1917 / 231 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Bulgarischer Bericht.

Sofia, 27. September. (W. T. B.) Generalstab3- bzriht vom 27. September. : i

Magzedonishe Front. Die Artillerietätigkeit war ein wenig lebhafter auf der T\chervena Stena, auf beiden Ufern der östlihen Cerna und westli<h des Doiransees. Eine feindliche Kompagnie, die östli<h Dova Tepe vorrüdLte, rourde dur< Feuer empfangen, zurü>geworfen und zerstreut. Im Strumätale Patrouillentätigkeit.

Rumänische Front. Eine unserer Batterien beschoß mit Erfolg feindlihe Vorbereitungen im Dorf Kartal.

Türkischer Bericht. Konstantinopel, 26. September (W. T. B.) Amtlicher

Tagesbericht. Kaukasusfront: Ueceberfallversuche kleinerer feindlicher Abteilungen scheiterten. Jm übrigen nur Patrouillenkämpfe.

__ Sinaltfront: Eine unserer Patrouillen drang bis zum feindlichen Graben vor und erbeutete Material und Schanzzeug. __ Euphratfront: Eine feindliche Kavallerieshwadron, die sih unseren Abteilungen näherte, zog sih in unserem Feuer unter Verlusten zumü>.

An deu übrigen Fronten keine besonderen Ereignlsse.

Konstantinopel, 27. September. (W. T. B.) Amt- liher Tageéz3bericht vom 27. September.

Euphratfront: Jm Nücken des Gegners griffen unsere Truppen eine feindlihe Proviantkolonne an . und erbeuteten 400 mit Nahrungsmitteln beladene Tiere. /

Tigrisfront: Am Morgen des 24. September zwang Offizierstelloertreter Reyner im Luftkampf zwei feindliche Flugzeuge, die unsere Stellung überflogen, zum Nledergehen. Die ens, der ‘heiden Flugzeuge fiel unverwundet in unsere Hand.

Kaukasusfront: Angriffe kleiner feindliher Abteilungen wurden zurü>geshlägen. Eins unserer Flugzeuge belegte die feindlichen Fliegerlager wirkungsvoll mit Bomben. :

. Sinaifront; Beiderseitge heftige Feuertätigkeit. Eine Kompagnie feindlicher Aufflärer geriet in unser gut liegendes Artilleriefeuer und erlitt blutige Verluste. Jm übrigen keine besonderen Ereignisse.

Der Krieg zur See.

Berlin, 27. September. (W. T. B.)

Jm Aermelkanal und in der Nordsee wurden dur< unsere V-Boote wiederum 4 Dampfer, 2 Segler,- 1 Fischerfahrzeug versenkt, darunter drei englishe Dampfer, von denen zwei aus Geleitzügen heraus- geschossen wurden, ferner der englishe Segler „Hinemoa“ (2283 t) und daâs--Fischerfahrzeug „Familys Braide“. Der andere - versenkte Segler, eine große Bark - von über 2000 t, hatten Stückgut nach Le Havre geladen. -

Der Chef. des Admiralstabes der Marine.

KriegssMhifföverluste unserer Feinde in den ersten

; drei Kricgsiabren. A : Englische Gefamtverluste .. . . . . rund 661300 t und zwar : Linienschiffe 13 mit zusamwen . rund 215 200 t

Panzerkreuzer 17 mit zusammen .. . . rund 253 600 & Eeschüßte Kreuzer und U-Bootbwehr- lreuzer 26 mit zusammen... rund 107 800 &

Kanonenboote, größere, 6 mit zufammen - . rund 3400 Torpcdofabrzeuge 74 mit zusammen . . ‘rund 60000

U-Boote 29 mit zusammen... .... rund 21 300 t außerdem mehrere fleinc Kanonenboote und 33 Hllfskreuzer. /

Französishe Gesamtverluste. .. .. rund 101 009 t und zwar: Linienschiffe 4 mit zusammen . . .* 54400 t Panzerkreuzer 3 mit. zusammen ....,.. 25100 6 TU-Bootésabwehrkreuzer 1 uit 6 1300 t Kähnonenboote 2 mt a aae ao a oe 1300 t Torpedofahrzeuge 25 mit zusammen . . . rund 12000 t U-Boote 12 mit zusammen. . . .. « „rund 6400 t

“außerdem 12 Hilfskreuzer.

Nussishe Gesamtverluste.. . . . . „rund 71810 t und- zwar Linienschiffe 2 mit zusammen. . .. 35300 b

Besi tebtr 1 mit zusammen ....., 8000 t eshüßte Kreier 1 mit... 3180 b Kanonenboote 4 it 4380 & Tolpedofahrzeuge 13 mit zusammen. . „rund 9700 t ÜÚnteiseeboote 6 mit zusammen . ..…., rund 8000 t Sireu-Minenschiffe 2 mit zusammen... 8250 t, Jtal ientifhe Gefamtverluste. ..... «76450 & und zwar “Linienschiffe 3 mit zusammen .., 49300 t Panterkreuen 2 mit zusammen 17750 t orpédofahrzeuge 11 mit zusammen . . „rund 5900 6

U-Boote 9 mit zusammen , 7... « „tund 5500 t außerdem 3 Hilfskreuzer. . i Japyanishe Gesamtverluste. . .. ,. . . , 823826 & und- zwar : Paänzerkreuzer 1 mit... . 14000 6 ges<üßte Kreuzer 2 mit O S SIOIGOD O Torpedofahrzeuge 3 mit zusammen... rund 1100 t Unterseebooe 1 mit „e e 125 t Vereinigte Staaten von Amerika. . geshüßzte Kreuzer „Olympia® mit... .. 66004 und Untersccboot „A mit _. . . , rund 125 6 Portugal. i ¡ f 1 Flußkaronenkoot und 1 Mincnsu<hfahrzeug-

Ruinänien. _- 8 1- Kanonenboot und 1 Torpedoboot.

Handél- und Gewerbe.

Ju der beutigen Sißzung des Zentralausschusses der Reichs bank besprach der Vorsißende, Vizepräsident des RNeichs- bankdirektoriums Dr. v. Glasenapp, die neuesle Wochenübersicht und führte aus, daß die Lage der. Reichsbank nach - wie vor befriedigend. sei. t S

(Weitere Nachrihten über „Hantel u. Gewerbe“ [. i. d, Ersten Beilage.)

Atti rmrmper Serre D

Wohlfahrtspflege.

um 50j¿hrigen Jubiläum der Anstali Bethel. Die vor Bu Toren B.elcf1ds gelegenen Anstalten sind beute überall [8 Deutf<hland und wett darüber hinaus bekann!. Wohl nirger.d3 in der Welt gibt es elne Zufluchtssiätt2 bon Kranken und H:imailosen, die so groß rnd mannigfaltig ist. Darum werden in diesen Tagen, in denen Bethl sein 50jähriges Jubiläum fetert, viele dankóar 1üd- wärts bliden auf jene ersten Anfänge dec Arbeit und auf die einzigartige Entmi>lun dieses Werkes der <hrisilihen Barmderzigkeit. Auf tem Stetakampschen Hof im Kantensiet:ale unterhald des Sparenberaes zur Aufnakme von zunä<bst 12 Kra:.keu begründet, wurde die Ansialt am 6. November 1867 feizclich ein- ceweiht. Sehr bald zcigte ih, daß die Aufgabe giöäer war, als man geglaubt hotie. An eine Heilansialt und Bildungestäite süc epileptis>e Kinder batte wan zuerst gedacht. Siaîtt dessen baten Kranke jeden Alt-rs, Geschlehtes und. Krankhei:8grades um Aufnabme, viele darunter schr pflegebedürftig uad kaum mehr arbeitsfähig, ui>t wenige andere, die hoffter, r.iht nur cine reue imat, sondern au< befriedigende Arbeit zu finden. So reivie bald der Plaß im erfien Hause richt mehr aus, und es wurde ein großer Neubau begorren. Bald darauf tiat ais YAn- ftaltegeistli>er in die Arbeit an den Ep!l-p:tihen der Mann ein, der dem jungen Werk erst das eigenartice Gepräge vnd die ungeahnte Entwi>lung geben sollte: Als Pastor von Bodelschwingh nach Bielefeld kam, befanden ih 25 Krarke in der Anîtalt. Etwa doppeit so vel waren es, als 14 Jaber spâter der Neu- bau bezogen wuide. Not uxd Licke d'ärgten \<nell vorwärts. Die Zahl der gleichzeitig ve1 pflegten Epiler- tien errelhte im Fahre 18375 daz erste Hundert, 5 Jahre später war sie hon auf 1090 gestiezen, und bei Begton des Wellkrieges batte die Zahl 2200 überschritten. Im ganzen siad bis beute 10 829 Epileptishe aufgenommen wrder. Zu ih'er Beschäfti- gung wurdeu im Laufe der Zeit zahlreiche Handwerksftätten und Be- triebe eingerihtet. Immer mehr wu<s tie Arstal? 11 einem felf- ftändigen Gemeinwesen mit eigener Wirtschaft, indem überall zwis>en den gesunden Pflegern und Helfern Kraake2 ihre Arbeit fanden. Seit 1882 fam zu der Pfleze der Da eo der Dieast an den2n, die Pastor von Bodelschwingh „setne Brüder yon der Landstraße" zu nennen pfleatc. Jn den Arbeitetkolonien Wilbelmsdorf in der Senne und Freiftait im hannaovershea Wietina?-Moor faaden Taasendz von S<h:forüchigen und He!lmallosen eine Zuflucht. Aus dieser Arbe't wou<sen CTrinkerheilstätten und Erztehungsöanjtalten mannig‘achec Ait hervor. Der Grumkesty der Anstalt vmfaj.t heute 10000 Veorcen. In eiwa 600 Häulern darunter die für die Bcamter- und Arbeitec- familien wohnen {nscesamt etwa 8000 Menschen. Das Geheimnis diefer \{<neDen Ausdehnung liegt nicht nur in der \>övferis{en erfönlidfeit dessen, den man, obwchl er erst 5 Jahre nah Bean der Arbeit in sle eingelireten is, mit Recht den Vater von Bethel raunte. Ec verstand vor allem, die rechen Menschen für de Mitarbeit zu gewinnen. Ste sammelten sh tcionders im Dia- ronissenbause Sar: pta und in der Diakovenanitalt Nazaretbh. Beltes find felbstêndige Anßalten mit eigener Verwaltung, aber durch manberl-i Bande der leitendea Personen und des gemeinsamen Dienstes aufs engite mit Bethel verbunden. Aebrlic<h ist dies ket den jüngeren Gliedern dieser großen Arbeitögeme!r schaft, der Ostafrika- Miifion und der Theologisen S(ule. Doß der alte Geist föh- lier und ta'kräftiger Hilssbereitihaft au< beute no<h lebendig i'?, hat der Kctegsdtenit von Bethel gez-igt. Ju seinen Lazaretten hab in diesen drei Jahren, während die alte Abeit an dn Kranken falt unve. äidert weitergeführt werden Tonnt:, shon mehr als 14 000 Verwundete Aufnahme gefunden.

FQuust uud Wiffcrnschaft.

Die Galerie ‘Eduard Schulte erôfsnete ißre Obioker- Aussteüung mit Werkcn von Hans Thoma-Karlsruhe, Heinr. von Züg-l- Münwen, Hars Borchardt- München, Robert Currr-München, Josse

Goossens - München, Carl Heßmaeit - Berlin, Ernst Liebermann-

München, Aibert Spethmany-München, Paul Thiem Siarnbero, Franz Triebsd:-Berlin urd Julie Wolithorn-Beilin,

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Mit der Frage, in wel<er Tiefe das Erdinnere plasti\< sei, beschäftigt sh V. Fcanz im legten (13./14) Hft der Halb- monatss<1ift „Das Wel'all* (Ferautgeber D:. Archenhold, Direktor der Tueptow-Sternwarte). Crt in @roßer Tiefe wird das Gestein infclge des auf ihm lastenden Dru>es derartig biltsam, daß < tie Erdschichten in mäHtige Falten 'egen können. Auch in diesen gla Ticfen ist die Ercrinte natörli< noŸ nicht plastis< für die m2r1b- lihe Hand, fie verhält fich aber vlastish gegenüber dem außero1denilih fta:ken Dre >,. wie man auh Elfenbein oder hartes Eisen durch die Dru>wirkung ne< häiteren Stakls formen karn. Ueber die Stärke des Druckes und über die Tiefe, dle zu geologis>en Umgektclturgen der Gesteinsmassea eiforderlt:h stnd, geben Untersu>uncen A1\{luß, die von F. D. Adams mit Soluhofeuer lithcg:aphi\<h:m S@iefer ur.d mit Granit angestellt hat. Es zeige <, taß der Kaltkiiein einem 24 Monate wnäbrenden Dru>k von 6750 kg, der Eranit sogar eincm sol>ez4 von 14000 kg widersland, ohne az< nur dkîe geringsten Form- berönderurgen crkennen zu 1assen. Da sol@e Drude erst in 24 bzw. 50 km Ttefe vorkommen, ia der auch die höher-n Wärrregrade des Gesteins etne wesentitHe ReVe spielen, muß'e au< die Temperatur bei den Untersuhungen ber >{<tige werden. Es zeiate si, daß der K1lkstein unter etnem Drue> voa 4500 kg bei 4500 uoveräadert blieb, bei einem Dru> von 6750 unga, bei gleihzc Temperatur nah 70 Sekunden abr ]<on ctwas umgeformt wude. Granit blieb dagegea vet 550° Hipe no< unveränder!. Die obigea Bedingun ten rearen für Kalkslein ia einer Tiefe von 16 km >geben. Nun {äßt man ziwrarc die Didke ter gesamten ErdschiWten au} 30 km. Die Sh:chten, zu denen ter Senthofer Schlefer gebört, baden aker in der späteren Sit b3<stens 6 km Eecde über 0 gebabt. Ferner hat das Gestein (iae heutige Hte erst aUmätl.< e:langt, und es ist dem hohen Drud dur< Millionea Jabre aus3zesezt gewesen. Wenu man dies bedeokt, so erscheint das Ergebnis der Versuche do< ungefähr den Voist-Uun, en der Geologen zu entsprechen und sie zu rehtfertiger.

Literatur.

Desterret<-Ungarns Volkswirtschaft im Weltkriege. Voa Dr. Mort Hub, Wien. (F-nanz- und voiktwirischastliche Hell fragen, Lerauagegeben von Reichsrat, Professor Dr. Georg von Schanz tin Würzburg, und Geheimem Ytegierungsrat, P: ofessor Dr. J1itus Wolf {n Betlin, 56. Heft.) 80 Seiten. Veriaà von Ferdirand Enlke, Stuttgart. Preis 3 4. Von der Eatwi>klung der wirtshaftlicen Verhä'tnifse der Donaumonar>(ie hat man in Deutschland währerd des Kricges mehr Kenntnis als ehedem genommen. Die Ausgestaiturg der Kriegêwirischaft erjo!gte in betden Reichen auf gleiher Grund- lage; füc die: Kriegführung, für dle B derung der Volksernährung, für die Aufrehterhaltung der wirtschaftlichen Arbeit im Lande galten pom ersten Tage des Krieges an die gleichen iele und dieselben Wege. Allerdings mat st{< die Verschiedenheit der wirtis{<zftli%:n Arbeit9bedingungen geltend, da in Oesterrelh-Uagaun die natürlien Voraussetzungen der Ernährung, in Deutschland bie Grundiagen der industriellen Arbeit günstiger litgen; aber eine gegenseitige Grgänzung und Hilfeleistung fördert die Grreihung des gemeinsamen Zieles. In der vorliegenden Schiift wird vem Standpunkt des Oeslerreichers, der in tem befreundeten Deutschland Interesse und Vers! ändnis*für die etgenartigen Verhältnisse dec Volkswirtschaft O-sterreih-Ungar:8 im Kriege erwe>en will, ein Ueberbli> über dieselben gegeben. Der Verfasser, volkswirtschattliher Shriftleiter der „Neuen freien Presse“, beginnt mit einer die Groebrisse der amtlien Statistik verwerienden Darstellung der -wirtshaftlihen Grundlagen beim Kriegsauebrute, erdrtert sodann vie Umstellung zur KriegowirtsGait ‘uud den gegen- wärtigen Zastand und behandelt im leyten Telle“ der Ssrift die oProdlune der Friedenswirtshaft". Einen breiten Raum nehmen die

Ausfü übr d'e GelcbesWufffung für den Kri-g, über Geld, E 9 Rzec<'elfu!6, die T 4 der Valuta e!n. Das Gesamiurtell, zu dem ter Werfaßec auf Gruno s-iner_ ziferamäßtgen Kentte!l nagen in ven jeder Beschönigung fretec Darstellung d-r wirt h filien und fi-anztele1 VBetbältnisse gelanat, ist bei aller Be- tonurg dcr großen Schwierigkeiten etn zuver sihtliches, weil Desfterreih- Ungarn noch reiche, uner! fene natürlide Hiliequellen besipe und die biaherige Entwicklunz wähiend der leyten zwei Menschenalter diz bere<igte H ffaung auf ein weiteres Gedelhen in einem gesiherten Frieden gestatte. >

udien . mit besonderer si$t auf ca Von Dr. Ernst Makai, Direktor Srelvertreter dec Üngacish»u Bank- vnd Hanbels. Aktiengesellschaft in Buyapest. (Finauz- und Volksroirtshaftlicbe Zeitfcazen, 37. Heft.) 77 Seiten. Verlag von Ferdinand Enke, Stutigart. Preis 3 46. In diesem Heft ist eine Reihe von Aufsôgen veceinigt, die die wirtshaft- Îtden, finanziellen und theoretishen Grundlagen des österreihis<h-unga- risen Währungswesens dem reichsdeutshen Leser näher bringen wolley. Es siad behandeut das „Soldproblem“, die Wectbeständigkeit der Valuta und die W-ri\<wankurg des Geldes im Inland und im ausländiïch.n Zah- luagöverkchr, die Valutapolitik der êsterreichis<-ungarishen Monarhte (Devisenpolitik der Notenbank, Effektenbewegung und Zahlungsbilanz der Monarchie, Goldbeweguna und Distontpol!tik), uz.ter der Ueber- \<rift „Das internationale Währungsproblem“ die tbeoretischen Grundlazen einer Wähcungsunior, die wirtscha1t!ichen und finanziellen Beziehungen und die Frage ciner währungepolitis<hen Annäherun zwischen Deutsland und seinen Berhündeten ; in einem leßten Fapite über „Zabli.ngsbilanz und Finanzpolitlk" werden die „finanziellen Hiadernisse der tnternztionalen Kapiralsanlagen“ und die „politishen Motive der auêländishen Kapttal3anlcgen“ erörtert. Der Vaifasser, eia überzeugtec MetaUist, ilt bestrebt, die von den Anhängern der ChHarzäálth-orie hinsi<ilih der Valutazpoluik der Donaumonar(hie ver- treter en entuegengefeßten Ansichten zu widerlegen.

Zur S E att der Preisbildung an der Gffekten- börfe. Von Alfred Lansburg h, Berllu. (Flinani- und voiks- wirts<aftlihe Zeitfragen, 38 Hest.) 48 Seiten. WBerlag von Ferdi- nand Enke, Stuttgait. Preis 1,80 4. Der Verfasser dieser Schrift beleud!et das Wesen und die wirts<haftlihe Auigabe der Wertpap!erböcse, Er suht nazuwetfen, daß das „effektenkapitalislische Prinzip“, das ih in der Böcse .veckörpert, in einem natürlichen und nit zu befeiticenden Gegcnsap zum „Schuyprinzip® stebe, z1 dem si die Regterungen aller Staaten mehr oder wenì er bekennen, weil #2 verhindern wollea, daß der „spekulative Instinkt breiter Volks kreise gewissenlos auegebeutet werde; und ec ist der Ansicht, daß in dem Schutbestreken meist danebengegriffen werde, indem bestimmle Formea des Börsenzeichästs und der PreisHildung privilegiert und andexe ers<wert wüiden (Kassa- und Termtnges<hät, starrer und beweglicher Kure), wal dadur<h gar nit der wirlliche Siörenfcied der Börse getroffen werde, der im Kredit zu erbliden sei. Die marktbiidenden Cigenschaften des Termingeschäfts, die unler dem Gesichtspunkt der Preisbildung wertvoll seien, würten dur das Eindringeu des Kredits genau so unwirksam gema<ht, wle die anders gearteten Vorteile, die dos Kassageschäft besißt, dur ten Kredit aufgehoben wünder. Deshalb kbcfurroortet der erfasser eine planmäßige Bekämpsung des Kreditübermaßes im Wertyapier verkehr, wie sie kurz vor dem Kriege bereits von tem Neichsbank-Präsidenten, wenn auÿ) a1s anderen Gründer, eingeleitet worden ist, fordeit feri er die Beseltigung tes Einflusses der Betetlizten bei der Préisdildung, tritt aber im übrigen dafür ein, daß ina der Börsenpolitik das „SHugprinzip* duch das „Abhärtungspcinztp“ ‘erseyt, d. h. daß das Volk daran gewöhnt werde, Selbstshuy zu üben, slalt si< auf den Schuß des Staates zu verlassen, der es doc) nicht vôlltg und nur auf Kotten der Zuverläisizkeit der Preisbildung vor Verlusten und Aut-

beutung \Hügen kön e. Verkehr8wesen. Durch neuerlihe Verfügung der militärishen Behörden ist der

Versand von Druckihrtitten nah Oesterreih-Ungarn bis

auf weiteres ve:suhaweise derart geregelt, daß die bisher geltenden Besitmmungen über die Dru>schr|ftenaustuhr auf Sendungen nah Oesterrei-Üngarn keine Anwendung mehr finden. Bücher und Dru>- \chri{teo, die im Jalande frei vert:teben werden können, bedürfcn also bet der Versendung na< Oesterreiß-Ungacrn ni<t_ mehr einer be- sonder:2n Ausfuh1erlaubvnis und sind von der Abstempelurgspfliht Betra Diese Regelung is jede< nur als eine widerrusli>e zu ctrachten.

(Fortseßung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

Theater,

Königliche Schauspiele. Sonnab.: Opernhaus. 204. Dauer- bezugsvorstellunz. Dienst- und Freipläge sind aufgehoben. Figaros Hochzeit. Komische Oper tn vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Texi r.a< Beaumarhais, von Lorenzo Daponte. Deutsche Üeberseßzung du'>g\ehen von H. Levi. Veusikalishe Leitung: Herr

Kapellu.eisler Dr. Sticdry. Spfelleitung: " Herr a<hmann. Anfang 7 Uhr. j S hauspielhaus. 206. Dauzerbezugsvorsielluung, Logik des

Herzeys Lostspiel i1 drei Aufzügen von Franz Blei. Spiel- leitung: Herr Oterspte! leiter Patry. Anfang 73-Uh-.

Sonatag : Opernhaus. 205, Dauerb-zugsvorstellung. Dienst- und Freipläge sind aufgehoben. Zum 200. Male: Aida. Oper in 4 Akten (7 Bildern) von G. Verdi. Text von Antonio Ghislanzoni, E 4 deutshe Bühne bearbeitet von Julius Schant, Anfang

r.

Sqauspielhaus. 207. Dauerbezucëvorstellung, _Dienst- und Freipläße sind autgehoben. Kyritz -Pyrig. _ Alt - Berliner Posse mit Gesang und Tanz in drei Aufzügen (5 Bildern) von H. Wilken und O. Justinus. Musik von Gustav Michaelis, Vorder: Zuc Weroung für die 7. Krtegsankleißhe: Zum ersten Male: Stahl und Gold. Anfang 7 Uhr.

Familiennachricteu,

Geboren: Ein Sohn: Hry. Landrat von Gy (Waldenburg i. Schief.) Eine Tochter: Hrn. Professor Dr. meo, Lozhar Dreyer (Breslau). Hrn, Oberlehrer Dr. Böhm (Brig).

Gestorben: Hr. Pastor a. D. Cal Nehl (Breolau). Geheime Medizinaliat Pauline Cimbal, geb. M'x-

r. Gabriele NReichsgräfin ton Moltke, geb. Matte ilmerdsdc ri). ; i V

Vas Scriftleiter: Direktor Dr. T y rot, QHaraot

erantwortlih für den Anzeigenteil: Der Vorsteher dex Ges{äfl

MNechnungsrat M engerin Bei ic Verlag der Geschäftsstelle (Menger i n g) in Berlin.

Drud> der Norddeutshen Buchdru>erei und Verlagsanstalt, Berlin, Wilhelmstraße 3%...

Fünf Beilagn | (efns{ließlid Warenzeichenbeilage Nr. 77) “j {vie die 1647, und 1648. Ausgabe der Deuischen'

Vexlastlisteu.

_dmt dos Jnnern die.-

eine solde Zusammenfassung der auswärtigen Handelsbeziehungen

zuin:Deutshen Reichsanzeiger und Königlich Preu

Parlamentsberi<ht. - 118. Sißung vom 26. September 1917. Nachtrag.

Die Rede des Staatssekretärs des Reichsschat Grafen von Roedeérn , die gestern wegen e Ein: gangs des Stenogramms nicht veröffentlicht werden fonnte, lautet: : Meine Herren! Der Nachtragsetat, den die verbündeten Megie- rungen dem hohen Hause vorgelegt haben, und den ih die Ehre habe, mit einigen Worten hier einzuführen, betrifft die Veränderungen bei vier Zentralbehörden des Reichs. Zunächst beim Etat des Reichs- fanzlers. 3

Dort ist, wie Sie der Vorlage entnehmen wollen, die Steile eines allgemeinen Stellvertreters des Reichskanzlers vorgesehen, los- gelöst von den übrigen Ressorts, losgelöst insbesondere vom Neichs- amt des Innern, mit dem gewohnheitsmößig die Stellung bisher ver- fnupft war. Meine Herren, die Stellvertretung des Reichskanzlers beruht auf dem Geseß von 1878, insbesondere dem $ 2. Durch den Krieg, durh Vorbereitungen für die Uebergangswirtschaft, dur< Ver- handlungen mit Heer und Marine ist die Tätigkeit des Herrn Reichs- fanzlers außerordentli stärker in Anspruh genommen, als es im Frieden der Fall war. Vor allen Dingen ergeben sich für den Herrn Reichskanzler in sehr vielen Fällen Aufgaben der Zusammenfassung der Arbeit der einzelnen Ressorts. Derartige Fragen werden in nächster Zeit in größerer Zahl auftauchen, sie werden auch in absehbarer Zeit nicht von der Tagesordnung vershwinden. Ich erinnere an die be- seßten Gebiete, bei deren Verwaltung Militärverwaltung einerseits, Auswärtiges Amt andererseits und Reichsshaßamt beteiligt sind. Jch

erinnere an die künftige Regelung unserer Handelsbeziehungen, an der

beteiligt sein werden das bisherige Reichsamt des Innern, das Aus- wärtige Amt und nicht zum wenigsten das Reichsschaßamt. Jh er- innere {ließli< an die Valutafrage, bei der im wesentlichen auch dic eben von mir genannten Ressorts beteiligt sind. Wie ih {on sagte, ergibt sih auf allen derartigen Gebieten sehr häufig die Notwendigkeit

| gemeinsamer Verhandlungen der Ressorthefs, und nah unserer Ver- | fassung wäre es das Gegebene, daß jedesmal bei derartigen Verhand-

lungen, sobald sih Differenzen ergeben und solche können natürlich jeden Moment eintreten —, der Reichskanzler den gemeinsamen Vor- trag der verschiedenen Ressorts entgegennimmt. Da dàs nun in ab- sehbarer Zeit niht immer möglich ist ih weise auf die Fälle der Abwesenheit im Hauptquartier und auf die starke Jnanspru<hnahme

| in auswärtigen Angelegenheiten hin —, glaubten die verbündeten

Regierungen Ihnen die Stellung eines von den übrigen Ressorts lo3- gelösten Stellvertreters des Neithskanzlers vorschlagen zu sollen. Dabei ist jedoch nicht beabsichtigt, an der bisherigen re<tli<en

| Grundllage des Stellvertreters etwas zu ändern. Insbesondere soll

kein VorgeseŸtenverhältnis für den allgemeinen Stellvertreter des Reick6kanzlers zu dew übrigen Chefs der NReichsämter eingeführt werden. Auch die von den Reichéamterw dem Reichskanzler vorzu- legenden Sachen sollen nicht bei dem allgemeinen Sitellvertreter dur<- saufen, der Verkehr \oll vielmehv wie büsher unmittelbar zwischen Reidl\sämtermn und Reichsfkänzler stattfinden. Meine Herren, ich er-

| wähnte schon, daß die Rechitslage der Sitellvertretung auf dem $ 3

des Geseßes von 1878 beruht. J< bitte um die Erlaubnis, den Jn- halt mitteilen zu dürfem; er fist für die Beunteilung der ganzen

Rectslage nichb ohne Bedeutung. Es heißt bort:

Es kann ein Sitellvertreter allgemein für dew gesamten Um- fang der Geschäfte und Obliegenheiten des Reichskanglers ernannt werden. Auch können für diejenigen einzelnen Amtszweige, welche sich in der eigenen und unmittelbaren Verwaltung des Reiches be- indem, die Vorstände der dem Meikskanzler untergeordneten obersten Reichsbehörden mit der StePvertretung derselben im ganzen Umfange oder in einzelnen Teilen ihres Geschäftskreises beauftragt werden. : (

Auf Grund dieser Bestimmungeu ast bisher sämillichem Staats-

| sekrotären der Reichsämiter die Stellvertretung des Reichökanglers für

den Umfang ihres Geschäftskreises übertragen - worden; für die jewei- ligen allgemeinen Stellvertreter ist regelmäßig eine besondere Order ergangen, die zurzeib boi dem feigen Inhaber des Amtes, wie auch in früheren Fällen, den Zusaß enthält, daß die Stellvertretung allge- meiner Natur nur ânsoweit eingreift, als nit im einzelnen Amis8- iweigen Vorstände der Reichsämter mit der Stellvertretung beauf- tragt sind. Jch wiederhole, daß an diesem Zustand nichls geändert werden soll, daß insbesondere au< eine Entscheidungsbefugnis dem allgemeinen Stellvertreter gegenüber den - anderen Ressorts nt eingeräumt werden oll, daß es si<h vielmehr darum hantelt,” eine persönlliche Gntlastung des Herrn Reichskanzlers herbei-

Wührven einerseits in den vorbereitenden Stitadien dev Verhand- lungen, andererseits aber au auf einer ganzen Reihe vow Spezial-

ieten, wo si in allernädsster Zeit Aufgaben in Fülle ergeben

'; werden, |

Meine Herxen,” i barf - dann : zu - dem zweiten Vorschlag, der eilung des Neichsamts des Innern, übergehen. Sie wissen, s

| handelt sich um éine Erörterung, die {on Jahrzehnte hindur durch

tieses hohe Haus gegangen ist. Die bisherige Diskussion der Frage

| tiner Teilung des Reichsamts des Innern bewegte sih in doppelter

Richtung. Einerseits wurde der Vorschlag gemacht, von dem Reichs-

| mt des Jnnern die soziale Gesetzgebung und Sozialpolitik abzu- trennen und einem besonderen Amt lediglich für Sozialpolitik zu

Werweisen. Der and Gedankengang ging dahin, aus dem Neichs-

*Aindelsabteilung heraußszunehmen, aus dem Auswärtigen Amb die handellspolitische Abteilung und aus dem Reihsshaßamt die - Abteilung, in der die Zolgesebgebung be-

| handelt wird, und diese Abteilungew in einem solhen neuen Amte il vereinigen. ; :

Meine Herren, mik wenigen-Wortew mte i zuächst auf diesen

| lehten Vors lag eingehen. Es ist no< in diesem Frühjahr von dem

Verrn Stellvertreter des Reidéfanzlers darauf hingewiesen worden,

Erste Beilage

reu

Berlin, Freitag, den 28. September

in sinem eigenen Reichshantels8amt bei der Konstruktion der übrigen Aemtev undurchführbar sein werde. Es ist darauf hingewiesen worden, daß dann die gesamte Handelsvertretung au< vom Auswärtigen Amt auf dieses neue Amt übergehen werde, und daß die Verbindung des Kon- sulatswesens mit den Votschaften, mit den Gesandtschaften so eng ift, daß eine solche Trennung von der vorgeseßten Jnstanz zu unerträg- lichen Zuständen führen müßte. J glaube, daß dieser Gedanken- gang auch vom hohen Haufe als richtig anerkannt worden ist, und i< möchte dieselbe Unmöglichkeit auch für eine Abtrennung der Zoll- geseßgebung vom Neichéschaßamt aus\prehen. Meine Herren, die Regelung der Zollbeziehungen mit dem Auslande die Zollgesehz- gebung lassen si< meines Erachtens nicht von lder Zollverwaltung trennen; sie lassen sich aber auf der anderen Seite au niht von dem gesamten Gebiete der indirekten Steuern trennen. Ein großer Teil der Aufgaben, die jeßt das Reichsshaßamt auf diesem Gebiete hat, müßte ihm erhalten bleiben; es müßte zum mindesten im Korreferat hierbei mitwirken. Wir würden doppelte Arbeit schaffen, und i kann das nit für praktisch balten.

Der andere Vorschlag der Teilung in ein sozialpolits<es Amt und ein sonstiges Reichsamt des Innern einschließli der Wirt- schaftsangelegenheiten ist au< in diesem Frühjahr hier eingehend er- örtert worden. Jch glaube mich zu erinnern, daß auch damals dieser Vorschlag nicht die Zustimmung der Mehrheit des hohen Hauses gefunden hat, weil sich große Teile des Hauses auf den Standpunkt stellten, daß Wirtschaftspolitk und Sozialpolitik wuntrennbar ver- bunden wären. Jch erinnere da an die UVeberschneidungen, die an vielen Stellen beim Wirtschaftsreht und bei, dem Arbeuterveht für das Gebiet der Sozialpolitik vorkommen. Jch glaube, daß es gerade im eigenen Interesse der Arbeiter liegt, wenn die Sozialpolitik in einem Amt mitder Wirlschaftspolitk des Deutschen Reiches vereinigt bleibt.

Der hier vorliegende Vorschlag siebt eine andere Lösung der Frage vor. Er trennt vom Reichsamt des Innern Wirtschaftspolitik und Sozialpolitik ab und vereinigt sie in ein neues Amt, Dem ver- kleinerten Reichsamt des Innern würden dann bleiben die Fragen der Verfassung, die sonstigen \taatsrechtlichen Fragen, die Fragen der Polizei und die kulturellen Aufgaben, die in diesem Amt vereinigt sind. Es würde also ungefähr der Kreis der Aufgaben sein, die: bei den Einzelstaaten im Ministerium des Innern und in den Kultus- ministerien vereinigt sind. Auch dieser Aufgabenkreis wird in abseh- barer Zeit groß bleiben. Jch weise daraufhin, daß die Fragen der Verfassung, des sonstigen Staatsrechts, daß die Fragen der Kriegs- leistungen, daß versdüedene andere militärische Fragen, die jeßt im Reichsamt des Innern bearbeitet werden, weiter erhebliche Arbeit verursachen müssen. Jch glaube deshalb, daß diese Tätigkeit, die sich auh no< auf die beseßten Gebiete zw erstre>en haben wird, in ab- sehbarer Zeit den Umfang eines Amtes voll ausfüllen kann.

Nicht zu verkennen ist dabei, daß der Aufgabenkreis des Reichs- wirtschaftsamts ein sehr viel größerer sein wird. Deshalb sehen Sie in dem Ihnen vorliegenden Vorschlage, daß für dieses Amt zwei Unterstaatssekretäre vorgesehen sind. Den Wünschen, der Sozial- politik, deren große Bedeutung gerade nah dem Kriege die verbün- deten Regierungen nicht verkennen, eine besondere Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen, ist dadurch Rechnung getragen, daß die sozial- politischen Abteilungen unter einem . besonderen Unterstaatssekretär zusammengefaßt werden sollen.

Eine weitere, wenn auch nicht so erhebliche Entlastung des Chefs der neuen Behörde soll dadurch eintreten, daß das Patentamt in das Reichsjustizamt übergeführt wird. Auch hier folgen die verbündeten Regierungen einer Anregung, die noh bei den leßten Debatten hier im Reichstage aus dem Hause selbst hervorgegangen ist. Das Patent- amt ist immerhin eine große Behörde, und ich glaube, daß seine Ueberführung an das Meichsjustizamt den Vorwurf einer gewissen Blutleere, der auh hier aus dem Hause stammt, in etwas zu besei- tigen in der Lage ist.

Meine Herren, bisher hatte das Reichsjustizamt keinen Unter- staatssekretär, unterschied sih in dieser Konstruktion von sämtlichen anderen Reichsämtern, die, wie Sie wissen, ein oder zwei Unterstaats- sekretäre haben. Wir haben infolgedessen Jhnen den Vorschlag unter- breitet, dem Reichsjustizamt mit Rücksicht auf den vergrößerten Wir- kungskreis nun einen Unterstaatssekretär zuzuteilen.

An dritter Stelle darf ih auf die Vorschläge, die bezüglich des Reichs\chaßamts gemacht worden sind, eingehen. Der Aufgabenkreis des Reichsschaßamts hat sih vielleiht in höherem Umfange als bei irgend einem anderen Reichsamt während des Krieges vergrößert. Das Reichsamt des Innern war vor dem Kriege schon eine unförmlich große Behörde. Jch fürchte, daß das Reichsschaßamt dasselbe Bild nah dem Kriege darstellen wird... Jh brauhe Sie an Jhre eigene Mitarbeit auf den verschiedenen Gebieten, die das Reichsschaßamt be- treffen, kaum zu erinnern, an die Anleihewirtschaft:einerseits,. an .die

«Steuern, : die’ hier im*Hause E M des Krieges beschlossen worden *sindtund*nun durchgeführt? sein V “denen- wirtschaftlichen; Unternehmungen, an ‘denen’ das. Reich sich: wäh-

len, an die Kontrolle der verschie-

rend: des Kdieges beteiligt hat. Der Etat. und die wirtschaftlichen Auf- gaben, von denen ih soeben gesprohen habe, wurden, als ih im vorigen Jahre das Amt übernahm, in der Etatsabteilung, der orsten Abteilung des Reichsshaßamts, zusammen behandelt. Diese Arbeit hat sih auf die Dauer nicht mehr vereinigen lassen, gerade die Etats- abteilung hat während des Krieges eine große Anzahl neuer Auf- gaben ‘bekommen. Jch hebe hervor die fortgeseßte Arbeit auf dem Ge- biete der - Kriegsfinanzierung mit der Militärverwaltung zusammen. Jch erinnere daran, daß die Gehaltsaufbesserung nud die Familien- unterstüßungen sehr erheblihe Arbeiten gemaht haben, und ih darf au< darauf hinweisen, daß voraussichtlih alle diese Aufgaben un- mittelbar nah dem Kriege die erste Abteilung in verstärktem Maße belasten werden. Meine Herren, nah dem Kriege handelt es sih für diese Abteilung um die Neuaufstellung des Heeres- und Marineetats, um Neuerungen auf dem Gebiete der Besoldungsgeseßgebung, auf dem Gebiete der Pensionsgesebgebung. Die Hinterbliebenen und Jn-

hishe Staatsanzeiger:

1917.

validen werden in bezug auf die Versorgung®geseße weiter zu bez handeln sein. Und die Schuldenwirtschaft brauche ih kaum an leßter Stelle noch besonders zu betonen. Es war deshalb nicht möglich, dea Leiter dieser Abteilung mit den großen speziellen Aufgaben der Bez teiligungen an den Wirtschaftsunternehmungen zu belasten. Diese Beteiligungen werden auch na< dem Kriege in erheblichem Umfange bleiben. Die Beteiligung an der Stickfstoff- und die Beteiligung an der Aluminiumherstelung wird für das Reich daran zweifle ih niht eine dauernde sein. Schon die in den neuen Anlagen in- vestierten Kapitalien weisen darauf hin. Auf Jahre hinaus wird aber auch die Beteiligung auf dem Gebiete des Ernährungswesens und eine ganze Neihe anderer Beteiligungen bleiben. Die MNeichs- finanzverwaltung hält es deshalb für richtig, diesen Aufgabenkreis einer besonderen Wirtschaftsabteilung unter einem besonderen Leiter zu überweisen. Aus der zweiten, die Steuern behandelnden Abtei lung des Reichsschaßamtes hat sih schon im Laufe der leßten Jahre eine dritte Abteilung losgelöst, in der Stempelsteuern, Erbschafts- steuern, Besißsteuern bearbeitet werden. Zu diesem Kreis der Auf- gaben ist während des Krieges no< die Warenumsaßsteuer getreten. Jch zweifle nicht daran, daß nach dem Kriege gerade dieser Abteilung sehr erheblihe neue Aufgaben zuwachsen .werden. Sie wurde bisher geleitet von dem Unterstaatssekretär, ohne einen besonderen Direktor. Jch halte es für erwünscht, daß die Etats- und Wirtschaftsabteilungen in Zukunft zusammengefaßt werden unter dem bisherigen Unterstaats- sekretär, und daß die Abteilung der Stempel- und Besißsteuern, die dritte- Abteilung, einen neuen Unterstaatssekretär als Leiter bekommt. Einen Unterstaatssekretär aus dem Grunde, weil zwischen der zweiten und dritten Abteilung meines Erachtens gerade für die Zeit des Ueber- ganges ein innerer, enger Konnerx bestehen bleiben muß. Ich wieder- hole, in der zweiten Abteilung werden die indirekten. Steuern, die Zollgeseßgebung, in der dritten Abteilung wird das Gebiet der direkten Steuern, Erbschaftssteuern, Stempelsteuern behandelt. Aber es han- delt sih immer um denselben Steuerpflichtigen, der {ließli<h zahlen muß, und da erscheint es mir in hohem Maße erwünscht, wenn über diesen beiden Steuerabteilungen ein leitender Unterstaatssekretär steht.

Meine Herren, es sind Ihnen ferner Vorschläge bezüglich vier vortragender Näte gemacht worden. Die neuen Abteilungen enthalten außerordentlih verantwortungsvolle Aufgaben, die ih na< meinen bisherigen Darlegungen wohl nicht wieder näher darzulegen brauche. Es erscheint niht erwünscht, hier ständig mit Hilfsarbeitern zu wirt- chaften. Die Neichsfinanzverwaltung {lägt Ihnen deshalb vor, vier Vortragenderatstellen entsprehend der Neuschaffung der Abteilungen zu bewilligen.

Das Ihnen an zweiter Stelle vorliegende Besoldungsgesehß stellt lediglih formale Konsequenzen aus dem Ihnen vorliegenden Nach- tragsetat dar.

Meine Herren, mit der Bitte um Prüfung und Annahme dieser unserer Vorschläge lassen Sie mich noch eine andere Bitte verbinden.

Der Herr Präsident hat in dankenswerter Weise vorhin {hon auf

die siebente Kriegsanleihe hingewiesen. Jch spreche au<h meinerseits die Bitte aus, daß die Herren Reichstagsabgeordneten die Neichs- finanzverwaltung in der Aufklärungs- und Werbearbeit in derselben Weise unterstüßen mögen, wie sie das bei der leßten Anleihe getan haben. (Bravo!)

Nichtamtliches.

Parlamentarische Narichten.

In dem Verfassungsaus\chuß des Reichstags er- flärte der Ministerialdirektor im Reichsamt des Junnern Dr. Lewald zur Frage der Beseitigung des Artikels 9 Sag 2 der Reichsverfassung laut Bericht des „Wolffschen Telegraphenbüros“ :

er Bundesrat habe zu der Frage no< ni<t Stellung g2- nommen. Er empfchle n:ben der von dem Vertreter der fott- \shrittlihen Volkspartei angeführten Literatur au< die kürzlich ershienene Schrift des Profenors Dr. Kaufmann in Berlin „Bismarcks Erbe in der NReichkvezrfassung*“ zu berü>ksihtigen, die den A:tikel 9 Sah 2 für eine der wichtigsten Besttmmungen unseres Grundgesezes erkläre. Auch er glaube, - daß die Streichung der Bestimmung die wit Veränderung der Verfassung seit ibrem Bestehen darstelle. Falke diese Schranke, so könne die Ent- wi>lung dahin führen, daß der Bündesrat künftig nur noh eine Projektion des Reich3tages sei, äbnli< wie der Haushaltsausf<huß einen fl-inen Reichstag darstelle. Trete dies ein, dann set die Ver- fafungsbestimmung, daß die Reichsgesetgebung dur< den Bundesrat und den Reichstag ausgeübt werde, bedeutungslos, und das Reich werde alleia dur< eine Kammer, den MReichstaq, gelenkt. Der Bundesrat, der die Zusammenfassung des Willens von 25 Staaten darstelle, könne mit der Regierung eines Etuheits\taates niht verglihen werden. Auh in der Schwetz könne eln Mitglied - des -Bundesrats - niht dem Stände- odec Yättonalrat an- gehören. Entsprechende Bestimmungen bezüglih der Unvereinbarkeit der Stellung als Senator und als Abgeordneter beständen in den Vereinigten Staaten von Amerika. Der Bundesratsbevollmächtigte stimme na . den Jnf\truktionen“ seiner ; Regierung. Act. 29 der Verfassung \Hreibe aber für die Mitglieder des Neichstags aus- drü>lih vor, daß sie an Aufträge und Instruktionen nicht ebunden seien. Wenn geäußert sei, die Stellunz der Staats- efcetäre müßte eine andere werden, sie müßten unabhängig voa der JInsteuktion der preußi\hen Regierung werden, so set dieser Wun im Rahmen der Verfaffung unerfüllbar. Jeder Bundesratsbeyoll- mächtigte könne nur so abstimmen, wie er von seiner Reaierung instruiert sei. Man müsse fich klar machen, daß aus der föderalisti\h?n Grundlage d:s Reiches wichtige und bedeutsame Rehte der Einzel- staaten folgten. Vielleiht \<heine es manchem, als habe dte A- \{affung des Artikels 9 D 2 keine unmittelnare praf'ishe Be deutung. In Wahrheit handle es si< aber um die Umschaffurg des gegenwärtigen Verfassungszustandes zu Gunsten eines neuen. Es müsse fraglih ersheinen, ob alle, die jept für die Lenderung seien, ih auch dieser Neugestaltung bewußt seten und si: herbeizuführen wüaschteo. |

Der Verfassungsaus\{huß nahm mit 15 gegen 12 Stimmen die von den Nationalliberalen, der fortschrittlihen Volkspartei und den Sozialdemokraten beantragte Streihung des Schluß-

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