsichtige. Der Abg. Ruß begründete ausführlich das Verlangen der Deutsh-Böhmen nach nationaler Abgrenzung und erklärte, ur Anbahnung der nothwendigen beiderseitigen Friedens- sitimang müsse die Negierung ihre bisherige Haltung ändern ; er verlange von der Regierung Aufklärung über ihr Verhalten gegenüber dem gan un Umfang der böhmischen Angelegenheit. Nachdem der Abg. Pacak die Erklärung abgegeben hatte, daß die Jungczehen weder für das Budget noch sür den Dispositionsfonds stimmen würden, führte der Minister-Präsident Graf Badeni aus : die Regie- rung könne sih nicht die wenigen kurzen Schlagworte irgend eines Parteiprogramms aneignen, ebensowenig könne sie auch mit der unbedingten Gofolgschaft einzelner Parteien rechnen. Eine derartige Regierung würde nicht dem R hen Staats- wesen entsprehen. Die Regierung müsse wiederholen, daß sie, zwar nicht über, wohl aber außerhalb der Parteien stehend, nah staatlihen Gesichtspunkten die eschäfte führen wolle, stets in Fühlung mit dea Parteien, niemals in Abhängigkeit von einer Partei. Umsoweniger könne sie ge- wisse extreme Losungsworte oder völlig unrealisierbare Forde- rungen zu den ihrigen machen. Die Regierung stehe unbedingt auf dem Boden der Verfassung und gehe absolut niht mit der Absicht einer Verfassungsänderung um. D Schul- und kirchen- politishen Fragen lehne fie jede extreme Richtung ab. TOReRS der Verhältnisse in den verschiedenen Kronländern sei eine einzige

das Land werde dem zustimmen ; die Regierung

Schablone unanwendbar. Die Anbahnung des nationalen Friedens müsse der Regierung als wichtigstes Problem gelten, und hierbei ei die Anwendung einseitiger Maßnahmen ausges{lossen. Die

egierung hoffe auf das baldige Anbrechen des Tages, wo die Ion Nationalitäten friedenébereit die vermittelnden Absichten der Regierung besser würdigen würden. Die Re- ierung habe vor allem die Absicht, dem wirklih unhaltbaren Zustande in Böhmen abzuhelfen. Diese Frage sei nur mit

akt und Wohlwollen lösbar, ohne Preisgabe einer Nationalität an die andere. Der Minister- Präsident drückte ferner den Wunsh nach einem Waffenstillstand beider Volksstämme Böhmens aus, wobei die Regierung nicht erst auf die hervor- ragende Bedeutung des deutshen Volksstammes in Böhmen bejonders hinzuweisen brauche. Hieraus sei zu entnehmen, daß die so sehr gefürhteten Abmachungen mit den Jungcezechen keine erheblichen Dimensionen erreicht hätten. Er würde für die Bekanntgabe eines geeigneten Mittels zur dauernden gele legung des nationalen Besißstandes überaus dankbar sein; dies hänge jedoch von anderen Faktoren ab. Der Minister-Präsident fragte, ob ein naturgemäßer wirthschaft- licher Wettkampf der Nationalitäten sich immer feindselig dokumentieren müsse. Die Regierung werde die unbestreitbare Rechtsgestaltung eines freien nationalen Lebens unparteiish wahren, die Eingriffe einer Nationalität in die Sphäre der andern verhindern; allein die Vertreter der beiden Nationalitäten müßten gleichfalls guten Willen bekunden und vor allem ihre allzugroße Empfindlichkeit ablegen. Die Regierung empfehle zur Verhinderung oder Milderung alles dessen, was

die Parteien, Nationen und Konfessionen trenne, die Fest-

haltung und Fortbildung des Einigenden, damit niht an- esihts der sozialen Aufgabe und sozialen Gefahren die fort- sBrellende Zeitgeshichte Alle in dem Stadium der Uneinigkeit und Zerfahrenheit, troß der vielfach rehtzeitigen Warnungs- zeichen, überrashe. Die Verhandlung wurde hierauf unter- brochen und die nächste Sizung auf Donnerstag anberaumt.

Großbritannien und JFrland.

Der Staatssekretär des Krieges Lord Lansdowne hielt gestern Abend in Leeds eine Rede, worin er sih, dem „W. T. B.“ ufolge, gegen ein gesondertes Vorgehen in der Türkei aussprach.

enn England eine solhe abenteuerlihe Politik verfolgte, so würde der Kriegs-Etat um Millionen überschritten und die Frage der Einrichtung eines Zwangsmilitärdienstes erwogen werden müssen. Die Regierung verlasse sich auf das euro- päische Konzert, welches sicher eine Lösung finden werde. Jn Beireff der Nil-Expedition sagte der Staatssekretär, es würde ein großer Fehler sein, zur Zeit weiter vorzugehen auf die Gefahr hin, die erlangten Erfolge einzubüßen.

Frankreich.

Der Ministerrath beshloß gestern, der Deputirten- kammer sofort den Geseßentwurf, betreffend die Kolonial- Armee, vorzulegen. Nach diesem Entwurf sollen die beiden Negimenter der Fremdenlegion in die Truppenverbände der Marine-Jnfanterie und Artillerie wieder eingereiht werden.

Bei Beginn der gestrigen Sißung des Senats verlas der Präsident Loubet das Telegramm, welches der Kaiser von Rußland von Pagny aus an den Präsidenten Faure ge- richtet hatte, und hielt dann eine Ansprache, worin er, dem „W. T. B.“ zufolge, ausführte, die Reise des russischen Herrscherpaares habe Frankreich Gelegenheit gegeben, den [Von alten Sympathien, welche auf der Gemeinsamkeit

er Gesinnung, der Bestrebungen und der FJnteressen seien, Ausdruck zu verleihen. Die Worte, welhe in Cherbourg, in Paris und in Châlons gefallen seien, hätten den Banden, welche beide große Nationen umschlängen, die endgültige Weihe gegeben. Die Verbindung habe bereits ihre wohlthätige, friedlihe Wirkung ausgeübt und. berehtige, betreffs einer weiteren Entwickelung des französishen Einflusses in dec Welt, zu den besten Hoffnungen. Der Regierung und dem Parlamente gereiche es zur Ehre, durch ihre Weisheit die Ereignisse, welche sich vollzogen, möglih gemaht zu haben. Das ganze Land bezeuge seine Freude über die bereits erzielten Resultate, und der Senat bringe dem Kaiser von Nußland seine Wünsche dar für den Ruhm seiner Regierung, für das Glü der Kaiserlihen Familie und für das Wohl- ergehen Rußlands. Der Justiz-Minister Darlan dankte unter einmüthiger Zustimmung des Hauses dem Prä- sidenten Loubet für die soeben gehaltene Rede. Der Senat lege den jüngsten großen Ereignissen ihren wahren Werth und ihre wirklihe Bedeutung bei; eine identische Kundgebung vollziche sih augenblicklich in der Deputirtenkammer. Das Einvernehmen werde die Politik der Regierung stärken, und

fprede hierfür ihre tiefe Dankbarkeit aus. Der Präsident Lou bet gedachte alsdann der verstorbenen Mitglieder des Hauses. Zu Ehren des jüngst verstorbenen Challemel-Lacour vertagte sih das Haus sodann.

Der Wiederzusammentritt der Deputirtenkammer voll- zog sih in größter Ruhe. Viele Deputirte fehlten. Der

räsident Brisson verlas ein Schreiben des Präsidenten aure, worin dieser der Deputirtenkammer das Telezramm mittheilt, welhes der Kaiser von Rußland ihm aus Pagny übersandte. Der Präsident fuhr alsdann fort:

„Die Deputirtenkammer, we!che seit 1881 in feierliher Weise die Sympathien Frankreihs für Rußland bekundete, wird bei Er- öffnung der Session dem erhabenen Herrscher ihren Gruß entbteten und an ihn sowohl wie die Kaiserin Wünsche für den Ruhm ihrer Negierung und das Glück ihres Reiches rihten wollen. Nach den Kundgebungen in Kronstadt und Toulon haben die Oktober: Festtage die Freundschaft zweier großen und stolzen Nationen sh von neuem festigen seben. Die Dichter, die Künstler, die Presse uno das ganze Polk haben diesen Einklang gefeiert. Die französische Demokratie hat bezeugt, daß unfere Staat: einrilhtungen weit davon entfernt find, den Geist der Folgerichtigfeit, der Beständiakeit, Ginheit und Einhelligkeit in ihren Zielen auszuschließen. In Pazuis, dessen Größe und Reiz das befreundete Herrscherpaar so tief empfunden und fo zartfühlend gerühmt hat, hat die aus ganz Franfkre'ch herbeigeeilte Menge das über ihr \{chwebende Bild des ganzen Vaterlandes reprä- sentiert. Ein Herz, ein Wille! Welch ein Schauspiel, welche Lehre, welch ein Quell des Vertrauens und der Hoffnung !*“

Die Rede wurde in ihrem ganzen Verlauf mit lebhaften Kundgebungen begleitet. Der Minister-Präsident Méline dankte dem Präsidenten Brisson für seine patriotischen Worte und führte aus, die Kammer habe dadurch, daß sie den Worten ihres O einmüthig beipflihte, die Bedeutung “dieser Kundgebung betonen wollen, welhe die Stellung Frankreihs dem Auslande gegenüber nur erhöhen ónne und gleichzeitig all die Kraft und die Autorität verleihe, welhe nöthig sei, um im Namen Frankreihs zu sprehen. Der Minister-Präsident {loß, er sei überzeugt, das

begründet

‘Land werde dem ebenso zustimmen, wie die Kammer. Auf den N des Ministers des Aeußern Hanotaux sehte die Kammer dann die Berathung der von einigen Deputirten der Rechten eingebrachten Jnterpellation über die Orient- Angelegenheiten auf den 3. November an.

“Der Minister des Junern Barthou brachte gesiern in der Deputirtenkammer vier Geseßentwürfe, betreffend eine Revision der Geseße über die Generalräthe und über die Verfassung der Gemeinden, ein. Die Vorlagen haben den Zweckck, eine Dezentralisation herbeizuführen und die Feger bestehenden Präfekturräthe durch 18 Bezirksräthe u erseßen.

s Das „Journal“ erklärt heute gegenüber der Meldung der „Petite République“, daß der Generalstab seg artig keine Verstärkung der Garnisonen des I. Armee-Korps vorbereite.

Ftalien. :

Jn Nom fand gestern Vormittag, wie „W. T. B.“ be- rihtet, auf der Piazza Barberini und der Piazza dell’ Jndependenza eine große Truppenrevue statt, welher der König, der Fürst von Montenegro, der Prinz von Neapel und andere Me bele A zu Pferde bei- wohnten. Jn dem Gefolge befanden fih die sämmtlichen fremdherrlihen Militär - Attahés. Die Königin, die Prinzessin von Neapel und die Königin Maria Pia von Portugal wohnten der Parade zu Wagen bei. Während des außerordentlich gut gelungenen Vorbeimarsches wurden die U von der anwesenden Menschenmenge lebhaft begrüßt. Die Bevölkerung brachte den Fürstlichkeiten auf dem Rücwege zum Quirinal begeisterte Ovationen dar. Am Abend ver- anstaltete der Stadtrath im Stadt-Theater „Argentina“ eine Gala-Soirée, zu welcher der König und die Königin, der Prinz und die Prinzessin von Neapel sowie die anderen Fürstlihkeiten ershienen waren. Alle offiziellen Persönlichkeiten waren zugegen. Die Allerhöchsten und Höchsten Hert schaften wurden bei ihrem Eintritt in die Königliche Loge mit den Klängen der italienishen Hymne be- grüßt, welche von den Anwesenden stehend angehört wurde. Die Huldigungen wiederholten si, als die Fürstlichkeiten um Milternaht das Theater verließen, und seßten sich auf der Straße fort.

d Arb von Montenegro, die Prinzessin Anna und der Prinz Mirko gedenken am Sonntag früh von Rom nach Brindisi abzureisen. Der Prinz und die Prinzessin von Neapel werden sih zu derselben Zeit nah Florenz be- geben. Der König und die Königin werden am Montag, in Begleitung der Königin Maria Pia von Portugal und des Herzogs von Oporto, nah Monza abreisen, wo leßtere einige Tage zu verbleiben gedenken.

Spanien.

Nach einer dem „W. T. B.“ zugegangenen Meldung aus Madrid sollen binnen kurzem 20 000 Mann nah Cuba ein- geschifffft werden.

as britishe Kanal-Geschwader ist bei Vigo vor Anker gegangen.

Türkei.

Von amtlicher türkisher Seite wird, wie „W. T. B.“ aus Konstantinopel erfährt, die Nachricht, daß eine Zwangs - kontribution beshlossen sei, für unrichtig erklärt. Die Regierung habe einfach eine freiwillige Sublteintion er- öffnet, um die nothwendigen Fonds zur Kompleitierung der Aus- rüstung der Truppen aufbringen zu können. Die Mohamedaner seien in erster Línie berufen, an der Subskription theil- zunehmen, an welcher jedoch au die Christen freiwillig theil- nehmen könnten.

Für die kleinasiatishen Sandschaks sind fünf christlihe Adjoints, Griehen, Armenier und Katholiken, ernannt worden.

Ein Erlaß des Großvezirs an die mit dem Sicher- heitsdienst betrauten Behörden besagt, daß in der leßten Zeit 60 Armenier aus dem Auslande eingetroffen und in die armenishen Stadttheile eingedrungen seien, wo sie die Be- völkerung aufgefordert hätten, ihre alten Quartiere zu verlassen und sich in die christlichen und europäischen Quartiere zu zerstreuen, da das Comité binnen 12 Tagen ein großes Komplott plane. Der Erlaß ordnet daher größte Wachsamkeit an.

Aus Athen wird berichtet, eine Bande von macedonishen Aufständishen unter dem Führer Takis habe bei Koryza ein längeres Gefeht mit türkishen Truppen gehabt. Es verlaute, 90 türkische Soldaten seien getödtet und 8 ge- fangen genommen worden. Takis beabsichtige, die Gefangenen gegen die in Monastir in Haft bcfindlihen Aufständischen aus- zuwechseln.

Serbien.

Der König hat sih, wie dem „W. T. B.“ aus Belgrad gemeldct wird, heute früh an Bord des serbishen Schiffes „Macwa“ nah Turnseverin begeben und wird von dort aus seine Reise nah Bukarest auf dem rumänischen Schiffe „Prinzi- pale“ fortsetzen.

Bulgarien,

Aus Sofia erfährt „W. T. B.“, sämmtlihe Führer der Opposition, darunter Grekow, Radoslawow, Karawelow und Zankow, hätten in einer vorgestern abgehaltenen Konferenz beschlossen, bei dem Tien s cine gemeinsame Audienz nachzusuchen, um denselben zu bitten, für die Zeit der Neu- wahlen ein provisorishes Koalitions-Ministerium zu bilden, damit eine gerechte Durhführung der Wahlen gesichert werde.

Asien.

Der „Army and Navy Gazette“ zufolge umfaßt der neue Schhiffbauplan der japanischen Regierung 4 Scchlachtschiffe, 4 Kreuzer 1. Klasse, 3 solche 2. und 2 3. Klasse, 3 Torpedo-Kanonenboote, 11 Torpedobootsjäger und 23 Torpedoboote 1. Klasse. Davon sollen 3 Schlachtschiffe, 2 Kreuzer 1. Klasse, 1 Kreuzer 2. Klasse, 1 Kanonenboot, 4 Torpedobootsjäger und 4 Torpedoboote im Auslande gebaut werden.

Afrika.

Eine in Lissabon eingetroffene amtlihe Depesche aus Loanda meldet, daß Eingyeborene von Bendo, welche eine Expedition von Regierungsträgern, die nah Cuando (?) be- stimmt gewesen sei, angegriffen hätten, von der Expedition defiraft worden seien. Während des heftigen Kampfes, der mehrere Tage gedauert habe, seien 24 Dörfer mit 200 Hütten in Brand gesteckt worden. Dabei seien ungefähr 100 Neger ge- tödtet und viele verwundet worden.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zrr Arbeiterbeweaung.

Aus Stettin wird dem „Vorwärts“ zum Ausstande der dortigen Maurer berichtet, daß die Forderung von 424 „4 Stunden- lohn von 43 Unternehmern bewilligt worden ist; 52 Unternehmer giebt es in Stettin überhaupt nur. Für den früheren Lohn voa 373 bis 40 arbeiten noch 65 Maurer. 730 Maurer erkalten den geforderten Lohn. 60 Arbeiter find noch ausständig. (Val. Nr. 252 d. Bl.)

In Gevelsberg haben, wie die „Rh. - Westf. Ztg.“ meldet, die an der Wasserleitung beschäftigten Erdarbeiter wegen Lohn- streites die Arbeit uiedergelegt.

Aus Berlin wird zum Ausstand der Lithographen und Steindrucker mitgetheilt, daß die Nachricht, die betheiligten Fabri- kanten hätten besblossen, sämmtliche Arbeiter auszusperren, fals it. In sämmtlichen Fabriken wird der Betrieb fortgeseßt. Es soll nah der „Vofs. Ztg.“ ferner unwahr sein, daß der Ausstand den Arbeitern aufgezwungen worden ist. Der Dur(hschnittsverdienst bei 8- bis 9 E Arbeitszeit tellt sich für die Drucker der chromo- [ithoaraphishen Anstalten auf 294 4, für Präger auf 254 #4 und für Prägerinnen auf 19 4 15 §. Für Veberstunden erhielten die Lohnarbeiter einen Zuschlag von 25 v. H. Nach einer Mittheilung Be 6s P BT) beträgt die Zahl der Ausständigen jeßt 3000. (Vgl.

r. ¿DL

Kunst und Wissenschaft.

Der Minister der geistlihen, Unterrihts- und Medizinal - Ange- legenheiten hat in einem Runderlaß vom 16. v. M. die Regierungs- Präsidenten ermächtigt, os über Anträge auf Abbruch von Bau-

‘lichkeiten von fünstlerishem, geschichtlichem oder sonst wissenshaftlichem Werth (einshließlih der Kirchen, Stadtmauern, Thore und Thürme 2c.) sowie auf baulihe Veränderungen an folhen selbständig zu entscheiden, sofern ihr Urtheil über die Bedeutung des betreffenden Gebäudes mit der einzuholenden gutahtlihen Aeußerung des Provinzial-Konservators übereinstimmt. Bei Meirungsverschie- denheiten sowie in befonders zweifelhaften oder wichtigen A ift au in Zukunft die Entscheidung der Zentral-Instanz einzuholen.

Aus den neueren Ausgrabungen in Mykene wird, der M. „Alla. Ztg.“ ufolge, in dem leßten Heft der „Ephemeris archaiologike“ von Ifundas ein sehr werthvoller Fund ver- öffentliht, eine Grabstele aus Sandstein, die in einem der in den Fels getriebenen sogen. Kammergräber zum Verschluß einer kleinen Nebenkammer diente. Vorher war sie bereits zweimal verwendet: zuerst war sie mit kreisförmigen und geradlinigen Drnamenten in Flachrelief sculpiert gewesen, die jeßt an dem oberen Ende noch sichtbar sind; dann wurde sie mit einer Stuckschicht überzogen, die eine ziemlich wohlerhaltene Malerei in hellen Farben (Roth, Blau, Gelb) trägt. Auf einem unteren Streifen sind vier Hirsche (die Beine roth, die Körper blau, die Geweibe gelb) und ein Stachelshwein dargestellt, darüber fünf Krieger mit Schilden und Lanzen, und in dem obersten Streifen die Reste zweier sitzender Gestalten. Leider ist das oberste Stück bei der Vermauerung in das Grab abgeschlagen worden oder {on verloren gewesen. Das Hauptinteresse knüpft \sich an die Darstellung der Krieger, weil diese fas genau übercinstimwend auf einer ebenfalls in Mykene gefundenen großen Thonvase wiederkehrt. Man hatte in neuerer Zeit diese Vase wegen der eigenartigen Form der Schilde, welche die Krieger tragen, in eine jüngere Zeit seßen wollen, was dur den neuen Fund widerlegt wird. Es wird durch ihn bewiesen, v man fchon gegen das Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. innerhal des mykenishen Kulturkreises niht nur den großen, den ganzen Mann deckenden „Thurmschild“ kannte, der an einem Riemen um die Schultern getragen wurde, sondern au \ch{on einen fkleineren, von der Schulter bis zum Knie reihenden Rundschild, der mit Hilfe eines Handgriffes im Innern regiert wurde. Diese Schildform, die nah den Zeugnissen der Schriftsteller in dem konservativen Sparta noch bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. üblih war, is die Vorstufe zu dem gewöhnlihen kleinen griehischen Rundschild, der innen neben der Handhabe noch einen Bügel zum Durchstecken des Unterarms hat. Das wichtigste aber is, daß die Schilde, wie sie die Krieger auf der Grabstele tragen, nah den Ausführungen von Tfundas denen entsprechen, deren sich die homerishen Helden bedienen. Der Fund giebt also einen neuen Anhaltspunkt zum Ver- ständniß der Gedichte Homer's. Auf der Burg von Mykene ferner hat Tsundas kürzli einen lebensgrcßen unbärtigen Kopf aus Poros (Muschelkalk) mit Stucktüberzug und trefflich erhaltener Bemalung gefunden, der der mykenishen Epoche angehören soll. Eine Sculptur aus dem gleichen, in der Nähe von Mykene vor- kommenden Material, aber der ältesten griehishen Zeit an- gehörig, ist vor einiger Zeit von Professor Furtwängler im Baye- rishen Yational-Museum entdeckt und in der Glyptothek aufgestellt worden. Es wird abzuwarten fein, ob der neu gefundene Kopf nicht vielmehr auch ein E Werk i}, da große Rund- werke aus der mykenishen Epoche bisher niht bekannt find. Jn Thefsali en sind neue Kuppelgräber zu Tage gekommen, von denen eines leider in einen Kalkofen verwandelt wurde, che eine wiffsen- shaftlihe Untersuhung stattfand, während zwei andere in der Nähe von Larissa von dem griechis{en Ephoros der Alterthümer Leornados noch mit ihrem vollen Inhalt an Thongefäfen vorgefunden wurden. Da diese Vasen nicht der mykenishen Keramik angehören, sondern die sogenannte gcometrische Dekorationsweise zeigen, so versprehen die Gräber ein witiges Bindeglied zwischen der mykenishen und der ältesten griehischen Kulturepoche zu werden.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

London, 28. Oktober. Nach ciner vom „W. T. B.* wieder- gegebenen Meldung des „Daily Telegraph“. aus Kairo sind unter den Mannschaften des North-Staffordihire-Regiments seit dessen Rück- kehr nah Kairo 126 Fälle von Erkrankungen an gastrischem Fieber vorgekommen; in den leßten drei Tagen sind 5 von den Erkrankten gestorben.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Nuhr und Oberslesien. An der Ruhr sind am 27. d. M. gestellt 12 408, nicht rechtzeitig gestellt 1486 Wagen. In Oberschlesien sind am 27. d. M. gestellt 5424, nicht recht- zeitig gestellt 160 Wagen.

Nach dem Geschäftsberiht der KalkerBrauerei-Aktien- Gesellscaft vorm. Jos. Bardenheuer in Kalk für das leßte Geschäftsjahr gelangen von dem Reingewinn von 164124 46 (im Vorjahre 133 424 A) 18206 A (1895 16671) zur Rüdlage, 10 000 6 wie im Vorjahre zur Spezialreserve, 18977 M (16 739) werden als Gewinnantheil und 108 000 A (94 500) als 8 9/6 (7 9%) Dividende bei 22 365 4 (im Vorjahre 13 424) Neuvortrag verwendet. Der Bierabsabsay betrug 48 094 h1 gegen 44 267 hl pro 1894/95.

Verdingungen im Auslande.

Dänemark.

13. November, 1 Uhr. Staatobahn-Verwaltung (Tralikchefens Contor) in Aarhus: Lieferung von ca. 5 Jacken, Westen, Winter- überziehern für Bestmänner und ca. 65 Paar Beinkleidern für Ma- trosen, ca. 48 wollene Hemden (Franklin Froks), ca. 48 Marine- Mügten, ca. 40 Regenmänteln und Südwestern. Bedingungen er- hältlih und Modelle zur Ansicht an Ort und Stelle.

13. November, 1 Uhr. Staatsbahn-Verwaltung (Söfartschefens Kontor, Reventlowsgade 16) Kopenhagen: Lieferung von ca. 30 Jaden, Westen und Beinkleidern für Bestmänner und ca. 170 Paar Beinkleidern für Matrosen, ca. 170 wollenen Hemden (Franklin

Froks), ca. 170 Marine-Müßen, ca. 90 Regenmänteln und Süd-

western, Bedingungen an Ort und Stelle und beim „Reichs-Anzeiger (in dänisher Sprache). Modelle zur Ansiht an Ort und Stelle. 4. Dezember, 12 Uhr. Magistrat (Magistratens 4de Afdeling, Lavendelstraede 1) Ropenbagen: Für die Anlage einer elektrischen Statim in Kopennagen Lieferung einer Dampfkesselanlage, des mechanischen und eleftriihen Theils der Anlage und des A Bedingungen und Pläne erhältlih auf dem Komtor der elektrischen Station, Gothersgade 30, gegen d I von 50 Kronen, die bet (Finliefecung eines Angebots zurüdckerstattet werden. s

Verkehrs-Anstalten. :

Der „Verein für Eisenbahnkunde“ in Berlin hat, dem „Gentralbl. der Bauverw.“ zufolge, zwei Preisaufgaben zur Bearbeitung gestellt: 1) Systematishe Darstellung und falihe Würdigung der zur Mefsung und Ueberwachung der Zuggeshwindig- keiten angewandten Mittel ; 4 Der Wettbewerb zwischen den deutschen Eifenbahnen und Wasserstraßen, in tehnisher und wüthschaftlicher Beziehung - dargestellt für die Jahre 1875 bis 1895. Für die erste Aufgabe i} ein Preis von 500 #4, für die zweite ein solher von 1500 Æ ausgeseßt. Bewerbern werden Programme und nähere Be- dingungen von dem oben genannten Verein, Berlin W., Wilhelm- straße 92/93, auf Verlangen zugesandt.

Glüdckstadt, 27. Oktober. (W. T. B.) Der Fährbetrieb zwishen Karolinenkoog und Tönning-Hafen is bis auf weiteres, zunähst zur Vermittelung von Personen- und Gepädverkehr, wieder aufgeno:umen worden.

Bremen, 28. Oktober. (W. T. B) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Saale“ is am 26. Oktober Nachmittags in New-York und der Dampfer „,Löwenburg“ am 27. Oktober Morgens in Antwerpen angekommen. Der Schnelldampfer «Kaiser Wilhelm Il.“ hat am 27. Oktober Vormittags Gibraltar passiert. Der Reichs. Postdampfer „Darmstadt * hat am 26. Oktober Nachmittags die Reise von Southampton nah Genua fortgesegt. Der Reichs-Postdampfer „Sachsen“ ist am 26. Oktober Nachmittags in Suez angekommen.

_ Hamburg, 27. Oktober. (W.T. B.) Hamburg-Amerika- Linie. Der Postdampfer „As cania* is gestern in St. Thomas eingetroffen.

London, 27. Otober. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Tartar“ ist auf der Heimreise gestern in Southampton an- gekommen.

28. Oktober. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Harleh Castle“ ist heute auf der Ausreise von London ab- gegangen.

Rotterdam, 27. Oktober. (W. T. B.) Linie. Der Dampfer „Edam*®* is gestern Y ork angekommen.

Theater und Musik.

j Berliner Theater.

Das dreiaktige Lustspiel „Renaissance®* von Franz von Schönthan und Franz Koppel-Ellfeld, welches gestern zur ersten Aufführung gelangte, brachte den Verfassern und dem Theater, obgleih der leßte Akt niht so dur{schlagend wie die beiden ersten wirkte, einen vollen Erfolg. Die frohsinnige und gemüth- volle Stimmung, welche die keiden ersten Aufzüge des Vers- lustspiels erzeugt hatte, erwies sih stark genug, um die Schwächen der leßten auszugleichen. -Die ihter versuchen, einen Schimmer der Zeit der Renaissance mit ihrem Schönheitsjinn und ihrer heiteren Lebensfreude in dem Lustspiel wieder erstehen zu lassen, und zur Erreichung dieses Ziels sind ihnen alle Mittel avch niht ganz einwandfreie recht gewesen. Die Handlung spielt im seckch- zehnten Jahrhundert auf dem Schlosse der Marchesa di Sansavelli im Sabinergebirge. Die Pracht und künstlerishe Anordnung des Schloß- gemachs, der glanzvolle Tag oder das leuchtende Abendroth, die So Berg und Thal verklären, der shimmernde Reichthum der Gewänter wirken mit der s{önen flüfsigen Verssprache zusammen zur Veranschau- lihung freier, gehobener Daseinsbedingungen der Perfonen der Handlung. Die Gedanken und Empfindungen der Menschen, die in diesem „Poefielande" wohnen, der s{chôönen frommen Wittwe, Marchesa Gennara, des stolzen Malers, der ihr Herz gewinnt, ihres jungen Sohnes Vittorino, der die ersten Regungen der Liebe em- pfindet, und des alten Paters Bentivoglio, der sie ihm deutet, lassen freilich etwas von der Kraftfülle der Renaissancezeit vermissen und muthen mehr wie Personen aus dec Rococozeit an; aber doch gewinnen sie mit ihrer Zartsinnigkeit und Feinheit und mit den von wirklicher Poesie ecfüllten Seelen unsere ganze und volle Theilnabme. Die Handlung is sehr unsheinbar. Die Wantlung des frommen Wittwenberzens zur Lebensfreude, zu der sie der fröhs lihe Maler herüberlockt, tritt zurück gegenüber dec Gestaltung des Charakters des jungen Vittorino. Seine innige Verehrung für seine s{chôöne Mutter, das Erwachen der ersten Liebesregung, das in einer ebenso heiteren wie decenten Scene geschildert ‘wird, dann der leidenschaftlihe Schmerz des noch knabenhaften Jünglings, als er das Herz der Mutter nicht mehr allein besigen fann, und zuleßt die ent- \{lossene vnd wehmüthige Regung, die ihn treibt, fern von dem bräutlihen Paar feinen Kindes\hmerz in künstlerishem Streben zu besiegen, alles das wird kraftvoll, stets mit fröbliher Laune und zarter Empfindung gezeichnet. Die s{öne Wirkung des ganzen Lustspiels wurde s{ch{ließlich etwas beeinträGtigt dur die unerfreulihe Liebe8we: bung einer jungen gefallsüchtigen Dienerin der Marchesa um cinen pedantischen Schulmeister. Die Darstellung des Lustspiels darf durchaus tadellos genannt werden. Fräulein Poépisil gab die Rolle der jungen Wittwe mit vornehmer Anmuth und warmem mütterlichen Gefühl. Frau Prash-Grevenberg rückte dur die Einfachheit und Frishe ihrer Charakteristik die Figur des Vittorino bedeutsam in den Vordergrund. Fräulcin Schroth war eine zierliche Liebeswerberin und Frau Droescher gab ein rômisches Modell mit feurigem Temperament. Die Rolle des Malers wurde von Herrn Sommerstorff durch Frohmuth und gefälliges Wesen sehr wirkungsvoll gegeben. Herr Schindler gestaltete den pedantishen Schulmeister sehr geshickt, und geradezu ein Kabinetsftück feiner und [ebens8wahrer Charakteristik lieferte Here Pohl als der alte, behag- lihe Pater Bentivoglio. Nah jedem Aktshluß erscholl ftürmischer Beifall und_ rief neben den Darstellern auch einen der Dichter, Franz von Schönthan, auf die Bühne.

| Schiller-Theater.

Mit der vorgestrigen Erstaufführung von Otto Erich Hart- leben’s vieraktigem Schauspiel „Ein Ehrenwort* hat das Schiller-Theater den Nachweis erbracht, daß es durc:aut den Vergleich mit Bühnen erster Ordnung aushalten kann. Mehr und mehr shwindet auch in literarishen und theaterkundigen Kreisen die Anschauung, E die billigen Eintrittsyreise der Volksbühne in der allnertheaterstraßze auch minderwerthige Vorstellungen bedingen müßten, mehr und mehr kommen die Bühnen schriftsteller zu der Ueberzeugung, daß sie der fleißigen Leitung, der umsichtigen Regie und dem wohlges{chulten Ensemble des Theaters die Erstaufführung ihrer Werke mit guter Aussiht auf Erfolg an- vertrauen können. Andererseits aber läßt es die Direktion an dem nöthigen Eifer nicht fehlen, aus der arne Masse moderner dramatischer Produktion Mens berauëzusuhen, was der Auf- führung werth erscheint; leßterer Fall liegt enannten Schauspiel vor. Dasselbe wurde vor längerer Zeit einmal n Breslau aufgeführt, ohne jedoch bisher seinen W-g auf eine Ber- liner Bühne zu finden. Das Wagniß der hiesigen Erstaufführun im Schiller-Theater ergab ein glänzendes Resultat; es muß fe}tgestell woerden, daß das Stück vom ersten bis zum leßten Akt die Qulbaues fesselte und zu lebhaften Beifallskundgebungen veranlaßte. Dies ift um fo bemerkenéwerther, als das Schauspiel durhaus niht an das Gefühl, sondern fast lediglih an den Verstand des Zuschauvers appelliert; es ist ein Thesenstück, in welchem ein feststehender m chec Ghrbegriff, ähnli einer mathematishen Formel, in einer gewissen Kombination anscheinend anfehtbar wird. Eine befriedigende Lösung fre

olland-Amerika- ormittag in News

bei dem oben-